• Landcruisers Horizon
  • Landcruisers Horizon

Ausfahrt Amerika

~ 150.000km
Halifax (Kanada) bis Ushuaia (Argentinien) und wieder zurück ... war der Plan
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  • Paso Agua Negra (4761m)

    9.–10. März in Argentinien ⋅ ☀️ -1 °C

    Wir schrauben uns immer höher und immer höher hinauf.
    Die Landschaft ... . Die Berge ... . Die Farben ... .
    Der Himmel suggeriert Wärme, doch es sind nur 6°C auf der Passhöhe. Die Luft ist trocken. Der Wind weht den Staub, den Grobi aufwirbelt, an uns vorbei. Unwirklich ... . Unwirtlich ... . Lebensfeindlich ... .
    Und doch unglaublich schön!
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  • Pazifikküste

    10.–13. März in Chile ⋅ ☀️ 22 °C

    Wir sind unschlüssig, was wir als nächstes machen sollen ... schnell noch nordwärts bis San Pedro de Atacama, dann nach Süden bis wir den Paso Francesco erreichen und von dort nach Argentinien? An der Küste den Strand genießen? In die Atacama fahren?
    Wir erkunden die Küstenlinie, die viel Felsen und wenig Strand bietet. Die Menschen leben vom Algensammeln und trocknen. Sie winken uns zu, sie wirken zufrieden-fröhlich, aber die Armut bedrückt uns.
    Wir besuchen die Atacama in Küstennähe (Parque Nacional Desierto Florido), drehen aber wieder um, denn die zarten, braunen Stängelchen der letzten Wüstenblüte haben eine deprimierende Wirkung auf uns.
    Das Wetter ist bemerkenswert: Morgens liegt eine dicke Wolkendecke über dem Küstenstreifen, gegen Mittag klart es auf und wird sengend heiß, aber einen schönen Sonnenuntergang erleben wir nicht, da gegen Abend schon wieder Wolken den Himmel verdunkeln. Nachts ist es kühl-feucht, keine Sterne. Das kleine bisschen Feuchtigkeit in der Luft reicht Kakteen, um zu gedeihen ... andere Pflanzen gibt es nur durch Bewässerung. Südliche Atacama ... . Alles macht einen trostlosen Eindruck auf uns.
    Nördlich von Caldera geht uns wider Erwarten das Wasser aus. Wir fahren zurück in die Stadt, denn ohne Wasser in der Wüste herum zu kurven ist eine nicht so gute Idee.
    Wollen wir überhaupt noch mehr Wüste? Und dann können wir uns entscheiden: Wir fahren auf chilenischer Seite nicht weiter nördlich, sondern lassen uns Zeit für den letzten Andenpass - den Paso San Francisco! Wir kaufen ein für mehrere Tage, tanken, baden ein letztes Mal im Pazifik, winken dem Ozean ein letztes Mal zu und fahren nach Osten.
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  • Geschichte

    13.–14. März in Chile ⋅ ☀️ 25 °C

    Am 5. August 2010 verschüttete ein Bergsturz 33 Minenarbeiter in der Kupfermine San José. Grubenunglücke sind im unwirtlichen Wüstengebiet der westlichen Anden zu der Zeit nichts Ungewöhnliches gewesen, die Arbeit als Minero war gefährlich. Sicherheitsauflagen gab es keine oder sie wurden von den Betreibern der Minen nicht eingehalten, so dass es viele Tote gab. Selten schaffte es ein Unfall in die westlichen Medien. Doch bei diesem Unglück war es anders: Die Angehörigen der verschütteten Arbeiter errichteten ein Camp auf dem Minengelände und verlangten, selbst als nach einer Woche noch kein Lebenszeichen von den Bergmännern vorlag, dass weitere Sondierungsbohrungen unternommen werden sollten. Die aufmerksam gewordene Presse verhinderte ein Vertuschen und so wurde weiter gesucht, bis 17 Tage nach dem Bergsturz, der Bohrkopf einen Zettel ans Tageslicht brachte: "Estamos bien en el refugio los 33" (Uns 33 geht es gut im Schutzraum). Nach weiteren 52 Tagen konnten dann endlich alle Männer mit Hilfe einer Rettungskapsel zurück ans Tageslicht geholt werden. Im Zuge dieser Geschehnisse wurden die Sicherheitsbestimmungen für die Tausenden von Bergwerken verschärft: 2010 starben 45 Arbeiter bei Grubenunglücken, 2025 nur noch 6.

