Tag Elf
29–30 kwi, Niemcy ⋅ 🌙 12 °C
(English Version Below)
Tag 3.592
29/04/2026
Oer-Erckenschwick -
Schonebeck -
Darfeld
Wache um kurz nach fünf Uhr morgens auf. Schnell anziehen und hinters Steuer setzen. Der Motor muss wieder abgekühlt sein, wenn der Schrauber früh den Keilriemenspanner wechseln will.
Wir fahren zum Treffpunkt und ich lege mich nochmals schlafen. Hilde ist süß, kommt kuscheln, Kopf auf Kopf. So früh durch die Städte zu fahren ist schon irre. Wie viele Menschen, grade junge Leute, auf dem Weg zur Arbeit sind.
Sie wirken einsam in den Straßen, in denen der Morgen erwacht. Warten an Bushaltestellen, Kapuze über, Hände tief in den Taschen. Die ersten Radfahrer sind warm eingepackt, es ist durchaus kühl draußen.
Um viertel nach sieben kommt der Schrauber mal eben vor seiner Arbeit vorbei, wechselt das Teil, wir sprechen die ungefähre Zeit für den TÜV ab, der diesen Sommer dran ist. So kann ich jetzt besser die nächsten Monate planen.
Heute ist die Sonne wieder heftig am Werk und dazu sorgt der Wind für reichlich Bewegung in den Bäumen. Diese Kombination ist schlecht, weil Schattenplätze in der Regel erhobene Gebilde benötigen.
Auf dem Land gibt es keine hohen Häuser, und die in Frage kämen, gehören Privatleuten auf ihrem Eigentum. Also Bäume und die sind gerade so aktiv in Bewegung, dass Hilde sich erschreckt.
Nach einer kleinen Pause mit abgesägten Baumstämmen, nehmen wir Platz unterhalb eines Windrades. Und - trotz der lauten Geräusche, ist dieser Ort für Hilde perfekt. Umgeben von den grünen Getreidehalmen, die wie die Wellen eines Meeres sich rhythmisch im Wind bewegen, nehmen wir die gut befahrene Landstraße kaum wahr.
Radfahrer und Wohnmobile, Hilde's Schnauze liegt auf meinen Zehen, sie ist eingeschlafen. Ein französischer Ziegenfrischkäse zum Mittagessen kurz vor drei Uhr am Nachmittag.
Felder um ein Windrad herum sind voller Gerüche. Hilde ist begeistert. Aber noch viel mehr, als ich die Heckklappe ansteuere. Sie weiß sofort, dass dort kleine, getrocknete Bällchen sind, von denen ich eine Handvoll in die Umgebung verstreue, damit sie sie suchen kann.
Gefunden. Wir haben für morgen Abend einen Besuch ausgemacht, auf den nicht nur wir uns freuen. Der gibt uns auch einen Schlafplatz und ein interessantes Gespräch.
Als wir heute losgefahren sind, wusste ich nicht, wohin für die paar Tage, denn am Montag habe ich noch einen Arzttermin in Wolfenbüttel. Aber jetzt bin ich mit der Richtung zufrieden.
Unser Lebensrhythmus hat sich verändert. Meist bleiben wir abends lange an einem schönen Ort, so wie heute, kochen Wasser fürs Waschen morgen früh auf den letzten Kilometern, und suchen Schlafplätze tatsächlich nur für die Nacht auf, wenn Hilde nicht nochmal raus muss.
Das ist viel entspannter für uns. In Darfeld stehen wir gegenüber von einem Reitplatz, hier ist viel Hundeverkehr mit Menschenanhang, aber im Bus ist die Zeit der Ruhe. Die Sonne leuchtet durch die Bäume. Neben uns übernachtet ein junger Mann, wie ich ein Christ, und erzählt mir, dass seine Cousine Schloßführungen in Braunfels macht, so wie ich vor sechzig Jahren.
Habe Musik von Foy Vance angeschaltet, er berührt meine Stimmung auf eine besondere Art.
"Sometimes I remember that it is November
And I once was cradled in arms
And given a bible
For all of it’s cheek it had charm
There on the spine my name was inscribed
Like my pain gets inscribed on your heart
But hold it together I’ve never felt better
And we’ve fared the weather so far"
(Cradled in Arms)
https://youtu.be/xueXD1z-sDc?is=JSCPoTiA8yG5jecX
---
Day 3,592
April 29, 2026
Oer-Erckenschwick -
Schonebeck -
Darfeld
Wake up shortly after 5:00 a.m. Quickly get dressed and behind the wheel. The engine needs to be cooled down again if the mechanic wants to change the serpentine belt tensioner early in the morning.
We drive to the meeting point and I go back to sleep. Hilde is sweet, comes for cuddles, head to head. Driving through the cities so early is crazy. So many people, especially young people, are on their way to work.
They seem lonely in the streets as morning awakens. Waiting at bus stops, hoods up, hands deep in pockets. The first cyclists are bundled up warmly; it's quite chilly outside.
At 7:15, the mechanic stops by before work, replaces the part, and we discuss the approximate time for the vehicle inspection, which is due this summer. This helps me plan the next few months better.
Today the sun is blazing again, and the wind is causing the trees to sway. This combination isn't ideal, because shady spots usually require tall trees.
