• Claudio Contini
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Olivenernte 2024

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  • Trip start
    October 24, 2024

    Wieso? Weshalb? Warum?

    October 24, 2024 in Austria ⋅ ☀️ 17 °C

    Eigentlich war das überhaupt nicht geplant, erneut zu berichten von der Olivenernte. Wurde ja alles im letzten Jahr abgedeckt. Jeder einzelne von euch wurde so umfassend informiert, dass ihr jederzeit zum Olivennbauer werden könntet. Ein Grundstück mit Olivenbäumen vorausgesetzt natürlich.

    Wie so oft, wenn ich nicht vorhabe etwas zu schreiben tue ich es dann doch. Meist schuld daran ist eine einfordernde Mutter und oder eine Badewanne. Bevorzugt dort zuckt mein literarischer Finger, er hat schon fast spastische Anfälle und weil das irgendwann weh tut schreibe ich lieber.

    Lothar gab mir zu verstehen, dass es dieses Jahr weniger Mitarbeiteröl pro Kopf geben würde, weil die Bäume wenig Oliven tragen dieses Jahr. Acht statt der üblichen zehn Liter werden ausgeschüttet und ich müsse meine Rückreise nach Österreich selber organisieren, dafür stünden mir 80 Euro zur Verfügung.

    Zur Erinnerung, Lothar zahlt in der Regel An- und Abreise bis zu einem gewissen Grad, im Gegenzug wird unentgeltlich gearbeitet. Ansonsten ist hier alles „all inclusive“, weshalb er auch nicht müde wird zu versuchen beim Essen einzusparen.

    Ich mache mich an das Werk. Ab November fliegt Ryanair nicht mehr nach Deutschland, traditionell stellen sie die Flüge dorthin Ende Oktober ein. Alle anderen Optionen sind horrend teuer.

    Mein Rückflug geht am 4.November und ich sehe nur zwei realistische Optionen welche mir zur Verfügung stehen. Entweder lande ich in Mailand oder in Bologna von wo aus ich vorhatte mit dem Zug die restliche Strecke zurückzulegen.

    Die Ankunft in Mailand wäre so spät gewesen, dass ich mir die Nacht am Bahnhof hätte um die Ohren schlagen müssen, aus dem Alter bin ich raus.

    Die Zugoptionen sind zum einen recht teuer und zum anderen sind weder Trenitalia noch die ÖBB in der Lage mir ein Ticket online zu verkaufen, welches die gesamte Strecke abdeckt. Eher zufällig sehe ich eine Nachtbusoption für 34 Euro. Mein Interesse ist geweckt und schon kurz darauf habe ich gebucht.

    Der Flug kostet 21,33 Euro und der Flixbus 34 Euro. Ich frohlocke, weil ich deutlich unter dem vorgegebenen Budget geblieben bin und in einem Anflug von Euphorie gepaart mit einer Portion Leichtsinn habe ich mir gegen 6 Euro Aufpreis einen Panoramasitz ganz vorne im Obergeschoss gegönnt. Der wird spitze bei einer Nachtfahrt, auf welcher ich den besten Blick haben werde auf die hübschesten Rücklichter.

    Erst kürzlich meldete sich meine Mutter, Lothar sei zum Essen da gewesen und hätte 1,33 Euro bei ihr eingezogen, weil ich das Spesenbudget überschritten hätte. Ja wie jetzt? Ich bin mir sicher es waren 80 Euro. Ich werde Verhandlungen starten, denn für die Anreise sollten auch zumindest 60 Euro zur Verfügung gestanden haben, wovon sicher nicht mehr als 30 Euro in den Flug geflossen sein dürften.

    Laut meiner Rechnung müsste ich also 30 Euro Guthaben besitzen zum verprassen. Das meiste davon würde ich entweder in dem Pasta Fresca Laden versenken oder beim Milese in Focacce verwandeln.

    Nur für den Fall das ich in den Streik treten muss, um meinen Interessen Nachdruck zu verleihen habe ich eine Badehose dabei und mein kleines Thermometer für den Wassertemperaturcheck, denn ohne nähere ich mich keinen Gewässern mehr in welchen ich vorhabe zu baden.
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  • Letzte Vorbereitungen und Chilisorgen

    October 25, 2024 in Germany ⋅ ☀️ 20 °C

    Wir schreiben Freitag den 25 Oktober, die letzten Vorbereitungen für die Abreise morgen laufen auf Hochtouren.

    Der „Held des Tages“ steht schon bereit, das ist mein Thermo Kaffeebecher für unterwegs. Er hat sich leider eine Beule zugezogen, damals als er noch brandneu war und seinem ersten Einsatz entgegen fieberte, beim Kaffee kochen stand er zu nah an der Herdplatte.

    Das gute daran ist, er fällt nicht so einfach aus der Hand. Das schlechte, er passt nicht mehr in die Halterung im Auto, gut zu erkennen anhand der zahlreichen Schrammen an seiner Schwellung, entstanden bei einem Wutanfall und verzweifelten versuchen ihn doch irgendwie in die dafür vorgesehene Öffnung im Auto zu stopfen.

    Womit ich bei meinem Auto angekommen wäre, welches schuld daran trägt, dass ich in Bologna nicht noch ein paar Tage dran hänge. Das war nämlich mein ursprünglicher Plan, eine wunderschöne Stadt in deren Nähe sich das Mekka des Slow Foods befindet.

