Norway
Oppdal

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38 travelers at this place:

  • Day20

    Nordische Mythen und Legenden

    July 20 in Norway ⋅ ☁️ 10 °C

    Auf dem Olavsweg existieren zwei Mythen. Eine Legende erzählt von einem mächtigen Zauberer namens Theodulf, genauer Theodulf der Rote, welcher in den Bergen um Ryphusan lebt und dessen Zauberkraft Pilgern auf ihrem beschwerlichen Weg über das Fjell hilft.
    Eine andere Sage erzählt vom Candy-Saturday - einen Tag in der Woche, an dem Süßigkeiten in Norwegen günstiger sind, da man an den übrigen Tagen nicht so viel Süßigkeiten essen soll.
    Theodulf's Macht spürten wir erstmals im Ryphusan Refugium. Dort lag ein Stempel mit seinem Antlitz. In dem Augenblick, als die Stempeltinte das Papier eines Pilgerpasses berührte, stand dessen Inhaber unter dem Schutz von Theodulf dem Roten. Seine Macht war augenblicklich spürbar und allgegenwärtig. Eine kleine Kostprobe seiner Macht gab uns Theodulf, als er die verbogene Brille von Ric über Nacht richtete.
    Der Morgen begann gemächlich. Zähneputzen und Katzenwäsche im Bach sowie für die Notdurft gab es das gute Plumpsklo.
    Ein gemeinsames Frühstück mit Lisa, Lara, Melanie, Philipp, mir und einem liebevollen belgischen Pärchen.
    Da Philipp und ich heute die 28 km bis Oppdal gehen wollen, hatten wir nicht ganz so viel Zeit zum Trödeln. Melanie und Lisa wollten auf einem Campingplatz auf halber Strecke übernachten und wahrscheinlich einen Pausentag einlegen. Lara war sich noch unschlüssig, plante aber auch eher einen kurzen Trip.
    Es hieß Abschied nehmen. Es ist seltsam, wie schnell einem Personen auf einem solchen Weg ans Herz wachsen. Nach einem Gruppenfoto zogen Philipp und ich los. Auch die geführte Pilgergruppe verließ gerade die Unterkunft. Der Transporter mit dem Anhänger für die Rucksäcke der Pilger war gepackt und setzte sich in Bewegung, als Theodulf abermals seine Macht demonstrierte. Nach nur fünf Meter löste sich der Anhänger von der Kupplung und krachte zu Boden. Theodulf ist im Herzen eben ein wahrer Pilger ;)
    Der Weg war gut, leicht abschüssig und die Kilometer flogen nur so dahin. Neben uns floss ein Fluss und die Hänge waren hier und da mit Schafen bestückt. Philipp und ich kamen gut voran. Dennoch tauchte hinter uns plötzlich Lara auf. Mit nur sieben Kilo Reisegepäck und zarten zwanzig Jahren war sie um einiges schneller unterwegs, als wir. Sie schloss auf und von da ab gingen wir zusammen. Zu dritt lief es sich sehr angenehm. Wir erzählen, rätselten über Theodulf, lachten und freuten uns auf den ersten Supermarkt. Denn es war Samstag und das hieß - Candy-Saturday!
    Nach etwa fünfzehn Kilometern erreichten wir eine einfache Unterkunft, in der Lara eigentlich übernachten wollte. Doch gab es hier weder Strom noch Wasser und auch das Gas bekamen wir nicht angeschlossen. So zogen wir gemeinsam weiter zum nächsten Campingplatz. Die Rezeption öffnete erst um 17 Uhr. Wir entschlossen uns kurzerhand gemeinsam weiter zu ziehen und wechselten unser Doppelzimmer in ein Dreibettzimmer im Oppdal Turisthotel. Aus dem romantischen Abschiedsabend mit Philipp würde wohl nichts werden - was aber total okay war, denn Lara passte sehr gut zu uns.
    Da der Kiosk ebenfalls erst um 17 Uhr öffnete und uns der Magen schon in den Knien hing, gingen wir ein Stück die E6 entlang zu einem weiteren Campingplatz in Sichtweite.
    Zwar war das Angebot dort ebenfalls überschaubar, aber er hatte zumindest geöffnet. Wir schauten uns um. Dann tuschelten kurz die beiden Damen an der Kasse und fragten zögerlich "Are you Lara?". Wir schauten verdutzt auf Lara, die ebenso verdutzt die Kassiererin anschaute. Sie zeigte uns ein Foto von Lara auf ihrem Handy. Ihre Mutter hatte es geschickt, da sie sich Sorgen machte. Auf Ryphusan hatte man kein Handyempfang und Lara hatte dort einen Pausentag eingelegt, da es ihr nicht gut ging. Lara war die Situation sichtlich unangenehm und sie meldete sich kurz daheim, dass es ihr gut ging.
