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  • Dag 12

    Torres del Paine - Las Torres

    12. november 2017, Chile ⋅ 🌙 12 °C

    Vom Himmel her wurde es nass, der Weg war lang und die Versuchung groß:
    Der letzte Tag begann unerwartet feucht, die Schleusen waren offen und mal wieder haben wir es nicht „pünktlich“ aus dem Schlafsack geschafft. Der „Checkout“ der Campingplätze schien sich immer weiter nach vorne zu verschieben, wir waren nun schon bei 9 Uhr als Endzeit angelangt.
    Nachdem wir den mäßig leckeren Frühstücksbrei gegessen hatten, warteten wir nicht mehr ab, sondern wanderten in Regenhose los. Schon bald nieselte es nur noch, die Wolkendecke riss auf und die ersten Sonnenstrahlen wärmten unsere kalten Gesichter und tanzten auf dem unruhigen Wasser des Sees, neben dem wir mittlerweile spazierten.
    Moderat ging es Auf- und Ab, ehe wir zu einem kleinen Kiesstrand aus weißen und grauen Steinen gelangten, der einen herrlichen Blick auf den langgezogenen See bot und uns mit seinem azurblauen Wasser ins Staunen versetzte.
    Es hätte sich mit zugekniffenen Augen und höheren Temperaturen auch um den Anblick einer Karibikinsel handeln können und die Cocktails konnte ich schon förmlich auf den Lippen schmecken.
    Stattdessen wurde aus dem süßen Geschmack des Cocktails der eines Snickers. Muss ich also erst mal nach Südamerika reisen, um Snickers mit Mandel statt Erdnuss kennen und lieben zu lernen. (Bei all den Energieriegeln, die wir mit uns führten war das der unangefochtene Spitzenreiter.)
    Wir machten an diesen und jenen Stellen mit guter Sicht Rast, gönnten unseren Beinen etwas Erholung und unserer Seele etwas Freude. All die vergangenen Tage hatten unsere Ausdauer gesteigert und wir waren merklich besser zu Fuß unterwegs als am Anfang (auch wenn das jetzt sehr weit hergeholt klingt - es war so).
    Schließlich wurde der Weg flacher, der Wind rauer und die Beschilderung verbesserungswürdiger.
    Wir hatten - natürlich - keine Karte des Parks dabei und verließen uns stets auf die Landkarten an den Campingplätzen.
    An einer Weggabelung mussten wir raten, welcher der Wege uns tatsächlich zum letzten Campingplatz der Wanderung, etwas außerhalb der eigentlichen Route gelegen und hinter dem einzigen Hotel des Nationalparks versteckt, führte.
    Bis hierher waren wir bereits gute fünf Stunden unterwegs und der Weg zog sich wie Kaugummi. An einem weiteren, kleinen See wanderten wir entlang, einen Hügel hinab und weitem, grünem, grasbewachsenem Feld entgegen. Ganz weit in der Ferne waren kleine Gebäude zu sehen, mutmaßlich das erwähnte Hotel.
    Dem entgegen liefen wir, überquerten eine lange Brücke, die einen Gebirgsbach überspannt und fanden uns schließlich vor einem zweistöckigen, hölzernen Gebäudekomplex wieder. Einen Kilometer dahinter lag der Campingplatz - wir hatten es geschafft.
    Der mit neun Stunden Wanderung längste Tag war erfolgreich beendet. Wir ließen uns direkt am vorbeifließenden Fluss nieder und richteten unseren Schlafplätze ein.
    Auf der gegenüberliegenden Seite leuchteten die Lichter des Refugios, einer Herberge für Wanderer, die lieber ein festes Dach über dem Kopf haben. Dort befindet sich auch ein Restaurant und ein Minimarket. Wir machten den Fehler und schauten uns die Räumlichkeiten näher an.
    Die servierten Pizzen schillerten in den hellsten Farben und dampften miteinander um die Wette, schienen uns anzuflehen, endlich in sie reinzubeißen.
    Der Tütenfraß der vergangenen Tage und der für heute angedachte Kartoffelbrei zum Anrühren waren maßgeblich an den Halluzinationen beteiligt.
    Tatsächlich aber gab es an diesem Abend im Restaurant nur Auflauf in Form von Menschen und demzufolge keinen Platz mehr für uns an einem der Tische. Wir mussten unseren ursprünglichen Plan nun doch durchziehen.
    Allen Erwartungen zum Trotz muss ich konstatieren, dass der Instant-Kartoffelbrei „4 Queso“ aus dem untersten Regal des Supermarktes doch nicht so schrecklich schmeckte, wie angenommen. Vielleicht lag es auch daran, dass wir frisches Essen einfach nicht mehr gewöhnt waren.
    Erschöpft und glücklich fielen wir in die Schlafsäcke und verbrachten eine windig-eisige Nacht am Fluss in unserem Sommerzelt.

