• Velo-Nomaden
  • Velo-Nomaden

Afrika, wir kommen!

Mein Papa und ich wollen über Basel nach Perpignan am Mittelmeer und dann weiter entlang der spanischen Küste zur Strasse von Gibraltar fahren. Wenn mir das Reisen dann immer noch Spass macht, wollen wir mit der Fähre nach Marokko übersetzen...usw. Läs mer
  • Valence

    5 oktober 2023, Frankrike ⋅ ☁️ 19 °C

    Heilig`s Blechle, war die Nacht kalt! Trotz zweier Hosen und Socken übereinander, trotz Winterjacke im Schlafsack, haben wir bei ca. 8 oder 9 Grad gefroren. Die Herstellerangaben der Schlafsacklieferanten stimmen überhaupt nicht, denn die "Komforttemperatur" soll bei 5 Grad liegen. Man sollte sein Equipment eben rechtzeitig vor Abreise auf Tauglichkeit prüfen...mea maxima culpa.
    Die ersten Sonnenstrahlen trocknen das völlig taunasse Aussenzelt, während ich alles zusammenpacke. Wir verabschieden uns von Martin und Max, die sich heute, via Juragebirge, auf den langen Heimweg nach Prag machen.
    Um ca. 10 Uhr fahren wir 3 km steil hinunter nach Condrieu, herrliche Aussichten auf das Rhonetal inklusive und ich denke, "ja, so wars gemeint!" und dann entlang der Rhone Richtung Tonan. Heute liegt eine grosse Etappe vor uns, Endziel Valence.
    Die Strecke ist wieder mal ein Realität gewordener Traum mit schattigen, duftenden Pappelalleen, Flussauen voller Oleander, Margarethen, Rhododendren, Hibiskus und Wildblumenwiesen. Die Vegetation ändert sich allmählich und man sieht mehr Kakteen und Aloen in den Vorgärten, Trockenwiesen voller Eidechsen. Nur erschreckend wenige Insekten, Schmetterlinge und Vögel sieht man.
    Es gibt kaum Steigungen und der Gegenwind ist erträglich und unsere Laune daher heiter. Vorbei an Schleusen und kleinen romantischen Dörfchen geht es, über zahlreiche schmale Fussgängerbrücken, breite Autobrücken aus Kalkstein, deren Pfeiler z.T. gut 100 Jahre alt sind. Auf diesem Euro-Rhone-Radwanderweg begegnen uns viele Radfahrer aller Nationen und es ist üblich sich zu grüssen, auch beim Überholen, denn inzwischen sind wir diejenigen, die auch mal andere überholen :-).
    Auf einem hohen Flussdamm setzen wir uns auf einen Baumstumpf und machen Brotzeit mit Baguette, Camembert, Trauben, getrockneten Aprikosen, Bananenchips und Cashewnüssen.
    Gegen Mittag erreichen wir die Kleinstadt Tonan und ich kann endlich mal einen anständigen Café au lait geniessen und wir essen eine Tarte pomme de terre.
    Mein Allerwertester meldet sich leider wieder unangenehm, was ich zwar kurzfristig ausblenden, aber auf Dauer nicht ignorieren kann.
    Gegen 17 Uhr erreichen wir nach fast 90 km Valence, eine Kleinstadt am Ufer der Rhone. Im Industriegebiet hat meine Frau uns ein Hotelzimmer für schlappe 42 EUR gebucht, ein Unterbringungsbunker mit 80x80 cm grossen Plastik-Badezimmerkabinen, in denen derart wenig Platz neben den Betten bleibt, das man durch das eigene Gepäck hindurchwatet wie ein Storch im Salat. Ohrenstöpsel werden hier jedem Gast regulär zur Verfügung gestellt.
    Wir duschen und gehen dann zum KFC 200 m weiter und schlagen uns den Bauch voll, danach noch ein Verdauungsspaziergang und dann ab in die Heia.
    Lanyu schläft im Stockwerkbett oben.
    Meine vier Buchstaben sind schon wieder entzündet, trotz zahlreicher Vorsichtsmassnahmen und ich versuche mir mit antibiotischer Creme zu helfen.
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  • Das Tor zur Provence

    6–8 okt. 2023, Frankrike ⋅ 🌙 13 °C

    Ein more basic breakfast als das unsrige geht nicht, low budget eben.
    Wir fahren mit dem Bus in die Innenstadt und entschädigen uns für diese Entbehrung mit einem asiatischen Reisgericht und Samosas.
    Valence gefällt uns beiden sehr, die sandfarbenen Marmorplatten und Kopfsteinpflaster, die Kalkstein-Bürgerhäuser, die vielen Platanen der Boulevards und die Rosenranken an den Fassaden geben der Altstadt den mediterranen Touch, den man mit der "unerträglichen Leichtigkeit des Seins" in Einklang bringen kann und die gleissende Sonne tut ihr Übriges, um diesen Eindruck zu verstärken. Valence gilt als das Tor zur Provence. Im Hintergrund reicht der Blick durch die Gassen immer mal wieder bis zur Rhone hinunter, jeder noch so kleine Platz ist voller Sonnenschirme und Cafés, aus den Boulangerien duftet es nach Leckereien.
    Ich hatte Lanyu Crêpes versprochen und - unvermeidlich - muss Nutella dazu gegessenen werden.
    Wir besuchen das Museum, welches an Napoleon Bonapartes Aufenthalt als junger Leutnant in der Stadt erinnert. Den berühmtesten Franzosen aller Zeiten kann ich Lanyu nicht ohne ein paar kritische Töne nahe bringen. Die vom jüngsten General der französischen Militärgeschichte angezettelten Kriege brachten hunderttausenden Europäern den Tod und seine Hybris endete auch für ihn tragisch. Aber all das verblasst im Glanz der vorangegangenen Siege. Auch meine Heimatstadt Krefeld wurde von dieser Zeit entscheidend geprägt, vor allem in der Stadtplanung und der Architektur, aber auch in der Sprache, denn alte Krefelder nennen z.B. heute noch den Regenschirm Parapluie und den Gehsteig Trottoir.
    Diesen Nachmittag haben wir wirklich genossen.
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  • Montelimar

