• Sandra Derfler
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Abenteuer südliches Afrika

A 331-day adventure by Sandra & Philipp Read more
  • Regen in Underberg

    Apr 20–25, 2025 in South Africa ⋅ ☁️ 20 °C

    Nach all den Eindrücken im wilden, ursprünglichen Lesotho gönnen wir uns erstmal eine Pause zum Durchatmen – und Aufwärmen. Wir finden auf der Khotso Farm alles, was das Herz nach ein paar kalten und nassen Zeltnächten braucht: eine heiße Dusche, knisterndes Kaminfeuer und null Zeltabbau am Morgen. Luxus pur! 🔥🚿⛺

    Der Himmel? Meistens schwarz - grau und nass, ab und zu ein Regenbogen. Die Sonne? Kurz da, dann gleich wieder weg, nichts neues also…

    Wir verbringen die Regenpausen stilvoll am Feuer und nutzen die Zeit für die Planung unserer nächsten Stationen.

    Und weil die Welt ja bekanntlich ein Dorf ist: Philipps Eltern waren 2010 in Lesotho und haben damals in den Highlands einen wilden Kerl getroffen – er führte Touristen mit Pferden nach Lesotho. Sie schickten uns ein altes Foto... und was sehen wir im Camp an der Wand? Genau den gleichen Typen – als Besitzer der Farm. Wir lernen Steve kennen und verbringen eine wunderbare Zeit auf Khotso.

    Backend, Kaffee trinkend, kochend… und nebenbei mit unzähligen Bekanntschaften mit spannenden Menschen aus aller Welt vergeht die Zeit doch wie im Flug…
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  • die höchsten Wasserfälle von unten

    April 26, 2025 in South Africa ⋅ ⛅ 14 °C

    Unsere Beziehung zum Wettergott? Nennen wir sie... kompliziert. Das Wetter bremst uns weiter aus – aus den verschiedenen geplanten Abenteuer wurde eher eine entspannte Warterei am Kaminfeuer. Die mehrtägige Besteigung des Mafadi, immerhin der höchste Berg Südafrikas? Gestrichen. Zu viel Schnee, zu wenig Sicht – vernünftige Entscheidung, auch wenn’s schwerfiel.

    Aber ein Highlight wollten wir uns nicht nehmen lassen: die Tugela-Wasserfälle – immerhin der zweithöchste Wasserfall der Welt! Also: Wanderschuhe geschnürt, Rucksack gepackt, los geht’s.

    Der Weg durch den Nationalpark ist ein Traum: saftig grüne Hänge, kristallklare Bäche, einfach Bilderbuch-Natur. Und trotzdem – ich muss gestehen: Ich vermisse die wuscheligen Schafe aus Lesotho.

    Und der sagenumwobene Wasserfall? Hmmm... sagenumwoben trifft’s ganz gut. Mit seinen 948 Metern ist er auf dem Papier spektakulär – in der Realität haben wir ihn eher erraten als gesehen. Dicke Nebelschwaden, wolkenverhangene Hänge... Der Tugela bleibt lieber geheimnisvoll.

    Ein südafrikanischer Bekannter hat’s treffend formuliert: „Der Wasserfall ist schon groß – aber die Berge drum herum sind halt viiiieeel, viiiieeel größer.“
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  • …und von oben

    April 27, 2025 in South Africa ⋅ ☀️ 8 °C

    Heute zeigt sich das Wetter noch einmal von seiner besten Seite. Wir beschliessen, einen weiteren Tag in der Gegend zu verbringen und machen uns auf den Weg Richtung Sentinel – diesmal mit dem Ziel, die Tugela-Fälle von oben zu sehen.
    Die Auffahrt zur letzten Parkmöglichkeit bringt unseren Landy und noch viel mehr uns selber schon gut auf Betriebstemperatur. Die Strecke ist völlig ausgewaschen und nur mit Allradantrieb und viel Bodenfreiheit machbar.

    Vorbereitung ist bekanntlich die halbe Miete, aber ohne Internet ist das manchmal leichter gesagt als getan. Wie hätten wir wohl vor 30 Jahren so eine Reise geplant? Wir dachten jedenfalls, vom Parkplatz aus sei die Wanderung gemütliche zwei Stunden. Hätten wir uns besser informiert, wüssten wir, dass man gut und gern sechs bis sieben Stunden einplanen sollte. Doch die Anstrengung lohnt sich. Die Landschaft, die Ausblicke, das Licht, einfach überwältigend. Und der Blick auf die Fälle, auch wenn sie über Nacht nicht grösser geworden sind, ist magisch.

    In wunderbar afrikanischer Abendstimmung, begleitet von den letzten Sonnenstrahlen, erreichen wir unseren treuen Landy. Trotz der fortgeschrittenen Stunde entscheiden wir uns, noch in die Dämmerung hineinzufahren – mit dem Ziel, im nächsten Städtchen zu übernachten.

    Doch kaum ist die Sonne ganz verschwunden, zeigt sich, warum eine der goldenen Overland-Regeln lautet: Fahre niemals bei Nacht.
    Und jetzt wissen wir auch, warum. Wir durchqueren die weitläufige Siedlung Phuthaditjhaba. Die Strasse schlängelt sich durch ein dunkles Gewirr von Häusern, unbeleuchteten Gassen und staubigen Kreuzungen. Menschen tauchen plötzlich aus dem Nichts auf, Tiere überqueren ohne Vorwarnung die Fahrbahn. Schlaglöcher, tief und unerbittlich, verstecken sich in Schatten und die wenigen entgegenkommenden Fahrzeuge blenden uns mit ihren grellen Scheinwerfern fast vollständig aus der Realität.

    Die Landschaft, die uns tagsüber noch so beeindruckt hat, verschwindet in einem undurchdringlichen Schwarz. Kein Horizont, keine Kontur – nur das flackernde Licht unserer Scheinwerfer, das mühsam ein paar Meter Sicht freigibt. Die Fahrt verlangt höchste Konzentration und Nerven wie Drahtseile.

