Tag Zwei
20–21 abr., Alemania ⋅ ☀️ 11 °C
(English Version Below)
Tag 3.583
20/04/2026
Oppenau
Eiskalt der Morgen. Die Temperatur fällt auf zwei Grad. Bin bis zuletzt unter der Bettdecke geblieben. Neben mir die Hilde im Tiefschlaf.
Verzichte aufs Waschen. Trinke stattdessen eine warme Tasse Tee. Die Sonne ist schon in der Ecke vom Parkplatz zwischen den Bäumen durchgekommen. Gleich verdoppelt sich die Gradzahl.
Hilde begrüßt mich gähnend und fröhlich. Noch neunzehn Minuten, bis die Werkstatt öffnet, und ich anrufen kann.
In Gedanken, im Halbschlaf, läuft das Gespräch mehrfach vor meinem inneren Auge ab. Es kommt auf den einen Moment an, wo ich sein Mitleid berühre, dass sein Herz für uns schlägt.
Obwohl ich weiß, dass diese Reaktion außerhalb von mir ist, und ein Geschenk sein wird.
Der Schlaf war gut. Ich habe mich hingelegt und wußte gleich, dass die Matratze mich annimmt. Das ist selten so, aber ein Traum. Meist begegnen wir uns wie Fremde und dann finde ich lange nicht in den Schlaf.
Acht Uhr. Der zweite Anruf. Premio Reifen Huber. Der Chef am Apparat. Ich möge den Schein schicken per WhatsApp. Er meldet sich dann.
Hallo, Riemen würde ich heute bekommen. Einbau würde ich auf 15 Uhr hin bekommen.
Wir fahren die fünf Kilometer mit unruhigem Bauch. Nicht, dass die Batterie jetzt den Geist aufgibt. So ganz ohne Keilriemen und Lichtmaschine. Die Kurven sind einfach, trotz fehlender Servolenkung kommen wir gut hin.
Kurz nach zehn Uhr stehen wir auf der anderen Straßenseite im Sonnenschein. Die Straße ist ungünstig über Mittag gelegen.
Ich habe gestern einen Krimi angefangen, den mir meine Tochter vor über zehn Jahren geschenkt hat.
'Wolfstage'. Eine Geschichte zwischen Harz und Heide, so wie die Braunschweiger Fans über ihren Fußballclub singen.
Leichte Kost. Wenn man über den Tag 250 Seiten lesen kann. Aber ich bin solche Sachen nicht mehr gewohnt, und wenn, dann nur in komödiantischer, bayrischer Form.
Aber es ist eine schöne Erinnerung an meine Tochter. Das war es allemal wert.
Da war ich noch jung. Haha. Vielleicht 62, 63 Jahre alt. Verglichen mit heute. Und wesentlich beweglicher.
Endlich um halb fünf ist der Bus dran. Und da haben wir auch noch Glück gehabt, denn kaum, dass sie mir zugesagt haben, ist ein Kollege plötzlich krankheitsbedingt ausgefallen.
Da es schon so spät ist, fahren wir zurück zum Stellplatz Oppenau für die Nacht.
Nach der kalten Nacht trifft die heiße Sonne uns unvermittelt. Wir sind beide sehr erschöpft. Vielleicht ist die Anspannung zu groß gewesen, denn auch Hilde merkt man ihre Verunsicherung an.
Erst jetzt am Abend löst sich die Situation auf. Wir sitzen in unserem Zuhause, das wieder fährt, und sind glücklich.
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Day 3,583
20/04/2026
Oppenau
The morning is freezing cold. The temperature drops to two degrees. I stayed under the covers until the very end. Hilde is sound asleep next to me.
Skip the washing. Drink a warm cup of tea instead. The sun has already peeked through the trees in the corner of the parking lot. The temperature will soon double.
Hilde greets me with a cheerful yawn. Nineteen more minutes until the garage opens, and I can call.
In my mind, half-asleep, the conversation plays out repeatedly. It all comes down to that one moment when I touch his compassion, when his heart beats for us.
Even though I know that this reaction is outside of me, and will be a gift.
I slept well. I lay down and knew immediately that the mattress would accept me. That's rare, but it was a dream. Usually, we meet like strangers, and then I can't fall asleep for a long time.
Eight o'clock. The second call. Premio Reifen Huber. The boss on the line. He asks me to send the receipt via WhatsApp. He'll get back to me.
