• Marcel Friedmann
  • SV Feschbi
October 2022

Donau Expedition V

Es geht weiter. Von Novi Sad aus durch Serbien, Bulgarien und Rumänien. Read more
  • Trip start
    October 1, 2022

    Ich bin zurück

    October 1, 2022 in Serbia ⋅ ☁️ 18 °C

    Nach einem kurzen Flug bin ich gestern gegen Mitternacht am Yachtclub Liman in Novi Sad angekommen. Ein kurzer Schock am Tor weil der Schlüssel nicht passte aber kurz danach war ich durch den Nebeneingang zum Boot gekommen um dieses zu beziehen. Zwischen Fahrrädern und SUP-boards habe ich also mein Lager aufgeschlagen. Besuch hatte ich auch noch von einem Fuchs, der seelenruhig über den Steg schlenderte und sich von mir auch nicht stören lies.
    Früh um sieben Uhr ging es dann los, ich habe das ganze Boot auf den Kopf gestellt um neue Ausrüstungsgegenstände zu verstauen und einzubauen. Zwei Klappsitzen an altem Krempel wurden dabei auch aussortiert. Zwischendurch war kein Boden zu sehen, absolutes Chaos.
    Mittags habe ich dann etwas Abstand genommen um Essen zu gehen und Zollformalitäten zu klären und dann ging es auch wieder weiter.
    NMEA Converter einbauen, Außenborder Halterung anbringen, Schlauchboot verstauen (erfolglos, kein Platz ist groß genug) und vieles mehr. Gegen 19:00 Uhr war dann alles an seinem Platz und ich habe noch einen Abendspaziergang unternommen.
    Fix und alle, erstmal schlafen und morgen geht die Reise weiter ;)
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  • Zurück nach Belgrad

    October 2, 2022 in Serbia ⋅ ⛅ 21 °C

    Vor 36 Stunden bin ich in Belgrad gelandet und hatte von dort eine eistündige Taxifahrt nach Novi Sad.
    Das Boot ist bereit und ich bin es vielleicht auch. Wohin es geht? Zurück nach Belgrad aber diesmal nicht in einer, sondern in sieben Stunden.

    Der Motor springt nach Monaten sofort an und auch das alleinige Ablegen klappt problemlos, auch wenn es mein erstes Mal mit Mooringleine ist und das erste mal in extrem verkrauterem Gewässer. Bevor ich richtig kapiere was passiert bin ich schon wieder in der Strömung der Donau.

    Sie zeigt sich von ihrer besten Seite, es ist sonnig bei blauem Himmel und auch das Thermometer klettert rasch auf 26°, Ich habe noch chinesisches Essen vom Vortag, Pfefferminztee und Bier (alkoholfrei) - bereit für die Etappe.

    Die Gegend ist wunderschön, wenn auch wenig abwechslungsreich. Kühe tränken sich am Donauufer und Blätterwälder und kleine Klippen zäumen die Ufer.
    Die ersten VIER STUNDEN begegnet mir kein anderes Boot und ich sehe keinen anderen Menschen. Bewusst alleine zu sein ist eine komische Sache und bei mir wechselt die Stimmung stark zwischen einsamer Langeweile und euphorischer Entdeckerfreude. Generell sehr positiv aber doch komisch. Vielleicht hängt mir auch der wirklich anstrengende Tag von gestern noch nach.

    Weitere drei Stunden taucht Belgrad vor mir auf und wie bei jeder bisherigen Osteuropäischen Stadt bin ich fasziniert von den modernen Bauwerken und dem Leben auf den Straßen.
    Ich biege in die Save (Fluss) ein und Bars, Clubs und Restaurants säumen die Ufer noch drei Kilometer Flussaufwärts im Seitenarm und ich bin schließlich da.