There aren't any tall buildings in the countryside, and the ones that would be suitable belong to private individuals on their own property. So it's trees, and they're swaying so much right now that Hilde gets a fright.
After a short break with some sawn-off tree trunks, we take a seat beneath a wind turbine. And – despite the noise – this spot is perfect for Hilde. Surrounded by the green stalks of grain, which move rhythmically in the wind like waves of the sea, we hardly notice the busy country road.
Cyclists and camper vans, Hilde's muzzle rests on my toes, she's fallen asleep. A French goat's milk cheese for lunch just before 3 p.m.
The fields around a wind turbine are full of aromas. Hilde is thrilled. But even more so when I head for the tailgate. She immediately knows that there are small, dried balls there, a handful of which I scatter for her to find.
Found! We've arranged a visit for tomorrow evening, which we're not the only ones looking forward to. It will also give us a place to sleep and an interesting conversation.
When we set off today, I didn't know where we were going for the few days, because I have a doctor's appointment in Wolfenbüttel on Monday. But now I'm happy with the direction we're heading.
Our daily routine has changed. We usually stay in a beautiful place for a long time in the evening, like today, boil water for washing tomorrow morning on the last few kilometers, and only look for places to sleep for the night if Hilde doesn't have to go out again.
This is much more relaxing for us. In Darfeld, we're parked opposite a riding arena; there's a lot of activity here with dogs and their owners, but it's peaceful on the bus. The sun is shining through the trees. A young man, a Christian like me, is staying next to us and tells me that his cousin gives tours of Braunfels Castle, just like I did sixty years ago.
I turned on music by Foy Vance, it touches my mood in a special way.
"Sometimes I remember that it is November
And I once was cradled in arms
And given a bible
For all of it’s cheek it had charm
There on the spine my name was inscribed
Like my pain gets inscribed on your heart
But hold it together I've never felt better
And we've fared the weather so far"
(Cradled in Arms)
https://youtu.be/xueXD1z-sDc?is=JSCPoTiA8yG5jecX Czytaj więcej
Tag Zehn
29 kwietnia, Niemcy ⋅ ☀️ 9 °C
(English Version Below)
Tag 3.591
28/04/2026
Elfgen -
Krefeld -
Haltern am See
An einem stillen Hundeplatz geniesse ich mein Frühstück, während ein Fahrlehrer mit seinem Motorradschüler auf der stillen Straße Übungen macht.
Heute habe ich mich endlich dazu durchgerungen, meinen Facebook - Account demnächst zu schließen. So werden die Follower angeschrieben, um ihnen Alternativen aufzuzeigen.
Später werde ich mir einen kleinen Account einrichten, um meine persönlichen Kontakte, die nur so möglich sind, aufrecht zu erhalten.
Aber ich möchte auch diese Vielzahl an Photos und Texten aus dem Internet nehmen. Deshalb lösche ich bei Instagram so nach und nach auch alle Beiträge.
Zuviel Werbung, zuviel Internetzeit, Instagram sagt mir, dass ich dort täglich bis zu zwei Stunden verbringe. Das möchte ich gerne auf ein Mindestmaß senken.
Am frühen Nachmittag machen wir in Krefeld einen Besuch bei einem weiteren lieben Menschen, der für den Bus einige Ersatzteile gekauft hat, von denen eins morgen eingebaut werden soll.
Wir sitzen in einem angenehm temperierten Holzhaus, und ich höre zu, während Lothar von seinem Lebensprojekt spricht, dem Umbau eines Lastwagens, um dort mit seiner Ehefrau leben und reisen zu können.
Nicht mehr lange, dann sind sie unterwegs. Ich freue mich für sie. Träume müssen Realität werden, sonst fressen sie uns eines Tages auf.
An der Autobahnauffahrt bei Drevenack gibt es einen schönen Parkplatz an grünen Wiesen mit Pferden und Enten, Löwenzahn und zurückliegenden Häusern.
Wir gehen spazieren, es gibt Abendessen, ich habe im Laufe des Tages alle Kontakte auf Facebook informiert. Der Wind hat eine kühle Nuance, was aber sehr angenehm ist, wenn er durch die offene Seitentür in den Bus kommt.
Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, einfach ein schöner Frühlingstag. Hilde ist heute nicht gut auf mich zu sprechen, weil wir nicht lange genug draußen waren.
Ich kann ja keine großen Wege machen, aber sollte zumindest vier Mal am Tag mit ihr so unterwegs sein, dass sie mit ihrer Nase gut beschäftigt ist. Das klappte schon gestern nicht, weil wir aus bestimmten Gründen zügig eine größere Entfernung hinter uns bringen mussten.
Ich habe ihr versprochen, Morgen wird es wieder besser. Wir treffen unseren Schrauber um halb acht morgens, damit der Spanner für den Keilriemen gewechselt wird.
Also übernachten wir in Haltern auf einem offenen Parkplatz gegenüber einer Häuserreihe. Bisher war es nie ein Problem, deshalb ist es unverständlich, dass ich mir so schwer damit heute tue.
Letztendlich sind wir jetzt im umgebauten Bus, Hilde schnarcht schon, und mir geht's soweit gut für die Nacht, die vor uns liegt. Flugzeuge am dunklen Himmel nach einem grandiosen Sonnenuntergang.
