A 49-day adventure by Simon Schaffner & Priska Sennhauser
  • The long way home

    October 11, 2020 in Switzerland ⋅ 🌧 9 °C

    Die Uhr zeigt 17.30 Uhr. Mit Maske im Gesicht, 20kg Gepäck auf dem Rücken und 10kg an der Brust stehen wir in der scheinbar stillgelegten Schalterhalle des Flughafens Keflavik. Alle Imbissstände, Restaurants, Duty Free- und Souvenirshops sind professionell verrammelt. Die Check-in-Schalter sind bis auf zwei unbesetzt (leises Flüstern der Icelandair-Angestellten liegt in der Luft), Toiletten sind zur Hälfte mit Absperrband geschlossen und sogar die Gepäckschliessfächer stehen bis auf Weiteres nicht zur Verfügung. Auf der Abfluginformationstafel sind von den ca. 40 angezeigten Flügen 36 gecancelled, drei zum Einchecken bereit und bei einem (unserem) steht, dass wir ab 21.40 Uhr unser Gepäck aufgeben können. Also haben wir noch mehr als 7 Stunden Zeit bis unser Flugzeug vom Boden abhebt. Immer noch vollbepackt schnappen wir uns ein Taxi, verlassen den Geisterflughafen und fahren zurück nach Keflavik. Natürlich ist das von uns angesteuerte isländische Restaurant auf Grund von Covid-19 geschlossen, weshalb wir uns kurzerhand in eine Pizzeria setzen (ein Tisch für uns, einer für unser Gepäck) und der leicht verwirrten Kellnerin erklären, dass wir erst einmal nur einen Starter und ein Getränk bestellen, da wir die von uns besetzten Tische noch recht lange in Beschlag nehmen werden. Als die Angestellten um 21.00 Uhr beginnen die Stühle auf die Tische zu stellen und den Boden zu fegen, lassen wir uns ein Taxi kommen. Sobald der Taxifahrer seine Ankunft mitgeteilt hat, verlassen wir das bereits geschlossene Restaurant, um kurze Zeit später erneut an die Tür zu klopfen. Von der bestellten Mitfahrgelegenheit ist weit und breit nichts zu sehen. Noch ein Telefonat klärt die Situation - der Taxifahrer hat vor einem anderen Fresstempel gewartet - und wir erreichen zum zweiten Mal an diesem Tag die Abflughalle des immer noch fast leeren Flughafens, checken ein und heben planmässig Richtung Frankfurt um 00.40 Uhr ab.
    Einige Tage vorher, wir erkunden gerade Snaefelsness, kommen wir zu dem Punkt, dass wir jetzt unsere Rückreise in die Schweiz planen sollten. Ausschlaggebend ist vor allem die Tatsache, dass durch den Anstieg der Covidpositiven die Eingeborenen immer mehr auf Abstand gehen und unterdessen die meisten Restaurants und Cafés der kleinen Fischerdörfchen ihre Fenster und Türen verrammelt haben, was es uns nicht mehr ermöglicht uns dort von Zeit zu Zeit an der Wärme etwas zu stärken und aufzutauen. Auch unser Zelt scheint reisemüde und entkräftet. Mit einem lauten Knall geht es vor dem Wind in die Knie – eine Zeltstange ist gebrochen. Mit kalten, ungelenken Fingern ersetzen wir das defekte Teil gegen das mitgelieferte Ersatzsegment. Auch wenn wir Ozzy noch bis am 14.10. gemietet hätten, buchen wir am Mittwoch kurzfristig den Direktflug nach Zürich vom Samstagmorgen (10.10.) und gleich auch noch eine gemütliche Unterkunft für die Nacht davor. Ozzy ist über unsere vorzeitige Trennung alles andere als erfreut und reagiert mit einem stetigen Ausschnauben der Luft des linken Vorderrads. Ein 4cm langer Schnitt in der Wand, mit freiem Sichtfeld auf die darunterliegende Karkasse, lächelt uns irgendwie quer an. Wir lächeln nicht zurück! Und spätestens am nächsten Morgen verschwindet das letzte Lachen auf unserem Gesicht. Nämlich als wir erfahren, dass auch dieser Flug gecancelled wurde und wir stattdessen den indirekten Flug über Frankfurt in der Nacht vom Freitag auf den Samstag – Zeit 00.40 Uhr – nehmen müssen. Wie schon so oft hängt sich Priska ans Telefon und versucht durch Rücksprache mit dem Guesthouse und der Vermittlungsgesellschaft die Übernachtungsbuchung kostenlos zu stornieren. Einige Warteschleifen später ist dies geschafft und der halbe Tag verstrichen. Mit wenig Elan besuchen wir in unserer restlichen Zeit die wenigen Sehenswürdigkeiten, welche noch auf unserer Strecke Richtung Flughafen liegen.
    Nun sitzen wir wieder zu Hause in Burgdorf, belagert von unseren Katzen, welche sich über die verhängte Quarantäne mehr freuen als wir. Aber zumindest seid ihr so keine Gefahr für unsere Gesundheit.
    Wir danken euch für euer Interesse. Wir haben stets verfolgt ob und wer uns auf unserer Reise begleitet und lasen gerne die zum Weiterschreiben motivierenden Kommentare. Wir hoffen euch bald in echt wiederzusehen und schliessen diesen Blog bis zu unserem nächsten grösseren Reiseprojekt. Und wer von euch die nächsten Ferienpläne noch nicht gemacht hat, wir haben noch einige Reisevouchers für Flüge und Mietfahrzeuge. Bis dann, wir sehen oder lesen uns.
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    Mele Erne

    Welcome back Ihr Lieben

    10/12/20Reply

    Dank eurem Bericht habe ich viel über Island im Ausnahmezustand gelernt. Herzlichen Dank. Ich bewundere euch, wie ihr diese speziellen Situationen gemeistert habt HR [Hansruedi]

