France
Moliets-et-Maa

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Travelers at this place
    • Day 64

      Im Regen Richtung Norden

      May 9, 2023 in France ⋅ 🌬 17 °C

      Gestern Abend waren es noch deutlich über 20°, die Luft war schwül und stand. In der Nacht hat sich das Wetter irgendwann geändert. Heute morgen waren es 11 ° und es zogen Wolken auf. Wie ungewohnt 😎
      Gefrühstückt, günstige Tankstelle rausgesucht ( in Spanien liegen mehr als 25 ct/l zwischen günstig und teuer) . Vor Ort für 1,43€ E5 getankt, sehr preiswert 🥳 und bei einsetzendem Regen wieder auf den Weg gemacht. Eigentlich wollte ich mir noch Burgos anschauen, aber nicht bei Regen..
      Die Wolken hängen immer tiefer, der Regen wird mehr, ich bekomme kalte Füße und mache die Heizung an ( kurze Hose, keine Socken)
      Ich fahre durch eine tolle Landschaft mit grünen Wiesen und schönen Bergen, auch wenn ich nicht allzuviel davon sehe. Ab und zu ein Wolkenloch und ich kann erahnen, was sich dahinter verbirgt. Nach 2 Stunden nähert sich die französische Grenze, ich suche mir nochmals eine günstige Tankstelle (1,53€ zu 1,80€ in Frankreich) bevor ich die Grenze überquere . Ich fahre in Irun über die Grenze und bin erstaunt, wie viele Camper aus Deutschland, Holland, Frankreich Richtung Süden unterwegs sind. Die Reisesaison hat definitiv begonnen. Es regnet immer noch, aber inzwischen sind es 18°.
      Ich halte mich Richtung Westen, der Atlantik ist nicht weit und fahre nochmal nach Capbreton. Da war ich auf der Hinfahrt auf dem Markt und in der Stadt aber nicht am Meer.
      Heute interessiert mich das Meer. Leider ist fast überall das Parken für Fahrzeuge höher als 1,90 m verboten, egal was für ein Fahrzeug, und so parke ich im Ort und laufe die halbe Stunde bis zum Atlantik. Unterwegs hört es sogar auf zu regnen und die Luft ist schwül. Aber das macht mir nix, ich kann heute nochmal ans Meer, da ist das Wetter nicht so wichtig. Ein langer Strandspaziergang an den Resten der 1945 gesprengten Bunker vorbei ist herrlich. Zurück am Bus ist klar, ich bleibe heute hier. In Moliets Plage war der einzige freie Stellplatz in Meernähe, da fahre ich wieder hin. Inzwischen ist etwas Leben in den Ort eingezogen, die ersten Tourishops und Surfschulen haben inzwischen geöffnet , die ersten Ferienappartements sind bewohnt und am Strand trifft man sogar Leute.
      Auf dem Stellplatz stehen 5 Camper, (auf dem einzigen kostenpflichtigen Platz in Capbreton standen schon 40) und ich gehe natürlich nochmal zum Meer. Noch ein Spaziergang, hier und da ein blaues Loch, mit kurzer Hose und nackten Füßen durchs kalte Wasser, einfach herrlich. Heute Abend noch den Sonnenuntergang ansehen ( wenn er denn zu sehen ist)
      Die Wetterprognose ist auch hier regnerisch, für schönes Sonnenwetter muss man schon wieder weit in den Süden. Also der Versuch die Sonne mitzubringen ist gescheitert 😉. Trotzdem ein toller Tag, ein gutes Stück Strecke geschafft, wieder am Meer, ich bin zufrieden.
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    • Day 18

      Happy End in Moliets-et-Maa

      March 24, 2023 in France ⋅ ⛅ 13 °C

      Happy End, wie das schon klingt. Geht doch noch weiter, aber der Tag halt nicht. Aber mit einem Happy End endet alles immer gut, also auch der heutige Tag 🥳
      In der Nacht hat sich im Pinienwald Regen breitgemacht und auch der Vormittag war verregnet. Ein Regentag, ja was macht man denn jetzt damit?
      Ich bin nach dem Frühstück mal zum Meer, dem war es egal, ob Ebbe oder Flut, Regen oder Sonne, es tobte weiter. Zurück am Bus entschied ich mich, mal den fälligen Check am Bus durchzuführen. Der Motor ist im Heck, die Klappe schützt vor Regen. Gesagt, getan. Keine besonderen Vorkommnisse, alles i.O. 👍. So kann es bleiben. Der Regen wird weniger, yeah.

      Dann bin ich aufgebrochen und bin Richtung Mimizan Plage gefahren. Unterwegs bin ich in Gastes auf einen See gestoßen. Hat es schwer so nah am Meer... Weiter nach Mimizan Plage. Ein schöner Ort mit tollem Strand, nett gemacht trotz Tourischwerpunkt. Hier kann ich mir gut vorstellen, dass es im Sommer in den Lokalen gemütlich zu geht. Natürlich trotz Regen eine Runde am Strand, aber nur kurz. Danach tanken, einkaufen, Auto waschen und der Regen lässt nach👍
      Ich fahre nach Contis Plage und werde von einem schönen Ruderboot begrüßt. Der Ort ist derzeit fast ausgestorben, aber sehr schön anzusehen. Am leeren Strand fällt mir viel Plastikmüll auf, wenn wenig los ist, sammelt keiner was ein. Eine Ladung habe ich eingesammelt.🙄
      Ab sofort nehme ich immer eine Tüte mit an den Strand...
      Weiter geht's zum Cap de l'Homy in Lit et mixe. Nie gehört, liegt aber auf dem Weg. Auch komplett ausgestorben... Alle paar Kilometer geht eine Stichstraße zum Meer für 4/5 km, da kommt dann ein schöner, aber leerer Ort und ein schöner Strand. Aber immerhin, das Wetter bessert sich weiter.
      St. Girons Plage kommt noch und dann Moliets Plage. Hier gibt es fast nur Tourianimation und ich will schon weiterfahren. Aber ich brauche auch noch einen Stellplatz für die Nacht. Ein Blick in die App zeigt im Umkreis einige teure an, aber auch einen kostenlosen Stellplatz in Moliets Plage. Etwas schwer zu finden, laut Bewertungen in der Nacht laut, trotzdem anschauen schadet nicht. Was soll ich sagen, der ist sogar ganz nett, weil das Bowlingcenter nebenan und die 3 Bars alle zu haben und es angenehm ruhig ist. Da hätte ich mich aber auch gut heute Abend hinsetzen können Der Platz füllt sich sogar etwas. Der Strand ist toll, der Sand kennt keine Nebensaison und versucht, alles zu vergraben.
      Und dann gibt es das Happy End. Nochmal ein schöner Sonnenuntergang. Es ist wahrscheinlich der letzte Abend in Frankreich, morgen geht es Richtung Spanien. Ein schöner Abschluss finde ich...
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    • Day 3

