Kattegatleden… und abgebogen
July 23 in Sweden ⋅ ☀️ 20 °C
Eine Flixbusfahrt und vier Rad-Tage bin ich jetzt unterwegs. Und musste das gerade an Kalendertagen abzählen, so weit rausgefahren aus dem Alltag bin ich schon. Wundervoll, einen ganzen Monat Zeit zu haben.
Nach vier Nächten ‚halbwild‘ auf Biwakplätzen an der Küste oder kleinen Seen bin ich gestern wieder für eine Nacht in der Zivilisation eingekehrt . Also die Zivilisation namens Campingplatz 🤣. Hier passt es dann auch, was mir tagsüber so durch den Kopf geht noch ins Handy zu tippen. Nicht nur, weil es Steckdosen fürs Phone laden gibt. ‚Da draussen‘ hab ich oft das Gefühl, ich hänge gerade selbst an der Ladestation - und der Flow ist zu gut, um auf einen anderen Bildschirm als den Sonnenuntergang zu gucken.
Ansonsten ist hier bis auf die erste starkverregnete Nacht gerade Astrid Lindgrens Kindersommerwetter - Sonnenschein und frische kühle Brise. Die Brise natürlich von vorn. Trotz der vorherrschenden Windrichtung hatte ich vor der Reise keinen Gedanken daran verschwendet, dass die Tour auch andersrum möglich wäre, von Norden gen Heimat. Irgendwie gehört wegfahren doch zum Freiheitsgefühl dazu, nicht zurückfahren. Die Theorie des immer weiter, bevor es Mitte August in Bergen auf die Fähre geht. Vermutlich jedenfalls 😎
Die meisten Radelnden kommen mir entgegen (und dass ich nicht/selten überholt werde, kann wirklich nicht an hohem Tempo liegen). Also kann ich oft grüßen und schau immer in fröhlich zurückgrüßende Gesichter.
Der EV 12 verläuft bis Göteborg auf dem prima ausgeschilderten völlig familientauglichen schwedischen Fernreiseweg Nr. 1, dem Kattegattleden. Als ‚Fahrradautobahn’ - das fragte mich ein Schweitzer Paar heute - habe ich ihn aber überhaupt nicht empfunden, eher als relaxed. Super zum Einfahren.
Apropos relaxed und familientauglich zolle ich immer wieder großen Respekt vor Radreisenden, die zusätzliches Sperrgepäck wie Musikinstrumente, Sportgerät oder Kinder mit dabei haben. Interessanterweise kommen gefühlt alle Familien mit Kleinkindern und Zelt, die mir hier und anderswo begegnet sind, aus
a) den Niederlanden
b) Frankreich
c) Tschechien.
Kleine Quizfrage 🙃
So, Sönnchen scheint, Wäsche ist trocken und die Zivilisation will wieder verlassen werden…Read more
Knäckebrot im Zelt
July 25 in Sweden ⋅ 🌧 16 °C
Das sollte man natürlich auf gar keinen Fall machen. Und wenn doch, bitte nicht jammern, wenn es nachts piekst und es sind gar keine Mücken im Zelt. Ich hatte vorhin schon Pellkartoffeln mit Sill, nur halt zu wenig, in der Mini-Küche dieses liebenswert abgewohnten kleinen Hutzel-Campingplatzes, auf den ich geflüchtet bin, als aus dem Ganztagsniesel doch richtiger Regen wurde. Der ältere Betreiber spricht nicht wirklich Englisch, aber hat mir aufmunternd auf den Rücken geklopft, als ich so triefend dastand und zweifelnd auf die leere Wiese neben den sechs kleinen (belegten) Hütten schaute. Mittlerweile steht noch ein zweites Zelt, allerdings mit PKW anbei.
Jedenfalls hat Knäckebrot eh ein viel zu grosses Packmaß, um weiter durch die Gegend gefahren zu werden.
