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Eine kleine Welt-Reise

Mit Radlust unterwegs Richtung Osten. En savoir plus
  • Tag 293: Glendora bis Cajon Forest

    27 décembre 2023, États Unis ⋅ ☁️ 14 °C

    Mein Halsweh ist wieder etwas abgeklungen. Wir frühstücken also und verabschieden uns dann von unseren herzlichen Gastgebern.
    Es ist recht warm. Wir wollen vom Hügel herunter und kommen dann das erste Mal auf die Route 66. Hier ist sie nichts weiteres als eine normale Straße durch den Ort und daher eher unspektakulär.
    Vor uns liegen die Berge, über die wir drüber müssen. Einer davon ist leicht mit Schnee bepudert und wir machen eifrig Bilder, denn wer weiß, ob wir noch so oft Schnee sehen werden.
    Ein Ort reiht sich an den anderen. In einem Park essen wir zu Mittag und folgen dann teils Straßen, teils einem Fahrradweg Richtung Osten.
    Je weiter wir aus dem Verstädterten (insgesamt knapp 100 km Luftlinie) heraus kommen, desto häufiger fallen uns auch die hier typischen "Gated Communities" auf, ein Phänomen, das wir bei uns in Deutschland gar nicht kennen. Ken und Susan waren über diese Neuigkeit ziemlich überrascht, obwohl sie ja selbst einen Bezug zu Deutschland haben. Sie hatten uns erzählt, dass es verschiedene solcher Wohngemeinschaften gibt, die mal mehr und mal weniger abgesperrt sind. Manche haben ihren privaten Pool, andere ein Abkommen über Hausfarbe und Bauart, wieder andere nur eine Mauer mit Tor Richtung Straße, um fremde Autos abzuhalten.
    Die Wohngemeinschaften hier sind noch sehr neu und viele weitere sind laut den zahlreichen Schildern noch angedacht.
    Wir folgen der Route 66 in die Berge. Auch hier finden sich wieder ein paar alte Wohnmobile oder andere Autos am Straßenrand. Ob diese auch keine bezahlbare Wohnung finden?
    Kurz vor Sonnenuntergang finden wir ein Plätzchen nahe des Freeways, aber immerhin verlassen und nur mit dem Fahrrad zu erreichen. Hier bauen wir unser Zelt auf, kochen und legen uns dann zeitnah hin.
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  • Tag 260: Antae-ri bis Yeongdo-gu

    25 novembre 2023, Corée du Sud ⋅ ☀️ 8 °C

    Nach unserem Frühstück im Warmen, fahren wir weiter. So langsam kommen wir immer mehr ins Verstädterte.
    In einem Park machen wir Mittagspause und kochen uns außnahmsweise ein paar Nudeln, da wir nicht wirklich etwas anderes für mittags haben. Wieder verkrampft mein Muskel beziehungsweise fühlt sich an wie gequetscht. Da wir sowieso zur Auflockerung einen Tennisball dabei haben, nutze ich die Pause, um die Verspannung möglichst zu lösen. Danach ist es erstmal besser.
    Wir fahren zum Ende des Crosscountry-Fahrradweges und holen uns unseren letzten Stempel ab. Im Zentrum nebenan bekommen wir auch unsere wohlverdienten Urkunden, da wir die etwas mehr als 500 km erfolgreich geradelt sind. Gut dass es nicht in jedem Land solche Stempel und Urkunden nach 500 km gibt, sonst würden unsere Räder noch schwerer werden.
    Dann machen wir uns auf den Weg zu Sam, unserem nächsten WarmShowers Host. Dieser wohnt etwas außerhalb von Busan, auf einer kleinen Halbinsel. In seinem 22-stöckigen Hochhaus wohnt er im 18. Stockit Balkon und direktem Blick aufs Meer und den Sonnenuntergang.
    Wir essen gemeinsam und derweil erfahren wir, dass sein Vater Diplomat war und Sam dadurch viele Jahre in Australien gelebt hat. Durch den frühren Job seines Vaters und seine Arbeit in Australien, hat Sam genug Geld zusammen, dass er bereits mit 40 Jahren Rentner ist. Er hat seine Wohnung für umgerechnet 150.000 Euro gekauft, bekommt aber durch dieses hier spezielle Wohnsystem bei seinem Auszug alles wieder zurück. Während er in der Wohnung wohnt, bekommen die "Besitzer" die 150.000 und legen diese an. So machen beide Seite Gewinn beziehungsweise Sam verliert zumindest kein Geld. Hätte er die Wohnung gemietet, würde diese aber auch nur 500 Euro monatlich kosten. Ein sehr geringer Preis für diese Lage! Doch in Korea ist die Aussicht Sam Zufolge nicht das, wonach sich die Leute hier sehnen.
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  • Tag 259: Sejin-ri bis Antae-ri

    24 novembre 2023, Corée du Sud ⋅ ☀️ 6 °C

    Zum Frühstück gibt es Toast, frisch aus dem Toaster! Im stillen beschließen wir, auf die nächste Fahrradtour auch einen Toaster mitzunehmen, da er aus dem schlechtesten Toastbrot etwas ganz leckeres zaubern kann.
    Heute ist es wieder kälter, weshalb wir uns warm einpacken. Wir verabschieden uns von den beiden und fahren los.
    Der Weg ist schön und abwechslungsreich, aber wirklich warm wird es heute nicht.
    Am Abend beschließen wir also, uns eine Unterkunft zu nehmen. Etwas abseits der Strecke finden wir eine auf der Karte und fahren sie an. Dort angekommen sind wir etwas verwirrt. Es gibt keinen wirklichen Eingang, nur eine Garage neben der anderen. Ich betrete eine die offen ist und gehe die Treppen hoch. Eine Tür versperrt mir den Weg. Neben der Tür hängt ein Telefon und ein Bezahlkasten. Da ich allerdings keine Ahnung habe, wie dieser funktioniert, nehme ich den Hörer ab. Nach ein paar Versuchen meldet sich auf der anderen Seite eine Stimme. Als ich wohl nicht richtig auf seine Worte reagiere, sagt er auf Englisch "One minute". Ich warte also. Kurz darauf kommt er, ich frage ob ich das Zimmer vorher einmal sehen kann, was er mir erlaubt. Überzeugt frage ich ihn nach dem Preis, welcher günstiger als in der App ausfällt. Diesem stimme ich zu, dann hole ich Lukas.
    Wir schieben die Räder in unsere private Garage und bringen die Taschen nach oben. Ok, die Garage ist nicht ohne Grund privat, denn so wird jeglicher Störung der Privatsphäre vermieden, wenn mögliche Affären hier gemeinsam hinein fahren und ihr Zimmer betreten. Ja, denn auch das Zimmer ist an den Wänden mit ein paar erotischen Bildern verziert. Es ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber bei einer privaten Garage in der die Fahrräder gut untergebracht sind und einer Badewanne (!) denkt man nicht weiter drüber nach.
    Wir nehmen ein wärmendes Bad und dann ziehe ich los, um etwas zu Essen zu finden. Das erste Restaurant hat gleich mal zu das zweite nur Fisch. Im dritten werde ich fündig. Dank eines Koreaners namens Gabriel Kim, der in Paris seine Architektenlizenz bekommen hat (und dadurch besser Französisch kann als Englisch), bekomme ich sogar etwas Vegetarisches bestellt. Mein Französisch ist zwar ganz schön eingerostet, aber mit einer Mischung aus beiden Sprachen klappt es dann.
    Mit meiner Ausbeute komme ich wieder zur Unterkunft zurück, in der wir das warme Essen genießen.
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  • Tag 258: Bolli-ri bis Sejin-ri