    10/12/20Reply
     
  • Day44

    Unter- und Überirdisch

    October 5, 2020 in Iceland ⋅ ⛅ 5 °C

    Es ist dunkel, der Boden ist übersät mit kopf- bis autogrossen Felsblöcken. Von der Decke tropft es unablässig und die Temperatur beträgt 4°C. Ein leichter Wind pfeift durch den Tunnel. Selten ist ein leichter Lichtschimmer durch eine Ritze in der Decke sichtbar. Wir befinden uns in einem Lavatunnel, in dem zum letzten Mal vor 1100 Jahren flüssiges Gestein durchgeströmt ist. Der Tunnel hat, da wo er noch nicht zu sehr eingebrochen ist, einen Durchmesser von ca. 15m. Die Stirnlampe kann das unterirdische Rohr nur unzureichend mit Licht füllen, was die unheimliche Atmosphäre nicht merklich verringert. Der Blick, welcher Zwecks Sturzprävention auf die zu übersteigenden Steinblöcke gerichtet ist, wandert immer wieder an die Felsdecke, welche so lose geschichtet zu sein scheint, dass sie jeden Moment einstürzen könnte. Nach dem Gekraxel sind wir froh, ohne näheren Kontakt mit den bestimmt schmerzhaften Steinen gemacht zu haben, wieder im kalten Wind, der über die Hochebene weht, zu stehen.

    An einem anderen Ort, an einer steilen vermoosten Felswand stellen wir uns einem weiteren Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Vor uns befindet sich ein ca. 2m breiter Felsspalt, aus dem ein kleiner, kalter Bach strömt. Wir hüpfen von Stein zu Stein und dringen immer tiefer in den noch schmäler werdenden Canyon vor. Als ein grosser, eingeklemmter Steinblock das Weiterkommen zu verhindern versucht, bleibt Priska zurück, während Simu an der nassen aber griffigen Lavagesteins-felswand das Hindernis überklettert. Zwischen Felsbrocken liegen etliche tote Vögel (nach der Grösse zu urteilen Möwen), welche wahrscheinlich ihre ersten Flugversuche in der Felsspalte nicht erfolgreich bestanden haben. Plötzlich, eine fünf Meter hohe Felswand, über welche das Wasser schäumend fällt. Das ist wohl das Ende der Canyonerforschung. Wäre da nicht ein mit Knoten versehenes Seil, dass in einer dunklen Ecke nach oben führt. Als Simu die obere Kante erreicht, sind hauptsächlich das rechte Hosenbein als auch der Wanderschuh geflutet. Nach einigen weiteren Metern in die Felsspalte, steht er vor einem schönen, unüberwindbaren, unterirdischen Wasserfall.

    Aber auch überirdisch sind in Island einige Wanderwege mit dem Zusatz «Abenteuer» versehen. So zum Beispiel der Glymur-Wanderweg zum zweitgrössten Wasserfall Islands. Mit dem Wissen, dass wir den in die Tiefe stürzenden Wasserlauf auf einem über dem Wasser angebrachten Baumstamm überqueren können, machen wir uns auf die 9,5km lange Rundstrecke. Der Wanderweg beginnt unterhalb des noch lange nicht sichtbaren Naturschauspiels und führt uns durch ein idyllisches, mit niedrigen Birken bewachsenes Tal, welches von einem mäandernden Bach gestaltet wurde. Eine Informationstafel offenbart die Sage um das Tal und den Wasserfall und warnt vor schwierigen Wanderwegen, bröckelnden Felskanten und reissenden Stromschnellen, die überwunden werden müssen. Also nichts für Weichbecher. Aber es hat ja einen Baumstamm, weshalb wir auch die in Island gekauften Neoprenlatschen nicht eingepackt haben! Der Wanderweg, stets oberhalb des Bachs verlaufend, führt plötzlich durch eine eindrückliche Höhle in ein Seitental und hinunter an den jetzt rauschenden Bergbach. Nur wenige Schritte später stehen wir am Ufer des glasklaren und sichtbar kalten Wassers. Über die Stromschnellen ist ein Drahtseil gespannt und der erwähnte Baumstamm scheinbar schwebend befindet sich über der zweiten, tieferen Hälfte des Wasserlaufs. Uns bleibt nichts anderes übrig als die Schuhe und Socken auszuziehen, die Hosenbeine hochzukrempeln und festgekrallt am Stahlseil durch das kalte Nass zum Holzbalken zu waten, mit tauben Füssen auf dem feuchten, rutschigen Stamm zu balancieren oder wieder umzukehren. Da das zweite keine ernsthafte Option ist, stehen wir kurze Zeit später mit halb erfrorenen Füssen, aber voller Tatendrang auf der anderen Seite. Der Aufstieg an Ketten und Seilen, meist am Abgrund ins Bodenlose und mit Blick auf den knapp zweihundert Meter hohen Wasserfall ist eine Mischung aus Adrenalin, Genuss und Staunen.

    Erst oberhalb der Felskante über welche das Wasser stürzt, realisieren wir, dass wir den Fluss hier noch ein zweites Mal überqueren müssen. Wir gehen also bis zu der gekennzeichneten Furt, wo das Wasser weniger stark zieht und nicht mehr so tief ist. Dafür ist der Bach hier breit. Sehr breit. Bei diesen Wassertemperaturen die nahe am Gefrierpunkt liegen, unheimlich breit. Und da wo der Wasserlauf nicht so tief ist (also knöcheltief), sind die Steinformationen arschglatt. Uns bleibt nichts anderes übrig als auf den scharfkantigen Kieselsteinen im Knietiefen Wasser zu waten. Nach den ersten 5m hat sich das Blut aus den unteren Extremitäten zurückgezogen, nach weiteren 5m besteht alles unterhalb der Knie nur noch aus Schmerz. Danach folgt die Phase wo man kurzzeitig nichts mehr spürt, was irgendwie befreiend wirkt, bevor die scheinbare Bewegungslosigkeit einsetzt. Mit Beinen wie Stelzen erreichen wir nach einer gefühlten Ewigkeit die andere Bachseite, rollen die nassen Hosenbeine hinunter und streifen die Socken und Schuhe über die nassen Füsse. Nach der Hälfte des Abstiegs kehrt langsam, aber schmerzhaft das Gefühl in den Zehen zurück und am Ende der Wanderung haben wir sogar wieder warme Füsse. Wir sind uns einig, dass diese Tour eines der vielen Highlights unseres Islandaufenthalts ist.

