Colombia
Quebrada La Cueca

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5 travelers at this place:

  • Day108

    Seit letzter Woche wieder glücklich

    September 11 in Colombia ⋅ ⛅ 24 °C

    Dieses Spanisch. Dieses Rumgekrebse in einer neuen Sprache. Andauernd in Freundes- oder Familienkreisen unserer mega lieben Kolumbianischen Familie, wo alle Spanisch reden, inklusive Micha, und ich komm nicht hinterher. Grauenhaft. Ich habe mich schon lange nicht mehr so unwohl und klein gefühlt.

    Micha saugt Sprachenkenntnisse und -wörter auf wie ein Schwamm, ist bereits viel besser als die in unserer Klasse, die jahrelang inner Schule Spanisch hatten und dazu 4 Wochen vor uns mit dem Spanisch-Intensivkurs angefangen haben. Wir sind mit denen in der gleichen Klasse, ich könnte also stolz auf mich sein, dass ich es ohne diese Kenntnisse in diese Klasse geschafft habe, und nicht nach 2 Tagen ausgesiebt wurde.

    Stattdessen war ich unglücklich, und hab jeeeden Tag mit dem Gedanken gespielt den Sprachkurs abzubrechen und stattdessen durch Kolumbien zu reisen. Hätten wir die 4 Wochen Sprachkurs nicht schon teuer bezahlt hätte ich das auch gemacht. Aber so war die Barriere groß. Und zusätzlich war ich schon beim Gedanken daran neidisch, dass Micha dann Spanisch kann und ich dumme Nudel den Kurs angebrochen hab und weggerannt bin. Also hab ich Tag für Tag weiter gemacht, wirklich oft den Tränen nahe, bis letztem Mittwoch. Da haben Micha und ich nach dem Unterricht noch in der Klasse weitergelernt bis der Kochkurs um 15Uhr anfing, um irgendwas typisch fettig kolumbianisches zu kochen. Das war einen Tag nach dem kolumbianischen Geburtstag von Marias Cousin, wo sie uns mit hin genommen hat, mega lieb, aber so gut wie alle konnten nur Spanisch sprechen. Micha hatte sich mit irgend nem Cousin unterhalten und ich war sooo still - bis ne Cousine mit ihrem Mann kam, die in Miami wohnen und folglich Englisch konnten. Man. Dieses Gefühl. Mit keinem mag man reden, weil man mit keinem reden KANN! 😭

    Ich weiß gar nicht was das Fass an diesem Mittwoch zum überlaufen gebracht hat. Ich hab auf jeden Fall mega geweint. Dass Micha viel besser ist als ich. Dass ich mich so unwohl fühle. Mir so dumm und schüchtern in der Fremdsprache vorkomme. Ich jeden Morgen hoffe, dass die Eltern von Maria, die über uns wohnen, mir nicht begegnen, denn gerade so kurze rübergeworfene Konversationen sind sau schwierig und ich versteh nicht was die sagen und kann dann nichts erwidern außer lächeln. 😫 Micha hat mich ganz lieb getröstet. Was messe ich mich auch mit einem, dessen Stärken Sprachen sind? Was messe ich mich überhaupt mit meinem Partner? Und jetzt sind Micha und ich wieder ein Team, in dem der eine ganz toll Spanisch sprechen kann und der andere Lächeln und Winken perfektioniert hat 😅

    Und dann war leider 15Uhr, der Kochkurs fing an und ich hatte n knallrotes Gesicht mit verheulten Augen... 🙈 Aber der Kochkurs war ganz schön, wir waren zusammen mit einem Schweizer und Lily, der kolumbianischen Kochlehrerin, und haben die ganze Zeit Spanisch geredet. Und seitdem Loslassen und Weinen hat sich irgendwas gelöst. Ich gehe jetzt gerne zur Schule und die Angst vorm Sprechen, obwohl ichs noch nicht richtig kann, ist weg. Ganz komisch.

    ...Aber ganz erleichternd und schön!
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  • Day115

    Die offenen Adern Lateinamerikas

    September 18 in Colombia ⋅ 🌧 21 °C

    Krasser Titel, krasse Geschichte - und ich hatte keine Ahnung.

    Ich lese gerade zwei Bücher über Südamerika, das eine ist eine unterhaltsame Zusammenfassung eines Journalisten verschiedener Reiseerlebnisse („Reise durch einen einsamen Kontinent“), das andere ist deutlicher krasser und handelt von der Geschichte Südamerikas. Über die spanische Inquisition und Ausbeutung des Kontinents. Es trägt den schon krassen Titel „Die offenen Adern Südamerikas.“ Ich lese die erste Stunde und schon während dieser kurzen Zeit muss ich das Buch andauernd weglegen, fassungslos, muss Micha antippen der gerade mit Kopfhörern Netflixt, und muss reden. Ich habe das überhaupt nicht gewusst. Und bin erschüttert über beides, über die Geschichte Südamerikas und mein Unwissen.