    7 oktober 2023, Frankrike ⋅ 🌙 17 °C

    Angenehm-bequem, wenn man weder ein Zelt abbauen, noch Matratzen und Schlafsäcke zusammenrollen muss und über Nacht alles trocken geblieben ist.
    Meine Entzündungen wollen und wollen nicht abklingen. Lanyu reibt die diversen Stellen 2-3 mal täglich mit antibiotischer Creme ein, aber auch das hilft nur bedingt. Letzten Endes muss ich einfach weniger Zeit auf dem Sattel verbringen. Daher fahren wir heute nur ca. 50 km.
    Wir brechen um 10.30 Uhr auf, durch das Industriegebiet hinaus aus der Stadt Richtung Süden. Es ist kühl, ein wolkenloser Himmel, wir haben Rückenwind und benutzen konsequent nur die Nationalstrasse 7, anstatt auf die Fahrradrouten abzubiegen, die doch nur hin und her, auf und nieder führen, viel Kraft und viel Zeit kosten.
    Der Asphalt ist glatt, es geht immer geradeaus entlang des linken Rhone-Ufers. Herrlich flott geht es vorwärts, es macht Spass voran zu kommen, 20, 30 km/h schnell, in der Spitze sind es gar über 40 km/h, leicht bergab auch über 50.
    In Loriol essen wir zu Mittag, Salad Caesar et Omelette avec Frites; es geht uns gut, die Stimmung ist bestens.
    Die Vegetation wird immer mediterraner, Zypressen, erste Pinien, Palmen und Olivenhaine. Wir überqueren das Bachbett der La Tourette und wie so manches andere Gewässer der Region, ist auch dieser ausgetrocknet. Die anhaltende Dürre ist eine Katastrophe und der Begriff "schönes Wetter" bekommt so einen bitteren Beigeschmack. Die riesigen Maisfelder sind völlig vertrocknet, eine Ernte wird es nicht geben.
    Es geht vorbei an vier Kühltürmen eines Kernkraftwerkes direkt am Ufer der Rhone und schon nach weniger als zweieinhalb Stunden Fahrzeit erreichen wir um 14.30 Uhr unser Hotel in Montelimar, das Ibis-Budget.
    Wir checken ein, danach fahren wir zu einem Fahrradladen im Industriegebiet, da Lanyus Bremsen abgefahren sind, dann zur Pharmazie um Desinfektionsspray zu erstehen, das soll helfen die Bakterien in meinen Beinkleidern zu killen. Dann durchstreifen wir Montelimar, ein weiteres Kleinod der Provence, voller Platanen-Boulevards, einer konsequent als Fussgängerzone genutzten Altstadt und einem schattigen Park, in dem hunderte Kinder spielen.
    An einem Pizzawagen geniessen wir Pizza Roquefort und Pizza Thon.
    Morgen geht es weiter gen Süden, näher ans Mittelmeer.
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  • "Sobald wir lernen, uns selbst...

    8–11 okt. 2023, Frankrike ⋅ ☀️ 25 °C

    ...zu vertrauen, fangen wir an zu leben." Johann Wolfgang von Goethe
    Direkt im Industriegebiet hat auch heute am Sonntag eine Patisserie geöffnet - eine gute Gelegenheit mal wieder einen richtig guten Café au lait zu geniessen. Dann ruft wieder die Strasse und diesmal halten wir uns ausschliesslich an die Autoroute und nicht an die Fahrradstrecken; zu oft hat uns die Google-Navigation schon in die Irre geführt oder völlig unsinnige Anweisungen gegeben und das ständige rechts und links Vermeiden der Strassen, die dauernden Steigungen gehen uns auch gewaltig auf die Nerven. Wenn man die Räder mühselig Steigungen hochkämpft, nur um oben festzustellen, dass man in einer Sackgasse oder auf Privatgrundstücken gelandet ist, frustriert das schon etwas.
    Wir haben meist Rückenwind, es geht zunächst 10 km bergan, dann aber 3 oder 4 km abwärts, herrlich wie der frische Wind einem den Schweiss kühlt, juchhu! schreien wir laut.
    Die Strasse ist glatt, es gibt praktisch durchgängig einen gut befahrbaren Standstreifen und die Landschaft ist wunderbar. Vor und hinter den Ortschaft durchfahren wir grüne Tunnel aus Platanen und Linden, es geht vorbei an Lavendelfeldern und an den Strassen kann man auch etwas kaufen, anders als auf den Radstrecken. Es gibt keine Irritationen bzgl. der Strecke, denn die Richtung Orange und Nimes ist gut ausgeschildert.
    Wir erreichen Mondragon, ein Reihendorf, an der Strasse aufgereiht wie an einer Perlenschnur, direkt dahinter erhebt sich ein steiler Bergkamm, gut 100 oder 150 m hoch, überkront von einer Festungsruine.
    Bereits um 15.30 Uhr erreichen wir nach ca. 70 km Orange und checken im OrangeF1-Budget ein, eine Hotelmaschine, in der kein einziger Mitarbeiter anwesend ist. Man checkt an einem Automaten ein, wenn man nicht online gebucht hat. Erst um 16 Uhr kommt eine sichtlich schlecht gelaunte, sehr junge Mitarbeiterin, die sich sogleich in ihr Handy vertieft und nur widerwillig Auskünfte gibt. Der Gast als Störenfried, natürlich spricht auch diese junge Dame kein Englisch (obwohl das hier jeder in der Schule lernt - aber Französisch ist ja schon eine Weltsprache, nez pas?) und wir bekommen einen Code, mit dem wir die Türe zum Zimmer 214 öffnen können.
    Am Abend fahren wir die 3 km in die Kleinstadt, erneut ein Kleinod der Provence, voller enger, verwinkelter Gassen und kleiner lauschiger Plätze und mit einem wirklich riesigen Amphitheater. So etwas Gigantisches habe ich vorher nur in Rom und in Aspendos/Türkei gesehen. An einer der Ausfallstrassen steht ein gut erhaltener Triumphbogen zu Ehren des Kaisers Tiberius.
    In der Nacht wache ich schweissgebadet auf...was ist nur los mit mir?
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  • Zwangsaufenthalt

