• Kathi.
Feb 2019 – Feb 2020

Kanada

"Barfuß" durch Kanada Read more
  • Trip start
    February 6, 2019

    Counting the days...

    January 19, 2019 in Germany ⋅ ⛅ -5 °C

    Bald geht sie also los, die nächste und meine - zumindest planmäßig - bisher längste Reise, zurück in das Land, in dem ich vor fast genau 15 Jahren meinen ersten Sabbatical genießen durfte: Kanada. Noch immer fasziniert mich das zweitgrößte Land dieser Erde und es gibt so viel zu entdecken in den unendlich erscheinenden Weiten.
    Kanada ist 28 Mal so groß wie Deutschland, hat dabei aber nicht mal halb so viele Einwohner (35 zu 80 Millionen). Alleine das ist schon ein Grund für mich, dort zu reisen. München wird mir im Moment einfach zu voll. Mal sehen, wann ich den Punkt erreiche, dass mir die Menschenmassen fehlen...

    Der Plan: Kein Plan.
    Ich hätte es mir natürlich denken können, dass das so bei mir nicht funktioniert. Theoretisch hab ich nun einen Plan für die nächsten 10(!) Monate. Allerdings sind meine Pläne niemals fix, die Karten werden fast täglich neu gemischt. Aber genau so muss es sein auf solch einer Reise.

    Das Visum
    Von der verrückten ersten Idee wegen eines Chats mit einem Freund am 18. Januar 2018 (der eigentlich über eine Schottlandreise informieren sollte) über die Beantragung des Work & Travel Visums am 26. Januar bis zum Erhalt dauerte es weniger als einen Monat. Die tatsächliche Vergabe des Visums sogar nur 3 Tage! Das hat mich etwas umgehauen, denn eigenlich wollte ich gar keine Fernreise mehr machen, meinen Reisepass auslaufen lassen und mit einem kleinen Van durch Europa touren. Aber warum nicht nochmal Kanada?

    Die Route
    City-hopping durch die großen Städte im Osten Kanadas, Farmarbeit in Nova Scotia, wandern in Neufundland, Sterne bestaunen in den Northwest Territories und Nordlichter beobachten im Yukon. Mal sehen, was am Ende dabei herauskommt.

    Auf jeden Fall freue ich mich auf das Abenteuer! Begleitet mich gerne auf meiner Reise :-)
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  • Start geglückt

    February 6, 2019, Greenland Sea ⋅ 🌬 2 °C

    Spoiler alert: ich bin wohlbehalten in Toronto angekommen.

    4 + 6 Stunden habe ich Zeit, nachzudenken, Filme/Serien zu schauen, Reiseinformationen zu lesen und zu schlafen. Eine Stunde fürs umsteigen und die nächste Maschine, bringt mich zu meinem Zielort. Island zeigt sich weiß und ein Vulkan brodelt vor sich hin. Ansonsten alles unspektakulär.

    Der Abflug von München geht nicht ganz ohne Hindernisse vonstatten. Und damit meine ich nicht den Topf Bohnensuppe, den ich nicht mehr entsorgt habe (Gott sei Dank gibt es liebe Menschen, ohne die ich mein Leben nicht meistern könnte, bzw. um einiges schlechter). Nein, es war eTA. Was zum Teufel ist eTA? ESTA, ja. Nun, wie ich beim Check-in feststellen muss, brauche ich zur Einreise nach Kanada zusätzlich zu meinem Visum auch eTA. Da meint man, in der Schule wäre man auf das Leben vorbereitet worden. Aber Lesen und Texte erfassen scheint nicht gefruchtet zu haben (wie gut, dass das in meiner Berufslaufbahn niemandem aufgefallen zu sein scheint). Nun ja, auf jeden Fall stehe ich nun beim Check-in und habe eine kompetente und freundliche Dame am Schalter, die mir die Daumen drückt, dass ich in den nächsten 3 Stunden die Einreisegenehmigung erhalten werde. "Manchmal dauert es 72 Stunden. Dann kann ich Sie nicht einchecken lassen." Wie aufmunternd! Nun ja, das Glück ist mir hold und das Eintippen der 1000 Daten dauert länger als der Erhalt von eTA - das "approved" ist da, ehe mein Handy die neuen Nachrichten laden kann und so schaffen wir es doch noch entspannt ins Airbräu.

    ***Anmerkung der Redaktion am 10.2.: eTA hätte ich tatsächlich NICHT gebraucht! Das ist im Work & Travel Visum inbegriffen***

    Ich will nicht sagen typisch, denn eigentlich passiert mir sowas nicht. Aber es ist ja nochmal gut gegangen (puh!)

    In Toronto läuft alles so glatt, dass es mir fast Angst macht. Vom Verlassen des Flugzeugs bis zum Bahnhof Toronto in 1,5 Stunden - Visum & Sozialversicherungsnummer inklusive - ich bin begeistert!!

    Ich freu mich auf die Stadt, brauch jetzt aber ne Mütze Schlaf nach 23 Stunden auf den Beinen.

    Die ersten paar Tage komme ich bei einem Bekannten unter. Wir hatten uns vor fast genau 10 Jahren, im Februar 2009 auf Kuba kennengelernt. Über Facebook blieben wir in Kontakt, er war sogar mal zum Oktoberfest in München zu Besuch.
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  • Toronto 6.-10.2.

    February 9, 2019 in Canada ⋅ ⛅ -3 °C

    Wie ich merke ist es hier (gerade?) nichts für mich. Toronto ist sicher ganz schön. Aber ich kann mich nicht auf die Stadt einlassen. Ist auch nicht sooooo einfach bei gefühlten -19°C. Es hat zwar nur -9°, aber durch den "strong and gusty wind", der hier mit 80 km/h durch die Stadt wütet fühlt es sich 10° kälter an. Wenigstens kommt ab und an die Sonne durch, die die Stadt etwas freundlicher erscheinen lässt als tags zuvor mit dem Nebel.

    Ich nutze meinen 2. Tag in Toronto, um mir das Eaton Center anzusehen und den Icebreakerladen aufzusuchen. Was ich in der Mall will weiß ich selbst nicht. Sie ist riesig und schön und es hat in jedem Laden 3x so viele Verkäufer wie Kunden. Ich laufe noch zur Younge-Dundas Kreuzung, an der es von Lichtern nur so wimmelt und vorbei an zahlreichen schönen alten Gebäuden zwischen riesigen Wolkenkratzern. Es erinnert mich hier sehr an New York.

    Als ich dann den Icebreaker-Laden betrete komme ich mir etwas blöd vor. Außer meinen Schuhen - natürlich Leguanos - trage ich ausnahmslos Icebreaker. Sogar Mütze und Handschuhe! Zumindest kann ich bestätigen, dass die Sachen warm genug sind. -19° - kein Problem, auch nicht für die Leguanos, wenn man dazu Merino-Socken trägt (ich muss aufhören mit der unbezahlten Schleichwerbung ;-) ).

    Was mich überrascht hat: statt Tauben sitzen hier Adler auf den Balkonen :-D (Mein Freund meinte aber, das wäre nicht der Normalfall)
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  • Warum ich in Toronto nicht leben könnte

    February 9, 2019 in Canada ⋅ ⛅ -3 °C

    Tag 3 in Toronto. Durch den Jetlag wache ich wie jeden Morgen um 5 Uhr auf. Ist super, dann hab ich wenigstens was vom Tag (haha). Um 8 steh ich dann auch auf und schlender zum etwa 10 Minuten entfernten CN Tower. Es soll ein paar Stunden Sonne geben heute. Da ich kein Ticket kaufen muss, bin ich die Erste und bekomme eine private Fahrt auf den 553,3m hohen Turm (zum Vergleich: der Olympiaturm ist nur schlappe 291m hoch). Ich hab das komplette Areal für mich und genieße die Aussicht. Irgendwie schon spektakulär der Blick über den Lake Ontario. Obwohl er der kleinste See ist in der Gegend kommt man sich vor wie am Meer. Die Eisschicht auf dem See macht es nochmal besonders.

    Während ich so meine Runden auf den unterschiedlichen Plattformen drehe fällt mir auf, warum ich Toronto nicht mag. Es liegt nicht an der Kälte, obwohl die Stadt im Sommer mit Sicherheit attraktiver ist. Es sind das fehlende Grün und vor allem Berge. Für mich ist es unverständlich, wie man eine so riesige Stadt errichten kann ohne genug Grünflächen einzurichten. OK, einige gibt es schon, die sind im Moment von Eis bedeckt. Und bei der Größe ist es auch nicht so einfach, die Distanzen wären noch größer wenn unzählige Parks zwischen den Wolkenkratzern Flächen "wegnähmen". Ein paar mehr Parks hätten mit Sicherheit trotzdem nicht geschadet. Aber viel wichtiger: ohne Berge kann ich wohl nicht mehr leben. Und Toronto ist flach wie Holland! :-P Toronto hat im Übrigen etwa doppelt so viele Einwohner wie München, ist dafür aber nur halb so attraktiv (no offense, Toronto ;-) )

    Die Tour auf den CN Tower war sehr spektakulär und ich bin froh, dass ich das Ticket hatte - gekauft hätte ich es mir sicherlich nicht. Ich war ja schließlich schon mal hier oben - vor 15 Jahren :-P (Danke ihr 4 Lieben!! :-) ).

    Das hört sich jetzt alles vielleicht etwas negativ an. Aber nein. Ich bin immer noch am Ankommen und ich genieße es sehr, mal nicht irgendwas tun zu müssen, sondern einfach zu lesen, Kaffee zu trinken, zu ratschen oder einfach mal nichts zu tun.
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  • Niagara Falls

    February 10, 2019 in Canada ⋅ ⛅ -6 °C

    So, da ich auf Stadt offensichtlich keine Lust zu haben scheine, entschließe ich mich, mir die Niagarafälle in gefrohrenem Zustand anzusehen. Fast buche ich eine Tour für 75C$, aber glücklicherweise bin ich seit Freitag hier im Hostel "The Clarence" und bekomme den Tipp, mit dem Bus selbstorganisiert zu fahren. Das kostet etwa die Hälfte, ist aber ohne Winetasting, was ich ohnehin nicht machen möchte.

    Wie immer wache ich um 5 auf, wälze mich noch 2 Stunden im Bett hin und her und, weil meine Muskeln aufgrund Nichtbenutzung einrosten, ziehe ich meine Yogamatte heraus und mache ein paar Sonnen- oder Mond- oder Hundegrüße (keine Ahnung, kenn mich ja nicht aus, aber es tut gut).
    Kurzes Frühstück und Gespräche mit den wenigen Morgenmenschen hier und ich mache mich auf zum zu Fuß etwa 30 Minuten entfernten Busbahnhof. Blauer Himmel und Sonne - fängt schon mal gut an. Es sind kaum Menschen auf der Straße. Wahrscheinlich schlafen hier auch alle aus am Sonntag.

