Namibia
Otjozondjupa

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101 travelers at this place

  • Day113

    18.05.19 - Düsternbrook

    May 18, 2019 in Namibia ⋅ ☀️ 27 °C

    Am Samstag waren wir bei der Düsternbrook Guest Farm, die ein bisschen außerhalb von Windhoek liegt. Dort haben wir eine Fütterungstour gemacht, bei der man zu einem Leopard und zwei Geparden gefahren ist. Die Tiere werden dort in riesigen weitläufigen Gehegen gehalten, aber da es auf dem Gelände nicht genug potentielle Nahrung gibt, sodass sie sich selber versorgen könnten, werden sie regelmäßig gefüttert. Bei unserer Tour sind wir zunächst zu dem Leoparden gefahren. Das Fleisch wurde auf einem Baum deponiert und dann konnten wir aus ein bisschen Entfernung dem Leoparden beim Fressen zuschauen. Danach ging es dann zu zwei Geparden Brüdern. Anders als Leoparden, die sehr menschenscheu und unberechenbar sind, waren die beiden Geparden richtig zahm. Der Guide ist einfach zwischen ihnen rumgelaufen und hat sie gestreichelt wie Hunde. Teilweise sind sie sogar am Auto hochgesprungen und man konnte sie anfassen.
    Nach der Fütterungstour sind wir dann noch zu einem Aussichtspunkt an einem kleinen See gefahren, wo man Nilpferde beobachten kann. Wir hatten Glück nur in ein paar Metern Entfernung 7 Nilpferde anzutreffen. Es waren sogar zwei Kleine dabei und wir hatten sehr viel Spaß sie zu beobachten. Als wir dann nach einiger Zeit wieder zurück zum Auto gegangen sind, wurden wir plötzlich von zwei Nashörnern überrascht, die auf das Auto zukamen. Es war eine Mutter mit ihrem Kind und nach dem ersten Überraschungsmoment haben wir dann doch sehr Angst bekommen, da Mütter ja dann doch sehr schnell aggressiv werden können, wenn es um ihre Kinder geht. Und Nashörner sind jetzt auch nicht unbedingt die ungefährlichsten Tiere, die man so antreffen kann. Bei einer guten Gelegenheit sind dann schonmal ein paar von uns ins Auto geklettert während die anderen sich hinter das Auto gestellt haben. So sind wir dann eine gute Zeit lang verharrt, die Nashörner haben uns angestarrt und wir haben sie angestarrt. Irgendwann von jetzt auf gleich sind sie beiden Nashörner dann weggerannt und waren innerhalb von Sekunden verschwunden. Was ein Abenteuer!
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  • Day17

    Lagerfeuer im Busch

    February 17, 2019 in Namibia ⋅ ⛅ 28 °C

    Margo und ich thronen auf unseren Lieblingssitzen auf der Ladefläche des Pickups und lassen uns den Fahrtwind um die Nase wehen.
    Wir sind - wie kann es anders sein - wieder unterwegs zum Braai. Ein bißchen wundern wir uns, wir haben nämlich grade erst Mittag gegessen und nun schon wieder die Autos mit Kühlboxen und reichlich Vorräten beladen und sollen gleich schon wieder essen?

    Wir verlassen die „Straße“ und biegen ab ins Gelände, folgen zunächst einer ausgefahrenen Spur und dann gehts richtig in den Busch. Wir steuern eine freie Stelle zwischen den Bäumen, Gräsern und Sträuchern an, parken die Pickups und sammeln etwas trockenes Holz zusammen.
    Der Plan: Feuer machen und in zwei gusseisernen Töpfen Schaf und Hähnchen schmoren. Dazu Reis, Nudeln und Gemüse.
    Die ganze Prozedur dauert drei bis vier Stunden und jetzt wird uns klar, warum wir vorher schon was gegessen haben!

    In der Zwischenzeit trudeln die anderen Familien ein, jeder packt sein Campingequipment aus und es werden Drinks gemixt, Musik gehört und geredet. Leider reden die wirklich alle nur Afrikaans miteinander, sodass ich meist nix verstehe. Die meisten können zwar auch gut Englisch, aber tatsächlich nicht alle.

