Wir starten in Felsberg und überqueren einen Alpenpass nach dem anderen. Wie weit? Wir werden sehen...
  • Day39

    Es waren einmal...

    August 19, 2020 in Switzerland ⋅ ⛅ 18 °C

    ...eine Wandersfrau und ein Wandersmann, die in ein fernes Land weit weit weg reisen wollten, um die Schätze dieses Landes kennenzulernen. Das Land hiess Kanada. Das kleine, fiese Rumpelcovidchen, es war das neunzehnte, hatte andere Pläne mit ihnen. Es wollte, dass sie sich erst in einem anderen, viel kleineren Land bewiesen. Dafür sollten sie auf 33 Etappen vom Osten in den Westen des Landes wandern. Die Strecke mit 40 Pässen war 590km lang und es mussten 37'240 Höhenmeter erstiegen, sowie 37'530 wieder vernichtet werden. Den beiden blieb nichts anderes übrig, als das Abenteuer anzutreten und sich den Gefahren, die da lauerten zu stellen. Auf ihrer Reise erklommen sie unzählige Berge, durchquerten die tiefsten Täler. Sie durchschritten reissende Bäche. Sie trotzen Schneestürmen und Gewittern, lagen bei eisigen Temperaturen in ihrem kleinen Zelt und hofften, dass der manchmal erbarmungslose Wind dem Stück Stoff über ihnen nichts antun würde. Überall lauerten Gefahren, wie lose Steine, rutschige Wurzeln, gemeine, bodenlose Abgründe, einbrechende Schneefelder und stromführende Stolperfallen. Sie mussten dunkle Höhlen mit unbekannten Wesen durchwandern. Manchmal litten sie Hunger und Durst. Irreführende Wegweiser oder versteckte Wegmarkierungen machten ihnen das Leben schwer. Eisige Winde oder sengende Hitze, schmerzende Blasen, wunde Stellen und verspannte Muskeln versuchten sie erfolglos zu zermürben. Doch das war noch lange nicht alles, was ihnen an Gefahren drohte. Da gab es auch die gehörnten, ziegenfüssigen Bergwesen, welche mit Steinen nach ihnen schmissen. Oder die gesichtslosen Wollknäuel, welche in grosser Zahl, mit ihrem schwarzen Loch statt einem Gesicht, die beiden Wanderer verfolgten und jagten. Andere gehörnte, bullige Wesen versuchten all ihr Habe anzusabern und zu fressen. Nur mit selbstlosem Körpereinsatz und viel Kampfwillen konnten diese heiklen Situationen gemeistert werden. Erschwerend kam dazu, dass sie sich in vier fremdartigen Sprachen verständigen mussten. Aber die tapferen Helden waren auch nicht ganz auf sich gestellt. Sie hatten Gefährten. Helfer die ihnen Unterkunft anboten. Sie verköstigten. Ihnen Mut zusprachen und ihnen über die schwersten Zeiten halfen. Einige taten dies direkt vor Ort, andere sendeten ihre Kraft aus der Ferne. Auf jeden Fall waren sie eine Einheit, die schlussendlich die schwere Prüfung meisterte. Die beiden Wandersleute erreichten nach 38 Tagen erschöpft aber glücklich ihr Ziel.
    Und wenn sie nicht gestorben sind, sitzen sie jetzt im Zug und schmieden schon neue Pläne, wie sie dem Rumpelcovidchen, welches auch weiterhin die Reisepläne zunichte machen will, ein Schnippchen schlagen könnten, um ihre Reise, wie auch immer, doch noch antreten zu können.
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  • Day38