    Mein Auto hatte nämlich beschlossen das blinken einzustellen, erst sporadisch und dann permanent mit seltenen Ausnahmen zum Beispiel als es bei meiner Werkstatt auf der Hebebühne stand.

    Ich bin auf dem Weg in die Heimat, das Altstadtfest ruft, ohne Blinker hefte ich mich ausschließlich hinter Lastwagen, überhole nicht und bin verärgert wenn einer die Autobahn wechselt und ich mir einen neuen suchen muss.

    Angekommen zu Hause parke ich mein Auto recht zügig bei meiner Werkstatt die sich schon bald darauf bei mir meldete, dass das Auto fröhlich blinken würde und wo sei denn nun das Problem? Das war mir schon vorher klar, dass meine Kutsche das machen würde, ist schliesslich eine Italienische, sie sollten mal eine kleine Runde drehen, dann würden sie es schon merken.

    Max hätte gerne gehabt das ich ihn nach Essen fahre, dass ich keinen Blinker mehr habe sei kein Problem:„Mit mir als Beifahrer kannst du auch rechts abbiegen, ich mache Handzeichen.“

    Leider konnte ich garnicht fahren weil das kleine Problem meines Autos größer war als gedacht und mich am Ende 400 Euro kostete. Drum musste ich Bologna streichen, das wäre mir zu teuer geworden und Max musste alleine nach Essen, weil meine Karre noch auf seinen neuen Blinkhebel warten musste.

    Wie bereits erwähnt, von Bologna fahre ich mit dem Flixbus nach Bregenz. Die Busoption fand ich vielleicht auch deshalb so toll, da ich mit so Nachtbussen ausschließlich gute Erfahrungen gemacht habe. Eben nur noch nicht in Europa sondern ausschließlich in Latein Amerika.

    Nachdem ich gebucht habe kam ich erst auf die Idee, dass es hier eventuell unkomfortabler sein könnte. So begebe ich mich in ein einschlägiges Forum um Erfahrungsberichte zu lesen damit ich weiß womit ich rechnen muss, hätte ich das mal besser gelassen.

    Eine kurze Zusammenfassung: Schlafen ist quasi unmöglich weil furchtbar unbequem sowie keine Beinfreiheit. Die Hälfte der Fahrgäste seien permanent am quatschten, Film schauen oder Husten rum und die übrigen stinken.

    Zusätzlich, das ist ein ungeschriebenes Gesetz - hier spreche ich aus eigener Erfahrung - bei Nachtbussen oder Flügen ist mindestens ein Baby am Start welches auf Krawall gebürstet ist. Vorausschauend wie ich manchmal sein kann habe ich vorgesorgt, mit einer nagelneuen Packung Flauschopax.

    Chilisorgen

    Zu Weihnachten hatte mir mein Bruder ein kleines Gewächshaus geschenkt zur Anzucht von Chilipflanzen und weil ich das nie jemanden erzählt habe bekam ich von Ralf und Katharina noch ein zweites zum Geburtstag. Den Zeitpunkt sie zu pflanzen habe ich zwar verpennt aber innerhalb kürzester Zeit habe ich mir acht Exemplare in unterschiedlichen Größen zugelegt.

    Über einen möglichen Schädlingsbefall machte ich mir zu derzeit genauso wenig Gedanken , wie beispielsweise ich noch Platz finden sollte auf meinem Balkon. Was ich nämlich nie im Blick habe ist, dass Pflanzen auch wachsen und die vielleicht eventuell Wasser brauchen wenn ich mal nicht da bin.

    Nicht einmal in der Vergangenheit hatten die irgendwelchen Pilzbefall, Schnecken oder sonstige Aufälligkeiten wie Loch im Blatt oder Ameisenstrassen. Wie auch ich wohne unter dem Dach. Das war dieses Jahr alles anders. Die Schnecken kamen von der Bergstraße, die Ameisen weiß Gott woher und dann gibt es auch noch Vögel.

    Über meinen Balkon am Dachgiebel wohnen jedes Jahr ein ganzes Geschwader von Spatzen. Bislang wurden sie nur dadurch auffällig das sie Radau machen, meine Blumentöpfe durchwühlen und das Geländer bevorzugt dazu benutzen um grundlos zu schreien oder Familienstreitigkeiten auszutragen, ihren Klogang verrichten sie dort nebenher.

    Nicht immer wenn ich mich beim morgendlichen Kaffee zu meinen Pflanzen gequetscht habe und mich freute eine neue Blüte entdeckt zu haben, war es schlussendlich auch eine.

    Jetzt mache ich mir allerdings etwas Sorgen, denn schon 1999 beschrieben Wissenschaftler, dass Nagetiere keine Chilischoten fressen, Vögel sie jedoch geradezu verschlingen. Das ist von Vorteil für die Pflanzen, denn die Samen würden von den Nagetieren verdaut werden, den Darmtrakt der Vögel passieren sie dagegen unbeschadet, noch dazu kommt ein Schuss Dünger.

    Morgens in aller Herrgottsfrühe platziert sich auf dem Geländer meines Aussenbereiches ihr Nachrichtensprecher, welcher das gesamte Viertel über die Wurmlage, Bademöglichkeiten, Sichtungen von Katzen und sonstige Aktualitäten informiert und in Zukunft wohl auch über meinen Chilibestand.

    Jetzt bin ich 10 Tage nicht da, sonst habe ich auf Reisen mein Auto immer in einen Pflanzentransporter verwandelt um meine „Jungs“ in Sicherheit zu bringen. Ich hoffe inständig für die kleinen knuffigen Schreihälse das sie auf meinem Balkon kein Chilimassaker veranstalten, sonst lernen sie meine andere Seite kennen.