    23 novembre 2023, Corée du Sud ⋅ ⛅ 20 °C

    Wir bauen unser Zelt ab und sind im Nu wieder auf dem Fahrradweg. Dieser folgt hauptsächlich dem Flusslauf, ist aber dennoch abwechslungsreich.
    Immer wieder überqueren wir den Fluss und stempeln fleißig weiter. Großtenteils verläuft der Weg recht flach, aber wenn er ansteigt, dann meist mit utopischen Steigungen. Diese können teils umfahren werden, aber für uns ist aus den am Weg auffindbaren Plänen oft nicht wirklich ersichtlich, welches die Umfahrung ist.
    Wir beschließen also einfach einem Weg zu folgen. Aber dieser hat es ganz schön in sich! Zunächst langsam, dann aber immer steiler werdend, führt der Weg aufwärts. Aber das hält uns nicht auf, zu groß ist das Interesse für die Klänge, die uns vom Hügel her entgegen klingen. Je näher wir kommen, desto besser erkennen wir sie. Es sind die Gesangsgebete eines Tempels. Es ist schwer zu beschreiben, was für eine Wirkung diese auf einen haben, wenn man in dieser schönen Landschaft ihnen lauscht!
    Am Tempel und zu den Klängen der Gebete machen wir Mittagspause, bevor wir weiter bergauf fahren beziehungsweise wie in meinem Fall schieben. Die Gebete liegeb uns noch lange in den Ohren, auch als sie eigentlich schon längst nicht mehr zu hören sind.
    Weiter folgen wir dem Weg und kommen dann in einen kleinen Ort. Hätten die Dächer nicht die für hier so typischen Ziegel, könnte man glatt meinen, wir seien im Pfälzer Wald!
    Hier im Ort treffen wir Mook von WarmShowers. Bei ihm und seiner Freundin Ahgie werden wir diese Nacht schlafen.
    Sie wohnen in einem kleinen, sehr alten Einfamilienhaus. Die Türen sind noch traditionell und der Boden der Schlafzimmer aus Tatami. Wir bekommen einen kleinen Raum mit hölzerner Schiebetür, wo schon Matratzen für uns ausgelegt wurden. Mook und Ahgie schlafen im Raum nebenan. Allerdings nicht wie wir auf Matratzen, sondern in einem Zelt. Was, in einem Zelt? Tatsächlich steht in dem schon kleinen Raum in der Mitte ein noch kleineres Zelt auf dem Boden. Schmunzelnd erklären sie uns, Südkoreaner seien zeltverrückt. Das kann man wohl sagen!
    Wir duschen und essen dann gemeinsam zu Abend. Dabei erfahren wir, dass Mook als Ingenieur und Ahgie in einer Aufzuchtstation für bedrohte Vögel arbeitet.
    In ihrem Regal entdecken wir dann auf einmel Müsli. 'Wo sie das gefunden haben', wollen wir wissen, da wir schon seit einer Ewigkeit kein Müsli, geschweige denn Haferflocken finden konnten, das einigermaßen bezahlbar ist. 'Sie hätten es im Internet bestellt und von England herschicken lassen', meinen sie. Ein Kilo Müsli kostet sie so 10 Euro. Das schien es ihnen allerdings Wert zu sein.
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  • Tag 257: Gasan-ri bis Bolli-ri

    22 novembre 2023, Corée du Sud ⋅ ☀️ 17 °C

    Komisch, es wird gar nicht so wirklich hell, obwohl die Sonne schon aufgegangen sein müsste. Bei unserem ersten Blick aus dem Zelt erfahren wir dann auch gleich, weshalb es nicht so richtig hell wurde. Unser Zelt steht inmitten einer dichten Nebelbrühe und wir können gerade noch so das Schilfgras in zwei Metern Entfernung sehen. Auf dem Zelt liegt Reif und auch die Fahrräder sind leicht bepudert. Es ist ziemlich frisch! Ein Blick auf das Thermometer verrät uns, dass es gerade einmal 2 Grad sind.
    Wir frühstücken und packen dann zusammen. Gerade als wir die letzten Dinge verstauen zeigt sich die Sonne und der Nebel steigt langsam auf. Direkt wird es wärmer und wir legen die erste Schicht an Kleidung wieder ab.
    Je weiter wir kommen, desto heller wird es und desto wärmer auch uns. Mit dem sonnigen Wetter ist es eine wunderschöne Strecke durch abwechslungsreiche Landschaft, mal direkt am Fluss und mal etwas im Wald entlang. Immer wieder denken wir etwas wie "Also, das könnte jetzt auch Frankreich sein!" oder "Da noch gerade durch den Wald den Berg hoch und wir stehen in Vinningen."
    Neben einem GS25 machen wir Mittagspause und buchen mal noch endgültig die Fähre nach Japan, das vier Tage vor Abfahrt erledigt werden muss.
    Auf der Weiterfahrt begegnen wir einem sehr interessierten Koreaner, der eine sportliche Abendrunde mit seinem Rennrad dreht. Er, Jin, fragt uns begeistert woher wir kommen und wo wir gestartet sind. Dann fahren wir noch ein kleines Stück gemeinsam, bevor es für uns in unterschiedlicher Richtung weiter geht.
    Generell werden wir hier sehr positiv aufgenommen. Viele Radfahrer grüßen, was hier durch eine halbe Verbeugung stattfindet und immer wieder bekommen wir anerkennende Blicke und Handzeichen zugeworfen. So war heute einer dabei, der uns die Siegesfaust gezeigt hat und ein anderer hat schon von weitem gegrinst, dann angefangen zu klatschen und als wir auf seiner Höhe waren uns "Have a nice trip!" zugerufen.
    Obwohl hier (im Sommer zumindest) schon einige Ausländer den Radweg entlang fahren, sind wir immer noch eine Besonderheit.
    Nach heute zurückgelegten 82 km (die längste Strecke hier in Korea) bauen wir auf einem kleinen Damm unser Zelt auf und können gar nicht glauben wie warm es noch ist. Zwar essen wir im Zelt, aber derweil wird es uns so warm, dass wir sogar die Jacke über dem Pulli ausziehen müssen. Verrückt! :D
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  • Tag 256: Jeomchon-dong bis Gasan-ri

    21 novembre 2023, Corée du Sud ⋅ ☀️ 15 °C

    Wir frühstücken auf dem Zimmer und während Lukas alles einpackt, schaue ich mir nochmal den Reifen an. Natürlich verliert er Luft!
    Also wechsle ich den Schlauch und Lukas "kocht" mit dem Wasser aus dem Heißwasserautomaten die Eier. Hoffentlich werden sie gut! Das Wasser bleibt nicht gerade lange heiß und wir vermuten, dass es wohl nicht gerade die hartgekochtesten Eier werden. Aber eine andere Möglichkeit als sie hier zumindest "anzukochen" haben wir nicht. Denn in frischem Zustand können wir sie auf dem Fahrrad nicht sehr lange transportieren, wenn wir heute Abend keine Eiersuppe haben wollen.
    Dann geht es weiter. Die Sonne scheint und es wird angenehm warm. Wieder sammeln wir eifrig Stempel.
    Nach einer Weile beginnt mein Oberschenkel zu krampfen. Ich kann kaum noch sitzen.
    Auch heute haben wir wieder einige Höhenmeter vor uns, wenn sich diese auch eher in einem ständigen Auf und Ab zeigen.
    Mittagspause machen wir in der warmen Sonne bei Parkbänken neben einem Militär Themen Park. Hier ist einiges los. Besonders Rentner wandern hier kreuz und quer durch den Wald. Schön, dass sie hier so aktiv sind!
    Wir merken schnell, dass die Eier noch zu weich sind, um sie essen zu können. Also packen wir sie sorgfältig wieder ein und essen erstmal den Rest, den wir noch dabei haben.
    Den übrigen Tag verbringen wir mit Fahren und Stempeln und genießen die Ruhe.
    Kurz vor Sonnenuntergang finden wir einen Zeltplatz neben einem Fluss am Rande eines Parks. In diesem zeltbegeisterten Land interessiert es keinen, dass wir hier schlafen.
    Wir bauen auf und kochen dann nochmal die Eier richtig durch. Dann essen wir und höhen zum Einschlafen noch einen Teil des humorvollen Hörbuchs "Miss Merkel - Mord in der Uckermark".
    Die Luft draußen hat derweil schon gut abgekühlt und ist feucht.
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  • Tag 255: Togye-ri bis Jeomchon-dong

