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Ryder, to Paris

A 17-day adventure by Ulrich Read more
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    🇫🇷 Essômes-sur-Marne, Frankreich

    Marne

    5 hours ago in France ⋅ ☀️ 15 °C

    Nach einem ausführlichen Frühstück verlasse ich frohgemut mein Hotel. Das Wetter ist wieder gut: Sonnenschein und Rückenwind. Ich habe wirklich Glück.
    Der gut asphaltierte Radweg führt weiter an der Marne entlang, teilweise am Fluss selbst, teils auch am Seitenkanal. Unterwegs gibt es alle paar Kilometer eine Schleuse für die Schiffer und einen Rastplatz für die Radfahrer. Die paar Schilder "Radweg überflutet" ignoriere ich. Nirgendwo ist das Wasser tiefer als 20 Zentimeter.
    In Dormans ist der asphaltierte Radweg leider zu Ende. Ich hatte geplant, ab hier dem Treidelpfad am Fluss zu folgen. Der erweist sich aber als aufgeweichter Fußpfad und ist für meine Zwecke nicht zu gebrauchen. Ich muss der Landstraße durch das Tal folgen.
    Überall in den Weinbergen wird schon intensiv gearbeitet. Auf der Straße kommen mir oft die merkwürdigen, hochbeinigen Spezialtrecker für den Weinbau entgegen.
    Für die Mittagspause kann ich schon in der Sonne auf einer Bank sitzen, etwas essen, etwas lesen, denn es ist schon angenehm warm.
    In Chateau-Thierry beende ich die heutige Etappe.
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  • Champagner für alle! 🍾

    Yesterday in France ⋅ ☀️ 13 °C

    Als ich morgens aus meinem Wohnwagen blicke, sehe ich schon an den Windrädern am Horizont, dass der Wind aus Osten weht. Endlich einmal Rückenwind! Das kann ich gut gebrauchen.
    Auf kleinen Landstraßen fahre ich nach Chalons-en- Champagne. Zwischendurch schaue ich mir etwas Gotik an.
    Mittags ist das Wetter schon frühlingshaft warm geworden. Ich sitze in der Sonne auf einer Parkbank und schaufle als Mittagessen einen großen Becher Mousse au chocolat in mich hinein.
    Ab hier folge ich der Fahrradautobahn neben dem Marne-Seitenkanal. Höhenunterschied: 0 Meter. Schließlich erreiche ich mein Hotel in der Stadt mit dem kürzestmöglichen Namen: Ay. In der Minibar findet sich eine Flasche Champagner und ich komme nicht umhin, den Abend damit zu verbringen, das lokale Getränk zu testen.
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  • Nach Varimont

    March 1 in France ⋅ ☀️ 11 °C

    Ich verlasse den Ort des Todes und setze den Kurs nunmehr wieder auf West, Richtung Paris und Champagne. Allmählich verlasse ich das Hügelland. Die Anstiege werden seltener, weniger steil und weniger hoch. Äcker ersetzen allmählich den Wald. Auf kleinen Landstraßen fahre ich von Dorf zu Dorf.
    Je offener die Landschaft wird, desto mehr ärgert mich ein böiger Gegenwind. Ich mache viele Pausen, um meine alten Knochen auszuruhen, aber irgendwann komme ich dann doch in meinem Wohnwagenlager an.
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  • Verdun 💀

    February 28 in France ⋅ ☀️ 10 °C

    Ich überquere die Grenze nach Frankreich und fahre auf kleinen Landstraßen nach Süden.
    Nachmittags nähere ich mich Verdun. Vor 110 Jahren war hier die Hölle, der Fleischwolf, die Knochenmühle. Im Ersten Weltkrieg kamen hier bei intensiven Kämpfen um die stark befestigten Höhen vor der Stadt rund 300.000 Soldaten um, die meisten von der Artillerie zerstampft, ohne dass sie ihren Feind überhaupt zu sehen bekommen hätten.

    "Die Erde zittert ununterbrochen. Nicht einzelne Einschläge, sondern ein dauerndes Beben, als würde der Boden selbst krank atmen. Man wagt kaum aufzustehen, denn über den Gräben hängt ein unsichtbares Dach aus splitterndem Eisen. Der Lehm ist von Granaten aufgerissen; er gibt nach unter den Stiefeln und legt frei, was gestern noch Kamerad war. Niemand hat Zeit, niemand die Kraft, die Toten zu bergen. Man lebt zwischen ihnen, über ihnen, manchmal in ihnen. Verdun ist kein Ort mehr – es ist eine Wunde, die nicht aufhört zu bluten." (Maurice Genevoix)

    Ich besuche einen deutschen Soldatenfriedhof. Ich sehe die Ruinen der Dörfer, die so stark zerstört waren, dass sie nie wieder aufgebaut wurden. Ich besuche das Fort Douaumont, wo die Soldaten tief unter der Erde in Nässe und Kälte hausten. Ich stehe vor dem monumentalen Beinhaus, in dem die Überreste von 130.000 französischen und deutschen Soldaten ruhen.