    9 oktober 2023, Frankrike ⋅ 🌙 25 °C

    Am Morgen ist klar: ich bin krank. Leibkrämpfe, Kopfschmerzen, Schwindel etc. Eines von den 30 Bierchen gestern war wohl schlecht..? Jedenfalls ist an eine Weiterfahrt für heute nicht zu denken. Lanyu versorgt mich, fährt zum Supermarkt, geht zum McDonalds, kümmert sich um mich. Wir schauen auf dem Laptop Filme, Lanyu macht zwei Stunden Hausaufgaben. Ausser Spesen nichts gewesen.Läs mer

  • Malade

    10 oktober 2023, Frankrike ⋅ 🌙 21 °C

    Am Morgen will Lanyu gar nicht aufwachen, was ihm nicht ähnlich sieht. Als er aufsteht wird klar: jetzt hat es auch ihn erwischt. Völlig matt liegt er den ganzen Tag flach. Ich bin wieder etwas beweglicher, lasse Lanyus Gepäckträger reparieren und kaufe ein, nehme mir auch Zeit für einen Café vor dem antiken Theater und trödle ein biẞchen durch die Stadt.
    Am Abend hat Lanyu leichtes Fieber, macht aber tapfer Hausaufgaben. Mal sehen, was der Morgen bringt...
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  • Orange

    11 oktober 2023, Frankrike ⋅ 🌙 20 °C

    Lanyu geht es am Morgen zwar besser, aber er hat noch erhöhte Temperatur, fühlt sich schwach. Trotzdem Rafft er sich auf und fährt mit mir ins nahe Zentrum. Wir besuchen das Amphitheater und ein kleines Museum und gehen zum Frisör, ein junger Mann, der sich mit einem abgelegenen kleinen Laden selbständig gemacht hat, freundlich und zugewandt plaudert er mit uns, wir warten fast eine Stunde. Aber das Warten lohnt, denn er gibt sich liebevolle Mühe, wie ein Künstler arbeitet er konzentriert, bis vor allem Lanyu zufrieden strahlt. Jetzt darf sich keine Strähne seines gewachsten Hauptes mehr quer legen um das perfekte Ergebnis nicht zu beeinträchtigen!
    Mit dem Sonnenuntergang erreichen wir das Hotel und ich bereite alles für den morgigen Abmarsch vor.
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  • "Am Ziel deiner Wünsche...

    12–14 okt. 2023, Frankrike ⋅ 🌙 19 °C

    ...wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel." Marie von Ebner-Eschenbach
    Wir sind beide am Morgen zwar immer noch un quelque peu malade, aber für die kurze Strecke nach Avignon wird es schon reichen.
    Die blutjunge Rezeptionsmitarbeiterin würdigt uns am Morgen nicht mal eines Blickes, von einem Gruß oder Lächeln ganz zu schweigen und so unterstützt sie ihre Kolleginnen best möglichst beim Kampf gegen die Gäste. Der Freund der Kollegin lümmelt sich derweil liegend auf dem Gästetisch, die Schuhe auf der Tischplatte. Und auch nach 5 Tagen hat man sich nicht die Mühe gemacht das WLAN zu reparieren, obwohl das Teil des zugesagten Services und somit Preises ist. Naja, was will man auch von einer Hotelmaschine wie dieser erwarten?
    Wir radeln über erstaunlich gute Radwege stadtauswärts,
    dann an der Rhone und ihren diversen Nebenarmen entlang Richtung Süden, durch Alleen von Platane, Pappeln und Linden, wunderbar schattig, manche Strecke ist geradezu überwuchert von Büschen, alles gepflegt, sauber. Dbzgl. hat sich in den letzten 25 Jahren in Frankreich sehr viel geändert. Die Infrastruktur ist in gutem Zustand, Strassen, Brücken, Gehwege, historische Bauten - alles wird instand gehalten.
    Was mir auffällt, ist, daß viele Franzosen, alt und jung, männlich und weiblich, rauchen. In den Hotels ist Rauchen überall verboten, wird aber offensichtlich trotzdem praktiziert, wie man unschwer an den zahlreichen Brandspuren der Glimmstängel an Waschbecken, Regalen und Fensterbänken erkennen kann. Rauchen, so scheint es mir, ist hier Teil der Lebenskultur, des Savoir-vivre.
    Als ich in den Siebzigerjahren eine Freundin im Elsass hatte, weigerte sich deren Grossmutter mir die Hand zu geben, ca. 30 Jahre nach Kriegsende war der Zorn auf die Deutschen noch präsent. Heute ist von Aversion gegen Deutsche nichts mehr zu spüren- anders als in der Schweiz.
    Wir erreichen Avignon gegen 15 Uhr und beziehen eine private Unterkunft, fahren in die weltberühmte Stadt, die Teil der inoffiziellen Küstenregion Côte d’Azur ist und besuchen den Papstpalast. Mehr als 100 Jahre lang war Avignon im 14. Jh. Sitz der Päpste.
    Wir beschliessen, auch morgen in Avignon zu bleiben.
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  • "Die Sehnsucht ist es, die...

