• Начало поездки
    1 июля 2017 г.

    Lautes Rufen

    1 июля 2017 г., Италия ⋅ ⛅ 16 °C

    Lautes Rufen aus den Abruzzen!
    Die Abruzzen haben schon lange gerufen, aber irgendwie nie laut genug, um meine Aufmerksamkeit zu fesseln. Jetzt ist es soweit: Ich werde von einer unwiderstehlichen Kraft in die Heimat meines Vaters gezogen! Als Kind verbrachte ich jeden Sommer dort, allerdings nicht in den Bergen, sondern am Meer. Die majestätischen Berge bewunderte ich oft nur aus der Ferne. Natürlich haben wir gelegentlich Ausflüge gemacht, aber die langen Autofahrten waren oft mehr Geduldsspiel als Abenteuer.

    Die Lieblingsziele meines Vaters waren Prati di Tivo und das Campo Imperatore. Dort wanderten wir regelmäßig ein Stück die Berge hinauf – ein bisschen Bewegung und viel „wo ist das nächste Eis?“ Aber ich kann nicht wirklich behaupten, die Abruzzen wie meine Westentasche zu kennen. Doch als Kind war ich damit eigentlich ganz zufrieden. Schließlich war das Meer nie langweilig, und die anderen Kinder waren immer in der Nähe. Erst in der späten Jugend entdeckte ich die Abruzzen für mich und unternahm einige Ausflüge zu Orten, die ich näher kennenlernen wollte. Ich verliebte mich in die Berge und die Hochebene und erkannte, wie einzigartig sie sind. Bei jedem Italienurlaub gehörte mindestens ein Ausflug ins Hinterland dazu. Mein Vater war von meinem Interesse wenig begeistert und bezeichnete mich als „Spinnerin“. Dazu gibt es die eine oder andere amüsante Anekdote:

    Ein Jahr besuchte ich mit drei Freundinnen Italien. Natürlich wollte ich ihnen auch die atemberaubende Berglandschaft der Abruzzen zeigen. Also unternahmen meine Eltern netterweise mit uns einen Ausflug zum Gran Sasso. Doch auf dem Weg hatten wir mit den Folgen eines schweren Erdbebens zu kämpfen. Viele Straßen waren unpassierbar, und unsere Tour drohte sich in eine der legendären endlosen Autofahrten zu verwandeln. Kurz vor Prati di Tivo passierten wir Pietracamela, einen meiner liebsten Ausgangspunkte für Wanderungen, um den sich viele Wolfs-Geschichten ranken. Dazu vielleicht später mehr. Ich wollte unbedingt dort aussteigen und zu Fuß nach Prati di Tivo wandern. Mein Vorschlag, meine Eltern könnten in der Zwischenzeit einen Kaffee trinken und etwas spazieren gehen, wurde jedoch abgelehnt – mein Vater hielt uns für zu gefährdet.

    „Es gibt hier immer noch Wölfe“, erklärte er uns ernsthaft. Verzweifelt versuchte ich ihm zu erklären, dass Wölfe keine wirkliche Gefahr darstellen und sie meist nur weiter südlich auf der anderen Seite des Berges anzutreffen seien. Ich bettelte fast, uns aus dem Auto zu lassen. Doch mein Vater blieb unbeirrt und erläuterte die wahren Gefahren dieser Gegend: „Es ist der Berg, der gefährlich ist. Weißt du, der Berg ist schließlich schon sehr alt.“ Aha, der Berg ist also gefährlich, weil er alt ist. Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, aber diese Antwort ließ mich sprachlos zurück. So fuhren wir also ohne Halt direkt zu Prati di Tivo, dem Ort meiner Kindheitserinnerungen.

    Wer mich kennt, weiß, dass dies noch nicht das letzte Wort war. Als wir auf der Hochebene ankamen, sprangen meine Freundinnen und ich aus dem Auto, begrüßten die dort lebenden Hirtenhunde, verabschiedeten uns von meinen verblüfften Eltern und machten uns an den Abstieg. Ich rief meinem Vater hinterher: „Unten in Pietracamela ist eine Bar, da kannst du Kaffee trinken und Mama den besten Ziegenkäse der Abruzzen kaufen. Wir sehen uns dort! Wir brauchen etwa eine Stunde für den Abstieg. Mach dir keine Sorgen, runter kommt man immer. Außerdem mag mich der alte Berg.“

    Diese kleine Anekdote spiegelt den Respekt der Einheimischen vor den gewaltigen Naturkräften wider. Manche Orte in den Abruzzen wirken, als wären hier immer noch Feen, Hexen und Kobolde zu Hause.

    Endlich mache ich jetzt dort einen Wanderurlaub, wo Italien noch wild und still ist, dorthin, wo es noch ursprünglich ist. Der Gran Sasso kratzt ganz knapp an die 3000-Metermarke. Der schneebedeckte Corno Grande, die weiten Hochebenen, tief eingeschnittene Schluchten, viele Wasserfälle und stille Seen – all das macht die Region zu einer Symphonie für das Auge. Der Charakter der Abruzzen ist unverfälscht geblieben, und man findet noch Gegenden, wo die Zeit stehen geblieben scheint.

    Es gab jedoch eine Zeit, in der gnadenlos alle Tiere gejagt, jeder Baum gefällt und die Natur rücksichtslos ausgebeutet wurde. Viele Menschen verließen ihre Dörfer, da es kein Auskommen mehr gab. Nur Hirten mit ihren Schafen zogen weiter durch das Land, während wenige alte Menschen mit ihren Geschichten und ihrer Liebe zur Heimat zurückblieben. Doch die Natur erholte sich und eroberte die Landschaft zurück. Heute leben in den Abruzzen wieder etwa 100 Braunbären und 200 Wölfe. Manchmal, wenn auch selten, bekommt man einen Luchs zu Gesicht. Begegnungen mit Gämsen, Hirschen, Rehen, Füchsen oder Wildschweinen sind hingegen keine Seltenheit. Mit etwas Glück kann man sogar Adler entdecken, besonders in der Schlucht von Celano oder Santo Spirito. In der Orfento-Schlucht berichten die Einheimischen von zurückgekehrten Ottern.