Es pläddert aber auch so richtig laut gerade. Gut, dass ich mit meinem neuen Zelt, Bella (so heisst es Herstellerseits, noch kein Kosename von mir), unterwegs bin, wo mein heißgeliebtes Hubba Hubba, das mir ein treuerer Begleiter war als die, die mit dringelegen haben 🤣🤣, in den Ecken nun doch ein bisschen altersundicht wurde. Mal schaun, wie Ella sich in dieser Regennacht hält.
Seit Göteborg (✌️) ist die Streckenführung* etwas durchwachsen. Viel straßenbegleitender Radweg an recht befahrenen Straßen, oder an Bahnlinien lang (grad aber Schienenersatzverkehr, so dass die Alternative selbst ein bisschen Bahn zu fahren ausfiel. Da fühle ich mich doch fast wie zu Hause…) oder auch das Ganze ohne Radweg mit reichlich Verkehr. Nicht mehr so hyggelig, dafür schon ziemlich hügelig.
Dazwischen immer wieder Passagen kräftiger nordischer Landschaft, die all das wäähm wäähm wäähm neben einem wieder wett machen. Selbst mit grauem Himmel. Und dann leuchtend dunkelpink die schönsten Himbeeren an der doofsten Strasse. Und beim ersten richtig fetten Schauer in einem Dörfchen mitten in der Pampa ein kleiner feiner Outdoorladen, wo ich auch fürs ‚nur vorm Regen flüchten‘ willkommen war. Und den ich mit einer super Merinoleggins wieder verlassen habe 🙈
Am Ende des Tages ist es dann ‚Lagom‘, wie die Schweden sagen. Der Regen, die Buxe, der Hering und das Knäckebrot - weder zu viel, noch zu wenig. Genau richtig.
Morgen früh um fünf soll übrigens wieder die Sonne scheinen, meint die Wetter-App ☀️
* ich fahre die alte Variante des Nordseeküstenradwegs über Tjörn, Orust… Schweden plant gerade (schon länger) einen neuen Radweg, der etwas küstenferner verlaufen wird.Read more

TravelerWir machten übrigens vor einigen Jahren bei Starkwind und -regen extrem gute Erfahrungen mit dem Schienenersatzverkehr (eigener Fahrradständer unten im Bus) in Schweden. Kostete nicht mal was, weil wir ja nichts dafür konnten, dass die Bahn nicht fuhr, schwedischer Service war die Verlautbarung des Busfahrers.
Mit den Vögeln aus den Federn
July 27 in Sweden ⋅ ⛅ 18 °C
Die Vögel sind natürlich drin geblieben in ihren Federn - aber wachtgezwitschert haben sie mich heute früh um fünf (!) in meiner Holzlodge mit Terrasse und Kochinsel gleich am Naturschutzgebiet. Gänse machen schon eine Menge Krach beim Formationsflug - mehr noch als der Specht beim Hämmern, dessen Schicht dann gegen halbsieben begann. Neugierig beäugt beim Zusammenpacken hat mich derweil ein kleines Rotkehlchen, das zwischendurch sogar für bessere Aussicht auf das Geschehen den Sitzplatz gewechselt hat.
Es gibt Reiseradelnde, die morgens Matte rollen, Zelt packen und weg - manche sind abends genauso fix in ihrer Einmanntüte verschwunden, als wären sie Graf Dracula und das Tageslicht droht. Ich selbst kann locker zwei Stunden rumtrödeln beim Auf- wie Abbau - noch ein paar Beeren sammeln fürs Frühstück, was nachschlagen, umsortieren, zweite Tasse Kaffee… zum Glück habe ich niemanden dabei, dem das auf den Keks gehen könnte.