    Der letzte Morgen zeigte uns die kalte Schulter und ließ uns frieren. Es war der bisher frischeste Tagesbeginn, alleine der Gang zum Zähneputzen war äußerst unangenehm und so richtig wollte ich nicht in die Gänge kommen.
    Die Zubereitung unseres Frühstücksbreis - endlich die letzte Portion - war mit den Händen über dem Campingkocher eine wahre Wohltat.
    Von oben gewann die Morgensonne langsam an Kraft und verwandelte die Torres, die Namensgeber des Parks und von unserem Campingplatz aus sichtbar, in drei rot leuchtende Türme.
    Der letzte Abschnitt der Wanderung zum Aussichtspunkt der Torres begann leider wegen der morgendlichen Kältestarre verspätet und räumte uns lediglich acht Stunden für den Hin- und Rückweg ein. Trotzdem wollten wir so weit wie möglich laufen und ließen unser großes Gepäck am Campingplatz zurück.
    Der Wandergenuss und die Schönheit der Landschaft hatten im Vergleich zu den vergangenen vier Tagen deutlich eingebüßt, in diesem Abschnitt waren sehr viele Tagestouristen unterwegs und die Wege relativ voll. Wäre es unser erster Tag gewesen, wir hätten bestimmt begeistert von der weiten Sicht der Berge geschwärmt.
    Nach drei Stunden Wanderung erhaschten wir wieder einen Blick auf die Torres, oder viel mehr auf die dicke Wolkenschicht, die sie umhüllte. Die drei Granitsäulen waren verschwunden, dennoch ging es weiter, ehe wir 800 Meter vor dem Aussichtspunkt aus Zeitmangel umkehren mussten. Für die restlichen Meter hätten wir laut Karte noch 45 Minuten benötigt, der Weg geht an dieser Stelle steil bergauf. Das Wetter hatte sich nicht geändert und gesehen hätten wir die Türme von weiter oben auch nicht.
    Durch ursprüngliche, grüne Wälder spazierten wir wieder hinab. Die Bäume wurden lichter und verschwanden schlussendlich ganz.
    Im Augenwinkel nahm ich einen vorbeiziehenden Schatten wahr und wendete meinen Blick gen Himmel. Über uns kreiste ein Andenkondor mit gewaltiger Spannweite und segelte ohne einen einzigen Flügelschlag an Berg entlang. Die weiß-schwarze Farbe des Federkleids mutete majestätisch an.
    In der Ferne und weit oben in den Lüften erkannten wir weitere Kondore kreisen, die uns zum Abschied nachzusehen schienen.
    Am Campingplatz angekommen schnappten wir unsere Rucksäcke und machten uns auf zum Welcome-Center, nur wenige Gehminuten entfernt, von wo aus wir mit dem Bus über Schotterstraßen zurück nach Puerto Natales fuhren und dort nach einer Pizza (endlich wieder etwas leckeres!) wie zwei Steine ins Bett fielen.
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  • Dag 10

