• GG72
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Fernweh. 2026.

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  • Trip start
    June 15, 2026

    Fahrt über den Brenner

    June 15 in Austria ⋅ ⛅ 12 °C

    Montagmorgen hab ich noch schnell gepackt und alles ins Auto getan, beim Gepäck muss man ja nicht viel optimieren. Dann ging’s los Richtung Irschenberg, nach zwei Stunden Fahrt kam die Pause beim Dinzler genau richtig. Dort hab ich noch ein paar Stunden E-Mails gemacht, dann ging’s für mich alleine weiter. Die Kollegen für den Workshop waren auch langsam unterwegs, aus der Schweiz und aus München. Weil unsere Schweizer Kollegen unterwegs Probleme mit der Autobatterie hatten, war am Ende ich der Erste, der ankam.

    Danach ging die Fahrt über den Brenner weiter Richtung Süden, alles lief problemlos. Am frühen Nachmittag saß ich dann schon in der Villa de Winckels bei Verona im Garten, bei herrlichem Wetter, und hab bei einem netten Glas den Tag nachgearbeitet.

    Der Brenner ist mit rund 1.370 Metern der niedrigste Übergang über den Alpenhauptkamm und deshalb schon seit der Antike eine der wichtigsten Routen zwischen Norden und Süden. Schon die Römer haben hier um das Jahr 200 eine befestigte Straße gebaut. Heute überqueren täglich etwa 70.000 Autos und 5.500 Lkw den Pass, er gilt als die wichtigste Transitstrecke Europas.
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  • Villa de Winckels

    June 16 in Italy ⋅ ☀️ 18 °C

    Nach einem genialen Abendessen mit ein paar Flaschen leckerem Rotwein sind wir alle früh ins Bett gefallen. Jeder hat ein eigenes Zimmer bekommen, und keine zwei sehen auch nur ähnlich aus. Am nächsten Morgen bin ich früh raus und hab mit der Drohne alles erkundet, dafür bin ich noch zur Kirche hochgelaufen, die über dem Tal liegt.

    Die Villa de Winckels steht in Marcemigo di Tregnago, mitten im Illasi-Tal zwischen den Hügeln von Valpolicella und Lessinia, einer der bekanntesten Weinregionen Italiens, hier wachsen Valpolicella und Amarone. Gebaut wurde sie zwischen 1100 und 1300, ursprünglich als kleine Festung mit Wachturm. 1300 wurde sie dem Kloster San Giorgio in Braida angegliedert, der alte Wachturm steht bis heute und beherbergt das schönste Zimmer im Haus, die sogenannte Torretta. Später wurde die Villa zum Wohnsitz des österreichischen Generals De Winckels, der dem Haus bis heute seinen Namen gibt und die Anlage restaurieren ließ. Im 20. Jahrhundert hat der Architekt Guido Pigozzi das Gebäude statisch verstärkt. Lange Zeit stand die Villa leer und drohte zu verfallen, bis die drei Brüder Ottavio, Massimo und Roberto Merzari sie ab 1990 wieder aufgebaut haben, 1992 haben sie hier Hotel und Restaurant eröffnet. Heute zählt die Villa zu den geschützten Ville Venete und trägt die Silberne Krone als Auszeichnung für historische Residenzen, dafür muss sie jedes Jahr 25 Qualitätskontrollen bestehen. Im hauseigenen Weinkeller, der Cantina del Generale, liegt bis heute eine große Auswahl italienischer und internationaler Weine, kein Wunder, dass wir abends so gut versorgt waren.
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  • Verona

    June 16 in Italy ⋅ ☁️ 28 °C

    Nach einem leckeren Frühstück und ein paar Stunden erfolgreichem Workshop sind wir gegen Mittag nach Verona gefahren. Dort haben wir uns erst mal mit ein paar Leckereien versorgt, Brettljause mit Schinken und Käse, und haben dann die Stadt erkundet. Wir waren an der Arena, am Fluss Etsch mit der alten Ponte Pietra, auf der Piazza delle Erbe und haben uns noch einen Spritz gegönnt.

