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  • Eva Leberer

Der Nase nach

Richtung Süden und dann? - Mal schauen. Læs mere
  • Start på rejsen
    4. november 2023

    Dresden - Leipzig

    4. november 2023, Tyskland ⋅ ☁️ 11 °C

    Nach einigen Wochen der Vorbereitung, welche von Vorfreude beim Schrauben am Rad bis zum Umherschlagen mit widerspenstigen Wohnungsverwaltung gekennzeichnet waren, geht es nun endlich los. Und zwar nicht allein! Um 7:30 Uhr treffen wir uns beim Glockenspiel am Palais auf einen Kaffee - und ich bin natürlich zu spät (sorry). Das Wetter spielt mit, die Sonne strahlt und Freude kombiniert sich mit Wehmütigkeit - Dresden und so vielen lieben Menschen hier erst einmal für längere Zeit auf Wiedersehen zu sagen ist schon schwer.

    Dann geht es los. Zunächst noch zusammen, doch nach und nach schwindet die Begleitung, bis ich ab Meißen alleine weiter radle. Das bringt mich dann doch erstmal in traurige Stimmung und die nächsten Kilometer frage ich mich, was ich hier eigentlich tue.

    Irgendwann - und dazu trägt auch das sonnige Herbstwetter bei - schwinden die trüben Gedanken jedoch und ich freue mich über gut ausgeschilderte und wirklich schöne Radwege (Steckentipp - am besten in 2 oder 3 Tagen). Und dann, ganz plötzlich zeigen sich bereits erste Bananenstauden - man kommt doch schneller als gedacht in südliche Gefilde.

    Radreisetipp:
    Spanngurte braucht kein Mensch, Fahrradschläuche erfüllen auch ihren Zweck und man hat sie sowieso!
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  • Leipzig - Die Nase ist orientierungslos

    5.–8. nov. 2023, Tyskland ⋅ 🌬 12 °C

    Tois und Hannah überraschen Anna und mich mit einem aus dem Nichts gezaubertem Frühstück und meine Nase mich mit einer Erkältung. Die sitzt nämlich komplett zu und ich frage mich, wie ich nun der Nase nach fahren soll?
    Eigentlich wollte ich nur zwei Nächte in Leipzig bleiben. Nach hin und her überlegen, was denn nun am besten ist, entscheide ich mich zumindest für ein bisschen Schonung und bleibe zwei Tage länger in Leipzig. Die werden mit Schach, Billard, Sattel und Radtaschen nachjustieren und etwas Orgakram bei Clemens gefüllt.

    Highlight:
    Um das südliche Feeling zu wahren, gehts Pizza essen. Beim Betreten des Restaurants fühlt es sich an, als sei man nach Italien gebeamt worden. Eingemachte Tomaten, Saucen und Antipasti stapelt sich in Gläsern.
    Und das verrückteste: Bestellungen aufnehme, Kochen, Servieren, Abräumen, Abrechnen und was auch immer sonst noch anfällt, wird von einer einzigen Person erledigt. Das tut der Qualität hier aber keinen Abstrich und die Pizza schmeckt genauso fantastisch wie die Einrichtung des Restaurants aussieht.
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  • Leipzig - Naumburg: Heißes Wasser

    8. november 2023, Tyskland ⋅ ⛅ 10 °C

    Heute gehts weiter, auch wenn der Morgen noch mit etwas Husten begann. Die Etappe ist kurz und bei entspanntem radeln sollte das schon gehen. Ziel heute: Pflanzen und Katzenparadies Fröhlich - mit einer 6/5 Sterne-Wohnung ein beliebter Zwischenstopp für verschiedene Zugspargels auf dem Weg Richtung Süden.

    Bevor es losgeht, gibts mit Hannah und Tois noch ein Käffchen im Backstein. Dann gehts entlang des Kanals (sehr schön), einer Hauptstraße (gar nicht schön) und später auf einem alten Bahndamm (schön) nach Weißenfels auf den Saaleradweg. Weißenfels? Schön? Nicht schön? Ich weiß es nicht. Zerfallene Häuser zwischen sanierten in gefühlt gleicher Anzahl. Alte Industriestadt? Ich werd's später recherchieren.
    Beim Bäcker am Marktplatz will ich dann noch kurz heißes Wasser auffüllen. Doch das ist gar nicht so einfach, wie man denkt. Abgerechnet werden muss das nämlich über ein Glas Wasser und sauber muss meine Thermoskanne auch sein - sonst geht das nicht. Wie dem auch sei, die Ingwer und Zitronenstückchen in meiner Flasche scheinen schlussendlich keine Verunreinigung darzustellen und ich bekomme mein heißes Wasser.

