Litauen, Polen, Ukraine, Rumänien, Bulgarien und Griechenland. Oder mal sehen wie weit ich komme.
  • Day26

    Korfu

    September 1, 2021 in Greece ⋅ ☀️ 23 °C

    Ich erhole mich eine Woche in Agios Gordios auf Korfu von der Mühsal des Reisens. Ein traumhafter Meerblick entschädigt für alles, was dumm gelaufen ist. Korfu ist wunderschön, eine grüne Insel und einst Zufluchtsort der österreichischen Kaiserin Elisabeth (Sissy). Heute war ich im Achillion, Sissys Palast auf Korfu, welcher in einem doch recht renovierungsbedürftigen Zustand ist. Kaputte und lose Stufen, bröckelnder Putz, verwitterte Fensterläden. Kaiserlicher Glanz verfliegt eben im Laufe der Zeit. Aber man spürt sie noch immer, die unglückliche Kaiserin Elizabeth von Österreich.

    Ob es der Blick auf die Küste von Albanien ist oder die Aussicht auf Korfu Stadt selbst? Die Stadt wird beschützt von einer Jahrhunderte alten Festung, die ich mir zuerst ansehe, bevor ich mich in das Getümmel der Stadt stürze, die super sehenswert und einfach zauberhaft ist, erst recht ohne die Massen von Kreuzfahrt-Touristen, die vor der Corona Pandemie das Straßenbild dominiert haben. Auch ohne die menschlichen Schiffsladungen ist in Kerkyra wie Korfu Stadt auf griechisch heißt einiges los.
    Ein griechischer Leierkastenmann rollt seine Dreh-Orgel an den Gästen der Restaurants vorbei. Schon überlege ich, wann er wohl seine zugegeben Katzenjammer ähnliche Musik an mir vorbei dudelt, als seine Helferin mir auch schon den Hut hin hält. Apropos: Überhaupt fehlt mir während meiner Zeit in Griechenland gute Musik. Aber es gibt ja zum Glück You Tube.

    Durch die schmalen Gassen zu stöbern, lässt mich staunen und macht richtig Spaß. Kaum zu glauben, dass das hier Griechenland sein soll. Unübersehbar ist der venezianische Einfluss im Straßenbild, aber auch die Franzosen und Briten haben auf Korfu ihre Spuren hinterlassen. Die Altstadt ist ein absolutes "Shopping Wonderland". Neben einer Fülle von typischen Korfu Souvenirs, findet man hier wirklich alles, was das Herz begehrt. Hergestellt in Athen in absolut chicem Design und überaus guter Qualität gibt es echt tolle Mode, Schuhe, Taschen und Schmuck. So ganz nebenbei: Diesen irdischen Verlockungen kann ich natürlich auch nicht wieder stehen. In Kanoni habe ich schon diverse Seifen "made with love in Korfu" gekauft. Ich weiß ja, dass mein Rucksack immer schwerer wird und ich die einzige bin, die ihn trägt. Was soll es? Im Grunde war auch nur 1 Flug, nämlich der Heimflug von Athen nach Hamburg geplant, aber nicht 3 Flüge mit dem sperrigen Rucksack und ohne passende Hülle, die verhindert, dass die Strippen in den Laufbändern hängen bleiben.
    Es war geplant, Litauen, Polen, die Ukraine, evtl. Moldavien, Rumanien und Bulgarien zu entdecken, bevor es von Athen aus nach Hause gehen sollte. Nun habe ich Litauen bereist, in Polen wg. schlechten Wetters die Reise verkürzt, Athen und Korfu besucht.

    PS: Ich fliege übermorgen nach Berlin, zu Hause bin ich deshalb noch lange nicht. Kurz entschlossen geht es für ein paar Tage nach Chemnitz in Sachsen, der Einladung einer guten Bekannten folgend, und ein wenig reden, relaxen und die Stadt angucken.