    Wir besuchen die stillgelegte Mine in San José: Vor Ort öffnet einer der Überlebenden die Schranke zur Aussichtsplattform über das Gelände. Die Geschehnisse werden auf Tafeln beschrieben, das kleine Museum ist geschlossen. Wie haben es die Männer geschafft, so lange unter Tage auszuhalten? Was hat ihnen Mut gemacht? Was hat die Angst und die Verzweiflung im Zaum gehalten?
    33 Männer - 33 Flaggen - für jeden Bergmann eine - wehen im Wind. Ich hätte gerne dem Überlebenden an der Schranke meine Fragen gestellt, doch die Sprachbarriere ist zu groß.
    Wir fahren weiter Richtung Paso San Francisco - überall sehen wir Minen und Bergbaufahrzeuge. Die Nacht verbringen wir am Fuß einer verlassenen Mine.
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  • Paso San Francisco (4727m)

    14.–15. März in Argentinien ⋅ ☀️ 8 °C

    Wir befahren die Südroute durch die Paipoteschlucht hinauf auf den Altiplano. Überall sehen wir die Folgen einer Schlammlawine, die sich wenige Wochen vor unserem Besuch durch das Tal gewälzt haben muss - Baufahrzeuge räumen noch Allerorten die Straße vom Schlamm. Und obwohl auch dieses Tal nicht gerade durch eine anheimelnde Atmosphäre glänzt, wohnen auch hier Menschen.
    Oben auf der Hochebene befindet sich der Nationalpark Nevados de Tres Cruces: Umgeben von Fünf- und Sechstausendern glänzt die Laguna Santa Rosa salzumkrustet im Sonnenlicht, Vicuñas stehen am Ufer, im seichten Wasser filtrieren drei unterschiedliche Flamingoarten auf Nahrungssuche das Wasser.
    Wir wollen ein paar Tage bleiben, doch wir haben uns nicht genug Zeit zur Anpassung an die Höhe gelassen. In der Nacht auf fast 4000m Höhe bekommen wir beide Kopfschmerzen und mir wird ziemlich übel. Die Höhenkrankheit bekämpft man am besten, in dem man zügig die Höhe verlässt. Also sind wir schon einen Tag später über den Pass hinweg wieder in Argentinien.
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  • Erinnerung

    16.–18. März in Argentinien ⋅ ☁️ 24 °C

    Als wir im Oktober 2024 von Bolivien kommend über Salta nach Uruguay gefahren sind, haben wir eine besonders schöne Strecke durch kalten Regenwald befahren. Leider kann ich mich nicht daran erinnern - kalter Regenwald? Da war doch trockene Wüste mit schönen Sandsteinformationen ... . Wir beschließen, den Weg - jetzt in umgekehrter Richtung - noch einmal zu nehmen, müssen aber erst einmal zu dieser Straße hinfahren.

    Am Eingang zum Cañon del Indio übernachten wir und wandern am nächsten Morgen in die Schlucht hinein. Dort begegnen wir Manuela und Martin. Nach so vielen einzigartigen Menschen, die wir bisher getroffen haben, wieder ein Paar, mit dem wir uns auf Anhieb gut verstehen. Für die kurze Schluchtenwanderung brauchen wir Stunden, weil wir beim Erzählen stehen bleiben.

    Unser weiterer Weg führt uns nach Londres. Dort stoßen wir für uns überraschend auf eine für den Süden des Kontinents bedeutende Inkastätte: El Shincal de Quimivil. Das riesige Reich der Inka war in 4 "Provinzen" aufgeteilt, El Shincal war ein politisches und kulturelles Zentrum des südlichen Regierungsbereichs. Wie die Inka ihr Reich (von Kolumbien über Ecuador und Peru bis ca. in die Mitte Argentiniens und Chiles) ohne Pferde - also zu Fuß - regieren konnten, bleibt mir ein Rätsel. Ähnlich den Römern, die ihre Vorherrschaft u.a. gegen Karthago, die Parther und germanische Stämme behaupteten, mussten die Inkas gegen die indigene Urbevölkerung Krieg führen, um die Provinzen an ihr Reich angegliedert zu halten. Eine bemerkenswerte Leistung!