    Wetterbedingungen:
    Bewölkt mit häufig durchbrechenden Sonnenstrahlen, mittelstarker Gegenwind und Temperaturen um die 10 °C.
    Hierzu empfohlener Dresscode:
    Wollsocken, lange Radhose, Longsleeve, Wollpulli und Regenjacke. Abgeschmeckt mit je einem Buff an Hals und Ohren ergibt sich bei einer langsamen Fahrweise ein angenehmes Fahrklima.
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  • Naumburg - Jena: Taschentücher

    9. november 2023, Tyskland ⋅ ☁️ 11 °C

    Taschentücher sind immer alle oder durchgeweicht, wenn man sie braucht. Aber zum Glück schafft der Herbst Abhilfe. Die bunten, durch die Luft fliegenden und in Unmengen am Boden liegenden Naturtaschentücher sind nämlich fast genauso gut und nehmen keinen Platz weg.
    Für die empfindliche Nase empfehlen sich übrigens die besonders weichen Lindenblätter, deren Hautgefühl Tempos in keiner Weise nachsteht.

    Den größten Teil der Zeit habe ich heute wohl über laufende Nasen und Taschentücher nachgedacht. Irgendwann kam ich dann aber in Jena bei Tabea an. Der Abend wurde mit einem Spaziergang durch die Stadt, dem Klang der Stolpersteine und unsere Bäuche mit einer großen Portion Pommes (Foto vergessen) und einem ganz leckeren Ingwerschnaps gefüllt.
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  • Jena - ?: Ab ins Zelt

    10. november 2023, Tyskland ⋅ ⛅ 7 °C

    Der Luxus ist vorbei, nachdem ich die letzten Tage immer im Warmen übernachten konnte, steht heute die erste Zelt Übernachtung an. Es ist nicht nur ungemütlicher, sondern auch ungewohnt, nun allein zu sein. Das Zelt aufzubauen, Gemüse zu schnibbeln, zu kochen dauert allein viel länger (nicht das ich Zeitdruck hätte, es wird ja schon um fünf dunkel). Hinzu kommt die Stille, welche nur gelegentlich von vorbeifahrenden Zügen oder Autos unterbrochen wird - und von irgendeinem Tierlaut (hörte sich an wie ein Hund mit Husten), der meinen Puls für eine Weile hochschnellen lässt. Ich greife zur Mundharmonika und puste hinein, ein paar Geräusche schaden bestimmt nicht, um Tiere auf Abstand zu halten. Das denkt zumindest mein Kopf. Tierlaut und Mundharmonika folgen noch einige Male im Wechsel. Dann sind die Linsen gar, es gibt Essen und ich verkrieche mich in meinem Schlafsack.Læs mere

  • ? - Schwürbitz: Glühwein & Kamele

    11. november 2023, Tyskland ⋅ ⛅ 7 °C

    Allein im zwei Personen Zelt könnte man fast meinen, man besäße einen begehbaren Kleiderschrank. Der Platz, den ich hier habe, ist allerdings auch nicht verkehrt, denn der Tag beginnt mit niedrigen Temperaturen und Dauerregen. Zum Glück kann man da dann ganz entspannt alles im Zelt alles zusammen packen. Irgendwie funktioniert es auch ganz gut von innen das Innenzelt vor dem Außenzelt abzubauen - dauert zwar ewig, aber dafür ist alles dann nur zu 60 % nass.
    Dann gehts los durch den Naturpark Frankenwald. Eigentlich ganz nett hier vorausgesetzt man mag Steigungen. Die 25 % von gestern halbieren sich auf 13 % - auf zwei Kilometer - naja selbst Schuld, wenn man hier lang fährt. Sind die Höhenmeter geschafft geht's weiter entlang der Haßlach nach Kronach. Dort folgen eine späte Mittagspause und der Versuch das Zelt zu trocknen. Etwas trockener als vorher kann ich es dann auch wieder einpacken. Regnet es heute Nacht wohl und wo übernachte ich eigentlich? Ich beginne nochmal spontane WarmShowers Unterkünfte zu suchen und anzuschreiben. Inzwischen bin ich am Main angekommen, dem ich noch etwas folge. Die Sonne ist schon fast untergegangen und potentielle WarmduscherInnen sind leider krank, nicht da oder erst in Bamberg anzutreffen (das wäre noch ein ganzes Stückchen). In einem Schotterweg neben dem Radweg bemerke ich ein Schild mit der Aufschrift "Maintal Alpakas " und einen Mann, der eine Schubkarre schiebt. Da könnte man ja mal fragen denke ich und dreh um. Beim Betreten der Einfahrt wird ein weiteres Schild, das auf Wohnwagenplätze hinweist, sichtbar - das scheint Potential zu haben, denke ich und versuche herauszufinden, wo der Mann mit der Schubkarre abgeblieben ist. Ich finde ihn auch schnell wieder und siehe da, der Schlafplatz für diese Nacht ist gesichert. Zur Wahl steht eine Rasenfläche vor der Alpakawiese oder der Heuschuppen. Doch bevor ich mich entscheide, wird mir noch Glühwein angeboten, welcher von der Alpakawanderung übrig sei. Wir quatschen noch ein bisschen und Jochen
    (so heißt der Mann mit der Schubkarre) erzählt mir, wie er früher mit dem T2 durch Italien gefahren ist, wie die Alpakas hierher kommen und warum es 200 m weiter noch Kamele gibt. Kamele? Bin ich schon eingechlummert und träume von südlichen Ländern?
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  • Schwürbitz - Forchheim: Warmduscher