---
Day 3,591
April 28, 2026
Elfgen -
Krefeld -
Haltern am See
I enjoy my breakfast at a quiet dog park while a driving instructor practices with his motorcycle student on the quiet street.
Today I finally decided to close my Facebook account soon. This way, I can contact my followers and show them alternatives.
Later, I'll set up a small account to maintain my personal connections, which are only possible through social media.
But I also want to remove this multitude of photos and texts from the internet. That's why I'm gradually deleting all my posts on Instagram as well.
Too much advertising, too much time online—Instagram tells me I spend up to two hours there every day. I'd like to reduce that to a minimum.
In the early afternoon, we visited another dear friend in Krefeld who had bought some spare parts for the bus, one of which is to be installed tomorrow.
We sat in a comfortably warm wooden house, and I listened as Lothar talked about his life's project: converting a truck so he and his wife could live and travel in it.
It won't be long now, then they'll be on their way. I'm so happy for them. Dreams have to become reality, otherwise they'll devour us one day.
At the motorway entrance near Drevenack, there's a lovely parking area by green meadows with horses and ducks, dandelions, and houses set back from the road.
We go for a walk, have dinner, and I've updated all my Facebook contacts throughout the day. The wind has a cool tinge, which is very pleasant as it wafts into the bus through the open side door.
The sun is shining, the sky is blue—simply a beautiful spring day. Hilde isn't in a good mood with me today because we weren't outside long enough.
I can't take her on long walks, but I should at least take her out four times a day so she has plenty of opportunities to explore. That didn't work out yesterday either, because for certain reasons we had to cover a considerable distance quickly.
I promised her things would be better tomorrow. We're meeting our mechanic at 7:30 a.m. to have the tensioner for the fan belt replaced.
So we're spending the night in Haltern in an open parking lot across from a row of houses. It's never been a problem before, so it's baffling that I'm having such a hard time with it today.
Finally, we're now in the converted bus, Hilde's already snoring, and I'm feeling okay for the night ahead. Airplanes in the dark sky after a magnificent sunset. Czytaj więcej
Tag Neun
28 kwietnia, Niemcy ⋅ ☁️ 7 °C
(English Version Below)
Tag 3.590
27/04/2026
Verviers (B) -
Stolberg (D) -
Bergheim (D)
Um kurz vor acht sind wir abfahrbereit. Der Parkplatz bietet jetzt keine besondere Atmosphäre, und ich muss eh fahren, um mein Wasser fürs Frühstück zu kochen.
Genau sechs Kilometer entfernt ist ein offener Platz zwischen Straße und Wald, in den Wege zum Fluss führen, und zu einer besonderen Brücke, die sich Passarelle Maria nennt.
"Die Passerelle Maria ist eine malerische Fußgängerbrücke über die Lesse bei Redu (Gemeinde Libin/Daverdisse) in der belgischen Provinz Luxemburg. Sie liegt an einer ehemaligen Tramlinie und verbindet die Rue de Libin mit der Route Pierre-Napoléon Bonaparte."
https://www.wellin.be
Ein großer Mann kommt mit einem vollbeladenen Rucksack gerade vom gegenüberliegenden Hügel herunter. Er hat hier sein Auto geparkt, der Wochenendtrip ist zuende.
Mit einer Nachricht auf dem Anrufbeantworter verabschiedet sich unsere Begleitung heute sehr überraschend. Auch wenn das Leben so ist, merke ich, dass es mich trotzdem traurig macht.
Belgien ist eine Art Durchgangsverkehr, mit vielen Montagsfahrzeugen nach einem beschaulichen Wochenende. Der Himmel ist nicht mehr klar blau, der Tag wirkt verwaschen.
In den kleinen Ortschaften ist 70 km/h erlaubt, hier möchte ich keine Kinder haben. Wir fahren durch Verviers, fast sechzigtausend Einwohner, von denen die Hälfte heute unterwegs ist. Im Vorbeifahren fallen mir die Bettler auf, und ein hoher Ausländeranteil.
Deutschland ist dreißig Kilometer entfernt, fast direkt vor der Tür befindet sich der belgische Teil des Eifel - Nationalpark. Ich habe keine Bilder auf der ganzen Tour heute gemacht, außer der ESA-Anlage in Redu. Und selbst im Nationalpark finde ich keine entsprechende Stimmung.
Das hat mich überrascht, vielleicht war ich einfach nicht aufnahmebereit. In Roetgen halten wir eine Stunde auf dem Stellplatz. Sehr staubig, sehr heiß, direkt am stark befahrenen Radweg. Das kann man nicht aushalten.
Jetzt stehen wir bei Aachen auf einem emsigen Wanderparkplatz im Schatten der hohen Bäumen. Wir warten ab, bis wir später auf einen angenehmen Platz für die Nacht fahren können.
Auf den letzten Kilometern koche ich Wasser für das Fußbad. Mit Hilde bin ich bei Erkelenz neben einem Obstfeld spazieren gegangen. Jetzt habe ich Zeit zur Entspannung.