    Finisher

    August 18, 2020 in Switzerland ⋅ 🌧 16 °C

    Es ist kurz nach 16.00 Uhr, als wir die letzten Meter unserer Tour durch St.Gingolph dem Lac Léman entgegenwandern. Es gibt keine Ziellinie, keine jubelnde, klatschende, uns anfeuernde Menge am Strassenrand. Es gibt keine spontanen Gratulationen oder Umarmungen. Es gibt auch keine Medaille, kein Zertifikat. Es gibt nicht einmal ein Finisher-Shirt. Was es gibt, ist die Gewissheit, dass wir in den letzten 38 Tagen zu Fuss vom Osten in den Westen der Schweiz gewandert sind. Es gibt die Zufriedenheit die Strecke bewältigt zu haben. Und vor allem gibt es die Erinnerungen an eine schöne Bergwelt, an viel Natur, an Momente und Situationen, an Begegnungen, an Eindrücke und Gefühle. Erinnerungen, die viel mehr wert sind als jede Medaille oder jedes Finisher-Shirt. Es bleiben die Dinge, weswegen wir das ganze Unterfangen in Angriff genommen haben und die es lohnenswert machen.
    Aber jetzt doch noch etwas zum letzten Wandertag.
    Beim Frühstück leeren wir die Konfitüre und den Butter. Kaffe hat es sowieso schon keinen mehr. Alles was wir nicht mehr brauchen oder in den letzten Tagen durch den starken Gebrauch gelitten hat, kommt in den nächsten Abfalleimer. Mit etwas weniger Gewicht geht es also an den ersten Aufstieg zum Col de Taney. Ein knapp 400 Höhenmeter, extrem steiler Bergweg, der grösstenteils aus losem Gestein besteht. Beim Lac de Taney gönnen wir uns eine flüssige Stärkung, bevor wir uns den zweiten Col des Tages vornehmen. Der Weg führt uns in ein vergessenes Tal mit einer schönen Alp. Nach dem Pass stehen wir über dem Lac de Lovenex und geniessen den Blick über den kleinen Bergsee Richtung Lac Léman. Ein kurzer Abstieg zum See und ein ebenfalls kurzer Aufstieg zum dritten und letzten Pass, bringt uns unserem Ziel St.Gingolph einen grossen Schritt näher. Knappe 1400 Höhenmeter Abstieg über steile Bergwege, Asphaltstrassen, dschungelartige Waldwege (auf welchen teilweise eine Machete hilfreich wäre) und durch die Strässchen des französisch anmutenden St.Gingolph später, stehen wir am Ufer des Genfersees, montieren unsere Badesachen und springen in das kühlende Nass. Die Ankunft feiern wir zu zweit mit einem Bier bzw. Cider bei Galettes und Crêpes bevor wir uns in unser Hotelzimmer zurückziehen.
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  • Day37

    Rutschpartie

    August 17, 2020 in Switzerland ⋅ ☁️ 18 °C

    Die Wetterprognosen für den zweitletzten Wandertag sind katastrophal: Regen, den ganzen Tag. Da es aber bereits am Vorabend um 21.00 Uhr mit gewittern begonnen und bis weit in die Nacht weitergeregnet hat, hoffen wir, dass durch eine Wasserknappheit da oben, wir verschont bleiben. Und genau so kommt es auch. Es zeigen sich zwar noch vereinzelte Wolkenbänke, sonst ist es aber blau. Ein kurzer Zwischenstop beim Bäcker von Morgins, dann geht es auf 3km Asphalt und 1km Bergwanderweg den Hang hoch nach Portes de Culet. Kaum haben wir die Asphaltstrasse verlassen, schmatzt und saftet es unter den Wanderschuhen. Der Regen hat deutliche Spuren hinterlassen. Beim Aufstieg ist uns das noch recht egal, beim anschliessenden Abstieg merken wir aber schnell, dass es auch recht rutschig ist. Oft können wir uns nach einem Ausrutscher nur mit Mühe auf den Beinen halten. Vor allem weil uns die Rucksäcke, einmal in Bewegung, massiv bodenwärts ziehen. Die Kombination von nassen, schmutzigen Sohlen mit dem Überqueren einer Metallrampe wird Priska dann auch zum Vehängnis. Unsanft setzt sie sich zu Boden, um mit einem leisen Flucher wieder aufzustehen. Glücklicherweise ist nichts schlimmeres passiert. Die Strecke ist trotz weiterer Asphaltabschnitten abwechslungsreich. Das Wetter hält, auch wenn mehr Wolken am Himmel aufgetaucht sind und es ab und zu einige Tropfen regnet. Unterdessen können wir zwischen Bäumen und Nebelschwaden kurze Blicke auf unser Endziel, den Lac Léman, erhaschen. 2km vor unserem erhofften Tagesziel sprechen wir mit einem älteren Päärchen, welches mit Campingstühlen und -tisch ausgerüstet, hoch über dem unteren Rhonetal sitzt und ein Glas Rotwein trinkt. Sie erzählen uns etwas über die Gegend und warnen uns vor dem Wanderweg, den wir gleich gehen wollen. Er sei extrem rutschig, steinschlaggefährdet, ausgesetzt und technisch schwierig zu begehen. Wir bedanken und verabschieden uns und stehen kurz danach vor einem Schild, worauf bestätigt wird, was uns eben berichtet wurde. Der Wald erinnert mit all den Moosen, den zerfallenden, umgestürzten Bäumen und dem darin hängenden Nebel an einen feuchten Regenwald. Und der Weg hat es wirklich in sich. Kaum ein Schritt endet dort, wo er angedacht war. Alles scheint wie mit Schmierseife eingestrichen und jeder Schritt will gut überlegt sein. Dankbar nehmen wir die spärlich angebrachten Ketten zu Hilfe. Nach einer Stunde, etlichen Rutschern, vielen Holzstufen und sogar einer Leiter erreichen wir den von uns angestrebten Platz, stellen zum letzten Mal unser Zelt und geniessen den Rest des Tages.Read more

