Clouth Werke
18 Şubat 2021, Almanya ⋅ ⛅ 9 °C
Ich wohne ja im schönen Niehl, und immer wenn ich nach Nippes gehe, komme ich an der Niehler Straße an einem großen Quartier vorbei. Dort wird auch noch kräftig gebaut. Ob diese neuen „Wohnbunker“ jetzt schön sind oder nicht, sollen andere entscheiden. Ein Spaziergang um und in diesem neuen Wohngebiet lohnt sich allerdings. Mit dem Hintergedanken, des früheren Grau in Grau der alten Hallen und Gebäude ist es sehr spannend, die laufenden Veränderungen zu betrachten.
Früher waren hier die „Clouth Gummiwerke“ beheimatet, im Jahre 1868 von Franz Clouth gegründet. Und Clouth war nicht einfach irgendeine Firma, nein, hier wurde Kölner Industriegeschichte geschrieben, und zwar bis 2009. Mit der Verlegung des
letzten Clouth-Zweiges nach Bergheim war dann endgültig Schluss.
Von handwerklicher zur industriellen Fertigung
Die Firma um den Gründer Franz Clouth, war anfangs in der Kölner Altstadt beheimatet, so lauteten die Adresse von Firmensitz und Wohnort „Sternengasse 3“.
Die Sternengasse beherbergte ja viele bekannte Persönlichkeiten, dies könnt ihr in anderen Geschichten von uns nachlesen. 1868 dann zog die Firma nach Nippes auf ein größeres Gelände um. Hier auf dem riesigen Areal konnte sich Clouth viel besser
entwickeln, und dieser Standort sollte auch bis zum bitteren Ende die Heimat der Firma bleiben.
Clouth stellte jede Menge Artikel her, es musste nur aus Gummi sein, denn das war ihr Gebiet. Hier wurde damals erkannt, wie wichtig Kautschuk in der Industrie werden wird. So stellte sich das Familienunternehmen darauf ein und hatte unfassbaren Erfolg.
Die Reihe der hergestellten Waren ist immens lang. Dehnstopfen, Taucheranzüge, Hosenträger, Gummischuhe für Pferde, Flaschenverschlüsse, Laborbedarf, Gummiboote, Zelte und vieles mehr. Einige Artikel wurden auch nur aus der Not nach
den Kriegen hergestellt, denn eigentlich war die Firma auf besondere Produkte aus Spezialgummi eingerichtet.
Es wurde viel geforscht, getüftelt und eine ganze Reihe ihrer Erfindungen wurden patentiert. So war die robuste Verbindung von Gummi und Metall eines ihrer Erfolgsrezepte. Lange Zeit war Clouth mit vielen Produkten marktführend und
trendweisend. Egal ob Transportbänder, Walzenüberzüge, Gummikabel, Dichtungsplatten und unzählig viele Produkte mehr. Das Clouth Logo ging um die Welt und war geachtet, stand es doch für Innovation und Belastbarkeit.
Das Kölner Ei
Eine besondere Erfindung in der späten Phase des Betriebes war das sogenannte „Kölner Ei“. Dies wurde im Bereich der Vibrationstechnik für den U-Bahnbau entwickelt und ist bis heute im Betrieb.
Auszug aus Wikipedia:
„Das „Kölner Ei“ wurde erstmals 1978 auf der Strecke Ebertplatz – Lohsestraße eingebaut. Aufgrund der hervorragenden Ergebnisse (Körperschallreduzierung) wurde das „Kölner Ei“ kurze Zeit später auf 1500 Meter Länge im Gleis der KVB (Kölner Verkehrsbetriebe) eingebaut. Viele weitere Streckenabschnitte folgten. Der Einbau erfolgte überall dort, wo eine Schotterbettung für Gleise unerwünscht war, etwa bei Haltestellen. Die schalldämmende Erfindung wurde allein in Köln 30.000 mal installiert und ist weltweit im Einsatz.“
Zu Land, im Wasser und in der Luft
Clouth war in all diesen Elementen zuhause und sehr erfolgreich. Taucheranzüge und Tauchapparate wurden sogar in der Marine eingesetzt. So wurde vor einigen Jahren in der Ostsee in einem gesunkenen Kriegsschiff aus dem ersten Weltkrieg ein Clouth-Taucheranzug gefunden. Heute kann man diese in vielen Museen auf der ganzen Welt bestaunen.
Auch Graf Zeppelin und Clouth arbeiteten zusammen. Das „Luftschiff Clouth“ war in ganz Europa bekannt. Nahm es doch an internationalen Wettfahrten teil. Sogar in der Ballonfahrt war Clouth vertreten. Mehrere Ballons baute Clouth. Einer davon stürzte
leider 1953 im Siegerland ab. Damals starben tragischerweise alle Insassen.
Kabelfertigung
Die Kabelfertigung war ein ganz wichtiges Standbein. Gerade hier in Nippes. Egal ob Telefonkabel, Lichtkabel, Unterwasserkabel – alles stellte Clouth her. Später ging dieser Zweig an Felten &Guilleaume über.
So viel Geschichte
Die Geschichte dieser Firma ist absolut spannend und ein großes Stück Kölner Wirtschaftsgeschichte. Ich kann diese leider heute nur anreißen, alles zu erzählen würde den Rahmen sprengen.
Clouth Quartier
Jetzt ist die Geschichte der Firma seit 2009 hier in Nippes wirklich „Geschichte“. Die Stadt hat das Gelände irgendwann in ein Neubaugebiet umgewandelt.
Es entsteht momentan das sogenannte „Clouth Quartier“, und hier möchte ich einmal ein großes Lob aussprechen. Egal, ob einem die Bauten gefallen oder nicht, es wurde darauf geachtet, hier ein paar Gebäudeteile zu integrieren, ok, auch weil man musste, denn einiges steht unter Denkmalschutz. So wurde und wird noch die Vergangenheit dieses Geländes mit der Zukunft des Quartiers zusammengelegt.
Gerade an der Niehler Straße bleibt ein großes Mauerstück stehen und vor allem die Häuserfront mit ihren auffälligen Eingängen und dem Clouth Emblem bleiben erhalten und werden integriert. Die Firma hat in ihrer besten Zeit 2.200 Menschen hier Arbeit gegeben und das Stadtbild, sowie das Veedel wurden von ihr geprägt. So wird es auch weiterhin sein. Im Quartier entstehen etwa 1.200 Wohnungen und 500 Arbeitsplätze. In der ehemaligen Halle 17 wird sogar Gastronomie untergebracht.
Am Rande erzählt, der Inhaber kam damals regelmäßig zu Pferd in seine Fabrik geritten. Und zwar von der Sternengasse 3 aus. Später wohnte die Familie auf dem Betriebsgelände.
Wer also einmal einen kleinen Spaziergang durch den am Quartier anliegenden Park macht, dem sei ein kleiner Schlenker ins neue Clouth Quartier empfohlen, denn obwohl hier viel abgerissen und neu gebaut wurde, riecht es hier immer noch nach Kölner Industriegeschichte.
Euer RonaldOkumaya devam et
Die Maus
16 Şubat 2021, Almanya ⋅ ⛅ 7 °C
Ihr Lieben, unsere Gastschreiberin Dorothee kennt ihr ja schon von einigen Beiträgen. Heute präsentieren wir euch einen weiteren mit einem uns allen bekannten (Fernseh)liebling. Viel Spaß beim Lesen.
Die Maus
Die Sendung mit der Maus wird 50 Jahre alt und die sprachlose orange Maus ist immer noch der Star, eine kölsche Erfolgsgeschichte.
Seit 7. März 1971 wird die Sendung Sonntagvormittags ausgestrahlt und es gibt wohl kaum jemanden, der sie noch nicht gesehen oder von ihr gehört hat.
In Lach- und Sachgeschichten wurde uns gezeigt, wie die Streifen in die Zahnpasta kommen, wie ein Flugzeug gebaut wird, wie die Löcher in den Käse kommen oder warum ein Engel Flügel hat.
Die Maus hat nicht nur viele Bauwerke besichtigt, diverse Museen besucht, sich in Fabriken umgesehen, sie war sogar auf dem Mond in Begleitung von Alexander Gerst.
Im Laufe der Jahre hat sie einige Gefährten bekommen. Die Ente (1983) oder den Elefanten (1975), den Maulwurf, aber auch Captain Blaubär, Hein Blöd oder Shawn, das Schaf. Menschliche Begleiter sind seit langer Zeit Christoph mit dem grünen Pullover und Armin Maiwald, einer der Erfinder der Sendung mit der Maus. Seit 2015 begleitet die Maus auch das Flüchtlingskind Tiba.
Die Maus gibt es heute nicht nicht nur im Fernsehen oder im Fanshop zu sehen, ihr Abbild ziert einen Airbus und einen Zug der Bundesbahn. Wer möchte, kann auch in einer Mauskabine mit Seilbahn über den Rhein gondeln. Sie steht als Statue seit 2013 im Gotischen Garten in Bad Homburg, als Plastik in Erfurt oder auf dem Dach der WDR-Arkaden. In Stein gemeißelt sieht man sie im Eingangsbereich des WDR in Köln. Gemeinsam mit dem Elefanten ist sie an der Rathausbrücke in Erfurt oder vor dem Vierscheibenhaus am Appellhofplatz zu bestaunen. Zum 2. Mal wird sie im März 2021 nach 1998 auf einer Briefmarke verewigt. Eine 20 Euro Münze ziert ihr Konterfei ab 25. Februar 2021.
Mit der Ausstellung Maus Oleum war sie in vielen Städten unterwegs u. a. in Speyer, Osnabrück, Potsdam.
Die Sendungen wurden in viele Sprachen übersetzt und sind regelmäßig in arabisch, kurdisch, dari, englisch und französisch zu sehen.
Heute ist sie sogar in einem eigenen Museum, im Museum der Maus zu bestaunen. Im Odysseum in Köln-Kalk lädt sie Groß und Klein zu Experimenten ein.
Wer mit der Maus spielen möchte, kann dies auf vielerlei Arten machen. Es gibt eine ganze Reihe von elektronischen Spielen und Spielzeugen, aber die Maus und ihre Gefährten sind natürlich auch beliebte Plüschtiere.
Im Jahr 2000 war sie inoffizieller Botschafter der Bundesrepublik Deutschland bei der Expo in Hannover, eine eigene Fernsehshow hatte sie auch schon. Gerne haben sich andere bekannte Persönlichkeiten mit ihr präsentiert, z.B. Dirk Bach, Stefan Raab, Anke Engelke, um nur einige Bekannte und gleichzeitig Kölner zu nennen.
Preise haben die Maus oder ihre gedanklichen Väter und Mütter im Laufe der Jahre viele verliehen bekommen, z. B. den goldenen Bambi, die goldene Kamera, den Adolf-Grimme-Preis, den Lehrer-Welsch-Orden, den Bundesverdienstorden, sowie den Landesverdienstorden des Landes NRW, um nur einige aufzuzählen. Zu einer der größten Ehrungen gehörte 2011 der eigene Wagen im Kölner Rosenmontagszug.
Produziert wird die Sendung mit der Maus auch nach 50 Jahren vom in Köln ansässigen WDR in Kooperation mit anderen ARD Sendern und somit bleibt sie wie die letzten 50 Jahre schon ein kölsches Mäuschen.
Herzlichen Glückwunsch liebe Maus.
Eure DorotheeOkumaya devam et
Der Grülshof
14 Şubat 2021, Almanya ⋅ ⛅ 0 °C
Der Grülshof
Im alten Teil von Köln-Merheim gibt es viel zu entdecken. Ihr erinnert euch vielleicht an meine Beiträge über die Kelly Bank, dem ehemaligen Fliegerhorst, Bunker, der Kirche St. Gereon, Ahle Kohberg usw....
Doch es findet sich noch einiges mehr. So gab es im Dorf Merheim viele Bauernhöfe, von denen einige auch heute im Stadtteil Merheim noch erhalten sind. Straßen sind nach ihnen benannt, so auch die Grülshofstraße oder die Abshofstraße.
Der Grülshof hat eine abenteuerliche Vergangenheit. Was und wem er alles zuzuordnen war, lässt sich scheinbar nicht mehr komplett nachvollziehen.
Gesichert ist aber die Nutzung als Schule in der Zeit um 1820.
Später wurde er dann wieder ganz normal landwirtschaftlich genutzt.
Er muss neben dem Fronhof der größte der Merheimer Höfe gewesen sein, der über sehr viel Acker und Weideland verfügte.
Durch militärische Bauvorhaben wurden davon einige Nutzflächen enteignet. Sowohl in der Kaiserzeit als auch im Dritten Reich.
Auch der Straßenbau der Rüdigerstraße und der Grülshofstraße kosteten weitere Flächen. Man erzählt in Merheim auch, der Kalker Friedhof sei nur Dank des Weidelandes vom Grülshof so groß geworden. Dennoch gab es nicht nur Grülshof, Fronhof oder Abshof, sondern auch den Königshof, den Engelshof (Diesen sogar 2 mal)
Dereinst gehörte er wohl schon den Grafen des Adelsgeschlechts von Berge. Der Grülshof soll sogar zur Abtei Altenberg gehört haben. Klar, denn denen gehörte ja damals fast alles an guten Höfen. Deswegen trug der Grülshof auch im Volksmund den Namen Klosterhof.
Heute liegt er da wie ein schmuckes Kleinod, welches ich immer gern anschaue. Er hebt sich mit seiner rostroten und weißen Farbgebung von den restlichen Gebäuden ab. Da er seit den 90er Jahren des letzten Jahrtausends einem Malermeister gehört, ist er natürlich "gut in Schuss" und wird es hoffentlich noch lange bleiben. Auf meiner Wiki Monoments Tour durch Merheim hab ich ihn fotografisch festgehalten.
Wenn ihr also Merheim erkundet, schaut auch den Grülshof einmal an, dessen Geschichte vermutlich bereits 1217 beginnt.
Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.Okumaya devam et
Rosenmontag / Rusemondag
13 Şubat 2021, Almanya ⋅ ☀️ -2 °C
Habt Ihr Euch mal gefragt, warum wir zum Rosenmontag „Rosenmontag“ sagen? Das ist so selbstverständlich der Rosenmontag, wie der Veilchendienstag der Veilchendienstag ist. Ich komme auf das Thema, weil bei der Arbeit jemand „Fastnacht“ für den Dienstag geschrieben hat. Das hat aber auch so gar keiner verstanden. Er hat den Begriff „Fastnacht“ für den Tag genommen, der bei uns ganz natürlich der „Veilchendienstag“ ist – aber warum?
Um es kurz zu machen: am Ende wisst Ihr nicht mehr als vorher – aber Ihr seid ja auch beim Kölschgänger in der Schule… Diesmal ist es so, weil sich nichts belegen lässt und alle nur vermuten, wie es gekommen ist:
Wenn man etwas sucht, stößt man schnell darauf, dass es neben dem Rosenmontag und dem Veilchensdienstag auch den Tulpensonntag und den Nelkensamstag gibt. Da! Ich selbst habe jetzt schon Neues gelernt.
Diese zwei Bezeichnungen der Tage hat man zum Rosenmontag gepackt, weil es fröhlich klingt und die Blumen hier wichtig sind.
Nelken findet man ab und an bei Marien-Bildnissen. Sie sind ein Symbol für Liebe, Verlöbnis, Freundschaft – ja und auch Eitelkeit. Aber eben auch für die göttliche Liebe. Und dass damit die Nelke ein Blümchen ist, das für Köln von Bedeutung ist, muss man doch in der heiligsten Stadt nördlich der Alpen nicht mehr erklären.
Tulpen sind ja Immigranten aus Persien und kamen im 16. Jahrhundert nach Holland, weil die Holländer viel in Konstantinopel waren. Damit waren die Tulpen über die Handelswege aber auch schnell in Köln. Tulpen stehen vor allem für Liebe, Zuneigung, das Leben, Fruchtbarkeit, das Frühjahr, aber auch Vergänglichkeit. Passt doch in den Karneval, oder?
Und wie kommt es nun zum Rosenmontag? Da gibt es zwei wichtige Meinungen. Die einen sagen, es kommt davon, dass in der Mitte der Fastenzeit der Rosensonntag liegt. Auf Latein heißt der offiziell „Laetare“. An diesem Tag hat der Papst eine goldene Rose geweiht und sie einem Menschen übergeben, der etwas Wichtiges für die Katholische Kirche getan hat. Direkt nach diesem Tag, am Montag, kam früher das „Festkomitee Kölner Karneval“ das erste Mal zusammen um den neuen Zug zu planen. So hat sich der Begriff „Rosenmontag“ gefunden und ist hinterher auf den Tag übertragen worden, an dem der Zug geht.