    20 novembre 2023, Corée du Sud ⋅ ☀️ 14 °C

    Die Nacht auf dem Platz haben wir gut geschlafen. Wir frühstücken und bekommen mit, wie die anderen Camper schon wieder damit beschäftigt sind Feuer zu machen.
    Wir putzen die Zähne bei den Waschräumen und nutzen noch das kostenlose WLAN, das es hier wieder einmal gibt. Sehr praktisch!
    Dann geht es weiter. Bald kommen wir in einen Ort und sehen auf einem Ortsplan, dass es nur wenige Meter von unserer Route entfernt ein frei zugängliches Fußbad gibt, das in den Boden eingelassen ist. Leider müssen wir feststellen, dass das Becken erst ab 12 Uhr gefüllt wird. So lange wollen wir dann doch nicht warten!
    Wir machen uns an den knapp 400 Hm umfassenden Aufstieg, der sich zwar etwas zieht, dafür aber sehr schön ist.
    Oben angekommen blicken wir über das hinter uns liegende Tal und holen uns hier den wohl am meist verdientesten Stempel ab. Als wir uns in der Sonne etwas ausruhen und eine Kleinigkeit snacken, werden wir von einem Paar angesprochen, dass uns jeweils ein kleines Schächtelchen überreicht. Ich denke noch es ist ein kleines Getränk, merke aber schnell dass ich nicht hätte weiter daneben liegen können. Statt des erwarteten Capri-Sonne-ähnlichen Getränks fallen aus der Schachtel ein Haufen Pflaster heraus. Erstmal sind wir etwas perplex und bedanken uns herzlich bei unseren Schenkern. Als diese weg sind müssen wir beide anfangen zu lachen, sind aber gleichzeitig gerührt von der Achtsamkeit der Leute hier.
    Wir haben noch kurze Gespräche mit anderen Ausflüglern und machen uns dann an die Abfahrt.
    Heute entscheiden wir uns nochmal für eine Unterkunft, da wir während der Fahrt doch immer mehr feststellen, dass die Fahrräder einige Mängel aufweisen. Da es bald dunkel wird und zudem sehr kalt ist, wäre eine Fahrradreparatur im Wald zeltend etwas schwierig.
    Wir suchen uns also eine Unterkunft, nehmen dann das Werkzeug und die Ersatzteile und bauen vor dem Motel auf einem Platz unsere Fahrradwerkstatt auf.
    Ich wechsle meine Kette, die schon deutlich überreizt ist und stelle meine Bremsen nach. Lukas arbeitet an seiner Schaltung, die schon eine Weile spinnt und wechselt die Bremsgklötze.
    Nachdem ich mit meinen Reperaturen fertig bin, ist es an der Zeit das Hinterrad wieder einzubauen. Um die Bremse nicht abnehmen zu müssen lasse ich immer die Luft aus dem Reifen, weil die erneute Einstellung der Bremse viel zu nervenaufreibend ist. Als ich den Reifen also wiederaufgepumpt habe und eine Proberunde drehe merke ich, dass der Reifen Luft verliert. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Reifen nach Luftablassen nicht mehr dicht ist. Das Problem ist, dass bei Ablassen der Luft die bereits vorher aufgeklebten Flicken am Mantel hängen bleiben und sich dadurch lösen.
    Da der Reifen allerdings nach erneutem Aufpumpen dann doch die Luft hält, entscheide ich mich dafür morgen nochmal zu schauen, ob er über Nacht tatsächlich Luft verliert.
    Jetzt haben wir richtig Hunger und ziehen los auf der Suche nach etwas zu Essen. Es ist gar nicht so leicht ein offenes Restaurant oder einen Supermarkt zu finden. Schließlich entscheiden wir uns für ein Restaurant, in dem wir eine Art Pfannkuchen und Reis essen. Zugegebenermaßen ist die Beschreibung Pfannkuchen etwas übertrieben, aber so wurde es nunmal übersetzt. Genauer gesagt ist es ein Weinblatt beziehungsweise ein Kohlblatt mit einem Löffel Pfannkuchenteig, also nicht gerade, was wir unter Pfannkuchen verstehen. Geschmacklich sind sie zwar gut, aber für die geringe Menge die wir bekommen ziemlich teuer.
    Zurück im Zimmer waschen wir noch Kleidung aus, suchen nach WarmShowers Hosts, schauen uns den Wetterbericht der nächsten Tage an und buchen die Fähre nach Japan, da das zu günstigerem Preis nur ein paar Tage vorher geht.
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  • Tag 254: Guram-ri bis Togye-ri

    19 novembre 2023, Corée du Sud ⋅ ☁️ 12 °C

    Als wir aufwachen ist es noch stockdunkel. Die Sonne ist zwar theoretisch schon aufgegangen, aber noch nicht hoch genug, um durch die Zweige des recht dichten Waldes und über die Hügel scheinen zu können.
    Wir frühstücken im Zelt. Es gibt Haferflocken mit Wasser und Banane und zusätzlich Brot mit Tomatensoße.
    Mit gepackten Taschen schieben wir die Räder aus dem Wald und merken, dass sie neben dem Quietschen und Klappern auch nicht mehr ganz so stark bremsen. Naja, das wird schon noch eine Weile reichen!
    Über zunächst etwas veraltete und später über gewohnt gute Radwege geht es weiter. Obwohl es heute nicht so sonnig ist, sind die Temperaturen zum Glück nicht so niedrig.
    Immer wieder kommen wir an kleinen bis großen Campingplätzen vorbei, die mitunter gerappelt voll sind. Es ist wirklich verrückt, aber die Koreaner lieben das Campen scheinbar so sehr, dass sie auch im November übers Wochenende noch wegfahren. Die meisten zelten auch tatsächlich und sind nicht mit dem Wohnmobil da, wobei manche auch nur über Tag bleiben, in Kochzelten kochen und essen und abends dann wieder fahren.
    Kurz vor unserer Mittagspause, die wir windgeschützt mit Tisch und Bänken vor einem geschlossenen Laden machen dürfen, treffen wir zwei koreanische Radfahrer. Eigentlich treffen wir täglich sehr viele Tagestourenradler und unzählige Spaziergänger, aber diese beiden winken uns heran, geben uns direkt zwei Bananen und sind total begeistert, als wir ihnen erzählen, dass wir nach Busan (im Süden Koreas) fahren wollen und danach weiter nach Japan. Als sie dann noch von unseren bisherigen Reiseländern erfahren, geben sie uns direkt noch eine Banane und einen Schwarzbohnendrink und sind sprachlos. Wobei ganz sprachlos sind sie nicht, denn bevor sie fahren sagen sie Lukas noch (mit Gesten), dass er mich vor dem Schlafengehen noch zu massieren hat. Das werde ich mir definitiv merken! :)
    Zusätzlich zu vielen Campern (ob auf Plätzen oder freistehend) bemerken wir auch, dass die Parks voll sind mit Cricket-Spielern und sie nicht von der Kälte draußen abgehalten werden.
    Abends zelten wir auf einem offiziellen kostenlosen Platz neben einem Fluss, auf dem es top saubere Toiletten gibt und der ebenfalls für unsere Verhältnisse gerappelt voll ist. Um uns herum brechen nach und nach mehr Gäste ihre Lager ab und fahren vermutlich wieder nach Hause, um morgen (Montag) frisch in die Woche zu starten. Über Nacht bleiben nicht viele, von denen sich aber allesamt sehr vorbildlich verhalten und den anderen die Ruhe gönnen.
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  • Tag 253: Sinwon-ri bis Guram-ri

    18 novembre 2023, Corée du Sud ⋅ ☀️ 5 °C

    Nachdem wir aufgewacht sind und gefrühstückt haben, packen wir zusammen und machen uns auf den Weg.
    Boa, ist das kalt! Wir müssen erstmal ein Stück fahren, bevor uns so langsam warm wird. Wenn man allerdings ehrlich ist, an die Kälte der Mongolei kommen die Temperaturen hier bei Weitem nicht heran.
    An einem 7-Eleven halten wir an und kaufen ein paar Instant-Nudeln. Eigentlich können wir die Nudeln seit Usbekistan nicht mehr wirklich sehen, nachdem wir sie dort eine ganze Weile täglich hatten. Aber sie sind nunmal schnell gemacht, wärmen, sättigen etwas mehr als Toastbrot und sind noch recht günstig.
    Während Lukas den Einkauf tätigt und heißes Wasser auffüllt (das bekommt man hier in 7-Elevens und GS25-Läden kostenlos), schneide ich einen Teil der Rettungsdecke ab, die wir seit der Mongolei im Zelt unter die Matten legen, um die Kälte, die aus dem Boden strahlt, abzuhalten. Mit diesem für den genannten Zweck unnötigen Teil bastelt sich Lukas einen Übersocken, da er noch etwas mehr als ich mit kalten Füßen zu "kämpfen" hat.
    Danach geht es weiter auf dem 4-Rivers-Cycling-Path, was auf diesem Abschnitt für uns bedeutet: Stempeln was das Zeug hält! Immer wieder halten wir an, um den Stempel im Pass festzuhalten.
    Unsere Mittagspause machen wir auf einem Campingplatz direkt am Fluss. Im Sommer muss hier einiges los sein, jetzt ist nur gähnende Leere. Wir nutzen die Bänke und den Tisch und genießen die Sonne, die uns wieder etwas wärmt.
    Als wir weiter fahren bestaunen wir immer wieder den dichten Wald auf den Hügeln um uns herum. Immer wieder denken wir: Der ist wie in Deutschland!
    Wir kommen an ein Denkmal, um das mehrere Flaggen herum gehisst sind, unter anderem die türkische, neuseeländische, amerikanische, philippinische und australische. Keine aber steht so im Zentrum wie die griechische Flagge. Als wir die englische Übersetzung lesen, erfahren wir, dass Griechenland das erste Land war, das in den 50ern Süd Korea beim Angriff Nord Koreas zur Seite stand.
    Wir folgen weiter dem Radweg und kommen bald an einem weiteren Campingplatz vorbei. Im Gegensatz zum letzteren ist hier alles andere als gähnende Leere. Alles fängt damit an, dass wir ein paar vereinzelte Zelte mit Erstaunen entdecken. Wow! Wir hätten gar nicht gedacht, dass bei diesen Temperaturen tatsächlich welche campen. Immer mehr Zelte tauchen auf und plötzlich tut sich vor uns etwas auf, das uns kurz aus der Bahn wirft. Rechts und links des Weges stehen duzende Zelte, die meisten dreimal so groß wie unseres. Um die Zelte herum ist ziemlicher Trubel. Stühle und Tische werden aufgebaut, Feuer gemacht, gekocht, Karten gespielt, gelacht oder vollbepackte Handkarren über die Wiese gezogen, aus denen Campingausrüstung hervor quillt. Es ist ein Bild, dass wir so nicht erwartet hätten. Koreaner sind wahrhaft campingbegeistert!
    Nach diesem Schock müssen wir uns erstmal erholen, fahren noch weiter entlang des Weges und bauen dann etwas entfernt von einem Friedhof an einer einigermaßen flachen Stelle das Zelt auf. Es ist echt verrückt, aber wenn wir es nicht besser wüssten würden wir denken, dass wir im Pfälzer Wald sind, so ähnlich sehen hier die Bäume aus.
    Genau 9 Monate nach unserem Aufbruch aus Vinningen liegen wir nun hier in unserem Zelt im koreanischen Pfälzer Wald und haben schon so viel erlebt. Wie doch die Zeit vergeht!
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  • Tag 252: Cheonho-dong bis Sinwon-ri