    Harrysmith ist vielleicht nicht der spektakulärste Ort unserer Reise, aber heute Nacht fühlt sich dieser unscheinbare Zwischenstopp an wie eine Oase.
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  • Raststätten Romantik

    Apr 27–28, 2025 in South Africa ⋅ 🌙 11 °C

    Als wir im Dunkeln in Harrysmith ankommen, liegt schon ein mystischer Hauch von Absurdität in der Luft – unser Platz entpuppt sich als trostlose Ecke direkt auf einer Autobahnraststätte. "Berg View" heisst der Ort passenderweise, doch im stockfinsteren Nichts ist davon nichts zu sehen. Es ist kalt, der Boden feucht, und statt idyllischer Ruhe, begleiten uns Motorengeräusche und das gelegentliche Zischen von Lkw-Bremsen in den Schlaf. Am nächsten Morgen wachen wir im dichten Nebel auf – alles ist grau, feucht, kalt und das monotone Rauschen von der nahen Autobahn fällt schon gar nicht mehr auf.

    Und doch hat dieser seltsame Ort, auf seine ganz eigene Weise, Charakter. Wir sind in ein paar Schritten aus dem Bett direkt im Mugg n‘Bean und geniessen vor unserer Fahrt einen ganz passablen Kaffee, eine heisse Schokolade, ein healthy Müesli und ein Egg Benedict…🤷🏼‍♂️
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  • Back to the roots

    Apr 28–May 1, 2025 in South Africa ⋅ ☀️ 23 °C

    Unser erster Abstecher Richtung Osten hat tiefere Beweggründe, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

    Die Entscheidung, ob wir von Kapstadt aus nach links Richtung Namibia oder nach rechts an die Ostküste und weiter nach Johannesburg fahren sollten, bereitete mir einige schlaflose Nächte. Schlussendlich brauchte es noch ein Ultimatum (2 Monate ☺️), um eine Richtung festzulegen – denn diese Entscheidung war keine rein geografische.

    Ich wurde in Johannesburg geboren, bin aber seither nie wieder dorthin zurückgekehrt. Als wir uns für die Reise beim Tropenarzt vorbereiteten, durchsuchte ich meinen alten Impfausweis – und fand darin die Adresse der Klinik, in der ich meine erste Impfung erhalten hatte (und auch geboren wurde?). Direkt darunter: die Adresse unserer damaligen Wohnung.
    Damit war der Samen gepflanzt. Der Gedanke liess mich nicht mehr los. Johannesburg liegt allerdings nicht gerade um die Ecke – auf direktem Weg von Cape Town sind es etwa 1400 Kilometer. Mit unserem Zickzack-Kurs Approach summiert sich die Strecke schließlich auf satte 5000.

    Long story short: Jetzt sind wir hier. In Johannesburg, einer Stadt, die zu den gefährlichsten der Welt zählt.

    Die letzten Kilometer ab Harrismith verlaufen ruhig und angenehm. Die Strasse ist in gutem Zustand, keine Schlaglöcher weit und breit. Die Sonne scheint, und zu beiden Seiten ziehen sich weite Felder, sattgrün und friedlich. In Rosebank, einem sicheren und lebendigen Viertel der Stadt, finden wir ein Airbnb – ein perfekter Ausgangspunkt für unsere nächsten Schritte.
    Schon am nächsten Tag steigen wir in einen Uber. Unser erstes Ziel: die Klinik in Parkhurst.

    Das Gebäude ist einfach und zweckmässig. Ein einstöckiger Bau, weisse Fliesen, der Geruch von Desinfektionsmittel in der Luft. Im Wartebereich sitzen unzählige Menschen – auf abgegriffenen Kunststoffstühlen oder unter einem schattenspendenden Vordach. Manche warten offenbar seit Stunden. Trotz allem herrscht eine fast stoische Ruhe: Gespräche, Kinderstimmen, gedämpfte Geschäftigkeit, eine Atmosphäre voller Geduld und stiller Hoffnung.

    Unsere zweite Station bringt uns zur Wabord Road. Die Adresse in meinem Impfausweis. Das Haus steht noch, oder zumindest ein Haus. Heute ist es von einer hohen Mauer umgeben, ein Schild am Eingang deutet darauf hin, dass es nun als Pension genutzt wird. Wir klopfen ans Tor. Jemand öffnet, freundlich, aber vorsichtig. Wir dürfen einen kurzen Blick in den Innenhof werfen, Fotos sind nicht erlaubt. Kurz darauf wird die Schiebetür wieder geschlossen.

    So stehe ich also zum ersten Mal seit meiner Kindheit wieder an meinem Geburtsort.
    Im ersten Moment fühlt es sich seltsam leer an. Keine Erinnerung. Kein vertrautes Gefühl. Keine sentimentale Wärme. Und doch, irgendetwas rührt sich in mir.

    Als ich damals hier zur Welt kam, herrschte nicht nur in Soweto Unruhe, die Apartheid prägte das tägliche Leben, und das politische Klima war gespannt. All das war Teil der Welt, in die ich geboren wurde. Auch wenn ich keine bewusste Erinnerung daran habe, scheint dieser Ort all das für mich in sich zu tragen. Als stilles Echo einer Vergangenheit, die ich Schritt für Schritt versuche zu verstehen.
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  • Apartheid Museum

    May 2, 2025 in South Africa ⋅ ☀️ 18 °C

    Wir möchten uns in Süd Afrika nicht nur der landschaftlichen Schönheit und den kulturellen Höhepunkten widmen, sondern uns auch mit der schweren Vergangenheit des Landes auseinandersetzen. Die Geschichte der Apartheid, des jahrzehntelangen Systems der Rassentrennung, ist ein düsteres und beklemmendes Kapitel.

    Heute besuchen wir das Apartheid Museum im Süden von Johannesburg – das einzige Museum, das sich vollständig diesem Thema widmet. Schon der Eintritt ist ein klares Statement: Jede/r Besucher/in erhält ein Ticket, das einen entweder als „White“ oder „Non-White“ einstuft. Ich werde als „Non White“ klassifiziert und betrete das Museum durch einen eigens bezeichneten Eingang – ein eindringlicher Einstieg in eine schmerzvolle Realität.

    Das Museum zeigt die Entstehung der Apartheid ab 1948, ihre Ausweitung über die Jahrzehnte, den Widerstandskampf, den Fall und schliesslich die Aufarbeitung nach ihrer offiziellen Abschaffung in den 1990er-Jahren. Besonders beeindruckend ist die multimediale Gestaltung: riesige Bildwände, eindrückliche Film- und Tonaufnahmen sowie berührende Originalobjekte vermitteln die Geschichte auf bewegende Weise.

