• Landcruisers Horizon
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Ausfahrt Amerika

~ 150.000km
Halifax (Kanada) bis Ushuaia (Argentinien) und wieder zurück ... war der Plan
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  • Het begin van de reis
    11 juli 2023

    Halifax, der Start

    13 juli 2023, Canada ⋅ ☀️ 28 °C

    Wir haben es geschafft! Wir haben Europa verlassen! Nach 2 Jahren Planung, Monaten der Haushaltsauflösung, Wochen des Organisierens von Versicherungen bis Flug, Tagen des Abschiednehmens und letzten Stunden mit Hektik sind wir von Hamburg aus über Lissabon nach Halifax geflogen, um als erstes Kanadas Osten zu bereisen. Dafür warten wir hier in Halifax auf unseren wichtigsten Begleiter, der zugleich Fortbewegungsmittel und zu Hause sein wird. Er reist seine erste Etappe wegen seines Gewichtes per Schiff, außerdem bevorzugt er die langsame Art des Reisens: Grobi, unser Landcruiser. Er soll nach 14 Tagen Schiffsreise in 4 Tagen ankommen, braucht jedoch noch mindestens 2 Tage, um durch den Zoll zu kommen. Jörg und ich haben also eine Woche Zeit, um Halifax anzugucken ... und auszuschlafen. Außerdem hoffen wir, dass in dieser Zeit Jörgs Rucksack, der lieber in Deutschland bleiben wollte und deswegen noch in Hamburg ist, zu unserer Unterkunft in der South Street geliefert wird. An sich ist der Inhalt nicht so wichtig, doch außen am Gepäck sind die Gasdruckfedern befestigt, die das Aufstelldach von Grobi halten sollen. Die jetzt noch verbauten Federn sind unterdimensioniert, halten das Dach mit den Kisten und den Sandblechen in der geöffneten Stellung also nicht sicher oben. Das hat Nachteile, wenn wir unter dem Dach schlafen und der Wind auffrischt ... .
    Die nächsten Tage verbringen wir also mit Warten und neugierigem Beobachten der neuen Welt: Stromkabel verlaufen oberirdisch in dicken schwarzen Kabeln, es gibt keine KFZ-Kennzeichen an der Front der Autos, das Wartezeichen für Fußgänger an Ampeln ist eine leuchtende erhobene Hand, Poutine ist Pommes mit Bratensoße und Käse. Wie diese Mischung wohl entstanden ist ...
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  • Halifax 2

    16 juli 2023, Canada ⋅ ☁️ 21 °C

    Da wir immer noch nichts von Jörgs Gepäck gehört haben und auch keinen Kontakt zu jemandem herstellen können, der uns irgendwelche Nachrichten darüber mitteilen könnte, beginnen wir, unseren Sohn Jakob einzuspannen und teilen unser Problem auch meinen Schwestern mit. Unser Gefühl: Kaum haben wir 2 Dösbaddel das bekannte Europa verlassen, kommen wir nicht mehr zurecht. Doch andere Menschen kommen auf gute Ideen: Jakob kann in Erfahrung bringen, dass die letzte Fluglinie für das Gepäck verantwortlich ist, also Air Canada und nicht diejenigen Fluglinie, die für den Verlust verantwortlich ist. Meine ältere Schwester empfiehlt eine Zeichnung vom Gepäck zu machen. Damit ist uns klar, dass wir noch einmal zum Flughafen fahren und uns vor Ort an einen Verantwortlichen wenden. Gesagt, getan! Und zu unserer Überraschung ist die Frau in der Reklamationsstelle nicht nur kompetent, sondern auch ausgesprochen hilfsbereit. Ergebnis: Jörgs Tasche ist vermutlich ohne Gepäckanhänger und jegliche sonstige Kennung in Hamburg geblieben. Ob die Federn noch daran befestigt sind, kann die Mitarbeiterin uns nicht sagen, aber stellt sofort auch einen Suchantrag für den Pappkarton aus. Die Zeichnung hilft. Sie will sich telefonisch melden, sobald das Gepäck am Flughafen in Halifax ist. Das klingt ermutigend und wir ziehen fröhlich von dannen.
    Dieses positive Gefühl verlässt uns den ganzen Tag über nicht: Wir sitzen im Park und hören einem kostenlosen Jazzkonzert zu, danach wandern wir zur südlichsten Spitze von Downtown Halifax und sehen unser erstes wildes Tier (von Staren, Möwen und Krähen einmal abgesehen). Sogar das Buchen einer weiteren Unterkunft klappt. Die benötigen wir, weil wir nur bis Dienstag im Airbnb bleiben können, unser blauer Begleiter aber erst Donnerstag kommen wird.
    Und wir machen weitere Beobachtungen, die uns Halifax immer sympathischer machen: Stehen Fußgänger an einer Straße und sehen so aus, als ob sie hinüber gehen wollten, halten die Autos an, auch wenn kein Zebrastreifen in der Nähe ist. Apropos Zebrastreifen: Viele sind in Regenbogenfarben. Toleranz ist hier gelebte Wirklichkeit. Der Mensch, der in unserem Altenholz wegen seiner Art sich zu kleiden Aufmerksamkeit erregt, würde hier nicht auffallen. Jeder tut, wozu er Lust hat. Tanzen zur Musik im Park, trotz übermäßiger Körperfülle in engen kurzen Hosen und knappem Oberteil herumlaufen, große rosa Hüte zu leuchtend roten Kleidern tragen, zu Handyplayback singen, E-Gitarre spielen am Hafen. Nur eines geht nicht: Seinen Mitmenschen bewusst beeinträchtigen.
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  • Halifax 3

    19 juli 2023, Canada ⋅ ⛅ 21 °C

    Wir sind "umgezogen" und wohnen jetzt für 2 Nächte in einem Neubaugebiet in einem Vorort von Halifax. Nach viel Stadtlärm erleben wir die absolute Ruhe. In den völlig gleich gearteten Gärten ist selten ein Mensch zu sehen, nur wir Ausländer sitzen draußen.
    Und was macht das Gepäck? Die Informationsseite sagt: Item located, pending confirmation. - Das Gepäck wurde lokalisiert, Bestätigung ausstehend? Was heißt das? Müssen wir bestätigen, dass es sich um unser Gepäck handelt? Müsste das Gepäckpersonal von Air Canada bestätigen? Muss etwas unternommen werden? Da fahren wir doch glatt noch mal zum Flughafen! Mit Google-Maps ist die 1,5 stündige Busfahrt mit 2-maligem Umsteigen unproblematisch, nur das Bezahlsystem bleibt ein lustiges Rätsel: Mal zahlen wir je 4 $, mal nur 2 für dieselbe Strecke, dann wieder nichts oder das, was ich an Münzen im Portemonnaie habe. Wechselgeld gibt es nie. Wenn man es nicht passend hat, zahlt man halt zu viel.
    Busfahren ist aufschlussreich, Smalltalk zwischen den Fahrgästen an der Tagesordnung:
    Ein weißen Penner freundlich zur gut gekleideten Dunkelhäutigen: "Sie haben aber schöne Schuhe!"
    Antwort: "Ja, nicht wahr? Habe ich Extrastunden für gearbeitet." Reaktion der älteren, weißen Dame vom Nachbarsitz: Breites Lächeln und beide Daumen hoch.
    Und das Gepäck? Geduld! Das ist noch in Hamburg. Das ist Gefahrgut und wird deswegen nicht transportiert, sagt uns der freundliche Mitarbeiter hinter dem Bildschirm. Waaaas? Wir erklären, dass die Federn durchaus fliegen können, weil sie völlig ungefährlich, ... , ... , ... .
    "Ja, dann können sie doch transportiert werden. Bitte Geduld, das kann dauern. Sie werden uns informieren."
    Uff! Wir ziehen fröhlich von dannen. Mal sehen, wie oft ich das noch schreiben werde. Fun fact: Ich habe diesmal jedes Wort verstanden, nicht nur den Inhalt sinngemäß erfasst.
    Weiteres am Rande:
    Auch in Neubaugebieten verlaufen die Stromleitungen oberirdisch.
    Gibt es hier gar keine Graffiti?
    "Stand with Ukraine"- Schriftzug an Buslinien.
    Wenn man den Bus verlässt, bedankt man sich beim Busfahrer für den Transport - eher nicht für die Fahrweise, denn die ist oft halsbrecherisch.
    Getränke werden in Dosen oder Plastikflaschen verkauft, Glas ist unüblich.
    Alkoholika und Hasch bekommt man ausschließlich in dafür zertifizierten Geschäften.
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  • Halifax 4

