Joined September 2016
  • Feuerwerk der Turnkunst SPIRIT 2023

    January 10 in Germany ⋅ ☁️ 5 °C

    Eigentlich sollte das seit einigen Jahrzehnten existierende, in verschiedenen Hallen verschiedener Städte ausgetragene Spektakel bereits letzten Januar unter dem Showtitel "Hard Beat" in der Rothenbach-Halle in Kassel stattfinden. Die Pandemie setze der knapp 2000 Zuschauer* bergenden Veranstaltungen einen Strich durch die Rechnung, sodass die lang ersehnte Show in diesem Jahr ganz im Zeichen von "Spirit" stand, was mir thematisch besonders in die Interessen spielte.

    Obgleich ich dachte, dass beim Feuerwerk der Turnkunst bloß Kunststücke in nüchternen Halle präsentiert werden, wurde in der fast 3(!) stündigen Show die für die Handballspiele bekannte Rothenbach-Halle in einen magische Ort mit klangvoller Liveband, Videoinstallationen, spektakuläre Lichtshow und vielseitige Deko-Elemente verwandelt und entzaubert so auch die Zuschauer*.
    Ent - oder verzaubert trifft es hier ganz gut, spielten sich die erstmals in ein Story Telling (mehr oder weniger gut) eingebundenen Acts doch, gemäß dem Titel SPIRIT, in einer zauber- und märchenhaften Kulisse ab.
    Mit Fantasiepflanzen bedruckter Turnboden, ein von Efeu und Kunstpflanzen gesäumter Flügel (also das Instrument), Schlagzeug und Mikrofonständer, der ca 8 köpfigen Band "The Peppers", die sich an den Ecken gegenüberstanden , prägten das Bühnenbild.

    In Anbetracht der Tatsache, dass die Halle wirklich riesig ist, wie seitlich der Bühne weit unten saßen und es sehr viel Abstand zwischen gerade beschriebener Kulisse und den ersten Sitzplatzreihen gab, war ich anfangs etwas enttäuscht und zweifelte, ob in einer solchen Halle Stimmung aufkommen kann (zumal ich zufällig ja erst den Vergleich mit Flic Flacs epischem Zirkuszelt hatte).
    Doch spätestens die ersten, atmosphärisch von der Decke hängenden Tücher und das sich an einem Ring in der Mitte windende "goldene Wesen" (Turnerin Charlotte des Duo LuC) bewiesen das Gegenteil. Auch eine ungemütlich wirkende Halle kann mit modernster Technik und der selektiven Aufmerksamkeit der Zuschauenden in fremde und erstaunliche Welten entführen.
    Diese waren nach einer sehr offiziellen und lokale Turn- und Sportverbände geprägten Eingangsrede geprägt von der episch erzählten Geschichte des goldenen Wesens, welches in einen fabelhaften, wundersamen Wald (ja, es wird tief in die Trickkiste kitschigen Märchen Jargons gegriffen, klang gut, mangelte manchmal an wirklich tiefer Story ;) aus fantasievoll gekleideten Akrobaten kam. Diese Akrobaten Rahmen mit spektakulären Choreographien und sportlichem Tanz und ganz in der Turn Manier vielen Schnörkeln - manchmal ein bisschen zu überladen - die Turnkunst der Acts, die von Acro Yoga Duos über Handstand und Jonglage Meister* bis hin zu imposanten Flugkünsten an Vertikal Pole oder Tuch, an Reck, Ring, Ringen oder am Boden.
    Auch wenn es dir zappelnden Akrobaten gut meinen Geschmack nicht bei jedem Act in dem Ausmaß gebraucht hätte, boten sie ein phänomenales Gesamtbild und bewundernswerte Aufeinanderabgestimmtheit.

    Meine Favoriten waren definitiv die Flugnummern der Scandinavian Boards (6 Männer auf Trampolinen, siehe Video unten, die unsagbar elegant stunt beherrschen) die Flugnummer von Duo Rings samt romantischem Song und die 3 Akrobatinnen Trio Bellísimo und die damit einhergehende Feststellung, dass viele Sportlerinnen nicht nur extrem sportlich sondern irgendwie auch total weiblich, elegant und sexy sind (obgleich meine eigene Sportlichkeit im Extrembereich eher so männliche Anteile in mir aktiviert.)

    Doch auch die weibliche Kassler Turngruppe und damit wieder Herstellung eines örtlichen Bezuges erfreute mit sehr hohen Niveau und Mitfiebern mit den jungen Mädels. die gewagte, manchmal nicht ganz fehlerfreie und demach pulssteigernde Stunts auf einem Balken absolvierten.

    Gut, dass es eine Pause gab.
    Insgesamt eine geniale Show.
    Eine suboptimale Location.
    Recht wohlhabend wirkendes, altes (und gar nicht mal so sportlich anmutendes Publikum.
    Und leider nur eine Bierbude und nebst überteuerten Kartoffelecken (die ein armer Standverkäufer ganz alleine auf der mit Bratwurst beschriftenen, verheißungsvoll qualmenden Grieschäfer-Bude rausragte) nur Bratwurst und Gulasch! Ernsthaft? Wir leben im 21. Jahrhundert, Klimakrise und Massentierhaltungsproblematik sind keine Fremdworte mehr, es ist ein sportliches Event, wo auch Zuschauende sich tendenziell für Bewegung, Gesundheit und bewusste Ernährung interessieren könnte. Oder bin ich da so andersartig in dieser Bubble oder Einschätzung?
    Fand es jedenfalls ein Unding, erstens, wie bei einer derart pompösen, viele Gelder einspielenden Veranstaltung das Catering umgesetzt wurde (unterbesetzt, falsch beschriftet und zweitens was es gab (keine veganen oder gesunden Angebote).

    Immerhin war die Show nährend genug.
    Obgleich nicht so rund und fetzig wie die Flic Flac Darbietung, dafür verschnörkelter, kitschiger aber auch talentierter, auf Turnen spezialisierter und noch mehr Menschen und lokale Gruppen inkludierender.

    Sie ist und bleibt eine Empfehlung auch als Geschenkidee! 😊 ♥
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  • Das 13. Festival der Artisten- Flic Flac

    December 27, 2022 in Germany ⋅ 🌧 8 °C

    Flic Flac- als unübersehbares gelb-schwarz gestreiftes Zirkuszelt thront es seit Jahren majestätisch zur Winter- und Weihnachtszeit u.a. auf dem Friedrichsplatz in Kassel, ist also kein Geheimtipp oder so.
    Trotzdem fragte ich mich nach meinem heutigen Spontanbesuch mit einem alten Freund und dessen Freundin, wie ich nach meinem ersten und letzten Besuch im Jahr 2016 (!) dieses Meisterwerk von Zelt, Technik, Show und Artistenkönnen so lange vergessen konnte. 24Euro ermäßigt und die drei letzten, höchsten seitlichen Plätze, die es im Saal gibt, die aber der Show keinerlei Abbruch taten, brachten in jeglicher Hinsicht Licht in meine, dieses Jahr besonders, dunklen Wintertage. Und die Motivation endlich mal wieder zu schreiben, was man in solchen dunklen Zeiten zwar manchmal am meisten bräuchte, aber am wenigsten tut 🎪

    Der Geruch von Popcorn, sanfte Aufregung in der Luft, schicke, erwartungsvolle Menschen, Familien und Pärchen, die beim Eintritt in das Zelt in gedämpfte Wände und die prickelnde Stimmung verstärkende Schwärze gehüllt werden. Dann zu den Rängen drängen, auf denen bis zu 1500 Menschen bei eine der beiden täglichen Shows Platz finden. Und dann ein Debakel, welches mich die ganze Schwere der letzten Wochen, in denen deprimierendere WinterBlues, Grippe, Corona und Schlappheit (bei vielen Menschen) , Liebeskummer, Produktivitäts- und Aufstehprobleme, Wetterchaos und globale Krisen am Gemüt nagten, kurzzeitig komplett vergessen ließ.
    Auch wenn in Anbetracht der globalen Krise ein Teil in mir denkt, er dürfe sich sowas irgendwie nicht gönnen, ist ein anderer Teil unfassbar dankbar für derartige Momente. Und beim magische Momente kreieren trumpft der im Jahr 1989 ganz klein gestartete und heute renommierte Zirkus auf diversen Ebenen: geniale Soundqualität und stimmungsvolle Songauswahl, reibungslose Übergänge, imposante Lichteffekte und nicht zuletzt unglaubliche und unschlagbare Performances der Artisten* und Akrobaten*, bei denen Individual-, Partner - und Gruppenperformances sich abwechseln. Von waghalsige (zB durch brennende Reifen mit geschlossen Augen springender Athlet "Aruba" ) über erstaunliche (zwei Frauen "Body Trapez") oder ulkige Nummern (zwei Männer die sich in "Naked Lunch" komödiantisch und stilvoll nackig machen) ist alles dabei.
    Bis auf bei Letzteren sind die Outfits dabei on point, stimmungsverstärkend und episch gestaltet (was an der hauseigenen Schneiderin liegen könnte).