    Nach diesem Schock und einer kleinen Stärkung zogen wir weiter. Die Kirche von Oppdal war schon zu sehen. Lara musste sich noch einige blöde Sprüche von uns zu der Fotoaktion gefallen lassen. Sie steckte sie aber "eisenhart" weg und teilte auch gut aus. Die Rangordnung in unserem Trio wurde abgesteckt und Philipp wird in den nächsten Tagen noch seinen Spaß haben. :)
    Die letzten Meter zur Kirche führten wieder bergauf und mir wurde bewusst, dass an diesem Punkt mein Pilgerweg zuende sein würde. Meine Augen wurden feucht beim Gedanken daran - ebenso wie jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe.
    Die Kirche ist sehr schön und strahlt eine warme Atmosphäre aus. Im Inneren hatte ich einen Augenblick für mich allein und dankte Gott für seinen Schutz und seine Begleitung auf meinem Weg. Für all die Menschen, denen ich auf dem Weg und abseits des Olavsweges begegnet bin. Ich bat ihn um Schutz und Segen für diese Menschen und für meine Lieben daheim. Es war ein sehr schöner Moment und ein würdiger Abschluss meines Weges hier.
    Vor der Kirche gab es einen Kilometerstein. Mein Weg hatte mit Philipp am Kilometerstein 488 in Hamar begonnen und endete nun am Kilometerstein 152 in Oppdal. Man trifft immer die Menschen, die man in einem bestimmten Moment braucht. Philipp hatte mich ziemlich gut gezogen und ich war sehr froh, mit ihm gegangen zu sein. Auch Philipp war sich sicher, dass es so sein sollte, dass wir zusammen gegangen sind. Und auch dass Lara heute zu uns gestoßen war und morgen mit Philipp weiter zieht, passte gut in dieses Bild. Es ergab irgendwie Sinn und Theodulf hatte da sicher sein Hand im Spiel.
    Wir gingen die letzten drei Kilometer bis zum Hotel. Verglichen mit den bisherigen Unterkünften war es luxuriös. Wir hatten viel Platz, ein Bad, ein Doppelbett und eine Klappcouch.
    Wir stellten unsere Sachen ab und zogen los, um Candy und Bier zu kaufen. Das mit dem Bier konnten wir vergessen, denn es war Samstag und nach 18 Uhr. "You are in Norway" entgegnete eine Angestellte mit einem Lächeln, als wir nach Bier fragten. So musste ein Sixpack alkoholreduziertes Bier reichen. An der Candybar verloren Philipp und ich angesichts des Candy-Saturday jedes Maß und kauften jeder ein gutes halbes Kilo bunten Zucker in allen Variationen. An der Kasse fragte Philipp die Kassiererin, ob die Legende vom Candy-Saturday stimme. Es war die gleiche, die uns schon beim Bier enttäuschen musste. Auch jetzt begann sie zu Lachen und schüttelte den Kopf. Von einen Candy-Saturday hatte sie noch nie gehört. So ist das mit Mythen und Legenden. Einige stimmen - andere sind erfunden. Theodulf's Macht ist unbestreitbar und die Legende vom Candy-Saturday werden wir wider besseren Wissens dennoch an Leben erhalten.
    Nach einer erfrischenden Dusche gingen wir Abendessen. Es gab Pasta, Burger und richtiges Bier. Angenehm teuer. Zum Abschied lud ich zu einer Runde Fjellbekk (Vodka, Aquavit, Lime, Sprite) ein. Dann gab es noch eine weitere Runde und nochmal Aquavit. Für mich war es ein perfekter Abschlussabend! Gut angeheitert gingen wir zum Hotel. Philipp und Lara gönnten sich noch ein Sprintduell. Im Zimmer wurden die Candy probiert und getauscht. Blöderweise waren unsere Vorlieben sehr ähnlich, was die Preise für die richtig guten Candy in die Höhe trieb.
    Bei Klassikmusik schliefen wir ein...
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  • Day23