    Bei Wanderungen durch die Abruzzen stellen aber weder Braunbären noch Wölfe die größte Gefahr dar, sondern die wild lebenden Hunde und das Wetter. Es kann selbst im August schneien, und im Sommer liegt oft dichter Nebel auf den Höhen. Unwetter mit Starkregen und heftigen Winden treten ohne große Vorwarnung ganz plötzlich auf. In einsamen Gegenden, wo es keine Markierungen gibt, kann man schnell die Orientierung verlieren oder in Bergnot geraten. Aber genau das macht die Abruzzen zu dem, was sie sind: die wilde Seele Italiens!
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  • Santo Stefano

    2 июля 2017 г., Италия ⋅ 🌧 15 °C

    Sonntagabend, nach einer 14-stündigen Autofahrt, kamen wir in Santo Stefano di Sessiano an – müde, aber voller Vorfreude. Unsere Wohnung liegt so ruhig, dass selbst die Vögel flüstern, und die Terrasse grenzt an einen wilden Hang, wo die Natur sich so richtig austoben kann. Hier gibt es mehr Schmetterlinge als Menschen, und das Gezwitscher der Vögel klingt wie ein Konzert, das die Welt noch in Ordnung ist. Heute sind wir allerdings zu platt, um uns auf Entdeckungstour zu begeben. Stattdessen ziehen wir einen nahen "Kuhstall" für ein typisches abruzzesisches Abendessen vor. Man muss ja Prioritäten setzen – schließlich ist das Essen der wahre Grund, warum man reist!

    Montagmorgen war der neue Tag, und wir hatten uns in ein Erdbebengebiet begeben – wie aufregend! Die Abruzzen sind bekannt dafür, dass die Erde hier regelmäßig ein bisschen wackelt, fast wie ein chaotischer Tanz. 2009 gab es das große Erdbeben, und seitdem ist die Region quasi im Dauerbeben-Modus. 2016 kam zuerst noch mal ein kräftigeres Erdbeben und dann noch eine Schneekatastrophe dazu – ich frage mich, ob die Abruzzen einen Wettbewerb im „Wie viele Naturkatastrophen passen in ein Jahr?“ veranstalten.

    Natürlich könnte man sich fragen, warum man hier Urlaub machen sollte. Aber trotz aller Herausforderungen hat diese Region ihren ganz eigenen Charme. Die Abruzzen sind einfach wunderschön und ein Stück Heimat, das ich nie ganz begreifen konnte – wie ein rätselhafter Verwandter, der immer mal wieder zu Besuch kommt.

    Am Montagmorgen machten wir uns auf, um Santo Stefano zu erkunden. Sofort fielen uns die vielen eingerüsteten Gebäude auf – eine Art „Bauarbeiten für Anfänger“-Kurs auf jedem zweiten Grundstück. Der Ort ist malerisch auf einem Hügel gelegen und hat eine Geschichte von über 1000 Jahren. Der alte Turm, das Wahrzeichen der Stadt, ist seit 2009 in einer Art „Schattenspiel“-Phase – nur noch ein Metallgerüst erinnert an seine einstige Pracht.

    Ich bin oft durch das Erdbebengebiet gefahren und habe die Schäden in den Dörfern gesehen. Es ist ein bisschen wie ein gruseliges Museum, in dem die Ausstellungsstücke „rote Zonen“ heißen. In anderen Städten, wie L’Aquila, flossen die Spenden in Strömen, während hier der Wiederaufbau eher einer Schnecken-Rallye ähnelte.

    In Santo Stefano spürte ich den speziellen Flair. Die Mischung aus baufälligen und restaurierten Gebäuden ist so charmant wie ein ungeschliffener Diamant. Wir setzten uns in eine kleine Eisdiele, wo uns ein freundlicher Italiener mit einer Kaffeekanne begrüßte, die älter war als mein Opa. Dazu gab es hausgebackenen Kuchen und frisch geschlagene Sahne – ein Festmahl, das die Mühen der Reise sofort vergessen ließ.

    Wir genossen die Leckereien, während wir das Dorfleben beobachteten. Die Menschen waren gut gelaunt, und ich fühlte mich fast wie in einem italienischen Film, in dem jeder die Hauptrolle spielt. Hier lebten sie in Harmonie mit ihrer Umgebung, trotz aller Herausforderungen – und mit einem Lächeln, das selbst Erdbeben nicht auslöschen können.
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  • Santo Stefano

    3 июля 2017 г., Италия ⋅ ☀️ 18 °C

    Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Der höchstgelegene Ort Italiens, Santo Stefano di Sessanio, wurde in Form einer Spirale erbaut, die zum mittelalterlichen Turm führt – dem Wahrzeichen der Stadt. Leider ist dieser während des Erdbebens im April 2009 eingestürzt. Bei einem Rundgang durch die Stadt wird deutlich, wie viel Energie und Hingabe aufgebracht wurden, um die Denkmäler zu bewahren und die Geschichte lebendig zu halten.

    Santo Stefano di Sessanio liegt 1.250 m über dem Meeresspiegel und hat in seiner Blütezeit über 4.000 Einwohner gezählt. Durch die Auswanderung ist diese Zahl auf nur noch 400 geschrumpft. Eine interessante Anekdote dazu: Viele der Auswanderer suchten ihr Glück in den USA, vor allem in den 1950er Jahren. In dieser Zeit war die Sehnsucht nach einem besseren Leben so stark, dass sogar ganze Familien den Schritt wagten. Einige von ihnen kehrten später in die Abruzzen zurück, um ihre Wurzeln wieder zu entdecken, und brachten Geschichten von einem völlig anderen Leben mit zurück.

    Ein weiteres bemerkenswertes Detail ist, dass die Region für ihre Tradition der Schafzucht bekannt ist. Die Schafherden waren einst ein wichtiges Symbol des Lebens in Santo Stefano, und die Wollproduktion trug entscheidend zur wirtschaftlichen Stabilität der Gemeinde bei. Heute wird diese Tradition durch lokale Feste und Märkte gefeiert, bei denen die Bewohner stolz ihre handgefertigten Produkte präsentieren. Diese enge Verbindung zur Vergangenheit ist ein wichtiger Teil des Lebens hier und zeigt, wie die Menschen trotz aller Widrigkeiten zusammenhalten und ihre Kultur bewahren.
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  • Erste Wanderung

    3 июля 2017 г., Италия ⋅ ☀️ 21 °C

    Nachdem wir einen ersten Eindruck von Santo Stefano gewonnen hatten, begaben wir uns auf den Weg zu einer nahegelegenen Burg. Nur ein kurzes Stück die Straße entlang aus Santo Stefano hinaus und dann über sanfte Hügel, immer den rot-weißen Markierungen folgend. Ich fragte mich erneut, warum die Italiener ihre Wanderwege stets mit diesen rot-weißen Balken kennzeichnen. Wie erkennt der Wanderer, dass er auf dem richtigen Pfad bleibt, wenn sich mehrere Wege kreuzen? Das bleibt für mich ein Rätsel.