Der Sonntag war trocken, richtiges Ausflugswetter. Also gegen den Rat aus meinem privaten Expertinnen-Kreis 🇸🇪🇳🇴Besuch des Wild-Reservats Nordens Ark am Vormittag. In locker der Hälfte der riesigen Gehege waren die Bewohner nicht zu entdecken, nur nordische Flora und Gehölz, und irgendwie freut man sich ja darüber (die Eltern enttäuscht quengelnder Kinder vielleicht etwas weniger), weil hier keine Großkatzen mit Hospitalismus hin und her tigern. Wie war das: ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe, und zwischen tausend Stäben keine Welt… dann lieber keine Erdmännchen heute.
Who knows, vielleicht gibt es diese andere Hälfte der angepriesenen Wildtier-Rassen dort auch gar nicht, sondern nur ein gutes Marketingkonzept und sehr viele freundliche Volunteers 😜. Und Mehrfachbesucher, denen das irgendwann auffällt, werden an den Tiger verfüttert… (einen hab ich gesehen, wirkte wohlgenährt).
Fröhlich ging‘‘s weiter nördlich, in Wellen und Kurven durch Wälder und Küstenorte. In Hamburgsund musste ich natürlich einen Stopp machen, auch wenn der Name mit dem ‚richtigen‘ Hamburg so wenig zu tun hat wie beides mit den Fleischklopsen. Für meinen Urlaubsgeschmack bisschen zu Sylt-schicki in Hamburgsund und der dazugehörigen Insel Hamburgö. Vielleicht lag‘s am Sonntag. Ortsschild hätte ich trotzdem gern geklaut.
Dort auf ner Bank mit nem Eis in der Hand und Blick in den kleinen Reiseführer bemerkte ich mit Schrecken und Freude, dass es nur noch max. 60 km bis Strömstad waren, von wo ich nach Norwegen übersetze. Was für ein plötzliches Ende des Schweden-Parts! Das wäre früher mit der Falk Karte nur passiert, wenn man sie falsch gefaltet hätte.
Das hier schreibe ich drum auch schon von der Fähre, bis gerade Polstersessel, jetzt Laderaum. Die zweieinhalbstündige Überfahrt kostet umgerechnet gerade mal zwölf Euro - sechs für mich, sechs fürs Rad. Ob das schwedischerseits subventioniert wird für den Einkaufstourismus? Palettenweise Bier, aber auch Softdrinks bekannter amerikanischer Marken werden hier von den Mitreisenden in ihre Campervans verfrachtet.
Bevor sich die wilden Theorien mehr als die wilden Tiere zeigen, schreib ich mein kleines Schweden-Fazit vielleicht besser beim nächsten Mal und lass mich jetzt ins unbekannte Land spucken 😎 Ha det!Read more
Kein Zuckerschlecken (und wenn doch, mit Zimt)
July 30 in Norway ⋅ ☁️ 20 °C
Ich sitze auf dem Bett meines Minizimmers im ‚Sportell Kragerø‘, quer durch den Raum baumelt die Wäsche. Freue mich (ein bisschen), dass es wie angesagt gewittert, und genieße den unschätzbaren Luxus einer eigenen Steckdose. Früher waren die Sorgen beim Wildzelten vermutlich breiter gestreut (Trinkwasser, Krabbeltiere, Unwetter…), heute sind sich alle einig: Wie krieg ich wo mein Handy geladen?!
Nachdem der Vormittag mit den anstrengendsten vier Kilometern meines Lebens geschafft ist (mit dem Fahrrad zum Teil Huckepack, Gepäck in Schüben hinterher - in mir sprudeln immer noch Rest-Endorphine, obwohl schon gegessen, geduscht und Wäsche gewaschen), habe ich mir Frotteehandtücher und Beine hoch redlich verdient. Egal wie die Bude hier ins Budget geht, in diesem Land, wo auch halbe Gurken verkauft werden, und eine ganze umgerechnet drei Euro kostet (sind allerdings äußerst lecker, die norwegischen Gurken. Oder das ist so’n Austern-Phänomen).
