• Jennifer Wiedemann
  • Jennifer Wiedemann

Strong Sails around the world

Wir möchte euch mitnehmen auf eine Reise um die Welt. Wir starten ab Kiel und segeln westwärts! En savoir plus
  • Pazifiküberquerung Tag 17

    11 mai 2024, Südsee ⋅ ☀️ 28 °C

    Tag 17 - 10.05.2024
    Mittagsposition: 05°29'S 112°20'W
    Etmal: (24 h): 147 Seemeilen
    Durchschnitt: 6,1 Knoten
    Restmeilen bis Marquesas: 1620
    Wetter: Sonne
    Auf dem Menü: Kürbis-Karotten-Curry

    10.000 Seemeilen. Heute um 00:00 Uhr haben wir es geschafft! 10.000 Seemeilen seit wir am 20.08.2023 in Kiel unsere Leinen losgeschmissen haben. 10.000 Seemeilen und gefühlt 10.000 Erlebnisse, die wir damit verbinden. Die kleinen und großen Ereignisse in dieser Zeit haben uns geprägt. Sei es die Ankunft auf den Kanaren nach unserer ersten langen Etappe. Sei es das Kennen Lernen unserer Freunde, den LeeLoos und unsere gemeinsame Zeit mit ihnen. Sei es Tauchen in Martinique, Grenada oder Guadeloupe. Die San Blas Inseln. Das erste Mal Ankern mit Leine an einer Palme. Der Panama Kanal. Die Abfahrt aus Kiel. So viel haben wir schon erlebt. Manchmal fehlt mir die Zeit, das alles zu verarbeiten. Doch hier auf dem Pazifik habe ich endlich Zeit, zur Ruhe zu kommen, darüber nachzudenken, wie dankbar wir doch sein müssen dies alles zu erleben!En savoir plus

  • Pazifiküberquerung Tag 18

    12 mai 2024, Südsee ⋅ ☁️ 28 °C

    Tag 18 - 11.05.2024
    Mittagsposition: 05°26'S 114°41'W
    Etmal: (24 h): 142 Seemeilen
    Durchschnitt: 5,9 Knoten
    Restmeilen bis Marquesas: 1480
    Wetter: Regnerisch bis Sonnig
    Auf dem Menü: Kürbis-Karotten Curry Tag 2

    Durchwachsenes Wetter begleitet uns. Mal scheint die Sonne, mal regnet es in Strömen. Mal ist so wenig Wind, dass unser Segel mit jeder Welle einfällt und kurz darauf sich wieder ruckartig mit Wind füllt und ein Zittern durchs Rigg geht. Mal ist so viel Wind, dass wir bereits über Reffen nachdenken. Gerade geht die Sonne auf und kämpft mit einer dickem Regenfront um die Vorherrschaft am Himmel.
    Auch der Wetterbericht der nächsten Tage bereitet mir Sorgenfalten. Unbeständige schwache Winde und dennoch viel Welle. Das klingt nach einer anstrengenden Zeit und schlaflosen Nächten. Bleibt nur zu hoffen, dass der Wetterbericht nicht Recht behält.
    Aber ihr seht - im Westen nichts Neues! Viel zu berichten, habe ich in den letzten Tagen nicht. Mein Durst nach Ankommen wird definitiv größer! Und ich freue mich darauf, wenn die letzten 1000 Meilen anbrechen!
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  • Pazifiküberquerung Tag 19

    13 mai 2024, Südsee ⋅ ☁️ 28 °C

    Tag 19 - 12.04.2024
    Mittagsposition: 05°31'S 117°03'W
    Etmal: (24 h): 141 Seemeilen
    Durchschnitt: 5,9 Knoten
    Restmeilen bis Marquesas: 1338 sm
    Wetter: Sonnig
    Auf dem Menü: Reste Essen :)

    Ich schaue aufs Meer. Auf den Horizont. Auf die Wolken, die sich dort auftürmen. Das Morgenrot färbt die Szene in rötliche Farben. "Die Farben des Horizonts". Ein schöner Titel für einen Segelfilm. Ein dramatischer Film. Ein junges Pärchen gerät auf dem Pazifik (West-Ost) in einen schweren Sturm, das Boot wird entmastet und sie segeln mit Behelfsrigg weiter und erreichen Hawaii.
    Manchmal habe ich Angst, dass wir in einen ausgewachsenen Sturm geraten. Wir versuchen Gebiete und Jahreszeiten zu vermeiden, in denen es zu solchen Stürmen kommen kann und dennoch lässt sich die Gefahr wohl nicht gänzlich bannen. Auf der Thor Heyerdahl sprach man stets von "seeklar" machen. In unseren Vorbereitungen trafen Verena, eine befreundete Seglerin, und ich erstmals auf den Begriff "Roll over ready", zu Deutsch. "Seeklar machen mit Vorbereitung auf eine Kenterung." Regale müssen nicht nur einfach verschlossen sein, sondern auch zubleiben, wenn das Boot über Kopf geht. Tanks, Batterien, schwere Gegenstände, sowie Bodenbretter fest verschraubt sein. Regale sollten so sicherbar sein, dass nichts herausfallen kann. Ich schaue mich in der Jonny um. Nein, darauf sind wir nur halb vorbereitet. Die Jonny wurde vor fast 40 Jahren als Hochseeregatta-Yacht gebaut und doch würde ich sie heute eher mit einem gemütlichen Wohnwagen vergleichen.
    Kündigt sich ein solcher Sturm an, so hätten wir definitiv noch einiges zu tun. Doch die Wetterberichte bleiben ruhig. Ich schaue weiter in das Morgenrot. Langsam verliert es seine Farbe. Wandelt sich in ein sanftes blau. Der Tag beginnt. Ein weiterer Tag auf See. Und die Meilen fallen langsam hinab. Unsere Freunde von der Nalani haben vorgestern die 1000 Meilen bis Ziel Marke erreicht. Sie melden, dass sie müde sind, ankommen wollen. Julian und Elena segeln zu zweit mit zwei kleinen Kindern. Sicherlich nochmal eine ganz andere Herausforderung. Wir freuen uns darauf, die beiden bald in die Arme nehmen zu können und ihnen zu dieser Leistung zu gratulieren.
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  • Pazifiküberquerung Tag 20

    15 mai 2024, Südsee ⋅ ⛅ 27 °C

    Tag 20 - 13.04.2024
    Mittagsposition: 05°35'S 119°21'W
    Etmal: (25 h): 137 Seemeilen
    Durchschnitt: 5,5 Knoten
    Restmeilen bis Marquesas: 1208
    Wetter: Sonnig, aber wenig Wind
    Auf dem Menü: Kässpatzen!!

    Essen prägt unseren Alltag. Schlafen. Wache. Essen. Schlafen. Spielen. Essen. Schlafen. Das ist ungefähr mein Tagesablauf in kurzen Worten.
    Seit Tagen freue ich mich auf Kässpatzen, um dann ernüchtert festzustellen, dass die erste nächste Woche auf unserem Terminkalender stehen. Kurzerhand zücke ich einen Stiff und male einen dicken Pfeil auf das Papier. Kuchen backen kann ich auch später noch!
    Heute ist der erste Tag mit wenig Welle seit fast zwei Wochen. Jonas nutzt die Zeit, um
    an der Elektrik des Bootes zu spielen. Ein Blick auf unsere Solarpanele bestätigt unsere Gedanken. Immer wieder haben wir zu wenig Strom und was ich bereits in Panama geahnt habe, ist jetzt eingetreten. Der Windgenerator schattet unser Solar ab. Da er aufgrund des wenigen Windes sowieso nichts bringt, fällen wir den Mast. Zu 3. mit vereinten Kräften kippt Sharky nach vorne um und wird sanft aufgefangen und in seine Einzelteile zerlegt. Der Motor wandert in mein Nähfach. Die Rotoren in den Kleiderschrank. Der Flügel wohnt jetzt auf dem Sofa. Und schon bald
    merken wir den Unterschied. Als die Sonne hinterm Segel verschwindet sind unsere Batterien so voll, wie seit Tagen nicht mehr!
    Vielleicht kann ich schon morgen wieder induktiv kochen 😍
    Die Kässpatzen werden noch traditionell suf dem Gasherd zubereitet und schmecken fast besser wie zuhause. Seeluft macht hungrig. Bestes Essen macht noch hungriger! Ein Fest! Und mit dem Fest geht ein schöner Tag zu Ende!
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  • Pazifiküberquerung Tag 21