    Ein ehrliches Wort zum Schluss: Noch mehr relaxen als ich es auf auf Korfu tue, geht eigentlich nicht. Ehrlich gesagt hätten 5 Tage Badeurlaub für mich allein im sehr englisch geprägten Agios Gordios ausgereicht. Das Essen in den zahlreichen Restaurants ist meistens sehr Fritten-und Pittabrot lastig. Mit den Mondpreisen in den Supermärkten soll wahrscheinlich der komplette Verdienstausfall der Pandemiezeit aufgeholt werden. Was mich echt nervt, ist die aufgesetzte und oberflächliche Ansprache, mit der griechische Ladenbesitzer ihre ihnen schon bekannten Kunden ansprechen: "My Dear" oder "My Lovely", wobei die geliebten alles andere als lovely sind. Mit "My Lovely" ist wahrscheinlich das volle englische Portmonaie gemeint. Auch kann Korfu m. E. nicht mit schönen Stränden punkten. Meine Füße quälen sich über die vielen Steine am Wassersaum und im Wasser. Selbst die mitgebrachten Badeschuhe helfen da nicht viel. Besonders sauber und gepflegt habe ich weder den Strand von Agios Gordios noch die Strände in der näheren Umgebung gefunden. Wassersport-Angebote wie Stand Up Paddle suche ich vergeblich.
    Die durch die Pandemie entstandene Rezession spürt man extrem - auch auf Korfu. Es fehlt überall an Geld. In meinem "White Sands" sind sämtliche Grünanlagen vernachlässigt und verwildert. Laub liegt auf losen und gerissenen Stufen herum. Niemand fegt hier oder kümmert sich. Mein Zimmer habe ich oberflächlich gereinigt bekommen. Die Betonung liegt auf oberflächlich. Staub auf den Möbeln, Dreck in den Fugen der Dusche, Fenster, die sich nicht schließen lassen usw.
    Wenn ich schon dabei bin: Korfu ist eine grüne Insel, weil es im Winter sehr viel regnet. Das ganze Grün bietet Moskitos aller Art einen guten Nährboden. In meinem ganzen Leben wurde ich noch nie so häufig und intensiv von Mücken gestochen wie auf Korfu. Es gibt Myriaden von ihnen und auf dem Balkon oder beim Bummel hat man weder ein Mückennetz, noch eine Mückenlampe. Wie dem auch sei. Die sind echt schlimm auf Korfu.

    Korfu Fazit: Seit langem mache ich tatsächlich richtig Urlaub bei warmen Sommertemperaturen und einem unglaublichen Meerblick.
    Korfu ist wunderschön und blitzt als ein leuchtender Stern hervor aus dem Heer der zahlreichen griechischen Inseln. In etwa so wie Capri in Italien, oder Sylt in Deutschland.
    Read more

  • Day22

    Athen

    August 28, 2021 in Greece ⋅ ☀️ 16 °C

    33 Grad und das ist schon kühl, sagt meine Tochter. Wir wissen ja alle, dass es in der Stadt der Götter und Philosophen gern auch mal 45 Grad sein können. Ich freue mich, meine Tochter und ihren Partner George wieder zu sehen. Ich selbst wohne in meinem Stamm Hostel, dem City Circus Athen. Das Frühstück ist im Übernachtungspreis inbegriffen. Ich lerne Hektor kennen, der Initiator des Straßentangos der "Athener Tango Lovers" ist. Ohne passende Schuhe und Outfit komme ich doch zum Tanzen. Hektor macht es möglich. Eine nette community tut sich hier auf. Wenn die Polizei auftaucht stieben sie alle auseinander als wäre es ein Verbrechen Tango zu tanzen. Das alles nur wegen Corona. Aber wir sind Menschen. Man kann uns vieles weg nehmen, aber nicht dauerhaft. Was wir lieben, tun wir auch dann, wenn es verboten ist.

    Meine Familie sitzt im Gras, schaut den Tanzenden zu und freut sich über die Schönheit dieses Abends. Wir schlendern weiter. Yasmine schleckt ein riesiges 3-Kugel-Eis. Alle Restaurants und Läden sind bis spät in die Nacht geöffnet. Die Athener sind Tier freundlich. Es werden Näpfe mit Trockenfutter an exponierte Katzentreffpunkte gestellt. Hier finden all die hungrigen Streuner etwas Futter.

    Wir bummeln durch den Abend Richtung Akropolis, verweilen auf dem flachen Felsen, den ich noch vom letzten Jahr kenne, und es entstehen ein paar schone Erinnerungsfotos.
    Sightseeing Aktivitäten haben bei meinem zweiten Aufenthalt in Athen überhaupt nicht statt gefunden. Dafür war es zu warm. Für mich sind 33 Grad prima warm und angenehm (dabei tue ich dann aber auch nicht viel). Außerdem sind wir jeden Abend essen gegangen und das manchmal in mehreren Restaurants, weil wir drei einfach nie den gleichen Geschmack haben, was das Essen anbelangt. Meine Tochter isst ayurvedisch-vegetarisch, George liebt Pommes und Pitta Brot. Ich bin eher eine Fisch- und Fleischliebhaberin mit Salat und Gemüseappetit, brauche allerdings weder Reis, Nudeln oder Kartoffel artige Beilagen. Je verschiedener der Appetit, je schwieriger die Auswahl des Restaurants.
    Read more