    Südamerika wurde im 16. Jahrhundert von Spanien erobert (macht Sinn, deswegen sprechen auch alle Spanisch - bis auf Brasilien, das war ne portugiesische Kolonie) - und bis auf die Knochen ausgenommen. Der Kontinent war reich an Bodenschätzen wie Gold und Silber. Anstatt die Ressourcen in die neue spanische Kolonie zu stecken wurden alle Bodenschätze abgebaut und nach Spanien geschifft. Als billige Arbeitskräfte dienten die Einheimischen. Die Indigenen mussten bis zu ihrem Tod durch Erschöpfung unter erbärmlichen Zuständen Silber und Gold aus den Minen abbauen. Dabei hat man sich die Wirkung der Kokablätter zu nutze gemacht - das Kauen auf ihnen unterdrückt Hunger und Müdigkeit - sodass die versklavten Indigenen 36 Stunden ohne Pause durchknechten konnten. Die Indigenen wurden gezwungen den christlichen Glauben anzunehmen, ansonsten hat man ihnen ihren gesamten Besitz genommen und ihre Frauen verprostituiert. Die Einheimischen sind in riesigen Wellen gestorben, zum einen durch die aus Europa eingeschleppten Krankheiten, gegen die sie keine Antikörper hatten, und zum anderen, da sie sich durch die spanische Krone zu Tode arbeiten mussten oder sich selbst umbrachten aufgrund der elenden Lebenszustände. In 50 Jahren hat Spanien 3x so viel Gold und Silber aus Südamerika entnommen und nach Europa gebracht, wie es in ganz Europa an natürlichen Ressourcen gab. Und mit diesem Geld, dem südamerikanischen, den Aufschwung Europas finanziert, vielleicht sogar überhaupt erst möglich gemacht. Spanien selbst hat gar nicht so sehr von dem Geld profitiert (es gab ein paar wenige, krasse Lebemänner), über 90% des Gold und Silbers war jeweils bereits vor Ankunft in Spanien in anderen Taschen, so zB in denen der Fuggers.

    Unsere Lehrerin hatte vor 2 Wochen mal sowas in die Richtung gesagt, dass Europa auf dem Rücken der Südamerikaner aufgestiegen ist, und Micha und ich hatten uns voll angegriffen gefühlt. Wir beide fandens ne freche Behauptung, haben allerdings nichts gesagt (wahrscheinlich weil es die erste Woche war und unser Spanisch für so ein Thema bei weitem nicht ausgereicht hat).
    Und jetzt lese ich dieses Buch.
    Gott, wir kommen hier hin WIE KRÖSUS und haben KEINE AHNUNG! Unsere mega belesene Lehrerin würde so gerne reisen, wenn auch nur durch ihr eigenes Land, aber das Geld reicht nicht, und wir sitzen auf unseren Euros und machen fett ein Jahr Pause zum Reisen. Durch Südamerika. Ahnungslos. Zum Glück haben wir damals unserer Lehrerin nicht widersprochen! Ich müsste mich in Grund und Boden schämen.

    Jetzt könnte man meinen, das Buch würde die Sachlage zu krass und einseitig darstellen. Nur wenige Tage später las ich in dem soften Reiseberichtbuch allerdings genau das gleiche:
    „Untersuchungen gehen davon aus, dass während der spanischen Eroberung des Kontinents zwischen 80 bis 100 Millionen Ureinwohner umgekommen sind. [Zum Vergleich: 2. Weltkrieg 55 Millionen] Umgemäht von den mitgebrachten Feuerwaffen, hingerafft von den eingeschleppten Krankheiten, totgeschunden in Silberminen, verbrannt, verhungert als Opfer der Inquisition, die hier - von 1570 bis 1820 - keinen verschonte, der nicht jenen aus dem fernen Europa importierten (lieben) Gott anbeten wollte.“

    Und jetzt kommt man hier hin, und die Ländern sind arm, einige haben sich berappelt, aber viele ringen noch immer. Wie ungerecht. Ein Land wie Bolivien, früher so reich, dann mit am stärksten ausgenommen, und heute eins der ärmsten Länder des Kontinents. Und wir Europäer kommen hier hin und denken „oh klasse, ist ja alles viel biller als Zuhause!“ Ich bin ganz dankbar, dass der libanesische Kumpel von Micha, Jad, mir von den Reisevorbereitungen seiner Freundin erzählt hat (mega belesen, mega smart, studiert in Harvard). Sie würde sich vorher immer 10 Bücher über das Land besorgen, in das sie reisen wird, und sich intensivst einlesen. Fand ich hammer. 10 Bücher pro Land fand ich zu krass bei den 17 Ländern auf unserer Liste, aber 2 pro Land, dachte ich, schaff ich. Und ich liebe es! Das ist so schön mehr über das Land zu wissen, als die 5 Zeilen ausm Reiseführer! Somit hat Reisen etwas extrem bereicherndes, man hat nicht nur ganz viele Eindrücke gewonnen, sondern auch ganz viel Hintergrundwissen, mit dem man das Gesehene und Erlebte in den richtigen Kontext setzen kann.
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Quebrada La Cueca

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