    Der Bus fährt pünktlich um 10:30 ab, die zweistündige Fahrt ist nach 1,5 Stunden schon vorbei und dann sind es 20 Minuten flotten Schrittes zu den Fällen (bei -4° läuft sichs automatisch schneller). Als ich den Zielort erreiche bin ich sprachlos. Ich hatte die Niagarafälle eigentlich etwas unspektakulärer in Erinnerung (die Fälle von Iguaçu in Argentinien / Brasilien bekommen viel weniger Beachtung, sind aber m.E. eines der tollsten Naturspektakel, die es gibt auf der Welt).

    Ich komme kaum vorwärts weil ich einfach nicht wegsehen kann. Ich knipse 1000de von Bildern und glotze wie in Trance auf die Wasserfälle. Ich weiß nicht, ob es am Schnee & Eis liegt, und/oder der Kälte (festgefrohren bin ich im Übrigen nicht, auch wenn es auf den Bildern so aussehen mag). Es ist einfach atemberaubend schön. Als dann noch ein Regenbogen einen fast kompletten Kreis um die Fälle der US-Seite zieht, kann es an Kitschigkeit eigentlich nicht mehr getoppt werden und ich bin froh, dass ich den Abstecher hierher gemacht habe.

    Bei den Hauptfällen angekommen haut es mir die Gischt um die Ohren. Nach kurzer Zeit sind Haare & Handschuhe klatschnass. Das ist bei Minusgraden nicht ganz so angenehm wie im Sommer und da ich gleich neben dem Visitor Center stehe, gönne ich mir einen Kaffee bei dem billigen Starbucks-Abklatsch Tim Hortens (natürlich in meinem mitgebrachten Silikonbecher, auch wenn das hier vergebene Liebesmühe ist, da sie den Kaffee trotzdem in einem Becher vorbereitet und sogar noch nen Plastikdeckel draufsetzt mit dem Hinweis, dass ich selbst umschütten müsse).

    Vergnügt schlender ich dann mit meinem nach Spülmittel schmeckenden Kaffee (das neue Spülmittel von Frosch, das in recycleten Plastikverpackungen kann ich nicht empfehlen, Silikonsachen schmecken ewig danach!) zurück, genieße nochmal zahlreiche Blicke auf diese Naturschönheit und wärme meine kalten Finger auf der Rückfahrt nach Toronto auf.

    Meine Schäfchen haben mich den ganzen Tag sehr warm gehalten :-)
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  • Montréal - Québec

    Zugfahren in Kanada

    February 11, 2019 in Canada ⋅ ☀️ -3 °C

    So sehr es mich oft nervt, dass ich als Frau und zwecks meiner Größe immer wieder unterschätzt werde, so praktisch kann es auch sein. Wie zum Beispiel hier am Bahnhof in Toronto. Pro Person sind 23kg Gepäck (plus 11kg Handgepäck) erlaubt. Da ich alles Schwere in meinen Backpack gepackt hab, lieg ich da mit Sicherheit drüber, auf dem Herflug waren es bereits etwas über 20kg. Ich stehe nun komplett entspannt mit meinen beiden Rucksäcken am Check-in und obwohl alle um mich herum ihre Koffer auf die Waage wuchten müssen, macht sich bei mir keiner die Mühe. Die Dame schaut mich an und geht weiter. Sie glaubt sicher, mein Rucksack könne nicht so schwer sein. Ich bin sehr froh. Keine Ahnung, ob ich den wieder hätte hochwuchten können (kleiner Spaß, ich trainiere lediglich für die bevorstehenden Spartan Races ;-) ).

    Die Zugfahrt nach Montreal kostet mich C$50 (€33) inkl. Steuer. Das ist ziemlich günstig. Der Normalpreis liegt bei über C$100, was für die 5,5 Stunden Fahrt immer noch nicht soooo teuer ist.

    Die Fahrt ist sehr schön. Die Landschaft ist komplett verschneit, die Wiesen voller Eis und die Flüsse und Seen zugefrohren. Wie es hier wohl im Frühling bzw. Sommer aussieht?

    Ich plane, viel mit dem Zug zu fahren. Das ist in Kanada relativ teuer, aber auch schön. Wenn man bedenkt, welche Strecken man zurücklegt, ist der Preis m.E. ganz ok, zumal fliegen in Kanada auch nicht wirklich billig ist. Immerhin gibt es den "Discount Tuesday" bei Via Rail, an dem man sehr günstig an Tickets kommen kann (den Discount Tuesday kennen nicht mal viele Kanadier bzw. Einwanderer, die hier schon einige Jahre leben. Sie sind alle überrascht, wie billig ich mit dem Zug reise. Gewusst wie eben...)

    Gebucht hab ich schon den Trip nach Québec (ca. 4,5 Stunden für C$43,69 = €30) und die Weiterreise nach Halifax (ca. 19 Stunden für C$112,68 = €75). Nach Halifax wollte ich ursprünglich eine Schlafkabine nehmen. Aber der Preis war mir dann doch zu teuer, zumal ich nicht so empfindlich bin, was das Schlafen im Sitzen betrifft (hoffentlich, auch ich werde älter ;-) )
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  • Poutine - Spezialität ;-)
    in den Straßen von Montréal...Notre-Dame de MontréalRelaxen am HafenAufwärmen im "Anticafé"

    Montréal 11.-14.2.

    February 12, 2019 in Canada ⋅ ⛅ -16 °C

    Montréal, je t'aime! ;-)

    Also entweder, meine Erwartungen an Toronto waren zu hoch und an Montréal zu gering, oder Montréal hat etwas, das Toronto nicht hat. 

    Ich bin nun seit Montag Abend hier, also 2 Tage, und bin gestern bei -14°C (gefühlten -25°C) mit meinen Barfußschuhen durch die Straßen geirrt. Wirklich viel angesehen hab ich nicht. Wegen der Kälte hatte ich nur Augenschlitze frei und hab mich ständig verlaufen. Das Handy wollte ich nicht in die Hand nehmen und den Stadtplan auch nicht. Im Grunde wollte ich meine Hände nicht aus den Taschen meiner Jacke nehmen (die im übrigen super warm gehalten hat, für alle, die meine Jacke angezweifelt haben - Icebreaker halt ;-) ). Und links und rechts schauen ging wegen der Kapuze auch nicht. Zusammengefasst: eigentlich hab ich keine Ahnung, was ich gesehen hab und wo ich war. Aber es war schön, irgendwie. Dafür hab ich DAS Essen der Region Québec probiert, "Poutine". Ich wollte es eigentlich nicht, nachdem ich Bilder davon gesehen hatte. Aber da mich bereits mehrere Personen darauf angesprochen haben, musste ich es doch mal testen. Einmal reicht ;-)

    Was mich am meisten beeindruckt hier in Montréal sind die Leute. Nicht nur, dass sie tatsächlich an der Bushaltestelle bei gefühlten -25° völlig entspannt auf den verspäteten Bus warten, und das in einer Reihe hintereinander und dann auch alle der Reihe nach einsteigen. Ich bin auch davon ausgegangen, dass sie hier nicht so gern englisch reden. Aber weit gefehlt. Sie sprechen beides, französisch & englisch. Und beides gleich gut, wie mir scheint. Manchmal auch beides in einem Satz. Das ist dann wiederum etwas komisch. (Das mit der Sprache scheint allerdings örtlich beschränkt zu sein für Montréal.) Dazu sind alle so freundlich und hilfsbereit. Und die Stadt ist so unglaublich schön. Eine richtige Künstlerstadt.

    Wie ich heute erfahren hab, gibt es in Québec ein Gesetz zum Schutz der Sprache. Das hört sich irgendwie krass an - beispielsweise müssen Einwanderer ihre Kinder in einer französischen Schule einschulen und können nicht eine englischsprachige wählen - aber es ist zum Schutz der französischen Sprache und das finde ich wiederum schon gut. Voraussichtlich würde französisch über kurz oder lang ansonsten hier aussterben. 

    Mein Französisch ist im Übrigen noch besser als gedacht, ich hab kaum Probleme, die Leute zu verstehen. Heute bei der französischsprachigen Führung durch die "basilique Notre-Dame de Montréal" konnte ich ziemlich gut folgen. Beim Sprechen hapert es allerdings, ich habe keine Ahnung, welche Worte existieren, oder wie man konjugiert oder sonst irgendwas. Vielleicht kaufe ich ein französisches Buch, um über das Lesen wieder etwas reinzukommen. 

    Den Tag verbringe ich ansonsten etwas anders als geplant. Über Nacht wurden die outdoor-Eisflächen unbenutzbar. Wir hatten eigentlich geplant, Schlittschuhlaufen zu gehen. Dafür hat es eine mächtige Ladung Schnee und wärmere Temperaturen gebracht (-2°). Also gehen wir zuerst Frühstücken und fahren anschließend in die Stadt, schlendern durch Chinatown, an den Hafen und zum Notre-Dame. Dort sehen wir uns am Abend auch noch die Lichtershow "Aura" an. Während der Show gehen mir die unterschiedlichsten Gedanken durch den Kopf. Von "Wow" über "ist das nicht etwas ketzerisch?" bis hin zu "also hier könnte man wunderbar Kinofilme zeigen. Der Sound und die atmosphäre sind der Wahnsinn!" Hier kann man sich selbst ein Bild machen:
    https://www.youtube.com/watch?v=gjWOcWCHIL4

    Tagsüber machen wir noch einen Abstecher zum "Anticafé". Wir, das sind die Freundin einer Freundin, die ich auf meiner Asienreise in Vietnam kennengelernt hatte und ich. Ich hatte sie einfach mal angeschrieben, ob wir uns auf einen Kaffee treffen wollen und schon hatte ich einen Schlafplatz und tolle Touren durch Montreal.

    Beim Eintreten ins Anticafé zieht man zuerst die Schuhe aus. Bezahlt wird pro Stunde, nicht pro Bestellung, am Ende spült man sein Geschirr selbst. Als ich das Café betrete denke ich sofort: "Sowas möchte ich auch aufmachen." Ich fühle mich gleich wie zu Hause. Und für 1 Stunde zahlen wir 4C$. Ich hatte dafür einen Café Latte, einen Tee, verschiedene Kekse, Datteln und einen Erdnussbutter-/Mandelbutterbagel. Wie kann sich das Rechnen? 

    Im Anschluss stapfen wir durch die kniehohen Schneemassen zurück zur Métro. Heute hab ich meine Lammfellschuhe an. Die halten extrem warm. Die Schuhauswahl hätte ich also ungeschickter nicht treffen können - heute wären die Barfußschuhe super gewesen. Zumindest weiß ich jetzt: -25° vielleicht nicht unbedingt barfuß :-D

    Ich habe heute auch erfahren, dass Montréal feministisch angehaucht ist. Ein gutes Beispiel dafür: will eine Frau den Namen ihres Partners annehmen, ist das ein sehr umständliches Unterfangen. Irgendwie hat das was.

    Montréal hat mich noch mehr beeindruckt heute. Eine wirklich durch und durch tolle Stadt, sogar im Winter! Montréal, je t'aime ;-)
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  • EisrutscheEisbarBlick hoch zur AltstadtVereister Zug

    Québec 14./15.2.

    February 14, 2019 in Canada ⋅ ⛅ -3 °C

    Schnee, soweit das Auge reicht...