    20 juli 2023, Canada ⋅ ☁️ 24 °C

    Juhuuuu! Heute ist Grobi-Tag! Wir dürfen unseren HZJ78 vom Hafen abholen.
    "Ein Landcruiser bringt einen überall hin - und auch wieder zurück!" Das ist der Grund, warum wir uns vor 3 Jahren für dieses Auto entschieden haben. Der Name entstand ebenfalls aus diesem Spruch heraus: Der Sesamstraßengrobi kann auch alles und ist ebenfalls blau.
    Zurück zur Abholung: Zuerst die Papiere von der Spediteurin entgegennehmen, dann zum Zoll und die Unterlagen abgeben: "Haben Sie Milchprodukte oder Fleisch im Wagen? Alkohol? Drogen? Waffen?"
    Ich gucke konzentriert : "No", "No", "No", "Yes, of course!" Ich konnte es mir nicht verkneifen! Die Zollbeamtin schaut auf, dann lacht sie: "Yes, of course?" "No, certainly not!"
    Wir bekommen die Freigabe und müssen jetzt nur noch zum Hafen. Wir nehmen den Bus! Alle, die wir treffen, nehmen ein Taxi oder haben sich einen Mietwagen genommen. Wir sind ein bisschen Stolz, dass wir es problemlos mit den Öffentlichen schaffen!
    Auch am Hafen gibt es keine Probleme. Der Wagen hat allerdings an allen möglichen Öffnungen Sicherheitskleber. Die rückstandslose Entfernung gestaltet sich schwierig, da wir aber gerade eine Mail vom Flughafen bekommen (das Gepäck ist da!) , brechen wir das Etikettentfernen ab und düsen zum Flughafen. Und tatsächlich! Der Rucksack ist da! Es fehlen ... die Federn. Es wird ein neues Formular vom freundlichen Mitarbeiter ausgefüllt, diesmal mit der Überschrift: damaged baggage. Wir sollen in den nächsten 7 Tagen ... Ja, klar, machen wir ... Formular ausfüllen. "Ja, wir können noch auf die Federn warten." "Ja, wir können uns auch neue kaufen."
    Wir entscheiden uns, erst einmal Gasflaschen zu kaufen und fahren den von Seabridge empfohlenen Händler an: Die Flasche dort ist zu dick. Hilfreicher Tipp: "Fahrt zu Mr Propane in Dartmouth!" Wir sind schon unterwegs und bekommen dort 2 kleine 2,5 l Flaschen. Und auch noch einen fantastischen, stabilen Besenstiel, mit dem wir das Dach abstützen können. Wer braucht schon Gasdruckfedern. Der Mitarbeiter empfiehlt uns, noch zu Auto Princess zu fahren. Der Laden hätte alles, wirklich alles, was man für Autos braucht. Wir: Nix wie hin!
    Die freundlichen Mitarbeiter dort haben soooo große Gasdruckfedern noch nie gesehen. Aber sie empfehlen Amazon: "Do you know Amazon? You can get everything there. Do you know it? It's online!" Ach! Der Mitarbeiter schreibt "Amazon" auf einen Zettel, obwohl wir ihm erklären, dass Jeff Bezos auch in Europa Geld mit Amazon verdient.

    Wir wollen noch die 2 × 50 l Wassertanks füllen und fahren deshalb einen Campingplatz an. Außerdem wollen wir das Gepäck aus den Rucksäcken in Ruhe verstauen, das 1. Mal etwas kochen (es gibt Kartoffeln mit Salat) und im See baden. Da haben wir uns dann doch zu viel vorgenommen: Um 21:00 Uhr ist es dunkel! Außerdem gibt es hier Mücken ... das ist eigentlich nicht überraschend, aber vorbereitet sind wir darauf im Endeffekt nicht.
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  • On the road

    23 juli 2023, Canada ⋅ ☁️ 21 °C

    Der Plan war es, an der Südostküste von Nova Scotia langsam in Richtung Cape Breton nach Norden/Osten zu fahren, aber das Wetter verschlechtert sich. So wird es mehr oder weniger eine Transportstrecke zum berühmten Cabot Trail. Dadurch bewegen wir uns gleichmäßig parallel zu dem über uns befindlichen Schlechtwettergebiet: Es regnet, gießt, schüttet! Ununterbrochen! Und bemerkenswerter Weise lassen sich die Mücken davon nicht beeinträchtigen: Ob Wind oder Regen, die Mücken hier fliegen und stechen! immer.
    Wir entscheiden uns, heute nur ein paar Kilometer zu fahren, um aus dem Mückenwald heraus zu kommen. Vielleicht finden wir ja einen Drugstore, der, obwohl Sonntag ist, offen hat und uns ein Mückenrepellent verkauft. Auf jeden Fall erhoffen wir uns, dass das Regengebiet über uns hinweg zieht.
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  • Cape Breton Island

    25 juli 2023, Canada ⋅ ☀️ 24 °C

    Da sind wir doch glatt nasser geworden, als wir dachten! Die vordere Kiste auf dem Dach hatte einen Wassereinbruch, außerdem müssen wir die Verbindung der Gasdruckfedern mit dem Dach beobachten. Irgendwie kam da Wasser ins Wageninnere. Wir trocknen erst einmal alles auf einem Campingplatz, lesen unsere WhatsApp-Nachrichten - antworten können wir ja gleich noch - und machen uns weiter auf den Weg Richtung Norden. Wir befahren den berühmten Cabot Trail von Cape Breton gegen den Uhrzeigersinn. Die erste Wanderung erwartet uns in Ingonish am Middle Head, einer schmalen, langgestreckten Landzunge.
    Weiter im Norden baden wir im Atlantik im moorbraunen Wasser: Durch die rasanten Regenfälle schwämmen die Flüsse die braune Brühe aus dem Landesinneren ins Meer. Wir stellen uns den Wellnesseffekt für unsere Haut vor: Salzige Mooranwendung! Der Name des Strandes lautet etwas verwirrend "White Beach".
    Wir verlassen den Cabot Trail und folgen der atemberaubenden Küstenlandschaft weiter bis Meat Cove (Fleisch Bucht - doch kein Fleisch zu sehen) zum nördlichsten Punkt Cape Bretons. Kurz davor biegen wir auf einen halb überwucherten Pfad ab, der uns zu den Überresten von Hippie Jim's Castle mit traumhaften Blick auf den Sonnenuntergang über dem Atlantik führt.

    Hippie Jim ist Ende der 60ger Jahre vor der Einberufung in die US-Armee wegen des Vietnamkrieges hierher geflohen und hat mit den Felsen und dem Holz der Gegend und der Unterstützung eines störrischen Pferdes das Schloss für seine Frau und seine Tochter gebaut. Ein kreisrundes Fundament von knapp 8m Durchmesser zeugt noch vom Bauwerk. Was geschah?
    Jim begann einen Hungerstreik, damit die Welt eine bessere würde. Ob er verhungerte oder an den Folgen der zu hastigen Rückkehr zur Normalkost starb, ist nicht überliefert. Frau und Kind kehrten in die USA zurück, Hippie Jim's Castle verfiel. Die Welt drehte sich unbekümmert weiter.

    Wir genießen den Sonnenuntergang und hören die Geschichte von Lee, der mit uns auf dem winzigen Arreal steht. Auch seine eigene Geschichte ist erzählenswert. Nach der Schule weiß der gebürtige Engländer nicht, was aus ihm werden soll. Er reist, jobbt, wird zum Alkoholiker, schafft den Absprung und wird Tauchlehrer. Mit dem Beginn von Corona verliert er seine Arbeitsplatz, denn die Touristen bleiben aus. Er schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch, arbeitet auf der Farm einer amerikanischen Freundin. Von ihr leiht er sich einen Van und ist seit 5 Monaten unterwegs. Wir wünschen in jeder Hinsicht eine Gute Reise.