    Ich bin sonst kein grosser Fan von Museen – doch dieses hat mich tief berührt. Es hat mich nachdenklich gemacht, erschüttert – und ja, ein paar Tränen sind über meine Backen geflossen.

    Die Apartheid war ein System staatlich organisierter Diskriminierung, das Menschen nach Hautfarbe klassifizierte und ihnen elementare Rechte vorenthielt. Schulen, Universitäten, Toiletten, Parkbänke, selbst Spielplätze waren streng getrennt – „Whites only“ war allgegenwärtig. Schwarze Kinder erhielten eine schlechtere Ausbildung, bewusst mit dem Ziel, sie zu billigen Arbeitskräften zu formen.

    Während in Südafrika farbige Kinder auf die Strasse gingen, um gegen ein Bildungssystem zu protestieren, das sie kleinhalten sollte, schrieb der Rest der Welt Geschichte: In Kalifornien gründeten zwei junge Tüftler Apple, Star Wars eroberte die Kinos, und der erste Überschalljet verkürzte die Reisezeit über den Atlantik drastisch. Es wurden im Rahmen des Apollo Programmes sechs Mondlandungen geschafft. Amnesty International wurde mit dem Friedensnobelpreis geehrt – ein starkes Zeichen für Menschenrechte, das ironischerweise zur gleichen Zeit gesetzt wurde, als in Soweto farbige Schülerinnen und Schüler von der Polizei erschossen wurden. Die Menschheit träumte vom Fortschritt, während in Südafrika schwarze Kinder dafür starben, einfach nur lernen zu dürfen.

    All das geschah nicht im fernen Gestern, sondern endete offiziell erst 1994, vor gerade einmal 30 Jahren.

    Untrennbar verbunden mit dem Ende der Apartheid ist Nelson Mandela. Als junger Anwalt kämpfte er gegen das System, wurde dafür 27 Jahre inhaftiert – und ging dennoch nicht gebrochen aus der Haft. 1994 wurde er der erste schwarze Präsident Südafrikas – und zum Symbol für Versöhnung, Stärke und Hoffnung.

    So verlassen wir das Museum mit schweren Herzen, treten in die afrikanische Dämmerung und sind erschlagen von der Schönheit der Farben und Stimmungen von diesem wunderbaren Land. Welche Gegensätze!
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  • Unverhofftes Coffee Tasting

    May 3, 2025 in South Africa ⋅ ☁️ 16 °C

    In Johannesburg scheint Speciality Kaffee noch nicht angekommen zu sein. Ein cooles Kaffee haben wir aber gefunden (Danke Alex). Über Insta erfahren wir dann vom öffentlichen Cupping. Das lassen wir uns nicht entgehen und zack, Samstag 13 Uhr geht es los...
    Verschiedene Herkünfte, Bohnen, Verarbeitungsarten, Röstgrade, einen Haufen Fachausdrücke – jeder Sip ein kleines Abenteuer. Wir haben die Aromen diskutiert, geschlürft, verglichen. Unser Favorit: ein fruchtiger Äthiopier mit Noten von Nüssen und dunkler Schokolade.

    Zum Abschluss noch ein nettes Gespräch mit Chad, dem Besitzer der Rösterei. Zwischen Kaffeesäcken und Röstanlagen unterhielten wir uns über Overlanding , Landrover (er besitzt auch einen Puma) – lange Reisen abseits befestigter Strassen – und darüber, wie ähnlich eigentlich Kaffeerösten ist: beides erfordert Geduld, Neugier und den Mut, Neues zu wagen.

    Danach lassen wir den Nachmittag mit Routenplanung im Kaffee ausklingen. Durch den vielen Kaffee sind wir so richtig euphorisiert und schmieden grosse Pläne..

    Ein Tag voller Geschmack, Gespräche – und viel zu viel Koffein. Die Nacht war dann entsprechend sehr kurz, das Koffein tat seine Wirkung (nach 2 Runden und 17 Kaffees).
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  • Aus zwei werden acht

    May 5, 2025 in South Africa ⋅ ☀️ 20 °C

    Eigentlich wollten wir nur zwei Nächte in Johannesburg bleiben. Ein kurzer Stopp, meine Wurzeln besuchen, den Landy für einen Check in die Werkstatt bringen – und zack, wieder raus.

    Doch dann kam alles ein bisschen anders. Wegen des 1. Mai, einem Brückentag und dem anschließenden Wochenende verzögert sich die Lieferung von Ersatzteilen – und plötzlich hängen wir deutlich länger in der Stadt fest, als gedacht.

    Johannesburg, oder Jozi, wie sie hier liebevoll genannt wird, ist mit über sechs Millionen Einwohnern eine echte Metropole. Und was für eine! Laut, lebendig, widersprüchlich, aufregend. Eine Stadt der Extreme – definitiv nichts für schwache Nerven.

    Für uns ist vieles ungewohnt. Ohne Auto geht hier nichts – Jozi fährt. Da unser Landy sich eine ausgiebige Wellness-Auszeit in der Werkstatt gönnt, sind wir ausschließlich mit Uber unterwegs. Man lässt sich an einer Adresse absetzen, klingelt, verschwindet direkt hinter einem Gate. Hinter Mauern tun sich dann Oasen auf, man ist wie in einer anderen Welt. In einigen wenigen Vierteln können wir uns tagsüber auch mal ein bisschen zu Fuß bewegen, aber das bleibt die Ausnahme.

    Was sofort ins Auge fällt: Die ganze Stadt ist abgeschottet. Überall hohe Mauern, elektrische Zäune, Stacheldraht, Überwachungskameras. Es gibt mehr private Sicherheitsleute als Polizisten, Einkaufszentren werden von schwer bewaffneten Guards bewacht. Das Sicherheitsbedürfnis ist unendlich – und allgegenwärtig.

    Und trotzdem: Wir sehen viel, sind ständig unterwegs, entdecken wunderbare Orte. Kleine Bäckereien, gemütliche Cafés, liebevoll geführte Buchläden. Jozi hat für uns eine ganz besondere Atmosphäre – etwas Raues, Unverstelltes. Man spürt die unglaublich schwere Geschichte der Stadt. Sie ist nicht einfach, aber sie hat Charakter. Und genau das macht sie für uns so faszinierend.