    Uroš erwartet mich winkend. Er ist der Serbe, der in der wilden Nacht vor Anker in der Slowakei nachts auf die Donau hinausgetrieben ist. An seinem Boot darf ich kostenlos liegen und werde schnell mit Kaffee, Bier, Geschichten und Freundschaft versorgt. Auch meine Kanister nimmt er gleich zum tanken mit, geiler Typ!
    Der Tag neigt sich dem Ende und ich beschließe zum Essen in die Stadt zu laufen (Uroš hat andere Verpflichtungen) und muss schauen das meine Kinnlade oben bleibt. Eine wirklich tolle und lebendige Stadt, überall Menschen beim Sport machen, spazieren, feiern, knutschen und essen.
    Ich entscheide mich nach dem fleischlastigen gestrigen Tag für Sushi und werde nicht enttäuscht. Der Kellner fragt, ob es mein erstes Mal in Belgrad ist und ich frage ihn was ich hier unbedingt machen soll. Er geht und kommt 15 min später mit einer Liste zurück die sich gewaschen hat. Fußball-Stadion, Bergwandern, Aussichtsturm, Burgerladen, Skybar, Tesla-Museum und vieles mehr.
    Ich habe das Gefühl, das Serben allgemein sehr angetan von ihrem Land sind und sich freuen es anderen zu zeigen.
    Übrigens fühlt man sich hier auch nachts überall zu 100% sicher, eine positive Eigenschaft von Serbin, von der ich schon viel gehört habe.

    Jetzt geht es aber ab ins Bett, habe morgen ja eine riesige Liste an Unternehmungen abzuarbeiten ;)
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  • Wenn es am schönsten ist

    October 3, 2022 in Serbia ⋅ ⛅ 16 °C

    Gedanken nach dem zweiten Bier:

    Ich sitze hier im Gardoš Pub neben einem Aussichtsturm, der es in sich hat. Jeder Serbe, der dir eine Sehenswürdigkeit vorschlägt hängt wie automatisch „die NATO hat es zerbombt aber wir haben es wieder aufgebaut“ an.
    Das Thema scheint in den Köpfen tief verwurzelt zu sein aber dennoch begegnet man mir „als Deutscher“ freundlich und jeder ist voller Freude mir seine Heimat zu zeigen.
    Trotz der wenig spektakulären Innenstadt hat mich Belgrad wie jede Donaustadt in den Bann gezogen, die Festung, die Savaufer, die Menschen, Zemun und letztendlich der Milleniumturm „Gardoš“. Überall spielt Musik und die Einwohner zelebrieren es außer Haus zu sein. Alte spielen Schach im Park oder angeln am Ufer während die Jungen an den unzähligen „floating Bars“ feiern.
    Die vierte und letzte Donauhauptstadt steht den anderen in nichts nach und es ist einfach seine Reisepläne im Trubel zu verlieren. Hier könnte man länger bleiben.
    Für mich das Stichwort zum Aufbruch! Auch in Wien, Bratislava und Budapest wollte man länger bleiben doch man soll gehen wenn es am schönsten ist.
    Schon die anderen Städte habe ich früh genug verlassen um wieder kommen zu wollen und so soll es auch mit Belgrad sein.
    Gerade Belgrad war ein entscheidender Faktor für die Donauroute, hat man doch immer nur den Kosovokrieg im Kopf wenn man schon den Namen hört. Und war es nicht der Hauptgrund der Ostroute um die Vorurteile des Westens abzubauen?
    Nun sitze ich hier, der Reiseplan beschreibt einen weiteren Tag in Belgrad aber die Angst zu viel zu sehen und nicht mehr zurück zu kommen bewegt mich zur Weiterfahrt. Ich werde sehen was Lust, Wind und Wetter morgen bringen aber die Euphorie hier zu bleiben schreit gerade zu zum gehen.
    Im Gepäck habe ich geschenkten Diesel eines Freundes, den ich erst zweimal gesehen habe, Kuchen einer fremden alten Frau, mit der ich mich 15 Minuten unterhalten habe obwohl wir keine gemeinsame Sprache sprechen und drei halb abgearbeitete Listen verschiedener Menschen die mit alle Facetten ihrer Heimat zeigen wollten.