    Fast 4 Stunden geht es nun durch die verschneite Landschaft Kanadas Richtung Osten. Blauer Himmel, Sonnenschein und: Schnee. Wirklich schön! Und glücklicherweise hab ich persönlich auch noch nichts dagegen. Schade nur, dass die Sonne schon untergegangen ist, als ich das Hostel erreiche. Sightseeing verschiebe ich dann lieber auf den nächsten Tag. Allerdings gehe ich noch in eine Buchhandlung und kaufe mir Den kleinen Prinzen auf französisch. Mal sehen, ob es was bringt. Essenstechnisch entscheide ich mich für nen Pizzalieferservice. Wie ich schon vorab gewarnt wurde, wird außerhalb Montréals nicht so viel englisch gesprochen. Das Hostel hilft dann gern weiter. Wie in letzter Zeit auch, geh ich früh schlafen. Hoffentlich ist der Jetlag bald überstanden!

    Tag 2 in Québec ist relativ unspektakulär. Es ist grau, stürmisch und schneit. Ich ziehe den Vormittag bis zum check-out mit Frühstücken und Gesprächen in die Länge. Irgendwie zieht es mich aber ins Freie und ich wage mich nach draußen. Angenehm ist anders, der Schnee peitscht mir ins Gesicht, es ist anstrengend, sich durch die Schneemassen zu kämpfen, der Räumdienst kommt nicht hinterher. Trotzdem ist es irgendwie schön, die riesigen Flocken und alles schön weiß.

    Als ich dann am Spätnachmittag mein Gepäck zum Bahnhof bringen will, habe ich etwas Sorge, dass ich es nicht ohne Verletzungen den Berg hinunter schaffe. Aber es läuft sehr gut. Das zusätzliche Gewicht verschafft bessere Bodenhaftung. ;-) Auf der Suche nach einem Supermarkt, um Verpfleging für meine 20-stündige Zugfahrt zu besorgen, mache ich u freiwillig nochmal eine tolle Sightseeingtour. Weihnachten scheint hier noch nicht vorbei oder es gab einfach noch keine Gelegenheit, die Dekoration zu entfernen. Schön ist es allemal. Und die vielen Eisskulpturen verzaubern noch besonders. Québec wickelt mich also auch um den Finger!

    Als hätte sich Québec nicht schon von seiner besten Seite gezeigt, kommt noch die freundliche Bahnangestellte hinzu. "Why don't you sit in the lounge" sagt sie mit ihrem französischen Akzent "and wait with the others", als ich mein Gepäck bei der Bahn abholen möchte. Es gibt hier einen kostenlosen Gepäckaufbewahrungsservice, wenn man den bahneigenen Shuttle vom Hauptbahnhof zum etwa 30 Minuten entfernten Bahnhof "Sainte-Foy" nutzt, von dem der Nachtzug nach Halifax abfährt. Aber dass man gleich die Lounge mitbenutzen darf - toll!

    Die Fahrt mit dem Shuttle-Taxi durch den Schnee ist sehr abenteuerlich. Wie im Winter durchs Gebirge, nur eben in der Stadt. 10-20 cm ist die Fahrbahn sicher erhöht. Und es hört nicht auf zu schneien. Am Bahnhof warte ich nun noch eine Stunde, bis mein Zug eintrifft. Es halten einige Züge und ich frage mich, wie sie überhaupt in der Lage sind, bei diesen Wetterverhältnissen solche Distanzen zurückzulegen. Schon beeindruckend irgendwie!

    Mal sehen, ob Nova Scotia mit Halifax Québec noch überbieten kann. Ontario liegt erst mal auf Platz 3 :-P
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  • 20 Stunden mit dem Zug durch Canada

    February 16, 2019 in Canada ⋅ ❄️ -3 °C

    Schnee in New Brunswick - wer hätte das gedacht? :-D

    Um 23 Uhr gehts los, die Nacht hindurch, den Tag weiter und außer Schnee gibts nix zu sehen: Bäume im Schnee, Flüsse unter Schnee, Häuser halb im Schnee, Straßen unter Schnee... Wer weiß, was da noch alles begraben ist. Natürlich strahlender Sonnenschein, der vorbei sein wird, sobald ich aussteige ;-)

    Und, wer hätte es gedacht: in Halifax soll es +7° und Regen haben! Dass mich so eine Nachricht erfreuen würde... Hier in Moncton ist auch schon viel weniger Schnee & Tauwetter (juchuu!!) Immerhin wollte ich joggen & trailrunnen & wandern.

    Die Fahrt ist übrigens angenehm. Ich hab viel Platz auf meinem Einzelsitzplatz und hätte noch mehr Platz, wenn ich weniger Gepäck dabei hätte :-D In der Nacht wird es zwischenrein etwas kalt. Aber die 200€ mehr für sleeper class wäre es mir nicht wert gewesen. Ich baue darauf, dass ich ein gemütliches Bett auf der Farm haben werde.

    Hier ein Überblick auf das, was ich bis heute Abend mit dem Zug zurückgelegt haben werde.

    Schönes Wochenende allerseits (es ist doch Wochenende, oder? ;-) )
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  • Bay of Fundy

    Nova Scotia - Farmarbeit im Winter

    February 16, 2019 in Canada ⋅ ⛅ 0 °C

    So, hier bin ich nun, mitten im Nirgendwo, auf einer Farm mit +/-200 Legehennen, etwa 20 Rindern und 2 Gewächshäusern.

    Heute ist Sonntag, ich hab gleich angeboten, mitzuhelfen, damit ich mich auskenne. Ich soll ab Dienstag bereits ein paar Tage allein die Stellung halten. Mein Gastvater fliegt zu einer Konferenz nach Niagara, meine Gastmutter arbeitet Vollzeit.

    Was ich hier eigentlich tue? Ich WOOFE. Was das ist?

    "WWOOF" war ursprünglich für Wochenendarbeit entstanden, um Menschen aus allen Berufssparten zu ermöglichen, über biologischen Gartenanbau zu lernen. "Working Weekends On Organic Farms." Im Laufe der Zeit hat sich das Konzept durch das große Interesse verändert. Nun ist es "World Wide Opportunities on Organic Farms" bzw. "Willing Workers On Organic Farms" oder auch "We’re Welcome On Organic Farms". Die Idee: man geht für gewisse Zeit auf einen Hof und hilft 4-5 Stunden, 5 Tage die Woche mit. Unentgeltlich für Kost und Logis. Ich selbst hab mich bei Workaway angemeldet. Dort gibt es nicht nur Farmjobs sondern alles, von Babysitten über Malerarbeiten bis hin zum Tourismus. Bei Workaway gibt es teilweise auch bezahlte Jobs, d.h. man bekommt Geld für alles, was über die 4-5 Stunden hinausgeht.

    Auf diese Farm hier in NS bin ich durch Kontaktaufnahme der Farmer gekommen. Ich hatte in der Nova Scotia-Region gar nicht nach Möglichkeiten gesucht. Aber warum nicht einfach das mitnehmen, was einem vor die Füße fällt? :-) Und ich bin sehr froh, dass ich hier hergekommen bin. Bereits jetzt, nach meinem ersten Tag fühle ich mich sehr wohl. Die Gegend ist wunderschön und hier kann ich 6 Wochen einfach mal ankommen in meinem Leben in Kanada :-)
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  • Bei -6°C und eisigem Wind (daher gefühlt -12) läßt es sich besonders gut am Strand aushalten

    Unsere kleine Farm

    February 21, 2019 in Canada ⋅ ❄️ -5 °C

    Tag 5 auf der Farm ist angebrochen und noch leben sie alle, die Hühner und Kühe (puh!) Seit Kevin (nennen wir den Farmer einfach mal Kevin) weg ist, habe ich drei Tage den Hühnern ihre 450 Eier stibizt, sie dafür gefüttert und mit ihnen geredet, die Rinder 2x täglich mit Frischwasser versorgt, geprüft, ob die älteren Kälber nicht ausgebüchst sind, die Eier gewaschen (das muss man hier, dazu nachher mehr), verpackt und teilweise gleich verkauft, und Sorge getragen dafür, dass das Grünzeug in den Gewächshäusern, darunter rote Beete, Spinat, Ruccola etc. an Sonnenlicht kommt (auf- und zudecken der Stoffplanen). Wenn ich dran bleibe, dauert alles in allem etwa 2-3 Stunden. Ich höre nebenher die Zeit. Audiodateien sind eine wunderbare Erfindung! (Passenderweise geht die heute erschienene Kolumne von Harald Martenstein "Über das Alter")

    Bisher finde ich die Arbeit toll und es macht mir Spaß. Wenn ich mir vorstelle, dass ich das 40 Jahre lang 7 Tage die Woche mache, würde ich gern die unendliche Geschichte hören, die hoffentlich tatsächlich unendlich weitergeht. Zumindest wird mir bei der Arbeit aber klarer, warum ich im veganen Essen keinen Grund sehe, es sei denn, es beeinträchtigt die Gesundheit des Einzelnen. Den Tieren zuliebe braucht es das nicht, sofern alles in Maßen genutzt wird. Milchkühe können ihre Kälber säugen und nebenbei ist immer noch genug übrig (mit genug meine ich eine Kuh pro 4 köpfiger Familie mit durchschnittlichem Milchverbrauch). Hühner essen ihre Eier am liebsten selbst. Sie teilen jedoch auch ohne klagen.

    Nun zu den Eiern. Ich habe mich daheim schon mal schlau gemacht wie das ist mit den Eiern, warum manche Supermärke sie ins Kühlregal packen und manche einfach ins Regal. Das ist wg. dem natürlichen Schutz der Eier. Dieser geht bei zu kalten Temperaturen oder Waschen verloren. Sobald Eier einmal gekühlt sind, müssen sie das auch bleiben. In Deutschland werden Eier nur gebürstet, nicht gewaschen, wohingegen in den USA und augenscheinlich auch in Kanada die Eier gewaschen werden. Mit "egg soap", also spezieller Seife zum Waschen von Eiern (was es nicht alles gibt auf der Welt!). Wie auch immer. Wenn die Kosumenten saubere Eier haben wollen, dann sollen sie das auch kriegen (schade! Und wieder ein Grund, warum ich nicht in Kanada bleiben möchte ;-) )

    Ansonsten ist mein Leben relativ unspektakulär. Ich entspanne einfach mal. Mir ist noch nicht so langweilig geworden, dass ich eines meiner Bücher in die Hand genommen hätte. Ich bin gespannt, wann es soweit ist.

