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- Day 44
- Thursday, March 1, 2018
- ⛅ 29 °C
- Altitude: 173 m
ArgentinaPuerto Iguazú25°35’50” S 54°34’43” W
Horden bunt-flattriger Schmetterlinge

Bevor wir über Iguazu sprechen, wo wir übrigens unbeschadet jedoch mit etwas Nachbrand angekommen sind, gibt es noch zwei wichtige Themen aufzuarbeiten. Was mich seit einigen Wochen immer wieder irritiert, sind die ununterbrochen blau blinkenden Blaulichter der Polizeifahrzeuge hier. Die leuchten und blinken immer. Ob Einsatz oder nicht. Während in unseren Breitengraden die Polizei gerne auf "Versteckis" und "Fangis" macht, um irgendwann hinter einem Baum hervorzuspringen und lauthals zu rufen "heds!", läuft das hier irgendwie mehr nach dem Prinzip „schaut her, ich hab auch so ein geiles Blaulicht und was Dickes in der Hose (also eine Pistole), ich komme (also physisch an einen Ort), anständig sein!" ... Habe das Prinzip zwar nie wirklich verstanden, aber die Tage in Mendoza durchaus schätzen gelernt. Das dürfte auch dem rassigen Pedro Fictivo jeweils entgegen kommen.
Dann noch ein kleiner Nachtrag zu Santiago. Was war das eine geile Woche. Neben all den wundervollen Erlebnissen und all der Grosszügigkeit, blieb eine Sache bislang jedoch unerwähnt. A.S., die gute Seele vom Penthouse, schenkte uns neben einem gefüllten Kühlschrank, den täglichen Geheimtipps (die schickt er übrigens immer noch) und einem Cheese- & Wine-Tasting noch etwas ganz Besonderes zum Abschied ... ein Buch. Also einen massiven Bildband von Chile mit persönlicher Widmung. Grösse A4. Dick. Geil, ein Buch für Weltreisende. Richtig schlau dieser A.S., wirklich ganz toll. Und ich schlepp den Scheiss seither mit mir rum. Mendoza ging ja noch, da hatten wir immerhin diese hässliche Karre, die wir Gott sei Dank auch wieder los geworden sind. Aber danach wurde es mühsam. Wir hatten uns auch schon beinahe daran gewöhnt, ohne feste Mission um die Welt zu reisen. Aber nein, A.S. hat da noch eine kleine Aufgabe für uns. Wir nutzen also unsere wertvolle Reisezeit in Iguazu und ab die Post. Also ab zur Post. Die anfänglich veranschlagten CHF 85.- für 1,12 kg in die Schweiz lassen sich trotz Sprachbarrieren und dank dem Entfernen der Buchverpackung und dem Verzicht auf eine stabile Box immerhin noch auf CHF 43.- für 0,98 kg reduzieren. Den Bildband gibts bei Amazon übrigens für 29.90. Wahrscheinlich. Super Geschenk. Danke A.S.!
Iguazu selber ist wunderbar grün, subtropisches Klima eben. Angesichts der ganzen Gerüche und all dem Gekreuch und Gefleuch vermisse ich aber stellenweise das trockene Klima der letzten Wochen ein wenig. Das lasse ich mir aber nicht anmerken. Doch schon am ersten Tag fange ich an leicht zu kränkeln, so Kopf und Hals und so. Kaum gibt man sich nach einigen Wochen kargem Leben wieder dem Luxus hin, schon fährt der ausgemergelte Körper gleich die Abwehrschilde runter und es braucht lediglich einen leichten Klimawechsel und man(n) wird krank. Vielen war ja von Beginn an klar, dass ich das schwache Glied dieser zweigliedrigen Kette bin. Also schwach als Glied der Kette, sonst kein schwaches Glied. Aber die schöne Sue ist ja auch sonst die offensichtlich gute Party in der Beziehung, aber auch das lasse ich mir nicht anmerken. Ich bin auch schön. Je nach Blickwinkel.
Tapfer stampfe ich also hinter Sue her zu den Iguazu Falls, den mächtigsten Wasserfällen der Welt. Dagegen ist ein Besuch beim Rheinfall eher ein Reinfall. Die Niagara Falls im Vergleich ein kleines Rinnsal. Wirklich imposant. Jumanjii-Feeling pur (schau Fotos). Das lockt natürlich auch Johnny und Annie, Ramon und Ramona, Herbert und Bärbel, sowie tausende andere Mitläufer an. Ich bin mir stellenweise gar nicht mehr sicher, wovon mein Kopf eigentlich so dröhnt. Vom permanenten Lärm der imposanten Fälle, dieser oft unterschätzten und meist lebensbedrohlichen Männer-Erkältung die ganz offensichtlich im Anmarsch ist oder eben doch den Massen von Menschen und menschenähnlichen Geschöpfen die einem unmenschlich im Weg stehen. Wahrscheinlich von allem ein bisschen. Zum Glück ist Sue da, um Schlimmeres zu vermeiden. So kam es zu keinerlei Handgreiflichkeiten oder sonstigen Eskalationen.
Auf Anraten der medizinisch völlig unausgebildeten Sue bekämpfte ich den Brummschädel mit literweise Wasser. Was irgendwie nützte. War also wohl doch nur ausserordentlicher Nachbrand oder bereits Entzug von Mendoza. Scheiss Wein. Sue für ihren Teil ist ganz entzückt ob der „Horden“ von Schmetterlingen, wie sie es nennt, und diesen komischen Waschbären mit ihren langen Gesichtern. Ich dachte zwar, Schwimmer und Flieger bewegen sich dreidimensional in „Schwärmen“ und die „Horden“ sind den sich zweidimensional bewegenden Gehern und Tramplern vorbehalten. Aber was weiss ich schon? Macht doch mit der Sprache was ihr wollt. Der Diskussion dazu ging ich aufgrund des Brummschädels sowieso aus dem Weg. Dann sind es eben entzückend schöne Horden bunt-flattriger Schmetterlinge. Zusammen mit Wasser, übrigens das einzige wovon es noch mehr hat hier als Menschen. Bei den Bäumen bin ich mir nicht sicher.
Und dann ist da ja noch das Highlight dieser Tage. Ian, mein kleiner Göttibueb. Geboren am 01.03.2018 um 22:32. Wie geil ist das denn?! Da wird das Reisen für einen Moment zur Nebensache. Wobei, wir wären in diesem Moment ehrlich gesagt sowieso lieber in der Schweiz. Bei Familie Stauber. Noch mehr als damals während der Fasnachtswoche. Aber wir wussten bei Reiseantritt bereits, dass dies einer der Events ist, dem wir leider nicht beiwohnen werden. Schade. Kein Wunder wird man da krank. Krank vor Sehnsucht. Und dann noch alle diese Schmetterlinge. Einfach krank ... Apropoz, dem Äusseren nach zu urteilen, ist der Erzeuger von Ian ein Eskimo, also nicht Robin. Aber das klären wir nach unserer Rückkehr.
Zuerst machen wir uns nun aber auf den Weg nach Salta. Also wir fliegen. Von Salta aus bringt uns ein Nachtbus über die Grenze nach San Pedro de Atacama in Chile, von wo aus wir mit einem Jeep die Wüsten von Atacama und Uyuni passieren werden, bevor wir uns dann in La Paz auf unsere Peru-Bus-Tour inklusive 5-day Hike von Cusco aus zum Machu Picchu vorbereiten werden. Stay tuned!Read more
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- Day 47
- Sunday, March 4, 2018
- ⛅ 25 °C
- Altitude: 1,175 m
ArgentinaPlaza 9 de Julio24°47’21” S 65°24’36” W
Salta wie Olten, 1 Tag reicht ...

Kurzer kaum erwähnenswerter 1-Tages-Stop in Salta, bevor um 01:00 unser Nachtbus in Richtung Atacama-Wüste fährt. Aber wir brauchen natürlich den Footprint, um unsere komplette Reiseroute zu dokumentieren und den Müttern dieser Welt zu signalisieren, dass auch beim letzten Flug völlig unerwartet alle überlebt haben. Wir nutzen die zum schlecht werden langsame Sauna-Gondelbahn aus Olten, um auf den saltainischen (oder saltanischen? oder satanischen!?) Hausberg San Bernardo zu gelangen, immerhin 1‘400m ... Die Wasserfälle sind nicht ganz so imposant wie die in Iguazu, ist aber trotzdem ziemlich schön hier. Die restlichen Stunden verbringen wir in der Stadt, wo ich wie vor jedem Nachtbus versuche, mich mit reichlich lokalem Bier und Rotwein der Reserva und Grand Reserva Klasse abzuschiessen, ohne dabei negativ aufzufallen. Hat mehrheitlich funktioniert und ein Mal mehr kam niemand ernsthaft zu Schaden. Ausser meine Leber. Ein bisschen.Read more
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- Day 48
- Monday, March 5, 2018 at 12:00 AM
- ⛅ 22 °C
- Altitude: 2,419 m
ChileSan Pedro de Atacama22°54’49” S 68°11’29” W
Atacama Desert, Wüste, kein Nachtisch

Der Nachtbus nach San Pedro de Atacama war ganz ok, die Mitinsassen eigentlich auch. Ein kleiner Junge musste kotzen, sass aber im oberen Stock, somit ok für uns. Kriegt halt mal niemand sein Fett weg und dieser Footprint dient auch wieder in erster Linie der Dokumentation unserer Reiseroute. So trocken wie hier ist es übrigens nirgends sonst auf der Welt. Interessant, das Bier ist trotzdem kühl. Und lange bleiben wir ja eh nicht. Schon am nächsten Morgen geht es mit 4x4 für drei Tage durch diverse Wüsten nach Uyuni in Bolivien.Read more
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- Day 50
- Wednesday, March 7, 2018
- ⛅ 16 °C
- Altitude: 3,664 m
BoliviaUyuni20°27’29” S 66°49’29” W
Charles, Lamas und sonst Skurriles

Nach zwei Alibi-Posts wird dieser wieder etwas substanzieller, wenn nicht gar lang ausfallen. Kurt mit seiner Leseschwäche und schwachen Vorhand darf sich also gerne schon an dieser Stelle ausklinken. Adée.
Bevor wir San Pedro de Atacama verlassen konnten, mussten wir uns natürlich noch um den Cäsh in der Täsch kümmern. Argentinien ist ja vorbei, Chile so gut wie und Bolivien wird es auch nur kurz sein, bevor wir schon bald in Peru aufschlagen werden. Leider hatten die Argentinos nur noch Ramsch-Wert und der Kurs für Bolivianos war auch nicht berauschend. Grund genug den kleinen Frust der beschissenen Businesstransaktion mit grossen Flaschen zu behandeln. So wurde es denn unser Ziel, unsere verbleibenden Chilenos noch am selbigen Abend bis auf den letzten Pesos zu vertünterlen. Die Blösse mit Verkauf zu Ramsch-Wert im nächsten Land wollten wir uns nicht nochmals geben. Nach 2l Bier waren noch exakt 12’500 Chilenos übrig (etwas weniger als 20 Stutz) und unsere zwei Mathe-Hirne kamen in Fahrt. Also meins. Sue war bereits betrunken und hatte einfach Hunger. Nachdem alle Optionen aufgrund der Speisekarte im Bruchteil einer Sekunde durchgerechnet wurden, gab es Quesadilla, Enchilada mit Pollo und zwei gütig gefüllte Glas Rotwein. Und die Rechnung? Natürlich genau die erwarteten 12’500 Cheap-Fuck-Touri-Pesos. Allerdings, wie üblich, plus 10% Trinkgeld. Hmm, shit, da hatte jemand wohl ein Bier zu viel. Sorry! Adée. (Bzw hasta)
Unsere Wüsten-Tour zum Discount-Preis startet früh und es ist doch massiv kälter als wir erwartet haben und unsere Touri-Ankleide augenscheinlich zum Ausdruck bringt. Wir tun einfach mal so als ob wir Schweizer uns das gewohnt sind. Also ich, Sue friert. Da wir noch nicht genau wissen, was uns genau erwartet und mit wem wir wie unterwegs sein werden, bleiben wir vorerst gewohnt optimistisch. Und dann kommts. Erstes Frühstuck im Freien an der Grenze zu Bolivien, wo wir auf die 4x4 umsatteln und unsere Tour-Crew kennenlernen. Und? Absolute Bombe! Also das Frühstück. Mit Avocado, frischem Brot, Fleisch, Käse, ... andere Shit! So kann es gerne weiter gehen. Wie alle anderen Crews anstehen für die Grenzformalitäten? Nope. Macht in unserem Fall der geile Guide. Läuft. Versprochen bzw verkauft wurde uns ja ein Englisch sprechender Fahrer. Nennen wir ihn Charles, denn seinen koreanisch klingenden Namen können wir - und Europäer generell - eh nicht richtig aussprechen. Charles spricht fünf bis zehn indigene Sprachen, die allesamt an Irrelevanz für uns nicht zu übertreffen waren. Und Spanisch. Aber Charles spricht kein Englisch. Nada - wie er sagen würde. Wir sind kurzerhand entsetzt, lassen es uns aber natürlich nicht anmerken. Verdammte Falschwerbung! Wo ist der Verbraucherschutz wenn man ihn braucht?! Unsere AXA Rechtsschutzversicherung wollte sich dem Fall auf Anfrage übrigens auch nicht annehmen. War ja klar.
Aber hey, in unseren weissen Toyota Land Cruiser passen ja neben Charles sechs Leute und bei der zufälligen Zulosung unserer Mitinsassen hat die schöne Sue - wie soll ich sagen? - unbewusst ins Honigtöpfchen gegriffen. Oder zumindest in ein angefangenes Marmeladenglas. Mit dem Vierergrüppchen bestehend aus drei Spaniern (einer -in) und einem Brasilianer klickte es von Anfang an. Geili Sieche. Eigentlich langweilig. Wobei, eine Sache war dann doch. Drei unserer 4x4-Companieros sprechen einwandfreies Englisch und trösten somit über die inakzeptabel inexistenten Englischkenntnisse von Charles hinweg. Der Vierte nicht. Also eigentlich spricht er gar nicht. Irgendwie erinnert er stark an Alan von Hangover. Auch optisch. Ihr wisst schon, der Typ mit Bart (https://en.m.wikipedia.org/wiki/The_Hangover). Ziemlich einen an der Waffel aber auch total lieb und so. Ich hoffe der taucht nicht auch plötzlich mit einem gefundenen Baby auf. Und wenn doch soll er wenigstens auch „Ruufies“ mitbringen! Wir werden sehen.
Die 4x4-Fahrten mit Charles sind echt lustig, sein Mixtape auch. Er bewegt uns oft einen Ticken über dem schon oft rezitierten „flüssig“ und auf den billigen Plätzen haut man sich des Öfteren die Rübe ans Dach. Scho no geil. Und Charles entpuppt sich auch sonst als lustiger Kauz mit einem Fable für bolivianische Folklore und Kuschelrock. Erinnert mich irgendwie auch an The Stig - also den echten, nicht Pedro Fictivo. Dieser fährt seine Speed-Runden ausschliesslich bei völlig skurril anmutender Musik (https://youtu.be/OVuUNmGtiCA). Bei Celine Dion und Brian Adams geht Charles fahrerisch ab wie Schmitts Katze - oder Schrödingers? Ich weiss es nicht. Über weite Strecken total grotesk und unwirklich, aber das passt ja zur Landschaft durch die wir brettern. Bei Charles kommt allerdings noch das ultimative Race-Outfit dazu: Totenkopf-Sturmmaske, plastifizierte Gartenhandschuhe und rotes Cap auf Ost-Nord-Ost. Schau Foto. Dieser nach eigenen Angaben semi-professionelle Parcour-Hüpfer hat definitiv einen an der Klatsche und sollte weniger Kräuter rauchen. Sonst endet er noch wie der verwirrte Vogelbeeren-Bob.
Unsere Tour führt uns stellenweise auf über 5‘000m und ist in etwa so eintönig wie ein 100-teiliger Kasten von Faber-Kastell. Wie immer bringen das die Bilder aber viel besser zum Ausdruck als meine teils frivole Ausdrucksweise. Ein Ort muss aber definitiv auch schriftlich erwähnt sein, da die Fotos das effektive Ausmass auf keinste Weise einzufangen vermochten. Einer der unwirklichsten Orte unserer Tour ist die Laguna Colorada, irgendwo im Nirgendwo. Stürmisch, im Winter bis -30 Grad. Und was lebt hier das ganze Jahr durch? Wer? Ja, die zu Tränen gerührte Mia? Genau, Flamingos! Aber nicht wie auf den Fotos ersichtlich ein paar Dutzend, es sind tausende! Es scheint als hätte es an diesem Ort mehr Flamingos als auf dem gesamten Globus. Totaler Alien-Wahnsinn. Und was treibt (an anderer Stelle) der schönen Sue Tränen in die Augen? Ausser Pfefferspray? Genau, ein flauschiges Lama-Baby in den Armen zu halten, während der durchgeknallte Charles zum dicken Kuss ansetzt. Also mit dem Lama, nicht mit Ihr. Auch irgendwie abartig. Abartig schön.
Wir enden also glücklich und gesund in Uyuni, von wo uns ein Nachtbus nach La Paz bringen wird. Unsere 4x4-Companieros tun es uns übrigens gleich und wir sind bereits für weitere Schweinereien in der Stadt verabredet. Das dürften also zwei lustige Tage werden in La Paz, bevor unser Peru Hop in Richtung Cusco und Machu Picchu startet.
PS: Sue der kleine Foto-Maniac kommt bei diesem Post leider nicht mit 10 Fotos aus und einen Clip aus ein paar Drohnen-Shootings (nicht zu verwechseln mit Drive-By-Shootings, obwohl sich der Jeep teils auch bewegt hat) gibts dann auch noch. Kommt also irgendwann noch ein zusätzlicher Picture- und Clip-Post ... Stay tuned.Read more
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- Day 51
- Thursday, March 8, 2018
- ☀️ 27 °C
- Altitude: 3,651 m
BoliviaUyuni20°19’60” S 67°0’6” W
San Pedro nach Uyuni - 2nd Post