    Nach einer Nacht voller Wetterleuchten an den Überresten einer Gauchohütte liegt ein langer Fahrtag vor uns: Erst serpentinenreich durch trockene Kakteenlandschaft aufwärts, dann durch kalten Regenwald ebenfalls kurvenreich wieder abwärts. Einen Stellplatz zum Übernachten verlassen wir fluchtartig wegen der stechenden Insektenlage. Also weiter: Doch wir werden ausgebremst! An einer Polizeistation wird unser Feuerlöscher bemängelt. Erst heißt es, er wäre leer - ich schlage vor, ihn zu benutzen, um zu sehen, dass dem nicht so ist. Dann entdecken die Beamten, dass die Halterung das Haltbarkeitsdatum weggerubbelt hat und behaupten, er wäre abgelaufen. Die Spielchen kennen wir inzwischen und weigern uns zu zahlen. Es dauert zwar eine Zeit, doch schließlich sehen die Männer, dass bei uns nichts zu holen ist und lassen uns ziehen.
    Und dann erreichen wir sie, die Regenwaldstrecke, an die ich mich nicht erinnern konnte: Ach ja! Doch, stimmt, ... damals hat es nicht geregnet.
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  • Das Tafítal

    18.–21. März in Argentinien ⋅ 🌫 18 °C

    Auf etwa 2000m Höhe endet die subtropische Vegetation der Schlucht (siehe: Erinnerung) abrupt und ein weites Bergtal öffnet sich. Mittig liegt ein 10km langer Stausee, umringt wird das Tal von Fünftausendern.
    Der Himmel ist blau, in unserem Rücken sehen wir noch die dunkelgrauen Wolken des Regens im Selva de Yungas.
    Wir kommen nach dem langen Fahrtag spät an und suchen uns einen Platz an einem Zufluss zum Stausee, damit wir uns morgens gut waschen können.
    In der Früh haben wir gerade gefrühstückt und den Tag geplant, da hält ein dunkler Pickup in einer Staubwolke. Luis begrüßt uns mit einem Schwall Spanisch, das uns sehr spanisch vorkommt. "Despacio, por favor" (= Langsam, bitte) scheint genauso wie "no" trotzdem nicht in seinem Wortschatz vorhanden zu sein. Ich versuche zu erklären, dass wir nicht mit ihm mitfahren können, da wir einen Feuerlöscher brauchen. Hat er mich verstanden? Habe ich ihn richtig verstanden? Am Ende steigt Jörg in den Pickup - Einkaufen mit Luis und Feuerlöscher besorgen - während ich alles einpacke und Grobi abfahrbereit mache.
    Als Luis und Jörg etwa 2 Stunden später wieder auftauchen, leider ohne Feuerlöscher, beginnt eine Sightseeingtour a la Luis: Er zeigt uns eine riesige Weide am See - "hier müsst ihr übernachten"; fährt mit uns zum Ablauf des Stausees - "schön, wie das Wasser spritzt,nicht?"; stellt uns seine Frau Viviane ("No, es Bibiane") vor und lässt uns vom selbstgemachten Quittenbrot, das leider seinen Zenit deutlich überschritten hat, kosten. Als wir schon denken, dass wir seinem Wortschwall entkommen können, steigt er wie selbstverständlich auf den Beifahrersitz von Grobi und macht uns deutlich, dass er uns noch dringend seinen Lieblingsplatz im Nachbartal zeigen muss. Wir sind wehrlos ob so viel Freundlichkeit - "hier ist es wie in der Schweiz!" Etwa die Hälfte der Häuser im Tal seien Ferienhäuser, erklärt er - z.T. würde ich sie als kleine Paläste bezeichnen. Die Einkommensschere in Argentinien geht weit auseinander.

    Wir übernachten auf der von Luis empfohlenen Weide und besuchen am nächsten Tag die Attraktion des Tals: 129 Menhire stehen in Mollar, einem indigenen Dorf, auf einem Platz. Die Steine sind aus dem ganzen Tal zusammengetragen worden und vermutlich 2000 Jahre alt. Ihre Bedeutung ist unbekannt.

    Den nächsten Abend treffen wir Manuela und Martin auf "unserer" Wiese. Wir freuen uns sehr, dass sie unserer Wegbeschreibung gefolgt sind. Ihre vorsichtige Frage, ob wir nicht zusammen weiter fahren könnten, beantworten wir ohne Zögern mit: "Ja! Sehr gerne!"
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  • Brandzeichen

    22. März in Argentinien ⋅ ⛅ 23 °C

    Wir verlassen das Tafí-Tal gemeinsam mit Manuela und Martin nordwärts über den Abra del Infiernillo, den Pass der kleinen Hölle. Oben angekommen, sehen wir Rinder, die von Indigenen auf Pferden zusammengetrieben werden, Verkaufstände und jede Menge Menschen, alles Ureinwohner. Wir halten spontan und steigen aus: Was ist hier los? Ein Fest? Eine Viehauktion? So etwas ähnliches wie ein Almabtrieb? Oder geht es doch um Schlachtung? Die Gauchos haben offensichtlich Spaß - es wirkt wie ein Katz-und Mausspiel. Schließlich liegt eines der Rinder mit gefesselten Beinen am Boden - und brüllt vor Schmerz, denn es bekommt ein Brandzeichen aufgedrückt. Infiernillo, kleine Hölle - es gibt nicht nur das Viehparadies im Tal.