    Vogelbäder können sie dann in Zukunft vergessen, das ist mal sicher. Sodala genug Vorberichte auf geht’s, der Wecker ist gestellt, das Gepäck gepackt, morgen kann es losgehen.
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  • Alghero / Anreise und Antiquitäten

    October 26, 2024 in Italy ⋅ ☁️ 24 °C

    Um vier Uhr morgens röhrt mein Wecker, ich komme überraschend gut aus den Federn, koche meinen Kaffee und bin eine Stunde später auf dem Weg zum Bahnhof in Dornbirn.

    Dieses Jahr liefert mich die deutsche Bahn völlig komplikationslos und pünktlich in Memmingen ab.

    Sardinien empfängt uns mit bestem Wetter bei 25 Grad, aber bereits für den Nachmittag ist ordentlich Regen vorhergesagt, welcher auch tatsächlich eintritt und bis zum Vormittag des nächsten Tages anhalten sollte.

    Deshalb wurden bereits, wie im vergangenen Jahr, die Regenbehälter um das Haus platziert damit das kostbare Nass eingesammelt werden kann um es anschließend zeitnah abzupumpen und in die Wasserspeicher zu befördern.

    Auf dem Tisch vor dem Haus entdeckte ich eine Antiquität, und noch während ich grübel was das wohl sein mag schaltet Lothar sich ein. Das sei eine Rattenfalle. Ich komme nicht drumherum anzumerken, das die ihre besten Tage hinter sich hätte.

    Die wäre immer an einem Bendel befestigt gewesen und baumelte vom Dachbalken herunter vor dem Haus an der Terrasse. Die Falle sei öfters abgerissen worden, der Käse darin entwendet und von der Ratte fehlte jeder Spur. Eines Tages war die Falle weg und zwar so weg das sie 10 Jahre als verschollen galt.

    Unten bei den Birnbäumen, das ist in etwa 100 Meter entfernt an der Grundstücksgrenze sei sie wieder aufgetaucht. Die Ratten würden sie aber jetzt komplett ablehnen, vermutlich weil Blut daran kleben würde.

    Eigentlich als Spaß gemeint, sagte ich er solle sie doch in Alkohol einlegen damit das Blut restlos entfernt wird.

    Lothar:“Genau das habe ich vor!“

    Ich überlege ob ich ihm zu Weihnachten eine neue Falle unter den Weihnachtsbaum stellen sollte, denn wenn ich eine Ratte wäre würde ich das marode Teil definitiv ablehnen.

    Unten im Keller - so hieß es - müsse eine irgendwo sowie unauffindbar verendet sein. Man könne es riechen. Mein Bruder begibt sich mit Andrea auf die Suche aber erfolglos, auch ein penetranter Verwesungsgeruch ist nicht vorhanden aber es müffelt untypisch. Das ist mir auch aufgefallen.

    Die Vorbereitung für die Ernte startet erst morgen und so möchte ich den heutigen Bericht abschließen mit einer Mail welche Lothar letztes Jahr verschickt hatte, wenn wir schon bei dem unangenehmen Thema Ratten sind.

    „Vor 1 Monat hatte ich ja wieder einmal eine Ratte im Keller, die viel Schaden angerichtet und keine meiner Fallen bzw. Rattengift angerührt hatte. In meiner Verzweiflung hatte ich dann Leim ausgelegt mit allen möglichen Leckerbissen in der Mitte.

    Da ist sie natürlich auch nicht drauf reingefallen. Gestern hatte ich festgestellt, daß der Leim von der Pappe anfing runterzulaufen. Also Pappe mit Leim vor die Kellertür gelegt, um sie später zu entsorgen. Habe ich dann natürlich vergessen.

    Heute Morgen klebte auf dem Leim eine Ratte. Habe sie auf die Terrasse getragen und sie in einem Eimer Wasser ertränkt. Wollte sie dann auf einem Feuer verbrennen. Als ich mit Feuerzeug und Handschuhen aus dem Haus kam klebte an der Ratte eine Kohlmeise.

    Habe versucht sie vorsichtig abzutrennen, während die Meise mit ihrem spitzen Schnabel meine  Finger malträtierte. Die Folge war, daß ich an Meise und Ratte festgeklebt war.

    Sind zu dritt in den Keller gerannt und die Beschreibung gesucht, wie man den Leim deaktivieren kann. Konnte ich nicht lesen, weil ich meine Brille vergessen hatte. In der einen Hand Meise und Ratte und in der anderen die Schachtel ins Haus gelaufen und nach Brille gesucht. Alles was ich angefasst hatte war dann auch klebrig.

    Zu meiner Erleichterung kann der Leim mit Olivenöl deaktiviert werden. Also Pflanzenuntersetzer mit Olivenöl befüllt  (alles einhändig) und Meise, Ratte und Hand darin unter heftiger Gegenwehr der Meise darin gebadet. Am Ende war mein Arm klebrig und ölig aber die Meise war frei und ist geflüchtet.“
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  • Oliven Inspektion & Brett vor dem Kopf

    October 27, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 22 °C

    Am Vormittag inspizieren wir die Olivenbäume und stellen Markierungskisten auf damit wir morgen noch wissen welche Bäume sich lohnen beerntet zu werden.