Schon ein Weilchen her waren wir auf einem grandiosen Road-Trip durch einige der unwirklichsten Orte, die wir bisher gesehen haben. Der dazugehörige und von ein paar weiteren Fotos umrahmte Clip mit Knallfrosch Charles hat es nun endlich auf YouTube geschafft: https://youtu.be/QBVmXW3ojvA
Wir sind derweil (mit Flug FC8076) auf dem Weg von Medellin nach Cartagena.Read more
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- Day 52
- Friday, March 9, 2018
- ⛅ 14 °C
- Altitude: 3,661 m
BoliviaLa Paz16°29’47” S 68°8’21” W
Wo man Koks noch von Dächern schmeisst

La Paz, 2-Millionen-Metropole auf über 3’500m. Eine andere Welt. Die Luft ist dünn. Der Nachtbus wie auch unser Hostel sind aber definitiv von dieser Welt und unerwartet erstklassig. Wir werden um 06:00 und für die Uhrzeit äusserst freundlich empfangen, umgehend in ein geräumiges Doppelzimmer einquartiert und eingeladen, uns nach einem 2h-Power-Nap noch am Frühstücksbuffet vom dazugehörigen Hotel gütlich tun. Und das zum Preis von umgerechnet zwei Bananen und drei Tafeln Schokolade. Ok, gekauft im Globus. Wir absolvieren als erstes eine dieser allseits beliebten, informativen und unterhaltsamen City-Walking-Tours, auf welcher wir ua erfahren, dass ein Grossteil der regionalen Kokain-Produktion im städtischen Gefängnis erfolgt, welches direkt im Stadtzentrum liegt, von den Insassen selbst verwaltet wird und zu welchem auch die Frauen und Kinder der Insassen freien Zugang haben. Führungen gibt es leider keine mehr, nachdem zwei Touristen unfreundlich abgestochen wurden. Schade wie ich finde. Sue teilt das Bedauern nicht.
Die für die Produktion notwendigen Chemikalien werden ganz unspektakulär in grossen Lastwagen angeliefert, das Endprodukt in Windeln verpackt etwas spektakulärer und für alle sichtbar jeweils vom Dach geworfen. Aufheben sei nicht ratsam, wie uns versichert wird. Lustige Welt. Wie wir im Anschluss an die Tour beim zweiten Betreten unseres Hostel-Zimmers wenig begeistert feststellen, ist die vorherrschende Temperatur ca. 10 Grad - gefühlt 0 Grad. Heizung? Nope. War ja klar, dass das mit dem Schoggi/Bananen-Preis einen Haken haben musste. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als uns im Pub um die Ecke an Kelchen voller Hauswein aufzuwärmen. Das klappte aber aufgrund der einschlägigen Erfahrung auch in dieser Welt erwartungsgemäss ganz gut.
Und dann waren wir ja noch mit unseren 4x4-Companieros zu Dinner und Party verabredet. Da die ca. 20 Minuten zu Fuss zum Restaurant nachts „not save“ wären - als ob sich jemand trauen würde, zwei MMA-Fighter ähnliche Gestalten wie uns anzugehen -, lässt man sich eben ein Taxi rufen, mit welchem der Transfer alles in allem und dank unendlich verstopfter Strassen 50 Minuten dauert. Wer mich kennt, weiss, „I was not amused“. Spiele ich eben Samschtig-Jass. Und verliere. Scheiss Leben. Ein Bier später war die Lebensfreude wieder da und der Abend entwickelte sich prächtig. Sogar Hangover-Alan versucht ein paar Worte Englisch mit mir zu reden. Leider nichts was ich verstanden hätte. Also lächle ich, bestelle ihm noch einen Whiskey-Cola und hoffe die Situation damit zu entschärfen. Auch das klappte ganz gut.
Die Menschen hier und wahrscheinlich in ganz Bolivien sind überaus freundlich und zuvorkommend. Zumindest zu uns. Zu Recht wie ich finde. Das liegt wohl auch an den Coca-Blättern die hier Tag ein Tag aus gekaut und als Tee geschlürft werden. Das Zeug schmeckt allerdings grässlich und wurde umgehend von meinem Speise- und Snackplan gestrichen. Wobei die versammelte Snus-Fraktion in unseren Breitengraden - zu der ich nicht gehöre - die jeweils durch Kontakt mit Speichel entstehende braune Kack-Grütze ja auch nicht stört, wenn man(n) sich einen Stinkbeutel nach dem anderen unter die ausgehöhlte Oberlippe schiebt und das sonst sympathische Lächeln in ein grenz-debiles Grinsen verwandelt. Jaja, auf der ganzen Welt der gleiche Scheiss. Wobei die Abfalllastwagen, welche die Strassen - eigentlich ein einziger grosser Markt - neben dem müffeligen Gestank mit lauter Klaviermusik eindecken, kennen wir in unserer Welt noch nicht. Die Idee gefällt aber!
Unser nächster Reiseschritt nennt sich Peru-Hop. Eine Busreise in mehreren Etappen von La Paz nach Lima. Grösster Halt wird mit 6 Tagen Cusco sein, von wo aus wir den 5-tägigen und wohl ziemlich anstrengenden Salkantay-Trek zum Machu Picchu absolvieren werden. Gejammer vorprogrammiert. Mal schauen von wem. Ich freu mich.Read more
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- Day 54
- Sunday, March 11, 2018
- ⛅ 15 °C
- Altitude: 3,809 m
PeruIsla Estoves15°50’11” S 69°58’58” W
Wenn aus non-Hipstern Hopster werden

Kaum in La Paz angekommen, geht es auch schon wieder weiter. Weiter, weiter, weiter. Es ist nicht ganz einfach, die perfekte Balance zwischen erleben / entspannen und „let’s get around the globe at least once“ zu finden. In jeder bisherigen Destination hätten wir problemlos doppelt so lange und länger verweilen können, ohne dass uns auch nur im Ansatz langweilig geworden wäre. Ok, ausser bei Crazy-Cat-Lady, da war die Zeit bis zum Äussersten ausgereizt. In ganz vereinzelten Momenten fühlt sich unser Trip ein wenig nach „High-Paced-Turbo-Traveling“ an. Heute Morgen ist so ein Moment. Und was macht man beim kleinsten Anflug von völlig übertrieben empfundenem Stress? Genau, man bucht Ferien. In unserem Fall fünf Tage im wohl geilsten Hostel der Welt. Und zwar in exakt zwei Monaten. Anders kann man diese Bleibe nämlich nicht buchen. Mehr verraten wir aber noch nicht. Sind schliesslich unsere Ferien. Und wir teilen ja sonst (fast) alles.
Auch die lieben Freunde von Bolivia-/Peru-Hop - deren Motto „Safe-Flexible-Fun“ Ferienspass à la Club Med verspricht - starten früh, 06:30. Die überpünktlichen Guides sind top organisiert und genauso zuvorkommend und freundlich wie scheinbar ganz Bolivien. Coca-Blätter sei Dank. Zur Wiedererkennung gibt es sogar diese dämlichen All-inclusive-Armbändeli. Beim reflexartigen und unkontrollierten Versuch, das eben verklebte Bändeli wieder vom Handgelenk zu säbeln, verfehle ich die Pulsader nur knapp. Hm, dann bleibt es eben dran. Wir sind Team „Yellow“, was auch immer das heisst. Ich hoffe auf artgetechten VIP-Lounge-Zugang. Irgendwo. Ausserdem sind wir nun offiziell „Hopster“, wie wir vom vor Energie strotzenden Guide (/Animateur) erfahren. Echt jetzt?! Naja, Hauptsache All-inclusive. Aber morgendliche Wassergymnastic mach ich definitiv nicht mit! Jetzt will ich Kaffee. Der ist an der Tanke allerdings trotz „Hopster Team Yellow“ nicht inclusive. Es wird leider nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir unseren Konsum selber berappen. Scheiss Bändeli.
Unsere erste Etappe führt von La Paz nach Copacabana - genau, „nach“, nicht „an die“ -, von wo wir per Boot die wunderschöne Isla del Sol im bolivianischen Teil des Titicacasees besuchen, bevor wir Bolivien hinter uns lassen und nach Puno in Peru weiterreisen. Leider begrüsst uns Peru äusserst unfreundlich. Nachdem wir die Grenze zu Fuss passiert hatten, ging die Reise in einem peruanischen Doppelstöcker-Bus weiter. Wie üblich schaffe ich es im Leader-Trio den Bus zu besteigen, um uns die beliebtesten Plätze zu sichern. Sue klettert wie gewohnt im Schlussgrüppchen in den Bus und freut sich ebenfalls wie gewohnt über die ergatterten Plätze in der vordersten Reihe. Die Freude wärt aber nur bis zum Sonnenuntergang. Wie die Dunkelheit enthüllt, verfügt der Bus lediglich über funktionierende Standlichter, während der Chauffeur (Ramon) ganz offensichtlich über keinerlei Nachtsichtfähigkeiten verfügt. Was ihn aber zum Entsetzen einiger nicht an allerlei waghalsiger Überhohlmanöver hindert. Das konnte nicht gut gehen. Ich bin durchaus froh, dass Ramon der Stümper am Steuer ein massives Schlagloch und kein massives Hindernis erwischte. Ich sehe das positiv. Der Wechsel des geplatzten Reifens verlängerte die Reise um etwa eine Stunde, unser Leben aber wohl um einige Jahrzehnte. Sue fand das nicht lustig. Scheiss Plätze die ich da ausgesucht habe. Zur Aufheiterung gabs Pizza und einmal mehr haben alle überlebt.
Nach einem weiteren eindrücklichen Ausflug auf ein auf dem peruanischen Teil des Titicacasees schwimmendes Dorf, werden wir bereits sehnlichst in Cusco erwartet. Denke ich.
Ein Video dazu findet ihr hier: https://youtu.be/Ll5C_rw2m38Read more

TravelerSuper tolli Biiträg! Freu mi scho mehr z läse!! PS. Eure Hostel Tipp isch buecht, ha no es Plätzli ergatteret :)

Sue and PasciKlasse! Freued eus au scho! Peru/Salkantay isch grad echlien Challenge ... 😏😄
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- Day 61
- Sunday, March 18, 2018
- ⛅ 0 °C
- Altitude: 2,449 m
PeruMachu Picchu13°9’47” S 72°32’42” W
Inka-Town - Wo Wolken auf Wolken regnen