    Nachdenklich fahre ich hinunter in die Stadt, suche mein Quartier auf und bin froh, in einer anderen Zeit zu leben.
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  • Hinab 📉

    February 27 in Belgium ⋅ ☀️ 15 °C

    Der erste Weg führte mich heute morgen hinunter auf die Straße, um zu sehen, ob mein Fahrrad noch da ist. In der Unterkunft gab es leider keine Möglichkeit, das Fahrrad abzustellen, es musste also draußen auf der Straße stehen bleiben, und angesichts des Stadtbildes war ich mir gar nicht so sicher, ob es heute morgen noch da sein würde. Es stand aber noch am selben Platz, die Reise kann fortgesetzt werden.
    Die heutige Etappe sah in der Papierform leicht aus. Auf 60 km Länge sollte ich etwa 300 Meter absteigen.
    Zunächst ging es noch ein paar Kilometer auf der alten Eisenbahnstrecke entlang, dann bin ich links abgebogen und über kleine Landstraßen von Dorf zu Dorf gefahren. Das Wetter ist immer noch gut und überall herrscht frühlingshafte Emsigkeit. Die fleißigen Landwirte fahren unermüdlich Mist auf ihre Felder. Der einsame Radfahrer genießt die aromatische Landluft.
    Zwischendurch gibt es ein paar schöne, lange Abfahrten, die ich mühelos mit 30 km/h hinunter sausen kann, dann aber auch immer wieder kurze steile Anstiege, die ich in den kleinsten Gängen mit sechs Stundenkilometern hinauf kriechen muss. Gegen 4 treffe ich in meiner Unterkunft ein und behandle meine gequälten Beine in der Badewanne mit heißem Wasser.
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  • Dreiländertag

    February 26 in Belgium ⋅ ⛅ 13 °C

    Heute fahre ich von Belgien nach Deutschland nach Luxemburg nach Belgien, und meist sieht man nur am Design der Wegweiser oder an den Autokennzeichen, in welchem Land man sich überhaupt befindet.
    Der Tag beginnt mit kaltem Nebel, aber am Nachmittag scheint die Sonne.
    Zunächst fahre ich weiter auf der Vennbahn. Auch heute sind wieder ein paar hundert Meter Höhenunterschied zu bewältigen, immer schön langsam mit 2% Steigung. In Luxemburg muss ich dann für einige Kilometer auf die Landstraßen ausweichen, dann erreiche ich wieder einen Radweg auf einer ehemaligen Bahnstrecke. Ich fühle die Höhenmeter in meinen Beinen, und die letzten 20 km ziehen sich mächtig in die Länge. Gegen 17 Uhr erreiche ich dann aber doch Bastogne.
    Hier werden die amerikanischen Soldaten hoch verehrt, die um Weihnachten 1944 herum die deutsche Ardennenoffensive abgewehrt haben. An jeder Ecke gibt es ein Denkmal oder ein Museum.
    Ich kaufe mir ein Ladegerät für mein Handy, denn mein altes passt nicht in die lokalen Steckdosen, und etwas zu essen. Dann beziehe ich mein Zimmer in der Stadtmitte und versuche, mich wieder ein bisschen in Form zu bringen.
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  • Aufwärts ⏫