Hilde nagt an ihrem Knochen, der Ventilator kühlt den Raum, die Füße genießen die Wärme. Wir sind auf dem kostenlosen Stellplatz beim Schloss, der sehr beliebt ist.
Fahrzeuge aus NL, A und CH, der Rest aus den deutschen Landen, ein zwei Einheimische. Vollbesetzt. Aber immer ruhig, sodass die Nachbarn in ihren Häusern nicht gestört werden.
---
Day 3,589
April 27, 2026
Verviers (Belgium) -
Stolberg (Germany) -
Bergheim (Germany)
We're ready to leave just before eight. The parking lot doesn't have much of an atmosphere, and I have to drive anyway to boil water for breakfast.
Exactly six kilometers away is an open space between the road and the forest, where paths lead down to the river and to a special bridge called the Passerelle Maria.
"The Passerelle Maria is a picturesque pedestrian bridge over the Lesse River near Redu (municipality of Libin/Daverdisse) in the Belgian province of Luxembourg. It is located on a former tram line and connects Rue de Libin with Route Pierre-Napoléon Bonaparte."
https://www.wellin.be
A tall man is just coming down the opposite hill with a fully loaded backpack. He parked his car here; the weekend trip is over.
Our companion leaves a very surprising message on my answering machine to say goodbye today. Even though that's life, I realize it still makes me sad.
Belgium is a kind of transit traffic, with many cars on Mondays after a peaceful weekend. The sky is no longer a clear blue; the day seems washed out.
In the small towns, the speed limit is 70 km/h; I wouldn't want to have children here. We drive through Verviers, a city of almost 60,000 inhabitants, half of whom are out and about today. As we pass, I notice the beggars and a high percentage of foreigners.
Germany is 30 kilometers away, and the Belgian part of the Eifel National Park is practically on our doorstep. I didn't take any pictures on the entire trip today, except for the ESA facility in Redu. And even in the national park, I can't find the right atmosphere.
That surprised me; perhaps I just wasn't receptive. In Roetgen, we stop for an hour at the campervan site. Very dusty, very hot, right next to a busy bike path. It's unbearable.
Now we're parked near Aachen in a busy hikers' parking lot, in the shade of tall trees. We're waiting until we can find a more comfortable spot for the night.
During the last few kilometers, I boil water for a foot bath. Hilde and I went for a walk near Erkelenz next to an orchard. Now I have time to relax.
Hilde is gnawing on her bone, the fan is cooling the room, and my feet are enjoying the warmth. We're at the free parking area by the castle, which is very popular.
Vehicles from the Netherlands, Austria, and Switzerland, the rest from Germany, and a couple of locals. It's full. But always quiet, so the neighbors in their houses aren't disturbed. Czytaj więcej
Tag Acht
27 kwietnia, Belgia ⋅ ☁️ 5 °C
(English Version Below)
Tag 3.589
26/04/2026
Stenay (F) -
Sugny (B) -
Redu (B)
Gestern morgen dachte ich noch, es sei die Freiheit meines Alters, dass ich nach den ersten wichtigen Handlungen des frühen Morgens (Stützstrümpfe/Medizin), mich nochmals schlafen legen kann.
Aber dann ist mir wieder bewusst geworden, dass die Sonne mich schneller einholt, als ich denken kann. Kaum ist sie weit genug am Himmel, wird der Bus zu einer Sauna. Und mir fehlt dann jegliche Lust, um mich mit den wichtigen geistigen Dingen meines Lebens auseinander zu setzen.
Die Vorstellung, das mache ich später oder abends, passt nicht in meinen Lebenslauf. Also bin ich heute morgen aufgeblieben, habe mich gewaschen und angezogen, kann ziemlich früh mit Hilde rausgehen.
Wir haben drei Grad und die Sonne braucht noch ein bisschen, um das Haus quer zur Straße zu überwinden. Ein goldener Wolkenstreifen über dem Dach, aus dem die Kondensstreifen der Flugzeuge hervorschiessen, die Maschinen glänzen wie kleine Speerspitzen.
Nebel im Tal, Sonne auf dem Fluss, Pusteblumen im Gras. Die Kirchturmuhr oben auf dem Berg blickt schon in den blauen Himmel, und denkt vielleicht dran, wie gestern Abend sich die rosa Wolken gleich einem Schal zärtlich anschmiegten.
Ich habe schon nach kurzem Weg mit Hilde so starke Schmerzen im rechten unteren Rücken, dass ich froh bin, wenn wir zum Bus kommen. Es muss der Zug an der Leine links sein, denn wenn ich ohne Hilde gehe, ist es deutlich angenehmer.
Ich muss einkaufen, habe kein Wasser mehr und letztens ein paar Sachen vergessen. Um neun Uhr am Sonntag öffnet der Intermarché, aber sie verkaufen kein Wasser. Es ist überraschend, wie viele Menschen schon früh unterwegs sind. Das ist bei Aldi in Stenay deutlich weniger, aber ich kann mich glücklich schätzen, dass noch einige Sechserpacks Wasser übrig sind.
Habe auch gleich den Bestand von Joghurt meiner Lieblingstiere erhöht, dazu bisschen Käse und Möhren sowie Baguettes für Hilde.