    Und ja, es geht auch provokant bis dezent sexuell zu.. In diesem Zirkus...wenn man sich die Intensität der sich kaum bekleidet umeinander windenden Ungarnerinnen des "menschlichen Trapezes" vor Augen führt. Beide Haare offen. Dazu ein sinnlicher Song und die im Zuschauer aufkommende Frage, ob das wirklich so kindgerecht ist hier. Und ob man das sexy finden darf.
    Etwas sexuell bzw. eher sexistisch mutet die Tatsache an, dass die Frauen meist die eleganteren, sinnlichen, schwächeren Rollen spielen, während die männlichen Artisten wilder, stärker und krasser sind.
    Immerhin bestehen - wie die Männer auch- die Frauen nur aus Muskeln und in Kombination mit ihrer Leistung drücken diese alles andere als Schwäche oder Unterlegenheit aus.
    Obgleich mir diese dezent klischeehafte Einteilung kurz aufstößt und ich mich auch frage, ob es Backstage bei einem solch großen Zirkus wohl Sexismus gibt, wie wir ihn leider aus der Filmbranche kennen, sind die Künstler* voll in ihrem Element. Warum ihnen dieses absprechen? Und unsere zunehmend aufgeklärtere und sensiblere Gesellschaft (zumindest in meiner Blase!) ist auch bei derart hochklassiger Unterhaltung noch vom Pimmelwitz angetan, wie die Zaubernummer des Moderators Charlie Martin beweist.

    Flic Flac gelingt somit eine enorme Vielseitigkeit an Nummern und eine erstaunliche Internationalität allein aufgrund der Herkunft der Mitwirkenden einerseits und örtlicher Bezug (in diesjährigem Fall zu Joseph Beuys, "jajajajaj, nenenene", den man sich zuindest als Outro hätten sparen können ;) andererseits und auch erstaunlich viele deutsche, sehr kultige Lieder.
    Auf die gespannte Stille am Anfang folgt ein Einstieg mit großem Tam Tam und ein Abend der den Spagat schafft, klassische Zirkuselemente mit innovativem, eigenen Stil oder Attitüde, die sich als rockig, roztig provokant beschreiben lässt, zu kombinieren. Flic Flacs Markenzeichen. Was besonders eindrücklich wird, wenn man sieht, wie unfassbar cool und lässig z.B. Jongleur Sven Folco hier auftritt. Bei einer vollen Konzentration erfordernden Tätigkeit, die meist das Gegenteil von Coolheit bedeutet rockt er mit einem Trainingsanzug , umherwirbelnden Tennisschlägern und einer großen Portion Charme.

    Endlich mal wieder mit voller Konzentration bei etwas sein, sich fallen und mitreißen lassen zugleich, sich fesseln und beflügeln lassen, etwas nicht sehen wollen und absolut nichts anderes sehen wollen zugleich.
    Ja mit waghalsigen Shows, die beim Zugucken wehtun, verhält es sich offenbar wie mit Unfällen. Und auch davon gab es leider in der Mittagsshow welche, sodass ein Artist im Krankenhaus landete. "Vom Todesrad gefallen. Nur ein paar Prellungen, jaja, der steht nächste Woche wieder auf dem Todesrad" wie wir von der Mitarbeiterin am Merchstand erfuhren. Puh, alles hat seine Kehrseite. Und wie es sonst so hinter den Bühnen zu geht, fragt man sich nach einer derart glamourösen und unvergesslichen Show.
    Ob dieser Zirkus wie eine riesige Familie ist? Beim Voting, welches die Artisten* sehr gebannt verfolgen weil sie am Ende der Saison 1 von 3 Preisgeldern gewinnen können, sprachen wir mir einem "Helldriver" bzw. versuchten es, da er nur Spanisch sprach.
    Kaum vorstellbar, wenn alle Artisten* verschiedene Sprachen sprechen und divergenten Kulturen, Traditionen und Lebensweisen entspringen. Obwohl, inwiefern gibt es Raum für all das? Wenn alle schätzungsweise den ganzen Tag trainieren und bei der Show so viel Adrenalin und Dopamin ausgeschüttet wird, dass es keiner AfterParty bedarf und vermutlich eher in ein After Show Loch gefallen oder geturnt wird.
    Eine brilliante Show, bei der es doch Backstage nicht auch so glänzen kann, wie es in dem Begleitheft oder in Dokumentationen dargestellt wird, oder? Es wäre auf jeden Fall wünschenswert.
    Damit in einer Zeit der multiplen Krisen und Atemnot uns auch noch künftig der Atem geraubt werden kann, und zwar nicht durch die schlechten Küntstler*bedingungen die heruaskommen, sondern durch die atemberauenden Artisten*kunststücke, die die menschlichen Grenzen immer wieder anders zu erweitern vermögen und uns all die Krisenhaftigkeit der Welt in diesen kurzen Momenten der Ewigkeit vergessen lassen.
    Danke, Flic Flac!

    🎁Top Geschenkideen in diesem Zsmhang. für alle Fans und Preiskategorien:
    💛Tickets für 59€ in den besten Sitzkategorien
    🖤Bis 24€ ermäßigt in hinteren und höheren Reihen
    💛Merchandise wie ein Buch über die Artisten* für n Zehni
    🖤Feuerzeuge mit FlicFlac Emblem für 3Euro , die man tatsächlich jederzeit kaufen könnte, weil es tatsächlich möglich ist, in das Vorzelt ticketlos rein zu gehen. Na dann, frohes Flic Flac, frohes Futurfest :)

    Anmerkung zum Gendern:
    * Das Sternchenanhängen an die verkürzte Personenbezeichnung, die dem generischen Maskulinum entspricht, inkludiert alle darauf folgenden Buchstaben und ergo Artist*Innen und weibliche oder nicht binäre Vertreter*innen der Personengruppe
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  • Documenta fifteen - ein Rückblick

    September 23, 2022 in Germany ⋅ ☁️ 17 °C

    Die sagenumwobene, weltweit bekannte und viele Kasseler Kunstliebhaber* stolz machende 5 jährliche Documenta... 738. Besucher* aus 86 Ländern, über 1500 Künstler* an 32 Ausstellungsorten an 100 Tagen von Juni bis September 2022 sorgten wie immer für ein Aufblühen der Stadt Kassel. (Weitere echt erstaunliche Fakten und Zahlen findet ihr hier:
    https://documenta-fifteen.de/news/documenta-fif…)

    Dennoch gibt es auch zahlreiche kunstnahe und - ferne Menschen, die die ach so weltbekannte Documenta entweder gar nicht kennen oder gar nicht feiern. Letzteres liegt vor allem an der Kritik, dass diese nur eine kleine Kunstelite anspreche, finanzielle und sprachliche Barrieren existierten und oft unverständliche Kunstwerke ohne Beschreibungen dastehen.
    Ja, die mangelnden Informationen und Schilder, das unhandliche (da sehr künstlerisch gestaltete ) Website- oder Flyerdesign kann abschreckend wirken und sind auch dieses Jahr ein bestehender Kritikpunkt.
    Allerdings hat die Documenta 15 bisher wie keine andere diese Kritikpunkte in Angriff genommen und eine, im Vergleich zu vorherigen Ausstellungen, alternative Variante geschaffen, die am Geiste unserer Zeit und gesellschaftlichem Wandel orientiert ist.
    Während die letzte Documenta im Jahr 2017 sehr politisch und vor allem die Flüchtingskrise aufgreifend sehr überfordernd war und nach meinem Empfinden zu viel wollte aber nicht konnte, bot die diesjährige Ausstellung mit all ihren Facetten einen leichteren Zugang für Groß und Klein, Alt und Jung, Arm und Reich, Individuum und Kollektiv, für Partizipation und Mitgestaltung.