    Die Arena von Verona wurde um das Jahr 30 nach Christus von den Römern gebaut und ist nach dem Kolosseum in Rom und der Arena von Capua das drittgrößte erhaltene Amphitheater der Antike. Ursprünglich passten hier bis zu 30.000 Zuschauer rein, heute sind es bei den Opernfestspielen rund 20.000. Seit 1913 finden dort jeden Sommer Opern unter freiem Himmel statt, eröffnet wurde die Tradition mit Verdis Aida zu dessen 100. Geburtstag. Zusammen mit der Altstadt steht die Arena seit dem Jahr 2000 auf der UNESCO-Welterbeliste. Verona ist außerdem weltberühmt als Schauplatz von Shakespeares Romeo und Julia.
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  • Dom von Verona

    June 16 in Italy ⋅ ☁️ 28 °C

    Beim Dom von Verona hatten wir uns wieder getroffen und sind eine ganze Weile geblieben, es gibt einfach viel zu sehen. Am Eingang stehen die alten Wächterfiguren vom Hauptportal, ein Engel und ein steinerner Greif, die schon seit dem 12. Jahrhundert dort wachen. Drinnen hat mich vor allem das goldene Altarbild beeindruckt, ein Werk von Tizian, das die Himmelfahrt Marias zeigt und als eines der bedeutendsten Gemälde der Stadt gilt. Genauso schön sind die goldene Orgel und der schwarz-weiß karierte Marmorboden im Mittelschiff, dazu die vielen Seitenkapellen mit ihren Fresken und Kreuzigungsdarstellungen.

    Der Dom Santa Maria Matricolare wurde 1187 geweiht, stand aber schon im 8. Jahrhundert als kleinere Kirche hier, davor sogar eine spätantike Basilika. Er vereint romanische und gotische Stilelemente, gut zu erkennen an der typisch Veroneser Streifenfassade aus rotem und weißem Marmor aus den umliegenden Steinbrüchen. Der schlanke weiße Glockenturm wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts fertiggestellt. Zusammen mit der gesamten Altstadt gehört der Dom seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
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  • San Dionigi

    June 16 in Italy ⋅ ☁️ 28 °C

    Wir sind dann in Verona geblieben und zu einem der wenigen Winzer im Stadtgebiet gefahren, San Dionigi, für eine Weinprobe. Begrüßt hat uns gleich der Hofhund. Bei einer kleinen Führung haben wir erst die Weinberge gesehen und dann den Keller, dort sind mir die grünen Betontanks aufgefallen, in denen ein Teil der Weine reift, eine Methode, die hier in der Region gerade wieder im Trend ist, weil Beton die Temperatur im Wein ganz natürlich ausgleicht, ähnlich wie früher die Tonamphoren. Am Ende der Probe haben wir dann alle richtig groß eingekauft.

    San Dionigi liegt oberhalb von Parona di Valpolicella, einem Ortsteil von Verona, und ist damit eines der wenigen Weingüter direkt auf Stadtgebiet. Gekauft hat den Hof 1968 der Großvater der heutigen Besitzerin, damals nur als Traubenlieferant für andere Kellereien. Die eigentliche Wende kam, als Tochter Maria Vittoria Valle, von Beruf Anwältin, gemeinsam mit ihrem Mann Mario Gugole den Bürojob hinwarf und sich autodidaktisch dem Weinbau verschrieb. Heute führt die Familie den Betrieb gemeinsam mit den Kindern Elettra und Umberto. Auf rund 7 Hektar wachsen vor allem autochthone Rebsorten wie Corvina, Corvinone, Rondinella und Oseleta, dazu zwei Hektar Olivenhaine. Seit 2020 ist der Betrieb biozertifiziert, das Olivenöl wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem vom Gambero Rosso und von Slow Food. Der erste eigene Weinjahrgang, ein Weißwein namens Prea, stammt von 2021, die eigene Kellerei dafür haben sie erst ab 2022 aufgebaut.
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  • Cà dei Conti

    June 17 in Italy ⋅ ☀️ 30 °C

    Heute Morgen gab es erst Frühstück. Danach noch eine Stunde Workshop. Mein Team ist dann auf einen Ausflug nach Padua gefahren. Ich hatte den ganzen Tag Calls. Ich bin im Hof sitzen geblieben. Zum Mittag gab es bei mir Ragout von Ente, auch das war genial mit einem Gläschen Wein.

    Um halb sechs sind wir zum Weingut Cà dei Conti gefahren. Das liegt in Tregnago. Das Weingut gehört der Familie Rancan. Gegründet wurde es 2006 von den Geschwistern Renzo und Loredana Rancan. Die Familie bewirtschaftet das Land in Tregnago schon seit Generationen. Früher haben sie ihre Trauben an eine Genossenschaft verkauft. Dann hat Renzo beschlossen den Wein selbst herzustellen. 2009 kamen noch ein Önologe und ein erfahrener Winzer dazu. Der erste eigene Jahrgang kam 2010 auf den Markt.

