• Marvin van der Grinten
  • Marvin van der Grinten

Transafrika Westroute

Et 335-dags eventyr af Marvin Læs mere
  • Tag 23, 389 Km/6068 Km

    21. september 2024, Vestsahara ⋅ 🌬 23 °C

    Am Morgen geht es in Richtung Dakhla, der einzigen richtigen Stadt in der Westsahara. Ich breche auf und werde nach 5 Minuten zum ersten Mal angehalten. Ausweis, Versicherungsnachweis, Autopapiere bitte. Der erste von vielen Stops an dem Tag, die immer 5 Minuten und Nerven kosten. Die Landschaft ist genauso eintönig wie die Tage zuvor, Sand und Steine, mitunter ein Dromedar. Alle 100 Kilometer kommt eine einzelne Tankstelle, immer eine großartige Abwechslung. Manche Tankstellen haben sogar Pringles oder gesalzene Erdnüsse. Auf dem Weg nach Dakhla sehe ich einzelne Fahrzeuge in der gleichen Frequenz wie Tankstellen und Checkpoints. Würde das Auto hier liegenbleiben, wäre das sicherlich nicht besonders prickelnd. Als ich nach Dakhla komme, sehe ich unzählige Kitesurfer, Dakhla ist der Kitesurf-Hotspot der Welt. Auf dem Weg ins Stadtzentrum sehe ich erneut Flamingos. Ich esse Languste und gegrilltes Gemüse und frage anschließend bei einem der vielen Hotels, ob ich auf deren Parkplatz übernachten darf. Der Wind ist heftig, soll aber nachts nachlassen.
    Ich werde eine Nacht bleiben und morgen zeitig zur Grenze aufbrechen, in der Hoffnung morgen Abend vor Einbruch der Dunkelheit in Nouadibou, der ersten größeren Stadt in Mauretanien anzukommen. Unterdessen erfahre ich per WhatsApp aus Mauretanien, dass alle Geldautomaten in Nouadibou leer sind. "Neues Geld kommt am Montag", lautet es.
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  • Tag 24, 414 Km/6482 Km

    22. september 2024, Mauretanien ⋅ 🌬 29 °C

    Ich stehe weit vor Sonnenaufgang auf, breche kurz vor dem ersten Tageslicht in Richtung der Grenze zwischen der Westsahara und Mauretanien auf. Auf dem Stück zwischen Dakhla und der Grenze sehe ich so gut wie keine anderen Fahrzeuge. Ab und zu werde ich von Autos mit europäischen Kennzeichen überholt, die von Afrikanern gefahren werden - Autoschieber, die die Fahrzeuge von Europa nach Westafrika fahren. Auf dem ersten Stück nach Dakhla kommen mir hunderte Personen entgegen. Meist alleine oder zu zweit, alles Männer, alles Afrikaner. Vermutlich Flüchtlinge, die in der Nacht zu Fuß ihren Weg nach Europa versuchen zu finden.
    Auf dem Stück zwischen Dakhla und Bir Gandouz, der einzigen Stadt auf diesem Stück (kurz vor der Grenze) gibt es nichts außer Sand, nicht mal eine Tankstelle. Ich überquere den nördlichen Wendekreis, mache ein Foto.
    Ich bin angespannt, eine Autopanne hätte hier ernste Konsequenzen. Ich muss an das Buch "der kleine Prinz" denken, in welchem der Pilot in der Sahara technische Probleme bekommt. An solchen Reisetagen gehört vielleicht auch etwas Glück dazu.
    Ich komme am Vormittag an der Grenze an. Es ist heiß, über 35 Grad, kaum Schatten. Ich stelle mich in der Warteschlange für PKW an, rund 25 Fahrzeuge stehen vor mir. Mein Fixer Sheikh, der auf der mauretanischen Seite wartet, ruft an. Er sagt, 20 Fahrzeuge dauern ca. 4 Stunden. Die Grenze schließt um 19 Uhr, es gibt noch eine Stunde Mittagspause. Es besteht die Chance, heute nicht mehr rüber zu kommen.
    Es kommen weitere Fixer an meine Fahrertür, bieten ihre Hilfe an (wobei...? beim Schlange stehen...?), wollen mein Auto kaufen. Immer wieder muss jemand abgewimmelt werden.
    Nach knappen 2 Stunden bin ich drin. Nicht in Mauretanien, sondern im inneren Grenzbereich auf der marokkanischen Seite. Ich werde von links nach rechts und von rechts nach links geschickt. Das Fahrzeug muss durch die Röntgenmaschine, ich bekomme ein Papier in die Hand, mit dem Papier kann ich ein anderes Papier bekommen, anschließend wieder zurück. Ich muss alle Türen öffnen, zwei Hunde springen ins Auto, alle Schränke werden geöffnet. Ich muss mit weiteren Papieren in ein Büro, es wird fleißig abgestempelt, unterschrieben, ausgefüllt, getackert, kopiert. Das ganze Prozedere dauert ewig, die Temperatur ist mittlerweile bei 40 Grad. Ich fahre 10 Minuten vor der Mittagspause zum letzten Grenzposten, zeige meinen Ausweis. "Wo ist der Ausreisestempel?" fragt man mich. Hab ich nicht, also alles zurück, Auto parken, in ein weiteres Büro, Stempel in den Pass. Ich verlasse die letzte Station in Marokko 3 Minuten vor der Mittagspause.
    Es geht weiter, durch 4 Kilometer vermintes Niemandsland, die Straße wechselt von gut nach schlecht. Für die 4 Kilometer brauche ich 15 Minuten. In Mauretanien wartet Sheikh, winkt als er mich sieht. Er hat schon eine Versicherung besorgt, tauscht für mich Geld und holt eine SIM-Karte. Es kommt ein bewaffneter Grenzposten, Sheikh gibt dem vollkommen vermummten Beamten mit dem Automatikgewehr die Hand, darin ein Geldschein. Das Fahrzeug wird oberflächlich und gelangweilt durchsucht, ich werde gefragt, ob ich Alkohol dabei habe (im ganzen Land streng verboten). Wir gehen von einem Büro zum anderen, alles läuft schnell dank Sheikh. Im letzten Büro sitzen zwei Beamte, es wird zum ersten Mal mit einem Computer gearbeitet. Der Drucker steht nicht auf einem Tisch, sondern auf dem Karton, in dem er einst eingepackt war. Sheikh gibt meinen Pass ab, tritt dabei auf das Kabel, der Computer geht aus. Der Beamte ist außer sich, schreit ihn an. Sheikh zuckt nur mit den Schultern. Nach einer knappen Stunde bin ich mit allem, auch mit mir selber, durch und kann bei mittlerweile knappen 45 Grad die ersten Kilometer bis nach Nouadibou in Mauretanien zurücklegen. Am Ende des heftigsten Tag der Reise lässt auch meine Anspannung nach. Es ist alles gut gegangen, das nötige Glück war da.
    Ab heute Abend reise ich wieder in Begleitung.
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  • Tag 25, 0 Km/6482 Km

    23. september 2024, Mauretanien ⋅ ☀️ 28 °C

    Die Nacht ist bei mir sehr unruhig, ich bekomme Fieber. Am Morgen übergebe ich mich, fühle mich schlapp. In einer Eigenanamnese schließe ich alle Tropenkrankheiten aus, hoffe auf einen klassischen Magen-Darm Infekt. Ich erhole mich den ganzen Tag und bin froh, dass es mich hier in Mauretanien und nicht in der Westsahara erwischt hat.Læs mere