    Wir wanderten bergauf über Schafsweiden, Geröllstrecken und baumlose Hügel. Von der Burg war lange Zeit nichts zu sehen, doch die Aussicht auf die umliegenden Berge wurde immer beeindruckender. Auch konnten wir das ein oder andere Dorf an den Felshängen ausmachen. Das ist also das Land, das wir mit unseren Füßen erkunden und mit allen Sinnen erleben wollen.

    Endlich tauchten die Kirche und die Burgruine in der Ferne auf. Sichtweite bedeutet jedoch nicht, dass wir schon angekommen sind, aber die Orientierung wurde einfacher. Für den ersten Urlaubstag war es eine anstrengende Wanderung; die lange Autofahrt steckte uns noch in den Knochen. Aber es lohnt sich: die wundervoll klare Luft, die Stille und schließlich der Anblick der Burg. Diese trägt den Namen Rocca Calascio und erhebt sich im Herzen der Abruzzen auf 1.460 m, die höchstgelegene, etwa 1000 Jahre alte Burganlage.

    Die Geschichte der Rocca Calascio ist faszinierend: Ursprünglich als Wachturm im 10. Jahrhundert erbaut, wurde sie im Laufe der Jahrhunderte aus strategischen Gründen erweitert und verstärkt. Besonders bemerkenswert ist, dass sie einst eine wichtige Rolle in der Verteidigung der Region spielte. Im 15. Jahrhundert wurde die Burg von den Aragonesen ausgebaut, und ihr Standort bot nicht nur eine hervorragende Sicht auf die Umgebung, sondern auch einen strategischen Vorteil gegen Angreifer.

    Direkt neben der Burg steht die Kirche *Santa Maria della Pietà*, die im 13. Jahrhundert erbaut wurde. Sie hat eine einfache, aber beeindruckende Architektur, die sich harmonisch in die Umgebung einfügt. Besonders bemerkenswert ist das wunderschöne Fresko im Inneren, das Szenen aus dem Leben der Jungfrau Maria darstellt. Es erzählt von der tiefen religiösen Verbundenheit der Menschen in dieser Region.

    Die Kirche wurde auf den Überresten eines alten Tempels erbaut, was ihr zusätzlich eine mystische Aura verleiht. Ihre Lage hoch oben auf dem Berg bietet nicht nur einen atemberaubenden Blick auf die Landschaft, sondern lässt auch den Besucher spüren, dass der Ort schon seit Jahrhunderten ein Platz der Besinnung und des Glaubens ist.

    Für uns hat sich die Wanderung wirklich gelohnt. Wir sind nun an unserem Urlaubsort angekommen, und es war ein genialer Einstieg.
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  • Gran Sasso und der Monte Aquila

    4 июля 2017 г., Италия ⋅ ☀️ 16 °C

    Gran Sasso und Monte Aquila

    Unsere zweite Wanderung führt uns zurück zum Campo Imperatore. Der Weg dorthin ist so atemberaubend, dass selbst die schüchternsten Blumen sich nicht scheuen, ihr Bestes zu geben. Die unendliche Weite, die wilden Pferde und die farbenfrohen Wiesen sind ein Fest für die Augen. Aber auch die kargeren Höhenlagen haben ihren eigenen Charme – man könnte sagen, sie sind die „coolen Kids“ der Berglandschaft. Hier wandern Hirten mit ihren Hunden und Schafen, ganzjährig Wind und Wetter trotzend.

    Die Hirtenhunde haben es mir besonders angetan. Diese mutigen Vierbeiner, auch als Bärenhunde bekannt, sind fast so schneeweiß wie die Schafe, die sie bewachen. Man könnte sagen, sie sind die Bodyguards der Herde – und das mit einem beeindruckenden „Kraft und Mut eines Bären“! Selbst Wölfe haben das Nachsehen, wenn ein Rudel abruzzesischer Hirtenhunde auf der Hut ist. Unter Menschen sind diese Hunde treu und gutmütig; sie halten die Kinder einer Familie zusammen, als wären sie ein kleines Schafsrudel. Wer es wagt, das „Rudel“ zu verlassen oder sich unbefugt zu nähern, sollte sich auf einen verständnisvollen, aber entschlossenen „Schutz“ gefasst machen. Ein fantastischer Hund, der einfach hierher gehört – ohne ihn würde etwas in den Abruzzen fehlen.

    Langsam nähern wir uns dem Gran Sasso, dem Hausberg meiner Sehnsüchte. Ein kalter Wind pfeift hier oben, als wollte der Berg uns mit einem „Verweile doch“ davon abhalten, ihn zu besteigen. Doch ich lasse mich nicht einschüchtern! Ich kenne seine harte Schale und weiß, dass mich weiter oben die Sonne erwartet und der Wind nachlässt – ein echtes „Schatz, du bist die Sonne in meinem Leben“-Moment. Der Weg ist jedoch alles andere als ein Spaziergang im Park. Viele Wanderer, die am Campo Imperatore starten, folgen den serpentinenartigen Pfaden zur ersten Hütte, dem Rifugio Duca degli Abruzzi. Wie eine Perlenkette schlängeln sie sich nach oben – das könnte glatt als „Gruppenwanderung 101“ durchgehen. Lass dich davon nicht entmutigen! Nur dieser Teil ist überlaufen.

    Oben am Pfad oberhalb der Hütte wird es deutlich ruhiger. Hier wird das Wandern schnell zum Klettern! Es ist ratsam, sich gut festzuhalten – ich empfehle, die Hände nicht für Selfies zu verwenden, wenn du auf einem schmalen Grat balancierst. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier Pflicht, also besser aufpassen!

    Ein besonderes Erlebnis ist der Sonnenaufgang am Refugium. Nur die echten Bergfans und Kletterer gönnen sich dieses Abenteuer – die anderen haben wahrscheinlich noch die Wecker-Snooze-Taste gedrückt. Ich habe die Hütte oft besucht, aber heute lasse ich sie auf halber Höhe links liegen. Bald verliere ich die Menschenkette aus den Augen und folge einem anfangs gut begehbaren Pfad, der sich um den Berg windet. Hier trifft man eher die „Kenner der Region“. Die Stille ist fast schon ohrenbetäubend – man muss sich erst daran gewöhnen. Wenn man Glück hat, hört man die Schreie eines jungen Adlers. Vielleicht haben sie Hunger oder möchten ihre „Jungvogel-Identität“ feiern – eine Art funktionierender „Welpenschutz“ unter den Adlern.

