• Velo-Nomaden
  • Velo-Nomaden

Afrika, wir kommen!

Mein Papa und ich wollen über Basel nach Perpignan am Mittelmeer und dann weiter entlang der spanischen Küste zur Strasse von Gibraltar fahren. Wenn mir das Reisen dann immer noch Spass macht, wollen wir mit der Fähre nach Marokko übersetzen...usw. Okumaya devam et
  • Perpignan

    3 Ocak 2024, Fransa ⋅ ☁️ 18 °C

    Das Hotel heisst B&B - Bed and Breakfast - und macht seinem Namen Ehre: das Frühstück ist "all you can eat" und abwechslungsreich. Als wir wieder im Zimmer sind, versinkt Lanyu erneut in Schlaf, trotz 10 Stunden Schlafs in der Nacht. Deshalb übernehme ich bei der Abfahrt erstmal sein Gepäck. Gegen 11 Uhr sind wir on the road again. Unser Tagesziel ist Perpignan.
    Die Winde sind uns heute wohl gesonnen, der Himmel ist zwar bedeckt, aber es regnet nicht. Aber gleich hinter dem Ortsausgang springt Lanyus Kette zweimal ab und das gibt ölverschmierte Finger. Lanyus Rad hat nur einen Zahnkranz vorne und sieben hinten und im höchsten Gang springt dann die Kette ab und zu ab. Da heisst "aufpassen" und vorsichtig schalten.
    Ca. 15 km hinter Perpignan weht uns zwischen den Weinfeldern plötzlich ein warmer Wind entgegen und unsere Laune hebt sich. Und dann, plötzlich, unerwartet, im Nordwesten: die Pyrenäen mit schneebedeckten Gipfeln! Und ebenso unerwartet taucht linker Hand das Mittelmeer auf und jenseits einer riesigen Bucht eine Bergkette; das ist Spanien! Und am Fusse dieser Berge werden wir morgen entlangradeln und die spanische Grenze überqueren.
    Was uns schon Narbonne aufgefallen, war bestätigt sich leider auch auf unserem weiteren Weg: es wird immer schmutziger. Abfälle in Mengen rechts und links der Strasse, in den Gräben, an den Zäunen hängen Plastikabfälle, auf den kleinen Parkbuchten alles voller Toilettenpapier und es stinkt derart, das man es nicht aushält und schnell weiterfährt, wilde Müllkippen an den Waldrändern. Es könnten einem die Tränen kommen, wenn man diesen Umgang mit der Schönheit des Landes sieht, diese Respektlosigkeit, ja geradezu Verachtung der Natur. Das man im Jahr 2024 immer noch nicht eingesehen hat, dass man sich den Ast absägt, auf dem man sitzt...
    Wir haben uns entschieden heute ausschliesslich die Bundesstrasse zu befahren und auf jede Fahrradstrecke zu verzichten. Es geht zwar ständig rauf und runter, aber der Asphalt ist prima, meistens gibt es Standstreifen, die wir befahren können und es geht die ganze Strecke nur geradeaus, so dass wir keine Zeit durch Irrwege verlieren.
    Wir machen drei Pausen, essen in einem kleinen Restaurant Pizza und später genehmigen wir uns Kaffee und heissen Kakao. Gegen 14 Uhr brechen die Wolken auf und die Sonne scheint und die Temperatur steigt auf 17 Grad.
    Als der Standstreifen vor Perpignan aufhört und es zu gefährlich für uns wird, müssen wir notgedrungen auf eine Nebenstrecke ausweichen, aber das Tagesziel ist nur noch 15 km entfernt.
    Lanyu hat seine Gepäcktasche wieder übernommen und hält munter das Tempo mit und so erreichen wir schon gegen 16 Uhr die Stadt und bald auch unsere Unterkunft, ein Apartmenthotel gegenüber des Bahnhofs.
    Jetzt sind wir uns sicher, dass wir Barcelona in höchstens 4 Tagen erreichen werden, also rechtzeitig vor unserem Rückflug am 10. Januar.
    Okumaya devam et

  • Figueres

    4 Ocak 2024, Ispanya ⋅ ☁️ 13 °C

    Trotz aller Müdigkeit hatte Lanyu eine unruhige Nacht und wirkt nicht wirklich regeneriert, weshalb ich sein Gepäck auch heute übernehme.
    Wir verlassen Perpignan gegen 11.30 Uhr bei Sonnenschein und erreichen nach ein paar Kilometern die Stadtgrenze, als Lanyus Kette abspringt. Ich ziehe sie wieder auf, 100 m weiter das gleiche Spektakel. Das lässt nichts Gutes hoffen. Lanyu muss sehr vorsichtig schalten und antreten.
    Auf einer leichten Anhöhe haben wir einen tollen Weitblick auf die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen, linker Hand ragt eine weitere Bergkette empor, die romantisch von einer Wolkendecke überzogen wird - da müssen wir irgendwo hinauf und drüber, um nach Spanien zu kommen!
    Es setzt starker Gegenwind ein, der sich steigert, als wir zur Steigung in die Berge ansetzen, au Mann! Wir essen in Le Boulou zu Mittag und dann nehmen wir den Weg wieder zwischen die Beine. Rauf, rauf, rauf, in zahllosen Kurven schlängelt sich der Weg, mehrere Male muss ich absteigen, weil die Kraft nicht mehr ausreicht, der Atem keucht, die Beine wollen nicht mehr. Der Gegenwind von mehr als 20, 25 km/h raubt uns beiden die gute Laune, manchmal muss ich gar stehen bleiben, weil Böen mich fast umblasen. Jetzt zeigt sich, aus welchem Holz wir geschnitzt sind.
    Lanyu ist den Tränen nahe, wir zählen die Kilometer, hoffen darauf das diese Bergkuppe da vorne die letzte ist, danach die nächste, nein, es geht immer weiter hoch, endlich bis zum Pass "Col du Perthus", 290 m über NN, der die Grenze zwischen Frankreich und Spanien markiert. Dort oben gibt es einen völlig abgelegenen Friedhof und eine verschlossene Polizeistation einer Kooperationseinheit von französischer und spanischer Polizei.
    Dann erreichen wir die Stadt Perthus und dahinter die ehemalige Grenzstation, die heutzutage beidseits unbewacht ist. Danach geht es abwärts und es wird dunkel. Wir passieren La Jonquera und dann, endlich: Figueres, unser Tagesziel. Wir haben nicht aufgegeben, ich bin stolz auf meinen Sohn, der sich durchgekämpft hat.
    Okumaya devam et