    Und wer jetzt denkt wir würden bei den bereits winterlichen Temperaturen besser etwas an der Wärme (also drinnen) unternehmen – geht nicht – die Isländer haben die Saison beendet und alle Museen, Shows und Indooraktivitäten geschlossen. Das gleiche gilt praktisch für alle Zeltplätze. Und so treffen wir die zehn Touristen, die noch unterwegs sind, jeden Abend aufs Neue auf den letzten geöffneten «Zelt- und Campersammelstellen» und erzählen uns gegenseitig, wo wir heute der Kälte getrotzt haben.
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    Matthias Kälin

    Spannend - einfach ein bisschen weit weg um mal schnell vorbei zu schauen. Freue mich schon auf die Bilder!

    10/5/20Reply
    Elia Hofmann

    Top - i ha Träne glachet bi "...bevor die scheinbare Bewegungslosigkeit einsetzt"🤣

    10/5/20Reply
    Peter Hauri

    Jetzt sind eure Füsse sicher abgehärtet! Lieber ihr als wir 😄

    10/7/20Reply

    Tote im Auto??? Mann, das muss ja stinken! Nun gut, zusammen mit den mehrtägig getragenen Wandersocken und den synthetischen Thermoshirts ergibt sich ja so oder so eine spezielle Geruchsnote im Autoinnenraum. Tannebäumli oder so...hilft…vielleicht??? Nun zu euren Touren: Lose geschichtete Felsdecken, Lavasteinsbrocken überklettern, gespannte Drahtseile über Bäche, schwebende Baumstämme, Aufstiege an Ketten und Seile am Abgrund ins Bodenlose!!!! Ist das nicht gefährlich? Geil, ich will auch, jupijajee Schweinebacke!!! Gut, Bewegungslosigkeit und laufen wie ein Storch wegen abgefrorenen Füssen ist schon Scheisse. Aber egal……ich will auch! [Dänu]

    10/8/20Reply
     
  • Day39

    Sport und Mord

    September 30, 2020 in Iceland ⋅ ⛅ 1 °C

    Immer wieder sterben in unserem Auto Menschen, mit oder ohne Fremdeinwirkung. In den letzten Tagen war es jedoch extrem sportlich mit Ilijas olympischen Disziplinen. Nun stecken wir mitten in einer Geschichte, die uns die deutsche Stimme von Robert de Niro erzählt. Zum Autofahren eignen sich Hörbücher hier in Island sehr gut. Es hat wenig Verkehr und wenn es in Strömen regnet, hat man doch etwas Spannendes oder Interessantes im Ohr. Die letzten Tage hat es oft geregnet und das Zelt nass einzupacken macht keinen Spass. Darum haben wir uns entschieden eine Übernachtung in der Jugendherberge Fjördalur, einem uralten aber renovierten Grasdach-Haus zu buchen. Empfangen wurden wir von Paul, einem englischen, pensionierten Universitäts-Bibliothekar, der seine Sommer in diesem Wanderparadies verbringt. In der super eingerichteten Küche können wir unseren Kochgelüsten freien Lauf lassen. Am nächsten Tag versuchen wir nochmals die am Vortag verpassten Sehenswürdigkeiten anzupeilen, aber alle Indooraktivitäten haben bereits Winterpause und alles was draussen stattfindet macht bei sintflutartigem Regen Spass. Also trösten wir uns mit einem Eis und bleiben eine weitere Nacht bei Paul im Warmen. An diesem Abend offeriert er uns von seinem selbstgemachten Rhabarberwein und gibt uns Karotten aus seinem Garten. Gemütlich plaudern wir bis in die Nacht hinein. Am nächsten Tag ist es endlich so weit und wir können uns das Flugzeugwrack und die Wasserfälle Skogafoss, Seljalandsfoss und Gljufrabui ansehen. Hinter dem Seljalandsfoss kann man sogar durchgehen, aber nicht ohne pflotschnass auf der anderen Seite herauszukommen. Zum Glück scheint die Sonne und im Auto mit Aircondition trocknen unsere Funktionskleider recht schnell. Da wir am nächsten Tag das Gebiet um den Vulkan Hekla erkunden wollen, peilen wir verschiedene Campingplätze in diesem Gebiet an, aber sie sind entweder geschlossen oder haben keinen warmen Aufenthaltsraum. Bei diesen Temperaturen sind wir inzwischen etwas wählerisch… Wir werden erst in Selfoss fündig, wo wir wieder auf ein Schweizer Paar treffen, dem wir schon seit Akureyri immer wieder über den Weg laufen.
    Wir legen einen faulen isländischen Tag ein: spätes Frühstück, Schwimmbadbesuch mit ein paar längen im Aussenbecken und anschliessenden Kalt-/Heiss-Wechselbädern, Kaffee und Kuchen in der Kaffeestube, Einkaufen und nach dem Znacht ins Kino (Spoileralarm: es überleben nicht alle Protagonisten in Greenland).
    Am nächsten Morgen sind unser Innenzelt und die Schlafsäcke aussen nass. Als wir aus dem Zelt treten ist auch klar warum: Die ganze Aussenhülle ist gefroren – Atmungsaktivität ade. Wir verfrachten die Schlafsäcke ins Auto und lassen sie auf der Fahrt ins Hekla-Gebiet trocknen. Zu Anfang unserer Wanderung von Stöng zum Haifoss nieselt es zwischenzeitlich, aber es weht nur ein sanfter Wind und die Sonne drückt. Rechtzeitig am Ende der 8 km langen Strecke lässt die Sonne in der Gischt des Wasserfalls einen Regenbogen aufleuchten. Innerlich gewärmt durch das mit dem Gaskocher aufgeheizte Resteessen, wandern wir das schöne herbstliche Tal zurück. Auf dem Rückweg nach Selfoss, wo heute Fajita-Tag ist, halten wir bei einem nachgebauten Grassodenhaus und natürlich bei weiteren Wasserfällen.
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  • Day33