    So stand das Thema Kollektivität und Gemeinschaft ebenso wie Nachhaltigkeit im Fokus, was unter dem "lumbung" Begriff subsummiert wurde. Praxis statt Theorie, Prozess- statt Produktorientierung (wie sie sich in Schulbildungsdiskurs finden;) wurde zur Leitidee, indem Besucher* an verschiedenen Orten Ideen und Fragen aufschreiben oder malen konnten.
    Dadurch erhielt die Documenta auch ästhetisch einen frischen, jungen, oft graffitiartigen Anstrich (siehe z.B. Half Pipe Bild 1), chaotische Collagen und Gemeinschaftskunstwerke entstanden über die Zeit. Collageartig und ganz nach meinem Geschmack waren auch die heiß umstrittenen Kunstwerke von Ruangrupa. Diese oblagen, wie auch die gesamte Kunstausstellung am Anfang der heftigen Antisemitismus Debatte, über die sich jeder selbst eine Meinung bilden darf.
    Was mir bei starker Zensur und Verbannung manchmal fehlte war der offene Austausch, die direkte Stellungnahme betroffener "Opfer" und "Täter" und ein Betrachten der kulturellen Kontexte der Künstler*, die teils zu Unrecht als Antisemitisten abgestempelt wurden. Und es war ärgerlich, dass die positiven, eigentlich verbindenden Leitideen und Prinzipien der documenta 15 dadurch fast aus dem Blick gerieten. Naja, dennoch ein wichtiger Diskurs und besser schlechte Schlagzeilen als gar keine, vielleicht hat das Aufsehen auch dazu geführt, dass Menschen sich verstärkt mit der documenta befassten und an der Diskussion partizipieren.

    Parti- oder sollte ich sagen Partyzipation hieß es übrigens auch bei der Social Kitchen, der etwas geheimtippigeren hinterm Fridericianum oder vor der Documenta Halle unter dem offiziellen Kunstwerknamen "Pakghor", bei der täglich Menschen freiwillig kochen und auf Spendenbasis ihre Lieblingsgerichte anbieten konnten. Partyzipation beei den insgesamt rund 1700 Workshops und Veranstaltungen und natürlich bei in- und offiziellen In-Partys.
    Diese wurden vor allem vom Künstlerkollektiv Cinéma Caravan, der mehrfach den Standort wechselte und somit Documenta Party überall erfahrbar machte, mitgestaltet. Elektronische Musik, Video Projektionen an Haus- und Zeltwänden und eine, die früher so steife Besucherschaft der Documenta auflockernde Sauna sorgten für Ausgelassenheit und zugleich ein Feiern im Stil eines indonesischen Kollektivs. Und wo bringt man Menschen besser zusammen als beim Feiern, Essen oder ganz natürlichem Nacktsein?
    Das Eintauchen in verschiedene, globale Themen war bei dieser Ausstellung auch unabhängig von Essen und Feiern auf ernsterer Ebene wieder großgeschrieben, es ging in den Ausstellungsobjekten viel um das Leid der ärmeren Bevölkerungsschichten, Kolonialisierung, Rassismus und politische Korrektness.
    Politische Korrektheit und ResPect statt Perverse und Prügel (ich mochte diese Alliteration iwie mal) ist definitiv ein erstrebenswertes Ziel einer achtsameren Feierei und war gewiss auch das Argument für die Flinta- BiPoc -Partys in dem Standort WH 22, der als offiziellen Standort eine Haupteröffnungs- und Closing Party anbot. Sprich Zutritt nur für Frauen, Lesbian, Inter-, Trans- und A-Sexuelle plus People of Colour. Definitiv ein Statement. Safe space kreiiern ist durchaus auch ein erstrebenswertes Ziel für mehr Integrität und Inklusion von Menschen mit sonst vermehrt negativen Erfahrungen aufgrund von Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder Sexualität in derartigen Kontexten oder im alltäglichen Leben.
    Allerdings sorgte die Party Beschreibung auch für Exklusion weißer cis Männer, die ja auch nichts für Hautfarbe und sexuelle Orientierung können.
    Was denkt ihr dazu? Ist das sinnvoll, sollte es mehr solcher Partys geben? Vielleicht ist es gewollt, dass sich die "Privilegierten" auch mal ausgeschlossen fühlen, bevor ALLE neu, auf Augenhöhe zusammen kommen können. Dieses Bestreben hätte jedenfalls funktioniert, denn mich hat es zugegebenermaßen geärgert, dass ich deshalb nicht mit meinem durchaus achtsamen, weißen und heterosexuellen Kumpels auf eine offizielle Opening oder Closing Party dort gehen konnte oder teils nur unter dem Umstand, dass diese doppelt so viel bezahlen.

    Ein weiterer Konflikt ergab sich am Freitag, den 23. September 2022, einem der letzten Tage um die vom Jugendzentrum gespendeten Documenta Tickets zu verwenden ODER zum globalen Klimastreik, also einer internationalen Demonstration der Fridays For Future Bewegung zu gehen. Entweder Kunst sehen und sich auch zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit bilden oder Haltung zeigen und an der Demo partizipieren.
    Nach innerer Unentschlossenheit und einer kurzzeitigen Gruppenspaltung entschied ich gemäß dem Documenta Prinzip : Partizipation in dem Fall gegen diese (siehe Bild 2;) und für das Klima!

    A propos eigene Partizipation, als Kasseler WG Mitbewohnerin mit Gästebett im Flur ließ ich es mir natürlich nicht entgehen Couchsurfing anzubieten, was uns super spannende Bekanntschaften ermöglichte über die ich sehr dankbar bin. Auch unsere Gäste waren sehr dankbar im Anbetracht der teuren Unterkunftskosten Kassel in den Documenta - Monaten 🛏
    Und wie viele andere Kunstschaffende, die im Zeitraum der Documenta an jeder Ecke iwas anboten, war es auch mir dank befreundeter Kunst/Kulturschaffenden möglich, iwie teilzunehmen:

    Ob beim Model für die Mode von Elfabienne im Rahmen der Social Catwalk Modenschau im ruruhaus, für den Kassel Merch bei Stella oder als Thekendeko auf einer Fotografie von Ulf Schaumlöffel im Sandershaus. Hat sich zugegebenermaßen ziemlich cool angefühlt.
    Ach und zwei Auftritte meines "Born to Dance" Tanzkurses mit der 15-köpfigen Brassband "Blech und Schwefel" waren ein absolutes Highlight und erstrebenswertes Sommerziel als auch Ende der Documenta 15. Der zweite Auftritt war nämlich am 22. September im Zukunftdorf, welches neben dem Sandershaus lokalisiert ein Pop-Up Dorf, Begegnungs- und Austauschort zu nachhaltigen, kollektiven und zukunftweisendem Leben war.

    Der letzte und krönende Abschluss war dann der 25. September, der zufällig genau auf das Reinfeiern in meinen 25. Geburtstag fiel. Und wer kann schon von sich behaupten, dass er am 25. Geburtstag auf der offiziellen, fetten Helfer- und Künstlerfete (nachdem die Flinta Sache raus war) der 'weltbekannten' Documenta15 war. Auf die sie mit einem Augenzwinkern der besten Freunde und den Worten "Jaja, wir sind alle Models! Nee, wie haben unsere Mitarbeiterausweise vergessen" an der Security vorbei durften. Auf der meine besten Freunde waren. Kostenloses Essen und günstige Getränke. Die Sauna vom Cinema Caravan, wie sich das gehört. Zwei Floors und am Ende wir am AcroYoga machen, Breakdancen, Seilspringen und was nicht sonst alles passiert, wenn Künstler* oder Kunstinteressierte aus aller Welt zu House und Techno zusammen kommen.