Sprachforscher sagen, dass die Erklärung über das Festkomitee zu weit hergeholt ist. Sie meinen, der Tag kommt vom „Rasen“. Es sei der „rasende Montag“ oder Rasemontag“, weil der Karneval da auf dem Höhepunkt ist und das Rheinland rast. Das „a“ von „Rasen“ wird im Kölschen und im Rheinischen ein „o“.
Jetzt kann man sich aussuchen, welche Version man besser findet. Ich finde, wichtig ist, dass die Rose nicht nur für Vollkommenheit und Schönheit steht, sondern auch für Verschwiegenheit. Eine Tugend gerade im, aber nicht nur, im Karneval.
Und wie passt jetzt das bescheidene Veilchen zu all diesen schönen Blümchen, die irgendwie alle für das Thema „Liebe“ stehen? Man weiß es auch nicht sicher. Gut, das Veilchen steht auch für Liebe, aber eher im Sinn von Bescheidenheit, Hoffnung und Treue, was uns nach der rasant-lustvollen Raserei wieder erdet. Andere sagen, dass der Begriff „Veilchendienstag“ in Alfter aufgekommen ist, wo lange Zeit Veilchen gezüchtet wurden und diese an dem Dienstag dort am Zug verteilt wurden. Von dort aus soll der Name bis nach Köln gekommen sein.
Wie auch immer, das wichtigste Wort im Karneval ist und bleibt „Strüüßche“ – neben „Bützche“.
Michael
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Hat Ehr Üch ens gefrog, woröm mer för der Rusemondag „Rusemondag“ sage? Dat es jo esu selvsverständlich der Rusemondag, wie der Veilchedinsdag der Veilchedinsdag es. Ich kumme op dat Thema, weil bei bei der Arbeid einer „Fastnacht“ för dä Dinsdag geschrevve hät. Dat hät ävver och esu gar keiner verstande. Hä hatt dä Begreff „Fastnacht“ för dä Dag genomme, dä bei uns ganz natörlich der „Veilchedinsdag“ es - ävver woröm?
Öm et koot ze maache: am Engk wesst Ehr nit mih wie vürher – ävver Ehr sid jo och beim Kölschgänger en der Schull… Dismol es et esu, weil sich nix beläge lööt un se ale nor rode, wie et gekumme es:
Wann mer jet sök, stüss mer flöck drop, dat et nevven dem Rusemondag un dem Veilchedinsdag och der Tulpesonndag un der Nelkesamsdag gitt. Dä! Ich selvs han jetz ald jet Neues geliert.
Die zwei Bezeichnunge vun de Dage hät mer wall bei der Rusemondag gepack, weil et esu löstig klingk un die Blömcher hee wichtig sin.
Nelke fingk mer av un aan bei Marie-Beldnisse. Se sin e Symbol för Liebe, Verlöbnis, Fründschaff – jo un och Huffäädigkeit. Ävver evvens och för de göddliche Liebe. Un dat domet de Nelk e Blömche es, dat för Kölle vun Belang es, dat muss mer doch en der helligste Stadt nördlich vun de Alpe keinen mih verklöre.
Tulpe sin jo Immigrante us Persie un kome em 16. Johrhundert noh Holland, weil de Holländer vill en Konstantinopel wore. Domet wore de Tulpe üvver de Handelswäge ävver och flöck en Kölle. Tulpe stonn vür allem för Liebe, Zoneigung, et Levve, Fruchbarkeit, et Fröhjohr, ävver och Vergänglichkeit. Pass doch en der Fastelovend, oder?
Un wie kütt et no zom Rusemondag? Do gitt zwei wichtige Meinunge. Die eine sage, et kütt dovun, dat en der Medde vun der Fastezigg der Rusesonndag litt. Op Lating heiß dä offiziell „Laetare“. An däm Dag hät der Paps en golde Rus geweiht un se enem Minsch üvverreich, dä jet Wichtiges för de Katholische Kirch gedon hät. Tirek noh däm Dag, am Mondag, kom fröhter et „Fesskomitee Kölner Karneval“ et eeschte Mol zesamme för der neue Zog ze plane. Esu hät sich der Begreff „Rusemondag“ gefunge un es hingerdren op dä Dag üvverdrage woode, an däm der Zog geiht.
Sprochforscher sage, dat die Erklärung üvver et Fesskomitee zo wigg hergehollt es. Sei meine, dä Dag kütt vum „Rasen“. Et wör der „rasende Mondag“ ov „Rosemondag“, weil der Fastelovend do om Hühepunk es un et Rheinland am Rose es.
Jetz kann mer sich ussöke, wat för en Version mer besser fingk. Ich finge, wichtig es, dat de Rus nit nor för Vollkommenheit un Reiz steiht, sondern och för Verschweegenheit. En Tugend, grad em, ävver nit nor, em Fastelovend.
Un wie pass jetz de bescheide Vijul bei all die staatse Blömcher, die irgendwie all för et Thema „Liebe“ stonn? Mer weiß et och nit secher. God, de Vijul steiht och för Liebe, ävver ihter em Senn vun Bescheidenheit, Hoffnung un Treu, wat uns noh dä rösige Roserei widder op die Ääd brängk. Andere sage, dat dä Begreff „Veilchedinsdag“ en Alfter opgekumme es, wo mer lange Zigg Vijule gezüch hät un die an däm Dinsdag do om Zog verdeilt woodte. Vun do us soll dä Name bes noh Kölle gekumme sin.
Wie och immer, et wichtigste Wood em Fastelovend es un bliev „Strüüßche“ – nevve „Bützche“.
MechelOkumaya devam et
Rupertus von Deutz
11 Şubat 2021, Almanya ⋅ ⛅ -3 °C
Rupert von Deutz
Heute möchte ich ein wenig aus der Geschichte eines außergewöhnlichen Heiligen und Gelehrten erzählen, Rupert von Deutz. Geboren wurde er um 1075 in Ypern, in Flandern. Sein genaues Geburtsdatum ist leider nicht bekannt. Rupert wurde Abt bei den Benediktinermönchen. Die Priesterweihe empfing er 1108, relativ spät, nachdem Bischof Otger von Lüttich sich nach Streitigkeiten wieder mit dem Papst versöhnt hatte. So war das damals.
Bereits in jungen Jahren wurde er in ein Lütticher Kloster zur Erziehung gegeben. Und hier begann er seine schriftstellerische Tätigkeit, die ihn nie wieder loslassen sollte. Seine Themen waren sehr vielseitig, egal, ob es um den Streit zwischen Papst und Kaiser ging, Priesterehe, den Regeln Benedikts, Scholastik oder Mystik, er mischte sich ein und vertrat eine klare Meinung.
Übrigens eine Meinung, die bei weitem nicht immer gut ankam. So legte er sich mit den führenden Theologen seiner Zeit an. Er reiste viel, um mit ihnen zu diskutieren und seine Meinung zu verteidigen. Durch seine Werke wurde er mit der Zeit immer bekannter, war geachtet und beliebt, auch wenn sich die Theologen manchmal an seinen Meinungen und Thesen aufrieben.
Rupert kommt nach Siegburg
So veröffentlichte er Kommentare zum Alten und Neuen Testament. Durch seine ersten Werke wurden viele Fragen aufgeworfen, er war stark in die Kritik geraten, wie man heute sagen würde, und so wurde er etwa 1116 von Abt Berengar von Lüttich in die Abtei nach Siegburg gerufen.
Diese Aktion nahm ihn auch deutlich aus den Diskussionen und so kehrte zeitweilig etwas Ruhe ein. In Siegburg wurde er von Abt Kuno gefördert und so war es nur eine Frage der Zeit, bis Erzbischof Friedrich I. von Köln auf ihn aufmerksam wurde. Dieser holte ihn dann auch als Abt nach Deutz, 1119 wurde er dann Abt der Deutzer Abtei.
Angekommen in Deutz
Unter seiner Leitung wurde in Deutz die bildende Kunst gelehrt und gezeigt, wie wichtig das Verstehen dieser für die eigene Weiterentwicklung sei. Zu dieser Zeit kam gerade die Gotik auf und schickte sich an, den romanischen Baustil abzulösen. Auch wenn die Gotik erst etwa 1140 wirklich die Welt eroberte, Rupertus sah dies damals schon kommen. Deshalb ließ er in der Deutzer Abtei einige Änderungen durchführen. So wurde der Chor der Kirche eingewölbt, das Laurentiushospital samt Kapelle wurde gebaut und in der Abtei ein neues Dormitorium errichtet.
Unruhen und Feuersbrunst in Deutz
Ausführlich berichtete er vom tragischen Tag, dem 25.08.1128. Kaiser Heinrich V. stand mit seinem großen Heer vor Deutz, mit dem Ziel, von hier aus Köln zu erobern. Um dies zu verhindern, halfen viele Deutzer den Kölnern.
Sie besetzten gemeinsam das ehemalige römische Kastell in Deutz und brachten es in den Verteidigungszustand. Aber es kam eine große Feuersbrunst über die Menschen hier, über das Kastell, die Abtei und Deutz.
Dies geschah durch einen Blitz, der die Wirtschaftsgebäude des Klosters entzündete. Es dauerte nicht lang, da erfasste das Feuer auch das noch im Bau befindliche Laurentiushospital, auch der Glockenturm, sowie der Chor der nahen St. Urban-Kirche wurden vom Feuer erfasst. Viele Häuser in Deutz wurden Opfer der Flammen.
Nach dem Brand
Rupert sah das Brandunglück damals als Strafe Gottes an. Um so einer Situation in Zukunft nicht mehr ausgeliefert zu sein, kaufte er die Häuser vor dem Kastell. Er wollte damit die Abtei vor weiteren Ausschreitungen und kriegerischem Tun schützen.
Da Deutz von einem verheerenden Brand heimgesucht wurde, dem große Teile des Benediktiner-Klosters zum Opfer fielen, schrieb er, geprägt von diesem Ereignis, eine Interpretation der Katastrophe. Rupertus starb 1129 oder 1130, es ist leider nicht ganz sicher. Er wurde unter der Michaelskapelle im Kreuzgang des Deutzer Klosters begraben.
Übrigens geht auch die Symbolik des Kölner Domchores auf den Einfluss seiner Ideen zurück.
Einen „Neubeginn seit Augustins De civitate Dei“ wagte Rupert. in seinem „De victoria verbi Dei“, einer Heilsgeschichte von der Erschaffung der Welt bis zum Endgericht. Auch in seinem hagiographischen Hauptwerk, der „Vita Heriberti“, ist der Bischof und Klostergründer als „Instrumentum Christi“ eingebettet in die alles umfassende Heilsgeschichte.
Viele Kunstwerke sind unter seinem Einfluss der Theologie und Kunstauffassung entstanden. Oftmals sorgte er in der Theologie für neue Ansätze und Sichtweisen.
Seine Figur findet ihr auch am Kölner Rathausturm.
Auch wenn dies heute „Trockenstoff“ ist, und ich nur eine kleine und unvollständige Vita aufschreiben kann, so lohnt es sich doch, mehr zu diesem Thema zu lesen. Von Rupert von Deutz und Deutz selbst.
Empfehlen möchte ich euch ein Buch, das mir persönlich sehr gefällt. Es hat mich inspiriert, diesen Beitrag zu schreiben.
Hubert Kruppa – Ein Kölner Vorort mit großer Geschichte: Deutz (ISBN: 3761604661)
Euer RonaldOkumaya devam et
Alter Markt - Heumarkt
9 Şubat 2021, Almanya ⋅ ⛅ -5 °C
"Alter Markt"
Zum Ende des 10. Jahrhunderts hin wurde der Alter Markt (Mercatus coloniae) erstmals urkundlich erwähnt. Damals war es noch nicht so wie heute, dass jeder Platz für sich war. Es gab einen großen Platz im Herzen der Stadt, in dessen Mitte sich der Alter Markt befand. Eins der historischen Gebäude, neben dem Rathaus, ist das heutige "Gaffel-Haus". Dort wurde damals mit Äpfeln gehandelt, daher hatte es den Namen "Zur Britzele am Apfelmarkt" erhalten. Allerdings wurde hier mit sehr viel mehr gehandelt, als nur mit Äpfeln. Im Jahre 1424 soll es auf dem Platz einen Pranger gegeben haben, denn der Alter Markt diente im 15. Jahrhundert zusätzlich als Gerichts- und Richtstätte, aber auch als Turnierplatz. Kaiser Maximilian soll hier im Jahre 1486 vom Pferd gefallen sein...direkt in den Mist. Wie war das? Jeder, wie er verdient? Läßt sich leicht sagen, er kann sich ja nicht mehr wehren.
Apropos wehren. Ein weiterer Blickfang auf dem Alter Markt ist das Denkmal des Generals Jan von Werth, der aus Liebeskummer in den 30jährigen Krieg gezogen war und als Held zurückkehrte.
"Heumarkt"
Plätze schön gestalten - nicht unbedingt die erste Priorität für Kölns zuständige Stellen. Oder fehlt schlicht die Phantasie? Oder Geld? Hier am Heumarkt bräuchte es von der Phantasie allerdings einiges, um sich hier einen schönen Platz vorzustellen. Wenn man einen Spaziergang durch Kölns Altstadt macht, vom Dom her kommend, den Alter Markt überquert und weitergeht, steht man plötzlich vor...ja, vor was eigentlich? Von der Weihnachtszeit mal abgesehen, mit all den Buden, Menschen, Gerüchen, Geräuschen und der Eisbahn befindet sich hier eigentlich...nichts. Außer ein Eingang zu einer Tiefgarage und dem Reiterdenkmal ist das ein relativ leerer Platz. Die Kneipen und Restaurants wirken hier für mich eher verloren. Im Grunde ist der Heumarkt mehr oder weniger nur eine Möglichkeit, andere Anlaufstellen zu erreichen. Sei es nun die KVB-Haltestelle, oder den Rhein, um nur einige zu nennen. Aber wie war das eigentlich damals mit dem Heumarkt?
"Zeiten ändern sich"
In der Römerzeit war da, wo sich heute der Heumarkt, und auch der Alter Markt befinden, lediglich ein Sumpf auf einer vorgelagerten Rheininsel. Kurz zum Verständnis: der Hafen befand sich in jener Zeit ungefähr auf der Höhe des Rathauses, wurde jedoch im 3. Jahrhundert aufgegeben. Gehen wir weiter zum Mittelalter. In dieser Zeit, ca. Mitte des 10. Jahrhunderts entstand hier ein Markt, an welchem vielerlei Waren angeboten wurden, vornehmlich vermutlich jedoch Heu. Seinen Namen, den er allerdings erst später bekam, hat sich dann wohl offensichtlich ergeben. So dauerte es nicht lange, bis die ersten Händler und Handwerker, die dort zu Wohlstand gekommen waren, ihre Häuser am Heumarkt errichteten. Von da an bereits erhielt der Markt immer wieder eine neue Gestaltung, durch Erzbischof Brun, ein weiteres Mal im Jahr 1024 durch Pilgrim von Köln (dem wir wohl auch den Neumarkt zu verdanken haben). Es gab noch weitere, die aber für diesen Beitrag eigentlich keine große Rolle spielen.
Kurios: im 17. Jahrhundert hatte dieser den Ruf, einer der schönsten Plätze in Mitteleuropa zu sein, selbst vor einem Vergleich mit dem Markusplatz in Venedig scheute man sich nicht. Im 18. Jahrhundert wurde dort sogar ein Theater erbaut. Man munkelt, dass die Ehefrau des Bürgermeisters eine Affäre mit Casanova hatte, welche in jenem Theater ihren Anfang nahm. Selbst Goethe traf man hier an.
Der Heumarkt wurde dann später auch immer wieder mal umgebaut, verlor dadurch an Größe und Aussehen. Ein Grund war der Bau der Deutzer Brücke. Im zweiten Weltkrieg dann bekam er, wie die ganze restliche Stadt, sozusagen den Rest, viele der historischen Bauten wurden zerstört.
"Die Trennung"
Heute finden wir den Alter Markt und den Heumarkt getrennt voneinander vor. In jener Zeit entstandene Gassen, sowie aufgestellte Buden führten die Teilung des Gebietes herbei. Anfang des 13. Jahrhunderts dann erst erhielt der südliche Teil den Namen "Heumarkt".