    Eiszeit

    September 24, 2020 in Iceland ⋅ 🌙 0 °C

    Während es in der Schweiz angeblich noch schön warm ist, schleicht sich hier ganz klar der Winter an. Und mit dem Kommen des Winters korreliert das Gehen der Touristensaison. Wir merken das immer öfter, wenn wir vor verschlossenen Küchenhäuschen und Aufenthaltsräumen der Zeltplätze oder geschlossenen Campgrounds stehen, wenn keine Touren mehr angeboten werden oder die im Reiseführer empfohlenen Cafés und Restaurants nur noch Stundenweise ihre Pforten geöffnet haben. Natürlich spielt hier auch das gemeine Rumpelcovidchen eine Rolle und veranlasst viele Betreiber die Saison etwas früher zu beenden. So kommt es auch heute, dass wir zwar einen Stellplatz für unser Zelt, aber keine geeignete (geheizte) Koch- und Essmöglichkeit für uns vorfinden. An einem windgeschützten Platz und dick eingepackt machen wir uns ans Kochen. Rüsten, schneiden, brutzeln, rühren, würzen – geschafft, das Risotto ist fertig. Mit klammen Fingern versuchen wir die Metallgabel so zu manövrieren, dass am Schluss etwas von dem warmen Essen zum Mund geführt werden kann. Wohlige Wärme breitet sich bereits mit den ersten Bissen aus und die Kälte und der Wind sind für kurze Zeit vergessen. Beim Abwasch an einer besonders windigen Stelle ist die zugeführte Wärme schnell wieder dahin. Schlotternd rubbelt Simon das Geschirr trocken, während er in Gedanken schon unter der warmen Dusche steht. Kurze Zeit später, schmerzt es als unter dem heissen Wasser der Dusche das Leben langsam in die Finger und Zehen zurückkehrt. Trotzdem tut es gut. Das Ziel ist es, so viel Wärme wie möglich zu speichern und diese anschliessend mit in den dick mit Daunenfedern gefüllten Schlafsack mitzunehmen. Da angekommen kann uns die nächtliche Kälte, bis auf einen allfälligen Toilettengang nichts mehr anhaben. Blöd, wenn wir zwischenzeitlich noch von der Schönheit der am Himmel wabernden Aurora aufgehalten werden und uns erst losreissen können, wenn sich die Kälte schon wieder tief in unsere Kleiderschichten geschlichen hat.

    Aber es gibt auch offensichtlichere Anzeichen des nahenden Winters. Morgens ist sowohl der Boden als auch das Zelt gefroren. Da wo man bis jetzt aufpassen musste keine nassen Füsse zu kriegen, gilt es jetzt nicht auf dem Eis auszurutschen und an den Steinen in den unzähligen Bächen bilden sich erste Eisringe. Grössere Eismengen sehen wir am Vatnajökull, dem grössten Gletschersystem Europas. Die Eisschicht bedeckt die höchsten Berge Islands und die Gletscherzungen reichen bis auf Meereshöhe hinunter, wo sie oft in einem grossen Gletschersee enden. Wir geniessen den Blick auf die umhertreibenden Eisberge und -schollen, zwischen welchen immer mal wieder ein Seehund auftaucht. Die kleineren Eiskristalle liegen wie Diamanten auf den schwarzen Lavasandstränden bis sie irgendwann dahingeschmolzen sind. Und wir realisieren, dass es ganz gut ist, wenn hier die Temperaturen, nach einem angeblich eher warmen Sommer, wieder sinken und so diese Naturschönheit noch möglichst lange erhalten bleibt.
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    So jetzt! Solange die Finger nicht an der Metallgabel kleben bleiben, ist es auch noch nicht kalt! Mann und Frau müssen auch nicht mitten in der Nacht im kurzärmligen Pyjama die Nordlichter bestaunen gehen! Was Diamante am Strand? Bitte räumt die Glasscherben von der letzten Strandparty weg. Hätte noch einen Spielvorschlag: Versucht doch von Eisscholle zu Eisscholle zu hüpfen! Wer näher an die Gletscherzunge kommt hat gewonnen! Tolle Idee, gell! [Dänu]

    9/25/20Reply
     
  • Day28

    Marokkofeeling

    September 19, 2020 in Iceland ⋅ 🌬 8 °C

    Wir sind in Egilsstađir, das Zelt steht und Ozzy erholt sich auf dem Parkplatz. Ich stehe unter der Dusche und das ablaufende Wasser ist braunrot und sandig. Wie es dazu kam?

    Gestern: Wir fahren in den Jökulsárgljúfur Nationalpark, um einige schöne Wanderungen zu machen. Selbstverständlich legen wir auf dem Weg dahin einige Wasserfallstopps ein. Vom schönsten Zeltplatz Islands, der im Hufabdruck von Odins achtbeinigem Pferd liegt, durchstreifen wir die idyllischen Wäldchen, erklimmen steile Felsformationen und durchwaten Sumpfgebiete. Da der Zeltplatz keinen Aufenthaltsraum hat und wir vom draussen Abendessen kochen etwas unterkühlt sind, essen wir in der Waschküche des Servicehäuschens, bevor wir uns noch unter die heisse Dusche stellen. Erschöpft legen wir uns bei bewölktem Himmel und leichtem Wind in unsere Schlafsäcke und schlafen schnell ein. Wir erwachen durch das Getöse des Windes, der an den umliegenden Bäumen rupft. Das Zelt steht recht windgeschützt, weshalb wir, ausgestattet mit Earplugs, schnell wieder beruhigt weiterschlafen können.