    Umso größer ist dann doch die Freude, als Andrea früher als gedacht Bescheid gibt: Unser mobiles Zuhause ist bereit – und wir können endlich wieder los, raus aus der Stadt, Richtung Westen.
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  • Landydoktor

    May 6, 2025 in South Africa ⋅ ☀️ 23 °C

    Die Oase für Land Rovers in Johannesburg.

    https://www.instagram.com/unrealfendi?igsh=MWE3…

    Wir sind super glücklich unser Zuhause wieder „Unser“ zu wissen.
    Vielen Dank dem A-Team!

  • Augrabie Falls mit viel Wumms

    May 8, 2025 in South Africa ⋅ ☀️ 29 °C

    Natürlich sind die Augrabies-Fälle für uns ein Muss – erst recht bei dem ganzen Wasser, das da aktuell runterdonnert! Die Wasserfälle zeigen sich gerade von ihrer spektakulärsten Seite, so mächtig wie schon lange nicht mehr. Normalerweise kann man das Naturschauspiel von sechs Plattformen aus bestaunen… normalerweise. Momentan sind allerdings nur zwei offen – der Rest ist wegen Hochwasser geschlossen. Aber auch von diesen zwei Plattformen aus ist das Erlebnis einfach nur traumhaft. Die Gischt fühlt sich an wie ein Regen, aber so ein richtiger. Man steht da, wird klatschnass, staunt, versucht ein halbwegs trockenes Foto zu machen (klappt nicht), und ist einfach nur beeindruckt. Einige Südafrikaner sind über 1000 Kilometer gefahren, nur um dieses Naturspektakel zu sehen. Ich bin unendlich dankbar, das miterlebt zu dürfen. Die Natur ist wirklich einfach genial.Read more

  • Dattelfarm in der Wüste

    May 9–11, 2025 in South Africa ⋅ ☀️ 27 °C

    Mitten in der trockenen Weite des Northern Cape finden wir einen ganz besonderen Ort. Die Dattelfarm Klein Pella. Hier, wo der Niederschlag mickrige 50 bis 75 Millimeter im Jahr beträgt und Temperaturen von oft über 40 Grad herrschen. Doch genau hier gedeihen Tausende von Dattelpalmen – Bäume, die für ihr enormes Bedürfnis nach Wasser bekannt sind. Sie lieben Hitze und brauchen trockene, sandige Böden – eine Kombination, die schwer zu finden ist. Und doch: Hier passt scheinbar alles perfekt zusammen.

    Einem Farmer ist es hier gelungen die größte Dattelfarm der südlichen Hemisphäre aufzubauen. Möglich wird das durch ein beeindruckendes System der natürlichen (und einem kleinen Bisschen menschlicher) Wasserumleitung. Der lebenswichtige Regen fällt weit entfernt, in Lesotho und im Free State, ca 1000km östlich. Von da wird er vom mächtigen Orange River durch das Land nach Westen getragen.

    Entlang seines Laufs versorgen gewaltige Pumpstationen die umliegenden Farmen mit Wasser – nicht nur für die durstigen Dattelpalmen, sondern auch für saftige Weintrauben, aromatische Zitrusfrüchte und leuchtend rote Granatäpfel. Eine beeindruckende Symbiose von Natur und Technik, die uns tief beeindruckt. Im Moment steht das Wasser nach einer heftigen Flut sehr hoch. Jedoch ist der Strom ein seidiger Faden.

    Wir geniessen die Ruhe und die Datteln in unerschöpflichen Mengen auf der Farm. Bei bester Gesellschaft und typisch südafrikanischen Braaii Abenden lässt es sich gut in Afrika leben.
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  • Durch Minenland im Northern Cape

    May 10, 2025 in South Africa

    Der Bergbau ist in Südafrika mehr als nur ein Wirtschaftszweig – er ist tief verwurzelt in der Geschichte, der Identität und dem Alltag des Landes. Seit über 150 Jahren werden hier wertvolle Rohstoffe abgebaut: Gold, Platin, Diamanten, Mangan und Eisenerz prägen nicht nur die Industrie, sondern ganze Landstriche. Johannesburg selbst verdankt seine Entstehung dem Goldrausch Ende des 19. Jahrhunderts – eine Stadt, die buchstäblich auf Gold gebaut wurde.

    Auf unserem Weg von Johannesburg Richtung Südgrenze von Namibia, durchqueren wir den sogenannten „Mineral Belt“, eine der rohstoffreichsten Regionen Südafrikas. Vor allem Mangan und Eisenerz werden hier in gigantischen Mengen gefördert. Die N14 ist auf langen Abschnitten geprägt vom Bergbau: endlose Lastwagenkolonnen, riesige offene Minen am Straßenrand, Staub. Der industrielle Pulsschlag ist unübersehbar.

    Der Bergbau hinterlässt Spuren – nicht nur in der Landschaft, sondern auch im Leben der Menschen. Über Generationen hinweg wurde der Alltag vom Rohstoffabbau bestimmt. Entlang der Strecke reiht sich ein Minenstädtchen ans nächste. Ohne Glanz. Meist ein grosses Township inklusive. Manchmal aber auch endlose Einfamilien Häuschen. Die Landschaft wirkt unwirklich – von Menschenhand in gigantischem Ausmaß umgegraben, durchzogen von Maschinen, die wie Spielzeug aus einer anderen Welt wirken. Die Rohstoffe verschwinden in Richtung Hafen. Es scheint als blieben nur die Löcher zurück. Wenn eine Miene ausgebeutet ist, zieht der Tross zur nächsten.

    Von der Strasse aus sehen wir meist nur Zäune, Tore, hohe Wälle – der direkte Blick auf die Minen bleibt oft verwehrt. Deshalb sind die Bilder aus dem großen, weiten Netz.

    Nach einem langen Fahrtag mit dem leise schnurrenden Landy, erreichen wir schließlich Red Sands – eine kleine Oase inmitten der trockenen Weite, gleich außerhalb von Kuruman. Endlich schlafen wir wieder in unserem eigenen Zuhause.
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  • Namibia here we are

    May 12, 2025 in Namibia ⋅ ☀️ 27 °C

    Mittlerweile haben wir Südafrika hinter uns gelassen und sind in unserem nächsten Land des südlichen Afrikas angekommen: Namibia 🇳🇦.
    Wir freuen uns auf atemberaubende Landschaften, faszinierende Tierwelt und herzliche Begegnungen mit den Menschen, die dieses Land prägen.