    Die Gegend, in der ich bin ist im Übrigen traumhaft schön! Ich war schon zweimal joggen entlang und in der Bay of Fundy. Sie zeichnet sich durch ihren außergewöhnlich hohen Tidenhub von bis zu 21 Metern aus (das ist allerdings ein Stückchen weg in New Brunswick). Hier auf unserer kleinen Farm steht der Rasen (im Moment) Vormittags unter Wasser, am Nachmittag kann man ewig weit "ins Meer" hineinlaufen. Es ist wunderschön gerade jetzt im Winter mit den wechselnden Eisgebilden. Ich erinnere mich noch gut bei der Fahrt durch "Neubraunschweig" dass ich mich über die karge Landschaft und ausgetrockneten Flussbetten gewundert hatte. Derweil gehörte das alles zur Bay und wird mit den Gezeiten überflutet. Ich kann es kaum erwarten, wenn der Schnee, der heute plötzlich wieder alles weiß gefärbt hat, weg ist, und ich mit dem Fahrrad (oder laufend bzw. einer Mischung aus beidem) die Gegend weiter erkunden kann.
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  • Wolfville & Halifax

    February 23, 2019 in Canada ⋅ ☀️ 0 °C

    Eine Woche bin ich nun schon hier in Nova Scotia auf der Farm. Nun, nicht ganz. Vor einer Woche saß ich noch im Zug von Québec nach Halifax. Und im Moment bin ich wieder auf dem Weg nach Halifax. Allerdings diesmal mit dem Bus und von Wolfville aus. Die Fahrt beträgt etwa 1 h 40 und kostet umgerechnet 19€. Der Maritime-Bus ist komfortabel und leer: wir werden zu 7. transportiert.

    Ich fahre gern Zug und Bus. Da kann ich richtig abschalten und doof aus dem Fenster gucken ;-)

    Ich hab heute darüber nachgedacht, welche Informationen ich hier teilen möchte, ob ich vielleicht zu häufig oder zu viel schreibe oder zu wenig oder nur Blödsinn. Die Einträge sollen neben den Infos über mein persönlichrs Befinden auf jeden Fall Informationen zur Fortbewegung und den Kosten hier in Kanada geben.

    Ich habe mir vorgenommen, so wenig wie möglich zu fliegen und so wenig Geld auszugeben wie (für mich) möglich. Im Prinzip bin ich eher jemand, der zu viel ausgibt, weswegen mir meine Reisen immer das Konto geplündert haben. Diese Reise soll sich bestenfalls selbst finanzieren. Da ich viel vom Land sehen möchte, auch mal "nur" reisen und ein Auto kaufen, werde ich mit Sicherheit nicht drumrum kommen, etwas Geld von daheim in die Hand zu nehmen.

    Aber nun zurück in den Bus von Wolfville nach Halifax. Ich sitze also hier und sehe aus dem Fenster. Das wird aber ziemlich bald etwas einseitig. Es gibt - wie ist es auch anders zu erwarten - viele Bäume hier. Ach und da hinten, da ist... Schnee. So weit das Auge reicht. Dann wieder Bäume. Faszinierend. Also die Fahrt lässt sich auch gut im Dunkeln und/oder schlafend verbringen.

    Das ich überhaupt im Bus sitze war eine relativ spontane Entscheidung. Ein Freund eines Freundes hat mich nach Halifax eingeladen und da ich mich nun doch zur Abwechslung mal wieder unter Menschen mischen möchte, nehme ich die Einladung gerne an. Es ist noch ein hin- und her, wie ich nun nach Hali komme, aber am Ende flitze ich Morgens um 8 (äh, doch 9) in den Stall, klaue den Hühnern ihre Eier, versorge die Kühe, wasche und verpacke die Eier, dusche, packe meine 7 Sachen und um 11:15 steht Al, der Vater meiner Gastmutter draußen. Wir machen ein paar Fahrten durch den Ort (nen Hund und Bücher an verschiedene Leute / Institutionen abgeben) und dann gehts zum Farmer's Market. Jennifer hatte mir vorgeschwärmt, wie toll der wäre. Ich stelle mir trotzdem eine Halle mit Obst und Gemüse anpreisenden Ständen vor, dazwischen ein paar Essensstände mit Sandwiches amerikanischer Art. Als wir dann den Markt betreten, bin ich hin und weg! Es ist der schönste Markt, auf dem ich je war! Die Stände bieten fast ausschließlich "organic food" aus der Region an, angefangen von Äpfeln über Honigprodukte und Hundefutter, bis hin zu Craft Beer und Wein. Am Ende gibt es Kaffee- und Essensstände. Wir - Al und ich - entscheiden uns für Pizza, obwohl wirklich alles zum Anbeißen aussieht. ;-) Die Pizza ist eigentlich ein Flammkuchen, aber sie schmeckt köstlich! Al lädt mich ganz nach kanadischer Manier ein, meine Widersprüche prallen einfach an ihm ab. Wir setzen uns an einen Tisch neben die Musiker, die hier tolle Live-Musik zum Besten geben. Ich schaue mich um und alles ist so liebevoll eingerichtet: 2 riesige bunt angemalte Holzdoughnuts bilden das Highlight der Dekoration. Nach dem Essen hole ich mir einen Kaffee. Hier ist "bring your own mug" fast schon Pflicht. Und wer selbst keine Tasse dabei hat, kann sich eine aus dem Regal nehmen. Diese werden dann mit dem restlichen Geschirr der Essensstände gespült. Im übrigen ist das Essen hier sehr günstig, pro Pizza 6 C$, also 4€.

    Es setzen sich ein paar Bekannte von Al zu uns an den Tisch, etwas jünger als Al, aber auch schon älteres Semester. Al erzählt, wie ich 2 Kästen Bücher über das Eis getragen hab, und er eine kaum tragen konnte (Al ist wirklich sehr charmant) und so meint einer der Herren, ich müsse unbedingt mit seiner Bekannten in Kontakt treten. Sie wäre bei der Feuerwehr und würde viel Trainieren und ist die 3.-Beste der TFA (Toughest Firefighter Alive) competition in Nordamerika. Wir tauschen Kontaktdaten aus und schon habe ich einen neue Anlaufstelle. Es ist echt toll, welches Kontaktnetzwerk sich hier in kurzer Zeit aufbaut.

    Wir brechen auf, damit Al mich zum Bus bringen kann. Da wir noch etwas früh dran sind, macht er eine halbstündige Sightseeingtour durch die nähere Umgebung. Wolfville ist klein, hügelig und schön und umgeben von Weinanbaugebieten. Eines der größten ist wohl von einem Engländer, der damals vor vielen Jahren mit einem kleinen Stand in London angefangen hat und nun als Millionär in Nova Scotia lebt. Von seinem Weingut aus, zu dem auch ein Restaurant gehört, hat man einen wundervollen Blick runter auf das Tal. Es ist schon eine besonders reizvolle Gegend hier!

    Ich komme 10 Minuten zu früh in Halifax an. Wir hatten sicher Rückenwind (haha). Der Busfahrer ist - wie eigentlich alle hier - einfach nur verdammt nett.

    In Halifax lassen wir uns an der Waterfront nieder und Chris, der mich vom Busbahnhof abholt, erzählt mir, wie voll es hier im Sommer ist. Wie angenehm, dass ich jetzt hier bin. Es ist nicht leer, aber angenehm entspannt.

    Wir fahren zu Chris nach Hause und warten darauf, dass seine Freunde eintrudeln. Die nette Hausparty wird dann in einer Bar weitergeführt, damit ich Hali's Nachtleben etwas kennenlernen kann. Allerdings sind die Clubs / Bars entweder hoffnungslos überfüllt, oder aber komplett leer. Die Bar, in der wir am Ende landen ist m.E. aber perfekt, der Live-Musiker spitze und wir verbringen einen lustigen, langen Abend.
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  • Auf das Kung-Fu-Huhn gekommen

    February 27, 2019 in Canada ⋅ 🌙 -10 °C

    Hühner sind verdammt grausame Wesen und diese Geschichte ist nichts für zartbeseitete Gemüter (also nein, so schlimm ist es nicht).

    Voraussichtlich entfalten Hühner nur dann ihre grausame Seite, wenn sie zu viele auf zu engem Raum sind. Hier ist das so, auch wenn sie in meinen Augen genug Platz haben (für Nutztiere in Gefangenschaft).

    Es gibt ein Huhn hier. Ich nenne es "Kung-fu-Chicken". Öffne ich die Tür zum Gehege, flattert dieses wild gewordene Huhn mal von links mal von rechts auf mich zu, prallt ab, landet auf dem Boden und rennt weg. Die Federn stehen in alle Richtungen weg. Meine Vorgängerin, die ich an meinem 2. Tag hier kennenlerne warnte mich schon vor diesem Gehege: "These chickens are all crazy". In der Tat ist dieser Stall der mit den "wildesten Hühnern". Sie schreien rum, rennen vor mir weg und, bewege ich mich schneller als in Zeitlupentempo, fliegen sie alle kreischend herum. Ich mag das Gehege aber. Nach ein paar Tagen hab ich zwar immer noch eine Schar gackernden Gefieders vor mir fliehen, aber zwei sind mir auf den Fersen und beobachten jeden Schritt. Das ist schon süß. In den anderen beiden Ställen ist das anders. In Gehege 2 beispielsweise folgt mir das gesamte Hühnervolk. Das ist wie bei Ochs-am-Berge 1-2-3 (wer das kennt) - bleibe ich stehen, bleiben auch die Hühner stehen. Nun aber zurück zu den wilden Hühnern. Als ich dreimal am gleichen Tag in den Stall gehe, springt mich JEDES Mal das Huhn von der Seite an. Beim dritten Mal erschrecke ich auch schon nicht mehr, sondern lehne mich zurück, damit es mir nicht mit dem nackten Arsch ins Gesicht springt ;-) Mir fällt auf, dass das Huhn sofort zum Fresstrog rennt. Jedes Mal. Ich erzähle das dem Bauern der meint: "Oh, dann vertraut dir das Huhn. Es ist wahrscheinlich eines, das von den anderen immer traktiert und weggejagt wird und weiß, dass die Hühner vor dir weglaufen. Daher versucht, es in deinem Schutz zu fressen." Oha!

    Als ich wieder das Gehege betrete beobachte ich die Situation genauer. Und tatsächlich. Die anderen Hühner wollen es vom Fressen wegjagen. Das Huhn flüchtet zwischen meine Beine. Ich stelle mich also 10 Minuten neben das Huhn, damit es fressen und trinken kann. Und das tut es. Es schlingt runter was es kriegen kann.

    Ich gehe zurück in das Gehege mit den älteren Hühnern. Dort ist mir sowas noch nicht aufgefallen. Aber grad als ich eintrete, sitzt ein weißes Huhn, fast federlos, mit je nur noch 2 Zehen an den Beinen auf einer Erhöhung. Hier also auch. Nur ist dieses Huhn nicht so waghalsig und macht auf sich aufmerksam. Ich verschaffe auch diesem Huhn Geleit zu Fressen und Trinken und es gesellen sich bald noch weitere zerrupfte Hennen hinzu.

    Aufgrund meines neuen Jobs als Hühner-Bodyguard brauche ich nun jeden Tag ne halbe bis Stunde länger fürs Eiersammeln. Naja, ich hab ja Zeit und bei den Minusgraden die wieder herrschen, lässt es sich dort wenigstens gut aushalten.

    Der Bauer erzählt mir, dass das noch schlimmer werden kann. Sobald ein Huhn mal blutet, wird es totgepickt. Wie grausam! Draußen passiert das nicht so, aber im Moment können die Hühner nicht raus (wir haben gefühlt -19° und hatten auch Windböen bis 80km/h).
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  • Bay of Fundy bei Hochwasser
    Auf dem Weg in den HühnerstallWeißkopfseeadlerSonntag am StrandKung-fu-ChickAuf zur Ernte!