  • Day35

    Elektro vs. Old School

    August 15, 2020 in Switzerland ⋅ ☀️ 18 °C

    Die Etappe vom Col de Cou führt uns heute durch das Gebiet Portes du Soleil. Die Strecke ist mässig attraktiv und weist mit all den Fahrwegen und Waldabschnitten grösstenteils flachländische Züge auf. Und die erwarteten Bikeinputs bleiben auch aus. Wir sehen viele vollgefederte E-Bikes auf Fahrwegen. Wir sehen frontgefederte Stahlrahmen mit progressiven 6cm-Marzocchi-Federung oder mit Gepäckträger und Licht ausgestattete Citybikes auf Singeltrails. Wir sehen teilweise zugewachsene, verlassene Downhillstrecken. Wir sehen viele Bikeverbote. Wir sehen aber keine All-Mountain-, Enduro-, geschweige denn Downhillstühle. Also bleibt uns "nur" ein schönes Panorama und eine Unzahl an Steinadler, die am Himmel ihre Kreise ziehen. Vielleicht ist es wie bei den Geiern und irgendwo da, wo die Adler kreisen liegen die ausbleibenden Downhiller?
    Nach vier Stunden erreichen wir Morgins, wo wir zwei Nächte bleiben werden. Und wir finden den Aufenthaltsort all der adrenalinsüchtigen Abfahrern mit ihren verschwitzten Ritterrüstungen und den geschlossenen Helmen. Wir setzen uns auf die Restaurantterrasse mit den meisten Bikern, da wir zwar etwas anders gekleidet sind, aber etwa den gleichen Odeur verbreiten. Wenig später checken wir im Hotel ein und geniessen das Nichtstun.
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  • Day34

    Wirtschaftskunde

    August 14, 2020 in Switzerland ⋅ ⛅ 11 °C

    Schon eine Dreiviertelstunde nach unserem Wanderstart sitzen wir vor der Cabane de Susanfe bei Kaffee und Kuchen. Der anschliessende Abstieg und die Traverse zum Refuge de Bonaveau fordert unsere volle Aufmerksamkeit, da ein grosser Teil des Wegs in einer Felswand verläuft und etliche mit Ketten gesicherte Kletterpassagen zu meistern sind. Diese Kletterei gibt Hunger und wir geben der Käseschnitte beim liebevoll geführten Refuge nochmals eine Chance. Das Gericht schmeckt vorzüglich, liegt aber beim anschliessenden Aufstieg erneut schwer im Magen. Wir werden von jetzt an die Essensempfehlungen der Bürolisten besser hinterfragen müssen. Die Traverse zum Refuge de Barme ist wieder einfaches Wandern mit gelegentlicher Aussicht auf Champery und einzelne Erhebungen des Bike- und Skiparadieses Porte-du-Soleil. Ansonsten starren wir das Grau des Nebels an. Auch bei der dritten Hütte kehren wir ein, da wir der Tarte de Myrtilles einfach nicht wiederstehen können. Und wir schnorren auch hier ein halbes Kilo Brot. Der bis jetzt fehlende Pass erledigen wir noch mit dem Col de Cou. Beim Aufstieg durch dichte Wälder und Feuchtgebiete sammeln wir noch einige Pilze für unser Nachtessen Pilzrisotto. Auch auf diesem Wegabschnitt sehen wir nur ab und zu Ausschnitte eines schönen Bergpanoramas, aber wir sind froh, dass es trocken bleibt. Auf dem Col angekommen überschreiten wir noch kurz die Grenze Schweiz-Frankreich, kommen aber gleich wieder zurück. Inmitten unzähliger Weidefelder für Kühe stellen wir das Zelt, kochen mit den letzten Tropfen Benzin unser Abendessen und verspeisen dieses in einer dicken Nebelsuppe.Read more