  • Girona

    5 Ocak 2024, Ispanya ⋅ ☁️ 10 °C

    Figueres, 10.30 Uhr am Morgen: der Himmel bedeckt, es regnet ein paar Tropfen, es ist kalt, aber, Gott-sei-dank, windstill.
    Da wir ohne Frühstück gebucht haben, verlassen wir unsere luxuriöse Unterkunft nüchtern und kehren nach wenigen Kilometern in einem Cafe ein. Gestärkt nehmen wir unser Tagesziel Girona ins Visier. aber die N2, die Nationalstrasse 2, sollen es angeblich nur 44 km bis zum Ziel sein, aber am Ende sind es dann doch wieder 65 km.
    Schön ist es nicht, auf einer Schnellstrasse unterwegs zu sein, manchmal auch gefährlich, wenn sich z.B. die Fahrspuren an Brückenübergängen verengen und es keine Standspur oder Fussgängerwege mehr gibt. Dann sind wir auf die Rücksicht der Autofahrer angewiesen und mir den LKS`s ist das manchmal so eine Sache...die Herren der Landstrassen.
    Im Grossen und Ganzen kommen wir auf solchen Strassen aber gut voran und vor allem: wir verfahren uns nicht.
    Es beginnt zu regnen und wir müssen uns unter einer Brücke unterstellen. Als der Regen etwas nachlässt, fahren wir rasch weiter und kehren in einer Raststätte ein, essen zu Mittag, genehmigen und Tee und Kaffee, warten 2,5 Stunden, bis der Regen aufhört. Es ist 15.30 Uhr als wir endlich weiterfahren.
    Steigungen, kilometerlang. Unterwegs sehen wir immer die katalanische Flagge - nicht die spanische! Barcelona gilt als die Hauptstadt Katalaniens, aber die Sprache wird in Südwestfrankreich, auf den Balearen und in Andorra gesprochen und geschrieben. Die Katalanen wollen seit Urzeiten einen eigenen Staat, aber Spanien will sie nicht in die Unabhängigkeit entlassen.
    Strassenschilder versuchen die Autofahrer dazu zu bewegen, keinen Abfall aus den Fenstern zu schmeissen, aber offensichtlich vergebens oder mit geringem Erfolg, denn Müll liegt überall, teilweise ganze LKW-Ladungen voller Bauschutt, Kabeln usw.
    Wir sind immer noch über Wolkenhöhe unterwegs, ein erstaunlicher Anblick, wenn man auf dem Rad unterwegs ist.
    Mir geht langsam die Puste aus und jetzt macht Lanyu den Packesel und übernimmt beide Gepäcktaschen und meistert die letzten Anstiege bis Girona mit Bravour.
    In der Dunkelheit erreichen wir das Stadtzentrum, es regnet wieder. In einer Bäckerei machen wir es uns erstmal gemütlich und suchen uns online ein Hotel. Dann geht es nochmals 5 km durch die Stadt und an der Rezeption überrascht uns ein Spanier mit seinen ausgezeichneten Deutschkenntnissen, die er sich während drei Jahren als Rezeptionist in Magdeburg angeeignet hat.
    Wir haben ein tolles Zimmer und Höhepunkt des Tages ist für mich stets die heisse Dusche nach einem durchfrorenen Tag.
    Okumaya devam et

  • Calella

    6 Ocak 2024, Ispanya ⋅ 🌙 10 °C

    Heute sind es etwa 60 km von Girona zum Tagesziel Calella. Wir verlassen Girona wieder auf den Hauptverkehrswegen. Inzwischen haben wir uns darauf eingestellt, dass in Spanien der Radfahrer im Kreisverkehr selten Vorfahrt hat, sondern dem Stärkeren weichen muss. Anfangs scheint noch zaghaft die Sonne, dann beginnt es leicht zu regnen. Wir fahren trotzdem weiter Richtung Süd-Osten, bis der Regen immer stärker wird. Dann stellen wir uns unter eine Überführung, bis der Regen etwas nachlässt, fahren einen Kilometer weiter und kehren in der Raststätte "Santa Anna" ein. Bis der Regen aufhört, ist es 15.15 Uhr und die Zeit, das Ziel bis zum Einbruch der Nacht zu erreichen, wird knapp.
    Also treten wir in die Pedale. Lanyu übernimmt diesmal beide Gepäcktaschen, ich habe zunehmend Probleme mit meinem linken Knie.
    Als die Sonne durchbricht, erhaschen wir einen letzten Blick auf die verschneiten Gipfel der Pyrenäen hinter uns. Die Landschaft wird von kleinen Bächen und immer mehr Wadis durchzogen. Diese Flüsse fallen die meiste Zeit des Jahres trocken.
    Leider sieht man auch heute wieder ständig Müll. Es scheint gute Bürgersitte zu sein, seinen Abfall, gewerblich, wie privat, einfach irgendwo neben der Strasse zu entsorgen. Aus den fahrenden Autos fliegen die Büchsen, Zigaretten, Papierabfälle und McDonalds-Kartons. Was ist nur mit den Spaniern los..?
    Lanyu sieht als Erster das Mittelmeer - endlich, darauf haben wir uns gefreut.
    Mit dem letzten Tageslicht erreichen wir Calella und unsere Unterkunft.
    Um unsere harten Oberschenkel zu lösen, machen wir in der Dunkelheit noch einen Spaziergang durch die Gassen und zum Strand.
    Okumaya devam et

  • Barcelona 2

    7 Ocak 2024, Ispanya ⋅ ☀️ 11 °C

    Nach dem Einchecken gehen wir zu Fuss durch die Altstadt zum Hafen. Der 6. Januar ist in Spanien ein wichtiger Anlass und es gibt Feuerwerk und spezielle Kuchen und hier im Hafen eine Kirmes.
    Trotz der kalten Jahreszeit ist die Stadt auch jetzt voller Touristen.Okumaya devam et