    15 mai 2024, Südsee ⋅ ⛅ 28 °C

    Tag 21 - 14.04.2024
    Mittagsposition: 05°42'S 122°02'W
    Etmal: (24 h): 162 Seemeilen
    Durchschnitt: 6,85 Knoten
    Restmeilen bis Marquesas: 1048 sm
    Wetter: Bewölkt bis Sonnig
    Auf dem Menü: Spätzle mit Pilzrahmsauce

    Nach dem Abendessen sitze ich in der hinteren Ecke des Cockpits und lehne mich gegen die Reling. Mein Blick schweift hinaus. Über die kleinen brechenden Wellenkämme. Schaumkronen zeichnen sich hier und da ab. Die Situation strahlt unglaubliche Ruhe aus. Mmm. Irgendwie scheint es dort sogar etwas neblig zu sein. Aber das kann ja nicht sein, oder? Doch. Da. Wieder. Ich setze mich auf. "Ein Wal!!" Kein Nebel. Das war ein Blas - die Aus-Atem-Fontäne, typisch für Wale. wir springen alle zugleich an die Reling und starren gebannt aufs Wasser. Der Wal schien geschlafen zu haben. Denn plötzlich geht ein Ruck durchs Wasser, durch den großen Körper. Er bäumt sich auf und gleitet an uns vorbei. Wieder taucht er auf. Scheint uns Anzuschauen. Dann ist er weg. Denken wir.
    Sekunden später, hören wir ihn laut hinter uns auftauchen. Nun sehen wir die volle Länge. 7-8 m hat er mindestens. Ein eckiger Körper mit abgeflachter Nase. Und eine rießige Schwanzflosse zeigt sich uns. Als würde er uns imponieren wollen! Er taucht direkt von hinten unters Boot. Ein mulmiges Gefühl überkommt mich. Ob er uns angreifen will? Nein, scheinbar nicht. Er taucht erneut auf. Diesmal an Steuerbord. Wieder zücke ich die Kamera. Erwischt! Cool! Wir sehen die Nase in die Luft ragen, dann die Rückenflosse. Dann nochmal ein Blas. Und dann verschwindet der Wal genauso schnell in den Wellen, wie er erschienen ist. Wir sitzen da und können es nicht glauben. Minutenlang schauen wir ihm hinterher. Ein, zweimal entdecken wir noch einen Blas in der Ferne. Dann sind wir wieder allein.
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  • Pazifiküberquerung Tag 22

    16 mai 2024, Südsee ⋅ 🌬 27 °C

    Tag 22 - 15.04.2024
    Mittagsposition: 06°00'S 124°19'W
    Etmal: (24 h): 137 Seemeilen
    Durchschnitt: 5,7 Knoten
    Restmeilen bis Marquesas: 907 sm
    Wetter: Durchwachsen
    Auf dem Menü: Auberginen-Burger mit selbstgebackenen Brötchen

    Der Atlantik ist geschafft. Über 3000 Seemeilen liegen bereits hinter uns. Weniger als 1000 Seemeilen liegen vor uns. Wie auf einer langen Autofahrt von Hamburg nach München, wenn man endlich in Ulm die A7 verlässt und auf die A8 abbiegt. Das Ziel scheint auf einmal greifbar.
    Gestern war mäßig gute Stimmung an Bord.
    Nicht Lagerkoller, aber irgendwie brauchte jeder Zeit für sich. Abends kamen wir nach einem ruhigen Nachmittag mit Lesen und Werkeln, zu einem Filmabend zusammen. Fack Ju Goete. Das hellte die Stimmung merklich auf und heute ist ein neuer Tag. Die angekündigte Flaute scheint kleiner zu sein, als gedacht. Die Wetterkarten lassen uns auf jeden Fall aufatmen. Mal sehen, ob das so bleibt. Heute Nacht haben wir deshalb rigoros 3 h mit Maschine mitgeschoben. Denn je weiter östlich wir sind, desto weniger Wind. Gegen 05:30 scheint der Wind wieder da zu sein. Schnell rolle ich die Genua aus und stoppe den Motor. Segeln :) Gegen 06:30 beißt der erste Fisch. Ein großer Tuna. Leider springt er uns im letzten Moment wortwörtlich vom Haken. Mal sehen, ob im Laufe des Tages noch Abendessen anbeißt!
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  • Pazifiküberquerung Tag 23

    17 mai 2024, Südsee ⋅ 🌬 28 °C

    Tag 23 - 16.05.2024
    Mittagsposition: 06°18'S 126°30'W
    Etmal: (24 h): 133 Seemeilen
    Durchschnitt: 5,5 Knoten
    Restmeilen bis Marquesas: 785 sm
    Wetter: Sonnig
    Auf dem Menü: Zuccini-Sahne Sauce auf Reis

    Die Meilen purzeln. Wenn nichts dazwischen kommt, erreichen wir in unter einer Woche unser Ziel. Wir kämpfen aktuell ein wenig mit dem Wetter. Wechselnde Winde von 5 bis 25 Knoten. Kräftige Regenschauer. Zunehmende Wellen. Weniger Strömung. Insgesamt kommen wir etwas langsamer voran.
    Jonas und ich philosophieren darüber, ob der Bewuchs Schuld sein könnte. Tags zuvor erst, hatte ich mich weit über die Badeplattform hinweg gelehnt, um einen Blick nach unten zu werfen. Eine Armade Entenmuscheln hat sich an unserem Heck festgesetzt. Gerade bei viel Welle, ist nicht nur Anti-Fouling (Unterwasseranstrich) unter Wasser, sondern auch das weiße Überwasserschiff. Daran können sich die Muscheln prima festsaugen. Und nach und nach haben sich auch vereinzelt Muscheln in den Unterwasserbereich verirrt. Das bremst. Die Welle ist nicht gerade niedrig und dennoch beschließen wir, einen Stopp zu machen, so dass Jonas das gröbste entfernen kann. Wir rollen die Genua weg und drehen in den Wind. Kurzer Zeit später treiben und rollen wir in der Welle. Mit einem Seil gesichert, springt Jonas ins Wasser. Ein Ausruf des Erstaunens folgt Momente später. Mehr als erwartet! Kein Wunder, dass wir mit der Zeit immer langsamer wurden. Mit einem alten Pfannenwender kratzt Jonas rigoros über die Bordwand. Ich warne ihn vor Wellen und schaue gebannt ins Meer. Schwärme von Muscheln treiben davon. Auf den Marquesas werden wir ordentlich was zu tun haben..
    20 Minuten später, passen wir den Moment ab. Klappen die Badeleiter aus, Jonas springt an Bord und klappt sie schnell wieder ein. Gerade rechtzeitig, bevor wieder eine Pazifikwelle die Jonny ordentlich ins Schaukeln bringt. Langsam drehen wir auf unseren Kurs zurück, setzen die Genua und sind ab sofort wieder einen halben Knoten schneller.
    PS: Abends springt uns erneut ein Fisch vom Haken. Wir wechseln also Angelhaken - dieser scheint nicht gut zu sein. Abends gibts dennoch Fisch. Nur aus der Dose. :)
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  • Pazifiküberquerung Tag 24

    18 mai 2024, Südsee ⋅ ☀️ 28 °C

    Tag 24 - 17.05.2024
    Mittagsposition: 06°57'S 128°39'W
    Etmal: (24 h): 134 Seemeilen
    Durchschnitt: 5,6 Knoten
    Restmeilen bis Marquesas: 638 sm
    Wetter: Sonnig
    Auf dem Menü: Tortellini mit Mahi Mahi