    Heute: Am Morgen erwartet uns die Sonne und der Wind kommt wieder als schwache Brise daher. Seit langem können wir wieder einmal draussen frühstücken. Wir nutzen das herrliche Wetter, um erst eine weitere Tour durch das schöne Tal zu unternehmen und anschliessend, nach einer kurzen Fahrt, eine zweite Wanderung zu den Echofelsen vorzunehmen. In den schwarzen Basaltfelsburgen erwarten wir jeden Moment Elfen oder Trolle zu sehen. Oder einen alten Mann mit langem grauem Bart und einem Holzstock, also Dumbledore, Merlin oder Gandalf. Obwohl wir niemanden treffen, sind wir uns nicht ganz sicher, ob nicht eben ein Ork hinter dem Felsen vor uns verschwunden ist.
    Wenig später erreichen wir fahrend den Parkplatz vom Dettifoss, einem weiteren mächtigen Wasserfall. Der Wind hat massiv zugenommen und wir werden den ein Kilometer langen Fussweg zu den Aussichtsplattformen beinahe von ihm geschoben. Das Fotografieren erweist sich plötzlich als Herausforderung. Es ist praktisch unmöglich, an einem Ort zu stehen und die Kamera ruhig zu halten. Der Wind, der immer noch an Stärke zunimmt, fühlt sich schon sehr ungemütlich an. Also machen wir uns auf den Rückweg. Nun bläst uns die mit Sand und kleinen Steinchen durchsetze Luft frontal ins Gesicht. Eingepackt wie bei einem Schneesturm kämpfen wir gegen die unsichtbare Kraft, welche versucht uns zurückzudrängen, an. Zwischen den Zähnen knirscht es, der Sand in den Augen kratzt bei jedem Blinzeln und dort wo die Haut frei liegt, schlagen die Sandkörner schmerzvoll dagegen. Sandgestrahlt erreichen wir den Wagen und fahren in einen ausgewachsenen Sandsturm, wie wir ihn eher in Marokko als hier erwarten würden. Der ganze Himmel ist rotbraun gefärbt. Ozzy hat Mühe auf der Fahrbahn zu bleiben und schwenkt bei Böen immer wieder rechts oder links aus.

    Und jetzt stehen wir also unter der Dusche und versuchen möglichst alle Körperöffnungen von Sand zu befreien. Der Wind war laut Wetterapp auf unserer Strecke bis zu 120km/h schnell. Nachdem wir die Windprognosen für die heutige Nacht gecheckt (nur noch bis 80km/h) und einen windgeschützten Platz gesucht haben, entscheiden wir uns trotzdem im Zelt zu schlafen. Gute Nacht.
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    Ja den Ork habe ich auch gesehen! Der sitzt auf dem Felsvorsprung und lässt die Beine baumeln! [Dänu]

    9/22/20Reply

    Man merke sich: Kommt der isländische Wind von vorne und mit viel Sand, fühlt es sich an als laufe man gegen eine Wand! Und: Sollte beim Duschen das Wasser braun abfliessen, ist der Grund nicht immer hosenschiessen! (ist nicht von mir….habe ich Mal so gehört) Übrigens: Für Elfen und Trolle hättet ihr nicht extra an das Ende der Welt reisen müssen. Die haben wir bei uns zu Hause! Und nicht vergessen…Zelt immer schön abspannen! Wegen Wind und so! [Dänu]

    9/22/20Reply
     
  • Day26

    Hot-Spot Hopping

    September 17, 2020 in Iceland ⋅ 🌙 6 °C

    Ab und zu zeigt sich nun wieder die Sonne und wir verlassen auf den Spuren der Hot Spots Islands Akureyri. Das bedeutet mehr Wasserfälle, geothermale Quellen und Überreste von ehemals, und zum Teil auch jetzt noch aktiven Vulkanen. Um unsere Ziele zu erreichen, muss Ozzy erneut seine Geländegängigkeit unter Beweis stellen. Die passenden Verzierungen hat er ja schon von den letzten Ralley-Eskapaden in den Highlands. Locker schluckt er Schlaglöcher, erklimmt steile Passagen und durchpflügt kleinere und grössere Pfützen (während Simu ein breites Grinsen im Gesicht hat). So erreichen wir auch Highlights, für welche man eigentlich einen Superjeep bräuchte. Oft alleine bestaunen wir die sonst angeblich überfüllten Wasserfälle Aldeyjarfoss und Gođafoss oder das Seengebiet um den Myvatn mit seinen unzähligen Inselchen und Pseudokratern. Immer wieder begeben wir uns auf kürzere und längere Wanderungen, um einige tolle Bilder zu knipsen.