    17 novembre 2023, Corée du Sud

    Als der Wecker klingelt, stehen wir langsam auf und frühstücken auf dem Bett. Es gibt Baguette mit Tomatensoße und ein paar Haferflocken mit Wasser und Banane. So richtig satt fühlen wir uns danach nicht, aber bessere Alternativen können wir hier in keinem Supermarkt finden.
    Sicherheitshalber schaue ich nochmal auf den Wetterbericht. Es soll zwar nicht mehr regnen, dafür aber ein bisschen schneien und es sind zwischen 3 und 5 Grad gemeldet. Dementsprechend und weil wir jetzt noch eine so gemütliche Unterkunft haben, lassen wir uns beim Frühstück Zeit und nutzen noch das für uns hier kostenlose Netflix, auf dem wir eine koreanische Serie anschauen. Es ist irgendwie völlig absurd die Charaktere in den Straßen von Seoul zu sehen, die wir darin wieder erkennen oder alleine schon in der U-Bahn, die uns nun so vertraut ist. Dadurch kommen wir aber auch erst um 12 Uhr (bei tatsächlich vereinzelten Schneeflocken) los. Naja, wir haben ja keinen Stress!
    Zuerst gilt es einen Bankautomaten zu finden. Tatsächlich sind auch drei in der Nähe, aber erst der vierte etwas entferntere Automat der KB Bank nimmt die VISA an. Der arme Lukas muss derweil jeweils immer draußen im Kalten verharren, während sich die Automaten durch langwierige Checks überlegen, ob sie meine Karte annehmen oder nicht. Es ist jetzt auch erstmal wieder eine Umstellung, dass hier Bankgebühren anfallen, da das in den vorherigen Ländern nicht der Fall war.
    Dann kommen wir aber endlich mal los und kurz darauf zu unserer nächsten Stempel-Zelle. Mittlerweile müssen wir schon die nächste Seite des Passen benutzen!
    Anfangs ist der Himmel noch recht grau, lockert sich aber mehr und mehr auf. Der Fahrradweg verläuft teils direkt am Fluss, teils über alte Bahndämme etwas erhöht und ist wie gewohnt erstklassig und endlich mit etwas schönerer Aussicht. Um 15 Uhr machen wir dann in einer kleinen Imbisbude Mittag und essen "Was-auch-immer-ich-ausgewählt-habe", vermutlich Hot-Dog und irgendwas mit Kohl, hauptsächlich um uns etwas aufzuwärmen.
    Wieder kommen wir zu einer Stempel-Zelle, die unserer Meinung nach fast etwas zu viele sind, da wir auf diesem Weg knapp alle 20 km, teilw aber auch in kürzeren Abständen wieder absteigen müssen, um den Stempel in unseren Pass zu stempeln. Was wir im Sommer vielleicht als Möglichkeit einer Trink- und Toilettenpause genutzt hätten, bedeutet hier zusätzlich Handschuhe aus, Brille ab (die sonst beschlägt), danach wieder Brille auf, Handschuhe an, schauen, dass alles wieder wind- und wetterfest sitzt und wieder zurück aufs Rad.
    Heute wollen wir, wenn möglich, zelten, weshalb wir uns um 16:30 Uhr schon auf die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz machen, weil eine Stunde später schon die Sonne untergeht. Am Ende eines etwas ruhigeren Waldweges, der zu ein paar alten Grabhügeln führt, finden wir eine Stelle, bauen das Zelt auf, kochen Nudeln und vermischen sie mit den überscharfen Resten von gestern, wodurch sie nur noch scharf sind.
    Während wir schließlich in unseren Schlafsäcken liegen und die Kälte um uns herum ausblenden hören wir noch ein bisschen Hörbuch zum Einschlafen.
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  • Tag 251: Seoul bis Cheonho-dong

    16 novembre 2023, Corée du Sud

    Schon als wir aufwachen regnet es. Leider lässt der Regen auch nicht nach, als wir zusammen packen und so bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Regenkleidung heraus zu holen und uns (zum Glück in der Garage) fahrbereit zu machen.
    Während wir jetzt auf dem perfekten Radweg fahren können, dort auf keine Ampeln warten müssen und fleißig unsere ersten Stempel im Pass sammeln, bessert sich das Wetter leider keineswegs. Bei dauerhaftem Regen und knapp 5 Grad wird es bald schon ziemlich ungemütlich.
    Nach unserer Mittagspause unter einer Brücke wird schnell klar, dass wir heute nicht mehr weit kommen, so nass und durchgefroren sind wir. Wir essen also unser Brot, die Bananen und gekochte Eier und schauen derweil ein paar Rentnern zu, die an den Trainingsgeräten unrer der Brücke fleißig trainieren. Schon oft haben wir diese Geräte auch in China gesehen, allerdings wurden sie dort nie benutzt. Hier ist selbst an einem so regnerischen, nass-kalten Tag etwas los.
    Während wir hier sitzen bemerken wir auch, dass wir hier unter der Brücke öffentliches WLAN haben. Korea ist bisher definitiv Vorreiter in öffentlichem WLAN, aber dass wir sogar hier, so fernab von einem Gebäude WLAN haben, wundert uns dann doch. Das nutzen wir gleich mal und schauen über Trip.com nach einer Unterkunft. Gerade ein paar Kilometer entfernt finden wir welche und entscheiden uns den Tag hiermit zu beenden.
    Das Hotel ist zwar nicht das billigste, aber mit 35€ für die Nacht und einer sehr ausgiebigen Ausstattung preiswert.
    Wir nehmen nach der Kälte von draußen ein Bad und nutzen dann noch aus, dass wie von diesem Zimmer aus kostenlos auf Netflix zugreifen können.
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  • Tag 250: Seoul

    15 novembre 2023, Corée du Sud ⋅ ☁️ 11 °C

    Heute nehmen wir uns einen Tag in Seoul. Wir fahren mit der U-Bahn in die Stadt, beobachten ein kleines traditionelles Schauspiel, lauschen den Klängen der Straßen (hier gibt es endlich auch mal wieder Straßenkünstler, welche wir in ganz China nie gesehen haben), besichtigen einen großen Tempel (hier gibt es unzählige!) und bewundern die traditionellen Kleider, mit denen erstaunlich viele Tempelbesucher unterwegs sind. Wie wir später erfahren bekommen alle Träger der traditionellen Kleider freien Eintritt und so sehen wir auch sehr viele Europäerinnen in diesen Trachten.
    Wir besichtigen außerdem ein Wohnviertel in traditionellem Baustil und am Abend einen kleinen Tempel, dessen Statuen mit echten Blumen beschmückt sind und der sehr schön mit unterschiedlichen Lichtern angestrahlt wird.
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  • Tag 249: Gelbes Meer bis Seoul