Ins Detail gehend gäbe es noch viel mehr zu schreiben, mein Hauptaugenmerk lag aber heute bei der Geschichte dieses Ortes. Schon interessant, wenn man jetzt da langspaziert und sich vorstellt, dass das alles mal eins war, oder was meint ihr?
Bis bald, eure RamonaOkumaya devam et
Säulenbrunnen Niehl
8 Şubat 2021, Almanya ⋅ ☁️ -2 °C
Der Säulenbrunnen in Niehl
Heute habe ich mal wieder einen Brunnen, oder, ich sollte besser sagen, einen Ex-Brunnen für euch. In Betrieb ist er leider nicht mehr, und sehr auffällig ist er auch nicht. Aber trotzdem stelle ich ihn der Vollständigkeit halber vor, denn vielleicht gibt es ja doch den einen oder anderen, der hier vorbeiläuft und sich fragt, was das für ein “Teil“ ist.
Mir ging es jedenfalls so, zumal ich in direkter Nähe dazu wohne.
Er steht an der Friedrich-Karl-Str. in Niehl, unmittelbar neben einem griechischen Restaurant. Dort ist ein kleines Beet angelegt, und mittendrin steht der Brunnen.
Wir sehen eine alte, etwas verwitterte Stele inmitten von Pflastersteinen. Dies war früher ein Brunnen, das Wasser rieselte hier an der Säule herunter und am Fuß der Steine sprudelte es sanft aus einer Quelle.
Die vulkanische Basaltsäule soll einige Philodendronblätter zeigen, die organisch mit dem fünfeckigen Basaltblock eins geworden sind.
Aufgestellt wurde er 1985 von Stefan Laskowski. Es war eine Stiftung des Gerling-Konzerns. Sicherlich kein herausragender Hingucker. Aber ihr kennt mich mittlerweile, wenn ich so etwas sehe, ist meine Neugierde geweckt. Auch für diese kleinen vergessenen Dinge steht Kölschgänger.
Euer RonaldOkumaya devam et
Rund um die Porzer Treppe
7 Şubat 2021, Almanya ⋅ 🌧 1 °C
Man nennt sie auch die Rathaustreppe, die mittlerweile... endlich...renovierte Treppe. Gelegen am Friedrich-Ebert-Ufer, hinter dem historischen Porzer Rathaus, welches ebenfalls ein echter Hingucker ist. Errichtet wurde es 1910. Die Treppe kam etwas später in den 30er Jahren. So zählt die Porzer Treppe mit seinem Kriegerdenkmal und dem Pavillon zu den Schmuckstücken des Ortes.
Südlich sieht man den Kirchturm von Zündorf, wenn man am Porzer Rheinboulevard die Treppe nutzt.
In der Nähe befindet sich auch das Schöffenkreuz von 1667(Foto).
Geht man die Treppe abwärts zum Rhein herunter, sieht man eine liegende Löwenskulptur (Foto) die ebenfalls aufwendig gesäubert und restauriert wurde. Sie wacht sozusagen über die Gedenktafel für die Porzer Gefallenen des 1. Weltkriegs. Die Inschrift klingt für die heutige
Zeit etwas "fern".
Es spricht der Stein - es hört der Rhein.
Von unseren Helden Allen.
Ein Deutscher Kern ist Heimatfern.
Für uns im Krieg gefallen.
Die dankbare Gemeinde Porz
Der Pavillon und die Porzer Treppe bilden praktisch ein einheitliches Ensemble und sorgen für ein gewisses Flair in Porz am Rhein. Eigentlich sind es sogar 2 Treppen, die rechts und links zur Skulptur herabführen. Danach geht es mit einer Treppe weiter Richtung Rhein.
Schaut doch mal vorbei, in Porz am Rhein.
Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.Okumaya devam et
Agrippa und Augustus
3 Şubat 2021, Almanya ⋅ 🌧 7 °C
CCAA – Colonia Claudia Ara Agrippinensium. Ich bin kein Lateiner, aber es heißt ja übersetzt in etwa „Claudische Kolonie und Opferstätte der Agrippinenser“. Wartet ab, wie das auf Kölsch aussieht. Mir graut jetzt schon.
„Claudisch“ bezieht sich ja auf Kaiser Claudius, der unsere Ubiersiedlung auf Drängen von Agrippina der Jüngeren in den Status der Kolonie erhob. Das hat zur Folge, dass wir Agrippina immer als Mutter von Köln feiern.
Dabei haben eher - hier im Bild - Winnetou und Old Shatterhand dafür gesorgt, dass hier etwas geht. Jetzt werde ich zu salopp? Mag sein. Manchmal muss ich mir den Vorwurf gefallen lassen. Aber die Geschichte von Augustus und Agrippa, Agrippinas Großvater, ist die Geschichte von Freundschaft, gemeinsamen Kampf und am Ende Blutsbrüderschaft:
Die Iden des Märzen im Jahr 44 vor Christus (v. Chr.). Wir wissen passiert. Gaius Julius Caesar wird während einer Senatssitzung von einer Gruppe Senatoren, die sich um Gaius Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus gebildet hat, mit 23 Messerstichen ermordet. Ein Komplott!
Erbsohn des Caesar ist Gaius Octavius, der 63 v. Chr. geboren ist. Dieser hat einen richtig guten Schulfreund, den einen Jahr jüngeren Marcus Vipsanius Agrippa. Beide gerade noch Halbstarke, befinden sich an diesem Tag zusammen an der Adriaküste, als Gaius Octavius versteht, dass er eingreifen muss, wenn er seinen Machtanspruch durchsetzen möchte. Eingreifen in einen brutalen Machtkampf, zwischen mächtigen Caesar-Anhänger und dessen Mördern. Ernst genommen und überhaupt wahrgenommen wird er am Anfang von keinem. Aber er setzt sich im Jahr 42 v. Chr. durch, gewinnt durch geschickte Politik und gut geführte Schlachten an Macht und wird im Jahr 27 v. Chr. zum „Augustus“ erhoben, Alleinherrscher.
Stets an seiner ist Agrippa. Er ist ein sehr geschickter Feldherr und gebildeter Verwaltungsspezialist ist. Ihm gelingt es, sich vom einfachen Ritterstand seines Vaters zu lösen und in einem Römischen Reich, in dem die Blutlinie meist mehr zählt als die Fähigkeiten, der zweitmächtigste Mann hinter Augustus zu werden. An seiner treuen Ergebenheit ändert dies nie etwas. Im Gegenteil, Agrippa trennt sich sogar von seiner Frau Octavia, um Julia, die Tochter des Ausgustus zu heiraten. Was ist da schon ein Ritz mit dem Messer und das Aufeinanderpressen der Unterarme?
Ausgelastet hat ihn das wohl nicht. Kurz nach der Machtergreifung des Augustus, ist Agrippa vermutlich in den Jahren 38/39 v. Chr. hier bei uns Niedergermanien. Er erkundet das Land mit dem Ziel, das römische Reich hier zu festigen. Die römische Macht hier war alles andere als gesichert. Gerade erst im Jahr 55 v. Chr. überqueren sie das erste Mal den Rhein.
Sein Schachzug ist bekannt. Er findet hier diese erhöhte Stelle am Rhein, die strategisch günstig gelegen ist. Hier, wo wir 2060 Jahre später gemütlich sitzen und auf unsere Computer eintippen und uns vor merkwürdig abstrakten Gefahren fürchten, ist die Sicherung der Kolonie ein konkretes Problem.
Glücklich ist da, dass die Ubier, den germanischen Stämmen zu römerfreundlich ist. Diese greifen ihn ständig an, so dass die Ubier immer mehr unter Druck geraten. Im Jahr 18 / 19 v. Chr. nutzt Agrippa diese Lage und zwingt sie in ein Bündnis mit Rom – oder gewährt ihnen Schutz. Wie auch immer, ohne diese beiden Blutsbrüder wäre hier… …nicht Köln.
Das ist doch spannender als „Winnetou und Old Shatterhand“! Was wäre das ein Kassenschlager.
Michael
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CCAA – Colonia Claudia Ara Agrippinensium. Ich kann jo kei Lating, ävver üvversetz heiß dat wall „De Kolonie vum Claudius un Offerstell vun de Agrippinenser“.
„Vum Claudius“ steiht do wäge dem Kaiser Claudius, dä uns Ubierdörp dä Status „Kolonie“ gov, weil im dat Agrippina luuter esu op de Nöss gegange es, dat et dat esu han mööch. Und deswäge es et för uns dee Mutter vun Kölle.
Dobei han jo ihter – hee em Beld – der Winnetou un der Old Shatterand doför gesorg, dat hee jet loss es. Jetz weede ich zo läppsch? Mag sin. Manchmol muss ich mir dä Vörwurf gefalle looße. Ävver dat Kreppche vum Augustus un vum Agrippa, dem Großvatter vum Agrippina, es e dramatisch Verzällche vun Fründschaff, vum Kamf, Sigg an Sigg un am Engk vun Blodsbröderschaff.
De Iden vum Määz em Jahr 44 vür Chresstus (v. Chr.). Mer wesse wat passeet. Der Gaius Julius Caesar weed bei ener Sitzung vum Senat vun ener Grupp Senatore, die sich öm der Gaius Julius Brutus un der Gaius Cassius Longinus gebildt hät, met 23 Messersteche avgemurks. E Komplott!
Der Ervsonn vum Caesar es der Gaius Octavius, dä 63 v. Chr. gebore es. Dä hät ene richtig gode Schullfründ, der Marcus Vipsanius Agrippa, dä ei Johr jünger es. Beids sin grad noch Lällbäcke, han bestemmp vill Dress em Kopp un sin an däm Dag an der Adriaküss, wie der Gaius Octavius kapeet, dat hä engriefe muss, wann hä singe Maachaansproch durchsetze mööch. Engriefe en ene brutale Maachkamf zwesche mächtige Caesar-Aanhänger un de Mörder vum Caesar. Ääns genomme un üvverhaup wohrgenomme weed hä zoeesch vun keinem. Ävver hä setz sich em Johr 42 v. Chr. durch, gewennt durch gewetzte Politik un Schlaachte, die god gefoht sin, an Maach un weed em Johr 27 v. Chr. zum „Augustus“ erhovve, Alleinherrscher.
Luuter an singer Sigg es der Agrippa. Hä hät e Hängche för et Kreegshandwerk un es ene gebeldte Spezialiss för de Verwaltung. Im flupp et och, dat hä mih weed wie nor Ritter, wie singe Papp eine es. Hä weed, en enem Ömfeld, wo de Herkunf mih zällt wie et Künne, dä Kääl, dä die zweitmieste Maach hingerm Augustus hät. Hä bliev im ävver trotzdäm ene treue Fründ un noch mih! Hä trennt sich vun singer Frau, dem Octavia, öm et Julia, de Doochter vum Augustus zo hierode. Wat es do ald ene Retz mem Metz un et Openanderdröcke vun Ungerärm?
Domet hät hä ävver och noch nit genog ze dun gehat. Koot nohdäm der Augustus et Regalt hät, es der Agrippa vermodlich en de Johre 38/39 v. Chr. hee bei uns en Niedergermanie. Hä erkundt et Land un hät em Senn, et römische Rich hee ze festige. De römische Maach hee wor nit grad gewess. Eets em Johr 55. v. Chr. kome der Römer et eetse Mol üvver der Rhing.
Si Schachzog es bekannt. Hä fingk die jet hühere Stell am Rhing, die strategisch god litt. Hee, wo mer 2060 Johre späder gemödlich setze un op uns Computere entippe un uns Sorge öm avstrakte Gefahr maache, hät Rom met der Secherung vun der Kolonie konkreete Brasel.
Glöcklich es do, dat die Ubier, de andere germanische Stämme zo römerfründlich es. Die griefe de Ubier am laufende Meter aan, esu dat de Ubier luuter mih unger Drock kumme. Em Johr 18/19 v. Chr. nötz der Agrippa die Lag un zwingk se en e Pak met Rom – ov deit inne Schotz gewähre. Wie och immer. Wann et die Blodsbröder nit gegovve hätt, wär hee… …nit Kölle.
Dat es doch spannender wie „Winnetou un Old Shatterhand“! Wat wör dat ene Stroßefäger.
MechelOkumaya devam et
Entgen Lenarts - Das Hexenkind von Köln
31 Ocak 2021, Almanya ⋅ ⛅ 0 °C
Entgen Lenarts - Das Hexenkind von Köln
Ihr ahnt es vielleicht schon...es zieht uns heute in eine düstere Zeit. Köln gehörte neben anderen Städten zu jenen Orten, an denen die Hexenverfolgung besonders schlimm war. Zu jener Zeit, um die es jetzt geht, war die schlimmste Phase dieses aus heutiger Sicht gesehenen Wahnsinns bereits vorbei, jedoch kam es immer wieder noch vor, dass Menschen verbrannt wurden. Auch Kinder...
Ihr fragt euch jetzt, Kinder? Wirklich? Ja, die Grausamkeit kannte wohl damals keine Grenzen. Selbst vor einem 10jährigen Mädchen machte sie nicht Halt. Der Name des Mädchens war Entgen Lenarts und ich erzähle euch ihre Geschichte...
"Entgen"
Wir befinden uns im Köln des Jahres 1653...ein kleines Mädchen, 10 Jahre alt, lebt mit ihren beiden kleinen Geschwistern in den Straßen Kölns. Leben müssen sie von Erbetteltem. Kein Zuhause, keine Eltern. Der Vater vor Jahren von einem Rittmeister erschossen, die Mutter weggezogen zu einem anderen Mann, der die Kinder aber nicht haben wollte. Ist sowas vorstellbar? Für mich nicht, was haben diese Kinder erlitten...meine Geschichte heute dreht sich um die älteste der drei Kinder, die nun für ihre Geschwister mit sorgen musste und für sie verantwortlich war, um oben genannte Entgen.
Sich in diesem zarten Alter um jüngere Geschwister zu kümmern, nein, kümmern zu müssen, ist eine Bürde, die das Mädchen kaum tragen kann. So flüchtet sie sich in Tagträume, in Fantasien, in denen ihre Mutter noch bei ihr ist. Nichts Böses ahnend, erzählt sie anderen Kindern davon. Neugierig, wie das gehen soll, schildert Entgen "ihre Wahrheit". Die Mutter besucht sie in Form einer Katze, denn sie ist eine große Hexe. Weiterhin erzählt sie, dass ihre Mutter ihr auch die Kunst der Magie beigebracht hätte.
"Hexenfantasien"
Wie verhängnisvoll dieses Äußerungen sind, muss Entgen bald erfahren, denn diese sprechen sich herum. Wie gesagt, wir befinden uns mitten im 17. Jahrhundert, heute würden die Erwachsenen wohlwollend lächeln und das Kind in seinem Glauben lassen, es als Spiel abtun. Nicht so damals...es dauert nicht lange und Entgen wird verhaftet und vernommen. Was sie nun tut, ist ihr Todesurteil. Denn anstatt nun zu sagen, dass sie sich das nur ausgedacht hat, um sich ihrer Mutter näher zu fühlen, was dem Spuk vermutlich ein Ende bereitet hätte, baut sie dieses Gespinst immer weiter aus. Sie erzählt, dass sie mit ihrer Mutter oft beim Hexentanz gewesen wäre, wo sie - natürlich - hingeflogen sind.
Des Weiteren erzählt sie, dass ihr bei einer ihr vom Teufel persönlich aufgetragenen Arbeit ein Missgeschick widerfahren sei und er sie daraufhin verprügelt hat. Das schlimmste aber, was sie nun sagt und was vermutlich letztendlich den Ausschlag gegeben hat, war die Aussage, sie hätte mit ihrem Blut einen Vertrag unterschrieben, in welchem sie ihre Seele verkauft und Gott abschwört, ebenso den Heiligen und wie sie einen Zauber an ihrem Bruder angewendet hat. Sie erzählt immer weiter, verstrickt sich immer tiefer...
"Die Verurteilung"
Den Beamten ist "die Teufelsgespielin" unheimlich und sie glauben fest, dass Entgen eine Gefahr für die Allgemeinheit ist. Die Empfehlung, sie zum Tode zu verurteilen, kommt vom Erzbischof Maximilien von Bayern, der das Urteil am liebsten sofort vollstreckt sehen würde. Dennoch dauert es zwei Jahre, in denen das Mädchen im Kerker sitzt. Denn die Schöffen sind sich uneinig. Was tun? Das Recht verbietet es, Kinder hinzurichten und der Gedanke widerstrebt ihnen trotz allem, was sie gehört haben. Der Erzbischof jedoch bleibt dabei.
