• Ahyoka-Boatlife
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Schön-Weit-Nord

In unserer 5 Segelsaison wollen wir zum südlichen Polarkreis, den nördlichsten Punkt der Ostsee passieren und dann wieder zurück nach Deutschland. Das Abenteuer startet und endet südlich von Freiburg im Breisgau. Read more
  • Umeå, Patholmsviken: ausgehungert im Supermarkt

    Jun 30–Jul 1 in Sweden ⋅ ☀️ 20 °C

    Das war eine schnelle Nummer. Sowohl die 30 Seemeilen lange Fahrt von Ratan nach Patholmsviken, als auch der Aufenthalt dort. Um so länger dauerte die Diskussion mit dem Hafenmanager, ob wir nun längsseits am Steg liegen dürfen oder bei viel zu viel Seitenwind an die Boje müssen. Letztendlich setzten sich unsere Argumente durch.
    2 Dinge führten uns nach Patholmsviken, und das war sicher nicht die schöne Lage mitten im Industriegebiet: 1) jemand, der uns einen Ersatz-Impeller verkauft und 2) ein Supermarkt. Letzteres hatten wir lange zuvor das letzte Mal gesehen. Keine Ahnung, wo und wann das war. Der letzte Stengel Gemüse war jedenfalls längst aufgebraucht.
    Eine Regel, die wir dabei völlig missachteten, lautet: geh niemals ausgehungert einkaufen. Natürlich kauften wir viel zu viel ein und schleppten dann alles 2km zurück in den Hafen. Auf den Weg dort stolperten wir über einen Volvo Servicebetrieb. Klar, der musste doch den passenden Impeller für uns haben. Nach 10 Minuten im Lager teilte uns der Chef des Betriebs mit, dass er zwar jede nur erdenkliche Impellervariante hat, nur eben unsere nicht.
    Aber okay, immerhin hatten wir jetzt einen überquellenden Ersatzkühlschrank und einige süße Stücke auf nüchternen Magen im Bauch. Und dazu die Gewissheit, dass wir alles in Patholmsviken gesehen haben, und uns am nächsten Tag einmal um die Halbinsel herum, durch eine superenge, mit vielen fiesen Steinen garnierte Durchfahrt hindurch in den nächsten Hafen verholen. Und das rief sogar die schwedische Küstenwache auf den Plan.
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  • Mit Küstenwache in den nächsten Hafen Bredvig

    July 1 in Sweden ⋅ ☁️ 16 °C

    Morgens verlassen wir den Hafen von Patholmsviken, um uns 5 sm nach Bredvig zu verholen. Nur mit der Genua segeln wir gemütlich vor uns hin und registrieren, dass ein Motorboot auf uns zu steuert. Wissen die was sie tun und wenn ja, warum steuern sie unser Schiff an? Bald wird uns klar, dass das die Küstenwache ist. Und schon sind sie bei und längsseits. Ich begrüße Sie freundlich mit einem “God morgon” und werde gleich auf schwedisch vollgequatscht. Aber mein schwedisch reicht bei weitem nicht für eine Konversation. Doch das Eis war sofort gebrochen. So wechseln wir auf englisch. Sie wollen wissen, was wir tun, von wo wir kommen, wo wir hin wollen, wie das Wetter so war, und natürlich, ob noch jemand mit an Bord ist.
    Von den 15 Leuten, die sich in der Backskiste versteckt halten, haben wir natürlich nichts erzählt. 🤣 Nachdem wir auch die Frage nach unserer Nationalität passend zur am Heck wehenden Flagge und zum Schengenraum beantwortet wurde, wünschten Sie uns einen tollen Sommer und zogen von dannen.
    In Bredvig erwartet uns dann ein kleines Paradies. Schäbig, aber dafür mit viel Herzblut und lieben Menschen. Zum ersten mal legen wir erfolgreich an einem Y-Steg an. Ausreichend groß und ausreichend lang. Hier im Norden sind wir meistens das größte Schiff im Hafen. Nur ein Motorboot hat diesmal unsere Größe.
    Wir genießen den Tag und fahren mit dem Bus nach Umeå. Umeå hat Charme. Eine schöne Stadt mit alten Holzhäusern und gemütlichen außergewöhnlichen Cafés. Hier kaufen wir noch ein Infrarothermometer, damit wir die Temperatur unseres Motors überprüfen können und suchen eine Stunde lang die Post. Alle Möglichkeiten, die Google vorschlägt sind erfolglos. Nur Chatty weiß mal wieder wie der Hase läuft. Hier in Schweden kauft man die Briefmarken im Supermarkt oder im Schreibwarengeschäft. Dann ab mit der Geburtstagskarte für unsere Tochter in den Briefkasten und schon tritt wichtige Post die Reise an.
    Abends feuern wir uns noch die Vereinssauna an, genießen einen tollen Blick und schmieden die Pläne für den nächsten Tag. Hätten wir geahnt, dass am nächsten Tag die längste Ankerplatzsuche unsere Segelhistorie auf uns wartete, hätten wir es ohnehin nicht geglaubt.
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  • Höga Kusten Anker Event