    Meine persönlichen Top Ten Kunstwerke ohne korrekte Namen

    🖼 Die Halfpipe in der documenta Halle (siehe Bild 1)
    🖼 Die Klo und Kotzkonstruktion (siehe Bild 3)
    🖼 Epische Hologram Installation im Stadtmuseum
    🖼 Weltverbesserungs-T-Shirts (siehe Bild 4)
    🖼 3 Meter Fellmonster im Hübner Areal
    🖼 Die Social Kitchens
    🖼Cinema Caravan
    🖼 Comic "abgefackelt"

    Letzeren gab es übrigens in der Buchecke im Ruruhaus (siehe Bild 4) , in der ich viel und trotzdem noch viel zu wenig Zeit verbrachte. Dort gab es unzählige, neuste und seltene Bücher, Comics, Spiele und Werke, die Politik, Feminismus, Rassismus, Sexismus, Kunst, Weltgeschehen, Welt, Umwelt, Nachhaltigkeit, Ökologie, Gemeinschaft und Gesellschaft zum Gegenstand hatten.
    Weiß jemand, wo es diese Produkte jetzt gibt? Ich möchte unbedingt ein Kinderbuch für meine Nichte! 😄
    Nungut, als Freundin von documenta-Mitarbeitern und einer wundervollen Person namens Celia habe ich zumindest im Nachgang den Original ausgelegten Graphic Novel "Abgefackelt" geschenkt bekommen! Wahnsinn, oder? Schlüsselbänder, Poster und ein Buch gab es auch dankenswerterweise 📙
    Na, ob die mal viel wert sein werden?
    Vielleicht der falsche Ansatz bei einem derartigen, auf Sharing and Giving ausgelegten documenta Thema :)

    Alles in allem ging es um Teilen, Leben, Geben, globale Ungerechtigkeiten und Inkorrektheiten, um Kunst und Altivismus von unten. Bottom up statt top-down . Es ging um die Menschen, den Vibe und eine lebendige Debatte und Stadt, um zukunftsweisende, gemeinschaftliche und kollektive Lebensweisen zu entwickeln und zu bedenken
    Was wird bleiben? Hoffentlich veränderte Einstellungen und Denkweisen, neue Projekte und Verbindungen, innovative Ideen und Entwicklungen für eine lange und gerechte Zukunft. Das darf Kunst. Das muss Kunst.
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  • Heute hier, morgen hier

    April 30, 2021 in Germany ⋅ ☁️ 9 °C

    "Heute hier, morgen dort"
    sang Hannes Wader in den 90er Jahren und ein talentierter Musicaldarsteller bei einem Kasseler Musicalprojekt im Oktober 2020, als kurzzeitig Kunst und Kultur aufzublühen drohte, um kurzerhand wieder im Keim erstickt zu werden.
    ➡️https://m.youtube.com/watch?v=2NNgv84dkvk
    Heute, haben wir ganz andere Sorgen...

    Vor genau einem Jahr verfasste ich meinen ersten Blogeintrag zum Corona-Thema und die darin angesprochenen Ängste, Aufregungen und Anpassungsstrategien gelten leider auch heute noch. Aber vor allem die Angst der Spaltung und Hetzerei, der Extremisten und Frontenverhärtung innerhalb der Gesellschaft, innerhalb von Gruppen junger Menschen mit eigentlich humanitären, ökobewusstem Menschenbild hat sich eher ver- statt entschärft. Nach der endgültigen negativ Konnotierung des Wortes "Querdenker" und damit einhergehender Demos muss man tatsächlich aufpassen, was man sagt.

    Mit dem beginnenden Impfungen und den zunehmenden Tests war bereits vor Wochen Rettung in Sicht, Licht am Ende der Tunnel, Hoffnung darauf, dass Menschen wieder ganz normal zusammen kommen.
    Ich dachte, hey, zu meinen inexistenten Symptomen kommen jetzt negative Tests, da kann ich mich endlich gaaaaanz normal mit Menschen treffen, Omi drücken und Freunde knuddeln.
    Zu meinem großen Entsetzen schienen genau die jungen und gesund lebenden Menschen, die sich nach meinen Begriff am wenigstens Sorgen um Corona machen sollten, damit nicht eine Ent- sondern eine Belastung zu befürchten. Seit nun mehr einem Jahr sind wird darauf getrimmt vorsichtig zu sein, skeptisch zu sein, Positivem zu misstrauen, mit Wahrscheinlichkeiten zu spekulieren.
    Und so misstrauen viele den Tests, steigern sich in Ängste und Sorge und in noch mehr Tests über Tests, noch noch mehr Sicherheit und Scheinsolidarität, noch mehr Panik und Plastik.

    Was geht verloren?
    Soziale Kontakte, Kunst, Kultur, kritische Diskussion und kognitiver Austausch der beflügelt, Optimismus und Realismus, Kuscheln, Knuddeln und und und.
    Was steigt nochmal?
    Ja, Infizierte. Aber auch Armut, Existenzängste, häusliche Gewalt, Suizide, Depression, Therapiebedarf, psychische Belastungsstörungen bereits bei Kleinkinder und und und.

    Was hat uns in so einer Sch***** immer geholfen?

    Richtig, Kunst!

    Und genau deshalb mache ich jetzt genau das!
    Mit den Tests (die mir wahrlich mehr Entspannung bringen, weil ich aktuell nicht mehr machen kann und als nötig empfinde als eine Symtomfreiheit und einen negativen Test) habe ich mich aufgemacht in die raren aber durchaus bereichernden Möglichkeiten aktueller künstlerischer Entfaltung. Heute hier, morgen dort🌠

    Doch für manche Menschen heißt es dramatischerweise trotz Licht am Ende der Tunnel immer noch: "Heute hier, morgen hier"
    ➡️https://m.youtube.com/watch?v=ack2rIa2S_4
    zumal die Notbremse letzte Woche sämtliches Licht in Dunkelheit und jeden Keim der Hoffnung auf eine bessere Situation erstickt.
    Ich sag nur:
    Hohe Geldstrafen für nachts draußen alleine rumlaufen, ich habe mich selten repressierter gefühlt!

    [Das meiste dieses Eintrags als auch die folgenden Zeilen über meine aktuellen künstlerischen Projekte, schrieb ich vor der Notbremse und der #allesdichtmachen Aktion.
    Jetzt hätte ich mehr Angst, meine Tätigkeiten darzulegen.]

    Heute hier, morgen dort. Gerade bin ich in Hamburg mit einem kleinen Theaterensemble, das aus quasi zwei Haushalten besteht und mit dem wir im Sommer passenderweise Sartres Einakter "Die geschlossene Gesellschaft" spielen. Ein schaurig düsteres Kammerspiel 🎭 ➡️https://de.m.wikipedia.org/wiki/Geschlossene_Ge…
    Und übermorgen bin ich da, in Kassel, bei einem Tanzprojekt🕺➡️https://deref-web.de/mail/client/2-Dth51OAXU/de…
    Shooting für Kulturgesichter 🧑🏽‍🦱➡️https://kulturgesichter0561.de/
    hier, Casting für ein Unternehmen dort.

    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
    Und eines klingt obstrus in diesen Zeiten
    Zwar kann ich mir selten Ängste eingestehen
    Und nun hab ich schon Angst beim bloßen Erwähnen
    meiner aktuellen Tätigkeiten
    Deren Aussprechen mir Unwohlsein vor Reaktion bereiten
    Da sie manche Menschen zu Hasstiraden schnell verleiten
    Stattdessen sollten wir alle unsere Blicke weiten

    Obgleich meine Kontakte sie sich nicht auf mich und meine Mitbewohner in den eigenen vier Wänden
    Sondern auf einen kleinen Kreis kreativer KünstlerInnen beschränken
    Ist die dadurch entstehende vermeintliche Gefahr
    Dank Gesundheit, Tests und Impfungen nicht ganz real!
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

    Und nun noch kurz zur #allesdichtmachen Kampagne, in der rund 50 deutsche SchauspielerInnen in der vergangenen Woche sarkastische und teils maßnahmen- oder regierungskritische Satirevideos ➡️https://allesdichtmachen.de/ veröffentlichten📺
    Eine Aktion, die erschreckenden Aufschrei und Kritik seitens der Medien und sozialen Netzwerke zur Folge hatte.
    Ich fand die Videos größtenteils ziemlich lustig, spitzfindig und disskussionsanregend. Sie inspirierten mich in der gleichen Nacht noch selbst sieben Drehbücher zu schreiben 📽️
    Sie erfreuten mich, da endlich Kunst wieder eine Stimme verliehen wurde. Da sie ein vielseitiges und spannendes Gruppenerzeugnis war. Da Kunst endlich das tat, was sie immer tat:
    Die Regierung oder Gesellschaft zu kritisieren, zu hinterfragen oder auf die Schippe zu nehmen. Unterhalten, Amüsieren und zum Nachdenken anregen 🌈

    Doch meine Angst und der Grund, warum meine Videos sozialen Medien bislang unveröffentlicht bleiben, hat sich anhand der Reaktion bewahrheitet.
    Diese aktuelle Problematik bringt keine geringere auf den Punkt als die ehemalige Vorsitzende der Linksfraktion Sahra Frau Wagenknecht ➡️https://m.youtube.com/watch?v=wqrXAYUtmbc&f…

    Willkommen in einem Land der Inliberalität!
    Wollt ihr etwa weiter morgen hier und morgen hier sein?