Entgens Prozess unterliegt nun nicht dem üblichen Recht, sondern es findet ein Hexenprozess statt und nach dessen Recht dürfen auch Kinder "Opfer" einer Verurteilung zum Tode werden. So geschieht es...am 18. Februar 1655 findet Entgen Lenarts Leben auf Melaten ein Ende. Bevor ihre Leiche auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird, wird sie enthauptet...
Entgens Hinrichtung war die letzte Vollstreckung eines zum Tode verurteilten Menschen in einem Hexenprozess in Köln. Verurteilungen gab es demnach noch aber diese Menschen endeten nicht mehr auf dem Scheiterhaufen.
Die "Seuchen" der damaligen Zeit, die Hexenverfolgung, Foltereien und brutalste Hinrichtungsarten waren grausam und ich möchte in dieser Zeit nicht gelebt haben. Wer weiß, bei jenem Angstglauben damals hätte es jeden treffen können, auch mich. Ob ich allerdings in der heutigen Zeit gut aufgehoben bin, da bin ich mir auch nicht wirklich sicher.
Passt auf euch auf und bleibt gesund, eure RamonaOkumaya devam et
Die Panzerwaschanlage
31 Ocak 2021, Almanya ⋅ ⛅ 1 °C
Die Panzerwaschanlage
Mitten im Naturschutzgebiet der Wahner Heide, welche an dieser Stelle der Ortschaft Altenrath (Troisdorf) im Rhein-Sieg Kreis zuzuordnen ist, findet man ein "komisches Gebilde". Bis zur "Grenze" zu Wahn ist es nicht weit. Man kann von dort den Kölner Dom sehen und die Troisdorfer und Wahner Heide fließen ineinander.
Zur Zeit sind nur wenige Meter von der Panzerwaschanlage viele Flugzeuge abgestellt, die wegen der Pandemie nicht fliegen.
Doch zurück zum "Gebilde". Was zunächst aussieht wie eine Art sehr fremdartiger Schienen, stellt sich dann als Rüttelspur der ehemaligen Panzerwaschanlage des Camps Major Legrand, Altenrath heraus.
Eingebunden in die Natur der Heide, haben auch schon allerlei Tierarten sich dort niedergelassen.
Als die Belgier ihre militärischen Übungen auf der Heide absolvierten, fuhren die Panzer nach dem Manöver auf diese Spur und wurden dort gesäubert, bevor sie auf die angrenzende Kölner Straße durften.
Diese Fahr- bzw. Rüttelspur wurde aus Betonblöcken mit Stahlbeschlag gefertigt. Daneben hat sich ein Biotop gebildet, wo es allerlei Amphibien zu beobachten gibt. Wenn man genug Zeit dort verbringt, kommt auch schon mal eine Ringelnatter daher. Es ist dort also aus mehreren Gründen spannend und lehrreich zugleich. Auch eine fleischfressende Pflanze hat sich im Wasser angesiedelt.
Überhaupt lohnt sich ein Besuch der Wahner Heide, auch für Planespotter, denn die Flugzeuge sind meist direkt über einem.
Ich habe an einem Sonntagvormittag einmal ganze Horden von Rotwild und Kröten, Salamander und Libellen dort gesehen. Natur pur! Dies ist auch der Grund, warum die Panzerwaschanlage erhalten blieb, denn dort wurde der seltene Kammmolch heimisch. Die Rückbauten des Camps wurden deshalb hier nicht ausgeführt.
Wie wunderbar! Denn so blieb uns ein Relikt erhalten, welches nun Menschen und Tiere interessiert.
Übrigens liebe Wanderer/Besucher, das Fehlen von Mülleimern ist dort Absicht. Denn... nehmt den Müll bitte wieder mit zu euch nach Hause. Dort würden nur Tiere darin wühlen und einige dieser oft seltenen Spezies würde der Müll krank machen.
Einen schönen Sonntag wünscht euch, ElisabethOkumaya devam et
Die Holzfahrt des Marsilius
30 Ocak 2021, Almanya ⋅ 🌧 2 °C
Vierkaiserjahr in Köln
Es begab sich im Jahre 69 nach Christus, dass ein Jahr nach Kaiser Neros Tod sich mehrere Rivalen um den Thron im römischen Imperium zankten. Wobei zanken etwas untertrieben klingt. Die römischen Heerführer fochten blutige Bürgerkriege untereinander aus. Auch der römische Statthalter in Köln mit Namen Vitellius sah seine Chance gekommen. So ließ er sich in Köln von den dort stationierten Legionen am Rhein zum Kaiser ausrufen. Aber wieso meuterten die Legionen am Rhein?
Ein Grund war, dass der neue Kaiser Galba bei seinem Amtsantritt den Legionen am Rhein nicht den Geldbonus zahlte, den andere Legionen erhalten hatten. Galba hatte die Truppen am Rhein schlichtweg nicht bedacht.
Nach einem Jahrhundert, in dem Kaiser kamen und gingen, wurde von jedem Legionär erwartet, eine saftige Bonuszahlung zu bekommen, wenn ein neuer Kaiser sein Amt antrat. Das Leben in der Legion war eh kein Zuckerschlecken.
Und jetzt auch noch das!
Wenn der neue Kaiser im fernen Rom ihnen nicht den Respekt entgegenbrachte, den sie verdienten, suchten sie sich einen anderen, der dies tat. Vitellius spürte diese Stimmung und nutzte sie erfolgreich aus. Mit einer Parade durch die Stadt proklamierten sie ihn als neuen Kaiser. Glückselig führte ihn die Parade wohl auch über die antike Hohe Straße. Dabei soll er aus dem örtlichen Tempel des Mars gar das Schwert des inzwischen vergöttlichten Cäsars erhalten haben.
Für Köln bedeuteten die folgenden Wochen, dass in der jungen Stadt reger Betrieb herrschte. Truppen aus der ganzen Region waren in und um Köln versammelt. Man wollte ja in den Krieg ziehen nach Italien. Die Aussicht auf Gold und andere Reichtümer ließ auch die Legionen aus Britannien, Gallien und Spanien zu Vitellius stoßen.
Marsilius
Bis hierhin ist nahezu alles bisher geschriebene historische Wirklichkeit. Aber was wäre die Geschichte unserer Stadt ohne eine Sage? Hier kommen wir zum tapferen Kölner Bürger Marsilius.
Marsilius war ein ehemaliger römischer Hauptmann und nun pensionierter Veteran, der sich nach seinen aktiven Jahren im Militär in der römischen Kolonie Köln niedergelassen hatte. Wie viele seiner Kameraden waren sie mit Mitte 40 in den Ruhestand getreten und hatten sich in der neuen, jungen Stadt am Rhein niedergelassen. Für ihre treuen Dienste hatten sie entweder Geld oder Land in der Region erhalten. Auf dieser Grundlage würden sie den Rest ihres Lebens als Kaufleute oder Bauern leben und vielleicht sogar nebenbei eine Familie gründen.
Was ist für junge Eltern am wichtigsten? Natürlich ein gutes und gesundes Umfeld zu haben, um die Kinder aufzuziehen.
Einen Usurpator (jemand, der widerrechtlich etwas in Besitz nimmt, bzw. die Macht an sich reißt) in offener Revolte gegen das damals mächtigste Reich der bekannten Welt in der eigenen Stadt zu haben, ist jedoch nicht das, was man sich als fürsorgliche Eltern wünscht.
Marsilius wollte, dass Vitellius und seine Legionen aus Köln verschwinden. Bald hatte er viele Menschen in Köln von seinem Anliegen überzeugt. Mit deren Unterstützung heckte Marsilius einen Plan aus:
Die Holzfahrt
Alle Legionen von Vitellius waren in schnell errichteten Lagern außerhalb von Köln stationiert. Vitellius verließ oft im Morgengrauen die Stadt, um seine Truppen zu inspizieren.
Also ließen die Kölnerinnen und Kölner an einem Morgen, nachdem Vitellius aufgebrochen war, die Stadttore verriegeln. Nun konnte Vitellius die Stadt nicht mehr betreten. Eben jene Stadt, die er als Hauptquartier nutzte. Nicht mal ins Prätorium, seinem Statthalterpalast, konnte er hinein. Wie sollte Vitellius die Macht im römischen Reich erobern, wenn er nicht einmal in seiner eigenen Stadt herrschen konnte? Es war eine Blamage!
Erzürnt über diesen in seinen Augen deutlichen Verrat befahl Vitellius, die Stadt zu belagern. Marsilius und seine Mitbürgerinnen und Mitbürger hatten sich jedoch auf diese Reaktion vorbereitet. Sie hatten im Vorfeld heimlich Lebensmittel, Wasser und andere Vorräte eingelagert. Aber ausgerechnet ausreichend Brennholz hatte man vergessen. Zuerst bediente man sich mit Fensterläden, Türen, und Möbeln. Aber auch dieser Vorrat ging schnell zur Neige.
Jede andere Stadt hätte bei dem Mangel an einem so wichtigen Rohstoff bald kapituliert. Aber Marsilius war schlau. Er befahl allen Kölnerinnen, sich als Soldaten zu verkleiden. Sie sollten so tun, als würden sie eine Abordnung von Holzfällern bewachen. Geplant war, aus einem Stadttor auszufallen und vorzugeben, zu einem nahen gelegenen Walde zu marschieren. Dabei benutzten sie Karren, die ganze Bäume hinter sich herzogen. Dies sollte so viel Staub aufwirbeln, um bei den Römern den Eindruck zu erwecken, die gesamte bewaffnete Kölner Bürgerschaft würde zum Holzschlagen losziehen.
Als Vitellius und seine Legionäre diese Abordnung aus der Stadt traten sahen, jubelten sie. Endlich eine Chance, der rebellischen Stadt und ihrer Bürgerschaft eins auszuwischen. Vitellius und seine Truppen stürmten sofort auf den Wald zu. Genauso wie es Marsilius geplant hatte. Die Römer bemerkten in ihrer Raserei nicht, dass sich auf der anderen Seite der Stadt Marsilius und der Großteil der verbliebenen Männer für einen Überraschungsangriff versammelt hatten. Unter ihnen waren zahlreiche Veteranen, wie es auch der Bürger Marsilius war.
In einer Zangenbewegung kesselten jeweils Marsilius und seine Männer auf der einen Seite und die Frauen auf der anderen Seite Vitellius und seine Leibgarde ein. Es stellte sich schnell heraus, dass die Frauen Kölns genauso tapfere Krieger wie ihre Männer waren. Völlig überrumpelt brach unter den Truppen des Vitellius das Chaos aus. Die Kölner Bürgerschaft fackelte nicht lange und nutzte die erste Chance, die sich ihnen bot, um Vitellius gefangen zu nehmen. Denn eine längere Schlacht hätten selbst die tapfersten unter ihnen wohl nicht überlebt.
Als die übrigen Truppen von Vitellius sahen, dass ihr proklamierter Kaiser und Heerführer gefangen genommen war, stellten sie umgehend den Kampf ein. Denn ein gefangener Kaiser kann ihnen ebenfalls kein Geld mehr zahlen. Für so jemanden ist es nicht wert, zu kämpfen oder zu sterben.
Vitellius wurde umgehend auf das Forum in Köln geschleppt. Der Henker war schon bereit, Vitellius den Kopf abzuschlagen, als Marsilius eingriff. Wenn sie Vitellius jetzt auf der Stelle töteten, wären seine Truppen ohne Führung und immer noch ohne Sold. Sie würden dann wahrscheinlich wieder zu den Waffen greifen, um die Stadt nach Reichtümern zu plündern. Fraglich, ob Köln beim nächsten Mal wieder so glimpflich davon käme.
Also schlossen sie einen Deal mit Vitellius, der, immer noch in Erwartung seines eigenen Todes, ein Häuflein Elend war. Der Usurpator gab der Stadt Privilegien und eine Wiedergutmachung. Vor allem musste er aber das Versprechen geben, mit seinem Heer umgehend abzumarschieren, was Vitellius auch tat.
Aber das ist die Sage des tapferen Kölner Bürgers Marsilius. Laut der Sage lebte er weiterhin in Köln und war zu seiner Lebzeit der meist geachtete Bürger. Angeblich war sein Grab nahe St. Aposteln, sein angebliches Grabmal, der Marsiliusstein, entpuppte sich in der jüngeren Forschung als Überbleibsel der Eifelwasserleitung. Die Überreste des Aquäduktes wurden bereits im 18. Jahrhundert bei Bauarbeiten abgerissen.
Aus meiner Sicht ist es daher schon etwas traurig, dass die Geschichte des Marsilius völlig frei erfunden und in keiner Weise wahr ist. Und was ist mit seinem Widersacher geschehen? Der historisch belegte Vitellius wurde noch im gleichen Jahr in Rom ermordet. Auf absolut unwürdige Weise. Als die Häscher seines Rivalen Vespasian ihn im Kaiserpalast suchten, fanden sie ihn kauernd in einer Hundehütte. Das Schwert des Cäsars hatte ihm wohl kein Glück gebracht.
Bis heute gibt es eine Steinfigur des Marsilius über einer Tür an der Ostfassade am Gürzenich, gleich neben einer anderen Statue des großen Marcus Agrippa. Beide haben glücklicherweise die Bomben des Zweiten Weltkriegs überlebt. Die Steinfigur misst um die 1,50 Meter und stammt aus dem 15. Jahrhundert. So verwundert es auch nicht, dass der römische Hauptmann in einer zeitgenössischen Rüstung des Spätmittelalters dargestellt ist. Längst verwittert ist ein dazugehöriger Schriftzug unter der Steinfigur. Dort soll einst gestanden haben:
„Marsilius Heyden ind der sere stoultze behielde Coelne ind sy voiren tzo houltze.“ Aus dem Westmitteldeutschen übersetzt heißt das ungefähr: „Der Heide und stolze Marsilius hielt Köln (Anm.: gegen äußere Feinde) und sie fuhren zum Holze.“ In christlicher Zeit feierte man in Köln eine Zeit lang jeden Donnerstag nach Pfingsten den Sieg des Marsilius mit einem Fest.
Und ich glaube, ein Glasfenster im Kölner Dom zeigt den Marsilius auch. Ich muss das Fenster bei meinem nächsten Besuch im Dom unbedingt finden. Es soll sich im nördlichen Seitenschiff bei den Fenstern aus dem 16. Jahrhundert befinden.
Euer WillemOkumaya devam et
St. Pantaleon
24 Ocak 2021, Almanya ⋅ ❄️ 1 °C
St. Pantaleon - jede Kirche hat ihre Geschichte
Heute nehme ich euch mit zu einer der wenigen großen romanischen Kirchen, über die ich noch nicht geschrieben habe. Mich persönlich faszinieren besonders die sehr alten, aus dem Mittelalter stammenden oder noch älteren. Wobei die mittelalterlichen Kirchen sehr oft auf noch bestehenden Fundamenten ihrer Vorgängerkirchen gebaut wurden. Vielen von ihnen wurden im Lauf der Jahrhunderte mehrfach umgebaut und bekamen ihre Größe, so wie wir sie heute kennen, erst dadurch. Was aber alle diese Bauwerke gemeinsam haben, ist eine eigene Geschichte. So auch hier...
"Am Anfang"
Bei dieser Kirche verbinden sich meine beiden "Leidenschaften", die Römerzeit Kölns und das Mittelalter. Denn hier an diesem Ort, wo diese Kirche steht, befand sich einst ein römischer Gutshof, der zu jener Zeit natürlich noch außerhalb Kölns lag. Man vermutet, dass dieser von den Franken im 4. Jahrhundert zerstört wurde, während der Eroberung Kölns. Etwa 500 Jahre später erst taucht hier in den Erzählungen ein weiterer Bauernhof auf, dem auch schon eine Kirche angeschlossen war, die dem heiligen Pantaleon geweiht war. Dieser Hof gehörte dem Kölner Dom an und war für die Kerzenbeleuchtung in diesem zuständig. Wenn man nun Kölner Dom liest, hat man automatisch die Bilder unserer heutigen Kathedrale vor Augen und ich versuche mir gerade vorzustellen, wie es im damaligen alten Kölner Dom wohl aussah...
"Zehntes Jahrhundert"
Dieses Jahrhundert war nun für unsere Geschichte heute das bedeutendste. Im Jahre 957 entstand hier unter Erzbischof Bruno ein Benediktinerkloster. Bruno war der Bruder Kaisers Ottos I., dessen Familie im weiteren Verlauf noch eine Rolle in der Geschichte dieser Kirche spielen wird. In seinem Testament stellte er den Großteil seines Geldes dafür zur Verfügung, dass diese Kirche neu gebaut werden konnte. Bruno starb 965 und erlebte die Fertigstellung und Weihe der Saalkirche, die St. Pantaleon einst war, im Jahre 980, nicht mehr mit. Er wurde aber hier bestattet und seine Grabstätte findet sich in der Krypta der Kirche. Kurz am Rande: diese Saalkirche befindet sich an der Stelle des heutigen Mittelschiffes.