  • Day20

    Olzstyn und Warschau

    August 26, 2021 in Poland ⋅ 🌧 16 °C

    Was hat mich nur geritten, dass ich unbedingt hier her wollte. Hätte ich bloß das kleinere Übel gewählt und wäre mit dem Flixbus direkt nach Warschau gefahren. Das ich übermorgen so wie so dort sein würde, habe ich einer unvorhersehbaren Wetterkapriole zu verdanken, die eine Änderung meiner Reise-Route wünschenswert erscheinen ließ.
    Seit ca. 20 Stunden habe ich nicht mehr geschlafen und gestern - noch in Kaunas - die restliche Zeit bis zur Abfahrt meines Busses um 22.40 Uhr herbei gewünscht. Der Bus kommt pünktlich und fährt auch genau so pünktlich ab. Während der nächtlichen Fahrt regnet es fast die ganze Zeit. Bei Ankunft in Olzstyn ist es dann aber noch wesentlich kälter als in Kaunas und es regnet nun Sturzbäche. Der Busbahnhof in Olzstyn ist tagsüber schon nicht gerade einladend (was ich bei meiner Ankunft noch nicht sehen kann), in der Nacht und bei Regen ist dieser Ort einfach unangenehm um nicht zu sagen scheußlich. Es nützt nichts. Ich muss aussteigen, wuchte den Rucksack
    über meine Schulter, wate durch die Pfützen und habe sofort nasse Füße. Entschlossen gehe ich auf die andere Straßenseite zu Mc Donald und bestelle mir das zuvor recherchierte Taxi. Der Wagen ist schnell da und die Fahrt wie erwartet kurz. Vor einem schäbigen Haus hält das Taxi und der Fahrer behauptet, dies sei Wyzwolenia 8. Außenfassaden können ganz genau so aussehen, beruhige ich mich selbst. Der Fahrer meint es gut und drückt auf die Klingel. Meine Güte! Ich sollte doch leise sein und niemanden wecken. Dann fährt das Taxi weg und ich versuche mein Glück mit dem Türcode. Es klappt nicht. Warum verstehe ich den blöden Code nicht? Ich komme nicht rein und sitze die kommenden 3 Stunden in kalter, feuchter Nacht- und Morgenluft vor der Haustür des Hostels. Das fängt ja gut an. Ich stehe glücklicherweise etwas geschützt vor dem Regen im Eingangsbereich der Tür. Der Rucksack passt gerade so da rein, dass ich mich drauf setzen kann. An der Ecke beim Bäcker geht schon das Licht an. Gegenüber öffnet sich eine Haustür. Jemand führt seinen Hund aus. Erlöst werde ich endlich von einem Hostelbewohner, der zum Rauchen nach draußen geht, kein Wort englisch versteht, mich aber ins Haus lässt.
    Natürlich bin ich total erledigt. Von drinnen ist die Hostelwohnung ganz nett. Bis mein Bett um 15 Uhr fertig ist, drücke ich mich in der Küche rum und beginne in meinem Kopf mit dem neuen Buchungsmarathon. Meine Entscheidung, Masuren zu bereisen, habe ich spontan auf Grund des schlechten Wetters revidiert. Es regnet nicht. Es gießt in Strömen und so soll es erstmal bleiben. Der Reiterhof "Pan Tadeusz", wo ich mich für 1 Woche zum Reiten auf Wielkopolski Pferden angemeldet habe, muss wieder storniert werden. Oder soll ich im Regen und durch Morast reiten? Alles wird feucht, klebt und stinkt. Kein schöner Wiedereinstieg! Dabei habe doch oft davon geträumt auf dem Dönhoff Trail zu reiten.

    Meine Reise durch Polen werde ich nun also wg. schlechten Wetters erstmal abbrechen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen. Mit dem Flixbus werde ich nach Warschau fahren. Von dort gibt es bestimmt einen Flug nach Athen zu meiner Tochter.
    Zum Code: 5key2828. Ich habe nicht verstanden, dass 5key bedeutet, dass die 5 und danach das Schlüsselsymbol eingegeben werden muss. Danach die Zahl 2828. Ich habe verstanden: Haustürcode 2828, Code für Eingangstür Hostel im 2. stock ....... Name des WiFi, Passwort des WiFi, Name Maria (Name des Zimmers) = 5 keys /Schlüssel sind die 5 verschiedenen Zugänge.
    Read more

  • Day17

    Kaunas, Siaulai + der Hügel der Kreuze

    August 23, 2021 in Lithuania ⋅ ⛅ 17 °C

    Inzwischen hat mich ein flotter Zug nach Kaunas befördert. Der Himmel ist blau, die Stadt hübsch und will noch hübscher werden, denn Kaunas wird 2022 Kulturhauptstadt Europas. Es wird gebaut und verschönert in einer fast spürbaren Emsigkeit.

