• Karin Zumstein
  • Karin Zumstein

Lausanne - London VF

A 58-day adventure by Karin Read more
  • In Lods

    April 26 in France ⋅ ☀️ 21 °C

    Heute haben wir eine anspruchsvolle Etappe vor uns. Zuerst führt der Weg entlang des Le Doubs bis auf Duobs. Dann geht der Weg weg vom Flüsschen über das offene Land Richtung Ouhans. Es geht mehrheitlich über asphaltierte Landstrassen. Kurz vor dem Ort treffen wir doch noch auf einen Waldpfad und wandern auf einem Landwirtschaftsweg ins Tal. Schon von weitem sehen wir eine graue Kapelle die auf dem Dorfhügel thront. Wir wandern zur Kapelle hoch und machen eine kurze Rast. Unweit davon genehmigen wir uns in einer Ausflugbeiz eine Käseplatte. Anschliessend besichtigten wir den Wasserfall in der Schlucht des Flusses la Loue. Der Fluss fliesst aus einem fast quadratischen Felstunnel ins Freie.
    Wir müssen uns hier entscheiden ob wir den längeren Schluchtenweg oder den einfacheren Höheweg nehmen. 
    Wir nehmen den Schluchtenweg. In der steilen Schluchtwand ist ein schmaler Pfad. Es wird einem fast schwindelig. Weit unten hört man das rauschen des Flusses und der Pfad ist kaum gesichert und etwas ausgestellt. Die ersten 3.5 km sind noch gut machbar, aber was dann kommt ist teilweise schon gefährlich. Es geht vor Felswänden im Zickzack sehr steil nach oben und der Weg ist stellenweise rutschig.
    Wir haben 2 jungen Franzosen den Vortritt gelassen. Nach etwa 200 m macht der eine wegen einer Schlange einen Sprung nach hinten auf seinen Kollegen. Die beiden hatten Glück, dass sie nicht abgerutscht sind, wir dass sie sich uns vorgedrängt haben.
    Oben angelangt müssen wir uns erst mal setzen und entspannen. Zum Glück war der Talweg nicht so ausgestellt. 
    In Lods angekommen suchen wir unsere Unterkunft. Es ist niemand da, es reagiert auch niemand auf Mails. Nach langem warten sehen wir eine Nachbarin die uns mitteilt, dass der Vermieter in den Ferien sei. Ach du Schreck! Sie hilft uns aber weiter und wir können doch noch unser Zimmer beziehen. Auch mit den Nachtessen klappt es auch trotz geschlossen Restaurants. Eine Snackbar in der Nähe hat offen.
    Heute haben wir die ersten 3 Pilger angetroffen. Sie wandern alle nach Süden.
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  • Foucherans

    April 27 in France ⋅ ☁️ 16 °C

    Nach einer langen Nacht und einem einfachen Frühstück wandern wir bis Ornans entlang dem Flüsschen La Loue. Es hat viele Schwellen und überall sieht man stillgelegte, kleine Wasserkraftwerke mit Wasserrädern. Auch stillgelegte Bahnhöfe sehen wir in jedem Dorf, von diesen stehen aber nur noch vereinzelt die alten Gebäude. 
    Einmal verpassen wir die Abzweigung und machen daher eine Zusatzschlaufe über das Châteauvieux-les-Fosses. Vom Châteaux ist nicht viel zu sehen da es sich hinter hohen Mauern verbirgt.
    In Ornans angekommen setzen wir uns in ein einfache Crêperie am Wasser, unter grosse schattenspendende Platanen. Wir essen eine Thoncrêpe. Wir haben Zeit, denn heute können wir erst um 17.00 Uhr die Unterkunft in Foucherans beziehen und den halben Weg haben wir bereits hinter uns. 
    Der weitere Weg führt uns aus dem Dorf ins Industriegebiet, dann in ein Seitental des Baches La Bréme auf eine alte Autostrasse, heute Velo- und Wanderweg. Es sind endlose 9 km, alles geradeaus und mit einer immer gleichbleibender leichten Steigung. Bis auf eine alte Brücke und ein schmales Tunnel gibt's nichts zu sehen. Kurz vor Foucherans geht es 200 m durch einen Wald um dann wieder auf eine Landstrasse zu kommen, die wiederum gerade ins Dorf führt. Kurz vor dem Dorf spricht uns ein Mann auf dem Velo an. Wir merken erst mit der Zeit, dass er der Bürgermeister und Vermieter unsere heutigen Pilgerunterkunft ist. 
    Er radelt zurück und öffnet uns vorzeitig die Tür, so dass wir uns nach unsere Ankunft installieren können.
    Mit dem Nachtessen resp. Kommunikation hapert es gewaltig. Wir finden kein Restaurant wo wir das vermeintliche Essen holen können und sind verärgert, da wir in dieser Situation das vorgesehene Morgenessen als Nachtessen nehmen müssen. Nach unserem Suchmarsch kommen wir zurück und was steht auf dem Tisch, das Nachtessen. Die Welt ist wieder in Ordnung.
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  • Besançon

