• Uta Vogel
  • Uta Vogel

Wandern Hierro und La Gomera

Ein 16-Tage Abenteuer von Uta Weiterlesen
  • Teil 2 unserer Wanderung

    1. März in Spanien ⋅ 🌬 15 °C

    Die Ruta de la Llanía beginnt am historischen Brunnen von La Llanía. Er wurde in den schwierigen 1940er-Jahren von der Regionalverwaltung erbaut, um Mensch und Vieh in dieser wasserarmen Region zu versorgen – ein Kapitel der Inselgeschichte, an das sich die älteren Einwohner noch heute gut erinnern. Von dort aus führt der Rundweg in drei Varianten durch die Natur.

    Schon zu Beginn fasziniert der schnelle Landschaftswechsel: Zunächst tauchen wir in den dichten, feuchten Nebelwald El Brezal ein. Märchenhafte Heiden, Farne, Flechten und Moose überwuchern hier alles. Es ist ein Ort, der fast ausschließlich von der Feuchtigkeit des Passatnebels lebt, der sich in den Ästen verfängt.
    Obwohl El Hierro vom Ozean umgeben ist, war die Wasserknappheit seit jeher die Achillessehne der Insel. Ohne ausreichend Süß- und Quellwasser wurde das Überleben oft zur schier unlösbaren Herausforderung. Zahlreiche Dürreperioden prägten die Jahrhunderte; die letzte große Katastrophe liegt mit der „Großen Dürre“ von 1948 noch nicht einmal 100 Jahre zurück.

    Die Herreños suchten über Generationen mit allen Mitteln nach Wasser. Die wenigen gefundenen Quellen hatten jedoch meist nur geringe Schüttmengen und versiegten in den Sommermonaten fast vollständig. Eine dieser lebenswichtigen Fundstellen ist die Quelle von El Lomo, die Anfang der 1940er-Jahre zu einer Art Wasserhaus ausgebaut wurde. Das Gebäude verfügt über einen hauptsächlich unterirdischen Behälter zum Speichern und Schöpfen des kostbaren Nass. Es gibt zwei separate Zugänge: einen für die Bevölkerung und einen für das Vieh. Letzterer war eine enorme Erleichterung für die Hirten aus dem Dorf El Pinar, die die Gegend regelmäßig mit ihren Herden durchstreiften.

    Bald wandelt sich die Szenerie erneut: Der dichte Wald lichtet sich und wir erreichen offenere, trockenere Abschnitte, die deutlich von der vulkanischen Natur der Insel geprägt sind. Von hier aus führt unsere Route ganz gemächlich bergab, durch den mächtigen Kiefernwald zurück zum Ausgangspunkt unserer Wanderung.
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  • Abendessen im „Las Vestas“

    1. März in Spanien ⋅ 🌬 16 °C

    Unsere Wirtin hatte uns dieses Restaurant bereits gestern Abend wärmstens empfohlen. Doch als wir heute Mittag zum Abschluss unserer Wanderung dort einkehren wollten, war es bis auf den letzten Platz ausgebucht. Kurzerhand gönnten wir uns zwei Tiramisus „to go“ – ein klassisches und eines mit Pistazie –, die wir genüsslich auf dem gegenüberliegenden Platz verspeisten, während wir direkt einen Tisch für den Abend reservierten.
    Am Abend teilten wir uns zwei der Tagesempfehlungen: hausgemachte Kürbis-Ravioli in einer cremigen Vier-Käse-Soße und eine hervorragende, reich belegte Pizza. Doch nicht nur das Essen begeisterte uns, sondern vor allem die extrem herzliche Bedienung. Sie stammt ursprünglich aus Barcelona, ist weit gereist und schließlich auf El Hierro „hängengeblieben“, um sich um ihren gebrechlich gewordenen Vater zu kümmern.

    Als ich mich für ihre Gastfreundschaft bedankte, sagte sie einen Satz, der uns noch lange begleiten wird: „Ich bin viel gereist und weiß genau, wie es sich anfühlt, in der Ferne unterwegs zu sein und niemanden zu kennen. Da ist es doch viel schöner, wenn man ins Gespräch kommt und mit einem Lächeln – und zur Not mit Händen und Füßen – aufeinander zugeht.“ Wie recht sie hat!
    Sie erzählte uns außerdem, dass die Kunstausstellungen im Restaurant alle zwei Monate wechseln und die Bilder auf den Tischen berühmten Persönlichkeiten der Insel gewidmet sind. Der Bruder des Besitzers ist zudem ein bekannter kanarischer Fotograf, dessen beeindruckende Bildbände im Restaurant ausliegen. Was für ein bereichernder Abend und was für ein besonderes Erlebnis zum Abschluss!
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  • Mirador de Las Playas auf 1.050 m.ü.d.M.

    2. März in Spanien ⋅ ⛅ 15 °C

    9,26 km - 80 m Aufstieg - 1.120 m Abstieg

    Hier starten wir heute unsere wunderschöne letzte Wanderung auf El Hierro bei windstillem, sonnigem Wetter. Unser Ziel, der Parador, liegt tief unter uns an der Küste. Zwei historische Pfade führen von diesem Hochplateau hinunter an den Strand von Las Playas. In der Vergangenheit wurden diese Wege für die Mudadas genutzt – die saisonalen Umzüge der Inselbewohner. Zwischen den Winter- und Sommermonaten wurden auf diesen Pfaden ganze Haushalte samt Menschen, Haustieren und Hausrat umgesiedelt, um stets die besten Weidegründe und klimatischen Bedingungen zu nutzen.