      Bodysurfen wie mit Papa

      August 20, 2023 in France ⋅ ☀️ 25 °C

      Wir stehen früh auf. 8 Uhr ist keine Zeit, die ich von zuhause gewohnt bin. Mein Handy hält noch für den Wecker geht danach allerdings aus. Jetzt bin ich wirklich unerreichbar. Nach dem Frühstück bei dem sich zum Vortag nichts geändert hat, packe ich mir wie alle anderen noch ein Lunchpaket und ich gehe los. Verständlicherweise bin ich ein bisschen zu spät und muss laufen, hole die anderen jedoch bald ein.

      Am Strand begrüßt uns der Surflehrer Chris, welcher zwar aus Irland kommt, allerdings mit einem eher amerikanischen Akzent spricht. Wir wärmen uns in den Wetsuits auf, wofür wir auch den Sand nutzen, um zum Beispiel mit den Füßen kreisend ein Loch zu graben.
      Danach teilen wir uns in unsere Gruppen auf; unsere trägt grüne UV-Shirts.
      Chris erklärt uns die Grundlagen des Wellenreitens, zumindest wenn man das leichtere "Weißwasser" manövrieren möchte. Dort also, wo die Wellen bereits gebrochen sind.
      Man positioniert sich mit der Spitze (Nose) des Bretts Richtung Strand und hält das Hinterteil (Tail) in die Luft, um den ungewollten Wellen auszuweichen. Kommt eine gute Welle legt man sich einiges vorher mit der Brust auf das Brett, Füße leicht hinten überhängend und paddelt als wäre ein Hai hinter einem. Irgendwann spürt man, wie die Welle einen ergreift und man kann aufhören zu paddeln und stattdessen steuern, indem man sich in die gewünschte Richtung lehnt. Ich fühle mich wieder wie 10, als wir mit Papa Bodyboards gekauft haben, um die Wellen nutzen zu können. Diese Erfahrung kommt mir hier echt zugunsten, besonders um die Wellen ein wenig besser zu verstehen. Nach zwei Dritteln der eineinhalb Stunden langen Lektion ruft uns der Lehrer an den Strand, um den Take-Off (das Aufstehen) zu erklären. Wir machen ein paar Trockenübungen und können dann wieder ins Wasser. Mir gelingt es tatsächlich ein paar Male aufzustehen, ich falle allerdings immer wieder hinter die Welle; alles wackelt.

      Zurück im Camp dusche ich erst einmal und ziehe mir dann meinen bei einer Kleidertauschparty gehandelten Jeansrock an. Es ist immer wieder eine Überwindung, besonders in neuen Konstellationen, sich so anzuziehen, aber ich habe sonst das Gefühl, ich verstecke einen Teil von mir. Erst bin ich also etwas verunsichert, merke aber schnell, dass niemand etwas dagegen hat und werde entspannter. Die Leute lesen einen schnell anders und man wird mehr gesehen für das, was man ist. Ironischerweise nur durch ein Stück Klamotte.

      Nach dem Abendessen, gehen wir an den landnäheren Teil des Strandes, um ein Volleyballturnier zu veranstalten. Ich liebe Beachvolleyball und freue mich, es stellt sich jedoch heraus, dass es sich in Teams von 5 unerfahrenen Spieler*innen eher schlecht als recht spielen lassen. Bien jeux.
      Als die Sonne unten ist, gehen die meisten, die Mädels aus meiner Surfgruppe und Ich allerdings, stellen uns zu der Kinderdisco ähnlichen Party paar Meter weiter und tanzen die Choreographie mit.

      Mein Handy ist jetzt als Wecker unbrauchbar, also muss Tim von gegenüber die Funktion übernehmen.
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    • Day 8

      Letzte Male & Crêpe

      August 25, 2023 in France ⋅ ☁️ 25 °C

      Beim Frühstück merkt man, wie wir über die Woche zusammengeschweißt sind. Von Tag zu Tag wurde die Stimmung immer lustiger und die Witze immer persönlicher. Über die Zeit haben sich Frühstücksgruppen gebildet, diese sind jedoch nicht fest. Ich setze mich heute erst zur Zähneputzengang, entscheide mich dann noch ein bisschen Zeit mit Anna, Dani, Magda und Lili zu verbringen. Mein Wechsel wird mit absolut ernster Abneigung kommentiert.