    Namibia begeistert nicht nur mit seiner unendlichen Weite, sondern auch mit beeindruckenden Zahlen: Es ist doppelt so groß wie Deutschland, doch mit nur rund 2,7 Millionen Einwohnern ist es eines der am dünnsten besiedelten Länder der Welt. Im Schnitt leben hier gerade einmal drei Menschen pro Quadratkilometer – dafür deutlich mehr Antilopen.

    Das Straßennetz umfasst stolze 49.000 km, von denen jedoch nur ca 7.000 km asphaltiert sind. Es wird holprig, staubig – und einfach wunderbar. Denn Dirt Roads & Namibia ist wie Gin & Tonic oder Afrika & Sonnenuntergang. Es wird hart für men and machine…

    Unser erster Stopp nach einem erstaunlich unkomplizierten Grenzübertritt ist Aussenkehr – ein Ort mitten im Nirgendwo. Umgeben von Felsen, Hitze und einer gewaltigen Portion Staub erwarten wir... nun ja, nicht viel. Doch dann: ein grünes Wunder! Direkt am Ufer des Orange River breitet sich eine riesige Plantage aus. Über 2.500 Hektar Tafeltrauben wachsen hier – mitten in der Wüste.

    Diese Trauben landen übrigens in den europäischen Supermärkten, oft mitten im Winter. Dank des heißen Klimas beginnt die Ernte in Aussenkehr rund vier Wochen früher als in anderen Teilen des südlichen Afrikas – ein entscheidender Vorteil und das Erfolgsgeheimnis dieses Orts.

    In der Hochsaison arbeiten hier bis zu 18.000 Menschen. Viele kommen aus dem Norden Namibias, aus strukturschwachen Regionen – manche auch aus Südafrika. Viele leben während der Erntesaison direkt vor Ort, in einfachen Hütten aus Schilf, meist ohne Strom und fließendes Wasser. Und doch tragen sie Hoffnung in sich – auf ein besseres Leben, auf neue Perspektiven, auf einen sicheren Job inmitten der Wüste.

    Jetzt, in der Nebensaison, ist es ruhig. Die Erntezeit steht noch bevor – in ein paar Wochen beginnt das "Auseinzeln", das behutsame Freistellen der Fruchtstände.

    Aussenkehr ist ein Ort der Gegensätze: roter Staub trifft auf grüne Reben, harte Arbeit auf stille Träume.

    Wir gönnen uns ein paar Tage zum Ankommen, zum Durchatmen – und um all die Eindrücke des Northern Cape zu verarbeiten. Unser Platz direkt am Orange River könnte dafür nicht schöner sein. Ein kleines Paradies zwischen Hitze, Wasser und Wind.
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  • Canyon so weit das Auge reicht

    May 13, 2025 in Namibia ⋅ ☀️ 28 °C

    Von Aussenkehr aus machen wir uns auf den Weg nach Norden – zum Fish River Canyon. Es ist unsere erste Fahrt über namibische Sandpisten, und wir sind überrascht: Statt holprigem Rüttelabenteuer gleiten wir fast schwerelos dahin. Die Piste ist seidig glatt, fast wie ein weiches Kissen unter den Reifen. Wir cruisen durch eine einsame, stille Landschaft, die wie aus der Zeit gefallen scheint.

    Und dann: Der Fish River Canyon – nach dem Grand Canyon in den USA der zweitgrösste Canyon der Welt! Über 160 Kilometer lang, an manchen Stellen bis zu 27 Kilometer breit und bis zu 550 Meter tief, zieht sich diese gewaltige Schlucht durch das südliche Namibia – bis hin zur Mündung in den Orange River.

    Von den verschiedenen Aussichtspunkten eröffnet sich uns ein spektakulärer Blick in diese schroffe, urzeitlich anmutende Landschaft. Ein Anblick, der ehrfürchtig macht. Die Natur hier ist wild, rau, unberührt – ein echtes Naturwunder.

    Und als wäre das alles nicht schon beeindruckend genug, entdecken wir am Grund des Canyons sogar Wasser – ein seltener Anblick. Unser Wetterglück verfolgt uns scheinbar weiter. In Namibia ist dieses Jahr an vielen Orten so viel Regen gefallen wie seit Jahren nicht mehr.
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  • Magic wild camp

    May 14, 2025 in Namibia ⋅ ☀️ 31 °C

    Auf dem Rückweg vom Canyon entscheiden wir uns spontan für eine Abkürzung. Ein Trockenflusslauf schlängelt sich durch eine Schlucht. Etwas Bodenfreiheit und wir meistern das trockene Bachbett problemlos. Die Route führt uns durch eine enge Schlucht mit steilen Felswänden, die Spuren der letzten Flut sind noch gut sichtbar.

    Die Kulisse ist so schön, dass wir kurzerhand unser Lager hier aufschlagen. Zufällig treffen wir auf Gleichgesinnte – und verbringen gemeinsam einen wunderbaren Abend am Lagerfeuer, voller Geschichten über das wilde Afrika.

    Die Nacht ist magisch: sternenklarer Himmel, Vollmond, absolute Stille.

    Am frühen Morgen weckt uns das laute Geschrei von Baboons – besser kann ein Tag kaum beginnen.
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  • Keine Diamanten in Lüderitz, aber…

    May 18, 2025 in Namibia

    Von Klein-Aus fahren wir Richtung Atlantik – nach Lüderitz, diesem kleinen, schrägen Ort, hinter dem riesigen Diamanten Sperrgebiet, gerade bevor die Wüste gefühlt direkt ins Meer fällt. Auf der Strecke gibt es eine kurze Begegnung mit den wilden Pferden von Garup. Die wilden Pferde leben inmitten der kargen Namib-Wüste – frei, stolz und zäh. Niemand weiss genau, wie sie einst hierherkamen, doch sie haben sich perfekt an das raue Leben zwischen Sand, Hitze und Trockenheit angepasst. Ihr Anblick in dieser unwirtlichen Landschaft ist ebenso überraschend wie beeindruckend.

    Lüderitz wirkt wie ein Mix aus deutscher Vergangenheit, Fieber nach Diamanten und ebenso grosser Ernüchterung. Die deutsche Geschichte ist allgegenwärtig: Strassennamen wie Bismarck oder Nachtigall Strasse, Landjäger und Bierwurst im Supermarkt – und yep, jeder der kann spricht sehr gerne Deutsch.