Cusco ist gross. Viel grösser als erwartet. Im Zentrum kolossal kolonial. Ausserhalb grün und voller Inka-Zeugs. Die schönste Stadt die wir in Südamerika bisher gesehen haben. Wir checken im Hostel VIP House ein. Vielleicht bringt der gelbe Armreif ja doch noch was. Der Name verspricht ja Einiges. Und hält wenig. Grund genug, das lästige Papierbändeli definitiv zu entsorgen. Vorerst. Der nächste Guide/Animateur wird ja sicher wieder eines zur Hand haben und mir ohne Bändeli den Buseinstieg verweigern, wenn wir in ein paar Tagen weiterreisen in Richtung Lima. Uns bleibt ein Tag in Cusco, bevor wir zum Salkantay Trek aufbrechen, der seinen Höhepunkt am fünften Tag auf dem Machu Picchu finden wird. Vorausgesetzt, Sue macht auch mit. Bzw ihr Magen. Anstatt mit mir die Stadt zu erkunden und so allerlei Dinge zu erledigen, liegt sie flach im Hostel und hofft auf die Wunderwirkung von Bioflorin und Kamillentee. Und dann heisst es immer, ich sei das schwache Glied. Tss. Natürlich hoffe ich mit ihr. Ehrlich.
Und wer hätte es gedacht? Auch diese Tour startet quasi mitten der Nacht, 04:30. Ich verspreche mir, wenigstens noch ein Mal in diesem Leben schlafe ich aus. Heute nicht. Der schönen Sue geht es trotz unmenschlicher Uhrzeit tatsächlich besser. Ein Hoch auf Bioflorin und Kamillentee! Schön, das freut mich. Ehrlich. Wir halten also an Plan A fest und starten die Tour wie geplant und gemeinsam. In den fünf Tagen werden wir als zwei von etwa 25 Leuten in zwei Gruppen mit je einem Guide 75km zurücklegen zwischen 1‘800 und 4‘625 Meter über Meer. Natürlich gibt es noch diverse andere Wandergruppen, welche die Wege verstopfen. Ist ja Touri-Land hier. Noch bevor es richtig los geht, sind die ersten noch zurückhaltenden Gruppen-Diskussionen bezüglich wer über welche Agentur gebucht und wie viel für das Trekking bezahlt hat äusserst interessant und aufschlussreich. Resultat? Obwohl Sue und ich 70 Dollarios mehr bezahlt haben als der Schnitt der Gruppe, gibt es keine Sonderbehandlung. Da hilft auch Sue‘s Hopster-Bändeli nichts. So eine Frechheit! Aber auch diesen Fall wollte unsere Rechtsschutzversicherung auf Anfrage nicht übernehmen. War ja klar. Wir vereinbaren also per Handschlag, dass wir uns maximal fünf Minuten aufregen und die Welt verteufeln, bevor wir das Abenteuer einfach geniessen. Das klappte ganz gut. Wird halt beim Trinkgeld geknausert.
Der Trek startet mit der Aufteilung in die beiden Gruppen. Unser Guide heisst Edgar. Das stimmt ausnahmsweise sogar. Er ist knapp so gross wie seine Wanderstöcke lang sind und findet es toll, wenn als Erstes jeder seinen Namen, sein Alter und seine Nationalität vorträgt. Jede Bekanntmachung wird mit einem kleinen Gruppenapplaus honoriert. Hm, Club Med zum Zweiten?! Wobei, nein, eher anonyme Alkoholiker. Egal, auch wenn man sich die individuellen Steckbriefe nicht auf Anhieb merken kann, sind die geteilten Informationen durchaus aufschlussreich. Zwei Drittel der Gruppe besteht aus Deutschland und die Hälfte der Gruppe ist ziemlich genau halb so alt wie ich. Was auf den ersten Blick und über die fünf Tage durchaus auf die Nerven gehen könnte, entpuppt sich als unterhaltsame und spannende Jungs&Mädels-Truppe mit allerlei Sprachtalent und Reiseerfahrung. Meinen Telomeren (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Telomer) nach zu urteilen, liegt mein biologisches Alter ja auch eher knapp über Zwanzig. So sind wir uns denn alle schon vor Beginn einig, dass der Salkantay-Trek wohl zu den zehn schönsten Wanderungen der Welt gehören soll. Die Aussichten atemberaubend und dank diverser Klimazonen extrem abwechslungsreich mit dem grossen Finale Machu Picchu bei Sonnenaufgang. So sagt man zumindest. Um es vornweg zu nehmen, wir sehen nicht viel davon. Also eigentlich gar nichts. Es hat Nebel. Und regnet. Wir bewegen uns entweder unter oder in den Wolken. Und wenn wir eine Wolke komplett durchschreiten, findet sich darüber bestimmt noch eine. Was das für die Bodenbeschaffenheit bedeutet, ist ja auch klar. Schlamm. Viel Schlamm. Ich finds irgendwie geil. Keine Ahnung wieso. Eher ungewöhnlich. Es entfacht eine kleine Diskussion zwischen Sue und mir. Denn im Gegensatz zu mir gefällt der kleinen Prinzessin die Situation gar nicht. Jetzt sei schliesslich „Ende Regenzeit“ und im „Spätsommer“ wäre es ja jeweils auch noch schön. Ich schaue sie wortlos an und hoffe ganz fest und zum Wohle unserer Beziehung, dass sie innerhalb nützlicher Frist ihrem eigenen Gedanken folgen kann. Zum Glück tat sie das nach rund fünf schwer erträglichen und doch hochspannenden Sekunden. Danke Sue.
Tag 1 des Treks soll uns wohl auf den anstrengenderen Tag 2 vorbereiten. Schon nach drei Stunden erreichen wir das erste Camping-Lager, von wo aus nach dem Lunch noch ein Round-Trip zu einer 300m höher gelegenen Lagune ansteht. Der Start des Aufstiegs verläuft chaotisch und spontan. Irgendwann sind dann alle unterwegs und pflügen sich durch den Matsch. Den Rest kennen wir. Allerlei Ausreisser setzen sich ab und an die Spitze, nur um kurz danach kläglich einzubrechen und nach Luft japsend zu pausieren. Jaja, die Luft ist dünn hier oben. Wie es ausgeht kennen wir auch schon. Ich ziehe meine glorreiche Pace durch und stehe als Erster an der Lagune. Ich, auf dem Papier der Älteste beider Gruppen. Tag 2 ist wandertechnisch bereits der Tag der Tage. 22km inklusive Salkantay Pass auf 4‘625m. Veranschlagt bis zum besagten Gipfel sind vier Stunden. Diverse Gruppen ziehen los, auf unterschiedlichen Pfaden. Die Frage, ob man zu Beginn den Short-Treck nimmt oder sich doch die beschwerlicheren „Seven Snakes“ antut, war schnell geklärt. Keine Frage, zeigt her die Schlangen! Kurz vor den steilen Sieben-Schlangen-Serpentinen legen wir einen letzten Gruppen-Halt ein, danach wollte ich nicht mehr. Also nicht mehr warten. Ich geniesse die Ruhe und die ach so glorreiche Pace. Ohne weitere Pause und nach insgesamt 2,5h war es dann bereits geschafft. Von allen Gruppen sind an diesem Tag lediglich zwei andere Wanderer vor mir da, aber die sind ziemlich sicher mit dem Hubschrauber angereist. Mr Bergpreis eben. Für etwa 5 Minuten fand ich das total lässig, dann wurde mir kalt. Richtig kalt. Und es sollte noch elend lange 40 Minuten dauern, bis der Zweite aus der Gruppe und eine ganze Stunde, bis das restliche Feld dazu stiess. Man habe jeweils aufeinander gewartet, wie sich das für eine Gruppe gehört. Jaja, "lueg du für du"! Ich hatte mir bereits eine Höhle gebaut, ein Feuer gemacht und irgendwelche Tiere für den wärmenden Verzehr gejagt. Zumindest in Gedanken. Stark unterkühlt horchte ich noch Edgars mir grösstenteils bereits bekannten Erläuterungen zur Inka-Kultur, bevor es nach knapp 1,5h auf dem verdammten Pass dann endlich in Richtung Lunch-Camp weiterging. Aber damit ist nun auch genug heroischer Quatsch erzählt und die vom pummeligen Jungen, der beinahe durch die Fahrradprüfung gefallen wäre, geschriebenen zwei Abschnitte, kommen zu einem Ende. Er braucht das einfach ab und zu. Armer Junge.
Tag 3 sollte wieder etwas einfacher werden. Ein paar Stunden entspannt dem Fluss entlang zum zweiten Camping-Camp wo es zuerst Lunch gibt und von wo aus wir die noch entspannenderen Hot-Springs für ein kleines Erholungsbad besuchen werden. So der Plan. Der viele Regen der letzten Tage hat über Nacht diverse Hänge abrutschen und Wege verschütten lassen. Auf Nachfrage wird mir versichert, dass dies immer nur in den Momenten passiert, in denen just keine Menschen zugegen sind. Das leuchtet mir weder ein noch beruhigt es mich. Aber das lasse ich mir nicht anmerken. So folgen wir der Strasse dem reissenden Fluss entlang, was Sue’s Gemüt neben der Schlechtwetterlage noch ein wenig weiter trübt. Wer will schon auf Strassen wandern? Natürlich lässt mich das nicht kalt und ich kümmere mich rührend und äusserst erfolglos um die schöne Sue. So schiebt die Holde zwischen meinen Aufheiterungsküssen weiter heiter ihre Krise, bis die Geschichte eine dramatische Wendung nimmt. An einem Punkt ist die Strasse vor uns komplett verschwunden, ein Weiterkommen unmöglich. Die Alternative? Eine luftige Transport-Pritsche über den reissenden Fluss zu einem anderen Pfad. Nervenkitzel garantiert. Schau Video. Die Maultiere passen leider nicht auf die Pritsche, also heisst es alle Taschen selber buckeln. Und auch auf der eben erreichten gegenüberliegenden Seite bleibt der Hike „spannend“. So müssen diverse fehlende Hänge und Pfade teils akrobatisch (oder mit Hilfe eines Schaufelbaggers) überwunden werden. Sue‘s Stimmung verbessert sich ob der ganzen Aufregung schlagartig und so zeugen auch ein paar ihrer fotografischen Impressionen von diesem Abenteuer. Ausser die wenige Meter hinter uns auf die Strasse donnernden Felsbrocken, deren fotografische Dokumentation im Schock untergegangen ist. So viel zu „nur wenn keine Menschen zugegen sind“. Und man ahnt es wohl schon. Auch an diesem sehr viel längeren Tag als geplant haben einmal mehr alle überlebt. Wenn auch knapp.
Tag 4 ist dann im Vergleich wirklich langweilig. Ein paar Kilometer/Stunden auf den Füssen ohne nennenswerte Ereignisse, bis wir Aguas Calientes erreichen, von wo aus es am nächsten Tag um 04:00 auf den Machu Picchu geht. Tag 5 startet also früh, sehr früh. Die Vorfreude auf den atemberaubenden Sonnenaufgang inmitten der Inka Stadt wird zügig und mit Regen aus Eimern den Gulli runter gespült. Der Aufstieg zum 400m höher gelegenen Eingang entwickelt sich dank besagtem Wetter und schlecht kombinierter Ankleide denn auch zur grössten Plackerei der gesamten Tour. Bereits nach 10 Minuten war ich trotz Regenjacke und Zwergen-Regen-Poncho (also dem kleinen Edgar passte das ausgezeichnet, für mich war es eher eine Art Plastik-Sombrero) so nass wie nie zuvor. Wirklich. Also ausser vor zwei Tagen im Thermalbad, aber das ist was anderes. Die triefenden Hosen fügen jedem Schritt gefühlte 10kg Widerstand hinzu. Diesen Bergpreis sollte ich also nicht gewinnen. Irgendwann war es dann aber geschafft und wir standen geschafft inmitten einer der Wolken, die uns die letzte Stunde mit hektoliterweise Wasser bedacht hatte. Sicht gleich null. Geil. Scheiss Finale! Zum Glück lichten sich die Wolken in den darauf folgenden Stunden zumindest teilweise und ich kann ein wenig abtropfen, während Sue ein paar halbwegs klare Fotos schiesst. Versöhnt mit der Welt machen wir uns kurz vor Mittag an den Abstieg.
Auch die abschliessende Rückfahrt nach Cusco blieb leider nicht ereignislos. Und für diesen letzten Teil werde ich auf meine übliche unterhaltsame Schreibweise verzichten. Der Kleinbus, der kurz vor uns mit einigen unserer Gruppen-Kameraden abfuhr, wurde bei voller Fahrt seitlich von herabfallenden massiven Felsbrocken getroffen. Der beschädigte Bus blieb zum Glück auf der schmalen Strasse stehen, dennoch gab es einige Verletzte aufgrund geborstener Scheiben. Eine Argentinierin, die nicht zu unserer Gruppe gehörte und deren Namen wir nicht kennen, wurde im Wrack eingeklemmt. Wie wir am nächsten Tag erfahren, ist die junge Frau auf dem Weg ins oder im Spital verstorben. Leider haben für einmal nicht alle überlebt, was uns zwei und auch den Rest unserer Gruppe tief getroffen und erschüttert hat. Wir hatten ein kleines Abenteuer gebucht und von der Natur ein grosses Abenteuer mit tragischem Ende bekommen. Trotz versierter Guides und allen möglichen Vorsichtsmassnahmen, kann die Natur unberechenbar und grausam sein. Überall auf der Welt. Das haben wir an diesem Tag mit Bestürzung erfahren. Wir werden auch weiterhin aufeinander aufpassen und versuchen, Risiken richtig zu beurteilen. Aber ob auf Reisen oder in der Heimat, das Leben selber ist ein ständiges Risiko und wir wissen alle wie es ausgeht. Trotzdem oder gerade deshalb haben wir an unserem letzten Tag in Cusco nochmals mit unserer Gruppe auf das Leben angestossen und das Leben und den Moment zusammen gefeiert. Das sollten wir alle tun. Denn es ist das Einzige das wirklich ist. Das Einzige was wirklich zählt. Der Moment. Das Jetzt.
Be Happy!Read more
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- Day 64
- Wednesday, March 21, 2018
- ⛅ 21 °C
- Altitude: 2,348 m
PeruPlaza de Armas Arequipa16°23’56” S 71°32’13” W
Das tiefe Tal der Anden-Maskottchen

Nach nur einem Tag in Cusco, ging es für uns weiter mit dem Nachtbus nach Arequipa. Wir werden um 05:00 sicher im Hostel abgeladen, von wo aus um 07:30 bereits unsere nächste Tour ins Colca Valley, dem zweittiefsten Canyon der Welt, startet. Ich hoffe zum wiederholten Mal, dass wir irgendwann auch Länder besuchen, in welchen Pick-ups/Drop-offs/Tour-starts und dergleichen von Gesetzes wegen erst nach 09:00 erlaubt sind. Das hält ja sonst kein Mensch aus/durch. Unser Guide Victor Hugo - der heisst wirklich so - empfiehlt uns bei unserem ersten Stop auf 4’912m einen Steinturm für die Götter zu bauen, was uns einen Wunsch eröffnen würde. Why not? Kaum steht der wacklige Haufen, haut Sue den eben erworbenen Joker auch schon raus. Sie wünscht uns eine lange und sichere Reise. Naja, angesichts des eben durchlebten Salkantay-Abenteuers eine durchaus nachvollziehbare Wahl. Trotzdem, ich wollte ja lieber wieder einen Tesla. Aber ok, staple ich halt irgendwann nochmals ein paar Steinchen. Hat ja genug hier.
Wie die Tage zuvor, regnet es auch hier die meiste Zeit. Und kalt ist es auch. Zum Glück gibt es auch im Colca Valley ein paar natürliche Hot Springs und deren Besuch ist Teil des Masterplans. Sehr zur Freude der zwar schönen aber oft auch frierenden Sue. Bei 39 Grad Wassertemperatur ist das Wetter nämlich scheiss egal. Die eigentliche Mission im Colca Valley sind aber die Maskottchen / Wappentiere der Andenstaaten Bolivien, Chile, Ecuador und Kolumbien, die Kondore. Victor Hugo ermahnt schon zu Beginn der Tour alle zu positivem Denken und massivem Coca Konsum, das würde das Wetter günstig stimmen. Alles klar. Ich konsumiere also aufopferungsvoll und unermüdlich Coca-Blätter und -Candies. Soll heissen ein paar Blätter im Tee und so ein Bonbon. Ansonsten wurden die Blätter aufgrund grässlichen Geschmacks ja bekanntlich vom Speiseplan gestrichen. Und positiv bin ich ja sowieso. Immer. Ok, meistens. Und siehe da, der Morgen könnte kaum schöner sein. Ideale Bedingungen wie Victor Hugo nach dem Frühstück verheissungsvoll verkündet. Haste jut jemacht.
In der Folge kreisen tatsächlich bis zu acht - das sind ganze 20% der ansässigen Population - der gefiederten Giganten gleichzeitig über unseren Köpfen. Majestätische Gleiter mit einer Spannweite von über 3m die es ohne einen einzigen Flügelschlag bis auf 7km Flughöhe schaffen. Zum Glück leben diese Aasfresser in Peru, das BAZL hätte den tierischen Kleinflugzeugen wohl schon längst die Flugerlaubnis entzogen. Viel zu gefährlich in der kleinen Schweiz. Und wenn nicht, würden wohl spätestens zum WEF dem Robin seine Kampf-Jet-Gschpändli den schwarzen Kolossen mittels Gatling-Salve (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gatling_(Waffen…) die Flügel stutzen. Peru macht so was nicht. Ich mag Peru. So bleiben wir denn auch noch ein Weilchen hier. Nach einer weiteren regnerischen Nacht in Arequipa geht es im Club Med Bus weiter nach Huacachina. Geht auch ohne all-inclusive Bändeli. War ja klar. Und ja, klar, Pick-up ist um 05:00. Wahnsinn! Scheiss Peru.Read more
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- Day 66
- Friday, March 23, 2018
- 🌧 18 °C
- Altitude: 407 m
PeruLaguna Huacachina14°5’15” S 75°45’45” W
Für ein Mal keine Steuer-Oase