    Der Besitzer hat außerdem eine Modefirma. Dort stellt er Pilotkollektionen für verschiedene Marken her. Mit dem Geld davon leistet er sich nebenbei das Weingut. Ein paar Angestellte haben für uns eine Weinverkostung gemacht direkt Mitten zwischen den Kleiderständern und hunderten von Pullovern und Blusen. Das war anders als gedacht aber gut.

    Danach sind wir mit dem Auto die Weinberge hoch in die Berge gefahren. Die Aussicht von oben war schön. Der Weinverantwortliche hat uns alles erklärt. Allerdings nur auf Italienisch. Aber wir hatten genug Italienisch-sprechende zum Übersetzten dabei.

    Abends war dann das Highlight der Woche. In der Villa wurde alles schon vorbereitet. Die Tische waren gedeckt mit unterschiedlichen Gläsern. Dazu gab es ein schönes Menü und natürlich Wein. Renzo war an diesem Abend auch da, zusammen mit seiner Frau. Sein ganzes Team hat mitgefeiert. Das gehört hier anscheinend einfach dazu. Zum Schluss gab es noch seinen besonderen Wein. Sehr aufwendig hergestellt mit fast 19 Prozent Alkohol. Sehr kräftig. Muss man mögen. Ein schöner Abschluss für den Mittwoch.
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  • Venedig von dem Wassertaxi

    June 18 in Italy ⋅ ☀️ 23 °C

    Heute Morgen ging es früh los. Ich bin um fünf Uhr losgefahren. Ich wollte Venedig sehen, aber ohne die ganzen Touristen. Die Fahrt dauerte etwa eine Stunde. Ich konnte problemlos parken. Auf das Wassertaxis musste ich leider etwas warten . Aber dann direkt bis zum Markusplatz. Die Fahrt war richtig schön.

    Losgefahren bin ich bei der modernen weißen Brücke nahe dem Bahnhof. Sie sieht aus wie ein Fischskelett und heißt Ponte della Costituzione. Sie wurde 2008 gebaut und verbindet den Bahnhof mit dem Busbahnhof Piazzale Roma. Von dort ging die Fahrt durch ruhige kleine Kanäle. Ich kam an alten Backsteinbrücken vorbei und an bunten Häusern. Die Stadt war morgens noch fast leer.

    Dann kam eine große Kirche mit Kuppel in Sicht. Das war die Chiesa del Redentore auf der Insel Giudecca. Der berühmte Baumeister Palladio hat sie im 16. Jahrhundert gebaut. Die Venezianer bauten sie als Dank, nachdem eine schwere Pestwelle vorbei war.

    Kurz danach kam noch eine Kirche mit Kuppel, viel größer diesmal. Das war Santa Maria della Salute. Auch sie wurde nach einer Pest gebaut, im 17. Jahrhundert. Sie steht direkt am Eingang zum Canal Grande und ist eines der bekanntesten Wahrzeichen von Venedig.

    Auf der anderen Seite sah ich die Insel San Giorgio Maggiore mit ihrem eigenen Glockenturm. Davor lagen viele Boote mit hohen Masten.

    Am Ende kam dann der Markusplatz in Sicht. Ich sah den Campanile, den großen Glockenturm, und den Dogenpalast direkt daneben. Davor lagen schon die ersten Gondeln am Ufer.

    Venedig liegt in einer Lagune im Nordosten Italiens. Die historische Altstadt besteht aus über 100 kleinen Inseln. Sie sind durch etwa 400 Brücken und rund 150 Kanäle miteinander verbunden. Früher lebten hier über 150.000 Menschen, heute sind es im historischen Zentrum nur noch knapp 50.000. Seit 1987 gehört Venedig mit seiner Lagune zum UNESCO-Weltkulturerbe.
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  • Venedig zu Fuß

    June 18 in Italy ⋅ ☀️ 24 °C

    Vom Markusplatz bin ich dann zu Fuß zurück zum Parkhaus gelaufen. Das hat gut anderthalb Stunden gedauert. Der Weg ging durch enge Gassen und über viele kleine und große Brücken von Venedig. Es war ein tolles Erlebnis mit einer richtig schönen Stimmung am frühen Morgen.