    Und dann will ich hier in aller Ruhe den Blog weiterschreiben und hochladen, die wichtigen Dinge, die zu Hause aufgelaufen sind, abarbeiten und ein Buch zur Bestimmung von kanadischen Vögel aus der Onleihe herunterladen. Doch das Netgear, das uns mit der kanadischen Simkarte ein mobiles Internet verschaffen soll, hat seinen Dienst quittiert.
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  • Polletts Cove

    26 juli 2023, Canada ⋅ 🌙 20 °C

    Ein Inder aus Mumbai empfahl uns eine Wanderung von Pleasant Bay aus: "Drive of end of Red River Road. Very hard, one day, beautiful! Must do!" Das klingt doch vielversprechend, so einer detailreichen Beschreibung folgen wir doch gerne.
    Wir finden tatsächlich von Pleasant Bay den besagten Red River Road. Die asphaltierte Straße endet, wir fahren auf Schotter weiter, bis wir nur noch zu Fuß weiter können. Dort übernachten wir.
    Der nächste Tag begrüßt uns mit bestem Wetter! Schon früh am Morgen ist es mit 26°C recht warm. Unser Rucksack ist mit Regenjacken, 2l Sprite und Studentenfutter gepackt. Es kann also losgehen:
    Nach 100m sehen wir eine halb verfallene Hütte. Durch den offenen Eingang spähend erkennen wir, dass die Küche voll eingerichtet ist.
    Weitere 200m später ist der Weg schon so überwachsen, dass ich meine Arme vor dem Gesicht kreuze,damit ich die Äste nicht ins Gesicht bekomme. Jörg geht voran und ist im Nu im Unterholz verschwunden. Wir kämpfen uns voran. Aufgeben gibt es nicht! Und tatsächlich öffnet sich der Pfad wieder und verläuft jetzt unter einem niedrigen Blätterdach. Obwohl es dadurch schattig ist, sind wir schweißgebadet, denn es ist stickig-heiß. Ich fühle mich wie Bilbo Beutlin aus dem Buch "Der kleine Hobbit", es fehlen nur die riesigen Spinnen. Es geht steil bergauf, dann wieder bergab. Unten angekommen queren wir ein Bächlein. Dann geht es wieder aufwärts. Im Gegensatz zu Bilbo haben wir jedoch noch zu Hause eine Karte auf unser mobiles Endgerät heruntergeladen, so dass wir wissen, dass der Weg der Küstenlinie folgt und ein Verlaufen nicht möglich ist. Das erklärt auch die Wegführung: Rauf auf die Steilküste und wieder herunter in das Flusstal. Einen Blick über das Wasser erhalten wir jedoch erst nach 4 km, als sich vor uns eine Wildblumenwiese auftut und der Weg steil abwärts zu einem breiten Bachbett führt. Unter uns erkennen wir 2 Menschen! Noch bevor wir unserem Erstaunen Ausdruck verleihen können, stürzt einer der beiden. Das Geräusch, das dabei zu uns hochschallt, erinnert an brechende Knochen. Der Schreck lässt uns den Abhang hinunter geradezu fliegen. Aber die junge Frau hatte Glück: Blutende Schürfwunden sind sicher schmerzhaft, aber hindern nicht am Weitergehen. Vater und Tochter sind auf dem Rückweg von Polletts Cove. Sie hatten dort übernachtet.
    Wir überqueren den Fluß barfuß mit dem Wissen, dass wir die Hälfte des Hinweges geschafft haben und noch 3-4 km vor uns liegen. Polletts Cove muss schon sehr schön sein, um diese Anstrengung zu rechtfertigen.
    Und es ist schön! Wildromantisch liegt die weite Bucht schließlich vor uns: Blumenwiesen mit Knabenkrautorchideen, grasende Pferde, ein breiter klarer Bachlauf und eine frische Brise vom Meer her. Wir gönnen uns eine Stunde Pause im Paradies, dann machen wir uns auf den Rückweg.
    Die letzten Kilometer werden zu einer schmerzhaften Strapaze, aber Pollets Cove war sie wert.
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  • Erfahrungen

    27 juli 2023, Canada

    Dimitry und Olga empfahlen uns, in Cheticamp einem Abend mit traditioneller Musik beizuwohnen. Also fahren wir nach unserer Monsterwanderung in den nächsten größeren Ort, um dort auf einem Platz, der bei iOverlander aufgeführt wird, zu übernachten. Für einen Abend mit Gesang und Spiel und Tanz sind wir viel zu erschöpft, aber wir machen noch kurz an einem kleinen Laden mit W-lan halt ... da waren ja noch dringende Anfragen, die erledigt werden mussten.
    Was ist iOverlander? Bei dieser App handelt es sich um eine Gemeinschaft, die Plätze zum Wildcampen ins Netz stellt. Das ist sehr praktisch, wenn wir entweder keine Kraft oder keine Zeit haben, selber nach einem Stellplatz für die Nacht zu suchen.
    Der Stellplatz für die kommende Nacht ist Nahe Cheticamp, für morgen nehmen wir uns den empfohlenen Kneipenabend vor.
    Auf dem Übernachtungsplatz lernen wir Andy aus den USA kennen: Andy hatte alles, was man im Leben als erstrebenswert erachtet: Haus, sicheren Job, 4 Kinder und nach einer Scheidung eine Freundin aus Australien. Doch dann kam Corona. Er war mit unter den ersten, die sich infizierten und bekam Longcovid. Doch damals war diese Folgeerscheinung gänzlich unbekannt. Keiner glaubte ihm, dass er tatsächlich nicht mehr Lesen und Schreiben konnte und dass ihm die Merkfähigkeit völlig fehlte. Er verlor alles: Den Job, die Freundin, die Freunde. Daraufhin verkaufte er das Haus und fuhr mit dem Auto in die nahegelegenen Rocky Mountains. Seither ist er unterwegs. Erst sehr langsam und mühsam, weil er sich nicht zurechtfand, dann immer besser. Seit ein paar Wochen - oder Monaten, er weiß es nicht genau - fühlt er sich wieder wie früher. In die USA zurückkehren möchte er nicht, denn er hat dort niemanden mehr. Aber er überlegt, seine Reise abzubrechen und nach Frankreich auszuwandern, denn dort wohnt eine seiner Töchter, die ihm vor einem Jahr eine Enkelin geschenkt hat. Andy zeigt mir ein Foto des Babys und sagt, dass er ein gutes Verhältnis zu seiner Tochter in Frankreich hätte. Ja, Andy, reise nach Frankreich!

    Am nächsten Tag geht es Jörg und mir wieder so gut, dass wir entscheiden, den Skywalktrail zu wandern. Es wird ein entspannter 8 km langer Weg mit phantastischer Aussicht auf das Meer und die Straßenführung des Cabot Trail.
    Abends gehen wir Essen ins Doryman und genießen einen lustigen Abend mit Musik und Tanz.
    Allerdings muss ich das nächste Mal beim Bezahlen besser aufpassen: Ein Trinkgeld von 15% ist durchaus üblich, der Kellner hat jedoch 50% berechnet. Wir bemerken es erst am nächstenTag. "Fifteen" und "fifty" liegt lautlich dicht beieinander. Ich zahle mit Karte und schaue nicht genau hin, wundere mich jedoch noch, weil er sagt, dass wir sehr großzügig seien. Es war sehr laut in der Kneipe, so dass ich meinte, ihn missverstanden zu haben. Ich zahle Lehrgeld.
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  • Blumentöpfe

    30 juli 2023, Canada ⋅ ⛅ 22 °C

    Am Bay of Fundy zwischen Nova Scotia und New Brunswik gibt es den größten Tidenhub weltweit. Je nach Mondphase, Wind und je nachdem, wen man befragt, soll er bis zu 20m erreichen. In Truro soll eine Gezeitenwelle von bis zu 1,5m bei Flut den Fluss herauf rollen. Das wollen wir sehen! Wir recherchieren den Tidenhöchststand und stehen frühmorgens mit einem Paar aus Quebec an der Biegung des Flusses, an der die Welle um die Ecke kommt. Die Spannung steigt! Gleich muss sie kommen! Die Kamera ist bereit!
    Was ist das? Ist sie das? Das Kleine da? Ein Wellchen von maximal 30cm Höhe quält sich den Fluss herauf an uns vorbei, fertig. Das war doch eher enttäuschend, sind wir uns mit dem französisch sprechenden Paar einig. Am Vormittag müssen wir erst einmal alltägliches regeln. Zu Hause ist vieles Routine, hier wird manches zur Herausforderung: Wo ist die nächste öffentliche Wäscherei und wie funktioniert sie? Zum Auffüllen der Gasflasche fahren wir kreuz und quer durch Truro, alle Stationen tauschen nur die großen Flaschen, unsere kleinen sind ein Sonderformat. Wir sind sowieso etwas besorgt, weil unsere Gasflasche viel zu schnell leer erscheint. Haben wir ein Leck?
    Endlich finden wir eine Füllstation und es stellt sich heraus, dass die Buddel noch fast voll ist: Wir hatten den Adapter für den Anschluss an unser europäisches System nicht fest genug angezogen, so dass der Nippel, der dann das Gas freigeben soll, nicht ... ach ja: Wir müssen nur den Nippel durch die Lasche ziehen und mit der kleinen Kurbel ... .
    Der Übernachtungsplatz ist ein kleiner Traum: Direkt neben dem Gezeitenstrom beobachten wir, wie die Flut langsam das Land versenkt.