Der nächste Halt ist kurz. Ein Tag in der Spass-Oase Huacachina. Das ist wirklich eine Oase. Eine Art Teich mit Pedalos, romantischen Ruderbötchen und einer verträumten Promenade. Wir buchen zur Abwechlsung ein Ho(s)tel mit Pool, den wir denn auch für einen illegalen Morgenschwumm um 08:00 nutzen. Erlaubt wäre ab 09:00. Livin’ on the edge! Kosten für ein Doppelzimmer mit eigenem Bad? Unverschämt günstige CHF 17.-, dank Hopster-Bändeli. Endlich. Da für ein Mal der Spass im Vordergrund steht, kriegt Sue auch ihre heiss geliebte Pizza (zugegebenermassen die Beste die wir in Südamerika bisher gefunden haben) und ich meine noch heisser geliebte Montecristo zum Dinner. Ansonsten tun wir uns aus lauter Spass ein Wein- und Pisco-Tasting sowie Sand-Boarding an. Water-Boarding war ausverkauft. Zum Glück.
Peruaner lieben alles was süss ist. Richtig süss. Der Typ hat erklärt wieso, irgendwas mit den Inkas, die sind hier an allem Schuld. Und falls nicht, waren es die Spanier. Habe aber nach einigen an Sirup und Port erinnernde „Weine“ alles wieder vergessen. Weine mit bis zu 17% Alkohol! Der Teil gefällt. Der Geschmack weniger. Grässlich, grässlich süss. Dafür macht das Motto der Stadt total Sinn: „If you are in Ica and don’t drink wine, what the fuck are you doin‘ in Ica?!“
Noch geiler als das Ica-Motto ist allerdings die Fahrt im Sand-Buggy und der Ritt bäuchlings auf dem Sand-Board. Bereits nach wenigen Minuten schmerzen die Ohren aufgrund unentwegten Grinsens. Man kann gar nicht anders. Was ein Spass! Man trägt zwar ein paar blaue Flecken und einen Haufen Sand in allen Ritzen davon, aber der Spassfaktor ist enorm. Das wars dann aber auch schon wieder mit dem Spass. Also ab zum Hopster-Bus der uns nach Paracas bringt. Noch eine Idee für einen witzigen Abschluss des Abschnitts? Nein.Read more
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- Day 67
- Saturday, March 24, 2018
- ☀️ 23 °C
- Altitude: 13 m
PeruLaguna Paracas13°50’27” S 76°15’3” W
Bei Seelöwen-Babys hört der Spass auf

Nach dem ganzen Oasen-Gaudi heisst der nächste One-Night/Day-Stop Paracas, laut Hopster-Guide nach Cusco die zweitbeliebteste Touri-Destination Perus. Ich glaube ihm zwar kein Wort, aber das tut hier nichts zur Sache. Voller Touris ist der kleine Hafenort sowieso. Eine der Attraktionen hier sind die „Poor Man’s Galapagos“ genannten Islas Ballestas voller Seelöwen und allerlei Gevögel. Also vielerlei Vögel. Und ja, wir haben sie schon wieder gefunden, die Pinguine. Und dann ist da auch noch ein Strand übervoll mit Seelöwen-Babys. Der Anblick weckt bei den meisten weiblichen Bootsinsassen - allen voran Sue - die selben Gefühle wie dreizehnjährige Mädchen an einem Justin Bieber Konzert erleben. Schlimm.
Noch mehr in Wallung (und Schräglage) kommt der Östrogen-Tanker als unser Kapitän eine Mutterkuh und ihr Kleines beim Schwimmunterricht ansteuert. Vereinzelt wird gekreischt und geschubst. Schlimm. Captain Blaubär und weitere Schiffe kommen dem MuKi-Schwimmen dann aber so nahe, dass die Mutter irgendwann gestresst abtaucht und das kleine Ding zurück lässt, wonach der kleine Racker panisch anfängt zu grunzen (keine Ahnung wie man den Lauten von Seelöwen-Babys sagt, wohl nicht grunzen, aber es klingt irgendwie ähnlich bis quitschig). Kurze Zeit später kommt die völlig genervte Mutter zurück und lotst das Kleine im Eilzugstempo zurück zum Strand. Scheiss Aktion, da hört der Spass auf. Guide und Kapitän lachen und die Mädels hyperventilieren immer noch vor unfassbarem Glück. Kein Wunder geht die Welt vor die Hunde. Gut, das ist jetzt vielleicht etwas weit gefasst. Trotzdem, scheiss Aktion. Ich vertrete daher ab heute die Meinung, dass alle Natur Reservate nicht mehr zu betreten und Uferschutzzonen von mindestens 300m einzuhalten sind. Ab 2019. Sue und ich wollen dieses Jahr ja noch die Galapagos Inseln und andere einmalige Natur Reservate besuchen. Aber danach ist Schluss. Finde ich.
Unsere letzte Hopster-Etappe führt uns nach Lima, von wo wir am nächsten Tag zu den lustigen Krabbeltieren im Dschungel von Iquitos fliegen. Na dann, Prost ...Read more
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- Day 67
- Saturday, March 24, 2018
- ☀️ 24 °C
- Altitude: 118 m
PeruMiraflores12°6’40” S 77°1’54” W
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Das verstehen jetzt wahrscheinlich nur die Polygrafen, Medienschaffenden und sonst ganz Schlaue. Aber egal, Hauptsache die Reiseroute ist dokumentiert. Hasta.Read more
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- Day 70
- Tuesday, March 27, 2018
- ⛅ 26 °C
- Altitude: 95 m
PeruPacaya Samiria National Reserve3°44’37” S 73°15’6” W
Ob Tarzan davon wusste?

Nach all dem Bus Gehopse durch Peru fliegen wir zur Abwechslung. Nach Iquitos, der grössten Stadt die nicht über Strassen zugänglich ist? Was auch immer das heisst. Wie man uns erklärt, werden die 500‘000 Dschungel-Einwohner (fast) ausschliesslich über Schiffe versorgt. Cool, wir fliegen trotzdem hin. Allerdings läuft bereits der Check-In in Lima nicht ganz nach Plan. Unsere roten Pässe sind zwar gern gesehen und unsere Sitzplätze bereits gebucht, ohne ausgedrucktes Ticket könne man uns aber nicht in den Flieger lassen. Natürlich würde der Scheisskerl am CheckIn-Schalter das nur zu gerne für uns drucken - für USD 15 -, denn unsere PDFs auf dem Handy wären völlig wertlos. Ihr System sei anders und ihre Scanner würden keine Tickets von Handys lesen. Ich geb dir gleich anderes System! So einen Quatsch habe ich ja noch nie gehört! Die beste Option zu diesem Zeitpunkt war aus meiner Sicht eine physische Auseinandersetzung. Andere Anwesende, inklusive der körperlich eindeutig unterlegene Scheisskerl - und Sue, schlugen aber vor, das Ticket doch im gegenüberliegenden Hotel auszudrucken. Widerwillig willigte ich ein und trottete, während Sue beim Gepäck wartete, zum Front-Desk in der Hotel-Lobby, neben welchem tatsächlich ein PC und ein Drucker standen. Auf die Frage ob ich denn im Hotel nächtigen würde, antwortete ich mit einem verschmitzten bis gar hinterhältigen Lächeln und blitzschnell ... „Nein“. Ganz toll. Gut gemacht, der PC ist natürlich nur für Gäste. Der schnittige Typ hinter dem Tresen hatte aber einen Deal für mich im Köcher. Schiess los! Wenn ich was an der Bar konsumieren würde, hätte ich einen Print frei. Barkonsumation? Geil, darin bin ich gut. Und so schafften wir es dank meiner aufopferungsvollen und einsamen Konsumation eines Gin/Tonics - oder waren es zwei?! - doch noch auf unseren Flug nach Iquitos.
Nach der unflätigen Salkantay-Abzocke nahmen wir uns einen ganzen Tag Zeit, um vor Ort den besten Deal für eine Dschungel-Tour zu buchen. Die übliche Frage woher wir kommen würden, beantworteten wir jeweils mit Slowenien. Einfach um das Herkunftsland als Grund für überhöhte Preise auszuschliessen. Nach etwa fünf Stunden (gefühlten acht), zwei Bierpausen und zig Mal die gleiche Leier anzuhören, bekommt Wilfried (oder so ähnlich) den Zuschlag. Für 600 Soles pro Person, etwa CHF 175.-, soll es für 4 Tage in eine einfache all-inclusive Jungle-Lodge mit allerlei Tages-, Nacht-, Land- und Wasser-Exkursionen gehen. Ein Arm-Bändeli gibt es zum Glück nicht. Wie wohl üblich werden wir aber ermahnt, bloss niemandem von diesem einmaligen Schnäppchen-Deal zu erzählen, da dies andere Reisende frustrieren könnte. Jaja, klar, ich geb dir gleich Schnäppchen! Im Bus in den Dschungel treffen wir dann auf drei Mitreisende aus Miami mit eigenem Guide. Kurz vor Abfahrt herrscht ein kurzes konspiratives Tuscheln mit dem Tour-Boss und es wurde auch hier offensichtlich nochmals auf die Stillschweigevereinbahrung hingewiesen, deren Bruch zur sofortigen Erschiessung mittels Moskito-Kanone führt. Aber hey, wir haben 4 Tage Zeit, im Dschungel, wäre ja gelacht wenn wir das nicht rausbekommen. Moskito-Kanone hin oder her, unsere Mission für die nächsten Tage war geklärt. Ich setze also mein sympathisch-investigatives Lächeln auf und warte auf den richtigen Moment.
Unser Dschungel-Guide heisst Flavio. Wirklich. 27, gutes Englisch. Auf die Frage ob wir Abenteuer mögen, gibt es natürlich nur eine Antwort. Wir sind Abenteuer! Keine Stunde später waten wir auf der Suche nach Anakondas und sonst allerlei Getier in langen Hosen und Long-Sleeve mit Wasser bis zu den Nippeln (wirklich, schau Foto) durch den dichten Dschungel. Zum Glück tragen wir Gummistiefel. Ganz wichtig beim Schwimmen. Die erhoffte Anakonda zeigte sich hingegen leider nicht. Aber hab ich schon erwähnt, wie viele Moskitos es hier gibt? Fantastillionen! Mindestens. Beim Bootsausflug zum Avatar-Baum fällt dann dem Flavio auch noch die Schraube ab. Also beim Boot, zur Abwechslung hat er nämlich keine locker. Zum Glück hat der schlaue Fuchs keine Paddel dabei, das wäre ja viel zu einfach und so gar nicht Abenteuer. Blöder Arsch. Irgendwann haben wir es dann auch mit einem Brättli und Ästen zurück zur Lodge geschafft. Für den Rest des Tages verordnete der amtende Schamane für das bevorstehende Ayahuasca-Ritual dann strickte Ruhe und Entspannung. Rauchen hingegen wäre sowohl gut gegen Moskitos als auch zur Einstimmung auf die Zeremonie. Und wenns der Onkel Doktor sagt, legt man sich eben auf die faule Haut und pafft ein paar Zigarren. Auch darin bin ich gut ...
Der Konsum von Ayahuasca, eine Amazonas-Dschungel-Brühe auf Basis einer Liane (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ayahuasca), verspricht eine etwa zweistündige von Schamanen-Gesängen begleitete psychedelische und reinigende Dschungel-Reise mit direkter Verbindung zu Pachamama - Mutter Erde - und dem Universum. Zur Reinigung (bzw weil die Brühe toxisch und somit unverdaulich ist) gehört es auch, sich während der Zeremonie zu übergeben. Nach einem Tag fasten und mentaler Vorbereitung, was man denn vom Universum gerne wissen möchte, sitzen wir also mit drei weiteren Reisenden und besagtem Schamanen in einer kleinen Hütte im Kreis. Mitten im Dschungel. Ohne Licht. Als illusionierter Arbeitsloser mit subtilem Kinderwunsch und ungewisser Zukunft, lautete meine konkrete Frage was und wer mir denn wirklich wichtig ist im Leben. Die gute Nachricht? Ihr gehört alle dazu. Die schlechte Nachricht? Gibt es nicht. Ich stieg motiviert und enthusiastisch in die Zeremonie ein und sicherte mir den undotierten Preis des „Erst-Reinigers“, ein wunderbares Gefühl. Wirklich. Ich bin rückblickend denn auch etwas weiter gereist als die schöne Sue, die sich den Teil der Reinigung für nach der Zeremonie in unserer Privat-Hütte aufgespart hat. Als es dann soweit ist, freue ich mich aber leidenschaftlich mit der kotzenden bzw sich innerlich reinigenden Sue. Eine wirklich spezielle Erfahrung dieses Ayahuasca an diesem wirklich speziellen Ort.
Der Ort ist wirklich ausserordentlich. Noch nie habe ich eine grössere Artenvielfalt zu Wasser, Land und Luft erlebt als hier. Ich kann gar nicht alles aufzählen, weil ich zu faul dazu bin. Fotos haben wir aufgrund schwieriger Wetter- und Sicht-Verhältnisse nur wenige, aber das ist auch egal. Erlebnisse wie nächtliche Tarantel-Suche oder Kaiman-Jagd, Piranha-Fischen, mit Delphinen im Amazonas schwimmen, Affen-Kuscheln, Faultiere ausbuhen und Vieles mehr, werden wir auch sonst nicht so schnell vergessen. Irgendwie haben uns die vier Tage dann aber auch gereicht. Das gebuchte Abenteuer-Programm dauerte gerne von 06:00 bis 22:30 und wie nach mehrtägigem Museums-Marathon mit hunderten von interessanten Dingen und Namen, ist man irgendwann einfach nur müde und die Aufnahmefähigkeit nimmt rapide ab. Zumindest bei normalen Menschen. Also bei mir auch, als Ausnahme. Scheisse war ich müde am letzten Tag. Während der letzten Fusswanderung - es ging wiederum um 06:00 los - stieg denn auch die Vorfreude auf die baldige Rückkehr in die Zivilisation und den Besuch einer Wäscherei. Verstärkt wurde das Gefühl dann noch durch die hundertste Spinnwebe im Gesicht, die mir Flavio, der wie in Peru üblich nur knapp so gross wie seine Machete lang ist, beim Vorausgehen nicht aus dem Weg geräumt hat und den sechshundertvierzigmilliardsten Moskito, der einem an die Rübe will. Schön wars trotzdem. So schön, dass wir unsere ursprüngliche Mission komplett aus den Augen verloren. Wir haben also keine Ahnung, was andere für das Abenteuer bezahlt haben und es ist uns dank Schamanen-Reinigung auch scheiss egal. Gut für uns.
Nun geht es zurück nach Lima, von wo wir uns schon bald in Richtung Ecuador bewegen. Ziel: Galapagos Inseln. Im Flieger nach Lima treffen wir dann zufälligerweise noch auf eine junge Amerikanerin, die am Tag unserer Ankunft in der Jungle-Lodge diese, nach den ebenfalls gebuchten 4 Tagen, gerade verliess. Sie zahlte 850 Soles. Sieg! Frohe Ostern!Read more
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- Day 70
- Tuesday, March 27, 2018
- ☀️ 28 °C
- Altitude: 97 m
PeruSaquena4°30’39” S 73°25’9” W
++ Bilder aus der Dschungel-Lodge