Auch abgesehen von meinem kleinen Abstecher in den Wald kann ich nach zwei Tagen Norwegen konstatieren: Die ‚Kystruta’ ist hier wieder super ausgeschildert, aber radfahrtechnisch überhaupt nicht mehr so easy peasy wie im Nachbarland. Der Kollege, der im Nordseeküsten-Radführer anmerkt ‚fünf Gänge sollten es mindestens sein‘, den möchte ich hier mal mit ner Fünfgang-Schaltung fahren sehn. Ich hab meine 14 Rohloff-Gänge jedenfalls vom ersten bis zum letzten Gang schwitzend und dahinfliegend volle Möhre ausgefahren und war froh um jeden einzelnen.
Ach ja, Zimtzucker: Irgendwie fremdele ich immer kurz, wenn ich ein neues Land bereise. Weiss gar nicht, woher das kommt. Meist vergeht es mit der ersten netten Begegnung - und kurioserweise mit einem ausführlichen Besuch in einem Supermarkt. Part 1 hat gleich meine AirBnB-Wirtin in Sandefjord übernommen, assistiert von ihren beiden frechen Hausenten. Und nachdem ich im ‚REMA 1000’ neben anderen mir noch unbekannten Leckereien und Merkwürdigkeiten mit ‚Lefser’ die perfekte Kalorienbombe für die Lenkertasche gefunden hatte, ein Stückchen ‚Brunost’ im Gepäck und das erste Softis auf der Hand, da war mir klar - verhungern werd ich nicht. Höchstens die Zuladegrenze irgendwann überschreiten 😂😂😂
Kommt und lauscht dem Gesang,
während wir dem Tag entgegenstreben!
Hört, die Qualle stimmt ihre Saiten.
Voller Hoffnung erklingt der Ton eines Fischschwarms:
Dieser Tag könnte unser bester Tag werden.
(Dünne Fladen aus Kartoffel-Mehl-Butterteig mit Zimtzucker - wie toll müssen die frisch schmecken! / Brauner süßer Molkenkäse - bin noch nicht sicher ob ich Fan werde.)Read more
Guten Morgen aus bei Grimstad!
August 2 in Norway ⋅ ⛅ 13 °C
Es ist Sonntagmorgen und um mein Zelt scharwenzeln ein paar Austernfischer herum, Die singen ja auch ganz schön… Nur fotografieren lassen wollen sie sich nicht. Und Ärger will man mit denen keinen haben, bei solch imposanten Schnäbeln…
Bin auf einem Campingplatz eingekehrt, so einem schönen kleinen ollen, direkt an der Bucht. Schwieriger zu finden als ne Perle in der Auster.
Gestern stand ich bei einem Bauernhof - eher so ein ‚Aussteiger-Projekt‘, Hühner, fünf Schafe und ein gerettetes Hausschwein… und eine mit dem Leben ihres Traums doch überforderte relativ verstrahlte Besitzerin. Neben den Tieren gab es auch ein SUP, ein Ruderboot und Kajaks zum Ausleihen. Ich habe die erste Kajakrunde meines Lebens gemacht und fand es prima - kann ich mir auch als Urlaub vorstellen, dann aber eher nicht allein. Das hölzerne Ruderboot habe ich ebenfalls angetestet, aber die Koordination beider Arme respektive Ruder war nicht so meins 🙈
Gleich wird eingepackt und dann geht’s los.
Nur noch 60 km bis Kristiansand.
Am WE sind viele norwegische Rennradfahrer unterwegs, das ist sehr nett für einen Schnack am Supermarkt, wo andere Reiseradler sich hier eher dünne machen. Malmö-Oslo ist beliebt, und zum Nordkap geht‘s wo anders lang.