    Jul 2–3 in Sweden ⋅ ☀️ 16 °C

    Wenn wir erzählen, dass wir die schwedische Küste entlang fahren kommt immer wieder der Kommentar: die Höga Kusten ist ein Juwel, da ist es überall schön, man hat unzählige Möglichkeiten zum Ankern und das Wasser ist immer tief genug. So fiel unsere erste Wahl auf Haraskär. Liegt mehr oder weniger auf dem Weg südwärts und ist laut Hafenhandbuch von allen Winden geschützt - und nach langen 55 sm eine pragmatische Lösung. Mittlerweile schauen wir uns sogar noch vorher die Satelliten-Bilder an, damit wir einigermaßen wissen, was uns erwartet. Und siehe da, die Bucht von Haraskär sieht so aus, als wäre sie nach Osten offen. Natürlich wollen wir bei Ostwind ankern🙄. Wir entscheiden uns trotzdem hinzufahren, da wir davon ausgehen, dass das Hafenhandbuch die Wahrheit sagt. Wir sind nicht einmal richtig in die Bucht rein gefahren und dachten nur, ne, das funktioniert nicht. Glücklicherweise ist um die nächste Landzunge ebenfalls eine im Hafenhandbuch ausgewiesene Ankerbucht. Es gibt sogar einen potentiellen Steg zum Anlegen..
    Also: Dieser Spot kann komplett aus dem Hafenhandbuch gestrichen werden. Da die Anwohner lauter “Ankern verboten” Schilder aufgestellt haben oder es einfach viel zu tief ist. Ja, und der Steg hat leider keine Möglichkeit zum Festmachen geboten. Also wieder zurück zur ersten Bucht mit dem Gedanken, wird schon irgendwie gehen. Bei Anfahren der Bucht sehen wir, dass sie tatsächlich noch viel weiter rein geht, als ursprünglich gedacht und wir freuen uns über den glatten Wasserspiegel. Die Bucht ist mit einer Tiefe von 3 Metern ausgewiesen. Unsere Logge zeigt eine Tiefe von 10 Meter!? Wir fahren die Bucht ab, aber die 3 Meter Stelle ist nicht zu finden. Langsam nähern wir uns dem Land und die Tiefe sinkt langsam 9m, 8,5m, 8m, 7,5m, 7m 6,5m, bei 6m gehe ich in den Wind und bin ganz fix wieder auf 8m. Das Problem sind nicht die 8m, sonder unser Schwoikreis ist damit bei 36 Metern und wir kommen dem Land it dem Ankerkreis zu nahe. Wird es schnell, tief gilt leider umgekehrt auch, es wird ebensoschnell sehr flach. Also fahren wir ein zweites Mal an und ein drittes mal. Guter Ankerhalt, schreibt das Hafenhandbuch. Haha, scheint wie haben die einzige Stelle gefunden, wo das nicht gilt. Im zweiten Anlauf hält er dann doch. Letztendlich ankern wir dann um 23.00 Uhr bei 7,5m Tiefe und tun so, als wären es 6m, schlafen einigermaßen schlecht und lichten am nächsten Morgen früh wieder den Anker. 90 Minuten zum Ankerplatz finden, das ist rekordverdächtig. Rekordverdächtig langsam. Und das in der Hochburg der Ankerparadiese. Pah, morgen gehen wir wieder in den Hafen, sollen dich die andern sich mit den Buchten rumärgern.
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  • Ulvö