    Südseeplanung. Entlang unserer Reise haben wir immer wieder neue Segler kennen gelernt. Manche Wege haben sich getrennt und manche Wege laufen auch wieder zusammen. Und so sind die Pazifiksegler alle am Planen ihres nächsten halben Jahres. Irgendwie individuell und doch gemeinsam. Man möchte die Zeit auch zusammen verbringen. Das wird nicht immer klappen, aber manchmal schon.
    Nach einer schönen Unterhaltung mit den Ocean Fellows und Salty Brothers, musste ich mich doch nochmal hinsetzen. Die große Pazifikseekarte im Cockpit ausgebreitet, schaue ich aufs Meer. Bald sind wir da. In der Südsee! Die Sonne bringt die Wellenspitzen zum Glitzern. Das unablässige Rauschen bereitet mir heute morgen Freude. Die Jungs meinten, sie müssen sich erstmal erholen, wenn sie ankommen. Ich fühle mich komplett erholt. Ich bin voller Tatendrang, freu mich aufs Wandern und neue Welten erkunden.
    Gestern haben wir uns eine Dokumentation aus der ARD Mediathek über die Marquesas angeschaut. Wir sind jetzt gespannt auf unsere eigenen Eindrücke. Denn die Marquesas sind nicht die typischen Südseeinseln. Seid gespannt auf unsere ersten Berichte oder schaut selbst bereits mal rein ;-)
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  • Pazifiküberquerung Tag 25

    19 mai 2024, Südsee ⋅ ☀️ 28 °C

    Tag 25 - 18.05.2024
    Mittagsposition: 07°52'S 130°47'W
    Etmal: (24 h): 138 Seemeilen
    Durchschnitt: 5,8 Knoten
    Restmeilen bis Marquesas: 497 sm
    Wetter: Bewölkt
    Auf dem Menü: Spagetthi Bolognese

    Das Fischerglück ist zurück. Gleich zwei Mahi Mahis konnten wir an Bord ziehen. Eigentlich möchte Jonas unbedingt endlich mal Thunfisch fangen, aber die Mahis scheinen unsere Köder lieber zu mögen. Zwei kleine Exemplare. Kurze Zeit später liegen sie filetiert in einer Tupperdose im Kühlschrank. Der Nachmittag bringt viel Sonne und kurzerhand schlage ich vor, den Fisch einzukochen. In Deutschland habe ich mich noch penetrant geweigert, doch jetzt find ich die Idee doch ganz cool! So haben wir später, wenn wir vor den Inseln liegen trotzdem noch leckeren Fisch. Und somit brät schon kurze Zeit später der Fisch in Butter gemeinsam mit Kräutern der Provence (passend zu unserem Ziel). Danach befüllen wir die Gläser und ab damit in den Druckkochtopf. Ich hatte mir das schwieriger vorgestellt. Eine Stunde später holen wir die drei Gläser wieder heraus und lassen sich abkühlen. Plop, plop, plop ziehen sich die Deckel nach innen. Fertig!
    Wir werden noch richtige Meisterköche hier an Bord! Zurück zum Alltag. Das Wetter is sehr ruhig, meist haben wir weniger Wind als erhofft, nach wie vor mäßig viel Welle, dafür Sonne. Carcasonne ist unsere Haupttagesbeschäftigung. In wenigen Minuten erreichen wir die 4 vor unserer Zieldistanz. Leider segeln wir seit gestern Abend die meiste Zeit unter 5 Knoten. Zu wenig Wind, kaum noch Strom und viel Bewuchs lassen uns an der Handbremse ziehend dem Ziel näher kommen.
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  • Pazifiküberquerung Tag 26

    20 mai 2024, Südsee ⋅ ☀️ 28 °C

    Tag 26 - 19.05.2024
    Mittagsposition: 08°34'S 132°43'W
    Etmal: (24 h): 123 Seemeilen
    Durchschnitt: 5,1 Knoten
    Restmeilen bis Marquesas: 374 Seemeilen
    Wetter: Sonnig
    Auf dem Menü: Wraps mit frischen Thunfisch

    Broadcast heute von Jonas:
    Angeln auf Langfahrt
    Mittlerweile sind wir zu richtigen Angelfortgeschritten geworden, Profis würde ich es noch nicht nennen...
    Sobald wir zu einem neuen Ort segeln geht meist auch direkt mindestens eine Angelleine achteraus.
    Aus Kiel losgefahren sind wir mit einer sehr kleinen Angelausrüstung. Mittlerweile haben wir davon quasi nichts mehr an Bord, viel zu klein waren die Haken, zu dünn die Sehnen und zu schwach die Route und die Spule. Glücklicherweise haben wir auf unserer Route alles an nette Leute verschenken können, die damit von der Küste aus angeln.

    Wir haben jetzt Haken die über 30kg halten, 1mm Dicke Angelsehnen und Stahldraht für den ersten Meter nach dem Haken, damit die Fische das nicht durchbeißen können. Auch eine starke Route konnten wir auf Teneriffa erstehen.

    Seitdem ziehen wir fast jedes Mal wenn wir angeln auch einen Fisch an Bord. Von sehr kleinen, die eher "ausversehen" oder etwas zu "gierig" in den Haken gebissen haben, bis hin zu einem 12kg und 1,30m langen Wahoo war schon alles dabei. Man kann auch noch deutlich größere fangen, aber dafür ist unser Boot einfach nicht ausgelegt. Und mal ehrlich, wer will schon mit meterlangen Schwertfischen kämpfen, die man hier draußen durchaus fangen kann, wie Freunde von uns zwischen Panama und Galapagos bewiesen haben.

    Das Angeln an sich ist sehr simpel. Haken mit einer Art Gummitintenfisch darüber hinter dem Boot raushängen und entsprechend Leine ausgeben. Eine Regel ist 10m pro Knoten Fahrt, von anderen haben wir gehört max. 20 Meter solange man unter 6 Knoten fährt.
    Mein Gefühl ist, es ist eigentlich ziemlich egal wie viel Abstand man hat.
    Wenn genug Leine ausgegeben ist wird sie einfach auf der Klampe belegt oder die Spule der Route geschlossen. Und dann wartet man auf einen Biss.
    Wenn dieser kommt bricht geordnete Hektik aus: Das Holz der Badeplattform muss bewässert werden, damit es kein Blut aufnimmt, das Messer und der Alkohol muss rausgeholt werden, Handschuhe angezogen und Tupperdosen besorgt werden.

    Ist das alles geschehen ziehen wir die Leine langsam ein, bis wir den Fisch nahe der Badeplattform haben. Dann kommt das, wobei uns schon der eine oder andere Fisch vom Haken gesprungen ist: der Schritt aus dem Wasser auf die Badeplattform. Für einen Kescher sind wir meist zu schnell und der Fisch zu groß. Also zieht Jenny ihn meist an der Leine aus dem Wasser und ich greife beherzt zu und lege ich auf die Plattform. Dann geben wir ihm hochprozentigen Alkohol in die Kiemen (>40% vol) das bringt den Fisch sofort in ein Delirium. Ein Schlag auf den Kopf ist bei der Größe an Fisch meist nicht hilfreich, das Knorpelgewebe ist einfach zu dick um ihn damit zu betäuben.
    Direkt nach dem Alkohol kommt der Kiemenschnitt, dabei werden auf beiden Seiten die Kiemenbögen komplett durchtrennt. Die sind vergleichbar mit unserer Halsschlagader und führen zu einem schnellen Tod.
    Dann wird der Fisch ausgenommen und dabei die Organe begutachtet, hierbei kann man meist direkt erkennen ob der Fisch gesund und dadurch genießbar ist.
    Anschließen filetiert wandert er in den Kühlschrank. Besser wäre eine Gefriertruhe, aber die haben wir leider (noch) nicht. Wenn wir auf Tahiti eine finden, die nicht wahnsinnig teuer ist wird die wohl noch nachgerüstet.