  • Tag 26, 501 Km/6983 Km

    24. september 2024, Mauretanien ⋅ ☀️ 31 °C

    Es geht mir am Morgen besser, also fahren wir etwas später ins Stadtzentrum von Nouadibou. Die Stadt ist ziemlich heruntergekommen, ein harter Kontrast zu Marokko und der Westsahara. Im Stadtzentrum existieren keine Verkehrsregeln mehr, eine grüne Ampel hat offenbar die gleiche Bedeutung wie eine Rote. So gut wie alle Fahrzeuge sind total Schrott, fahren aber noch. Wir besichtigen den Hafen und den kleinen Fischmarkt. Fisch vergammelt in der Sonne, Kinder spielen auf Müllbergen.
    Wir wollen anschließend einen Platz in der Wüste in der Nähe der Bahnschienen finden. In Mauretanien gibt es den längsten Zug der Welt, der Eisenerz aus der Wüste an die Küste bringt, wir hoffen den Zug am Nachmittag zu sehen. Wir verlassen nach einer guten Stunde die Hauptstraße auf eine kleine Sandpiste, fahren uns sofort fest. Ich muss alles tun, um den Defender wieder frei zu bekommen. Das Außenthermometer zeigt 43 Grad, es stürmt heftig, Sand fliegt umher. Wir drehen um, entscheiden uns gegen den Zug und die noch ausstehenden 8 Kilometer Piste und fahren weiter in die Hauptstadt nach Nouakchott. Auf dem Weg: Klischeesahara mit Sandsturm, Dünen soweit ich gucken kann und unzählige Checkpoints. An jedem Checkpoint ist ein "Fiché" vorzulegen, ein kleines Stück Papier mit alles Passdaten und dem Zweck der Reise. Ich habe davon 200 Stück vorbereitet, 10 werde ich davon bereits los. Alle Checkpoints sind entspannt, niemand will Geld, bei manchen bekomme ich sogar die Hand geschüttelt. Die Stecke ist immer wieder schlecht, die Straße kaputt. Ich sehe LKW mit rund 20 vermummten Personen auf der Ladefläche, die sich versuchen gegen den Sand und den Staub zu schützen. Ab und zu gibt es kleinere Baracken, ich kann mir nicht vorstellen, wie man in einer solchen Umgebung leben kann. Auf der Fahrt von Nouadibou nach Nouakchott trinke ich rund einen Liter Wasser pro Stunde. Der Staub hat mittlerweile jede Fläche im Auto bedeckt.
    Wir fahren an einen Strand in einem Vorort der Hauptstadt, übernachten hier. Durch die Vibrationen löst sich kurz vor Ankunft mein rechter Außenspiegel und klappt nach unten. Ich fahre die letzten Meter auf dem Strand in weichem Sand, fahre mich erneut heftig fest und lasse das dann Auto genauso stehen, wie er steht. So kann er wenigstens nicht so schnell geklaut werden.
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  • Tag 27, 0 Km/6983 Km

    25. september 2024, Mauretanien ⋅ ☀️ 33 °C

    Ich lasse es heute entspannt angehen. Ausruhen und wieder zu Kräften kommen nach vielen anstrengenden Tagen. Gegen Mittag besuchen wir den Fischmarkt von Nouakchott, die Fischer bringen mit riesigen Zugfahrzeugen die großen Boote ins Wasser, ein wahres Spektakel. Auf dem Fischmarkt das übliche Chaos und der übliche Geruch. Der Boden ist durch den Dreck schwarz gefärbt. Die Stimmung gegenüber Touristen ist etwas gereizt, mit ein paar Sätzen auf französisch entspannt es sich aber immer recht schnell. Das Auto steht noch genauso im Sand eingegraben wie am Vorabend, bestimmt kümmere ich mich morgen darum.
    Ab heute nehme ich bis zum Grenzübertritt in Namibia irgendwann in 8 Monaten Malariaprophylaxe.
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  • Tag 28, 0 Km/6983 Km

    26. september 2024, Mauretanien ⋅ ☁️ 33 °C

    Es bleibt bis tief in die Nacht extrem heiß. Um 23 Uhr messe ich noch eine Temperatur von 33.5 Grad. Es ist vollkommen windstill und ich schwitze trotz Ventilator und geöffnet Seiten im Dach vor mich hin. Kurz darauf wird es innerhalb von Sekunden kälter. Der Wind entwickelt sich so schnell, dass ich es nicht mehr schaffe, die Seiten zu schließen bevor der kurz darauf folgende Sandsturm das ganze Hubdach voller Sand bläst. Ich habe auf den Färöer Inseln mit dem Auto schon Windgeschwindigkeiten von 120 Km/h erlebt, jetzt ist es ähnlich. Ich bin hin und her gerissen, ob ich das Zelt schließen und unten schlafen soll, möchte aber nicht raus. Schließlich muss ich doch kurz nach draußen, meine Flipflops reinholen die ich 50 Meter weiter wieder finde. Es fängt an zu schütten und ich bin nass, klebrig und voller Sand, als ich nach wenigen Sekunden zurück zum Auto renne. Lektion des Tages: Ab heute wird abends alles reingeholt. Die Sichtweite beträgt durch den umherfliegenden Sand vielleicht noch 100 Meter. Alles was nicht fest ist, fliegt durch die Gegend und ich habe Angst, dass irgendwas davon mein Auto trifft. Es knallt immer wieder um mich herum wenn irgendwo irgendetwas gegen etwas anderes fliegt. Ich überlege, das Auto umzuparken, nicht weit weg gibt es ein recht hohes Haus. Kann ich natürlich nicht, stecke ja noch im Sand fest. Lektion 2 des Tages: immer Fahrbereit bleiben. Sturm und Regen wechseln sich für die nächsten zwei Stunden ab, gegen 2 Uhr wird es ruhiger und ich kann schlafen.
    Am nächsten Morgen nehmen wir ein Taxi und fahren zum Kamelmarkt. Tausende Kamele werden hier zum Teil im Kofferraum hergebracht um einen neuen Besitzer zu finden.
    Am Nachmittag checke ich das Auto, das Luftfiltergehäuse ist an einer Stelle undicht und Sand ist durch die Luftansaugung in den Motorraum gezogen worden. Ich dichte alles ab und hoffe, dass der Sand irgendwie seinen Weg wieder nach draußen gefunden hat, bevor er den Kolbenringen schadet. Nicht schön, aber jetzt nicht mehr zu ändern. Ich repariere anschließend auch den Außenspiegel und bin schließlich bereit für die anstehenden 500 Kilometer ins Landesinnere von Mauretanien.
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  • Tag 29, 430 Km/7413 Km

    27. september 2024, Mauretanien ⋅ ☁️ 37 °C

    Ich habe mal wieder einen langen Fahrtag vor mir, also stehe ich vor Sonnenaufgang auf, wühle den Defender aus dem weichen Sand, tanke das Auto so voll ich kann und mache mich auf den Weg nach Terjit tief im Zentrum von Mauretanien. Meine Reisebegleitung möchte in den Senegal, also trennen sich die Wege und ich starte alleine. Ich kämpfe mich zunächst eine Stunde durch die Hauptstadt Nouakchott, ein übles Moloch. Wie auch schon in Nouadibou gibt es so gut wie keine Verkehrsregeln, jeder fährt einfach drauf los. Man muss zu jeder Zeit mit allem Rechnen. Die Hupe ist bei mir und allen anderen das wichtigste Teil am Fahrzeug. Wer zuerst Hupt, darf zuerst fahren.
    Nachdem ich aus Nouakchott raus bin wird die Gegend immer einsamer. Ich durchquere nach rund 200 Kilometer das einzige Dorf auf der gesamten Strecke. Auch die Checkpoints werden weniger, insgesamt werde ich auf dem gesamten Stück rund 15 Mal von der Polizei oder vom Militär angehalten. Auf dem ersten Stück sehe ich eine grüne Sahara, es hat in den letzten Tagen weiter ordentlich geregnet und so grasen viele Ziegen und Dromedare direkt an der Straße. Es ist immer wieder ein komisches Gefühl, wenn ich auf dieser menschenleeren Straße von einzelnen Fahrzeugen mit 4 oder 5 komplett vermummten Personen auf der Ladefläche überholt werde. Nachdem ich das kleine Dorf auf der Hälfte der Strecke durchquert habe und die einzige Tankstelle auf der gesamten Strecke passiere, wird es richtig einsam. Die Straße wird deutlich schlechter, ich sehe über Stunden keinen anderen Menschen. Es gibt kein Telefonnetz mehr. Das Stück bleibt mir bis zum Ende nicht geheuer, dies ist die einsamste Straße der bisherigen Reise, vielleicht sogar meines Lebens. Ich komme nach insgesamt 6 Stunden Fahrzeit in Terjit an. Hier wird das Klischee der Sahara maximal möglich bedient: hohe Berge, Sand, Palmen, Holzhütten mit Strohdach.
    Ich finde einen schönen Platz bei Jamal, dieser lässt ab und zu Leute die sich hierher verirren in seinem Hof übernachten. Seine Frau kocht mir Eier mit Pommes und Zwiebeln, als ich von ihr zum Essen gerufen werde scheucht Jamal noch schnell vorher alle Fliegen vom Essen und zieht dann meinen Stuhl einladend zurück, was ein Service. Am späten Nachmittag messe ich mit 47 Grad im Schatten die wärmste Temperatur der ganzen Reise. Jamal bindet seine Ziegen direkt neben meinem Auto an und hat natürlich auch einen Hahn. Das wird bestimmt eine ruhige Nacht.
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  • Tag 30, 133 Km/7546 Km