    Jul 3–7 in Sweden ⋅ ☁️ 15 °C

    Für die schwedische Küste besonders für den nördlichen Teil haben wir keine Tipps erhalten. Lediglich von einem Paar in Ratan, aber dazu gehörte die in Nord und Süd geteilte Insel Ulvö nicht. Umso schöner, wenn man da ankommt und von der ersten Minute an begeistert ist. Später haben wir erfahren, dass wir in einem richtigen Hotspot gelandet sind und uns glücklich schätzen dürfen, auf Anhieb einen Liegeplatz bekommen zu haben. 4 Tage lang war auf Ulvö mächtig was geboten. Von kulinarischen Highlights, wie den Strömming in Panade ausgebacken, bis zu einer Schnellbootregatta, war alles mit am Start. Strömming ist der schwedische Name für Ostsee-Hering. Diesen gibt es hier in der Region auch als sur strömming, also sauer fermentiert in Dosen. Die Empfehlung lautet , die Dose niemals in geschlossenen Räumen zu öffnen, und wenn man es doch tut, dann zwingend alle Anwohner vorher zu informieren. So heftig ist der Geruch nach Schwefel und faulen Eiern. Gut abgewaschen soll der fermentierte Hering eine Delikatesse sein. Schwer vorstellbar. Mein Gehirn bekommt das heute noch nicht auf die Reihe, wie man einen Hering wochenlang fermentieren und dann auch noch essen kann. Gut, dass sich Jürgen im Hafenrestaurant für die normale Heringsvariante - knusprig gebraten in Panade - entschieden hat. Immer noch intensiv, Hering ist halt Hering, und dann auch noch mit Gräten gegessen. Da kann auch der hohe Eiweißgehalt nichts daran ändern. Naja, Jürgen hat er geschmeckt und das sogar sehr gut. Für ein Foto hat es leider nicht gereicht, da zuvor der Hunger zu groß und anschließend der Fisch zu schnell weg war.
    Auf Ulvö haben wir auf jeden Fall den Sommer eingeläutet, unser Dingi aufgeblasen und waren auch das erste Mal erfolgreich bei der Pfifferlings- und Beerenjagd.
    Abschließend gab es noch einmal Starkwind, bis 40 Knoten (9 Windstärken) natürlich von der Seite, und das auch mit dem Heck nur an der Boje. Sicherheitshalber haben wir uns mit den Nachbarn zusammen geschlossen und alle Boote am Heck miteinander vertäut und anschließend an Land belegt. Die Achterleinen wurden zusätzlich an einer zweiten Boje fest gemacht. Das Ergebnis ist ein großes Floß aus lauter Booten. Es ist schön, wie in solchen Situationen wildfremde Menschen zusammen halten und jeder noch eine zusätzliche schlaue Leine anbringt. Auch die Schweden, die sich von viel Wind sonst nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Im Gensatz zu uns pingeligen Deutschen. Jedenfalls haben wir die Starkwindnacht zusammen bestens überstanden, ja, sogar ruhig geschlafen. Und das ist gut so, denn am nächsten Morgen wartete schon die enge Ausfahrt aus der geteilten Insel Ulvö auf uns.
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  • Lustholmen