    Heute ist es zum einen zu feucht und zum anderen gibt es ohnehin nicht wirklich viel zu ernten, ganz anders als im letzten Jahr als wir auch aufgrund von Wetterkapriolen Gas geben mussten bis zum letzten Tag.

    Erstaunlich wie grün das Grundstück ist, insbesondere zwischen den Olivenbäumen, ich kenne es nur staubtrocken, aber vor ein paar Wochen hat es mal ordentlich geregnet und in Windeseile verwandelt sich der Acker in eine flauschig-saftige Wiese.

    Was heute allerdings noch erledigt werden muss ist die restlichen Oliventriebe zu hacken. Ungefähr 60 Bäume müssen noch davon befreit werden. Ich war zu faul in das Haus zu rennen um mir Handschuhe zu holen, ich war der Meinung das ich keine bräuchte. War eine Fehleinschätzung, ruckzuck hatte ich zwei Blasen an der Hand.

    Zwischen den Oliventrieben wächst auch häufig etwas dünnes langes mit Dornen ausgestattetes Gestrüpp, wie sich rausstellte ist das wilder Spargel.

    Der sei nichts geringeres als eine Sensation sagte man mir. Herkömmlichen würde man kaum eines Blickes mehr würdigen wenn man diesem mal probiert hätte.

    Ich versuche nicht hinzuhören, die Spargelzeit ist ja schon lange vorbei und nur weil ich dafür eine Bestätigung brauchte fragte ich sicherheitshalber nach. Im November würde er reif werden sagte mir Lothar.

    Jetzt bekomme ich große Augen und hoffe, das sich ein Paar von denen doch bitte beeilen mögen, denn ich muss sie einfach probieren.

    Nachdem Lothar vollmundig behauptet hatte, dass sein Biervorrat die gesamte Olivenernte überstehen würde mussten wir feststellen, das er bereits am ersten Abend erschöpft war. Er bestand aus sagenhaften fünf Flaschen Ichnusa.

    Mein Bruder wird zum Bier-Express und ich trage mit Lothar die ersten Netze hoch und mache für dieses Jahr das erste Mal Bekanntschaft mit der Holzlatte unter der Decke, welche den vorderen Bereich des Kellers von dem hinteren trennt.

    Ich hau mir ständig - falls irgendwo möglich - den Kopf an und dieses Mal so richtig. Die Planke wackelt und die darauf liegende „geladene“ Mausefalle fällt herunter. Während ich von dem Einschlag in die Knie gehen musste, begutachtete mein Onkel voller Sorge die Falle sie könnte ja Schaden genommen haben.

    Ich schätze ich müsste schon bluten wie ein Schwein damit er mir Beachtung schenkt. Er ist erleichtert, die Falle ist noch intakt während sein Lieblings Neffe noch immer leise vor sich hinwimmert und innerlich bis zehn zählt um zu überprüfen ob seine Rübe noch funktioniert.

    Am Abend gibt es Ravioli, frisch aus dem Pasta Fresca Laden. Hier kosten 100 Gramm unschlagbare 1 Euro. Während der telefonischen Bestellung lasse ich Lothar nicht aus den Augen um gegebenenfalls einzugreifen.

    Er rechnet vor sich hin, beginnt bei 700 Gramm und steigert sich in hunderter Schritten bis auf völlig akzeptable 1,3 Kilogramm.

    Respekt! Er scheint aus den vergangenen Jahren die richtigen Schlüsse gezogen zu haben, vielleicht aber auch nur deshalb weil er wusste, dass ich ihm im Nacken sitze und nicht aus den Augen lasse.
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  • Ernte & Bier SOS

    October 28, 2024 in Italy ⋅ ⛅ 24 °C

    Der erste Erntetag stand an, die Ausbeute ist wirklich mager zudem ist es schon absehbar, dass wir morgen fertig sein werden, zugleich wird das kaum mehr als einen halben Tag in Anspruch nehmen.

    Auf einem der Olivennetze entdeckte ich eine Gottesanbeterin, welche keinerlei Anstalten machte sich ein anderes Plätzchen zu suchen. Bereitwillig erklomm sie eine ausgestreckte Hand um auf einem Olivenbaum abgesetzt zu werden, von wo aus sie nun wieder ungestört den Himmel anstarren konnte.

    Am Nachmittag hatten wir in etwa nur zehn Kisten zusammen, also etwas über 200kg Oliven, aber so ist es nunmal die Bäumchen tragen prinzipiell nur jedes zweite Jahr wirklich gut.

    Durch das ganze Grün auf dem Acker ist jetzt gut erkennbar, wie gewaltig die Ausgrabungsstätten der Wildschweine tatsächlich sind, davon gibt es gleich mehrere.

    Soeben habe ich nach dem passenden Foto gesucht um es in den dazugehörigen Ordner zu verschieben, aufgespürt in dem, welcher den Bericht von gestern mit Bildern versorgt hat und umgehend den Fehler korrigiert.

    So eine Blogseite ist echt praktisch, ich Fuchs habe es in dem Beitrag vom Vortag grade gelöscht und an seinen richtigen Platz befördert. Ha!

    Um kurz nach 15 Uhr brausen Lothar und Elisabeth mit unserer Olivenbeute in Richtung Ölpresse, währenddessen schnappe ich mir das Rad meines Onkels für einen kurzen Stadtausflug um einen schnellen Blick auf das Meer zu erhaschen.

    Es erreicht mich ein Notruf, das Bier würde schon wieder knapp werden und ob ich nicht kurz an einem Supermarkt stoppen könne um die klaffende Lücke im Kühlschrank zu schließen.