    PS: Habe gerade festgestellt, dass man auf Findpenguins seit Neustem Videos hochladen kann, was ich als Zeichen verstehe ein Video im #allesdichtmachen Stil nun entgegen der Sorgen zu veröffentlichen ✨
    Triggerwarnung: Thematik Tod.

    Zumal ich Menschen, die bis hier gelesen habe, als geduldig, nachdenklich, reflektiert und kritisch genug einstufe, um das Video angemessen einzuordnen🎞️
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    Fred Knobel

    sehr schön, aber was ist das für eine Stimme?

    4/30/21Reply
    Leona Knobel

    Hab mich nicht getraut, so provokante Aussagen mit meiner Stimme zu versehen. So ist es eine Koproduktion mit einer klasse Sprech- und Stimmtrainerin 😉😘

    4/30/21Reply
    Leona Knobel

    Nicht meine, weil die mir damals genommen wurde. Wenn man es provokant ausdrücken möchte. Scherz beiseite. Eine bezaubernde Sprech- und Stimmtrainerin.

    9/12/21Reply
    2 more comments
     
  • Aug7

    Open Flair Camping Corona Edition

    August 7, 2020 in Germany ⋅ ☀️ 32 °C

    Als Open Flair Crew der letzten Jahre ließen wir es uns dieses Jahr nicht nehmen, trotz dem Ausfall des offiziellen Festivals mit einer kleineren Truppe nach Eschwege zum gemeinsamen Campen zu fahren und zumindest das Beisammensein und das Flair der Stadt zu genießen.

    Es gab zwar ersatzweise das "Insel OF Flair", welches Freitag und Samstag je zwei Konzerte und Schnick Schnack für 250 Menschen auf dem Open Flair Mainstage Areal versprach, doch dafür hatten wir keine Tickets bekommen. Zum Glück, wie sich herausstellten sollte...

    Das erste Glück hatten wir jedoch bei Ankunft auf dem Naturcampingplatz Meinhardsee. Denn dieser, uns als idyllischer Familienort angekündigte Platz, entpuppte sich als Open Flair Unterstützer und verfrachtete uns direkt auf einer Wiese fernab der ruhigen Urlauber zu Gleichgesinnten. Nur Menschen, die wegen den Konzerten abends oder aber für "Vegan" aus autobatteriebetriebenen Boxen Hören und 5- Minuten Terrinen aus Campingstühlen schnabulieren und für Flunkyballturniere gekommen waren.
    So perfekt!
    Wir brauchten zwar eine ganze Stunde zum offiziellen Gelände, wo wir eigentlich nur mal einen Blick über den Zaun erhaschen wollten, (siehe 3. Foto) aber das war es wert! 🎵
    Und dort lauerte das zweite Glück, indem wir die ganzen Eschweger Mädels und Jungs, die uns seit 2 Jahren den Aufbau ermöglichen, trafen. Diese standen auf einem LKW Lader sowie einer Busdachterasse, auf die sie uns (aber maximal 10 Leute gleichzeitig!) direkt hoch boten🚌

    Das Überragende war nicht nur, die altbekannten Gesichter und Freunde wieder zu sehen, sondern ebenso gut die Bühne erblicken und im Gegensatz zu den 50€ für n Ticket Zahlenden, die nicht permanent vom Tisch weg durften , auch Tanzen zu können. Danke nochmal an die Eschweger 😍
    Die nach Konzerteende die Stimmung mit Zieharmonika und Gitarrenspiel am Laufen hielten🎸🎹.
    Laufen hieß es auch für uns danach und die 1, 5h, inklusive Verlauf- und alle anderen Verlierenzeit, machten uns neben den heißesten Temperaturen des Jahres wirklich zu schaffen ☀ Naja, geschafft haben wir dennoch sowohl Weg als auch den Einbruch in mein eigenes Zelt, welches so asbach war, dass die Reißverschlüsse nicht mehr aufgingen.
    -Was wir daraus lernen: Wenn Mama sagt, man soll die Zelte Zuhause aufbauen, um sie auf Vollständigkeit zu überprüfen, dann hat das einen Grund!!!-
    Aber Taschenmesser regelt und zu dritt bei den Temperaturen war es definitiv trotz offener Zelttür nicht zu kalt 😂🏕
    Um uns tagsüber zu erfrischen, bot sich der See direkt am Camp an, der auch gar nicht so blaualgenverseucht war, wie manch anderes Eschweger Gewässer. Und fortschreitend von SUPs und überdimensional großen Aufblas- Flamingos und Einhörnern durchquert wurde. Schon witzig!
    Ebenso farbenfroh und prächtig war auch das Abschlussfeuerwerk am Samstagabend.
    Sonntag hieß es leider schon wieder Abfahren, nicht jedoch bevor Festivalfreundin Carmina (seit 7 Jahren! :) und ich noch unsere berühmt berüchtigte Abschiedsrunde über den Platz drehten 🏕 (siehe 5. Foto). Eine etwas kürzere und schmächtige Runde, bei der ich in Ermangelung an Tanzpartnern (social distancing undso) soeben mit der Musikbox einen Tanz aufs Parkett legte 🎶

    Es war also alles etwas anders als sonst;
    2 Tage verglichen mit sonst 2 Wochen viel zu kurz, 4 Konzerte verglichen mit sonst 14 Acts, 8 Leute im Camp statt 28.
    Aber hey, Qualität vor Quantität 🌟
    Und so genoss man das, was es gab umso mehr, lernte die 8 Menschen neu und intensiver kennen und erfreute sich auf jeden Fall über eins, was sich in der Kombination mit den richtigen Menschen (und einem so schönen Ort) immer sofort einstellt: das Gefühl Zuhause angekommen zu sein! ♥
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    Fred Knobel

    Toll ;)

    8/16/20Reply
     
  • Schweizer Alpen

    July 27, 2020 in Switzerland ⋅ ☀️ 15 °C

    Passend zu meinem Germanistik Seminar über Natur- und Idyllendichtung des 18. Jhdt., in dem wir "Die Alpen" von Haller bearbeitet hatten, kam ich Ende Juli auch in den Genuss oder den Verdruss des Lebens in den Alpen.

    Da Mitbewohner Nate für 3 Monate dort auf einen Bauernhof zum Arbeiten gegangen war, nutzen meine Mitbewohnerinnen Paulina und Lili mit mir die erste Reisemöglichkeit seit Corona in Form eines Besuches, den wir ihm abstatten 🎉

    Während ich mich vor allem durch Campingsausflüge in letzter Zeit und ständiges Barfußlaufen und über die Natur lernen eigentlich mehr und mehr in die Natur einlebte und es stets genoss, fernab von Zivilisation zu sein, erhob das Touristendorf Oberwald (ich sag nur 200 Einwohner und 1200 Betten ;) in der mittleren Schweiz die Einsamkeit und Naturnähe auf eine neue Ebene.
    Aber dazu gleich mehr.
    🏙 Vorerst gönnten die Mädels und ich uns eine kleine Erkundung der Stadt Basel, wonach wir verzweifelt versuchten, einen Platz zum Nächtigen im Auto zu finden. Dies bescherte uns mal eben Paulinas erstmaligen Abstecher in das Nachbarland Frankreich 🇫🇷 , wo es uns nach verzweifeltem Rumcruisen und Parkplatzsicherheitsuchmisserfolgen wieder raus trieb.