    Nachdenklich fahren wir weiter.
    Das Museum, von dessen Besuch ich mir Licht in meinem Verständnis zur Religion um Pachamama versprochen habe, ist zwar schön angelegt, vermittelt aber kein Wissen.
    Dafür zeigen die Ruinen von Quilmes, dass Menschen auch ihrer eigenen Art gegenüber grausam sein können: Um sich gegen die Inka und andere indigene Stämme zu verteidigen, errichtete das Volk der Quilmes im 11. Jahrhundert eine Festung, die etwa 5000 Menschen schützte, bis die spanischen Eroberer im Jahr 1665 ganze Arbeit leisteten und den Stamm ausrottete (Quelle: ReiseKnowHow). Der Film, der im Museum an den Ruinen in Dauerschleife läuft, heroisiert die Quilmes und zeigt, wie gut die Indigenen heute integriert sind. Welche? Die Quilmes?
    Sicher ist nur eines: Eine Biersorte heißt Quilmes.
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  • Rot

    23.–24. März in Argentinien ⋅ ☁️ 15 °C

    Wenn Euch beim Betrachten der Bilder das Gefühl beschleicht, Ähnliches schon einmal gesehen zu haben, so liegt Ihr vollkommen richtig. Im Oktober 2024 sind wir schon einmal durch dieses Tal gefahren, damals von Norden kommend.
    Wir freuen uns ein zweites Mal über die rot leuchtenden Felswände in der Quebrada de las Conchas. Muscheln - so die Übersetzung von "conchas" - sehen wir keine, jedoch unzählige große Kandelaberkakteen. Sterben diese ab, bleibt nach einiger Zeit ein verholztes Gerüst übrig, dass in seiner Struktur Festigkeit bei minimalem Materialaufwand verspricht. Es ist ausgesprochen leicht. Aus diesem Kakteenholz werden nicht nur Lampenschirme und Blumenübertöpfe, sondern auch Türpfosten, Bänke und sogar Dachstühle gebaut. Ein bemerkenswertes Material ... .

    Unseren Übernachtungsplatz finden wir diesmal in Deutschland - Alemania heißt die fast verlassene Siedlung um einen stillgelegten Bahnhof mit zugewachsenen Gleisen herum.
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  • Salta

    25.–27. März in Argentinien ⋅ ☁️ 21 °C

    Wir haben allen Grund zum Feiern: Wir erreichen Salta und haben - Dank Frank Neumann von Neumanns Place - sofort einen Werkstatttermin. Ja, Werkstatttermin, denn unser dicker Blauer fing nach der letzten Offroadstrecke an, ungebührlich aus der Verbindung des Antriebstrangs zum hinteren Differential zu tropfen. Nun könnte man immer Differentialöl nachgießen, aber zum einen ist das keine Dauerlösung und das Nachfüllen kein gesellschaftliches Ereignis. Zum anderen stinkt das Öl ekelerregend. Wir wollen keinen stinkenden Begleiter - und umweltfreundlich ist es auch nicht. Ich habe schon wilde Phantasien, das das Ersatzteil nicht beschafft werden kann, ... ... aber es gibt nicht den Hauch von einem Problem: Innerhalb von 2 Stunden ist Grobi wieder dicht.
    So können wir unbeschwert am folgenden Abend beim Asado dem Rotwein zusprechen und dem ehemaligen Honorarkonsul der Provinz Salta - wir dürfen Werner und "du" sagen ;) - zuhören. Ein sehr interessanter Abend, der tiefe Einblicke in das "System Argentinien" vermittelt.
    Trotzdem bin ich froh, dass wir am nächsten Morgen weiterziehen ... Frank kann seine Finger nicht bei sich behalten.
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  • Gegensätze