    Wie komme ich nun vom Bahnhof zu meiner Unterkunft? In Vilnius 3 Nächte, in Kaunas 3 Nächte, man kann ja nicht für jede neue Stadt die jeweils angesagte Verkehrsapp runter laden. Bevor ich das alles begriffen hab, reise ich schon wieder weiter. Es ist mir nicht peinlich. Wenn man junge Leute fragt, fühlen sie sich gebraucht, wenn sie helfen können und ich komme mit der Masche schneller zum Ziel.
    Nach der langen Fahrt und dem Tag am "Hügel der Kreuze" bin ich müde, hungrig und durstig. Und ich habe kein Wasser mehr. Außerdem brauche ich 2 große Briefumschläge. Wo die Post sein soll hab ich im Internet heraus bekommen, nämlich im Akropolis Einkaufszentrum. Und dann bin ich drin. Es ist das größte EKZ, das ich in meinem Leben gesehen habe. Ein Konsumtempel der XXXL Größe. Als ich schon aufgeben will, taucht die kleine Postfiliale "Pastas" in der hintersten Ecke auf. Briefumschläge haben die auch. Nun aber raus hier. Direkt unter meinem Fenster ist eine kleiner Burgerladen. Ich stelle mich dort an für mein Abendessen, welches aus einem Burger, Pommes, einer Cola und einem dunkelroten Saftshake besteht. Danach trinke ich noch in meinen Träumen die Memel leer. Der Durst ist fürchterlich. Wie komme ich eigentlich morgen zur alten Standseilbahn am anderen Flußufer und zum Kaunasmeer, wo es ein Segelangebot (zum mit segeln geben soll)? Heute Abend weiss ich das immer noch nicht. Überhaupt bin ich heute echt platt, denn ich war in Siaulai auf dem "Hügel der Kreuze", habe meine eigene Tour kreiert, mir bei facebook einen guide gesucht, der mich abgeholt und zurück zum Busbahnhof gebracht hat. Simass hat mir die Geschichte des Hügels erzählt und vieles über einige besondere Kreuze. Das der Hügel schon immer hier war, die Sowjets ihn aber zerstört haben, um den Widerstand der Lithauer zu brechen. Die haben nach der Machtdemo aufgeräumt und im Laufe der Zeit ist ein neuer Hügel entstanden. Nachdem die Russen weg waren entstand ein gut bestückter neuer Hügel der Kreuze. Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse eben auf dem Tisch.
    Read more

  • Day14

    Trakai Burg, Gediminas Turm und Uzupe

    August 20, 2021 in Lithuania ⋅ ⛅ 19 °C

    Nachdem ich gestern zu Fuß durch Vilnius gelaufen bin, vergeblich auf meinen local guide und die tägliche 12 Uhr Führung gewartet habe, fest stellen musste, dass es wg. Corona kein city tour office mehr gibt, ich es aber verzweifelt ewig lange gesucht habe, war der gestrige Tag für mich gelaufen.

    Und am Ende ist immer ein Licht im Tunnel. Ein Infopoint taucht auf, in dem jemand englisch spricht. Sie redet mir den Berg der Kreuze aus, sagt es gäbe zu wenig Touristen in der Stadt. Trakai, die berühmte Burg ginge auch nicht. Und dann doch! Eine Audioguide Tour zum Trakai Castle (28 km) von Vilnius tut sich nach einigen Telefonaten für den morgigen Tag auf. Und an meinem letzten Vilnius Tag gibt es eine geführte Tour mit einem Local, für die ich mich gleich registriere.
    2. Tag: Kleingruppen Audioguidetour nach Trakai zur berühmten Burg. Entspannt hört man während der Fahrt in der jeweiligen Heimatsprache Informationen über Litauen, Vilnius und Trakai.

    Trakai war früher einmal Litauens Hauptstadt. Die Burg von Trakai liegt eingerahmt von 4 Seen im Wasser und ist nur über eine Holzbrücke zu erreichen. Die Exponate des Burgmuseums zeichnen ein Bild der Fürsten und ihrer Lebensart über viele Jahrhunderte. Das Städtchen Trakai selbst bietet nostalgische, mehr oder weniger restaurierte bunte Holzhäuser und verteilt sich umgeben von Wasser auf einer schmalen Halbinsel. Zauberhaft! Zu guter letzt findet auch noch Futter für den hungrigen Magen. Am Parkplatz an der Imbißhütte lasse ich mich auf das erste litauische Kebab mit Käse auf die Hand ein. Ein Fehler war das nicht.