    Weil der Wind ausnahmsweise Pause macht, suchen wir uns ein Plätzchen auf der Diaz-Halbinsel. Wir finden erfolgreich, geniessen einen wunderschönen Nachmittag direkt an der Beach und schlafen zum Tosen des Atlantiks ein.

    Die Tierwelt lässt uns staunen. Ein Flamingo stolziert regelmässig an uns vorbei – ganz offensichtlich sein Revier. Vor uns surfen Heaviside-Delfine (eine seltene Art, die es nur hier gibt) elegant auf den Wellen. Am Ufer: Robben, die den ganzen Tag damit beschäftigt waren, möglichst nichts zu tun – Gähnen, Sonnenbaden, gelegentlich mal eine Flosse heben. Und dann, als Krönung: Ein Wal taucht auf, reckt seine Flosse in den Himmel und verabschiedet sich mit einer dicken Wasserfontäne.
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  • D707 in strömendem Regen

    May 20, 2025 in Namibia ⋅ 🌬 11 °C

    Heute geht’s weiter Richtung Norden – unsere grobe Haupthimmelsrichtung für die erste Hälfte der Reise. Wir entscheiden uns, die legendäre D707 zu fahren, eine Piste, die als eine der schönsten Strecken Namibias gilt.

    Die D707 schlängelt sich entlang der östlichen Grenze des Namib-Naukluft-Parks. Links die roten Dünen der Namib, rechts in starkem Kontrast schroffe Berge, die Tiras Berge. Kaum Verkehr, endlose Weite, pure Einsamkeit – und eine Landschaft, die sich mit jeder Kurve neu entfaltet. Ein echtes Highlight und wir freuen uns auf den Tag.

    Doch für uns haben sich die Sterne etwas ganz besonderes überlegt, die D707 zeigt sich von einer ganz besonderen, rauen Seite: Kurz nach dem Abzweig trifft uns die angekündigte Kaltfront mit voller Wucht. Der Himmel verdunkelt sich dramatisch, starker Wind wirbelt Sand durch die Luft und nimmt uns zunehmend die Sicht. Um uns herum tanzen Regenzellen, und wir steuern direkt hinein. Dann prasselt der Regen los – heftig, unaufhaltsam, wie ein Wasserfall vom Himmel.

    Zum Glück finden wir Unterschlupf auf einer kleinen Farm. Am wärmenden Feuer kommen wir wieder zu uns und beschliessen, die Nacht im Auto zu verbringen – nicht zum ersten Mal unsere improvisierte Notlösung. Der Regen lässt irgendwann nach, doch der Wind bleibt. Und wird uns, wie wir bald merken, noch eine Weile begleiten.
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  • Roter Sand und Lehm in der Namib

    May 23, 2025 in Namibia ⋅ ☀️ 32 °C

    Der Tag beginnt ungewohnt früh. Zum ersten Mal seit Langem klingelt wieder ein Wecker. Wie sich das wohl anfühlt, nach so vielen Tagen ohne Zeitplan? Schnell packen wir zusammen und starten noch vor Sonnenaufgang Richtung Sossusvlei.

    Schon die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis für sich: Die asphaltierte Strasse führt durch die Dünenlandschaft, der Himmel färbt sich langsam rosa, und mit der passenden Musik fühlen wir uns schon wie in einem Film. Der Sand leuchtet in tiefen Rottönen, durchzogen von schwarzen Linien – das Eisenoxid färbt ihn rot, der schwarze Schimmer stammt vom Magnetit.

    Die Namib ist eine der ältesten Wüsten der Welt – über 55 Millionen Jahre alt – und genau hier, in Sossusvlei, zeigt sie sich von ihrer spektakulärsten Seite. Riesige Dünen umrahmen eine helle Tonpfanne, einige Dünen ragen über 300 Meter in den Himmel.

    Wir entscheiden uns auf Big Daddy zu wandern. Die höchste Düne. Unterwegs fluchen wir oft und nicht nur leise. Der Sand ist tief, der Wind bläst noch immer stark und wir schlucken definitiv mehr Sand, als uns lieb ist. Aber die Aussicht von oben entschädigt uns in vollen Zügen.

    Der Abstieg direkt ins Deadvlei geht dann mit Rückenwind und staubiger Sandlawine wie von selbst. Eine surreale Landschaft aus weissem Lehmboden und bizarr abgestorbenen Kameldornbäumen. Die Szene wirkt wie gemalt: schwarze Baumgerippe vor rotem Dünenhintergrund, ein Ort wie aus einer anderen Welt.

    Sossusvlei ist Wüste in ihrer reinsten, dramatischsten Form. Gewaltig, still, voller Magie. Wir saugen die Stimmung auf, bewegen uns so gut es geht entgegen der Touristenströme – und fahren erst im warmen Licht des Sonnenuntergangs wieder zurück.
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  • „Einsam“ in Solitaire

    May 24–26, 2025 in Namibia ⋅ ☀️ 28 °C

    Solitaire – ein Name, der nach Einsamkeit klingt. Und genau das erwartet uns irgendwie hier so gar nicht. Ein winziger Ort mitten im Nichts, irgendwo zwischen Sand, Felsen und Himmel. Eigentlich ist es eine Strassenkreuzung.

    Wir rollen an, eigentlich nur für einen kurzen Stopp, einen Kaffee und ein Stück legendären Apfelkuchen vielleicht. Doch irgendetwas an diesem Ort berührt uns. Vielleicht ist es das geschäftige Treiben, die staubige Gelassenheit, die rostigen Autowracks, die wie vergessene Skulpturen in der Landschaft stehen. Vielleicht auch die Geschichten der Menschen, welche sie uns erzählen.

    Ein Hund döst im Schatten, blinzelt kurz, als ein Bus mit knirschenden Reifen zum Stehen kommt. Chinesische Reisende steigen aus, strecken sich, blinzeln in die Sonne. Manche sehen müde aus, andere neugierig. Alle ein wenig überrascht, wie dieser Ort sie trifft. Obwohl er kaum mehr ist als eine Tankstelle, eine Bäckerei, ein paar rostige Oldtimer und eine Handvoll Gebäude. Handys werden gezückt und die Oldtimer, Kakteen, Blüten, Kaffee und Apfelkuchen wie in einem professionellen Fotoshooting aus bester Perspektive abgelichtet.