    28. März in Argentinien ⋅ ☁️ 18 °C

    Die Puna ist ein Landstrich in Argentinien, der sich Richtung Süden nahtlos an den Altiplano anschließt. Der Unterschied zum Altiplano ist in erster Linie die Höhe: Während der Altiplano ab 4000m aufwärts liegt, erreichen die Höhenzüge der Puna nur maximal 4000 Höhenmeter. Dadurch ist der Aufenthalt in diesem Gebiet für uns nicht so anstrengend. Ziel unserer Fahrt ist ein kleiner Ort Namens Iruya. Der Weg dorthin führt durch Schluchten und Pässe, die Fahrspaß und -wieder einmal - Landschaft verspricht.
    Doch zuerst geht es auf asphaltierter Strecke nordwärts durch einen winzigen Ort Namens Tumbaya. Es scheint Markttag zu sein, also steigen wir spontan aus. Zwischen Bahnschienen und der Durchgangsstraße reiht sich ein kleiner Stand an dem nächsten. Von billigen Plastikartikeln über Süßwaren bis hin zu Kartoffeln wir alles mögliche angeboten. Zwischendrin stehen Asado- und Empanadastände. Wir sind die einzigen Nichtindigenen und werden neugierig beäugt.

    Ein paar Kilometer weiter biegen wir von unserer Hauptrichtung ab, um Purmamarca zu besuchen. Das Bild könnte unterschiedlicher nicht sein: Auch hier gibt es Verkaufsstände, doch sie sind ausschließlich auf Touristen ausgerichtet. Indigene sind in der Minderheit. Alles ist staubfrei auf europäischen Standard, die Häuser wie die Kirche sind Schmuck hergerichtet.
    Wir finden Platz im Schatten an einem Tisch eines Cafés und genießen hausgemachte Limonade und frischen Fruchtsaft bei Lifemusik. Das Indigene wird hier vermarktet.
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  • San Isidro

    29.–30. März in Argentinien ⋅ ⛅ 16 °C

    Wir fahren über Iruya nach San Isidro. Der Weg ist das Ziel, wir lieben die Landschaft. Die beiden Orte selbst sind unspektakulär. Wir halten zum Übernachten vor dem winzigen San Isidro, denn den Ort selbst kann man nur mit dem Esel oder einem Motorrad besuchen. Es führt keine Straße hinauf. Jörg und Martin besuchen das Dort noch am Abend, ich kann auf Grund von entzündeten Stichen am Fuß nicht laufen und bleibe am Auto.

    Am nächsten Morgen spricht uns ein Indigener vom Stamm der Kolla aus San Isidro an. Er begutachtet zwei Decken, die Manuela und Martin in Purmamarca erstanden haben, - "das ist Llama" - . Zu Jörg und meinem Fell bestätigt er fachmännisch: "Das ist Schaf." Er erklärt, dass er Weber sei, oben im Dorf hätte er Tischdecken und Pochos, die bestimmt billiger seien als das, was wir bezahlt haben: "4000 Pesos pro Stück!" Habe ich mich verhört? 4000 Pesos sind umgerechnet etwa 2,50 €. Ich schreibe die Zahl auf, damit es kein Missverständnis gibt, und er nickt: "Ja. 4000 Pesos!"
    Nach dem Frühstück besuchen wir ihn im Dorf. Die 3 rustikalen Pochos sind schön , doch der Preis ändert sich, denn seine Ehefrau kommt hinzu: "400000 Pesos!" Das ist mehr als der Preis in Purmamarca. Wir lehnen ab, zum einen, weil der Preis zu hoch ist, zum anderen, weil wir so viel Geld gar nicht bar dabei haben. "Wie viel wir denn hätten?" 40000 Pesos, also viel zu wenig. Es wird uns ein fehlerhafter kleiner Tischläufer gezeigt: "40000Pesos!" Die Preisgestaltung erscheint uns bemerkenswert willkürlich. Wir danken und verabschieden uns.
    Ich überlege, ob der Umgang mit Nullen auf eine Dyskalkulie hinweist - Null ist ja nichts - , lese aber später, dass Argentinier selbst für lateinamerikanische Verhältnisse ein schwaches mathematisches Verständnis haben. Indigene sind wegen der mangelhaften Schulbildung in den ländlichen Gebieten davon besonders betroffen.