    Wir verbingen einen entspannten und schönen Nachmittag dort im Busch und Margo und ich sind uns einig, dass wir solche Erlebnisse nicht hätten, würden wir in einem Hotel übernachten. So kriegen wir doch schon so einiges vom namibischen Way of Life mit.
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  • Day23

    Otjiwarongo

    March 18, 2020 in Namibia ⋅ 🌙 19 °C

    Inzwischen sind wir in Otjiwarongo in der paradiesischen Villa Cacao angekommen und hatten hier bereits 3 wunderschöne Tage. Am ersten Tag waren wir platt von der Anfahrt durch wasserfallartigen Starkregen und sind nach auspacken und einräumen tatsächlich um acht ins Bett- alle!. Am nächsten Tag in die "Stadt" zum shopping. Erstaunlich wie anders, wieviel afrikanischer, es hier zugeht als in Windhoek. Überall stehen Menschen, versuchen irgendwas zu handeln, zu verkaufen oder auch nur den lieben langen Tag zu beobachten. Die Straßen sind staubig von tiefen Kratern durchsäht, ein Großteil der Häuser heruntergekommen. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, begegteten wir hier bisher nur unfassbar freundlichen Menschen. Eine davon war Monique, eine Französin, 30 Jahre in Namibia, die mich am Nachmittag besuchte. Sie eröffnete in Otjiwarongos Township eine Vorschule bzw vielmehr Kindergarten sowie eine Bibliothek für benachteiligte, im Sinne vernachlässigter, Kinder und ganz neu auch einen Schreibservice zusammen mit einem Kongojaner (oder wie nennt man jemandem aus dem Kongo?). Sie unterstützen bei der Korrespondenz und Abwicklung mit der Staatsbürokratie. Sie hatte eine ganz andere Sicht als John, der Namibia sich Zimbabwe annähern sieht. Sie sieht, dass sich auf eine afrikanische Art soviel bewegt, die Regierung ihr Bestes, wenn auch nicht möglichstest, tut um das Land voranzubringen- auf eben ihre afrikanische Art, das ist ganz wichtig als Europäer zu verstehen. Die Uhren drehen sich hier anders und auch die Gemüter gehen ihren eigenen, uneuropäischen Weg. Und gerade in Namibia ist das Thema Unternehmensgründung nachwievor stark von der Hautfarbe abhängig. Und das liegt nicht unbedingt an jahrzehntelanger Unterdrückung und Benachteiligung, sondern vor allem am Habitus der unterschiedlichen Stämme. Es werden nicht zuletzt schon seit vielen Jahrhunderten andere Werte als wichtig empfunden. Insbesondere social entrepreneurship aber auch Unternehmensgründung im allgemeinen, so Monique, widersprächen diesen althergebrachten Werten u Handlungsweisen.
    So, genug von meinem Projekt, denn heute waren wir- fast ebenso spannend- auf der Krokodilfarm in Otjiwarongo. Genau, ganz richtig, mitten im Stadtzentrum, eine Strasse vom Superspar (deutscher, etwas teurer Supermarkt hier) entfernt, ist eine Farm mit rund 6000 (!!) Krokodilen, einem Anschauungsgehege für Führungen und einem chilligen Draußenrestaurant mit Spielplatz, vielen Fischen und Kaninchen. Levi u Noah dürften sowohl die einen als auch die anderen füttern sowie Babyschildkröten und -krokodile halten u streicheln. Zum Essen gabs Krokodilburger. Da lacht das Kinderherz. Weniger zum lachen war, was uns die (wieder weiße, weil deutsche) Besitzerin erzählte (auch mit ihr hatten wir wieder ein sehr langes u interessantes Gespräch, aber das sprengt hier den Rahmen): sie kämpft mit der Farm eh schon ums Überleben, und nun die Corona-krise... Namibia wird Jahre brauchen um sich, wenn überhaupt, davon zu erholen! Das leitet uns nun über zu unseren eigenen Situation. Die Lage in Namibia hat sich nicht verändert. Es gibt 2 bestätigte Fälle seit Samstag. Vorgestern kamen 3 Verdachtsfälle hinzu, dessen Ausgang noch nicht klar ist. Otjiwarongo ist erstmal ab vom Schuss, also minimalste Ansteckungsgefahr, und bisher ist unser Flug über Amsterdam noch nicht gestrichen worden. Der Flughafen ist nachwievor auf u darf von Namibia aus angeflogen werden. Es fragt sich nur, wielang noch. Wir stehen auf der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes. Das heisst, wenn die plötzlich entscheiden, dass sie jetzt alle Deutschen aus Namibia zurück holen möchten, werden wir uns wohl oder übel anschließen (müssen). Bis dahin versuchen wir, unser Program wie geplant durchzuziehen. Leider nun natürlich immer mit dem bitteren Beigeschmack, dass es schon am nächsten Tag vorbei sein kann. Nicht gerade erholsam, das immer im Kopf zu haben... Wir hoffen, euch geht es allen gut und ihr nutzt die Zeit zuhause um euch wieder auf das zu besinnen, was wirklich wichtig ist im Leben: Familie!
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  • Day23