  • Barcelona

    7 Ocak 2024, Ispanya ⋅ 🌙 12 °C

    Am Morgen scheint endlich die Sonne - und so bleibt es bis zum Abend auch. Auch heute transportiert Lanyu beide Gepäcktaschen. Ich lasse ihn gewähren, weil er gut zurecht zu kommen scheint.
    Nach einem kurzen Abstecher zum Strand geht es bergan, aus dem Ort heraus, vorbei an Aussichtspunkten, die auch die zahlreichen Hobby-Radrennfahrer nutzen (auch um ihren Abfall ganz cool in die Schönheit der Landschaft zu schmeissen).
    Wieder haben wir starken Gegenwind, in Böen sind das sicher bis zu 30 km/h. Dann geht nichts mehr, man bleibt einfach stehen, die Augen tränen, die Nase läuft. Den Kopf senken, schneller treten und nicht aufgeben.
    Wir fahren nun direkt an der Küste entlang. Linker Hand die Bahnlinie, dahinter der Strand, rechts Bebauung und zahlreiche Einkehrmöglichkeiten, die wir heute dreimal nutzen.
    Wir passieren San Pol de Mar und andere bekannte Badeorte wie Arenys de Mar, durchfahren Matador und Badalona und dann taucht der Hafen von Barcelona am Horizont auf und gibt uns Motivation für die letzten 20 km.
    Die Stadt mit ihren 1,6 Millionen Einwohnern ist nach Madrid die zweitgrösste des Landes und mein Traumziel.
    In einer Apotheke, die heute am Sonntag geöffnet hat, kaufe ich Zahncreme und die erste Person in Barcelona mit der ich spreche ist eine Dame aus Sankt Gallen. Die Welt ist klein. Trotzdem sind es von Zürich bis hierher laut unserem Tachometer etwa 1900 km.
    Im Dämmerlicht erreichen wir die Altstadt und in den engen Gassen finden wir das Hotel "Palermo".
    Okumaya devam et

  • Barcelona 3

    8 Ocak 2024, Ispanya ⋅ 🌙 7 °C

    Der vorletzte Tag. Heute beginnt in Zürich die Schule und Lanyu ist noch in Spanien. Ein bezahlbarer Rückflug ist für Mittwoch Abend gebucht.
    Wir müssen die Räder aus dem Hotel schaffen, denn im ganzen Gebäude ist kein Platz. Dieses Hotel ist derart winzig und eng, dass nicht mal ein Kinderwagen irgendwo Platz hätte.
    Wir suchen einen Fahrradladen in "Gothic", der Altstadt von Barcelona. Eine Werkstatt für Fahrräder stellt die Räder gegen saftige Gebühr vorläufig unter.
    Wir erkunden die Altstadt, dann gehen wir 3 km bis zur Sagrada Familia, der weltbekannten Kirche des Architekten Antoni Gaudi. Dabei bestaunen wir die riesigen Boulevards und Strassen, von denen manche alleine in einer Richtung schon 6 Spuren haben und eine für Fahrräder obendrein. Die Stadt erinnert im Baustil und den Dimensionen der Häuser, Strassen und Plätze am ehesten an Paris.
    Die Kirche Sagrada Familia wurde von Gaudi ca. 1882/83 entworfen. Ursprünglich sollte eine Kathedrale im Neugotischen Stil entstehen, aber Gaudi krempelte den Entwurf radikal um und griff dem aufkommenden Jugendstil vor, dessen katalanische Variante als "Modernisme" bezeichnet wird. Wenn man sieht, dass seine ersten Projekte im neuen Stil bereits 10, 15 Jahre zuvor entstanden sind, erahnt man, wie weit der Künstler seiner Zeit voraus war.
    Das Verspielte seiner Entwürfe verbindet ihn (meiner Meinung nach) mit dem österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser und wäre wegweisend für eine erneuerte Hinwendung der Baukunst zur Natur, einer überfälligen Versöhnung von technisch-architektonischer Askese mit einer Formenvielfalt die zur Natur zurückführt. Form follows function..? Die Form selbst hat eine wichtige Funktion.
    Mit Bus und Metro geht es zurück in die Altstadt, zur Markthalle La Boqueria und dann ins Hotel.
    Okumaya devam et

