Germany
Stützengrün

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Travelers at this place
    • Day 23

      Bank im Wald

      June 22, 2023 in Germany ⋅ ☀️ 26 °C

      Runter mit dem schweren Rucksack. Die Hände zittern. Du bekommst die Schnallen nicht auf. Mit jeder Sekunde wird das Gewicht auf deinem Rücken schwerer und deine Beine weicher. Jetzt, Endlich. Und dann, sitzen, einfach nur sitzen. Unfassbar, wie schön sitzen sein kann. Alles klebt an dir, dein T-Shirt ist ein nasses Tuch. Der Schweiß tropf von deiner Nase und aus deiner Mütze, welche sich schon längst vollgesaugt hat und nun nichts mehr halten kann. Es läuft dir in die Augen und es brennt, aber für den Moment ist es egal, denn du sitzt. Du hattest es versproch. Wir schaffen dass, hast du gesagt. Nur noch bis dort oben hin, woch es flach wird. Dein Körper hat sich darauf eingelassen und im Gegenzug hast du versprochen, dass du dich hinsetzen wirst. Gleich auf die nächste Bank. Lange, eine Pause, eine richtige Pause. Ihr habt es geschafft, und nun sitzt du. Das Herz pocht. Es sticht im Brustkorb, aber die Atmung wird langsamer und flacher. Mit jedem Herzschlag wird es etwas ruhiger. Die Schmerzen lassen nach und du lehnst dich zurück. Die Augen sind geschlossen und die Arme liegen links und rechts auf der Lehne der Bank. Du merkst, wie sich langsam die Mundwinkel nach oben bewegen. GEIL, dass hättest du vor 1 Jahr unmöglich ohne Unterbrechungen geschafft. Du bist stolz, und du genießt es. Und dann träumst du dich davon. Weg, an den Tag an dem sie dich in eine Talkshow einladen werden, weil du so weit zu Fuß gelaufen bist. Depressiv, alleine und mit einem Schlauchmagen. Wie es war, wollen sie wissen Wie du auf die Idee gekommen bist, fragt Kim Fischer. Aber du möchtest über andere Dinge reden. Darüber, dass man 1,5 Jahre wartet, bis man von einem Psychologen behandelt wird, davon, dass Depressive von Orthopäden und Augenärzten begutachtet und gesundgeschrieben werden, davon, daß Rentenanträge 2 Jahre lang bearbeitet werden und davon dass sich tausende jedes Jahr das Leben nehmen, sich erhängen, vergiften, erschießen oder vor einen Zug werfen, weil sie keine Therapie bekommen haben und davon, dass es nicht zu wenig Psychologen in Deutschland gibt, sondern der Staat zu wenig Psychologen einen Kassenplatz gibt, damit die Krankenkasse den Psychologen bezahlt und nicht der Patient, der sich das nicht leisten kann. Und du erzählst vom Chef der Kommission, die festlegt, wie viele Kassenplätze es für Psychologen gibt und dass der sagt, dass sich das Problem ganz lösen lassen würde, wenn die Hälfte der depressiven Abends nur mal ein Bier trinken würden. Und da merkst du, dass sich im Talkshowstudio Langeweile breit macht, dass es mal wieder keinen interessiert. Und du wirst wütend und dein Herz raßt und es klopft in deinen Schläfen. Und weil du weißt, daß es keinen größeren als Nikel Pallat gibt, nimmst du eine Axt aus deiner Tasche und zerschlägst den großen Glastisch in der Mitte des Studios. Er zersplittert in tausend Stücke und alle sind entsetzt, und alle sind ruhig und es wir dunkel und immer ruhiger und plötzlich ist da nichts mehr. Keine Gedanken, kein Ärger, keine Angst, keine Freude, keine Innen. Nichts, es still in deinem Kopf. Die Vögel zwitschern, die Blätter Rascheln ganz sacht im Wind, im kleinen Tal murmelt der kleine Bach, und du sitzt. Sitzt einfach nur da. Sitzt da, auf einer Bank im Wald.Read more

    You might also know this place by the following names:

    Stützengrün, Stuetzengruen

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