Auf einem schönen Parkplatz im Halbschatten treffen wir uns wieder. Ich bin in einer Art Ordnunglaune und nutze die Gelegenheit, auch gleich mal ein bisschen sauber zumachen.
In einem Blog auf Instagram folge ich einen jungen Mann, der seinen neuen Camper ausgebaut hat. Alles ordentlich, fast könnte man vom Fußboden essen, denn er benutzt täglich seinen Staubsauger.
Im Verhältnis zu ihm habe ich ne Dreckbude. Die Handtücher auf dem Boden sind so voller Staub, dass ich sie niemals wirklich ausgeschlagen kriege. Und quert ein Sonnenstrahl den Bus, dann flirren die Staubkörner in der Luft.
Also, mal sehen, was der Junge Mann in einigen Jahren macht. Wir fahren von den französischen Ardennen in die belgischen. Viel und wunderschöner Wald, ein Vogelgezwitscher in den Lüften in einer Gegend, die voller Geschichte ist.
"Redu ist ein kleines Dorf in der Gemeinde Libin in der Provinz Luxemburg in Wallonien, dem südlichen Teil Belgiens. Bekannt ist es als eines der Bücherdörfer in Europa. Redu hat etwa 400 Einwohner und mehr als 20 Antiquariate und Buchhandlungen", sagt Wikipedia und ergänzt, "In der Nähe des Dorfes liegt in einem Talkessel die Satelliten - Bodenstation Redu. Sie gehört zu ESTRACK, dem Netzwerk der Bodenstationen der Europäischen Weltraumorganisation. An der Autobahnausfahrt liegt das als Museum und Konferenzzentrum genutzte Euro Space Center."
Wir parken eine Etage höher als die Wohnmobile, wo es so einigermaßen gerade ist, dass wir nicht aus dem Bett rutschen. In der Nacht ziehen Wolken auf, die gelben Straßenlaternen winken uns zu.
Im Baum über dem Fox unserer Begleitung ist noch ein verschlafenes Piep zu hören. Hilde ist ganz schmusig, wenn ich mich nach hinten ausstrecke, legt sie ihren Kopf an mein Gesicht.
---
Day 3,589
April 26, 2026
Stenay (F) -
Sugny (B) -
Redu (B)
Yesterday morning I thought it was a sign of the freedom of my age that, after the first important tasks of the early morning (compression stockings/medication), I could go back to sleep.
But then I realized again that the sun catches up with me faster than I can think. As soon as it's high enough in the sky, the bus turns into a sauna. And then I completely lose the desire to engage with the important intellectual matters of my life.
The idea of doing that later or in the evening doesn't fit into my life plan. So this morning I stayed up, washed and dressed, and can go out with Hilde quite early.
It's three degrees Celsius, and the sun still needs a little time to climb over the house, perpendicular to the street. A golden band of clouds hangs over the roof, from which contrails shoot out, the planes gleaming like tiny spearheads.
Fog in the valley, sun on the river, dandelions in the grass. The church clock atop the hill is already gazing at the blue sky, perhaps remembering how last night the pink clouds clung to it tenderly, like a scarf.
After only a short walk with Hilde, I get such severe pain in my lower right back that I'm relieved when we finally reach the bus stop. It must be the pull on the leash on the left, because walking without Hilde is much more comfortable.
I need to do some shopping; I'm out of water and I forgot a few things the other day. The Intermarché opens at nine o'clock on Sunday, but they don't sell water. It's surprising how many people are out and about so early. There are significantly fewer at Aldi in Stenay, but I'm lucky that there are still a few six-packs of water left.
I also immediately increased my supply of yogurt for my favorite animals, along with some cheese and carrots, and baguettes for Hilde.
We meet up again in a nice, shaded parking lot. I'm in a sort of tidying mood and take the opportunity to do a bit of cleaning as well.
I follow a young man on Instagram who's converted his new camper van. Everything's spotless; you could almost eat off the floor because he vacuums every day.
Compared to him, mine's a dump. The towels on the floor are so covered in dust that I can never really shake them out. And when a ray of sunshine hits the van, dust motes swirl in the air.
So, we'll see what that young man does in a few years. We're driving from the French Ardennes to the Belgian Ardennes. Lots of beautiful forest, birdsong in the air, in a region steeped in history.
"Redu is a small village in the municipality of Libin in the province of Luxembourg in Wallonia, the southern part of Belgium. It is known as one of the book villages in Europe. Redu has about 400 inhabitants and more than 20 antiquarian bookshops and bookstores," says Wikipedia, adding, "Near the village, in a valley, lies the Redu satellite ground station. It belongs to ESTRACK, the network of ground stations of the European Space Agency. At the motorway exit is the Euro Space Center, used as a museum and conference center."
We parked one level higher than the camper vans, where the floor was reasonably level so we didn't slide out of bed. Clouds gathered during the night, and the yellow streetlights beckoned to us.
A sleepy chirp could still be heard in the tree above our companion's Fox. Hilde was very affectionate; when I stretched out behind me, she laid her head against my face. Czytaj więcej
Tag Sieben
25–26 kwi, Francja ⋅ ☀️ 17 °C
(English Version Below)
Tag 3.588
25/04/2026
Hannonville-Suzémont -
Differdingen (L) -
Torgny (B) -
Quincy-Landzégourt (F)
Wir stehen voll im grellen Licht, sobald ich den Vorhang an der Seitentür öffne, kann ich nichts mehr sehen. Die Sonne krallt sich in meine Augen und lässt sie vor Helligkeit tränen.