    👉🏾3 Tips für organisierte Autoreisende:

    🔸1. Legalität und Strafenkatalog des jeweiligen Landes abchecken
    🔸2. Ggf. Industriegebiete aufsuchen, bei denen nicht überall sofort Lichter, Alarmanlagen und Kameras auf einen reagieren
    🔸3. Sich vor der Fahrt über mögliche kostenlose Parkplätze informieren (z.B. mit einer App wie Park4night)

    ✌🏽1 Tip für Freaks:
    🔶1. Ins Universum und die eigene Stärke vertrauen

    Wir wählten nach Scheitern des ersten Weges letzteren Weg und landeten schließlich in einer idyllischen Wohnsiedlung in Basel, wo wir nach einer viel zu warmen Nacht morgens noch am nahegelegenen Fluss bei Café und Snacks in den Tag starten konnten. Yeyy

    In Oberwald angekommen fielen uns zuerst die sehr dunkelholzigen Hütten auf, die für uns den Anschein eines Geisterdorfs erweckten. Auch wir schienen den Dorf in unseren City Outfits aufzufallen, denn sonst gab es dort nur Bekleidete, deren Klamotten nach Wanderer, Radfahrer oder Feldarbeiter schreien 👙👗👛
    Das Zweiterstaunlichste neben den pragmatischen Kleidungsstilen der abseits lebenden Menschen, waren deren vitale Körper und Hände, den man die Arbeits- und Muskelkraft ansah 💪🏻 Verrückt, dass ich mal als Stadmädchen auffiel, wo ich doch in der Stadt auch ab und an als Mogli gesehen werde 🌿
    Tatsächlich entpuppte sich der Arbeitsalltag von Nate und der Familie, in der er lebte, als äußerst hart; kräftezerrend und wetterabhängig, wenn man bedenkt, dass sie Wiesen mähen und Kühe über Wiesen treiben müssen, auf denen zu laufen ich mich kaum traue 🐮

    Was ich mich jedoch getraut habe, war mich mit den Mädels aufs sogenannte Sidelhorn zu wagen; eine als 2h angesagte Wandertour, die uns bei unserem Schuhwerk, Getrödel und dem Nebel 5(!)h, unsere ganze Kondition und Nerven kostete 😫
    Gerade als der Nebel sich mit den zweifelhaften Gedanken, ob wir nicht auf einer ganz anderen nicht angepeilten Bergkette gelandet seien, anpirschte, verloren wir beinahe den Optimismus es bis zum Gipfelkreuz zu schaffen. Aber irgendwie prügelte ich die anderen in 11min. Kletteraction dann doch bis zur Spitze ✝
    Das machte uns echt stolz, aber sorgte auch dafür, dass wir die für den Folgetag geplante 4x so lange Wanderroute durch Ausschlafen, Gletscher- und Städtebesuch per Auto ersetzten 😅
    Wie richtige Stadtgören.

    Immerhin am letzten Tag lief ich in Rekordgeschwindigkeit 1, 5 h mit Nate auf die Alp, um zumindest ein bisschen weniger Touri- und mehr Arbeiterlifestyle zu erleben. Wer hätte gedacht, dass ich mal ne Kuh treibe? 🐄
    Oder trotz meiner Leidenschaft zur Natur und zum Wandern bei so wenig Stadtkultur diese so schnell vermisse? Naja, ursprüngliche Natur mögen und Natur bewirtschaften sind ja auch zwei verschiedene Paar Schuhe.
    Jedenfalls finde ich es erstaunlich, wie bescheiden, naturnah und fleißig die Menschen dort leben ⛰

    Dennoch sehnten wir uns nach 3 Tagen wieder nach dem "Big City Life", weswegen wir Freitag über Zürich zurück fuhren🛣
    Und uns allesamt in Zürich und den Zürich See verliebten, weil er Berge, Strand, Stadt Bademöglichkeit, Boot und SUP s, Schwäne und Enten, Einheimische und Multi Kulti, Sauberkeit und Style miteinander verband 🍹
    Wie genial ist das denn?
    Wer sich zwischen Berg- und Badeurlaub mal nicht entscheiden kann; Zürich!

    Weitere Erkenntnisse:

    👥Ich mag Zivilisation!
    🛣 Die Bergpässe sowie die hervorragend ausgebauten und langsamen Autobahnen eignen sich wahrlich gut, um so mäßige Autofahrer wie mich zu passionierten "Ich fühl mich wie beim Autoscooter" Cruisern zu machen
    🗻Kein Berg ist uns zu hoch! (Die Zeit, das Wasser oder die Luft ist nur irgendwann zu knapp;)
    👧Lili sieht auch auf dem Berg nach 5h Nebel-Sonne-Wechselwetter und schwitzigem Aufstieg noch 🔝gestylt und geschminkt aus.
    👞 (Berg!)Wandern in der Schweiz und Wandern sind zwei verschiedene Paar Schuhe und verlangen auch bestenfalls verschiedene Schuhe (und nicht Sneakers! ;)
    👣Meine Barfußschuhe gingen jedoch auch auf 3000er Gipfeln mit Geröll klar - sehr empfehlenswert
    ⚠️Achtung: Das Leben in den Alpen kann Ihnen und Ihren Waden erhebliche Muskeln zufügen.
    🇨🇭 Die Schweiz in drei Worten: sauber, spießig und superschön!
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    Fred Knobel

    Sehr schöner Text, bis auf wenige Schreibfehler ;)

    8/14/20Reply
    Leona Knobel

    Danke, hab es zu Beheben versucht ;)

    8/14/20Reply
     
  • Anpassung statt Aufregung statt Angst

    April 20, 2020 in Germany ⋅ ☀️ 9 °C

    Huhu ihr Lieben Reise- und Lebenslustigen!

    Da dies ein öffentlicher Reiseblog ist und ich eigentlich Ende März bis Mitte April während meines geplanten UK Trips längst hätte hier schreiben sollen , melde ich mich mal aus dem (home)Off (ice).

    Ich mach zwar entgegen diesen mäßig lustigen Wortspiels kein home office, doch auch an mir ging die aktuell ausgerufene Corona Pandemie logischerweise nicht vorbei, zu der ein sich äußern als Blogger durchaus von Nöten ist, wie ich finde.

    Aber keine Sorge, ich werde Euch nicht mit meiner subjektiven Meinung über den Virus, die WHO oder die Beschlüsse der Regierung zuspamen. Die meisten Menschen unterliegen gerade einer reizüberflutenden und verunsichernden Nachrichtenflut rund um das Thema.
    Da die mich selbst nervt und ich in diesen Tagen erstrecht dafür bin die neu gewonnene Zeit nicht für das Verzweifeln über die aktuelle Lage zu verschwenden, sondern für Dinge zu nutzen, für die sie immer zu wenig zu sein schien, will ich hiermit auch nur aufzeigen, wie ich sie so nutze.
    Und n paar alternative Medien sowie neue kulturelle Errungenschaften präsentieren (siehe Links am Ende! :)

    Ich lebe momentan nach dem Prinzip "ANPASSUNG STATT ANGST UND STATT AUFREGUNG", was bedeutet, dass ich optimistisch die neuen Möglichkeiten in gewissen auferlegten Beschränkungen zu sehen versuche.
    Mehr Zeit zuhause, Gelegenheit meine rund 20 Mitbewohner besser kennen zu lernen, den Garten festivaltauglich zu gestalten, einen hauseigenen Literaturclub zu gründen, besser Gitarre und Singen zu lernen, mal wieder zu basteln, zu lesen, sich mit Freunden (ggf. mit Sicherheitsabstand) zu treffen, die man ewig nicht gesehen hat, kochen und nähen optimieren, renovieren, aussortieren, gemeinsam draußen Sport zu machen, die Bikinifigur und Sommerbräune schon im April erreichen, Selbstversorger werden, merken, dass viele wirtschaftliche Betriebe einem nicht fehlen...

    Ich hab leicht reden, da mich die Krise v.a. wirtschaftlich nicht schädigt, Aaaaaber was das "up to date" sein angeht, bin ich im Punkto Petitionen und Hilfsaktionen bestens informiert:

    Wer auf Helfen und Abwechslung oder auf für die gute Sache einstehen Lust hat, kann sich hier für

    👉Risikogruppen
    https://www.quarantaenehelden.org/#/
    👉🏼Bauern
    https://bauersuchthilfe.de/?fbclid=IwAR2ZSCzSPx…
    👉🏾Lernende und Lehrende an Hochschulen
    https://www.nichtsemester.de/cbxpetition/offene…
    In Not engagieren :)

    🏪Wer den Einzelhandel in seiner Hood unterstützen möchte, kann hier Gutscheine, die bei Wiedereröffnung einlösbar sind, kaufen:
    https://helfen.gemeinsamdadurch.de

    🗯️Wer seine Stimme für den Erhalt der Demokratie, gegen Zwangsimpfungen oder sonstiges abgeben möchte, ist bei change.org an der richtigen Adresse.

    ✨Darüber hinaus gab es von der "Fridays for Future" Strömung am vergangenen Freitag bereits einen digitalen Workshop unter dem Titel "Fridays for what (FFW), bei dem über die Anwendung Zoom perspektivisch und mit einer Brise Idealismus und Utopie Gedanken angestellt wurden, wie wir in Zukunft leben möchten/können/sollten. Sicher wird es noch ähnliche Workshops geben. Stay tuned!

    📞Ansonsten blühen ja gerade Skype Calls, Discord Poetry Slams, Live Konzerte oder Shows auf Youtube oder Instagram auf und und und 🎤🎶 Seeeehr empfehlenswert.
    In der "Krise" steckt also eine absolute Chance wie auch Seom auf den Punkt bringt

    https://m.youtube.com/watch?v=YoG8PNXd-Yo.