    Yesterday

    March 6, 2019 in Canada ⋅ ⛅ -7 °C

    Es ist nun schon ein paar Tage her, dass ich von meinem wahnsinnig spannenden Leben hier in Kanada berichtet habe ;-) Wie geht es wohl "Kung-Fu-Chicken"? 

    Heute ist tatsächlich mal was sehr aufregendes passiert. Also für mich aufregend, da ich meinen Lieblingstieren bei ihren Streifzügen zusehen konnte und sie aus der Nähe beobachten - Adlern. Als Kevin mich fragt, ob ich gerne Adler beobachte, meine ich nur: "ja, manchmal schon", an Steinadler und Mäusebussarde denkend. Als ich dann aus dem Gewächshaus komme, kann ich meinen Augen nicht trauen, sitzen da tatsächlich zwei riesige Weißkopfseeadler in den Bäumen! Was für majestätische Wesen!!! Ich gehe auf einen zu, damit der sich in die Lüfte erhebt und wahnsinn, was für einen Flügelspannweite!! 

    Ansonsten fühle ich mich endlich angekommen in Kanada, habe Vormittags meine Routine im Hühnerstall gefunden. Ich beschütze weiterhin "Kung-fu-Chick", die mittlerweile überhaupt keine Angst mehr vor mir hat und die ich sehr in mein Herz geschlossen hab. Ich mache auch immer mehr im Gewächshaus. Wobei mir das jetzt nicht soooo viel Freude bereitet, wie anderen Leuten. Als ich an einem Tag mit Shane, einem Helfer, die Ernte für den folgenden Samstag erledige, ist er total in seinem Element: "Ich könnte das den ganzen Tag machen." Ich habe schon nach 5 Minuten keine Lust mehr :-D Also im kleinen Rahmen, wie in unserem Schrebergarten stelle ich mir das toll vor. Aber kommerziell? Einpflanzen und Ansähen macht mir übrigens mindestens genauso viel Spaß wie ernten (hehe). Mit guter Kizomba-Musik und meinem Hörbuch in den Ohren lässt es sich aber im 30° warmen Gewächshaus bei den Minustemperaturen, die draußen vorherrschen ganz gut aushalten. 

    Damit ich fit bleibe geh ich 2-3x die Woche joggen und hab über den Hof verteilt verschiedene Orte gefunden, die ich als Trainingsgeräte nutzen kann. Außerdem mach ich für 3 Wochen eine Yoga-Challenge. Es gibt also keine Ausreden, wenn ich beim Spartan Race im Juli, für den ich mich endlich angemeldet hab, nicht fit bin ;-)

    Die Wochenenden, die ich normalerweise frei habe, möchte ich nutzen, um die Gegend zu erwandern. Eines der Autos der Familie darf ich dafür nutzen. Bisher gab es jedoch immer Sturmwarnungen. Dann begleite ich Al auf den Markt in Wolfville. 

    Letzten Samstag Abend gehts dann zu Nachbarn auf eine Geburtstagsfeier. Als ich nach dem Abendessen die 15 Minuten die Straße lang laufe ist mir irgendwie mulmig. Hier gibt es doch Kojoten! Und letztes Jahr wurde offenbar eine Frau angegriffen und getötet. Und da war auch dieser Jogger, der in den USA von einem Puma angegriffen worden ist und diesen mit seinen bloßen Händen tötete. Ich denke an meine Zeit in Südamerika zurück, als ich mich auf den Straßen in Quito (sogar tagsüber) unsicher gefühlt hab, weil dort Überfälle auf der Tagesordnung stehen. Wie sicher es doch im reichen Deutschland ist, in dem wir alle wilden Tiere ausgerottet haben.

    Ich erreiche das Haus aber ohne Zwischenfälle, lerne die halbe Nachbarschaft kennen und  treffe auf das Spiel, das mir Kevin letzte Woche bereits beigebracht hat: Crokinole. Mich erinnert das Spiel sehr stark an Curling(bzw. Eisstockschießen), daher wundert es mich nicht, dass hier alle verrückt danach sind. Irgendwie macht es schon Spaß. Ist halt nicht unbedingt ein Reisespiel bei einem Durchmesser des Spielbretts von 66cm.  

    Am Sonntag lasse ich mich dann von Al und Linda (Al's Frau) mit in die Kirche schleifen. Ich lerne viele nette und interessante Leute älteren Semesters kennen und einen Gottesdienst, wie er unkonventioneller nicht sein könnte. Der 30jährige "Minister" tanzt mit den Kindern und rennt mit seinem Mikro wie ein Comedian durch die Kirche. Danach gibt es Kaffee und Kekse. Beim anschließenden Essen sprechen wir über Politik und Neufundland. Ich bekomme viele Tipps für mein nächstes Reiseziel. Nach einem Nickerchen (der Geburtstag hatte sich doch etwas in die Länge gezogen) gehe ich zum Strand joggen und schon ist wieder ein Wochenende vorüber. 

    Ich bin nun genau seit einem Monat hier in Kanada. Mir gefällt mein Farmleben sehr, auch wenn ich es besser fände, weniger Tiere versorgen zu müssen. Nicht wegen der anfallenden Arbeit, sondern damit es den Hühnern besser ginge. Es ist keine Massentierhaltung per Definition, die Tiere haben genug Platz, können scharren und haben Rückzugsmöglichkeiten. Aber es sind dennoch zu viele. 

    Insgesamt sind die Hühner ruhiger geworden seit ich das erste Mal den Stall betrat. Das liegt nicht daran, dass sie in meiner Obhut sterben. Bisher hab ich erst 2 tote Hühner aus dem Stall entfernt. Eines ist an Altersschwäche gestorben, das andere leider nicht. Dann freuen sich die Wildtiere über einen Kadaver (und nachdem ich heute die Adler gesehen hab, hoffe ich, dass der Schnee bald schmilzt, ich die alten Hühner aus dem Stall lassen kann und die Adler vielleicht das ein oder andere als Futterquelle nutzen können, nachdem es davor noch ein paar schöne Tage in Freiheit hatte). Ich denke, die Hühner haben sich an mich gewöhnt. Neuerdings singe ich immer für sie. Warum ich mit "Yesterday" von den Beatles angefangen hab, weiß ich nicht (wir haben das immer in der Schule gesungen).

    Auf jeden Fall ist es spannend, die Tiere zu beobachten und ich bin froh, dass ich im Winter hier bin, und nicht so viel zu tun ist, dass ich mir nicht die Zeit dafür nehmen könnte.

    Meine Planungen für die Weiterreise sind nun auch fast abgeschlossen. Ab 1. April werde ich in Neufundland mein Unwesen treiben. Und auch ab Juli hab ich schon eine feste Stelle, auf die ich mich besonders freue :-) Ob ich bis dahin mit dem Auto reise, mit dem Zug, Fähre, trampe - das steht alles noch in den Sternen...
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  • Die Welt ist ein Dorf...

    March 10, 2019 in Canada ⋅ ❄️ -3 °C

    ... und ich bin nur noch 4 Stunden weg von daheim

    Zeitumstellung in Nova Scotia (NS - falls sich mal jemand wundert, wenn ich diese Abkürzung verwende). Jetzt ist der Unterschied nach Deutschland nochmal ne Stunde weniger :-)

    Halbzeit für mich und mein Leben auf der Farm im wunderschönen Nova Scotia. Letzte Woche bin ich zum ersten Mal in meinem Leben Traktor gefahren. Toll war es! Und ich weiß, wie ich damit die Kühe füttere. Kevin ist nächste Woche nochmal zwei Tage unterwegs und läßt die Farm in meiner Obhut. Das gibt mir die Möglichkeit, das Erlernte anzuwenden und ihm zu zeigen, dass ich das (in meinen Augen) riesige Gefährt in die viel zu kleine Garage befördern kann ;-)

    Heute Abend sind wir zum Essen eingeladen - Irish Stew und Kuchen. Himmlisch! Zudem kann ich wieder hinter einem Lenkrad sitzen, einem VW Jetta. Kindheitserinnerungen werden wach, auch wenn es ein neueres Modell ist.

    Nach dem Essen gehts nach Wolfville. Ich bekomme Besuch, den ich am Bus abholen will. Vor zwei Jahren in Neuseeland in einem kleinen Kaff auf der Südinsel kennengelernt, sehen wir uns nun hier in Kanada wieder. Sie, Französin, arbeitet auf einer Farm in Truro, etwa zwei Stunden von mir entfernt. Auf dem Weg zurück nach Montréal kommt sie 2 Tage hier vorbei. Alles Zufälle, denn eigentlich hatte sie gar nicht geplant, nach Nova Scotia zu kommen.

    Und noch jemanden lerne ich hier kennen, eine Deutsche aus dem Raum Berlin. Sie ist gerade auf einem Projekt in "Ross Creek - Centre for the Arts", das nicht weit von unserer Farm entfernt ist. Nach einer Weile stellt sich heraus, dass sie die Cousine einer Freundin aus München ist - jetzt braucht mir keiner mehr sagen, dass die Welt nicht ein winziges Dörfchen ist!

    Ich bin in "Ross Creek" zu einem "torchlight snow shoe hike" und da mein Besuch dort schon lange überfällig ist, schließe ich mich diesem kostenlosen Event an. Ich bin eigentlich nicht so der Schneeschuhwanderer - geht doch auch mit Barfußschuhen. Klar, man sinkt bei jedem Schritt ein, wenn man Pech hat bis zur Hüfte. Aber macht doch nichts, oder? Der Hund, der mitläuft steckt auch nach jedem Schritt bis zum Bauch im Schnee, aber es scheint ihm Spaß zu machen. Die Fackeln wehen leider nach 10 Sekunden immer wieder aus. Aber hey! Der Sonnenuntergang ist spektakulär und mit 40 Menschen im Entenmarsch durch den Schnee stapfen - wer will das nicht? :-D Also war wirklich lustig und danach gibts noch selbstgemachte Suppe, Kekse und heiße Schokolade. Kathleen macht ihre Sache hier wirklich toll!!