    Kein Problem, ein kleiner Coop liegt auf dem Weg, ich kürze ab um Zeit zu sparen, denn es wird in absehbarer Zeit dunkel sein. Zu meiner linken Seite sehe ich eine Straße, welche bergab führt und ich denke ich habe sogar Meer entdeckt, war aber zu sehr in Eile um es mit Sicherheit sagen zu können.

    Zurückfahren um es zu überprüfen wollte ich nicht, war nämlich unheimlich genervt das ich - da war ich mir bereits absolut sicher - völlig woanders unterwegs bin als gedacht, denn Meer dürfte ich gar keines mehr sehen und zu meiner linken schon garnicht.

    Es ist amtlich, habe mich mal wieder verfahren und der Supermarkt den ich glaubte anzusteuern wird hier sicher nicht mehr auftauchen.

    Das Tageslicht schwindet und mein mobiles Internet sagt „No!“ nicht einmal eine kurze Überprüfung ist möglich in welchem Teil Algheros ich grade eigentlich unterwegs bin, um meine orientierungslosen Antennen neu auszurichten.

    Eher zufällig taucht ein Conad auf den ich noch niemals zuvor betreten habe. An der Kasse wird getrödelt, meine Versuche den immerhin vorhandenen Dynamo dieses Rosthobels an das Vorderrad zu pressen scheitern kläglich. Scheinbar nur eine Atrappe.

    Es hilft nichts, ich muss nun wirklich wie ein wild gewordenes Wildschwein in die Pedale treten wenn ich nicht aus Sicherheitsgründen das Rad bis zum Haus schieben möchte.

    Ziemlich außer Puste öffne ich den Kühlschrank und finde keinen Platz mehr, weil Lothar auf dem Rückweg von der Olivenpresse ebenfalls Bier gekauft hatte.
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  • Ein Claudio pro Grundstück/Fett-Tsunami

    October 29, 2024 in Italy ⋅ ☁️ 24 °C

    Früh am Morgen startet die Ernte und nach 30 Sekunden mussten wir bereits pausieren, weil der Schüttler das rütteln einstellte, was wiederum auf fehlenden Strom beziehungsweise unzureichende Stromversorgung schließen ließ. Wir testen die Steckdosen, Kabel und Anschlüsse, nichts.

    Die Hülle des Trafos scheint aber durchaus unter Saft zu stehen, Sandro kreischt kurz und zieht seine Pfote wieder ein. Lothar verschwindet in der Werkstatt um ein Ersatzgerät fit zu machen, das dauerte ungefähr eine Stunde.

    Während ich mit Sandro auf der Terrasse sitze und warte das es weiter geht höre ich ein Claaaauuudioooo über das Grundstück hallen.

    Ich brülle ein: „Jaaaaahaaaa KOMME!“ zurück. Mein Bruder hebt seinen Kopf, und sagt:“Ich glaube du bist nicht gemeint, das kam vom Nachbargrundstück, da scheint es auch einen Claudio zu geben“

    Da es auf dieser Seite der Campagna viel weniger zum ernten gibt als auf der anderen, hat man auch mal Zeit die Gedanken schweifen zu lassen. Jeder kennt diese Teleshopping Sender im TV. Manchmal bleibe ich da hängen, weil die so einen Blödsinn reden das es eigentlich schon Comedy ist, je nachdem was für Gestalten da moderieren.

    Unter anderem war dort mal im Angebot so eine Rüttelmaschine, von welcher man angeblich einen Astralkörper bekommt, völlig ohne Sport! Man muss sich nur draufstellen und sich durchrütteln lassen, fertig!

    Und wenn man sofort anruft, aber auch nur dann, bekommt man noch eine weitere gratis dazu plus eine Fettweg -Creme für den Riesen-Po.

    Könnte mir schon vorstellen, dass das funktionieren könnte. Wenn die Speckrollen groß genug sind dürften auf so manchen Oberkörpern Tsunami ähnliche Zustände möglich sein.

    Wie wäre es denn, wenn wir so einen Bus voll packen mit fetten Rentnern, denen den Schüttler in die Hand drücken und ihnen Zelte mit Isomatten hinstellen zum übernachten auf der Campagna?

    Für eine Woche „abnehmen“ plus „Wildlife Sardegna“ hautnah sollten 1000 Euro pro Woche und Person drin sein.

    Tagsüber abnehmen, nebenher ernten sie für uns die Oliven und nachts grunzen die Wildschweine die Gäste in den Schlaf. Wenn sie Glück haben rauscht auch noch die Grundstücksschlange vorbei.

    Lothar scheint nicht abgeneigt aber dann sagte ich ihm, dass sie wenn sie zu schwer seien den Boden verdichten könnten und so schnell kann eine - auf den ersten Blick fantastische Geschäftsidee sterben - wenn sie nicht bis in das letzte Detail durchdacht ist.

    Apropos Wildlife, hier stolziert auch eine Schildkröte rum, sie wurde umhegt und gepflegt. Salatblättchen hier und Salatblättchen dort, im Sommer hatte sie es hier wirklich gut.

    Es muss zirka 2005 gewesen sein als mein Onkel unten am Kellereingang eine Passionsfrucht Pflanze hatte, die ist ihm leider eingegangen, weil er zu der Zeit kein Regenwasser Depot hatte.