In den letzten Nachtstunden muss die Temperatur gegen null gefallen sein, denn die Wiese im Schatten ist voller Rauhreif, das Gras kühlt meine nackten Zehen.
Eine kleine Stippvisite im Dorf, ein paar interessante Eingänge, die Kirche im Mittelpunkt, die alte Mühle am Wasser. Hier kannst du auch übernachten und köstlich im Restaurant speisen. Da ist dann die Aussicht auch mal locker fünfzig Euro wert.
Wir fahren ein Stück nordwärts, weil ich Schatten suche und bald tanken muss. In einem Wäldchen führt ein harter Lehmweg zu einem Rapsfeld, und gibt uns den kühlen Frühstücksplatz, den ich gesucht habe.
Luxemburg ist nicht mehr weit entfernt. Wir nehmen Differdingen zum Ziel, um dort zu tanken, denn der Dieselpreise von 1,87 Euro ist derzeit unschlagbar. Die Stadt ist voller Menschen, ein lautstarker Markt ist weithin hörbar. Stop and Go und viele Ampeln verlangsamen den Weg.
Wir queren über Belgien zurück nach Frankreich, um diesen schönen Stellplatz anzusteuern. Ein Hauch Schatten, ein Fluss mit einer kleinen Badestelle für Hunde direkt unterhalb, Hilde kommt mit nassem Bauch zurück.
Eine Zierkirsche mit rosa Blüten, von der wir gestern gelernt haben, dass sie nur eine Attrappe ist, weil sie keine Pollen, keinen Nektar weitergeben kann. Keine Bienen sind im Baum, keine Schmetterlinge, sie steht tatsächlich einfach nur so rum und macht einen schönen Anblick vorm blauen Himmel.
https://www.instagram.com/reel/DXhSvqjiCc6/?igs…
Wir sind früh am Nachmittag angekommen, und vermutlich auch die einzigsten Gäste auf dem kleinen Platz, auf dem drei bis vier Camper stehen könnten.
Die Nähe zur Dorfstraße bringt viel Unruhe mit sich, aber mit verdunkelten Fenstern können wir das Leben draußen lassen. Nach dem Abendessen um kurz nach fünf Uhr nachmittags sind wir beide müde. Die tägliche Sonnendosis tut ihr Bestes dazu.
---
Day 3,588
April 25, 2026 Hannonville-Suzémont - Differdange (Luxembourg) -
Torgny (Belgium) - Quincy-Landzégourt (France)
We are standing in full, glaring sunlight. As soon as I open the curtain on the side door, I can't see a thing. The sun is blinding me, making my eyes water from the brightness.
The temperature must have dropped to near zero during the last few hours of the night, because the meadow in the shade is covered in hoarfrost, and the grass cools my bare toes.
A quick visit to the village: a few interesting entrances, the church at its heart, the old mill by the water. You can also stay overnight here and enjoy a delicious meal in the restaurant. The view alone is easily worth fifty euros.
We drive a little further north because I'm looking for shade and will soon need to refuel. A hard, clay track leads through a small wooded area to a rapeseed field, providing us with the cool breakfast spot I was looking for.
Luxembourg isn't far now. We head to Differdange to refuel, as the diesel price of €1.87 is currently unbeatable. The town is bustling with people, and the noise from a bustling market is audible from afar. Stop-and-go traffic and numerous traffic lights slow us down.
We crossed back into France via Belgium to reach this lovely campsite. A touch of shade, a river with a small swimming area for dogs right below, and Hilde came back with a wet belly.
An ornamental cherry tree with pink blossoms, which we learned yesterday is just a dummy, as it can't produce any pollen or nectar. There were no bees in the tree, no butterflies; it simply stood there, a beautiful sight against the blue sky.
https://www.instagram.com/reel/DXhSvqjiCc6/?igs…
We arrived early in the afternoon and were probably the only guests at the small site, which could accommodate three or four campers.
The proximity to the village road is quite noisy, but with the windows darkened, we could keep the noise out. After dinner shortly after 5 p.m., we were both tired. The daily dose of sunshine certainly didn't help. Czytaj więcej
Tag Sechs
24–25 kwi, Francja ⋅ 🌙 14 °C
(English Version Below)
Tag 3.587
24/04/2026
Coincourt -
Bezange-la-Grande -
Lachausée
Als ich die Seitentür öffne, um die Sonne herein zu lassen, eröffnen die Vögel ihr morgendliches Konzert. Wir spazieren über die Wege an noch nassen Gräsern entlang, der Wasserfall ist deutlich lauter als gestern.
Kurz nach halb elf hat die Sonne schon richtig an Kraft gewonnen, sodass wir abfahren. Hilde sieht sehr erschöpft aus, dass ich mir sofort Sorgen mache, und die Kühlung anschalte, um ihr Entspannung zu verschaffen.
Sie liegt zwischen den Sitzen, atmet ruhiger, und auch ich beruhige mich. In den letzten Tagen sammeln sich Träume in meinen Morgenstunden, die meine Schwächen und Ängste berühren.