    Daran müssen wir im Verlauf unserer Tour immer wieder denken. Hatte ich vorgestern noch behauptet, jene Tour sei eine der schwersten unserer Wanderkarriere gewesen? Das ist inzwischen Geschichte! Der heutige Abstieg am Ende der Wanderung stellt alles Bisherige in den Schatten: Es geht auf kürzester Distanz über 800 Meter steil in die Tiefe.

    Doch zunächst genießen wir die Ruhe vor dem Sturm. Unser Weg bleibt vorerst auf gleicher Höhe und führt uns durch herrliche, blühend Landschaften. Wir wandern vorbei an einem ehemaligen Vulkankrater und entlang dramatischer Abbruchkanten. Unser Pfad schlängelt sich durch terrassierte Felder und riesige Flächen voll blühendem Ginster. Schließlich erreichen wir das idyllische Örtchen Isora mit seinen hübschen Häusern, von denen man einige sogar als Feriendomizil mieten kann.
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  • Isora mit Wanderbegleitung

    2. März in Spanien ⋅ ☀️ 16 °C

    Isora ist ein wahrhaft bezaubernder Ort mit weit verstreuten, teilweise mit viel Liebe zum Detail gepflegten Häuschen. Während wir durch die beschaulichen Gassen schlendern, werden wir plötzlich stürmisch begrüßt: Ein kleiner, struppiger Hund kommt freudestrahlend und heftig schwanzwedelnd auf uns zu. Es wirkt fast so, als hätte er nur auf uns gewartet, und so begleitet er uns – sichtlich stolz über seine neue Aufgabe – ein gutes Stück des Weges.

    Doch er ist nicht unser einziger Beobachter. Ein Stückchen weiter beäugen uns drei wunderhübsche Katzen mit neugierigen Blicken aus sicherer Entfernung, während ein prächtiger Hahn die Situation wohl etwas missversteht. In einem engen Hohlweg fühlt er sich durch unsere Anwesenheit offenbar in die Enge getrieben; er hastet aufgeregt gackernd vor uns her, bis er schließlich mit einem kräftigen Flügelschlag die Natursteinmauer erklimmt. Von dort oben schaut er auf uns herab, wohl wissend, dass er nun in Sicherheit ist – auch wenn wir ihm natürlich niemals ein Haar (oder eine Feder) gekrümmt hätten.

    Nach diesen charmanten dörflichen Begegnungen ist es nun nicht mehr weit bis zum Mirador de Isora, wo die Idylle des Dorfes jäh in den spektakulären Tiefblick übergeht.
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  • Dramatischer Abstieg ab Mirador Isora

    2. März in Spanien ⋅ ☀️ 17 °C

    Isora ist ein Ort, der traditionell von Landwirtschaft und Viehzucht geprägt ist. Noch heute ziehen Viehhirten – oft in die typischen Decken gehüllt – mit ihren Schafherden über die fruchtbaren Ebenen von Nisdafe, die bis Ende des 19. Jahrhunderts gemeinschaftlich genutzt wurden.

    Der Aussichtspunkt von Isora liegt am oberen Rand eines steilen Hangs, stolze 800 Meter über dem Meeresspiegel. Das Tal, das sich unter uns ausbreitet, erinnert an das Tal von El Golfo. Es ist zwar mit einem Umfang von 8 km nicht ganz so ausgedehnt, wirkt dafür aber umso beeindruckender, da es fast senkrecht zum Meer abfällt und der Untergrund extrem zerklüftet ist.
    Der Pfad, der nach Las Playas hinunterführt, hat eine bewegte Geschichte: Früher nutzten ihn ganze Familien, um mitsamt Tieren und Hausrat für einige Zeit an die Küste zu ziehen. Die Hirten mussten dabei oft „Heldentaten“ vollbringen, um verirrte Ziegen aus den steilen Felsen zu retten. Mehr als einer von ihnen bezahlte diesen Mut mit dem Leben – die vielen Gedenkkreuze am Wegesrand sind stumme Zeugen dieser Tragödien. Doch Isora ist nicht nur für Viehzucht bekannt; die hiesigen Früchte, allen voran Birnen, Pflaumen und Herzpfirsiche, gelten als die besten der Insel. Weit unter uns, im Tal von Las Playas, glänzt bereits der Parador Nacional, unser Hotel für die letzte Nacht auf der Insel.

    Die Abstiegsroute gilt als anspruchsvoll bis „extrem schwer“. Absolute Trittsicherheit, Orientierungssinn und volle Konzentration sind hier überlebenswichtig. Für Joe ist es eine besondere Herausforderung, da er nicht ganz schwindelfrei ist. Bei fast völliger Windstille und sengender Hitze wird jeder Schritt zur schweißtreibenden Millimeterarbeit. Wir legen immer wieder Trinkpausen ein, um Kräfte für das nächste Steilstück zu sammeln. Als wir schließlich das Meer erreichen, sind wir unendlich erleichtert – nach nur 2,3 Kilometern haben wir bereits 800 Höhenmeter in den Knochen.
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  • Übernachtung im Parador von Hierro

    2. März in Spanien ⋅ ☀️ 18 °C

    Als wir die Küstenstraße erreichen, ist der Rest nur noch ein Kinderspiel. Die letzten 1,2 Kilometer lassen wir unsere Tour fast auf gleichbleibender Höhe ausrollen – auf einer asphaltierten Straße mit weitem Blick aufs Meer in Richtung des Paradors. Er liegt idyllisch vor uns, und nach den eher einfachen Unterkünften der letzten Tage freuen wir uns riesig auf dieses besondere Haus. Ein echtes Highlight: Zum ersten Mal haben wir ein Restaurant direkt im Gebäude und müssen am Abend nicht noch einmal loswandern.