      Am Strand zeigt uns Chris Tricks, die er öfters probiert und lustig fände von uns zu sehen. Darunter sind mit beiden Füßen in Richtung Spitze gedreht stehen (Caveman), sich mit Füßen voran aufs Brett setzen (Truckdriver), sich mit verschränkten Arm aufs Brett legen (Coffin), rückwärts fahren und zuletzt mit den Finnen nach vorne fahren. Dann wünscht er uns eine schöne letzte Surfstunde und geht mit uns gemeinsam ins Wasser.
      Heute paddele ich das erste Mal ganz raus ins Lineup, mittlerweile habe ich genug Selbstbewusstsein. Nicht nur ist Chris bei mir, auch Bernie stößt zu uns. Die beiden setzen sich aufs Board, mein Gleichgewicht reicht dafür allerdings nicht aus. Selbst, wenn ich es geschafft habe bequem zu sitzen, bin ich bisher immer zu langsam gewesen, mich parallel zur eintreffenden Wassermasse zu drehen.
      Einige der Wellen schwappen einfach über mich hinweg, so gut kann ich sie nicht lesen. Der Lehrer gibt mir Bescheid, wenn eine passende kommt. Meine Schultern sind allmählich müde vom Paddeln. Die meisten Wellen bringen mich einwandfrei zum Strand, also probiere ich gegen Ende der Kurszeit den Trick mit beiden Füßen nach vorne zu versuchen; so fahre ich oft auf dem Skateboard. Eine Weile stehe ich. Kurz vorm Strand falle ich und das Brett rast mir gegen die Schläfe.
      Der Sand ist sehr gemütlich. So möchte ich die letzte Stunde aber nicht beenden, also rappele ich mich noch einmal auf. Die letzte Welle stellt mich zufrieden.

      Mein Neoprenanzug hängt schon von meiner Hüfte, während Lotte darüber redet, dass sie noch ein Board ausgeliehen hat. Da sie es gerade nicht braucht, kann ich mit Bernie zusammen noch für eine weitere Viertelstunde ins Wasser. Irgendwie verrückt, dass ich mit jemand mir Bekanntem aus Konstanz im Atlantik sitze und wir gemeinsam auf gutes Wasser warten. Die letzten Wellen sind perfekt. Ich bekomme nicht alle und fahre nicht fehlerfrei, aber sie sind genau richtig, um mir ein Gefühl von Abschluss zu geben.

      Ich hatte nicht vor lange am Strand zu sein, aber ich werde traurig, als mir einfällt, dass ich diesen nicht mehr sehen werde. Das Volleyballspiel ist immer noch chaotisch, aber man merkt, dass alle über die Woche besser geworden sind. Ich selbst aber spiele nicht viel besser als Dani, welche wegen ihrer Schulterverletzung nur einen Arm benutzen kann.
      Mittlerweile ist die Zähneputzengang mit dem Surfen fertig. Wir machen ein paar Gruppenbilder und planen noch einmal planschen zu gehen. Es fällt uns schwer, uns aufzuhieven. Ich schaufele geistesabwesend ein bisschen Sand auf Joanas und Hannahs Füße. Kurz darauf ist erstere eine sandige Meerjungfrau und letztere ein Berg. Wir diskutieren darüber, welches Tier uns alle am ehesten ähnlich ist; ich bin wohl ein Hund. Dann diskutieren wir darüber, wer welche Hunderasse wäre; ich offensichtlich ein Windhund.
      Im Wasser machen Hannah und ich es wie Joana vorhin und schwimmen wie Meerjungfrauen. Dann machen wir Bauchplatscher auf die Wellen. Ich werde sie vermissen, vor dem Urlaub habe ich 5 Jahre keinen Wellengang gesehen, gehört oder gespürt. Hoffentlich ist das nächste Mal nicht wieder so weit weg.

      Als wir zurück sind, gibt es schon fast Essen. Heute sollen wir den Neopren besonders gründlich auswaschen. Ich liebe Wetsuits und Leute darin. Gut, dass ich vor dem Urlaub für acht Euro einen Eigenen ergattert habe.
      Das Motto der anstehenden Party, "All white", ist für die meisten, nach einer Woche des Klamottenwechselns, unpraktisch. Die Camper*innen, welche auch das ursprünglich zur Auswahl stehende "Flower Power" bevorzugt hätten, schließen sich mir an, dem Strom entgegen zu schwimmen. Besonders rebellisch ist das nicht von mir. Nicht nur habe ich am Vortag als Vorbereitung auf meine Weiterreise Wäsche gemacht, sondern mein liebstes Shirt ist auch noch weiß und mit Blumen bedruckt. Hannah und Ich lassen uns etwas zu viel Zeit beim Schminken.

      Wir sind zu spät zur Abschlussrunde mit Diashow der Fotos, die Lili Zwirner über die Woche von uns beim Surfen geschossen hat. Zum Glück ist die hinterlegte Musik nicht traurig, denn ich muss Tränen zurückhalten. Nach dem letzten Bild, welches ein gephotoshopptes Bild der Surflehrer in oberkörperfreier Muskelpose ist, verliert die Fotografin ein paar Worte darüber, wie wir an die Bilder gelangen und wie wir sie vergüten können.
      Als jemand aus meinem Kurs mit mir gestellt in die Kamera gelächelt hatte, haben wir mit ihr gescherzt, dass uns das bessere Chancen für den "Happiest surfer of the week"-Preis verschaffen würde. Sie verneinte das, ließ uns aber wissen, dass wir tatsächlich hoch auf ihrer Favoritenliste stünden. Nachdem man mir und meinem Gesicht zu einigen Surfzeiten den Frust anmerken konnte, erwarte ich nicht, in der Auswahl zu stehen. Als Lili in meine Richtung deutet, bin ich mir plötzlich sicher, dass niemand anderes gemeint ist. Das "Nikki" begleitet vom Klatschen aller bestätigt meine Vermutung.
      Solch einen Preis zu erhalten bedeutet mir unglaublich viel. Es ist ein großes Kompliment an meine Person, und das vor so vielen tollen Menschen.
      Es ist nicht das erste Mal, dass ich das höre. Abgesehen von jetzt und meinem 1. Platz als "Sonnenschein" im Abiturbuch meines Jahrgangs, teilen mir Leute oft mit, dass ihnen meine als strahlend wahrgenommene Art gefällt. Selbst komme ich mir oft grantig vor. Meiner Meinung nach, hätte jede*r hier genauso geehrt werden können. Niemand scheint von der positiven Auswirkung der Woche unberührt geblieben zu sein.