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- Day 74
- Saturday, March 31, 2018
- ☀️ 22 °C
- Altitude: 101 m
PeruParque Kennedy12°7’23” S 77°1’45” W
Flugzeuge in Lima günstig abzugeben

Das Dschungel-Abenteuer gut überstanden, geniessen wir die warme, wasserreiche und moskitofreie Dusche in Lima. Wir haben sogar einen ganzen Tag Zeit, uns die Stadt anzusehen, bevor es mit Speed-Traveling weitergeht. Wie üblich folgen wir einer Free-Walking-Tour, mit der kleinen Besonderheit, dass diese um 11:00 mit Frei-Bier startet. Wie geil ist das denn? Dachten wir. Kaum am Tresen steht denn auch schon das Frei-Bier da, 1dl. In einem 3dl Glas. Wat?! Also doch kein Frei-Rausch. War ja klar. Muss wohl eine Art Probiererli bzw Probierbierli sein. Zugegebenermassen ziemlich lecker. Ich bestelle mir also ein „Kleines“ und freue mich auf ein volles Glas. Und was kommt? Wieder 1dl! Stellt sich heraus, das Mittlere sind 2dl und ein „Grosses“ 3dl. Kosten? Sechs Stutz für eine Stange! In Peru. Zur Mittagszeit. Krass! Erinnert mich irgendwie an einen City-Trip zu sechst nach Oslo. Vor etwa 20 Jahren. Jede Runde Bier kostete astronomische hundert Stutz! Wir waren natürlich trotzdem knallvoll. „Was ihr möged heusche, möge mir no lang zahle“ war das Motto. Damals.
Als weitere kleine Retrospektive verdient Viva Air Peru, Südamerikas Kack-Airline #1, eine weitere Erwähnung. Dass zusammen Reisende nicht zusammen sitzen, hat bei den Kack-Affen ja bekanntlich System. Sitzplatzbuchungen und -umbuchungen sind natürlich möglich - und kosten. Wer also sicher zusammensitzen will, kann sich das gerne kaufen. Alle anderen warten bis das Boarding abgeschlossen ist, um dann kurz vor Take-Off noch hektisch die Plätze zu tauschen. Ich wollte zwar nicht bei Sue sitzen, aber definitiv weg vom Mittelsitz auf einen mit deutlich mehr Bein- und Ellenbogenfreiheit. Und siehe da, der Fensterplatz beim Notausgang war noch frei und in guter Sprint-Distanz. Kaum habe ich meine Beine gestreckt, attackiert mich auch schon eine giftige Stewardess von wegen Boardingcard und Sitzplatznummer. Überfreundlich und warmherzig erkläre ich der doofen Sau, dass ich selbstverständlich nicht diesen Platz gebucht hätte, dieser aber ja ganz offensichtlich nicht besetzt wäre und sich soeben zwei Drittel der Passagiere irgendwie umgesetzt hätten. Ihr schien das egal, sie mochte mich aus mir unerfindlichen Gründen offensichtlich einfach nicht. So erklärte sie mir (in gutem Englisch), dass die Plätze am Notausgang nur für Personen wären, die Spanisch sprechen. Wat?! Ich geb dir gleich Spanisch! Ausserdem gleiche ich Enrique Iglesias wie kaum ein Zweiter. Finde ich. Der gleiche verlogene Quatsch wie mit den Handy-inkompatiblen Ticket-Scannern. Die Frage ob eine allfällige und natürlich gebührenpflichtige Sitzplatzbuchung via Internet ebenfalls meine Sprachkenntnisse in Frage gestellt hätte, bleibt erwartungsgemäss unbeantwortet. Wohl in erster Linie weil ich diese nicht laut gestellt, sondern mich brav zu Sue gesetzt habe, nachdem sie den kleinen verbalen Schlagabtausch mitverfolgt und mich eindringlich zu sich gebeten hat. So kam aufgrund meines vernünftigen Handelns auch bei diesem Flug niemand ernsthaft zu Schaden. Aber eines ist klar, diese Airline gehört zwangsliquidiert und gespendet!
Und so verlassen wir Lima bereits wieder, um von Piura aus per Nachtbus Guayaquil in Ecuador zu erreichen.Read more
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- Day 75
- Sunday, April 1, 2018
- ⛅ 6 °C
- Altitude: 29 m
PeruCapitan Concha5°11’44” S 80°37’51” W
Wenn das Gepäckband zur Autobahn wird

Piura ist schwierig zu beschreiben. In erster Linie weil ich nichts von der Stadt gesehen habe und wir lediglich ein paar Stunden auf einer Parkbank auf den Nachtbus gewartet und uns angeschwiegen haben. Stimmung war nicht so gut. Grund genug in die Negativspirale einzutauchen und sich trotz totaler Ausgeglichenheit und Gleichmütigkeit über Idioten am Gepäckband auszulassen. Das muss jetzt einfach gesagt sein. Mit dem Gepäckband ist es wie mit der Autobahn. Lässt du auch nur 20cm Platz vor dir, stellt sich so ein scheiss Drängler vor dich. Mitten in dein „Mein Kreis/Dein Kreis“ Ding. Das geht dann so weiter bis ich zuhinterst stehe und mich schlecht fühle. Traurig. Meistens schupse ich dann beim Greifen meiner Tasche völlig unbeabsichtigt irgendwelche unbeteiligten Kinder und Betagte rum. Das tut irgendwie gut. Keine Ahnung wieso.
Dann gibt es da noch eine andere Sache. Nachdem wir nun schon weite Teile Südamerikas bereist und diverse Abenteuer überstanden (und überlebt) haben, freuen wir uns auf ein paar ruhigere Wochen auf den Galapagos Inseln und an der Karibikküste Kolumbiens. Wir haben uns aus diversen Gründen, die wir gerne zu einem späteren Zeitpunkt teilen, und nach reiflicher Überlegung aber auch dazu entschlossen, unsere Reise am nördlichen Ende Südamerikas vorerst zu beenden und in die Schweiz zurückzukehren. Gut möglich, dass wir das Reisen nach ein paar Wochen und an anderer Stelle wieder aufnehmen, aber das lassen wir im Moment noch offen. Wer uns also wirklich vermisst hat, darf sich darauf freuen, uns Anfangs Sommer wieder in die Arme zu schliessen. Alle anderen können mich Mal. Herzlichst, Pascal.Read more
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- Day 76
- Monday, April 2, 2018
- ⛅ 29 °C
- Altitude: 21 m
EcuadorRío Babahoyo2°10’56” S 79°52’51” W
Der April macht halt wie er will

In Guayaquil freuen wir uns als Erstes über die zahlreichen aufrichtigen Liebesbekundungen und Freudenschreie guter Freunde nach dem Bekanntwerden unserer frühsommerlichen Rückkehr in die Schweiz. Zu den Gründen unserer Entscheidung gibt es nun doch nicht so viel zu sagen. Es gibt ja auch keine. Im Gegenteil! Vereinzelte Berufszweifler - allen voran Miro (der schlaue) Fuchs - haben den urkomischen „1. April“-Post schnell erkannt, andere gar nicht. Überraschend viele nicht. Naja, für die tut es mir natürlich leid, wir vermissen Euch auch. Trotzdem, wir bleiben sicher noch eine ganze Weile weg. Vielleicht einfacher wenn ihr uns besucht. Nur so als Idee. Auf das rein zufällige Zusammentreffen mit Lea in Cartagena freuen wir uns auf jeden Fall jetzt schon! Und da Guayaquil auch nur ein kurzer Zwischenstop auf dem Weg auf die Galapagos Inseln ist, mache ich hier schon wieder Schluss. Wir lieben Euch. Bussi.Read more
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- Day 79
- Thursday, April 5, 2018
- ⛅ 28 °C
- Altitude: Sea level
EcuadorPuerto Ayora0°44’51” S 90°18’48” W
Ethan Hunt wäre stolz auf mich. OK, uns.

Endlich ist es so weit, wir landen auf den Galapagos Inseln. Die Einreise wird von allerlei Vorsichtsmassnahmen (und natürlich horrenden Kosten) begleitet. Nichts soll das einzigartige Ökosystem gefährden. Ab so viel Staat, Kontrolle und Autorität wird mir schlecht bzw ich kriege irgendwie kalte Füsse. Einerseits habe ich ja einschlägige Erfahrungen mit erniedrigenden Kontrollen und Leibesvisitationen, andererseits steckt ja noch diese grosse Tüte mit verschiedenen Nüssen in meinem Rucksack. Ich spüre deutlich die prüfenden Blicke und Vorverurteilungen des ziemlich sicher schwer bewaffneten Sicherheitspersonals. Ich glaube auch zu hören, wie sämtliche Sicherheitskameras auf mich gerichtet werden und neu fokussieren. Verdammt, gleich schlagen sie zu. Ich weiss es. Hellwach und alarmiert stecke ich die Tüte in Sue’s Rucksack. Nein, nicht wie ihr jetzt denkt heimlich. Liebevoll und grosszügig wie ich bin, habe ich ihr das überteuerte Studentenfutter geschenkt. Sue versteht die ganze Aufruhr sowieso nicht und meint bloss „das sind ja keine Samen oder so“. Ich schaue sie erneut wortlos an und hoffe, wie damals beim „Regen Ende Regenzeit“, zum Wohle unserer Beziehung auf rasche und selbstindizierte Erleuchtung. Diesmal schafft sie das leider nicht. Sie braucht meine Hilfe. Aufgrund meines grossen Herzens und ihrer Schönheit beende ich die Beziehung aber nicht sofort. Ich erkenne vielmehr die Nützlichkeit ihres Unverständnisses im Falle einer investigativen Befragung oder gar Folter. Selbst der brutalste Folterknecht würde rasch erkennen, dass sie wirklich nicht wusste, was sie tat. Das könnte uns noch das Leben retten. Ein paar Minuten später stehen wir auf der anderen Seite des Gepäckscanners und geniessen eine Hand voll mitgebrachter Nüsse. Während andere Scanner keine Flugtickets von Handys lesen können, scheinen diesem Scanner und der exotischen Schönheit hinter dem Monitor Nüsse scheiss egal zu sein. War ja klar. Oder habt ihr aus einer leckeren Baumnusshälfte schon einen Baum wachsen sehen? Und so haben wir dank meiner blitzschnellen Einschätzung und genialer taktischer Positionierung aller Beteiligter auch diese brenzlige Situation unbeschadet überstanden. Danke. Sue.
Der Weg vom Flughafen zum kleinen Hafen, in dem unser erstes Hostel liegt, ist ein zweistündiges Bus-Fähre-Bus-Taxi Ding. Das Wetter ist klasse und Sue ist schon total aufgeregt. Galapagos! Wir sind tatsächlich hier. Beim Hostel angekommen, bleibt ihre Frage, wo denn mein kleiner Rucksack mit sämtlichen Kreditkarten, Bargeld und allerlei Dokumenten, der Drohne, diverser Elektronik mit Zubehör, Snacks und einer Rolle Klopapier sei, allerdings unbeantwortet. Ich habe nämlich keine Ahnung. Eine kurze Sekunde später sprintet Sue schon dem bereits abgefahrenen Taxi nach. Verdammt gute Reaktionszeit, verglichen mit dem Nuss-Aussetzer eine Stunde zuvor. Ich bleibe taktisch beim Gepäck stehen. Vorerst. Da das Taxi bereits um die Ecke gebogen und Sue hinterher ist, verschwinden beide aus meinem Blickfeld. Innerlich keimt die Hoffnung, Sue in wenigen Augenblicken mit meinem Rucksack in der Hand wieder zu sehen. Vergeblich. Sue errannte den Offroader zwar, der Rucksack war aber offensichtlich woanders verloren gegangen. In einer Art Simultan-Konklusion erkennen wir beide gleichzeitig, was passiert war. Da Sue einmal mehr wollte, dass ich im Bus neben ihr Platz nehme, legte ich meinen Rucksack auf die Sitzbank hinter uns. Am Bus-Terminal angekommen, muss ich den Bus im Zustand geistiger Umnachtung und totaler Verliebtheit ohne Rucksack verlassen haben. Wir befinden uns somit in einer kriegsähnlichen Situation und gehen auf DEFCON 4 (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Defense_Condition). Wir schnappen uns hektisch das nächste Taxi und ab zum Terminal, welches nur etwa 5 Minuten entfernt liegt. Dort angekommen wechseln wir direkt auf DEFCON 3, denn weder Rucksack noch Bus sind dort. Nach einigen Verständigungshürden mit unserem Taxi-Fahrer - nennen wir ihn Lewis, Lewis Hamilton - scheint die Rückkehr des Buses zum 45 Minuten entfernten Fähr-Hafen mit 42,3% die wahrscheinlichste Option. Vorgeschlagene alternative Vorgehensweisen wie telefonische Recherche und dergleichen schaffen es nicht einmal in meine engere Auswahl und so schalten wir direkt weiter auf DEFCON 2 und starten mit Pedro ... äh, Lewis Hamilton die Verfolgung.
Während Lewis Hamilton seine Sache ganz ordentlich macht und mit über hundert Sachen über die Insel und hoffentlich dem Bus nach brettert, gehe ich wie gewohnt und wie es sich für den Taktiker im Team gehört, die möglichen Szenarien durch. Sollte der Rucksack und der Fahrer alleine im Bus sein, ist ein Finden, Durchsuchen und anschliessendes Verschwinden meines Eigentums durchaus möglich bis gar wahrscheinlich. Ich nehm die verdammte Karre auseinander, das ist klar. Sollten sich auf der vermuteten Rückfahrt mehrere Personen im Bus befinden, wäre ein Übersehen und unangetastet Bleiben durchaus plausibel. Bei jedem Fahrzeug am Horizont steigt meine Nervosität und ich fasse Lewis Hamilton zärtlich von hinten an die Schultern. Genau, wie bei der „Polonäse Blankenese“ von Werner Böhm (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Polonäse_B…). Ihm scheint das zu gefallen und für noch mehr Bleifuss zu sorgen. Nach diversen Überholmanövern und etwa 30 Minuten ist es dann tatsächlich so weit. Vor uns erkennen wir den klapprigen Bus, in dem wir uns noch vor Kurzem tierisch darüber gefreut haben, endlich auf den Galapagos Inseln angekommen zu sein. Lewis Hamilton prüft mit fragendem Blick, ob er den verdammten Gepäckdieb abdrängen und zur Aufgabe zwingen soll. Ich bestätige mit eindrücklich einfachem und doch wahnsinnig coolen Nicken. Wir setzen uns also im Stile von The Fast And The Furious mit Überschallgeschwindigkeit vor den Bus und leiten wild gestikulierend die Bremssequenz ein, bis beide Fahrzeuge zum vollständigen Stillstand kommen. Ich hoffe, das filmt gerade jemand.
Ich steige blitzartig aus und laufe dann doch erstaunlich langsam auf den Bus zu. Selbst Tom Cruise alias Ethan Hunt hätte auf seiner Mission:Impossible nicht mehr Eindruck schinden können. Während dessen zieht der geschätzt zwölf-jährige Fahrer eine ahnungslose und verwirrte Fresse. Aber davon lasse ich mich nicht beeindrucken. Ich weiss genau was du getan hast. Die Luft und meine Stimmung brennen, als ich den Bus betrete. DEFCON 1. Gleich regnet es Atombomben. Doch bevor ich den Kleinen für eine höfliche jedoch bestimmte Befragung in den Schwitzkasten nehme, checke ich noch kurz den letzten mir bekannten Rucksack-Aufenthaltsort in Sitzreihe #5. Und was finde ich da? Genau, meinen Rucksack. Unangetastet. War ja klar. Ich drehe mich zügig zum unverändert verwirrten Fahrer um, lächle ihn überfreundlich und leicht verkrampft an und säusle ihm beim Verlassen des Buses ein leises „Gracias!“ entgegen. Beim Besteigen des Taxis lasse ich mich von Lewis Hamilton und Sue feiern. Geklatscht hat dann irgendwie aber doch niemand. Ausser ich. Innerlich. Und später Lewis Hamilton, als er die $50 für die erfolgreiche und über einstündige Verfolgungsjagd einkassierte. Endlich im Hotel angekommen, gehen wir zurück auf DEFCON 5 und so haben wir auch diese heikle Situation ohne nennenswerte Verluste überstanden. Ganz grosses Kino.
Und dann wird es doch tatsächlich ruhiger. Die ersten Tage verbringen wir auf Santa Cruz, von wo aus wir diverse Ausflüge machen - zB Schnorcheln vor der Insel Pinzon - oder auch einfach mal am schönsten Strand der Galapagos Inseln, der Tortuga Bay, chillen. Ich fange gar nicht erst an, all die faszinierenden Dinge zu Land und vor allem zu Wasser aufzuzählen, das nähme nämlich kein Ende! Also so Dinge wie baden am Strand mit kleinen Gold-Rochen und Baby-Sharks oder Schnorcheln mit Schildkröten, Haien und total verspielten Seelöwen, die einem an den Flossen knabbern. Unfassbar schön alles. So unfassbar, dass Sue ständig ihre Fäuste ballt und das breiteste Grinsen mit der Welt teilt. Irgendwie komisch, aber auch schön. Aber überlassen wir das mit den schönen Dingen Sue und der Kamera. Ich schaue derweil zu den Getränken. Nach Santa Cruz geht es für drei Tage voller Ausflüge und mindestens einem Tauchgang auf die Nachbarinsel San Cristobal, bevor wir für sechs Tage unseren Last-Minute-Cruise zu ein paar weiter entfernten und ohne entsprechendes Schiff mit Bewilligung nicht zu erreichenden Orten geniessen. Wir freuen uns also auf weitere unfassbar schöne Dinge und Tage. Und Getränke.
Hier ein Video dazu: https://youtu.be/cPZOeu8ncXQRead more
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- Day 81
- Saturday, April 7, 2018
- ⛅ 27 °C
- Altitude: 18 m
EcuadorShipwreck Bay0°54’1” S 89°36’32” W
Tauchen mit dem Mossad