    Wir fahren weiter zu den Hopewell Rocks. Dort sollen die Gezeiten die Küste so geformt haben, dass Säulen von ca. 25m Höhe entstanden sind, auf denen sich oben der normale Waldbewuchs hält. Deswegen werden sie auch "flowerpots" genannt. Wir zahlen 35 C$ Eintritt und sind sehr skeptisch!
    Doch die Blumentöpfe sind wirklich bemerkenswert beeindruckend! Wir verbringen den Rest des Tages dort, um auch die Ebbe zu erleben.
    Anschließend folgen wir dem Rat von Dennis, der uns eine Offroad-Strecke in den Wald an einen Fluss empfahl. Dort übernachten wir.
    Morgens wollen wir der Strecke nach Norden so weit folgen, wie wir können. Wir holpern über Stock und Stein, passieren ein "Durchfahrt verboten" -Schild und erreichen schließlich eine zusammengebrochene Brücke. Links ist ein Bypass. Ich erkunde die Tiefe, die Höhe der Steine und den Untergrund. Wir beraten uns. Wir sind allein, ohne zweites Fahrzeug, das uns bergen könnte. Wir drehen um.
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  • Geschichte und Geschichten

    3 augustus 2023, Canada ⋅ ☁️ 22 °C

    Langsam und gemächlich tüdeln wir an der Küste von New Brunswick nordwärts. Das Wetter ist gut, wir besuchen einen einsamen Strand, eine psychedelisch ausgemalte Kirche, einen Leuchtturm am nördlichen Ende der lsle Miscou.
    Wir sind in Acardien, einem französisch sprechenden Teil Kanadas.
    Die Geschichte hat den Acadiern übel mitgespielt. Ursprünglich von Frankreich nach Nova Scotia übergesiedelt, wurden sie von Engländern erst mit Krieg überzogen und dann vertrieben, so dass sie sich neue Siedlungen im heutigen New Brunswik aufbauen mussten. Die Liebe zu Frankreich und Ressentiments gegenüber englisch Sprechenden sind überall spürbar. Wir sind überrascht! Der 7 Jahre dauernde Krieg ist ca. 270 Jahre her! Langsam könnte das doch vergeben worden sein! - Wann standen die Türken vor Wien? -
    Wir besuchen ein Freilichtmuseum, dem in Molfsee sehr ähnlich, jedoch mit dem entscheidenden Unterschied, dass jedes Haus von jemandem in der Kleidung, die zum Haus, der Jahreszahl und der Arbeit passt, "bewohnt" wird. So erleben wir, wie es in einer Taverne im 18. Jahrhundert zuging: Frauen sind nicht zugelassen und die Männer bekommen nur 2 Getränke in Shotgröße mit ca. 60% Alkohol ausgeschenkt. Echtes Feuerwasser! Allerdings wurde es mit Wasser auf 20% Alkohol heruntergemildert.
    Mit viel Herzblut zeigt man uns, wie Teppiche aus Tuchresten gefertigt wurden, wie man Planken für Boote bog, wie Wolle gewaschen, gekämmt, gesponnen und gefärbt wurde. Und jedesmal sehen wir freudiges Erstaunen, dass Deutsche sich für ihr acadisches Schicksal interessieren.
    Das vorher besuchte Meerwasseraquarium ist durch diese Darbietung von Geschichte fast der Vergessenheit anheim gefallen.
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  • Regen, Regen, Regen

    5 augustus 2023, Canada ⋅ ☁️ 17 °C

    Da es seit 2 Tagen fast unausgesetzt regnet, bleiben wir im Wagen und machen 2 Transportstreckentage. Wir unterhalten uns über die vergangenen Eindrücke und bemerken, wie schnell man sich an zuerst fremde Anblicke gewöhnt: Friedhöfe nur mit Gedenksteinen, unglaublich viele Kirchen der unterschiedlichen christlichen Glaubensrichtungen, nur selten Bäckereien, viel Mischwald mit undurchdrinlichem Unterholz, Ampeln mit horizontal ausgerichteter Schaltung, an Kreuzungen Stoppschilder an jeder der einmündenden Straßen.
    Auch der Chlorgeruch des Wassers in städtischen Regionen oder der Geruch der Erde werden vertraut, genauso wie die Geräusche: Autos sind viel durchdringend dröhnender - und meist auch größer - Vogelgezwitscher deutlich zarter als in Deutschland.
    Am meisten überraschen uns die Gärten. Außerhalb von Städten sind die Grundstücke riesig - 4000 Quadratmeter sind noch wenig. Das Haus steht weit hinten, so dass sich ein großer Vorgarten ergibt. Dieser besteht aus Rasen, der wegen der Grundstücksgröße mit dem Aufsitzrasenmäher gemäht wird. Blumenrabatten sind selten, wenn wir Anpflanzungen sehen, sind es orangefarbene Taglilien oder seltener Annabelhortensien. Die Passion, den Rasen kurz zu halten, wird auch dann noch verfolgt, wenn das Haus verlassen und heruntergekommen aussieht. Erst wenn das Haus zusammengebrochen ist - in New Brunswick ein häufiger Anblick - , wird nicht mehr gemäht.
    An etwas werde ich mich jedoch nicht gewöhnen: Mücken und Black Flies!
    Ach ja ... und Dauerregen!
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  • Basstölpel

    6 augustus 2023, Canada ⋅ ☁️ 19 °C

    Es ist Sonntag und die Sonne hält sich an das Versprechen, das der Name ihres Tages abgibt: Sie scheint! Was kann uns besseres passieren an diesem östlichsten Zipfel der Gaspésie?! Wir haben Karten für einen Ausflug per Boot, um eines der Wahrzeichen Kanadas, den Rocher Percé, zu umrunden und anschließend auf der
    Île de Bonaventure anzulegen. Der erste kleine Ausflugsdampfer ist unserer. Schon der Anblick des durchbrochenen Felsens vom Boot aus ist schön. Das, was uns nach dem Verlassen des Schiffes und einer Wanderung über die Insel erwartet, ist jedoch im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Über 115 000 Basstölpel brüten in einer riesigen, an der Seeseite der Insel sich entlangstreckenden Kolonie zum Greifen Nahe! Das Gekreisch der Vögel im Ohr und den Gestank nach Hühnerstall in der Nase beobachten wir, wie die Altvögel sich begrüßen, wie Jungvögel betteln und gefüttert werden, Gefiederpflege und Nachbarschaftsstreit. Aus einer Höhe von ca. 20m tauchen die Vögel mit angelegten Flügeln im Sturzflug zum Fischen ins Meer. Grandios! Wir haben Mühe uns loszureißen, müssen aber das letzte Boot, das die Insel verlässt, erreichen, da auf der Insel nicht übernachtet werden darf. (Wir schaffen im Geschwindschritt sogar noch die vorletzte Fahrt!)