    28. september 2024, Mauretanien ⋅ ☁️ 37 °C

    Die Nachttemperaturen sorgen für einen unruhigen Schlaf, die Tiefstwerte in der Nacht liegen bei 30.3 Grad, es ist vollkommen windstill, der Ventilator läuft die ganze Nacht durch. Hahn und Ziegen sorgen wie vermutet dann für ein frühes Aufstehen. Ich mache mich auf den Weg nach Chinguetti, noch ein Stück tiefer ins Landesinnere. Polizei und Einheimische sagen, die Straße nach Chinguetti ist schlecht, was noch deutlich untertrieben ist. Von den 80 Kilometern sind die ersten 40 schlecht, die letzten 40 sehr schlecht. Übles Wellblech mit Tiefsandpassagen. Die Straße ist an der Grenze zu unbefahrbar, ich brauche für die 40 Kilometer fast 3 Stunden und habe stellenweise das Gefühl, das Fahrzeug könnte auseinanderbrechen. Ich fahre größtenteils nicht schneller als 15 Km/h. Rund 20 Kilometer vor dem Ziel merke ich, dass etwas nicht stimmt. Ich höre ein starkes Schlagen bei jeder Bodenwelle, liege auf der Strecke insgesamt 4 mal unter dem Auto, vermute ein gebrochenes Radlader oder einen geplatzten Stoßdämpfer, finde aber nichts. Ich spreche auf der Strecke einen Einheimischen an, der ebenfalls technische Probleme hat. Er soll mal hören, wo das Geräusch her kommt. Er läuft ein Stück neben dem Auto und sagt mir, das Vorderrad hätte Spiel. Ich lokalisiere das Geräusch auch aus dieser Richtung, fahre so vorsichtig ich kann die letzten Kilometer mit Ach und Krach nach Chinguetti und suche erstmal einen Stellplatz. Ich komme bei Chekh unter, er vermietet ein Zimmer, ich kann in seinem Hof im Auto übernachten. Ich lege mich zum 5. Mal unter das Fahrzeug und sehe jetzt direkt auf Anhieb die gerissenen Gummilager vom Abgasstrang. Der komplette Auspuff liegt auf den Achsen. Auch wenn die Abgasanlage ordentlich gelitten hat, ist neben den Lagern nichts gebrochen. Ich habe die Lager nicht dabei, muss also improvisieren. In der Stadt gibt es einen kleinen Eisenwarenladen. Chekh geht mit mir hin. Der Laden macht zwischen 15 und 16 Uhr auf, wir warten einige Minuten bis der Verkäufer aus einer der Straßen angeschlürft kommt. Die Lager hat er natürlich nicht, aber Schlauchschellen. Diese natürlich nicht in der passenden Größe, aber zwei hintereinander tun es auch. Ich installiere die Schellen um die Lager, baue die Lager schließlich ein. Nach mehreren Stunden unterm Auto bin ich fertig, die drei Lager sind installiert. Als ich unterm Auto hervorkrieche entdecke ich ein viertes gerissenes Lager. Es ist schon dunkel, es fängt plötzlich auch an zu regnen. Außerdem habe ich keine Schlauchschellen mehr. Und ich bin dreckig, nachdem ich stundenlang im Sand gelegen habe. Und ich habe keine Lust mehr! Ich checke noch das vordere rechte Radlager, zum Glück kein Spiel, wie es mir vor einigen Stunden gesagt wurde. Außerdem hätte ich bei einem Problem mit dem Radlader sicherlich auch ein Problem mit dem ABS bekommen.
    Ich vertrage den Rest auf morgen. Chekh's Frau kocht glücklicherweise. Es gibt Reis mit Gemüse.
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  • Tag 31, 0 Km/7546 Km

    29. september 2024, Mauretanien ⋅ ☁️ 32 °C

    Chekh fragt mich am Morgen, ob ich Lust hätte mit einem seiner Bekannten zusammen mit dessen Kamelen in die Wüste zu reiten. 30 Minuten später stehen drei Kamele vor der Tür und ich darf auf Shegr steigen. Es ist nicht ganz damit einverstanden, dass ich ihm auf den Rücken kletter aber da müssen Shegr und ich wohl durch. Wir reiten zusammen rund eine Stunde über die Dünen, bis ich meine Beine nicht mehr richtig spüre. Der Sattel ist zu unbequem. Ich muss absteigen und den Rest zu Fuß laufen, auch Shegr ist froh, mich los zu sein. Wir laufen mit den Kamelen zurück ins Dorf, ich besorge weitere Schlauchschellen und repariere final das Auto. Am Nachmittag steigt das Thermometer im Halbschatten auf 51 Grad. Die Hitze ist kaum auszuhalten. Chekh bittet mich in sein Wohnzimmer, schaltet mir den Fernseher ein. Er hat einen Sender auf Englisch, den sucht er 20 Minuten. Mehr als herumsitzen geht bei der Hitze nicht.
    Am Abend besuchen wir gemeinsam die Altstadt. In der Nähe der Altstadt gibt es eine alte Bibliothek. Hier liegen Manuskripte aus dem 3. Jahrhundert. Der Besitzer des Hauses schließt uns auf, zieht weiße Handschuhe an und zeigt mir die Bücher, die zum Teil unfassbar gut erhalten sind.
    Es wird am späten Abend endlich etwas kühler. Ich werde morgen versuchen, die schlechte Sandpiste zurück nach Atar und schließlich die Straße nach Nouakchott zurück zu nehmen und anschließend weiter nach Senegal ziehen. Läuft alles nach Plan (und der Plan kann sich schnell ändern), werde ich die Grenze zum Senegal in 4-5 Tagen erreichen.
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  • Tag 32, 89 Km/7635 Km

    30. september 2024, Mauretanien ⋅ ☁️ 40 °C

    Am späten Abend laufe ich in Flipflops durch den Sand zu meinem Auto. Im Schein der Stirnlampe sehe ich einen Skorpion. Chekh sagt, der Stich ist vermutlich tödlich, vor allem hier in diesem Dorf. Mein Zeichen, ab sofort feste Schuhe zu tragen. Ich fahre am Morgen die gleiche schlechte Straße zurück nach Atar. Egal wie lange ich in den letzten Tagen über den Straßenzustand nachgedacht habe, er ist nicht besser geworden. Ich brauche auch zurück 4 Stunden, nur mit dem Unterschied, dass die reparierten Auspufflager dieses Mal halten. Ungefähr 10 Kilometer vor Atar sehe ich einen weißen Pickup von hinten anrauschen. Die Straße ist breit, ich bin mittlerweile im schlechten und nicht mehr im sehr schlechten Teil der Straße. Trotz 15 Metern Platz zur linken Seite fährt der Pickup rechts an mir vorbei über Steine und Geröll, deutet mir an ich soll anhalten. Er bremst, fährt hinter mir vorbei, schließt links auf, sagt mir etwas durch die geöffnete Scheibe, was ich nicht verstehe. Ich ignoriere ihn, er setzt sich hinter mich und fährt in meinem Tempo weiter bis nach Atar. Am Ortseingang gibt es einen Checkpoint, er überholt im Checkpoint und fährt rechts ran, zeigt mir, dass ich herkommen soll. Mit Polizei 30 Meter hinter mir fahre ich neben ihn, frage ihn was sein Problem ist. Er hätte kein Hemd mehr, ob ich ihm eins geben könnte, fragt er. Ernsthaft? Ich sage, dass ich kein Hemd für ihn habe und fahre weiter, sehe seinen Pickup auch anschließend nicht mehr. In Atar finde ich einen sicheren Platz in einem Innenhof dieser nicht schönen Stadt. Einer der anwesenden Männer lädt mich zum Essen ein, es gibt Fisch mit Gemüse und Reis. Ich trinke mit den Herren Tee, verlasse den Hof am späten Nachmittag zu Fuß und werde penetrant von Kindern belagert die im Wechsel "cadeau" - ein Geschenk oder "argent" - Geld verlangen. Die Penetranz reicht mir nach einigen Minuten, ich kehre zum Auto zurück und nehme mir vor, am nächsten Morgen früh nach Nouakchott zu starten und diesen hässlichen Ort so schnell wie möglich wieder zu verlassen.Læs mere