      Als Preis wird meine Trinkgebühr für den Sangria-Abend übernommen. Ich kann in Clubs zwar auch meine Hüfte schütteln und den Bass spüren, aber so gemeinschaftlich wie wir jetzt tanzen fühle ich mich viel wohler. Die Lieder, die wir aussuchen, bilden einen guten Mix aus instrumentallastiger Tanzmusik und karaokeartiger Chartmusik, sodass alle sich bewegt fühlen, die Plattform zu betreten. Nachdem Marc und Bernie mit mir zusammen die Holzdielen im Takt zu "Horse" von Salvatore Ganacci zum Knallen bringen, leitet Dani eine Choreographie zu Jerusalema ein, welche der Rest von uns nach circa der Hälfte des Tracks versteht und umsetzt. Als Culcha Candela die Mischung aus Pop und Elektro aus dem Gleichgewicht bringt, setze ich mich zu Danis Freunden und Chris, welcher mit mir darüber redet, wie er Surfen gelernt hat. Die Wellen in Irland können riesig werden, wie mich der dort Gebürtige überzeugt, indem er mir sein Handy mit einem YouTube-Video unter die Nase hält.
      Als Bernie sich daneben setzt und Gitarre spielt, sammeln sich immer mehr Stimmen an unserem Biertisch. Bevor die Lichter im Camp ausgehen, schaffen wir es, drei Lieder zu spielen. Der Tisch pocht unter rhythmischem Klopfen. Zum Einsatz des Refrains kennen alle den Text. Wir spielen besser als die alte Coverband, für die Leute aus dem Schulorchester sich regelmäßig in meinem Musikkeller eingefunden haben. Vielleicht vernebelt der Sinn von Gemeinschaft aber auch mein Einschätzungsvermögen.
      Die Woche ist untermalt von andauernder musikalischer Untermalung. Im Alltag sorgt dafür normalerweise immer eine Bluetoothbox, hier reichen unsere Stimmen und alles Umliegende. Musik aus Lautsprechern würde nicht stören, trotzdem hört man außerhalb des Camps nahezu nie welche.

      Das Losziehen in die Clubs erinnert mich stark an Montagabend. Die Stimmung bleibt zwar ausgelassen und gemeinschaftlich, aber auf der Tanzfläche finde ich mich plötzlich alleine wieder. Es kommen immer wieder Leute aus dem Camp ins Beach Break, aber über die Dreiviertelstunde, die ich dort zubringe, bin ich länger alleine als in Gesellschaft. Als ich es aufgebe, meine vorherig wohlige Partystimmung aufrecht zu halten, und auf die Straße trete, begegne ich glücklicherweise Hannah und Dario zusammen mit einer anderen Camperin. Wir besorgen uns zusammen Crêpes bei dem Schuppen, dessen Inhaber*innen wohl diesen Sommer einen Jungen aus unserem Zeltlager zusammengeschlagen haben, wie mir Chris auf dem Weg zur Promenade erzählt hat. Ich frage mich, was für Geschäfte wohl im Schatten des Imbiss-Arcade-Hybridgebäudes ablaufen, und ob die nette Frau, die unser Essen zubereitet, die Geschichte auch gehört oder gar miterlebt hat.
      Auf dem Rückweg bekomme ich das Gefühl, meine Empfindungen zum Gesprächsthema nicht ehrlich teilen zu können, da es sich eigentlich nicht um mich dreht. Während die anderen aufs Klo müssen, laufe ich das kurze Reststück zurück also alleine. Das ist häufig die einzige Art, wie ich Leuten kommunizieren kann, dass etwas nicht stimmt, wenn ich es nicht ansprechen kann. Für jetzt ist das in Ordnung; mir ist bewusst, dass ich diese Verhaltensweise zuhause mit Freunden lange durchgesprochen habe. Für einen Abend geht das klar. Lange zu trotzen schaffe ich ohnehin nicht, kuscheln mit den jetzt Eingetroffenen ist zu schön.

      Nach dem Zähneputzen bringe ich Hannah zu ihrem Zelt. Als ich zurücklaufe höre ich Lotte das Wort "Heartbreak" benutzen. Zurück bei den Hängematten erklärt mir jemand, dass sie versucht hat, sich an jemandem im Club ranzumachen. Anscheinend habe ich nicht nur ich versucht den einzigen Vorteil des kommenden Abschieds zu nutzen. Während ich auf Danis, Lilis, Annas und Magdas Rückkehr warte, läuft mir die zurückliegende Abweisung nochmal durch den Kopf.