    Wir beziehen unser Zimmer mit Meerblick, duschen, waschen die heutige Wanderwäsche aus und lassen uns dann auf der Terrasse nieder. Mit dem Ozean vor Augen genießen wir die herrliche Ruhe und das süße Nichtstun. Ich schreibe an meinem Reisetagebuch, und danach spielen wir einige Runden Rummikub, bevor wir uns am Abend kulinarisch verwöhnen lassen.

    Schon während des Essens zieht es jedoch zu, und es beginnt, Bindfäden zu regnen. Davon ist am nächsten Morgen glücklicherweise nichts mehr zu sehen. Lange bevor die Sonne aufgeht, schenkt uns der Himmel ein spektakuläres Morgenrot. Wir genießen erst den Sonnenaufgang und nach einer heißen Dusche ganz ohne Zeitdruck das exzellente Frühstück. Wir werden herzlich und liebevoll umsorgt und freuen uns auf einen entspannten Tag ganz ohne Wandertour. Am Nachmittag geht es mit der Fähre zurück nach Teneriffa und am Abend weiter nach La Gomera, wo wir Karin und Bernd für die zweite Woche unseres Wanderurlaubs treffen werden.
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  • Stürmische Fährüberfahrt

    3. März in Spanien ⋅ 🌬 17 °C

    Um 12:30 Uhr holt uns das Taxi am Hotel ab und bringt uns zum Fährhafen, wo unser Schiff bereits angelegt hat. Schon auf dem Weg dorthin überholen wir zwei Radreisende auf vollgepackten E-Bikes, die kurz darauf mit uns am Check-in warten. Die beiden kommen aus Lübeck, wirken schlank und drahtig und sind bereits seit mehreren Wochen auf den Kanaren unterwegs. Ihr Auto haben sie in Cádiz auf dem Festland zurückgelassen und sind nur mit ihren eigenen Rädern und schweren Packtaschen losgezogen. Sie übernachten meist auf Campingplätzen oder in einfachen Unterkünften und haben nun fast alle Inseln bereist – nur La Palma fehlt ihnen noch.

    Die beiden sind Ende 60 und haben uns tief beeindruckt. Er ist beinamputiert und fährt mit einer Prothese, die zu allem Übel auf Teneriffa kaputtging und ersetzt werden musste. Zehn Tage lang saßen sie fest und mussten auf das Ersatzteil warten, doch nun kann er wieder kräftig in die Pedale treten. Das Paar strahlt eine Bescheidenheit und Lebensfreude aus, die ansteckend wirkt. Sie haben schon viel von der Welt gesehen; zuletzt waren sie in Vietnam mit dem Rad unterwegs, von Saigon bis nach Hanoi – damals übrigens noch ganz ohne „E-Unterstützung“. Ihr absolutes Lieblingsziel seien jedoch die Philippinen gewesen; sie schwärmen so sehr davon, dass sie uns eine Reise dorthin wärmstens ans Herz legen.

    Dann beginnt das Boarding. Ein kurzer Vorzeig des Personalausweises genügt und wir sind an Bord. Die Fähre legt überpünktlich ab, doch kaum haben wir das schützende Hafenbecken verlassen, beginnt das Schiff kräftig zu schwanken. Einen vergleichbaren Seegang haben wir schon lange nicht mehr erlebt. Erst als wir in den Windschatten von La Gomera gelangen, beruhigen sich die Wellen – dafür peitscht uns nun strömender Regen entgegen. Joe checkt die regionale Wetter-App, die für die nächsten drei Tage Dauerregen vorhersagt. Wir hoffen inständig, dass sie sich irrt und das Wetter – wie so oft auf unseren Reisen – am Ende doch besser wird als angekündigt.
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  • Zwischenstopp auf Teneriffa

    3. März in Spanien ⋅ ☀️ 16 °C

    Unsere Fähre legt pünktlich um 16:20 Uhr auf Teneriffa an. Wir verstauen unsere Koffer direkt im Gepäckanhänger für die Anschlussfähre um 20:00 Uhr nach La Gomera, um die Hände frei zu haben. Joe hat netterweise im Vorfeld einen Friseur für mich herausgesucht. Ich lande bei zwei Italienerinnen, die sich auf der Insel niedergelassen haben und mich ganz unkompliziert für einen „Cut & Go“-Schnitt dazwischenschieben.