    Doch die übrigen Punkte müssen warten. Bis wann spielt dabei keine Rolle denn Abenteuer beinhalten „das Unbekannte“ und liegen soweit immer vor uns und nie in der Vergangenheit.

    Philosophen-Marcel ENDE!
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  • Ein langer Tag

    October 4, 2022 in Serbia ⋅ ☁️ 13 °C

    110 Kilometer habe ich mir für heute vorgenommen - Stramm aber machbar waren doch bisher manchmal auch 140km Tagesetappen geplant.
    Aber eines ist anders: Die Donau wird breiter und breiter und auch… genau langsamer!
    Wir fahren mittlerweile gut 2 km/h langsamer. Das klingt nicht viel, sind aber immerhin fast 20%!
    Es dauert also länger. Heute bin ich um kurz nach 8:00 Uhr gestartet und war um 17:00 Uhr am Ziel.
    Die Fahrt war schön, meinst gutes Wetter bis auf einen ordentlichen Regenschauer und die Ufer wandeln sich langsam von flachen Wiesen zu hohen Bergen - das Eiserne Tor rückt näher.
    Trotz der Schönheit war es aber einfach ziemlich lang. Blöderweise sind fast alle Etappen lange geplant und zwei Schleusen die Zeit fressen und ein- und Ausklarieren kommt auch noch dazu.
    Ich muss also etwas umplanen.
    Macht aber nix, war ein geiler Tag, den ich mit Nudeln und Pesto beende. 19:30 ist wacker früh für ein Ende aber wenn man nicht an Land kommt und es dunkel ist gibt es nicht mehr so viel zu tun. Also ab ins Bett, bisschen Logbuch schreiben, Hörbuch hören und entspannen, morgen wird es ja wieder ein langer Tag :)
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  • Vielfalt

    October 5, 2022 in Serbia ⋅ ⛅ 19 °C

    Dieses Stück gehört definitiv zu den Highlights an der Donau, so vielfältig habe ich sie noch nicht erlebt.
    Gestartet bin ich nach einer wunderbar ruhigen Nacht vor Anker gegen 7:00 Uhr. Nebel und Wolken überall. Zu rechten noch kurz die Festung Golubac besichtigt (vom Boot aus da der Anleger von einem Kreuzfahrtschiff belegt war) und hinein in die Kilometerlange Gebirgspassage „Eisernes Tor“.
    Die Donau wächst stetig an und Becken von bis zu 7 km Breite erinnern schon eher an einen See oder eine Bucht als einen Fluss.
    Hier habe ich mir beim Drohnenfangen gleich noch den Finger aufgeschnitten, weshalb jetzt Handschuhpflicht ist ;)
    In Donji Milanovac war der Anleger dann von dem gleichen Kreuzfahrtschiff belegt, das mich in der Zwischenzeit überholt hatte.
    Ich fuhr also weiter, hier schrumpft die Donau von einigen Kilometern auf wenige hundert Meter breite und wird dafür bis zu 80m tief, ein Weltrekord bei Flüssen. In dieser Enge habe ich mich nun zu Fuße des König Decibal Denkmals vor Anker gelegt.
    Die Hoffnung auf einige baldige Dusche habe ich nun aufgegeben und per Eimer einen Badetag eingelegt (bitter nötig), abgespühlt und klar Schiff gemacht.
    Jetzt wird noch essen gekocht und dann geht es ab in die Koje zum Hörbuch hören, lesen, Logbuch schreiben und so weiter. So schlecht ist es gar nicht, wenn es um 6 dunkel wird und man noch von Bord gehen kann ;)
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  • Land in Sicht!