    Die Luft riecht nach frisch gebackenem Apfelkuchen und heissem Motoröl. Wir bestellen einen Kaffee „den besten Kaffee weit und breit“, haben wir gehört.
    Immer wieder hält der Wind kurz den Atem an, wirbelt dann wieder feinen Staub durch die Luft. Die Hitze kommt langsam, aber bestimmt.

    Der Tankwart mit Migros Käppi lehnt an der Zapfsäule und schaut wortlos in die Weite. Niemand eilt. Niemand schaut auf die Uhr. In Solitaire scheint die Zeit nur im Kreis zu laufen – zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, zwischen Ankommen und Weiterziehen.

    Und manchmal, wie heute, bleibt jemand einfach sitzen. Weil dieser Ort so leise und gleichzeitig so voll ist – voll von Geschichten, die nicht erzählt werden müssen, um gehört zu werden.

    Wir setzen uns in den Schatten, der Kaffee ist wunderbar und uns ist klar: Wir bleiben. Für heute. Vielleicht auch für morgen. Solitaire hat nichts – und genau das macht es so besonders.
    Wir finden ein Plätzchen und richten uns gemütlich ein.
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  • Wenn es Krieg gibt…

    May 25, 2025 in Namibia ⋅ ☀️ 30 °C

    …gehen wir in die Wüste.

    Ist der Titel eins Buches, das mich schon vor einiger Zeit tief berührt hat. Es ist der autobiografische Bericht des deutschen Geologen Henno Martin, der während des Zweiten Weltkriegs mit seinem Kollegen Hermann Korn in die Namib-Wüste flieht, um der drohenden Internierung durch die südafrikanische Mandatsverwaltung zu entkommen. Über zwei Jahre leben die beiden Männer in völliger Abgeschiedenheit, in einer Höhle tief im Kuiseb-Canyon. Sie kämpfen ums Überleben, leben im Rhythmus der Natur und denken nach – über Freiheit, Zivilisation und das, was ein erfülltes Leben wirklich ausmacht. Ihr Unterschlupf wird zu einem Symbol für Unabhängigkeit, Mut und innere Klarheit.

    Dieser Ort stand seit Langem auf unserer POI-Karte. Und jetzt stehen wir tatsächlich hier.

    Der Shelter ist noch immer erhalten. Die Geschichten, die ich einst in stillen Lesestunden verschlungen habe, werden plötzlich greifbar. Der Blick in die raue Landschaft, der steinige Boden, die Hitze und Trockenheit. All das lässt uns erahnen, wie herausfordernd das Leben hier gewesen sein muss. Es ist ein stiller, kraftvoller Ort. Einer, der nachwirkt.

    Gerade in einer Zeit, in der Unsicherheit, Krieg und Krisen auch in Europa wieder näher rücken, berührt dieser Platz auf besondere Weise. Er erinnert uns daran, wie wertvoll Freiheit ist und wie viel Stärke in Stille, Reduktion und Freundschaft liegen kann.
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  • Kein Bad in Swakopmund

    May 26–30, 2025 in Namibia ⋅ ☀️ 18 °C

    Über einen Schlenker nach Walfishbay landen wir in Swakopmund. Der Ort wird liebevoll „südlichster Badestrand Deutschlands“ genannt, und ist ein charmantes Küstenstädtchen zwischen Wüste und Atlantik. Deutsche Kolonialarchitektur trifft hier auf afrikanische Lebensfreude, Palmen säumen die Strassen und wir haben manchmal richtig Glück und der Nebel liegt nur in der Nacht über der Stadt. Dann ist das Zelt jedoch komplett durchnässt, Decken nass, alles klebt und ist salzig, feucht.

    Wir landen hier, weil wir im ersten grösseren Ort seit langem unsere Speicher wieder etwas auffüllen müssen. In Swakopmund gibt es richtige Einkaufszentren, Kaffees, Bücher Läden usw…

    Ich schaffe es mit Unterstützung von Geri sogar unser Gas Problem zu lösen. In afrikanischer Art halten wir nach einem Tag mit unendlichen Diskussionen, Pläne schmieden und wieder verwerfen, neue Ideen, doch löten anstatt Gewinde drehen, leider doch kein Lot an Lager, also doch zurück auf Feld eins usw… einen fancy Adapter in den Händen, mit welchem wir unseren Gaskocher von zu Hause an eine Gas Flasche aus Süd Afrika anschliessen können. Endlich! nach fast drei Monaten on the Road und unzähligen Besuchen bei Build it‘s, Gas Supply Shops, Stunden auf Amazon… kochen wir Heute das erste Mal mit unserem Kocher unserer Küche, Maccaronen. Sie schmecken viel besser, als sie wahrscheinlich in Wahrheit sind.

    In Swakopmund begegnet einem die deutsche Mentalität. Strassennamen wie „Bismarckstrasse“ oder das „Kaiserliche Bezirksgericht“ sind an jeder Ecke zu finden. Und doch ist da etwas Vertrautes: die Ordnung, die gepflegten Häuser, die pünktlich öffnenden Bäckereien mit „echtem“ Schwarzbrot und Apfelstrudel. Man spürt, dass deutsche Gründlichkeit hier einst Wurzeln geschlagen hat und ein bisschen unheimlicherweise stellenweise bis heute nachwirkt.

    Für uns schwingt bei der Erkundung des Orts oft ein leiser, kritischer Gedanke mit – über das, was bleibt, wenn Geschichte nicht vergeht, sondern weiterlebt.
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  • Fly sky high

    May 30, 2025 in Namibia ⋅ ☀️ 24 °C

    Ich stelle mir vor, mit einem kleinen Motorflugzeug abzuheben und tief über die wilde, unberührte Küste zu gleiten. Dorthin, wo sonst kaum jemand hinkommt. Je nach Laune kreisen wir über einem Walfischpaar, das spielerisch durch die Wellen gleitet, oder über einem Schwarm Delfine, die sich in der Brandung tummeln. Unter uns liegt ein geheimnisvolles Schiffswrack, von dem nur noch die Konturen zu erkennen sind, der grösste Teil ist längst den rauen Elementen zum Opfer gefallen. Weiter entlang der Küste entdecken wir eine Gruppe vermeintlicher Seehunde. Doch beim genaueren Hinsehen entpuppen sie sich als Kormorane, die sich mit ausgestreckten Flügeln auf den Felsen sonnen.