    Losgegangen bin ich direkt am Dogenpalast. Die alten Säulen mit den geschnitzten Kapitellen stehen schon seit dem Mittelalter dort. Davor steht das Reiterstandbild von Vittorio Emanuele II, mit der Sonne genau dahinter ein schönes Bild. Der Markusplatz selbst war noch fast komplett leer. Nur der Glockenturm, der Campanile, und die Fassade des Markusdoms mit den goldenen Mosaiken standen ruhig in der Morgensonne. Auch die Uhrenturm mit der astronomischen Uhr und den zwei Mohren oben drauf habe ich fotografiert.

    Dann ging es durch die schmalen Gassen weiter, alles noch menschenleer. Tauben saßen noch ungestört in einer dunklen Gasse, bevor die ersten Touristen kamen.

    Nach einer Weile habe ich die Rialtobrücke erreicht. Sie ist mit 48 Metern Länge die berühmteste Brücke der Stadt. Die heutige Steinbrücke wurde 1591 fertiggestellt. Davor gab es nur Holzbrücken an dieser Stelle, die immer wieder eingestürzt oder abgebrannt sind. Über 250 Jahre lang war sie die einzige Brücke über den Canal Grande. Heute stehen 24 kleine Läden auf der Brücke. Der Name Rialto kommt von Rivo Alto, das heißt hohes Ufer, weil das hier der höchste Punkt der Stadt ist.

    Von der Brücke aus hatte ich einen schönen Blick auf den Canal Grande in beide Richtungen, mit den alten Palazzi am Ufer und den ersten Vaporetti des Tages. Danach ging es weiter durch die Gassen, vorbei an einem alten Türklopfer aus Bronze an einer Holztür, ein typisches Detail in Venedig. Am Ende kamen noch ein paar schöne Gondel-Stationen am Canal Grande.

    Je weiter ich kam, desto voller wurde es. Immer mehr Touristen kamen in die Stadt rein und es wurde spürbar heißer. Trotzdem war es ein wirklich schöner Spaziergang durch eine Stadt, die ich morgens fast für mich allein hatte.
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  • Görz

    June 18 in Italy ⋅ ☁️ 30 °C

    Von Venedig bin ich weitergefahren Richtung Slowenien. Kurz vor der Grenze habe ich einen Stopp eingelegt. Das Städtchen heißt auf Deutsch Görz, auf Italienisch Gorizia. Ich bin reingefahren und habe mir einen schönen Espresso am Marktplatz gegönnt.

    Danach habe ich kurz die Kirche besucht. Es ist die Chiesa di Sant'Ignazio an der Piazza della Vittoria. Die Jesuiten haben sie zwischen 1654 und 1767 gebaut. Auffällig sind die zwei Türme mit den Zwiebelhauben, das sieht man sonst eher in Mitteleuropa als in Italien. Innen ist viel Marmor und ein barocker Hochaltar zu sehen.

    Dann habe ich die Drohne fliegen lassen für eine Übersicht über die Stadt. Man sieht gut die Burg auf dem Hügel, das Castello di Gorizia. Sie stammt aus dem 11. Jahrhundert und war der Sitz der Grafen von Görz. Im Jahr 1500 starb der letzte Graf ohne Erben. Danach ging die Burg an die Habsburger über und blieb bis 1918 österreichisch.

    Ein wirklich nettes Städtchen für eine Pause. Ruhig, aber mit viel Geschichte.

    Görz hat eine bewegte Vergangenheit. Bis zum Ersten Weltkrieg gehörte die Stadt zu Österreich-Ungarn. Nach dem Krieg fiel sie an Italien und wurde zu Gorizia. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt geteilt. Der östliche Teil ging an Jugoslawien, heute Slowenien. Dort entstand ab 1948 eine komplett neue Stadt auf dem Reißbrett, daher der Name Nova Gorica, auf Deutsch Neu Görz. Mitten durch die Stadt verlief jahrzehntelang eine richtige Grenzmauer. Erst 2004, mit dem EU-Beitritt Sloweniens, wurde sie abgerissen. Heute erinnert nur noch eine Markierung am Boden auf dem früheren Grenzplatz an die alte Teilung. 2025 waren Görz und Nova Gorica gemeinsam Europäische Kulturhauptstadt, die erste länderübergreifende in der Geschichte.
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  • Brcko District

    June 18 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ☀️ 28 °C

    Dann stand eine lange Fahrt an. Es ging durch Slowenien, vorbei an Ljubljana, über die Grenze nach Kroatien, vorbei an Zagreb und dann immer weiter Richtung Osten. Ich wollte unbedingt noch in den Brčko District. Auf meiner Reise-App zählt der Distrikt nämlich als eigenes Land, ein eigener Punkt zum Sammeln sozusagen.