  • Betrachtungen

    8 Ocak 2024, Ispanya ⋅ 🌙 5 °C

    Am Ende dieses Reiseabschnittes erlaube ich mir ein wenig Besinnung auf das Warum.
    Dies ist meine vierte Fahrradtour von mehr als 500 km seit 2002. Diese Art des Reisens habe ich also erst mit Mitte vierzig für mich entdeckt; sie hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Reisen an sich war immer mein Ding, das Weg vom Alltag, das Entdecken des Neuen, Unbekannten. Ich hatte auch nie Probleme damit, wenn der Verdacht in den Raum gestellt wurde, ich liefe vor Problemen davon. So what? Why not? Walking away from the troubles in my life - das ist O.K. für mich. Manche Probleme sind dann halt noch da, wenn ich wiederkomme, andere haben sich erledigt. Aber das Reisen ermöglicht mir Abstand, den Perspektivwechsel, erweitert meinen Tunnelblick, befreit mich von meiner einflussreichen Umgebung, die mich immer nur so wahrnimmt, wie ich war, nicht wie ich jetzt, heute bin oder anfange zu werden. Andere Menschen ermöglichen mir einen neuen Spiegelblick, sehen mich neu, interpretieren mich aktuell. Und darin liegt für mich immer auch etwas Erkenntnisgewinn: Aha, so bin ich ergo auch!
    Längere Reisen verändern dich auf die eine oder andere Weise immer. Wer so bleiben will, wie er ist, wer Angst vor der Veränderung hat, reist nicht, sollte vielleicht sogar nicht reisen, sonst passt er hernach nicht mehr ins bewährte Gefüge.
    Zuhause habe ich Schwierigkeiten mich zu motivieren, die Perspektiven sind so ermüdend, Alltag hat selten konkrete Ziele, ist Wiederholung. Aber wenn ich reise, verspüre ich Motivation. Ich plane lustvoll, reise vorab in Gedanken, male mir innere Bilder, bunt und reizvoll und das steigert meine Neugierde. Mich packt Reisefieber, ein Gedanke wird Wirklichkeit, etwas, dass ich sonst nur bei der Gründung meiner Unternehmen verspürt habe.
    Reisen hat etwas Kreatives, Reisen bildet eine erweiterte Wahrnehmung der Welt: wie soll man sich etwas vorstellen, dass man nie gesehen hat? Kann man einem Blinden die Farbe Rot erklären? Wir können uns nur etwas vorstellen, wenn wir es gesehen haben, oder zumindest etwas Ähnliches. Wir vergleichen, das innere Bild einer Beschreibung misst sich am bereits Gesehenen. So erweitert Reisen meine Vorstellungskraft.
    Aber Reisen ist ein tagtägliches Ding. Jeden Morgen dieser Radreise WILL ich reisen, ich will los, das Ziel ins Auge fassen und wenn ich es erreicht habe, erfüllt mich Genugtuung, es bestätigt meine Potenz. Ich alleine habe es mir vorgenommen und ich habe es geschafft. Jeden Tag. Ich glaube nicht, dass Autofahren mir diesen Kick verschaffen kann.
    Ich sehe diese tägliche Motivation rein positiv, daran ist nichts Schlechtes. Es ist Optimismus pur: das werde ich schaffen! Und ich schaffe es, erarbeite es mir. Regen, Gegenwind, Kälte, Steigungen, platte Reifen und abgesprungene Ketten, rücksichtslose Autofahrer et cetera p.p. - all das hält mich nicht auf und ab. Und auch in diesen Bewältigungen liegt Befriedigung, denn ich schaffe es, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, darauf, voran zu kommen, trotz allem das Schöne um mich zu sehen und für die Freundlichkeit der Fremden offen zu bleiben. Ich starre nicht stur auf meinen Lenker und den Asphalt vor meinem Vorderrad, sondern hebe meinen Blick und staune, denn das Faszinierende ist allerorten. Die Grünen Papageien in und um Barcelona, die Vielfalt der Architektur und der Menschen in dieser Stadt (letzteres erinnert mich an zuhause). Das Sprachengewirr, die unbekannten Köstlichkeiten in den Auslagen, die Gerüche aus den Küchen und Strassenständen, die Strassenmusiker, die Flamenco auf der Gitarre spielen und dazu singen, der salzige Geruch des Meeres...all das macht die Faszination aus. Mir ist das Abklappern der Sehenswürdigkeiten nicht so wichtig, wie dieses lebendige Bild, dieser Gesamteindruck eines Ortes.
    Das Tempo des Radreisens hilft bei der Wahrnehmung, denn die Seele kommt mit. Die Landschaft rast nicht an mir vorbei, ich bin ansprechbar, ich verberge mich nicht hinter einem Helm und belästige niemanden mit Motorenlärm und Abgasen. Ich bin ein gutes Beispiel und kein schlechtes. Würden mehr Menschen auf diese Art Reisen...Während meiner Art der Fortbewegung höre ich das Rauschen der Bäume, das Zwitschern der Vögel und ich rieche die Luft, Ich muss nicht nach Parkplätzen suchen und bin nicht Teil von Staus und Blechlawinen. Ich sehe die Gesichter und man sieht meines und ein Gespräch entwickelt sich manchmal im Fahren.
    Nach dem Reisen bin ich eine Zeitlang erfrischt, erneuert, nicht nur erholt (manchmal gar nicht erholt), sondern belebt. Und oft sehe ich dann auch wieder die Schönheit in all den Selbstverständlichkeiten zu Hause wieder.
    Okumaya devam et

  • Barri Gotic

    9 Ocak 2024, Ispanya ⋅ ☁️ 7 °C

    Wir wohnen in der Altstadt. Dieses Viertel heisst Barry Gotic. Hier sind die Gassen verwinkelt, im Winter meist dunkel, aber im Sommer eben schattig und kühl und manche so eng, dass dir der Nachbar gegenüber durchs Fenster das Salz rüberreichen kann.
    Wir organisieren das Demontieren und Verpacken, sowie den Transport unserer Fahrräder für den morgigen Rückflug nach Zürich, danach fahren wir mit der Metro L3 zum Park Güell, der von Antoni Gaudi gestaltet wurde, on Top of Barcelona. Von oben hat man fantastische Ausblicke auf die Stadt und die Schiffe draussen auf dem Meer. Was mir von hier oben aber am meisten auffällt, ist die bauliche Dimension der Sagrada Familia, die schiere Grösse dieser Kirche. Kein Wunder, dass man daran seit nunmehr 140 Jahren baut. Die Komplexität des Baus sieht man auch an den Baufehlern, deren es so einige gibt. Z.B. sammelt sich zwischen den Türmen und dem Hauptbaukörper Regenwasser, das dann durch Plastikrohre durch die Fassade geleitet werden muss. Aber ein solch gigantischer Bau ohne jegliches Vorbild ist dann eben auch Opfer seiner Unvorhersehbarkeit. Wenn der Hauptturm fertig sein wird - man baut gerade jetzt genau daran - wird er 172 m aufragen und dann der höchste Kirchturm der Welt sein, höher als das Ulmer Münster.
    Okumaya devam et

  • Homebound / Wer weiss..?

    10 Ocak 2024, İsviçre ⋅ ☁️ -2 °C

    Unser letzter Tag in Barcelona. Das Reisefieber bei der Rückkehr ist nicht mit dem beim Aufbruch vergleichbar. Wir werden erwartet, ersehnt, wir freuen uns auf unser Zuhause und die Lieben, aber es ist auch ein Aufschieben, Aufhören - Aufgeben?
    Wir versuchen das Beste aus der Situation zu machen, durchstreifen nochmal die Altstadt, das neugebaute Hafenterrain mit den hunderten Jachten, bewundern nochmals ausgiebig die Kolumbussäule, Lanyu fährt nochmal einen Formel1-Boliden (natürlich nur virtuell) und dann gilt es am Fahrradladen die beiden Kartons mit den Rädern in ein extra grosses Taxi zu laden und zum Flughafen zu fahren.
    Bezeichnenderweise regnet es, wirklich passend, danke...
    Unser Flug hat über eine Stunden Verspätung und wie sich danach herausstellt, sind unsere Fahrräder nicht verladen worden und auch zwei Tage später noch nicht da.
    Lanyu hat sich mit Händen und Füssen gegen den Abbruch der Reise gewehrt, aber es hilft nichts, wir müssen zurück und wann wir weiterreisen können, steht in den Sternen.
    Etwa 1700 km - it was a hell of a ride!!
    Okumaya devam et