    April 28 in France ⋅ ☁️ 19 °C

    In der Pilgerherberge war es gestern sehr kühl, also haben wir uns etwas früher ins Bett begeben. Eingemumt in unsere Seidenschlafsäcke und mit drei Wolldecken überdeckt fanden wir bald in den Schlaf.
    Am Morgen stehen wir etwas früher auf, da wir heute das karge Frühstück selber machen müssen. Das Wetter ist heute das erste mal etwas bedeckt, aber es ist angenehm zum Wandern.
    Beim ersten Morgenkaffee in Mamirolle haben wir ab Lausanne 200 km  zurückgelegt. Der heutige Weg der VF führt uns über diverse Schlaufen nach Besançon. Am Morgen früh begrüssen uns die Jungrinder auf der Weide mit viel muhen, teilweise springen sie uns hinterher, sie scheinen sehr neugierig zu sein. Wir durchwandern diverse Waldabschnitte auf Pfaden sowie ein ausgedehntes Moorgebiet, wo uns bereits die ersten Mücken belästigen. Auch die Strassenabschnitte fehlen nicht. Nach Montfaucon geht's steil über Zufahrtsstrassen hoch. Wir wollen hier etwas kleines Essen, aber ausser der Bäckerei ist nichts offen. Also kaufen wir ein Speckbrötchen und essen dieses vor der Dorfkirche. Bald sind wir wieder unterwegs auf dem letzten Streckenabschnitt Richtung Besançon. Wir wollen bald in Besancon sein.
    Unser Appartement ist mitten im Stadtzentrum, aber an sehr ruhiger Lage. Als erstes wird die Waschmaschine abgeworfen.
    Barbara und Andy machen auf ihrer Heimreise einen Zwischenhalt in Besançon, damit wir gemeinsam Nachtessen können, was uns sehr erfreut. In einem indischen Restaurant gibt es zur frühen Abendstunde zum Glück etwas geniessbares.
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  • Besançon (Ruhetag)

    April 29 in France ⋅ ☁️ 22 °C

    Heute machen wir einen Ruhetag in Besançon und schlafen aus (+1h).
    Am Morgen schlendern wir der Saône entlang und kaufen uns ein paar Sachen für ein kleines Mittagessen ein. 
    Der Nachmittag gehen wir auch geruhsam an. Wir bummeln kreuz und quer durch die Stadt und sitzen in Cafés und suchen 3 ergänzende Kleiderteile zur Ergänzung unserer Ausrüstung.
    Es fällt auf, dass es in der Stadt viele Bettler und Randständige gibt. Weisse, Schwarze, Junge, Alte, Frauen und Männer sitzen in den Hauptgassen alle paar Meter mit ihren Spendenhüten oder -bechern vor sich. Die Stadt ist aber sauber von Unrat und auch auf den Wegen sind die Hundehäufchen selten. 
    Wir planen die nächsten Etappen, was eine grössere Herausforderung ist. Die Unterkünfte sind spärlich in den kleinen hundertseelen Dörfern. Mündliche Kommunikation per Telefon ist mit unserem Schulfranzösisch sehr schwierig. Also organisieren wir alles per Mail. Die Franzosen sind jedoch nicht die schnellsten und geben leider nur Halbinformationen weiter. Wir sind zuversichtlich, dass es irgendwie doch klappen wird.
    Mit einem guten chinesischen Essen lassen wir unseren Ruhetag ausklingen.
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  • Bucey-lès-Gy