    Frisch frisiert stärken wir uns anschließend im Agua Viva, das wir schon von unserem letzten Aufenthalt kennen. Wir bestellen einen absolut empfehlenswerten Rosa Sangria mit Grapefruit – eine sehr leckere Entdeckung! Dazu genießen wir exzellentes Thunfischtatar und perfekt gegrillten Thunfisch. Inzwischen hat der Wind die Regenwolken vertrieben, die Sonne zeigt sich wieder und es ist fast windstill geworden. Ein idealer Ausklang für die Zeit auf Teneriffa, bevor es zum zweiten Teil unseres Urlaubs auf die "Insel der Wanderer" geht.
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  • Ankunft auf La Gomera

    3. März in Spanien ⋅ 🌬 14 °C

    Nach einer sehr stürmischen Überfahrt haben wir La Gomera endlich erreicht. Karin und Bernd, die bereits etwas früher angekommen waren, empfangen uns direkt an der Fähre. Wir stellen unsere Koffer schnell aufs Zimmer und wollen eigentlich nur noch gemütlich etwas trinken gehen. Doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht: In den Restaurants bekommt man oft nur dann einen Platz, wenn man auch zu Abend isst – das gilt leider auch für unsere Unterkunft, das Hotel Torre del Conde.

    Am nächsten Morgen herrscht beim Frühstück ein ziemliches Gedränge. Zahlreiche Wandergruppen sind hier untergebracht und rüsten sich für ihre erste Tour auf der Insel. Viele der Mitstreiter wirken fast schon übertrieben optimistisch und sind in kurzen Hosen erschienen. Zwar scheint hier in San Sebastián de La Gomera tatsächlich die Sonne von einem strahlend blauen Himmel, doch der Blick nach oben verrät: Die Berge im Hinterland sind bereits tief wolkenverhangen.
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  • Wanderstart am Alto del Contadero

    4. März in Spanien ⋅ 🌬 14 °C

    12,3 km - 60 m Aufstieg - 1.220 m Abstieg

    Um 9:00 Uhr holt uns das Taxi am Hotel ab. Eine Dreiviertelstunde lang geht es hinauf in die abgeschiedene Bergwelt der Inselmitte. Schon am Startpunkt unserer Wanderung am Alto del Contadero auf 1.340 m spüren wir den Atlantikwind, der über die Kämme peitscht. Er trägt salzige Feuchtigkeit mit sich und webt den Nebel zu dichten Schleiern, die über die Höhenrücken ziehen. Regenjacke, lange Hose, feste Schuhe und sogar Handschuhe sind heute Pflicht.

    Der Pfad ist nass, vom Regen teils ausgewaschen und aufgeweicht. Doch die Feuchtigkeit hat ihr Gutes: Sie lässt das Grün der Pflanzen fast unnatürlich intensiv leuchten. Riesige Lorbeerbäume und Baumfarne stehen wie stille Wächter am Wegesrand – von ihren Blättern tropft es endlos, und die Luft ist erfüllt vom schweren Duft nach Erde, Moos und feuchtem Holz.

    Die Route beginnt mit einem allmählichen Abstieg und folgt größtenteils einem alten Verbindungsweg, der einst als Pilgerpfad zur kleinen Einsiedelei diente. Eigentlich hatten wir uns für unsere Wanderwoche im März kanarischen Sonnenschein erhofft, doch stattdessen wirkt dieser Lorbeerwald wie eine Welt aus einer anderen Zeit – mystisch, still und vollkommen entrückt. Bei gerade einmal 7 °C und kräftigem Wind ist es auf den ersten Kilometern empfindlich frisch, doch wir laufen uns warm und genießen es, wie die Temperatur mit jedem Meter Abstieg ganz allmählich nach oben klettert.
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  • Einsiedelei Nuestra Señora de Lourdes

    4. März in Spanien ⋅ 🌬 15 °C

    Nach einer guten Stunde Gehzeit erreichen wir die kleine Einsiedelei Nuestra Señora de Lourdes. Sie liegt tief in die Landschaft eingebettet und wird von uralten, schattenspendenden Bäumen beschützt. Die Kapelle selbst ist schlicht und heute verschlossen, umgeben von einladenden, lauschigen Picknickplätzen.

    Direkt neben der Kapelle stoßen wir auf ein faszinierendes Phänomen: Ein Baum, aus dessen Stamm oder Wurzelwerk klares, frisches Wasser sprudelt – fast wie aus einer kleinen Quelle. Wanderer nennen ihn oft den „Magic Tree“ oder den „Tinkling Tree“. Auch wenn es sich im streng biologischen Sinne nicht um ein botanisches Wunder handelt, ist der Effekt spektakulär.
    In dieser wasserreichen Region des Lorbeerwaldes verlaufen viele Quellen unterirdisch. Der Baum steht direkt über einem solchen Grundwasseraustritt; das Wasser scheint förmlich aus dem Holz zu entspringen, bevor es an den Wurzeln entlangläuft. Ob es reine Naturkraft oder eine geschickt verborgene Zuleitung ist, lässt sich kaum mit Bestimmtheit sagen – und eigentlich möchte man das Rätsel auch gar nicht lösen. Es bleibt einfach ein faszinierender, magischer Anblick!

    Von hier aus führt uns der Weg weiter bergab, vorbei an den vereinzelten Häusern des idyllischen Dorfes El Cedro, bis wir schließlich einen Campingplatz mit einem kleinen Restaurant erreichen.
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  • Mittagsrast im „La Vista“

    4. März in Spanien ⋅ 🌬 16 °C

    Wir sind ziemlich durchgefroren, als wir den Campingplatz und das Restaurant „La Vista“ erreichen. Dankbar lassen wir uns am offenen Kamin nieder. Hier gibt es ehrliches, typisch kanarisches Essen für wenig Geld, und wir stärken uns mit einer Auswahl an herzhaften, leckeren Eintöpfen. Während wir hier sitzen und wegen des Regens eine etwas längere Pause einlegen, beobachten wir, wie immer wieder Wandergruppen eintreffen – viele von ihnen sichtlich entkräftet und bis auf die Knochen durchgefroren.