    12. november 2023, Tyskland ⋅ ☁️ 7 °C

    Nach kurzer Überzeugung, dass ich nicht nur von den Kamellen geträumt habe, geht es weiter den Main entlang nach Bamberg. Ich finde den vor lauter Radwegen nicht und freue mich über eine gut ausgestattete Selbsthilfewerkstatt auf der Route. Auch wenn ich nichts brauche, nehme ich etwas Luft mit. In Bamberg angenommen knipse ich viele Fotos von der schicken Stadt und probiere traditionell fränkische Haxe und Rauchbier. Ausschlaggebend für die Restaurantwahl war übrigens eine Außensteckdose.
    Anschließend folge ich dem Main-Donau-Kanal und nach ein paar Kilometern gesellt sich ein mit Wasserkanistern bepacktes Lastenrad. Fabien aus Frankreich, der gerade ein bisschen trainiert, mit seinem früher Boot Mal nach Südamerika gesegelt ist, jenes dort verkauft hat, dann mit dem Rad in den Anden unterwegs war und nun in Bamberg lebt und ein Fahrradgeschäft eröffnen möchte. Wild oder vielleicht habe ich auch nicht alles verstanden.

    Ich radel heute bis in die Dunkelheit hinein, weil es zuletzt noch so gut rollte. Vor einem Campingplatz will ich schließlich gerade die dort hinterlegte Nummer wählen, als ich wider Erwarten doch noch eine positive Warmshowers Nachricht erhalte. Ich schwinge mich wieder aufs Rad (wobei von Schwingen keine Rede sein kann, da mir mein linkes Knie wieder ordentlich Probleme macht) und fahre noch ein paar Kilometer weiter zu Anne und Stefan nach Forchheim. Meine erste Warmshowers-Übernachtung beginnt mit Pizza, gefolgt von Reiseberichten aus Asien und endet mit einer warmen Dusche. Gute Nacht:)
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  • Forchheim - Wendelstein: Dauerregen

    13. november 2023, Tyskland ⋅ 🌧 11 °C

    Von der erholsamen Nacht auf dem Gästesofa geht es nach dem Frühstück direkt in den Regen. Abwarten lohnt nicht, da sich am Wetter heute nicht mehr viel ändern wird. Es geht zunächst weiter am Main-Donau-Kanal bis nach Erlangen, wo ich mich auf dem Markt - ganz traditionsbewusst- mit Sauerkraut, Kartoffeln und Würstchen fürs Abendessen eindecke. Der Weg aus der Stadt ist eine kleine Irrfahrt, die ich in Nürnberg direkt nochmal wiederhole. Dann finde ich den alten Ludwig-Donau-Main-Kanal, folge diesem noch ein Stück und schlage irgendwo am Wegesrand mein Zeltlein auf. Natürlich im Regen, denn was anderes gab es heute nicht. Im Großen und Ganzen war der Regen auch nicht schlimm. Man gewöhnt sich dran. Nur meine Regenjacke und die Handschuhüberzieher hätten ruhig etwas dichter sein dürfen.Læs mere

  • Wendelstein - Biberbach: Ins Kloster?

    14. november 2023, Tyskland

    Die Nacht war windig und regnerisch, aber meine Doppelkonstruktion aus Zelt und Tarp hielt ganz gut. Durch den ganzen Regen und die feuchten Sachen von gestern fühlt sich dennoch alles etwas klamm an. Ich packe daher alles zusammen, ziehe die klammen Regensachen an, stelle die Bremse nach, die es gestern aus ungeklärten Gründen ganz schön weggeschmirgelt hat und fahre los - gefrühstückt werden kann später, wenn sich alles etwas trockener anfühlt.

    Es geht weiter am Ludwig-Donau-Main-Kanal (übrigens der erste erfolgreiche Versuch, Nordsee und Schwarzes Meer zu verbinden), der immer mal wieder durch Straßen unterbrochen wird, aber sonst sehr schön zu fahren ist. Ich passiere etliche alte Schleusen und Schleusenwärterhäuschen, die inzwischen als Wohnung, Gaststätten, Biergärten oder Fahrradselbsthilfewerkstätten dienen oder noch am Verfallen sind. Die geschlossenen Biergärten zeugen davon, dass hier im Sommer viel los zu sein scheint.

    Nach der Frühstücks- und Mittagspause checke ich den Regenradar und beginne mir Gedanken für die nächste Nacht zu machen. Es soll noch regnerischer und windiger werden als letzte Nacht, da wäre ein Dach über dem Kopf nicht verkehrt. Tatsächlich liegen viele Klöster auf dem Weg. Vielleicht gibt es dort günstige Übernachtungsmöglichkeiten? Ich steuere das nächste an, frage nach Unterkunft und Preis - und drehe direkt wieder um (unter 45 Euro gibts hier nichts). Im nächsten Dorf bin ich dann etwas erfolgreicher. Meine Erkundigung nach einer Stelle zum Zelten mündet in der Unterbringung in einer Blockhütte, vier frisch Eiern und ein Bierchen wird mir auch noch angeboten. Ich weiß gar nicht, wie ich mich dafür dankbar zeigen kann. Einer späteren Postkarte vielleicht? Oder sollte ich mich in Zukunft mit ein paar Kleinigkeiten eindecken, die ich bei Gelegenheit als Dankeschön dalassen kann?
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  • Biberbach - Regensburg: Rückenwind