    13 oktober 2023, Frankrike ⋅ ☀️ 24 °C

    ...unsere Seele nährt und nicht die Erfüllung." Arthur Schnitzler
    Ruhetag. Wenn man schon in diesem Kleinod von Städtchen weilt, dann nehme man sich Zeit für einen ausgiebigen Bummel. Wir umrunden die Altstadtmauern, durchstreifen die entlegeneren Viertel, besuchen die Pont St. Benezet, also die viel besungene "Pont d`Avignon". Nach vierjähriger Forschung konnte ein internationales Forscherteam klären, wie die, heute nur noch rudimentär vorhandene, Brücke ursprünglich ausgesehen haben musste und wie sie konstruiert wurde. Erstaunlich sind dabei nicht Schönheit oder technische Details, sondern die schiere Grösse und die Schwierigkeit der Erbauung Ende des 13. Jh.. Ursprünglich wand sich die Brücke mit 24 grossen Bögen über 800 m hinweg durch die Rhone, von Kiesbank zu Kiesbank. Die Eismengen der Rhone während der kleinen Eiszeit (grob 1580-1680) drückten die Pfeiler ein, künstliche Veränderungen des Flusslaufes im 18.Jh. usw. liessen die Brücke immer wieder einstürzen, so daß man die Restaurierung im 18. Jh. schliesslich aufgab. Heute ragen nur noch vier Bögen in die Rhone.
    Wir geniessen in der Altstadt einen Lunch, wundern uns einmal mehr über die überall in Frankreich zu findenden Pizzaautomaten (Zubereitungszeit 3 Min.!) und verschnabulieren später in den engen Gassen Milchshake und Eis und steuern dann unsere Unterkunft an.
    Morgen stehen rund 70 km Strecke Richtung Nimes auf dem Plan.
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  • "Nicht weil die Dinge unerreichbar...

    14 oktober 2023, Frankrike ⋅ 🌙 20 °C

    sind, wagen wir sie nicht - weil wir sie nicht wagen, bleiben sie unerreichbar." Seneca

    Morgens kommen wir nur langsam in die Pötte...es wird fast 11 Uhr, bis wir endlich aufbrechen. Vorbei an der Stadtmauer, Richtung Nimes und Montpellier. In Rognonas kaufen wir Frühstück und geniessen es avec un Café au lait auf einer Parkbank. Dann geht es über Graveson nach Beaucaire mit seiner einmalig gut erhaltenen Burg, danach erreichen wir Tarascon und geniessen eine zweistündige Pause mit einem feinen Mittagsmahl, während um uns her ein Volksfest stattfindet. Die Stadt ist mir aus dem Schelmenroman "Tartarin von Tarascon" von Alphonse Daudet geläufig, eine Geschichte, in der ich mich in jüngeren Jahren in manchem Wesenszug des vermeintlichen Titelhelden wiederzukennen meinte (heute gehe ich mit mir milder zu Gerichte).
    Wieder einmal führt uns die freundlich-verführerische Google-Maps-Stimme von Claudet-Chantal völlig in die Irre; wir enden an einem der Jacobs-Pilgerwege, ein 60 cm breiter Buschweg, der in keinem Fall mit Gepäck zu durchfahren ist. Wer auch immer diese Fahrradrouten erkundet haben soll, kann dies nur auf einer Landkarte, anstatt auf einem Velo gemacht haben.
    Trotzdem ackern wir uns rund 10 km entlang einer der Rhonekanäle durch Wiesenwege, literally über Stock und Stein, lustig hopsen unsere Gepäcktaschen und der Allerwerteste bedankt sich auch.
    Unterwegs finden wir eine etwas 1,20 m lange Schlange auf der Strasse, durchaus lebendig, aber träge und ich muss sie streichelnd auffordern, den Asphalt zu verlassen, um nicht plattgefahren zu werden. Es ist eine harmlose Treppennatter, ungiftig, an den zwei Rückenstreifen leicht zu erkennen. Eigentlich wehrt sich diese Art aggressiv durch Bisse, aber dieses Exemplar braucht die Restwärme des Asphalts wohl derart dringend, dass sie ihre aufbrausende Natur wohl vergißt.
    Apropos "Plattfahren": Ein Mann schellt bei seinem einfältigen Nachbarn und sagt: "Sie haben doch eine rötlich-gestreifte Katze, nicht wahr?" "Ja, warum fragen sie?", antwortet der. "Na, am Strassenrand liegt so einen überfahrene Katze, kommen sie, ich zeige sie ihnen." Am Ort des Debakels angekommen mustert der Nachbar den Kadaver eigehend und sagt:"Nein, das ist keinesfalls meine Katze, meine ist nicht so flach."
    Wir sehen Fächerpalmen und Kolonien von Kaktussen, nur meine Suche nach Skorpionen bleibt vorerst erfolglos, aber immerhin finden wir beim Steineumdrehen einen Gecko.
    Wir erreichen nach 73 km im letzten Tageslicht Gallician, ein Dörfchen in der Camargue und beziehen Quartier bei den Eltern unserer Freunde aus Zürich in deren Campingbus. Noch eine Aussendusche und ein Sprung in den Swimmingpool. Bon nuit!
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  • "Und meine Seele spannte weit...