    Ich schreibe dies über eine Woche später in den Bergen von Mauricie. Es ist 21:20, es ist stockdunkel und in der Ferne heulen Wölfe.
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  • Les Graves Trail

    7 augustus 2023, Canada ⋅ ⛅ 17 °C

    Nördliche von Percé und der Basstölpel-Insel befindet sich ein Nationalpark, der die letzten Ausläufer der Appalachen umfasst. Dort endet auch der 4574 km lange Appalachentrail, der im US-Bundesstaat Georgia beginnt. Wir wandern die letzten 4,5 km. Das ist für uns genug, denn wir müssen ja im Gegensatz zu den Wanderern, die den gesamten Trail laufen, auch noch wieder zurück. Am Land's End befindet sich ein romantischer Leuchtturm, neben dem ein filmreifer Hochzeitsantrag mit Niederknien und Brilliantring für uns arrangiert ist. Ich gratuliere, die zukünftige Braut weint vor Rührung und zeigt mir den Ring mit der Frage, ob ich ihn auch schön finde. "Absolut amazing! Beautiful! May your life together last as long as the brilliants!" Ich gebe mein Bestes!

    Einen Tag später sieht es nach Regen aus und außerdem hören wir während der Fahrt ein unangenehmes Quietschen. Es klingt ähnlich wie auf Island, als wir uns nach dem Steckenbleiben in einer Furt Geröll in den Beteich der Bremsen gezogen hatten. Sollten wir wieder Steine aufgesammelt haben? Da weder heftige Lenkbewegungen noch Stotterbremse hilft, entschließen wir uns, ein Vorderrad abzumontieren. Und wir haben doppelt Glück! Der Regen setzt erst ein, als das Rad wieder an seinem Bestimmungsort sitzt, und das Geräusch ist verschwunden!
    Wir fahren ... und fahren.
    Es regnet ... und regnet.
    Die Strecke soll schön sein, haben wir gelesen. Da das Wetter uns im Stich lässt, beschließen wir bis Matane zu fahren und dort auf die nördliche Seite des St. Lorenz- Flusses zu wechseln. Es ist dunkel, als wir den Hafen erreichen. Die nächste Fähre fährt erst morgens um 8:00 Uhr. Doch das Reinigungspersonal im Terminal ist hilfreich: Da wir keine Reservierung haben und die Fähre fast ausgebucht ist, zeigt der junge Mann uns die Stelle, an der wir unseren Grobi hinstellen sollen, damit wir nach denjenigen mit Reservierung die ersten sind und noch an Bord fahren können. Wir sollen hier im Hafengelände unser Zeltdach hochklappen und schlafen? "Ja! Und bitte noch bis an die Haltelinie vorfahren, wenn der Tanklastzug weggefahren ist!" Na dann, wenn er meint ... . Wir verbringen eine Nacht bei strömendem Regen und spannenden Hafenarbeiten um uns herum, und sind am nächsten Morgen tatsächlich mit auf dem Schiff.
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  • Wale

    10 augustus 2023, Canada ⋅ ☁️ 20 °C

    Inzwischen haben wir Tadoussac erreicht. Dort leben ganzjährig weiße Belugawale und auch jede Menge anderer Wale, da der kalte Labradorstrom von Norden mit der Tide Nahrung in den verhältnismäßig warmen St. Lorenz-Strom einträgt. Wir verbringen einen Tag auf den Felsen am Fluss und sehen immer wieder Rückenflossen von Finnwalen und vermutlich Pilotwalen. Weit entfernt sehen wir sogar Belugas.
    Den nächsten Tag wollen wir die weißen Wale aus der Nähe sehen. Es regnet zwar wieder, das hält uns jedoch nicht ab. Nach dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung, machen wir uns auf den 3,5 km langen Weg zur Aussichtsplattform. Wir sind jedoch dem Rebhuhn bedeutend näher gekommen als jeglichem Beluga, obwohl wir geduldig 2 Stunden im Regen gewartet haben. Wir sind etwas enttäuscht, die Stimmung ist aber trotzdem gut, weil wir uns bewegt haben. Bei Regen auf kleinstem Raum in Grobi auszuharren, ohne Internet oder die Möglichkeit, entspannt zu lesen, wirkt zermürbend.
    Vielleicht hebt aber auch die Vorfreude auf Kerstin und Bladi, die wir über das Wochenende in Quebec besuchen wollen, die Laune.
    Um uns nicht schon über den Geruchssinn anzukündigen, verbringen wir den nächsten Vormittag mit Waschen, Duschen und (never ending story) einer Antragstellung auf Kostenerstattung bei Air Canada ... wir haben die Gasdruckfedern in Deutschland erneut bestellt und per Express nach Kingston zu Tammy und Skot schicken lassen. Mal sehen, ob sie ankommen und ob wir die Kosten erstattet bekommen.
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  • Québec

    13 augustus 2023, Canada ⋅ 🌧 22 °C

    In Québec werden wir von Kerstin und Bladi mit offenen Armen in Empfang genommen. Wir genießen es, umsorgt zu werden. Selbst gebackener Kuchen, Hunderunde, ein himmlischer Kabeljauauflauf, ein Besuch auf dem Québecer Markt, eine Stadtführung und ein Abendessen, das seinesgleichen sucht! Und dazu die besten Gespräche! Ein fantastisches Wochenende!Meer informatie

  • Wölfe

    15 augustus 2023, Canada ⋅ ⛅ 23 °C

    Nach dem entspannten Wochenende in Québec-Stadt entscheiden wir uns nach langen Überlegungen dafür, den St. Lorenz-Strom zu verlassen und einen Nationalpark im Norden, Parc de la Mauricie, zu besuchen. Unser Lonely-Planet-Führer, der oft übertreibt oder falsche Informationen beinhaltet, verspricht Kanufahren und Wanderungen in absoluter Abgeschiedenheit, unbedingt zu empfehlen sei der See Wapizagonke. Da das Gebiet als Nationalpark deklariert ist, fällt freies Stehen für uns aus und der Campingplatz des NP wird angefahren. Das Gelände ist - wahrscheinlich wegen des Wetters - nur wenig belegt, so dass wir, obwohl wir spät ankommen, noch einen Platz für uns allein unter Bäumen besetzen dürfen. Als Abendbrot gibt es heute nur Käse und Wein, da es schon dunkel wird. Jörg verkriecht sich bald ins Obergeschoss, ich möchte jedoch noch einen Blogeintrag schreiben: Die Basstölpel warten auf mich. Es ist jetzt stockduster ... mein Eintrag ist fast fertig, da höre ich sie: Wölfe! Ihr langgezogenes Heulen durchdringt die Nacht. Ich höre auf zu schreiben und lausche.
    Am nächsten Morgen leihen wir uns ein Kanu und paddeln damit über die Seen des Wapizagonke bis zum westlichen Ende des Sees. Wir beobachten aus nächster Nähe Sterntaucher und fühlen uns wie in Schweden. Am Seenende angekommen, tauschen wir das Boot gegen Schusters Rappen und wandern bis zu den Waber Falls, unter denen ich mir mit Freude den Schweiß abdusche. Anschließend geht es zurück zum Boot und wieder über die Seen zum Ausgangspunkt. Der Ausflug war wider erwarten lang und mit den 9 km Wanderung auch anstrengend. Wir liegen erschöpft im Obergeschoss und da hören wir sie wieder: Wölfe!
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  • Mont Royal

    17 augustus 2023, Canada ⋅ ☀️ 25 °C

    Woran liegt es? Fehlt uns der versierte Stadtführer? Sind wir schlecht vorbereitet? Oder mögen wir einfach keine Großstädte? Montreal, dessen Name vom "königlichen Berg" kommt, hat Mühe, uns seine Schönheit zu offenbaren. Auf dem Weg in die Altstadt - "ein Labyrinth aus unebenen Kopfsteinpflastergassen gesäumt von [...] gemütlichen Restaurants, Galerien und Boutiquen" (Zitat: Lonely Planet) - sehen wir tatsächlich beeindruckende moderne Architektur mit Spiegelungen, die wahrscheinlich so nicht gedacht waren. In der Fassade des Wirtschaftsprüfungsinstituts spiegelt sich die zu prüfende Bank, die Architektur der Inkarnation von Kapitalismus nimmt das dahinter verschwindend kleine Kirchendach auf, der Himmel spiegelt sich im Bankgebäude.
    Die Altstadt enttäuscht uns dagegen, da ich nach der Ankündigung des Führers etwas Lübeckähnliches erwartet hatte, aber weder gemütliche Restaurants, noch "schönste Fassaden" sich uns zeigen. Das Innere der ehemaligen Börse, jetzt ein Café, ist jedoch sehenswert. Die üppig-protzige Basilique Notre-Dame ist zumindest überraschend: Zum Altar geht es den Mittelgang entlang abwärts, in den Glasfenstern finde ich die Abbildungen von First Nations und Jesus am Kreuz wirkt, als würde er im Kontrapost posen. Irritierend sind vor allem jedoch die Menschen, die sich vor dem Altar fotografieren lassen: Sie scheinen die Pose von Jesus zu imitieren.
    Wir kehren erschöpft, feucht vom Regen und hungrig zum Auto zurück und besteigen deswegen nicht den Mont Royal (233 m), der uns mit seinem Blick über die Stadt vielleicht mit ihr versöhnt hätte.
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  • Bei Tammy und Skot