    Wie wir von der Hinfahrt wissen, liegen zwischen Iruya und San Isidro auf 6,3 Kilometer Länge 16 kleinere Flussdurchfahrten. Auf der Rückfahrt möchte ich die Querungen von allen Seiten aufnehmen. Das bedeutet, dass ich die Bachseite ohne den Wagen wechseln muss. Da ich jedoch wegen des Fußes nicht richtig auftreten kann, kommt, was kommen muss: Ich rutsche aus und lande auf meiner rechten Seite im Bachbett. Schulter, Hüfte und Knie wechseln die Farbe, aber mein Handy ist trocken geblieben.
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  • Seife

    31. März in Argentinien ⋅ ☀️ 16 °C

    Wir umrunden die Laguna de los Pozuelos in der Hoffnung irgendwo dicht an den See und an
    Flamingos heranzukommen, doch trotz redlicher Mühe gelingt es uns nicht. Wegen meines Wasserfalls bin ich nicht gut zu Fuß und behindere die Wanderlust der Gruppe. Außerdem bewölkt es sich zunehmend und es dräut Regen, aber dadurch ist das Licht außergewöhnlich schön.
    Es liegt Abschiedsstimmung in der Luft: Ein letztes Mal Flamingos sehen, das letzte Mal auf einer Offroadstrecke den Weg verpassen und dann: Der letzte Abend mit Manuela und Martin. Als wir unseren Stellplatz an ein paar verlassenen Häusern aufsuchen, stellt sich heraus, dass sich die Verankerung ihrer Kabine an einer Stelle gelöst hat. Zur Reparatur werden sie morgen auf dem schnellsten Weg nach Salta zurückkehren. Und wir? Beim routinemäßigen Blick unter unseren Wagen stellen wir fest, dass unser Zusatztank - gefüllt mit noch ca. 100 Liter Diesel - seinen Inhalt langsam aber stetig dem Erdboden zuführt. Während Jörg und ich noch ratlos gucken, liefert Martin die rettende Idee: Seife! Wusstet Ihr, dass Seife, die über einen Riß im Dieseltank geschmiert wird, diesen für einige Stunden abdichtet? In den nächsten Tagen werden wir mehrmals täglich Seife über das Leck streichen.
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  • "Du sollst ...

    1. April in Argentinien ⋅ ☁️ 18 °C

    ... den Tag nicht vor dem Abend loben!"
    Es ist spät, schon dunkel, und wir sitzen nach einem wunderschönen Tag bei einem Glässchen Rotwein und Käse im Wagen und lassen die letzten Stunden Revue passieren: Ich konnte wieder fahren, Jörg hat den Tankriss eingeseift, die Landschaft war noch einmal abwechslungsreich genauso wie die Fahrt selbst. Alles ist rundum gut, bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich dringend vor die Tür muss.
    Da draußen erheblicher Mückenflug herrschte, als ich den Wagen rückwärts in eine kleine Nische gezirkelt hatte, stieg ich nicht aus, sondern krabbelte im Auto nach hinten in den Wohnbereich. Dadurch wusste ich nicht, dass der Abstand zwischen Heckausstieg und Boden über einen Meter beträgt und schräg ist, während Grobi grade steht. Dies wird mir jetzt zum Verhängnis: Ich verschätze mich, komme mit zu viel Schwung auf dem Boden auf, verliere das Gleichgewicht und drehe Hüfte und Oberkörper über dem fest stehenden linken Knie. Das Geräusch ist hässlich, der Schmerz noch mehr.
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  • Kröten

    3.–5. Apr. in Argentinien ⋅ 🌙 16 °C

    Wir können es nicht lassen: Obwohl mein Knie jegliche Wanderungen obsolet macht, wollen wir den Nationalpark Calilegua besuchen - noch einmal in den Regenwald fahren, noch einmal den Bewuchs der Bäume mit Farnen, Flechten, Bromelien und Moosen bestaunen, noch einmal ... . Doch wir sehen nicht nur Kröten, sondern müssen eine weitere schlucken: Unsere Wasserpumpe versagt den Dienst. Um irgendwie an Trinkwasser zu kommen, muss ich jetzt das Gewürzfach leeren und von oben mit einem Becher das begehrte Nass aus dem Tank schöpfen. Langsam wird es mühsam.Weiterlesen