    Lustige Tierwelten

    February 23, 2019 in Namibia ⋅ ⛅ 32 °C

    Was ist an Afrika so faszinierend? Natürlich die wilden Tiere.
    Als erstes denkt man dabei meist an die großen Vertreter wie Löwen, Elefanten, Giraffen etc. Aber auch im kleineren Format sind sie sehr interessant und bringen durchaus erstaunliches zustande.
    So wie beispielswiese die riesigen Termintenhügel überall in der Landschaft. Ich kann es nicht genau sagen, aber schätze sie so 3 bis 4 Meter hoch. Hab mich als Vergleich daneben gestellt 😊

    Dann hatten wir gestern abend Besuch von einer kleinen Fledermaus im Badezimmer, die sich mit ihren Füßchen an die Decke hängte und uns interessiert beobachtete. Ach, und eine Kobra habe ich auch schon angefasst - sie war schon tot und meine Finger stanken danach ein wenig nach verwester Schlange.
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  • Day30

    Ausgangssperre auf Afrikanisch

    March 25, 2020 in Namibia ⋅ 🌙 18 °C

    YEEES gab heute nochmal alles, uns in eines der letzten begehrten Flugzeuge zu bekommen: KLM hätte uns tasächlich noch irgendwie untergebracht - aber in zwei getrennten Flügen an verschiedenen Tagen. Das war natürlich absolut keine Option. Am Ende sitz ich hier mit klein-Levi allein in Afrika fest und komm nicht heim und Christian mit Noah im großen fremdsprachigen Amsterdam und kommt auch nicht heim. Nein, nein das wird zusammen durchgestanden! Letztendlich wurden diese Flüge dann aber auch noch gecancelt. Mittags erhielten wir eine Antwort von der Deutschen Botschaft auf unsere Mail von Gestern, die uns sehr aus den Socken warf: Ausgangssperre wird hier mit Abriegelung gleichgesetzt. Wir sollen uns unverzüglich in die Khomasregion (Raum Windhuk) begeben, sonst kämen wir Freitag nicht mehr rein. Sämtlicher Personenverkehr rein u raus wird untersagt und strengstens kontrolliert werden. Und schon sind unsere aufmunternden Gedanken von zwei Wochen Sonne in unserem kleinen Paradies hier dahin. Auch ein Telefongespräch mit der Botschaft konnte an der Situation nicht viel ändern: wir müssen Koffer packen - und zwar schon morgen. 😪
    Allerdings wurde uns von der Botschaft auch bestätigt, dass bereits am Wochende die ersten Rettungsflugzeuge starten würden und wir mit zwei kleinen Kindern und meiner Erkrankung in einem der ersten Flugzeuge sitzen werden. Tatsächlich ist Namibia seit einer knappen Stunde im Rückholprogramm gelistet. Das beruhigt doch sehr! -Paradies hin oder her. Nun sind wir also auf Unterkunftssuche in Flughafenumgebung. Und das ist garnicht so einfach. Ein Großteil der Unterkünfte hat bereits geschlossen oder wird es innerhalb der nächsten Tage tun. Backpackers haben noch Plätze frei, sind uns in dieser Lage aber zu riskant. Wir haben etliche anderen angeschieben. Bislang kein Erfolg. Hoffentlich wissen wir morgen mehr!
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  • Day13