    October 6, 2022 in Serbia ⋅ ☁️ 20 °C

    Aufgewacht zu Füßen des Denkmals von König Decebal welches übrigens pseudo-Antik ist und erst vor ca 20 Jahren in den Fels gehauen wurde.
    Eine frühe Abfahrt war geplant, welche sich leider aufgrund eines im Grund verhakten Ankers verzögerte. Leider lange genug um den Anschluss an einem Frachter zu verlieren, den ich als Schleusen-Buddy auserkoren hatte.
    Vorbei an der Trajan-Tafel aus dem Jahre 103 nach Christus und weiter Richtung der riesigen Schleusenanlage Djerdap 1 welche als Wasserkraftwerk 12 Megawatt Leistung bringt.
    Die Schleuse ist mit zwei Kammern ausgelegt und man sinkt 16m in der ersten Kammer, bevor man in die zweite einfährt und erneut 16m fällt.
    In der Ersten angekommen wurden mit leider 3 Stunden Wartezeit prophezeit. Hätte ich lieber außen gewartet, da hätte ich nach drei Tagen endlich wieder mal einen Fuß an Land setzten können :)
    Der erwartete Frachter hatte dann Motorprobleme, was die schleusung weiter verzögerte. Am Ende landete ich also nicht mit dem Frachter „Aqua Team“ sondern mit dem Kabinenschiff „River Voyager“ in der Kammer.
    Nach kurzer Weiterfahrt entschied ich mich in Kladovo anzulegen, wo ich in der Früh Ausklarieren kann um Kurs Bulgarien zu setzten.
    Noch kurz 20 Minuten Taxi gefahren (3€) um Diesel zu Bunkern und ab in die Stadt für einen ausgedehnten Spaziergang und Speiß und Trank.
    Die Nächte vor Anker waren herrlich aber mal wieder an Land zu sein ist auch schön.
    Ob ich morgen aus dem flachen Hafen wieder rauskomme bleibt abzuwarten, da der Pegel aufgrund der Kraftwerke stark schwankt aber darum soll sich der Zukunfts-Marcel kümmern.
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  • Trainingsfahrt

    October 7, 2022 in Romania ⋅ ⛅ 21 °C

    Einhand Ablegen, Nebelfahrt, Schleusen, Ausklarieren, Ankern, alles was man braucht an einem Tag :)

    Ich habe also beschlossen vor Sonnenaufgang loszufahren um mir diesen vom Wasser aus anzuschauen, das war es absolut wert!
    Kurz danach erhob sich vor mir eine Nebelbank, welche ich als „wird nur ein bisschen sein“ abtat und daraufhin fast eine Stunde durch die dickste Suppe überhaupt fuhr. Ausguck, Schallsignal, wieder Ausguck… eigentlich auch ne coole Sache wenn um dich rum gar nichts zu sehen ist und Wasser und Himmel eins sind.
    Danach gab es aber wieder Sonnenschein und bestes Wetter, ich habe die letzte Donauschleuse passiert und bin somit im Revier der Baluga-Störe oder Hausen angekommen, welche bis zu 6 Meter groß werden können aber durch überfischung und den Bau der Schleusen fast ausgestorben sind.
    Jetzt gibt es keine Hindernisse mehr zwischen mir und dem Schwarzen Meer!
    Noch schnell am Zollanleger aus Serbien ausklariert, wobei der Beamte etwas überfordert war, weil Janny noch auf der Einklarierung stand, da habe ich wohl einen bürokratischen Akt übersprungen. Nachdem das Boot durchsucht wurde (Routine) ging es dann noch ein kleines Stück weiter, wo ich mir auf der Rumänischen Seite einen Ankerplatz gesucht habe. Aktuell bin ich ja in keinem Land und zudem gibt es nichts zum anlegen.
    Morgen geht es nach Vidin (Bulgarien) wo ich hoffentlich am Zollsteiger eine Nacht verbringen und mir somit die schöne Stadt anschauen kann.
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  • 30