    Zu guter Letzt gibt es noch zu wissen, dass es leider einige Fischkrankheiten gibt. Relativ weit verbreitet ist Ciguatera, das ist ein Gift, welches in Algen an Riffen entsteht. Kleine Fische nehmen das durch das Fressen der Algen auf. Die kleineren werden von den größeren gefressen und so reichert sich in ihnen immer mehr von dem Gift an. Beim Menschen löst es unter anderem starke neurologische Symptome aus, wie schmerzhafte Kälteüberempfindlichkeit, zusammen mit Taubheitsgefühl zum Beispiel in den Lippen und kann im schlechtesten Fall sogar zum Tod führen.
    Daher angeln wir nur unterwegs weitab von Riffen und den damit zusammenhängenden Rifffischen.

    Alles in allem ist es eine sehr schöne Ergänzung zu den Mahlzeiten die man sich schon beim Provianttieren für die Etappe geplant hat.
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  • Pazifiküberquerung Tag 27

    21 mai 2024, Südsee ⋅ ☁️ 27 °C

    Tag 27 - 20.05.2024
    Mittagsposition: 09°10'S 134°30'W
    Etmal: (24 h): 112 Seemeilen
    Durchschnitt: 4,7 Knoten
    Restmeilen bis Marquesas: 263 Seemeilen
    Wetter: Bewölkt / wenig Wind
    Auf dem Menü: Spinat-Thunfisch/Feta Cannelloni

    Abwechslung im Alltag erwünscht! Antonia hat gestern noch festgestellt, dass die Zeit schneller vergangen ist, als erwartet. Es scheint fast als wäre es erst ein paar Tage her, seit uns Familie Zen mit Winken aus dem Hafen verabschiedet hat. Doch irgendwie hab ich das Bedürfnis, endlich anzukommen.

    Wir sind nur noch langsam unterwegs. Der Wind ist schwachwindig. Nicht nur hier. Auch 250 Seemeilen vor uns, kämpfen die Ocean Fellows mit zu wenig Wind. Gestern meinten sie, sie haben das Gefühl, dem Ziel eher entgegen zu treiben.
    Uns geht's nicht viel anders. Jonas ist heute Nacht nur 3 Knoten gefahren. Ich kann gerade nur hoffen, dass die Sonne den Wind mitbringt. Wir brauchen einen 5,0 Schnitt, um am Mittwoch noch vor Sonnenuntergang anzukommen. Und mal ehrlich, keiner will nach fast 30 Tagen auf See dann noch eine Nacht auf See rumdümpeln, weil es zu dunkel ist zum Ankern. Denn Landfall macht man auch heute noch am besten bei Tageslicht. Wie vor hunderten von Jahren, die ersten großen Seefahrer.

    Leise fluche ich vor mich hin. Das Segel schlägt schon wieder. Lauf, Jonny, lauf! Andererseits, meinen Cocktail von Jonas und Antonia ist damit fast gesichert 😄 Ich habe den 24.05. 11 Uhr als Ankunftszeit getippt. Wer von uns dreien am nächsten liegt, bekommt zwei Cocktails ausgegeben 😎
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  • Pazifiküberquerung Tag 28

    22 mai 2024, Südsee ⋅ ☁️ 27 °C

    Tag 28 - 21.05.2024
    Mittagsposition: 09°41'S 136°17'W
    Etmal: (24 h): 111 Seemeilen
    Durchschnitt: 4,6 Knoten
    Restmeilen bis Marquesas: 150 Seemeilen
    Wetter: Stark bewölkt
    Auf dem Menü: Resteessen mit Tomatensalat und Cole Slaw

    Frühmorgens wache ich durch Jonas sein leiese Gemurmel auf. Was will er? Lasst mich schlafen! Mein Rücken schmerzt und ich bin noch müde. War noch am Träumen. In meinem Träumen wandere ich gerade einen grünen Berg hinauf. Die Realität reißt mich zurück ins Hier und Jetzt. Das Gluckern unterm Boot ist verstummt. In der Ferne höre ich die Genua schlagen. Ein Blick auf unsere elektronische Seekarte zeigt: 2 Knoten Fahrt, 3 Knoten Wind.
    Resigniert verstecke ich mich unter meinem Kopfkissen. Auf unserer Autofahrt von Hamburg nach München, ist uns wohl auf Höhe Fürstenfeldbruck der Benzin ausgegangen. Das Navi zeigt nur noch wenige Kilometer bis München, doch es hilft alles nichts. Hier sind es noch 188 Seemeilen. Ein kurzes Nachrechnen mit dem Taschenrechner ergibt: Unsere Ankunft am Mittwoch fällt ins Wasser. Ab jetzt rechnen wir konservativer mit 4,0 Knoten Schnitt und sollten Fatu Hiva frühmorgens am Donnerstag erreichen.
    Dennoch starten wir den Motor. Wir müssen aus dem Flauteloch heraus.
    Ich lege mein Handy weg und schaue hinaus auf die Wellen. Ich sehe Schaumkronen. Das bedeutet Wind. Schnell schaue ich auf die Windanzeige. 12 Knoten. Nach nur 30 Minuten motoren ist der Wind zurück. Ich rolle die Genua aus und stoppe den Motor. Den Vormittag segeln wir mit 6 Knoten dahin. Keiner versteht das Wetter mehr. Unsere Buddy-Boote erzählen ähnliches. Die letzten Meilen sind die zähesten!
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  • Pazifiküberquerung Tag 29

    22 mai 2024, Südsee ⋅ 🌬 29 °C

    Tag 29 - 22.05.2024
    Mittagsposition: 10°20'S 138°31'W
    Etmal: (24,5 h): 138 Seemeilen
    Durchschnitt: 5,6 Knoten
    Restmeilen bis Marquesas: 15 Seemeilen
    Wetter: Sonnig bis bewölkt
    Auf dem Menü: Thunfisch-Mais-Sahne-Sauce mit Kartoffeln und Grillkäse auf Zuccini
    Und! die letzten zwei Tomaten

    Schon morgens schaue ich gebannt auf den Horizont. Wann wohl Land in Sicht kommt? Lange kann es nicht mehr dauern, die Inseln sind sehr bergig, entsprechend früh müsste man sie sehen können. Ich habe gemischte Gefühle. Nach so langer Zeit wieder Land betreten zu dürfen? Land überhaupt zu sehen. Andere Menschen als Antonia und Jonas um mich zu haben. Wie wird es sein? Was sagen meine Beinmuskeln dazu, länger als 10 m am Stück laufen zu müssen?
    Immer wenn ich von Ozeanpassagen in Landnähe kommen muss ich an meine zweite Atlantiküberquerung auf der Thor Heyerdahl denken. Damals auf dem Klassenzimmer unter Segeln wurden wir von einem Filmteam begleitet, um die Serie "Klasse Segel Abenteuer" zu drehen. Sarah, die Kamerafrau bat mich als eine der enthusiastischen Segler die Worte "Land in Sicht" zu brüllen. Sie freute sich so dermaßen darauf - nach Tagen der Seekrankheit - wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, dass ich sie nicht zufrieden stellen konnte. Ich wollte einfach kein Land sehen. Wollte weiter segeln. An Bord bleiben und für immer über die Weltmeere segeln. Vermutlich hat sich da der Gedanke gefestigt, meinen Beruf in die Seefahrt zu verlegen.
    Auch jetzt frage ich mich leise, willst du ankommen? Ja, ich will! Ich will diese neue Kultur kennen lernen, mich auf die Spuren von Thor Heyerdahl begeben, die Skulpturen der ersten Einwohner der Marquesas bewundern, Berge besteigen und auch unsere Freunde wieder sehen! Denn es ist an der Zeit, den Anker zu werfen!
    PS: Sekt ist schon kühl gestellt! 🥳
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  • Landfall im Paradies