    April 30 in France ⋅ ☀️ 22 °C

    Die Franzosen sind mehr als speziell. Es gibt imner wieder etwas Ärger betreffend der Unterkünften. Heute morgen wegen dem Zeitpunkt Schlüsselabgabe, 1x telefoniert, 3x SMS und nach vielem hin und her ging es dann endlich doch noch. Am Mittag haben wir auf der Wegstrecke ein Mail von unserer heutigen Abendunterkunft erhalten, dass sie uns, das vor zwei Tagen reservierte und bestätige Zimmer nun doch nicht geben können. Und das in einem Dorf wo es nur zwei Unterkünfte gibt und die Pilgerherberge 24h vorher reserviert werden muss. Unser Ärger war riesig. Was tun, da weit und breit keine anderen Unterkünfte vorhanden sind welche zu Fuss erreichbar sind. Weiterlaufen mit den bereits 33 km in den Füssen kommt nicht in Frage. Vor Ort setzen wir uns vor die geschlossene Pilgerunterkunft und beratschlagten was wir für Möglichkeiten haben. Da taucht ein Mann aus dem Nebengebäude auf. Wir rufen ihm zu und erklären ihm unser Dilemma. Mit wenigen Worten erkennt er unse Problem. Unverzüglich ruft er sofort die zuständige Person der Pilgerherberge an. Zehn Minuten später kommen zwei Frauen und machen für uns die Unterkunft bereit und erklären uns alle Gegebenheiten. Wir sind mehr als erleichtert und überglücklich, dass wir eine Schlafstelle gefundenen haben. Eine der Damen besorgt uns auch gleich noch das Frühstück. Da heute kein Restaurant offen ist, laufen wir noch in den 1 km entfernten Carfour zum Einkauf. Wir haben mehr als warme Füsse.
    Der Weg führt uns heute im Wechsel über diverse Kleindörfer, Waldgürtel und Hügel. Nur im Dorf Étuz fanden wir ein offenes Restaurant wo wir uns verpflegen konnten.
    Uns fällt auf, dass die Wege hier gepflegter sind als in Italien. Man trifft hier auch mehr Einheimische Wanderer auf den Wegen. Ebenfalls auffällig ist, dass es in vielen Dörfern noch grosse, alte über 100jährige Waschanlagen  gibt. Ob darin einstmals gebadet oder nur die Wäsche gewaschen wurde entzieht sich unserer Kenntnis.
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  • Dampierre-sur-Salon

    May 1 in France ⋅ ⛅ 24 °C

    Mit einem Parisette zum Frühstück und einem Joghurt starten wir in den Tag. Wir wandern lange Zeit über eine sanfte Hügellandschaft mit Weiden und Agrarflächen und durchlaufen viele Kleinstdörfer und Bauerngehöfte. Es ist sehr warm, die Sonne brennt und es geht fast kein Lüftchen. Schattige Abschnitte sind sehr selten. Es sind keine eigentlichen Wanderwege. Die VF führt über asphaltierte Landstrassen. Nur zum Anfang führt ein einziger kurzer Abschnitt über eine asphaltierte Waldstrasse wo etwas Schatten vorhanden ist. Zur Abwechslung geht ein kurzer Abschnitt entlang des Kanals der la Saône. Da heute 1. Mai und dies in Frankreich ein Feiertag ist, läuft in den Dörfer gar nichts, alles ist geschlossen insofern es denn überhaupt eine Bar, Restaurant oder Einkaufsmöglichket gäbe. 
    Die Etappe will nicht enden. Nach 36 km kommen wir völlig ausgelaugt und durstig bei unserem kleinen Hotel in Dampierre-sur-Salon an.
    Unterwegs in Vaudey kam uns ein Auto entgegen und stoppte auf unserer Höhe. Der Fahrer fragte wohin wir gehen. Wir gaben Auskunft und daraufhin meinte er, dass er Christoph heisse und wir heute bei ihm übernachten. Wir staunen nicht schlecht, dass wir ihn in einer solch abgelegenen Gegend und weitab von unserem heutigen Übernachtungsort antreffen.
    Da hier in Dampierre-sur-Salon heute alles geschlossen ist, essen wir bei unserem Wirtepaar einen guten Dreigänger. Mit uns übernachten noch drei Holländer, welche Richtung Lausanne unterwegs sind, in dem kleinen schmucken Hotel. Beim gemeinsamen Nachtessen haben wir angeregte Gespräche und tauschen unsere Erfahrungen aus.
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  • Champlitte