    Ich war tagsüber auch schon beim Wandern. Als ich mit Linda & Al wie üblich zum Wolfville Farmers Market fahre, bietet George (Herr älteren Semesters) mir an, mich nach Cape Split oder Blomidon zu fahren. Warum nicht. Schneeschuhe lassen wir im Auto und wandern den Hügel hinauf. Meine Schuhe, Socken und Füße sind nach kurzer Zeit durch den teilweise schmelzenden Schnee pitschnass - ich kenn es ja nicht anders. Die Wanderung selbst die Teerstraße entlang ist nicht so spektakulär, aber der Ausblick ist traumhaft und das Wetter macht ohnehin alles wett. Danach fährt mich George noch zu 2 Aussichtspunkten, bevor es zurück zur Farm und weiter nach Ross Creek geht. Fast schon stressig ist das heute! ;-)

    Und weil es sicher alle mächtig interessiert: Kung-fu-chick macht sich prächtig. Neuerdings verbinde ich meine Aufenthalte bei ihr mit Yogapositionen. Man kann super in der Malasana-Pose (also in der Hocke) ausharren und als ich rechts von mir ein Ei im Stroh entdecke, gibt das eine spitzen Dehnung ab. Als Kung-fu-Chick anschließend für ein Foto posiert - bisher wollte sie nie stillhalten - in das Körbchen klettern will, mit dem ich die Eier einsammel und neben mir herläuft, damit ich sie zu ihrem Platz geleiten kann, auf dem Sie sicher vor den anderen Hühnern ist, ist es komplett um mich geschehen - sie ist das süßeste Huhn aller Zeiten! Die nehm ich mit!
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  • 3 Kats go wild - Cape Split

    March 12, 2019 in Canada ⋅ ⛅ 1 °C

    Cape Split Trail ist ein mittelschwerer, häufig begangener Wanderweg in der Nähe von Kings, Nova Scotia

    Distanz: 12,9 km
    Höhenmeter: 519 m
    Anreise: eigener Pkw
    Schuhwerk: Barfußschuhe (und Lammfellschuhe)

    Etwas früher als sonst klingelt der Wecker, wobei ich ohnehin wie immer gegen 6:50 aufwache. Ich schiebe meine Yoga-Einheit vors Frühstück, und bin um 9 Uhr im Hühnerstall, Eier klauben und waschen. Katell hilft und mit 4 Händen läuft es quasi im handumdrehen. Das Wetter sieht nicht sehr vielversprechend aus, es ist kalt (wenn auch etwa 2° im Plusbereich) und bewölkt. Ich überlege, ob die beiden Mädels mir wohl sauer sein werden, wenn ich kurzfristig absage, um mich mit einem Buch ins Gewächshaus zu setzen. Ich behalte meine Gedanken für mich, wir belegen unsere Brote von der "German Bakery" und um 11:30 sind wir schon aus der Tür. Unterwegs sammeln wir noch Kathleen ein, die in "Ross Creek" wohnt. Hätte ich bedacht, dass nur eine Dirt Road zur Ross Creek führt, ich hätte Kathleen daheim gelassen. Bisher kannte ich die Straße nur unter Schneemassen und aus der Beifahrerperspektive. Durch die warmen Temperaturen der letzten Tage hat sich die Straße zu einer roten Rutschpiste entwickelt. Seit meinem Unfall vor 10 Jahren in Argentinien hab ich panische Angst, solche Straßen zu befahren. Wir sind mit dem Bus unterwegs, der Gott sei Dank Allradantrieb hat. Ich atme tief durch und fahre (bzw. schlittere) mit 30 km/h die Piste entlang. Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit, bis wir endlich am Ziel sind und ich überlege, ob wir nicht lieber den ganzen Tag hier abhängen sollten. Aber nein. Ich bin ein Verfechter der Konfrontationstherapie. Ich sage Kathleen, dass ich sie später an der Straße rauswerfe, und sie die letzten 3 km dann zu Fuß laufen muss. Sie lacht (ich glaube sie erkennt den Ernst der Lage nicht!)

    Als ich auch den Rückweg irgendwie hinter mich bringe, fahren wir die ansonsten malerische Straße Richtung Cape Split. Da die Scheune und der komplette Garten heute Morgen unter Wasser standen, habe ich 3 Paar Schuhe im Gepäck: ein paar Barfußschuhe, meine Lammfellschuhe und 5 Nummern zu große Gummistiefel. Keine davon scheinen für den heutigen Tag brauchbar. Als wir den Startpunkt erreichen, entscheide ich mich für meine Barfußschuhe. Wird schon schiefgehen! 

    Wir wandern los. Nach etwa 15 Minuten drehe ich um. Ich will sicherheitshalber meine Lammfelschuhe einstecken. Ich möchte nicht nach 2 Stunden mit kalten Füßen und der Angst, meine Zehen auf dem Rückweg zu verlieren unser Ziel erreichen. Also jogge ich zurück zum Auto. Der Weg ist super zum Laufen! Also die Mädels finden das nicht und fragen mich, wie ich überhaupt mit solchen Schuhen dort rennen kann. Und in der Tat mag es für viele Leute nicht das richtige Schuhwerk sein: es liegt überall Schnee, nur die Spuren im Schnee, die sind vereist. In denen rennt es sich jedoch prima! 

    Ich packe also meine Lammfellschuhe und ein paar frischer (Merino-)Socken in den Rucksack und laufe den Mädels hinterher. Nach 2 km hole ich sie ein und entledige mich erst mal meiner Jacke. Mann, ist mir heiß! Ich setze die Wanderung rennend fort, denn a) macht es unglaublich Spaß und b) ist mir das langsame laufen zu kalt und dauert (vielleicht) auch zu lang.

    Die Wanderung ist wunderschön, über uns blauer Himmel. Nach etwa 1,5 Stunden erreiche ich das Ende der Wanderung und bin erleichtert, dass dort der Schnee schon weggeschmolzen ist. Es ist - abgesehen von dem fiesen Wind - fast schon warm. Leider hat sich die Sonne hinter den Wolken versteckt, und da bleibt sie auch. Als die beiden anderen Kat's eintreffen, wird der Wind plötzlich so kalt, dass uns allen in kurzer Zeit die Finger (und mir auch die Zehen) einfrieren. Noch ein paar Bildchen schießen und schon sind wir auf dem Rückweg. Sehr schade, denn etwa 20 Minuten später reißt der Himmel auf, es ist strahlender Sonnenschein und wohin die Wolken plötzlich verschwunden sind, weiß ich nicht. Zurück will ich aber nicht nochmal und entscheide nach kurzer Zeit sogar, sicherheitshalber meine Füße in den Lammfellschuhen aufzuwärmen. Es dauert keine 10 Minuten und meine Füße sind mollig warm, fast schon so warm, dass ich die Schuhe wieder tausche. Aber dafür bin ich jetzt zu faul. 

    Ich genieße den Rückweg, die Sonne, die zwischen den Bäumen durchscheint und die Ruhe auf dem Weg. Im Sommer ist hier die Hölle los, heute schleichen nur 3 kleine Kats (Katell, Kathleen, Katharina) den schmalen Pfad entlang.

    Zurück am Parkplatz packe ich meine Brotzeit aus und warte, die Sonnenstrahlen einsaugend auf die beiden anderen. 

    Als wir die Heimreise antreten wollen, bemerkt Katell, dass sie einen Handschuh verloren hat. Kurzerhand schlüpfe ich zurück in meine komplett nassen Merinosocken und Barfußschuhe und renne 2 km den Weg zurück. Leider ohne Erfolg. Aber der kleine Sprint tut nochmal richtig gut! :-) 

    Gut gelaunt nach der wunderschönen Tour, bringe ich Kathleen am Ende doch noch nach Hause und falle daheim ausgepowert ins Bett.
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  • NS - Kreise: re: Cape Split & li: balancing rock
    Blick von der Port Royal Heritage SiteFort Anne National Historic Site

    2 Kats on the Road - Digby

    March 13, 2019 in Canada ⋅ ⛅ 1 °C

    Digby / Annapolis Royal

    Nach unserer gestrigen Wandertour folgt eine Autotour durch Nova Scotia. Katell will zurück nach Montréal, und hierzu bietet sich eine Überfahrt mit der Fähre nach New Brunswick an. In der Gegend habe ich ein paar schöne Wanderwege entdeckt, daher reizt es mich, sie zu fahren. Das Wetter ist vielversprechend, die Distanzen hingegen nicht. Um 16 Uhr geht die Fähre, die Fahrt einfach beträgt etwa 1,5 Stunden und Donnerstag und Freitag kann ich nicht so gut freimachen, da alle Hände für die Vorbereitungen auf den Markt gebraucht werden. 

    Wir starten um 10:30, nachdem die Hühner, Kühe & Gewächshäuser versorgt sind. Diesmal sind wir wieder im VW Jetta unterwegs. 

    Ich erinnere mich noch gut, dass ich vor 15 Jahren spontan die +/- 20 Stunden von Vancouver nach LA in 3 oder 4 Tagen runtergefahren bin. Stopps gab es in Portland, um dem Hoobastank-Konzert beizuwohnen und in San Francisco im Supermarkt, ansonsten saß ich nur hinterm Steuer - und ich hatte Spaß dabei.

    Und heute sitze ich im Auto und merke schon nach 20 Minuten, dass mir Autofahren nicht mehr so viel Spaß macht. Vielleicht kommt das aber auch wieder. 

    Kevin gibt uns den Tipp, in Annapolis Royal Halt zu machen. Annapolis Royal, früher Port Royal, war Schauplatz unzähliger Auseinandersetzungen zwischen den Briten und den Franzosen und war früher die Hauptstadt von Nova Scotia. Überhaupt ist Nova Scotia sehr geschichtsträchtig, und ständig wechselten die Ländereien ihren Besitz: von den Ureinwohnern, den Mi'kmaq zu den Franzosen, die von den Briten vertrieben wurden, teilweise zurück in die Hände der Franzosen (die den Briten halfen, die harten Winter zu überstehen). 

    Warum Annapolis Royal als Stützpunkt dienen sollte ist uns sofort klar: es ist ein wunderschönes Stück Land und Katell und ich sind beide begeistert! Im Moment haben die Museen noch geschlossen, daher schlendern wir über die im Moment restauriert werdende "Port-Royal National Historic Site", das alte Fort und durch die Stadt, in der wir uns eine fair-trade organic hot chocolate gönnen, bevor wir uns weiter zur Fähre aufmachen. 

    Eine Stunde vor Abfahrt, um 15 Uhr liefere ich Katell bei der Fähre ab und ich mache mich auf in Richtung "balancing rock". Leider meint es die Zeit nicht gut mit mir, und da ich mich nicht tiefer eingelesen habe, komme ich nach über 1 Stunde Fahrt am Ende einer Landzunge an, von der gerade eine kleine Fähre ablegt. Die nächste geht in 25 Minuten. Ich überlege tatsächlich kurz, zu warten. Das Wetter ist einfach zu schön heute. Aber mit einem Heimweg von über 2 Stunden rentiert es sich wahrlich nicht, eine Fähre um 17 Uhr noch weiter weg von daheim zu nehmen. 

    Trotz der langen Fahrt, war es ein erfolgreicher Tagestripp und landschaftlich wunderschön.
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  • Paddys Island, im Hintergrund: Blomidon

    St. Patrick's Day run to Paddys Island

    March 17, 2019 in Canada ⋅ 🌬 0 °C

    WOW!!! Warum wurde mir so lange verschwiegen, dass es diesen faszinierenden Ort gibt?? "Rock with a hole", davon war schon ein- oder zweimal die Rede. Aber wer will schon nen Stein mit einem Loch sehen? Kevin muss definitiv an seinem Verkaufstalent arbeiten. Erst die Geschichte mit den Adlern und nun das. Ich hätte schon mind. 10x an diesem Ort sein können.