    22 mai 2024, Polynésie française ⋅ 🌬 28 °C

    Die Insel Fatu Hiva taucht schon frühmorgens am Horizont auf. Lange schaue ich gebannt auf die dunklen Konturen am Horizont!
    Im Laufe des Vormittags kommt eine weitere Insel in Sicht und Fatu Hiva? Die wird immer größer, majestätischer. Gebannt freuen wir uns ihr endlich näher zu kommen. 28 Tage haben wir gebraucht, um diesen Moment zu erleben. 28 Tage voller Erlebnisse. Segelabenteuer, -spaß und manchmal auch Segelverzweiflung. Manchmal Langeweile, zahlreiche Carcasonne-Spiele, tolle Sonnenuntergänge und eine Zeit, die am Ende doch schneller vergangen ist als wir gedacht haben!
    Wir bereiten die Jonny auf die Ankunft vor, putzen, schrubben, verstauen Segelmaterial, das wir nicht mehr brauchen und werfen immer wieder einen Blick auf die Insel.
    Mittlerweile können wir einzelne Bäume erkennen. Einzelne Felsformationen und Küstenstreifen. Zu dritt sitzen wir auf dem Vordeck und sind stolz auf uns. Wir haben es geschafft! Knapp 4000 Seemeilen von Panama bis hierher.
    Im Windschatten der Insel angekommen, rollen wir die Genua weg und starten ein letztes Mal den Motor. Am fernen Inselrand entdecke ich das erste zeichen für Zivilisation. Und schon kurz darauf erkennen wir die ersten Masten in der Bucht von Hanava. Die Jaleo Primerio der Ocean Fellows ruft uns auf Kanal 16: "Welcome to Paradise". Winkend fahren wir dicht an Bente und Lukas vorbei. Strahlend winken sie zurück. Doch dann fällt unser Blick auf die Kulisse hinter den beiden. Schwarze Felsen ragen über 100 m in die Höhe, Palmen, Bäume und grünes Grad bedecken die Hänge. Fast senkrecht ragen sie empor. Enden in mystisch aussehenden Steinformationen. Was für eine Kulisse uns hier begrüßt! Damit haben wir nicht gerechnet! Grandios! Der Anker fällt im flachen Wasser. Später werden wir feststellen, dass wir den Ankerplatz wechseln müssen. Das Paradies ist giftig. Starke Fallböen bereiten uns Probleme und lassen den Anker nicht halten. Doch nach dem Abendessen finden wir am äußeren Rand besseren Ankergrund.
    Sonne und Regen wechseln sich in einer Geschwindigkeit ab, dass wir überrascht sind.
    Doch jetzt heißt es erstmal Anstoßen auf den Triumph, den Pazifik erfolgreich gemeistert zu haben!
    28 Tage und 5 Stunden für 3986 Seemeilen!
    Wir sind angekommen auf den Marquesas!
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  • Fallböen

    23 mai 2024, Polynésie française ⋅ 🌬 27 °C

    Die erste Nacht war deutlich weniger angenehm als erhofft. Zugegebenermaßen hatte ich damit schon gerechnet. Manche Buchten ziehen dieses Phänomen an. Bergige Landschaft mit einem Tal, das in der Bucht mündet. Starke Winde vor der Küste, die über die Insel fegen und dann sich in dem herabfallenden Tal kanalisieren und stärker werden. Der Ankergrund ist durch den Fluss ausgespült und loser Sand gibt schlechten Halt. Am Uferrand ist das Wasser zwar tief, aber der Grund besser.
    Somit verholen wir am Abend bereits zum ersten Mal den Ankerplatz.
    Nachts um 03:30 Uhr weckt mich Jonas. Der Anker hält wieder nicht. Oder genauer gesagt. Die Fallenböen kommen von allen Seiten, so dass wir zu nah an der blauen Nachbar-Yacht dran liegen.
    Erneut gehen wir Anker auf. Lassen den Anker weiter draußen fall, sind unzufrieden und gehen erneut Anker auf. Zurück an Position 2, aber etwas mehr Abstand zu den Nachbarn, Endlich, der Anker hält. Zurück ins Bett. Trocknen und Schlaf finden. Am nächsten Morgen ist die blaue Yacht verschwunden. Ich fluche. Hätten wir uns das ja fast sparen können. Nun liegen wir nahe an einem Katamaran. Also werden wir wohl gleich erneut Anker auf gehen und nochmal 15 m weiter verholen, um dann hoffentlich unsere Platz für die nächsten zwei, drei Tage zu finden.
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  • Die ersten Schritte an Land

    23 mai 2024, Polynésie française ⋅ 🌬 29 °C

    Noch sind wir wackeligen Fußes unterwegs. Mit dem Dinghi ging es heute das erste Mal an Land. Die Strecke ist kurz, aber imposant! Links und rechts ragen Felswände aus dem Wasser. Vom Dinghi aus schauen sie noch imposanter aus als von der Jonny. Am Steilhang stehen ziegen und ihr Määh-en klingt ein bisschen wie ein Hilferuf. Wir biegen um den kleinen Wellenbrecher und erreichen eine gut befestigte Steinpier. Alles wirkt sehr fürsorglich angelegt und durchdacht. Die Ortschaft ist gepflegter als in den meisten Ländern, in denen wir bisher waren. Der kleine Grünstreifen neben der Straße ist gemäht. Die Häuser sind bunt angemalt und gepflegt. Alle Menschen, denen wir begegnen strahlen uns an und grüßen freundlich.
    Es herrscht idyllische Ruhe. Das Dinghi sperren wir nicht ab. Wir haben das Gefühl, in Sicherheit zu sein. In einem kleinen Spaziergang erkunden wir die Ortschaft, wandern entlang des Flusses einen Stück den Hang hinauf. Schauen in fremde Gärten, unterhalten uns hier und da mit einem Local.
    Nehmen die Gerüche und Eindrücke war. Wenn man den Geruch beschreiben müsste, würde ich wohl sagen: "Grün" - nach all dem blau, wirkt hier alles grüner als grün. Kräftig leuchtende Farben und der Geruch nach Bäumen und Gras.
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  • Fatu Hiva

    25 mai 2024, Polynésie française ⋅ ⛅ 28 °C

    Die ersten Tage nach unserer erfolgreichen Pazifiküberquerung verbringen wir auf Fatu Hiva. Eine Insel, mit der wir eine persönliche Verbindung haben. Thor Heyerdahl lebte hier 1937 mit seiner ersten Frau, um der fremden Kultur näher zu kommen und sie zu erforschen. Weltweit forschte er an den seefahrenden Nationen der Vergangenheit, versuchte die Welt davon zu überzeugen, dass nicht die Europäer die ersten Pioniere der Seefahrt waren, sondern die Wurzeln unserer heutigen Reise viel weiter in die Vergangenheit reichen.
    Bereits am Hafen stoßen wir das erste Mal auf Thor Heyerdahl. Auf einem Infoschild finden wir sein Foto und Namen und sind gerührt.
    In Gedanken bei seinen ersten Expeditionen; machen auch wir Ausflüge ins Landesinnere der Insel. Überwandern den Bergpass und erkunden die zweite Ortschaft Omoa. Unterhalten uns mit Einheimischen. Tauschen Parfüm gegen eine Tiki-Statue und Obst.
    Im Tante Emma Laden kaufe ich das erste Mal seit über 30 Tagen ein. 15 Äpfel, 4 Karotten, 5 Zwiebeln, 1 kalte Cola, 1 Packung Hefe und Pfeffer - kosten mich rund 45€. Jonas und ich sind froh, dass wir Fisch essen, das erleichtert unser Budget enorm. Viel einkaufen werden wir hier wohl nicht.
    Eine Bar für unser Willkommens-Getränk finden wir übrigens auch nicht. Das muss wohl auf die nächste Insel warten. Dort leben mehr Menschen und auch mehr Segler liegen vor Anker. Die Chancen stehen gut, ein nettes Restaurant zu finden. Doch hier bekommen wir ein Erlebnis der anderen Art. Gemeinsam mit unseren Schweizer Freunden geht es privat zum Abendessen - Wildschwein, Tiefseefisch und lokales Gemüse. Nachspeisen in Kokosmilch, und viel frisches Obst. Und davon reichlich. Mit Hilfe der Übersetzungen von Luca, Lukas und Jerome erfahren wir mehr über die Kultur der Marquesen. Der christliche Einfluss der Franzosen lässt sich am Tischgebet erkennen. Wir finden eine Mischung aus Moderne und alten Traditionen. Eine lange Zeit waren Tatoos verboten, doch mittlerweile sieht man wohl wieder immer mehr der traditionellen Malerein eingestochen in die Haut der Einheimischen.
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  • Wasserfälle