  • Tag 33, 460 Km/8095 Km

    1. oktober 2024, Mauretanien ⋅ ⛅ 33 °C

    Am späten Abend werde ich erneut zum Essen eingeladen. Eine der Frauen aus der Nachbarschaft hat gekocht. Es gibt Nudeln, die nach dem Kochen mit flüssigem Ziegenfett übergossen und dann mit Ziegenfleisch gemischt werden. Ich bin eigentlich nicht zimperlich, was Essen angeht, aber das Abendessen ist wirklich Hardcore. Das "Fleisch" ist eigentlich nur Knorpel, die Nudeln schmecken intensiv nach Ziege. Aus Anstand esse ich so viel ich kann.
    Am Morgen mache ich mich auf den Rückweg nach Nouakchott. Am Ortsausgang von Atar werde ich zum ersten Mal von der Polizei angehalten. Der Polizist ist groß und breit, um die 50, langer grauer Bart. Wohin ich fahre, fragt er mich. Nach Nouakchott antworte ich. Die Strecke ist viel zu gefährlich, sagt er und bietet mir an, mich zu begleiten. 5 Stunden in Polizeibegleitung, nein danke...
    Ich antworte, dass ich die Strecke vor 3 Tagen ohne Probleme gefahren bin. Gerne kann er mitkommen, aber zahlen tu ich dafür nicht. Er grinst mich mit seinen verbliebenen 5 faulen Zähnen an. "Dann viel Glück" sagt er zur Verabschiedung. Der Rückweg nach Nouakchott ist wie der Hinweg einsam und unspektakulär. Ich kämpfe mich durch den Verkehr in Nouakchott zu dem Stellplatz, auf dem ich vor einigen Tagen schon einmal war. Kurz vorher erneut eine Polizeikontrolle. In meiner Windschutzscheibe klebt keine Steuervignette. Von einer Steuervignette hab ich noch nie gehört, ich muss aber angeblich eine haben. Gut, dann her damit. Quittung gibt's auch und für 8€ habe ich jetzt ein wunderschönes Andenken an diesen Polizeiposten in der Scheibe kleben.
    Am Nachmittag plane ich die weitere Route in den Senegal. Es gibt generell zwei Möglichkeiten. Option A ist der Grenzübergang im Osten nahe der Stadt Rosso. Hierher führt eine erstklassige Straße, zwischen den beiden Ländern muss das Fahrzeug auf eine Fähre. Rosso gilt als die schlimmste Grenze in ganz Afrika. Vom Oberzöllner bis zur Toilettenfrau sind da alle korrupt. Reisende berichten von mehreren 100€ bis 1000€ an Schmiergeld, die gezahlt wurden. Schon bei der Einreise nach Mauretanien hat man mir gesagt, ich solle bei der Ausreise Rosso in jedem Fall meiden.
    Die Alternative ist der Grenzposten in Diama, etwas weiter westlich. Der Weg nach Diama führt die letzten 40 Kilometer über eine üble Offroadpiste, die bei Regen unbefahrbar ist. Diama ist als Grenzposten auch nicht ohne, steht aber in keinem Verhältnis zu Rosso. Ich werde morgen versuchen, den Weg nach Diama zu bestreiten, den letzten Regen gab es vor 5 Tagen.
    So langsam endet meine Zeit in Mauretanien und auch wenn ich die Zeit hier sehr genossen habe und Mauretanien trotz heftiger Armut als schönes Reiseland empfunden habe, habe ich langsam genug von Staub, Hitze, Sand und Fliegen und freue mich auch auf eine bessere touristische Infrastruktur im Senegal.
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  • Tag 34, 330 Km/8425 Km

    2. oktober 2024, Senegal ⋅ ☁️ 28 °C

    Der Wecker klingelt eine Stunde vor Sonnenaufgang. Ich packe noch im Dunkeln alles zusammen, frühstücke, tanke Heiner voll und fahre raus aus Nouakchott. Der Berufsverkehr ist im Gange, mittlerweile halte auch ich bei roten Ampeln nicht mehr an. Ich brauche eine Stunde bis ich die Stadt verlassen habe, zwei Weitere bis zum Abzweig und der finalen Entscheidung: Rosso (Fähre) oder Diama (Offroadpiste). Ich biege rechts nach Diama ab. Die Straße bleibt noch weitere 40 Kilometer geteert und wird schließlich zur heftigsten Offroadpiste die ich jemals gefahren bin. Die 40 Kilometer die es bis zum Grenzposten sind erinnern mich an den Offroadpark in Weeze. Ich habe an zwei Stellen das Gefühl, das Fahrzeug würde auf die Seite kippen. Die ersten 20 und die letzten 5 Kilometer sind Schwerstarbeit, für mich und das Fahrzeug. Immer wieder bekomme ich eine Warnmeldung der Traktionskontrolle angezeigt. Ich bin Heilfroh, dass die Piste einigermaßen trocken ist, bei Regen wäre hier auch mit einem 4x4 kein Durchkommen. Immer wieder sehe ich Fahrzeuge, die sich festgefahren haben. Begleitet wird die Fahrt durch Warzenschweine, Schakale und Flamingos. Ich erreiche schließlich den Grenzposten, es ist kein anderes Fahrzeug da, welches rüber möchte. Auf der Seite von Mauretanien gibt es drei Stationen. Station 1: Check, ob Pass und Fahrzeugschein da ist. Beides ist da. "Was hast du mir mitgebracht?" Fragt mich der Beamte. "Nichts" antworte ich. "Du kommst aus Deutschland hier her ohne mir etwas mitzubringen? Geh zu deinem Auto und guck, was du mir geben kannst!" Ich gehe wortlos zum Auto zurück, finde eine Packung zuckerfreie Kekse, bei denen ich mich vor ein paar Tagen im Supermarkt vergriffen hab. Ich gebe dem Beamten die Kekse, er öffnet grinsend die Schranke. Station 2: Passkontrolle. Ich habe von allen Reisenden vorher gehört, dass hier Geld für den Stempel verlangt wird, in der Regel 10€. Zahlt man nicht, wartet man 2 Stunden in der Sonne. Ich betrete das Büro. Ein Kerl in Uniform liegt auf dem Boden, guckt eine Serie auf seinem Smartphone. Ich begrüße ihn, er antwortet nicht. Ich sitze 3 Minuten auf dem Stuhl, werde ignoriert, bis ich schließlich genug habe, das Büro wieder verlasse und draußen jemanden frage, ob hier keiner zum Stempeln des Passes ist. Er geht mit mir zusammen zurück ins Büro, sagt dem Kerl auf der Matratze, dass er meinen Pass stempeln soll. Der Typ steht auf, guckt mich mit zusammengekniffen Augen an. Das wird teuer....ich gebe ihm meinen Pass und schwärme ungefragt von Mauretanien. "So ein schönes Land, so freundliche Leute und alle 100% Korrekt. Nicht einmal wurde ich um Geld gebeten!" Er grinst und stempelt meinen Pass kommentarlos, bevor er sich auf seine Matratze zurückzieht.
    Station 3: Zoll. Auch hier wird normalerweise Schmiergeld verlangt, ich nutze die gleiche Taktik wie zuvor und reise schließlich nach 30 Minuten ohne Zahlung aus Mauretanien aus. Auf der anderen Seite der Brücke die Einreise in den Senegal. Der Pass wird in 5 Minuten gestempelt, für den Zoll brauche ich 20 Minuten. Ich bekomme ein sogenanntes "Passavant" für 5 Tage. Bis dahin muss ich entweder das Fahrzeug wieder außer Landes bringen oder beim Hauptzollamt in Dakar vorführen. Ich muss sowieso nach Dakar und hier einiges Regeln, somit auch diesen Behördengang. Der Beamte sagt, das Passavant kostet 10.000 Franc (15€). Er stellt mir eine Quittung aus, auf dessen Einband 5.000 Franc steht. Ich zeige mit dem Finger drauf, bekomme anschließend mit rollenden Augen das Rückgeld. Ich kaufe eine SIM-Karte, wechsle Geld und organisiere eine Versicherung für das Auto, starte anschließend nach Saint-Louis zur "Zebrabar". Diese ist nach vielen Wochen der erste richtige Campingplatz und vielleicht der bekannteste in ganz Afrika. Es gibt Bier, Schatten, eine Waschmaschine und vor allem ein paar Tage Ruhe nach den anstrengenden Reisetagen.
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  • Tag 35, 0 Km/8425 Km