Per Schnellboot schaffen wir es in zwei Stunden von Santa Cruz nach San Cristobal. Auch schön hier. Und was entdecke und spüre ich am Morgen an diversen Stellen an meinem Körper? Genau, Sonnenbrand. Endlich, wurde ja auch Zeit! Wir sind schliesslich schon mitten in Monat 3 und bisher war die Wahrscheinlichkeit für Schwimmhäute grösser als für lichtbedingte Hautirritationen. Tut ein wenig weh, aber das gehört irgendwie zum Sommer. Wirklich braun werde ich ja sowieso nicht, das überlasse ich der schönen Sue. Ich freue mich bereits über ein wenig rosa. Von daher macht es auch Sinn, dass ich bei unserem nächsten Ausflug das einzigartige maritime Leben 20 Meter unter Sue erkunde. Ist besser für meine Haut. Und Sue ist ja auch von unten betrachtet schön.
Der nette Mann beim Fitting am Vorabend - wie bei einer Fashion-Show, einfach für Neopren-Mode - war allerdings ein wenig erstaunt und besorgt ob meiner bescheidenen Taucherfahrung. Brevet 24 Jahre her, seither etwa 20 Tauchgänge (grosszügig aufgerundet von etwa 11), der letzte etwa 4 Jahre her (freizügig abgerundet von etwa 6). Er meinte, wer mehr als ein Jahr nicht mehr getaucht ist, muss einen Refresh absolvieren. Der Tauch-Spot sei auch nicht ganz ohne. Mein Blick scheint meinen Unmut genügend zu portieren. Während ich kein Wort sage, schlägt der nette Mann aufgrund der kleinen Gruppe vor, den Refresh beim Materialcheck im Wasser mit einzubauen. Damit kann ich leben. Unser Tauchguide kommt aus Israel, nennen wir ihn also Mossad, äh Massud. Wobei, auch komisch, sagen wir einfach Gabriel. Darauf angesprochen, meint der Gabriel, tauchen verlernt man nicht, das ist wie Bus fahren. Refresh abgeschlossen. Mazeltov! Gelobt sei das heilige Land.
Die zwei Tauchgänge am Kickers Rock - Sue schloss sich während dessen der Schnorchelgruppe an - mit teils 100m tief abfallenden Felswänden und massiven vertikalen Felsspalten waren traumhaft. Nicht immer ganz einfach und definitiv nicht mit dem 7m-Riff-Tauchen im warmen Karibikwasser vor sechs Jahren vergleichbar, aber die Unsicherheit lasse ich mir natürlich nicht anmerken. Die oft deutlich erhöhte Atemfrequenz war allerdings schwierig zu verbergen. Und jeder der schon getaucht ist, weiss, wie wertvoll Luft unter Wasser ist. Keiner will als Erster das verpönte Zeichen für „verdammt, meine Luft geht aus“ machen, wonach die ganze Gruppe üblicherweise auftaucht. Während der „Erst-Reiniger“ in einer Ayahuasca-Zeremonie mit Schulterklopfen rechnen darf, erntet der „Erst-Auftaucher“ beim Tauchen meist nur abschätzige Blicke. Irgendwie geht mir diese ganze kompetitive Scheisse aber auch auf den Sack. Sich ständig messen zu müssen ist was für die Jungen und von Selbstzweifeln geplagte Erwachsene. Mir reichts, Mr Bergpreis war gestern. Zum Glück brauche ich das alles nicht mehr.
So oder so, ich steige definitiv nicht als Erster von uns dreien auf, eher ertrinke ich! Das grosse Highlight war neben diversen kleinen Haien, Turtles, Seelöwen, Oktopussy, Fisch-Porno und Adler-Rochen die Sichtung eines ausgewachsenen Hammerhais. Hammer. Wirklich. Und das zweite Highlight war bei beiden Tauchgängen definitiv der jämmerlich frühe Aufstieg des Kanadiers. Buuhh! Dank der überschaubaren Gruppe, meinem souveränen Auftreten bzw Schwimmen und unserem coolen Gabriel konnten dem Kanadier seine Frau und ich aber jeweils noch weitere 6 Minuten Fische gaffen. Somit bin ich zum Glück und sehr zur Freude von Sue nicht wie erwartet ertrunken und habe auch diesen Ausflug überlebt. War ja klar.
Nach drei wunderbaren Tagen auf San Cristobal geht es mit der „Fähre“ zurück nach Santa Cruz, von wo wir dann zu unserem 6-tägigen Cruise rund um Isla Isabela, Isla Fernandina und Isla Santiago aufbrechen werden.Read more

TravelerWie ein Profi lässt du dich rückwärts ins Wasser fallen...ich bin beeindruckt, und das mit mind. 26J. altem Brevet aus Korsika ;)

Sue and Pasci26J?! Dachte das hätte ich mit 14 gemacht, doch nicht schon mit 12, oder? 🤔 aber Korsika stimmt natürlich ... 😄

TravelerHabe in meinem Tauch-Brevet nachgeschaut: 16. Juli 1993, also vor 25 Jahren - genau dazwischen! 😄

ich bin immer froh wenn alle überlebt haben & wir einmal mehr die bestätigung haben, dass sue so wunderschön ist! auch von unten! das wussten wir ja bisher noch nicht ;-)
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- Day 89
- Sunday, April 15, 2018
- ⛅ 23 °C
- Altitude: 1,203 m
EcuadorCantón Isabela0°1’28” S 91°19’38” W
Haie - die Cremeschnitten der Meere

Bevor wir über den phänomenalen Galapagos-Cruise sprechen, gilt es noch ein anderes Thema zu verarbeiten. Was hier als „Fähre“ bezeichnet wird, sind in Wirklichkeit private Schnellboote in diversen Grössen und Formen. Wie alles andere auf den Inseln hier, sind natürlich auch die Überfahrten von Insel zu Insel in etwa so teuer, wie ein innereuropäischer City-Trip per Flugzeug. Unser angepeiltes Budget wird also auch vor dem Cruise täglich massiv überschritten und wir werden wohl Monate brauchen, um mittels Übernachten in Hinterhöfen und strikter 0-Kalorien-Diät - die wir uns nach der ganzen Völlerei an Bord körperlich aber auch leisten können - wieder in den grünen Bereich von hundert Stutz pro Tag zu kommen. Unsere Fähre - Andy I - von San Cristobal zurück nach Santa Cruz war sehr zu meinem Missfallen total überfüllt. Ich zählte 34 Personen, wo 26 erlaubt und für 26 gebaut. Komfort ist eine Sache. Mit Sardinen-Feeling könnte ich nach knapp 3 Monaten auf Reisen ja problemlos leben. Wir haben schon auf schlechterem Papier geschrieben, zu schlechterer Musik getanzt ... ihr wisst schon was ich meine. Aber Offshore-Fahrten mit Kindern und Babys an Bord ohne genügend Safety-Equipment ist nicht einmal für die ebenfalls total überteuerten Überfahrten von Afrika nach Lampedusa akzeptabel. Und hier, wo man sich offiziell gegen Massentourismus und für ein preisgesteuertes und durchaus sinnvolles Level von Exklusivität ausgesprochen hat, schon gar nicht. Da krigisch son Hals!
Die nach glücklicherweise ereignisloser Überfahrt darauf angesprochene Reise-Agentur kann natürlich nichts machen. War ja klar. Da das örtliche Tourist-Office halbwegs auf dem Weg zur Tortuga Bay liegt und ich ein Mal im Leben das Richtige tun will, laufen wir für eine kurze Beschwerde zum Wohle der nächsten Passagiere eben dort hin. Wie sich herausstellt, sind die aber auch nicht zuständig. Bei Andy I handle es sich um Teil des „öffentlichen Verkehrs“, der unter die Hoheit des Transport-Ministeriums fällt. Hm, soso. Da das Ministerium mit ein wenig Fantasie auch noch auf dem Weg liegt, schlendern wir eben noch dorthin. Zu meiner Überraschung spricht der junge Mann hinterm Schreibtisch richtig gutes Englisch. Als er ebendieses Englisch dazu nutzt, uns das schriftliche Vorgehen für Beschwerdemeldungen zu erklären, reisst bei mir irgend so ein Faden. Oder wie wir manchmal sagen, „simmer Dröht zämecho“. Ich mache hier Ferien und versuche der hiesigen Community irgendwie zu helfen bzw. das Richtige zu tun! Genervt und bestimmt wenig freundlich darauf angesprochen, ist der nette Mann umgehend bereit, den Fall und das zugehörige Beweisfoto mündlich und per WhatsApp entgegenzunehmen. Ausserdem zeigte man sich ob der geteilten Informationen und Bilder äusserst dankbar, denn eine solche Verfehlung wäre ganz und gar nicht im Sinne der mega coolen Galapagos Community. Geht doch. Somit entstand auch aus dieser brenzligen Situation keine tödliche Rangelei und niemand kam ernsthaft zu Schaden. Gar nicht so einfach, das Richtige zu tun. Und werd ich im Alter noch zum Berufsnörgler? Wir werden sehen.
Wobei, wenn wir schon hier sind, gäbe es da noch eine zweite Sache. Die weissen, schwarzen und roten Strände sind ja echt paradiesisch, das wird niemand bestreiten. Aber die mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit nicht endemische Spezies der Bremsen (nein, nix Auto-Anhalter, beissende Viecher bei uns bekannt als „Brääme“) gehören bekämpft und aus dem Paradies verbannt. Die haben definitiv viel zu oft von Eva’s Apfel bzw. unseren Beinen genascht. Kleine Wixer die. So, nun ist aber genug des Negativen, denn die anderen 99% sind einfach nur wow, einmalig und einzigartig! Das gilt auch für unseren Cruise zu ein paar entlegenen Orten des Archipels. Unser Schiff - die Encantada - ist eine altehrwürdige Dame, die nach 40 Jahren ihren letzten Monat im Dienst steht. Danach wird auch dieses vergleichsweise kleine aber sehr gemütliche Segelschiff durch eine grosse, luxuriöse Motoryacht ersetzt. Die Backpacker-Optionen für günstige Cruises werden also noch weniger und wir kommen erst als alte reiche Säcke wieder.
Im aktuellen Fall kümmert sich eine 6-köpfige Crew um 10 (Budget-)Gäste aus 8 Nationen. Neben uns Schweizern kommen die im Schnitt gleichaltrigen und überaus unterhaltsamen Mitreisenden aus England, Belgien, Spanien, Kanada, Südafrika, Schweden und Israel. Hm. Ich bin mir nach dem Tauchen ziemlich sicher, dass mich der Mossad nach wie vor auf dem Radar hat. Die Stimmung ist aber trotz oder gerade wegen dem von Beginn weg gut. Auch noch nachdem wir herausgefunden haben, dass für mitgebrachte Weine eine Kork-Gebühr von $10 erhoben wird. Was sonst zu umgehender Meuterei und zahlreichen Toten führen kann, nehmen wir an diesem Tag gelassen. Saufen wir die Fläschchen eben in der Koje oder am Strand bei den Krebsen. Darin sind wir ja gut. Bzw. ich. Sue legt sich ja jeweils an die pralle Sonne und arbeitet an ihrer Bräune. Obwohl sie ohnehin schon die Bräunste ist. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob sich diese Arbeiterkind-Optik auf längere Zeit mit meiner noblen Blässe vereinbaren lässt. Wir werden sehen. Aber wo war ich? Egal, ist echt schön hier. Und den Wein haben wir dann doch mit unseren Companions an Bord gesoffen. Für ein Mal nicht Budget und eher nach dem alten Motto: „Was ihr möged heusche, ...“
Die Inselbesuche sämtlicher Cruises sind untereinander gut abgestimmt und so werden wir Touris immer nur portioniert, in kleinen Gruppen und mit diversen Regeln auf die hiesige Flora und Fauna losgelassen. Man fühlt sich definitiv mehr als Gast auf diesen Inseln als dass die Tiere hier zu Gast wären. Und ja, es ist wie Discovery Channel. Oder besser. Man steht eine halbe Stunde an der selben Stelle und beobachtet mehr Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum als der tolle Züri-Zoo gesamthaft zu bieten hat. Ok, ich bin sicher der Vergleich hinkt, aber das ist mir scheiss egal. Es ist auf jeden Fall alles verdammt eindrücklich hier. Und das wird hoffentlich auch so bleiben. Auf eine kitschige Geschichte mit all den putzigen Tierchen - wobei im Falle von Seelöwen neben „putzig“ auch „verspielte stinkende Fettrolle“ eine präzise Beschreibung wäre - verzichte ich an der Stelle, dafür erlaubt FindPenguins ja die 10 Fotos pro Post. Die haben wir hier übrigens auch wieder gefunden - diese putzigen Pinguinchen. Mission somit schon 6x erfüllt. Verdammte Streber wir.
Die ersten zwei Nächte auf See wurde dank mittlerem Wellengang und laut ratterndem Motor - die alte Lady brauchte nachts jeweils 10-12h, um zum nächsten Spot zu kommen - nicht viel geschlafen. Aber auch das vermochte die Stimmung an Bord nicht trüben. Der geile Koch in Kombination mit unzähligen tierischen Highlights waren dabei sicherlich hilfreich. Erwähnen möchte ich nur deren zwei, denn vom seltenen Phänomen der bis zu zwei Meter aus dem Wasser schiessenden Manta-Rochen gibt es leider kein Bildmaterial und das Schnorcheln mit einem grossen Schwarm der hier eher seltenen, scheuen und über zwei Meter grossen Mola Molas erinnerte mich umgehend an Segeln in Kroatien. Während Karpf, Kummler und Rode eine unerklärliche graue Sichtung als ungewöhnliches und totes Treibgut abtaten, wusste der schlaue Lipp natürlich genau worum es sich beim auf dem Wasser treibenden Riesen-Diskuss handelte: „Dasch e Mooondfisch!“ ... Furchtbar komische und daher umso faszinierendere Fische die der Toni so kennt. Bravo Anton.
Wenngleich die knapp zwei Wochen Galapagos kräftig vom Budget gezehrt haben, markieren sie sicherlich den bisherigen Höhepunkt unserer Reise und wir würden es jederzeit wieder so machen. Einfach nur wow! Eine äusserst interessante Entwicklung gab es denn auch in Beziehung zu Haien. Hat vor dem Cruise allein der Gedanke an die gefrässigen Tötungsmaschinen eine gewisse Beklemmung in mir ausgelöst, wurde aus der kurzen Passion für die eleganten Räuber ziemlich direkt eine Obsession. Ein Schnorcheln ohne Hai-Sichtung ist demnach wie eine Cremeschnitte ohne Zuckerdeckel und wann immer ich einen Hai vom Boot aus sehe, ist da umgehend dieser Drang, ins Wasser springen zu müssen. Vergleichbar mit dem inneren Drang beim Anblick einer frischen Cremeschnitte, sich diese sofort und in einem Stück zwischen die Kiemen schieben zu wollen. Bisher konnte ich widerstehen, aber wer weiss wie lange noch ... Read more