    15. november 2023, Tyskland

    Die geschützte Nacht in der Blockhütte tat gut und ließ mich frisch in den Tag starten. Und auch das Wetter entwickelte sich heute viel besser als angekündigt. Es kam sogar noch Rückenwind dazu - man glaubt es kaum - und so flog ich zunächst weiter am Main-Donau-Kanal, später an der Donau nach Regensburg. Die Strecke war größtenteils eben und gesäumt von einigen Burgen an den begrenzenden Bergen des Altmühltals.
    Alles in allem eine entspannten Etappe, die zwei Pausentage in Regensburger einläutet:)
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  • Regensburg

    16.–18. nov. 2023, Tyskland

    Zwei Erholungstage in Regensburg, ein bisschen Routenplanung, Outdoorläden, Lenkertaschenupgrade beim Schuster und ein Spieleabend mit Glühwein. Da fällt es einem schwer, bei den Temperaturen wieder aufs Rad zu steigen...Læs mere

  • Regensburg - Marching: Einfach umwerfend

    18. november 2023, Tyskland ⋅ ☁️ 7 °C

    Heute geht's weiter. Nochmal ein Stück der Strecke vom Mittwoch bis nach Kehlheim. Scheinbar ist in den letzten Tagen auch einiges an Regen zusammengekommen, da Abschnitte, die ich am Mittwoch noch gefahren bin jetzt, unter Wasser stehen. In Kehlheim komme ich dennoch gut an. Und hier will ich direkt den Berg hinauf, um ein paar der drei hier aufgehäuften Sehenswürdigkeiten zu erblicken. Die erste ist die Befreiungshalle, welche den Befreiungskriegen gegen Napoleon gewidmet wurde und mit den Inschriften der beteiligten deutschen Volksstämme etwas an Culloden Battlefield in Schottland erinnert (dort sind unter anderem die beteiligten schottischen Clans aufgeführt nur ging es hier um die Unabhängigkeit gegenüber England). Die zweite wäre der Donaudurchbruch gewesen, der sich, wie ich feststellen muss, leider nur vom Schiff aus erblicken lässt. Doch die dritte lässt sich dann wieder auf der anderen Seite des Berges zu erblicken, das Kloster Weltenburg, welches direkt in einer Schleife der Donau liegt.

    Eigentlich wollte ich dann mit der Fähre die Donauseite wechseln, doch aufgrund des Hochwassers fährt hier heute leider nichts. Bevor ich wieder umkehre und über den Berg zurück einen Umweg fahre, entscheide ich mich für eine "Abkürzung" durch den Wald, die sich als genauso umwerfend wie der Anblick Weltenburgs und der Befreiungshalle herausstellt.
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  • Marching - Augsburg: Handschuhe

    19. november 2023, Tyskland ⋅ ☀️ 13 °C

    Gestern Abend als ich noch etwas auf meinem Camping-Hügel spazierte, um ein paar Fotos zu machen, trat ich im Dunkeln etwas Weiches. Kleidung? Stoff? Ich schaltete die Stirnlampe an, leuchtete nach unten und sah, meinen rechten Handschuh. Wo kam der denn her? Ich griff in die Taschen meiner Jacke. Offen - und beide leer. Na klasse, den linken Handschuh habe ich scheinbar schon früher verloren. In der Dunkelheit gehe ich den ganzen Weg ab, den ich von unten auf den Hügel zurückgelegt habe. Auch im Zelt drehe ich alles zwei Mal um. Vergeblich. Den Handschuh finde ich nicht. Ich ärgere mich, meine Taschen offen gelassen zu haben. Morgen wirds dann wohl etwas kälter an der linken Hand. Auch am Morgen schiebe ich den ganzen Weg zurück bis zur Straße, von der ich kam. Kein Handschuh in Sicht. Soll ich mich nochmal auf den Hof wagen, bei dem ich mich gestern nach einem Platz zum Zelten erkundigte? Vielleicht ist er dort aus der Tasche gefallen? Dort lief leider auch ein großer Hund herum, dem ich nicht unbedingt begegnen möchte. Naja aber kalte Hände sind auch blöd. Doch auch hier bin ich zunächst nicht erfolgreich und will schon wieder umdrehen, als ich noch mal einen Blick nach links neben ein paar Rohrleitungen werfe. Etwas schwarz-graues liegt auf dem Boden. Ich komme näher, hebe den klitschnassen linken Handschuh vom Boden auf und freue mich, als hätte ich gerade meine Diplomarbeit abgegeben.

    Zur Route:
    Der Weg heute führt zunächst bei Regenwetter an der Donau bis nach Ingolstadt. Dann klärt es etwas auf, die Sonne scheint und es ist zeit für kurze Hosen. Ich passiere noch viele kleinere Städte an der Donau mit hübschen Schlössern und Burgen, bevor ich dann den die Donau verlasse und am Lech weiter radle.