"Veränderungen"
Jetzt kommen wir zu den bereits angesprochenen Umbauten. St. Pantaleon bestand ursprünglich nur als Saalkirche, also nur aus dem Mittelschiff. Das Westwerk der Kirche wurde in den Jahren 984 bis 1002 errichtet. Auf dessen Emporen nahmen seinerzeit die Reichen Platz, hin und wieder auch der Kaiser mit seiner Begleitung. Die Seitenschiffe entstanden dann im 12. Jahrhundert.
Ein besonders faszinierendes Werk ist der gotische Lettner, der den dem Westwerk gegenüberliegenden Chor vom Mittelschiff trennt. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde dieses Kunstwerk, anders möchte ich dieses hier nicht nennen, vom Abt Johannes Lüninck in Auftrag gegeben. Da sich sein Wappen in der Mitte findet, geht man davon aus, dass er auch für die Kosten aufgekommen war.
Leider kam auch diese Kirche im zweiten Weltkrieg nicht ohne Blessuren davon. Das wunderschöne Netzgewölbe, dass es hier einst gab, wurde zerstört und aus Kostengründen auch nicht wieder aufgebaut. Architekt dessen war Christoph Wamser. In St. Mariä Himmelfahrt, die ebenfalls vom selben Architekten erbaut wurde, findet sich übrigens ein ähnliches Netzgewölbe. Als Ersatz entschied man sich damals für eine Flachdecke.
"Kaiser Otto"
Derer gab es drei. Der erste, eben erwähnte, war der Bruder des Erzbischofs Bruno. Otto der II. war mit Theophanu verheiratet, einer Prinzessin byzantinischen Ursprungs. Leider währte diese Ehe nicht all zu lange, denn Kaiser Otto II. starb bereits 983, nur 11 Jahre später. Der Sohn der beiden war noch zu jung, um zu regieren und so übernahm Theophanu die Amtsgeschäfte für Otto III., ihren Sohn für die nächsten 10 Jahre. Die Kirche St. Pantaleon lag ihr besonders am Herzen. Erzbischof Bruno, der Onkel ihres Mannes, hatte ja, wie weiter oben bereits beschrieben, seinerzeit großen Anteil am Neubau der Kirche gehabt. So war es ihr Wunsch, nach ihrem Tod in dieser Kirche bestattet zu werden, was auch 991 so geschah. Allerdings wurden ihre Gebeine mehrfach umgebettet und ihre wirklich letzte Ruhe fand sie im Jahre 1965 in einem Sarkophag aus weißem Marmor, an dem von ihr bestimmten Platz in dieser außergewöhnlichen Kirche.
Besucht sie doch einmal, in einer wieder besseren Zeit. Den Erzbischof und die Kaiserin. Ich wünsche euch schon heute einen schönen Besuch in St. Pantaleon.
Bis bald, eure RamonaOkumaya devam et
Heiligenhäuschen in Elsdorf
24 Ocak 2021, Almanya ⋅ 🌧 1 °C
Heiligenhäuschen in Elsdorf
Elsdorf, ein kleiner Weiler in Köln-Porz besitzt eines der schönsten Heiligenhäuschen oder auch Wegekapellen in Köln. Zumindest ist dies mein Eindruck, als ich davor stehe. Es ist recht klein und hat doch soviel zu bieten. Ich habe euch einige Fotos dieses Kleinodes mitgebracht, damit ihr euch ein Bild machen könnt.
Gelegen ist die kleine Kapelle im Feld, nahe des Bergerhofes, der ebenfalls zu den Sehenswürdigkeiten des Ortes zählt und aus dem 18. Jahrhundert stammt.
So, wie der Besucher sie heute sieht, ist sie im Jahre 1925 verändert worden. Wahrscheinlich entstand sie bereits 200 Jahre vorher dort.
Besonders schön anzusehen ist die aus dem 19. Jahrhundert stammende Pieta, die im Inneren der Wegekapelle zu sehen ist. Draußen vor der Tür werden Kerzen aufgestellt, manchmal auch Blumen. Wahrscheinlich nicht nur für die Gefallenen, deren Namen auf Tafeln unter der Pieta zu finden sind. Vielleicht bedankt sich der eine oder andere Elsdorfer auch für eine gute Ernte, denn ringsum ist Feld. Die Elsdorfer waren seit Jahrhunderten in der Landwirtschaft tätig. Einige Höfe sind mittlerweile verschwunden, aus einem der kleinsten Kölner Stadtteile. Umso wichtiger ist der Erhalt der Kapelle der Elsdorfer Ortsgemeinschaft, die sogar zwei Bänke dort aufgestellt hat.
Ein Blick auf den Papierkorb sagt mir, sie werden rege genutzt.
Wenn ihr also einmal nach Köln-Porz-Elsdorf fahrt, besucht dieses Heiligenhäuschen auf jeden Fall.
Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.Okumaya devam et
Nikolaus von Verdun
23 Ocak 2021, Almanya ⋅ ☁️ 5 °C
„Niemals geht man so ganz, ein kleines Stück von dir bleibt hier.“ Dieses Lied, 1987 von Trude Herr gesungen und nach ihrem Tod noch öfter in Gedenken an sie gesungen, geht mir ab und an durch den Kopf.
Selbstverständlich meint sie es nicht materiell. Trotzdem kam mir dieses Gefühl, als ich in jungen Jahren Aushilfsjobs angenommen habe. Eine Schreinerei war damals dabei. Zusammenbauen, aufhängen, reparieren, Messebau, Ausstellungen vorbereiten, Dachböden isolieren, all das waren die Aufgaben. Überall in Köln blickte ich auf Spuren meiner Arbeit. – Keine Angst, der Geselle hat gut auf mich aufgepasst. Auf ein Werk zurück zu blicken hat doch etwas Erfüllendes, oder? Man hinterlässt ein wenig von sich.
Sicher wissen mehr Leute auf dieser Welt, wer ich bin, als wissen, was ich alles geschaffen habe. Total klar. Aber manchmal ist es anders. Das weiß man genau, wer etwas gemacht hat, aber nicht wer er war. Zum Beispiel der Dreikönigen Schrein. Viele wissen, Nicolaus von Verdun war es. Und was wissen wir von ihm? Logisch, ein Goldschmied war er. Und jetzt findet mal bitte jemanden, der mehr weiß.
Nicht einmal sein Geburtsjahr ist klar. Zwischen 1130 und 1140 muss es gewesen sein. Eine Zeitspanne von zehn Jahren! Es ist auch gar nicht sicher, dass er „von Verdun“ ist. Er hat eben den Namen und das lässt eben auf die Stadt in Lothringen schließen. Sicher ist das nicht.
Einen Namen hat er sich mit seinen feinen Goldschmiedearbeiten an der Kanzelbrüstung der Stiftkirche von Klosterneuburg an der Donau gemacht. Vollendete Kunst. Auf Wunsch des Erzbischofs Philipp von Heinsberg ging er daraufhin vermutlich ab dem Jahr 1181 die Arbeit am Dreikönigen Schrein an. Und zumindest die vierzehn Propheten, Priester und Könige an den Längsseiten des Schreins sieht man als seine eigene an, höchstpersönliche Arbeit an. Der Rest des Schreins wurde in seiner Werkstatt vermutlich von seinen Angestellten gefertigt.
Die letzten Arbeiten am Schrein fanden um das Jahr 1230 statt. Nicolaus von Verdun war zu diesem Zeitpunkt längst tot. Er selbst muss nach 1191 nach Tournai gegangen sein und den dortigen Marienschrein um 1205 fertiggestellt haben. Auch diese Arbeit ist nachweislich von ihm. Dann verliert sich seine Spur. Sein Todestag wird mit „nach 1205“ beziffert.
Versteht ihr? Der Mensch kommt aus dem Dunkel des Nichts, erschafft ein Werk mit dem er sich auf eine Stufe mit Donatello, Michelangelo und Rodin stellt und verschwindet wieder – im Nichts. Jeder kennt seinen Namen, sein Werk. Er hinterlässt ein Stück Weltkultur, dass mehreren Millionen Menschen wohlbekannt ist und wahrscheinlich bleiben wird, aber keiner weiß etwas mehr über diese Person?
War er sich eigentlich bewusst, was er da geleistet hat? Wie hat er auf sein Werk zurückgeblickt? Hat er zurückgeblickt? Oder hat er nur nach vorn gesehen, um das nächste Werk anzugehen?
Unsterblich, ohne dass jemand weiß, wer du bist? Ein bisschen Gänsehaut macht mir das schon.
Michael
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„Niemols geiht mer su ganz, e klein Stöck vun dir bliev hee.“ Dat Leed, 1987 vum Trude Herr gesunge un noh singem Dud noch öfter en Gedenke an et gesunge, geiht mer av un an durch der Kopp.
Selvsverständlich meint et et nit materiell. Trotzdäm kom mer dat Geföhl, wie ich en jung Johre Ushilfsjobs aangenomme han. En Schreinerei wor domols dobei. Zesammebaue, ophänge, repareere, Messebau, Usstellunge vürbereide, Daachböddem isoleere, all dat wore de Aufgabe. Üvverall en Kölle dät ich op Spore vun minger Arbeid luure. – Kein Angs, der Gesell hät god op mich opgepass. Op e Werk zoröck ze blecke hät doch jet Godes, oder? Mer hingerlööt e bessche vun sich.
Secher wesse mih Lück op der Welt, wä ich ben, wie wesse, wat ich all gedon han. Ganz klor. Ävver mänchmol es et anders. Do weiß mer genau, wä jet gemaht hät, ävver nit wä hä wor. För e Beispill der Dreikünnige Schring. Vill wesse, der Nikelaus vun Verdun wor et. Un wat wesse mer vun im? Logisch ene Goldschmidd wor hä. Un jetz fing ens bedde einer, dä mih weiß.
Nit ens si Gebootsjohr es klor. Zwesche 1130 un 1140 muss et gewäs sin. En Ziggspann vun zehn Johre! Et es och gar nit secher, dat he „vun Verdun“ es. Hä hät no ens dä Name un dat lööt evvens op die Stadt en Lothringe schleeße. Secher es dat nit.
Ene Name hät he sich met singe fing Goldschmiddearbeide ab der Kanzelbröstung vun der Stefsskirch en Klusterneuburg an der Donau gemaht. Echte Kuns. Op Wunsch vum Ääzbischoff Philipp vun Heinsberg ging he drop wall av dem Johr 1181 die Arbeid am Dreikünnige Schring aan. Un zomindes die veezehn Prophete, Paafe un Künnige an die Längsigge vum Schring süht mer als sing eige, hüchspersönliche Arbeid aan. Dä Ress vum Schring woodt wahrscheinlich en singer Werkstatt vun singe Arbeidslück gemaht.
De letzte Arbeide am Schring funge öm et Johr 1230 statt. Der Nikelaus vun Verdun wor zo dä Zigg ald dud. He selvs muss noh 1191 noh Tournai gegange sin un der Marieschring do öm 1205 fäädiggestallt han. Och die Arbeid es nohweislich vun im. Dann verliert sich sing Spor. Singe Dudesdag weed met „noh 1205“ beziffert.
Verstoht ehr? Dä Minsch kütt usem düstere Nix, schaff e Werk, met däm hä sich op ein Stuf mem Donatello, mem Michelangelo un mem Rodin stellt un mäht sich widder durch de Kood – en et Nix. Jeder kennt singe Name, si Werk. Hä hingerlööt e Stöck Weltkultur, dat e paar Millione Minsche god bekannt es un wall blieve weed, ävver keiner weiß jet mih üvver die Person?
Wor hä sich eigentlich bewoss, wat hä do geleis hät? Wie hät hä op si Werk zoröckgebleck? Hät hä zoröckgebleck? Ov hät hä nor noh vürre geluurt, för et nächste Werk aanzegonn?
Unsterblich, ohne dat einer weiß, wä do bes? En bessche Gänsehugg krige ich do schon.
MechelOkumaya devam et
Barbarabrunnen in Ehrenfeld
21 Ocak 2021, Almanya ⋅ ⛅ 8 °C
Barbarabrunnen in Ehrenfeld
Heute stelle ich mal wieder einen Brunnen vor, und das im Januar. Nun, beim Barbarabrunnen ist es kein Problem, da es sich hier nicht um einen „wild“ sprudelnden Brunnen handelt. Es geht eher ums Aussehen und die Geschichte dahinter.
„Entstanden vor fast 100 Jahren“
Dieser Brunnen entstand in den Jahren 1927/30, was man ihm auch ansieht. Aber damit meine ich nicht den Zustand, der ist sehr gut für das Alter. Es ist die Art der Figuren. Sie sind sehr naturgetreu gehalten und das finde ich sehr schön. Signiert ist er mit H. Geier. Dieser war in Klettenberg ansässig und arbeitete als Maler, Werkkünstler und Bildhauer.
„Der Brunnen optisch gesehen“
Der Brunnen hat eine Höhe von 1,60 Meter und wurde aus Muschelkalk gefertigt. Ihr findet ihn in der Ennenstraße.
Aber schauen wir uns das Objekt einmal genauer an. Auf einem Sockel sehen wir die Heilige Barbara vor dem schlafenden Kind stehen, sie hält einen Schuh des Kindes in der Hand.
Hier kommt der alte Brauch ins Spiel, der Knabe ist beim Schuheputzen eingeschlafen, ihm werden Nüsse und Äpfel gebracht. Sehr hübsch sind die Details, die Gesichter sind toll herausgearbeitet, die Schuhbürste in der Hand des Kindes, sowie der Schuh, den Barbara hält, erzählen eine kleine Geschichte.
„Die heilige Barbara“
Sie soll sehr hübsch gewesen sein, stammte aus einem heidnischen Haus und soll viele Verehrer gehabt haben, die sie aber alle abwies. Stattdessen traf sie sich immer wieder mit einer kleinen Gruppe Christen, die damals noch im Verborgenen ihrem Glauben nachgingen. Dort bekehrte sie sich dann zum Christentum und ließ sich taufen, was ihr Vater aber nicht wusste.
Zuvor, nur der Ahnung über das Taufvorhaben seiner Tochter vertrauend, versuchte er mit aller Macht, dies zu verhindern. So ließ er an seinem Haus einen Turm errichten und sperrte sie dort ein.
Beim Bau des Turmes überredete sie die Bauarbeiter, drei, statt zwei Fenster einzubauen, als Symbol für die göttliche Dreifaltigkeit. Irgendwann gelang es ihr, auf einen großen Felsen zu fliehen, dieser öffnete sich und bot ihr Schutz. (Deshalb ist sie auch die Schutzpatronin des Bergbaus).
Leider wurde sie später von einem Hirten verraten, kam in den Kerker und wurde an den Stadthalter übergeben. Dieser verfolgte die Christen, wo er nur konnte und ließ Barbara geißeln. Nachts jedoch erschien ihr Christus und heilte ihre Wunden.
Als der Stadthalter dies bemerkte, ließ er sie verstümmeln und entstellen. So wollte er sie durch die Stadt treiben, um dem Volk eine Warnung zukommen zu lassen. Nun erschien ein Engel und hüllte den blutenden, entstellten Körper in ein weißes Gewand.
Daraufhin gab der Stadthalter den Befehl, sie mit dem Schwert zu töten. Dies geschah durch die Hand ihres Vaters. Dieser wurde unmittelbar nach der Tat von einem Blitz erschlagen.
Dies ist eine von vielen Legenden, die sich um die heilige Barbara ranken. So wurde der 4.12. ihr Gedenktag und es entstand ein besonderes Brauchtum. Besonders verbreitet ist die Sitte, einen Zweig eines Obstbaumes in die Wohnung zu stellen.
Heute noch lebt diese Tradition unter den Bergleuten und kommt der Zweig gerade am Weihnachtsfest zum Blühen, so wird das als gutes Zeichen für die Zukunft gewertet. Ebenso wie eben Nüsse und Äpfel in die Schuhe der Kinder gesteckt werden.
„Ein Brunnen, der etwas zu erzählen hat“
Deshalb kann ich euch diesen herrlichen Brunnen auch im Winter vorstellen, denn hier steht die Legende im Vordergrund, lebendig erzählt von diesem Brunnen, den ihr euch unbedingt anschauen solltet.