Und hey, hier sind sie wieder bunte Tupfer in der Landschaft, die Rennradler…
Wann ist das bei uns eigentlich passiert, dass Fahrradkleidung so unbunt zu sein hat? Kam das mit den Gravel-Bikes? Der modische Biker trägt braun mit schwarzer Buxe. Selbst alle anderen Farben sind braun - ‚aubergine‘ oder ‚dark forest‘. Höchstens ein abgesetztes Ärmelbündchen in rosé oder off-white. Klar kann man sich so in Rad-Klamotte einfach ins Gebüsch werfen und ward nicht mehr gesehen. Das funktioniert mit einem knallgelben Trikot höchstens im Rapsfeld, und für Telekom-Magenta hab ich gar keine Idee. Bei den meisten Touren wird es aber doch eher Ton in Ton zum abschließenden Latte Macchiato in der Coffee-Bar sein als für den Overnighter im Tarp.
Und jetzt such ich mal meine Rapha-Armlinge in Fuchsia. Nur ein Hauch von Braun, alte Kollektion 😂😂😂Read more
Dem Regen entgegen…
August 4 in Norway ⋅ 🌧 17 °C
… reimt sich besser als ‚der Sonne entgegen‘, aber erstrebenswert ist es nicht. Also: Bloß nicht erwischen lassen!
Grad bin ich mit dem ersten Donnergrollen in die Straße meines AirBnB eingebogen. Als ich die zweite Radtasche reinholen wollte, kübelte es dann schon runter.
So gesehen ein perfekter Ride nach Jørpeland, und Wolken stehen der Landschaft ja auch prima.
Gestern saß ich in der Bahn, Kristiansand-Stavanger weggepfuscht, fiese Höhenmeter ausgelassen, ungezählte Tunnel gequert…
… und heute war ich froh, nach den zwei Stadt-Tagen wieder unterwegs zu sein. So wundersam ruhig war es
- der wirkliche ‚Ruhetag’ - windstill und sogar fast vogelstill, als hätte das dicke Moos auf dem Gefels am Wegesrand alles in sich aufgesaugt. Schön, viel schöner!
Trotzdem ein paar Stadtfotos anbei. Stavanger hat viel Street-Art, da gehe ich ja gern auf die Jagd…
Keep your fingers crossed, dass ich in keinem Tief lande 🌧️
Preikestolen wird ausgelassen. Zuviel AIDA, und zu viel Gewitter 🙃Read more
The first hill is the steepest…
August 8 in Norway ⋅ 🌧 14 °C
Vor so ziemlich jedem Supermarkt hier steht (mindestens) ein hölzerner Picknicktisch. Der eignet sich gut, um seinen Reiserad-Trecker für die Zeit des Einkaufs daneben zu parken, damit der nicht mit der nächsten Böe gegen den nächsten Tesla kippt. Und natürlich, um eine bäckerfrische Skolebolle zu essen. Es ist der Platz, wo man schon mal vorsichtig angequatscht wird, woher, wohin, allein? Von älteren Herren meist, vermutlich haben die am meisten Zeit 🙃 Und immer kommt hier ein bejahendes Funkeln in den Augen zurück, nie (!) die übliche alleinealsFrau-Nachfrage. Das Glück mit sich selbst zu sein scheint der norwegischen Mentalität nahe zu liegen.
Alleine unterwegs zu sein schafft so weite Gefühlsräume. Weil man nicht so viel Denken muss.
Gleichmut zum Beispiel, wenn man nicht mehr hadert mit den Steigungen, bis auf die allerersten Gutenmorgenmeter vielleicht, sondern sie einfach annimmt und Tritt für Tritt weiter hochkurbelt.
Dann Hochgefühl, dieses erhabene, dankbare, leicht beschwippste Glück ohne Verstand. Wenn man auf frisch ausgebauter Straße durch die Baumkronen rauscht, nicht bremsen muss sondern noch ein bisschen mittreten kann im größten Gang, die Luft streift wie ein Riesen-Seidenlaken über die Haut…
Oder im Stehen pinkeln - ganz neues Hochgefühl für mich! Jetzt versteh ich euch Kerle endlich… das ist natürlich hehrer als sich irgendwo ins Gebüsch zu schlagen und seine intimen Bereiche der örtlichen Flora und Fauna preiszugeben.
