Durchs Nadelöhr nach Bad Kösen
September 17 in Germany ⋅ ☁️ 16 °C
Der Tag fängt sonnig an. ☀️ Und ich bin schon sehr früh wach.
Liegt es an der Sonne? Oder vielleicht doch eher an der Aufgabe, die heute Morgen vor mir liegt?
Ich muss mein Wohnmobil aus diesem Nadelöhr bekommen. 😳
Gestern Abend machen wir nichts mehr groß. Die Räder sind wieder aufgeladen, aber ansonsten verschieben wir alles, was mit Abreise zu tun hat, auf heute Morgen. Also räumen wir zusammen, verstauen Stühle und Tisch und irgendwann sind wir tatsächlich startklar.
Wäre da nicht das Wohnmobil hinter uns.
Das lässt mir nämlich überhaupt keine Chance, meinen E-Liner auch nur ansatzweise zu drehen. Zum Glück ist der Fahrer sehr kooperativ und fährt sein Wohnmobil ganz weit an die Seite.
Und dann beginnt die große Drehaktion.
Ein Stück vor, einschlagen, zurück, wieder vor – und immer schön daran denken, dass mein E-Liner acht Meter lang ist und hinten auch noch der Fahrradträger hängt. Schließlich muss ich durch diesen großen Torbogen hinaus.
Ich muss tatsächlich bis über die Straße, über den Bürgersteig und fast bis vor die gegenüberliegende Hauswand fahren, bevor ich überhaupt richtig einschlagen kann. Sonst bekomme ich das Hinterteil nicht durch den Torbogen.
Gitty steht draußen und soll mir anzeigen, wie viel Platz ich noch habe. Das tut sie auch fleißig. Sie winkt und gestikuliert und macht und tut.
Das Problem ist nur: Ich sehe sie nicht! 😂
Sie steht nämlich genau hinter dem Wohnmobil und damit außerhalb meines Sichtfeldes.
Also muss ich erst einmal lautstark erklären, dass es zwar sehr nett ist, wenn sie mir Zeichen gibt – ich davon aber herzlich wenig habe, wenn ich sie im Spiegel nicht sehen kann. 😂
Nach entsprechender Standortkorrektur funktioniert unsere Zusammenarbeit dann deutlich besser.
Noch ein paarmal vor und zurück und dann:
Geschafft! 🎉🚐
Mein E-Liner und ich sind draußen.
Und ein bisschen stolz bin ich schon.
Heute Morgen kommt nämlich noch einer der Wohnmobilisten zu mir und fragt:
„Sind Sie Busfahrerin?“
„Nein. Wieso?“
Er zeigt auf meinen E-Liner.
„Also, dieses Ding würde ich hier nicht reinfahren. Meine Hochachtung. Respekt!“
Ein anderer, der früher Lkw-Fahrer war, bietet mir sogar an, das Wohnmobil für mich hinauszufahren.
Aber irgendwie habe ich ja auch meinen Stolz. Was ich hier hineingefahren habe, bekomme ich schließlich auch wieder heraus.
Und habe ich ja auch! 😁💪
Nächstes Abenteuer: Tanken
Bevor wir endgültig Richtung Bad Kösen starten, müssen wir noch tanken. Also wieder durch die engen Straßen.
An der kleinen Tankstelle möchte ich gerade an die passende Säule fahren, da steht dort ein Kleintransporter mit Anhänger und bewegt sich keinen Zentimeter.
Ich hänge mit meinem Hinterteil schon fast auf der Straße, hinter mir staut sich der Verkehr, andere Autos wollen auf die Tankstelle und zu allem Überfluss stehe ich auch noch direkt vor der Ausfahrt der Waschanlage.
Läuft! 😂
Irgendwann erscheint der Fahrer des Kleintransporters und erklärt mir, ich müsse zurücksetzen, weil er nicht wegfahren könne. Sein Kumpel habe den falschen Kraftstoff getankt.
Na, herzlichen Glückwunsch.
„Ich fahre hier keinen Meter mehr zurück“, erkläre ich ihm.
Also wird überlegt, geguckt und rangiert. Als schließlich das letzte Auto aus der Waschanlage kommt, habe ich die rettende Idee: ein kleines Stück zurück, dann einfach durch die Waschanlage hindurch, einmal hinter der Tankstelle herum und von der anderen Seite wieder nach vorne.