Euer RonaldOkumaya devam et
Kölner Brückengrün
19 Ocak 2021, Almanya ⋅ 🌧 5 °C
Ihr Lieben,
gerne präsentieren wir euch heute wieder einen Gastbeitrag von Dorothee, wir wünschen euch viel Freude beim Lesen 🙂
Kölner Brückengrün
Grün, grün, grün sind alle meine Kleider....
so wird es in einem Volkslied gesungen, auf Köln umgemünzt könnte man singen grün, grün, grün sind (fast) alle meine Brücken.
Das Brückengrün unterscheidet sich farblich schon sehr von den grünen Kleidern des Jägers aus dem Volkslied.
Im Volksmund wird dieses Brückengrün auch Adenauergrün genannt, da Konrad Adenauer sich zur Einweihung der Mülheimer Brücke 1929 ein Patinagrün wünschte. Wer nicht weiß, was Patinagrün ist, weiß es jetzt, die Farbe der Kölner Brücken.
Die Farbe wurde von einem Chemiegiganten im benachbarten Leverkusen speziell hergestellt, Nachmischungen werden heute im Krefelder Werk hergestellt.
Das Chromoxidgrün gilt als besonders wetterfest und lichtfest und muss deshalb nicht ständig nachgestrichen werden, was bei einer Brücke ja schwierig wäre.
Die Zoobrücke, 1966 eingeweiht, sollte ursprünglich in blauem oder, andere Quellen sagen, in rotem Glanz erscheinen, aber bei einer Abstimmung im Stadtrat setzte sich die "grüne" Fraktion gegen die "blau/rote" Fraktion durch.
So erscheinen die Mülheimer Brücke, Zoobrücke, Deutzer Brücke, Severinsbrücke und die Rodenkirchener Brücke in grünem Glanz.
Die Rodenkirchener Brücke als Autobahnbrücke fällt nicht unter Kölner Verantwortung, sondern gehört dem Landesbetrieb Straßenbau NRW, aber damit das einheitliche Bild der Kölner Brücken gewahrt bleibt, ist auch diese in Adenauergrün gestrichen.
Die Eisenbahnbrücken in Köln, Hohenzollern- und Südbrücke, sind in Besitz der Deutschen Bahn und haben eine eigene Farbgebung.
Wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann auch
mal eine andersfarbige Brücke über die half Kölle jöck oder man bleibt beim traditionellen Adenauergrün.
Lieben Gruß, DorotheeOkumaya devam et
Jüdischer Friedhof Zündorf
17 Ocak 2021, Almanya ⋅ 🌧 0 °C
Es war einmal.....
.... und ist auch noch, denn anders als bei vielen anderen Friedhöfen, bleibt im Judentum die Totenruhe auf Ewigkeit bestehen.
Angelegt wurde er 1923, aufgegeben gewissermaßen 1942, denn damals erfolgte die letzte Beerdigung auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof Zündorf-Porz-Wahn. Seit 1944 war er Eigentum der Gemeinde Porz und wurde somit später in Köln eingemeindet. Heute ist er ein Teil des Kölner Kulturpfades. Pfad stimmt in diesem Fall tatsächlich, denn dieser führt dorthin. Doch zunächst muss man ihn einmal finden, soll er doch zwischen Hasenkaul und Gartenweg in Zündorf liegen.
Parken kann man im Gartenweg. Von dort geht es zu Fuß weiter. Man durchquert die Poller, läuft dann noch ungefähr 500 Meter weiter, wo links ein Schild des Kulturpfades auf die geschichtlichen Hintergründe verweist. Wer genau hinschaut, sieht die Bodendecker und wagt sich hinein, in das kleine Wäldchen.
Da ist er also, der einstige Judenfriedhof Zündorf, auf dem es noch wenige erhaltene Grabstellen gibt. Zwei davon gehören zur Familie Tobias und auch erkennbar ist noch eine Grabstelle der Salomons.
Wir haben ihn extra für euch besucht, an diesem grauen Januarsonntag, während ihr auf Kölschgänger vielleicht gerade den Artikel von der Liebfrauenkirche Mülheim gelesen habt, recherchierten wir bereits für den nächsten Bericht.
Ein Hinweisstein der Stadt Porz steht dort (Foto). Basaltsteine säumen das Areal.
Hinter dem "ehemaligen Friedhof" rumpelt die Bahn der Linie 7.
Gepflegt wird er nicht, jedoch bezeugen zumindest 2 der Grabsteine mit ihren Davidssternen eindeutig, welcher Glaubensrichtung der Friedhof angehört.
Sogar kundigen Besuch bekommt zumindest die besterhaltendste Grabstelle noch. Woran ich das erkenne? Finden sich doch weder Blumen noch anderer Schmuck auf den Gräbern. Ganz einfach, es wurden kleine graue Steinchen dort abgelegt. Dies entspricht einer jüdischen Tradition.
Auch findet der, der sich für die Geschichte interessiert, an der Zündorfer Hauptstraße ein Wohnhaus, welches einst die Synagoge der jüdischen Gemeinde war.
In der Denkmalliste der Stadt Köln findet man den Friedhof als Baudenkmal 5576. Der Eintrag erfolgte im Jahre 1990.
Vielleicht spaziert ihr ja eines Tages den Kulturpfad entlang und macht auch einen Abstecher in dieses kleine Wäldchen.
Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.Okumaya devam et
Bischöfe an der Spitze Kölns
16 Ocak 2021, Almanya ⋅ ☁️ 0 °C
Bischöff an der Spetz
Woröm han em Meddelalder de Bischöff et Regalt?
Ich kann jo hee bei Kölschgänger jo nit bes op et i-Pünkelche widdergevve, wat ich su all finge, wann ich en de Böcher luure. Do weed jo söns der Kaffee beim Lese kald. Trotzdäm han ich wochelang üvver de Overstolze jet hee eren gesatz. Die han jo ävver och luuter esu vergnöglich gäge de Ääzbischöff gekämf! Dobei kom mer genau die Frog en der Senn, wieso hee em Meddelalder de Ääzbischöff et Regalt hatte.
Et soch jo nit god för Chreste us
Et es lange Zigg nit leich, ene Bischoff vun Kölle zo sin. De Römer verfolge jo zonöchs Chreste, su och en Kölle. Wie de Chreste sich dann grad met de Römer arrangeere, kumme die durch de Franke unger Drock. Dies Heide do nemme sich Kölle em Johr 355, wie de Römer gezwunge sin, Zaldate usem Militärstötzpunk Kölle noh Rom ze holle. Die sollte beim Ööschel. Dä et do gov, helfe. Als Chress kütt mer zo dä Zigg irgendwie durch, hät ävver nix ze sage.
Besser weed dat eesch, wie der Künning Chlodwig I. sich selvs däufe lööt. Der Künning Chlodwig I. es ene Franke-Künning vum Merowinger-Geschlääch. Die Dauf muss em letzte Johrzehnt vum 5. Johrhundert ov em eeschte vum 6. Johrhundert gewäse sin. Och domet hatte ävver de Bischöff en Kölle nor jet för de Chreste ze sage. An Politik es nit zo denke.
En Käälsfründschaff
Jetz kenne mer jo all der Karl der Große. Dat es dä Franke-Künning, dä die Wend brängk, die för die Maach vun de Ääzbishöff sorg. Ich han ald vür langer Zigg die Sag opgeschrevve, die öm et Krieler Dömche eröm spillt un verzällt, wie et zo dä Fründschaff zwesche dem Karl dem Große un dem Pastur Hildebold kütt, su dat der Hildebold dat „Pössche Ääzbischoff“ kritt. En ech wor dat secher nit esu schön wie en dä Sag:
Wie dat luuter su es, weiß mer och bei bekannte Minsche off nit, wann se gebore sin. Su es dat och beim Bischoff Hildebold. Ävver em Johr 787 weed der Hildebold op Wunsch vum Karl Bischoff vun Kölle. Der Hildebold es jo no och mih wie ene „Fründ“. Hä es der Ääzkaplon vum Karl, op dä hä hürt. Mer kann sage, hä es der Baas vun de fränkische Chreste. Der eeschte Chress em Land.
Zo dä Zigge gitt mer su verdeente Lück Land för se zo entluhne. Der Hildebold soll sing Enkumme us Kölle un däm Land, dat drömeröm litt, trecke. Ävver der Karl der Große deit noch mih. Hä kritt et hin, dat der Paps Kölle zom Ääzbistum mäht. Dat heiß, dat Kölle noch vür de andere Bistümer steiht un der Hildebold vum Rang zwesche dem Paps un de andere Bischöff. För e Beispill darf der Hildebold och selvs Bischöff ernenne. – No jo, es klor, dat et do mih wie eine Aansich gitt, ov dat esu rääch es.
Woröm kritt Kölle dann dat Pössche üvverhaup?
Woröm der Karl Kölle begünstig un nit Ooche, wo hä jo gekrünt woodt, es nit ganz klor. Et heiß, dat hä gesaht han soll, dat Kölle de schönste un florierendste Stadt en singem Rich es. De Fachlück meine, et litt dodran, dat Kölle en römische Colonia wor un domet, wie die Ääzbistümer Trier un Mainz, einfach en ener große Tradition stundt. Am Engk geiht et jo nit öm de Regierung vum Frankerich sondern öm de Römisch-Katholische Kirch.
Un dat brängk Maach?
Zo dä Zigg es en Kölle nit klor, wä kölsche Interesse noh usse hin god vertredde kann. De römische Herrschaff, die klor organiseet wor, es ald lang fott un de Franke wore ihter e Buurevolk wie Stadtlück, die op Handel us sin. Do deit su ene mächtige Kääl, dä et met Kölle god meint, die Stadt fördere un beschötze deit, och ech ens god. Klor, denke de Ääzbischöff och an de eige Nüsele. Denn nor wo Geld verdeent weed, kritt mer als Baas ene gode Verdeens. - Wann do en Koh melke wells, muss do se och op de Weid föhre.
Mer muss doch sage, dat dat dem Hildebold un och singe Nohfolger esu god gelunge es, dat Kölle unger däm Schotz esu rich gewoode es, dat Kölle su üvverhaup eesch erwahße weede un eige Entscheidunge enfordere kunnt. Un deswäge, wann mer üvver uns Ääzbischöff schänge, müsse dat och luuter em Kopp behalde.
Mechel
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Bischöfe an der Spitze
Warum haben im Mittelalter die Erzbischöfe das Sagen?
Ich kann hier bei Kölschgänger nicht alles so ganz exakt wiedergeben, was ich so alles finde, wenn ich in die Bücher gucke. Da wird ja sonst der Kaffee beim Lesen kalt. Trotzdem habe ich wochenlang über die Overstolzen etwas hier eingestellt. Da haben aber auch immer so unterhaltsam gegen die Erzbischöfe gekämpft! Dabei kam mit aber genau die Frage in den Sinn, wieso hier im Mittelalter die Erzbischöfe das Sagen hatten.
Es sah ja nicht gut für Christen aus
Es ist lange Zeit nicht leicht, ein Bischof von Köln zu sein. Die Römer verfolgen ja zunächst Christen, so auch in Köln. Als die Christen sich gerade mit den Römer arrangieren, kommen diese durch die Franken unter Druck. Die Heiden nehmen sich Köln im Jahr 355, als die Römer gezwungen sind, Soldaten aus dem Militärstützpunkt Köln nach Rom zu holen. Sie sollten bei dem Ärger, den es dort gab, helfen. Als Christ kommt man zu dieser Zeit durch, hat aber nichts zu sagen.
Besser wird dies erst, als König Chlodwig I. sich selbst taufen lässt. König Chlodwig I. ist eine Franken-König vom Geschlecht der Merowinger. Die Taufe muss im letzten Jahrzehnt des 5. Jahrhunderts oder im ersten Jahrzehnt des 6. Jahrhunderts vollzogen worden sein. Auch damit hatten aber die Bischöfe nur etwas für die Christen zu sagen. An Politik ist nicht zu denken.
Eine Männerfreundschaft
Jetzt kennen wir ja alle Karl den Großen. Das ist der Franken-König, der die Wende bringt, die für die Macht der Erzbischöfe sorgt. Ich habe schon vor langer Zeit die Sage aufgeschrieben, die um das Krieler Dömchen herum spielt und erzählt, wie es zu der Freundschaft zwischen Karl dem Großem und dem Pfarrer Hildebold kommt, so dass Hildebold das „Pöstchen Erzbischof“ bekommt. Im richtigen Leben war das sicher nicht so romantisch wie in der Sage:
Wie das immer so ist, weiß man selbst bei berühmten Menschen oft nicht, wann sie geboren sind. So ist dies auch bei Bischof Hildebold. Aber im Jahr 787 wird Hildebold auf Wunsch Karls Bischof von Köln. Hildebold ist ja nun auch mehr als ein „Freund“. Er ist der Erzkaplan Karls, auf den er hört. Man kann sagen, er ist der Chef der fränkischen Christen. – Der erste Christ im Land.
Zu diesen Zeiten gibt man so verdienten Gefolgsleuten Land, um sie zu entlohnen. Hildebold soll sein Einkommen aus Köln und dem Land, das drumherum liegt, ziehen. Aber Karl der Große veranlasst noch mehr. Er bekommt es hin, dass der Papst Köln zum Erzbistum erhebt. Dat heißt, dass Köln noch vor den anderen Bistümern steht und Hildebold vom Rang zwischen Papst und den anderen Bischöfen. Zum Beispiel darf Hildebold auch selbst Bischöfe ernennen. – Na ja, ist klar, dass es mehr als eine Ansicht gibt, ob das so richtig ist.
Warum bekommt Köln denn diesen Rang überhaupt?
Warum Karl Köln begünstigt und nicht Aachen, wo er ja gekrönt wurde, ist nicht ganz klar. Es heißt, dass er gesagt haben soll, dass Köln die schönste und aufstrebendste Stadt in seinem Reich ist. Die Fachleute meinen, es liegt daran, dass Köln eine römische Colonia war und damit, wie die Erzbistümer Trier und Mainz, einfach in einer großen Tradition stand. Am Ende geht es ja nicht um die Regierung des Frankenreiches, sondern um die Römisch-Katholische Kirche.
Und dies bringt Macht?
Zu dieser Zeit ist nicht ganz klar, wer kölsche Interessen nach außen hin gut vertreten kann. Die römische Regierung, die gut organisiert war, ist schon lange fort und die Franken sind eher ein Bauernvolk als Stadtmenschen, die auf Handel aus sind. Da tut so ein mächtiger Mann, der es mit Köln gut meint, die Stadt fördert und beschützt, auch mal gut. Klar, denken die Erzbischöfe auch ans eigene Geld. Denn nur wo Geld verdient wird, hat man auch als Oberhaupt ein gutes Einkommen. – Wenn du eine Kuh melken möchtest, musst du sie auch zu Weide führen.
Man muss sagen, dass dies Hildebold und seinen Nachfolgern so gut gelungen ist, dass Köln so überhaupt erst erwachsen werden und seine eigenen Entscheidungen einfordern konnte. Und deswegen, wenn wir über unsere Erzbischöfe schimpfen, müssen wie dies immer im Hinterkopf behalten.
MichaelOkumaya devam et
Wilhelm Schneider-Clauß
14 Ocak 2021, Almanya ⋅ ☁️ 1 °C
Wilhelm Schneider-Clauß – Ein wunderbarer Mundartdichter.
An diesem Beitrag hatte ich so dermaßen viel Freude, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Es ist mir eine große Ehre, den (heimatlichen) Bogen zwischen einem ganz wunderbaren Mundartdichter wie Wilhelm Schneider-Clauß es war und einem der ganz großen kölschen Sänger und Erzähler unserer Zeit zu spannen. Die Rede ist natürlich von Gerd Köster. Bei dieser Zusammenstellung wird das Schreiben zum Genuss und ich zum Fan. Also lasst uns loslegen.
Seine Vita
Wilhelm Schneider-Clauß wurde am 29.01.1862 in Köln geboren. Sein Abitur machte er am Kölner Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, danach studierte er Medizin an der Universität in Heidelberg. Es folgte der Wehrdienst und ein Studium der Philologie an der Universität in Straßburg. Alles inklusive Staatsexamen und Doktorarbeit. Kluger Junge also. Wobei ich zum Namen noch etwas zufügen muss. Eigentlich heißt er ja schlicht Schneider. Als Schriftsteller fungierte er anfangs als Dr. Wilhelm Clauß. Als dies entlarvt wurde, nannte er sich fortan Wilhelm Schneider-Clauß. Dies sogar mit amtlicher Genehmigung.