    3. oktober 2024, Senegal ⋅ ☁️ 31 °C

    Ich lasse es den ganzen Tag ruhig angehen, entferne jeglichen Saharasand aus dem Auto, wasche Wäsche, spaziere durch den Nationalpark, der unmittelbar an die Zebrabar angrenzt. Es gibt Pelikane, Krebse und vor allen Dingen Moskitos, Tag- und Nachtaktiv. Ich nehme mir vor, auch am kommenden Tag nicht viel zu unternehmen und die sich aktuell bietende Möglichkeit zur Erholung auszunutzen.Læs mere

  • Tag 36, 54 Km/8479 Km

    4. oktober 2024, Senegal ⋅ ☁️ 32 °C

    Es donnert am Morgen und ich schaffe es gerade so, alles ins Auto zu werfen bevor das Unwetter losgeht. Der Starkregen sorgt im Anschluss in Kombination mit der Hitze für eine ordentliche Luftfeuchtigkeit. Ich mache mich auf ins Zentrum von Saint-Louis, finde den ersten richtigen Supermarkt nach Marrakesch und fülle alles wieder auf. Im Supermarkt läuft Musik mit einer unfassbaren Lautstärke, sodass ich mich Frage wie die Angestellten das nur den ganzen Tag aushalten. Ich finde einen Shop meines Telefonanbieters und verlängere die SIM-Karte, fahre anschließend in einen kleinen Nationalpark. Es gibt Schildkröten, Oryx-Antilopen und Pelikane. Auf dem Rückweg lasse ich, obwohl es noch gar nicht Samstag ist, das Auto waschen. Die "Fachkraft" für die Autowäsche will nicht, dass ich den Hochdruckreiniger selber bediene, also lasse ich ihn machen. An einer Stelle am Heck hält er den Hochdruckreiniger in einem Abstand von 5mm an die Karosserie. Der Lack blättert ab. Anschließend macht er die Dichtungen sauber. Auch hier geht er zu nah ran und sprüht mit dem Hochdruckreiniger durch die Dichtung in den Innenraum. Ich habe genug, das Auto ist auch sauber, also lehne ich sein Angebot den Innenraum mit Druckluft wieder trocken zu pusten ab. Auf dem Rückweg zur Zebrabar höre ich ein lautes Klacken aus der Unterseite des Fahrzeugs, schon am Nachmittag nehme ich Teile der Vorderachse auseinander, finde aber nichts. Die in Marrakesch festgestellte, undichte Achskugel wird immerhin vermutlich bis Südafrika durchhalten. Es ist schon Recht spät, also werde ich die Hinterachse am kommenden Tag prüfen.
    Am Abend entscheide ich, die ruhigen Tage noch um einen weiteren zu verlängern, mich um das Auto zu kümmern und auch morgen noch im Raum Saint-Louis zu bleiben, bevor ich spätestens am Sonntag nach Dakar aufbrechen muss, um mein Auto am Montag beim Zoll vorzuführen.
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  • Tag 37, 0 Km/8479 Km

    5. oktober 2024, Senegal ⋅ ⛅ 31 °C

    Der dritte Tag in Folge ohne wirkliches Programm. Ich checke die Hinterachse und deren Lager und Stoßdämpfer, finde dabei nichts ungewöhnliches und weiß aktuell nicht, wo das laute Klopfen von gestern herkommen könnte. Beim Versuch die Kardanwelle zu Schmieren platzt die Dichtung der neuen Fettpresse. Die Fettpresse ist damit Schrott. Es wird somit auch technisch Zeit, nach Dakar zu kommen und endlich Motoröl und eine neue Fettpresse aufzutreiben. Den restlichen Tag lasse ich erneut entspannt angehen, ich gehe zum zweiten Mal ins Meer und relaxe etwas im Schatten.
    Auch wenn die letzten drei Tage 'im Paradies' angenehm waren, freue ich mich darauf, morgen weiter zu kommen, bevor ich es nachher nicht mehr schaffe, diesen Ort zu verlassen.
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  • Tag 38, 234 Km/8713 Km

    6. oktober 2024, Senegal ⋅ ⛅ 30 °C

    Es geht auf das letzte Stück "Paris-Dakar", wenn auch sicherlich nicht auf dem gleichen Weg wie die berühmte Rally. Auf brandneuem Asphalt geht es zunächst bis in die Stadt Lompoul. Die Landschaft ist grün und bewaldet, welch ein Kontrast zu Mauretanien. In Lompoul führt der direkte Weg weiter über Kebemer, in dessen Zentrum ein berüchtigter Polizeiposten ist. In der Zebrabar wird mit vor Abreise noch gesagt, besser den Umweg von zwei Stunden über die schlechtere Straße zu nehmen, als durch die Polizeikontrolle zu fahren. Ich befolge den Rat, fahre 80 Kilometer auf einer Straße mit tiefen Schlaglöchern bis in die Großstadt Thies. Auf dem Weg gibt es fast an jedem Ortseingang Personen, die für die Durchfahrt Geld haben möchten. Ich grüße freundlich und fahre einfach weiter. Es gibt auch auf dieser Strecke Checkpoints, ich werde jedoch nur einmal angehalten und muss Papiere, Pass, Zolldokumente zeigen. Nach 5 Minuten darf ich weiter. Ab Thies wird der Verkehr richtig übel. Stau, Hektik Gestank, Lärm, Hupen. Die Straße bleibt schlecht. Ich kämpfe mich so gelassen es geht durch den Verkehr und finde nach vorheriger Recherche ein Hotel, auf dessen Parkplatz ich übernachten darf. Der Platz ist direkt am Strand, welcher total überlaufen ist. Kein schöner Platz aber alternativlos im Zentrum der Millionenstadt Dakar.Læs mere