    Wenn man in Hochform ist, muss man dem entsprechen. Ich hole im Hostel meinen Pass und mache mich auf den Weg zum Gediminas Turm. Von oben hat man einen Postkartenblick auf ganz Vilnius. Hoch laufen braucht man nicht. Es gibt eine Standseilbahn. Für einen Euro bringt sie mich hoch. Es ist der absolute Wahnsinn. Den Turm selbst erspare ich mir. Nun geht es über das fürstliche, mittelalterliche Kopfsteinpflaster den Berg wieder hinunter durch den Bernardinu Park an St. Anna und anderen pompösen Kirchen vorbei Richtung Uzupe. Und hier muss man unbedingt gewesen sein, wenn man schon in Vilnius ist. Kopenhagen hat Christiania und Vilnius hat Uzupe. Es ist sozusagen eine Republik in der Republik mit eigener Verfassung. An einer Brücke prangt ein Schild "Res Republika Uzupe". Künstler, Kunsthandwerker, Hippies, anders denkende haben sich hier, in einem ehemaligen Rotlichtviertel mit schlechtem Ruf angesiedelt und haben aus dem miesen ein hippes Viertel gemacht. Bei Ankunft meldet man sich an und bekommt einen Stempel in den Pass und für einen Euro die Verfassung von Uzupe gleich mit. Unglaublich, aber wahr. Echt cool!
    Ich entdecke in einem Hinterhof ein uriges Cafe-Resaurant am Fluss und bestelle Schokoladen-Chilikuchen und Kaffee. Sonst wäre ich auch zusammen gebrochen nach dem Tag und die Walk-Tour durch Uzupe folgt nach der Stärkung. Toll ist: Nach 2 Tagen finde ich ausgerechnet in Uzupe einen Iki Supermarkt. Zugegeben, wenn ich unterwegs bin, gibt es Essen wenn ich Hunger habe, oft mittags erst Frühstück. Manchmal vergesse ich schlicht und einfach zu essen. Regelmäßige Mahlzeiten Fehlanzeige. Meine Nahrung ist, was ich sehe und erlebe. Wasser muss ausreichend da sein. Dann ist alles gut.
    Read more

    World in my eyes

    Mit dem Essen ist es bei mir genauso🤣

    8/21/21Reply
     
  • Day12

    Vilnius

    August 18, 2021 in Lithuania ⋅ ⛅ 20 °C

    Vilnius kommt absolut hip und super modern unter den Hauptstädten Europas daher. Mit der neuen Trafi App regelt sich das hin und her kommen wie von allein. Ein Netz von E- Scootern und städtischen Leihfahrräder (orange farben) unterstützen das Beförderungssystem. Überhaupt sieht man in Litauen unglaublich viele E-Scooter und alle möglichen Räder mit Elektroantrieb.
    Vilnius pulsiert und funktioniert. Alles ist sauber und gepflegt. Bettler sind auf den Straßen nicht zu sehen. Die Menschen sind freundlich, ruhig und hilfsbereit. Die Stadt hat viele prächtige Sehenswürdigkeiten, Museen, viele imposante Kirchen und einige repräsentative Plätze aufzuweisen. Fast alle von ihnen sind fußläufig zu erreichen. Ohnehin gibt es wg. Corona sehr wenige Touren.

    Ich wohne in einem Hostel- Privatzimmer. Wie fast immer bin ich schlecht vorbereitet auf das Ankommen. Es ist dunkel, der Rucksack zu schwer, keine Ahnung wo Bus 89 abfährt. Die Infos aus dem net stimmen nicht. Ich frage eine junge Frau und sie zeigt mir die Bushaltestelle für die 89. Vorher muss ich aber am Kiosk eine Trafi Card kaufen (was ich nicht wusste). Der Rucksack wiegt Tonnen. Dann sitze ich in der 89 und aus 1,8 km macht der Bus 16 Haltestellen. Das ist auch eine Kunst. Als wäre das noch nicht genug, gibt der Fahrer eine Haltestelle zu früh Zeichen zum aussteigen. Wieder 800 m laufen. Das Hostel liegt unbeleuchtet etwas zurück von der Straße. Das mit dem Türcode funktioniert gut, und drinnen finde ich Handtuch, Zimmerschlüssel und Formulare. Keiner zu sehen. Endlich falle ich in meinem Zimmer auf mein Bett, gehe noch nebenan ins Bad und und glaube zu träumen. Die Dusche ist doch erst 2 Innentüren weiter. Das Wasser plätschert von oben durch die Decke und auf dem Holzfußboden vor mir breitet sich ein See aus. Keiner ist zu sehen, weder Gäste noch Angestellte. Feudel und Eimer? Wo denn? Ich schreibe noch eine Mail an den Manager. Einer muss das ja machen. Während die Abstände der fallenden Tropfen nebenan größer werden schlafe ich ein. Unsanft weckt mich am nächsten Morgen "Preßlufthammer Bernhard". Vor dem Hostel ist eine Baustelle, die ich bei meiner Ankunft nicht gesehen habe. Dafür sind meine Fenster Schall isoliert.
    Read more