    14 novembre 2023, Corée du Sud

    Als wir aufwachen sieht man schon ein paar Inseln, an denen wir vorbei fahren. Wir frühstücken zusammen mit den Franzosen und machen uns dann ankunftsbereit. Da die Familie nach Süd Korea und Japan wieder nach China zurück geht, können wir mit ihnen unser restliches chinesisches Geld gegen Euro wechseln. Perfekt!
    Am Hafen angekommen gilt für uns wieder: Fahrräder über zwei Rolltreppen nach unten fahren, hochlaufen, das Gepäck runter fahren, dann das Gepäck vom Schiff tragen, die Fahrräder vom Schiff tragen und dann alles in den Bus. Ganz einfach!
    Im Hafengebäude geben wir dann erstmal die Erklärung ab, dass wir nichts Illegales dabei haben. Dann geht es an die Einreise. Hier wird nur ein Bild gemacht, die Fingerabdrücke genommen und wir bekommen einen QR-Code in den Pass geklebt.
    Auf der anderen Seite setzen wir uns erstmal hin und versuchen über das kostenlose Internet erstmals seit knapp einem Monat wieder ungefilterte Infos einzuholen und Lukas, der kein Whatsapp, Mail, Instagram oder sonstige Google-Dienste in China nutzen konnte, versucht mit dem Überschwall an Nachrichten klarzukommen.
    Dann verabschieden wir uns von den Franzosen, die mit dem Taxi zur U-Bahn-Station fahren. Wir tauschen unsere Kontakte aus und überlegen uns in Seoul vielleicht nochmal zu treffen.
    Nach kurzer Zeit geht es dann auch für uns los im neuen Land. Vom Fährhafen aus führt ein Fahrradweg in teils rot und teils grün in Richtung Stadt. Wir gehen in ein kleines Restaurant und müssen uns erstmal an die neuen, deutlich höheren Essenspreise gewöhnen.
    Dann geht es weiter durch verstädtertes Gebiet, teils mit und teils ohne Fahrradweg.
    Unser Weg führt uns ans Meer zurück, an die Stelle, an der der Hangang River ins Meer mündet. Dort besorgen wir uns unser erstes sepbst gekauftes Souvenir der Tour, den Fahrradpass von Süd Korea. Was aussieht wie ein Reisepass wird organisiert von K-Water, die sich um die Flüsse des Landes kümmern und dafür sorgen, dass diese auch mehr in die Aufmerksamkeit der Menschen rücken. Entlang der größeren Flüsse hat die Organisation Fahrradwege durch das ganze Land gebaut, in einwandfreiem Zustand und bis auf kurze Strecken weit entfernt von Autos. Um mehr Menschen zu motivieren die Radwege zu nutzen wurde der Pass eingeführt. Im Schnitt alle 20 km steht eine alte rote Telefonzelle, in der man sich einen Stempel in den Pass stempeln kann. Hat man alle Stempel eines Radweges gesammelt, erhält man am Ende kostenlos eine Urkunde und kann sich sogar eine Medaille kaufen.
    Direkt nachdem wir also unseren Pass abgeholt haben, fahren wir auch schon zu der ersten Stempel-Zelle. Dann brechen wir auf auf die knapp 600 km quer durch ein Land, von dem wir bisher noch nicht wirklich viel wissen.
    Da es schon kurz vor halb sechs ist wird es bereits dunkel. Wir haben allerdings noch ein paar Kilometer zurück zu legen, bis wir eines der Motels erreichen das wir uns heraus gesucht haben. Es ist noch etwas merkwürdig, aber wir haben jetzt doch tatsächlich ein Land erreicht, in dem man sich selbst aussuchen kann in welches Hotel man gehen will!
    Im Dunkeln fahren wir also den gut beleuchteten Fahrradweg entlang und kommen dann gegen halb acht an das Motel. Vor der Einfahrt hängen bunte Seile einen Meter herunter damit niemand sieht, wer dort geparkt hat.
    Wir betreten das Motel und fragen den Herrn an der Rezeption, wie viel ein Zimmer kostet. Der Preis ist wie der Onlinepreis. Als wir dann sagen, dass wir gerne zwei Nächte bleiben wollen, deutet er auf seinen Kalender und den heutigen Tag, sagt "Check-In", deutet auf morgen, sagt "Check-Out", deutet dann erneut auf morgen, sagt wieder "Check-In" und schließlich auf übermorgen und sagt "Check-Out". Moment mal! Wir wollen doch nicht morgen früh auschecken, das Zimmer räumen, nur um dann morgen Abend wieder einzuchecken!Als wir versuchen ihm das klarzumachen, wiederholt er es nochmal. Wieder sagen wir, dass wir morgen nicht auschecken wollen. Daraufhin beginnt er zu rechnen und nennt uns dann plötzlich fast den drei- statt zweifachen Preis. Ein Blick auf Trip.com verrät uns den Grund. Check-In ist hier erst ab 18 Uhr, Check-Out aber schon ab 11 Uhr, dementsprechend will er weiteres Geld, wenn wir auch tagsüber den Raum nutzen wollen. Das macht für uns nicht wirklich Sinn. Wenn wir doch auschecken, muss ja auch das Zimmer nochmal zwischendurch sauber gemacht werden. Wir nennen ihm daraufhin einen Preis zwischen dem Zimmerpreis und dem von ihm genannten. Diesen nimmt er schließlich an.
    Wir beziehen das Zimmer und gehen dann nochmal los, um etwas zu Abend zu essen. Wir finden ein kleines Restaurant und bestellen uns eine Pfanne. Diese bekommen wir dann auf den Tisch gebracht. Dort wird sie auf einem Gaskocher warm gehalten. Wir bestellen ebenfalls Reis dazu und dürfen uns sogar kostenlos noch so viel Reis nach holen, wie wir brauchen.
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  • Tag 248: Qingdao bis Gelbes Meer

    13 novembre 2023 ⋅ 🌬 8 °C

    Nachdem wir ausgecheckt haben fahren wir noch einmal an der Kirche vorbei und dann zum Hafen.
    Am Ticketschalter angekommen trauen wir unseren Augen nicht. Da stehen doch tatsächlich ein Haufen Rucksäcke und daneben zwei Erwachsene und zwei Mädels aus Europa. Nicht nur haben wir schon lange keine Backpacker mehr in China gesehen, sondern auch keine ausländischen Kinder. Ihrem Aussehen (und der Quechua-Kleidung nach zu urteilen) könnten es Franzosen sein.
    Und tatsächlich, eine Begrüßung und ein Blick der soviel sagt wie "Entschuldigung, dass es so lange hier dauert, aber ihr wisst ja wie das hier im Land abläuft!" später haben wir Gewissheit: Es sind Franzosen, nämlich die 4L (wie sie sich im Blog nennen)- Lucie, Luc, Lou und Liss, die während diesem Schuljahr von Frankreich, über Europa, die Türkei, Georgien, Russland, Kasachstan, wieder Russland, in die Mongolei und jetzt China reisen und noch bis nach Australien wollen. Die beiden Mädels sind 8 und 10 Jahre alt und immer noch vollends begeistert von der Tour.
    Nachdem sie ihre Tickets bekommen haben, dauert es zum Glück auch nicht allzu lange, bis auch wir unsere Tickets haben. Die Frau am Schalter muss sich sehr gewundert haben, dass noch so zwei von der Sorte "L" aus Europa da stehen.
    Wir verabschieden uns vorerst von den Franzosen und gehen davon aus dass wir sie später auf dem Schiff sehen werden.
    Am Immigration-Schalter werden wir dann ausgestempelt und fahren mit dem Aufzug ins Erdgeschoss, damit wir auf das Schiff kommen können. Als wir das Fährgebäude verlassen, wartet dort schon ein Bus auf uns, genau wie am Flughafen. Keine 20 m entfernt steht allerdings auch schon unsere Fähre, in anderen Worten: Genau auf der anderen Straßenseite. Wir fragen noch, ob es wirklich nötig ist die schweren Fahrräder in den Bus zu schleppen und nicht einfach hinüber zu fahren. Keine Chance! Vorschrift bleibt wohl Vorschrift!
    Wir heben also die Fahrräder mühevoll in den Bus und warten auf die anderen Mitfahrenden. Dann geht der Motor an, der Fahrer wendet kurz und schaltet den Motor wieder aus, denn da ist auch schon die Treppe auf das Schiff. Wie als wollte uns das Land nochmal eine Erinnerung daran geben, wie unnötig manche Bestimmungen doch sind. Allerdings müssen wir uns hierbei an die eigene Nase fassen, da es in Deutschland vermutlich auch nicht anders abgelaufen wäre (außer vielleicht, dass der Bus es in Deutschland noch geschafft hätte sich zu verspäten).
    Mit uns im Bus sind ein paar Koreaner, von denen uns einer besonders hilft die Fahrräder und Taschen aus dem Bus auszuladen. Er ist sogar so eifrig dabei, dass er in einem Moment einen Koffer eines Mitreisenden übersieht und rücklings darüber in die Bande stürzt und diese und Lukas' Fahrrad zu Boden reißt. Zum Glück ist niemandem etwas passiert und alles wieder schnell in Ordnung gebracht.
    Dann müssen die Räder über die steile Treppe mit vielleicht 20 Stufen aufs Schiff. Während Lukas die Räder hoch trägt, nehme ich die Taschen. Dann geht es über zwei Rolltreppen weiter. Die Räder dürfen wir im Gepäckraum abstellen, dann beziehen wir unser Zimmer. Wir sind in einem Quartier mit 70 Stockbetten eingelagert, die glücklicherweise bis auf weitere 6 frei bleiben. Mit uns im Zimmer sind noch zwei Koreaner und die Franzosen.
    Wir unterhalten uns eine Weile mit ihnen (allerdings auf Englisch, weil unser Französisch doch etwas eingerostet ist) und gehen dann gemeinsam an Deck. Weil das Schiff nach einer Weile noch nicht ausgelaufen ist, suchen wir uns zusammen einen Platz, essen und teilen unsere Erlebnisse.
    Die Fähre verlässt erst den Hafen, als es schon länger dunkel ist und so können wir einen Blick zurück auf die beeindruckende aber auch ziemlich übertriebene Skyline werden, die in allen möglichen Farben leuchtet und blickt.
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  • Tag 247: Qingdao

    12 novembre 2023, Chine ⋅ 🌬 8 °C

    Nach unserem Frühstück auf dem Zimmer gehen wir durch die Stadt, besichtigen eine evangelische Kirche in die wir als Deutsche kostenlos hinein dürfen und steigen auf den Hausberg der Stadt, von dem aus man einen guten Blick auf die Stadt hat.
    Danach geht es weiter zum ehemaligen Wohnhaus des deutschen Gouverneurs, das heute als Museum dient. Unter anderem haben hier bereits Emire, Präsidenten und weitere Würdenträger im letzten Jahrhundert übernachtet.
    Auf dem Weg zurück in die Innenstadt beginnt es mir immer mehr und mehr schlecht zu werden. Also gehe ich schonmal zurück ins Hotel, während Lukas noch zur Hafenpromenade weiter läuft.
    Erst nach einer ganzen Weile bessert sich mein Empfinden und wir können schlafen, schon gespannt darauf, ob das Morgen mit der Fähre alles klappen wird.
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  • Tag 246: Jiaozhou bis Qingdao