    Es ist super windig, den ganzen Tag schon. Ich schlafe aus, frühstücke Bananenpancakes mit dem guten Ahornsirup aus Nachbars Garten, backe Kuchen, der mir wieder misslingt (ich weiß nicht, ob es das Mehl ist, oder der Butter, der Farenheit-Ofen oder alles zusammen - NICHTS gelingt mir hier, nicht der einfachste Sandkuchen!)

    Um 16 Uhr mach ich mich dann auf den Weg Richtung Paddys Island. Gestern hatte ich noch recherchiert, wann low tide ist, damit ich auch zur Insel und zum Loch im Felsen laufen kann. Ab etwa 15 Uhr. 30 Minuten später erreiche ich mein Ziel. Es ist noch schöner, als auf den Fotos im Internet.

    Manchmal frage ich mich, womit ich es verdient habe, solche tollen & faszinierenden Orte besuchen zu dürfen!

    Wenn nur der Wind mir die -1° kalte Luft nicht so um die Ohren hauen würde - das würde meinen Aufenthalt noch toller machen. Aber mir ist es im Moment egal, dass ich meine Zehen und Finger nicht mehr spüre. Nach der Fotosession unten am Strand setze ich mich nochmal gemütlich auf den Aussichtspunkt oberhalb von "Paddys Island" und dem "Rock with hole" und genieße die Aussicht. Keine Menschenseele weit und breit. Und die Farben! Vielleicht kann Kanada Neuseeland tatsächlich das Wasser reichen...
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  • KFC

    March 18, 2019 in Canada ⋅ 🌙 -4 °C

    Heute gibt es lediglich eine Chicken-Story

    Wie jeden Morgen komme ich in den Hühnerstall, in dem mich KFC (Kung-Fu-Chick, nicht Kentucky Fried Chicken! Mir ist das gar nicht aufgefallen, bis mich jemand im Chat gefragt hat "Wie geht es denn KFC?" Ich bin abgebrochen vor lachen. Genau an diesem Tag hatte ich mir auch "Green Book" angesehen und die 2 Herren haben doch tatsächlich bei Kentucky Fried Chicken Chicken Wings geholt) flatternd begrüßt. Irgendwie bin ich mit meinen Gedanken woanders, zumindest verpasse ich - obwohl ich in der Hocke neben KFC auf dem Boden kauere - als zwei wütende Hennen auf sie einhacken. In Panik flattert sie auf meinen Oberschenkel und weiter auf meinen Arm. Sie will partout nicht mehr runter. Ich weiß nicht genau, was ich machen soll und entschließe mich, erst mal die Eier einsammeln zu gehen. Mit dem Huhn auf dem Arm (es ist Gott sei Dank der linke, der braucht ohnehin etwas mehr Training) und dem Korb in der Hand laufe ich durch das Gehege und sammel - das Huhn balancierend - die Eier ein. Man sieht: ich trainiere fleißig! (Und ich werde doch noch Bäuerin!)Read more

  • Swissair Memorial Site
    Blick auf Peggy's CoveLunenburg HafenWar Memorial

    Auf nach Lüneburg

    March 19, 2019 in Canada ⋅ ☀️ -2 °C

    Das die Deutschen überall ihre Zelte aufschlagen ist weithin bekannt. Und auch hier in Nova Scotia dürfen sie nicht fehlen. Nicht nur, dass ich hier Dieter's Honig esse und Pumpernickel-Brot (natürlich kein Vergleich zu unserem Hofpfister-Brot). Auch Wiener liegen hier oft im Kühlschrank.

    Heute machen wir uns auf Richtung Peggy's Cove und: nach Lüneburg, also Lunenburg, seit 1995 eine UNESCO World Heritage Site. 

    Die Fahrt nach Peggy's Cove beträgt etwa 2 Stunden. Wir unterbrechen sie mit einem Stopp in einem Kaffeemuseum. Dort gönne ich mir einen äußerst geschmackvollen Blueberry Muffin und einen richtig guten Café Latte, organic und fairtrade - natürlich in meinem Silikonkaffeebecher. 11,72 C$ (= 7,75€) für einen Café Latte, einen Filterkaffee und 2 Muffins.

    Unser erster Stopp ist Peggy's Cove. Man sieht sofort, warum dieser Ort im Sommer von Touristen wimmelt. Es ist wunderschön hier draußen! Die geplante Wanderung zu Polly's Cove lasse ich sein. Kevin hatte mir angeboten, mich zu fahren. Er ist über 70 und ich möchte ihn nicht so lang alleine rumstehen lassen. Zudem sind es nochmal 1,5 Stunden nach Lunenburg. 

    Wir machen kurz Halt an der Swissair Memorial Site, die in Erinnerung an die 229 Opfer des am 2. Septeber 1998 abgestürzten Fluges 111 errichtet wurde.

    Die Fahrt nach Lunenburg geht vorbei an zahlreichen mit Eis überzogenen Seen. Nova Scotia ist wirklich wunderschön! 

    Lunenburg selbst ist wie eine Geisterstadt. Die bunten Häuschen und der Hafen bilden eine wunderschöne Kulisse. Im Moment erholt sich die Stadt von den Menschenmassen, die im Sommer in die Stadt einfallen.
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  • Fischotter
    Auf Paddys Island

    "Barfuß" durch Nova Scotia

    March 20, 2019 in Canada ⋅ 🌙 1 °C

    Ein weiterer sonniger Tag mit immerhin schon 5° im Plusbereich neigt sich dem Ende. Es ist Vollmond und ein kräftiger dazu. Das heißt auch Gezeitenwechsel. Also, unbedingt nochmal am Strand joggen gehen am Abend. 

    Am Morgen büchst mir KFC aus. Also nicht wirklich. Als ich in den Stall komme, flattert sie wie üblich herunter, rennt aber statt zum Futter, um das noch viele Hennen gescharrt sind an mir vorbei zur Tür hinaus. Ich werde kurz von einer Panik erfasst, bis mir einfällt, dass dieses Huhn ohnehin draußen besser aufgehoben ist. Es bleibt aber gleich stehen und sieht mich an. Ich fordere es auf, doch hereinzukommen und es trottet tatsächlich zurück. Verrückt! Allerdings bringt mich das auf eine Idee. Während ich die Eier vor dem Gehege einsammel, nehme ich KFC einfach mit. Sie läuft mir fröhlich hinterher. Und so lasse ich sie einfach erstmal dort. Ich will sie später mit nach draußen nehmen, dass ist ihr aber nicht so geheuer. Morgen ist auch noch ein Tag! Gegen später kommt sie jedenfalls brav mit in den Stall. Schon irgendwie süß!

    Ansonsten säe ich etwas Salat an und hab den restlichen Nachmittag frei. Super für eine erneute Runde zu Paddys Island. Unterwegs begegnet mir ein Fischotter. Der ist vielleicht süß! Bisher hab ich sowas nur in Dokus gesehen und freu mich wie ein Kind darüber, was ich hier alles zu sehen bekomme. 

    An der Bay of Fundy angekommen, laufe ich gleich zum Strand runter und jogge zu Paddys Island. An den meisten Stellen ist der Sand fest, aber hin und wieder sinke ich fast bis zum Knöchel ein. Wie gut, dass ich meine Leguanos trage, da macht es mir nichts aus, wenn sie nass oder sandig werden. Meine Füße haben sich nach fast 4 Jahren in Barfußschuhen mittlerweile an die Kälte gewöhnt.

    Die Insel hat auch ein Fenster. Scheint hier gang und gebe zu sein, denn ein Blick über den Strand zeigt weitere ähnliche Gebilde. Mir ist etwas mulmig zumute. Ich hab nicht nachgesehen, wann die Flut wieder hereinbricht und schon einige Geschichten gehört über Leute, die nicht rechtzeitig zurückgekommen sind. In der Bay of Fundy gibt es bekanntlich die höchsten Bewegungen. Naja, ich werde schon schnell genug rennen können im Notfall! 

    Dazu kommt es aber nicht. Heute ist es sehr windstill am Strand und ich genieße die Ruhe. Als ich dort stehe und aufs Wasser hinausblicke, bemerke ich, dass kein einziger Laut zu hören ist. So eine Stille hat man wirklich selten. 

    Ich sammel noch eine große Muschel - meine neue Seifenschale - auf und mache mich auf den Heimweg. Was mir hier sehr positiv auffällt ist, wie wenig Müll hier ist. Also eigentlich gar keiner. Ich hatte angenommen, dass hier relativ viel angeschwemmt wird.

    2 Rennradfahrer & 2 Walker (also schnell gehende Menschen, nicht Horrorgestalten aus GOT) begegnen mir auf dem Weg zurück und während meines einstündigen Laufs vielleicht ne Handvoll Autos. 

    Was mir an Nova Scotia und speziell an der Region um Wolfville gefällt ist, dass es so grün (politisch gesehen) und sportlich ist. Ich war immer der Auffassung, dass Kanadier ähnlich den Amerikanern sind. Und wenn ich an Amerikaner denke, stecke ich sie in die Schublade "kein Sport, große Autos, Fast Food". Aber hier sehe ich eigentlich fast ausschließlich sportliche Menschen, die ihre Kaffeebecher mitbringen und ungespritzte Sachen kaufen wollen. Nur die vielen Hühnerfarmen passen nicht ins Bild.
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  • NS - letzte Woche bzw. Leguano on Tour

    March 23, 2019 in Canada ⋅ 🌧 2 °C

    Meine letzte Woche hier in Nova Scotia beginnt. Ich bin freudig aufgeregt, was mich als nächstes erwartet. Die Fahrt geht nach Neufundland (NL, nicht zu verwechseln mit den Niederlanden). Mit dem Bus in 7,5 Stunden von Wolfville nach North Sydney (beides NS, und dabei ist man noch nicht mal durch ganz NS gefahren). 2 Stunden später sticht die Fähre in See und erreicht um etwa 7 Uhr Morgens Port aux Basques, wo dann auch schon der Bus wartet, in dem ich weitere +/- 16 Stunden bis ans andere Ende der Insel fahre. Ich werde 1,5 Tage unterwegs sein und der Spaß kostet mich umgerechnet etwa 170€, zzgl. Essen.

    Ich freu mich auf die Fahrt und hoffe, endlich eines meiner 3 Bücher in die Hand zu nehmen.

    Neufundland wir voraussichtlich ein Kontrastprogramm zu Nova Scotia werden: keine Farmarbeit, sondern ein paar Stunden arbeiten in dem Hostel, in dem ich wohne. Dazu hoffe ich auf einen Job als Barrista. Ich liebe Kaffe und würde super gerne in einem kleinen Café Kaffee zubereiten.

    In St. John's werde ich auch die Gelegenheit bekommen, mich in die Lüfte zu schwingen. Dort gibt es ein Luftakrobatik-Studio, in dem Aerial Hoop und Aerial Silk angeboten wird. Außerdem möchte ich weiter Yoga machen. Die 25 Tages-Challenge hat mich etwas angefixt. Und es gibt einen Neukundenrabatt: all-you-can-yoga für 30C$ - das ist schon sehr fair! ;-)

    Ich hoffe, ich kann am Hoop-Kurs teilnehmen. Die Trainerin war in Montréal in der Zirkusschule und hat 7 Jahre in Berlin gelebt. Je nachdem, ob ich einen Job bekomme, kann ich vielleicht noch weitere Kurse besuchen. Mein Ziel, meine Reise vor Ort zu finanzieren steht noch, daher entscheide ich solche Dinge spontan. Eine weitere Option ist, das Studio anzumieten, wenn es frei ist. Dann kann ich selbst mit meinen Straps trainieren, die ich eingepackt hab, da weder Hoop noch Pole in meinen Rucksack gepasst haben.