  • Zürich

    4 Ekim 2025, İsviçre ⋅ ☁️ 20 °C

    Endlich, endlich setzen wir unsere Reise fort. Diesmal zu dritt, d.h. Mayen ist diesmal auch mit von der Partie. Wir fahren mit leichtem Gepäck, ohne Zelt , Schlafmatten und -säcke, damit der Spass erhalten bleibt - nicht jeder rackert sich gerne im Urlaub ab.
    Ein Tag Aufenthalt in Barcelona, um die mit angereisten Fahrräder zu montieren und dann gehts los Richtung Süden, nach Valencia. Mal sehen wie weit wir kommen. Fernziel bleiben Marokko und der weitere Süden.
    Okumaya devam et

  • Barcelona, 1. Tag

    5 Ekim 2025, Ispanya ⋅ ☀️ 27 °C

    Was war das für ein Reisestress gestern! Unser Flug fiel aus, da das Flugzeug der spanischen Airline "Vueling" nicht in Zürich gelandet war, sondern anderenorts. Eine andere Maschine wurde von Barcelona nach Zürich geflogen und anstatt um 15.40 Uhr, haben wir erst um 20.30 Uhr abgehoben. In Barcelona verbrachten wir dann nach der Landung um 22.00 Uhr fast eine halbe Stunde im Flugzeug, weil keine Rolltreppe verfügbar schien. Anschliessend warteten wir fast eine Stunde auf unsere drei Kartons mit den Fahrrädern. Dann schien kein Taxi gross genug um uns drei und die drei Kartons zu transportieren. Ein freundlicher Kameruner Fahrer, dessen Taxi ansonsten Rollstuhlfahrer transportiert, schaffte es dann doch. Lanyu quetschte sich auf einen Sitz neben die Kartons, Mayen und ich teilten uns den Frontsitz. Nach 15 Min. Fahrtzeit erreichten wir das Ibis-Hotel in Cornella. Glücklicherweise war die Rezeption noch besetzt, als wir gegen 1 Uhr ankamen. Quälend lange dauerte das Einchecken, die Kinder taten mir leid. Lanyu fiel fast um vor Müdigkeit und beide Kinder waren, kaum unter die Bettdecken geschlüpft, auch schon im Reich der Träume versunken.

    Nachdem wir erst um ca. 2 Uhr zum Schlafen kamen, waren wir heute Morgen heilfroh, dass unser Hotel sonntags die Frühstückszeit bis 12 Uhr verlängert. Noch etwas zerschlagen vom Vortag, aber ausgeschlafen, habe ich die drei Fahrräder montiert und aufgepumpt, die drei Kartons in einander gesteckt und dann musste ich, wider Erwarten, akzeptieren, dass dieses Hotel keine Möglichkeit bot unseren Karton für die nächsten zwei Wochen zu lagern. Jetzt war gutes Rad teuer, könnte man sagen. Ich erkundete mit dem Rad das ganze Industriegebiet um das Hotel und schliesslich entdeckte ich eine tricky Chance: in einer Untergrundgarage, die offensichtlich zwar rege genutzt, aber völlig heruntergekommen war, haben Lanyu und ich dann am Abend den Karton in einer Ecke abgestellt - in der Hoffnung, dass dieser in zwei Wochen noch da sein wird, wenn wir wieder hier sein werden. Es blieb noch Zeit für Pizza bei "Domino" und etwas Sonne-tanken, aber leider nicht, um Mayen etwas von Barcelona City zu zeigen. Entschädigt wurde Mayen durch das "Feeling-like-Los-Angeles": die in der Sonne gleissenden Teerstrassen, die 15 m hohen Palmen und die Scharen von grünen Mönchssittichen, die hier lärmend von einer Dattelpalme zur nächsten fliegen.
    Morgen fahren wir Richtung Tarragona, weiter an der Costa Brava entlang.
    Okumaya devam et

  • Calafell

    6 Ekim 2025, Ispanya ⋅ 🌙 17 °C

    Die Nacht war ruhig und erholsam. Gegen 8 Uhr sassen wir am Frühstückstisch, die Taschen hatte ich bereits am Vortag gepackt, die Räder hatten wir hinter dem Hotel versteckt.
    Abfahrt um 9.30 Uhr, etwas spät. Die Google-Map-App schickt und ein ums andere Mal in falsche Richtungen: einmal führt sie uns auf eine Autostrasse, auf der der Verkehr mit 100 km/h rollt, z.T. ohne Standstreifen. Dann zeigt sie Strassen an, die nicht existieren oder für Radfahrer verboten sind. Das kostet uns fast eine Dreiviertelstunde. Am Ende entscheide ich nur noch nach Satellitenbild und Ausschilderung und das funktioniert schliesslich und führt uns durch ein schönes Naturschutz-Schilfgebiet mit einem Kanal, über mehrere Brücken und schliesslich zum ersten Mal ans Meer. Mayen ist happy!
    So sehr sie sich auch jahrelang geweigert hat an Radtouren teilzunehmen: jetzt erscheint sie hochmotiviert und erklärt, sie freue sich auf die Tour und das Fahren mache ihr Spass.
    In einem Fahrradgeschäft kaufe ich mir Handschuhe, da ich diese einzupacken vergessen hatte. Der freundliche Inhaber repariert auch gleich meine Kabelverbindung zum Nabendynamo und fixiert Lanyus Sattel.
    Mittags gehen wir in einem Supermarkt einkaufen und speisen auf einem Mäuerchen sitzend Nektarinen, Ananas und Brot.
    Dann geht es zur Sache: über 400 Höhenmeter sind zu überwinden, steil geht es rauf in die Küstenberge, rauf, runter, schiebend, schnaufend strampeln wir hoch, wobei Lanyu die beste Figur macht, obwohl er zwei Packtaschen übernommen hat. Und es ist, ehrlich gesagt, recht gefährlich, denn die engen Rechtskurven verwehren den Fahrern den rechtzeitigen Blick und für zwei LKW und uns ist auf der Strasse kein Platz. Aber es gibt hier nur eine einzige Strasse und alle Radfahrer müssen hier durch. Radfahren ist in Spanien, trotz der vielen Berge, sehr beliebt, fast ein Nationalsport und viele der Fahrer grüssen uns, halten den Daumen anerkennend hoch, Polizisten staunen uns hinterher, Fahrer hupen und rufen uns etwas zu - zwei Kinder auf Radtour ist auch in Spanien wohl ein seltener Anblick, vor allem in den Bergen.
    Die wunderschönen Ausblicke auf das dunkelblaue Meer und die pittoresken Berge an der Küste entschädigen für die schweisstreibende Mühe ihrer Bezwingung.
    Die Sonne brennt, da hilft irgendwann auch die Sonnencreme nicht mehr, so dass auch ich letztlich in lange Hosen schlüpfe.
    Endlich geht es nur noch abwärts, mäandernd schlängelt sich die enge Strasse zur Küste runter. Dort kehren wir in einem bei Einheimischen wohl beliebten Lokal ein - proppenvoll! Wir warten geduldig, denn was so gut besucht ist, muss gut sein.
    Nach anderthalb Stunden Pause fahren wir weiter. Inzwischen ist klar, dass wir das Tagesziel Tarragona heute nicht mehr erreichen können. Das wären fast 100 km Fahrtweg gewesen und es ist bereits später Nachmittag. Eine Stunde später entscheide ich eine Unterkunft auf dem Weg zu suchen. Wir fahren nochmals 17 km, kämpfen fast verzweifelt gegen einen etwa 30-35 km/h schnellen Gegenwind, der einem die letzte Kraft raubt, die Sonne geht unter und im Dunkeln erreichen wir den Campingplatz in Comarruga.
    High-5 für Mayen und Lanyu- tolle Leistung! Lanyu strotzt vor Kraft und ist nicht kleinzukriegen; was für ein Kerl!
    Okumaya devam et