    Es wird schon spät, aber ich muss es heute noch bis nach Augsburg schaffen. Die Fahrt am Lech absolviere ich in Dunkelheit, durchsetzt von meiner Doppelbeleuchtung aus Stirnlampe und Fahrradlicht. In dieser schwirren Motten umher und hin und wieder kreuzen Fledermäuse mein Sichtfeld. Irgendwann wir heller, es tauchen erste Lichter auf, die Augsburger Vorstadt - bald geschafft.
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  • Augsburg

    20.–21. nov. 2023, Tyskland ⋅ ☀️ 11 °C

    Die Zeit in Augsburg verbrachte ich mit ein bisschen Routenplanung, Schlendern durch die Altstadt und der Besichtigung der Fuggerei. Die übrigens eine der ältesten Sozialsiedlungen weltweit ist. Die Nettokaltmiete für eine Wohnung beträgt hier 88 Cent und
    täglich je ein Glaubensbekenntnis, Vater Unser und Ave Maria für die Familie Fugger - ein ganz guter Deal, denke ich.
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  • Augsburg - Ulm

    21. november 2023, Tyskland ⋅ ☁️ 9 °C

    Die ersten 50 km waren etwas eintönig, auch zu fotografieren hab es nichts, denn der Naturpark Augsburg - Westliche Wälder bestand nur zum Teil aus Wäldern und zu einem viel größeren Teil aus Straßen, Autos und LKWs.

    Ab Günzburg bzw. an der Donau wurde es dann aber wieder schön mit Sonnenuntergang und Ulm bei Nacht.

    Radreisetipp:
    Zeltplätze bei Kanu- oder Bootsvereinen haben scheinbar auch im Winter auf, sind preiswert und mit Küche, Dusche und C(l)o. ist alles da, was man braucht.
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  • Ulm - ?: Doppelt fahren hält besser

    22. november 2023, Tyskland ⋅ ☁️ 3 °C

    Heute bin ich direkt zwei Strecken doppelt gefahren, weils so viel Spaß macht! Von Ulm folgte ich der Donau, bis ich an einem Infoschild am Rande des Radweges etwas über den Iller las. Iller? Sollte das hier nicht die Donau sein? OpenStreetMaps belehrte mich, dass ich die Flussgabelung vollkommen verpasst hatte, da ich auf der Südseite der Donau gefahren war.

    Die zweite Strecke fuhr ich nach der Mittagspause (die war übrigens echt frisch - zu lange stehen bleiben ist bei dem Wetter keine gute Idee) doppelt. Der offizielle Donauradweg ist nämlich noch etwas überschwemmt von den letzten Wochen und da es sowieso schon kalt war, wäre durchs Wasser schieben sicherlich keine gute Idee gewesen (auch wenn ich kurz drüber nachgedacht habe;). Also ging es wieder ein paar Kilometer zurück und über ein paar Nebenstraßen weiter. Dort traf ich dann einen Schwaben auf dem Mountainbike, der mich an weiteren überschwemmten Bereichen und Baustellen vorbei lotste. Ein Jammer nur, dass ich von dem, was er erzählte (das war ganz schön viel), aufgrund des Dialektes keine 50 % verstanden habe.
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  • ? -Donaueschingen: Bekannte Wege

    23. november 2023, Tyskland ⋅ ☀️ 6 °C

    Im Schlafsack war es schön warm, doch fürs Zelt könnte ich heute Morgen schon einen Eiskratzer gebrauchen. Trotz Beeilung beim Abbauen und Sonnenschein draußen muss ich mich erstmal warm fahren. Langsam werden erst die Hände und nach einem Cappuccino im Café auch die Füße warm. Und dann scheint die Sonne auch richtig und es ist perfektes Radelwetter.

    Gegen Mittag komme ich durch Meßkirch und muss daran denken, das Christoph, Eva und ich uns Anfang Juli hier entlang gequält haben - damals bei gefühlten 35 °C. Auch den weiteren Weg kenne ich schon zum Teil, so komme ich am Nachmittag an der Donauversickerung vorbei. Hier war das Flussbett im Juni vollkommen trocken, sodass das Wasser aus der Donauquelle eigentlich gar nicht ins Donaudelta floss, sondern in die Nordsee. Das sieht jetzt ganz anders aus.

    Ich fahre noch weiter bis kurz vor Donaueschingen, da es morgen über den Schwarzwald gehen soll. Kein Stück zu früh, denn übermorgen ist schon Schnee angesagt.
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  • Donaueschingen - Freiburg: Gaststube

    24. november 2023, Tyskland ⋅ 🌧 7 °C

    Beim Zeltabbau heute Morgen merke ich, dass ich scheinbar eine Vorliebe für exponierte Hügelzeltplätze und Heiligen Kreuze habe. Diesmal gabs die sogar in Kombination! Der Vorteil letzterer ist übrigens, dass häufig Bänke neben ihnen zu finden sind.