    16 oktober 2023, Frankrike ⋅ ☁️ 18 °C

    ...ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus." Josepf von Eichendorff
    Gestern sind Lauriane und ihre beiden Töchter Maelys und Mona eingetroffen, um die Eltern, bzw. Grosseltern Gisele und Patrick zu besuchen. Schon etwas crazy, jemanden aus Zürich hier in Südfrankreich wiederzusehen.
    Wir haben den kleinen Swimmingpool genossen und uns im Wohnmobil eingenistet, Lanyu hat das Trampolin mit Leelou, einer Nichte des Hauses ausprobiert und die Sonne, die Wärme, der Wind...die Leichtigkeit der Provence taucht alles in ein mildes Licht - nur die Traurigkeit zu Hause nicht.
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  • "Wirklich reich ist, wer...

    17 oktober 2023, Frankrike ⋅ ☁️ 18 °C

    ...mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann." Weisheit der Indianer
    Wir machen mit dem Auto einen Ausflug ans Meer, nach Le Grau-du-Roi, einem beliebten Badeort und zu den Salinen in Aigues-Mortes. Schon für heute war Regen angesagt, aber der lässt noch auf sich warten. Wir sind jedenfalls für solche Wetterverhältnisse bestens ausgestattet, auch wenn dieser Teil unserer Ausrüstung bis jetzt nicht zum Einsatz kam. Mittwoch wollen wir weiter nach Montpellier fahren, weiter über Bèziers nach Narbonne und Perpignan. Von dort aus ist die Grenze in Reichweite und Barcelona, das grosse Etappenziel, nur noch 200 km entfernt.
    Zu Hause aber geht es den Lieben gar nicht gut und meine Tochter Mayen kann den Trennungsschmerz nicht mehr bewältigen. Tapfer beteuert sie immer wieder, dass sie möchte, das wir weiterfahren, aber trotzdem geht es einfach nicht mehr - was tun?
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  • Nimes

    18 oktober 2023, Frankrike ⋅ 🌧 20 °C

    Wir schlafen gut im Wohnmobil und im Dorf ist es nachts sehr ruhig. Nur der Wind rauscht durch den Olivenbaum, vor den Gartenlampen huscht lautlos eine Fledermaus auf und ab und an den Mauern lauern kleine Geckos auf Beute.
    Auch in diesem Dorf gibt es eine Stierkampfarena, klein und nur für die französische Art des Spektakels konstruiert, bei der der Stier nicht zu Schaden kommt. Die jungen Männer rennen am Stier vorbei und pflücken eine sog. Kokarde zwischen den Hörnern des Stiers ab, dann springen sie über eine kleine weisse Stufe und die rote Umfassung der Arena in Sicherheit - manchmal hechten sie kopfüber. Und auch in Galician werden die schwarzen Stiere für diese alte Tradition gezüchtet.
    Am Mittag heisst es Abschied nehmen von unseren Gastgebern Patrick und Giselle sowie von Laurian, Moana und Maelys. Wir hatten eine gute Zeit miteinander.
    Schweren Herzens haben wir, nach mehreren Telefonaten mit unserem Zuhause, zugestimmt, vorzeitig nach Hause zurückzukehren, anstatt, wie zuvor vereinbart, mindestens bis Barcelona zu fahren. Dafür hatten wir nur noch ungefähr eine Woche gebraucht, aber eine intakte Familie ist uns wichtiger.
    Wir pedalieren die rund 30 km nach Nimes, quartieren uns im B&B-Hotel ein und gehen zu Fuss in die Stadt zum Amphitheater.
    Morgen geht es per Zug zurück nach Zürich. Die Weiterfahrt nach und durch Spanien verschieben wir aufs nächste Jahr.
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  • Zürich

    20 oktober 2023, Schweiz ⋅ ☁️ 16 °C

    Die Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges nutzen wir nach dem Frühstück für eine Stadtrundfahrt. Die öffentlichen Bereiche im Zentrum von Nimes wurden mit einem Blick für das Schöne gestaltet: Helle, breite Geh- und Fahrradwege, Bepflanzungen mit Platanen und Olivenbäumen, grosse Sichtachsen auf Sehenswürdigkeiten und Bahnhof. Wie in fast allen Städten die wir in Frankreich gesehen haben, wurden auch in Nimes die Gassen der Altstadt konsequent zu Fussgängerzonen umgestaltet. Das Argument, dass für den Autoverkehr gesperrte Innenstädte weniger Umsatz für den Handel bedeuten und somit zum "Aussterben" der Citys führen würden, hat man hier längst als Unsinn entlarvt. Die Bürger gehen gerne bummeln, sitzen in Strassencafès und auf Mauern und geniessen die etwas bessere Luftqualität und den Autolärm und die Bordsteinkanten vermisst auch niemand. Zudem steigt der Wohnwert für Vermieter und Mieter. Am besten gelöst hat man das Transportproblem in den Fussgängerzonen von Avignon. Dort verkehren die kleinsten Busse die ich je gesehen haben. Je nach Uhrzeit und Fahrstrecke haben die elektrisch betriebenen Busse nur 4-12 Sitzplätze und nur 3 Glasflächen auf jeder Seite. So kommen sie durch alle Gassen und stören kaum.
    Am Nachmittag geht es dann zunächst nach Lyon, von da aus Nach Genf und dann Richtung Zürich. In Biel ein Schreckmoment: nur 3 Minuten vor Einfahrt in den Bahnhof eine Durchsage, die kaum zu verstehen ist...was hat die Durchsage zu bedeuten?...Passagiere nach Zürich umsteigen?? Wohin umsteigen? Wir packen alles in Windeseile, totale Hektik, ein Passagier, der die Strecke kennt, sagt uns, dass wir zum Anfang der Zuges umsteigen müssen und wir sind im letzten Wagon! Fahrräder raus, Gepäck raus, Aufladen, losfahren, vier Bahnbeamte trillern auf ihren Pfeifen und schreien: "Los, los, jalla-jalla!" und wir schaffen es verschwitzt und mit pochenden Herzen gerade noch einzusteigen. Warum hat uns zuvor niemand darauf hingewiesen?
    In der Nacht sind wir zurück in der Heimat und bei der Familie.
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  • "Trenne dich nicht von deinen...