    Sieben auf einen Streich

    July 23 in Norway ⋅ ⛅ 16 °C

    Frühstück gab es im Pilger-Zentrum ab halb Acht. Viertel vor Acht musste ich allerdings bereits los, um meinen Zug zu erwischen. Die Zeit reichte also nur für einen Kaffee und um ein paar Brote zu schmieren.
    Ich war gut gelaunt, denn mein Fuß spielte mit und ich freute mich auf das Fjell. Am Bahnhof waren sehr viele junge und ein paar ältere Leute. Die meisten hatten große Rucksäcke auf dem Rücken und wollten ebenfalls in den Zug nach Oslo. Ich hatte mir gestern Abend noch schnell online den Sparpreis gesichert und somit glücklicherweise auch einen Sitzplatz.
    Die schöne Landschaft sauste an mir vorbei und ich wurde ganz melancholisch. Ich fühlte, dass ich etwas in meinem normalen Leben, meinem Alltag, ändern musste. Denn irgendwie bereitete mir der Gedanke an die Rückkehr in den Alltag Unbehagen. Glücklicherweise ist es bis dahin noch eine ganze Weile und vielleicht fällt mir auch noch ein, was ich ändern muss.
    Plötzlich standen auf einer Wiese neben der Strecke zwei ausgewachsene Elche. Sie standen da, wie bei uns manchmal Rehe auf den Feldern zu sehen sind. Sie waren recht nah und beeindruckend groß. Doch so schnell sie auftauchten, waren wir auch schon vorbei gerauscht. Wie schön wäre es gewesen, jetzt zu wandern, dachte ich so bei mir.
    Nach ca. zwei Stunden kann ich in Kongsvold an. Der Bahnhof war ein kleines Holzgebäude und bis auf einen Warteraum gab es hier nichts. Nicht einmal eine Toilette. Mit mir stiegen noch etwa fünf Personen aus. Alle hatten Rucksäcke. Ich hatte den größten. Ich orientierte mich. Ich sah den Olavsweg. Doch heute würde ich die andere Seite des Tales erklimmen und nach Westen weiterziehen. So stiefelte ich los und traf nach ca. 50 Metern auf Gabriela. Sie hatte sich ihre Schuhe gebunden und lief plötzlich neben mir. Sie war aus Trondheim und mit dem gleichen Zug wie ich angereist. Sie hatte in etwa den gleichen Weg, wollte heute aber noch eine Hütte weiter. Sie möchte etwa vier Tage in den Bergen wandern und am Wochenende wieder in Trondheim sein. Der erste Abschnitt des Weges war sehr steil und es ging fix wieder über die Baumgrenze. Plötzlich stand man auf einem Plateau und alles wirkte wieder vertraut. Der weite Blick. Die Stille. Das Fjellmoos. Zufriedenheit machte sich in mir breit. Und Hunger. Ich hatte ja noch nichts gegessen und der Anstieg hatte meine letzten Reserven verbraucht. Gabriela hatte im Zug gefrühstückt. Ich suchte mir eine schöne Stelle mit herrlichem Blick über das Plateau. Dort verabschiedeten wir uns und Gabriela zog weiter.
    Ich setzte Kaffee auf und aß meine Brote von heute Morgen. Um mich herum waren unzählige Gruppen von Menschen unterwegs. Die Gegend war bekannt dafür, Moschusochsen zu sehen. Das war auch meine Hoffnung. Doch bei diesen Menschenscharen taten die sanften Riesen gut daran, sich heute ein anderes Plateau zu suchen. Mir kam der Gedanke, ob die Ochsen wohl auch auf Menschen-Sightseeing gehen. Dann wäre dieser Spot ideal dafpr. Die meisten Zweibeiner hatten nur Tagesrucksäcke dabei. Dies machte mir Hoffnung, weiter drinnen und Richtung Snøhetta, würde die Rucksackdichte abnehmen. Ich sollte Recht behalten.
    Nach der Pause ging ich den Pfad Richtung Reinheim. Meiner heutigen Hütte. Snøhetta war die ganze Zeit über zu sehen und man lief mehr oder weniger direkt auf diesen mächtigen Berg zu. Der Aufstieg sah nicht sonderlich schwierig aus, da die Seiten ganz allmählich zur Spitze führen. Doch beeindruckend war der Berg schon - und diese Ehrfurcht stieg, je näher man ihm kam.
    Obwohl nun weitaus weniger Menschen unterwegs waren, blieben die Moschusochsen dennoch versteckt. Die Landschaft war so schön, dass ich mir überlegte, hier irgendwo wild zu Campen. Nicht heute. Aber vielleicht morgen nach Snøhetta. Ich prüfte meine Komoot-App und etwas abseits des Weges wurde mir ein geschützter Pausenplatz angezeigt. Den wollte ich prüfen und schauen, ob man dort ein Zelt aufstellen konnte. Ich kam zu einer Gabelung und rechts führte ein sehr unscheinbarer Pfad vom markierten Hauptwanderweg weg. Komoot wies mich an, dem Pfad etwa einen Kilometer zu folgen. Der Pfad führte um eine kleine Anhöhe herum. Überall lagen plötzlich Hinterlassenschaften von Moschusochsen. Von der Größe her, konnte es nur von den Ochsen sein. Diese Hinterlassenschaften rochen frisch und ich dachte, hier wäre eine super Stelle, die Ochsen zu sehen. Ich kam an den Pausenplatz und entdeckte oberhalb eines kleinen Sees mit kristallklarem Gletscherwasser einen Felsen. Er war oben flach und mit Gras bewachsen. Das sollte mein Zeltplatz für morgen werden. Es war perfekt. Abseits - aber nicht zu sehr. Frisches Wasser. Windgeschützt. Und vermutlich auch ein Lieblingsplatz der Moschusochsen. Wenn nicht hier, wo sollte ich dann welche sehen. Den Mücken gefiel meine Idee ebenfalls - ihr Abendbrot am Mittwoch und Donnerstag war gesichert.
    Ich machte eine kurze Pause. Aus dem kleinen See sprangen hin und wieder Fische. Ich vermute, sie wollten die Mücken oder Fliegen fangen, die über dem See kreisten.
    Dann ging ich zurück, denn Komoot zeigte mir noch gute zehn Kilometer bis nach Reinheim an. Noch bevor ich wieder auf dem Hauptweg war, sah ich sie plötzlich. Vor mir - etwa 200m voraus und etwas unter mir an einem Fluss - sah ich einen ausgewachsenen Moschusochsen mit einem Jungtier. Ich war ergriffen und überwältigt. Und dankbar, für diesen besonderen Moment. Weiter hinten standen noch zwei erwachsene Tiere und ein weiteres Junges. Insgesamt also fünf Tiere. Heute Morgen die zwei Elche und nun also fünf Moschusochsen. Ich hatte alles gesehen, was ich mir von dieser Reise erhofft hatte. Morgen noch der Gipfel von Snøhetta und ich kann zufrieden und überglücklich nach Hause fliegen.
    Ich beobachtete die Tiere noch eine Weile und zog weiter. Ich würde ja morgen wieder kommen und vielleicht diese fünf auch.
    Die restlichen Kilometer zogen sich ganz schön. Gegen fünf erreichte ich Reinheim. Eine teils bewirtschaftete Hütte ohne Wasser, Strom und Handyempfang. Von hier starte ich morgen zum Gipfel. Meinen Rucksack lasse ich hier und nehme ihn auf dem Rückweg mit. Dann noch etwas zehn Kilometer und dort schlage ich dann mein Zelt auf.
    Der Abend in der Hütte war sehr entspannt. Die war echt voll. Eine Familie aus Norwegen mit drei Kindern, die in der Nähe der Hütte zeltete. Zwei Mädels aus Amsterdam, ein junges Pärchen aus der Schweiz und noch ein älteres, deutschsprachiges Paar. Es war ein geselliger Abend, wobei jeder so sein Kram erledigte.
    Der Host der Hütte erzählte, dass hier öfter Moschusochsen um die Hütte ziehen. Gegen 22 Uhr kamen tatsächlich einige den Berg herunter. Sie kamen ganz nah und insgesamt waren es sieben Tiere. Sie grasten und zogen gemächlich an uns vorbei. Den Zelten näherten sie sich bis auf etwa 100m. Ein wunderschöner Abschluss eines wunderschönen Tages.
    Ich freue mich auf den morgigen Tag.
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  • Day19

    Up, up, up it goes (by Melanie)