Das ist ungewöhnlich, weil es auch so geballt erscheint und gleichzeitig immer sehr detailliert, fast lebensechte Berührungspunkte hat.
Tatsächlich kann ich mich beim Aufwachen auch kaum aus der Umklammerung lösen, muss bewusst dagegen arbeiten, um mich nicht abziehen zu lassen.
Wir fahren durch kleine Dörfer, die oft von Rapsfelder umgeben sind. Einsame Gehöfte, der Bauer auf einem lehmigen Feld, das bis zum Horizont zu reichen scheint. Staub hinter dem Traktor, der von Vögeln begleitet wird.
Hinter einem kleinen Wäldchen finden wir eine Sackgasse an einem schmalen Flusslauf, der lustig über ein Hindernis gurgelt. Zeit zum Spaziergang über eine grüne Wiese voll mit Löwenzahn, seitlich vom Wasser.
Ein weitläufiges Getreidefeld führt hoch zum Dorf, auf dem anderen Hügel wächst Raps. Wir nehmen uns Zeit für ein Gespräch, die Hunde erfreuen sich an ihrer Zwischenmahlzeit.
Die Luft ist voll mit Leben, im Wäldchen muss Wild sein, weil beide Hunde die Nase recken. Eine Hummel verirrt sich im Bus. Das ist keine lustige Situation, auch wenn mir jeder erklärt, wie harmlos sie sind.
Der freundliche Mensch, mit der wir reisen, holt die Hummel dann ganz einfach raus. Ich bin ihr sehr dankbar. Ich überlege, woher all diese Ängste kommen, und vermute, es gäbe da ne Menge blinder Flecken in meiner Kindheit. Das schreckt mich jetzt im Alter auf.
Über kleine Straßen reisen wir in nordwestlicher Richtung zwischen den Städten Metz und Nancy hindurch. Ein Hase hoppelt über die Straße in ein hohes, grünes Gras hinein, just in dem Moment als von dort ein weißer Schmetterling auffliegt.
Der erste Grasschnitt liegt zum Trocknen auf dem Feld. In einem kleinen Wäldchen halten wir im Halbschatten, als ein Auto neben uns parkt, und eine alte Frau einen, von tiefen Lehmspuren schwerer Lastwagen ausgefahrenen Weg unter den Bäumen entlang geht.
Windstill. Grün und Blau. Vogelgezwitscher. Mein Blick aus dem Bus. Ein großer Lastwagen hält vor uns. Der Fahrer klettert raus, setzt sich hinten an sein Arbeitspult und lädt große Baumstämme aus dem Wald ein.
"Campagne Service" steht auf der Front, sein Sohn sitzt auf dem Beifahrersitz, während der Laster im Schwung des Greifarmes wackelt. Vollbeladen. Der Fahrer, der mich mit seinem langen Bart eher an einen Motorradrocker erinnert, steigt ein. Wir winken uns zu.
Hilde hat es eilig, wir parken an einer Kuhweide, das weiße Viehzeug rennt wild los. Eins bleibt stehen und muht uns ärgerlich an. Nicht das erste Mal, dass Hilde für Aufruhr sorgt, ein Bauer meinte, es könnte an ihrem Fell und dem Gang liegen, dass sie meinen, ein Wolf wäre in der Nähe.
Am Ortsanfang von Ville-au-Val beginnt der Chemin de la Côte über eine alte Brücke, neben der ein altes Haus steht, dessen Dach schon vom Winde verweht ist.
Wir parken auf einem großen Platz vor dem Ort Lachausée, der am gleichnamigen Étang liegt. "Das regionale Naturschutzgebiet Lachaussée ist ein bevorzugter Ort für das Nisten, Überwintern und Rasten von Vögeln auf dem Zug. Von der Sternwarte aus sehen Sie im Frühjahr in den Schilfgürteln die Rohrdommel oder die Zwergdommel. Die Rohrweihe und die Kornweihe oder Wiesenweihe. Das Ballett der Haubentaucher oder Schwarzhalstaucher, Reiher und Silberreiher. Vom Deich aus sieht man Reiher- und Tafelenten, Krickenten, Stockenten und Blesshühner."
https://share.google/vGFsOtc9wNgC1O4kH
Laut der App soll das Übernachten hier erlaubt sein, auch wenn es sich eher um eine Art Freizeitgelände handelt, das im Wachsen begriffen ist. Die knapp dreihundert Einwohner des Ortes würden ihrer Infrastruktur sicherlich einen Gefallen tun, wenn der Tourismus dadurch belebt würde, dass hin und wieder Camper hier übernachten.
Andererseits verhindert das parkähnliche Gelände vielleicht den Vandalismus, der sich auf schönen, freien Plätzen oft genug schnell einschleicht.
Die Aussicht und das Vogelgezwitscher, von vorn nähert sich ein Heißluftballon. Pferde und in der Ferne weiße Kühe, ab und an ein Auto, die Straße ist eine Sackgasse.
Ein unermüdlicher Kuckuck, Hilde schnarcht, der leichte Wind in den Bäumen, durch die die Sonne scheint, uns ist der Schatten der Weidenkätzchen gegönnt.