      Als es passiert ist, hatte ich eigentlich nicht das Gefühl, ich wäre verletzt. Meine Erwartungen waren schließlich nicht allzu hoch und meine Empfindungen für die Person nicht allzu groß. Jetzt aber trifft mich die folgende Vermutung stark.
      Ich sei für viele Leute zu androgyn, zu wenig weiblich oder männlich. Das sei für viele bestimmt abschreckend, wenn es um Romantik oder Körperlichkeit geht.
      Die Aussage ist eigentlich nicht Teil der Zurückweisung gewesen, aber sie tut weh. Mir ist das schon länger bewusst. Vorher konnte ich diese Annahme jedoch als irrationale Angst abtun. Jetzt ist sie real. Jemandem ist es aufgefallen. Und in so direkter Abfolge bin ich mir sicher, dass das der Grund für die Ablehnung war.
      Mir gefällt es nicht, als androgyn betitelt zu werden. Ich ziele es selten darauf ab, nicht in Geschlechter zu passen. Ich eigne mir viel eher das, was mir gefällt, an und sehe mich so als weiblich und männlich zugleich. Den "Vibe einer besten Freundin" zugeschrieben bekommen zu haben, tröstet mich also wenigstens. Immerhin wurde ich nicht als "femininer Typ" bezeichnet oder, wie sonst so oft, mit Harry Styles verglichen.

      Als die Mädchen, wegen denen ich noch wach bin, eintreffen, schaffen sie es mich ein wenig zu trösten. Sie verstehen meine Probleme mit der Mutmaßung und machen mir bewusst, dass das erstens nicht alle stört und dass zweitens Attraktivität subjektiv ist. Mir wird klar, dass man mich eigentlich richtig gelesen, nur nicht als anziehend empfunden hat. Das ist nicht schön, aber ich werde darüber hinwegkommen können.
      Ich folge den vieren noch zum Zähneputzen. Lili bietet mir einen Schlafplatz bei ihnen im Zelt an, und erteilt mir die Erlaubnis, sie nachts zu wecken, sollte ich reden wollen. Wir verabschieden uns zwischen ihrem und meinem Zelt.
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    • Day 2

      Paradies

      August 19, 2023 in France ⋅ ⛅ 22 °C

      Wir steigen schlafmängelnd aus dem Bus und werden zum Sammeln an eine Laterne geschickt. Da treffe ich auch schon Bernie. Ich wusste sie würden hier arbeiten, aber nicht dass man sich schon innerhalb der ersten Minuten sähe. Von diesen werden wir zum Camp gebracht. Zum Paradies.
      Nach einer Ansprache lege ich mich einer der vielen Hängematten im Camp und entscheide mich doch dazu, dass die Müdigkeit mich nicht abhalten wird, ins Meer zu springen. Alleine gehen möchte ich aber nicht, also frage ich einfach paar Leute um mich herum, ob sie mir folgen möchten.
      Der Weg zum Strand ist eine Straße, die über einen Hügel führt. Ab einem bestimmten Punkt sieht man das Meer. Die Sonne ist gerade erst aufgegangen und alles ist leer. Wir waten durch den Fluss der den Strand entzweit und warten aufeinander, damit alle gleichzeitig umgezogen sind.
      Wir renne los. Wie lange ich nicht mehr in Wellen war. Ich liebe sie. Zum Glück hab ich noch eine ganze Woche mit, in und um ihnen.

      Zurück im Lager gibt es Frühstück. Baguette mit allen möglichen Belägen. Nach dem wespenüberströmten Frühstück frage ich nach der Uhrzeit. Es ist circa 10 Uhr. Wir vertreiben die Zeit bis zum Check-In um 14 Uhr mit Tischtennis, quatschen und nochmal an den Strand gehen. Die Zeit scheint stillzustehen. Beim Check-In lerne ich meinen Zeltgenossen Tim kennen, eine netter Kerl an die 30, bei dem ich mich sehr wohlfühle. Da ich die Leute noch nicht einschätzen kann, hatte ich Angst mit jemand unangenehmen zusammen zu schlafen.
      Die Zelte haben einzelne Schlafkabinen mit Lattenrosten und Matratzen, sehr komfortabel.
      Nach dem Check-In gibt es eine Führung zur Promenade, wo es nach Zucker und Fett riecht. Uns wird eine Abkürzung zurück nach Hause gezeigt, wo die Surfkurse eingeteilt werden. Ich unterhalte mich mit einer Gruppe von Mädchen und bevor ich dazu komme zu fragen, ob sie mit mir in einen Kurs möchten, nimmt eine andere den Platz ein. Vico, der Hamburger welcher sich zu den Leuten aus meinem Bus und mir gesetzt hatte, schaltet sich ein und wir tragen uns zusammen in eine Gruppe ein.
      16 Uhr oder so. Ich bin nicht sicher, ob ich je einen so langen Tag gehabt hatte. Nicht nur von der Zeit her an sich, sondern auch von der Entwicklung der sozialen Beziehungen und der Rolle in diesen her. Bei der Zuteilung unserer Neoprenanzüge krieg ich einen mit einem Herzsymbol darauf, statt einer Nummer.
      Beim Abendessen um 18 Uhr sitze ich mit Leuten, welche mir bereits wie drei-Wochen-bekannt vorkommen. Abspülen macht mit so lustigen, angenehmen Menschen um einen herum auch eher Freude.
      Um 20 Uhr veranstalten wir ein Speeddating mit vorbereiteten Fragen. Jedes zweite Gespräch ist so interessant, dass ich am liebsten nicht zur nächsten Person möchte. Fragen wie "Lieber wenige, enge oder viele, eher oberflächliche Freunde?" rufen genauso Gesprächsstoff hervor wie "Nutella mit oder ohne Butter?". Nachdem ich mit so Vielen geredet habe, kommt es mir albern vor, dass ich Bedenken wegen meines Zeltnachbarn hatte. Hier ist niemand langweiliges, gemeines oder unangenehmes.