  • Letzter Versuch

    6.–8. Apr. in Argentinien ⋅ 🌧 28 °C

    Auf dem Weg nach Uruguay kommen wir automatisch an einer Ortschaft vorbei, die für viele Argentinier eine besondere Bedeutung hat: Mercedes. Hier wurde Gauchito Gil geboren, eine Art Robin Hood, der - obwohl nicht anerkannt von der katholischen Kirche - den Status eines Volksheiligen hat. Der Legende nach soll Gil kurz vor seinem Tod zum Scharfrichter gesagt haben, dass der Henker, um seinen Sohn von einer Krankheit zu befreien, zu ihm, Gauchito Gil, beten müsse. Zuerst soll der Henker daraufhin Gil ins Jenseits befördert und anschließend zu ihm gebetet haben, woraufhin der Sohn genaß.
    Heutzutage findet man vor allem im Norden Argentiniens am Straßenrand Schreine mit Gauchitofiguren und roten Fähnchen. Kraftfahrer beten oder hupen, wenn sie vorüber fahren und erhoffen sich dadurch eine unfallfreie Fahrt. In Mercedes ist dem berühmten Sohn ein hässliches Gebäude errichtet worden, in dem sich mehrere Gilfiguren in Nischen befinden. Mittig steht ein rot angestrichener Baum. Auf dem Boden stehen überall billige Rotweinflaschen, damit Gauchito auch ein bisschen Freude hat. Mir kommt das Ganze eher lächerlich vor.

    Von Mercedes aus wollen wir einen weiteren Nationalpark besuchen, in dem wir noch einmal Wasserschweine, ein letztes Mal Kaimane und vielleicht auch Aras zu Gesicht bekommen. Da ich nicht laufen kann, planen wir eine Bootsfahrt durch das sumpfige Gebiet. Doch wir kommen nicht weit: Als die Nacht hereinbricht, beginnt es heftig zu regnen. Wir parken Grobi am Straßenrand hinter ein paar Büschen. Auch am nächsten Morgen hält das Unwetter weiter an, Grobi steht 15 cm tief im Wasser. Der Wetterbericht verspricht unausgesetzt Regen für die nächsten 3 Tage. Als Jörg das Dach herunterlässt, um den Wagen abfahrbereit zu machen, verzieht er sich den Rücken. Damit ist es entschieden: Wir machen keine Ausflüge, Besuche oder ähnliches mehr. Wir begeben uns direkt nach Atlantida in Uruguay, um in Ruhe den Wagen für die Rückverschiffung vorzubereiten. Ich fahre. Solange ich nicht kuppeln muss, tut es nicht weh.
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  • Bei Atlántida

    9.–21. Apr. in Uruguay ⋅ ⛅ 20 °C

    Über Montevideo erreichen wir den Campingplatz von Felix, Michael und Timo - drei Brüdern, die von Lübeck aus nach Uruguay ausgewandert sind. Diese Anlaufstelle haben wir schon früher genutzt, wenn es Richtung Heimat ging.
    Wir putzen Grobi, sortieren unsere Sachen, reparieren ein letztes Mal den Tank und freuen uns, als auch die Wasserpumpe wieder funktioniert. Ansonsten ruhen wir uns aus. Jörgs Rücken erholt sich, auch meinem Knie geht es besser, wenn auch immer noch nicht gut. Wir telefonieren viel mit unseren erwachsenen Kindern - Sehnsucht mischt sich mit Wehmut.
    Auftrieb gibt uns die Ankunft von Volker und Kathrin, mit denen wir einen vergnüglichen Abend beim Asado von Ricardo verbringen und ein letztes Mal im Atlantik baden. Ihr Wilhelm wird mit unserem Grobi zusammen die Heimreise im Container antreten.
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  • Eingedost

    21.–22. Apr. in Uruguay ⋅ 🌧 21 °C

    Heute wird eingedost: Grobi kommt mit Wilhelm in den Container. Das Treffen ist vom Agenten Eduardo Kessler für 13:30 am Hafen von Montevideo anberaumt. Leider - oder zum Glück - dürfen nur die Eigentümer der Wagen mit auf das Hafengelände, Kathrin und ich setzen uns also gemütlich in ein Café und warten. Wir warten, üben uns in Geduld, harren der Männer. Vier Stunden lang halten wir uns an einem Kaffee und einem Kakao fest, unterhalten uns gut, fragen uns aber doch, was im Hafen vor sich geht ... draußen gießt es in Strömen ... so lange kann es doch gar nicht dauern durch den Zoll und in den Container zu fahren ... . Schließlich erscheinen Volker und Jörg, beide nass bis auf die Haut. Was war geschehen? Erst mussten die Männer noch lange auf Eduardos Sohn warten, der sich um eine Stunde verspätet hatte und im Hafen die Zollformalitäten übernehmen sollte. Dann sprang Grobi nicht an - er zickt in letzter Zeit öfter - und zum Schluss standen beide Wagen im falschen Container - sie wären nach Basel transportiert worden - mussten also wieder ausparken (inklusive Ablaschen, Batterien wieder anklemmen, ... ).
    Zu viert brechen wir auf und haben Glück: Gerade rechtzeitig erreichen wir noch den Buss nach Colonia de Sacramento. Von dort wollen wir morgen mit der Fähre nach Buenos Aires übersetzen, um in den letzten Tagen bevor der Container an Bord geht, Argentiniens Hauptstadt anzuschauen.
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  • Fulminantes Finale

    22.–26. Apr. in Argentinien ⋅ ⛅ 12 °C

    Wir tauchen ein in diese fantastische Großstadt und ihre Geschichten!