TravelerA derä Steu... ganz härzleche Dank, dass mir aui so chöi teilnäh❗👍🏼 Hammmmmer Foti's u geniali Texte❗🌹 MERCI viiiiiu mau u gniessets witer so❗🍀 liebi Grüess us Bärn😚😚

Sue and PasciDanke Euch, LG nach Bern. Und im Housi de e gueti Sägelwuche mit de Moondfisch-Crew! 😄😘
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- Day 91
- Tuesday, April 17, 2018
- ☀️ 18 °C
- Altitude: 2,822 m
EcuadorIchimbia0°13’15” S 78°30’17” W
Vulkane können ganz schön dreckig sein

Es fällt irgendwie schwer, nach Galapagos noch Kraft und Muse zu finden, auch von anderen Orten zu schwärmen. Aber ok, Quito ist dann doch auch wirklich schön und farbenfroh. Wie in La Paz ein ständiges auf und ab auf knapp 3’000 Meter, im Falle von Quito sogar auf einer Länge vom 60 km. Kaum zu Fuss unterwegs, ist man (bzw. in diesem Fall Frau) schon im Modus Schnappatmung. Die Zeit in der Stadt verbringen wir sehr zu meiner Freude grösstenteils in kleinen, lokalen Brauhäusern. Da stimmt einfach alles. Trinken, Essen, Preis. Neben dem üblichen „schau dir die Stadt an“-Rumgelaufe haben es uns ausserdem die Vulkane Pichincha und Cotopaxi angetan. Also vor allem Pichincha, der hat uns wirklich einiges angetan ...
Wie üblich bin ich kaum bis gar nicht auf das vorbereitet, was uns am Pichincha erwartet. Mit der Seilbahn auf 4’000 Meter und dann gemütlich ein oder zwei Stunden laufen am Berg. So dachte ich. Zum Glück murmelte Sue im Hostel noch was von drei Grad Celsius. Verdammtes Genuschel. Packe ich eben meine Mütze noch ein. Kurz nach der Bergstation in Richtung Gipfel offenbart sich mir dann das ganze Ausmass unseres Unterfangens. Eben noch auf Meereshöhe und nun steiler Aufstieg auf 4‘700 Meter. Das Wetter? Prima. Zu diesem Zeitpunkt. Na dann los. Schon früh stampft so ein einfältiger und schlecht gekleideter Hipster - genau, Ramon - mit grossen Schritten und laut aufgedrehter Handy-Musik an uns vorbei. Auf meine Frage, ob er sich denn keine Kopfhörer leisten könne, wusste er erst im zweiten Anlauf ein schwammiges „no“ zu entgegnen. Dann mach dass du Land gewinnst mit deiner Scheiss-Mucke! Wobei ich konnte mir zu dem Zeitpunkt schon denken, wie es weiter oben am Berg aussehen wird. Mr Bergpreis is back!
Um es kurz zu machen, wir haben den Gipfel erreicht. Der doofe Ramon nicht. Zuerst gnadenlos überholt werden und dann aufgeben und umkehren. Buuhh! Nur weil das Wetter gedreht hat?! Tsss. Schon beim Aufstieg - der teils alle vier Extremitäten forderte und weit entfernt von „Wanderweg“ lag - wurde mir bewusst, dass beim späteren Abstieg in erschöpftem Zustand, beide Arschbacken zusammen zu kneifen sind. Der mit dem Abstieg einsetzende Hagel/Schnee bestärkte mich in meiner Vermutung. Heroisch und frierend - was ich mir natürlich nicht anmerken liess - ging ich voran, um für Sue (und hoffentlich mich) einen sicheren Weg vom Berg zu finden. Die aufgekommene Nässe in Kombination mit meinem dank der Galapagos-Völlereien erstarkten Gewicht führten zum Unausweichlichen. Ich rutsche aus und lege mich am Steilhang (gefühlt elegant) auf den Arsch. Zu meinem Erstaunen blieb ich bis auf die Hände sauber und rutschte keine 300 Meter die Klippen hinunter in den Tod. Es hat also durchaus auch Vorteile, wenn man anstelle von Matsch auf Felsblöcke klatscht. Ausserdem scheint es in solchen Situationen nützlich, wenn man seine Wurstfinger aufgrund der Kälte eh nicht mehr spürt. Hätte sonst sicher verdammt weh getan. Die Hose musste trotzdem genäht werden. Aber immer noch besser als der Arsch.
Rückblickend hoffe ich sehr, dass lovely Stalking-Mam stolz auf mich ist. Schau Foto. Wie ich von ihr gelernt habe, näht man an der gerissenen Stelle immer ein Stück Stoff ein. Da ich keinen Stoff hatte, tut es wohl auch das bei Reisenden äusserst beliebte Duct Tape. Ich finds total professionell. Sue wollte kein Urteil abgeben. Im weiteren Verlauf des Abstiegs und meines heroischen Vorangehens wollte mich der verdammte Pichincha dann noch weitere zwei Mal im Matsch sehen, wobei ich jene Ausrutscher dank grandiosen Torhüter-Reflexen mirakulös auffangen und den erneuten Fall abwenden konnte. Kurz bevor wir die Gondelstation erreichten, stand (bzw. lag) Sue dann noch für einen Moment im Mittelpunkt. Und zwar so richtig. Jaja, so viel Zeit muss sein. Sue war ob der ganzen Aufmerksamkeit aber gar nicht amused. In (bzw. bei) ihrem Fall entstanden denn auch unübersehbare Fallspuren an Kleidung und Gemüt. Das anschliessend und mit breitem Grinsen geschossene Foto erfuhr wenig bis gar keine Zustimmung vom Sujet. Aber ich fand die offensichtlich lauffaule Sue ist auch ganz schön dreckig ganz schön schön. Und so haben wir auch dieses Abenteuer überlebt, wenn auch leicht beschadet und in einem Fall ziemlich verdreckt. Zur Belohnung gabs Pizza und Chicken-Wings. Yay!
Der 5’800m hohe Cotopaxi war im Vergleich der ehrlichere Berg. Er empfing uns schon kalt und stürmisch. So schafften es schlussendlich lediglich Sue, ich und ein dritter Schweizer zur Gletschergrenze auf knapp über 5‘000 Meter. Der schwache Rest der Gruppe wartete im „Basecamp“ auf 4’800 Meter bei warmer Schokolade auf unsere Rückkehr. Schön wars. Auch beim anschliessenden rasanten Downhill-Mountainbiking kam lediglich das Schweizer Dreiergrüppchen zusammen. Der Rest hockte sich bequem in den Bus und liess sich wieder vom Berg chauffieren. Komische Leute. $50 zahlen und dann zwei Drittel auslassen. Die lassen im Restaurant sicher auch Essen stehen, nur weil irgendwann der Hunger gestillt ist. Versteh ich nicht. Crazy People.Read more
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- Day 93
- Thursday, April 19, 2018
- ⛅ 30 °C
- Altitude: 1,245 m
EcuadorMindo0°3’10” S 78°46’49” W
Dschungel-Alpamare mit alten Freunden

Um noch ein paar weitere Abenteuer in Ecuador zu erleben, begeben wir uns ins zwei Stunden von Quito entfernte und von Cloud-Forest umgebene Örtchen Mindo. Aber aller Anfang ist schwer. Um nicht in Zeitnot und ohne Probleme vor 09:00 zum Bus Terminal zu kommen, entscheiden wir uns für Uber. Der öffentliche Bus hätte etwas gar lange gebraucht und gemütliches Frühstück muss sein. Wir sind ja nicht auf der Flucht. Leider ist Ramon - unser Uber-Fahrer - mehr damit beschäftigt, mit Sue zu flirten, als uns in nützlicher Frist zum richtigen Ort zu bringen. So stehen wir fünf vor neun tatsächlich am falschen Terminal, von dem der doofe Ramon auch noch frech behauptete, da gäbe es auch Busse nach Mindo. Mit Nichten wie sich beim Betreten des Terminals herausstellt. Also rein in ein richtiges Taxi und auf zum richtigen Terminal, wobei unser Bus natürlich schon weg ist und der nächste frühestens in zwei Stunden fährt. Aber hey, das ist Ecuador und wir wissen ja bereits, wie man hier im Taxi Busse verfolgt. Also rein ins nächste Taxi und „pedal to the metal“! Irgendjemand hat dann sogar noch den Bus angefunkt, um dessen Reisegeschwindigkeit zu drosseln. Und siehe da, zehn Minuten und drei Dollar später besteigen wir den 9-Uhr-Bus nach Mindo. Geht doch! Das anschliessende 1-Stern-Rating für Ramon die Pfeife und die kurze Online-Beschwerde bei Uber führt innerhalb von unglaublichen fünf(!) Minuten zur vollständigen Rückerstattung der knapp $7 Fahrtkosten. Bus erwischt und Geld gespart. So geht Budget-Travelling!
Mindo ist für diverse Jungle-Adventures zu unverschämt günstigen Preisen bekannt. Voller Adventure-Drang und jugendlichem Leichtsinn tun wir uns also Tubing - eine mehrere Kilometer lange Alpamare-Gummireif-Wildwasserbahn durch den Dschungel -, ein aufgrund der fortgeschrittenen Zeit verkürztes 7-Wasserfälle-Hiking mit Schwimmeinlage (und ziemlich spektakulärer „Anreise“, schau Video) und Zip-Lining mit abschliessendem Tarzen-Sprung an. Und ja, von diesen verdammten Moskitos hat es in diesem Dschungel auch genügend. Insbesondere wenn man beim über zweistündigen Zip-Lining in Shorts vergisst, sich vorgängig mit Anti-Brumm einzunebeln. Nach der zweiten von zehn Lines hat der Körper dann leider auch nicht mehr genügend Adrenalin ausgeschüttet, um den aufkommenden Juckreiz nachhaltig zu unterdrücken. Zusammen schafften wir es auf (gezählte!) 476 Stiche. Ok, nicht gezählt, aber total voreingenommen und subjektiv geschätzt. Selbst einer hart gesottenen Krankenschwester in der Notaufnahme dürfte beim Anblick von Sue’s Beinen der Atem stocken. Ich für meinen Teil konnte mir bis zu dieser Reise gar nicht vorstellen, wie wenig man gewisse Freunde doch vermissen kann. Bisher standen Hämorrhoiden auf Platz eins, nun sind es Moskitos.
Ach ja, einen Schmetterling- und Kolibri-Park haben wir auch noch besucht. Aufgrund völlig unnötig und übertrieben aggressiver Gänse sowie „Horden“ flatternder Viecher auch total gefährlich. Sue war trotz omnipräsenter Gefahren natürlich wieder grenzenlos entzückt. Bei mir zuckte hingegen lediglich der Fressnerv. Dem Früchte/Nüsse-Lunch fehlte es eindeutig an Fleisch. Für meinen Geschmack und meine Statur mindestens 250g Fleisch. Zum Glück (und meinem Erstaunen) bekommt man in dem kleinen Örtchen ein erstklassiges und mindestens 250g schweres Rindsfilet vom heissen Stein für unter $10. Ich musste sogar die nach verlangtem zweitem Frittieren durchaus geniessbaren French-Fries (für die sprachlich weniger versierten: Pommes) stehen lassen. Stimmung gerettet.
Mit befriedigtem Adventure-Drang und furchtbar hässlichen Beinen geht es zurück nach Quito, von wo wir (mit Flug P57032) nach Bogota in Kolumbien reisen. Wahrscheinlich. Ok, nicht wahrscheinlich. Ganz sicher. Zum Zeitpunkt dieses Posts sind wir nämlich schon in Bogota. Verwirrt? Ich auch.Read more
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- Day 97
- Monday, April 23, 2018
- ⛅ 19 °C
- Altitude: 2,559 m
ColombiaBoulevar Niza4°42’40” N 74°4’20” W
Unterwegs mit Inkasso Team Encantada