    Die Stimmung ist fast schon dramatisch: Die einen kommen von unten und weigern sich angesichts des Wetters, den beschwerlichen Weg fortzusetzen. Die anderen haben die gleiche Strecke wie wir bereits hinter sich und wollen unter keinen Umständen weitergehen; sie hoffen verzweifelt, hier oben ein Taxi bestellen zu können.

    Doch wir lassen uns von dieser allgemeinen Resignation nicht abschrecken. Vor uns liegt nun der schwierigste Teil der Wanderung: der steile Abstieg. Wir nehmen uns fest vor, die Sache konzentriert, vorsichtig und in unserem eigenen Tempo anzugehen.
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  • Abstieg nach Hermigua

    4. März in Spanien ⋅ 🌬 16 °C

    Hermigua – Das grüne Herz der Insel

    Hermigua ist ein tiefgrünes, langgestrecktes Tal, das für sein besonderes Mikroklima und seine schier endlosen Bananenplantagen bekannt ist. Seine Geschichte ist untrennbar mit dem Wasser verknüpft: Schon vor der spanischen Eroberung bot das wasserreiche Tal den Ureinwohnern, den Gomeritas, ideale Lebensbedingungen. Im 16. Jahrhundert entwickelte sich Hermigua zu einem wirtschaftlichen Zentrum – erst boomte das Zuckerrohr, später der Weinbau. Davon zeugen noch heute die stolzen, herrschaftlichen Häuser im Ort.
    Anfang des 20. Jahrhunderts stellten die Bauern auf Bananen um. Da die Küste hier jedoch schroff ist und keinen natürlichen Hafen besitzt, errichtete man 1908 den berühmten Pescante. Die riesigen Betonsäulen der Verladestation ragen noch heute wie Mahnmale aus dem Meer; sie dienten dazu, die Früchte direkt auf die Schiffe zu hieven. Lange galt das Tal als „reichster“ Ort der Insel, bis in den 1950er- und 60er-Jahren die große Abwanderungswelle nach Venezuela und Teneriffa einsetzte.

    Heute ist Hermigua kein Ort für Massentourismus, sondern ein Refugium für Individualisten. Zu den wichtigsten Wahrzeichen gehören:

    • El Pescante: Die Ruinen der Verladestation und das benachbarte Meerwasserschwimmbecken (das wegen Steinschlag oder starker Brandung allerdings oft gesperrt ist).
    • Roques de San Pedro: Zwei markante Vulkanschlote, die wie Wächter über dem Tal thronen – an ihnen sind wir heute direkt vorbeigewandert.
    • Convento de Santo Domingo: Ein Dominikanerkloster aus dem 16. Jahrhundert mit einer beeindruckenden Kassettendecke im Mudejar-Stil.
    • Museo Etnográfico: Hier wird das traditionelle Handwerk lebendig. Es liegt direkt neben unserem Restaurant, schloss aber leider gerade seine Pforten, als wir ankamen.

    Das Flair hier oben ist einzigartig: Es ist meist ein paar Grad kühler als im Süden, und oft verfängt sich der Passatnebel an den Gipfeln. Das verleiht dem Tal zwar sein sattes Grün, verlangt uns Wanderern aber auch öfter die Regenjacke ab. Kulinarisch verspricht der Ort einiges: Lokale Spezialitäten wie Potaje de Berros, die Brunnenkressesuppe stehen hier hoch im Kurs – ein vielversprechender Ausblick auf unsere zweite Nacht in diesem besonderen Tal.
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  • Terraza Restaurante Los Telare

    4. März in Spanien ⋅ 🌬 16 °C

    Eher zufällig entdecken wir am Ende eines langen Abstiegs dieses großartige Restaurant. Eigentlich wollten wir nur kurz einkehren, um etwas zu trinken, doch am Ende schlemmen wir uns fast durch die gesamte, höchst außergewöhnliche Speisekarte. Zu viert teilen wir uns vier Vorspeisen und zwei Hauptgänge, gekrönt von vier fantastischen Desserts.

    Wir sind restlos begeistert: Hier wird auf Sternen-Niveau gekocht! Der Service ist herzlich, aufmerksam und überaus zuvorkommend, das Essen schlichtweg köstlich. Jede Komponente ist frisch zubereitet und wunderbar harmonisch komponiert – eine absolute Empfehlung für jeden, der das Besondere sucht.

    Wir verweilen viel länger als geplant. Als wir schließlich den Heimweg antreten, ist es bereits stockfinster. Dass wir noch eine gute Dreiviertelstunde Fußweg vor uns haben, stört uns jedoch kaum – im Gegenteil: Wir genießen diesen ausgiebigen Verdauungsspaziergang unter dem nächtlichen Himmel von Hermigua in vollen Zügen.
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  • Hotel Rural Ibo Alfaro

    4. März in Spanien ⋅ ⛅ 15 °C

    Es ist bereits 20:00 Uhr, als wir endlich unser Hotel erreichen. Nach der langen Wanderung war der Weg hierher noch einmal richtig fordernd – besonders der „knackige“ Aufstieg am Ende hat uns den letzten Rest Ausdauer abverlangt. Der Rezeptionist war eigentlich schon auf dem Sprung nach Hause; er hatte uns vorsorglich bereits einen langen Brief samt Zimmerschlüssel an die Eingangstür gehängt. Wir sind heilfroh, dass er uns noch persönlich empfängt und kurz erklärt, wo unser Zimmer liegt. Da die Räume hier keine Nummern, sondern klangvolle Namen tragen, hätten wir uns ohne seine Hilfe im ersten Moment sicher glatt verlaufen.