    Ich rolle bis nach Donaueschingen und genehmige mir zunächst einen Cappuccino und eine Brezel als Frühstückersatz. Ein letzter Blick auf die Route, dann gehts weiter. In Bräunlingen führt eine ehemalige Bahntrasse, die nun als Radweg dient, bis nach Furtwangen und verspricht moderate Steigungen. Nur die letzten 200 hm nach Furtwangen werden dann nochmal knackig.
    Oben kurz vor dem Pass finden sich dann einige Häuser und auch eine etwas älter aussehende Gaststätte. Ich habe zwar gerade meine Mittagspause hinter mir, doch die Gaststätte mit dem Namen "Goldener Rabe" zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Es wirkt alles so leer und verlassen aus. Ist sie wohl noch in Betrieb? Ich fahre zur aushängenden Speisekarte. Handschriftlich ergänzte Preise überdecken die alten Gedruckten. Dann bellt ein Hund und ehe ich mich versehen öffnet eine Frau die Tür. Ich teile ihr mit, dass ich nur einen Blick auf die Speisekarte werfe. Heute sei Ruhetag, aber eine Suppe könne sie trotzdem warm machen. Auch wenn ich eigentlich schon gegessen habe, nehme ich das Angebot an, weil es so freundlich war. Außerdem ist es doch ganz schön kalt und die Suppe bestimmt schön warm.
    Ich betrete die das Gebäude und finde mich in einer alt eingerichteten, mit grünem Kachelofen versehenen Gaststube wieder - es fühlt sich an, als sei die Zeit hier stehen geblieben. Ich soll auch direkt am warmen Ofen Platz nehmen. Dort sei auch noch etwas Zeitung zum Lesen.
    Während die Gastwirtin die Suppe zubereitet, redet sie fortlaufend mit Hund "Blacky" und Katze "Mäuschen" oder vielleicht auch mit mir - ich bin mir nicht immer sicher. Das Bier würde auch immer teurer und sie wisse gar nicht, wie sie es demnächst noch für 2,50 verlaufen solle. 2,50 habe ich das richtig gehört? Na, wenn das hier noch der Preis ist, nehme doch eins (wie ich später feststellen musste bezog sich der Preis wohl auf ein kleines Bier...).
    Die Gulaschsuppe ist schließlich schön warm, schmeckt aber ganz ordentlich nach Ketchup. Ich lese noch etwas in der Zeitung, wärme mich am Kachelofen und höre den Gesprächen zwischen Hund, Katze und Wirtin zu, bevor ich mich wieder auf den Weg mache und die schottriege Abfahrt auf der anderen Bergseite hinunter fahre.
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  • Freiburg: Bilanz Nov.-Radeln Deutschl.

    25.–29. nov. 2023, Tyskland ⋅ 🌧 5 °C

    In Freiburg bleibe ich ein bisschen länger, besuche Christoph und warte noch darauf, dass das Wetter etwas schlechter wird. Die Tage werden mit Weihnachtsmaekt, Wandern, Kino, Kochen, Fahrrad nachjustieren, Routenplanung, ein bisschen Programmieren (wow) und etlichen ToGoodToGo-Bestellungen gefüllt.

    Am letzten Abend sind wir dann noch zum Essen in Laias (Christophs Freundin) WG und reparieren noch gemeinsam die Bremsen eines alten Fahrrads. Ich erzähle von meiner geplanten Route (die geht inzwischen nach Marseille statt Bordeaux) und bekomme direkt ein paar Kontaktdaten aufgeschrieben. Mal schauen, ob das direkt eine Unterkunft gesichert ist:)

    Den letzten Abend lasse wir bei einem Bierchen im Martinsbräu ausklingen, wo wir noch FreundInnen und ehemalige KollegInnen, die gerade auf Konferenz in Freiburg sind, treffe.

    Die nächste Etappe geht übrigens schon nach Frankreich, daher eine erste Zwischenbilanz:
    Kürzeste Strecke: 47 km
    Längste Strecke: 124 km
    Reisetage (davon Radeltage): 25 (15)
    - Zelt (davon Campingplatz): 6 (1)
    - Scheune: 1
    - Gartenhaus: 1
    - Bei FreundInnen: 16
    - WarmShowers: 1
    Wetter eher trocken als nass. Tendenz abnehmend.
    Radreisende getroffen: 0 (komisch und das im November)
    Knieprobleme: täglich
    Waldtoilette genutzt (groß/klein): (0/infinity)
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  • Freiburg - Heidwiller

    29. november 2023, Frankrig ⋅ ☁️ 5 °C

    Freiburg verlasse ich auf überdimensionalen Radwegen, die später durch Weinberge führen und wunderschöne Blicke auf den schneebedeckten Schwarzwald und die ebenfalls weißen Vogesen ermöglichen. Ein Glück auch, dass das Wetter heute so gut ist. Das macht den Abschied aus Freiburg etwas leichter. Irgendwann stoße ich auf den Rheinradweg, der hier sehr abwechslungsreich und etwas natürlich aussieht. Gefällt mir!

    Gegen Mittag überquere ich schließlich die Grenze nach Frankreich und bin gespannt, wie das Reisen sich nun wohl verändert. Ich kenne keine Leute mehr, die ich besuchen kann, und die Sprache ist mir bis auf minimale Babbel-Kentnisse auch fremd. Es wird aufregender! So aufregend sogar, dass ich am Kanal eine gefühlte halbe Stunde auf der falschen Seite fahre, bevor ich in einer Sackgasse stehe und den ganzen Weg zurückfahren muss, um die wunderschöne Strecke im Anschluss von der anderen Seite ein drittes Mal zu sehen.