    Jul 7–9 in Sweden ⋅ ☁️ 15 °C

    Angezogen vom verlockenden Namen, vom feinen Sandstrand und der Holzofen-Sauna sind wir von Ulvö direkt nach Lustholmen gedüst. Erwartet haben wir wenig Wind und so haben wir uns auf gemütliche 10 Knoten achterlich eingestellt. Bekommen haben wir in den Böen bis zu 22 Knoten, sind in der Spitze 8 Knoten gelaufen und teilweise sogar am Wind gesegelt. Wir wissen immer noch nicht, ob das prinzipiell an der falschen Wetterprognose lag oder es durch die Fallwinde hier an der Höga Kusten einfach immer so ist. Jedenfalls war das Segeln recht anspruchsvoll, da wir mehr mit Segeltrimm als sonst was beschäftigt waren. Ständig gab es was zum Zuppeln, kurbeln oder fieren. Kurzweilig war die Fahrt auf jeden Fall und als Belohnung entpuppte sich Lustholmen als kleines Naturparadies mit einem wunderbaren Blick auf den Fjord vor Hänosund. Dazu gab es leckere Walderdbeeren, reife Heidelbeeren und eine sagenhafte Pfifferlingsfarm. Entdeckt haben wir diese - wie auch sonst - per Zufall. Mit den Pfifferlingen ist es jedes Mal dasselbe. Man macht sich ganz motiviert auf die Suche, läuft ganz aufmerksam und laaangsam durch den Wald. Erfolglos. Gibt man die Suche dann nach einer Stunde auf und will schon gehen, dann zeigen sie sich plötzlich, die kleinen gelben Freunde. Und das auch noch rotzfrech direkt am Weg. Und alle Regeln ignorierend. Chatty sagt, Pfifferlinge brauchen Moos, Licht, Heidelbeeren, Fichten oder Birken und mögen am liebsten die Nordseite. Unsere standen fernab von Blaubeeren, Fichten und Birken und auch noch alles andere als Nord. Ja, glaubt man denn sowas? Als Rache haben wir sie dann direkt eingepackt. Allesamt, keiner ist entkommen.Read more

  • Sundsvall

    Jul 9–12 in Sweden ⋅ ☀️ 22 °C

    Da wir in diesem Jahr lediglich eine Kühlbox haben, müssen wir öfters einkaufen. Unser Kühlschrank wurde zwar in Stockholm repariert und hat jetzt doch seit Wochen leider kein Kühlgas mehr.. Im letzten Jahr hat unser Kühlschrank nach dem Auffüllen des Kühlgases die ganze Saison durchgehalten und in diesem Jahr lediglich einen Monat. Im Grunde klappt das mit der Kühlbox ganz gut, wir haben ja bislang keine so heißen Temperaturen wie in Deutschland.

    Aber der wichtigste Grund Sundsvall anzulaufen ist der Bootsaustatter Hjertmanns. Dort bekommen wir z.B. Teile für einen neuen Bullenstander, einen neuen Bootshaken, einen neue Curryklemme für unsere Großschot, eine noch fehlende Seekarte und diverse Schäkel. Wir waren rundum zufrieden. Dank der guten Beratung haben wir jetzt einen Bullenstander bei dem uns der Baum auch bei rauhem Seegang nicht um die Ohren fliegt.

    Und ja, die Stadt hat uns auch sehr gut gefallen. Sundsvall gehört zu den architektonisch faszinierendsten Städten Schwedens. Auf den ersten Blick wirkt sie für nordische Verhältnisse wirklich ungewöhnlich: breite Straßen, repräsentative Plätze und monumentale Steinhäuser erinnern eher an Wien, Rostock oder Berlin als an eine typische schwedische Holzstadt. Ich meine auch den einen oder anderen gotischen Baustil zu entdecken.

    Der Grund dafür ist ein einschneidendes Ereignis: der große Stadtbrand vom 25. Juni 1888. Fast das gesamte damalige, überwiegend aus Holz gebaute Stadtzentrum wurde zerstört. Anschließend entschied man, die Innenstadt vollständig aus Stein wieder aufzubauen, um künftige Brände einzudämmen. Dank des Reichtums der örtlichen Sägewerks- und Holzindustrie konnten renommierte Architekten engagiert werden. Innerhalb weniger Jahre entstand die sogenannte „Stenstan“ (Steinstadt) – heute eine der am besten erhaltenen Stadtanlagen des späten 19. Jahrhunderts in Schweden.
    Der herrschaftliche Baustil entstand aus dem Selbstverständnis der damaligen Unternehmerelite. Die reichen Holzbarone wollten ihren Wohlstand sichtbar machen und ließen Gebäude errichten, die eher an Stadtpalais als an gewöhnliche Wohnhäuser erinnern.

