• Rudelsburg, Burg Saaleck und Bad Sulza

    Sep 18–28 in Germany ⋅ ⛅ 18 °C

    Zwei Burgen, 40 Kilometer und ein Federweißer zum Finale 🚴‍♀️🏰🍷

    Der Morgen beginnt grau und ein bisschen regnerisch. Also beschließen wir, heute mal richtig auszuschlafen. Na ja – was man bei uns so ausschlafen nennt: Wir bleiben bis 9 Uhr im Bett mit Kaffee und Lektüre. Danach beginnt das übliche Programm: Frühstück machen und ein bisschen Hausarbeit.

    Obwohl es grau ist, ist es gar nicht kalt, und so decken wir draußen den Frühstückstisch. Kaum steht alles da, fängt es natürlich an zu regnen. Also schnell die Markise raus – und schon sitzen wir doch noch gemütlich draußen und frühstücken im Trockenen.

    Danach steht das weniger romantische Wohnmobilprogramm an: Ver- und Entsorgung. Das Abwasser bin ich am Stellplatz Schleusenblick nicht richtig losgeworden, also muss das heute erledigt werden. Ein Abwasserrohr gibt es am Platz, nur leider habe ich keinen passenden Schlauch dafür. Also kommt mein Wassertaxi zum Einsatz. Zum Glück sind es nur ein paar Schritte. Auch die Toilette können wir ganz normal entsorgen und müssen dafür nicht den Automaten benutzen.

    Viel wichtiger ist allerdings unsere Wäschespinne. Die funktioniert nach dem Regenschirmprinzip – theoretisch jedenfalls. Praktisch lässt sich dieser verdammte Schirm keinen Zentimeter hochschieben. Wir drücken, ziehen und probieren, bis wir schließlich einen vorbeikommenden Mann um Hilfe bitten. Und siehe da: Auch der hat ordentlich zu tun! Irgendwann gibt die Wäschespinne auf und entfaltet sich. Es liegt also definitiv nicht nur an uns. 😅

    Gegen 12 Uhr sind wir endlich startklar.

    Heute soll es eine Mischung aus Rad- und Wandertour werden. Unser Plan: mit den Rädern zur Rudelsburg, weiter zur Burg Saaleck, anschließend einen empfohlenen Stellplatz direkt an der Saale anschauen und danach entweder nach Camburg oder Bad Sulza radeln.

    So weit der Plan.

    Wer uns kennt, ahnt schon, was jetzt kommt.

    Natürlich wählen wir erst einmal nicht den einfachen Weg. Statt zwei oder drei Kilometern werden es ungefähr dreimal so viele. Irgendwann befinden wir uns auf9 einer ziemlich abenteuerlichen Strecke mitten durch den Wald. Es geht mörderisch bergab, über Steine, Wurzeln und Wege, bei denen man sich fragt, ob sie überhaupt als Wege gedacht sind.

    Und ausgerechnet jetzt hat Google Maps keinen Empfang.

    Na wunderbar.

    Wir fragen Spaziergänger, wo es zur Rudelsburg geht und die schicken uns wirklich auf diese Strecke. Das sei der Radweg. Vorher hat sogar ein Autofahrer abgehalten und gefragt, ob er uns helfen kann. Wir müssen wohl sehr verzweifelt ausgesehen haben. Die Leute hier sind wirklich nett. Irgendwie kommen wir schließlich heil aus dieser Wildnis heraus und landen beim Löwendenkmal unterhalb der Rudelsburg.

    Das mächtige Relief wurde 1926 errichtet und erinnert an die 2.360 Kösener Corpsstudenten, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Der von Lanzen getroffene Löwe stammt von dem Bildhauer Hermann Hosaeus. Ein eindrucksvoller, aber auch nachdenklich stimmender Ort. Von hier oben haben wir außerdem einen fantastischen Blick hinunter ins Saaletal.

    Weiter geht es bergauf – diesmal zum Glück auf einer richtigen Straße. Vorbei an weiteren historischen Denkmälern erreichen wir schließlich die Rudelsburg.

