Mit den Vögeln aus den Federn
2 hours ago in Norway ⋅ ⛅ 19 °C
Die Vögel sind natürlich drin geblieben in ihren Federn - aber wachtiriliert haben sie mich heute früh um fünf (!) in meiner Holzlodge mit Terrasse und Kochinsel gleich am Naturschutzgebiet. Gänse machen schon eine Menge Krach beim Formationsflug - mehr noch als der Specht beim Hämmern, dessen Schicht dann gegen halbsieben begann. Neugierig beäugt beim Zusammenpacken hat mich derweil ein kleines Rotkehlchen, dass zwischendurch sogar für bessere Aussicht den Sitzplatz gewechselt hat.
Es gibt Reiseradelnde, die morgens Matte rollen, Zelt packen und weg - manche sind abends genauso fix in ihrer Einmanntüte verschwunden, als wären sie Graf Dracula und das Tageslicht droht. Ich selbst kann locker zwei Stunden rumtrödeln beim Auf- wie Abbau - noch ein paar Beeren sammeln fürs Frühstück, was nachschlagen, umsortieren, zweite Tasse Kaffee… zum Glück habe ich niemanden dabei, dem das auf den Keks gehen könnte.
Der Sonntag war trocken, richtiges Ausflugswetter. Also gegen den Rat aus meinem privaten Expertinnen-Kreis 🇸🇪🇳🇴Besuch des Wild-Reservats Nordens Ark am Vormittag. In locker der Hälfte der riesigen Gehege waren die Bewohner nicht zu entdecken, nur nordische Flora und Gehölz, und irgendwie freut man sich ja darüber (die Eltern enttäuscht quengelnder Kinder vielleicht etwas weniger), weil keine Großkatzen mit Hospitalismus hin und her tigern. Wie war das: ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe, und zwischen tausend Stäben keine Welt… dann lieber keine Erdmännchen heute.
Who knows, vielleicht gibt es diese andere Hälfte der angepriesenen Wildtier-Rassen dort auch gar nicht, sondern nur ein gutes Marketingkonzept und sehr viele freundliche Volunteers 😜. Und Mehrfachbesucher, denen das irgendwann auffällt, werden an den Tiger verfüttert… (einen hab ich gesehen, wirkte wohlgenährt).
Fröhlich ging‘‘s weiter nördlich, in Wellen und Kurven durch Wälder und Küstenorte. In Hamburgsund musste ich natürlich einen Stopp machen, auch wenn der Name mit dem ‚richtigen‘ Hamburg so wenig zu tun hat wie beides mit den Fleischklopsen. Für meinen Urlaubsgeschmack bisschen zu Sylt-schicki in Hamburgsund und der dazugehörigen Insel Hamburgö. Vielleicht lag‘s am Sonntag. Ortsschild hätte ich trotzdem gern geklaut.
Dort auf ner Bank mit nem Eis in der Hand und Blick in den kleinen Reiseführer bemerkte ich mit Schrecken und Freude, dass es nur noch max. 60 km bis Strömstad waren, von wo ich nach Norwegen übersetze. Was für ein plötzliches Ende des Schweden-Parts! Das wäre früher mit der Falk Karte nur passiert, wenn man sie falsch gefaltet hätte.
Das hier schreibe ich drum auch schon von der Fähre, bis gerade Polstersessel, jetzt Laderaum. Die zweieinhalbstündige Überfahrt kostet umgerechnet gerade mal zwölf Euro - sechs für mich, sechs fürs Rad. Ob das schwedischerseits subventioniert wird für den Einkaufstourismus? Palettenweise Bier, aber auch Softdrinks werden hier von den Mitreisenden in ihre Campervans verfrachtet.
Bevor sich die wilden Theorien mehr als die wilden Tiere häufen, schreib ich mein kleines Schweden-Fazit vielleicht besser beim nächsten Mal und lass mich jetzt ins unbekannte Land spucken 😎 Ha det!Read more
Knäckebrot im Zelt
July 25 in Sweden ⋅ 🌧 16 °C
Das sollte man natürlich auf gar keinen Fall machen. Und wenn doch, bitte nicht jammern, wenn es nachts piekst und es sind gar keine Mücken im Zelt. Ich hatte vorhin schon Pellkartoffeln mit Sill, nur halt zu wenig, in der Mini-Küche dieses liebenswert abgewohnten kleinen Hutzel-Campingplatzes, auf den ich geflüchtet bin, als aus dem Ganztagsniesel doch richtiger Regen wurde. Der ältere Betreiber spricht nicht wirklich Englisch, aber hat mir aufmunternd auf den Rücken geklopft, als ich so triefend dastand und zweifelnd auf die leere Wiese neben den sechs kleinen (belegten) Hütten schaute. Mittlerweile steht noch ein zweites Zelt, allerdings mit PKW anbei.
Jedenfalls hat Knäckebrot eh ein viel zu grosses Packmaß, um weiter durch die Gegend gefahren zu werden.
Es pläddert aber auch so richtig laut gerade. Gut, dass ich mit meinem neuen Zelt, Bella (so heisst es Herstellerseits, noch kein Kosename von mir), unterwegs bin, wo mein heißgeliebtes Hubba Hubba, das mir ein treuerer Begleiter war als die, die mit dringelegen haben 🤣🤣, in den Ecken nun doch ein bisschen altersundicht wurde. Mal schaun, wie Ella sich in dieser Regennacht hält.
Seit Göteborg (✌️) ist die Streckenführung* etwas durchwachsen. Viel straßenbegleitender Radweg an recht befahrenen Straßen, oder an Bahnlinien lang (grad aber Schienenersatzverkehr, so dass die Alternative selbst ein bisschen Bahn zu fahren ausfiel. Da fühle ich mich doch fast wie zu Hause…) oder auch das Ganze ohne Radweg mit reichlich Verkehr. Nicht mehr so hyggelig, dafür schon ziemlich hügelig.
Dazwischen immer wieder Passagen kräftiger nordischer Landschaft, die all das wäähm wäähm wäähm neben einem wieder wett machen. Selbst mit grauem Himmel. Und dann leuchtend dunkelpink die schönsten Himbeeren an der doofsten Strasse. Und beim ersten richtig fetten Schauer in einem Dörfchen mitten in der Pampa ein kleiner feiner Outdoorladen, wo ich auch fürs ‚nur vorm Regen flüchten‘ willkommen war. Und den ich mit einer super Merinoleggins wieder verlassen habe 🙈
Am Ende des Tages ist es dann ‚Lagom‘, wie die Schweden sagen. Der Regen, die Buxe, der Hering und das Knäckebrot - weder zu viel, noch zu wenig. Genau richtig.
Morgen früh um fünf soll übrigens wieder die Sonne scheinen, meint die Wetter-App ☀️
* ich fahre die alte Variante des Nordseeküstenradwegs über Tjörn, Orust… Schweden plant gerade (schon länger) einen neuen Radweg, der etwas küstenferner verlaufen wird.Read more