    Bei der Stadtführung:
    Corina Kavanagh, dem Geldadel zugehörig, verliebte sich in den Sohn der aristokratischen Mercedes, die diese Verbindung ablehnte und ihren Sohn vor die Wahl stellte: Familie oder Liebe (und verstoßen werden). Er entschied sich gegen Corina, die daraufhin Rache an der Mutter nahm, in dem sie direkt vor die Kirche der Familie Mercedes einen 120m hohes Betongebäude setzte und den direkten Zugang zur Kirche zum Privatweg deklarierte. So war Mercedes nicht nur der Blick von ihrer Villa zu ihrer Kirche versperrt, sondern sie wurde auch täglich erinnert.

    Im Café Tortoni ...
    genießen wir nicht nur einen Cappuccino, sondern abends im Kellergewölbe eine Tangoshow.

    Auf dem Friedhof Ricoleta:
    Selbst über den Tod hinaus wurde eine Ehefehde noch weiter zelebriert. Weil seine Frau zu viel Geld ausgab, hat ihr Mann in allen Zeitungen der Stadt verkündet, dass er ihre Rechnungen nicht mehr begleichen wird. Es gab eine Szene und sie verließ das Haus und zog sich auf ein Landgut zurück. Als er 20 Jahre später starb (und die Gesetzgebung ihr immerhin 50% des Vermögens zusprach), ließ sie ein Mausoleum erbauen, das ein steingewordenes Monument ihres Hasses ist: Die Eheleute wenden sich sogar im Tod den Rücken zu.
    Auf diesem Friedhof hat auch Evita Peron endlich ihre letzte Ruhe gefunden - nachdem sie die ersten 24 Jahre nach ihrem Tod 1952 mehr in der Welt herum gekommen ist als vorher.

    Im Viertel Abasto, in dem die Musik des Tangos noch heute lebt, hören wir die schönste Variante von Carlos Cardels "Por una Cabeza". In dem Lied besingt ein Mann seine unheilbaren Leidenschaften: die Wettlust auf Pferde - er verliert immer "um eine Kopfeslänge" - und die Frau, die ihm den Kopf verdreht und deren Liebe nur Lüge ist.
    Das Lied scheint eine Art Hymne von Buenos Aires zu sein. Wir hören es mehrmals täglich auf der Straße, im Taxi, in Bars, ... .

    Die Oper "Theatro Colon" wurde von 3 Architekten erbaut: Der erste starb im Alter von 44 Jahren an einem Herzinfarkt; der zweite wurde vom Liebhaber seiner Frau erschossen, als er die beiden in Flagranti erwischte. Er starb mit ... 44 Jahren. Danach hieß es, ein Fluch laste auf dem Gebäude. Der dritte Architekt wurde nach unüblichen Kriterien ausgewählt: Julio Dormal war unverheiratet, über 50 Jahre alt und kein Italiener.

    Und dann gibt es noch die Frauenbrücke, die ein tanzendens Paar darstellen soll; das bunte Viertel La Boca, in dem von jedem Balkon Maradona, Evita oder Cardel herunter winken; der Antiquitätenmarkt von San Telmo, auf dem alles zu finden ist von Nazidevotionalien bis Elfenbeingeschnitztem; den Präsidentenpalast Casa Rosada, der seit 1837 seine rosa Farbe als sichtbares Zeichen der Vereinigung der verfeindeten Unitarier (rot) und Föderalisten (weiß) trägt; und ... und ... und ...
    Wir könnten noch viel länger in Buenos Aires verweilen, doch nun geht unsere Reise zu Ende.
    Danke an unsere Kinder, die als Anker fungieren und uns nach Deutschland zurück ziehen.
    Danke an meine Schwestern, die die Stellung zu Hause gehalten haben und nicht zuletzt
    Danke Euch allen, die Ihr so treue Leser seid und mich immer wieder motiviert habt, weiter zu schreiben.
    Auch wenn wir jetzt nach Deutschland zurückkehren ... "stimmt es, dass es sein muss? Ist für heute wirklich Schluss?
    Heute ist nicht alle Tage! Wir komm'n wieder, keine Frage!"
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    Ende der Reise
    28. April 2026