    19 augustus 2023, Canada ⋅ ☀️ 23 °C

    "Die schönen Tage in Aranjuez sind nun zu Ende" und wir kehren in den Reisemodus zurück, sitzen an einer Bucht am Skootamatta Lake und denken mit Freude an die letzten Tage zurück:
    Am ersten Abend führen uns Tammy und Skot, die vor 10 Jahren Lotte unter ihre Fittiche genommen hatten, zu einem Konzert der Gruppe "The Gertruds"! Ihr findet sie auf Spotify; hört mal rein, sie machen grandiose Musik!
    Den nächsten Tag gehen wir Frühstücken, besuchen einen Markt mit ausschließlich regionalen Produkten und bekommen eine kleine Stadtführung mit dem Fahrrad durch Kingston. Höhepunkt dieses Ausflugs ist ein Bad im Ontariosee, dem östlichsten der großen Süßwasserseen an der Grenze zwischen den USA und Kanada. Die Wellen sind mit ca. 1,5m überraschend hoch, alle Badenden springen von der Kaimauer. Ich habe mich nie als Feigling empfunden, doch jetzt stehe ich und sehe, wie sich erst Skot, Jörg und dann auch noch Tammy ohne Zögern kopfüber in die Fluten stürzen, und habe Angst. Von unten wird gewunken und gerufen. Ich zögere, trete von der Kante zurück, ich traue mich nicht. Dann nehme ich allen Mut zusammen und wage einen Fußsprung. Überlebt! Ich hüpfe sogar noch einmal, um mich zu vergewissern, dass es beim ersten Mal kein Zufall war.
    Die nächsten beiden Tage verbringen wir zurückgezogen am Cronk Lake nördlich von Kingston. Heidis Cabin, das rustikale Ferienhaus (vielleicht mit Canova zu vergleichen, aber ohne fließend Wasser und Elektrizität), ist nur per Boot zu erreichen ist. Wir machen eine Paddeltour mit allem, was wir für 2 Tage brauchen und genießen es, Schildkröten, Sterntaucher und einen jungen Hirsch zu beobachten, im See zu schwimmen, uns zu unterhalten, ... . Bei einem Erkundungsrundgang durch die Wildnis, die zu Heidis Hütte gehört, sehen wir die schönsten Pilze und lernen, wie Poison Ivy (Giftefeu) aussieht. Nicht berühren! Nachts lauschen wir den Kojoten: Ihr Jaulen ist höher als das von Wölfen und Bellen ähnlicher.
    Der letzte Tag in Kingston vergeht wie im Flug. Tammy und ich besuchen Kingstons Einkaufsstraße, in der sie wunderschöne Schuhe für die Hochzeit am Wochenende ersteht und ich einen weiteren tierischen Expeditionsteilnehmer. Das Badezimmer unserer Gastgeber macht endlich einen großen Schritt Richtung Fertigstellung.
    Skot und Tammy haben gute Ideen, welche Provincial Parks wir besuchen sollten, so dass die Reisestrecke für den kommenden Monat geplant ist: Algonquin Park, Killbear Park, Killarney Park, Manitoulin Island; evtl. auch noch an den Lake Superior, wir werden sehen. Skot arrangiert den Parkbesuch und die Bootsreservierung für den Algonquin Park. Ich bin froh darüber, denn ich hätte nicht gedacht, dass das Gebiet so ausgebucht ist. Um den Druck durch Menschen auf die Natur gering zu halten, werden nur wenige Besucher pro See erlaubt.
    Ach ja: Nächstes Kapitel in unserer Never-Ending-Story: Die neu bestellten Gasdruckfedern sind nicht in Kingston angekommen. Sie sind jetzt eine Woche überfällig.
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  • Algonquinpark l

    28 augustus 2023, Canada ⋅ ☀️ 22 °C

    4 Tage lang wollen Jörg und ich im Algonquin Park, einem der ältesten Parks Kanadas, paddeln und zelten. Alles ist dafür vorbereitet. Am Einsetzpunkt des Bootes am Shall-Lake beladen wir das Kanu mit 1 Zelt, 2 Isomatten, 2 Schlafsäcken, 1 Wolldecke, Ersatzwäsche, Wanderschuhen, dem Wasserfilter, Topf, Tellern, Besteck und natürlich Essen. Aus den Erfahrungen, die wir in den Paddelurlauben in Schweden sammeln konnten, wissen wir, dass wir in der Wildnis mehr essen. Also nehmen wir allein 2 Rucksäcke voll "food" mit. Wir wissen zwar, dass wir eine Portage ( = Umtragestelle von einem See zum nächsten) zu bewältigen haben, aber es wird schon nicht so anstrengend werden. Frohgemut paddeln wir bei bestem Wetter los. Manchmal ist es gut, wenn man nicht weiß, was einen noch erwartet. Damit bleibt die gute Stimmung ungetrübt. Wir haben etwas Mühe mit der Orientierung, da wir keine Karte dabei haben, aber Jörg hat in weiser Voraussicht die Karte auf seinem Smartphone und per GPS-Tracker können wir uns orten. So finden wir die Umtragestelle und müssen jetzt sowohl das Boot als auch das Gepäck den gewundenen Pfad einem Kilometer über Stock und Stein zum nächsten See schleppen. Ein Kilometer kann ganz schön lang sein! Wir müssen ihn zweimal laufen: Das erste Mal mit Boot und je einem Rucksack, das zweite Mal mit je einem Rucksack, Paddeln, Schwimmwesten und schwarzen Tüten mit Decke, ... . Für eine wasserfeste Tonne hätten wir beim Ausrüster 40 Euro zahlen müssen. Deswegen haben wir darauf verzichtet. Wir werden schon nicht kentern und die Sonne strahlt mit uns um die Wette.
    Nach der schweißtreibenden Portage kommt der Genuss: Langsam gleiten wir von Bucht zu Bucht über den Shirley-Lake nordwärts. Der Wald am Ufer ist ein Mischwald aus u.a. Kiefern, Lärchen, Tannen, Birken, Erlen und natürlich Ahorn. Auf uns wirkt alles wie ursprüngliche, undurchdringliche Wildnis. Vor 200 Jahren jedoch sah das Gelände anders aus: Der Wald wurde beherrscht von riesigen Weymuthkiefern, es jagten und fischten die First Nations vom Stamm der Algonquin, wenige Siedler versuchten dem kargen Boden durch Landwirtschaft etwas abzuringen. Die Kontinentalsperre Napoleons gegenüber England hatte die Briten aber gezwungen, sich nach anderen Märkten für z.B. Holz umzusehen und so kam es Jahrzehnte nach Beendigung der Kontinentalsperre zur Abholzung und Verschiffung des ursprünglichen Algonquinwaldes u.a. nach Großbritannien. Globalisierung und ihre Auswirkungen.
    Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde durch die Errichtung des Parks der Holzeinschlag reguliert - nicht beendet - und die Siedler und Ureinwohner umgesiedelt.
    Wie gesagt, wir verspüren Wildnis und genießen sie. Dazu gehört, dass wir am Lagerplatz unsere Vorräte und den Müll vor Bären sicher in die Bäume hängen müssen, dass wir über offenem Feuer kochen und Holzhacken. So vergeht der nächste Tag, gegen Nachmittag ziehen jedoch Wolken auf und die Mücken spielen verrückt, da sie im Gegensatz zu uns zu wissen scheinen, was folgt: Regen! Er setzt nach 21:00 Uhr mit einer Heftigkeit ein, die uns froh sein lässt, schon im Zelt zu sein. Was jetzt folgt ist ein Dichtigkeitstest unserer Doppelwandbehausung. Sie gibt um halb 3 in der Nacht nach und lässt durch Nähte und Boden alles an Wasser durch, was durchkommen möchte. Das ist überraschend viel und so dauert es nicht lange, bis so ziemlich alles nass ist. Während wir im Zelt den Freischwimmer machen, überlegen wir das weitere Vorgehen: Morgenhelligkeit abwarten, alles einpacken, schnellstmöglichst den Rückzug durchführen! Frühstück? Wird überbewertet! Trinken? Da müssten wir den Filter herausholen. Das, was vorgestern noch den ganzen Tag gedauert hat, wird auf 4 Stunden geschrumpft: Paddeln, Portage, Paddeln in strömendem Regen ohne Pause! Rückführung von Boot und Equipment ... fertig! Es ist mittags und wir sind erschöpft und nass. Das wir auch hungrig und durstig sind, merken wir nicht einmal mehr. Der ganze Wagen ist voll mit nassem Zeug. Nichts kann richtig verstaut werden und an seinen ursprünglichen Platz zurück. Wir ziehen uns um und sitzen stumpf im Auto.
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  • Fortsetzung