  • Day11

    Fahrradtour zur "Toten (grauen) Düne"

    August 17, 2021 in Lithuania ⋅ 🌧 16 °C

    Neben der Parnidis Düne und dem Thomas Mann Haus sollte man sich unbedingt die "Tote Düne" von Pervalka ansehen. Von Nida bis Pervalka gibt es einen tollen breiten Radweg und dazu ist dieser eben. Es sind nur 17 km bis Pervalka. Man fährt die ganze Zeit durch Pinien- und vereinzelt Birkenwald. Die Strecke fand ich sehr schön. Im beschaulichen Preila halte ich an einer Schautafel und treffe eine deutsche Familie aus Heidelberg. Wir fahren zusammen bis zur Düne, erleben diese gemeinsam und möchten auf dem Rückweg auch miteinander zu Abend essen, evtl. in Preila. Leider habe ich die Truppe unterwegs verloren. Als ich merkte, dass sie nicht vor sondern hinter mir sein müssen, waren ich schon zu weit gefahren.
    Das letzte Stück zur Düne führt kurvenreich und holprig durch den Wald. Die tote Düne selbst ist ein unglaublich eindrucksvolles Naturerlebnis. Von der Straße läuft man zunächst uber Holzplankenwege bis man nur noch durch tiefen Sand bergauf geht. Selbst bei gemäßigter Temperatur ist es anstrengend. Die Belohnung ist ein Blick auf das Haff, der grandioser nicht sein könnte.
    Read more

  • Day10

    Nida - Kurische Nehrung

    August 16, 2021 in Lithuania ⋅ ☁️ 22 °C

    Nida ist das Sylt der Litauer. Ein gepflegter Badeort auf der Nehrung ganz in der Nähe der Oblast Kaliningrad, einer russischen Enklave. Aufpassen muss man hier, dass man beim umwandern der nahe gelegenen Parnidis Düne nicht versehentlich auf russisches Territorium kommt, denn es gibt keine durchgängig erkennbaren Grenzbefestigungen.

    Ganz nebenbei hab ich mir umsonst den Kopf darüber zerbrochen, wie ich von Rusne nach Nida komme. Dornoya hielt es für selbstverstandlich, mir zu helfen und mich zu einem kleinen Fähr-Boot zu bringen, das an der Pumpstation Uostadvaris nicht weit von Minge abfährt. Im weiten, allwissenden Internet war diese Info nicht zu finden.

    Immer noch ohne Dach über dem Kopf lande ich in Nida an. Schon vom Schiff aus sehe ich Public Viewing, höre Lärm und Tam Tam. Hier findet heute ein Biathlon Sportwettkampf statt. In der Touristinfo hat man inzwischen auf meine E-Mail reagiert und eine Bude gefunden trotz des Biathlon Wettkampfs. Das Wort Bude ist evtl. ungerecht. Wegen dem Biathlon habe ich aber keine Wahl. Es gibt nur dieses Apartment. Sonst hätte ich es in Juodkrante versuchen müssen. Und wie käme ich dahin?
    Danude heißt meine Wirtin, die mir auf Anhieb unsympathisch ist und die mir gleich zu Beginn viel zu viel Geld für ihr Kellerapartment abknöpft.

    3 Tage in Nida hätten auch gereicht, denn das Wetter ist am Abreisetag kalt, stürmisch und verregnet. Deshalb bin ich froh, am nachmittag hier weg zu kommen. Blöder weise fährt mein Bus erst um 15.15 Uhr, ich muss aber um 10 aus meinem Apartment raus, weil Danude anfangs gefragt hat, wann ich am Abreisetag raus bin, 10 oder 11. Zu so viel Unhöflichkeit hab ich dann 10 gesagt. Der Sturm tobt, der Regen peitscht und ich muss 5 Stunden hier ausharren. Der Rucksack ist im Bus-Office geparkt, besser als bei der allzu raffgierigen Danude, die gleich zu Beginn die Miete im voraus in bar gefordert hatte.