    Den Geruch von faulen Eiern, den wir regelmässig beim Duschen wahrnehmen – ja, das warme Wasser riecht hier etwas streng – steigt uns auch bei den Geothermalquellen aus allen möglichen Rissen im Boden, blubbernden Schlammlöchern und in allen Farben schimmernden Dampfschlotten in die Nase. Trotzdem ist es eindrücklich zu sehen, zu hören und zu riechen, wie sich die warmen Gase einen Weg an die Erdoberfläche bahnen.
    Auf unseren Wanderungen wird deutlich, dass der Herbst hier auf Island Einzug hält. Auf der schwarzen Lava leuchten Büsche, Gräser und Moose in kräftigen Rot-, Orange-, Gelb- und Grüntönen. Aber es gibt auch andere Anzeichen für das alljährlich im Herbst eintreffende Saisonende. Bei den ersten Campgrounds steht man bereits vor geschlossenen Schranken und an den Toilettenhäuschen bei den Hot Spots steht in fetten Buchstaben «CLOSED». Bis jetzt haben wir aber noch jedes Mal eine Übernachtungsmöglichkeit oder ein Büschchen zum erleichtern gefunden. Gerade das zweite Problem ist oft mit einigen Schwierigkeiten behaftet. Ich sage nur so viel: «Auf Island geht meist ein starker, kalter Wind, der sehr schnell die Richtung wechseln kann!»
    In diesem Sinne - bleib bei unseren Abenteuern weiterhin dabei und «lueg zersch wohär dass dr Wind wäit».
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    Nadja Niederer

    Wunderschöni Bilder.. aber mir wärs s chalt 😉

    9/18/20Reply
    Priska Sennhauser

    Zum Glück händ d Isländer d Hotpots erfunde!

    9/18/20Reply
     
  • Day25

    Auf und im Wasser

    September 16, 2020 in Iceland ⋅ ⛅ 7 °C

    Was tun im hohen Norden, wo es überall nach Fisch riecht? Fischen – zu langweilig. Schwimmen – zu kalt. Segeln – können wir nicht. Wasserskifahren – wird nicht angeboten. Rafting – Saison vorbei. Aber da war doch was mit grossen fischartigen Säugetieren im Wasser – Whale watching! Nur leider ist es gar nicht so einfach, da zum einen das Wetter mitspielen muss und es so spät im Jahr nur noch wenige Tourenanbieter gibt. Nach mehreren Anläufen buchen wir zwei Plätze auf einem Schiff für 50 Leute und trudeln eine halbe Stunde vor dem Start beim Hafen ein. Von den 20 Teilnehmern kennen wir sicher mindestens die Hälfte von anderen Sehenswürdigkeiten oder Unterkünften. Ausgestattet mit feschem Dress und Gesichtsmaske besteigen wir den hübsch renovierten Oldtimer eines Bootes und tuckern gemütlich durch den Fjord mit Namen Eyjafjörđur. Bereits nach einer Viertelstunde ruft es aus dem Mikrophon: «Humpback at 12.» Alle stürzen zum Bug um einen Blick auf das mächtige Tier zu erhaschen. Zu sehen kriegen wir nichts! Es dauert zwei, drei Minuten bis wir weit weg eine Fontäne Walrotzwasser in die Höhe schiessen sehen. Als wir näher sind, sehen wir kurz die Fluke bevor er oder sie in eine grössere Tiefe abtaucht. Das Boot dreht ab und steuert auf eine Gruppe Delfine zu. Da wir schon öfters Delfine gesehen haben, sind wir etwas enttäuscht, dass wir dem Meeresriesen so schnell den Rücken kehren. Trotzdem geniessen wir das Getümmel der flinken Schwimmer rund um das Boot. Das langsame Gefährt ist für die aufgedrehten Tiere nur kurze Zeit interessant und sie schauen sich nach einer anderen Freizeitbeschäftigung um. Wieder suchen 44 Augen die Wasseroberfläche nach Walanzeichen ab. Schon nach kurzem verfolgen wir erneut den zuvor gesehenen Buckelwal. Beinahe eine Stunde begleiten wir ihn auf seiner gemütlichen Reise durch den Fjord. Glücklich und mit einigen hundert Bildern der Meeresbewohner erreichen wir wieder den Hafen.

    Noch nicht genug von Meeresschönheiten buchen wir für den nächsten Tag zwei Tauchgänge im gleichen Fjord. Wir sind drei Dry-Suit-Neulinge, die zusammen mit dem Seebären Erlendur und seiner Tochter Sævor, zwei auf der Welt einzigartigen Tauchplätze besuchen wollen. Eingepackt wie Michelin-Männchen geht’s mit dem Zodiac mitten in den Fjord, wo wir uns in die kalten Fluten stürzen. Wir lassen uns auf 22 Meter sinken, wo wir freudig von atlantischen Wolfsfischen und einer Gruppe Kabeljaue erwartet werden. Auch einige Flundern gesellen sich zu der gemütlichen Runde. Die zutraulichen, fast schon aufdringlichen Wölfe lassen sich von Erlendur an der Kehle kraulen. Während des ganzen Tauchgangs begleiten uns die Kabeljaue. Der Tauchplatz ist eine geothermale Unterwasserheisswasserquelle. Überall strömt 80° C Wasser aus dem Boden. Der zweite Tauchgang ist noch spezieller: Wir tauchen an einem freistehenden 50 Meter hohen Heisswasserkamin, wie es sie sonst nur in 2000 Meter Tiefe gibt. Spiralförmig umkreisen wir die zerbrechliche Säule und bewundern die Ablagerungen, den Bewuchs und die Lebewesen. Trotz des Zuflusses von warmem Wasser durchgefroren, aber glücklich feiern wir abends Priskas zweihundertsten Tauchgang mit der letzten Flasche Rotwein aus unserem Dutyfree-Einkauf am Flughafen. Gekrönt wird das Ganze mit unserer ersten Sichtung von Nordlichtern.
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    Was im hohen Norden riecht es überall nach Fisch? Jetzt habt ihr doch eure Kleider wieder einmal gewaschen? War noch eine Fischfiletierschürze in der gleichen Trommel? Anfängerfehler! Aber eure Kombis sind wirklich fesche Dresse. In Kombination mit einem hellblauen Schal könnte das auch bei uns für die anstehende Wintermode hinhauen! Was haben wir bei «Findet Dori» gelernt…häää? Genau, man muss mit den Walen auf walisch sprechen um sie zu sehen! Hallooouuuu Waaaluuuuu, wieeeeeuuu geeeeehts soooooouuuuuu! Einfach viel o und u, dann klappt das! Hey Priska gratuliere. Besser der zweihundertste Tauchgang als die zweihundertste Rotweinflasche aus dem Dutyfree! Bringt doch ein paar Nordlichter mit, die währen bei uns auch schön! [Dänu]

    9/17/20Reply
    Priska Sennhauser

    Wir hatten nur zwei Flaschen gekauft, alles halb so wild! Merci, bin sehr stolz drauf!