    An der Grenze musste ich aus der EU raus. Mein Kofferraum war noch voll mit Wein aus Italien. Kontrolliert wurde ich aber gar nicht, ich konnte einfach durchfahren.

    Das kleine Städtchen war ganz auf das WM-Spiel von Bosnien-Herzegowina gegen die Schweiz eingestellt. Überall gab es Vorbereitungen für ein Public Viewing und die Leute trugen schon ihre Trikots. Essen zu finden war gar nicht so einfach. Am Ende habe ich aber direkt an der Save, auf einem Boot, noch ein leckeres Abendessen bekommen. Danach habe ich noch ein bisschen die Drohne fliegen lassen und die Stimmung der Stadt eingefangen.

    Der Brčko District ist eine echte Besonderheit in Bosnien und Herzegowina. Das Land besteht eigentlich aus zwei großen Teilen, der Föderation Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska. Brčko gehört aber zu keinem von beiden richtig. Nach dem Bosnienkrieg konnten sich die beiden Seiten nicht einigen, wem die Stadt gehören soll. Ein internationales Schiedsgericht hat das Gebiet 1999 deshalb zu einer neutralen Zone erklärt. Offiziell gegründet wurde der Distrikt dann am 8. März 2000. Er gehört formal beiden Landesteilen gemeinsam, verwaltet sich aber praktisch komplett selbst, mit eigener Regierung, eigener Polizei und eigenen Steuern. Etwa 83.000 Menschen leben hier, auf einer Fläche von knapp 500 Quadratkilometern. Die Stadt Brčko liegt direkt an der Save, dem Grenzfluss zu Kroatien. Wegen seiner Lage in einem schmalen Korridor war das Gebiet im Krieg besonders heftig umkämpft.
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  • Fahrt wieder nach Westen …

    June 19 in Croatia ⋅ ☀️ 27 °C

    Nachdem ich ein Mittagessen am Freitag in Slowenien reserviert hatte, ging es am Abend schon wieder von Brčko zurück nach Zagreb. Dort hab ich mir ein Hotel genommen. Leider hab ich viel zu lange geschlafen. Von der Stadt hab ich darum kaum was gesehen. Ich bin nur kurz durch die Altstadt durchgefahren.

    Dann ging es weiter, raus aus Kroatien, rein nach Slowenien. Irgendwo hab ich wohl die falsche Abzweigung genommen. Auf einmal war ich auf schmalen einspurigen Sträßchen unterwegs. Mitten durch die Berge, mitten durch dichte Wälder.

    Aber ehrlich, das war herrlich. Ein wirklich schönes Land. Alles sehr gepflegt, sogar am Ende der Welt, mitten im Nirgendwo. Die Straßen waren top in Schuss. Ich war echt überrascht.

    Die Strecke war eigentlich gar nicht so weit. Aber sie hat ewig gedauert. Durchschnittstempo irgendwo zwischen fünfzig und sechzig, immer durch die Berge. Am Ende bin ich trotzdem pünktlich zu meinem Mittagessen angekommen.

    Slowenien ist eines der waldreichsten Länder Europas. Über sechzig Prozent der Landesfläche sind bewaldet. Nur Schweden und Finnland haben in Europa einen noch höheren Waldanteil. Kein Wunder also dass ich an diesem Tag kaum aus dem Wald rausgekommen bin.
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  • Hiša Franko

    June 19 in Slovenia ⋅ ☀️ 28 °C

    Pünktlich angekommen. Auf der Terrasse mit Wiese und Bergblick hab ich erstmal ganz entspannt einen Aperitif genossen. Im Hiša Franko. Die hausgemachte Cola war der Hammer.

    Seit der Chef's Table Folge über die Chefin Ana auf Netflix stand das Restaurant irgendwie auf meiner Liste. Auch wenn ich sowas eigentlich gar nicht habe, so eine Liste.

    Das Menü heißt Euphorest, ein Wortspiel aus Euphorie und Wald. Entworfen hat es Ana Roš zusammen mit Yvonne Meler Simon. Im Menüheft schreibt Ana dazu, sobald sie den Wald betrete verändere sich etwas in ihr. Der Druck falle ab, der Atem werde tiefer, die Sinne kommen zum Leben. Genau dort würden ihre Ideen entstehen.