    Torres del Paine — Paine Grande-Francés

    10. november 2017, Chile ⋅ ⛅ 33 °C

    Am nächsten Morgen - nachdem wir es geschafft hatten, aus dem warmen Schlafsack zu kriechen und weniger leckeren, dafür jedoch sättigenden Frühstücksbrei mit Wasser zu essen - wanderten wir die Strecke des gestrigen Tages, diesmal im Nieselregen und bei Wind, wieder zurück. Doch auch bei grauem Wetter verlor die gewaltige Natur nicht an Faszination und so wanderten wir beschwingt mit staunenden Augen, erholt und mit neuer Kraft in den Beinen.
    Im Campamento Paine Grande angekommen, suchten wir uns einen Platz vor starken Winden geschützt am Fuße des Berges und schlugen unser Zelt auf. Heute gab es Reis Mexicana gemischt mit Risotto tres quesos für den Feinschmeckergaumen, gekocht in einer gemütlichen Kochhütte des Campingplatzes mit Blick auf schneebedeckte Gipfel und den kristallklaren See. Es gibt wohl schlechtere Orte zu speisen...
    Nach dem Essen und einer wohltuenden heißen Dusche legten wir uns in unsere Schlafsäcke, erfüllt von den traumhaften Bildern des Tages.

    Wir erwachten am nächsten Morgen nach einer stürmischen Nacht. Nach einem Frühstück, das auch am zweiten Tag nicht besser wurde, starteten wir unsere Wanderung.
    Es ging zunächst hoch hinaus, vorbei an einem kleinen See und weiter über Stock und Stein. Wir gingen vorbei an Wasserfällen, Bächen und Flüssen, die rauschend geschmolzenes Eis und Schnee von den Gipfeln der Berge an uns vorbeitrugen. Immer wieder wechselte die Landschaft ihre Gestalt: von abgestorbenen Wäldern, in welchen man beinahe glaubte, die Geister vergangener Ahnen zu spüren; über steinende Seeufer, an die kristallklares türkisblaues Wasser schwappte bis his zu Wäldern, durch die wir unseren Weg kämpfen mussten, so sehr bahnte sich das nicht enden wollende Grün seinen Weg begleitet von Vogelgesängen und dem Geplätscher des Wassers.
    Als wir schon fast an unserem Tagesziel, dem Camp „Francés“ angekommen waren, führte uns der Weg über eine Hängebrücke in ein von Bäumen gerahmtes Flusstal. Hier stellten wir unsere großen Rucksäcke ab und liefen nun um das Gewicht erleichtert nur mit unseren kleinen Rucksäcken bepackt hinauf in Richtung des Aussichtspunktes, um den Gletscher Francés zu bewundern.
    Steil bergauf kletterten wir und konnten unser Glück kaum fassen, diese Naturgewalten sehen zu dürfen. Je höher wir kamen, desto mehr Schönheit konnten wir bestaunen. Das letzte Stück führte uns auf dem Kamm des Berges entlang, der wie eine Allee von Bäumen gesäumt war, bis schließlich, oben angekommen, die Aussicht den Gletscher preisgab. So standen wir da, aßen ein paar Nüsse (also ich) und Trockenfrüchte, sahen auf das ewige Eis und hörten den Donner, als die Eismassen in die Tiefe fielen.
    Nach einer Weile mussten wir uns losreißen, kletterten wieder in die Tiefe, setzten unsere Rucksäcke auf und wanderten das letzte Stück des Tages, noch immer voller Stauen und in Bewunderung versunken.
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  • Dag 9