    July 19 in Norway ⋅ ☁️ 14 °C

    Als ich letztes Jahr den Jakobsweg gegangen bin, kam mir unterwegs mit Antje und Jasmin die Erkenntnis, dass man immer den Leuten begegnet, die man in dem Moment braucht. Diese Pilgerweisheit scheint auch auf den Olavsweg zu gelten. Auf dem gestrigen Weg von Hjerkinn Fjellstue nach Kongsvol hatte ich mir meine Blase am linken Fuß schön wund gelaufen. Als ich das Pflaster, welches sich eh schon fast gelöst hatte, abzog, war da eine ca. Eurostück-große, nasse und offene Wunde. Glücklicherweise hatte Melanie in ihrer Sani-Box Hansaplast Wundspray dabei und dieses Zeug bewirkte über Nacht ein Wunder. Heute Morgen war die Wunde so gut abgeheilt, dass ich ein neues Blasenpflaster drauf tat und nix mehr spürte. Dieses Wundermittel gehört ab jetzt zu meiner Wanderapotheke.
    In Kongsvol übernachtete neben uns noch eine weitere, recht große Pilgergruppe. Es war eine organisierte Pilgerreise und ihr Gepäck wurde jeweils von Station zu Station gefahren. Das Problem war, dass die nächste Unterkunft eine Station war, an der alle Pilger nächtigen mussten, da es weit und breit keine Alternative gab. Doch es gab wohl nur acht Plätze. Außerdem kein Strom, fließend Wasser und sonstige Annehmlichkeiten. Philipp und ich stellten uns gedanklich bereits auf Zelten ein. Melanie wusste noch zu berichten, dass man aufgrund des Andrangs in diesem Jahr ein Militärzelt neben der Hütte errichtet hätte. Das ließ hoffen, zumindest ein Feldbett zu ergattern.
    Philipp, Melanie und Lisa gönnten sich das angenehm teure Frühstück. Für mich gab's Knäckebrot, den restlichen Käse und eine Banane. Und natürlich Kaffee. Philipp brachte mir noch eine Schnitte für meinen Proviantbeutel mit. Sehr nett!
    Gegen halb elf zogen wir los. Heute lag der höchste Punkt des Olavsweges auf unserer Strecke, was einige Anstiege bedeute. Der Weg begann direkt nach der Unterkunft bretthart. Die ersten drei Kilometer ging es durch einen Wald auf und ab und über Stock und Stein. Man musste jeden Schritt mit Bedacht setzen, um nicht umzuknicken, abzurutschen oder zu stolpern. Es lief sich zäh und kräfteraubend und mir wurde Bange bei dem Gedanken, dies könne so weitergehen. Glücklicherweise wurde der Weg besser. Doch nun wartete der erste Anstieg des Tages auf uns. Dies war zugleich der steilste und er hatte durchschnittlich 35% Steigung. Als diese Prüfung geschafft war, ging es auf der Rückseite ebenso weit runter. Die Frage nach dem Sinn kam kurz auf. Dieser stellt sich aber nur, wenn man den Weg vom Ziel her betrachtete und nicht den Weg an sich. Also setzten wir einfach nur einen Schritt vor den anderen. So kämpften wir uns den nächsten Anstieg hoch. An einer Brücke mit Wasserfall machten wir Rast und die Biletta kam zum Einsatz. Dann ging es durch ein Birkenwäldchen erneut steil bergauf bis über die Baumgrenze und von dort stetig weiter nach oben. Die Landschaft wechselte wieder und die weite Sicht beeindruckte von Neuem. Obwohl ich dies nun schon kannte, war diese besondere Atmosphäre und Stille erneut bewundernswert. Ich dachte daran, dass wir morgen wieder absteigen würden und ich dies vorerst zum letzten Mal sehen und spüren konnte. Der Weg wurde breiter und zog sich über die Weite dahin. Die Stille wurde hier und da durch Glockengebimmel von Schafen unterbrochen. Wir überschritten die höchster Stelle des Olavsweges.
    Von dort waren es noch etwa fünf Kilometer begab bis zur Unterkunft. Man konnte die Hütten schon von weitem sehen.
    Als wir ankamen, lehnten ca. zehn Rucksäcke an einer Hütte und der Schornstein qualmte. Die Hütte auf den Foto im Pilgerführer war allerdings rot und stand nebenan. Da waren keine Rucksäcke. Wir traten ein und uns begrüßte Lara. Philipp und Lara kannten sich bereits. Sonst war niemand in der Hütte und es gab noch sieben freie Betten. In der Mitte ein Tisch und an der Wand eine Kochmöglichkeit. Also kein Zelten bei ca. 8 Grad und Kaffee hab es auch. Wir waren erschöpft und glücklich. Später gesellten sich noch zwei Belgier zu uns und auch Lisa und Melanie erreichten die Hütte.
    Es war ein sehr schöner und geselliger Abend mit Tee, Fertiggerichten, Kartoffelpüree und Knäckebrotvariationen. Hier oben gibt es kein Handynetz und so unterhielten wir uns viel über dies und das - die bisherigen Begegnungen auf dem Weg, Mittelalterfeste, Glaube und Fügungen, keltische Feste und Feiertage und Melanie erzählte interessante Facts zur Herkunft der Worte Schmetterling und Rapunzel.
    Da wir morgen zu unterschiedlichen Zielen aufbrechen werden, verabredenten wir morgen früh noch ein Gruppenbild. Es war einer der schönsten Abende auf der bisherigen Reise und er hatte irgendwie Klassenfahrtfeeling.
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  • Day24