  • Tag 39, 51 Km/8764 Km

    7. oktober 2024, Senegal ⋅ ⛅ 31 °C

    Ich wusste schon länger, dass dieser Tag kommen würde. Jetzt muss ich da wohl durch und mich heute gleich mit zwei Behörden rumärgern. Ich starte mit dem Auto zunächst zum Hauptzollamt in Dakar um Heiner zu registrieren. Der Verkehr geht noch - noch. Ich parke das Auto direkt vor dem Eingang, frage den Security-Mitarbeiter wohin ich gehen muss. Das Büro der Zollabfertigung ist im ersten Stock. Es gibt einen großen Wartesaal, offenbar warten aber alle Anwesenden auf irgendwas anderes. Ich trete ohne zu warten direkt in das Büro ein. In den klimatisierten Raum sitzt ein Mann in Uniform. Ich erkläre ihm, dass ich mein Auto verzollen möchte, da mein Passavant heute abläuft. Er braucht Pass, Fahrzeugschein, das Carnet de Passage und das Passavant. Außerdem eine Kopie vom Pass und vom Fahrzeugschein. Ich soll ins Erdgeschoss, da die Kopien machen und im Anschluss wieder zurück kommen. Im Erdgeschoss gibt es ein Kopierbüro, der Kopierberechtigte ist aber nicht da. Ich gehe wieder ins Büro in der ersten Etage, erklären dem Zöllner, dass eine Kopie gerade nicht möglich ist, da offenbar niemand sonst den Kopierer bedienen darf. Ohne Kopie keine weitere Bearbeitung der Dokumente, erklärt er mir freundlich. Er sagt auch, dass es keinen anderen Kopierer in der Nähe gibt. Ich habe vorher Personalausweis- und Fahrzeugscheinkopien einlaminiert, biete ihm dies als Kopie an. Er guckt etwas skeptisch, ist aber einverstanden. Nach 20 Minuten ist das Fahrzeug endlich ordnungsgemäß durch den Zoll.
    Ich kämpfe mich durch den mittlerweile wirklich üblen Verkehr zu meiner zweiten Station des Tages. Ich brauche ein Visum für Liberia. Nachdem Liberia 10 Jahre gebraucht hat, ein E-Visum einzuführen gibt es dies mittlerweile seit 2 Wochen (!) ich möchte aber ungern der Erste sein, der mit einem solchen E-Visum an der Grenze auftaucht. Also wähle ich den klassischen Weg, persönlich bei der Botschaft zu erscheinen, die auf der ganz anderen Seite der Stadt liegt. In einem der Büros sitzt eine Dame, die hektisch ihr Privatgespräch unterbricht, als ich eintrete. Neben ihr ist sonst niemand in der Botschaft. Ich erkläre ihr mein Anliegen. Sie benötigt meinen Reisepass (hab ich), eine persönliche Erklärung, dass ich ein Tourist bin (hab ich vorbereitet und mitgebracht), ein Rückflugticket (hab ich noch vom Guineavisum), eine Hotelreservierung (hab ich, aber nur digital), das Antragsformular (gibt sie mir) und den Beleg der Zahlung über rund 150€. Sie sagt, die Zahlung kann ich nur persönlich bei einer Bank vornehmen, die Hotelreservierung ausdrucken kann ich bei ihr nicht. Ich muss also eine Bank und ein Copyshop finden. Zwei Straßen weiter gibt es beides, ich lasse die Hotelreservierung drucken und gehe anschließend in die Bank. Man erklärt mir, die Einzahlung auf das Konto der liberianischen Botschaft kann ich nur machen, wenn ich ein Konto eröffne. Dafür brauche ich einen Wohnsitz im Senegal. Leicht genervt gehe ich zur Botschaft zurück, erkläre der Dame das Dilemma. Ich schlage vor, das Geld online zu überweisen und den Beleg im benachbarten Copyshop auszudrucken. "So arbeiten wir hier nicht" sagt sie. Ich soll zu einer anderen Bank gehen. Die 'andere Bank' ist 3 Kilometer weiter weg, also wieder zurück in den dichten Verkehr und zur zweiten Bank. Vor der Bank kein Parkplatz, ich stelle mich quer hinter die geparkten Fahrzeuge in die zweite Reihe und sage dem Parkplatzwächter, er soll mir Bescheid geben, wenn einer raus möchte. In der Bank warte ich 20 Minuten, darf dann ohne Bankkonto Geld einzahlen. Es geht zum dritten Mal in die Botschaft. Alle Unterlagen sind jetzt da. Das Visum bekomme ich in zwei Tagen, oder sofort, wenn ich weitere 75€ zahle. Zwei Tage ohne Pass und nochmal herkommen ist schon arg, also willige ich ein. Das Geld möchte Sie bar, wundert mich an der Stelle aber auch nicht...
    Ich soll in zwei Stunden wiederkommen und den Pass abholen.
    Ich besichtige in der Zwischenzeit die Statue der afrikanischen Wiedergeburt, immerhin die größte Statue in ganz Afrika. Ich war vor rund 10 Jahren schon einmal hier, die Statue liegt auf einem kleinen Berg und von der Kuppel hat man einen schönen Blick über ganz Dakar.
    Nach der Besichtigung geht es zum vierten Mal in die Botschaft, die ich anschließend mit fertigem Visum verlasse! Ich kämpfe mich durch den Nachmittagsverkehr zu meinem Stellplatz am Hotel zurück und hab am Nachmittag tatsächlich noch etwas Zeit um am heute fast menschenleeren Strand zu liegen.
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  • Tag 40, 0 Km/8764 Km

    8. oktober 2024, Senegal ⋅ ⛅ 28 °C

    Ich lasse das Auto heute auf dem Hotelparkplatz stehen und fahre mit dem Taxi zum Hafen von Dakar. Die Fahrt dauert 25 Minuten und kostet 1.80€. Es gibt eine kleine Fähre zur ehemaligen Sklaveninsel "Île de Gorée". Im Hafen herrscht reger Betrieb, die Polizei kontrolliert meinen Pass, bevor ich den Hafen betreten darf. Ich kaufe ein Ticket, der Ticketkauf typisch afrikanisch: ich muss mich zuerst in einer Schlange anstellen um für die Fähre die Steuern zu zahlen, mich danach in einer zweiten Schlange 3.50 Meter weiter links anstellen, um das Ticket zu kaufen.
    Die Überfahrt nach Gorée dauert rund 30 Minuten. Auf der Insel gibt es mit den Sklavenhäusern und den Kolonialgebäuden einen dunklen Teil der afrikanischen Geschichte zu besichtigen. Sklaven wurden vor ihrem Transport nach Europa und Amerika auf die Insel gebracht, bevor sie ihre Heimat für immer verlassen mussten.
    Am Nachmittag trete ich die Rückfahrt an, esse vorher auf der Insel noch Hühnchen mit Yassa-Sosse, ein typisch senegalesisches Gericht mit einer Soße aus Zwiebeln, Zitrone, Gewürzen.
    Ich schlafe eine weitere Nacht im Auto auf dem Hotelparkplatz. Der Platz ist nach wie vor nicht schön, aber zumindest besser als unter der Brücke zu schlafen.
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  • Tag 41, 0 Km/8764 Km

    9. oktober 2024, Senegal ⋅ ⛅ 31 °C

    Es geht erneut mit dem Taxi ins Zentrum. Der Taxifahrer passiert auf dem Weg einen Polizeicheckpoint, muss seine Taxilizenz zeigen. Der Polizist nimmt das Dokument und verschwindet, regelt weiter den Verkehr. Nach einigen Minuten sagt der Taxifahrer, er wird 1000 Franc (1.50€) zahlen, sonst bekomme er seine Taxilizenz nicht wieder. 2 Minuten später können wir mitsamt den Papieren dann weiterfahren.
    Ich besichtige den Zentralmarkt von Dakar. Es ist laut, heiß, es stinkt, insbesondere in den Lebensmittelbereichen. Fleisch ist am Schlimmsten, Fisch folgt auf Platz 2 im Ranking der widerlichen Gerüchen. Händler laufen teilweise mehrere hundert Meter neben mir her um mir Holzarmbänder oder Second-Hand T-Shirts zu verkaufen.
    Ich finde am Nachmittag eine Pizzeria in der Stadt. Es ist lange her, dass ich die Gelegenheit hatte Pizza zu essen, die für afrikanische Verhältnisse echt in Ordnung ist.
    Ich werde die letzte Nacht auf dem "Traum von einem Parkplatz" zwischen Hotel, Hafen und Müllkippe verbringen und voraussichtlich morgen Dakar verlassen.
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  • Tag 42, 53 Km/8817 Km