    Los ging's mit Garden Leaves, Blättern direkt aus dem Garten. Danach Sellerie mit Kürbiskernen und Kohlrabi mit Meerrettich und Wildkräutern. Dann zwei Klassiker des Hauses, Corn Beignet und Potato and Hay, eine Kartoffel im Heu gebacken. Weiter ging's mit Spring Harvest, dann Spring Butterflies, Tagliolini mit Steinfrüchten und ein Orzotto mit Früchten und Pflanzen. Als Hauptgänge gab's Forelle, charmant Trout the Queen genannt, und Reh. Zum Ausklang kamen Braune Bohnen mit Cola und Bienenwachs mit Mohn, dann Spring Fruit und zum Schluss ein Spicy Bite.

    Zu trinken hab ich's einfach bei Wasser belassen. Bei dem Essen hat's das auch gar nicht gebraucht.

    Das Essen war einfach nur genial. Ich weiß nicht wann ich zuletzt so gut und gleichzeitig so unkompliziert gegessen habe. Ich würde es sogar vor meinem geliebten Essigbrätlein einordnen. Beide verfolgen ja ein ähnliches Konzept.

    Das Hiša Franko liegt direkt bei Kobarid im Soča Tal nahe der italienischen Grenze. Das Gebäude geht auf eine alte Gaststätte aus dem Jahr 1861 zurück. Der Legende nach wurde hier sogar Ernest Hemingway behandelt als das Haus im Ersten Weltkrieg ein Lazarett war.

    Die Chefin Ana Roš war früher Skirennfahrerin im jugoslawischen Nationalteam. Eigentlich wollte sie Diplomatin werden und hat dafür in Triest studiert. Dann hat sie sich in Valter Kramar verliebt. Seine Eltern führten damals das Gasthaus Hiša Franko. Als der Koch ging hat sie 2003 kurzerhand selbst die Küche übernommen. Eine Kochausbildung hatte sie nie. Gelernt hat sie alles von ihrer Mutter und Großmutter und einfach durch Machen. Ihr Mann Valter kümmert sich bis heute um den Weinkeller.

    Heute beschäftigt das Restaurant 35 Leute aus 15 Nationen. Es gibt 15 Tische für 45 Gedecke. Geöffnet ist nur von Mittwoch bis Sonntag.

    Seit 2017 steht Hiša Franko auf der Liste der World's 50 Best Restaurants. Im selben Jahr wurde Ana Roš zur besten Köchin der Welt gekürt. 2020 gab's beim allerersten Guide Michelin für Slowenien gleich zwei Sterne. Im September 2023 kam der dritte Stern dazu, als erstes Restaurant überhaupt in Slowenien. Am Eingang hab ich gesehen, die drei Sterne gelten auch für 2026 noch.
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  • Vršič-Pass

    June 19 in Slovenia ⋅ ⛅ 21 °C

    Jetzt musste ich nur noch zurück. Das Navi hatte mir die Route über den Vršič-Pass rausgesucht. Bin mit dem Auto hochgeballert. Die Gegend war einfach nur schön. Auf der einen Seite die Berge, direkt daneben der türkisblaue Fluss. Eines der schönsten Dinge, die ich in den Bergen je gesehen hab.

    Auf der Südseite ging's in durchnummerierten fünfundzwanzig Kehren nach oben. Oben war dann kurz Stau, eine ganze Schafherde stand mitten auf der Straße. Aufgehalten hat mich das aber nicht wirklich. Dann auf der Nordseite wieder runter, auch da wieder fünfundzwanzig Kehren. Kurz danach war ich schon in Österreich, bei Villach auf der Autobahn. Dann ging's nach Hause.

    Der Vršič liegt im Triglav Nationalpark und ist mit 1611 Metern der höchste Straßenpass Sloweniens. Er verbindet Kranjska Gora im Norden mit dem Soča Tal im Süden. Insgesamt hat die Strecke 50 Serpentinen, 26 auf der Südseite von Trenta aus, 24 auf der Nordseite Richtung Kranjska Gora.

    Gebaut wurde die Straße im Ersten Weltkrieg von russischen Kriegsgefangenen, als Nachschubweg für die Isonzofront. Unten an der Nordseite liegt noch original Kopfsteinpflaster aus der Bauzeit von 1915. Oberhalb der Straße steht die Russische Kapelle. Die Überlebenden bauten sie 1916 zum Gedenken an ihre Kameraden, die bei einem Lawinenunglück während der Bauarbeiten ums Leben kamen.

    Im Winter ist der Pass übrigens komplett gesperrt, meist von Ende Oktober bis Ende Mai.
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  • Trip end
    June 19, 2026