    Snøhetta - Auf der Spitze Norwegens

    July 24 in Norway ⋅ ☀️ 15 °C

    Ich schlief in einem 6-Bett-Zimmer und es war eine der erholsamsten Nächte hier in Norwegen. Denn ich schlief dort allein. Ich hatte mir das beste Bett (am Fenster, frei stehend, mit Tisch) rausgesucht, doch niemand kam und machte es mir streitig. Oder ein anderes.
    Gegen sechs Uhr morgens begann das Getrampel im Haus. Bis Acht hielt ich noch durch - dann stand ich auf. Meine Bialetti zauberte eine köstliche Tasse heißen Kaffee. Den Unterschied zu dem löslichen Instant-Gesöff wusste auch Od, unser Host, zu schätzen. Er hatte ebenfalls eine Noname-Bialetti hier auf der Hütte. Sein Kaffee ging zur Neige und er war sehr glücklich, als ich meinen mit ihm teilte. Ich hatte in Trondheim ein neues Päckchen gekauft und bin am Freitag wieder da. Ich brauchte den ganzen Kaffee nicht und Od war sicher noch länger hier oben.
    Zum Kaffee hab es ein weiteres Brot von gestern Morgen.
    Ich konnte meine Sachen tagsüber in der Hütte lassen. Also räumte ich alles raus, was ich auf Snøhetta nicht brauchte: Zelt, Schlafsack, Isomatte, meinen Proviant und meine Klamotten. Ich packte nur die wichtigen Dinge ein: meine Bialetti, den Gaskocher, meine Tasse, Wasser und das Sanipack. Ich spürte den Rucksack kaum auf meinem Rücken und ich sollte heute noch sehr oft sehr froh über diese Entscheidung sein. Od meinte, der Aufstieg dauert etwa drei Stunden. Es sind nur knapp sechs Kilometer bis zur Spitze - dafür aber auch über 900 Höhenmeter.
    Snøhetta hatte heute ihr strahlend blaues Sommerkleid für unser Rendezvous gewählt und behielt es den ganzen Tag an. Sie sah umwerfend darin aus.
    Der Weg war gut markiert und stieg anfangs nur allmählich an. Als ich ab und zu zurückblickte, sah ich die ganze Schönheit des Tales, in dem Reinheim liegt. Es gibt Flüsse und hochgelegene Seen, ab und zu Schneefelder und dazwischen Blumen und das Fjellmoos. Je höher man kam, umso schöner wurde der Anblick.
    Um einen selbst herum verschwanden allmählich die Blumen und das Moos. Der Weg wurde steiniger, überall lag Geröll und die Landschaft ähnelte einer Mondlandschaft. Das Geröll war allerdings von grünen Flechten bewachsen und sah somit freundlicher aus als bloßer Fels. Ich dachte, das war's mit Vegetation für heute. Der Weg bestand nun vorwiegend darin, von Stein zu Stein zu treten. Etwas später hörte ich Wasser unter den Steinen plätschern und zu meiner Überraschung kehrten für einen Moment Löwenzahn, Moose und sogar Schmetterlinge zurück. Nach diesem kurzen Intermezzo war aber wirklich Schluss mit Vegetation. Der Weg wurde steiler. Eigentlich war es kein Weg mehr. Die Wegmarkierung war eine Reihe von Stäben, die in einer Linie zum Gipfel führten. Den Weg, oder die besten Steine dafür, musste man sich selber suchen. Ich kam mir vor wie eine Gemse. Das war einer der Momente, wo ich mich für die Entscheidung, diese Route nicht mit meinem vollen Rucksack zu gehen, hätte küssen können. Mit vierzehn Kilo macht das definitiv keinen Spaß!
    So war ich leichtfüßig genug, einige Wanderer zu überholen. Mittlerweile war die Wege von Reinheim und Snøheim zur Spitze miteinander verschmolzen und von Snøheim kamen eine Menge Leute. Dorthin fährt fünfmal täglich ein Bus.
    Der Gipfel erschien bereits zum Greifen nah, doch irgendwie wollte sich der Turm auf der Spitze nicht nähern. So erklomm ich Stein um Stein, sah immerwieder zurück und freute mich viele Male für mein leichtes Gepäck.
    Dann war ich doch irgendwann oben. Laut Komoot nach 2:15 Stunden. Hier war viel los aber es gab ausreichend Platz für jeden. Ich suchte mit ein gemütliches Fleckchen und packte meine Kaffeeutensilien aus. Der Hammer war, das ich hier oben 4G-Internet hatte. So konnte ich einige Sachen erledigen. Ich buchte und bezahlte meinen Zug für Freitag nach Trondheim. Ich versendete einige E-Mails und schickte einige Nachrichten per WhatsApp. Außerdem konnte ich meinen gestrigen Post hochladen. Und ich konnte diesen wundervollen Moment per Facetime mit meiner lieben Daina teilen. Zwischen Berlin-Wannsee und Potsdam kann man im Regionalexpress nicht Mal telefonieren!
    Ich ließ mir Zeit auf den Gipfel. Das Wetter war herrlich und ich kostete diesen Moment aus. Dann machte ich mich auf den Rückweg. Er war leichter als der Aufstieg und das Springen von Stein zu Stein klappte überraschend gut. Dennoch dauerte es eine Weile und ich überlegte mir, heute doch noch eine Nacht in der Hütte zu bleiben und morgen früh die zehn Kilometer zu meinem Zeltplatz zu gehen. Die Mücken würden mich heute Abend dort vermissen - doch da mussten sie eben durch. Ich war froh und dankbar, ohne umzuknicken wieder an der Hütte zu sein. Auch mein Lieblingsbett war noch frei. Allerdings teile ich mir das Zimmer mit drei weiteren jungen Männern.
    Außerdem ist heute Alex angekommen. Er ist Deutscher, Soldat und in Südbayern stationiert. Wir lernten uns beim Abendessen kennen und redeten anschließend etwas miteinander. Er möchte morgen ganz früh nach Snøhetta hoch, wenn noch kein Bus in Snøheim angekommen ist, und anschließend nach Snøheim gehen. Ich erzählte ihm von meiner Reise und meinem Besuch beim Chiropraktiker in Ålesund. Er nickte beim Thema Muskelverspannung und erklärte mir einige Zusammenhänge zwischen Schmerzen und Muskeln. Dann holte er aus seinem Zimmer einen kleinen Ball und zeigte mir, wie man sich selbst die Waden und andere Beinmuskeln massiert. Ich versuchte es und hatte das Gefühl, dass es funktionierte. Als er zu Bett ging, um morgen sehr früh Snøhetta zu besteigen, fragte er mich, ob ich noch 100g Zusatzgepäck verkraften könne und schenkte mir den Ball. Seine Reise war in Snøheim zu Ende und er hatte Zuhause weitere Bälle. Es war eine sehr nette Geste von einem Fremden und ich nahm etwas zögerlich doch sehr gern an. Ich hatte spontan leider nichts für ihn. Ich fragte, ob ich ihn vielleicht in meinem Blog erwähnen dürfte und er willigte ein. Das war mein kleines "Geschenk" an ihn.
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  • Day25