    🎶N witzigen Song zum Thema lieferte neulich auch SDP in dem "Vom Freitag auf Montag" umgedichteten Hit:

    https://m.youtube.com/watch?v=GapjNx4roeM

    Das Positive sehen und keine Angst zu haben sowie sich nicht am Laufenden Band über Regelungen und Beschlüsse, die man nicht ändern kann aufzuregen, ist das eine. Es hilft auf jeden Fall, um nicht zu verzweifeln oder verrückt zu werden, falls man es nicht schon ist ;) Anderseits muss ich mein Prinzip modifizieren und möchte mich nicht komplett gegen "Aufregung" aussprechen.
    Denn mit dem Prinzip "ANPASSUNG STATT AUFREGUNG" wäre man beispielsweise im Deutschland von 1938 einer der zahlreichen Menschen gewesen, die sich mit den Umständen und Ungerechtigkeiten aufgrund von Hilflosigkeit zufrieden gaben. Stellen wir uns vor, unsere Enkel lernen in 50 Jahren etwas über die Auswirkungen und politischen Beschlüsse der weltweiten Corona-Pandemie. Was würden sie lernen? Wo würden sie stutzig werden?
    Ein gewisses Maß an Aufregung ist von Nöten, um als mündige Bürger einer Demokratie Gebrauch von seinen Rechten zu machen und zu hinterfragen, was gerade abgeht.
    In der Krise eine Chance, zum Umbruch, zum Wandel. Die Natur scheint zu erwachen, tun wir es auch!

    Hiermit möchte ich verdeutlichen, dass man auch die öffentlich-rechtlichen mal hinterfragen und sich Informationen nicht nur vom RKI beschaffen und diese hinnehmen sollte. Blind auf die
    Regierung vertrauen hat uns noch nie weitergebracht.
    Demnach kann ich auch Mal die ersten Minuten dieses Videos vom (zugegebenermaßen umstrittenen und mit gleicher Vorsicht wie alles andere zu genießenden) Rapper Kilez More empfehlen
    https://m.youtube.com/watch?v=rRAUWYRuc10
    Oder mal was zum Lesen
    https://atlas-initiative.de/offener-brief-an-di…

    Die Krise bringt viele auseinander, dadurch irgendwie wieder zusammen (vermeintliche Solidarität!?) , aber sorgt auch für polare Diskussionen und gespaltene Meinungen.
    Jeder sollte sich nicht zu ernst nehmen, andere Meinungen nicht verurteilen, sich vielseitig belesen. Vor allem bevor er sich argumentativ in den Debattenkrieg stürzt, sich erhaben fühlt oder vereinzelt gelesene Meinungen oder Floskeln runterbetet. Das gilt vor allem für extreme Meinungen, sei es das Leugnen des Virus oder plump auf anderer Seite nur die Corona Hashtags #westayhome #wirschaffendas unhinterfragt zu verwenden. Man kann nicht nicht kommunizieren, und deswegen tue ich es hier.

    Für mich gilt #thinkswisely #thinkspositive #act #gooutside #healthylifestyle #useyourtime #thechangestartsnow #spreadlove

    Ganz viel Liebe in dieser verrückten Ära!
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  • Day5

    Hänger oder Abenteurer?

    October 11, 2019 in Italy ⋅ ⛅ 18 °C

    Beim Reisen stellt sich stets die Frage, wie man reist, den fernab des Alltags tun sich dem Menschen ganz neue Möglichkeiten und zahlreiche Freiheiten und Entscheidungen auf.

    Wenn man so in den Tag hineinlebt wie wir, assoziieren das viele Leute mit einem Hängerlifestyle, ich auch manchmal.

    Der umgangssprachlich so bezeichnete und meist leicht negativ konnotierte "Hänger" macht den Anschein, nicht zu wissen, was er vom oder im Leben will. Er wirkt planlos und oft resultiert daraus, dass man ihm eine gewisse Gleichgültigkeit oder ein Desinteresse ggü. seiner Umwelt unterstellt, weil er erwartungslos den Tag auf sich zukommen lässt, statt diesen gewaltsam zu packen und mit einem Zeitschema und wichtig klingenden ToDo's und Tageszielen zu versehen.
    Doch auch wenn einiges davon wahr sein mag und der "Hänger" morgens nicht weiß, wo er abends schläft, so weiß oder lernt er durch diesen Lebensstil doch einiges, aber bevor ich hier leere Worthülsen raushaue, erstmal zu uns.

    Da ich auf der Fahrt Richtung Kroatien 🇭🇷 bzw. Slowenien 🇸🇮 (wie fuhren einfach so weit es uns beliebte) gestand ich, dass ich selten soooo spontan reisen und lieber einen Grundplan habe, von dem auch gerne abgewichen werden darf, wohingegen Nate darauf pochte so wenig wie möglich zu planen, um maximales Freiheitsgefühl zu haben. Daraus resultierte die Diskussion, ob wir Hänger seien oder nicht? Beim Überdenken unserer Reiseerlebnisse zeigte sich jedoch, wir genossen durch diese Art des Reisens jeden Moment noch mehr, wir beobachteten Tiere und Pflanzen mit einer kindlichen Begeisterungsfähigkeit und Neugier. Ein Philosoph hätte unsere Art des Umweltbetrachtens als staunenden Beobachter beschrieben und gelobt. So stellten wir Thesen über unsere Umwelt auf, rätselten darüber, wie Oliven wachsen oder ob alle Italiener so großzügig und herzlich sind.

    👨🏼‍🏫u.a. Nathanael der Weise: "Je weniger man plant, desto weniger kann schief gehen"

    So hatten wir Zeit und Raum, um kreativ zu sein, spontan Songs zu singen oder umzudichten.
    Hänger oder Abenteurer, so wie wir uns positiv konnnotierter nannten, verstanden es im Moment zu leben und liebten das unaufhaltsame Lernen.
    Und wenn das mit dem Moment mal nicht so klappte, weil Liebeskummerschübe, Gewissensbisse oder Eifersuchtsattacken uns spontan übermannten (ihr erinnert euch, das war auch ein Grund, warum wir gereist sind ;), dann half die von Paulina eingeführte SUPERMAN Pose. Es ist wohl wissenschaftlich erwiesen, dass das vermehrte Hinstellen in einer Superman Pose, mit breiten Schultern, aufgerichtetem Kreuz und Bizeps zeigen, sich positiv aufs Selbstvertrauen und auswirkt und einen die eigenen Stärken wieder spüren lässt. Diese Pose in Kombination mit dem Zuspruch der besten Freunde, wirkte äußerst heilsam. Ob morgens beim Frühstück, mittags am Stand oder abends beim Einkauf. Überall verbreiteten wir unsere Supermanigkeit.
    Höhepunkt war diesbezüglich ein Strand, den wir ohne Hängerlifestyle nie hätten erleben dürfen:

    Indem ich einen Couchsurfer in Jesolo anschrieb, stellt ich sicher, dass wir von Jesolo nicht direkt planlos weiterfuhren, sondern statt viele Orte oberflächlich lieber wenige intensiver erleben.
    Doch während wir auf dessen Antwort warteten, führen wir Dienstag einfach weiter gen Süden und gelangten mit dem einzigen Wunsch "Lassma ans Meer 🏝" an einen wunderschönen, eher naturigen statt weißen Strand. Nach dem wir selig herumtollende Hunde und einige Besucher sowie 2 Pferde mit Reiterinnen, die sich vermutlich gerade den non plus ulta Traum erfüllten, beobachtet hatten, genossen wir den Sonnenuntergang bei Ukulelengespiel und Gesang 🌅
    Aber zurück zur Superman-Pose, die aufkommenden sorgen verbannten wir spontan, indem wir gemeinsam diese Pose gen Meer machten und und dann alles Leid rausschreiten. Klingt simpel, war aber magisch. Wir hatten aus dem Ort, der an sich schon ganz schön aber eher unspektakulär war, etwas unvergleichliches gemacht. Danach fühlte ich mich wohl wie selten während des Trips, zumal ein vollkommen überstürztes Nacktbaden die atemberaubende Phase abrundete.