    Neben den Adlern kreisen auch Geier über uns. Es lohnt sich, kurz innezuhalten und alles in sich aufzunehmen. Der Weg führt nun leicht abwärts den Nordhang des Kamms hinab zum Abzweig Stelle di Monte Aquila. Aquila heißt Adler – wie passend! Hier halten wir uns nochmal rechts. Über mehrere Anstiege erreichen wir den Kamm, der zum Monte Aquila hinauf führt. Oben sehen wir Gämsen, die mit Leichtigkeit über die Berge hopsen. Einer hat uns bemerkt und bleibt neugierig stehen, als wollte er sagen: „Was machen die Menschen da?“. Nun, hier ist es tatsächlich umgekehrt – die Gämse hat uns beobachtet! Irgendwie scheint er zu denken: „Ich kann euch auch einfach ignorieren, wenn ihr wollt.“

    Der Monte Aquila ist 2498 Meter hoch und bietet einen spektakulären Ausblick zum Corno Grande. Hier gibt es keinen Punkt im Gran Sasso-Gebiet, wo Wanderer näher an den beeindruckenden felsigen Südabbruch des Corno Grande gelangen können. Auch der Blick ins Valle dell Inferno ist atemberaubend – und wie der Name schon sagt, ist hier wirklich Vorsicht geboten. Der Abstieg ist knifflig, aber die Aussicht belohnend.

    Für heute reicht es. Ich freue mich jetzt auf ein gutes italienisches Abendessen. Morgen wartet die nächste Tour auf uns – bis dahin, buon appetito!
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  • Dort wo die Otter schwimmen

    5 июля 2017 г., Италия ⋅ ☀️ 24 °C

    Dort, wo die Otter schwimmen – die Orfentoschlucht.

    Unsere nächste Wanderung führt uns in die wahrscheinlich wildeste Schlucht der Abruzzen – und das will etwas heißen! Ich habe jedenfalls noch keine wildere gesehen. Hier ist es sogar so schön, dass man am liebsten gleich über Nacht bleiben möchte. Der Ausgangspunkt ist der charmante Thermalort Caramanico, bekannt als das „Badeparadies der Abruzzen“. Hier, an der Westflanke der Majella, wohnen etwa 2000 Menschen, die trotz der vielen Besucher eine ruhige Atmosphäre schaffen. Eine kleine Stippvisite in dieses autofreie Kurbad ist definitiv empfehlenswert – auch für Familien mit Kindern!

    Wir parken am Ortsrand und machen uns auf den Weg zum Besucherzentrum, stets bergauf und immer unter schattenspendenden Bäumen. Um die Orfentoschlucht zu betreten, benötigen wir eine Zugangserlaubnis, die uns im Besucherzentrum für kleines Geld ausgestellt wird. Die Wege in die Schlucht sind sehr ursprünglich und naturbelassen. Die Aussichtsplattformen, die in regelmäßigen Abständen auf uns warten, sind – aus gutem Grund – gesichert. Wir beschließen, die Schlucht zuerst von oben zu bewundern, bevor wir uns später in die Tiefen stürzen. Es ist heiß und still, fast schon unheimlich. Vögel lassen sich kaum blicken, und die Tierwelt hält sich ebenfalls bedeckt. Naja, bis auf die unzähligen Spinnen. Brrrr, überall Spinnennetze, die sich an einem festkleben. Selbst beim Schreiben überkommt mich eine Gänsehaut.

    Aber es wird noch aufregender. Schon bald stehen wir den Taranteln gegenüber – haarige Riesenspinnen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Der bloße Gedanke daran sorgt dafür, dass ich mich unwillkürlich schützend zusammenziehe. Taranteln gehören zur Familie der Wolfsspinnen und sind in Italien oft in trockenen Wiesen und an steinigen Hängen zu finden. Man sollte ihnen besser aus dem Weg gehen, denn sie haben ein paar fiese Tricks auf Lager – schließlich sind sie giftig.

    Langsam gewöhnen sich meine Ohren an die ungewöhnliche Stille hier. Ich beginne, die leisen Geräusche von Grillen, Heimchen und weiteren mir unbekannten Kleintieren wahrzunehmen. Überall raschelt es, während viele Eidechsen und sogar ein paar Schlangen unterwegs sind. Um sie zu vertreiben, treten wir bewusst fest auf den Boden – ein Hauch von Wildnis ist tatsächlich zu spüren!

    Immer wieder eröffnen sich grandiose Ausblicke in die Schlucht. An einer Stelle kann ich einen Adler beobachten, der majestätisch seine Runden zieht. Man hatte mir erzählt, dass in diesem Jahr ein Horst mit Jungvögeln entdeckt wurde. Meine Versuche, die anmutigen Flugkünste des Adlers mit meiner Handy-Kamera festzuhalten, scheitern jedoch kläglich – die Technik hat hier eindeutig ihre Grenzen.

    Als wir genug von der Aussicht haben, machen wir uns an den Abstieg in die Schlucht. Plötzlich wird es wieder grüner und ein wenig unheimlicher. An einer Stelle überqueren wir den Fluss über eine Holzbrücke – ein idyllischer Moment! Wir ziehen unsere Schuhe aus, setzen uns auf eine Felsplatte und lassen unsere Füße im erfrischenden Wasser baumeln. Einfach nur dem sanften Plätschern des Wassers und dem Gezwitscher der Vögel lauschen – pure Entspannung!

    Otter jedoch, die laut Reiseführer hier schwimmen sollten, lassen sich nicht blicken. Stattdessen erzählt man sich in der Region die Legende eines Wassergeistes, der in den Tiefen der Schlucht hausen soll – er nimmt die Form eines Otters an und beschützt die Wanderer, die die Schlucht mit Respekt betreten. Wer Glück hat, trifft vielleicht auf einen diesen Botschafter des Geistes. Wir entscheiden uns, umzukehren und wandern den Fiume Orta entlang zurück zum Ausgangspunkt, wo es eine Otter-Aufzuchtstation gibt. Deren Arbeit zielt darauf ab, die Tiere mittelfristig wieder im Flusslauf der Schlucht anzusiedeln. Vielleicht haben wir beim nächsten Mal mehr Glück und begegnen diesen flinken Wasserbewohnern!
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  • Höhlen und Wasserfälle

    6 июля 2017 г., Италия ⋅ ☀️ 31 °C

    Die Höhlen von Stiffe sind ein wahres Naturschauspiel, das man unbedingt gesehen haben sollte. Sie thronen majestätisch oberhalb des kleinen Örtchens Stiffe. Einheimische berichteten mir von der zauberhaften Wanderung, die zum Wasserfall führt, und ich konnte nicht widerstehen, ihrem Rat zu folgen. Wir machten uns auf den Weg, dem sanften Plätschern des kleinen Baches zu folgen, der sich hinter dem Dorf an einer markanten Felswand und einer alten Mühle vorbeischlängelt. Dieser Bach speist ein kleines Wasserbecken, das sich unterhalb des beeindruckenden Wasserfalls befindet, der direkt aus der Höhle strömt, die wir zuvor erkundet hatten.