      Um 22:30 Uhr gehen die Lichter aus und mir fallen erschöpft die Augen zu.
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    • Day 5

      069 Mona Liza

      August 22, 2023 in France ⋅ ☀️ 28 °C

      Einen Wecker braucht es nicht mehr.
      Ich bin am Vortag nicht sonderlich spät ins Bett, aber doch recht fertig von der Bowle und dem Bauchschütteln mit jenem Inhalt. Das gleichbleibende Frühstück hilft mir ein wenig zu Kräften, aber bei der herrschenden Hitze siegt die Schlappheit. Zum Glück ist der Kurs heute erst um 13:30 Uhr.
      Die Hängematte zwischen der Miniramp und der Slackline bietet mir zum Glück eine Stütze. Ich döse ein wenig, weigere mich aber einzuschlafen, da ich nichts vom Tag verpassen und abends ausreichend müde sein möchte.

      Neben mir höre ich einen mir bekannten Text, den ich halb mitsumme und halb singe, je nach Stelle. Ceilings von Lizzy McAlpine.
      Das ist nicht der einzige gute Song den Dani auf der Gitarre spielen kann. Selbst die, bei denen ich nicht mitsingen kann, schaffe ich durch ein Schnipsen zu untermalen oder einfach zu genießen. Ich schlage immer wieder aus Scherz schreckliche Songs vor, was uns allen Fünfen nicht langweilig wird. Langsam kommen mehr Leute hinzu und die Musik bewegt sich mehr Richtung Mainstream, bis einer meiner vorherig albernen Songs tatsächlich gewünscht wird und Dani, glaube ich, allmählich die Lust verliert. Die Gitarre wird weitergegeben und wir singen den 4-Chord-Song, was eher in Chaos ausartet.
      Ich muss ohnehin los.

      Das Warmup leitet heute jemand anderes. Dabei sollen wir eine Art Wettrennen veranstalten, statt uns zu dehnen. Nicht sehr hilfreich meiner Meinung nach und auch etwas zerrend mit unserer Verfassung. Ich laufe als einziges sogar zweimal. Trotzdem haben die Jugendlichen von der JSA (Junior Surf Academy) keine Chance.
      Kaum bin ich im Wasser spüre ich den gestrigen Abend kein Stück mehr. Die Wellen sind heute besser als gestern. Mir gelingt es wirklich einige Grüne mitzunehmen; bei einer rollt die Welle sogar über eine kleinere drüber und ich falle dennoch nicht runter, so nehme an Geschwindigkeit noch zu.
      Ich bin durch und durch zufrieden, als ich an den Strand gehe, bleibe jedoch nicht lange, damit sich die Mundwüste vom Vortag nicht wiederholt.

      Ich skate mittlerweile überhaupt nicht mehr oft. Ich mag es nicht, mich andauernd überwinden zu müssen, ich bin süß, skaten nicht so richtig, zumindest war es das für mich bisher nie. Aber mit der Rampe genau in der Mitte vom Camp, anderen süßen Menschen, welche rumprobieren und bereitgestellten Schonern, zieht es mich doch wieder dazu. Außerdem möchte Joana unbedingt noch einmal aufs Brett.
      Sie wird wirklich schnell besser, aber viel Zeit zum Üben bleibt nicht, da Mark und später sogar Chris, der Surflehrer, sowie einer seiner Kolleg*innen dazustoßen.
      Jetzt läuft 90er Skaterock und ich stehe auf der Rampe mit lauter Erfahrenen. Der Rest räumt die Mitte, da sie noch etwas vorhaben, und plötzlich ist es wieder wie als wäre ich 15. Mein Surflehrer und sein Kumpel müssen kurz zu einem Teammeeting, währenddessen filmt Vico den beigefügten Clip.

      Ich würde gerne noch weiterrollen, aber habe mich am Vortag zum Takeoff-Training bei Bernie eingetragen. Dafür treffen wir uns bei der Yoga-/Fitnessplattform direkt daneben, wo die eine Hälfte von uns alte Bretter und der Rest Yogamatten erhält. Bernie erklärt noch einmal die notwendigen Schritte und lässt uns dann ein paar Male aufstehen und wieder hinlegen. Nach ein paar Hinweisen und Tipps teilen wir uns in Gruppen von vier, in denen wir zwei Bretter gekreuzt übereinander legen sollen, so dass das obere mit beiden Enden überhängt. Mein Takeoff gelingt mir gut, aber beim Stehen weist mich Bernes daraufhin, dass ich zur Gewichtsverlagerung, statt auf mein Vorderfuß zu drücken, meine Hüfte nach vorne bewegen soll. Ich erlaube mir die Arroganz den Hinweis als vernachlässigbar zu werten, auch wenn es von jemand Erfahrenem kommt.

      Der Rest vom 18+-Lager konnte sich bereits Essen holen, was mich aber nicht davon abhält schnell genug zu sein, um mich mit meiner üblichen Spülgang bestehend aus Joana, Hannah, Jana und Lara an den Becken zu treffen. Ich finde solche gemeinsamen Treffen mit am spaßigsten. Auch wenn ich in einer WG wohne, kommt sowas nicht immer zustande und ist wenn auch nicht so amüsant.
      Darüber denke ich häufig die Tage nach. Ich dachte immer, ich wollte lieber alleine wohnen, bzw. dass ich zwar zusammen wohnen probiert hätte, aber alleine doch mehr Energie habe. Hier werde ich gar nicht müde davon, ich bin so froh andauernd Leute um mich zu haben. Vielleicht sollte ich mich zuhause mal nach anderen Lebenskonstellationen umgucken.