    Radreisetipp:
    Suppe mit viel Öl hält sich (und mich später auch) so warm, dass man selbst bei 1 °C Lufttemperatur minutenlang warten muss, um sich nicht zu verbrennen.
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  • Heidwiller -?: Winter is coming

    30. november 2023, Frankrig ⋅ 🌧 1 °C

    Bereits nachts kündigte sich der Schnee durch ein leises Knistern auf dem Zeltdach an - ein deutlich angenehmerer Geräuschpegel als prasselnder Regen. Am Morgen rollt es sich dafür auf dem Rad jedoch nicht mehr so gut.

    Gegen 10 Uhr wandelt sich der Schnee in Schneeregen und die Straße wird zu Schneematsch. Je nachdem, wie gut ich nun der Spur des Autos, welches hier vor einiger Zeit entlang gefahren ist, treffe, muss ich alle paar Minuten anhalten und die Kassette und Schaltröllchen von Matsch befreien. Ansonsten fängt die Kette an zu rutschen - absolut zeit- und nervenaufreibend. Und falls ich mich irgendwann mal gefragt habe, ob man jemals die Kombination größtes Ritzel und größtes Kettenblatt fährt, finde ich hierfür nun Anwendung. Zumindest wird bei dieser Kombi das Durchrutschen etwas reduziert.

    Den Rest des Tages bleibt es auch regnerisch, doch das erste Croissant und Pain au Chocolat halten die Stimmung hoch. Handschuhe und Schuhe sind inzwischen auch wieder durchgeweicht und das Zelt ist auch noch feucht von heute Morgen. Umso glücklicher bin ich dann, als ich auf der Karte noch einen Unterstand direkt am Radweg finde, den ich noch ansteuere. Das Zelt kann ich so im Trockenen aufbauen und ein paar nasse Sachen aufhängen, auch wenn diese bei der Luftfeuchtigkeit sicher nicht vollständig trocknen werden.
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  • ? - Our: Aufreibend

    1. december 2023, Frankrig ⋅ ☁️ 6 °C

    Nach Sonnenaufgang starte ich von meinem überdachten Premiumzeltplatz mit Flussblick. Zwar ist nicht alles trocken geworden, doch auch in nassen Handschuhen werden die Hände nach einer guten halben Stunde warm und auch die Füße folgen. Das Wetter fällt tagsüber dazu sogar besser aus als vorhergesagt - statt Dauerregen wird es heute nur ein paar Tropfen geben.
    Aufreibend war das Wetter heute also zwar nicht für mich, wohl aber die letzten Wochen für meine Bremsen. Die sind nach 1300 km nämlich schon komplett durch, obwohl ich bisher eigentlich nur zwei wirkliche Abfahrten (Schwarzwald und Naturpark Frankenwald) gefahren bin. Schlamm und Gepäck scheinen aber ihr übriges beizutragen.

    Nach einem ersten Umweg aufgrund des überfluten Radweges und dem Austauschen der Bremsbeläge mache ich eine Patisserie ausfindig und genieße ein unwiderstehliches Pane au Chocolat - Frankreich gefällt mir.

    In Besançon komme ich dann schon fast im funkel an, will aber doch nochmal kurz durch die Stadt, bevor es die letzten 30 km zu meiner Warmshowerunterkunft geht. Um etwas Zeit zu sparen, fahre ich dann die navigierte Route und werde statt über Radwege durch unübersichtlichen Feierabendverkehr gelotst. Hinzu kommen die Dunkelheit, Nässe, leichter Nebel und blendende Lichter. Auch wenn zum Teil ganz ordentliche Radwege vorhanden sind, ist die Fahrt doch etwas anstrengend. Schließlich baue ich noch einen kleinen Umweg ein, um nicht durchgehend auf der stark befahrenen Hauptstraße fahren zu müssen.

    Doch ich freue mich auf die WarmShower-Unterkunft heute Abend und erde herzlichst von Adeline und Marc empfangen, die mich mit einem französischen Abendbrot verköstigt. Aufgetischt wird unter anderem der für die Region typische Mont d'Or, welchen es nur von September bis April gib (noch ein Vorteil für diese Reisezeit). Die Reiseerzählungen der beiden sind ebenfalls super spannend - 3 Jahre und 9 Monate ging es mit dem Tandem für die beiden um die Welt [1] - und reichen von schlechtem Wetter in Frankreich bis zum Skorpionbiss in Mittelamerika .
    Am Ende des Abends bin ich wieder überwältigt von der Gastfreundschaft und male mir bereits aus, was ich Radreisenden irgendwann einmal servieren kann.

    Radreisetipp:
    1. Auch nasse Handschuh halten warm, wenn sie einmal aufgewärmt sind. Dafür muss man aber erst eine gute halbe Stunde ordentlich an den Händen frieren.
    2. Ich habe sie noch kie getestet, aber das nächste Mal werden es Scheibenbremsen...