    Torres del Paine NP - Glacier Grey

    9. november 2017, Chile ⋅ ⛅ 33 °C

    Der erste Tag unserer Wanderung führte uns um 7:30 Uhr zum Busbahnhof in Puerto Natales, von wo aus uns der Bus zum Parkeingang des Nationalparks „Torres del Paine“ brachte. Die Fahrt dauerte rund 2,5 Stunden und verlief - wie in Chile auf dem Land oftmals - über geschotterte Wege. Am Eingang befindet sich die Registrierung, wo jeder Besucher ein Formular mit - wie gefühlt überall - seiner Passnummer ausfüllen muss.
    Anschließend ging es weiter nach Pudeto, dem Schiffsanleger, wo wir das Transportmittel wechselten und eine halbe Stunde mit einem Katamaran zum Ausgangspunkt der heutigen Wanderung gebracht wurden.
    Während der Überfahrt bot sich uns bereits ein spektakulärer Blick auf die Szenerie und die sich im glatten Wasser des unberührten Sees spiegelnden, schneebedeckten Berggipfel. Das türkisblaue Wasser erinnerte an paradiesische Strände und war der Vorgeschmack auf die folgenden Tage. Von hier an hatten wir das Gefühl, in eine unwirkliche und so perfekte Welt einzutauchen - und das trotz der zahlreichen Mitreisenden.
    (Angemerkt sei hier, dass es sich bei genanntem Park um einen wahren Besuchermagneten handelt. Gut für uns, dass wir erst am Anfang der Saison stehen, der große Ansturm noch etwas auf sich warten lässt und der Nationalpark noch nicht überlaufen ist.)
    Schlussendlich mussten wir trotz Träumerei den Katamaran nach Anlanden am Ufer verlassen und wanderten von hier an bei bestem Wetter mit Sonnenschein, Sonnencreme (!) und frühsommerlichen Temperaturen von Anfang 20 Grad in Richtung unseres ersten Übernachtungsplatzes - dem Campamento Grey, hoch oben am Fuße des Gletschers Grey.
    Der Weg begann sich an einem Flusslauf entlang zwischen zwei Hügel hindurch zu schlängeln, stieg moderat an und gab den ersten Blick frei auf den See, über den wir gekommen waren.
    Um uns herum wuchsen knie- bis hüfthohe Sträucher, Blumen blühten und der Bach, aus dem Jose ihren ersten ungechlorten Schluck Chiles nahm, plätscherte vor sich hin. Die Wasserqualität der Gebirgsbäche ist exzellent und kann fast überall getrunken werden, was Schleppen von Wasserflaschen unnötig macht.
    Nach dem ersten steileren Anstieg und der sich nun ändernden Umgebung hin zu einer steinigeren und mit vertrockneten Bäumen bewachsenen Landschaft, tat sich ein kleiner Bergsee auf, wo wir unsere erste Pause einlegten und die Landschaft genossen.
    Weiter ging es bergauf und bergab. Die Sonne versteckte sich hin und wieder hinter ein paar Schönwetterwolken und insgesamt wurde es etwas kälter, je weiter wir vordrangen.
    Steile Anstiege durch Bachläufe hindurch, in welchen das hinablaufende Wasser den Weg vorgab und kurze Kletterabschnitte machten unsere Beine müde, das Gewicht unserer Rucksäcke tragend. Bald darauf jedoch sollten wir für die Anstrengungen belohnt werden.
    Wir kamen zum Lago Grey, dem See, in den der Gletscher kalbt. Hier sahen wir beide die ersten Eisschollen in unserem Leben auf dem Wasser treiben und nur zu gerne wären wir hinunter gelaufen und hätten unsere Hände danach ausgestreckt. Eine Höhendifferenz von 200 Metern stellte sich diesem Bestreben jedoch in den Weg. Der Anblick des grauen Wassers mit den bläulich schimmernden Eisschollen war dennoch faszinierend.
    Nach einem kurzen Blick ging es weiter und wir kamen zu einer Landkarte, die uns verraten sollte, dass wir das Camp und damit das Ende des ersten Tages nach zweieinhalbstündiger Wanderung bald erreicht hatten. Das tat sie leider nicht. Wir hatten bis dahin erst die Hälfte der Strecke und damit 6,5 Kilometer geschafft. Die Entfernungen in Chile stellten sich abermals als herausfordernd dar.
    An einem Steilhang entlang wanderten wir am Ufer des Sees und sahen nun endlich aus der Ferne die Kante des Gletschers und das Eisfeld dahinter. Eine unglaubliche, majestätisch Größe.
    Einige Pausen und einige Zeit später zeigten sich die ersten Hütten des Camps, und außer uns waren auch die anderen Wanderer froh, endlich am Ende der Tagestour angekommen zu sein. Der Platz liegt in mitten eines Waldstücks, geschützt vor Wind und Wetter.
    Wir meldeten uns an der Hütte des Campingplatzes an, wo es auch einen Minimarket und eine Hütte zum Kochen mit dem eigenen Campingkocher gibt.
    Unser Zelt schlugen wir an einem netten Plätzchen auf und wollten nun unbedingt noch den Gletscher aus der Nähe ansehen, bevor wir zur Ruhe kamen. Der Aussichtspunkt war innerhalb eine Viertelstunde gut erreichbar.
    Von dort sah er noch viel imposanter aus als zuvor und wir beide fanden nun endlich eine Stelle am Ufer, um Eisschollen anzufassen und unsere Hände in das kalte Wasser zu tauchen. Ich weiß nicht, ob es nachvollziehbar ist, aber nach all der Anstrengung und der sich verändernden Landschaft ist es ein überwältigendes Gefühl gewesen, dieses Naturkunstwerk in der einsamen Landschaft zu bestaunen.
    All das hat uns dermaßen erschlagen, dass wir uns nach einem einfachen Abendessen vom Gaskocher früh in unsere Schlafsäcke begaben und ganze 12 Stunden bis zum nächsten Morgen schliefen.
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  • Dag 7