    10. oktober 2024, Senegal ⋅ 🌬 28 °C

    In der Nacht ziehen Gewitter auf, die den ganzen kommenden Tag immer wieder heftigen Regen mitbringen werden. Am Morgen steht der ganze Hotelparkplatz unter Wasser und ich entscheide mich, in ein kleines Restaurant in der Nähe zum Frühstücken zu gehen und nicht draußen im Regen das Frühstück vorzubereiten. Ich bekomme trockenes Brot, warme Milch und Pulverkaffee - ich könnte es damit eigentlich fast als Drei-Gänge-Menü bezeichnen. Der Restaurantbetreiber erklärt mir, dass ich den Kaffee in die Milch streuen muss, heißes Wasser hätte er keines.
    Nach diesem üppigen Festmal verlasse ich Dakar, suche in einem der Vororte eine Werkstatt für das Auto um einen Ölwechsel zu machen. Man möchte für den Service 45€ incl. Nachfetten aller Gelenke plus 10€ für den Liter Öl. Bei diesem Preis frage ich nicht, ob ich den Ölwechsel selber machen kann, sondern lasse die Werkstatt alles machen. Der Mechaniker bekommt den Ölfilter nicht losgedreht, also gebe ich ihm meinen Filerbandschlüssel. So ein Werkzeug hat er noch nie gesehen, sagt er mir lachend.
    Nachdem Öl und Fett aufgefüllt sind, breche ich in das Delta von Somone etwas weiter südlich von Dakar auf. Es gibt eine kleine Ökolodge direkt im Delta ohne richtigen Straßenzugang. Mit der Betreiberin habe ich bereits per WhatsApp geschrieben und mich angekündigt. Da es weiterhin heftig regnet, empfiehlt sie mir erst in ein paar Tagen zur Lodge zu fahren. Sie selber wird auch nicht kommen, das Risiko stecken zu bleiben ist ihr zu hoch. Ich fahre trotzdem hin.
    Die Piste ist besonders im letzten Teil wirklich übel. Der Sand ist durch den Regen so weich, dass ich das Auto nicht richtig steuern kann. Ich gebe Vollgas im ersten Gang, das Heck bricht immer wieder aus und ich Versuche gegenzulenken, was dann aber dazu führt, dass das Heck in die andere Richtung ausbricht. Mir ist klar, wenn ich hier anhalte komme ich hier tagelang nicht raus. Es gibt plötzlich keinen richtigen Weg mehr und das Fahrzeug fährt eigentlich von alleine nach rechts, ich müsste aber links. Ich sehe den Somone-Fluss vor mir und muss mitten auf dem weichen Sand anhalten und umdrehen. Das Stück ist zum Glück etwas fester, also schaffe ich es ohne mich einzugraben das Auto zu drehen und die letzten hundert Meter zur Lodge zu fahren. Ich bin mal wieder erstaunt, was das Auto in der Lage ist zu leisten.
    Neben mir ist niemand in der Lodge, der Stellplatz ist trotzdem wunderschön und direkt am Fluss. Es regnet weiter ununterbrochen und ich hoffe auf besseres Wetter und einen trockeneren Boden, bevor ich irgendwann in den nächsten Tagen weiter fahre.
    Leider ist die Regenzeit derzeit noch nicht zu Ende, südlich von Gambia steht aktuell alles unter Wasser. Noch sind im Senegal auch fast alle Nationalparks geschlossen. Die Regenzeit endet Mitte Oktober, also bin ich etwas zu früh dran und muss noch etwas abwarten, bevor es richtig weiter gehen kann.
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  • Tag 43, 0 Km/8817 Km

    11. oktober 2024, Senegal ⋅ ☁️ 31 °C

    Nachdem die Sonne untergegangen ist wird es zugegebenermaßen ziemlich unheimlich. Es gibt keine Lichtquelle außer der Taschenlampe und keinen Menschen im Radius der nächsten 5 Kilometer. Nicht weit weg von mir höre ich bei völliger Dunkelheit einen Kojoten heulen, weitere gesellen sich aus gleicher Richtung und Entfernung im Geheule dazu. Es fühlt sich an, als käme das Geheule aus einer Entfernung von 10 Metern. Ich leuchte vor meinem Auto stehend in die Dunkelheit, sehe aber weder Kojoten noch sonst irgendwas außer im Wind wehendes Gestrüpp. Die ganze Nacht ist bis auf das laute Zirpen der Grillen nichts weiter zu hören.
    Am Morgen kommt ein Mann namens Ibu zu mir. Er arbeitet an der Lodge, jätet Unkraut. Ich mache ihm einen Kaffee, er wird mir dafür zum Mittag etwas zu Essen bringen. Ich könnte durchaus den ganzen Tag auf den Fluss und die Vögel schauen, laufe aber am Vormittag für rund drei Stunden zu Fuß durch das matschige Flussdelta. Ich sehe zahlreiche Vögel in allen Farben und viele Baobab-Bäume, für die der Senegal bekannt ist. Ohne GPS, da bin ich mir sicher, würde ich den Rückweg nicht mehr finden, zu groß ist das Risiko in einem der sandigen Arme in die falsche Richtung abzubiegen. Am Nachmittag bringt mir Ibu tatsächlich eine Plastiktüte mit Reis, Fisch und Gemüse. Ich bin sehr dankbar über das Essen, Reis und Gemüse sind wirklich gut, nur der Fisch ist nichts für meinen europäischen Gaumen und schmeckt genauso, wie es auf dem Fischmarkt in Nouakchott und Dakar gerochen hat.
    Ich werde bis zur kommenden Woche hier bleiben und nächste Woche zurück in den Norden starten. Der Djoudj-Nationalpark im Norden von Senegal öffnet Mitte nächste Woche seine Tore, so schreibt es mir einer der Parkranger per WhatsApp.
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  • Tag 44, 83 Km/8900 Km

    12. oktober 2024, Senegal ⋅ ⛅ 30 °C

    Am späten Abend, es ist mal wieder stockdunkel, fangen die Kojoten wieder an zu heulen. Dieses Mal weiter weg und mit deutlichem Abstand zu meinem Schlafplatz. Ich sitze auf der Veranda der Lodge bis es so dunkel ist, dass ich nichts mehr außer dem, was die Taschenlampe anstrahlt sehen kann. Ich mache mich irgendwann zum Auto auf, als ich plötzlich Schritte rund um die Lodge höre. Ich leuchte in die Dunkelheit und einer der Esel, die am Vortag in der Nähe gegrast haben kommt um die Ecke eines der gemauerten Zimmer. Er erschrickt genauso wie ich, da hat wohl noch jemand nicht damit gerechnet, dass hier noch ein weiteres Lebewesen umherläuft. Die Kojoten heulen in der Nacht immer wieder, am frühen Morgen höre ich sie aus der anderen Richtung. Es gibt also entweder zwei Rudel oder das eine Rudel ist auf die andere Seite der Lodge gezogen.
    Ich fahre morgens eine Alternativstrecke in die Stadt Mbour, die deutlich besser zu befahren ist als die Schlammpiste von vor 3 Tagen. Außerdem war es jetzt längere Zeit trocken, es ist also kein Problem, die Lodge wieder zu verlassen. In Mbour gibt es einen der größten Fischmärkte des Landes, die Stadt ist jedoch viel zu klein für die vielen Einwohner, die der Fischmarkt anzieht, somit stehe ich lange im Stau. Ich werde an einem Checkpoint ziemlich unfreundlich angehalten, muss meinen Führerschein zeigen. Anschließend will der Sheriff meinen Versicherungsnachweis sehen. Dann den Fahrzeugschein. Dann meinen Pass. Dann soll ich aussteigen und die Hecktür öffnen. Dann auch noch alle Schränke. Ihm fällt dann mit all meinen Papieren in der Hand und hinten ins Auto blickend nichts mehr ein, was ich ihm noch zeigen kann, also antwortet er auf meine Frage, ob's das dann ist mit 'ja' und gibt mir alle Dokumente zurück.
    Ich fahre in Mbour in die Nähe des Fischmarktes, parke das Auto in diesem Moloch so gut sichtbar wie es nur geht, nehme alle Wertsachen mit und stürzte mich in diesen üblen Ort auf der Welt. Berge von totem Fisch liegt auf dem Boden, darunter Haie, Barracuda und Tonnen von Doraden. Der Fisch wird direkt am Strand zerlegt und verkauft, im Ganzen oder als gehacktes, Tonnen von Müll türmen sich auf. Ausrangierte, schimmlige Kühlschränke und Kühltruhen aus Europa liegen auf dem Rücken um den Fisch so gut es geht zu kühlen, dabei werden die Kühlschränke nach und nach mit neuem Eis befüllt. Funktionieren tut hier schon lange keiner mehr. Ich laufe rund anderthalb Stunden über den Markt und den angrenzenden Strand und mache mich anschließend wieder auf den Weg zurück zur Lodge. Nach den ganzen in der Sonne verwesenden Fischresten hab ich auch so richtig Appetit auf Fisch bekommen und kaufe im Supermarkt auf dem Rückweg Garnelen, die ich am Abend zubereite. In der Lodge ist weiterhin niemand anwesend, selbst der Esel ist mittlerweile weitergezogen.
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  • Tag 45, 96 Km/8996 Km