    February 25 in Belgium ⋅ ⛅ 14 °C

    Heute macht das Wetter alles wieder gut: Strahlend blauer Himmel, Sonne und Temperaturen weit über 10 Grad. Heute habe ich die Schlüsselstelle der ganzen Tour vor mir: Den Aufstieg aus der Tiefebene hinauf aufs Hohe Venn.
    Ich fahre noch ein Stück die Rur hinauf und biege dann ins Kalltal ab. Hier war vor 70 Jahren ein Schwerpunkt der Kämpfe im Hürtgenwald. Heute ist es ein idyllisches Wald- und Wiesental mit einem munteren Fluss. Mein Rad schraubt sich auf kleinen Straßen und Waldwegen allmählich immer höher. Ich habe immer einen Blick auf dem Höhenmesser, denn die 550 Meter muss ich heute noch erreichen.
    Schließlich öffnet sich das Tal, ich bin oben auf der Hochebene und erreiche nach kurzer Zeit den Radweg auf der ehemaligen Vennbahn. Die Bahn hat ihren Betrieb längst eingestellt und auf der Trasse wurde ein sehr komfortabler Radweg gebaut: 3 m breit, asphaltiert und wie bei der Eisenbahn üblich mit einer Steigung von maximal 2 %. Witzigerweise wurde nach dem Ersten Weltkrieg das Grundstück der Vennbahn dem belgischen Staatsgebiet zugeschlagen. Deshalb stehen rechts und links der Bahn überall Grenzsteine, und eigentlich bewege ich mich schon auf belgischem Territorium. Ich passiere Monschau, das tief unter mir im Tal liegt, und bald darauf auch die (eigentliche) belgische Grenze. Ab hier hört man ein munteres Durcheinander aus Französisch, Deutsch und Flämisch.
    Plötzlich, nur 10 km von meinem Tagesziel entfernt, habe ich einen Platten. Mir bleibt nichts übrig, als hier, auf offener Strecke, einen neuen Schlauch einzuziehen. Ein gemeiner Dorn hat tatsächlich das viele Millimeter dicke Material des Schwalbe Marathon durchstochen.
    Schließlich erreiche ich meine Unterkunft in Ondenval, auf deutsch Niedersteinbach, und muss erstmal die Heizung einschalten, denn drinnen sind es nur 16 Grad.
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  • Rechts ab ➡️

    February 24 in Germany ⋅ ☁️ 12 °C

    Ich verabschiede mich von den lieben Verwandten. Dann schwenke ich rechts ab, auf Generalkurs West, denn jenseits von Köln kenne ich niemanden. Viele Kilometer weit folge ich dem Kölner Randkanal.
    Das Wetter hält sich leider nicht an die Vorhersage. Ein fieser Nieselregen durchnässt mich. Die unbefestigten Wege sind noch aufgeweicht vom Regen der vergangenen Tage und voller Pfützen. Meine Hosenbeine, mein Fahrrad und meine Satteltaschen sind voller Dreck.
    Nach einiger Zeit komme ich zum Braunkohlentagebau Hambach. Just, als ich den Aussichtspunkt erreiche, kommt Nebel auf. Deshalb wird es nichts mit dem Blick in die Tiefe.
    Hinter Düren komme ich an die Rur. Ich folge dem Fluss noch einige Kilometer aufwärts. Bei Obermaubach finde ich ein schönes Zimmer für die Nacht und lege erstmal die Füße hoch.
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  • Don't pay the ferryman!

    February 23 in Germany ⋅ ☁️ 11 °C

    Morgens ein ausgiebiges Frühstück, verbunden mit langen Gesprächen, doch dann wird es Zeit, zu gehen. Eigentlich müsste ich heute nur locker 50 Kilometer weit den Rhein hinauf, aber ich habe andere Pläne.
    Über die Düsseldorfer Flughafenbrücke wechsle ich wieder auf die rechte Rheinseite. In der Altstadt kehre ich beim Bäcker ein für Kakao und Kuchen. Das Wetter ist viel angenehmer als gestern. Nachmittags lässt sich sogar die Sonne sehen und ich kann am Fluss auf einer Bank sitzen, dösen und den Schiffen zuschauen.
    Schließlich erreiche ich den Fähranleger in Zons. Von hier aus hätte ich nur noch 10 km zu fahren. Auch andere Passagiere warten schon. Da kommt der Kneipenwirt von nebenan zu uns und verkündet, dass der Fährverkehr wegen Hochwassers eingestellt ist!
    Da ist guter Rat teuer. Die nächsten Brücken sind zurück in Düsseldorf oder vorwärts in Leverkusen. Beides bedeutet einen erheblichen Umweg.
    Ich entscheide mich für Leverkusen. Nach einer Stunde bin ich da. Wegen des Hochwassers und umfangreicher Bauarbeiten rund um die Brücke wird der Fahrradverkehr weiträumig umgeleitet. Als ich nach einem kilometerlangen Umweg endlich auf der Rheinbrücke bin, wird es schon dunkel.
    Ich knipse mein Licht an, fahre noch 10 km über dunkle Radwege und treffe mit zwei Stunden Verspätung gegen 7 endlich bei Claudia, Toni und Marcel ein.
    Lange nicht gesehen! Der Abend vergeht mit Plaudern und Essen. Ich darf in Marcels Anbau wohnen.
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  • Regen