  • Day33

    Col-lection

    August 13, 2020 in Switzerland ⋅ ⛅ 18 °C

    Um es gleich vorwegzunehmen, heute werden wir drei Pässe überqueren. In Zahlen bedeutet das, dass wir auf 1956m.ü.M. starten, auf 2482m.ü.M. aufsteigen, um gleich wieder auf 1998m.ü.M. abzusteigen. Von da geht es auf 2462m.ü.M. und wieder hinunter auf 1926m.ü.M. Um das Triple voll zu machen folgt der dritte Aufstieg des Tages auf 2493m.ü.M. Und danach ist die Batterie leer.
    Aber zurück zum Anfang.
    Da wir gestern nicht so weit gekommen sind wie gewünscht, klingelt der Wecker bereits um 6.30 Uhr. Der Regen hat in der Nacht aufgehört und ein kurzer Blick nach draussen zeigt blauen Himmel. Damit wir die happige Tagesetappe auch bewältigen können, essen wir die vier halben Scheiben Brot, packen das nasse Zelt und unsere anderen Sachen ein und wandern bei leicht bewölktem Himmel los. Das Grollen hinter uns verrät, dass die Freude über den blauen Himmel wohl nur von kurzer Dauer sein wird. Trotzdem geniessen wir den Anblick des über uns Kreise ziehenden Steinadlers. Priska übernimmt noch kurz die Umsiedlung der schwarzgesichtigen Schafe von einem Grashang zum nächsten. Die Wolken haben sich verdichtet, sind dunkler geworden und das Grollen setzt nur noch kurz aus. Obwohl uns bewusst ist, dass es nicht mehr lange dauern kann bis das Gewitter auch über uns losbricht, zögern wir das Anziehen der Regenklamotten so lange wie möglich heraus. Einen Pass in Regenkleider und mit viel Gepäck am Rücken zu besteigen, ist vergleichbar mit Seilspringen in der Sauna. Wir sind etwa 100 Höhenmeter unter dem Col als der Blick über die Schulter offenbart, dass jetzt die Zeit zum Wasserdichtmachen gekommen ist. Die Berge die eben noch da waren sind durch eine weisse Wand ersetzt worden. Es reicht uns gerade, bevor auch wir in diesem Regenvorhang verschwinden. Das dumpfe Donnergrollen ist nun konstant vorhanden und wird nur unterbrochen oder begleitet durch das viel hellere und krachende Einschlagen der Blitze. Wir sind etwa 50m unter dem Pass und nun mitten in einem ausgewachsenen Berggewitter. Der Regen peitscht uns horizontal um die Ohren, der Wind rupft an unseren Regensachen, die Regenhülle knattert im Wind, das Grollen und Krachen dröhnt in den Ohren, die Organe ziehen sich zusammen und die Armhaare richten sich auf. Es ist alles andere als angenehm. Ich stelle mir kurz vor was passiert, wenn wir in unseren Regensachen vom Blitz getroffen werden. Die Schutzkleidung würde sich wahrscheinlich wie ein Schrumpfschlauch zusammenziehen, was die Gelenksbeweglichkeit doch empfindlich beeinträchtigen würde. Es wäre für den Aufstieg auf jeden Fall nicht förderlich.
    Im Getöse erreichen wir doch noch die Kammhöhe des Col de Barberine und steigen auch gleich wieder ab. So von wegen höchstem Punkt und Blitzeinschlägen! Wie es begonnen hat, hört es auch wieder auf. Beim Abstieg donnert es noch ein wenig, der Regen hat aufgehört und unten angekommen verstauen wir die Regenklamotten wieder im Rucksack. Fasziniert geniessen wir die vielen Wasserfälle um uns herum, als wir auf den Col d'Emaney aufsteigen. Bei Sonnenschein erreichen wir diesen, essen die Reste des Vorabends und beobachten dabei eine Gruppe Steinböcke beim Sonnenbad oder bei leichten Rangordnungskämpfen. Der Abstieg zum Lac de Salanfe ist etwas rutschig, sonst aber gut zu bewältigen. Bei einer Süssspeise in der Auberge de Salanfe schöpfen wir Kraft für den dritten Aufstieg auf den Col de Susanfe. Priska verhandelt noch mit den Besitzern der Auberge, ob sie ein Brot kaufen könnte. Nachdem zu viert die Menge und der Preis ausgehandelt ist, sind wir stolze Besitzer eines halben Laib Brots. Der Aufstieg zum Pass ist abwechslungsreich mit Schwemmland, Schotterhängen, ausgesetzten Traversen, einem Felsband zum durchklettern und einer Passhöhe, die aussieht wie auf einem Vulkan. Erschöpft aber zufrieden steigen wir einige Meter ab und stellen dann unser Zelt. Die Energie reicht noch für ein kurzes Bad im Bach und das Kochen einer Beutelsuppe. Danach verabschieden wir uns vom heutigen, abenteuerlichen Tag.
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  • Day32