Jahrzehntelang war ich die, die bei den beiden Rädern stand und eventuellen PassantInnen diskret zulächelte, während es gar nicht so weit im Hintergrund fröhlich plätscherte… und selbst musste man erstmal die Geländekarte studieren, oder besser noch ein bisschen aus- bzw. einhalten.
In einem Anflug familiär geprägter Zeckenangst und weil nun mal das Alter da ist wo man öfter mal… hab ich mir vor dieser Reise nun eine praktische Urinierhilfe für Damen zugelegt - und feier das Ding total. Bin kurz davor, mit ‚Aufrecht pullern‘ der ‚Aufrecht geh’n‘ Befreiungshymne von Mary Roos noch eins draufzusetzen. Ob Festival-Dixi oder Wüstenwanderung… schafft euch so’n Teil an, Mädels, funktioniert prima (gebe gern Kauf-Beratung).
Apropos Plätschern ist es Wettertechnisch leider nicht besser geworden. Heute zum ersten Mal in voller Regenmontur gefahren. Weiss man wenigstens, wofür man sie eingepackt hat. Nur Schlendern ist irgendwie schwierig bei Niederschlag, mich zumindest macht er schrecklich zielstrebig.Read more
Wie ich das Ziel beinahe verpasst hätte…
August 10 in Norway ⋅ 🌧 13 °C
Um ein Haar wäre das nichts geworden mit Bergen und mir. Umgeplant hatte ich schon, lieber noch ein paar letzte Ferientage, die ein bißchen mehr nach Sonnencreme riechen, als auf unbestimmte Zeit Abwettern im Speckgürtel von Bergen. Im Stadtzentrum gehen einfache Zimmer bei 200 Euro los, und 10-Bett Dorm im Hostel für 60 Euro - wenn man was kriegt.
Aber keine Reise ohne Ankommen, also wenigstens ein Tag Sightseeing in der regenreichsten Stadt Europas - bei ordentlich Litern pro Quadratmeter. Wir Hamburgerinnen sind ja nicht aus Zucker dachte ich - doch als im Fischereimuseum mein Interesse für den Standort des nächsten Heizlüfters dann größer war als für die Physik der Ozeanströme, habe ich kapituliert und den nächsten Bus zurück Richtung heisser Dusche genommen.
Aber dann, so gegen sieben, ich schon mit Tee und Tourplanung und ein wenig frustriert eingemummelt auf dem Bett des Ex-Kinderzimmers / jetzt AirBnB in den Suburbs, änderte sich plötzlich die Geräuschkulisse… kein Regentrommeln mehr auf dem Garagendach. Och, dachte ich - dann dachte ich, wieso denke ich eigentlich ‚och‘ wenn es aufhört zu regnen… Aufgestanden, angezogen, zum nächsten Bus gerannt ohne zu schauen, wie lange überhaupt noch etwas retour fährt… und einen Sonnenuntergang über Bergen bestaunt, gemeinsam mit Menschen aus aller Welt, die sich über dieses kleine Wunder ebenso freuten wie ich. Das war doch ein würdiges erstes Ende dieser Tour - jetzt noch eine sonnige kleine Zugabe in dänischen Dünen bekommen soll!Read more
Langsam auskugeln…
August 14 in Denmark ⋅ ☁️ 26 °C
Hach, da ist sie, die vorauseilende Wehmut. Die letzte Zeltnacht… alles schon ein wenig anders, keine Radhose mehr zu waschen und trocken zu kriegen, Taschen werden neu sortiert… Ich habe auf einem kleinen Campingplatz am Rande des Nationalparks Mols Bjerge aufgeschlagen, schreibe also frisch geduscht, und das Kattegat liefert den Soundtrack. Viele Angler machen hier Ferien, in der Küche wurde vorhin heftig entgrätet und filetiert.