Geht doch!
Man muss sich nur zu helfen wissen. 😄
Endlich ist der Tank voll und wir können los.
Durch die Saale-Unstrut-Landschaft
Jetzt geht es Richtung Naumburg und weiter nach Bad Kösen. Bei diesem strahlend blauen Himmel sieht die Landschaft einfach wunderschön aus. ☀️
Rauf und runter, kreuz und quer, über kleine Straßen und durch Dörfer. Das letzte Stück zum Campingplatz an der Rudelsburg wird dann allerdings wieder ziemlich schmal.
Mehr als einmal denke ich:
Bitte lass jetzt keinen entgegenkommen!
Offenbar hört mich jemand – es kommt keiner. 😅
Natürlich sind wir viel zu früh. Vom Stellplatz Schleusenblick müssen wir bereits um 11 Uhr herunter, am Campingplatz ist Check-in aber eigentlich erst ab 14.30 Uhr.
Ich gehe zur Rezeption und frage einfach.
Der Platz ist frei und wir dürfen schon drauf – kostet allerdings extra. Na ja. Hier kostet sowieso so einiges extra. Selbst die Toilettenkassette kann man nicht einfach entsorgen, sondern muss dafür die entsprechende Reinigungsanlage benutzen.
Immerhin: Die Duschen sind frei. Die Münzkästen hängen zwar noch da, gelten aber offenbar nicht mehr. Man muss ja auch mal Glück haben. 😉
Als mein Wohnmobil endlich auf seinem Platz steht, holen wir als Erstes die Stühle heraus.
Kaffee. Sonne. Hinsetzen. ☕☀️
Genau darauf freue ich mich schon seit dem Aufstehen.
Jetzt ist alles hinter mir: Torbogen, Rangieren, Tankstellenchaos und enge Straßen.
Und tatsächlich – kaum sitze ich mit meinem Kaffee in der Sonne, geht es mir wunderbar.
Zu Fuß nach Bad Kösen
Lange halten wir es mit dem Nichtstun allerdings nicht aus. Unser nächstes Ziel ist Bad Kösen, nur etwa anderthalb Kilometer entfernt.
Also beschließen wir, zu Fuß zu gehen.
Der Weg führt wunderschön an der Saale entlang. Bad Kösen gehört heute zu Naumburg und ist vor allem durch seine lange Geschichte als Salz- und Kurort bekannt. Und genau diese Geschichte begegnet uns schon beim Spaziergang.
Wir laufen am Saaleradweg entlang, das Wasser neben uns, viel Grün drumherum – herrlich entspannt.
Als wir nach Bad Kösen hineinkommen, entdecken wir plötzlich mehrere große Wasserräder und ein merkwürdiges hölzernes Gestänge.
Was ist das denn?
Über unseren Köpfen bewegt sich eine Konstruktion aus langen Holzstangen hin und her. Wir laufen darunter hindurch und können uns zunächst überhaupt keinen Reim darauf machen.
Also werden wir neugierig.
Und schließlich finden wir heraus, dass wir hier einen Teil der historischen Salinetechnik von Bad Kösen vor uns haben.
Die Wasserkraft der Saale treibt die großen Räder an. Über das historische Kunstgestänge wird diese Energie über eine erstaunlich lange Strecke zum ehemaligen Salzwerk übertragen. Das Gestänge gehört zu den technischen Besonderheiten Bad Kösens und erinnert daran, wie aufwendig früher die Soleförderung ohne Motoren und Elektrizität funktionierte.
Am Gradierwerk rieselt die Sole anschließend über Schwarzdornreisig. Dabei verdunstet Wasser, die Sole wird konzentrierter und gleichzeitig entsteht diese typische salzhaltige Luft, wegen der man sich in der Nähe eines Gradierwerks fast ein bisschen wie an der See fühlt.
Bad Kösen entwickelt sich durch seine Solequellen schließlich auch zum Kurort. Die Salzgewinnung und der Kurbetrieb prägen den Ort über lange Zeit.
Und plötzlich ergibt dieses ganze merkwürdige Gestänge, unter dem wir gerade noch völlig ahnungslos hindurchlaufen, einen Sinn.