    February 22 in Germany ⋅ 🌧 12 °C

    Genug gefaulenzt, heute beginnt die Radtour! Das Wetter ist suboptimal: Zwar ist es 20 Grad wärmer als bei meiner Abfahrt in Glindow, aber es regnet. Es beginnt mit einem harmlosen Nieselregen, der bald in einen ausgiebigen Landregen, vermischt mit Schauern übergeht. Die Tropfen prasseln auf die Kapuze meiner Regenjacke.
    Ich kämpfe mich mitten durch das Ruhrgebiet, bald auf dem Radweg neben der Hauptstraße, bald auf Wegen durch den Park, bald auf Wohnstraßen. Die ganze Zeit versuche ich, die größten Pfützen zu umfahren.
    In Oberhausen komme ich am Gasometer vorbei. Meine Mittagspause mache ich unter dem Vordach des Kassenhäuschens.
    In Duisburg will ich mir den Hafen ansehen, laufe jedoch in eine böse Falle. Ich fahre auf einer langgestreckten Halbinsel zwischen der Ruhr und einem Kanal. Zu spät merke ich, dass die Brücke, die mich von der Halbinsel wieder herunter führen soll, wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Also: 5 km zurück, eine andere Brücke benutzt und eine neue Route gesucht.
    Beim Neubau der Rheinbrücke Neuenkamp für die A40 hat jemand an die Radfahrer gedacht und seitlich einen Radweg angeklipst. So kann ich dort meine erste Rheinüberquerung machen. Nun auf der anderen Seite noch 10 km stromauf, dann bin ich bei Frauke und Bernd in der Eisenbahnsiedlung.
    Meine Sachen sind total verdreckt vom Schlamm der unbefestigten Wege. Erst mal notdürftig sauber machen, duschen, etwas Sauberes anziehen und einen Riesenhähnchenschenkel vertilgen, dann geht's wieder.
    Der Rest des Abends vergeht im Flug bei angenehmen Gesprächen mit alten Freunden.
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  • Ryder

    February 21 in Germany ⋅ ☁️ 10 °C

    Mitch Ryder ist ein amerikanischer Rock- und Bluesmusiker. Seit seinem legendären Rockpalast-Auftritt 1979 hat er eine treue Fangemeinde in Deutschland. Seit vielen Jahren kommt er rund um seinen Geburtstag Ende Februar immer für eine kleine Tournee nach Deutschland, so auch dieses Jahr. In wenigen Tagen wird er hier auf der Bühne seinen 81. Geburtstag feiern.
    "My name is Mitch Ryder. I'm from Detroit." Wir haben uns wieder einen Platz unmittelbar vor der Bühne gesichert. Schon mit den ersten Takten ergreift uns die Live-Musik. Wir spüren den Bass und das Schlagzeug im Bauch und unter unseren Füßen.
    Mitch hat wieder eine Band von sehr guten, jungen Musikern voller Spielfreude mitgebracht.
    Allzu schnell ist das Konzert vorbei. Der Showstopper ist wieder "Soul kitchen", ein Doors Cover. Alles brüllt den Refrain "Let me sleep all night, in your soul kitchen". Als Mitch, dann plötzlich wieder ein gebrechlicher alter Mann, die Bühne noch vor der Band verlässt, ist es fast zu viel der Symbolik.
    "Well, the clock says it′s time to close now
    I guess I'd better go now
    I′d really like to stay here all night ..."
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  • Kaltstart

    February 20 in Germany ⋅ ☁️ -8 °C

    Weil wir im März und April wichtigere Dinge vor haben, starte ich dieses Jahr sehr früh in die Radtoursaison. Dabei hatte ich auf einen frühen Frühling gehofft, aber stattdessen einen späten Winter bekommen. Pünktlich um 7:10 Uhr schiebe ich mein Fahrrad aus der Garage. Die Temperatur beträgt -10 Grad. Mit Handschuhen und doppeltem Pullover fahre ich zum Bahnhof in Werder. Der Regionalzug bringt mich nach Berlin zum Hauptbahnhof. Von dort habe einen durchgehenden Intercity nach Recklinghausen gebucht. Mit einer dreiviertelstunde Verspätung trifft er tatsächlich am Bahnhof ein. Doch der Zugführer eröffnet mir, dass er keine Fahrräder mitnimmt. Offenbar ist der Originalzug kaputt gegangen und im Ersatzzug gibt es keine Fahrradplätze. "Nehmen sie doch einfach den Intercity nach Amsterdam!" Das mache ich dann auch. In Osnabrück steige ich in den Regionalzug um und treffe mit nur ungefähr einer Stunde Verspätung in Recklinghausen ein.Read more

    Trip start
    February 20, 2026