    Next stop: Namibia

    February 13, 2019 in Namibia ⋅ ⛅ 28 °C

    Namibia empfängt uns mit über 30 Grad im Schatten. „Uns“, damit meine ich ich Margo und mich, wir sind beide zusammen als Volontäre auf der Farm, und Stevie. Er ist Farmer aus Südafrika und wird auf der Farm des Bruders von unseren Gastgebern arbeiten. Dieser heißt Jakoub und holt uns vom Flughafen ab.
    Die beiden Männer beginnen eine angeregte Unterhaltung auf Afrikaans über Viehhaltun und Zucht und „Slachtprais“, eines der wenigen Wörter, die ich verstehe.
    Margo und ich sind derweil erstmal gespannt, die Landschaft Namibias zu sehen. Die Farm, auf der wir die nächsten vier Wochen verbringen werden, liegt in Hochfeld. Etwa 1,5h Fahrt entfernt und auch nur in der Zeit schaffbar, wenn man wie Jakoub die Schotterpisten mit bis zu 150kmh nimmt.
    Denn geteerte Straßen sind hier selten, die meisten sind plattgewalzte Schotterstraßen, auf denen es sich aber recht gut fahren lässt.

    Und was soll sich sagen, auf der Fahrt zur Farm sehen wir unzählige Warzenschweine, Gnus, Antilopen, sogar Affen und Sträuße. Mehr als ich bisher im teuer bezahlten Nationalpark gesehen habe! Die Viecher stehen auch gern mal auf der Piste, dann wird ein paar Mal gehupt und sie trotten davon.

    Auf der Farm nimmt uns Ines, die dritte Volontärin, in Empfang und führt uns ein wenig herum. Ich teile mir ein Zimmer mit Margo. Als Volontäre bewohnen wir drei einen kleinen Anbau neben dem Haus mit eigenen Bädern.
    Wir haben aber kaum Zeit um groß auszupacken, denn es steht ein Geburtstags-Sundowner an.
    Gemeinsam mit unseren Gastgeber Carl und Loïse und den zwei Kindern fahren wir zu einer Grillparty hinterm Maisfeld des Nachbarn. Alle fahren hier stilecht Pickups und Geländewagen. Da passen natürlich auch praktischerweise alle Grillutensilien rein.

    In Namibia isst man generell sehr viel Fleisch. Auch bei uns direkt gegenüber ist eine Rinderzucht und täglich rollen hier die Viehtransporter an.
    Die Farmen sind fast ausschließlich von Weißen bewirtschaftet, die Schwarzen arbeiten auf den Feldern, im Haushalt oder Garten. Die Rollen sind also sehr klar verteilt und die Ansichten der Farmer sind glaube ich für unser europäisches Empfinden ziemlich krass. Aber man hat hier kein Problem damit, offen seine Meinung über die Schwarzen zu äußern, im Gegenteil. Alle sind sich da sehr einig, wie mir scheint.

    Afrikaans ist hier unter den Weißen die Alltagssprache, in der sie auch untereinander kommunizieren. Es gibt sogar den ein oder andern Älteren, der kein Englisch spricht. Die Schwarzen wiederum sprechen auch ihre eigene Sprache und teilweise kein Englisch.
    Gut, dass es zumindest den Pferden egal ist, wie ich sie anspreche!

    Neben den Pferden gibt es noch vier Hunde, Gänse, Katzen, Milchkühe, Ziegen und Hühner.
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  • Day27

    Viehauktion

    February 27, 2019 in Namibia ⋅ ☀️ 31 °C

    Auf der Farm war heute Viehauktion. Seit Tagen schon rumpelten zu fast jeder Tag- und Nachtzeit die Viehtransporter auf den Hof und luden ihre Tiere ab. Die Farmer bringen ihr zu versteigerndes Vieh zur Auktion, andere Farmer kaufen es, um es entweder zu schlachten oder nach Südafrika zu transportieren und dort groß zu füttern bis zur Schlachtreife.
    Nicht nur die Transporter haben Lärm gemacht, die ca. 1.200 Viecher auch!
    Ein einziges Muh-Konzert seit Tagen... bis zur Auktion stehen sie in ihren Verschlägen draussen auf dem Hof. Und auch jetzt noch dringen ihre Rufe beständig herüber. Wie soll ich demnächst bloß ohne Kuhlärm schlafen können?

    Wir drei Volontärinnen haben uns das Treiben jedenfalls angeschaut. Und hinter uns saß eine kleine Gruppe Farmer, die Deutsch sprachen! Ich habe sie angesprochen und wir sind ins Gespräch gekommen. Sie sind in Namibia geboren und aufgewachsen, sprechen tatsächlich einwandfreies, nicht von unserem zu unterscheidendes Deutsch.
    Einer hat in München seine Metzgerausbildung gemacht. Die meisten haben Verwandte in Deutschland. War irgendwie ulkig, dass sie Deutsch sprachen.