Sogar zur Unterhaltung der Kurgäste wird die Wasserkraft früher genutzt: In der historischen Badeanlage sorgt die Technik zeitweise für künstlichen Wellenschlag.
Schon erstaunlich, was man unterwegs so alles entdeckt.
Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang durch Bad Kösen. Alles wirkt klein, ruhig und ein bisschen verträumt. Viel los ist nicht – und gerade das gefällt uns.
Irgendwann meldet sich allerdings ein alter Bekannter:
der kleine Hunger. 😋
Und wenn der erst einmal da ist, will er auch zufriedengestellt werden.
Wir landen beim Netto und kaufen uns ganz unspektakulär ein Brötchen. Kein Café, keine große Einkehr – einfach ein trockenes Brötchen und unser Wasser dazu.
Und wisst ihr was?
Es schmeckt! 😂
Der kleine Hunger ist zufrieden und wir können weiter.
Bei der Gelegenheit versorge ich mich noch mit Bargeld, denn am Schleusenblick gilt offenbar: Nur Bares ist Wahres.
Und natürlich brauche ich noch eine Ansichtskarte für Paul. 💌
Von jedem Ort bekommt er von mir eine Karte geschickt. Ich finde das schön. Kinder kennen heute E-Mails, WhatsApp und Fotos auf dem Handy – aber eine richtige Ansichtskarte im Briefkasten ist schon fast etwas Besonderes geworden.
Also geht auch aus Bad Kösen wieder ein kleiner Urlaubsgruß auf die Reise.
Spritz, Induktionsplatte und One-Pot-Pasta
Gegen halb vier oder vier sind wir wieder zurück am Wohnmobil.
Jetzt wird erst einmal die Nachmittagssonne ausgenutzt. Wir legen die Beine hoch, hören ein bisschen Hörbuch und genießen einfach das schöne Wetter.
Gegen halb sechs meldet sich erneut der Hunger.
Und heute hat meine neue Induktionsplatte Premiere.
Wir schnippeln draußen vor dem Wohnmobil, kochen und gönnen uns nebenbei einen Spritz. 🍹
Ich bin gespannt, ob das mit der Induktionsplatte so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe.
Tut es!
Sogar prima.
Innerhalb kürzester Zeit steht unsere One-Pot-Pasta auf dem Tisch.
So mag ich Wohnmobilküche: unkompliziert, schnell und lecker.
Als es später kühler wird, räumen wir zusammen und gehen zum Spülen.
Und wen treffen wir dort?
Tatsächlich den ehemaligen Lkw-Fahrer vom Schleusenblick, der mir heute Morgen noch angeboten hat, mein Wohnmobil aus dem Nadelöhr zu fahren.
„Und? Seid ihr gut rausgekommen?“, fragt er gleich ganz aufgeregt.
„Na klar!“
Natürlich erzählen wir ihm, dass alles geklappt hat – und dass ich meinen E-Liner höchstpersönlich durch den Torbogen manövriert habe.
Schließlich habe ich ja meinen Stolz. 😄
Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile. Schon lustig, dass wir uns ausgerechnet hier wieder über den Weg laufen.
Und nun neigt sich auch dieser Tag langsam dem Ende zu.
Noch ein bisschen gemütlich im Wohnmobil sitzen, fernsehen, duschen und dann ab ins Bett.
Wieder ist ein Tag unserer Saale-Unstrut-Tour vorbei. Einer, der morgens mit einem ziemlich großen Nadelöhr beginnt und abends ganz entspannt mit Pasta, Spritz und einer netten Zufallsbegegnung endet.
Und eines weiß ich nach heute ganz sicher:
Wenn ich meinen E-Liner irgendwo hineinbekomme, dann bekomme ich ihn auch wieder heraus. 😉🚐💪Read more





































TravelerWeiter so 👍
TravelerRudelsburg und Saaleck habt ihr sicher noch vor......auf der anderen Seite oben ist das Himmelreich, eine Empfehlung für die Einkehr
Womofriends-on-tourDanke für denTipp. 🏰✨ Rudelsburg und Saaleck sind nämlich für heute geplant 🌊🥾