    Und die kann sich wirklich sehen lassen.

    Hoch über der Saale thront sie auf einem steilen Kalkfelsen. Die Burg entstand in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und wurde 1171 erstmals urkundlich erwähnt. Im 19. Jahrhundert wurde sie teilweise wiederhergestellt und zu einem Symbol der Burgenromantik. Heute gehören die Rudelsburg und die benachbarte Burg Saaleck zu den bekanntesten Wahrzeichen des Saaletals.

    Heute ist es hier erstaunlich ruhig. Wir betreten den Burghof und können uns gut vorstellen, wie es an einem sonnigen Sommertag aussieht, wenn der Biergarten voll besetzt ist. Jetzt stehen die Tische leer. Die wenigen Gäste, die mit dem Auto heraufgekommen sind, sitzen drinnen unter Kronleuchtern und bei Kerzenschein. Sieht ziemlich feudal aus.

    Und dann dieser Blick! Einfach bombastisch.

    Nachdem wir uns alles angeschaut haben, steigen wir wieder auf die Räder. Und jetzt geht es – nach unten.

    Nach unten?

    Wir wollen doch zur nächsten Burg! Burgen sond doch oben?

    Aber tatsächlich fahren wir immer weiter bergab, bis wir schließlich einen Wanderweg zur Burg Saaleck erreichen. Hier stellen wir die Räder ab. Mit denen wären wir sowieso niemals dort hochgekommen.

    Also geht es zu Fuß weiter.

    Die Burg Saaleck wurde bereits 1140 erstmals erwähnt und ist vor allem durch ihre beiden weithin sichtbaren romanischen Bergfriede unverwechselbar. Zusammen mit der Rudelsburg prägt sie das Bild dieser Landschaft wie kaum etwas anderes.

    Heute ist die Burg geschlossen. Macht aber nichts. Der Platz hier oben ist wunderschön, und wir machen erst einmal Pause und genießen den Blick über das Saaletal.

    Zwei Burgen erobert. Das muss reichen.

    Zurück bei den Rädern beschließen wir, uns den empfohlenen Stellplatz bei Stendorf direkt an der Saale anzuschauen.

    Und – wer uns kennt – natürlich fahren wir erst einmal zwei Kilometer in die falsche Richtung. 😂

    Irgendwann merken wir es. Also umdrehen und zurück.

    Der Stellplatz entschädigt uns allerdings. Klein, wildromantisch und direkt an der Saale gelegen – genau so etwas mag ich. Platz für vielleicht zehn bis fünfzehn Wohnmobile, und am frühen Nachmittag ist tatsächlich nur noch ein einziger Platz frei.

    Dann geht es weiter.

    Eigentlich möchte ich nach Camburg. Irgendwie verfehlen wir aber mal wieder den richtigen Weg und landen stattdessen in Bad Sulza.

    Auch nicht schlecht.

    Als wir endlich den Saale-Radweg gefunden haben, fahren wir durch eine wunderschön gepflegte Anlage oberhalb des Kurparks, an einem Bachlauf entlang und schließlich mitten hinein in die Kurstadt.

    Bad Sulza ist seit Jahrhunderten eng mit Salz und Sole verbunden. Bereits im 16. Jahrhundert entstand hier eine Saline, im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Ort zum Kurbad. Das Gradierwerk „Louise“, der Kurpark und die Toskana Therme gehören heute zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Die Therme wurde 1999 eröffnet, und Bad Sulza ist heute als Sole-Heilbad und zugleich als Weinstadt bekannt.

    Wir dagegen sind inzwischen vor allem eins: durstig und hungrig.

    Nach unseren beiden Burgbesteigungen hätten wir jetzt gern ein hübsches Café oder eine nette Gastwirtschaft. Nur – wo ist eigentlich die Innenstadt?

    Wir finden schließlich eine Bäckerei und kehren ein und fragen die Verkäuferin.

    Sie fängt an zu lachen.