    11 novembre 2023, Chine ⋅ ☁️ 8 °C

    Obwohl das Essensbüfett heute wieder einmal genial ist, können wir es nicht so genießen, weil der Speisesaal bitterkalt ist. Daher fällt unser heitiges Frühstück und vermutlich letztes Büfett kleiner aus.
    Weil ich schon früher fertig und gut durchfroren bin, fahre ich schonmal alleine mit dem Aufzug ins Zimmer und werden einen Teil des Weges von einem der Lieferroboter begleitet, die hier in Hotels häufig Essenslieferungen bis zum Zimmer durchführen. Es ist schon etwas merkwürdig und ich hätte gerne gewusst, was das Gerät in dem Moment spricht. Während der Fahrt mit dem Aufzug fällt mir auch auf, wie viele Dinge das Hotel bietet, unter anderem auch ein Swimming Pool und verschiedene Sporträume.
    Die Fahrt nach Qingdao verläuft nur noch durch die Stadt, was aber zum Glück nicht mehr allzu weit ist.
    Das erste Hotel das wir anfahren ist in einem so schlechten Zustand, dass wir uns direkt das nächste heraussuchen. Dort dürfen wir zwar bleiben aber unter keinen Umständen unsere Fahrräder. Also müssen wir nochmal ein Stück weiter und kommen dann zu dem"Kaiserdom", in dem wir für einen einigermaßen guten Preis bleiben und die Fahrräderit ins Zimmer nehmen dürfen.
    Weil wir schon gut Hunger haben gehen wir direkt los durch die Altstadt. Dabei kommen wir an einer Art Music-Festival vorbei, bei dem eine Gruppe zu Popliedern tanzt. Das ist tatsächlich in China das erste Mal, dass wir in China eine etwas offenere, losgelöste Stimmung erleben.
    Außerdem gehen wir noch zur "St. Michaels Kathedrale" und sehen hier ausnahmsweise einmal eine Altstadt, die tatsächlich noch so steht, wie sie vor langer Zeit erbaut wurde. Die Kathedrale, einige Gebäude, das Wohnhaus des ehemaligen Deutschen Gouverneurs und ein paar weitere Kirchen wurden damals von den Deutschen hier errichtet, da Qingdao eine ehemalige deutsche Kolonie ist.
    Es ist irgendwie komisch. Die ganze Zeit war bis auf die Chinesische Mauer keinerlei echte historische (und nicht mit Beton nachgestellte) Kultur zu sehen gewesen und jetzt stehen wir plötzlich in Mini-Deutschland.
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  • Tag 245: Weifang bis Jiaozhou

    10 novembre 2023, Chine ⋅ ⛅ 10 °C

    Es gibt wieder einmal fantastisches Frühstück, mitlerweile unser Highlight der Tage.
    Der Radtag ist heute wieder einmal nicht sehr spannend da sich weder die Städte in irgendeiner Weise voneinander unterscheiden (wie durch kulturelle Besonderheiten), noch die Landschaft sonderlich schön ist.
    Die Suche nach einem Hotel das Ausländer nimmt erweist sich wieder einmal als schwierig. Als wir dann eins ausgemacht haben, was uns nehmen könnte vertun wir uns auch noch im Eingang und werden von der Rezeptionistin des teureren Hotels glücklicherweise zum günstigeren geführt. Da die Eingänge beider Hotels genau nebeneinander liegen, ist es auch kein Wunder, dass wir gerade das falsche erwischt haben. Als wir dann unser Zimmer betreten, sind wir erstmal etwas erstaunt. Während bisher jedes Zimmer mehr oder weniger gleich aussah, ist dieses fast doppel so groß und so können wir problemlos unsere Fahrräder reinschieben.
    Wir gehen wieder etwas essen und dann bald schlafen.
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  • Tag 244: Shouguang bis Weifang

    9 novembre 2023, Chine ⋅ 🌬 11 °C

    Nach gutem Frühstück starten wir etwas gemütlicher in den Tag, da wir nur 50 km zu fahren haben.
    Was uns heute besonders erstaunt, sind die kleinen Pavillions, die teilweise über den Wartebuchten der Fußgänger und Fahrradfahrer gespannt sind und vor Regen und im Sommer sicher auch vor der brennenden Sonne schützen sollen. Immer wieder sind uns diese aufgefallen, allerdings nie so oft wie heute.
    Ansonsten fahren wir an einem halb offenen Stadion und einer Konfutius-Statue vorbei und kommen dann schon zu unserem Hotel. An der Anmeldung bekommen wir direkt einen Tee angeboten und Unterstützung bei unserem Gepäck.
    Weil wir noch nichts zu Mittag gegessen haben, gehen wir in die Mall gegenüber und suchen uns dort ein "Hot Pot"-Restaurant. Hier bekommt jeder Gast eine Plastikschüssel in Form einer Waschschüssel und darf in dieser sein individuelles Gericht zusammenstellen, indem er aus einem Kühlregal Lieblingsnahrungsmittel mithilfe einer Zange herauspickt. Diese werden dann zu einer Suppe verkocht. Bezahlt wird pro Kilo und mögliche Zutaten sind Spiegeleier, Nudeln, Pilze, Reisbällchen, verschiedenes Fleisch, Kohl, Salat, Mais und vieles mehr. Am Schluss sucht man sich dann noch die Geschmacksrichtung besiehungsweise den Schärfegrad aus. Eigentlich eine interessante Idee und zusammen zahlen wir keine 6€.
    Danach machen wir es uns noch ein bisschen im Zimmer gemütlich, nachdem wir die nicht sehr artgerechte Haltung einiger kleiner Fische in der Mall beobachtet haben. Im Kinderbespaßungsbereich stehen dort nämlich ein paar große Aquarien mit unzähligen Fischen, aus denen Kinder jeden Alters Fische mit Bechern Angeln können. Bezahlt wird nach Zeit. Also prinzipiell geht es darum, so schnell wie möglich so viele Fische es geht zu fangen. Zum Glück ist die Mall quasi wie leer gefegt und die Fische können stressfrei ihr Leben im trostlosen Glaskasten genießen.
    Abends essen wir im Zimmer Obst mit Brot und Joghurt, ein gewohntes Essen aus Westchina, und lassen den Tag ausklingen.
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  • Tag 243: Dongying bis Shouguang

    8 novembre 2023, Chine ⋅ ☀️ 20 °C

    Wieder einmal startet der Tag auf achsogleiche Weise. Nachdem wir ordentlich gefrühstückt haben und aufs Freundlichste von den Hotelmitarbeitenden verabschiedet wurden, geht es weiter. Der Tag besteht darin Seitenstreifen entlang zu fahren, an Ampeln anzuhalten, sich an etwas riskanter fahrenden LKWs zu stören und sich zu überlegen, wo wir wohl heute Abend unter kommen werden.
    Im Hotel angekommen überschlägt sich wieder einmal die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Gleich drei Angestellte helfen uns die Fahrräder abzustellen und die Taschen nach oben zu bringen, so sehr freuen sie sich über ausländische Gäste.
    Wir beziehen das Zimmer und gehen dann noch etwas essen. Dabei bekommen wir mit, wie auf dem Platz neben dem Hotel ein vielleicht wie man bei uns sagen würde Aerobics Kurs stattfindet. Dabei gibt es zum einen diejenigen, die wohl jedes Mal dabei sind und sich die erste Reihe reserviert haben. Zu unserem Erstaunen machen hier aber auch zufällig Vorbeilaufende mit, die gerade von ihrem Einkauf nach Hause laufen. Immer wieder stellen wir uns die Situation zu Hause vor, wo sich vermutlich niemals eine solch große Gruppe (hauptsächlich 40 bis 60 Jährige) in der Öffentlichkeit zusammenfindet um auf einem Platz an einer vielbefahrenen Straße Sport zu machen. Schon häufiger haben wir kleine Ansammlungen entdeckt, die gemeinsam in der Öffentlichkeit Sport machen, da es unseres Wissens nach nicht viele wie bei uns offene Sporthallen gibt.
    Als wir uns weiter auf dem Platz umschauen, entdecken wir noch eine weitere Gruppe, von denen die meisten gleichartige Röcke tragen und gemeinsam etwas langsamer tanzen. Außerdem bemerken wir eine Gruppe die nichts weiter tut als bedächtig im Kreis zu laufen. Es ist wirklich ein absurder Anblick! :D
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  • Tag 242: Zhanhuaqu bis Dongying