    9/19/20Reply
    Nadja Niederer

    😮 Ein Whalewatching ist was einmaliges. Ich durfte dies mal in Neuseeland erleben und es ist unvergesslich

    9/18/20Reply
     
  • Day21

    Schlechtwetterprogramm

    September 12, 2020 in Iceland ⋅ 🌧 5 °C

    Das Wetter wird von Tag zu Tag schlechter. Nicht nur dass der Regen zunimmt, liegt nun auch öfters Nebel über dem Land. Anstelle von Wanderungen begeben wir uns in diversen Museen auf die Spuren der ersten Siedler Islands, ihrer magischen Gepflogenheiten und dem einzigen einheimischen Landsäugetier, dem Polarfuchs. Was natürlich nicht heisst, dass wir nicht trotzdem weiterhin hotpotten.
    Um uns und das Zelt wieder einmal trocken zu legen, gönnen wir uns in Akureyri einen Hotelaufenthalt, waschen unsere Kleider und lassen uns bekochen.
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    Falls es euch langweilig wird, mann müssten den Rasen auf den Dächern wieder ein Mal mähen! Bei den Aufnahmen im Holzhäuschen habe ich mich gefragt ob es klug ist, wenn genau unter dem Stromerkasten gekocht wird? Zu eurem Versuch die Kleider zu waschen; der Schwefelgeruch ist in der Haut und nicht in den Kleidern! [Dänu]

    9/16/20Reply
     
  • Day17

    Hot Pot-Hopping

    September 8, 2020 in Iceland ⋅ ⛅ 4 °C

    Die Isländer haben uns vorgewarnt: gestern war der letzte Tag Sommer – soll heissen 12°C Lufttemperatur mit meist viel Wind, sonnig oder wechselhaft. Ab heute ist Herbstwetter – soll heissen 9°C Lufttemperatur mit meist viel Wind, wenig sonnig, öfters wechselhaft.
    Als wir aufstehen ist also definitiv Herbstwetter. Vielleicht etwas kälter und es nieselt. Und die Wetterprognose spricht von Starkregen und Windzunahme. Für uns heisst das, dass wir keine weiteren Wanderungen im Kerlingarfjöll machen und weiter durchs Hochland holpern. Unser Weg führt uns zu einem weiteren Geothermalgebiet mit viel Gestank, Dampf und Geblubber. Das Highlight ist aber der «fast» natürliche Hot Pot. Die Kombination aus 80° warmem Wasser einer geothermalen Quelle und 6° kaltem Bachwasser ergeben eine schweisstreibende Mischung, was bei 4° Lufttemperatur, starkem Wind und Regen gerade willkommen kommt. Die 150m vom Guesthouse zum Pool in Badesachen fühlen sich allerdings soooooo kalt an.
    Immer noch bei Regen erreichen wir die Ringstrasse im Norden und halten uns, gegen unsere vorgängige Planung Richtung Westen. Ein kurzer Fotostopp beim Basaltfelsen im Meer (angeblich eines der 10 meistfotografierten Sujets Islands – dann haben wir die anderen 9 wahrscheinlich schon gesehen!) vollendet den touristischen Teil des Tages. Wir checken auf einem Zeltplatz ein und verbringen den Abend mit anderen Reisenden im Servicebuilding (geheizt und mit Küche). Die Folge, wir riechen die nächsten Tage nach gebratenem Fisch.
    Der Regen hat in der Nacht zwar etwas nachgelassen, es ist aber immer noch sehr bewölkt. Wir entschliessen uns der Lieblingsbeschäftigung der Isländer nachzugehen – baden. Nach ein paar 100m schwimmen im geheizten Schwimmbecken, springen wir abwechselnd in die 37°, 40° und 6° warmen Hot bzw. Cold Pots. Wir unterhalten uns noch ein wenig mit den einheimischen Aquafittern, bevor wir uns wieder auf den Weg machen. Im Living Museum, laut Beschrieb eine Art Ballenberg Islands, können wir gerade einmal ein Gebäude finden. Gut, dass das Museum am ersten September schon geschlossen hat, sonst hätten wir dafür noch Eintritt bezahlt. Auch das angesteuerte und empfohlene Café will heute keine Gäste empfangen. Also kurven wir stattdessen auf den touristisch wenig erforschten Strassen der Westfjorde umher. Zu diesem Anlass zeigt sich sogar die Sonne und wir geniessen die fantastischen Aussichten auf die unzähligen Fjorde. Die Hänge der Berge sind geschmückt mit leuchtenden Moosen, Bächen und Wasserfällen. Auf einer kurzen Wanderung, ebenfalls zu einigen herabstürzenden Wassermassen stärken wir uns mit richtigen und falschen Heidelbeeren und probieren auch die essbaren, aber leicht toxischen Rauschbeeren. Keine Ahnung ob die Wasserfälle wirklich so eindrücklich sind oder ob das ein Zusammenhang mit den schwarzen Beeren hat. Es ist bereits am Eindunkeln als wir den Campground erreichen. Wir haben ihn für uns alleine und können uns dementsprechend beim Kochen austoben. Das Ergebnis – Lachsteigwaren mit griechischem Salat.