    „Eine Stadt gibt's hier nicht wirklich.“

    Na gut. Dann eben nicht. 😄

    Sie erzählt uns, dass nach Corona vieles verschwunden sei und es heute nur noch wenige Geschäfte und Gastwirtschaften gebe.

    Also gibt es Kaffee und Brötchen beim Bäcker. Und die schmecken nach dieser Tour sowieso hervorragend.

    Auf dem Hinweg sind wir bereits am Gradierwerk Louise vorbeigefahren. Ich hätte es beinahe nicht als Gradierwerk erkannt, weil es überdacht ist. Früher dienten solche Anlagen dazu, die Salzkonzentration der Sole zu erhöhen. Heute kann man beim Vorbeigehen die salzhaltige Luft einatmen – ein bisschen Meeresklima mitten in Thüringen.

    Direkt dort liegt auch der Wohnmobilstellplatz, den ich für Sonntag ins Auge gefasst habe. Denn Sonntag soll es den ganzen Tag regnen, und von hier könnten wir wunderbar in die Toskana Therme gehen.

    Nur: Der Stellplatz ist heute schon rappelvoll.

    An einem Freitag

    Na, schauen wir mal.

    Auf dem Rückweg passiert dann etwas geradezu Unglaubliches: Wir finden auf Anhieb den richtigen Radweg! 😂

    Und was für einen.

    Jetzt fahren wir wirklich wunderschön an der Saale entlang. Unter alten Bäumen, immer wieder mit Blick auf den Fluss, durch Weinberge und kleine Weinorte.
    Und dann entdecken wir eine wunderschöne Straußwirtschaft direkt oberhalb der Saale.

    Da können wir unmöglich vorbeifahren.

    Also Räder abstellen, Platz suchen und einfach genießen. Die Sonne steht schon tiefer, das Licht liegt golden über der Saale – und vor uns steht ein Glas Federweißer.

    Herrlich. 🍷☀️

    Als der Federweiße leer ist, ist es allerdings schon fast 18 Uhr.

    Und wir haben noch rund zehn Kilometer vor uns.

    Das Gemeine daran: Unseren Campingplatz können wir irgendwann schon fast sehen. Nur liegt zwischen ihm und uns ein kleines, aber ziemlich unüberwindbares Hindernis.

    Die Saale.

    Also müssen wir erst bis Bad Kösen hinein, dort über die Brücke und auf der anderen Seite wieder zurück.

    Als wir schließlich am Wohnmobil ankommen, sind wir ziemlich platt: fast 40 Kilometer mit dem Rad, zwei Burgbesteigungen und mehr als 10.000 Schritte. Und das Ganze mit einer hartnäckigen Erkältung.

    Das reicht für heute.

    Wir lassen uns erst einmal in unsere Stühle fallen und genießen die letzten Sonnenstrahlen. Aber sobald die Sonne weg ist, wird es schnell kalt, und wir verziehen uns ins Wohnmobil.

    Zum Glück müssen wir nicht mehr kochen. Von gestern ist noch etwas übrig. Kurz aufgewärmt – und mit dem Hunger nach diesem Tag schmeckt es sowieso wie ein Fünf-Sterne-Menü.

    Danach werden noch die Räder versorgt, die Akkus ans Ladegerät gehängt, alles abgeschlossen und für die Nacht abgedeckt.

    Und dann?

    Duschen. Reisebericht schreiben. Ein bisschen Fernsehen. Beine hoch.

    Was für ein Tag! Wir wollten eigentlich nur ein bisschen Rad fahren und zwei Burgen anschauen. Am Ende werden daraus fast 40 Kilometer, zwei Burgbesteigungen, eine unfreiwillige Waldexpedition, mehrere Umwege, Bad Sulza statt Camburg und ein Federweißer über der Saale.

    Also eigentlich ein ganz normaler Urlaubstag bei uns. 😂

    Morgen soll das Wetter noch einmal richtig schön werden.

    Und natürlich haben wir schon einen Plan. 😎
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