    Zum Abschluss der Auktion - wie kann es anders sein- gab es Braai, also Fleisch vom Grill.
    Mittlerweile hängt es mir doch zum Hals raus, mal ist ja ganz nett aber das wird hier ungelogen fast jeden Abend gemacht. Und das dauert immer ewig, sodass vor 22 Uhr eigentlich nie gegessen wird, war auch schonmal 23:30 Uhr... nicht meine Zeit. Und Ziege ist jetzt vom Fleisch her auch nicht so mein Ding.

    Neulich gab es liebevoll hergerichtete Fleischpäckchen: Schafsleber in Schafsmagenfett verpackt. Ich konnte mich nicht überwinden, zu probieren, es stank schon bei der Zubereitung ziemlich heftig. Meistens gibt es aber ganz leckere Beilagen, an die ich mich dann halte.
    Bis auf vorgestern, da gab es Fleisch mit Wassermelone als Nachspeise.
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  • Day35

    Flaschenkind

    March 7, 2019 in Namibia ⋅ ⛅ 26 °C

    Cathrin ist jetzt etwa einen Tag alt, sie hat lange braune Wimpern, und Beinchen dünn wie Streichhölzer, auf denen sie kaum allein stehen kann. Seit heute bin ich ihre Teilzeitziehmama. Cathrin ist ein kleines Kälbchen. Die Kleine wurde zu früh geboren und ist zu schwach, um selber aufzustehen und zu trinken. Jetzt wohnt sie beim Nachbarn im Wohnzimmer, wird von den Hunden adoptiert und von uns abwechselnd alle zwei Stunden mit der Flasche gefüttert.

    Dazu hält man erst mit den Fingern das Mäulchen auf und schiebt den Nuckel rein, hält die Schnauze zu und dann trinkt sie meist von allein. Sie ist noch so zart und nur Haut und Knochen, die Haut wirft Falten, weil noch nix dran ist an dem Tier. Wenn sie muht, hört sich das eher wie das Meckern einer Ziege an. Als ich sie heute morgen gefüttert habe, wollte sie aufstehen, dazu muss man sie noch stützen, denn die Beine sind viel zu schwach und auch die Hufe sind noch so weich und werden erst in den nächsten Tagen hart werden.
    Jedenfalls hat sie dann genüsslich in ihr Bettchen gepinkelt, während ich sie abgestützt hab 😂 und nachmittags hat sie mir dann sogar auf meine Klamotten geschissen... nicht sehr fein von ihr, aber immerhin funktioniert die Verdauung. Hansi, einer der Hunde, kümmerte sich auch auch sofort hingebungsvoll darum, die Sauerei direkt am Ausgangsort aufzulecken. Alles Natur, aber echt eklig.

    Leben und Tod sind hier nah beeinander. Während wir tagsüber das Kälbchen aufpäppeln, schießen die Männer abends eine Kuh auf der Wiese nahe des Hauses. Sie hat immer Ärger gemacht, indem sie die Zäune ramponiert hat und war nun seit drei Monaten das erste Mal wieder in der Nähe aufgetaucht. Sie haben sie mit einem gezielten Schuss aus etwa 200 Meter Entfernung zwischen die Augen erlegt. Anschließend sind wir alle mit den Hunden im Schlepptau zu der toten Kuh gelaufen. Mit einem Messer schnitten sie ihr die Kehle auf, damit sie ausblutet. Wenn man das nicht macht, wird das Fleisch ranzig. Die Hunde waren jedenfalls völlig aus dem Häuschen, einer der Staffords verbiss sich noch in die Nase der bereits toten Kuh und begann den Kopf wie wild zu schütteln. Tötungsinstinkt. Dann machten sie sich gierig über das auslaufende Blut her. Ich habe die Kuh noch angefasst. Demnächst wird sie wohl auf unseren Tellern liegen.
    Ich denke, es gibt kaum eine bessere Art, ein Nutztier zu halten und zu schlachten. Bis zum Moment seines Todes hat es auf den weiten Wiesen gelebt, musste keinen Transport und kein Schlachthaus erleben. Auch wenn das Erlebnis gewöhnungsbedürftig ist, es stellt die Verbindung zu unserer Nahrung hier her.
    ——————————————