    In der Nacht kommt starker Wind auf. So stark, dass das Zelt zeitweise einseitig flachgedrückt wird. Am Morgen sehen wir, dass ein Hering ausgezogen und zwei Abspannschnüre (Reepschnüre) gerissen sind. Nur mit Müh und Not bringen wir es fertig, das Zelt abzubauen ohne es an die starken Böen zu verlieren. Nach dem Frühstück fahren wir zu einem Vogelfelsen, der aber nur mässig bewohnt ist. Einen weiteren Stopp legen wir bei einem «Messie-Museum» ein, wo von Alltagsgegenständen bis zum US Navy Flugzeug alles vorzufinden sind. Geschafft von all den Ausstellungsstücken stürzen wir uns, sogar bei etwas Sonnenschein, kurze Zeit später in einen natürlichen Hot Pot irgendwo auf einem Feld am Meer. Keine halbe Stunde vergeht bis wir bei 2° Lufttemperatur und Schneefall am Bergkamm gegenüber auf einer Hochebene zwischen Schneefeldern stehen. Beim sonst massiv überrannten (Kreuzfahrtschiffe) Wasserfall Dynjandi begeben wir uns ganz alleine auf eine kurze Wanderung. Von den Wassermassen und den Eindrücken völlig erschlagen, fahren wir noch zum nächsten Zeltplatz, flicken die Zeltschnüre, kochen und freuen uns auf das, was uns der nächste Tag bringen wird.
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    Ihr seid aber schon richtig warm angezogen! Hat man nun vom hohen Norden. Bei uns in der Schweiz kommt der Sommer nochmals zurück! Luft 28°, Aarewasser 18°, Kühlschrank 6° und Hot-Pot wie bei euch einfach mit weniger Schwefel! Achtung, beim regelmässigen Hotpoten besteht die Gefahr von roten Nasen wie wir das von den Schlabernasenaffen kennen! Nicht schön! Vom Messie-Museum müsst ihr uns keine Souvenirs mitbringen, danke! Und eeehhh…müsst ihr alle Beeren am Strassenrand essen! Gibt es dort keine Snickers? Viel Spass und Zelt immer schön abspannen! [Dänu]

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  • Day14

    Mit Ozzy ins Hochland

    September 5, 2020 in Iceland ⋅ 🌙 7 °C

    Kurz vor halb Elf treffen wir unseren neuen Reisebegleiter: OZE55 oder kurz Ozzy. Der Dacia Duster steht uns die nächsten 40 Tage zur Verfügung und wir sind froh zu erfahren, dass er schon einige Kilometer hinter sich gebracht und bereits ein paar Kratzer eingefahren hat. Mit vollem Tank und einigen Vorräten an Board fahren wir los. Bei schönstem Wetter und viel Wind bestaunen wir im Þingvellir Nationalpark eine der Filmkulissen von Game of Thrones. In früher Jahren wurde hier, bei den jährlichen Zusammenkünften der Isländer und ihren Gerichtsverhandlungen, geköpft (Männer) und ersäuft (Frauen) was das Zeug hielt. In einem normalen Jahr würden sich wohl heute die Touristen gegenseitig auf die Füsse stehen, aber wir haben den Wasserfall Öxararfoss für uns alleine. Beim nächsten Halt sieht es nicht anders aus: Riesige leere Parkplätze und ein paar wenige Autos. Aber der schweflige Duft in der Luft bestätigt, dass wir am richtigen Ort sind, schon hören wir es prusten und es blubbert überall. Der Geysir, der allen anderen seinen Namen gegeben hat, schläft zwar, aber sein Bruder Strokkur stösst alle paar Minuten eine Ladung Wasserdampf in die Luft aus. Beim Warten auf das perfekte Foto frieren wir uns durch den tosenden Wind schier die Finger ab. Genau zum richtigen Zeitpunkt bringt uns Ozzy an den Gullfoss, der im Abendlicht seinem Namen alle Ehre macht. Er erstrahlt golden und wird von einem Regenbogen als Umrahmung fast schon kitschig in Szene gesetzt. Wir sind sprachlos ab dem beeindruckenden Naturschauspiel. Zum Abschluss des Tages hüpfen wir auf dem Campingplatz nach dem Abendessen in unseren ersten Hot Pot. Die wohlige Wärme benötigen wir, um der nächtlichen Temperatur von 0°C entgegenzuwirken.
    Die Wanderung zum Bruarfoss entlang dem Fluss am nächsten Tag ist einfach und führt schon an zwei tieferliegenden, wunderschönen Wasserfällen vorbei. Die Sonne lässt das Wasser des Bruar tiefblau erscheinen, Moos leuchtet grün von den rot-schwarzen Steinen, die herunterstürzenden Wassermassen strahlen weiss. Die Isländer können was!
    In den nächsten Stunden sind Simu, der Rallyefahrer, und Ozzy voll in ihrem Element und können sich auf der nicht-asphaltierten Strasse 35 ins westliche Hochland austoben. Einer der beiden kommt leider nicht sauber aus der Sache raus… Neben den vielen Schlaglöchern und Waschbrettern auf der Strasse, sehen wir auf beiden Seiten riesige Gletscher, die wie Deckel auf den Vulkanen liegen und sich von dem tiefblauen Himmel abheben. Am späten Nachmittag kurven wir die steile und teilweise mit Schnee bedeckte Strasse hinauf zum geothermischen Gebiet Hveradalir im Kerlingarfjöll. Es dampft und zischt um uns herum, der Schwefelgeruch steigt uns in die Nase. Jeden Moment rechnen wir mit dem Auftauchen eines Drachen. Wir steigen immer höher und erreichen eine Bergspitze von der wir einen wunderbaren Rundblick über das Hochland haben. Nach dem Abendessen nehmen wir noch die 2,2km zu einem Hot Pot in einer einsamen Schlucht unter die Füsse. Wassertemperatur ca. 37°C, Luft ca. 5°C. Es ist kurz vor 23.00 Uhr als wir unter einem leicht bewölkten Sternenhimmel zurück nach Asgard wandern.
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    Mele Erne

    Wundervoll Toll Juhuuu

    9/8/20Reply