(Philolog*innen befassen sich mit klassischen (Griechisch, Latein) und modernen Sprachen unter literatur- und sprachwissenschaftlichen Aspekten und betreiben vergleichende Literaturwissenschaft. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist die Wissensvermittlung durch Lehre, Unterricht oder durch publizistische Tätigkeiten.)
1888 absolvierte er sein Probejahr am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in Köln, danach zog es ihn nach Kerpen und Eupen. 1913 ging es zurück an den Rhein. Clauß lehrte bis 1927 als Studienrat am Lindenthaler Realgymnasium.
Seine „wahre“ Berufung
Neben seiner Lehrtätigkeit widmete er sich bereits seit den 1890er Jahren der Kunst des Schreibens. Zahlreiche mundartliche Theaterstücke schrieb er bereits in dieser Zeit. So konnte er den Kölner Johannes-Fastenrath-Preis gleich viermal gewinnen.
1919 gründete er die Schneider-Clauß-Bühne. Hier spielten dann Laien seine Stücke, anstatt Berufsschauspieler. Auch im Karneval war er mit Leib und Seele dabei, so leitete er als Präsident in den Jahren 1923/24 und von 1930-1933 die Kölsche Funke rut-wieß vun 1823.
In Nippes, Junkersdorf und Hürth-Hermülheim sind Straßen nach ihm benannt. 1909 wurde er Ehrenmitglied im Heimatverein Alt-Köln.
Seine „Werke“
Die Liste seiner Werke ist seeehr lang, hier nur einige Auszüge:
Us unse Lotterbovejohre und Husmannskoß. Lück un Levve us dem ale Kölle sind zwei wunderbare Erzählungen. Dazu kann ich euch den Roman Alaaf Kölle ans Herz legen.
• Theaterstücke: Heimgefunge
• De Eierkönegin
• Unger der Krützblom (1913)
• D’r wirkliche Geheime… (1914)
• Et große Loß (1916)
• D’r Schudderhot (1919)
• Aachunveezig (1920)
Hier darf ich das Stück „heimgefunge“ herausheben. Es war zweiffellos sein erfolgreichstes Theaterstück.
Dazu schrieb er zwei herrliche Stücke für das Hänneschen Theater, diese waren: „D’r Düxer Bock“und „Wann ahl Schöre brenne“.
• Auch sehr schöne Gedichte schrieb er. Adam un Eva
• Ald widder op eneuts
• Der Ritter
• Do ha’mer der Rähn
• Et ale Kölle geiht zom Troor?
• Fastelovends-Leedche
• Jan un Griet
• November
• Ostereier
• Vill Glöcks!
• Wehr dich!
• Weiß de noch?
• Wo de Nut am grötsts…
• Der klögste Mann
Auch heute noch könnt ihr einige Bücher in gebrauchtem Zustand von ihm finden, nur die Augen aufhalten. Es sind Schätzchen, und wer solche Texte liebt, sollte zugreifen, wenn sich die Gelegenheit ergibt.
Zurück in die Gegenwart
Und nun spanne ich den Bogen in die Gegenwart, hin zum von mir mehr als geschätzten Gerd Köster. Er gehört für mich zu den kölschen Künstlern, die es immer noch verstehen, das Gefühl unserer Sprache herauszukitzeln. Diesen herrlichen Singsang in der Stimme, kölsch durch und durch, nicht nur hier und da mal ein Wort, wie bei vielen Möchtegern-Kölsch-Bands.
Umso mehr freue ich mich natürlich über ein kleines Video von Gerd Köster auf Youtube. Ein absoluter Haupttreffer, denn Gerd Köster liest „De Koppelation“ von Wilhelm Schneider-Clauß. Ein Genuß. Übrigens herrscht hier Suchtgefahr. Wenn ihr einmal anfangt, seinen Geschichten, Erzählungen und Gedichten zu lauschen, könnt ihr nicht mehr aufhören. Wollte es nur erwähnt haben. Nicht, das ich dann schuld bin…
All das natürlich in hervorragendem Kölsch, mit unendlich viel Herzblut, ganz alte Schule.
„He well ich levven un sterve,
Alt-Kölle,- wat beß du so schön,
Ov goldig de Sonn dich deit färve,
Ov selverich Mondsching und Stän:
Am Wall han gespillt meer als Junge,
Am Wall steiht mien elderich Hus,
Un eß dann et Leedche gesunge, –
Zor Hahnepooz faht mich erus!“
Der Heimatdichter starb am 07.11.1949 in Junkersdorf. Dort wurde er auch beerdigt. Im Zugang des Junkersdorfer Friedhofs erinnert am Parkplatz ein Gedenkstein an Professor Dr. Wilhelm Schneider-Clauß.
Und damit endet meine kleine Erinnerung für heute. Aber der Vorhang schließt sich natürlich nicht ohne eine kleine Zugabe von Wilhelm Schneider-Clauß. Gelesen von Gerd Köster.
Euer Ronald
https://www.youtube.com/watch?v=2B7YjKXty1U&…Okumaya devam et
Gräber im Kölner Dom
12 Ocak 2021, Almanya ⋅ 🌧 6 °C
Gräber im Kölner Dom
Unser Kölner Dom. Ein Ort der Begegnung, der inneren Einkehr, Heimat zahlreicher Reliquien...und Friedhof...
Der Domherrenfriedhof draußen vor dem östlichen Domchor gelegen, von dem ich euch bereits vor längerem erzählt hatte, ist nicht der einzige Ort, an welchem hochrangige Menschen beigesetzt wurden. Seit ca. in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit den Ausgrabungen im bzw. unter dem Kölner Dom begonnen wurde, wurden unzählige Gräber entdeckt. Die Gebeine der Menschen, welche nicht identifiziert werden konnten, kamen in eines der drei Massengräber, die sich unter dem Dom befinden sollen, eines davon zum Beispiel bei der Christophorus-Figur, welche sich am Übergang vom südlichen Querhaus in den Chorumgang an einer Säule befindet. Mystische Bilder aus alten Zeiten schleichen sich in meine Fantasie. Unser Dom ist voller Geheimnisse. Werden sie je alle entdeckt und entschlüsselt sein? Wer weiß...
„In der Johanneskapelle“
Weiter zu den offensichtlichen Gräbern. Machen wir einen kleinen Rundgang. Bereits 1261 fand in der Achskapelle die erste Beisetzung in einem sogenannten Hochgrab statt. Von niemand geringerem als DEM Mann, der 1248 den Grundstein für unseren "Himmelsstürmer" legte. Erzbischof Konrad von Hochstaden. Allerdings musste der Erzbischof noch einmal umziehen, als 1322 der Dreikönigenschrein seinen Platz einnahm, nämlich in die benachbarte Johanneskapelle. Jene Kapelle, in der sich heute auch der Originalplan, der sogenannte Riss F, der Grundriss der Westfassade, geschützt vor Licht, hinter einem grünen Vorhang verbirgt.
Hier laufen also die Anfänge zusammen...zumindest ein Teil derer. Ich fühle mich gerade wieder sehr demütig angesichts dessen. Nebenbei gesagt handelt es sich bei der Liegefigur um das bedeutendste Bronzewerk Deutschlands des 13. Jahrhundert.
„Noch ein Erzbischof“
Auch die Gebeine Rainald von Dassels, welcher die Überreste der Heiligen Drei Könige 1164 von Mailand nach Köln brachte, bekam seinen Platz hier im Dom in der Marienkapelle. Die mittelalterliche Liegefigur aus Bronze gefertigt, auf der verzierten aus Sandstein bestehenden Tumba (anderes Wort für Hochgrab; bezeichnet ein freistehendes Grabmal in Form eines Sarkophags), wurde Ende des 18. Jahrhunderts durch französische Truppen zerstört und vom Kölner Bildhauer Alexander Iven Anfang des 20. Jahrhunderts aus Kalkstein neu geschaffen.
„Dank und Treue“
Jetzt kommen wir zu etwas Kuriosem: Vielleicht ist jemandem von euch schon mal aufgefallen, dass immer, im September eines jeden Jahres, ein Kranz an einem Steingrab, welches sich ebenfalls in der Marienkapelle befindet, niedergelegt wird? Seit 600! Jahren findet dieses Ritual bereits statt. Zu Ehren des Grafen Gottfried von Arnsberg. Als Dank und aus Treue. Denn der Graf verlieh der Gemeinde Neheim, welche heute zu Arnsberg gehört, im Jahre 1358 die Stadtrechte und schenkte ihr ein großes Waldgebiet. Es wurde von ihm aber auch in einer Stiftsurkunde festgelegt, wie die Stadt die Jahrestage dessen zu begehen hat, unter anderem eben die Huldigung am Grab. Und zwar bis in alle Ewigkeit. Und wie gesagt: Seit 600 Jahren wird sich daran gehalten. Dass er hier begraben wurde, liegt daran, dass der kinderlose Graf seine Güter im Jahre 1368 dem Domstift vermachte. Das Arnsberger Land kam so gegen eine hohe Zahlung unter die Herrschaft des Kölner Erzbischofs.
Des Weiteren finden sich die Gebeine des Erzbischofs Engelbert I., welcher am 7. November 1225 von der eigenen Familie kaltblütig ermordet wurde, in einem Schrein in der Schatzkammer des Domes.
„Geschichte zum Atmen“
Es ist schier unermesslich, wie viel Geschichte hier in der Luft liegt. Auch Frauen wurden hier beigesetzt. Königin Richeza von Polen, um nur eine zu nennen. Ursprünglich, bis zum Abbruch 1816 im Stift Sankt Maria ad Gradus (Maria zu den Stufen) beerdigt, steht ihr Sarkophag bis heute in der Johanneskapelle des Kölner Domes. Ich könnte immer weiter aufzählen. Und dabei existieren längst nicht mehr so viele Gräber, wie einst, denn viele von ihnen wurden während der französischen Revolution Opfer von Plünderungen.
„Letzte Ruhestätte Kölner Dom“
Heute werden im Kölner Dom "nur" noch Erzbischöfe beigesetzt. Ihre Särge werden in der Krypta, welche nicht öffentlich zugänglich ist, in Wandnischen eingemauert. So ruhen hier unter anderem Kardinal Frings und Kardinal Meisner. Wenn diese schlimme Zeit irgendwann ein Ende hat und man unseren Dom und auch die Krypta wieder besuchen kann, stattet ihnen doch mal einen Besuch ab.
Mit dem Sterben ist nicht alles zu Ende...hier haben Menschen ihre letzte Ruhestätte bekommen und wir werden sie so nie vergessen.
Spürt ihr das auch gerade? Diese Verbindung zu unserer wunderschönen Kathedrale? Sie wird niemals aufhören, denjenigen ihre Geschichte zu erzählen, die offenen Herzens durch ihre Hallen schreiten...
Eure RamonaOkumaya devam et
Frau mit dem toten Kind
11 Ocak 2021, Almanya ⋅ ☁️ 1 °C
Frau mit dem toten Kind
Schon die Überschrift lässt mich frösteln, und mit ihr ist die Grundstimmung bereits vorgegeben. Und trotzdem schreibe ich heute diesen Beitrag, denn es handelt sich um ein wichtiges Kunstwerk/Mahnmal. Es gibt nun mal in dieser Stadt mehr als nur Tünnes und Schäl.
Vor der Stadtmauer
Die Adresse lautet Hansaplatz 2b, aber als leichtere Orientierung kann ich wohl das Stück Stadtmauer am Hansaring benennen. Dort, auf diesem kleinen Wiesenstück steht es.
Mari Andriessen
Der Niederländische Künstler Mari Andriessen hat in seiner „Laufbahn“ eine ganze Reihe Preise eingeheimst, ihr wichtigster war wohl die Auszeichnung der „Stiftung Künstler-Widerstand 1940-45“. Diese Auszeichnung bekam er 1956.
Sein Kunstwerk/Mahnmal entstand in den Jahren 1948/49, der „Kölner Guß“ entstand 1958.
Das Kunstwerk/Mahnmal
Die 1,85 Meter hohe Skulptur, ein Bronzeguß, zeigt folgendes. Auf einem eher unscheinbaren Sockel steht eine Frau, aufrecht, mit leerem Blick. Im Arm hält sie ein totes Kind, der Kopf des Kindes ist ganz leicht nach hinten weggeknickt, eigentlich eine Nuance, aber extrem wirkungsvoll. Jedenfalls ging es mir so. Neben der Skulptur liegt eine Gedenktafel mit der Aufschrift:
„Dieses Mal erinnere an Deutschlands schandvollste Zeit 1933-1945“
Leider ist die Schrift nur sehr schlecht zu erkennen.
Eigentlich eine Figurengruppe
Diese Skulptur gehört eigentlich zu einer Figurengruppe und steht in Enschede. Dort ist es das Befreiungsdenkmal der Stadt. Andriessen schuf die Gruppe in der Zeit von 1946-53, sie besteht aus sechs Figurengruppen . Diese stehen dort im Park verstreut, sind aber durch Steinfliesen miteinander verbunden.
1958 erwarb die Stadt Köln diese Skulptur und stellte sie am 22.5.59 hier am Hansaring auf.
Dieses Mahnmal soll an die Opfer in der NS-Zeit erinnern und auch die Erinnerung an die sieben namenlosen Ermordeten vom Klingelpütz unweit dieses Platzes wachhalten. Diese Personen wurden dort ausgegraben und hier beigesetzt.
Ein sehr gelungenes Mahnmal wie ich finde, wenn man das Wort „gelungen“ in diesem Zusammenhang überhaupt gebrauchen darf. Ich denke, ihr wisst was ich ausdrücken möchte.
Hier ist der Schmerz und das Leid spürbar, welches vielen Menschen überall auf der Welt widerfahren ist, und vielleicht sollte sich der eine oder andere Vollpfosten, der immer noch Parolen schreiend durchs Land läuft, ruhig hier mal hinstellen und sein Resthirn anstrengen, auf das er begreift.
Euer RonaldOkumaya devam et
Liebfrauenkirche Mülheim
10 Ocak 2021, Almanya ⋅ ⛅ 1 °C
Liebfrauenkirche Mülheim
Diese katholische Kirche steht im rechtsrheinischen Köln Mülheim. Nicht sonderlich weit von der Mülheimer Herz-Jesu Kirche entfernt, die ich euch ein anderes Mal vorstellen möchte.
Erbaut wurde sie in den Jahren 1857 bis 1864.
Der Stil, den Ernst Friedrich Zwirner für die Kirche vorgesehen hatte, war der der Neugotik. Ihre Einweihung im Jahre 1865 konnte er nicht mehr erleben, denn die Kirche konnte nur noch nach seinen Bauplänen fertiggestellt werden, da er bereits 1862 verstorben war.
Interessant finde ich die Tatsache, dass Zwirner Protestant war, das Gotteshaus allerdings für Katholiken ist.
Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt und von Rudolf Schwarz von 1953 bis 1955 neu errichtet. Sozusagen auferstanden aus Ruinen, denn diese war noch vorhanden, als Schwarz mit dem Neubau begonnen hatte. Allerdings in veränderter Form, denn es wurde durch ihn auch ein Anbau angebracht. Es hatte sich sogar ein Verein zur Erhaltung der Kirchenruine gegründet, so konnte alt und neu kombiniert werden.
Das Dach der Kirche, welches gewölbeartig aussieht, wird durch vergoldete Stahlrohre getragen. Natürlich steht die Liebfrauenkirche auch auf der Kölner Denkmalliste, genau gesagt seit 1983.
Die Liebfrauenkirche hieß übrigens bis zur Eingemeindung Mülheims nach Köln, St. Mariä Himmelfahrt. Da es auf der linken Rheinseite bereits eine Kirche mit diesem Namen gab, wurde sie 1914 kurzum zur Liebfrauenkirche.
Durch Coronaschutzmaßnahmen kann ich euch heute leider keine Innenaufnahmen zeigen, sondern hab sie nur von außen fotografiert. Dennoch will ich auf ein paar Besonderheiten hinweisen.
Sie hat eine Seifert-Orgel mit 47 Registern aus dem Jahre 1955. Romanus Seifert war ein sehr renommierter Orgelbauer aus Kevelaer. Auch gibt es einen grünen Marmoraltar, der aus einem Block gehauen wurde. Ein Werk von Hein Gernot, dem sie auch die Kupferkrone auf dem Dach verdankt, welche an die Himmelskönigin Maria gerichtet ist. Ansonsten ist sie innen eher schlicht eingerichtet.