    Update einen Tag später: das Kälbchen hat es leider nicht geschafft... ist letzte Nacht gestorben.
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  • Day24

    Bob the Builder

    March 19, 2020 in Namibia ⋅ ☀️ 20 °C

    Heute hatte ich mein erstes und einziges Interview in Otjiwarongo. Mein Interviewpartner, fiktiver und passender Name Bob, stieg vor über 20 Jahren, als Ingenieur und erfahrener Entwicklungshelfer, bei einer einheimischen NGO mit Spezialisierung auf Häuserbau ein. Bis dato wurde in jeder Region Namibias sehr unterschiedlich mit dem Häuslebau umgegangen. Man nutze immer, was die Natur gerade hergab. Im Norden nutzten die Einheimischen zb vor allem die Materialien des Kovangoflusses, sprich vor allem Schilf. Im Süden mischte man vornehmlich Sand und Wasser. Und hier in Otjiwarongo wurde Gras mit nasser Erde zusammengepanscht, was nicht lange hielt und alle paar Jahre neu aufgebaut werden musste. Diese NGO also, mit Bob an der Spitze, entwickelte eine neue Art nachhaltige Häuser haltbar aus Lehm zu bauen. Dazu gehörte aber auch, sich dem Problem der fehlenden Kanalisation zu stellen. Es wurde eine besonder Art der Trockentoilette entwickelt, die sowohl Pipi von Kacka, als auch die nassen und trockenen Bestandteile der Kacka selbst durch eine rafinierte Drehung in der Schüssel, trennen konnte. Bob hatte mir eine solche Toilette gezeigt: es stank überhaupt nicht, bedingt durch diese Trennung. Ich lernte: Kacka stinkt nur, weil die feuchten Bestansteile zu Bakterien und Fäulnisprozessen führen. Aha, gut zu Wissen! Beim nächsten Kneipenabend geb ich das zum Besten ;) Am Anfang, als das Projekt noch internationale Geldgeber hatte, war die Regierung Feuer und Flamme. Aber als die Gelder vor einigen Jahren aufgrund allgemeiner Rezession wegbrachen, wollte auch die Regierung nicht mehr investieren. "Das brauchts nicht" Weggeschwiegen wurde, dass in Gegenden ohne Kanalisation, die es hier immer noch zu Hauf gibt, jeder in seiner 1-Zimmer-Hütte auch seinen Kackeimer (sorry für die Ausdrucksweise, aber so isses nunmal) stehn hat, den die ganze Familie nutzt und nachts klammheimlich hinters eigene Haus kippt. Darüber wird kaum gesprochen, weil sich verständlichweise jeder für diese Art des Geschäfts schämt. Und was nicht thematisiert und gesehen wird, so Bob, das gibt es nicht. Also kein Geld mehr von der Regierung. Nun ist es aber auch so, dass nicht nur viele Menschen keine richtige Toilette haben, sondern viele Kinder auch keinen richtigen Spielplatz. Also adressierte Bob zusätzlich auch diese Notwendigkeit und baute Spielplatzspielgeräte. Bis auch hier kaum noch Aufträge kamen. Letztendlich musste er vor Kurzem dann entgültig mit einem großen Berg Schulden Insolvenz anmelden und aufgeben. Ich traf ihn verständlicherweise niedergeschlagen und auch ein wenig verbittert an. Er sei gekommen, um Namibia zu helfen, nun muss Namibia ihm helfen. Damit könne er nicht weiter hier leben. Er hatte Pläne gefasst, zurück nach Deutschland Offenbach zu gehen, seine afrikanische Frau und die Kinder hier zu lassen. Das sei in Afrika ja eh oft so die Regel. Der Mann geht weit weg um Geld zu verdienen. Aber das ist Aufgrund Corona nun erstmal aufgeschoben. Eine sehr traurige Geschichte wie ich finde, aber auch wieder eine so typische.Read more

  • Day15

    Jagd auf Schakale

    February 15, 2019 in Namibia ⋅ ☁️ 23 °C

    Jeder braucht ein Hobby.