    An 3 Tagen hatte ich ein 7-Gang-Leihfahrrad, mit dem ich die Kurische Nehrung und Nida durchstreift habe. Ein "Platter" blieb mir erspart, aber dafür trafen mich andere kleine Unwägbarkeiten, von denen ich nie gedacht hatte, dass sie mir passieren würden. Gleich am Ankunftstag mache ich mit Rad Nida und Umgebung unsicher. Am Fuße der Parnidis Düne (52 m hoch) schließe ich meinen Drahtesel an einen Holzzaun an. Bloß weg von den Menschenmassen und dem Lärm der Sportveranstaltung, der in Nida aus allen Lautsprechern dröhnt. Ich steige das erste Mal die unzähligen Stufen zur 2-höchsten Düne Europas hoch. Oben an der Sonnenuhr sehe ich Aufbauten ähnlich wie unten am Hafen. Viele Menschen treiben sich auch hier oben herum. Und auch hier public viewing. Als ich gerade seitlich in Richtung Dünenkamm ausrücken will, werde ich unwirsch auf litauisch angesprochen. Soll wohl heißen: "Du stehst im Weg". Mir schwant Böses. Und dann kommen Sie, die Biathlon-Wettkämpfer, Einige Frauen sind auch dabei. Nach und nach japsen und keuchen die Jungs und Mädels den Dünenberg hoch. Und ich stehe eingekeilt in meiner Ecke, werde hinter mir, rechts und links von den Anfeuerungsrufen "Dawei, Dawei" fast taub, komme da so schnell nicht wieder raus. Denn es laufen nicht 10 oder 12, sondern geschätzt zwischen 80 und 100 Sportler die Düne hoch. Die Nachzügler lassen auf sich warten und ich sprinte in einem günstigen Moment auf die andere Seite der Ziel geraden und Richtung Treppe. Nun quälen sich die Nachzügler die Stufen hoch und ich quetsche mich - irgendwie überflüssig auf dieser Treppe - nach unten, wo das nächste Ungemach auf mich wartet. Es geht um Biathlon. Laufen und Rad fahren. Gefühlt 30 Räder stehen vor meinem Rad. Aus dem Pulk kann ich es unmöglich heraus bekommen. Warum nur, kann ich ich mich nicht für Biathlon begeistern? Ich tanze lieber Tango. Zu allem Übel ist die neue Edeka Wasserflasche ausgelaufen. Mein Gott!
    Read more

  • Day5

    Insel Rusne im Memeldelta

    August 11, 2021 in Lithuania ⋅ ☁️ 19 °C

    Der über Land Bus Klaipeda -Rusne hat nur 19 Plätze und rumpelt ca. 1,5 Stunden über teilweise schlechte, wellige und oft auch schmale Straßen. Es fällt auf, dass es hier keine Fahrradwege gibt. Mein ursprünglicher Plan war, eine Fahrradtour per Leihrad um das Haff und auf der Nehrung zurück nach Klaipeda zu fahren. Diesen Plan hab ich geändert, da es sonst kein voran kommen gegeben hätte.
    Das Memelland ist flach und grün, hat entfernt Ähnlichkeit mit meiner Heimat Nordfriesland. Nur Tiere gibt es nicht auf den Weiden. Anstatt Kühen, Schafen und Pferden sieht man weit und breit nichts als gepresste Heurollen.

    In Rusne soll ich abgeholt werden, was ein wenig dauert, aber dann erscheint Dornoya, meine Wirtin. Der Ferienhof liegt direkt am Pakalne Fluss. Eine einfache Unterkunft und viel preiswerter, als hätte ich bei booking.com gebucht. Frühstück hab ich gleich mit bestellt, welches sich in der Folge als grandios heraus stellen wird. Und es gibt jeden Morgen neue Köstlichkeiten auf dem großen Überraschungstablett.

    Die Insel Rusne erhebt sich ungefähr einen Meter aus dem Memeldelta, das sich bereits 50 km von der Mündung entfernt in 2 Flüsse aufteilt, die Gilija und den Rusne. Sein rechter nördlicher Hauptarm verzweigt sich bei der Insel Rusne in die Pakalne und die Skyrvite, die auch gleichzeitig die Grenze zur russischen Enklave Oblast Kaliningrad bildet. Bei der Insel Rusne vereinen sich die Flüsse zum Strom Atmata, der eine wichtige Schifffahrtsstraße zum Haff bildet.