    Ein würdiger Abschied

    July 25 in Norway ⋅ ☁️ 20 °C

    Gegen acht wurde ich wach. Ich sammelte leise meine Frühstücksutensilien zusammen und ging runter in die Küche. Alle anderen im Haus waren bereits wieder wach und Alex längst über alle Berge. Nur die Jungs in meinem Zimmer schliefen noch - und schnarchten nicht.
    Ich setze Kaffee auf und aß dazu das letzte Brot aus Trondheim und das letzte Ei, was ich dort ebenfalls habe mitgehen lassen.
    Während des Frühstücks kamen auch die Jungs nach und nach runter, sodass ich nach meinem Kaffee meinen Rucksack packen konnte. Ich verschiedete mich von Od und zog los. Kurz nach mir gingen auch die drei Jungs und kurz vor mir liegen die norwegische Familie mit den drei Jungs. Wir liefen alle Richtung Kongsvold. Nur ich wollte vorher links zu meinem Zeltplatz abbiegen.
    Nach kurzer Zeit sahen wir links von uns drei Moschusochsen grasen. Mittlerweile hatte man einen geübten Blick dafür, die Tiere zwischen den Felsen auszumachen. Dennoch ist der Moment des Entdeckens und das Beobachten weiterhin aufregend. Die Ochsen störten sich nicht an uns und wir störten nicht die Ochsen und zogen weiter. Wir fahren jetzt noch viele Tiere. Insgesamt zählte ich heute um die zwanzig. Einmal kam uns eine Gruppe von fünf Tieren gemächlich den Pfad entgegen geschlappt und machte dort dann Pause. Wir beobachten sie eine Weile und machten einen Bogen um sie. Ich musste an der Stelle sowieso den Weg verlassen und verabschiedete mich.
    Als ich meinen Zeltplatz erreichte, war ich froh, allein zu sein. Ich baute mein Zelt auf. Der Untergrund ist etwas feucht. Jetzt kann das Markenzelt zeigen, ob es den Preis wert ist. Sicherheitshalber legte ich noch eine Unterlegplane drunter. Ich sollte trocken bleiben.
    Auf der anderen Seite, am gegenüberliegenden Hang erspähte ein eine Gruppe von drei oder vier Ochsen. Sie waren etwa 500m entfernt und blieben dort den ganzen Nachmittag.
    Ich beschäftigte mich hauptsächlich mit Kaffeekochen, in der Sonne liegen, Fische im See unter mir beobachten und einfach in die Ferne blicken.
    Nach etwa zwei Stunden kamen tatsächlich ein paar Menschen. Sie sahen mich, grüßten und blieben in respektvollem Abstand. Sie hatten ebenfalls vor zu bleiben. Es waren drei Erwachsene und drei Kinder und ich war irgendwie ganz froh, weil mir ein wenig langweilig wurde. Jetzt gab es etwas zu sehen. Und von meinem erhöhten Punkt konnte ich sie gut beobachten. Die Kinder liefen ins Wasser und spielten. Ich ging runter und nahm Kontakt zu meinen neuen Nachbarn auf. Es war ein Schweizer Pärchen mit drei Kindern und ein norwegischer Scout. Ich war ein wenig stolz darauf einen Platz gewählt zu haben, den auch ein norwegischer Scout als abgelegen empfand. Und ich hatte den besten Spot für mein Zelt. Es stand auf einen Felsvorsprung, gut drei Meter über dem See. Der Felsen eignete sich hervorragend zum Lümmeln, Sonnenbaden, Kochen und Essen sowie um Zwei- und Vierbeiner zu beobachten.
    Später zog ich los, meinen morgigen Weg zu erkunden. Ich bin so froh, dass ich das gemacht habe, denn er ist mit meinen Schuhen nicht passierbar. Es gibt drei Flüsse zu durchschreiten. Ohne nasse Füße wird das nix. Glücklicherweise hatte ich zum Erkunden meine Hiking-Flip-Flops an. Denen macht Wasser nix aus. Auf meinem Erkundungstrip entdeckte ich noch einen wunderschönen Wasserfall. Mit war heiß und meine Füße hatten sich beim Durchschreiten der Flüsse bereits an die Wassertemperatur gewöhnt. Also nahm ich ein erfrischendes Bad in meinem See. Über Bademode musste ich mir hier keine Gedanken machen und die Meinung der Fische war mir egal.
    So verging die Zeit und mein Magen meldete sich. Zum Abendrot gab es Pasta mit Lachs und dazu ein gletscherwasser-gekühltes Bier. Ich habe es seit Trondheim mit mir rumgeschleppt und für diesen Abend aufgehoben. Es war perfekt.
    Zum Nachtisch ein paar getrocknete Mangos und gesalzene Erdnüsse.
    Im Abendprogramm lief "Zeltaufbau mit drei Kindern leicht gemacht". Die drei hatten viel mehr Spaß, die langen Zeltstangen auf den Händen zu balancieren, als sie durch die Plane zu fädeln. Irgendwann klappte es doch.
    Ich zog noch einmal los, um etwas Handyempfang zu suchen. Laut Guide sollte ich Richtung Hauptweg Glück haben. Nach einer Biegung schaute ich den Hang hinauf. Auf dem Kamm stand ein großes Tier. Erst dachte ich an einen Ochsen. Doch es war zu filigran und dann sah ich den Schweif. Es war ein Pferd. Und dann noch eins und noch eins. Schön, dachte ich. Pferde hatte ich in Norwegen schon viele gesehen. Doch dann bemerkte ich, dass da kein Zaun und keine Koppel war. Waren das etwa Wildpferde? Gibt es Wildpferde in Norwegen? Von Elchen und Moschusochsen hatte ich gehört. Aber nicht von Wildpferden. Ich stieg den Hang hinauf. Allerdings von der abgewandten Seite und spähte über den Kamm, wo ich die Tiere vermutete. Und plötzlich standen sie vor mir und grasten. Vielleicht dreißig Meter entfernt. 17 Tiere - darunter ein Fohlen. Sie bemerkten mich, störten sich aber nicht an mir. Und hier war weit und breit kein Zaun. Die Pferde lebten frei. Ich schaute ihnen zu und war fest der Meinung Wildpferde zu beobachten. Leider klärte mich später der Scout auf, dass es domestizierte Tiere sind, die allerdings im Sommer hier oben frei leben. Also Saison-Wildpferde :)
    Sonst gab es nicht viel zu berichten. Die Moschusochsen gegenüber sind immernoch da. Drei Erwachsene und zwei Kälber. Die Kälber spielen gerade in einem Schneefeld und jagen sich.
    Philipp kommt nun definitiv am Samstag an und wir können gebührend feiern. Lara weiß noch nicht, wie sie's schafft und meldet sich, wenn sie da ist. Lisa hat wohl größere Probleme und nimmt morgen wahrscheinlich den Zug. Ich werde mich bei ihr melden. Und Melanie hat eine Braincooler-Bar gefunden und kämpft sich wacker durch.
    Auf meine letzte Nacht im Fjell! Gute Nacht!
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  • Day26