Hello, I'll get the belt today. I can get it installed by 3 p.m.
We drive the five kilometers with a knot in our stomachs. We don't want the battery to die now. Driving without a fan belt or alternator, no less. The curves are easy; despite the lack of power steering, we manage just fine.
Shortly after 10:00 a.m., we're standing on the other side of the street in the sunshine. The street is inconveniently located at midday.
Yesterday, I started a crime novel that my daughter gave me over ten years ago.
'Wolf Days'. A story set between the Harz Mountains and the Lüneburg Heath, just like the Braunschweig fans sing about their football club.
Light reading. If you can manage to read 250 pages in one day. But I'm not used to that sort of thing anymore, and if I am, it's usually in a comedic, Bavarian style.
But it's a lovely reminder of my daughter. It was definitely worth it.
I was still young back then. Haha. Maybe 62 or 63 years old. Compared to today. And considerably more agile.
Finally, at 4:30 p.m., it's the bus's turn. And we were lucky, too, because no sooner had they confirmed than a colleague suddenly called in sick.
Since it's already so late, we drive back to the Oppenau campsite for the night.
After the cold night, the hot sun hits us unexpectedly. We are both very exhausted. Perhaps the tension was too much, because Hilde also shows signs of unease.
Only now, in the evening, does the situation resolve itself. We are sitting in our home, which is running again, and we are happy.Leer más
Tag Eins
19–20 abr., Alemania ⋅ ⛅ 10 °C
(English Version Below)
Tag 3.582 abends
19/04/2026
Oppenau
Brigitte schenkt mir den Rest von ihrem Wasserkanister, weil sie heute nach Hause fährt. Sie nimmt meine Post mit und unser Buch, das eine Leserin gekauft hat.
Wir haben jetzt eine Thermoskanne heißes Wasser für den Tag, um Tee zu trinken. Gerade hat es kurz geregnet, der Himmel bleibt grau, die Erde ist trocken und staubig.
Hilde legt ihren Kopf auf den meinen, sie stöhnt manchmal mit dem Atmen, vielleicht aus Schmerzen.
Ich bin müde.
Überlege, ob ich einen Pullover anziehen soll. Die Standheizung funktioniert nicht mehr, weil ich die Energie in den schwachen Batterien halten muss, um das Handy aufladen zu können.
Keine Sonne, keine Energie über die Solarpanele.
Gestern habe ich noch überlegt, ob ich bei der Hitze eine kurze Hose anziehe. Da fuhr der Bus noch.
Habe Kinder-Bueno gekauft. Warum gibt es das nicht für Erwachsene. Aber ja, wer möchte nicht gerne manchmal ein Kind sein.
Wie der kleine William von der brasilianischen Camperfamilie, die wir gestern kennengelernt haben.
Achtzehn Monate alt, stromert er über den Platz und lernt seine Welt kennen.
Am Ende der sechs Buenoriegel habe ich Bauchweh. Kindsein ist doch schwer.
Habe geschlafen, eine Stunde vielleicht. Als ich aufwache, ist mir kalt, die Sonne scheint ins Fenster.
Wir gehen spazieren. Hilde dreht um, wenn sie zurück will. Sie möchte in den Bus und will nicht, dass ich draußen sitzen bleibe. Also lasse ich die Tür auf.
Hilde will spielen. Sie macht einen Purzelbaum, zeigt mir ihre Verletzung am Bauch. Ihre Ohren sind heiß, und sie lacht, während wir rumknuddeln.
Die Vögel zwitschern. Neben uns parkt ein schrottreifes Auto, auf der anderen Seite ein Laster von DSV.
Hilde quietscht wie eine Sirene, weil sie ein Leckerli möchte. Das ist nervtötend, und ich muss mal was Strenges sagen. Dann ist eine Weile Ruhe, bevor sie ihr Spiel wieder aufnimmt.
Während Hilde an einem Knochen nagt, kann ich den Bus innen reinigen. Mir fällt auf, dass sie heute weniger haart. Das ist auch immer ein Zeichen von innerer Ausgeglichenheit, weniger äußeren Stress.
So ein Knochenkracher macht durstig, da wird der Papa durch mehrmaliges, eindringliches Bellen dazu gebracht, den Wassernapf maulgerecht hinzustellen.
Die Sonne ist ganz warm geworden, ich habe den Bus gereinigt. Wir gehen spazieren. Mir fällt das Tor auf, das zum Garten hin geöffnet ist.