    Es ist ein magischer Ort, an dem man sich leicht vorstellen kann, dass Kobolde und andere Märchenwesen zwischen den Bäumen wohnen. Überall flatterten tausende Schmetterlinge von Blüte zu Blüte, während Moos und Farne die Steine sanft umhüllten. Das Sonnenlicht drang durch das grüne Blätterdach und schuf ein traumhaftes Lichtspiel. Die Symphonie aus Vogelgesang, dem Rauschen des Wassers und dem sanften Wind, der durch die Blätter strich, war ein wunderschönes, beruhigendes Erlebnis. Wir verweilten eine ganze Weile an diesem Ort, umgeben von Stille und ohne andere Touristen – ein kleiner Geheimtipp, der abseits der üblichen Pfade liegt.

    Im Sommer hingegen herrscht bei den Höhlen reges Treiben. Riesige Parkplätze unterhalb der Höhlen empfangen die Besucher, und im Restaurant müssen die Eintrittskarten erworben werden. Ein Shuttlebus bringt die Menschen zum Höhleneingang, während oben nur eine Handvoll Parkplätze zur Verfügung steht. Diese Höhlen sind ein beeindruckendes Netzwerk aus unterirdischen Flussläufen, Grotten und gewaltigen Sälen. Besonders faszinierend ist das Schauspiel, wenn ein Wasserfall aus 20 Metern und ein weiterer aus 25 Metern in ein kleines Wasserbecken herabstürzen. Das Getöse in der Höhle ist überwältigend; man muss sich anschreien, um sich verständigen zu können.

    Seltsam wird es in der nur wenige Meter entfernten „Höhle der Stille“. Dort ist – aus unerklärlichen Gründen – von den Wasserfällen nichts mehr zu hören. Die plötzliche Stille jagt mir einen Schauer über den Rücken. So eine beeindruckende Ruhe habe ich zuvor noch nie erlebt. Merkwürdig, denn nur ein paar Schritte weiter dominiert wieder das laute Rauschen des unterirdischen Flusses. Wie kann es sein, dass an diesem einen Ort die Geräuschkulisse vollkommen fehlt? Es ist fast unheimlich.

    Dieser Wasserlauf innerhalb der Höhle ist tatsächlich ein unterirdischer Fluss, der sich in einer geheimnisvollen Schlucht versteckt. Manche glauben, es handele sich um unterirdische Quellen, doch das ist nicht der Fall. Wenn man ein Stück oberhalb der Höhlen weiterwandert, entdeckt man Bäche, die plötzlich im Erdreich verschwinden. Die Erde ist dort so porös, dass das Wasser versickert und sich seinen eigenen unterirdischen Weg sucht. Mit Farbstoffen hat man diesen Weg erfolgreich nachgezeichnet. Das Wasser selbst ist kalt und klar, hat jedoch keine Trinkwasserqualität, da es voller Bakterien und Mikroorganismen ist. Also besser keine Trinkprobe nehmen – euer Magen wird es euch danken.

    Unser „Höhlen-Erlebnis“ ließen wir in einem nahegelegenen Restaurant bei einem Glas Wein und einem typischen italienischen Essen nachwirken. Wieder in unserer Ferienwohnung angekommen, genossen wir noch lange die sternenklare Nacht auf der Terrasse, unterbrochen nur vom Zirpen der Grillen – eine friedliche Stille in einer lauen Sommernacht im Herzen der Abruzzen.
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  • Arrosticcini bei den Schafshirten

    6 июля 2017 г., Италия ⋅ ☀️ 23 °C

    Es war ein traumhafter Sommertag, als mein Mann und ich uns auf die Wanderung zum Monte Prena (2.561 m) begaben. Jeder Schritt auf dem schmalen Pfad war eine kleine Herausforderung, doch die atemberaubende Aussicht, die sich uns schließlich bot, ließ unser Herz höher schlagen. Nach dieser anstrengenden Tour waren wir glücklich erschöpft und voller Vorfreude auf die bevorstehende Pause im Ristoro Mucciante.

    Die rustikale Holzhütte, die als Metzgerei und Grillplatz dient, fühlte sich an wie ein verstecktes Juwel. Erinnerungen an die lebhaften Schafsauktionen, die hier früher stattfanden, kamen mir in den Sinn. Mit meinen Geschwistern jagten wir damals den riesigen Heuschrecken, während ganze Herden in einem geschäftigen Treiben ihre Besitzer wechselten. Das war ein unvergessliches Schauspiel, das uns als Kinder in seinen Bann zog.

    Die Arrosticini die wir uns gönnten, waren ein kulinarisches Highlight. Während die Fleischspieße direkt vor unseren Augen auf dem Grill brutzelten, umhüllte uns der verführerische Duft und ließ uns das Wasser im Mund zusammenlaufen. Wir setzten uns auf eine einfache Bierzeltgarnitur im Freien, umgeben von anderen Genussmenschen, die alle dasselbe Ziel hatten: das Leben in vollen Zügen zu genießen. In diesem Moment fühlten wir uns wie Teil einer großen Grillfamilie. Gelächter und Geschichten vermischten sich mit dem Aroma des gegrillten Fleisches, während wir uns austauschten und lachten.

    Als die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand und der Himmel in warmen Farben erstrahlte, erfüllte uns eine Welle der Zufriedenheit. Es war nicht nur das köstliche Essen oder der Wein – es war das Gefühl von Freiheit und Gemeinschaft, das uns umhüllte. Wir beschlossen, die Nacht unter dem Sternenhimmel zu verbringen, auch wenn das offiziell nicht erlaubt war. In dieser unberührten Natur wollten wir die Magie des Moments festhalten.