    Ein Bett ist ein Bett

    July 26 in Norway ⋅ ⛅ 21 °C

    Mein Zeltboden blieb tatsächlich trocken und mein Zelt hatte somit seine erste kleine Prüfung bestanden.
    Dennoch - so schön dieser Platz auch ist und so schnell die Gedanken an ein richtiges Bett beim Blick in die Landschaft verfliegen - ein Bett ist ein Bett. Und das wünschte ich mir manchmal letzte Nacht. Es war weniger die Kälte - ich trug meine Wollunterwäsche aus Åndalsnes - als vielmehr die Luftmatratze und das Camping-Kissen. Vielleicht gewöhnt man sich mit der Zeit daran, wie der Körper sich auch an den Rucksack gewöhnt. Aber dies werde ich in diesem Urlaub glücklicherweise nicht mehr herausfinden :)
    Aber wie gesagt - diese Gedanken waren mit den ersten Sonnenstrahlen und dem Erspähen von Fischen im See verflogen.
    Meine Nachbarn waren ebenfalls schon wach und die Kinder in Aufregung. Drei große Moschusochsen stampften gemächlich den gegenüberliegenden Hang hinunter in Richtung des Flusses, der dieses Tal teilt. Doch sie ließen sich dabei so viel Zeit, dass ich mir ganz in Ruhe einen Kaffee machen konnte und nichts verpassen würde. Ich konnte sie von meinem Balkon gut sehen.
    Mit meinem Kaffee gesellte ich mich zu dem Schweizer, der nahe an Fluss auf einem Felsen seinen Beobachtungsposten bezogen hatte. Wir kamen etwas ins Gespräch und beobachteten die drei Kolosse, wie sie langsam näher kamen. Auch die drei Kinder und später die Frau kamen dazu.
    Ihr Scout hatte jedoch dass Frühstück bereitet und so saß ich bald wieder ganz allein.
    Die drei Ochsen erreichten den Fluss und das kühle Wasser tat ihnen bei der Hitze sichtlich gut. Sie hatten Spaß und sie planschten regelrecht in dem Fluss. Es war ein schöner Anblick, diese riesigen Tiere so springen zu sehen. Doch kam mir auch der Gedanke, dass das veränderte Klima den Tieren vermutlich sehr zu schaffen macht.
    Die Schweizer räumten ihr Lager zusammen und ich freute mich auf eine weitere Runde ungestörtes Schwimmen. Doch just in dem Moment, als die Gruppe aus meinem Blickfeld verschwand, kam ein junges Pärchen um die Ecke. Der männliche Part hielt ein elektronisches Gerät in der Hand und steuerte zielsicher auf die Stelle im Fluss zu, die auch meine Komoot-App als Wanderweg kennzeichnete. Nur gab es dort kein Rüberkommen. Das merkten sie dann auch und blickten ratlos in die Gegend. Dann sahen sie mich, sprachen kurz und kamen in meine Richtung. Es waren Deutsche aus Dortmund auf der Suche nach Moschusochsen. Sie hatten noch keine gesehen und fragen mich, ob es hier welche gäbe. In diesem Tal war es wahrscheinlicher welche zu entdecken, als keine zu sehen. Und tatsächlich waren auf einem weit entfernten Schneefeld zwei sich bewegende Punkte zu sehen. Mit dem Fernglas, welches das Mädchen trug, wurden die Punkte als Moschusochsen bestätigt.
    Ich erzählte den beiden von meinen gestrigen Erfahrungen mit dem Weg und empfahl einen anderen zu suchen. Ohne Gepäck - und sie hatten keins - konnte man auch gut die Wand erklimmen. Das war die beste Option und sie wählten sie. So war ich wieder allein und meinem Bad stand nichts im Wege.
    Es war so erfrischend, dass ich anschließend einen Moment in der Sonne brauchte, um wieder warm zu werden. Aber es tat mir sehr gut. Auch was das Reinheitsgefühl angeht.
    Dann hieß es langsam zusammenpacken. Als ich alles verstaut hatte, nahm ich mir noch einen ruhigen Moment der Stille, um Abschied von diesem besonderen Ort zu nehmen. Ich ging mit einem Gefühl vollkommener Zufriedenheit und Gelassenheit. Ich wurde mit einer wunderschönen Zeit beschenkt und war dafür sehr dankbar.
    Ich nahm nicht den Wanderweg zurück nach Kongsvold sondern stieg ebenfalls den Hang hinauf. Dort, wo ich gestern die Pferde gesehen hatte. Es ging immer höher hinauf und die Aussicht war grandios. Ich konnte noch einmal über die ganze Hochebene schauen und Snøhettas Gipfel strahlte in der Sonne.
    Die Orientierung im Fjell war ohne Wanderweg gar nicht so leicht. Ich hatte zwar meine App, doch mehrmals dachte ich, wieder auf dem Wanderweg zu sein, folgte der ausgetretenen Spur, nur um festzustellen, dass diese sich irgendwo zwischen Sträuchern und Fjellmoos verlor. So stampfte ich im Zick-Zack durchs Fjell und fand schließlich den Wanderweg und dann auch den Bahnhof. Ich hatte noch gut 40 Minuten und sechs Prozent Akku. Passt!
    Jetzt sitze ich im Zug. Lara ist heute angekommen und hat Mal eben eine Marathon-Etappe (42km!) zurückgelegt. Verrückt! Sie schläft auch im Wanderheim und sollte sie noch ansprechbar sein, stoßen wir sicher noch auf ihren Triumph an. Philipp kommt morgen und wir haben gegen 18 Uhr ein Date an der Kathedrale.
    Ich muss mir nachher unbedingt noch etwas zu beißen organisieren. Mein Proviant ist restlos aufgebraucht. Macht nix - Kekse, Müsliriegel und Tütenessen mag ich grad nicht mehr sehen ;)
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  • Day10

    Genug Kultur... ab in die Berge

    July 21 in Norway ⋅ 🌧 13 °C

    Bei Nieselregen abbauen und erste Havarie... das Gummiseil von einer Vorzeltstange ist gerissen! Na mal sehen, welche Lösung wir beim Wiederaufbau finden.

    137 km über Orkanger, Meldal, Berkåk und Oppdal zum Zeltplatz „Magalaupe Camping“.
    In westlicher Richtung jetzt der Dovrefjell-Sunndalsfjella Nasjonal-Park (höchste Erhebung bis 2209 m Svånå tindan).
    Die eingangs erwähnte, defekte Zeltstange wird in Stücken getaped und wieder eingesetzt... geht!