Ich bin mehrfach daran vorbei gegangen, und heute habe ich es zum ersten Mal gesehen. So ist das manchmal im Leben.
Gestern die brasilianische Familie, heute eine Deutsche. Ich habe gefragt, ob sie mir heißes Wasser für die Thermoskanne machen können, und so sind wir ins Gespräch gekommen. Dieses Mal zwei kleine, aufmerksame Kinder, die unbedingt Hilde kennenlernen wollten.
Ich habe wieder mein halbes Leben in zehn Minuten erzählt. Das ist furchtbar, dass mir die Worte so aus dem Mund laufen, als habe ich einen Quarkfrosch verschluckt.
Der Abend kühlt runter, wir haben gegessen, der Wind hat nachgelassen, und die Vögel rufen einander den Gute Nacht Gruß zu.
"Sei heute achtsam darauf, wie jetzt in der Frühlingszeit das Leben neu aufkeimt und aufblüht. Das Lebendige hat Kraft in sich. Es entfaltet sich, allen Widerständen zum Trotz." (Anselm Grün)
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Day 3,582 evening
April 19, 2026
Oppenau
Brigitte gives me the rest of her water canister because she's going home today. She's taking my mail and our book, which a reader bought.
We now have a thermos of hot water for the day, so we can make tea. It just rained briefly; the sky remains gray, and the ground is dry and dusty.
Hilde rests her head on mine, sometimes groaning with each breath, perhaps from pain.
I'm tired.
I'm wondering whether I should put on a sweater. The auxiliary heater isn't working anymore because I need to conserve the energy in the weak batteries to charge my phone.
No sun, no power from the solar panels.
Yesterday, I was still debating whether to wear shorts in this heat. The bus was still running then.
I bought some Kinder Bueno. Why isn't there an adult version? But yes, who doesn't want to be a kid sometimes?
Like little William from the Brazilian camper family we met yesterday.
Eighteen months old, he roams the campsite, exploring his world.
My stomach hurts after eating six Bueno bars. Being a child is hard.
I slept, maybe an hour. When I wake up, I'm cold, the sun is shining in the window.
We go for a walk. Hilde turns around when she wants to go back. She wants to get on the bus and doesn't want me sitting outside. So I leave the door open.
Hilde wants to play. She does a somersault, showing me her injury on her belly. Her ears are hot, and she laughs while we cuddle.
The birds are chirping. A wrecked car is parked next to us, and a DSV truck is parked on the other side.
Hilde squeals like a siren because she wants a treat. It's annoying, and I have to say something stern. Then there's a bit of peace and quiet before she starts playing again.
While Hilde gnaws on a bone, I can clean the inside of the bus. I notice that she's shedding less today. That's always a sign of inner balance, less external stress.
All that bone-crunching stuff makes you thirsty, so Dad, with a few insistent barks, finally manages to put the water bowl down.
The sun has gotten quite warm, and I've cleaned the bus. We're going for a walk. I notice the gate that opens onto the garden.
I've walked past it many times, and today I saw it for the first time. That's life sometimes.
Yesterday it was the Brazilian family, today a German one. I asked if they could make me some hot water for my thermos, and that's how we got talking. This time it was two small, attentive children who were eager to meet Hilde.
I ended up telling half my life story in ten minutes again. It's awful how the words just pour out of my mouth like I've swallowed a lump of cheese.
The evening is cooling down, we've eaten, the wind has died down, and the birds are calling each other goodnight.
"Be mindful today of how life is reawakening and blossoming anew in springtime. All living things possess inherent strength. They unfold despite all obstacles." (Anselm Grün)Leer más
Oppenau
19 de abril, Alemania ⋅ 🌧 12 °C
(English Version Below)
Tag 3.582
19/04/2026
Wohnmobilstellplatz Oppenau
Nachdem ich gestern mental zusammen gebrochen bin, konnte ich auch am dritten Tag hintereinander abends nicht einschlafen. Bis weit nach Mitternacht bin ich immer wieder aufgestanden, die Gedanken gehen im Kreis, aber der blaue Bus kann ja nicht wirklich weg von diesem Ort.
Morgens um sechs Uhr bin ich wach, schaue aus dem Fenster, die Luft ist unbeweglich, die Bäume stehen still. Es hat nicht geregnet, das Wetter ist einfach an uns vorbei gezogen, aber wir sind geblieben.