    October 8, 2022 in Bulgaria ⋅ ⛅ 23 °C

    Juheeeee! Ich bin in Bulgarien und obwohl ich als Kind schonmal hier war zählt es für mich als mein 30. besuchtes Land.
    Die Nacht vor Anker war nicht schlecht aber unruhiger als bisher. Aufgebrochen im nebligen Sonnenaufgang war ich also eher träge bei der Sache und habe nicht viel dokumentiert. Das macht aber nichts, denn. Die Walachei ist nach dem Gebirgszug zwar sehr schön aber wenig abwechslungsreich, einfach ein Flachland. Auch der Lauf der Donau wird einseitiger und fliest ab jetzt ohne Schlingen und Kurven einfach gerade nach Osten.
    Ich habe eine der zwei großen (und einzigen) Donaubrücken in der unteren Donau, die Brücke “Neues Europa” passiert und kurz danach in Vidin angelegt, um in Bulgarien einzuklarieren. Festgemacht an einem abgesperrten Ponton habe ich verzweifelt versucht das Hafenbüro per Funk oder Telefon zu erreichen, bis mich ein Kreuzfahrtschiff weg gehupt hat. Über Funk war dann aber alles schnell geregelt, warum nicht gleich so :).
    Ein Ponton weiter wurde ich dann aber (nach der Mittagspause) schnell und problemlos abgefertigt und man erlaubte mir eine Nacht zu bleiben.
    Vidin hat eine lange, spannende Geschichte aber außer einer spektakulären Festung und einem netten Bootsrestaurant eher weniger zu bieten. Die Innenstadt ist nett aber nichts besonderes.
    Heruntergekommene Gebäude, Credit-Anbieter und schlecht ausgerüstete Apotheken dominieren das Stadtbild (Die Suche nach Wundnahtstreifen nach einem kleinen Drohnenunfall verlief erfolglos).

    Schön ist es trotzdem an Land zu sein, spazieren zu gehen, neues zu entdecken und Menschen zu beobachten. Die nächsten zwei Nächte werde ich wohl wieder vor Anker verbringen, bevor ich mein Etappenziel Russe erreiche.
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  • Der Beitrag ohne Überschrift

    October 9, 2022 in Bulgaria ⋅ ⛅ 20 °C

    Also an die Sonnenaufgänge der Donau kann man sich wirklich gewöhnen, fantastisch!
    Eigentlich wollte ich gerade schreiben, dass heute nicht viel passiert ist aber dann brach plötzlich ein Flutlicht zum Fenster hinein.
    Aber von Anfang an:
    Ich bin wieder gegen 7:00 Uhr (war bis gestern noch 6:00 Uhr, Bulgarien ist eine Stunde weiter) losgefahren und habe ziemlich genau 100km zurückgelegt. Dank Autopilot habe ich mich in den 7,5 Stunden gut verpflegt, etwas an Deck entspannt und und Hörbuch gehört. Die Landschaft hat sich auf den 100 km Null verändert. Links und rechts eine Reihe Bäume durch die man den Himmel sieht, kein Berg, kein Fels. Schön ist es trotzdem und gerade die Vogelschwärme und Möven machen wir viel Freude.
    Anlieger gab es in Kozloduy keinen und so fiel leider der geplante Besuch eines neuen Freundes ins Wasser. Geankert habe ich gegen 15:00 bei km 690 in einem Seitenarm. Es ist der perfekte Ankerplatz! gute Tiefe, angenehme Strömung, geschützt, einwandfrei!
    Um meinen Tatendrang etwas gutes zu tun habe ich nach dem Ankerbier das ganze Deck geschrubbt, abgespült und das Boot auf Vordermann gebracht bevor es Linsensuppe und Brot zum Abendessen gab- lecker!
    Vor 20 Minuten bin ich dann in die Koje um den Abend ausklingen zu lassen bis…
    …genau! Hier kommt das Flutlicht!
    Ich also an Deck und siehe da, es ist die Grenzpolizei. Nach etwas hin und her wollten sie dann die Dokumente sehen und haben diese erschreckend lange geprüft. Am Ende aber alles gut und mir wurde erklärt, dass alles passt, ich hier ankern kann aber 2km weiter unten nicht, denn da steht ein AKW.
    Ist bekannt und somit alles in Butter.