      Im Anschluss darauf findet das Pubquiz statt, beginnend mit einer Kategorie übers Surfen. Ich bin ein wenig zu spät, also schließe ich mich der Gruppe von Dani, Anna, Magda und Lili an; Joana und Hannah stoßen kurz darauf auch dazu. In dieser Sparte haben wir noch einige Antworten richtig, auch wenn jemand von der Seite uns fälschlicherweise überzeugt, dass O'Neill, nachdem er sein Auge verlor, den Wetsuit erfunden hättte. Natürlich ist es die Leash. Die Leine, die das Board bei einem behält. Wie sollte man denn sein Auge wegen eines fehlenden Neopren verlieren?
      In den Fragen über Frankreich schneiden wir noch in Ordnung ab, im Allgemeinwissen und im Promiraten geraten wir allerdings weit hinter die ersten Plätze. Beim Songraten wird nur Deutschrap und Pop gespielt, was das zweite Mal an dem Tag markiert, dass wir vom Hauptstrom verdrängt werden. Lili ist bei einem der Lieder zum Glück noch flink genug und wir, die "069 Mona Liza", landen mit einigen anderen auf dem vorletzten Platz.

      Die Spülgang wird zur Zähneputzengang und nach etwas Rumalbern, begebe ich mich schnellst möglich zu Bett. Marc und Ich haben uns nämlich erkundigt, wie man Bretter ausleiht. Morgen geht es sehr früh raus.
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    • Day 6

      Moliets-et-Maa

      April 27, 2023 in France ⋅ ☁️ 23 °C

      Heute war Wochenmarkt im Örtchen. Wir haben ein paar leckere Sachen eingekauft und sind dann nach dem Mittag aufgebrochen. 90 km weiter südlich haben wir in Moliets-et-Maa einen ziemlich guten Platz gefunden. Es gab noch Paella vom Markt und einen Tagesausklang am Atlantik.Read more

    • Day 7

      Ruhe des Sturms

      August 24, 2023 in France ⋅ ☀️ 29 °C

      In der Nacht habe ich das Gefühl jemand ist in meiner Kabine. Als ich zu den Klos trotte, blicke ich in unentzifferbare, dunkle Gesichter, welche mich mit bekannten Stimmen grüßen. Wieder im Zelt bin ich wütend, meines Schlafs geraubt worden zu sein. Am nächsten Morgen kann ich es verstehen.
      Nachdem ich alle Zutaten für Baguettes plus Lunchpaket auf den Deckel meiner Brotdose geladen habe, kostet mich meine Faulheit und mein Stolz einen extra Spülgang. Zum Glück sind alle, wegen des Vortags, noch etwas länger im Bett. Mit einem neu beladenen Tellerersatz, werde ich beim Frühstückstisch wieder von der Zähneputzengang daran erinnert, dass meine Lieblingssteigerungsform "end", wie in "end schön", zu sein scheint. Ich dachte immer, das wäre in Deutschland end verbreitet.

      Wir haben spät Kurs. Das Aufwärmen wird heute wieder nicht von Chris geleitet, laufen müssen wir dennoch nicht. Heute sind die Dehnübungen nötig.
      Die Wellen brechen spät und laufen kurz, dadurch sammeln sich alle eng beieinander, nah am Strand. Passend dazu erklärt uns der Ire wie man stehend lenken kann, oder eben ausweichen kann. Viel hilft das nicht. Die kurzlebigen Wellen lassen kaum Zeit für Reaktion und ich muss mehrmals abspringen; so auch der Junge, dem ich fast gegen den Kopf fahre. Letztendlich schnellt die Spitze eines Bretts gegen meine Schulter.
      Ich setze meinen Hintern in den Sand. Lange bleibt er dort nicht, da mir noch der Erfolg vom Vortag durch den Kopf geht.
      Etwas weiter draußen ist nicht ganz so viel los, dafür lassen die Wellen auf sich warten. Auf denen, die gut laufen, sehe ich den rotgebrannten Surflehrer am Strand einen Backside-Turn nachahmen, für mich eine Drehung der Schultern im Uhrzeigersinn. Gleich machen kann ich es ihm nicht. Die Rotation meines Körpers gelingt zwar, aber das Board kippt nach rechts weg, statt sich zu drehen.
      Für die letzte Welle zeigt Chris stattdessen grinsend zwei Daumen nach oben. Am Strand geben wir uns einen High-Five.

      Die Muschelkette, die mir Marie und Nadine aus Spanien mitgebracht haben, ist schöner als die an der Promenade; für 4€ auch günstiger. Jetzt sehe ich aus wie ein Vollblutsurfer.
      Einigen ist schon aufgefallen, dass manche unserer Strähnen durch die Sonne aufgehellt wurden. Die verdreckten "Molietsfüße", wie sie Bernie und der Rest vom Team nennen, sind unvermeidbar.
      Ich dusche nur vor manchen Veranstaltungen, bei denen ich ein schönes Outfit tragen möchte. Mit dem Atlantik als fester Bestandteil unserer Routine wird der Sand, Schweiß und Schmutz häufig genug abgewaschen. Stören tun sie nicht; es ist Teil der Natur. So wie wir Campierenden.