Einen schönen Sonntag wünscht euch Elisabeth.Okumaya devam et
Rodenirchen - das Bergische Land
9 Ocak 2021, Almanya ⋅ ☁️ 0 °C
Rodenkirchen mag ich ja sehr. Immer wenn ich das Kapellchen sehe, muss ich schmunzeln. Weit über 1000 Jahre Geschichte stecken allein in diesem Kirchlein. Die Gegend um es herum lädt zum Spaziergang und noch mehr zum Verweilen ein.
Wie passt da ein Prozess hin, der mehr als drei Menschenleben andauert?
Rodenkirchen gehört ja nun erst seit 1975 zur Stadt Köln, politisch gesehen. Ich weiß, nicht jeder ist da so glücklich drüber. Aber sei es drum, ich finde es besser als die Verhältnisse bis 1798, in denen man Rodenkirchen als „Ausland“ betrachtet.
Die meisten wissen ja, im Mittelalter ist die stolze Stadt Köln frei. Umgeben ist sie aber von Kurkölner Gebiet. Das unmittelbar angrenzende Land gehört der Kurie, sprich den Erzbischöfen von Köln. Das allein ist ja schon nicht leicht, weil das Verhältnis der Kölner Bürger zu den eigenen Erzbischöfen ja meistens, sagen wir, angespannt ist. Tatsächlich setzt Rodenkirchen da noch eins drauf.
Im Jahr 1432 wird Johann von Heinsberg Lehnsherr von Rodenkirchen. Das ist jetzt nicht schlimm. Aber in der Erbfolge fällt Rodenkirchen an Gräfin Elisabeth von Nassau – Saarbrücken. Das wiederum ist schlimm. Die gute Dame ist so weit Weg von Kölner Gefühlen, wie ihr Name sagt. Sie macht genau das, was für eine richtige Kölner Dame nicht denkbar ist: sie heiratet 1472 Herzog Wilhelm III. von Berg und bringt selbstverständlich Ihre Güter als Mitgift in die Ehe mit ein.
Was für ein Gift diese Mitgift. Rodenkirchen ist ja damit Bergisches Land. Ist das zu fassen? Rodenkirchen ist eine Bergische Enklave, die nicht mal mehr der Rhein von Köln trennt. Köln weiß ja gern den Rhein zwischen sich und unangenehmen Zeitgenossen. Richtig giftig ist dies für die lange gewachsenen Strukturen:
Das Maternus-Kapellchen gehört seit dem Jahr 1233 ganz offiziell dem Kölner Severinstift. Dieser darf bestimmen, wer hier an Alt St. Maternus Pfarrer ist und darf auch die Menge der Abgaben festlegen. Die Abgaben benötige der Pfarrer von den paar Dutzend Einwohnern des Dorfes als Unterhalt für sich selbst. Zudem besitzen die Kartäuser und die Benediktiner von Groß St. Martin nicht unerheblich viel Land in Rodenkirchen, dass sie bewirtschaften und den Ertrag fleißig nach Köln bringen.
Was nützt so ein Besitz einem Herzog von der anderen Rheinseite überhaupt? Ihn und seinem erbenden Schwiegersohn Johann III. von Berg, genannt „der Friedfertige“, stört das erstmal nicht. Die nächste Generation, Herzog Wilhelm V. von Berg, genannt der Reiche, stört das dafür umso mehr. Ihm gehört das Land und allen anderen der Ertrag davon? So wird man nicht reich! Dann diese faktische Entmachtung durch den Severinstift. Das darf nicht sein! Er klagt im Jahr 1550 sein Recht ein.
Wie will man jetzt so eine verzwickte Lage entscheiden? Wie wägt man sowas gerecht ab. Man überlegt, berät sich und streitet und überlegt, berät sich und streite – ganze 170 Jahre lang. Im Jahr 1720 hat man einen Geistesblitz! Man kommt zu dem Schluss „War doch immer schon so? Warum sollten wir das ändern? Es bleibt einfach wie es ist.“ Warum auch anders, funktioniert doch? Die Kurie gewinnt! Der Pfarrer wird vom Severinstift bestimmt, die Abgaben darf er behalte und die Erträge der fleißigen Kartäuser und Benediktiner werden schön weiter nach Köln gebracht.
Naja, im Jahr 1798 ordnet gewaltige neue Macht alles neu, die sich nicht um alte Regeln schert. Die Franzosen nehmen allen einfach alles ab. Die Säkularisation übergibt kirchlichen Besitz an den Fiskus und Rodenkirchen wird von der Bürgermeisterei Rondorf verwaltet. Ätsch….
Michael
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En Rudekirche ben ich jo gään. Luuter wann ich et Kapellche sinn, muss ich griemele. Wigg üvver 1000 Johr Historie steche allein en däm Kirchche. De Gägend öm et eröm läd op en Promenad un noch mih op en Rass en.
Wie pass do ene Prozess hin, dä mih wie drei Minschelevve duurt?
Rudekirche es jo no eesch zick 1975 e Stöck vun der Stadt Kölle, politisch gesinn. Ich weiß, nit jeder es do esu glöcklich drüvver. Ävver god, ich finge et besser wie die Verhäldnisse bes 1798. En dä Zigg häld mer Rudekirche för „Usland“.
De mihste wesse jo, em Meddelalder es de stolze Stadt Kölle frei. Ömgevve es se ävver vun Kurkölner Gebiet. Dat Land, dat tirek an Kölle dran litt, gehürt der Kurie, mer kann einfach de Ääzbischöff vun Kölle sage. Dat allein es ja ald nit leicht, weil et Verhäldnis vun de kölsche Bürger zo de eige Ääzbischöff jo miestens, sage mer, jet diffisil es. Ungeloge setz Rudekirche do noch eine drop.
Em Johr 1432 weed der Johann von Heinsberg der Lehnshäär vun Rudekirche. Dat es jetz nit schlemm. Ävver en singer Ervfolg kritt de Gräfin Elisabeth vun Nassau – Saarbrücke dat Dörp. Dat widderöm es schlemm. Dat Frauminsch es esu wigg fott vun kölsche Geföhle, wie singe Name et säht. Et mäht genau dat, wat för e richtig kölsch Mädche nit uszedenke es: et hierod 1472 der Herzog Wellem III. vun Berg und brängk selvsverständlich sing Güter als Metgeff en de Ih met en.
Wat för en Geff die Metgeff es! Rudekirche es jo domet Bergisch Land. Häs de doför Tön? Rudekirche es en Bergische Enklav, die nit ens der Rhing vun Kölle trennt. Kölle weiß jo gään der Rhing zwesche sich un fiese Zigggenosse. Richtig geftig es dat ävver för de lang gewahsene Verhäldnisse:
Et Maternus-Kapellche gehürt zick dem Johr 1233 ganz offiziell bei der Kölsche Vringssteff. Dä darf bestemme, wä hee an Ald Zinter Mätern Pastur es und darf och fassläge wie huh de Avgabe sin. Die Avgabe bruch der Pastur vun dä paar Dotzend Buure un Fescher vum Dörp, öm selv üvver de Runde zo kumme. Zodäm besetze de Kartäuser un de Benediktiner vun Groß Zinter Määtes e god Stöckelche Land en Rudekirche. Dat bestelle se und drage der Ertrag fließig noh Kölle.
Wat nötz esu ene Besetz enem Herzog vun der andere Rhingsigg üvverhaup? In un singe Schwiegersonn, dä erv, der Johann III. vun Berg, genannt „der Friddfäädige“, stürt dat eesch ens nit. De nächste Generation, der Herzog Wellem V. vun Berg, genannt „der Riche“, stürt dat doför ömsu mih. Im gehürt dat Land un der Notze dovun all däe andere? Su weed mer nit rich! Dann die faktische Entmachtung durch der Vringssteff. Dat darf nit sin! Hä klag em Johr 1550 si Rääch en.
Wie well mer jetz esu en vertrackte Lag entscheide? Wie deit mer sujet gerääch avwäge? Mer üvverläg, deit sich berode un strigg un üvverläg, deit sich berode un strigg – ganze 170 Johr lang. Em Johr 1720 hät mer ene Geistesbletz! Mer kütt zom Schluss „Wor doch luuter ald esu? Woröm sollte mer dat ändere? Et bliev einfach wie et es.“ Woröm och anders, et flupp doch? De Kurie gewennt! Der Pastur weed vum Vringssteff bestemmp, de Avgabe darf hä behalde un der Erdrag vun de fließige Kartäuser un Benediktiner weed schön wigger noh Kölle gebraht.
Nojo, em Johr 1798 oodent en gewaltige neu Maach alles neu, die sich nit öm aal Regele kömmert. De Franzuse nemme inne all einfach alles av. De Säkularisation üvvergitt der Besetz vun der Kirch an der Fiskus un die för Rudekirche zoständgie Mairie weed die vun Rondorf. Am Aasch e Trötche…
MechelOkumaya devam et
Baron von Hüpsch
7 Ocak 2021, Almanya ⋅ ❄️ 1 °C
Baron von Hüpsch –Ein schrulliger Kunstsammler in Köln
Wie vor kurzem versprochen, erzähle ich euch heute etwas über einen schrulligen Typen, der sich 1755 in Köln niederließ und hier zu großer Bekanntheit kam.
Jean Guillaume Adolphe Fiacre Honvlez...
oder
Wilhelm Carl Adolf von Hüpsch, oder einfach
Baron von Hüpsch
Geboren am 31. 08.1730 in Vielsalm, in der Provinz Luxemburg, lebte er ab 1755 in Köln. Aber was macht diesen Typen jetzt so interessant?
Es sind 2 Dinge. Zum einen war er ein großer Kunstsammler seiner Zeit und zum anderen ein sehr spannender, schrulliger und aus der Art geschlagener Zeitgenosse.
Wie gesagt, er kam nach Köln, eröffnete in der Johannisstraße ein Kabinett (ein Arbeits- und Museumsraum), dieser Raum konnte gegen Eintrittsgeld besucht werden. Da er Sammler durch und durch war, kaufte er permanent weitere Objekte, tauschte und übernahm auch Schenkungen. So wurde sein kleines Museum schon bald eine Attraktion für die Touristen und auch Einheimische.
„Verkaufen ist schwer“
Als er seine Sammlung später der Stadt Köln vermachen wollte, wurde er bitter enttäuscht, denn diese hatte keinerlei Interesse, selbst, sie an Fürstenhäuser abzugeben, scheiterte. Erst 1802 hatte er einen Teilerfolg. Ludwig X. von Hessen-Darmstadt kaufte ihm einen Teil seiner umfangreichen Sammlung ab. Diesen erwähnte der Baron dann zwei Jahre später in seinem Testament.
Sein Haus schenkte der Baron der Stadt Köln und hier fand sich ein anderer Sammler, der sich nun einschaltete und Interesse zeigte. Richtig, unser Ferdinand Franz Wallraf, ebenso ein besessener Sammler. Aber der allergrößte Teil seiner Sammlung ging nach Darmstadt und bildete dort später den Grundstock des hessischen Landesmuseums.
„Eine Heiratsanzeige“
Kommen wir nun aber zur heiteren Seite der Geschichte. Er war auch ein seltsamer Kauz. So hatte er durch sein, sagen wir mal etwas unvorteilhaftes Aussehen, nein, ich muss es sagen, er war potthässlich, nicht gerade Chancen bei den Frauen. Und so gab er einmal eine
Heiratsanzeige auf. Diese ist der Knaller, und auch wenn ich die Zeit berücksichtige, ein Genuss sie zu lesen. Hier kommt sie:
„Dieser Herr sucht ein reiches Frauenzimmer, das ohngefehr 20 bis 24 Jahre alt ist und dabei catholisch ist. Er sieht nicht auf Familie, wenn es schon eine Kaufmannstochter ist.
Dieser Herr ist von guter Familie und ein Baron, der ein sehr gelehrter und berühmter Herr ist, der viele Bücher geschrieben und bey vielen Fürsten in Hochachtung steht.
Dieser Herr hat ein kostbares großes Cabinet, das viele tausend werth ist. Er hat dabey dereinst eine große Erbschaft zu hoffen, weil in der ganzen Familie niemand geheyrathet.
Er ist ein stiller, tugendsamer und frommer Herr, der von jedermann sehr beliebt, er ist kein Spieler, noch Trinker, sondern seine einzige Beschäftigung ist das Studium.
Das Frauenzimmer, das diesen Herrn heyrathen sollte, würde gewiss eine vergnügte Heyrath thun, weil er ein so braver, rechtschaffender und gelehrter Mann ist.“
Und? Habe ich zu viel versprochen? Was für eine Heiratsanzeige. Selten hat sich ein Mann so zurückgenommen und schüchtern beschrieben. Alter, wie geil.
“Ein schrulliger Tünnes“
Jetzt wäre das ja alles noch ganz nett, wenn es stimmen würde, aber seine adelige Herkunft ist glatt gelogen, nicht mal ein simpler Adeliger war er. Er war einfach dreist und hat sich selbst zum Baron ernannt. Dies tat er mit so einem Selbstbewusstsein und einer Selbstverständlichkeit, das er glatt damit durchkam. Selbst bei Behörden und Adeligen, die es besser wussten. Es wurde teils verwundert, teils grinsend akzeptiert.
Bücher hat er tatsächlich veröffentlicht, er war auch sehr belesen und tatsächlich klug. Allerdings hatte der schrullige Baron (auch wir wollen es mal augenzwinkernd anerkennen) dann doch sehr viel Kritik einstecken müssen, denn er sah manches doch sehr eigenwillig und konnte die
Fachwelt nur seeeehr selten überzeugen. So brachte er Beweise vor, die seinen ganz eigenen Theorien entsprungen waren, und mit welchen er versuchte, unter falschen Namen die Fachwelt, sagen wir mal zu überzeugen. Natürlich kam er nicht damit durch.
Ja, selbst als Quacksalber hatte er sich versucht und erreichte damit eine gewisse Berühmtheit. Über seine großartigen Heilerfolge erschien sogar ein dickes Buch von C.L.J. von Brion. Ihr ahnt es bereits. Natürlich hatte von Hüpsch das ganze Werk selbst geschrieben.
„Seltsam, aber nicht dumm“
Andererseits brachte er tatsächlich einige Ideen auf den Weg, gerade im Schulwesen oder etwa bei der Ausbildung von Ärzten waren diese Ideen gut, äußerst modern und weit gedacht. Wie gesagt, dumm war er nicht.
Das gleiche trifft auf sein Museum zu, dort war alles mögliche zu finden und zwischen Ramsch auch tatsächlich wertvolle Schätzchen. Allerdings sagt man ihm nach, dass die Beschaffung manchmal sehr seltsam und anrüchig war.
Tja, er war ein seltsamer Vogel, ein Sonderling, und ich glaube, so wollte er auch sein. Ein bunter Vogel, der es bisweilen zu weit trieb, aber doch gemocht wurde, weil er zwar nicht hübsch, aber eben bunt war. Na ja, und bei alldem stach noch ein klarer Wesenszug hervor. Er war extremeitel. Da fällt mir irgendwie der Spruch mit dem eitlen Pfau ein. Also doch ein Vogel.
Übrigens, mit seiner Heiratsanzeige hatte er kein Glück. Aber eine Frau bekam er dann doch noch ab. Eine Haushälterin, die sich um die, wie der Name schon sagt, häuslichen Belange
kümmerte. Man sagt, sie sei mit der Zeit ebenso sonderbar geworden wie der Baron.
„Selbst im Tod noch anders“
Er starb am 1. Januar 1805. Und auch beim Leichenschmaus lief nichts wie üblich ab. Seine längst ebenso „durchgeknallte“ Haushälterin, die eigentlich mit den Sachen des Cabinet nach Darmstadt übersiedeln sollte, denn laut von Hüpsch gehörte sie mit zur „Erbmasse“, benahm
sich etwas daneben, sie haute sich ohne Ende den Bauch voll, sang Lieder, bei denen die Leute die Flucht ergriffen und, nun kommt das Happy End, sie hatte sich den Magen verdorben und starb wenige Tage später. Sie waren wohl irgendwie unzertrennlich bis in den Tod.
Und der Baron hat zumindest eines geschafft. Er ist bis heute unvergessen.
Ich liebe es, über solche Typen zu schreiben, es macht einfach Spaß.
Euer RonaldOkumaya devam et
































