    20 oktober 2023, Schweiz ⋅ ☁️ 13 °C

    ...Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiterexistieren, aber aufgehört haben zu leben." Mark Twain
    Unsere Reise ist nicht zu Ende, nur vorläufig unterbrochen. Um die familiären Anforderungen einerseits und den Wunsch, das Ziel zu erreichen, unter einen Hut zu bekommen, werden wir während der kommenden Schulferien weiterreisen. Für die Strecke Nimes bis Tarifa an der Südspitze Spaniens, bzw. bis zur Fähre nach Tanger/Marokko habe ich ca. 6-8 Wochen veranschlagt. Diesen Zeitraum werden wir versuchen bis in die Sommerferien hinein zu verteilen und somit unseren Traum zu erfüllen, getreu des Leitspruches: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.Läs mer

  • Mulhouse

    28 december 2023, Frankrike ⋅ ☁️ 9 °C

    Hallo aus Frankreich !

    Die Weihnachtstage liegen hinter, der Jahreswechsel vor uns und mittendrin reisen wir weiter Richtung Spanien.
    Ohne Zelt, Luftmatratzen und Schlafsäcke werden wir in den kommenden 12 Tagen bis Barcelona fahren. Heute morgen sind wir mit je nur einer Gepäcktasche zum Zürcher Hauptbahnhof geradelt, in Basel umgestiegen und mit einem kleinen Regionalzug 20 Minuten weiter nach Mülhausen gefahren.
    In einem winzigen Restaurant gab es dann Lauch-Quiche und einen Aprikosenkuchen. Die Inhaberin des Etablissements spricht Elsässisch, ein dem Badischen verwandter Dialekt, den man gut verstehen kann.
    Danach fahren wir 3 km weiter zum Hotel F1, dieser Billig-Container-Hotelmaschine, in der es überall nach Zigaretten riecht und sich Brandspuren auf den Waschbecken, Duschablagen und sogar den Klobrillen finden. Ansonsten stehen vor der Türe stets vier, fünf Angestellte mit Freunden und Dienstleistern rauchend herum und erinnern daran, dass das Rauchen hier noch gelebter Lifestyle ist.
    War es in Zürich heute morgen noch 2 Grad minus kalt und in Basel noch um den Gefrierpunkt, so stiegen wir 20 Minuten später seltsamerweise in einem anderen Klima aus, 5 Grad wärmer, es regnete. Jetzt freuen wir uns auf noch mildere Temperaturen und etwas Sonnenschein in Südfrankreich.
    Morgen geht es mit dem TGV in viereinhalb Stunden nach Nimes.
    Barcelona, wir kommen!
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  • Gallargues-Le-Montueux

    29 december 2023, Frankrike ⋅ ☁️ 12 °C

    Die Nacht war ruhig, angesichts des völlig ausgebuchten Hotels ungewöhnlich. Die meisten Gäste schienen Monteure zu sein, die Autokennzeichen verweisen u.a. auch auf Marokko als Herkunftsland.
    6.30 Uhr Wecken, 7.10 Uhr Aufbruch, Fahrt zum Bahnhof Mulhouse, Hektik, da die Fahrradplätze aussen am Zug nicht gekennzeichnet sind, mit dem TGV um 7.52 Uhr Richtung Süden über Lyon, teilweise mit über 200 km/h.
    An den Fenstern fliegt die Landschaft vorbei, die wir wochenlang durchfahren haben, es wird grüner und grüner. Um 12.30 Uhr Ankunft am Nimes Gare Central. Wir fahren nicht weit, schön wieder hier zu sein in dieser hellen Stadt. Am Amphitheater steht eine schwach besuchte Kirmes, Lanyu möchte auf das Riesenrad. Ich muss anfangs die Augen schliessen um meine Höhenangst in den Griff zu bekommen. Bei der dritten Runde geht es dann. Von oben können wir auch einen Blick ins antike Theater werfen.
    Wir speisen in einem Bistro, Lanyu hat sich mit seiner Pizza Margherita etwas übernommen, ich bestelle Plate du jour, "Fisch and Chips", wie sich herausstellt ohne Chips. Dafür erfreut das Kartoffelpüree mit Kräutern genauso wie das fantastische Ratatouille - formidabel!
    Abmarsch Richtung Westen (da hinten, irgendwo im Südwesten liegt Barcelona), 35 km bis zum gemieteten Apartment. Es ist etwas windig, der Himmel wolkenverhangen, ein paar Tropfen Regen fallen dann und wann, es ist kühl, aber nicht kalt.
    Die Streckenführung leitet uns in einen mit Pinien bestandenen Höhenzug, den wir nur schiebend überwinden können, da die holprige Strecke ummöglich befahrbar ist. Die Streckenangaben von Google-Map für die Fahrradwege kann man einmal mehr schlicht vergessen, besser ignorieren.
    So weit im Osten geht die Sonne dieser Tage eine halbe Stunde später unter als in Zürich, aber im Winter muss man sich jetzt trotzdem sputen, um vor Einbruch der Dunkelheit sein Ziel zu erreichen.
    Wir erreichen unser Ziel, ein Dorf direkt neben der Autobahn nach Montpellier (...und Barcelona :-) und werden wie Freunde willkommen geheissen; wir sitzen am befeuerten Kamin, die Hausdame kocht gar für Lanyu und die gleichaltrige Enkelin Nudeln.
    So lässt es sich aushalten!
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  • Montpellier