    Das kalkige Brunnenwasser hat ihr den Gar ausgemacht. Meine Tante mit Häuschen in Spanien, bekam von ihm damals einen Setzling und dort fühlte sie sich offensichtlich äußerst wohl. Zum dank produziert die um die 500 Maracujas im Jahr.

    Jetzt hat Lothar es tatsächlich geschafft wieder eine zu ziehen, mit einem Setzling seiner eigenen Pflanze, zurück importiert aus Spanien.

    Die hat sich ganz gut gemacht, aber als er vor nicht allzulanger Zeit auf dem Weg in den Keller war konnte er beobachten wie grade das letzte Blättchen seiner heißgeliebten Passiflora in dem Mund der Schildkröte verschwand. Seitdem gilt sie als verschollen.

    Am Nachmittag war ich kurz am Stadtstrand, das Wasser hatte einen Gelbstich drum mag ich dort nicht baden. Wassertemperatur lag bei 23 Grad, könnte machbar sein, werde es die nächsten Tage probieren irgendwo anders komplett einzutauchen.
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  • Markt / Ein Salamiliebhaber

    October 30, 2024 in Italy ⋅ ☁️ 24 °C

    In Alghero gibt es wöchentlich einen Markt den ich bislang nur vom Hörensagen kannte. Lothar setzte mich dort am Morgen mit Elisabeth und Andrea ab. Während sich die Damen mehr auf die Textil Angebote konzentrierten lag mein Hauptaugenmerk auf den Futterständen.

    Wobei, ich habe mir ein neues Handtuch gegönnt. Eines welches ich mal bei einem Strandverkäufer gesehen hatte, damals habe ich nicht zugeschlagen. War ein Fehler den ich 15 Jahre bitter bereut habe, denn ich habe es nie wieder irgendwo gesehen. Selbstverständlich ziert es die sardische Flagge mit den vier Mohren.

    Danach trennten sich unsere Wege für zwei Stunden in denen ich mich durch zahlreiche Käse- und Salamiproben probierte. Beim Käse habe ich penibel darauf geachtet, dass er keine Füße hat, denn das ist eine sardische Spezialität auf die ich auch nicht weiter eingehen möchte.

    Zugeschlagen habe ich erst ganz am Ende, als unser Abholdienst bereits vor Ort war. Der musste leider ziemlich lange auf mich warten, weil ich einem ziemlich rundem Herren - um es freundlich auszudrücken - den Vortritt ließ, obwohl er mir anbot, dass ich durchaus zuerst bestellen könne.

    Sekunden später wusste ich auch weshalb. Er orderte ohne Untertreibung dutzende Salamis und dann haben es ihm noch zwei besonders wuchtige angetan.

    Die hatte ich auch gesehen, aber war mir sicher ich müsste mein ganzes Gepäck hier lassen um sie zu verstauen, denn eine einzige würde meinen Rucksack vollständig ausfüllen.

    Seine Riesenbestellung war noch nicht einmal das Hauptproblem, sondern vielmehr das er die auch alle einzeln vakuumiert mitnehmen wollte.
    Dachte immer ich hätte ein Salamiproblem, so kann man sich täuschen.

    Danach sind wir in komplett Besetzung an den Stadtstrand, bewaffnet mit Focacce vom Milese. Am Nachmittag schneidet Sandro die Baumkronen einiger Olivenbäume zurecht und ich starte meine Karriere als Transportdienst zur Feuerstelle.

    Noch eine kleine Geschichte am Rande. Der Wasseranschluss der Waschmaschine ist undicht, das kenne ich auch garnicht anders. Das bedeutet, dass wenn man Wäsche startet den Abwasserschlauch in die Toilette hängen muss.

    Wenn man einmal sieht mit welchem Druck die Waschmaschine das Wasser abpumpt dann könnt ihr mir glauben, dass man dann nicht zeitgleich auf den Pott sitzen möchte. Die Zeitumstellung hat meinen Biorhythmus durcheinander gewirbelt, so hatte ich keine andere Wahl.

    Den Schlauch zwischen den Beinen und dann pressen bis die Schweißperlen die Stirn runter rinnen. So, oder so ähnlich stelle ich mir eine Geburt vor.
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  • Via Brombeero

    October 31, 2024 in Italy ⋅ ⛅ 23 °C

    Es wird wieder gearbeitet. Brombeerhecken stutzen, Feigen eindämmen und Olivenbäume schneiden. Bei den Brombeeren muss man höllisch aufpassen beim Transport in Richtung Feuerstelle.

    Fällt etwas herunter, so wächst daraus eine neue. Das würde bei der Nächsten Olivenernte ein ernsthaftes Problem für die Olivennetze darstellen.

    Aufgrund des ganzen fluffigen Rasens hier sieht man ganz gut wo man mit der Schubkarre lang gefahren ist. Ich nehme immer denselben Weg, damit ich runter gefallenes einsammeln kann und Taufe den Pfad „Via Brombeero“

    Gnocchi, anderen vielleicht eher bekannt als Gnotschi und eine „Turbo-Parmigiana“ a la Lothar runden den Tag anständig ab.
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  • Gechi felici / Porto Ferro

    November 1, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 22 °C

    Jedes Zimmer hat einen eigenen Gecko. Lothar und Elisabeth haben einen. Sandro und Andrea auch, nur ist der bereits nach einem Tag ausgezogen und in das Wohnzimmer umgesiedelt. Weshalb weiß niemand, keiner von uns kann Geckorisch.