Ja, was soll ich sagen? Bogota gefällt uns nicht. Weder die Strassen und Pärke noch die Leute auf und in diesen. Schwierig zu sagen, an was das genau liegt. Manchmal ist einem jemand oder etwas sympathisch und manchmal eben nicht. Für Bogota gilt Letzteres. Daran ändert auch die Gesellschaft von Robyn und Simon - Südafrika und Schweden vom Galapagos Cruise - vorerst nicht viel. Mit ihnen sind wir seit unserer Abreise aus Quito wieder unterwegs und dank ihnen halten wir eine von mir bereits abgeschriebene Kaution von $200 wieder in den Händen. Aber das ist eine lange Geschichte und wir wollten uns davon die Freude am Erlebnis Galapagos nicht vermiesen lassen. Ausserdem interessiert sich mein Lieblingstennisgegner Kurt ja bekanntlich nicht für lange Geschichten. Nur interessiert das auch niemanden. Also, was war passiert?
Unsere Tagesausflüge und den Cruise auf den Galapagos Inseln haben wir bei Jorge bzw. seiner Agency „Galapagos Evolution Dreams“ gebucht. Ich würde ihn hier ja auch Ramon nennen, aber das würde mich selber verwirren und der Arsch verdient es, bei seinem richtigen Namen genannt zu werden. Nachdem Jorge - der uns zugegebenermassen äusserst zufriedenstellend beraten hat - gemerkt hat, dass auf dem eben über ihn gebuchten Cruise - zu einem zugegebenermassen fairen Preis - das Snorkling-Equipment nicht wie uns gegenüber erwähnt inkludiert, sondern extra zu bezahlen ist, offerierte er uns umgehend sein eigenes Equipment zum Nulltarif. Inklusive Wet-Suits gegen eine Kaution von $200. Das schien uns eine gute und faire Lösung. Die Rückgabe sollte direkt am Flughafen passieren, da unser Cruise auf Baltra endete und wir am selben Tag nach Quito flögen. Dem aufmerksamen Leser - Kurt also eher nicht - dürfte schon klar sein, wie die Geschichte weitergeht. Obwohl wir von 08:30 bis weit nach 16:00 (unser Flug hatte fast zwei Stunden Verspätung) am Flughafen sassen, fand keine Übergabe statt. Gründe dafür gab es diverse, ua ein Missverständnis zwischen dem Abholer und unserem Encantada-Tour-Guide. Das spielt an der Stelle aber keine Rolle. Kurz vor Abflug mussten auch wir in den Flieger und so drückten wir das Equipment einem augenscheinlich minderjährigen Flughafen-Security in die Hände. Immer in der Hoffnung, der von Jorge vor über zwei Stunden telefonisch versprochene Abholer wäre tatsächlich unterwegs zum Flughafen. Naive Touris wie wir sind.
Irgendwie blieb trotz der stundenlangen frustrierenden Warterei, den offensichtlichen Unwahrheiten und mehrmaligem Telefonieren mit einem äusserst unfreundlichen und abweisenden Ramon, äh Jorge, doch noch ein wenig Hoffnung, dass wir unsere Kaution über PayPal oder sonst einen Weg wieder bekommen würden. Zumindest bei Sue. Ich wollte seine scheiss Wet-Suits noch am Flughafen verbrennen. Entschied mich aber wie so oft, vernünftig zu handeln. Zwei, drei Mal drauf rumzutrampeln hat auch schon gut getan. Wie sich aber herausstellte, war der doofe Jorge auch nach unserer Abreise trotz unzähliger und meist unbeantworteter Nachrichten weiterhin nicht sonderlich motiviert, seine Sachen wiederzubekommen. Ich hatte die $200 zu dem Zeitpunkt abgeschrieben und in Gedanken bereits an den unzähligen 1-Sterne-Ratings auf allerlei Plattformen gearbeitet. Nicht so die kämpferische Sue, deren Wortwahl und WhatsApp-Schreibstil sich im Laufe der Geschichte von „zuvorkommend freundlich“ zu „ich fackel dem verdammten Lügner die Hütte ab“ entwickelte. Ich war ziemlich beeindruckt. Und ein wenig stolz. Sue war es denn auch, die mit der glorreichen Idee, unser persönliches Inkasso Team vorbeizuschicken - bestehend aus der grossgewachsenen und sprachgewandten Robyn und dem muskelbepackten und kampfsporterfahrenen Simon -, den Stein wieder ins Rollen brachte. Die beiden waren noch für einige Tage auf den Inseln und nach Sue‘s Schilderung dermassen pissed, dass sie am nächsten Tag bereits um 07:30 bei Jorge auf der Matte standen, um unmissverständlich klarzustellen, dass Schluss ist mit Bullshiting. Denn das ist definitiv Jorge‘s Paradedisziplin, verdammter Schwätzer.
„Inkasso Team Encantada“ wich in der Folge nicht mehr von Jorge‘s Seite, bis er sich um sein scheiss Material gekümmert und die $200 rausgerückt hat. Das dauerte zwar nochmals zwei Tage, doch dank den beiden schickte er dann tatsächlich jemanden zum Flughafen, der nach einigem hin und her das Equipment vom scheinbar gut funktionierenden Lost&Found-Büro in Empfang nehmen konnte. Die anschliessende Übergabe der $200 sei dann ohne viel Worte über die Bühne gegangen, worauf der ausnahmsweise finstere Simon das brennende Feuerzeug wieder in die Tasche steckte und sich mit halbseitigem Grinsen für das versehentlich verschüttete Benzin entschuldigte. So oder so ähnlich wird es gewesen sein. Bestimmt. Alles in allem ein Grund zum Feiern, was wir vier dann in einem der wohl aussergewöhnlichsten Restaurants auch getan haben. Das kunterbunte Andrés Carne de Res liegt etwas ausserhalb Bogotas, bietet Platz für 2’000 Leute und kostet doch tatsächlich Eintritt. Die Hütte war trotzdem voll. Lustiges Konzept. Die $200 haben zum Schluss natürlich auch nicht gereicht. War ja klar. Aber endlich begingen wir einen Samstag, wie sich das für einen Samstag gehört. Gut essen, noch besser trinken und anschliessend zu Latino-Mucke leicht hüftsteifes jedoch ober-cooles Torkeln auf einem der total überfüllten Dancefloors. Ausser Sue, die hat natürlich richtig getanzt. Und schön. Und cool.
Trotz unbestreitbarer Antipathie gegenüber Bogota als Gesamterscheinung, haben wir unseren Aufenthalt noch auf drei Nächte verlängert, bevor wir per Bus nach Medellin reisen. Die Gesellschaft unseres Inkasso-Teams und der ausgelassene Samstag haben dann doch ein wenig geholfen und wir haben auch sonst ein paar spannende Aktivitäten wie Graffiti- und Food-Walkings und Orte wie den Cerro Montserrate und das Museo de Oro gefunden. Unsere Lieblingsstadt wirds trotzdem nicht. Das bleibt Sarmenstorf.Read more
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- Day 100
- Thursday, April 26, 2018
- ⛅ 24 °C
- Altitude: 1,552 m
ColombiaParque Lleras6°12’31” N 75°34’5” W
100 Tage im Amt - Eine erste Bilanz

Wie es sich für Menschen in unseren Positionen (arbeitslos bzw. „eternal sabbatical“) und unseren Gehaltsklassen (0.-) gehört, ziehen wir nach den ersten hundert Tagen Bilanz. Unterm Strich kann man sagen, dass es uns gefällt. Dieses Reisen. Und wir uns auch immer noch total lieb haben. Auch gegenseitig.
In den vergangenen dreieinhalb Monaten haben wir 30‘000 km mit 13 Flugzeugen, 10 Schiffen und 25 Bussen zurückgelegt, um 38 Destinationen in 9 Ländern zu besuchen, an welchen wir in 48 verschiedenen Betten geschlafen und schon 6 Mal Pinguine gesehen haben. Gestritten haben wir uns 2 Mal - getrennt noch nicht. Wieso wissen wir nicht mehr. Ziemlich sicher wegen mir. Oder Sue. Vielleicht auch wegen den 5 Dingen, die wir schon verloren haben. Auf jeden Fall hiess die Lösung jeweils Gummibärchen.
Für die Ewigkeit haben wir unsere bisherige Reise mit 3’509 Fotos, 27’796 Worten, 82 Wein-Reviews und 15 Clips produziert aus 78 Videos festgehalten. Die 2’361 Likes von Freunden und Familie freuen uns natürlich auch, denn die Minuten, in denen wir die Heimat dann doch ein wenig vermissen, zählen wir nicht. Wer will schon Depressionen? Dafür reicht ja die Statistik der Tage, an denen wir krank oder verletzt waren. Die völlig überraschende Bilanz? Sue war ganze 2 Tage ausser Dienst. Und das vermeintlich schwache Glied der Kette? Null. 0. Nix. Nada. Always up and running. Huere Maschine!
Und last and least bläht das Thema Kohle die ganze Bilanz dann doch ein wenig auf. Die angepeilten hundert Stutz pro Person und Tag wurden um fast neun Stutz überschossen. Verschwenderisch wie wir sind, geben wir im Schnitt 29% für den Transport zwischen den Destinationen aus, 14% für Übernachtungen und die restlichen 57% für den ganzen Spass dazwischen. Dazu gehört natürlich auch die Verpflegung. Fest und flüssig. Im März dürfte also rund die Hälfte davon in Wein geflossen sein. Also für rund die Hälfte davon Wein geflossen sein. Oder wie auch immer. Den Rest haben wohl die Galapagos-Schildkröten gefressen. So oder so, wir geben zu viel aus. Das muss aufhören. Daher nochmals unsere Bitte, uns weitere Penthäuser kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das wäre echt toll. Danke.
So, nun gönnen wir uns zur Abwechslung ein lukullisches Candle-Light-Dinner und stossen mit einer guten Flasche Rotwein auf die nächsten 100 Tage an. Prost und Hasta!Read more
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- Day 102
- Saturday, April 28, 2018
- ⛅ 23 °C
- Altitude: 1,470 m
ColombiaPlaza Mayor6°14’39” N 75°34’52” W
Pablo und seine Kaugummi-Buebe

Ja, was soll ich sagen? Medellin gefällt uns verdammt gut. Ab der ersten Minute. Nach über elf Stunden im Bus - Autobahnen scheint es hier leider nicht zu geben - werden wir überfreundlich in unserem Hostel empfangen. Der nette Sebastian läuft nach kurzem Check-In denn auch gleich mit uns die Strasse runter und weist auf allerlei empfehlenswerte Gaststätten hin. Nachdem wir unser bisher schönstes Hostel-Zimmer bezogen haben - das Hostel hat erst vor zwei Wochen seine Pforten geöffnet -, gönnen wir uns noch ein spätes Chicken-Wings-Dinner um die Ecke. Die Frage, ob wir einen Schlüssel für die Eingangstür brauchen, wird mit dem Hinweis auf Sebastians permanente Anwesenheit verneint. Äusserst müde aber froh im total tollen Medellin zu sein, klingeln wir also anderthalb Stunden später wieder beim total netten Sebastian. Und macht der Arsch auf? Natürlich nicht. Daran ändert auch zwanzigfaches Sturmläuten nichts. Ich bin eigentlich viel zu müde, um mich zu ärgern. Aber natürlich raffe ich mich auf und ärgere mich tierisch. Und das für knapp eine Stunde. So lange und zehn Sturmläuten dauert es nämlich, bis der dämliche Sebastian doch noch aus seinem Dornröschen- oder Drogenschlaf erwacht und uns tatsächlich die Türe aufmacht. Wir sind sprachlos. Er auch.
Die Enttäuschung wog schwer und wurde auch durch das vorzügliche Frühstück am nächsten Morgen nicht wirklich gelindert. Und nachdem wir für das Geschehene keinerlei Wiedergutmachung oder sonstige Anmerkungen durch den Schuldigen erfuhren, wechselten wir kurzerhand die Unterkunft. Hätten wir dies nicht aus grenzenloser Enttäuschung getan, wäre auch der nach wie vor omnipräsente Baulärm Grund genug gewesen. Ab dann gings nur noch bergauf. Steil bergauf - kleine Zwischenkater ausgenommen. Die Geschichte Medellins ist extrem eindrücklich und die beiden absolvierten Walking-Tours definitiv die fesselndsten und besten Touren die wir in den letzten drei Monaten erlebt haben. Die jüngste Geschichte der ehemaligen Narcos-Hochburg und der ganzen Region ist geprägt von äusserst blutigen und oft unübersichtlichen Konflikten zwischen mindestens vier Parteien - den linken Guerillas (ua FARC), den rechten Paramilitärs der reichen Oberschicht, diversen Drogenkartellen (allen voran Pablo Escobar) und der oft überforderten und passiven Regierung -, die untereinander nicht selten unheilige Allianzen schlossen, um ihre individuellen Ziele zu erreichen. Stets zum Leid der unbeteiligten Bevölkerung. Doch Kolumbianer - und Paisa, die etwas „eigenen“ Einwohner der Region rund um Medellin, im Speziellen - sind gut im Vergessen. Dürfte neben durchaus bewusstem selektiven Kollektivgedächtnis wohl auch an den äusserst leckeren und bisweilen übergrossen Cocktails liegen, denn ich kann mich irgendwie auch nicht mehr an jede Einzelheit unseres Aufenthalts erinnern. Und Sue schweigt.
Wir sind auf jeden Fall ziemlich beeindruckt, mit wie viel Lächeln und Freude die Menschen einem begegnen. Denn gewaltsame Konflikte sind nach wie vor Teil dieser Stadt, insbesondere im Vorfeld der in wenigen Wochen anstehenden Präsidentschaftswahlen. So kommt es bei Bandenkriegen rund um den ehemals gefährlichsten Distrikt „Communa 13“ am Tag (bzw. in der Nacht nach) unserer Walking-Tour zu zahlreichen Toten. Trotz Rückschlägen waren und sind die Menschen hier voller Hoffnung und die Anwesenheit von Touristen und Reisenden wie uns wird als Zeichen der Veränderung zum Guten gefeiert. Und beim Feiern machen wir doch gerne mit. Sehr zu meiner Freude so ziemlich jeden Tag. Und da es unser Inkasso Team Encantada einen Tag nach uns ebenfalls nach Medellin geschafft hat, des Öfteren auch zu viert. Selten haben wir uns in einer Stadt so willkommen und wohl gefühlt. Auch wenn wir die Tage bezüglich Budget und Waage nicht gross an der „Galapagos-Kompensation“ gearbeitet haben, wären wir gerne noch etwas länger geblieben. Die Reaktionen der Leute auf der Strasse (oder im städtischen Fussballstadion beim siegreichen Heimspiel vom Samstag), die bis vor wenigen Jahren noch keine gross gewachsenen, blonde und blauäugige Touristen kannten, reichen von ungläubigem Nachschauen bis zu überschwänglichen „Welcome to Colombia“-Rufen und Daumen hoch Gesten. In Poblado kommt dann alle paar Meter noch die zuvorkommende und freundliche Frage hinzu, ob man denn gerne Kaugummi, Gras oder Koks kaufen möchte. Auf jeden Fall! Kaugummi ist ja eigentlich nie verkehrt.
Wir verlassen Medellin nach fünf spannenden Tagen mit weinenden Augen. Also nassen Augen. Es regnet nämlich in Strömen und der verdammte Wecker klingelt zur unfassbarsten Unzeit überhaupt - um 03:45. Am Sonntag! Wer bucht denn so einen Scheiss? Zuerst „let it rain“ auf den Galapagos Inseln und jetzt wegen drei Fränkli auf den sechs Uhr Flug?! Am Sonntag? Zum Kotzen! Den nächsten Flug darf Sue wieder buchen.Read more

Sue and PasciHed Big Margerita gheisse, im „37 Park“ in Poblado, Medellin ... vo dene hämmer aso au mehreri gha ... 😁😘