TravelerWir machten übrigens vor einigen Jahren bei Starkwind und -regen extrem gute Erfahrungen mit dem Schienenersatzverkehr (eigener Fahrradständer unten im Bus) in Schweden. Kostete nicht mal was, weil wir ja nichts dafür konnten, dass die Bahn nicht fuhr, schwedischer Service war die Verlautbarung des Busfahrers.
Was bisher geschah: Kattegattleden… und abgebogen
July 23 in Sweden ⋅ ☀️ 20 °C
Eine Flixbusfahrt und vier Rad-Tage bin ich jetzt unterwegs. Und musste das gerade an Kalendertagen abzählen, so weit rausgefahren aus dem Alltag bin ich schon. Wundervoll, einen ganzen Monat Zeit zu haben.
Nach vier Nächten ‚halbwild‘ auf Biwakplätzen an der Küste oder kleinen Seen bin ich gestern wieder für eine Nacht in der Zivilisation eingekehrt . Also die Zivilisation namens Campingplatz 🤣. Hier passt es dann auch, was mir tagsüber so durch den Kopf geht noch ins Handy zu tippen. Nicht nur, weil es Steckdosen fürs Phone laden gibt. ‚Da draussen‘ hab ich oft das Gefühl, ich hänge gerade selbst an der Ladestation - und der Flow ist zu gut, um auf einen anderen Bildschirm als den Sonnenuntergang zu gucken.
Ansonsten ist hier bis auf die erste starkverregnete Nacht gerade Astrid Lindgrens Kindersommerwetter - Sonnenschein und frische kühle Brise. Die Brise natürlich von vorn. Trotz der vorherrschenden Windrichtung hatte ich vor der Reise keinen Gedanken daran verschwendet, dass die Tour auch andersrum möglich wäre, von Norden gen Heimat. Irgendwie gehört wegfahren doch zum Freiheitsgefühl dazu, nicht zurückfahren. Die Theorie des immer weiter, bevor es Mitte August in Bergen auf die Fähre geht. Vermutlich jedenfalls 😎
Die meisten Radelnden kommen mir entgegen (und dass ich nicht/selten überholt werde, kann wirklich nicht an hohem Tempo liegen). Also kann ich oft grüßen und schau immer in fröhlich zurückgrüßende Gesichter.
Der EV 12 verläuft bis Göteborg auf dem prima ausgeschilderten völlig familientauglichen schwedischen Fernreiseweg Nr. 1, dem Kattegattleden. Als ‚Fahrradautobahn’ - das fragte mich ein Schweitzer Paar heute - habe ich ihn aber überhaupt nicht empfunden, eher als relaxed. Super zum Einfahren.
Apropos relaxed und familientauglich zolle ich immer wieder großen Respekt vor Radreisenden, die zusätzliches Sperrgepäck wie Musikinstrumente, Sportgerät oder Kinder mit dabei haben. Interessanterweise kommen gefühlt alle Familien mit Kleinkindern und Zelt, die mir hier und anderswo begegnet sind, aus
a) den Niederlanden
b) Frankreich
c) Tschechien.
Kleine Quizfrage 🙃
So, Sönnchen scheint, Wäsche ist trocken und die Zivilisation will wieder verlassen werden…Read more

TravelerHolländer ohne Wohnwagen 🤔 Franzosen sind bei der Tour de France 🚴♂️ bleiben nur noch Tschechen übrig ☺️













































Traveler
Sehr fein:)
Traveler
Brunost zum Beispiel....
TravelerWunderbar geschrieben, es macht große Freude mitzulesen, Dankeschön!