Mein Stückerl Wiese teile ich mit einem Maulwurf und mehreren Schwalbenfamilien, die am Giebel der angrenzenden Mauer nisten. Musste also gut planen, wo das Zeltchen hinkommt. Die Einflugschneise der Mückenjäger habe ich tunlichst vermieden - nicht, dass der Urlaub noch beschissen endet. Und ich hoffe, der Maulwurf plant für diese Nacht keine größeren Grabungen.
Dänemark: Wo Norwegens Fjorde wie ein wuchtiges Ölgemälde waren, die Farbe verschwenderisch pastös aufgetragen, wirkte die dänische Landschaft auf mich erstmal, als habe jemand mit Gips und Streugras die Kulisse für seine Märklin HO gebastelt. Das zarte Aquarell der Heidelandschaft um Skagen drängt sich halt nicht so auf… Doch die gerade frisch beernteten Stoppelfelder in weitem Gold mit den Strohbauklötzen darauf verteilt, die hügeligen, kühlen Buchenwälder, die Duftkulissen dazu - natürlich hat’s mich dann gekriegt! Und die Infrastruktur fürs Kampieren ist super. Zwar kein Jedermannsrecht, aber Shelter-Plätze noch und nöcher, oft sogar mit fließend Wasser und anderen Annehmlichkeiten. Ich fahre die Nationale Radroute 5 / Østkystruten bis Aarhus, und die war/ist auf den zweiten Blick überraschend abwechslungsreich. Nicht immer alles toll - aber dann wieder doch. Perfekt also zum Ausrollen…
… und zum Auskugeln. Fünf Kilometer Umweg bin ich gefahren für das Vaffelhuset in Glesburg, aber ich fürchte, das gleicht die Energiezufuhr eines ‚gammeldags’ (traditionellen) Hörnchen nicht ganz wieder aus 😂😂😂. Eine frischgebackene krosse Waffel mit geschätzt einem halben Liter Fassungsvermögen… zwei gigantische Kugeln Eis nach Wahl darin, darauf eine Krone aus sahnigem Softeis, darüber Guf (so eine Art rosa Zuckerschaum, das macht es noch dänischer ;-)), darüber - natürlich - Streusel. Nach diesem Mittagessen 🙈 hab ich die Fredagsslik, die freitägliche Naschtüte, allerdings doch ausgelassen, Tradition hin oder her.Read more

TravelerLiebe Anna, Wehmut kommt auch beim Lesen auf. Du hast uns auf Deine unbeschreibliche Art auf Deiner Radreise mitgenommen, dafür danken wir, und was jetzt ohne die tägliche Lektüre, das Schauen auf der Strecke?

TravelerWir erfreuen uns an den Erinnerungen und planen die nächsten Abenteuer, an denen wir uns wieder teilhaben lassen. Gutes Ankommen zurück in Hamburg 😃
Aarhus - und Schluss…
August 16 in Denmark ⋅ 🌬 17 °C
Gestern früh auf dem Camping sind noch die Schwalben ausgeflogen. Zwei haben sich offenbar nicht getraut, blieben eine Weile auf dem kleinen Sims sitzen und guckten und schlüpften dann ins Nest zurück. Vielleicht klappt es heute für sie.
Ich flixe derweil heim und mache mich mit dem Gedanken vertraut, dass dort das Leben weitergeht.
Resümee:
Die Familienflasche Nobite forte konnte in der Packtasche bleiben. Ganze zwei Mal habe ich mein aus Indien übriges Ayurveda-Kräuter-Mückenspray gezückt, woraufhin sich die skandinavischen Stechtierchen wahrscheinlich totgelacht oder im Lotussitz verheddert haben.
Pflaster für Mensch und Fahrradschlauch wurden auch nicht gebraucht.