    Auf der Flucht

    August 12, 2020 in Switzerland ⋅ 🌧 13 °C

    Mit der Überzeugung, dass wir in Châtelard bestimmt einkaufen können, geniessen wir unser letztes Stück Brot zum Frühstück. Die knapp 1000 Höhenmeter Abstieg bringen wir flüssig hinter uns und suchen dann in diesem überschaubaren Dörfchen nach Einkaufsmöglichkeiten. Fehlanzeige. Das Einzige, was wir finden, ist eine deutsche Rentnergruppe, die am Bahnhof statt in Le Châtelard Frontier hier ausgestiegen ist und die jetzt lauthauls referierend unsere Nähe sucht. Und zwar nicht Covid-19-konform. Fluchtartig verlassen wir die aufdringliche Gruppe, obwohl wir weder frisches Brot noch Wasser nachgefüllt haben. Der Aufstieg an der Sonne, bei schwülheissen Bedingungen ist extrem anstrengend und macht durstig. So sind wir froh, dass wir in einem kleinen Weiler auf einen Brunnen stossen. Der Durst ist gelöscht, alle Flaschen sind wieder gefüllt und wir steigen weiter auf. Wie aus dem Nichts werden wir von einem Regenschauer überrascht. Wir flüchten uns unter einen Steinbogen der Standseilbahn, verpacken alles wasserdicht und verlassen gleich darauf, bei schönstem Sonnenschein unseren Unterstand. Bei der Bergstation essen wir zu Mittag und packen alles Brot ein, das wir erhaschen können. Das wären dann vier halbe Brotscheiben. Die anschliessende halbe Stunde Weg zur Staumauer des Lac d'Emosson ist ein breiter Fahrweg, dessen letztes Stück auf der Autostrasse verläuft. Es stehen unzählige Autos auf den grossen Parkplätzen und es wimmelt von Touristen. Ein weiteres Mal machen wir uns fluchtartig davon und verziehen uns in einen Tunnel, der gleichzeitig unser Wanderweg ist. Als wir das dunkle Loch nach einem Kilometer wieder verlassen, sehen wir die gewaltigen, schwarzen Wolken, die sich über die Alpenkämme schieben. Wir folgen dem See und hoffen, dass sich das abzeichnende Gewitter vielleicht doch noch verzieht. Das tiefe Grollen zeugt aber eher vom Gegenteil. Nach knapp drei Kilometern erreichen wir beim Aufschlagen der ersten Tropfen eine Stallung mit Vorplatz, welcher in Rekordzeit zu einem Zeltplatz umfunktioniert wird. Fluchtartig ziehen wir uns in unsere Behausung zurück, bevor das Gewitter so richtig losbricht.Read more