    Ich verbringe auf dem "Rusnietis" Hof bei Dornoya und Kreisztas 3 wundervolle Tage bei strahlend schönem Wetter. Hier ist vielleicht "der Hund begraben", die Natur auf Rusne und im weiten Memeldelta ist jedoch spektakulär. Das Delta ist eines der schönsten Orte, die ich jemals gesehen habe. Der Himmel über dieser Landschaft ist von fast überirdischem blau mit weißen Kumuluswolken untermalt.

    Der Hof bietet Kajaks und Leihfahrräder an. Deshalb sitze ich auf dem Rad, kaum das ich angekommen bin. Auf dem Weg zur Fischräucherei sehe ich ein Storchennest. Einer der beiden jungen Racker hebt gerade ab. Wie lange habe ich das nicht gesehen? Die Fischräucherei bietet gleichzeitig Restauration am Flußufer an. Ein göttlicher Platz. Es gibt nur ein Gericht. Ich bestelle Fischsuppe mit Gemüse. Und es ist lecker und macht satt. Dazu ein litauisches Bier. Was will man mehr?
    Am Rusnietis Fluss-Abschnitt liegen mehrere Boote vertäut. Auch ein für den Film "Titanic" gebautes Rettungsboot liegt am Ufer. Kreisztas hat es bei Ebay ersteigert.
    Unter den Booten sind noch 2 alte Kurenkähne, eins mit eingerolltem Segel. Ich denke, fragen kostet ja nichts. Was soll ich sagen: am nachsten Tag hat Kreisztas einen der alten Kähne mit einem Außenborder bestückt. Mit von der Partie ist eine litauische Familie mit 2 Kindern und Hund. Es wird eine fantastische und entspannte Tour auf der wir Störche, Graureiher, weiße Reiher, Kormorane und sogar einen Seeadler auf Beutezug sehen. Zur Mittagspause legen wir in Minge an, das Venedig des Memeldeltas. Kreisztas überrascht uns mit einem snack, Brotstreifen in Öl fritiert und mit geschmolzenem Käse überbacken. Ungewöhnlich aber gut! Tatsachlich gibt es hier keine Straßen. Die Bewohner kommen nur per Boot zu ihren Häusern.
    Die Weite und der Frieden des Deltas sind ergreifend schön. Dann erreichen wir das Haff und es wird unruhig, wenn der alte Kahn auf die heran rollenden Kräuselwellen knallt. Ich sitze vorn im Bugspriet und kriege eine Breitseite Wasser ab. Freiwillig ziehe ich nun doch noch meine Rettungsweste an. Stellenweise ist das Haff nur 50 cm tief, aber manchmal eben auch 4 Meter. Der junge litauische Familienvater spricht gut deutsch und erklärt, das Kreisztas in einem weiten Bogen hinaus auf das Haff fahren muss, weil er nicht in das Gebiet der Russen hinein fahren darf. Das würde nur Ärger geben. Und so hüpft der alte Kurenkahn noch eine ganze Weile auf den flachen Wellen bis wir wieder die Wasserpflanzenteppiche des Deltas erreicht haben. Gerade räumen die Kormorane ordentlich ab, scheinen unstillbaren Fischhunger zu haben.
    5 Stunden hat die Tour gedauert und Kreisztas Preis ist 50 Euro : 2 Partien. Besser geht es nicht.
    Etwas später gehe ich im Pakalne Fluß schwimmen, der in der Mitte tief ist und eine starke Strömung hat. Später beim Sonnen baden neben dem Titanic Rettungsboot Nr. 7 sehe ich Kühe, die zum Trinken in den Fluß gehen und fischende Störche und Reiher. Bei all der Flußromantik denke ich an meine Kindheit und Mark Twains Roman Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Es ist Zeit zu gehen. Die Mücken kommen.
    Read more

  • Day4

    Stippvisite in Nida

    August 10, 2021 in Lithuania ⋅ ⛅ 20 °C

    Weil ich nicht aus dem Bett kam (hab ja schließlich Urlaub), waren es eben nur gute 2 Stunden in Nida. Dafür 3 Stunden hin (Stau an der Fähre) und 2 Stunden zurück. Ich hatte Zeit für: Info Point - Unterkunft finden in der nächsten Woche (hat noch nicht geklappt). Maxima Supermarkt, Taking around Minizug zur Orientierung "where is what", Hafen- und Promenadenbummel, Fußbad im Kurischen Haff, Eis essen und einen small talk mit einem Mitglied der Fahrradgruppe vom Schiff. Ein bisschen genervt war sie, glaube ich. Hatte gestern einen "Platten".Read more