    Nachdem wir unsere Wanderkleidung zum Trocknen aufgehängt haben, lassen wir den Tag gemütlich im Aufenthaltsraum ausklingen. Bei einem kühlen Getränk nutzen wir das WLAN: Ich schreibe an meinem Reisetagebuch, während Joe sich online auf den neuesten Stand bringt. Was war das – trotz des bescheidenen Wetters – doch wieder für ein wunderschöner und erfüllter Tag!
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  • Spektakulärer Mirador de Abrante

    5. März in Spanien ⋅ ⛅ 16 °C

    Der Mirador de Abrante ist zweifellos einer der spektakulärsten Aussichtspunkte der Kanarischen Inseln. Hoch über dem charmanten Ort Agulo gelegen, bietet er ein Erlebnis, das sich irgendwo zwischen purem Staunen und echtem Nervenkitzel bewegt.

    Das absolute Highlight ist der sieben Meter lange, gläserne Überhang, der kühn über die Klippenkante hinausragt. Sobald man diesen gläsernen Korridor betritt, scheint die Welt unter den Füßen zu verschwinden: Durch den Glasboden blickt man etwa 400 Meter senkrecht in die Tiefe auf das malerische Dorf Agulo und das schäumende Blau des Atlantiks.

    Bei klarer Sicht bietet sich hier zudem ein Logenplatz mit Blick auf den Pico del Teide auf der Nachbarinsel Teneriffa. Da Agulo oft als das „schönste Dorf von La Gomera“ gerühmt wird, eröffnet die Vogelperspektive ein perfektes Postkarten-Panorama aus terrassierten Feldern und den charakteristischen roten Ziegeldächern.
    Besonders faszinierend ist die Umgebung des Miradors, die für ihre leuchtend rote Erde bekannt ist. Dieser starke Kontrast zwischen dem satten Rot des Bodens, dem kräftigen Grün der Vegetation und dem tiefen Blau des Meeres macht diesen Ort zu einem absoluten Hotspot für jeden Fotografen.
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  • Vom Mirador de Abrante nach Vallehermoso

    5. März in Spanien ⋅ ⛅ 16 °C

    12,6 km – 340 m Aufstieg – 780 m Abstieg

    Unser heutiger Tag beginnt mal wieder mit einem kleinen logistischen Abenteuer. Da Karin und Bernd in einer anderen Unterkunft untergebracht sind als Joe und ich, hatten wir mit unserem Reiseveranstalter vereinbart, dass wir heute ein Stück weiter oben abgesetzt werden. Wir wollten uns den ersten, extrem steilen Aufstieg direkt in der Felswand ersparen.

    Nach dem Frühstück werden Joe und ich pünktlich abgeholt. Unser Bus füllt sich nach und nach mit weiteren Wanderern, bis wir schließlich acht Fahrgäste sind – allerdings fehlt von Karin und Bernd noch immer jede Spur. Als wir eine knappe halbe Stunde später bereits auf die Straße zum Mirador einbiegen, erhält unser Fahrer einen Anruf. Er fragt auf Spanisch kurz: „Wie viele Personen?“ Da wird uns schlagartig klar: Die beiden wurden schlichtweg vergessen. Ein kurzes Telefonat mit ihnen bestätigt das Durcheinander; sie stehen noch immer wartend an ihrer Unterkunft

    Mit einer guten halben Stunde Verspätung werden sie schließlich doch noch zum Mirador gebracht, und wir können unsere Wanderung endlich gemeinsam starten. Inzwischen hat sich das Wetter allerdings typisch gomerisch gewandelt: Der Himmel hat zugezogen, und wir wandern mal wieder im dichten Nebel durch die faszinierende „rote Marslandschaft“ oberhalb von Vallehermoso. Die roten Erdtöne wirken im fahlen Licht des Nebels fast surreal.
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  • Besucherzentrum Juego de Bolas

    5. März in Spanien ⋅ ⛅ 15 °C

    Direkt an unserer Wanderstrecke liegt das Besucherzentrum Juego de Bolas – quasi der perfekte „Appetitanreger“ für den Garajonay-Nationalpark. Es bietet einen fantastischen Überblick über die Natur und Kultur der Insel, bevor wir endgültig in den mystischen Nebelwald eintauchen.

    Das Zentrum ist alles andere als ein trockenes Museum; es ist ein weitläufiges Areal, das die verschiedenen Facetten La Gomeras beleuchtet. In den Ausstellungsräumen erfahren wir Wissenswertes über die Geologie, Flora und Fauna der Insel. Besonders spannend ist die Abteilung zur Pfeifsprache El Silbo, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. In traditionellen Gebäuden wird zudem anschaulich gezeigt, wie die Gomeros früher lebten und arbeiteten – von der mühsamen Landwirtschaft bis zum geschickten Handwerk.
    Rund um die Anlage erstrecken sich Gärten, in denen viele endemische Pflanzen der Insel zu finden sind. Es ist der perfekte Ort, um Arten wie die Kanarische Glockenblume oder verschiedene Sukkulenten aus nächster Nähe zu betrachten.