    26 mai 2024, Polynésie française ⋅ 🌬 28 °C

    Unser letzter Ausflug führt uns durch Bananen Plantagen und tropische Wäldchen zu einem der schönsten Wasserfälle, die ich je gesehen habe. Viele Meter fließt und fällt das Wasser an der senkrechten Felswand hinab. Im angenehmen Kühl erholen wir uns von dem Aufstieg, und genießen den Blick vorbei an grünen Blättern und prasselnden Wassertropfen in den blauen-weißen Himmel. Ein Paradies auf Erden!En savoir plus

  • Cocktail Time

    28 mai 2024, Polynésie française ⋅ 🌬 28 °C

    Der Pazifik ist geschafft und nach einigen Tagen auf der kleineren Insel Fatu Hiva, segeln wir Richtung Norden. Hiva Oa ist ein "Designated Port of Arrival". Das bedeutet, wir können offiziell in das Land einreisen! Französisch Polynesien liegt vor uns. Ein Land, das von den Ausmaßen her - die Wasserfläche eingerechnet - wohl eines der größten Länder der Welt wäre. Ist es doch halb so groß wie ganz Europa.
    Für uns stehen die Marquesen, die Tuamotus und die Gesellschaftsinseln samt der berühmten Inseln Tahiti und Bora Bora an.
    Darauf ein Cocktail! Unser erster Willkommenscocktail geht an den Verlierer unserer Trans-Pazifik Wette.
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  • Der größte Tiki Polynesiens

    29 mai 2024, Polynésie française ⋅ ⛅ 28 °C

    Fatu Hiva haben wir wandernd erkundigt. Doch Hiva Oa ist doch eine Nummer zu groß - kurzerhand beschließen wir ins Reisebudget zu greifen und uns einen Mietwagen für einen Tag zu besorgen.
    Kurzer Hand überreden wir Melody und Cliff von der Lella uns zu begleiten. Die beiden haben einfach immer gute Storys zu erzählen - Amerikaner, die in Thailand leben und derzeit um die Welt segeln. Das Boot hat Cliff in Australien gekauft, in Thailand hergerichtet und ist nun fast einmal rum. Cliff erzählt uns von Seenotfällen, bei denen er unter anderem sein erstes Boot aufgeben und von der US Coastguard abgeborgen werden musste, während Melody uns allerhand über die Naturmedizin in tropischen Regenwäldern beibringt. Wie behandel ich Denghe-Fieber? Was hilft gegen Magenschmerzen? Was mache ich, wenn mich doch Parasiten befallen haben.
    Die Fahrt zu unserem Ziel vergeht wie im Flug. Wir halten zwar an jeder Ecke, um die Aussicht auf uns wirken zu lassen, aber am Ende sind die Distanzen doch keine großen.
    Entlang einer kleinen Küstenstraße geht es in den Nordosten der Insel. Vorgewarnt von Freunden empfinden wir die Straßen deutlich besser als erwartet. Nordlichter eben :)
    Bei Regen sollte man diese aber wohl besser nicht benutzen. Zahlreiche Steinschläge zeichnen den geteerten Weg. Grund genug, den großen Pickup zu buchen. In einem kleinen Dorf geht es rechts weg und steil den Berg hinauf. Pünktlich am Ziel beginnt es zu regnen. Na wunderbar! Glücklicherweise finden wir einen Unterstand mit Infotafeln und können uns erstmal informieren, was wir hier zu sehen bekommen. Prehistorische Tikis. Statuen der Ureinwohner Polynesiens. Andenken an die damalige Zeit. Unter anderem der größte Tiki aus vergangener Zeit ganz Französisch Polynesiens. Über 2,5 m misst der Riese und starrt gebannt vom Hügel auf uns hinab. Auch die anderen Tikis sind spannend zu besichtigen. Auch hier treffen wir auf den Namen Thor Heyerdahl. Seine Crew hat damals bei Ausgrabungen und Restaurierung der Tikis geholfen.
    Es ist früher Mittag. Im Dorf finden wir eine Snackbar, essen frisches Obst und Baguettes. Frisch gestärkt, geht es weiter. Am Flughafen vorbei, der deutlich größer ist als erwartet, durch unser Hafendorf in die andere Richtung. Am nunmehr westlichsten Ende der Insel finden wir eine wunderschöne Kirche aus einzelnen Steinen zusammengesetzt. Mühsehlige Handarbeit lässt sich in dem Mauerwerk erkennen. Selten habe ich eine so schöne Kirche gesehen. Schlicht und doch anmutig.
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  • Honeymoon Bay

    30 mai 2024, Polynésie française ⋅ ☀️ 28 °C

    Die Strecke zur nächsten Insel ist überschaubar. Von Hiva Oa nach Tahuata. 11 Seemeilen. Und nahezu komplett segelbar. Wir ziehen den Anker hoch. Während ich mich nach vorne beuge, um die Kette im Ankerkasten zurecht zu schupsen, werfe ich einen Blick über die Kante. Und bin überrascht. Ein Hai! Ein kleiner Riff-Hai hatte es sich wohl auf oder in der nähe des Ankers gemütlich gemacht und ist mit in die Höhe gekommen. Er scheint fast etwas verwirrt, bevor er langsam wieder in der Tiefe verschwindet. Das Wasser hier ist trüb. Zügig verlassen wir also die Ankerbucht. Unsere Dänischen Freunde haben bereits einen kleinen Vorsprung. Gemütlich segeln wir hinterher. Der Passatwind bläst mit 15 Knoten und schnell erreichen wir den Windschatten der nächsten Insel. Tahuata liegt vor uns. Die letzte Meile motoren wir und sehen bereits aus der Ferne den weißen, von Palmen gesäumten Sandstrand. Die Südsee! Das Paradies! So stellt man sich das vor. Im Hintergrund ragen die Berge empor. Hinter der nächsten Kuppe sieht man Regenwald, doch hier: Klares, flaches Wasser. Mutig fahren wir in die erste Reihe, sehen aber einige Schatten im Wasser und werfen zunächst in 8 m Tiefe den Anker. Eine schnelle Dinghi-Schnorchel-Expedition gibt grünes Licht. Wir heben den Anker und fahren in die erste Reihe. Der Strand ist keine 100 m weg und wir haben freie Sicht. Honeymoon! Irgendwie ist es einfach nachzuvollziehen, warum die mondförmige Bucht diesen Namen bekommen hat.
    Bereits am Abend treffen wir uns mit Jesper und Maja zum Sundowner am Strand. Angekommen und wohlgefühlt!
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  • 20Knoten Halbwind

    10 juin 2024, Südsee ⋅ 🌬 28 °C

    Die Düse zwischen Oa Pou und Nuku Hiva ist heute stärker als erwartet. Während Jonas den Anker hochzieht, werfe ich nochmal einen kurzen Blick auf die aktuelle Wetterkarte. Gelbe Felder durchziehen das satte grün. Das bedeutet Wind. Mehr Wind als gestern Abend noch vorhergesagt.
    Der Anker ist oben. Unter Motor verlassen wir die Bucht. Lassen das Groß mal wieder eingepackt und segeln nur unter Genua in Richtung Norden. Kaum verlassen wir den letzten Windschatten der vorgelagerten Felsen, spüre ich den Wind merklich. Die Windanzeige klettert schnell in die Höhe und die Jonny beginnt sofort zu krängen. Der Mast knarzt, die Schoten ebenfalls. Wir riggen das Backstag, um die Bewegung des Mastes in den hereinkommenden Wellen zu minimieren. Zügig segeln wir dahin. 6 Knoten Fahrt. Noch 20 Seemeilen bis zur Daniel's Bay.
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  • Nuku Hiva a Cheval