    Nur im Stadt=Hafen ist der Reichtum oder die Liebe fürs Detail nicht angekommen. Wir können auch gut mit quadratisch, praktisch, gut umgehen. Aber auch das war der Gasthafen nicht. Eher lieblos, ungepflegt und gerne auch dem Schwell ausgesetzt. Als Krönung ragte eine Holzlatte, vielleicht der Rest eines Stegs gerade so aus dem Wasser, dass man sie noch erkennen konnte. Gut, dass wir beim Anlegen nicht mit dem Ruder dagegen gefahren sind. Und wie es heutzutage in Schweden ist, gibt es auch hier keinen Hafenmeister. Nur eine App oder Website über die man bezahlt. Also sind wir sehr froh, dass wir alles schnell erledigen konnten und nach 3 Nächten schon wieder weiter segeln zu können. Gut, dass wir da waren. Sundsvall ist sehen- und liebenswert. Aber wenn ihr auch mal vorbeischaut, dann nicht mit dem Boot, irgendwie anders, Flugzeug, Helikopter, Zug, was auch immer.
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  • Mellanfjärden

    Jul 12–13 in Sweden ⋅ ☁️ 21 °C

    Endlich haben wir konstant sommerliche Temperaturen und windarme Nächte, so dass wir richtig Ankerlust bekommen. So studieren wir die Ankerbuchten auf dem Weg südwärts und sind ganz begeistert, wenn sich hier und da eine zeigt, die rundum geschützt ist. Denn außer Wind gibts ja noch immer die Ostseewelle, die beim Ankern sehr störend sein kann.
    Als wir Sundsvall verlassen, ist unsere Idee von nun an eher kürzere Strecken zu fahren und so mehr von den Ankerbuchten zu haben. Und dann lief es mit dem Wind so gut und wir hatten so große Freude am Segeln, dass wir kurzentschlossen glatt an unserem ersten Ziel vorbei gesegelt sind.
    So fiel unsere neue Wahl auf eine Bucht mit dem Namen Notholmen, direkt neben Mellanfjärden. Das praktische daran ist, so dachten wir, dass gleich ein Hafen in der Nähe ist, zu dem wir mit dem Dinghi zum Essen rüber fahren. So der Plan. Die Anfahrt in die Bucht führt eng an Steinen und Felsen vorbei und wir freuen uns, dass die Bucht hält, was die Kartenansicht versprochen hat. Rundherum dichter Wald und ausreichend Platz zum Ankern. Beim Festfahren des Ankers stellte sich dann heraus, dass dieser nicht hält. Als wir ihn hoch holten, wussten wir auch warum. Der Seeboden war von einem dicken Algenteppich überwuchert. Und wir hatten eine reiche Algenernte am Anker hängen. Obwohl wir gerne Algen essen, sahen wir hier davon ab. Zu klebrig, zu ölig, zu eklig. Und auch kaum vom Anker zu bekommen. Also, neue Stelle suchen, und nochmal versuchen. Das Hafenhandbuch jedenfalls versprach einen guten Ankerhalt. Muss doch klappen. Noch weitere zweimal haben wir es versucht. Erst hielt der Anker, und dann beim Festfahren mit 2000 Umdrehungen rückwärts, ist der Anker dann doch jedes Mal wieder geslippt. Oh, Mann. Letztendlich haben wir ziemlich angenervt aufgegeben, sind doch in den Hafen gefahren und haben uns dort am Fischerpier ganz frech längsseits auf die andere Seite der Tankstelle gelegt.
    Der Hafen von Mellanfjärden und der Fischerkai hat sich beides als glückliche Fügung erwiesen. Obwohl es verboten aussah, war die Pier sogar ein offizieller Liegeplatz, der nicht im Hafenhandbuch vermerkt ist. Und das noch ganz ohne Aufpreis für längsseits liegen. Denn je südlicher man kommt, umso mehr zahlt man normalerweise für einen längsseits Liegeplatz.
    Da haben wir die Aussicht auf die Zapfsäule gerne in Kauf genommen, denn der Blick auf den Fjord, also in die andere Richtung, war wunderschön. Jürgen hat im Dorfladen die ersten schwedischen Himbeeren und Landeier von glücklichen Hühnern ergattert. Und das Anlegerbier samt Oliven (typisch schwedisch!) und geröstetem Brot in der Abendsonne Mellanfjärdens versöhnte uns schnell mit dem Ankerdrama. Trotzdem freuten wir uns auf die vielen Bojen des schwedischen Kreuzerclubs (SXK) südlich von hier. Da kann noch so viel Mist auf dem Seeboden liegen, die Ankerboje hält immer.
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  • Agön: Endlich an der Boje