    Puerto Natales - Tor zum Nationalpark

    7. november 2017, Chile ⋅ ☀️ 17 °C

    Nach einer abenteuerlichen Nacht in Punta Arenas in einem mehr als dreckigen Hostel, das uns von einer alten Dame am Straßenrand aufgeschwatzt wurde, sind wir gestern nach einer dreistündigen Busfahrt durch die (karge) südchilenischen Steppe in Puerto Natales angekommen. Das beschauliche Städtchen, das vom Tourismus lebt, bildet das Tor zum Nationalpark „Torres del Paine“ und wird im Jahr von vielen tausend Backpackern besucht. Auch uns zieht es zu einer fünftägigen Wanderung mit Zelt, bei der es atemberaubende Berglandschaften und Gletscher zu bewundern gibt.
    Die Buchungen der einzelnen Campingplätze im Park, die bei drei verschiedenen unabhängigen Organisationen durchgeführt werden müssen, wirbelte unseren Zeitplan etwas durcheinander, da einige Plätze leider schon ausgebucht waren und wir daher nun erst einen Tag später als ursprünglich geplant starten können. Bis Donnerstag bleiben wir also noch in Puerto Natales. Das hat uns die Freiheit gegeben, gemütlich für den Trip einzukaufen und uns mit dem noch fehlenden Campingequipment auszustatten. Ein Campingkocher, Gaskartuschen, ein Topf und das ganze Essen fehlten uns noch.
    Bei warmen 24 Grad genießen wir das gute Wetter an der Lagune und haben uns schon in Feuerland den ersten Sonnenbrand des Frühjahres geholt (Danke Alfred für deinen Rat mit der Sonnencreme. Hätten wir mal darauf gehört...).
    Außerdem planen wir unser weiteres Vorgehen nach Ende der Wanderung mit hilfreichen (Insider)Tips eines Chilenen aus unserem Hostelzimmer.
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  • Dag 3