    11 juin 2024, Polynésie française ⋅ ☀️ 27 °C

    Lange schon spreche ich davon, wieder einmal auf dem Rücken eines Pferdes sitzen zu wohlen. Die Jungs ziehen mich bereits seit Tagen damit auf. Zeigen mir jedes Pferd an Land und ich schnunzele in mich hinein.
    Michelle begleitet mich. Wir lernen uns erst am Dinghidock kennen. Eigentlich wollten wir ihr nur einen gebrauchten Solarladeregler verkaufen - jetzt sitzen wir gemeinsam auf der Ladefläche eines Pickups und entfernen uns schnell aus dem Dorf Taiohae. Nuku Hiva ist die größte der Marquesischen Inseln. Im Nachheinein betrachtet, hätten wir lieber hier einen Mietwagen nehmen sollen, doch das Wetterfenster für unsere Überfahrt beginnt sie zu schließen - wir wollen los.
    Umso mehr genieße ich es, doch noch einen Blick auf die Hochebene der Insel werfen zu dürfen. Das grün ist hier intensiver als an der Küste. Entlang der Straße sehen wir eine Vielzahl an angepflockten Pferden und Kühen. Die Vorfreude steigt.
    Unser Guide, Waiho, parkt den Truck auf einer Wiese. Eine riesige Baustelle zeichnet die Umgebung. Dann schlüpfen wir durch ein Loch im Zaun und stehen in einer anderen Welt. Seiner Welt. Ein kleiner mit Runden Steinen gesäumter Trampelpfad zieht sich durch exotische Blumen und Pflanzen. Blüten wachsen überall wo man hinsieht. Eine Papaya trägt bereits die ersten Früchte und dann stehen wir auf der Veranda seines Zuhauses. An der Wand hängen Skelette von Bullenschädel. Teilweise mit traditionellen Mustern bemalt, werden die Hörner genutzt, um Zaumzeuge für Pferde oder andere Dinge daran aufzuhängen. Nach kurzer Pause, geht es weiter in den Garten. Die Pferde sind bereits gesattelt am grasen und warten auf ihre Reiter. Zwei weitere Touris sind mit dabei. Beide fast noch nie geritten. Na, das kann ja lustig werden. Meine Befürchtung wird sich bewahrheiten. Aber zu diesem Zeitpunkt bin ich damit beschäftigt, meinem Pferd Manu die Ohren zu kraueln. Sein Zaumzeug besteht aus gespleißten Bootstauwerk. Eine richtige Trense kostet hier wahrscheinlich ein Vermögen.
    Ich steige als letztes auf und dann geht es bereits los. Aus dem Garten entlang der Landstraße über Feldwege in Richtung Pinienwald. Der Anfang des Ritts ist wenig spektakulär. Das Straßenbild ähnelt einer ländlichen Gegend in Europa. Die Pinienwälder passen nicht in mein Bild der tropischen Gegend. Doch schnell gewöhne ich mich an den Anblick. Endlich biegen wir in einen Feldweg und schließlich auf eine Wiese ab. Weg von den Straßen und hinein in die Natur. Der Pinienwald ist exotischer als er aus der Ferne aussah. Palmenartige Gewächse hängen von den Bäumen herab. Durch die Bäume erspähen wir Wildpferde. Die Herde schaut uns alarmiert an und tritt dann geschlossen die Flucht an. Waiho erklärt warum - wer hier auf der Insel ein Pferd braucht, fängt sich einfach eines mit einem Lasso und zähmt es. Gezüchtet wird ansonsten kaum. Entsprechend Abstand halten die Wildpferde zu Menschen und gezähmten Pferden. Die Herde ist in den Tiefen des Waldes verschwunden. Für uns geht der Ritt weiter. Wir durchqueren mehrere Flussbetter und ich genieße mein tapferes Pferd "Manu". Die anderen Pferde sind deutlich scheuer, obwohl ich insgeheim denke, dass das eher an den Reitern liegt. Pferde merken, wenn der Reiter Angst hat und das überträgt sich eben schnell. Wir reiten eine Straße entlang. Auf dem Grünstreifen ist lediglich 1,5 m Platz, dann kommt ein Abhang. Ich schaue hinunter und lenke mein Pferd etwas weg. Das Grad ist rutschig. Hier könnte man leicht abrutschen und fallen. 50 m weiter habe ich die Stelle passiert und bleibe stehen. Ich höre ein lautes Geräusch. Zwei Lastwagen nähern sich uns. Der Guide sagt etwas auf französisch. Ich denke, die anderen sollen stehen bleiben. Der Lastwagen schert im Schritttempo auf die Gegenfahrbahn aus. Fährt vorbildlich. Doch das Pferd von dem Franzosen tänzelt. Er zieht am Zügel. Es ist ein Westernpferd. Das bedeutet rückwärts. Immer stärker zieht er am Zügel. Der Guide schreit: Lass los! Das verstehe sogar ich. Das Pferd bäumt sich auf und rutscht mit den Hinterbeinen in den Abhang. Überschlägt sich. Der Mann kann sich nicht mehr halten und fällt. Nicht nur vom Pferd sondern mehrmals den Hang hinab. 5 m in die Tiefe. Ich wende mein Pferd und reite zurück. Sage den anderen beiden, die sollen sich still verhalten. Das Pferd schafft es die Fallbewegung zu bremsen. Rappelt sich mitten im Steilhang auf und steht mit einem Satz wieder an der Straße und will losrennen. Ich springe vom Pferd und drücke dem wie versteinerten Waiho meine Zügel in die Hand. 2 m weiter habe ich die Zügel des Unglückstiers geschnappt und rede vorsichtig auf es ein. Wir rufen den Hang hinab, ob alles okey ist. Endlich erwacht der Guide zum Leben. Und der Verunglückte ebenfalls. Wir zeigen einen Stück den Weg entlang - dort ist es flacher und er kommt zurück zur Gruppe. Seine Arme und Beine sind dreckverschmiert. Aus mehreren Wunden sickert Blut. Unter anderem am Kopf. In Deutschland wäre er wohl ins Krankenhaus gekommen. Hier setzt Waiho ihn wieder aufs Pferd. Ich frage erneut nach, ob es ihm gut geht. Er ist MotorXross Fahrer, an Stürze gewöhnt, sagt er. Hält sich aber dennoch den Nacken. Zum Glück ist es nicht mehr weit zum Hof und es sind glaube ich alle erleichtert, dass keine weiteren Zwischenfälle dazukommen. Als Entschädigung bekommen wir Obst geschenkt. Michelle und ich schnappen uns alles was wir kriegen können. Die Gelegenheit ist günstig, die Boote wieder etwas zu proviantieren.
    Dann geht es im Truck zurück ins Dorf. Abends lassen die Fellows und wir den Tag bei Pizza im Restaurant am Ufer ausklingen. Ich erzähle meine Story und Luca sieht sich bestätigt. Pferde sind ihm nicht geheuer! Ich muss lachen. Denn für mich sind Pferde etwas wundervolles und trotz Zwischenfall, hoffe ich schon bald erneut wieder auf dem
    Pferd zu sitzen :)
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  • Eine verhexte Losfahrt

    12 juin 2024, Polynésie française ⋅ 🌬 28 °C

    Der Plan steht. Es soll losgehen in Richtung der Tuamotus. Die nächste Inselgruppe Französisch Polynesiens. Das Land erstreckt sich über eine Fläche, die einem Kontinent ähnelt. Doch der Großteil besteht aus Wasser. Ozean. Rund 450 Seemeilen (ca. Deutschland Nord Süd) trennen uns von unserem nächsten Ziel - Rairoa.
    Der Tag beginnt früh: Um 06:15 Uhr steige ich in das Dinghi der Ocean Fellows. Die Insulaner sind allesamt Frühaufsteher und gehen dafür lieber der Mittagshitze aus dem Weg. Es ist Marktzeit - Obst und Gemüse türmen sich auf den einzelnen Verkaufstischen. Ich lasse ca 60€ zurück und zeige Jonas eine Stunde später meine Ausbeute: Tomaten, Süßkartoffeln, 3 grüne Papayas, Bananen, Avocados und Zitronen. Man verliert hier schnell das Gefühl für Geld. Man akzeptiert irgendwann, dass einfach alles teuer ist. Ich hoffe, in den nächsten Wochen nur wenig einkaufen zu müssen, wir sind wieder voll aufgestockt. Bereit für eine noch abgelegenere Gegene.
    Luca und Jerome bleiben zurück an Land - sie haben einen Tauchausflug gebucht. Lukas bringt mich nach Hause. Ein wenig neidisch, beginnen Jonas und ich unsere To Do Liste abzuarbeiten. Segel wechseln, einkaufen, tanken, aufräumen, vorkochen, Wäsche trocknen. Nach Tagen des Regens ist das Wetter heute etwas gnädiger und sogar die Sonne zeigt sich hier und da und lässt die Vorbereitungen leichter von der Hand gehen. Wir stoßen an: Cola und Fanta - auf die Marquesas! Ein kühles Getränk vor der Abfahrt. Alles ist erledigt. Wir können los!