    July 13 in Sweden ⋅ ☀️ 17 °C

    Hurra, wir liegen fest! In Agön, der nächsten Bucht nach Mellanfjärden, hat es dann endlich geklappt, nicht in den Hafen zu fahren. Wir liegen mitten in einer wunderbaren Buch, und das wie geplant an der Boje vom SXK, dem schwedischen Kreuzer Club. Das haben wir uns auch hart erarbeitet. Erstens freuen wir uns bereits seit 2 Jahren über Mitglieder-Newsletter, die wir nicht verstehen. Klar, der SXK schreibt auch seinen deutschen Mitgliedern konsequent in schwedisch. Und zweitens, tagesaktuell, sind wir mit 5 kn aus Mellanfjärden rausgesegelt, um dann festzustellen, dass wir mal wieder mangels Wind 12 sm motoren müssen. Wir sind mittlerweile sehr gut im langsam segeln, aber ganz ohne Wind geht’s halt nicht mal langsam.
    Ich glaube, das ist ein generelles Seglerschicksal. Es hat meistens zu viel oder zu wenig Wind. Und ist es mal perfekt, will das gebührend gefeiert werden. Wir beschlossen, uns eine Bucht früher an die Boje zu legen. Tja, nur war die Boje leider belegt, und das auch noch von einem deutschen Boot, dem wir selbst den Tipp für die SXK-Bojen gegeben hatten. Nächstenliebe hat auch ihre Schattenseiten :)) Da es zum Ankern einfach zu tief und ungeschützt war, entschieden wir uns weiter zu fahren. Zumal, just als wir in der Bucht waren, frischte der Wind plötzlich mächtig auf. Hurra, wir haben fix die Segel gesetzt und sind mit 6 Knoten wieder losgedüst. Um die Ecke, war der Wind fast wieder weg. Wir sind immer langsamer gesegelt und schließlich - ganz klar - wieder motort. 🤣
    Willkommen beim Segeln. 🤪
    Die Belohnung wartete 15 sm später. Die Bucht von Agön. Wunderbar. So sehr, dass wir gleich 2 Tage geblieben sind. Mit Lesen, Arbeiten und Dinghi fahren genossen wir einfach das in den Tag hinein leben. Und doch war die Zeit nach einem gefühlten Wimpernschlag bereit für den nächsten Programmpunkt. Und da war dann noch ein Monstersturm, der sich aus Norden ankündigte und uns antrieb.
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  • Mit Zero Power nach Segelviken