    [1] Ein paar weitere Infos (auf Französisch): https://letandemetlavie.blogspot.com/?m=1
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  • Our - Verdun-sur-le-Doubs

    2. december 2023, Frankrig ⋅ ☁️ 0 °C

    Morgens frühstücken wir gemeinsam und mir wird noch mal angeboten, einen weiteren Tag zu bleiben. Doch das Wetter heute ist - bis auf die Kälte - optimal zum Radeln und ich möchte die Woche noch ein paar Kilometer schaffen (und heute Nacht mal testen, was mein Schalfsack so kann). Ich starte am späten Nachmittag und werde noch mit einem Lunchpaket überrascht. Gastfreundschaft und menschliche Begegnungen erlebt man bei dieser Art zu reisen so ganz anders, als wäre man im Hostel, Hotel oder einer Ferienwohnung.

    Ich kürze etwas ab und folge dann wieder dem Fluss bis nach Dole, wo ich mir etwas Zeit nehme, um durch die schöne Altstadt zu schieben. Die Bauweise der Gebäude aus hellem Naturstein erinnern an Edinburgh. Die Stadt ist zudem von kleinen Straßen durchzogen, in denen sich überall kleine Restaurants befinden. Diese sind mir schon in einigen Städtchen aufgefallen - typisch für Frankreich?

    Zum Mittag gibt's selbstverständlich Baguette, Croissants und lokalen Käse. Und auch wenn mir vorher gesagt wurde, dass die Verpflegung in Frankreich teurer wird, kann man sich mit dieser Kombination doch recht günstig versorgen.

    Von Dole geht es schließlich weiter entlang des Flusses bis nach Verdin-sur-le-Doubs, wo ich auf einem eigentlich geschlossenen Campingplatz übernachte. Beim Betreten etwas gruselig, aber auch daran gewöhnt man sich. Bei den abendlichen Temperaturen verzichte ich auf längeres Kochen und teste erstmalig die Globi-Expeditionsnahrung. Die schmeckt gar nicht übel, vielleicht etwas salzig und wird am Ende noch mit frischer Zucchini getunt.
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  • Verdun-sue-le Doubs - Taizé

    3. december 2023, Frankrig ⋅ ⛅ 2 °C

    Die Nacht war frisch, aber nicht zu frisch:-) Außerdem werde ich mit einem schönen Sonnenaufgang belohnt und die Sonne strahlt fröhlich. Da ist eine kalte Nacht schon mal ok. Die hat zudem noch den Vorteil, dass man Bäumen am nächsten Morgen dabei zuschauen kann, wie sie ihre Blätter abwerfen. Das geht sogar schneller, als man denkt und raschelt unglaublich laut.

    Relativ spontan habe ich mir für heute Taizé - von Anna empfohlen - als Ziel gesetzt, um dort zwei Tage zu bleiben. Weiter informiert habe ich mich tatsächlich nicht, da der Ort sowieso auf der Route liegt. Und die Route, die irgendwann vom Eurovelo 6 abweicht, ist auch wieder wunderschön. Zunächst am Fluss und später wieder Mal ein langer Abschnitt einer alten Bahnstrecke, der durch viele kleine Dörfer führt.

    Aufgrund meiner Zeitrafferaufnahme am Morgen komme ich etwas später an. Allerdings merkt man bereits, dass ich mich deutlich weiter im Süden befinde, denn hier bleibt es noch bis nach fünf hell.
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  • Taizé - Ora et labora...

    3.–10. dec. 2023, Frankrig ⋅ ⛅ 2 °C

    ...trifft es zum Teil, aber nicht ganz. Als ich hier am Sonntag ankam, wollte ich zunächst nur für zwei Tage bleiben. Doch nach dem ersten Abend in geselliger Runde und nachdem ich erfuhr, dass die Zeit hier immer auf eine Woche ausgerichtet ist, beschloss ich ebenfalls länger zu bleiben - erst bis Freitag, dann bis Sonntag. Kein Problem, wenn man flexibel und der Nase nach unterwegs ist!

    Doch zurück zum Anfang, was ist Taizé eigentlich für ein Ort? Ein Kloster, eine ökumenische Gemeinschaft, ein Ort zum Zusammenkommen und Austausch für junge Menschen, auf jeden Fall ein Ort, an dem viele offene Menschen mit interessanten Geschichten zusammentreffen. Und auch wenn der fakultative Tages- und Wochenplan mit dreimaligem Gebet am Tag, Bibeleinführung und Arbeiten (in meinem Falle Bäder putzen) vielleicht erst mal etwas gewöhnungsbedürftig klingt, vergeht die Woche wie im Flug. Denn die Gebete/Gottesdienste gleichen hier eher Meditation und bestehen zu 90 % aus Gesang, der übrigens auf den verschiedensten Sprachen stattfindet (gar nicht verkehrt, um sich mit französischer Aussprache vertraut zu machen;). Und auch die Austauschrunden nach der "Bibeleinführung" haben nicht unbedingt einen religiösen Touch, sondern geben Raum zum Besprechen und Diskutieren aller Dinge, die einen beschäftigen - vielleicht hatte ich aber auch einfach nur eine richtig coole "Sharing-Group";-)

    Und was bleibt sonst noch in Erinnerung? Natürlich das Frühstück bestehend aus Baguette (das gabs übrigens zu jeder Mahlzeit), einem Stückchen Butter und zwei Schokosticks!
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