    Mit Freude habe ich beobachtet das einer am Abend mit mir durch die Tür des Gästehauses spaziert ist. Die Fliege welche mich noch in der ersten Nacht genervt hat war im Handumdrehen beseitigt. Kein einziger Moskito hatte eine Chance, bin rundum zufrieden mit meinem kleinen Freund den ich ab sofort Grisu nenne.

    Wir starten einen Betriebsausflug nach Porto Ferro. Kann nun stolz behaupten, dass ich im November im Mittelmeer gebadet habe, war komplett drin, es gibt Zeugen und draußen wurden Wetten abgeschlossen ob ich es nun schaffen würde oder nicht.

    In irgendeiner Falte von Elisabeths Handtuch hatte sich ein kleiner Gecko versteckt, er wurde quasi deportiert und es hatte den Anschein als ob ihm der Strand nicht wirklich gefallen würde. Haben ihn mit zurück zum Haus gebracht und ihn in seiner gewohnten Umgebung abgesetzt.
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  • Schilf, Bambus & Autoclave

    November 2, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 24 °C

    Lothar hat immer Großbaustellen - wie er sie nennt - auf seinem Grundstück. Auch wenn es nichts mehr zum ernten gibt hat es hier ausreichend Arbeit. Unser nächstes Projekt, Schilf und Bambus fällen und das nicht zu knapp. Nach zwei Stunden habe ich mich einzig und alleine nur noch um den Abtransport gekümmert und das hat mich extrem fertig gemacht.

    Zwischendurch wird noch das restliche Wasser aus den Auffangbehältern abgepumpt, welche wir bei Ankunft um das Haus platziert hatten um Regenwasser einzufangen und mein Onkel stellt mir seine „Autoclave“ näher vor.

    Eine Eigenkonstruktion bestehend aus Wasserrohren, etlichen Hebeln, Pumpe und Druckbehälter. Wildes Ding! Lothar ist oben und gibt Kommandos, wir müssen Luft aus dem Schlauch entfernen sonst geht die Pumpe nach einer kurzen Zeit wieder aus.

    Apropos Autoclave. Einen herrlichen e-Mail Klassiker meines Onkels möchte ich euch nicht vorenthalten:

    „Eigentlich ein schöner Tag heute.

    Eigentlich. Ich wollte aber mit dem vielen gesammelten Regenwasser endlich mal gießen, hatte die Pumpe angestellt- und es kam kein Wasser.

    Die Autoclave hatte keinen Strom. Man kommt schlecht an die Pumpe, mußte mich unter einem Balken durchzwängen. Die Schrauben allesamt verrostet. Dann hatte ich einen Stich gespürt, kurz drauf noch viele andere, am Hals, Bauchnabel, Achsel, an den Armen, auf dem Rücken, eigentlich überall.

    Ich hatte mich auf ein Ameisennest gelegt. Und lag da jetzt eingezwängt unter dem Balken. Bis ich endlich draußen war, war ich von einer Wolke aus Ameisensäure umgeben, überall kribbelte und biß es. Laune war im Keller: Ich saß auf 16000 ltr Regenwasser und konnte es nicht nutzen, hatte null Ahnung wieso die Pumpe keinen Strom hatte, bin sowieso kein Ass was Strom angeht.

    Einen Elektriker konnte ich auch nicht rufen, der hätte sich auch darein zwängen müssen, die Rechnung wäre dann dementsprechend gewesen. Also die ganze Pumpe mit dem Wasserrohr abgebaut und aus sicherer Entfernung die Pumpe rausgezogen.

    Schrauben waren immer noch verrostet, hätte ich aufbohren müssen. Dann hätte ich den Deckel hinterher aber nicht mehr dicht bekommen. Aber eine neue Autoclave wäre mich immer noch billiger gekommen als eine Rechnung von einem verstochenen Elektriker.

    Wollte mich schon umziehen um eine neue Pumpe zu kaufen, dazu das Typenschild abfotografiert. Dabei fällt mein Blick auf die Zentralsicherung vom Pool, die diese Bande von poolbauern in meiner Abwesenheit ausgeschaltet hatten ohne mir was zu sagen.Auch so kann man einen Tag verbringen…“
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  • Pong?

    November 3, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 23 °C

    Bin bereits um kurz nach 5 Uhr wach und mit dem ersten Tageslicht schleppe ich alles an Schilf nach oben, was gestern Nachmittag noch angefallen ist - in einem Rekordtempo - damit ich meinen letzten Tag mit gutem Gewissen am Meer verbringen kann. Der Bambus darf unten liegen bleiben, Lothar möchte es als Baumaterial verwenden. Vielleicht zimmert er seinen Wildschweinen eine Schutzhütte zusammen?

    Auf dem Weg zu meinem Badeplatz pflücke ich einen Cappuccino und drei Focacce vom Milese. An einer kleinen Badebucht an welcher ich weggedöst war, wurde ich von einem mir vertrauten Geräusch aus meiner Kindheit aus dem Nickerchen gerissen. Wer spielt denn hier bitte Pong?

    Doch kein Pong, es ist ein Metalldetektor den so eine bescheuerte Tante neben meinem Kopf platzierte um nach verlorenen Schätzen zu suchen.

    Nach einem kurzen aber heftigen verbalen Austausch und Klarstellung das sie nicht alle Tassen im Schrank hat, packe ich meine sieben Sachen und ziehe weiter. Die tickt doch nicht ganz richtig!