    An die Hingabe zum Braai (Grillen) habe ich mich fast schon gewöhnt. Dass hier jeder in seinem Haus so einen Indoor Braai hat, auch.
    Auch meine Gastfamilie hat gestern ihren riesigen Braai angezündet und kiloschwere Steaks gegrillt. Und ich muss zugeben, dass das Fleisch wirklich sehr gut war.
    Ich war nach dem Essen dann auch recht müde und geschafft vom reiten und dachte mir, dass ich dann gleich wohl ins Bett verschwinden würde.Es kam aber anders.

    Plötzlich herrschte Aufbruchstimmung. Die Männer hatten ihre Gewehre raus geholt und versuchten, noch direkt aus dem Garten die Schakale in einigen hundert Metern Entfernung zu schießen. „Wollt ihr mit auf Jagd? Wir jagen Schakale.“
    Klar wollten wir und kletterten hinten auf den Pickup, den ich bis dahin als ein Fahrzeug für Safaris gehalten hatte, da er ebenfalls silch erhöhte Sitze hinten drauf hat. Jetzt weiß ich es besser...

    Loïse hinterm Steuer, wir drei Mädels und die beiden Männer hinten drauf. In der einen Hand einen Scheinwerfer, Whisky Cola in der anderen. Wir steuerten als erstes die Rindergehege an und tatsächlich hielten sich dort einige Schakale in unmittelbarer Nähe auf. Schakale als auch die Geparden hier stellen eine Gefahr für die Vieh- und auch Pferdeherden dar. Immer wieder reißen Geparden nachts Fohlen oder Kälber. Schakale, so wurde es uns erklärt, jagen nicht, sondern stürzen sich auf schwache oder wehrlose Tiere und fressen ihnen bei lebendigem Leib das Fleisch von den Knochen. Zum Beispiel wenn eine Kuh kalbt oder krank ist und auf dem Boden liegt. Das klingt grausam, aber ich frage mich, warum die Natur das so eingerichtet hat? Ich unterstelle den Schakalen keine willentliche Grausamkeit, dazu sind nur wir Menschen in der Lage. Die Natur hat sie so erschaffen, aber ich verstehe nicht, warum.

    Ich war also ein wenig hin und her gerissen. Einerseits verstehe ich den Gedanken, das Vieh zu schützen und so natürlich auch monetäre Verluste zu vermeiden. Andererseits hatte ich auch Mitleid mit den Schakalen. Einen ersten hat es direkt dort beim Vieh erwischt. Stevie hat ihn herangeholt und ihn uns gezeigt. Eine recht große klaffende Wunde hatte er in der Brust. Ich dachte, dass so ein Schuss kaum sichtbar wäre am Körper. Wenigstens war er sofort tot. Angeblich kommen irgendwann andere Schakale und fressen ihn auf.

    Mit dem Auto fuhren wir weiter, und Ines und Stevie leuchteten mit den Suchscheinwerfen links und rechts die Umgebung ab. Man sieht von den Tiere nur die Reflektion der Augen und dann vielleicht noch das sich bewegende Tier. Für mich war es sehr erstaunlich, dass die Männer die Tiere lediglich an den Augen erkennen konnten und dann jeweils wussten, ob es sich nur um einen Hasen, Kudu, Antilope, Steinbock etc hielt.

    Sie erzählten, dass sie ungefähr im Alter von 4 bis 5 Jahren mit dem Jagen und Schießen beginnen. Sie können auch die Rufe der Schakale perfect imitieren. Wobei ich mir immer ein wenig das Grinsen verkneifen musste, wenn diese recht beleibten Männer auf ihrem Thron so komische Laute von sich gaben.
    Wir fuhren noch ca zwei Stunden die Gegend ab. Trotz eines leicht bewölten Himmels hat der Mond hier eine immense Strahlkraft und wirft sogar Schatten. Ich fand es sehr spannend, hinten auf dem Pickup zu sitzen und durch die namibische Nacht zu fahren. Sowas würde ich nicht erleben, wenn ich in einem Hotel wäre. Es war schon etwas Besonderes und hatte etwas Lebendiges, trotz der Tatsache, dass wir ja eigentlich Leben beenden wollten auf dieser Fahrt.

    In dieser Nacht blieb es bei zwei erlegten Schakalen und einer bereits toten Kobra auf der Straße. Tote Kobra riecht übrigens ziemlich unangenehm!
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Otjozondjupa

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