  • Tarragona

    7 Ekim 2025, Ispanya ⋅ 🌙 20 °C

    Die Nacht haben wir auf einem tollen Campingplatz verbracht. Es war ruhig und eng im Container-Tiny-Reihenhäuschen. Ursprünglich wollten wir einen Tag verweilen, aber weil für den Rest der Woche mehr oder weniger Regen vorausgesagt wird, sind wir zwar verbummelt-spät aufgestanden, haben uns aber am Mittag doch Richtung Tarragona in Bewegung gesetzt. Den ganzen Tag geht es mal nahe, mal 1-2 km entfernt, aber stets an der Küste entlang. Über kilometerlange, palmgesäumte Strandpromenaden, mit etwas Gegenwind, im Sonnenschein bei 25 Grad, vorbei an Bettenburgen und winzigen Strandhäuschhen erreichen wir nach etwa 30 Kilometern am Nachmittag Tarragona.
    Auffällig finde ich bis jetzt, wie wenig Tiere in diesem Teil Spaniens zu sehen sind. Ausser den allerorten präsenten Mönchssittichen sieht man - wirklich nur vereinzelt - Möwen, Stare und einen Kuhreiher. Wir haben eine kleine Ringelnatter tot am Strassenand gesehen, aber nirgends Greifvögel, Kaninchen oder Hasen und nur eine einzige Eidechse. An einem Ort zirpten Zikaden.

    Was man aber überall reichlich findet ist Abfall. Es ist unbegreiflich, dass mit dem winzigen, verblieben Rest Natur immer noch derart verächtlich umgegangen wird und die wunderschönsten Aussichtspunkte genauso vermüllt werden, wie überhaupt jeder Rastplatz auf unserer Strecke.
    Mayens Fahrradkette ist mal abgesprungen, Lanyus Rad hat wohl ein Problem mit dem Tretlager, bei mir schleift die Vorderradbremse, aber ansonsten ist alles im Grünen Bereich.
    Wir haben in einem kleinen Hostel eingecheckt und fahren dann in die Altstadt, steil hoch, den Rest müssen wir, die Räder tragend, über eine Treppe erklimmen. Wie fast alle Küstenstädte an der Mittelmeerküste Spaniens geht auch Tarragona auf eine Gründung durch die Römer zurück. Entlang der Via Augusta findet man Grabstätten, Tempel- und Wehrturmreste der Römer. Die ca. 2000 Jahre alte Stadtmauer der Römer umfasst Tarragona zum grossen Teil noch heute.
    Seit Abfahrt in Zürich haben wir noch keine derart schöne Stadt gesehen, wie Tarragona, einfach zu schön, um nur kurz zu verweilen.
    In der Altstadt finden wir eine Bar zwischen den uralten Mauern. Unter Olivenbäumen geniessen wir Zitronenlimonade und eine lokale Spezialität aus gekochten Kartoffelstückchen, frischem Sellerie und einer scharfen Tomatensauce.
    Erst spät finden wir in den Schlaf.
    Okumaya devam et

  • Miami Platja

    8 Ekim 2025, Ispanya ⋅ 🌩️ 25 °C

    Aufbruch erst gegen 11 Uhr. Die Sonne scheint, aber der Wetterbericht droht mit tagelangem Regen und Gewittern.
    Frühstück im arabischen Imbiss in der Stadt. Das Inhaberehepaar streitet sich vor allen Leuten wie die Kesselflicker. Für kleines Geld hauen wir uns die Bäuche voll.
    In einem Fahrradgeschäft kaufen wir für Mayen eine Gel-Sattelauflage, da sie über lädierte Vier Buchstaben klagt.
    Abfahrt gegen 13 Uhr. Am Meer entlang sind die Ausblicke auf das Meer, die raue Felsenlandschaft und die zahlreichen Olivenhaine schon eine Tour wert.
    Unterwegs sehen wir eine ca. 40 cm lange Kreuzotter auf einem Betonsockel, die in der Sonne Wärme tankt. Ansonsten erstaunlich wenige Schmetterlinge, angesichts der überall blühenden Blumen und Sträucher. Fingerlange Heuschrecken, aber nach Gottesanbeterinnen halte ich vergeblich Ausschau.
    Wir erreichen den Touristenort Salou am Nachmittag, fläzen uns auf weisse Kunststoffstühle in einem Joghurt-Eiscafe. Mayen und Lanyu gehen kurz im Meer baden.
    Entlang einer schier endlosen Promenade und gewundener, schmaler Fahrradwege unter Palmen und Kiefern geht es trotz leichten Gegenwindes gut voran. Aber alsbald geht Mayen die Luft und Laune aus. In einem Olivenhain setzt sie sich entmutigt und trotzig hin - nichts geht mehr. Mühsam schleppen wir uns noch nach Miami Platja ins Hotel. Kriegsrat. Wie soll es weiter gehen? Totaler Abbruch und Umkehr? Papa mag das Gejammer und die ständigen Beschwerden, das Hinterherhängen auch nicht mehr. Wir einigen uns darauf, das Reiseziel auf die Erreichung von Valencia zu beschränken, womit Murcia entfällt, denn das wären weitere 250 km gewesen. Verteilt auf die verbliebene Reisezeit müssten wir mit moderaten 30 km Tagesleistung klar kommen. Das schafft auch Mayen. Zudem entscheiden wir, einen Tag in Miami zu bleiben.
    Okumaya devam et