    July 15 in Sweden ⋅ ⛅ 22 °C

    Mit dem Code Zero, unserem Leichtwindsegel, und reichlich nervigen Fliegen tuckelten wir in die nächste Bucht. Weitere 20 sm südwärts, von denen wir etwa die Hälfte haben segeln können und den Rest wieder motort sind.
    Immerhin.
    Bei wenig Wind wird man seltsamerweise von kleinen super nervigen Fliegen belagert, die irgendwie nur draußen auf dem Wasser sind. Wo kommen die nur her? Die sind einfach da, aus dem Nichts, und nach kurzer Zeit hat man schwarze Füße von den ganzen Fliegenleichen. Denn auch wenn man versucht, sie zu verscheuchen, bleiben sie einfach nur sitzen. Kamikazefliegen.
    Glücklicherweise haben wir in Segelviken wieder eine Anker-Boje ergattert. Es war die einzige. Das haben wir doppelt gefeiert. Ist das nicht komisch, dass man sein Glück nicht einfach hinnimmt, sondern erst einmal darüber nachdenkt, wo der Haken ist? Ist die Bucht gar nicht so gut, wie es scheint? Warum war die Boje noch frei, obwohl es schon so spät ist?
    Von der Bucht Segelviken waren wir jedenfalls begeistert und hatten eine erholsame Nacht. Nur der für die nächsten Tage angekündigte Sturm (40-50 Knoten) hat uns Unbehagen bereitet und lässt uns einen Tag früher als geplant nach Söderhamn in den sicheren Hafen fahren.
    Nicht weil er etwa früher kommt, sondern weil wir so aufgeregt sind, dass wir nicht noch einen weitern Tag entspannt ankern können. 😂
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  • Sturmzuflucht Söderhamn

    Jul 16–20 in Sweden ⋅ ☀️ 25 °C

    Meist ist es so, dass der Wind, der Regen oder beides zusammen uns mehr ins Landesinnere locken. In die Sunde und Flüsse des Norrlands, dem alten Kernland Schwedens. In Söderhamn selbst ist die schmale Zufahrt nur noch ein Bach. Um dort hinzukommen, durchfuhren wir einen emotionale Odyssee. Eben noch wähnten wir uns vor dem Sturm in Sicherheit, und nach einem Blick in die Seekarte fuhr uns der Schreck in die Glieder. Die Zufahrt nach Söderhamn war dunkelblau eingefärbt, unter 2m Tiefe! Geschädigt durch das viel zu enge Fahrwasser, das wir im Juni in Finnland gefahren sind, werden wir nun besonders aufmerksam, was Breite und Tiefe in engen Fahrwassern angeht. Die Seekarte zeigt nämlich seitlich vom Fahrwasser Tiefen wie 0,5 oder 1,6 an. Und für das Fahrwasser selbst ist nicht wie sonst eine eigene Tiefe angegeben. Zuerst haben wir Chatty gefragt. Als Antwort bekamen wir, dass das Fahrwasser eine sichere Tiefe von 3 m aufweist. Das Fahrwasser soll an der engsten Stelle 10 m breit sein, also mehr, als das doppelte, wie wir es schon erfahren haben. Das hat uns dann noch ein Anruf beim Hafenmeister zusätzlich bestätigt. Es verkehrt täglich ein Passagierschiff von Söderhamn aus, und das passt mit seinen 2,30 m Tiefgang auch durch. Puh, das entspannte uns dann doch ziemlich.
    Also haben wir beschlossen reinzufahren, und ja, es war eng und auch cool und wunderschön, fast wie eine Flußkreuzfahrt. Söderhamn selbst ist es definitiv wert, Die kleine Stadt ist auf ihre Art liebenswert und hat eine interessante Geschichte. Früher ein wichtiger Hafen, zeugen viele imposante Gebäude auch heute noch vom damaligen Reichtum der Stadt. Besonders angetan hat es uns der imposante Turm über der Stadt. Dieser hat aber tatsächlich nicht wie sonst einen militärischen Hintergrund, sondern war der Geburtsort eines Chors. Die 4 Kanonen gegenüber auf Faxholmen hatten, glaube ich, wahrscheinlich einen weniger kulturellen Hintergrund. Dort auf dem Hügel stand im 16. Jahrhundert eine Festung, von der sich auch die Einfahrt in den Hafen bestens überwachen ließ. Bei den großen Nachbarn aus dem Osten, die gerne mal auf einen Raubzug vorbei schauten wahrscheinlich nicht die schlechteste Idee. Und der Sturm? Von dem haben wir überraschend wenig abbekommen. Söderhamn bietet also heute wie gestern den Seefahrern einen sehr guten Schutz. Danke, danke, danke.
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    Trip end
    October 5, 2026