      Vom Team angedacht ist eine Müllsammelaktion. Da heute die letzte Möglichkeit ist, in den Sonnenuntergang zu surfen, klinken einige, mich eingeschlossen, sich aus. Von der Sonne ist jedoch nicht viel zu sehen. Am Vortag hatte jemand schon angedeutet, dass es Richtung Amerika wohl stürmen soll. Die Wellen bestätigen die Vermutung.
      Als ich mich aufgewärmt habe, sind die anderen von der Strömung bereits Richtung Norden getrieben worden. In Erinnerung an Bernies Theorieunterricht suche ich nach einem Channel, um dem starken Gewässer entgegen ins Grüne paddeln zu können. Bis dorthin schaffe ich es nie. Anfangs halten sich die Wellen tatsächlich klein, aber direkt dort wo sie brechen, werde ich wie eine Socke in der Waschmaschine umhergeschleudert. Als ich entschließe mit auf dem Weißwasser zurückzukehren, verliert dieses nach kurzer Zeit sämtliche Energie. Es bleibt nichts übrig, als das gesamte Becken zu Fuß zu durchqueren.
      Die am Strand aufgereiht sitzende Truppe scheint von meiner Vorführung mehr beeindruckt als enttäuscht zu sein, was mich motiviert es nach einer Pause noch einmal weiter rechts, in der Sandbank, zu versuchen.
      Hier brechen die Wellen weiter Richtung Land, was es ermöglicht näher heranzukommen. Vor der Kraft der Brecher habe ich jetzt allerdings zu viel Respekt. Ein paar Weiße schaffe ich zu befahren, bis die Dunkelheit mich zurück zu den anderen zwingt.
      Das laute Meer und mein erschöpfter Körper schlagen Ruhe in mir breit, wo ich Frust erwarte. Hier draußen wirkt das Meer entspannend. Das Wetter verstärkt die Ferne des Horizonts. Ein wolkenfreier Sonnenuntergang wäre nicht viel schöner gewesen.

      Lara, Joana und Hannah vom abendlichen Zähneschrubben schlagen vor, noch an die Promenade zu laufen. Mir wird bewusst, dass die übrige Zeit kürzer ist, als mein Körper müde.
      Wir bestellen Eis. Ich nehme Cassis und etwas, das wohl das Gleiche ist, wie die anderen mir mitteilen. Mir scheint, alle hätten Französisch in der Schule gehabt. Es ist wohl auch nicht in jedem Bundesland üblich, Latein in die Auswahl der zweiten Fremdsprachen aufzunehmen.
      Auf dem Weg zum Schwimmer*innenstrand begegnen wir Lija, Annika und Kathi, welche mit anderen Deutschen, von den einer einen großen Lautsprecher als Rucksack trägt, im Sand einen Rave veranstalten wollen.

      Nur Hannah und Ich kommen nicht mit. Wir gehen über den Strand zurück zum Zeltplatz. Das Tor durch welches wir diesen normalerweise betreten, ist bereits geschlossen worden. Das stört nicht weiter.
      Die ganze Zeit bisher waren wir immer in Gruppen unterwegs. Jetzt, da wir zu zweit sind, fällt schnell auf, dass wir schneller tiefgründigere Gespräche führen. Etwas weiter die Straße entlang, ist das Tor, durch das der Reisebus uns am ersten Morgen auf das Camp gebracht hat. Hier ist es leichter über den Zaun zu steigen.
      Bisher habe ich jede Nacht versucht, zeitig ins Bett zu gehen, damit ich den Tag mit mehr Energie besser genießen kann. Heute scheint das unwichtig. Die Couch auf der Miniramp lässt einen ins Polster sinken und die Aussicht wirkt echter als die Abende zuvor. Alles wirkt fern. Das Camp wirkt unendlich.

      Beim Zähneputzen zeigt mir Hannah "Heiliges Fernweh" von Fortuna Ehrenfeld. Fernweh ist etwas, das ich bisher nie wirklich nachvollziehen konnte. Hiernach werde ich es können.
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    • Day 25

      Camping Le Saint Martin

      October 14, 2023 in France ⋅ ☁️ 21 °C

      Obwohl wir früh los fahren, wird es ein langer Fahrtag. Wie so oft, wenn wir die Heimreise antreten, regnet es leicht. Auf Serpentinenstraßen zuckeln wir durch die Pyrenäen entlang atemberaubender Bergformationen und machen wieder wunderschöne Aufnahmen.
      Mautstraße meiden wir, bezahlen das aber mit gefühlt 999 Kreisverkehren. Es geht schleppend langsam voran, und wir sind dann froh unser Ziel endlich zu erreichen.

      So ganz wollen wir uns für dieses Jahr noch nicht vom Meer trennen. Kurz hinter Bayonne, etwa 120 km vor Bordeaux zieht es uns in die weiten Dünen der Atlantikküste. Wir steuern den sehr komfortablen Campingplatz Le Saint Martin an und haben Glück dort noch an zukommen. Ab 15.10. macht der die Schranken zu und verabschiedet sich in dien Winterschlaf. Eine Übernachtung ist ok für uns.

      Kaum haben wir unseren Stellplatz eingenommen, springt Dana aus dem Wagen, hält die Nase in die Luft, guckt mich mit großen Augen an, flirtet mit mir, ist kaum zu halten…sie riecht das Meer. 30 Minuten später tobt sie in dem Fluten. Die starke Brandung und hohen Wellen machen ihr keine Angst. Sie stürzt sich immer wieder hinein, taucht durch die höchsten Wellen und apportiert immer wieder ihr Leine und zieht sie ans Ufer.
      Vor dem Abendessen gehen wir zu dritt nochmals bei leichtem Nieselregen an den Strand. Unermüdlich das gleiche Spiel…am Odin zurück, ist sie total k.o., säuft zweimal ihren Napf leer und versinkt auf ihrer Decke in einen ruhigen Schlaf 😴, …..
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    • Day 5

      Moliets-et-Maa

      August 9, 2022 in France ⋅ ☀️ 28 °C

      Area sosta con spazio per fortuna.
      Giretto nel mercato locale per paella.
      Da mezzogiorno alle 7 al mare. Oceano bello mosso.
      Dopo cena giretto nel centro del paese. Anche qui gelati, gauffre, churros, chippis e un sacco di locali.
      Ritroviamo anche la casa delle cozze...
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    You might also know this place by the following names:

    Moliets-et-Maa, Moliets e Mar, Moliets-et-Maâ, モリエ=エ=マー, Мольетс-е-Маа, Мольетс-э-Маа, Мольєтс-е-Маа, 莫利耶特和馬阿

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