    Ein absolutes Muss ist der Besuch der kleinen Bäckerei: Dort werden die berühmten Gofio-Kekse angeboten, die mit einer unglaublichen Vielfalt an Aromen wie Zitrone, Ingwer, Fenchelsamen, Kardamom, Zimt oder Mandeln verfeinert werden. Ich entscheide mich für eine Zehner-Selektion – ein wunderbarer und nahrhafter Snack für unterwegs!
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  • Steiler Abstieg nach Vallehermoso

    5. März in Spanien ⋅ 🌬 16 °C

    Die letzten vier Kilometer führen uns auf schmalen Pfaden stetig talwärts, oft unmittelbar entlang steiler Abgründe. Dabei eröffnen sich uns grandiose Ausblicke in ein herrliches Bergpanorama. Zwischen markanten Vulkanschloten, verlassenen Terrassenfeldern und tiefen Tälern bringt uns der steinige Weg Schritt für Schritt unserem Ziel entgegen.

    Am Ende haben wir alle einmal mehr ordentlich wackelige Knie, sind aber einfach nur stolz und glücklich. Hier auf der Insel misst man den Wandererfolg eben nicht in Kilometern, sondern in den bewältigten Höhenmetern im Auf- und Abstieg.
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  • Übernachtung im Hotel Rural Triana

    5. März in Spanien ⋅ 🌬 16 °C

    Die nächsten beiden Nächte verbringen wir in einem traditionellen kanarischen Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert. Bei der Renovierung wurde viel Wert darauf gelegt, den historischen Charme originalgetreu zu erhalten. Das bedeutet: Die Räume haben beeindruckend hohe Decken mit dunklen Holzbalken, es gibt einen wunderschönen, typisch kanarischen Innenhof (Patio) und das Gebäude verfügt über mächtige Steinmauern. Diese kühlen im Sommer zwar hervorragend, speichern momentan aber leider auch die Kälte. Da es keine Heizung gibt, greifen wir direkt zu den bereitgelegten Zusatzdecken – die werden wir heute Nacht definitiv brauchen!Weiterlesen

  • Abendessen im Tasca El Carraca

    5. März in Spanien ⋅ 🌬 15 °C

    Die Auswahl an Restaurants im Ort ist zwar nicht besonders groß, aber hier ist es sehr gemütlich und es herrscht ein lebhaftes Treiben. Wir starten klassisch mit frischem Brot und drei verschiedenen, köstlichen und typisch kanarischen Saucen. Bernd und Karin entscheiden sich für den Fang des Tages, Joe wählt einen deftigen, landestypischen Eintopf und ich probiere die kanarische Blutwurst mit Honig und Mandeln – einfach köstlich!

    Dabei treffen wir auch unsere Niederländer wieder, denen wir unterwegs schon einige Male begegnet sind. Es ist fast schon familiär: Da viele Wanderer eine ähnliche Route über die Insel nehmen, begegnet man sich immer wieder und tauscht sich aus.
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  • Wanderung zum Castillo del Mar

    6. März in Spanien ⋅ 🌬 15 °C

    10,3 km – 200 m Aufstieg – 200 m Abstieg

    Eigentlich stand heute eine anspruchsvolle Rundwanderung mit jeweils 1.000 Höhenmetern im Auf- und Abstieg auf dem Plan. Doch bei Bernd hat sich ein heftiger Muskelkater eingestellt, sodass wir uns spontan für eine deutlich kürzere und leichtere Alternativroute entscheiden. Ich glaube, wir sind alle nicht böse darüber, dass wir es heute etwas entspannter angehen lassen. Die Tour erweist sich dennoch als sehr abwechslungsreich und alles andere als eintönig.

    Wir starten in Vallehermoso zunächst auf der Fahrstraße Richtung Meer und biegen am Ortsausgang links auf einen schmalen, parallel verlaufenden Pfad ab. Dieser führt uns unmittelbar an einfachen Häusern vorbei und gewährt uns fast schon intime Einblicke in den Alltag der Bewohner. Es ist bewegend zu sehen, wie bescheiden die Menschen hier teilweise leben. Man wird sich bewusst: Das hier ist auch Europa – und doch wirkt es so vollkommen anders.
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  • Jardín Botánico del Descubrimiento

    6. März in Spanien ⋅ 🌬 16 °C

    Auf unserem Weg liegt auch der erst kürzlich wiedereröffnete botanische Garten, der aufwendig neu gestaltet und umgebaut wurde. Hier trifft Weltgeschichte auf Botanik.

    Inmitten des fruchtbaren Tals von Vallehermoso liegt dieses botanische Juwel, das eine Brücke zwischen der „Alten“ und der „Neuen Welt“ schlägt. Der Name – Jardín del Descubrimiento (Garten der Entdeckung) – ist Programm: Er wurde einst eingeweiht, um jene Pflanzenarten zu ehren, die spanische Seefahrer von ihren Expeditionen aus Amerika, Afrika und Asien mitbrachten.

    Auf rund 15.000 Quadratmetern schlängeln wir uns über liebevoll angelegte Pfade, die nach Herkunftsregionen sortiert sind. Der Garten bietet nicht nur wohltuenden Schatten vor der kanarischen Sonne, sondern auch faszinierende Einblicke in die Flora von fünf Kontinenten. Wir entdecken seltene Palmenarten, exotische Obstbäume wie Mango und Avocado sowie Heil- und Nutzpflanzen, die heute auf den Kanaren zwar heimisch sind, ursprünglich aber von weit her kamen.