    Beschwerliches Feuerland

    3. november 2017, Chile ⋅ ⛅ 9 °C

    Der weitere Weg führte uns nun nach Porvenir. Noch auf dem Schiff liefen wir zufällig einem local guide in die Arme, der gerade von Feuerland und der chilenischen Geschichte erzählte. Zu meiner Freude nicht auf Spanisch, sondern Deutsch. Wir gesellten uns dazu und erfuhren von einer Pinguinkolonie etwa 120 Kilometer von Porvenir entfernt. Diese Information sollte unseren Tag bestimmen.
    Nachdem wir am Hafen anlandeten, schlüpften wir in unsere Wanderkleidung und starteten die wenigen Kilometer in Richtung Ortskern. Weit kamen wir nicht, denn ehe wir uns versahen, hielt eine freundliche Chilenin mit ihrem Auto und nahm uns die vier Kilometer mit. Sie erzählte ein wenig mit Josephin und ich schaute aus dem Fenster, ohne auch nur einen Schimmer zu haben, um was es ging.
    Porvenir stellte sich als schmuckloses Dorf heraus, nicht sehr groß und nicht sehr schön. Ein paar Hotels, ein Hostel, einige Restaurants und Minimärkte machen es zu einem lokalen Hotspot.
    Von den Pinguinen geblendet und von Porvenir erschlagen war der Plan des Tages klar: wir wollten die Tierchen besuchen und dorthin wandern und trampen.
    Ich muss an dieser Stelle einen Reiseratschlag verifizieren, den ich etwas stiefmütterlich behandelt habe: es kommt im Rucksack auf jedes Gramm an. Nach nur wenigen Kilometern meldeten sich meine Beine zu Wort und waren von ihrem bisherigen Trainingsstand nicht begeistert. Josephin litt mit, hatte aber keine Gnade. Es ging also weiter.
    Unser Weg kreuzte Scharen von frei lebenden Lamas, die am Wegesrand standen und uns fragend anblickten. Es schien für sie kein alltäglicher Anblick, zwei aufgeweckten Wandersleut zu begegnen.
    In der Zwischenzeit streckten wir hie und da unsere Daumen raus und baten um eine Mitnahme. Viele Möglichkeiten gab es nicht, die geschotterte „Hauptstraße“ ist nur spärlich befahren. Warum, das sollte uns erst später klar werden.
    Ein Großgrundbesitzer hielt an und lallte etwas auf einer mir unverständlichen Sprache. Josephin antwortete. Er erzählte, er sei Besitzer der Tiere in dem Bereich, so weit das Auge reiche. Also setzen wir uns dazu und gingen mit ihm auf die Jagd nach entlaufenen Schafen und Kühen. Nachdem wir gemeinsam ein Duzend Tiere von der Straße und dem nahenden Unfalltod bewahrt hatten, drehte der Viehhirte um und überlies uns unserem Schicksal. Es ging zu Fuß weiter. Die Landschaft und das Meer zeigten sich von ihren schönsten Seiten und wir genossen die Einsamkeit in dieser Umgebung.
    Noch drei mal wurden wir mitgenommen. Von einem Taxi (auf der Fahrt zu einem Kunden mitten in der Pampa), einem LKW (auf der Ladefläche mit leeren Düngemittelkanistern) und schließlich mit einem Pick-Up.
    Wir baten um die Mitnahme zur nächsten Stadt, die auf der Karte markiert war. Der Fahrer schien zu verstehen und die wilde Fahrt ging los, ganze 55 Kilometer auf der Ladefläche. Eine Wohltat für unsere geschundenen Füße.
    Am Chilenisch-argentinischen Grenzposten wollte er uns rauswerfen und deutete den Weg nach Argentinien. Wir mussten uns missverstanden haben, uns war nach etwas zu Essen und der nächsten Stadt bei den Pinguinen. „Pinguïnos“ brachte ich hervor und meine erste spanische Konversation war perfekt. Es ging weiter.
    Nach 15 Kilometern hielten wir. Weit und breit keine Pinguine und noch viel schlimmer: Keine Stadt.
    Wir wurden abgesetzt und der Pick-Up fuhr ohne uns weiter. So standen wir vor dem verschlossenen Eingang der Pinguinkolonie, es war mittlerweile lange nach Ladenschluss und es begann zu dämmern. Aber nicht nur dem Himmel dämmerte es, uns auch. Wir waren in einer gottverlassenen Gegend am Abend ohne Aussicht auf Rettung abgesetzt worden. Die vermeintliche Stadt schien in der vorgestellten Form nicht zu existieren und die Straße keine Fahrzeuge mehr hervorzubringen.
    Ein Plan musste her. Wir schlugen unser Zelt neben einer Düne auf und stellten uns auf eine Nacht unter freiem Himmel ein.
    Doch auch hier meinte es das Schicksal nicht gut mit uns. Eine aufziehende Brise machte Zelten unmöglich, zu groß war das Risiko des Totalverlustes unserer mobilen vier Wände. Kommando zurück, alles auf Anfang.
    Ein Dröhnen mischte sich plötzlich in die recht windige Szenerie und ein LKW fuhr heran. Wir setzen auf Altbewährtes und hielten erneut unsere Daumen raus. Es klappte. Der Fahrer hielt.
    Zu unserem Leidwesen musste Jose hören, dass es hier tatsächlich keine Stadt gab. Die zwei nächstgelegenen Dörfer nannten sich San Sébastian und: Porvenir. Ah. Unsere Karte führte uns in die Irre und benannte den Grenzposten, aber keine Stadt. Dieser Posten sei unsere einzige Chance, so der Fahrer. Er würde aber in einer Stunde schließen.
    Wir liefen also den Weg wieder in die entgegengesetzte Richtung, so schnell es unsere Beine zuließen.
    15 Kilometer mit gefühlten 100 Kilo auf dem Rücken bei Einbruch der Dunkelheit in einer Stunde war eine optimistische Schätzung. Pessimismus machte sich breit und wich dem Realismus.
    Die Uhr schlug zehn, wir setzen unsere Stirnlampen auf und suchten Windschatten in den Dünen. In voller Montur legten wir uns in den Schlafsack. Es war uns nach einer Mütze Schlaf.
    Die Nacht war ungemütlich, windig und sternenklar.
    Der Morgen graute und ein Blick auf die Uhr verriet, dass es Zeit zum Aufstehen war.
    Wir wollten an unserem Plan von letzter Nacht festhalten und am Grenzposten versuchten eine Mitfahrgelegenheit und etwas Wasser zu ergattern.
    Nach etwa einer Stunde Wanderung in Richtung Grenzposten (den wir natürlich nicht fanden) sahen wir in der Ferne einen Bus auf uns zukommen. Mit dem Daumen hielten wir ihn an und endlich hatten wir auch ein wenig Glück. Der Bus mit einer chilenischen Reisegruppe nahm uns bereitwillig an Bord, versorgte uns mit Doppelkeksen, einer Menge spanischer Musik und Gesang und einer Fahrt über 110 Kilometer nach Porvenir, der Ausgangsstadt unseres Abenteuers.
    Ich war heilfroh, eine Reihe Häuser mit geteerter Straße zu sehen. Wir waren da, am Ort unserer Träume. Plötzlich gar nicht mehr so hässlich, nahm sie uns trotz unserer abwertenden Worte am Tag davor auf und bot uns ein Bett, etwas zu Essen und Ruhe.
    Wir entspannen uns nun ein wenig und geloben eine bessere Planung für die kommenden Tage.
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  • Dag 1