Seit letztem Winter habe ich versucht, ans Meer zu kommen, weil es Hilde am Strand gut geht, sie frei laufen kann. Das hat nur bedingt geklappt, trotzdem war mein Planen weiterhin so ausgerichtet.
Doch in meine Gedanken ist immer wieder eine andere Sicht des Lebens und Reisens hinein getreten. Es ist eine Frage der Zeit, die uns Beiden bleibt, und auch wenn ich wünsche, sie würde für immer da sein, weiß ich doch, sie ist begrenzt.
Auf eine Art sind wir miteinander alt geworden, so wie unsere Reise fortgeschritten ist. Der blaue Bus ist ebenfalls in die Jahre gekommen, und wir Drei haben unsere Krankheiten mitgenommen in dieses Jahr, das wohl einen Wendepunkt darstellt.
Zehn Jahre ist eine lange Zeit, ich weiß noch nicht, wohin sie uns führt, aber es wird schwer werden, das glaube ich zu spüren. Und ich denke, dass ich mich darauf vorbereiten muss.
Vor einiger Zeit hat ein lieber Mensch mir erzählt, dass er in diesem Jahr eine Radreise plant, in die er einen Pilgerweg integrieren will. Darüber denke ich viel nach, weil ich glaube, dass eine innere Pilgerreise auch unser Weg sein kann.
Es geht nicht mehr um Entfernungen, es geht um Zeit miteinander zu verbringen. Hilde liebt es draußen zu sein, Leckerlis zu genießen, mit ihrem Papa zu leben. Ich spüre, dass unsere Erkrankungen progressiv sind. Oder anders gesagt, dass das Alter in uns fortschreitet. Und dabei rede ich immer von uns Dreien, den blauen Bus eingeschlossen.
Wir werden also unsere Pilgerreise heute beginnen. Es wird ein Weg der kleinen Schritte sein. Im Inneren und im Äußeren. Und natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass wir ans Meer, an Strände kommen, und auf diese Art unsere Küstentour fortsetzen können.
Parallel werde ich das Neue Testament lesen, um auch dem Denken, Orientierung bieten zu können.
Unser Ziel ist das Leben.
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Day 3,582
April 19, 2026
Oppenau Motorhome Site
After my mental breakdown yesterday, I couldn't fall asleep for the third night in a row. I kept getting up until well after midnight, my thoughts going in circles, but the blue bus can't really leave this place.
I wake up at six in the morning, look out the window, the air is still, the trees stand motionless. It hasn't rained; the weather has simply passed us by, but we've stayed.
Since last winter, I've been trying to get to the sea because Hilde thrives on the beach, where she can run freely. It only partially worked out, but my plans remained focused on that.
Yet, a different perspective on life and travel has repeatedly crept into my thoughts. It's a question of the time we both have left, and even though I wish it would last forever, I know it's limited.
In a way, we've grown old together, just as our journey has progressed. The blue bus has also aged, and the three of us have brought our illnesses with us into this year, which will likely mark a turning point.
Ten years is a long time, I don't yet know where it will lead us, but I can sense it will be difficult. And I think I need to prepare for that.
A while ago, a dear friend told me he's planning a cycling trip this year, which he intends to incorporate into a pilgrimage. I've been thinking about this a lot because I believe that an inner pilgrimage can also be our path.
It's no longer about distances; it's about spending time together. Hilde loves being outdoors, enjoying treats, and living with her dad. I sense that our illnesses are progressing. Or, to put it another way, that age is advancing within us. And I'm always talking about the three of us, including the blue bus.
So, we will begin our pilgrimage today. It will be a journey of small steps, both inwardly and outwardly. And of course, it's not out of the question that we'll reach the sea, the beaches, and continue our coastal tour in this way.
At the same time, I will read the New Testament to provide guidance for our thoughts as well.
Our destination is life.Leer más

ViajeroDer blaue Bus wird natürlich auch nicht ewig halten. Irgendwann wird es Zeit sein, sich von ihm zu verabschieden und nach einem neueren Modell umzuschauen. Immerhin ist er ja kein Lebewesen, auch wenn du natürlich sehr an ihm hängst. Er hat natürlich auch sehr viele Kilometer auf dem Buckel.

ViajeroMein Schrauber hat versprochen, ihn noch einmal durch den TÜV im Sommer zu bringen.

