    Der Garten schmiegt sich perfekt in die terrassierte Landschaft unterhalb des majestätischen Roque Cano, dem Wahrzeichen von Vallehermoso. Die traditionellen Steinmauern und plätschernden Wasserläufe spiegeln die gomerische Handwerkskunst wider und sorgen für eine fast meditative Stille.
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  • Mystisches Castillo del Mar

    6. März in Spanien ⋅ 🌬 16 °C

    Das Ziel unserer heutigen Wanderung ist das mystische Castillo del Mar. Einst ein stolzer Exportknotenpunkt, später ein lebendiges Kulturzentrum, ist es heute leider nur noch ein verlassener „Lost Place“.

    Die Geschichte des Bauwerks ist bewegt: Um 1890, zu Hochzeiten der Bananen-Ära, wurde es als Verladestation errichtet. Da die raue Küste von Vallehermoso für große Schiffe unzugänglich war, thronte das Castillo auf den Klippen, um Bananen und Tomaten per Kranarm direkt auf die Boote zu hieven. Mit dem Ausbau der Straßen und modernerer Häfen verlor die Station in den 1950er-Jahren jedoch ihre Bedeutung und verfiel über Jahrzehnte.

    1981 folgte die scheinbare Rettung: Der deutsche Fotograf und Künstler Thomas K. Müller kaufte die Ruine. Mit unendlich viel Herzblut verwandelte er den Ort in ein einzigartiges Kulturzentrum mit Restaurant und Bühne – das Castillo wurde zu einem weit über die Insel hinaus bekannten Wahrzeichen.
    Doch seit etwa 2010 ist das Castillo del Mar für die Öffentlichkeit geschlossen. Obwohl es sich nach wie vor im Besitz Müllers befindet, haben Bürokratie und Naturgewalten den Kampf vorerst gewonnen. Die Lage direkt am offenen Atlantik ist Fluch und Segen zugleich: Schwere Stürme und die unerbittliche Brandung haben den Zugangsweg zerstört und die Struktur des Gebäudes massiv beschädigt; das Betreten ist heute lebensgefährlich. Hinzu kamen langwierige Konflikte mit der strengen spanischen Küstenbehörde (Costas) und eine laut Besitzer mangelnde Unterstützung durch lokale Behörden.
    So können wir das Castillo heute nur noch aus der Ferne betrachten. Es ist ein Ort, der langsam von der salzigen Gischt und der Zeit zurückgeholt wird. Das ist zutiefst bedauerlich, passt aber zum heutigen Tag: An stürmischen Tagen wie diesem hat der Küstenabschnitt etwas Bedrohliches. Bei dem hohen Wellengang wirkt der Ort nicht einladend, sondern fast schon angsteinflößend.
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  • Impressionen der ländlichen Umgebung

    6. März in Spanien ⋅ 🌬 16 °C

    Die Umgebung rund um Vallehermoso wirkt auf uns seltsam ärmlich. Hier wird deutlich, wie stark sich das Leben auf La Gomera vom Massentourismus der Nachbarinseln unterscheidet. Die Insel ist zwar tief mit der Natur verbunden, kämpft aber gleichzeitig mit den wirtschaftlichen Härten einer isolierten, strukturschwachen Region.

    Derzeit leben etwa 22.400 Menschen auf der Insel. Interessanterweise ist die Einwohnerzahl in den letzten zwei Jahrzehnten sogar um etwa 14 % gestiegen – doch dieses Wachstum wird kaum von der Jugend getragen, die für Studium und Ausbildung meist nach Teneriffa oder auf das spanische Festland abwandert. Stattdessen sind es EU-Residenten (viele Deutsche, Briten und Italiener) sowie Rückkehrer aus Südamerika, die die Statistik stützen. Fast die Hälfte der Bevölkerung drängt sich im Hauptort San Sebastián zusammen, während die Bergdörfer im Norden zusehends ausdünnen.
    Der Arbeitsmarkt ist klein und bietet kaum Vielfalt. Wer hier bleibt, arbeitet meist im Gastgewerbe, im Baugewerbe oder – was als besonders begehrt gilt – im öffentlichen Dienst beim Cabildo oder der Gemeinde. Die Landwirtschaft, einst das Rückgrat der Insel, ist ökonomisch rückläufig und wird oft nur noch zur Selbstversorgung betrieben.

    Wirtschaftlich ist die Lage für viele Einheimische prekär. Das Durchschnittseinkommen auf den Kanaren gehört mit ca. 24.000 bis 26.000 € brutto jährlich zu den niedrigsten in Spanien; auf La Gomera liegt es oft sogar noch darunter. Paradoxerweise sind die Lebenshaltungskosten durch den „Inselzuschlag“ auf Importwaren extrem hoch. Studien zeigen, dass ein beachtlicher Teil der Familien nur schwer über die Runden kommt. Was die Menschen hier rettet, ist eine starke familiäre Solidarität – ein unsichtbares Netz, das vieles auffängt.

    Auf unserer heutigen Wanderung spüren wir diesen Kontrast zum ersten Mal ganz intensiv: Die Insel schenkt uns diese grandiose, unberührte Natur, wirkt aber bei genauerem Hinsehen an vielen Stellen auch trostlos und trist. Es hat fast etwas Bedrückendes, diese Stille der verlassenen Orte zu erleben.
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