    Punta Arenas – Das Abenteuer beginnt

    1. november 2017, Chile ⋅ ☀️ 9 °C

    Nach einem langen Flug, der ein wenig mit Herzschmerz verbunden war, kamen wir in Santiago de Chile an. Nun sollte es eigentlich nach zwei Stunden weiter nach Punta Arenas gehen. Leider wurde das Gepäck nicht direkt weitergeleitet, sodass wir sowohl das Gepäck abholen, durch die Passkontrolle, aus dem internationalen Bereich hinaus und mit Flugtickets und abgegebenen Gepäck wieder hinein mussten. Die Flughafenmitarbeiter wussten leider auch nicht genau Bescheid, bzw. jeder wusste, wohin wir mussten, allerdings waren dies alles verschiedene Orte. Und sehr zu Jonis Verwunderung sprach natürlich niemand am internationalen Flughafen Hauptstadt von Chile Englisch. Außer Atem und mit viel Glück kamen wir aber doch noch pünktlich am Gate an und flogen weitere drei Stunden in den Süden Chiles.
    Angekommen fuhren wir mit dem Taxi in die Stadt, klingelten bei einem sehr heruntergekommenen Haus, das sich aber dann als wunderbares erstes Hostel herausstellte. Nach einem Erkundungsgang durch die Stadt und selbstgekochten Spaghetti fielen wir dann um 19 Uhr ins Bett.
    Am nächsten Morgen wachten wir früh auf und entschieden uns die Fähre hinüber nach Porvenir auf Feuerland zu nehmen.
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