    31 augustus 2023, Canada ⋅ ⛅ 22 °C

    Und nun? In Deutschland würden wir den Wagen anlassen und nach Hause fahren, alles waschen und im Keller zum Trocknen aufhängen und zum Italiener essen gehen. Aber wir sitzen in unserem zu Hause und einen Keller haben wir hier nicht. Nach kurzer Erholungspause beginnt unser Gehirn wieder zu funktionieren und da fällt uns ein, dass Skot uns kurz vor Einfahrt in den Nationalpark mitgeteilt hat, dass die Gasdruckfedern (Ahhh! Das Thema gibt es immer noch!) in Kingston angekommen sind. Wir haben also nicht nur nasse Sachen überall, sondern sind auch noch am falschen Ort. Skot machte den Vorschlag, Mitte September seinen Bruder in Orangeville zu besuchen und die Federn dorthin mitzunehmen. Er wüsste aber noch nicht genau, wann. Sollen wir das Angebot annehmen? Oder sollen wir die 300 km zurück nach Kingston fahren? Mit dem nassen Kram? Inzwischen ist der Wagen von Innen beschlagen und wir sind auch eine Geruchsbelästigung für unsere Umwelt. Also entscheiden wir uns für einen Waschsalon in 30 km Entfernung, um erst einmal wieder gesellschaftsfähig zu werden.
    Bis auf das Zelt können wir hier alles säubern und trocknen. Auch die Schlafsäcke sind jetzt wieder einsatzbereit. Außerdem bietet der Besitzer des Waschsalons auch - eine merkwürdige Kombination - chinesisches Essen zum Mitnehmen an. So löst sich am späten Nachmittag unser Hungerproblem, auch wenn wir definitiv schon besser gegessen haben. Aber die Wäsche ist sauber!
    Die nächsten Entscheidungen können jetzt gefällt werden:
    1. Übernachtungsplatz suchen
    2. an einem geeigneten Rastplatz Zelt und Isomatten trocknen
    3. nach Kingston zurückkehren und die Federgeschichte beenden!
    Und so kommt es, dass wir am nächsten Tag schon wieder bei Tammy und Skot sind. Dort montieren wir die Federn, bekommen eine Tube Nahtabdichtung für Zelte geschenkt und haben noch einen gemütlichen Abend bei bester Pizza mit unseren Freunden.
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  • Offroad - jeden Tag ein bisschen

    1 september 2023, Canada ⋅ ☀️ 19 °C

    Fast jeden Abend suchen Jörg und ich uns einen neuen Stellplatz für die Nacht. Manchmal sind wir auf Campingplätzen, meistens stehen wir jedoch frei. Dabei meiden wir grundsätzlich Privatgelände, übernachten nicht an der Straße und stehen immer versteckt für Normalbürger. Das uns ein weiterer verrückter Offroader aufspürt, ist uns jedoch schon passiert.
    Dabei gehen wir folgendermaßen vor: Wir suchen über unsere digitale Karte Straßen, die nicht asphaltiert sind und nicht zu Häusern führen . Gleichzeitig sollte dieser Weg an einem Fluss oder See vorbei führen, damit wir der Hygiene genüge tun können und natürlich wegen der Romantik. Wenn das Gebiet Crownland - also Regierungsgelände - ist, dürfen wir dort problemlos übernachten. Auf dem Weg von Kingston aus nordwärts werden wir unter riesigen Überlandleitungen, die eine 500m Breite Schneise in die Landschaft schneiden, fündig: Ein Versorgungspfad windet sich unter den Leitungen den steilen Berg hinauf. Dafür ist Grobi gebaut! Ich lege die Untersetzung ein und wir krabbeln im 2. Gang langsam über den zugewucherten, mit losem Geröll und Ausspülungsrinnen reich gesegneten Weg durch die blühende Wiese erst aufwärts, dann abwärts, linksherum, dann rechtsherum. Um uns schweben mengenweise Monarchfalter. Schließlich biegt der Pfad von der Stromtrasse ab hinunter zu einem Fluss. Dort, in absoluter Abgeschiedenheit, bleiben wir. Jörg freut sich schon auf das nächste Stück "Offroad" auf diesem außergewöhnlich schönen Abschnitt, denn wir wechseln den Fahrer immer tageweise, also darf er morgen lenken.

    (Bilder gibt es vom "Offroad" - Fahren nicht. Da sind wir beide zu konzentriert und angespannt.)
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  • Algonquinpark ll

    2 september 2023, Canada ⋅ ☁️ 24 °C

    Wenn es ein Kapitel "Algonquinpark l" gibt, muss es auch noch eines "Algonquinpark ll" geben. Wir wollen dem Park die Chance geben, uns den Regentag vergessen zu lassen. Deswegen fahren wir von Ost nach West auf dem Highway 60 durch den südwestlichen Parkabschnitt. Diesmal wollen wir wandern. Doch wir sind vorsichtig: Statt einem Gewaltmarsch soll es 4 kleine Rundwege geben. So kann uns kein Regen durchnässen und Erschöpfungszuständen ist ebenfalls vorgebeugt. Wir sind ja lernfähig. Manchmal.
    Der erste Weg heißt "Beaver Pond", ist 2km lang und bietet genau das, was sein Name verspricht: 2 Seen, die durch Dammbauten von Bibern entstanden sind. Wir lernen, dass die Lieblingsspeise der Biber im Sommer Wasserlilien sind. Nur im Winter müssen sie mangels anderem Angebot mit Rinde und jungen Ästen vorlieb nehmen. Da bin ich ganz Biber: Nur wenn die Schokolade alle ist, nehme ich Stockfisch.
    Weg 2 heißt "Big Pines", ist 3km lang und sein Thema ist - wer hätte es gedacht? - Weymuthkiefern. Damit diese Art gedeiht, muss in dem Jahr, in dem die Zapfen reifen, ein Waldbrand von einer ganz bestimmten Hitze-Intensität alle anderen Bäume und das Laub- und Nadelwerk auf dem Boden verbrannt haben. Das Feuer darf jedoch nicht so lange wüten und so heiß sein, dass auch die Kiefernsamen Schaden nehmen. Erst dann ist der Boden gut vorbereitet und die Lichtkonkurrenz vernichtet, so dass eine Weimuthkiefer keimen und wachsen kann. Anspruchsvolle Pflanze! Die Bäume auf dem Weg sind demnach alle gleich alt, etwa 200 Jahre. Zum Zeitpunkt des großen Kiefernschlachtens im Park ließ man sie stehen - sie waren noch zu klein.
    Weg 3 bietet uns mit seinen nur 2 km Länge grandiose Ausblicke von einem Felsabbruch aus. Er heißt "Lookout"; das wollte ich Euch nicht vorenthalten.
    Der letzte und vierte Weg ist mit nur einem Kilometer Länge fast schon beendet, bevor er begonnen hat. Sein Thema sind Ammenbäume und das Wachstum junger Gehölze im Schatten von alten etablierten Stämmen.
    Nach insgesamt 8km Wandern sind wir zufrieden über die Bewegung und den Abwechslungsreichtum unserer Wegewahl, verlassen den Algonquin Provincial Park und suchen uns wieder ein verstecktes Eckchen zum Schlafen. Morgen geht es weiter zum Killbear Provincial Park.
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  • Kill -bear und -arney