    Viel Gerede um einen schönen aber doch eher unspektakulären Tag für den mir gerade keine sinnvolle Überschrift einfällt. :)
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  • Ich und mein Holz

    October 10, 2022 in Bulgaria ⋅ ⛅ 18 °C

    Rums!
    Ich schau auf die Uhr, genau 00:01 und sprinte an Deck. Alles dunkel, im Mondenschein zeichnet sich etwas großes vor dem Bug ab und schon geht der Ankeralarm an. In Boxershort und Stirnlampe gehe ich aufs Vorschiff und traue meinen Augen kaum - ein Ungetüm von Baum treibt quer aufs Boot und schiebt und langsam Flussabwärts.
    Ich hole mir den Bootshaken und studdere gehen das Holz, es tut sich gar nichts.
    Was tun? Anker auf wird schwierig, wenn das Monstrum gegen die Kette drückt. Motor an?
    Muss vielleicht nicht sein. Ich gehe zum Deckshaus und lenke das Boot nach Steuerbord. Das Ruder hat in der Strömung genug Kraft und dreht Schiff und Stamm im Uhrzeigersinn. Der Stamm dreht weiter und kommt längsseits - bestimmt 12 Meter hat der Koloss, steht er vorne und hinten weit über das Boot hinaus. Auch der Durchmesser ist beachtlich, verglichen mit meinen 20cm Fendern hat er sicher die 5fache breite.
    Ich schiebe den Stamm von Boot weg oder wahrscheinlich eher das Boot vom Stamm und er zieht vorbei ohne den Rumpf auch nur zu berühren.
    Glück gehabt?
    Zurück im Bett überdenke ich die möglichen Konsequenzen.
    Auf jeden Fall bin ich glimpflich davongekommen aber bei 2-5 km/h Strömung bezweifle ich, dass ein direkter Stoß Schaden angerichtet hätte. Treibgut hat Gewicht aber kaum kinetische Energie. 3-5cm Bordwand trennen mich vom Wasser und das ist nicht eben mal eingedrückt. Ich denke ein kosmetischer Schaden wäre das maximum gewesen. Klar, der Stamm hat uns 40m verschoben aber das berücksichtigt man, wenn man in der Strömung ankert.

    Um 6:00 Uhr klingelt der Wecker, Aufbruch.
    Sturm und Wolken lassen und das erste mal spüren, das es Oktober ist - bisher war Kurze-Hosen-Wetter. Problematisch dabei: Der Wind kommt von Osten. Wo ich mich gerade rumtreibe verläuft die Donau fast gerade gen Osten und so baut sich durch den ungebremsten Wind gegen den Strom eine beachtliche Welle auf.
    Der Sonnenaufgang ist herrlich doch später -gegen Mittag- beschließe ich in einer Bucht Schutz vor den Wellen zu suchen, zu groß ist der materielle Verschleiß.

    Mein Freund Uroš aus Belgrad sagte vor einigen Tagen zu mir: wenn 2-3 Dinge am Tag schief gehen, bleib einfach im Bett und warte auf den nächsten Tag. War heute so ein Tag? Die Stimmung ist fantastisch und was kann schon passieren?

    Nach einem ausgedehnten Vesper und einem Mittagsschlaf beschließe ich weiter zu fahren. Der Fluss scheint sich beruhigt zu haben und die Passage scheint machbar.
    Auf einigen Geraden haben wir wieder hohe, steile Wellen und die Fahrt ist kurzzeitig alles andere als entspannend aber zum Sonnenuntergang erreichen wir das Tagesziel, einen wundervoll geschützten Ankerplatz bei km590.