    Nach einem Süppchen der Fa. Maggi noch zwei kurze Abstecher ins geologische.
    Als erstes die für den Campingplatz namensgebenden Stromschnelle (der Fluss Driva verengt sich hier auf etwa 1,5 m; Tiefe vermutlich 10 m) mit Gletschertöpfen und dann noch den eindrucksvollen Gletschertopf Kjerringkjelen in der Nähe von Oppdal (mussten wir mit drei App‘s suchen... fast wie Geo-caching).

    Morgen geht’s in‘s Moor und übermorgen vielleicht in die Nähe eines kleinen Gletschers, der hoffentlich noch existiert.
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  • Day11

    Nationalpark Dovrefjell

    August 1 in Norway ⋅ ☁️ 16 °C

    Unser heutiges Mittagessen nahmen wir im Hafen von Kristiansund zu uns, die Aussicht auf den riesigen Hafen war toll!
    Danach fuhren wir weiter in den Nationalpark Dovrefjell. Hier soll es Moschusochsen und wilde Rentiere. Auf dem Weg hierher änderte sich die Natur schlagartig in Südnorwegen hohe Berge von Fjorden durchzogen und hier sanfte Hügel mit Moosen bedeckt und eine weite Sicht in die Landschaft.Read more

  • Day24

    Anstrengende aber lohnenswerte Wanderung

    July 10 in Norway ⋅ ⛅ 9 °C

    Die Sonne scheint, wir überlegen, ob wir erst hoch auf den Berg wandern sollten oder erst frühstücken. Wir entscheiden uns für erst frühstücken. Stellt sich im Nachhinein auch als richtige Entscheidung heraus. Dann nehmen wir wieder den anstrengenden Weg nach oben in Angriff. Als wir oben ankommen, bin ich schon ganz traurig, dass wieder keine Moschusochsen zu sehen sind. Bis mich eine nette Norwegerin auf die schwarzen Flecken unten im Tal aufmerksam macht:))
    Oh, das ist eine Freude! Wir gehen weiter hinab ins Tal, um ihnen näher zu kommen. Man darf das nicht übertreiben und sollte sich nicht näher als 200 m heranwagen, denn so ein Tier greift potentielle Gefahren gern mal schnell an. Und "schnell" ist dann auch schnell. Auf einem Schild stand: "Der Weltrekord auf 100 m sind 9,5 sec., für Moschusochsen 6 sec."!!
    Wir gehen weit nach unten ins Tal, aber das ist sehr beschwerlich. Es gibt keine Wege und man tritt nur auf die Moose und Flechten (hier gibt es über 350 Moos- und Flechtenarten und andere niedrig am Boden wachsenden Pflanzen, u.a.viele endemische Arten) und der gesamte Nationalpark, übrigens das letzte intakte Hochgebirgsökosystem Europas, besteht "nur" aus diesen Bewuchs. Die Landschaft sieht wirklich überwältigend aus.
    An einer Stelle treffen wir auf eine Familie aus Sachsen, die uns erzählen, dass sie schon mehrere Male hier waren und ein paar Kilometer weiter ganz nah - aus Versehen - an die Ochsen herangekommen waren und sich ganz langsam und vorsichtig wieder entfernt haben. Wir wollen auch noch näher heran und gehen immer weiter hinab zu der Fläche, wo sich mittlerweile schon 14 Tiere, darunter auch viel Jungtiere eingefunden haben. Wir müssen über Bäche, moorastige Bereiche, Steine und Hügel klettern und unser Sofahund Milou ist völlig erschöpft. Er setzt sich immer wieder hin, so dass ich Micha sage, er soll allein weiter und ich bleibe mit Milou sitzen. Die Stelle ist nicht schlecht, um die Tiere sehr gut mit dem Fernglas beobachten zu können. Micha nähert sich ihnen bis auf etwa 200 m (von hier oben sieht es näher aus und ich habe schon ein bisschen Angst um ihn) und kann mit der Kamera tolle Fotos schießen. Für Fotos mit dem Handy ist es immer noch zu weit, aber dafür muss man sich nicht unnötig in Gefahr begeben. Nach etwa einer Stunde kommt Micha zurück und wir klettern den Berg wieder rauf. Lustig, dass oben stand, man solle sich auf den Wegen halten- welche Wege??? Gegen 14 Uhr sind wir wieder am Stellplatz - war also gut, dass wir gefrühstückt hatten:), wir genießen noch ein bisschen die Sonne und fahren dann weiter. Heute Abend wollen wir noch den Trollstiggen entlang fahren.
    Die Fahrt dahin entpuppt sich schon als wunderschöne Strecke. Diese Wasserfälle an jeder Ecke und die Berge werden immer höher und dann stehen wir vor dem Trollstiggen, der berühmtesten Bergstraße Norwegens. In elf Haarnadelkurven geht es an der Felswand entlang. Bei jeder Parkbucht halten wir an und sind beeindruckt. Ganz oben an dem großen Parkplatz halten wir länger an und laufen an einem Fluss entlang, der direkt dort aus dem Berg zu kommen scheint, denn das Wasser ist so klar, als würde es aus der Leitung laufen. Wir gehen bis zur Aussichtsplattform. Das ist wirklich alles sehr schön gemacht und der Ausblick raubt einen den Atem. Glücklicherweise gibt es auch nur noch wenige Touristen, deshalb wollten wir auch am Abend da sein, wenn die Kreuzfahrtttouristen schon wieder auf ihren Schiffen sitzen. Wir bleiben lange da oben stehen und auch Milou ist glücklich, denn er hat dort die Liebe zu einem Schaf entdeckt:)
    Dann fahren wir noch ein Stück den Berg hinunter und stellen uns auf einen Stellplatz an einem Fluss und neben der Straße, die man aber wegen eines Hügels nicht hören kann und in der Nacht auch nicht weiter befahren wird. Es gibt noch Abendessen und gleich im Anschluss das Bett.
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You might also know this place by the following names:

Oppdal, أوبدال, Опдал, ওপ্পডাল, Oppdali vald, Kommun Oppdal, Oppdal kommune, Оппдал, Oppdals kommun, 奧普達爾

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