    Jonas startet den Motor und ich drücke auf das kleine Ankersymbol unserer Fern-Bedienung der Ankerwinsch. Langsam ratternd wandert die Kette Glied um Glied in den Ankerkasten. 30 m Markeriung ist bereits im Kasten, es folgt die 20 m Markierung. Doch dann stockt es. Ich werfe einen Blick über die Seite. Ein Widerstand. Die Markierungen zeigen mir: 15 m Kette im Wasser bei 10 m Wassertiefe. Jonas schaut mich von hinter der Sprayhood aus an. Ich zucke mit den Schultern und versuche es erneut. Mit heftigen Knacken und Bocken der Winde schaffe ich es, einige Kettenglieder hochzuziehen. Verdammt! Da muss was großes dran hängen. Fluchend versuchen wir die Winsch per Hand zu bedienen. Erfolglos. Ratlos schauen wir uns an. Jonas holt Taucherbrille und Flossen. Ein Blick in die Tiefe genügt. Eine andere Ankerkette hat sich um unsere gewickelt. Nicht nur einmal, sondern viele Male. Dicht liegt die Kette an unserer an und es scheint hoffnungslos. Ich rufe Lukas an - kannst du rüberkommen? Während wir Tauchequipment rausholen, nähert er sich schnell im Dinghi. Erneut versuchen wir die Kette einzuholen. Wir schaffen es bis auf 9 m. Der Anker müsste aus dem Grund sein. Ächzend und stöhnend macht sich unser Ankergeschirr bemerkbar. Das schöne Wetter des Tages ist mittlerweile grauen Wolken gewichen. Wind kommt auf. Jonas ist mit Tauchequipment im Wasser. Lukas und ich sprechen die Situation ab. Überlegen das Vorgehen, als ich einen Blick Richtung Land werfe. Mein Blick versteinert. Die Jalero Primero liegt quer zum Wind, aber nicht mehr an der Stelle, an der sie vor 10 Minuten noch gelegen hat. Die Böen schieben sie Richtung Land. Zügig Richtung Land. Ich brülle Lukas an, dass sein Boot treibt. Im ersten Moment versteht er nicht. Denkt ich rede über die Jonny. Jonas und ich werfen einander einen Blick zu. "Geh!" Ich springe ins Dinghi und jetzt versteht Lukas, dass es um sein Boot geht. Der Außenborder startet sofort. Wir preschen übers Wasser. Ich halte mich an der treibenden Yacht fest, während Lukas bereits über mich hinwegspringt. Er startet den Motor und gibt Gas. Das Land ist weniger als 100 m weg. Der Wind hat auf 20 Knoten zugenommen. Vermutlich war auch die Jalero Primero in der Ankerkette am Grund verhakt. Und kam durch unser Manöver davon frei. Denn auch die Jonny hat schnell zum treiben begonnen. Jonas schafft es gerade noch rechtzeitig an Bord. Der Motor läuft bereits. Er gibt Gas und weniger als 1 m bevor unser Boot in eine andere Yacht krachen würde, gibt er Gas und kommt frei. (Das bemerken Lukas und ich nicht. Zu beschäftigt sind wir. Erleichtert höre ich, dass alles gut gegangen ist...)
    Doch die Gefahr auf der Jalero Primero ist
    nicht vorrüber. Gefährlich nahe sind wir einer weiteren Yacht. Wir heben den Anker und ich halte die im Vergleich zur Jonny deutlich größere Yacht im Wind. Kurz entschlossen, suchen wir einen neuen Ankerplatz. 200
    m weiter fällt der Anker. Zwei Anläufe brauchen wir, bis der Anker hält. Wir stoppen den Motor und sind erleichtert.
    Jonas hat in Zwischenzeit es geschafft, die andere Ankerkette über den Grund zu ziehen und unseren Anker an neuer Position wieder fallen zu lassen. Lukas und ich sitzen also erneut im Boot. Er fährt mich zu Jonas und anschließend an Land, die zwei Jungs abholen. Auf dem Rückweg wird Jerome bei uns abgesetzt und wir beginnen erneut, den Anker zu bergen. Tauchequipment an. Leinen vorbereiten. Eine Leine an Jonas. Eine Leine für Handzeichen. Einmal Ziehen: Ankerkette runter. Zweimal Ziehen: Ankerkette hoch. Mehrmals muss Jonas hinab tauchen bis der finale Plan steht. Wir befestigen eine weitere Leine am Anker selbst. Entlasten Kette und Ankerwirbel. Jonas taucht erneut hinab. Unsere einzige Chance: Der Anker muss ab. Ein Nachbar steht mit Dinghi bereit, um Jonas zügig aufzunehmen, sobald wir frei sind. Denn dann werden wir treiben und ich muss den Motor verwenden können. Doch der Wind hat nachgelassen. Die Jonny bleibt brav an Ort und Stelle, während Jerome und ich zügig Kette und Anker empor ziehen als das befreiende Dauerrucken am Kommunikationsseil kommt. Geschafft! Anker aus dem Wasser. Schnell holen wir alle Leinen ein. Doch die Jonny bleibt ruhig liegen. Der Wind ist in seine Flaute zurückgefallen. Jonas steigt ins Dinghi und dann an Bord. Erleichtert lege ich den Gang ein und manövriere uns zwischen den Booten heraus. Neben der Jalero Primero kommen wir zum Stehen. Jerome wird abgeholt und wir rufen noch einige Abschiedsworte hinüber. Wir sind froh, solche Freunde zu haben. Wir werden trotzdem lossegeln. In Richtung Raroia. Wir setzen die Segel und segeln dem Sonnenuntergang entgegen... so haben wir uns diese Abfahrt nicht vorgestellt.
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  • Marquesas - Tuamotus Tag 1

    14 juin 2024, Südsee ⋅ 🌬 28 °C

    Wir sind viel zu schnell oder zu langsam. Trotz kleinerem Vorsegel, kommen wir extrem schnell voran. Doch die verlorene Zeit von gestern bringt unseren gesamten Zeitplan durcheinander. Dazu muss man verstehen, wie die Tuamotus aussehen. Die Inselgruppe besteht hauptsächlich aus Atollen. Das bedeutet Inseln, die jeweils Kreisförmig aus dem Meer herausragen. Manche vollkommen abgeschlossen. Manche mit Durchgängen. Den sogenannten "Pässen". Teilweise sind diese Pässe passierbar für Yachten. Fährt man hindurch findet man eine von Wellen geschützte Fläche vor. Problem daran. Die Eingänge sind oft schmal und in den Tuamotus gibt es Gezeiten. Fährt man also zur falschen Zeit in den Pass, könnte man auf Strömung von bis zu 8 Knoten treffen. Für uns also nicht passierbar. Problem daran ist, die Gezeiteninformationen sind nur sehr schlecht datiert. Man muss schätzen, ankommen und zunächst den Pass beobachten. Problem Nummer 2 - Korallenköpfe. Die Atolle sind häufig von Korallen gespickt. Eine Durchfahrt bei Nacht ist also schwierig zu bewerkstelligen. Somit müssen wir jetzt überlegen. Wie schaffen wir es bei Tage anzukommen. Und zudem zur richtigen Uhrzeit. Doch jetzt brauchen wir erstmal Schlaf. Die Nacht war kurz und wir sind es nicht mehr gewöhnt, nachts wach zu sein. Bis wir uns gewöhnt haben, werden wir jedoch bereits angekommen sein. Noch 360 Seemeilen.En savoir plus