    Wenn ihr euch fragt, wo genau dieses Grillparadies liegt, folgt einfach der Straße in Richtung Castel del Monte. Nach ein paar Kilometern werdet ihr die Holzhütte entdecken. Lasst euch nicht von der holprigen Straße abschrecken; jeder Kilometer bringt euch näher zu einem Ort, der das Herz berührt. Bereitet euch darauf vor, das Feuer zu entfachen und die pure Dolce Vita zu erleben – es wird ein Erlebnis, das in unserer Seele nachklingen wird.
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  • Erdbeben und sehr schöne Natur

    7 июля 2017 г., Италия ⋅ ☁️ 26 °C

    An diesem Tag waren wir voller Vorfreude, die malerischen Abruzzen nicht zu Fuß, sondern mit dem Fahrrad zu erkunden. Der Monte Mezzo, majestätisch mit seinen 2.153 Metern, thront über dem Lago di Campotosto. Bei der Recherche zu dieser beeindruckenden Region entdeckte ich einen Fahrradverleih im charmanten Dorf Campotosto, das mit einer verlockenden Tour um den glitzernden See warb.

    Die Anfahrt war bereits ein Erlebnis für sich. Sanfte Hügel, dichte Wälder und enge Schluchten zogen an uns vorbei, als wir mit dem Auto durch diese idyllische Landschaft fuhren. Und dann, der erste Blick auf den See: ein atemberaubendes Blau, das im Licht der Sonne schimmerte. Kaum zu glauben, dass hier einst großflächig Torf abgebaut wurde. In den 1930er Jahren wurde dieser Ort geflutet und verwandelt sich in einen weitläufigen Stausee, der heute Teil des Nationalparks Gran Sasso e Monti della Laga ist.

    Die Gedanken an eine mögliche Besteigung des Monte di Mezzo schwirrten in unseren Köpfen. Die Aussicht von dort oben versprach, spektakulär zu sein, doch wir entschieden uns, die Gipfelstürmung auf einen anderen Tag zu verschieben. Heute sollte die Radtour im Vordergrund stehen.

    Auf der Weiterfahrt um den See amüsierten wir uns über die italienischen Camper, die das Wochenende einläuteten. Wildes Campen am Straßenrand wirkte sonderbar, besonders angesichts der vielen herrlichen, abgeschiedenen Plätze in den Abruzzen. Wieso zelteten sie hier, direkt an der vielbefahrenen Straße?

    Je weiter wir fuhren, desto mehr Zweifel nagten an uns. Die belebte Straße und der ungestüme Fahrstil der Italiener schürten unsere Bedenken. War das wirklich die beste Idee, hier mit dem Fahrrad den See zu umrunden?

    Als wir schließlich die Uferstraße verließen und den Berg hinauf nach Campotosto fuhren, entdeckten wir ein idyllisches Dorf, das scheinbar in der Zeit stehen geblieben war. Doch nach der nächsten Kurve erstarrte uns der Atem. Die Zerstörung eines Erdbebens war allgegenwärtig, und der Ort wirkte wie ein Schatten seiner selbst.

    Der verlassene Ortskern, die zerfallene Schule – all das hinterließ einen bleibenden Eindruck. Hier lebten nur noch einige alte Menschen, die trotz der Zerstörung nicht bereit waren, ihre Heimat aufzugeben. Ein kleiner Verkaufscontainer bot das Nötigste, aber die Atmosphäre war von Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit geprägt.

    Die Polizei kam vorbei, eine Erinnerung an die Gefahren, die hier lauerten. Was konnte man hier noch finden, ohne sich in Lebensgefahr zu bringen? Der Fahrradverleih, den wir anvisiert hatten, existierte nicht mehr, und mit ihm schwand auch unsere Lust auf die geplante Tour.

    Auf dem Rückweg hielten wir in einem kleinen, familiär geführten Restaurant an. Es gab keine Speisekarte, sondern die Tochter des Hauses erzählte uns von den köstlichen regionalen Spezialitäten, darunter frisch gefangener Fisch aus dem See. Während wir diese Leckerbissen genossen, blickten wir auf die untergehende Sonne über dem Lago di Campotosto. Es war ein Moment der Ruhe und des Nachdenkens, der uns half, die Eindrücke des Tages zu verarbeiten, bevor wir schließlich die Rückfahrt nach Sankt Steffano antraten.

    Der Tag hatte uns gelehrt, dass hinter der Schönheit der Natur oft auch Traurigkeit und Verlust verborgen sind – und dass es manchmal wichtiger ist, innezuhalten und zu reflektieren, als den geplanten Weg zu verfolgen.
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  • Mit Regenschirm einen Berg ersteigen

    8 июля 2017 г., Италия ⋅ ⛅ 25 °C

    Regenschirm und Sonnenschein

    Nach unserem gestrigen Abenteuer wollten wir heute das Hochplateau des Campo Imperatore weiter entdecken. Der strahlende Sonnenschein versprach eine grandiose Fernsicht vom Monte Camicia (2.564 m).

    Wir fuhren von Santo Stefano durch das faszinierende „kleine Tibet“ der Abruzzen. Der Campo Imperatore erstreckt sich über 25 Kilometer und bietet eine beeindruckende Kulisse. Auf dem Weg nach oben sahen wir links das majestätische Gran Sasso Massiv mit seinem Corno Grande, das stolz über die zerklüfteten Felsen wacht. Der Campo ist von diesem imposanten Gebirgszug umrahmt, und unser Ziel, der Monte Camicia, war die höchste Erhebung, abseits von Gran Sasso, dieser Kette. Wir parkten am Refugio Fonte Vatica, wo viele abenteuerlustige Camper ihre Zelte aufgeschlagen hatten.

    Der Anstieg war steil und fordernd, aber dennoch gut zu bewältigen. Manchmal halfen meine Hände, um die Felsen zu überwinden, und der Weg war nicht immer eindeutig markiert. Immer wieder schaute ich zurück und staunte, wie hoch wir schon geklettert waren. Wir schnauften ordentlich und gönnten uns die eine oder andere Pause. Die Sonne brannte mittlerweile gnadenlos auf uns herab, und überall waren andere Wanderer, vor allem Italiener, unterwegs.

    Schließlich erreichten wir einen malerischen Platz, der perfekt für eine längere Rast war: flach, grün und mit einladenden Felsen zum Sitzen. Die Natur hatte hier einen herrlichen Picknickplatz geschaffen. Ein amüsanter Anblick bot sich uns: die italienischen Wanderer schützten sich mit bunten Regenschirmen vor der Sonne, während sie gemeinsam ihre Leckereien teilten und die Aussicht genossen. Mit einem Regenschirm in der Hand einen Berg zu erklimmen, ist schon eine besondere Eigenart! Viele von ihnen hatten nicht unbedingt das Gipfelziel im Sinn, sondern genossen einfach das Bergwandern. Wir atmeten tief durch, tranken Wasser und setzten unseren Weg zum Gipfel fort.