    30 december 2023, Frankrike ⋅ ☀️ 15 °C

    Gestern Abend schlug das Schicksal mal wieder zu: die Enkelin der Gastgeberin Yolande fing plötzlich an sich zu übergeben und klagte über Schmerzen über dem rechten Beckenknochen und ich vermutete eine Blinddarmentzündung, so dass Yolande das Krankenhaus in Lunel anrief und dann das Kind dorthin fuhr - wir blieben allein im Haus zurück und wunderten uns über so ein grosses Vertrauen uns gegenüber, denn alle Türen blieben offen und Yolande zeigte uns hektisch Kühlschrank und Vorräte ("...bedient euch!") und ich checkte noch kurz, ob sie trotz des Schocks fahrtüchtig war.
    Am Morgen schlief Yolande und wir machten und Frühstück und reisten gegen 11 Uhr ab, ohne unsere liebenswerte Gastgeberin nochmal gesehen zu haben.

    Die Sonne schien prächtig, mir war so richtig nach Fahren zumute und Lanyu pfiff eins ums andere Lied. Hier erscheint einem der Winter wie ein Oktober in Zürich. Wunderbare, geradezu vorbildliche Fahrradwege, wiedermal entlang eines Kanals, Pinien, Akazien, Platanen, Weinfelder kilometerweit, Olivenhaine, Vögel zwitschern - etwas, was man bei uns fast nicht mehr zu hören bekommt und mir kommt in den Sinn, wie die Ökobewegung schon in den 80er Jahren den "Stummen Frühling" voraussagte.
    Wir erreichen Montpellier schon nach 2,5 Std. und genehmigen uns erstmal einen Lunch in einem Imbiss, sitzen im Schatten draussen...das Leben kann so schön sein.
    Unterkunft in einem Apartmenthotel im Zentrum, etwas laut, tolles Bad. Radtour ins Zentrum. Eine Freundin hatte mir Montpellier als ihre Lieblingsstadt in Frankreich ans Herz gelegt und so habe ich für morgen einen Aufenthalt hier eingeplant. Die Stadt ist überwiegend aus hellem Sandstein gebaut, gleich am Ortseingang, wenn man aus Osten kommt, empfängt einen das in meinen Augen interessanteste Wohnhaus das ich je gesehen habe (na ja, Friedensreich Hundertwassers Wohnblock in Wien ist auch nicht schlecht).
    Die Stadt hat viele Plätze, kleine, grosse, sie hat verschiedene Höhen, eine riesige Altstadt, Bauten aus der römischen Epoche, wie z.B. das Viadukt und einen Triumphbogen aus dem 18.Jhdt.
    Wir kaufen in einem Spar-Laden für zwei Tage ein. Der Besitzer tippt mir kopfschüttelnd auf die Schulter, die Fahrräder draussen vor der Türe, das geht garnicht, die werden gestohlen, bring sie in den Laden, signalisiert er mir, ich kann nicht glauben, hier vor den Zeitungsständer bitte abstellen - IN einem Supermarkt! Soviel Fürsorge für die offensichtlich etwas naiven Ausländer.
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  • Montpellier III

    31 december 2023, Frankrike ⋅ ☁️ 12 °C

    Wir haben gut geschlafen und im Foyer des Apartment-Hotels unser eigenes Frühstück verschnabuliert. Dann ab in die Stadt. Das Hotel liegt im Neubauviertel Antigone am Fusse der Altstadt. Wie in unserer Heimatstadt Zürich geht es auch in Montpellier rauf und runter. Wir durchstöbern die Boulevards und Gassen, fotografieren und beobachten. Ziele sind der Triumphbogen, der Botanische Garten, das Reservoir des Viadukts, der Opernplatz, die Kathedrale etc.p.p.
    Am letzten Tag dieses Jahres nicht zu Hause zu sein, sondern in der Fremde, ist auch für Lanyu nicht einfach, aber er hält sich tapfer.
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  • Agde