    Am Bombarde finde ich noch eine ruhige Stelle an welcher ich mir ein letztes sardisches Bier gönne, bevor es morgen nach Bologna geht. Es hat den Anschein das ich krank werde. Alle hier sind es, nur ich bin noch fit, aber eine Mandel juckt rechts hinten. Das ist bei mir eigentlich immer der Beginn einer heftigen Erkältung, wäre überrascht wenn da nichts kommen würde.
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  • Bologna & Flixbus

    November 4, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 17 °C

    Um 4 Uhr hämmert es an meiner Tür, dachte zuerst ich hätte verschlafen, dann war es doch nur Lothar mit meiner elektrischen Zahnbürste in der Hand, welche schon zu Beginn der Woche anfing ihr Eigenleben zu entwickeln.

    Mein Onkel, der etwas schwer hört, hatte die Ursache des Brummens zuerst in der Steckdose vermutet. Ein Irrtum wie er feststellen musste.

    Um 7:40 Uhr hätte ich abheben sollen, das war aber nicht möglich da mein Flieger aufgrund von Nebel nach Cagliari ausweichen musste. Mit drei Stunden Verspätung landete ich in Bologna.

    Bologna ist wunderschön und ich beschließe - so wie ich es am liebsten mache - völlig planlos durch die Stadt zu wandern wie es mir beliebt. Google Maps wird mich schon irgendwie zurück bringen.

    Ich stehe vor einem Proscuitto Tempel, der einen richtig guten ersten Eindruck hinterlässt, sodass ich mir das teuerste Panini gönne welches auf der Karte stand. Wenn schon denn schon, dazu ein sagenhaft gutes IPA aus eigenem Haus.

    Bevor ich weiterziehen kann muss ich noch auf da Klo und gehe in den Laden. Sofort ersichtlich, wenn ich mir hier den Kopf anstoßen sollte, dann ausschließlich an Schinken oder Salamis welche zahlreich von der Decke baumeln.

    Am Klo stehe ich vor einer verschlossenen Tür und habe Zeit diese etwas merkwürdige Konstruktion näher in Augenschein zu nehmen, welche die Tür verschönert. Ein Seilzug mit einer Weinflasche die darauf reagiert wenn die Tür auf- beziehungsweise zugeht. Ich schätze es ist einfach eine hübsche Spielerei, eine sinnvolle oder praktische Erklärung hat sich mir nicht erschlossen.

    Nachdem Essen haut es mich zusammen, bin schlagartig extrem müde und habe Halschmerzen. Husten und Schnupfen sind mit mir bereits heute Morgen aufgestanden.

    Die Sonnenplätze hier scheinen rar gesät, eine gewisse Schuld daran tragen die ganzen Prunkbauten, die sich hier die Klinke in die Hand geben.

    Ich begebe mich zu einem Studentenkaffee, und setze mich nach draußen. Der Cappuccino verfehlt seine Wirkung völlig, sodass ich zurück zu der Piazza Miaggore gehe um mich an eine Stelle an der ich mich anlehnen kann hinzusetzen. Hier döse ich vor mich hin.

    Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht wie ich noch 7 weitere Stunden durchhalten soll bis ich mich in den Bus setzen darf.

    Die Halsschmerzen sind enorm und mir fällt ein das Lothar mir zwei Ibuprofen am Morgen mitgegeben hatte. Eine davon werfe ich ein und laufe zu einer Eisdiele. Hervorragende Idee, wie sich raustellte eliminierten die zwei Eiskugeln die Schmerzen im Hals fast vollständig. Mich ereilt ein Gelato-Hoch!

    Voller Tatendrang tiger ich wieder durch die Straßen bis ich an eine kleine Kneipe kam. Dort blieb ich dann bis ich zum Busbahnhof musste, exakt drei Bierlängen.

    Um 22:20 Uhr fährt mein Bus, bin bereits eine Stunde früher vor Ort und dieser Busbahnhof könnte genauso gut in Argentinien oder México rumstehen. So richtig reudig, mich freut es!

    Auf der elektronischen Anzeigetafel kann ich beobachten wie ein Bus nach dem anderen verschwand ohne das er überhaupt da gewesen war. Mich überkommt ein mulmiges Gefühl. Was mache ich wenn meiner auch nicht auftaucht?

    Mit zehn Minuten Verspätung tauchte er auf und ich muss sagen so unkomfortabel, wie befürchtet war er bei weitem nicht. Es gibt Wifi, Steckdosen, eine funktionierende Toilette und einen Busfahrer der mit seinem Compagno gut drei Stunden lang ohne Pause plauschte.

    Die zwei waren der einzige Grund weshalb ich überhaupt Ohrstöpsel brauchte. Drei Stunden später werde ich von der Durchsage geweckt, dass wir nun in Mailand seien.

    Puh, also der Bahnhof ist noch ein gutes Stück unheimlicher als der in Bologna. Es ist jetzt 1:30 Uhr um zirka 6 Uhr sollen wir in Bregenz ankommen. Gutes Zeitmanagement, denn es haute hin. Habe die Fahrt über durchgeschlafen bin aber jetzt zu 100 Prozent und irreparabel malad, sodass ich den restlichen Tag im Bett verbringe.

    Die Olivenernte ist zu Ende, so wie üblich vergeht sie leider jedesmal wie im Fluge. Im hier und jetzt, nach einigen Badewannen sowie Nudelimpfungen bin ich schon wieder - langsam aber sicher - auf dem Weg der Besserung. Gehabt euch wohl, arrividerci ragazzi!
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    Trip end
    November 5, 2024