    Wir fliegen weiter, der Küste entlang wo die roten Sanddünen der Namibwüste ins Wasser zu fallen scheinen. Ein unglaublicher Kontrast aus Farben, Elementen und Formen.

    Was wie ein Traum klingt, ist genau das, was wir heute erleben durften. Ein unvergesslicher Flug über einer spektakulären Landschaft.
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  • Lebenszeichen vom Matterhorn Namibias

    May 30–31, 2025 in Namibia

    Die Internetanbindung in Namibia hat sich in den letzten Jahren zwar spürbar verbessert, doch im Vergleich zu den Nachbarländern bleibt sie sehr begrenzt. In Städten wie Windhoek, Swakopmund oder Walvis Bay ist mobiles Internet (3G/4G) meist zuverlässig, teils gibt es sogar Glasfaseranschlüsse. Auf dem Land dagegen sieht es oft ganz anders aus: schwache Netze oder gar kein Empfang. Menschen sind auf teure mobile Daten oder Satellitenlösungen angewiesen.

    Auch wir kriegen das zu spüren. Die Geschwindigkeit ist super langsam, die Preise hoch und je weiter wir ins Landesinnere vordringen, desto spärlicher werden die Signale. Trotzdem haben wir uns in den letzten Wochen aufgemacht, Richtung Norden, in richtig abgelegene Regionen Namibias.

    Und so kommt es, dass unsere „Footprint“ ein wenig ins Hintertreffen geraten sind. Die nächsten Texte werden sich wahrscheinlich ein bisschen anfühlen wie ein Jetlag.

    Unser Weg führt uns zunächst aus Swakopmund hinaus, Richtung Osten ins Moon Valley. Nur etwa 30 Kilometer entfernt, präsentiert sich diese bizarre Landschaft wie von einem anderen Planeten. Windgeschliffene Felsformationen, tiefe Falten und Krater, durchzogen von kargem Wüstengewächs. Eine Kulisse wie aus einem Science-Fiction-Film.

    Doch unser eigentliches Ziel liegt weiter nordöstlich. Die Spitzkoppe, auch bekannt als das „Matterhorn Namibias“. Nicht wegen ihrer Höhe, sondern wegen ihrer markanten, unverwechselbaren Silhouette. Hier finden wir einen einsamen Stellplatz, genießen in vollkommener Einsamkeit einen Sundowner der Extraklasse – und erleben am nächsten Morgen, wie die Sonne die Granitkuppen in goldenes Licht taucht.
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  • Brandberg, der höchste Namibier

    Jun 1–2, 2025 in Namibia ⋅ ☀️ 22 °C

    Einen groben Rahmen, den wir uns für unsere Reise gezimmert haben, ist: „In jedem Land, das wir bereisen, wollen wir den jeweils höchsten Gipfel besteigen“. In Lesotho hat das auch wunderbar funktioniert. Wir haben die Chance gepackt und standen vor ein paar Wochen glücklich auf dem Thabana Ntlenyana.

    Doch schon im nächsten Land, Südafrika, wurde uns beim Mafadi gezeigt, dass Reisen und Bergsteigen nicht immer so einfach unter einen Hut zu bringen sind. Das Wetter spielte nicht mit und in der Höhe wartete Schnee. Zudem haben wir unser Zelt wegen Platzmangel bei der Abfahrt aus Cape Town zurück gelassen 🙄.

    In Namibia war der Plan klar. Der Brandberg sollte unser nächstes Ziel werden. Das "Feuergebirge", das sich rund 2000 Meter aus der umliegenden Geröll- und Sandwüste erhebt, ist mit 2.573 Metern der höchste Punkt des Landes. Besonders morgens und abends leuchtet das rötliche Granitmassiv tatsächlich wie in Flammen. Ganz ähnlich wie die Spitzkoppe. Neben seiner majestätischen Erscheinung ist der Brandberg auch kulturell bedeutend. Etwa 50.000 Felszeichnungen wurden hier entdeckt, darunter die berühmte „White Lady“, ein faszinierendes Erbe der San-Kultur.

    Wir haben uns auf dem White Lady Camp installiert und dann Zack, überholte uns das Leben. Die Besteigung ist aktuell nur mit Guide erlaubt, das Permit muss mindestens vier Wochen im Voraus beantragt werden und das Ganze kostet ein ziemlich grosses Butterbrot. Nach ein paar Diskussionen war klar: Wir lassen auch diesen Gipfel Gipfel sein und reisen weiter Richtung Norden.

    Unser „Gipfel Rahmen“ ist wie eine vielleicht nicht ganz perfekt gefaltete Landkarte. Bis jeweils das echte Leben kommt und die Karte mit einem kräftigen Windstoss durchs Fenster aus dem Landy pustet. Aber, genau darin liegt irgendwie der Zauber des Reisens: umdenken, loslassen und mit einem Lächeln nicht dorthin zu gehen, wo man eigentlich hinwollte. Am Ende ist es doch genau richtig.
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  • Abseits Richtung Norden und…

    June 3, 2025 in Namibia ⋅ ☀️ 32 °C

    Je weiter wir nach Norden fahren, desto einsamer wird die Landschaft. Die ausgetretenen, von Mietwagen korrugierten, Strassen liegen hinter uns, und wir spüren, dass jetzt ein anderes Namibia beginnt. Rau, weit und ursprünglich. Wir entscheiden uns die weniger begangenen Pfade zu erkunden. Unsere Wahl fällt auf eine direkte Verbindung vom mächtigen Brandberg nordwärts nach Twyfelfontein. Eine Strecke, die uns landschaftlich schon wieder ein komplett neues Namibia zeigt.

    Unser Weg führt über schmale, zweispurige 4x4-Tracks, die sich durch unberührte Weite schlängeln. Am Doros-Krater vorbei geraten wir in ein abgelegenes Konzessionsgebiet. Die Sonne steht schon tief und taucht die Szenerie in warmes Abendlicht. Plötzlich, steht es da, ein Rhino! Mitten im Nichts, majestätisch und kraftvoll. Ein Moment, der uns gerade sprachlos macht.

    Die Landschaft um uns herum ist wunderschön. Das hohe Gras glänzt in allen erdenklichen Goldtönen, als hätte jemand die Welt mit einem warmen Filter überzogen. Es ist still. Kein Laut außer dem Wind, der durch das Gras streicht, und unseren eigenen, staunenden Gedanken.
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