    4 september 2023, Canada ⋅ ☀️ 25 °C

    Wir machen uns auf Richtung Westen zum Georgian Bay, einer riesigen Bucht des Huron Sees. Einzigartig in der Welt sind die 30 000 Eilande, die sich wie in Schweden die Schäreninseln über die gesamten Küstenlinie erstrecken. Der Unterschied liegt im Wasser, denn die großen Seen sind alle Süßwasserseen.
    Auf unserem Weg passieren wir Huntsville, das südländisches Flair versprüht, sonst aber keiner weiteren Erwähnung wert wäre, hätten sich die Stadtväter und -mütter nicht etwas Besonderes ausgedacht: Wandmalkünstler haben dort Werke der "Group of Seven", einer bedeutenden kanadischen Künstlergruppe aus den 30iger Jahren an die Häuserwände gemalt, ohne jedoch auf den Rahmen zu achten. So stehen die Kunstwerke manchmal in scharfem Kontrast zu Mülleimern oder heruntergekommenen Fabrikrückwänden. Aber vielleicht ist das ja auch gewollt.
    Wir erreichen Killbear. Der verhältnismäßig kleine Provincial Park ist für uns eine große Überraschung, hatten wir die Parks von Kanada doch immer mit Wandern und Paddeln in wildem Gelände in Verbindung gebracht. Doch Killbear wartet mit Stränden zum Entspannen und Klippen zum Herunterspringen für Mutige auf uns. Große Teile des Geländes sind für Camper vorgesehen, die sich in großzügig angelegten Bereichen zwischen den Bäumen ausbreiten dürfen. Wir haben Glück, weil das letzte schulfreie, verlängerte Wochenende vorbei und der Platz deswegen nur wenig belegt ist. So bekommen wir eine besonders schönen Ecke sehr nah am Strand zugewiesen und genießen 2 ruhige, warme Tage mit Baden und Beobachten von Klippenspringern und Streifenhörnchen. Ein kleiner Rundweg führt zu einem winzigen Leuchtturm. Ich erreiche schwimmend eines der Inselchen. Nichts Aufregendes, Entspannung pur.
    Danach führt uns der Weg zum nördlich gelegenen Killarney Provincial Park. Wir kommen Abends im Hafenort mit demselben Namen wie der Park an und freuen uns, als letzte Kunden "Fisch und Chips" bei Herbert, einer Imbiss-Empfehlung von Tammy und Skot, zu bekommen. Als wir das Lokal verlassen, hat es angefangen zu regnen und wir merken, dass es empfindlich kalt geworden ist. Die nächste Nacht beschert uns einstellige Temperaturen. Das Frühstück am Morgen wird deswegen trotz malerischem Standort nur kurz und wir brechen zügig zu unserer Wanderung auf: Der Cranberry Bog Trail führt uns wieder zu Biberdämmen und -burgen. Schön, doch die Ähnlichkeit zum Biberweg im Algonquinpark ist groß, der Weg ist heute nur sehr viel länger. Da wir so zeitig unterwegs waren, sind wir schon am frühen Nachmittag wieder am Auto und entscheiden uns für eine zweite kürzere Wanderung.
    Bingo! Dieser Weg offenbart die ganze Schönheit dieses Nationalparks und auch den Unterschied zum Algonquinpark. Wir klettern über rosagraugrünes Gestein, erreichen eine Anhöhe mit spektakulärem Blick über den Georgian Bay, wandern durch lichten Ahorn- und Kiefernwald zum nächsthöher gelegenen Aussichtspunkt, schlängeln uns weiter über Felsen und um niedrige Sträucher herum, um einen noch schöneren Blick auf die Inselwelt zu bekommen. Der Weg ist so verschlungen, dass es richtig Spaß macht, nach der nächsten Wegmarkierung zu suchen.
    Unser Fazit: Nicht die Länge eines Weges und die Anstrengung, die mit ihm verbunden ist, machen einen Weg bedeutend.
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  • Sudbury

    8 september 2023, Canada ⋅ ☀️ 19 °C

    Sudbury! Vielleicht soll diese Stadt uns Hoffnung machen, dass Menschen am Ende doch lernfähig sind und die Erde gerettet werden kann:
    Sudbury entwickelte sich durch die Entdeckung einer Nickel-Kupfer-Erz Mine beim Bau der Eisenbahnlinie 1883 von einem Holzfällernest zur Industriestadt und weltgrößtem Nickelexporteur, denn Nickel wurde in der Rüstungsindustrie gebraucht. Die damaligen Abbau- und Verarbeitungsmethoden führten zur Freisetzung von Schwefeldioxid und dadurch zu saurem Regen. Die Wälder starben oder wurden abgeholzt, die Seen und Flüsse versauerten und verloren jegliche Flora und Fauna, die Abraumhalden türmten sich und sogar der vorher graurosafarbene Fels der Umgebung wurde schwarz und bekam eine asphaltähnliche Patina. Sudbury und Umgebung waren bis in die 70er Jahre eine tote, schwarze Wüste. Doch dann setzte ein Umdenken ein: Die Industrie änderte die Art der Produktion und die Einwohner von Sudbury sanierten mit Hilfe von Wissenschaftlern Stadt und Land. Mit Flugzeugen, aber auch per Hand, wurde Kalk in den Boden eingebracht, Gräser- und Blütenpflanzensamen verstreut und bis Anfang der 90er Jahre 9,1 Millionen Bäume gepflanzt. So sieht man heute nur noch beim genauen Hinsehen die Narben der Vergangenheit: Kein Baum ist älter als 45 Jahre und die Verfärbungen der Granitfelsen werden wohl nur durch Erosion wieder verschwinden.
    Vom Moment der Erkenntnis, dass alles verwüstet ist (1920) bis zur Umsetzung von Rettungsmaßnahmen für die Umwelt hat es über 50 Jahre gedauert.
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  • Manitoulin Island

    9 september 2023, Canada ⋅ ☀️ 19 °C

    Vom 9. bis zum 13. September erkunden wir Manitoulin Island. Die Insel ist die nördliche Begrenzung des Georgian Bay zum Huronsee und zeichnet sich durch viele unterschiedliche indigene Gemeinschaften aus. Für den Besuch eines Powwow kommen wir etwa 2 Wochen zu spät, unserem Erkundungsdurst tut das aber keinen Abbruch.
    Von Norden kommend überqueren wir das Wasser über eine einspurige Brücke, die stündlich für 15 Minuten für die Schifffahrt zur Seite gedreht wird. Im Häuschen auf dem Mittelpfosten sitzt tatsächlich der Brückendreher, der per Zuruf die Skipper zur Eile antreibt. Es gibt bemerkenswerte Berufe in Kanada.
    Die nächsten Tage verlaufen geruhsam. Da Jörg sich durch einen Insektenstich ein Erysipel zugezogen hat - an dieser Stelle noch einmal ein dickes Dankeschön an die Ärztin und Schwester im Hintergrund! - pausieren wir, legen das Bein hoch und fahren herum, ohne zu wandern. Wir sehen die größte Friedenspfeife der Welt und sind enttäuscht. Sie ist unspektakulär klein und wenig verziert. Bemerkenswert dagegen sind die Zäune im Zickzack, die Felder voneinander trennen, manchmal aber auch ohne uns erklärlichen Sinn am Waldrand auftauchen und wieder verschwinden. Die Landschaft ist derjenigen in Mecklenburg- Vorpommern ähnlich, nur die Felder sind kleiner und es gibt mehr Wald und blühende Brachflächen.
    Die Nächte werden empfindlich kalt, wir sehen Kraniche sich sammeln und Gänse gen Süden ziehen. Die Anzahl der Monarchfalter nimmt ab, ihr Ziel ist Mexiko. Die ganze Insel macht einen seltsam verlorenen und melancholischen Eindruck und wir lassen uns anstecken. Selbst das einzige Gespräch mit Einheimischen ist deprimierend: Trudeau wollte die Einwohner Kanadas wegen Covid durchimpfen lassen, um Kontrolle über die Bevölkerung zu bekommen. Aha. Kennt ihr Bill Gates? ... Das ist nicht unsere Welt.
    Bevor wir die Insel Richtung Süden verlassen, dürfen wir die einzige spektakuläre Wanderung jedoch nicht auslassen, auch wenn wir mit 4 km die kürzeste Version wählen. Die Ausblicke von der Abbruchkante der Niagaraschichtstufe auf dem Cup and Saucer Weg sind einzigartig schön.
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