    7 novembre 2023, Chine ⋅ ☀️ 15 °C

    Nach dem langen Tag gestern liegen heute nicht ganz so viele Kilometer vor uns. Ok, ehrlich gesagt knapp 80 km, aber das ist mittlerweile wenn der Wind stimmt keine allzu lange Tagesetappe mehr.
    Hier im Osten ist es etwas komisch. Wir kommen zwar täglich ein gutes Stück weiter, aber mir fiel es auf der Reise noch nie so schwer die einzelnen Tage auseinander zu halten. Besonders bis Kirgisistan (wenn man mal von den kurzen Wüstenabschnitten absieht) ist täglich so viel passiert und jeden Abend haben wir an völlig anderen Orten geschlafen, wodurch es leicht war auch nach längerer Zeit noch die Tage in Gedanken erneut zu durchleben. Hier ist jeder Tag gleich und besteht im Großen und Ganzen nur daraus, dass wir uns morgens (wenn wir Glück haben) an einem guten Frühstücksbüfett satt essen können, danach durch immer gleichaussehende Städte und Industiegelände fahren, dann etwas zu Mittag essen, dann weiter durch ebenso gleiche Städte fahren und abends in ein Hotel einchecken, in dem wir wieder in einem ähnlichen Zimmer wie dem vom Morgen einschlafen. Während wir uns in den Ländern weiter im Westen auf jeden Tag und die Erlebnisse die er so mit sich bringt freuen konnten, bestehen hier die Highlights aus dem Essen und den neuen Kapiteln des Hörbuchs.
    Umso mehr freuen wir uns dann mal darüber, wenn etwas Unerwartetes passiert. Etwas Unerwartetes wie heute.
    Als wir bei einem unserer täglichen Highlights, dem Mittagessen, dran sind, heute gibt es Dumplings mit Lauch, Ei und Karotten, und wir diese gerade bezahlen wollen, lehnt der Restaurantbesitzer wehement ab und schenkt uns stattdessen das gesamte Mittagessen. "Ausländer bezahlen hier nicht!" tippt er in den Übersetzer ein und ist dann zusätzlich noch sehr interessiert an uns und der Reise. Auch wenn es nicht allzu viele solch schöne Momente hier in China gibt, umso mehr erfreuen wir uns dann an den wenigen, die uns so nett begegnen.
    Abends im Hotel fühlen wir uns ebenfalls gleich wohl, denn auch hier sind die Hotelmitarbeitenden wieder sehr nett. Wir dürfen sogar selbst unsere Wäsche in der Waschmaschine waschen und breiten sie danach im Zimmer noch zum Trocknen aus.
    Anschließend gehen wir essen und es gibt leckeren Blumenkohl-Kartoffelteller und Nudeln mit Gemüse. Weil ersterer so lecker ist, bestellen wir gleich noch einen und auch hier begegnet uns die Köchin äußerst freundlich. Mit 5,20€ weniger im Geldbeutel gehen wir nach 3 großen Hauptgerichten wieder ins Zimmer zurück, nach einem Tag, der sich glücklicherweise etwas von den anderen abgehoben hat.
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  • Tag 241: Huanghua bis Zhanhuaqu

    6 novembre 2023, Chine ⋅ 🌬 9 °C

    Die Schuhe sind noch leicht feucht, obwohl wir sie über Nacht (aus Mangel an Zeitungspapier) mit Handtüchern ausgestopft haben. Wir frühstücken diesmal Sandwiches (die ebenfalls geliefert wurden) und Haferflocken. Dann fahren wir bei leichtem Seitrückenwind los.
    Heute ist wieder besseres Wetter, dafür ist es aber kalt und windig.
    Um 13 Uhr gibt es zum Mittagessen Nudeln mit Gemüse und Brotfladen und Kartoffelraspeln und eine Schüssel mit Reis. Es ist sehr lecker!
    Als wir mit einem 100er (13€) bezahlen wollen, können sie nicht wechseln. Da wir stattdessen nur 22 Yuan (statt den eigentlichen 24 Yuan) in klein haben, rechnen sie uns nur diesen Betrag ab, was umgerechnet 2,86 € sind. Total verrückt!
    Weil es ganz gut läuft und wir Rückenwind haben, beschließen wir noch 64 km, also nochmal so viel wie bisher, zu fahren. Leider sind immer mal wieder die Straßen versperrt und wir müssen erneut kleine Umwege fahren.
    Bei werdender Dunkelheit kommen wir im Zielort an und gehen erstmal auf eine Bank und danach zum Hotel. Auch hier sind sie freundlich, kündigen aber an, dass die Polizei noch vorbeikommen wird, um uns anzumelden. Wir dürfen allerdings schonmal unsere Sachen nach oben bringen und gehen dann nach unten etwas essen.
    Wir bestellen uns Nudeln mit Gemüse und Ei und genießen das, während wir von den anderen Gästen neugierig angeschaut werden. Immer wieder bekommen wir von unsere Tischnachbarn Kleinigkeiten von ihren Tellern zur Probe. Als wir fertig gegessen haben verkündet ein anderer Gast, dass er unser Essen bezahlen will und schenkt uns noch zwei Flaschen gesüßten Trinkjoghurt.
    Er und die beiden Tischnachbarn überreden Lukas schließlich mit ihnen Schnaps und Bier zu trinken und Bilder zu machen. Auch ich soll dann mal mit aufs Bild und als ich wie selbstverständlich Lukas' Glas nehme, um damit anzustoßen, werde ich von einem der Männer vollkommen entrüstet angesehen. Statt des Schnapsglases soll ich besser mit der Milch anstoßen, das andere würde betrunken machen und wäre nichts für mich!
    Wir haben zusammen noch einen ganz lustigen Abend, an dem Lukas pausenlos von einem der drei halb umarmt wird und wir den chinesischen Ausruf "Gä" für "Auf Ex" kennen lernen.
    Die Polizei kam zum Glück nicht mehr vorbei!
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  • Tag 240: Binhai bis Huanghua

    5 novembre 2023, Chine ⋅ 🌧 13 °C

    Wir können unseren Ohren nicht recht trauen. Kann das wirklich sein?! Es regnet und das ist noch untertrieben, es schüttet geradezu. Das haben wir das letzte Mal am Anfang der Mongolei und davor das letzte Mal in Georgien erlebt.
    Wir frühstücken und lassen uns extra viel Zeit. Besonders als wir den Wetterbericht sehen und es den ganzen Tag nicht besser werden soll. Unten in der Lobby packen wir unsere Räder. Das Hotelpersonal ist sichtlich besorgt um uns und bietet uns sogar regenfeste Überschuhe an - mit rosa Blümchen! Eigentlich hätten wir zum Spaß die Überschuhe annehmen müssen, aber da wir unnötigen Müll sparen wollen und schon selbst welche haben, lehnen wir sie ab.
    Mehrfach sind unterwegs die Straßen gesperrt und wir müssen kleine Umwege fahren. Mehr und mehr durchnässt unsere Kleidung, während es unaufhörlich weiter regnet.
    Wir können heute entweder 50 km oder 100 km fahren und entscheiden uns für die 50 km, da wir mittlerweile schon vollständig nass sind.
    Das Hotel, das wir anfahren sieht zunächst eher nicht danach aus, als würde es Ausländer nehmen. Doch als ich die kleine Lobby betrete stehen sofot mehrere auf und kommen herbei. Ich frage nach einem Zimmer und bekomme direkt die Bestätigung. Auch die Fahrräder dürfen wir ins Haus stellen, obwohl sie vom Regen nass und dreckig sind.
    Wir haben ein bisschen ein schlechtes Gewissen und drängen noch darauf sie in die Garage statt ins Zimmer zu stellen. Letztendlich können wir uns darauf einigen sie unter der Treppe im Haus abzustellen.
    Wir erledigen die Anmeldung und bringen dann unsere Taschen nach oben, während wir in der Lobby eine kleine Pfütze hinterlassen.
    Auf dem Zimmer heißt es erstmal die Taschen unter der Dusche abzubrausen und dann zum trocknen aufzustellen. Außerdem spammem wir mit einer Schnur, die wir für Reparaturen dabei haben, eine Wäscheleine und hängen dort unsere ganzen vom Regen durchnässten Kleidungsstücke auf. Es sieht schom ein bisschen wild aus!
    Weil es draußen unaufhörlich weiter regnet und all unsere Sachen nass sind, beschließen wir auf die typisch chinesische Art unser Essen ausnahmsweise mit dem E-Scooter anliefern zu lassen. Die Hotelbesitzerin hilft uns bei der Bestellung. Kurz danach klopft es an unserer Tür und das Essen ist schon da.
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  • Tag 239: Tianjin bis Binhai