  • Day31

    Einzelgänger

    August 11, 2020 in Switzerland ⋅ ⛅ 12 °C

    Unseren freien Tag haben wir etwas anders als geplant verbracht. Das mit dem Waschen und Einkaufen hat noch geklappt, das mit dem Bad im See leider nicht. Kurz nach dem Mittag ging ein Gewitter nach dem anderen über Champex hernieder. Für uns eine Möglichkeit die Massen an Mont Blanc Tourer etwas genauer zu studieren. Wir haben viele interessante Dinge gesehen (pack-, kleider- wasch-, ernährungs-, zelt-, bewegungstechnisch) und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir mit unseren Riesenrucksäcken und dem bisschen Luxus, den wir uns gönnen, doch ganz gut fahren bzw. wandern.
    Das war gestern. Heute geht es dann so los, dass wir, als wir aufstehen, schon fast alleine auf dem Zeltplatz stehen. Die paar Übriggebliebenen machen sich auch noch auf den Weg, welchen wir heute mit den TMBlern (Tour Mont Blanc) teilen. Wie gewohnt frühstücken wir, packen unsere sieben Sachen und gehen dann auch los. Die ersten 4km sind Einlaufen auf Fahrwegen, doch der happige Aufstieg auf den Bovine kommt schon bald. Innert Kürze sind wir nicht mehr alleine und sehen beim Überholen viele bekannte Gesichter. Die meisten vom Zeltplatz, es hat aber auch viele dabei, die wir gestern im Dorf oder abends im Restaurant gesehen haben. Auf der ganzen Strecke bis Trient, nach dem Col de la Forclaz, sind Wanderer in die gleiche Richtung unterwegs, was mit der Zeit doch etwas anstrengend wird. In Trient sind wir endlich wieder für uns und haben unsere Tagesetappe eigentlich hinter uns. Da wir aber noch einen Schlafplatz brauchen, beginnen wir die morgige Etappe in Richtung des Pas des Moutons. Der Wanderweg mit dem wohlklingenden Namen "La verticale des Tseppes" bestimmt dabei unsere allgemeine Wanderrichtung. Genauso wie der Name klingt, fühlt sich der Weg auch an. Deshalb sind wir froh, dass wir auch nur bis kurz nach dem Pass, welcher 700 Höhenmeter weiter oben liegt, gehen müssen, bis wir einen geeigneten Stellplatz finden. Bei einem Traumpanorama mit viel Sonne geniessen wir den Abend, bevor wir uns in unsere Penntüten kuscheln.
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  • Day29