Nachdem mich vor ein paar Tagen ein Bikepacker aus Colorado 20 Minuten lang über seine lädierte Achillessehne informiert hat (und fast schon beim Tschüss sagen anmerkte, er sei übrigens Musiker – I would have guessed 😂😂😂): Ich hatte kurz ‚Rohloff-Hand‘ - Schmerzen bei der Drehbewegung, die ich zum Schalten brauche. Aber nur, weil ich am Vorabend so schlau war, kochendes Wasser in eine meiner Schraubverschluss-Trinkflaschen zu füllen und diese dann leicht abgekühlt wieder aufbekommen wollte. Der Einmach-Effekt, PhysikerInnen und allen Weckmännern/-frauen bekannt. Und ich hatte tatsächlich eine Blase am Po - wusste gar nicht, dass das geht 😳 da war die Nahtführung meiner zweitliebsten Radhose mit dem veränderten Faltenwurf meines Körpers offenbar nicht mehr ganz kongruent. Naja, Schwamm drüber, und Bepanthen drauf - ansonsten bin ich mega-dankbar, dass ich das alles machen kann mit Mitte 50 und Iso-Matte, auf dem Boden sitzen und ‚unverstärkt’ Hügel hochradeln funktioniert. In Kombi mit der wachsenden Altersgelassenheit ist Unterwegssein so eine schöne Sache.
Danke an alle fürs Begleiten in diesen vier Wochen - insbesondere ein Dankeschön an die Menschen, die mir Skandinavien voller Überzeugung nahegelegt haben. 💚
…
Schweden, erste Etappe auf dem Rad. Wow, toll, dass sich junge Väter hier vormittags zum gemeinsamen Spaziergang treffen. Ach… nee, sind gar keine Buggys, sind Golf-Trolleys 🤪
Erste Nacht in den Dünen. Zuhause fühlen im Zelt. Eingemummelt in den wunderbaren reißverschlusslosen ‚Wraptor’-Schlafsack von Marmot. Der bietet allerlei Möglichkeiten für sich spontan änderndes Temperaturempfinden - habe überlegt, den Hersteller mal drauf hinzuweisen, dass sie damit für Frauen in den Wechseljahren echt ne USP haben. Und dann - schon leicht weggedämmert - mein plötzlich mein Lieblings-Einschlafgeräusch: Die Spülma…schine…läuft…zzzzz… Am nächsten Morgen dann drauf gekommen, dass wohl die Rotoren des nahen Windparks begonnen hatten, sich zu drehen 🙈
Norwegen, frisch runter von der Fähre: Oh shit, brems, alles voll Glassplitter hier. Mist. Oder… das ist wohl der norwegische Glitzer-Asphalt 😅. Funkelt wie die tiefblaue See, nur in grau, wenn die Sonne scheint.
Thai-Imbiss, zweiter Versuch: Das ‚authentic Thai Food‘ hier ist vermutlich Rache der thailändischen Frauen an allen norwegischen Männern, die Regen und Kälte beim Werben unerwähnt ließen. Versuchsreihe abgebrochen 😝
Wie schafft es Dänemark eigentlich, dass öffentliche Toilettenhäuschen erstens überall zu finden und zweitens immer 1a sauber sind? 🤔
🤗Read more

Komm gut zurück in Dein Alle-Tage-Leben. Diese Reise ist nun ein Teil davon, wie die anderen Reisen auch. 👍🚴♂️ [Ulrike Maria]

TravelerWillkommen zurück! Wir freuen uns jetzt schon auf die Berichte von Deiner nächsten Reise.






































































































































































TravelerAus den Niederlanden?
TravelerSollte man meinen…
TravelerHolländer ohne Wohnwagen 🤔 Franzosen sind bei der Tour de France 🚴♂️ bleiben nur noch Tschechen übrig ☺️
TravelerBeim Wohnwagenargument dachte ich noch, du bist auf der richtigen Spur 🙃