    A propos nacktbaden, wir waren sehr viel nackt. Warum wird man wegen Nacktheit heutzutage so schnell als Nuddist bezeichnet?
    Ich seh ja ein, dass gemäß dem Menschenbild von Arnold Gehlen, der Mensch unspezialisiert und von Natur aus sozusagen mittellos ist (er hat kein dickes Fell z.B.) und demnach darauf angewiesen, Werkzeuge zu entwickeln und sich Kleider zu schaffen. Doch warum muss dieser Prozess, den Gehlen als Erschaffung einer zweiten Natur bzw. der Kultur bezeichnet, so weit gehen, dass wir ohne die Dinge plötzlich komisch sind? Etwa weil optimale Menschwerdung nur in der Kultur passiert? Vielleicht. Dennoch macht es einfach Spaß so ursprünglich wie möglich zu sein, so unbedarft und frei, wie das eben nackt am besten geht.
    Nachdem wir uns alle nochmal gefriendzonet hatten war es noch entspannter 😂

    Der CS hat dann übrigens geschrieben und wir mussten losdüsen, wobei mal wieder zu spüren war, dass "Die Besonderheit eines Momentes, oft dessen Flüchtigkeit liegt"

    So erging es uns auch Donnerstagabend, als wir ein letztes Mal italienisch essen gehen wollten🍝Beim Durchsuchen der altertümlichen und verspielten Stadt Malcesine entdeckten wir eine Bar, in die wir nach dem Essen noch einen einzigen Drink zu uns nehmen wollten und dann abdüsen, da ich ja Freitag in Kassel arbeiten musste.
    Drei Stunden später waren wir plötzlich immer noch im Hotspot der Stadt, in dem alle Restaurantbetreiber ein und ausgingen und ein sehr betrunkener Italiener mit dem wir zu Beginn nicht ein Wort gewechselt hatten uns ein Bier und Schnaps nach dem nächsten ausgab. Auch der unfassbar ulkige und an eine Mischung aus einem für die Vogue geeigneten Quasi Modo und Gollum erinnerte, hatte offenbar seinen sozialen Abend und spendierte Pizza und Schnaps 🍕 Für den Fahrer Nate gab s Cola, Kaffee, O Saft und Wasser ☕🍵😏
    Die Musik wurde aufgedreht, die Stimmung brodelte und die Reizüberflutung sowie die Frage, womit wir das verdient hatten, endeten nicht. Die Musik wurde ausgedreht und Nate hatte ein absolut romantisches Klaviersolo, während der Italiener ihn anschmachtete. 💕 Obwohl so solo war s gar nicht, wenn man bedenkt, dass Paulina die wir inzwischen Peppa genannt hatten, auch 2 Tasten drückte und ich so tat als würde ich mit der Gitarre begleiten können 🎶🍻🍷
    Nach einer sehr italienisch dramatischen und herzlichen Abschiednahme, machten wir uns zügig auf den Weg. Bei offenen Dach folgte eine ebenso unfassbare Fahrt, nämlich am nächtlichen Gardasee lang. Der Gardasee ist ja wohl echt die Great Ocean Road 🇦🇺 bzw. Der Highway No. 1 🇺🇸 Europas.

    👨🏼‍🏫Nathanael der Weise: "Leute, das war geil!"

    Uns so unversehens, wie der 4 tägige Trip begonnen hatte, endete er, als Peppa und ich voller Erstaunen nach 10h Schaf plötzlich vor unserer Haustür in Kassel standen. Nate war wirklich ein Wunder🛣
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  • Day3

    Ey, lassma dasunddas machen

    October 9, 2019 in Italy ⋅ ⛅ 15 °C

    Auch wenn der Titel dieses Eintrages entgegen meiner Ansprüche an eine ästhetische Sprachverwendung ist, war es die letzten Tage einer der meistverwendeten Satzeingänge und wir munkeln nur, wann "Lassma" [als pathetischer und spontaner Ausdruck eines Vorschlags für eine Gruppentätigkeit] es in den Duden schafft.
    Jedenfalls verwendete vor allem Nate es so oft, dass wir aufgrund der Vielzahl an oft unrealistischen Ideen eine Abstimmung einführten: Man zählt bis 3 und danach sagt jeder in einem Stichpunkt was er will, das kann von "Ja und Nein" über "See oder Meer" bis hin zu "Mc Donalds oder Burger King" gehen und für Klarheit und schnelle Entschlüsse sorgen (Bei den erwähnten Fast Food Restaurants, diente die Methode eher einem Kennenlernspiel über die Präferenzen der anderen, was echt empfehlenswert für lange Autofahrten o.ä. ist)

    👨🏼‍🏫Nathanael der Weise zu FastFood: "Da ist nur scheiße und Chemie drin. Ich will mal ausschließlich unverarbeitete und zuckerfreie Lebensmittel zu mir nehmen! "

    Immer, wenn wir etwas Ungesundes in uns hinein stopften, durften wir uns die Leier anhören 😃 entwickelten aber gemeinsam diese Idealvorstellung von unserer künftig so stattfindenden Ernährung. Angefangen haben wir aber noch nicht... 😋

    Ich will hier niemanden damit langweilen, was wir wann gemacht haben, zumal Zeit und Chronologie bei einem solchen Trip sowieso nicht von großer Bedeutung sind 🌕🌙🌞

    Aber erwähnen, dass es verrückt ist, wie wenig man bzw. ich mich an meine Kindheitsurlaube erinnere. - Wie sehr erinnert ihr euch an früherer Familienurlaube oder Unternehmungen? -
    Denn mit den Worten "Ja, Jesolo 🇮🇹 wäre doch n super Ziel, das ist eine wunderschöne verspielte und altertümliche Stadt am Mittelmeer in der ich mit meinen Eltern mal auf einem genialen 🏕 Campingplatz mit kletterbaren Klippen am Strand war." lockte ich die anderen dahin, um festzustellen, dass ich irgendwas komplett verwechselt habe.
    In Jesolo erwartete uns nämlich eine Hotelhochburg und Touristenshops ohne Ende.

    FUNFAKT: Während wir uns die ganze Zeit auf ihr befanden suchten wir die längste Fußgängerzone Europas. Wir konnten sie nur nicht als solche identifizieren, weil außerhalb der Saison auch Autos darauf fahren dürfen. 🚗
    Aber Hey, wer kann schon behaupten, durch die längste Fußgängerzone Europas "gefahren" zu sein!?

    Außerdem war der Strand 🏖 absolut flach und unspektakulär (vor allem, wenn man bedenkt, dass außerhalb der Saison weder 🍌- Boatfahren noch Strand - 🚿 drin sind)
    Aber hey, wenn man selbst ein Spektakel ist, braucht man keine Spektakuläritat von außen. Und so sangen wir Lieder über das Schiff des Theseus (sehr niveauvoll), über uns und den Moment (so mittelmäßig niveauvoll) und irgendwann über Möpse (oberhalb aber dennoch unterhalb der Gürtellinie 😉 Heute sing/kt für sie: DAS NIVEAU!)
    So machten wir Liegestützbattles und
    philosophierten über das Leben, laberten Müll und trainierten unsere Bauchmuskeln vor Lachen.

    Unter griechischem Wein 🍷, welcher zu italienischem umgedichtet wurde, und
    Willie Nelson's "On The Road Again" 🎶 ging es, nachdem wir unsere unsagbar Energie beim Schwimmen oder Workout raus gelassen hatten, immer zurück ins Auto, um an einem anderen schönen Ort zu halten. Abgesehen von einer Nacht bei einem CS schliefen wir auch jedes Mal zu dritt im Auto. 2 vorne auf den nach hinten gelehnten Sitzen und einer hinten quer auf der Sitzfläche. Und auch wenn das absolut unbequem, eng und muffig klingt, sorgten unsere Winter- Kuscheldecken dafür, dass ich mein Bett zuhause ganz und gar nicht vermisste und es im Auto fast gemütlicher fand als im Bett. Ok, einmal war es muffig, nachdem wir richtig luxuriös gegrillt hatten.

    👨🏼‍🏫Nathanael der Weise: "Das war der Knoblauch"

    Gut, dass wir uns danach im Gardasee beim Tretbootfahren wuschen 🚿 💦

    🌟
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    Fred Knobel

    Sehr schön, aber wenn du dich mal an die Familienurlaube erinnern willst....frag vorher 😏 Caorle heißt die Stadt, die so schön und alt ist 😉😘

    10/12/19Reply
    Leona Knobel

    Hab Mama gefragt, weil ich dachte, ich war da bloß mit Mom 🙈😃 danke, Daddy ! :*

    10/13/19Reply
    Traveler

    Caorle? Da wären wir ja beinahe durchgefahren, wenn wir uns nicht spontan entschieden hätten, an einem Strand wenige Kilometer östlich von Caorle zu halten und auf den Sonnenuntergang zu warten 😆

    10/13/19Reply
    6 more comments
     

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