    Das bringt mich auf meine Packgewohnheiten. Insgesamt reise ich mit ca. 30 kg. Den Großteil dieser Masse nimmt meine Campingausrüstung ein, Zelt inkl. Gestänge, Matte, Schlafsack. Dazu kommen meine Kamera und mein Laptop mit all den Ladegeräten. Die 2 Straps schlagen mit je 1 kg zu buche. Viel Platz für Klamotten gibt es am Ende nicht mehr. Ich hatte aber ohnehin geplant - abgesehen von 2-3 Leggings - ausschließlich Kleidungsstücke aus Merinowolle mitzubringen. Die müssen nicht oft gewaschen werden und sind warm.

    Man sieht: es kommt auf die Prioritäten an. Ich habe kein Problem damit, 30kg durch die Gegend zu schleppen. Für mich ist das ein gutes Training für den nächsten Spartan Race. Es würde mich nicht wundern, wenn ich zur einen oder anderen Wanderung tatsächlich meine Straps einpacke, um in den Bergen zu trainieren ;-)

    Ich möchte auch noch etwas zu meinen Schuhen sagen. Ich hab 2 paar Leguano Barfußschuhe einstecken, ein Paar für die Berge / zum Joggen, das zweite für den Rest. Dazu hatte ich für die kalten Temperaturen (und damit meine ich -25°, nicht -5° ;-) ) meine Lammfellschuhe dabei und bin auch froh darüber. Ich habe nun das Glück, dass ich Besuch aus München bekomme, der mir Leguano-Nachschub bringen kann und die neuen Schuhe in Deutschlandfarben warten auf ihren Einsatz.

    Mein Blog hat nicht umsonst den Zusatz "barfuß durch Kanada". Ich trage die barfuß-Schuhe seit fast 4 Jahren und fast ausschließlich. Auf Hochzeiten tausche ich sie weiterhin manchmal gerne durch meine 9cm hohen Stilettos und ab und an ziehe ich noch ein Paar meiner Tom's an oder Stiefel. Aber wohl fühle ich mich nur in den Leguano's. Wer selbst welche hat, weiß sicher, was ich meine.

    Bei mir hat sich einiges geändert, seit ich die Schuhe trage: ich wandere wieder unglaublich gern, weil die Schuhe mir das Gefühl von grenzenloser Freiheit vermitteln. Ich laufe aufrechter, meine Knie schmerzen nicht mehr und die Probleme in meinem Fußballen, die ich über Jahre mit mir herumgeschleppt habe gehören nur noch meiner Erinnerung an. Ein Arzt hat mir damals beginnende Arthrose diagnostiziert mit der Bemerkung "wenn du solche Schuhe trägst, ist es kein Wunder, dass du Schmerzen hast" und hat mir Gesundheitsschuhe (die mit der dicken Sohle) verordnet.

    Ich muss dazusagen, dass ich mir in diesen Schuhen bereits einen (unwichtigen) Zeh gebrochen hab und dreimal richtig übel umgeknickt bin. Das könnte man auf die Schuhe schieben. Allerdings würde ich es eher mit meiner Leichtsinnigkeit begründen, da es während der Hinternisrennen mir selbst überlassen ist, ob ich über ein Hindernis springe, bei dem ich nicht sehe, wo ich landen werde, oder es anders umgehe. So oft geht es gut und dann ist da dieses eine Mal, bei dem ein seltsam angeordneter Stein oder eine nasse Wurzel bei der Landung auf meinen Fuß wartet. Ich möchte hier auch anmerken, dass ich mich bei diesen waghalsigen Sprüngen am Ende nie ernsthaft verletzt habe. Das wiederum führe ich zurück auf die Schuhe. Die Muskulatur in meinen Füßen, Gelenken und Beinen trägt mit Sicherheit einiges zur Stabilisierung bei.

    Bei meinem Trailrun nach Cape Split ist mir aufgefallen, dass meine Füße beim Rennen kaum belastet werden. Sollte unter mir der Untergrund wegbrechen oder uneben sein, bin ich meist schon ein paar Schritte weiter, bis ich es bemerke (je nach Tempo natürlich). Das meiste Gewicht wird von der Rumpfmuskulatur getragen. Die Füße dienen lediglich als Instrument, da ich der Erdanziehungskraft natürlich nicht entgehen kann. Für mich ist es unglaublich spannend, das alles zu erfahren und auszutesten.
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  • Etwas stretching - es kommt immer auf die Motivation an ;-)Ganz klein hinten: Paddys Island

    Trailrun Blomidon

    March 24, 2019 in Canada ⋅ ☀️ 3 °C

    Jodrey, Woodland and Borden Brook Trail Loop ist ein mittelschwerer, mittelmäßig begangener Rundweg im Blomidon Provincial Park, Nova Scotia

    Distanz: 12,6 km
    Höhenmeter: 411 m
    Anreise: eigener Pkw
    Schuhwerk: Barfußschuhe

    Heute werde ich endlich den Trailrun in Blomidon angehen (bzw. anlaufen). Lang genug hab ich gewartet. Letzte Woche ist fast der ganze Schnee weggeschmolzen und der sonnige Tag heute macht die Bedingungen perfekt. Es ist Sonntag, ich hoffe, dass trotzdem nicht all zu viele Leute dort unterwegs sind.

    Kevin möchte mitkommen, was ich anfangs etwas komisch finde. Er ist doppelt so alt wie ich und kann sicher nicht den ganzen Weg laufen. Aber er möchte Spazieren gehen und Wege gibt es dort genug. Also machen wir uns gegen 14:40 auf den Weg. Ich finde das reichlich spät, aber es wird auch nicht vor 19 Uhr dunkel, also wieso nicht. Um 15 Uhr sind wir auf dem Trail und ich laufe lost. Abgemacht ist 17 Uhr am Auto. Anfangs geht es steil bergauf, dann über die große Aussichtsplattform, die ich vor ein paar Wochen schon mal mit nem Haufen Schnee gesehen habe. Von hieraus hätte man einen wundervollen Blick auf Paddys Island - wenn nicht gerade die Flut die Insel bis auf eine kleine Spitze verdecken würde.

    Bis hierher ist der Weg fast schneefrei. Dann geht es durch dichteren Wald und dort hat sich der Schnee gut gehalten. Auch über großflächige Eisplatten muss ich gehen (hier renne ich ausnahmsweise mal nicht). Da ich den Pfad zum Jodrey's Trail verpasse, finde ich mich kurz darauf auf dem Woodland Trail. Auch gut. Hier gibt es außer Schnee und Eis auch noch Bäume die kreuz und quer über den Weg liegen. Der perfekte Weg für eine kleine Spartanerin! :) Mir begegnet keine Menschenseele. Die Fußspuren im Schnee weisen aber darauf hin, dass vor nicht allzu langer Zeit ein paar Menschen hier waren.

    Der Weg ist gut gekennzeichnet und nach etwa 50 Minuten erreiche ich die Aussichtsplattform am Ende des Weges. Ich mache ein paar Dehnübungen und schaue auf die Bay of Fundy. Mir gefällt es wirklich gut hier in Nova Scotia! Und das liegt nicht nur an den Glücksgefühlen, die mich immer druchströmen, wenn ich trailrunne.

    Ich mache mich auf den Rückweg. Nach etwa 10 Minuten treffe ich auf Kevin. Er will tatsächlich auch den komplette Weg gehen! Ich mache mir etwas Sorgen, kann aber nicht langsam gehen mit meinen komplett nassen Barfußschuhen. Das Eiswasser, dass ständig durch den Schnee über meine Füße rinnt kann ich schon aushalten, aber nicht wenn ich langsam gehe. Ich schnappe mir daher den Autoschlüssel und laufe weiter. Zurück auf der Aussichtsplattform suche ich nach dem Borden Brook Trail. Ich folge dem Weg etwas, kehre jedoch nach etwa 10 Minuten um - der Weg ist mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Ich breche beim ersten Schritt ein und stehe in Eiswasser. Ich blicke den Weg entlang und es sieht nicht so aus, als würde sich das bald ändern. Da meine Füße schon ziemlich kalt sind entschließe ich mich, zurück zum Jodrey Trail zu laufen und diesen zurück zum Parkplatz zu laufen - es sind ohnehin nur noch 10 Minuten.

    Am Auto angekommen, fahre ich nach Hause, zieh mich um und fahre dann nochmal los, um Kevin abzuholen. Nicht schlecht für einen Mann seines Alters! Er ist tatsächlich den kompletten Weg in unter 3 Stunden gelaufen!
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  • Adler auf Beutezug

    March 25, 2019 in Canada ⋅ 🌙 0 °C

    Heute morgen finde ich wieder 2 tote Hühner, je eins bei den jungen Hühnern. Sehr schade, da ich nicht weiß, woran sie gestorben sind. Bei den älteren kann es gut sein, dass ihre Zeit gekommen ist. Bei den jungen ist ein natürlicher Tod eher unwahrscheinlich.

    Ich nehme mir immer Zeit, wenn ich bei den Hühnern bin, beobachte sie und versuche, herauszufinden, wie sie ticken und ob welche unter Ihnen sind, auf denen rumgehackt wird. KFC hat mich ziemlich deutlich darauf hingewiesen, dass sie gemobbt wird. Das hat sich auch nicht im geringsten verbessert. Nur nehme ich sie nun Morgens immer mit raus. Heute läuft sie auch das erste Mal fröhlich draußen rum. Am Abend bringe ich sie zurück, es soll wieder ein kalte Nacht mit -6° haben. Bald bekommt sie auch einen Hahn mit nach draußen und ein paar weitere Hühner.

    Am späten Nachmittag kommen dann die Adler, 3 an der Zahl und lassen sich auf dem Misthaufen nieder, auf dem die Hühner "angerichtet" sind. Die Chance zu haben, den Vögeln in der freien Wildbahn so nah zu kommen bekommt man nicht alle Tage also pirsche ich mich in Deckung von zwei kleinen Geräteschuppen heran. Äste knacken und ich befürchte, dass die scheuen Tiere die Flucht ergreifen. Allerdings ist es ingesamt realtiv laut, Maschinen in der Ferne, der Wind, der durch die Bäume braust. Und ich habe Glück. Bis auf 5 Schritte komme ich an sie heran. Natürlich bemerken sie mich, als ich meinen Kopf weiter aus dem Schutz des Hauses recke. Der erste steigt sofort in die Höhe, der 2. hat mich noch nicht gesehen. Er schnappt sich das Huhn und steigt mit seiner Beute in den Himmel. Toll!!! Wenn ich ein Tier sein könnte: ich wäre gern ein Adler! (Oder auch ein Wolf, aber Adler sein, das ist sicher spannender)
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