    Der Sonnenuntergang ist grandios und die Ruhe hier einmalig. Zum kochen habe ich keine Lust mehr und so verziehe ich mich früh mit ein paar Erdnüssen in die Koje. Ich höre Hörbücher und teile meine Erlebnisse auf Facebook. Schnell trudeln erste Kommentare ein welches Glück ich doch hatte und das Ankern im Strom ja doch Gefahren bringt.
    23 Stunden und 45 Minuten jedes Tages an Bord sind entspannend und ruhig, fast langweilig. Die restlichen 15 Minuten sind nicht gefährlicher als auf dem Weg zur Arbeit links abzubiegen.
    Ich bin jederzeit bereit für diese Erlebnisse Risiken einzugehen, die jeder andere auf dem Weg zur Arbeit auf sich nimmt.

    Hand aufs Herz, was kann groß passieren wenn man in Schritttempo unterwegs ist?
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  • Zivilisation

    October 11, 2022 in Bulgaria ⋅ ☁️ 21 °C

    Es war eine ruhige Nacht vor Anker (ganz ohne Zwischenfälle) und wieder einmal starte ich in einen fantastisch Sonnenaufgang.
    Die letzten 90 Kilometer dieser Etappe stehen auf dem Plan. Der Wind pustet nicht mehr und die Fahrt ist ruhig, entspannt und ohne große Ereignisse. Bei Halbzeit erreiche ich den südlichsten Punkt der Donau, jetzt geht es wieder Richtung Norden.
    Die Strömung schiebt uns gut voran und schon gegen 14:00 Uhr erreiche ich Russe, hier bleibe ich für den Winter.

    Der Hafenmeister ist super nett und eine Goldmine an Info. Er überreicht mir gleich einen Stadtplan mit Baumärkten, Tankstellen und andern Dingen per Hand eingezeichnet. 20 Minuten später klingelt das Telefon - eine bulgarische Nummer. Iskren ist dran, er hat erfahren, dass ich in zwei Tagen zum Flughafen will und er könnte mich fahren. Perfekt!
    Ich habe meine erste Dusche seit 12 Tagen, mache Besorgungen im Baumarkt und esse nett zu Abend.

    So schön die einsamen Nächte vor Anker waren, so schön ist es auch wieder unter Menschen zu sein.
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  • Die letzten Tage

    October 12, 2022 in Bulgaria ⋅ ⛅ 18 °C

    Gestern bin ich in Ruse angekommen und morgen fliege ich von Bukarest (Rumänien) aus nach Hause.
    Die Leute hier am Hafen sind sehr nett und alle Besorgungen (Baumarkt, Wäscherei, Diesel…) waren schnell und einfach zu Fuß erledigt. Die Stadt ist schön aber abseits des Zentrums schlecht erhalten.
    Ich verbringe den Tag hauptsächlich damit das Boot Winterfest zu machen. Motor einwintern, putzen, Seeventile entlüften, aufräumen, Wassertank entleeren und Dieseltank befühlen und was sonst noch so alles anfällt. Zeit die Stadt zu besichtigen bleibt leider nicht so viel, was ich unbedingt nachholen muss, wenn ich zurück komme. Abends gibt es noch leckeres Sushi und dann gehts zurück ans Boot um die Kleidung zu vakuumieren und andere letzte Arbeiten zu erledigen.
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  • Bukarest

    October 13, 2022 in Romania ⋅ ☁️ 14 °C

    Iskren holt mich um 9:00 Uhr ab. Er ist ein Tourguide und weis alles über jedes Land in Europa und wahrscheinlich auch außerhalb. Unglaublich. Er fährt mich zum Flughafen und erzählt mir während der zweistündigen Fahrt vieles über Bulgarien, Rumänien und die Balken-Kriege. Super spannend!
    Er bietet mir an einen mehrtägigen Tripp zu planen wenn ich zurück komme und das will ich unbedingt machen!
    Aber jetzt geht es erstmal nach Hause. Die Feschberboggs ist sicher verstaut für den Winter und ich hoffe, dass sie die Monate gut übersteht. In drei Stunden geht mein Flug nach Hause un d somit endet die fünfte Donau-Etappe, was für eine tolle Reise es doch war! Ich freue mich schon sehr auf meine Rückkehr.
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    Trip end
    October 15, 2022