    4 novembre 2023, Chine ⋅ ☀️ 18 °C

    Nach unserem Frühstücksbüfett brechen wir unseren hoffentlich letzten Fahrradtag in China an.
    Es geht durch das Zentrum von Tianjin, das eigentlich einen gewissen Charm hat. Wir fahren ein kleines Stück an der Promenade des Flusses entlang und es fühlt sich fast wie in einer europäischen Stadt an....bis kurz darauf dann auch schon die Promenade zu Ende ist und mit ihr das bisschen Charm der Stadt.
    Nach eher unschönen Straßen durch das Hafengebiet der Stadt kommen wir zum vermeindlichen Fährhafen. Leider, so erfahren wir und hatten es auch schon befürchtet, wurde die Fähre eingestellt und wir müssen weiter nach Qingdao fahren, das nochmal weitere 540 km im Süden liegt.
    Weil es auf unserer Strecke erstmal kein Hotel mehr geben wird, beschließen wir den Tag etwas früher zu beenden und fahren zum ersten Hotel. Unfreundlich ist die Frau mit der zentimeterdicken Gesichtsmaske aus weißem Make Up zwar nicht, aber vom Preis her sind wir vom ersten Hotel nicht sehr überzeugt. Also fahren wir das nächste an und dürfen hier auch bleiben und die Fahrräder gut unterstellen.
    Wir nehmen also die Taschen ab, bringen sie auf das Zimmer und merken dort, dass wir leider eine elektrische Toilette mit Beheizung haben. Auch bei Bin kamen wir schon in den Genuss dieser ach so geistreichen Erfindung. Wir verstehen wohl nie diejenigen, die sich freiwillig eine Toilette zulegen, die das Gefühl vermittelt, es seien direkt vorher schon die anderen Hotelgäste darauf gesessen. Naja, da müssen wir wohl durch oder besser gesagt drauf.
    Wir gehen heute ausnahmsweise mal nicht in ein chinesisches Restaurant, sondern zum PizzaHut gegenüber, der uns allerdings ganz und gar nicht überzeugt.
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  • Tag 238: Peking bis Tianjin

    3 novembre 2023, Chine

    Nachdem wir das große Frühstücksbüfett das letzte Mal genossen haben machen wir uns auf den Weg aus der Stadt und Richtung Meer, um hoffentlich in ein paar Tagen die Fähre nach Süd Korea nehmen zu können.
    Immerhin ist es heute nicht mehr allzu versmoggt. Um trotzdem nicht alles einatmen zu müssen trage ich eine Maske, die auch ganz gut gegen die kleinen Mücken hilft, die teilweise herum schwirren.
    Leider müssen wir an ganz schön vielen Ampeln anhalten und so kommen wir gefühlt nicht wirklich vom Fleck. Wir fahren also von einer Ampel zur nächsten, wundern uns über manche Autofahrer, die teilweise mitten im Weg anhalten und bestaunen zwei selbstfahrende Autos, die regulär die Straße benutzen. Wobei "regulär" nicht ganz stimmt, da das eine mitten auf der Kreuzung und nicht am Haltestrich anhält. Da das hier aber auch genügend normale Fahrer machen, fällt das gar nicht so auf.
    Wir kommen durch Zufall nochmal an einem Decathlon vorbei, finden dort leider aber auch keine besseren Sonnenbrillen als im letzten. Meine Sonnenbrille wird nämlich seit einer Weile nur noch durch ein Klebeband zusammen gehalten und Lukas' Sonnenbrille ist auch nicht mehr das Wahre.
    Wir lassen nach einer Weile die Grenzen der Hauptstadt hinter uns und kommen nach Italien, genauer gesagt an den "Fiume Arno" in Florenz. Moment, bitte was?! Was die Chinesen mit dem österreichischen Hallstadt gemacht haben, war nicht die einzige Form der Kopie europäischer Städte. So haben sie auch eine Straße von Florenz (mit etwas venedischem Einfluss) nachgebaut, bei der es allerdings an nötigem Flair fehlt. Auch andere Städte, Straßen und Brücken wurden in französischem, britischem und sogar deutschen Stil gebaut, befinden sich allerdings zum Großteil im Süden Chinas und sind allesamt ein riesen Flop.
    Wir essen für knapp 4 Euro Nudeln mit Gemüse und Erdnusssoße und Kartoffelpfanne zu Mittag und fahren dann noch ein gutes Stück weiter.
    Wir fahren das erste Hotel, das wir uns vorher herausgesucht haben, an und haben Erfolg. Die Fahrräder dürfen wir mit ins Zimmer nehmen.
    Dann gehen wir (wieder einmal aus Mangel an gutem Supermarktessen) ins Restaurant und essen Aubergine, Kartoffelraspeln, Reis und eine Ei-Tomaten-Mischung. Es ist verrückt aber im Moment könnten wir ständig etwas essen!
    Wie wir da so sitzen und uns durch die Teller probieren, betreten ein Chinese und zwei Weiße den Raum. Wir versuchen aus ihrem Gespräch heraus zu hören, woher sie kommen und vermuten Osteuropa. Tatsächlich kommen die beiden aus der Slowakei, arbeiten aber in Frankfurt. Einer spricht fließend Deutsch und erzählt uns, dass sie für zwei Wochen hier sind um eine Fräsmaschine zu reparieren.
    Wir scheinen echt Glück gehabt zu haben, denn die beiden mussten eine Weile suchen, bis sie unser Hotel gefunden haben, das Ausländer akzeptiert.
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  • Tag 236 & 237: Peking

    1–3 nov. 2023, Chine

    Wir verbringen zwei Tage in Chinas Hauptstadt, besuchen den Lama Tempel, das Nationalmuseum, den Tian'anmen Square und die Verbotene Stadt.
    Der Lama Tempel besteht aus vielen kleinen Sälen in traditioneller Bauweise. Die Schilder an deren Eingängen beschreiben, wie die Mönche die Räume dort früher genutzt haben, beispielsweise zur Lehre der Medizin oder Esoterik. Allerdings sind wir etwas enttäuscht darüber, dass wir ansonsten sehr wenig erfahren. Oft wird beschrieben wie die buddhistischen Figuren im Inneren heißen, aber Weiteres erfahren wir leider nicht und können mit den Informationen deshalb nicht allzu viel anfangen.
    Im Nationalmuseum sind unzählige Ausstellungen über Ming-Vasen, Gemälde (witzigerweise auch Ölgemälde vom Registanplatz in Usbekistan), anderes Porzelan, Erfindungen und die chinesische Geschichte bis zum Ende der Qing Dynastie (Anfang 20. Jh.). Es ist sehr interessant zu sehen, wie hier die Texte zu den einzelnen Themen formuliert sind und welche Themen sehr ausführlich beschrieben und welche fast vollständig ausgelassen wurden.
    Nach dem Nationalmuseum besuchen wir noch den Tian'anmen Platz, auch bekannt als "Platz des Himmlischen Friedens", auf dem immer die im Fernsehn gezeigten Versammlungen und Militärshows stattfinden. Da wir kurz vor Sonnenuntergang auf den Platz kommen, können wir beobachten, wie die chinesische Flagge in einer kleinen Zeremonie von einem Soldatentrupp abgelassen wird. Wir sind nicht die Einzigen, die das Geschehen beobachten. Einige hundert Chinesen und zumindest mal 2 Engländer sind ebenfalls da und filmen fleißig mit.
    Sobald die Flagge abgenommen und weggetragen ist, beginnt auch schon die Platzräumung. Wir dachten eigentlich, dass wir den Platz jetzt noch in der Dunkelheit etwas fotografieren und uns gemütlich mit den zwei Engländern unterhalten können. Stattdessen kommen ein paar Anzug-tragende Polizisten, die systematisch den Platz ablaufen. Wie in einer Kür laufen sie erst ein Stück gerade auf die Leute zu und dann im rechten Winkel zur Seite weg, anschließend wieder diagonal zurück. Auch Soldaten in grünen Uniformen und Mannschaftswagen mit Megafonen kommen zur Unterstützung. Kurze Zeit später ist der Platz geräumt und (nach europäischen Verhältnissen) auf das Heftigste mit Absperrungen gesichert. Das ist aber dauerhaft der Fall und erstreckt sich über den gesamten Bereich des Platzes, des Museums und der Verbotenen Stadt.
    Wir müssen aus irgendeinem Grund an Usbekistan denken. Klar, auf den Registanplatz kamen wir auch nur über einen Ticketschalter, aber natürlich hätten wir bei Dunkelheit noch darauf bleiben dürfen. Und auf den beliebtesten Platz von Bukhara durften wir zwar eigentlich nicht mit den Fahrrädern, aber als wir angedeutet hatten, dass wir nur schnell ein Bild mit den Rädern auf dem Platz machen wollen, durften wir selbstverständlich die Räder draufschieben. Hier in China wäre das undenkbar, zu groß ist die Angst vor vermeindlichen Angriffen oder Demonstrationen.
    Nachdem wir gegessen haben besuchen wir noch eine Bar, die als beste Bar der Stadt bekannt ist - das "Obstzimmer". Der Besitzer hat die Bar extra nach deutschen Stil einrichten lassen und sie auch danach benannt, weil er ein Fan von Deutschland ist und sogar Deutsch spricht. Der Name stammt daher, dass die Gäste aus verschiedenen Früchten und einer beliebigen Sorte Alkohol eigene Cocktails kreieren dürfen, die dann für sie zubereitet werden.
    Am nächsten Tag besuchen wir die Verbotene Stadt mit ihren vielen Palästen. Einige der Besucher tragen hier traditionelle Kleidung, um sich in dieser vor den alten Mauern fotografieren zu lassen. Vom außerhalb der Verbotenen Stadt gelegenen "Kohlehügel" werfen wir noch einen Blück auf die Stadt aus der Vogelperspektive und nehmen dann die U-Bahn wieder nach Hause.
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