    13. oktober 2024, Senegal ⋅ 🌙 27 °C

    Die Kojoten schweigen am Abend und in der Nacht. Der Esel kehrt jedoch in der Dunkelheit zurück und sowohl er, als auch ich haben uns mittlerweile an den jeweils anderen gewöhnt.
    Ich fahre am frühen Morgen in Richtung Dakar und treffe auf dem Weg zufällig wieder den unfreundlichen Polizisten von gestern. Er erinnert sich an mich, möchte heute eher plaudern als irgendwelche Dokumente sehen (er hat ja auch eigentlich schon alles gezeigt bekommen) und lächelt an einer Stelle sogar kurz einmal.
    Vor Dakar gibt es kleines Kloster, in dem sonntags eine Messe abgehalten wird. Ich finde den Ort zufällig im Internet, habe zuvor noch nie davon gehört. Die Klosterkapelle ist winzig, innen gibt es 6 Sitzreihen. Ich ergatterte einen der letzten freien Plätze, die Reihen sind brechend voll. Vor der Tür sind weitere Bänke aufgestellt, die sich zu Beginn der Zeremonie komplett mit Gläubigen gefüllt haben. Als die rund 30 schwarzen Mönche in ihren weißen Kutten eintreten, schieße ich ein Foto und werde prompt ermahnt, dies zu unterlassen. Die Messe dauert 90 Minuten, immer wieder wird getrommelt und gesungen. Ich bekomme eines des Liederbücher in die Hand, erkenne aber weder die Melodie noch weiß ich, an welcher Stelle wir gerade sind.
    Der Zeremonienmeister hat einen kleinen Stab mit einer darangebundenen Feder und geht damit durch die Reihen. Er tunkt die Feder immer wieder in Weihwasser und spritzt das Wasser mit der Feder auf die Gesichter der Betenden. Jedes Mal, wenn er zu viel Wasser mit der Feder aufnimmt und die Leute eine ordentliche Ladung ins Gesicht geklatscht bekommen, lacht er sich kaputt. Da ich direkt am Gang sitze, bekomme auch ich eine gute Ladung ab.
    An einer Stelle geben sich plötzlich alle Anwesenden die Hand. Ich habe leider nicht verstanden, worum es geht, schüttel aber rundum alle mir entgegengestreckten Hände. Die Hostie, die es zum Ende gibt, schmeckt genauso gut wie bei uns zu Hause.
    Am Nachmittag fahre ich wieder über den neu gefundenen Weg zur verlassenen Lodge zurück. Es ist weiterhin niemand anwesend und so langsam fühle ich mich ein bisschen wie Jack Nicholson in "The Shining" nur mit dem Unterschied, dass ich bislang noch keine Dinge sehe, die gar nicht existieren....oder gibt's den Esel etwa gar nicht?
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  • Tag 46, 19 Km/9015 Km

    14. oktober 2024, Senegal ⋅ ⛅ 31 °C

    Ich treffe am Vormittag Ibu wieder, der mir vor ein paar Tagen Essen gebracht hat. Wir plaudern kurz, er fragt mich ob ich ihn mit zurück ins Dorf nehmen kann, sonst müsste er die 4 Kilometer zu Fuß gehen. Als ich ihn absetzen will, bietet er mir an, sein Haus zu besichtigen. Im Hof sitzen seine Mutter und seine Frau und waschen Wäsche. Seine zwei Kinder sind absolut angstfrei und eher neugierig auf meine weiße Haut. Beide strecken mir die Arme entgegen und wollen auf den Arm, fassen etwas skeptisch meine Ohren, mein Gesicht, meine Unterarme an. Vom Dorfältesten werde ich auf der Straße zu einem Tee eingeladen. Ich setze mich zu den anwesenden Männern, werde etwas ungläubig beäugt. Französisch zu sprechen öffnet auch hier viele Türen. Ich berichte von meiner Reise und dem langen Weg aus Deutschland bis hier her. Alle lauschen gespannt bis Ibu vorschlägt, dass ich mir auch noch die Grundschule ansehen soll. Es gibt 6 Lehrer und unzählige Kinder allen Alters die hier unterrichtet werden. Ich darf in die Klassenräume, in denen gerade der Unterricht begonnen hat und der natürlich jetzt unterbrochen wird.
    Nach einer Stunde verabschiede ich mich und fahre in Richtung Meer, wo ich einen Tipp für ein Fischrestaurant bekommen habe. Das Restaurant ist eigentlich nur mit dem Boot erreichbar, es gibt aber auch eine Offroadpiste. Da es mehrere Tage trocken war, macht es mir viel Spaß die Piste zu fahren, die zwischen Sand und Schlamm variiert. Im Restaurant bekomme ich die größten Garnelen, die ich jemals in meinem Leben gesehen habe. Das Restaurant liegt wunderschön zwischen dem Delta von Somone und dem Meer, der Fisch wird mit Netzen direkt vom Strand gefangen und in die Restaurants gebracht. Es gibt unzählige Krebse, Pelikane sitzen auf den vorgelagerten Inseln.
    Als ich am Nachmittag zurück zur Lodge fahre passiert das unfassbare. Es sind Leute an der Lodge, Touristen! Ich bin nach 5 Tagen völliger Einsamkeit nicht mehr alleine und weiß aktuell nicht, ob ich mich über die Gesellschaft freuen oder traurig sein soll.
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  • Tag 47, 44 Km/9059 Km

    15. oktober 2024, Senegal ⋅ ☀️ 30 °C

    Es ist spät am Abend, kurz vor Mitternacht. Ich schlafe bereits als ich durch einen lauten Schrei wach werde. Im Fluss keine 10 Meter neben mir, stirbt ein Tier. Es schreit im Todeskampf, ich höre den Fluss und ich höre, wie das Wasser aufgewühlt wird. Ich leuchte mit der Taschenlampe aus dem Hubdach in die Dunkelheit, sehe den Fluss aber nicht richtig. Im Schein der Taschenlampe sehe ich wie sich die Bäume am Flussufer bewegen. Plötzlich ist es still. Kein Schrei mehr, kein Wasserplätschern. Was auch immer geschrien hat ist jetzt wohl verstorben.
    Ich nutze den Folgetag um alles für die kommenden Tage und Wochen vorzubereiten. Dies wird vermutlich der letzte Tag in den nächsten Wochen sein, an dem ich es etwas ruhiger angehen kann. Ich mache das Fahrzeug sauber, entferne den Schlamm und den Sand aus dem Innenraum und tausche den Dieselfilter. Der Dieselfilter ist nach 10.000 Kilometern noch okay, jedoch schon Recht schwarz u.a. durch die schlechte Dieselqualität in Mauretanien. Am Nachmittag fahre ich zum Flughafen nach Dakar, bekomme meinen zweiten Reisepass und einen Schwung Ersatzteile. Am Abend sind 4 (!) Touristen an der Lodge. Ich parke das Auto ein Stück weiter weg, damit ich meine Ruhe habe und von all dem Trubel dieser Menschenmassen verschont bleibe. Der Weg dorthin führt durch hohes Gestrüpp, hier ist schon lange niemand mehr hergefahren. Einer der Esel folgt mir und bleibt bis in die Nacht hinein in meiner Nähe. Er hat den Todesschrei letzte Nacht bestimmt auch gehört und sucht jetzt Schutz hinter dem Auto. Morgen soll es wieder zurück in den Norden des Senegal gehen, wo der Djoudj-Nationalpark endlich wieder geöffnet ist. Ab dem Abend reise ich wieder zu zweit weiter.
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