  • Miami 2

    9 Ekim 2025, Ispanya ⋅ 🌩️ 22 °C

    Aufenthalt. Wäsche waschen und trocknen in einer Münzwäscherei, zum Friseur. Mayen und vor allem Lanyu lassen sich nicht zu einem Haarschnitt bewegen. Ich packe am Abend alles fertig um am Morgen rechtzeitig fortzukommen und mache in der Dunkelheit alleine noch eine ausgedehnte Rundfahrt durch den Ort. Eine schöne Promenade, der Wind rauscht friedlich in den Pinien, wenig Touristen, die meisten Restaurant sind geschlossen, die Saison vorbei. Dann beginnt es zu regnen und ich finde nicht auf Anhieb den direkten Weg zum Hotel. Bis ich ankomme, bin ich durchnässt.Okumaya devam et

  • Perelló-Mar

    10 Ekim 2025, Ispanya ⋅ 🌩️ 23 °C

    Wie immer später Aufbruch. Ein Zugeständnis an meine Schlafprobleme und die noch etwas unterentwickelte Leistungsbereitschaft der Kinder und wenn man eh nur im Schnitt 50 km Tagesleistung plant, ist das auch kein Problem.
    Der Himmel ist bedeckt, es windet ziemlich. Eine Pause direkt an der Küste kommt da gelegen, zumal uns das Navi wieder mal in die Irre geführt hat: wir fahren 1,5 km bergab Richtung Küste, nur um dort festzustellen, das dies eine Sackgasse ist. Das Meer brandet an den rauen Fels, der Wind rauscht durch die Büsche am Ufer, leere, kleine Ferienwohnungen überall, grösstenteils etwas verwahrlost. Wir fahren wieder bergauf und langsam setzt die Sonne sich gegen die Wolken durch. Am Nachmittag erreichen wir einen Tunnel der uns direkt zum Kiesstrand führt. Dann geht es wieder steil bergauf unter dem Beifall spanischer Campingtouristen. Dann geht es hinter dem küstennahen Grünstreifen, entlang einer Bahnstrecke auf und ab im Sonnenschein auf der N340. Wir rreichen Miama Plata am frühen Abend.
    Okumaya devam et

  • Perelló Mar

    11 Ekim 2025, Almanya ⋅ ☁️ 14 °C

    Ich hatte bereits am Vorabend Halsschmerzen, aber nun hat es mich richtig erwischt; wie mit einem Vorschlaghammer haut es mich hin. Kopfschmerzen, Mattigkeit, das Übliche. Vielleicht Fieber, aber Schweissausbrüche, ich kann kaum schlucken. D.h., wir bleiben erstmal hier, zwangsläufig. Draussen braut sich ein Unwetter zusammen, aber bisher ging dieser Krug an uns vorüber.
    Ich buche Halbpension. Nur unter grosser Anstrengung raffe ich mich am Abend zum Essen auf. Verlängerung bis morgen.
    Okumaya devam et

  • Perelló-Mar 2

    13 Ekim 2025, Ispanya ⋅ ☁️ 20 °C

    An eine Weiterreise ist zunächst, angesichts meines Zustandes, nicht zu denken, Tag 2 und 3 vergehen. Die Kinder hängen 10 oder mehr Stunden am Handy, ich habe nicht die Kraft dagegen zu halten, schlafe tagsüber ein.
    Gestern klingelten im Hotel hunderte von Handys: höchste Warnstufe des örtlichen Katastrophenschutzes. Die Strassen nach Barcelona und Valencia dürfen nicht mehr befahren werden. Trotz sturmartiger Böen und peitschenden Regens erscheint hier vor Ort die sich anbahnende Katastrophe nicht wahrscheinlich. Es regnet, aber es giesst nicht wie aus Eimern. Am Morgen sind die Nachrichten voller Videos der Überschwemmungen im Ebro-Delta, quasi gleich um die Ecke. Unser nächstes Reiseziel für morgen war La Rapita und genau dieser Ort ist völlig überflutet, Autos schwimmen durch die Stadt, braune Schlammfluten dringen in die Erdgeschosse ein. An Übernachtungsmöglichkeiten innerhalb der Stadt mag man nicht denken - die haben jetzt andere Sorgen.
    Die Autobahn und die Nationalstrasse sind genauso gesperrt, wie die Bahnstrecke nach Valencia. "Was nun?", sprach Zarathustra.
    Okumaya devam et