    May 2 in France ⋅ ☁️ 23 °C

    Heute Morgen sind wir für einmal zu fünft am Frühstückstisch. Die drei Holländer leisten uns Gesellschaft und Christoph bewirtet uns reichhaltig und behält alles im Auge. 
    Der Weg ist mit 20 km relativ kurz, darum gehen wir später auf den Weg als üblich.
    Die Landschaft ähnelt der von gestern. Sie ist aber besser zum bewandern, da es doch einige Kieswege, mehr schattenspendene Hecken und kleine Waldgürtel hat. Auch heute finden wir in den wenigen durchlaufenen Kleindörfer kein Lokal für ein Espresso oder eine Erfrischung. Die Dörfer scheinen auf den ersten Blick grösser als sie sind. Es gibt viele unbewohnte Wohn- und Landwirtschaftsgegäude und die restlichen Häuser können in drei Kategorien eingeteilt werden. Alt und verlottert, etwas aufgefrischt oder dann totalsaniert. Nur selten hören, oder sehen wir die Bewohner. Es macht den Eindruck, dass kaum ein Gesellschaftsleben im Dorf vorhanden ist, da Bars, Restaurants oder ein einladender Platz zum verweilen fehlt.
    Bereits um 13.00 Uhr sind wir am Zielort Champlitte. Wir beziehen umgehend das Appartement, waschen und gehen anschliessend ins Musuem "des Arts et Traditions Populaires", es ist im Châteaux untergebracht. Die Ausstellung mit traditionellen Exponaten ist sehr gut ausgestattet und eindrücklich. Die Ausstellung lässt die Tätigkeiten und Gegenstände aus der Vergangenheit der Haute-Saône wieder aufleben.
    Anschliessend erledigen wir den Einkauf für das Frühstück und die Verpflegung für den Sonntag.
    Der schön klingende Namen Champlitte widerspiegelt nicht den Eindruck des Dorfes. Bis auf das Châteaux wirkt das Dorf etwas heruntergekommen. Wir überlegen uns öfters wie es sich so leben lässt.
    Am Abend finden wir ein Restaurant das von einer Holländerin geführt wird. Da wir früh dran sind, erhalten wir trotzdem sie ausgebucht sind, noch einen Tisch. Ein Elsässer mit welchem wir uns auf Dialekt unterhalten erklärt uns, dass sich in diesem Lokal viele Belgier und Holländer treffen, welche in der Umgebung ein Haus besitzen. Das Essen war einfach aber gut.
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  • Chalindrey

    May 3 in France ⋅ ☁️ 16 °C

    Zu unserem eingekauften Frühstück gab es leider keinen Kaffee, der Appartementvermieter ist knausrig. Eine ganze Serie an Maschinen ist vorhanden aber leider keine Betriebsstoffe. Was nützt eine Kaffeemaschine ohne Kaffee, eine Waschmaschine ohne Waschmittel?
    Wir ziehen früh los, heute liegt eine lange Etappe vor uns, da in den näher gelegenen Dörfern keine Unterkünfte vorhanden sind.
    Die Landschaft verändert sich. Die Hügel rücken näher zusammen, offene und weite Flächen verschwinden fast. Die Hecken und kleinwüchsige Laubwälder nehmen zu. Es geht auf und ab. Über den nächten Hügel und einige hundert Meter an einem Flüsschen entlang und dann wieder über den nächsten Hügel. Die kleinen Dörfer werden noch kleiner und das heisst für uns wieder keine Einkehrmöglichkeit. Wir haben aber wohlweislich vorgesorgt und Sandwiche mitgenommen. Aber der Kaffeehalt fehlt uns schon.
    Heute ist irgendwie alles ein Krampf, die Beinmuskulatur ist arg gefordert und die Füsse überhitzen und brennen. Wir sind froh, dass es heute teilweise etwas bedeckt ist und immer wieder etwas Wind herrscht.
    Wir beziehen unser Appartement am Dorfrand und legen uns zwei Stunden zum entspannen hin.
    In Chalindrey gibt es genau zwei Pommes-Buden die am Sonntagabend offen haben. Restaurants und andere Verpflegungsmöglichkeiten sind zu. Also laufen wir durch das Dorf, was nur eine Aufreihung von Häusern entlang der Strassen ist, bis wir dann auf die erste Pommes-Bude treffen. Die Häuser präsentieren sich in allen möglichen Zuständen, ebenso die Vorgärten. Alles scheint leblos, nur Hunde kläffen ab und zu am Gartenzaun.
    Wir müssen ja was Essen und die beiden Hamburger mit Ei und Brot schmecken.
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