    Endlich oben angekommen, wurden wir mit einer atemberaubenden Fernsicht belohnt. Wir blickten nicht nur tief ins Tal, sondern konnten auch die Adria in der Ferne erblicken. Mir blieb fast die Sprache weg.

    Es reicht, bis zum Kamm auf etwa 2.470 m zu wandern. Wer höher hinauswill, sollte die Gefahren nicht unterschätzen, die besonders beim Abstieg lauern. Hier ist es wichtig, die Markierungen genau zu beachten und den festgetretenen Weg nicht zu verlassen. Auf losen Geröllflächen kann man schnell den Halt verlieren. Mehrmals hielten wir den Atem an, als Wanderer auf dem Geröll ins Rutschen gerieten. Doch die Hilfsbereitschaft unter den Bergfreunden war bemerkenswert, und die kleinen Blessuren konnten schnell vor Ort behandelt werden. Eine beruhigende Erfahrung.

    Der Abstieg erwies sich als langwierig und herausfordernd. An Stellen, wo ich vorher meine Hände zur Hilfe genommen hatte, musste ich mich mehrmals auf den Hosenboden setzen und mich Zentimeter für Zentimeter nach unten arbeiten. Daher kamen wir viel später als geplant am Fuße des Berges an. Der Hunger war riesig, und wir machten uns sofort zur Grillhütte auf, wo die Arrosticcinis auf uns warteten.

    Der Monte Camicia ist durch einen Höhenkamm mit dem Monte Tremoggia verbunden. Es lohnt sich auf jeden Fall, den Monte Tremoggia zu besteigen und dann über den Höhenzug zum Monte Camicia zu wandern. Die Aussicht dort stelle ich mir bei klarem Wetter als phänomenal vor: rechts die Adria, links die beeindruckende Kulisse des Campo Imperatore. Fazit: Ich muss unbedingt noch einmal dorthin!
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  • Unendlich weiter Weg nach Santo Stefano

    10 июля 2017 г., Италия ⋅ ⛅ 25 °C

    Die Wanderung vom Campo Imperatore nach San Stefano

    Heute brachen wir auf, um die majestätische Hochebene Campo Imperatore zu erkunden. Vor uns erstreckte sich mit annähernd 30 Kilometern Länge und fast 8 Kilometern Breite die größte Hochebene Europas – ein Anblick, der uns sofort in seinen Bann zog. Diese Weite, die an die Kulissen monumentaler Westernfilme erinnerte, ließ uns staunen. Kein Baum, kein Strauch störte den Blick auf die endlose Landschaft, durch die riesige Herden von Schafen, Rindern und Pferden zogen.

    Die Tierherden hatten zahlreiche Trampelpfade hinterlassen, die sich zwischen trockenen Wasserläufen schlängelten – ein Mosaik aus Natur und Tierleben. Auf einem dieser Pfade machten wir uns auf den Weg zurück nach Santo Stefano, unser Auto ließen wir oben stehen, mit der festen Absicht, es morgen wieder abzuholen.

    Der Weg führte uns durch einsame Hügel, Weiden und sanfte Hänge, und das Gefühl, in einer Wild-West-Welt zu wandern, war überwältigend. Es war leicht nachzuvollziehen, warum hier die berühmten italienischen Western gedreht wurden. Doch die Wanderung war nicht ohne Herausforderungen: Der Weg war kaum markiert und viel länger als wir gedacht hatten. Gute Orientierung war unerlässlich, und ein gewisses Maß an Mut, um mit der großen Tierwelt umzugehen.

    Menschen begegneten wir keine, doch ein Wolf begleitete uns eine Zeit lang aus der Ferne. Er hielt Abstand, während wir in einer weiten Schlucht wanderten, und sein Rudel blieb verborgen. Irgendwann war er verschwunden, vielleicht war er nur die Vorhut, der uns das Wesen dieser unberührten Natur näherbringen wollte.

    Die Abschnitte, die wir durchquerten, waren abenteuerlich und eindrucksvoll. Trotz der unerwarteten Länge des Weges und der Dunkelheit, die uns bei der Rückkehr in unsere Ferienwohnung umhüllte, war der Tag ein voller Erfolg. Die Frage, wie wir unser Auto zurückbekommen würden, verdrängten wir vorerst. Klar war nur, dass eine Rückwanderung in die entgegengesetzte Richtung für uns nicht in Frage kam.

    Die Umgebung des Campo Imperatore birgt auch Geschichten vergangener Tage. Verlassene Hotels und alte Filmkulissen zeugen von einer vergangenen Zeit . Diese melancholischen Gebäude, sind ein beliebtes Ziel für Fotografen und Abenteurer, die die Spuren der italienischen Westernfilme aus den 1960er Jahren erkunden möchten. Die Kulissen, die einst die Leinwand zierten, sind noch immer zu finden und bieten einen einzigartigen Einblick in die Filmgeschichte.

    Diese Wanderung vereinigt die Herausforderungen der Natur mit der Faszination für die Geschichte der Region und bleibt als herausragendes Erlebnis in Erinnerung.
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  • Mit einem einheimischen Unterwegs

    11 июля 2017 г., Италия ⋅ ⛅ 26 °C

    Wir hatten den Plan gefasst, mit dem Bus zu unserem Auto zu fahren, doch als wir am Haltepunkt ankamen, mussten wir feststellen, dass kein Bus in Sicht war. Ein wenig frustriert überlegten wir, erneut die Wanderung zu Fuß anzutreten. Doch das Schicksal hatte andere Pläne für uns.

    Plötzlich tauchte ein älterer Mann in einem Jeep auf. Wir entschieden uns, ihn zu fragen, ob er uns den besten Weg zum Campo Imperatore zeigen könnte. Zu unserer Freude bot er an, uns dorthin zu fahren. Obwohl wir schon mehrmals diesen Weg entlanggefahren waren, erlebten wir die Jeep-Fahrt heute auf eine völlig neue Weise. Unser Chauffeur, ein wahres Berg-Urgestein, teilte mit uns sein beeindruckendes Wissen über die schroffen Gipfel, die vielfältigen Pflanzen und die wildlebenden Tiere dieser Region. Was er uns erzählte, war weit mehr als das, was in Reiseführern zu finden ist. Er ist der stolze Inhaber der „Locanda Del Palazzo“, einem Restaurant, das in einem liebevoll umgebauten Kuhstall untergebracht ist. Dort erwartet die Gäste eine köstliche, familiäre Atmosphäre.