  • La Rapita

    14 Ekim 2025, Ispanya ⋅ ☀️ 24 °C

    Nach dem Frühstück packe ich unsere Sieben Sachen, ratz-ratz sind wir abfahrbereit. Ein freundlicher Rezeptionsmitarbeiter hat zwei Hotels im Zentrum von La Rapita angerufen, um die Lage zu checken. Eines war wegen der Überschwemmungen geschlossen, eines, im Zentrum, geöffnet. Das Wetter scheint besser als erwartet, die düsteren Prognosen von Regen bis zu unserer Abreise haben sich geändert - also fahren wir weiter.
    Kopfschmerzen - bei jeder Kopfbewegung kullert eine Bowlingkugel in meinem Schädel.
    Rückenwind und Zuversicht erleichtern uns die Fahrt; die Kinder sind ausgeruht. Je näher wir Sant Charles La Rapita kommen, desto mehr Schlamm liegt auf der Strasse. Überall sieht man, wo die Sturmfluten sich ihren Weg gebahnt hatten. Zum ersten Mal im Leben sehe ich grosse Flusskrebse, die hier offensichtlich aus ihrem eigentlichen Habitat weiter bergauf durch die Sturzfluten hier in die Kanäle gespült wurden und nun nicht mehr zurückkommen. Verzweifelt versuchen sie die steilen Beton-Kanalwände hochzuklettern, aber dort oben erwarten sie die sengende Sonne und trockene Felder, Baustellen, Verkehr. Und abwärts enden die Kanäle im Ebro, den wir am frühen Nachmittag erreichen.
    Wir überqueren den mächtigen Fluss, der sich ruhig und grün seinen Weg Richtung nahem Meer bahnt. Viele Felder sind noch überflutet und zahlreiche Vögel ernten die ertrunkenen Insekten.
    Als wir am Nachmittag in La Rapita ankommen, ist von der Katastrophe aber fast nichts zu sehen. Behörden, Hilfswerke und Bevölkerung haben ganze Arbeit geleistet, die Strassen freigeschaufelt, gekehrt und das Leben geht seinen üblichen Weg, als sei nichts gewesen - nur 2-3 Tage nach der Flut. Das wird natürlich in den Zentren der Katastrophe weiter oben in den Bergen anders aussehen.
    Wir kommen auf der Hauptstrasse des Ortes im angepeilten Hotel unter und ich packe den Wäschehaufen in eine Plastiktüte und laufe einen Kilometer zu einem Waschsalon (die Kinder zocken natürlich derweil). Dort herrscht Andrang, weil viele Haushalte keine Waschmaschine oder keinen Strom haben. Und wieder bin ich freudig überrascht von der Hilfsbereitschaft der Spanier, ihrem Gemeinschaftssinn. Man erklärt und hilft, praktisch jedermann engagiert sich für mich mit irgendetwas. Leider sind die Stühle aus dem Laden geschwemmt worden und ich muss 2 Stunden auf dem Boden sitzend warten, bis die Wäsche sauber und trocken ist.
    Das kleine Familienhotel hat eine exzellente Küche, aber - wie übrigens scheinbar allerorten in Spanien, niemand spricht mehr als 10 Worte Englisch. Der Kellner bringt uns eine Speisekarte auf Spanisch. Auf meinen Einwand hin, wir verstünden den Inhalt nicht, meint er lapidar und mit einer wegwerfenden Geste im Weggehen : "Go Google."
    Ernsthaft? Eine ganze Speisekarte googeln? Empört stehe ich auf und gehe. An der Rezeption mache ich meiner Verärgerung Luft, schliesslich ist dies ein Hotel und nicht nur ein Restaurant und rudimentäre Sprachkenntnisse des Englischen erscheinen nicht zu viel verlangt. Die Dame bemüht sich sichtlich, die Wogen zu glätten und druckt uns die eingespeicherte Speisekarte auf Englisch aus. Leider wissen die Kinder mit "Seehecht" und "Dorade" nichts anzufangen und es schmeckt ihnen auch nicht. Ich esse, was Ihnen nicht schmeckt ("...hätten wir Papa nicht, müssten wir uns glatt `ne Sau halten!") und irgendwie bekomme ich sie satt. Zudem hat gegenüber dem Hotel noch ein Kiosk geöffnet. Dies um ca. 22.30 Uhr - solche Arbeitszeiten sind, wie auch in Deutschland, Sache der vielen Ausländer. Hier in Spanien vorzugsweise Inder und Pakistaner. Sie und die vielen Magrebiner und Schwarzafrikaner, machen die "Drecksarbeiten": Tankstellenjobs, Strassen- und Bauarbeiten, Nachtwachen, Putzen und Reinigen, Spülen und einfache Arbeiten in den Küchen etc.
    Erst gegen Mitternacht kommen die Kinder endlich zur Ruhe und ich kann mich um unseren kleinen Online-Business kümmern.
    Okumaya devam et

  • Peñiscola

    15 Ekim 2025, Ispanya ⋅ ⛅ 23 °C

    Am Morgen geht es mir wieder etwas besser. Es fühlt sich gut an, den Tag in frischer Kleidung zu beginnen.
    Frühstück erst um 10.30 Uhr, Abfahrt am Mittag. Wir fahren zunächst aus der Stadt hinaus, bergauf, aber Lanyus Reifen ist fast platt. Also wieder zurück in die Stadt.. Wir finden eine Tankstelle, aber die hat keinen passendes Ventilaufsatz. Das Fahrradgeschäft gegenüber hat nicht geöffnet. Es ist mühsam den hohen Reifendruck für die Hinterräder mit einem 30 cm-Pümpchen aufzubauen, aber anders geht es nun nicht.
    Erneut bergauf, Mayen und ich schieben mal wieder unsere Räder. Lanyu ist der Held der Tour: trotz zweier Packtaschen und niedrigen Reifendrucks fährt er ehrgeizig jede einzelne Steigung hoch. Klackernd meldet sich zunehmend sein Tretlager - es muss nur noch bis Valencia halten...
    Wir finden eine Tankstelle und ich repariere den Reifen. Der Tankwart hilft wo er kann. Freundliche Leute allerorten in Spanien.
    Wir erreichen den Touristenort Vinaros, dann Benicarló. Nach etwa 40 km sind wir am Tagesziel Peñiscola, einem Highlight dieser touristisch geprägten Badeorte. Ich organisiere eine Unterkunft in einem kleinen Hotel um die Ecke, welches offensichtlich als Familienbetrieb geführt wird.
    Wir eilen alsbald hinunter zum Swimmingpool, wo wir von Mückenschwärmen verfolgt werden. Trotzdem eine herrliche Abkühlung. Dann fällt ein Schwarm von spanischen Sportschülern im Hotel ein und es wird laut, ja unerträglich. Das kann ja heiter werden...Die Rezeption versichert mir, dass es kein Problem geben werde, aber da haben die Inhaber die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn trotz mehrerer Interventionen von mir und dem Nachtportier geben die Mädels und Jungs ihre lautstarke Party nicht auf. Erst gegen 2.30 Uhr in der Nacht wird es langsam ruhig genug um mir eine Mütze Schlaf zu ermöglichen. Um 7.30 beendet die Jugendgang dann lautstark jede Schlafbemühung. Bei der Abreise beschwere ich mich und erhalte eine Teilerstattung, aber ich bin wie gerädert.
    Okumaya devam et