    1 januari 2024, Frankrike ⋅ 🌙 10 °C

    Nach einem Kaffee und Orangensaft in der Lobby machen wir uns gegen halb zwölf (zu spät, Sylvester...) auf den Weg. Wir verlassen die Stadt über einen Radwanderweg links des kleinen Flüsschens, vorbei an weiteren architektonischen Leckerbissen. Besonders schön finde ich die Grünanlagenumschliessung am Stadtrand: verschiedene Architekten, sehr unterschiedliche bauliche Konzepte, aber alle gemeinsam bilden ein Dreiviertelrund um eine riesige Gartenlandschaft mit Spielanlagen, Palmen, Rasenflächen und Spazierwegen. Wer das Privileg hat hier wohnen zu können, kann sich glücklich schätzen.
    Der Radwanderweg ist beidseitig von Ginsterbüschen und Buchsbäumchenhecken gesäumt, am sumpfigen Uferbereich wachsen Heidekräuter.
    Wir erreichen nach ca. 10 km die Küste des Mittelmeeres - für uns beide das erste Mal auf dem Fahrrad. Die Küste ist hier über mehr als 100 Kilometer eine Sumpf- und Kanallandschaft, in der abertausende Vögel ein, zwar von Menschenhand geschaffenes, aber dennoch lebenswertes, Habitat nutzen. Tausende von grossen Flamingos überwintern hier, dazu schreien über unseren Köpfen die Möwen und auf den Wellen reiten Kormorane und Enten.
    Es ist recht kalt und der Wind peitscht uns förmlich mit 25- 30 km ins Gesicht. Nach 30, 40 km Gegen-den-Wind-Fahrens werden meine Beine müde. Aber Lanyu blüht förmlich auf, pfeift und singt und in mir keimt ein Körnchen Neid auf, dass mein Sohn das alles so locker wegsteckt. Er ist wie losgelöst, ruft ein ums andere Mal "schau mal dies" und "schau mal das" und seine Fragen nehmen kein Ende.
    Wir wollen über die zahlreichen schmalen Dämme fahren, aber der uns von Google-Maps empfohlene Weg ist gesperrt. Sollen wir es trotzdem wagen? Und was, wenn wir nach 5 oder 10 km in einer Sackgasse landen? Ich entscheide einen Umweg zu machen und das werden dann 8 km Mehrweg. Dazu der Wind und dann müssen wir 20, 30 km über Schotterpisten fahren und die Sonne geht langsam unter.
    es geht über Frontignan (...schöner Hafen mit grossen Neubausiedlungen am Wasser wie in Hamburg) nach Sète; entlang endloser Strände, die uns an die Küste von Holland erinnern.
    In einem Cafe genehmigen wir uns noch einen Apfelkuchen, heisse Schoggi und einen Cafe double und im letzten Tageslicht erreichen wir den Stadtrand von Agde. Im Dunkeln geht es dann noch 7 km bis ins Altstadtzentrum, wo wir in einer Privatunterkunft den Tag Revue passieren lassen.
    Tagesleistung: 72 km
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  • Narbonne

    2 januari 2024, Frankrike ⋅ ☁️ 10 °C

    Die Nacht war ruhig und wir haben gut geschlafen. Lanyus Fahrrad hatte ich mit zwei Schlössern vor unserem Fenster an ein Geländer gekettet und mein Fahrrad stand in der Küche vor Lanyus Schlafsofa.
    Nach 11 Stunden Schlaf war Lanyu trotzdem nicht aus den Federn zu kriegen - der gestrige Tag hinterliess dann bei Superman doch seine Spuren. So kommen wir erst um 11.30 Uhr in die Pötte.
    Wir verlassen Agdes Altstadt mit seiner beeindruckenden hohen Burg Richtung Westen. Am Marktplatz setzen wir uns auf die Treppe einer Bäckerei und vergustieren herrliches Gebäck und ich einen Cafe au lait.
    Unser Tagesziel ist Narbonne. Der Himmel ist bedeckt, mehrmals sieht es nach Regen aus, aber es fällt dann doch kein Tropfen. Glücklicherweise haben wir heute nur leichten Seitenwind und wenig Steigungen zu bewältigen. Es ist kalt und wir irren wieder und wieder durch die Felderlandschaft und an Kanälen entlang. Es ist zum Verzweifeln, wenn man sich ans Ziel sehnt, weiterkommen will und die Google-Navi-App einen ständig auf Wege und Strassen schicken will, die gar nicht existieren. Wir enden dann auf Privatgrundstücken, in Sackgassen oder fahren im Kreise um Weinfelder herum. Irgendwann wird es mir zu bunt und ich stelle auf "Autostrassen" um, obwohl dies natürlich dem Gedanken der grösstmöglichen Sicherheit widerspricht. Um wieder auf eine Strasse zu kommen, müssen wir die Gepäcktaschen abladen und die Räder über eine Mauer hieven, dann die Räder über einen lehmigen Feldweg schieben, um nach ein paar hundert Metern endlich Asphalt zu erreichen.
    Nach ca. 35 km fällt Lanyu merklich zurück, schliesslich kann er nicht mehr aufschliessen, er sinkt ein ums andere Mal über seinem Lenker zusammen - er ist mit seiner Kraft am Ende. Die Anstrengung gestern ist nicht in den Kleidern stecken geblieben.
    Pause in einem kleinen Dorfcafe, zur seelischen Stärkung Gebäck und süsse Riegel. Aber Lanyu muss die Zähne zusammenbeissen, durchhalten. Nur noch 15 km, dann noch 10 km, die Sonne geht bald unter. Auf dem Weg durch Narbonne fliessen dann Tränen, Lanyu kann nicht mehr. Ich lade seine Gepäcktasche auf mein Rad. Wir erreichen McDonalds. Wärme, sitzen können, viel essen und die Welt sieht wieder anders aus.
    Dann noch 5 km zum B&B-Hotel in der Dunkelheit, durch dichten, hektischen Verkehr. Ein Zimmer mit zwei Betten, die Aussicht auf weisse Laken, eine heisse Dusche, morgen ein dickes Frühstück - die Laune hebt sich merklich.
    Tagesleistung 75 km..
    Noch 220 km bis Barcelona.
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