    Während der Fahrt zeigte er uns die Nester der majestätischen Adler und die Plätze, an denen man die eindrucksvollen Geier beobachten kann. Er sprach von den vielen Herden, die die Wiesen beleben, von den Hirten, die sie begleiten, und von den wild lebenden Pferden und Kühen, die in dieser unberührten Natur ihren Platz haben. Es lohnt sich, ihn privat zu buchen – seine Geschichten sind ein Erlebnis für sich.

    Nach einer kurzen Pause an unserem Auto machten wir uns schließlich auf den Weg, um den Grat der Cresta della Portella entlangzuwandern. Der Pfad windet sich teils entlang des Campo Imperatore und teils zum Campo Pericoli hin. Auf dem felsigen Weg waren die Spuren des Winters mit seinen Schneemassen und Lawinen deutlich sichtbar. Gutes Schuhwerk war daher unerlässlich, und wir waren dankbar, dass wir unsere Trekkingstöcke für die Wanderungen durch die Abruzzen mitgenommen hatten.

    Hinter jeder Biegung eröffnete sich uns ein neuer, atemberaubender Blick auf eine bisher unbekannte Bergwelt. Die Stille, die uns umgab, war so tief und rein, dass sie fast surreal erschien – ein kostbares Gut, das man sich in der heutigen Zeit kaum noch vorstellen kann.
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  • Castel de Monte

    12 июля 2017 г., Италия ⋅ ⛅ 27 °C

    Filmkulisse für den US-Klassiker mit George Clooney „Der Amerikaner“. Es empfiehlt sich unbedingt, einen Ruhetag in Castel del Monte einzulegen. Wenn man dazu das Glück hat, dass dieser auf einen Samstag fällt, erlebt man auch den Markt mit seinen Spezialitäten wie Wein, Salami und Schinken aus heimischer Produktion. Die Frauen besuchen die Kirche, die Männer treffen sich am Hauptplatz zum Plausch. Vom Ort geht eine unglaubliche Magie aus. Die wenigen Touristen fallen nicht auf, keine Plakate, keine neuen, modernen Gebäude, keine Satellitenanlagen und Antennen, kaum Autos.

    Die beeindruckende Architektur von Castel del Monte, insbesondere die gleichmäßige achteckige Form des berühmten Schlosses, zeugt von einer faszinierenden Geschichte, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Dieses Unesco-Weltkulturerbe ist nicht nur architektonisch einzigartig, sondern auch ein Symbol für die Verschmelzung von verschiedenen kulturellen Einflüssen, die die Region geprägt haben.

    Ein weiterer interessanter Aspekt ist die umgebende Natur. Die sanften Hügel und das klare Licht ziehen nicht nur Touristen an, sondern auch Künstler und Fotografen, die die malerischen Landschaften festhalten wollen. Die Region ist bekannt für ihre vielfältige Flora und Fauna, die Wanderer und Naturliebhaber begeistert.

    Jedes Jahr zogen Zehntausende von Tieren mit ihren Hirten von hier aus in die Ebenen Apuliens auf die Winterweiden, was die lebendige Verbindung zur Natur unterstreicht. Diese Tradition wird oft in lokalen Festen gefeiert, die die Gemeinschaft zusammenbringen und den Besuchern die Möglichkeit bieten, authentische kulturelle Erlebnisse zu genießen. Castel del Monte ist somit nicht nur ein Ort der Ruhe, sondern auch ein lebendiger Raum, der Geschichten erzählt und Erinnerungen schafft.
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  • Bärenjagt

    14 июля 2017 г., Италия ⋅ ⛅ 23 °C

    Wir haben keine Angst.....

    Es war ein unvergessliches Erlebnis, als ich die geführte Tour auf den Spuren der Bären in Pescasseroli antrat. Die Wanderung begann in der Dämmerung, als die letzten Sonnenstrahlen hinter den majestätischen Bergen verschwanden und der Himmel in sanften, orangefarbenen und lila Tönen erstrahlte. Der Wildhüter, ein erfahrener Ranger mit einem tiefen Verständnis für die Natur, führte uns durch die unberührten Wälder des Nationalparks.

    Die Luft war frisch und kühl, und das Zwitschern der Vögel wurde allmählich von den Geräuschen der nachtaktiven Tiere abgelöst. Der Ranger erklärte uns, wie wichtig es ist, die Spuren der Bären zu erkennen. Er zeigte uns Fußabdrücke im weichen Boden, die uns mit einem Schaudern erfüllten, als wir uns vorstellten, wie nah wir den majestätischen Tieren waren. Seine Geschichten über die Bären, ihre Lebensweise und ihre Rolle im Ökosystem waren faszinierend und schufen eine Verbindung zur Natur, die uns alle in ihren Bann zog.

    Besonders eindrucksvoll war der Rückweg den Berg hinunter. Mit nur einer Taschenlampe in der Hand, die den schmalen Pfad vor uns beleuchtete, schien die Dunkelheit um uns herum fast greifbar. Die Schatten der Bäume tanzten im schwachen Licht, und jeder Schritt war ein Abenteuer. Das Knacken von Ästen und das Rascheln von Blättern um uns herum ließen uns noch mehr in die mystische Atmosphäre eintauchen. Der Ranger bat uns, still zu sein, damit wir die Geräusche der Nacht besser wahrnehmen konnten. In diesen Momenten fühlte ich mich eins mit der Natur, und das Herz klopfte mir bis zum Hals. Plötzlich hörten wir ein entferntes Geräusch – vielleicht das Rufen eines Käuzchens oder das Rascheln eines Tieres im Unterholz. Unsere Fantasie ließ uns an die Bären denken, die möglicherweise in der Nähe waren, verborgen in der Dunkelheit.

    Als wir schließlich wieder sicher im Dorf ankamen, war ich erfüllt von einem Gefühl der Ehrfurcht und Dankbarkeit. Diese Tour hatte nicht nur meine Kenntnisse über die Tierwelt erweitert, sondern auch meine Verbindung zur Natur vertieft. Die Dämmerung und die Dunkelheit hatten das Erlebnis zu etwas Magischem gemacht, und ich wusste, dass ich diesen Ort und die Erinnerungen, die ich dort gesammelt hatte, nie vergessen würde. In Zukunft wird Pescasseroli definitiv ein fester Bestandteil meiner Reisepläne sein, denn die Schönheit dieser Region und die Möglichkeit, die Wildnis hautnah zu erleben, bleiben unvergessen.
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  • Окончание поездки
    16 июля 2017 г.