    Bonusrunde

    August 9, 2020 in Switzerland ⋅ 🌙 16 °C

    Da wir gestern schon ein gutes Stück der heutigen Etappe zurückgelegt haben, brauchen wir uns am Morgen mit dem Start nicht zu beeilen. Gut erholt - ja, die Kühe haben uns wider Erwarten in Ruhe schlafen lassen - steigen wir das kurze Stück bis zum Col du Bastillon auf, von wo wir eine super Aussicht zu den Lacs de Fenêtre geniessen. Den Grand Lé mussten wir zwar mit zwei anderen Zeltparteien teilen, die Seen auf dieser Seite sind aber schon jetzt praktisch umzingelt von Menschen, Zelten, Tarps und Biwakhüllen. Wir wandern an diesem Hotspot vorbei und steigen Richtung La Fouly ab. Uns kommt es vor, als würde das halbe Unterwallis heute zu diesen Seen aufsteigen. Auf der Autobahn würde man von stockendem Verkehr sprechen. Trotzdem kommen wir azyklisch zügig voran und sind kurz nach Mittag an unserem heutigen Etappenziel La Fouly. Aus Schattenplatzmangel auf der Restaurantterrasse begnügen wir uns mit einem Tisch an der prallen Sonne, dafür mit freiem Blickfeld auf die Gletscher der umliegenden Berge. Gestärkt durch ein kühles Bier bzw. Apfelwein und ja, je einem Salat (der Käseschnitteversuch war nicht erfolgreich) haben wir wieder Energie, um noch ein paar Kilometer zu wandern. Aber nicht bevor wir uns mit je einem Coup noch etwas abgekühlt haben. Durch das schöne Tal wandern wir auf Fahrwegen und Singeltrails meist dem wilden Bach entlang, bis wir plötzlich vor dem Aufstieg nach Champex, unserem nächsten Etappen- und Pausenziel, stehen. Die Vorfreude auf eine Dusche, einen wanderfreien Tag und einem Bad im See helfen trotz unterdessen müden Beinen beim nicht enden wollenden Aufstieg. Als wir ankommen zeigt unsere Uhr 7 Stunden Wanderzeit, 25,9km, 745m Aufstieg und 1805m Abstieg an. Zufrieden stellen wir unser Zelt neben all den Mont Blanc-Umrundern und geniessen, mit Blick auf all die köstlichen Haferbreis, Sandwiches und Beutelmahlzeiten, unsere mit frischem Gemüse gepimpten Szechuan-Teigwaren.Read more

  • Day28

    Grenzerfahrung

    August 8, 2020 in Switzerland ⋅ 🌙 10 °C

    Wir verlassen den überraschend schönen und liebevoll geführten Campingplatz in Bourge St-Pierre in Richtung Col du Gd St-Bernard. Der Aufstieg zum Stausee ist zwar nicht lang, aber trotzdem fordernd. Obwohl die Strecke wegtechnisch schön angelegt ist, wird die Idylle durch den Motorenlärm aus den Galerien der Passstrasse gestört. Auf der Höhe von Bourge St-Bernard (Tunneleingang der neuen Passstrasse) wandern wir parallel der alten Passstrasse, welche bei diesen top Wetterbedingungen leider sehr stark befahren ist. Priska entdeckt eine schönere Route als die Sechs, welche auch noch weiter weg von der Strasse verläuft. Ich bin nicht gerade begeistert, stimme aber nach einigem hin und her zu. Wir steigen erst einmal einige Höhenmeter auf, um dann festzustellen, dass es keine Brücke oder sonstige Passage über den Bergbach gibt. Zirkusreif überwinden wir das nasse Hinderniss, um danach auf sehr morastigen Wegen zurück auf die eigentliche Strecke zurückzufinden. Vielleicht bleiben wir das nächste Mal doch lieber in der Nähe der Strasse. Der Weg bleibt schön und abwechslungsreich, aber auch der Verkehr nimmt nicht ab. Dafür erkennen wir einen neuen Alpentourismustrend: Wem es langweilig ist, der setzt sich in sein Auto, fährt irgendeine Passstrasse hoch, parkt den Wagen am Strassenrand und legt sich neben sein Fahrzeug, um die Alpenruhe und die frische Alpenluft zu geniessen. Probiert es doch mal aus. Und wem das zu öde ist, der kann schauen wer in weniger Minuten 100 Harleys oder 100 rote Fahrzeuge gezählt hat.
    Nach vier Stunden erreichen wir den völlig überfüllten Col du Gd St-Bernard. Um einen Bernhardiner in einem Zwinger zu sehen müssten wir bezahlen, was wir sein lassen. Dafür gehen wir noch zum See beim Hospiz, welcher auch gleich die italienisch-schweizerische Grenze darstellt. Wir schiessen ein Passfoto und gehen dann auf die Restaurantterrasse, um uns mit einer Käseschnitte "mit allem!" zu stärken. Anschliessend steigen wir weiter auf, was dazu führt, dass "mit allem!" immer wiederkehrt. Auf dem Pas des Chevaux sehen wir bereits unseren heutigen Zeltplatz. Leider müssen wir erst 300m absteigen und anschliessend die Hälfte wieder hoch. Der Stellplatz am und das Bad im Grand Lé (Bergsee) sind die Strapazen allerdings wert. Für beides müssen wir uns aber erst mit den neugierigsten Kühen der Welt absprechen.
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