---
Day 3,587
April 24, 2026
Coincourt - Bezange-la-Grande - Lachausée
As I open the side door to let in the sun, the birds begin their morning concert. We stroll along the paths beside still-wet grasses; the waterfall is noticeably louder than yesterday.
Shortly after 10:30, the sun had already gained considerable strength, so we set off. Hilde looked so exhausted that I immediately worried and switched on the air conditioning to help her relax.
She lay between the seats, her breathing becoming more tranquil, and I calmed down as well. For the past few days, dreams have been accumulating in my mornings, touching on my weaknesses and anxieties.
This is unusual because they seem so concentrated and yet always incredibly detailed, almost lifelike.
In fact, when I wake up, I can barely break free from their grip; I have to consciously work against them to avoid being swept away.
We drove through small villages, often surrounded by fields of rapeseed. Isolated farmsteads, the farmer in a clay field that seems to stretch to the horizon. Dust trailed behind the tractor, accompanied by birds.
Beyond a small grove of trees, we found a dead end by a narrow stream that gurgled merrily over an obstacle. Time for a walk across a green meadow full of dandelions, to the side of the water.
A sprawling field of grain leads up to the village; on the opposite hill, rapeseed grows. We take our time to chat, the dogs enjoying their snack.
The air is full of life; there must be wildlife in the small wood because both dogs are sniffing. A bumblebee gets lost on the bus. It's not a funny situation, even though everyone tells me how harmless they are.
The friendly person we're traveling with simply takes the bumblebee out. I'm very grateful to her. I wonder where all these fears come from and suspect there are a lot of blind spots from my childhood. It frightens me now in my old age.
We travel northwest along small roads between the cities of Metz and Nancy. A hare hops across the road into tall, green grass, just as a white butterfly takes flight from there.
The first cutting of grass lies drying in the field. We stop in the dappled shade of a small grove of trees when a car pulls up beside us, and an old woman walks along a path rutted with deep mud tracks left by heavy trucks.
Still wind. Green and blue. Birds chirping. My view from the bus. A large truck pulls up in front of us. The driver climbs out, sits down at his workbench in the back, and loads large logs from the forest.
"Campagne Service" is written on the front; his son sits in the passenger seat as the truck rocks with the swing of the grapple. Fully loaded. The driver, whose long beard reminds me more of a biker, gets in. We wave to each other.
Hilde is in a hurry; we park by a cow pasture, and the white cattle bolt wildly. One stops and moos angrily at us. This is not the first time Hilde has caused a stir; one farmer suggested it might be her fur and gait that made people think a wolf was nearby.
At the edge of Ville-au-Val, the Chemin de la Côte begins, crossing an old bridge next to which stands an old house, its roof already blown away by the wind.
We park in a large square before the village of Lachaussée, situated on the Étang of the same name. "The Lachaussée Regional Nature Reserve is a favorite nesting, wintering, and resting place for migratory birds. From the observatory, you can see the Eurasian bittern or little bittern in the reedbeds in spring. Marsh harriers and hen harriers or Montagu's harriers. The ballet of great crested grebes or black-necked grebes, herons, and great egrets. From the dike, you can see tufted ducks and common pochards, teal, mallards, and coots."
https://share.google/vGFsOtc9wNgC1O4kH
According to the app, overnight stays are permitted here, even though it's more of a developing recreational area. The town's nearly three hundred residents would certainly benefit from increased tourism thanks to occasional campers staying overnight.
On the other hand, the park-like setting might deter the vandalism that often creeps into attractive, open spaces.
The view and the birdsong, a hot air balloon approaching from the front. Horses and, in the distance, white cows, the occasional car, the road is a dead end.
A tireless cuckoo, Hilde snoring, the gentle breeze in the trees through which the sun shines, we are blessed with the shade of the pussy willows. Czytaj więcej
Tag Fünf
23–24 kwi, Francja ⋅ 🌙 12 °C
(English Version Below)
Tag 3.586
23/04/2026
Climbach -
Lutzelbourg -
Val-et-Châtillon
Die Sonne geht um fünf Uhr morgens auf. Ob es nachts Sternschnuppen gab, weiß ich nicht. Vielleicht beim Start der Maschine, mit der ein Freund um halb zwei morgens in den Urlaub geflogen ist.
Morgenspaziergang mit Hilde, wir treffen die Hunde unserer beiden Nachbarn, drei Damen im mittleren Alter und in etwa gleich groß. Vorsichtiges Abtasten, friedliche Koexistenz.
Hilde hat Bauchweh, muss sich erbrechen, mag nichts trinken. Da das aber wichtig ist zum Abbau der Medikamente, muss ich sehen, was ich tricksen kann. Kefir ist leider nicht die Lösung, vielleicht einen halben Ziegenjoghurt ins Wasser legen.
Wir fahren durch den grünen, sonnendurchströmten Wald hoch zum Col de Pfaffenschlick (375m), um dann nach Climbach abzubiegen. Über dem Ort eine kleine Kapelle, deren Parkplatz je zur Hälfte von gelbem Raps und grünen Laubbäumen umgeben ist. Hier frühstücken wir im Schatten des Waldes.
Die Sonne scheint, hebt die Temperatur bis auf 20°C an, die Hunde hecheln in den aufgeheizten Autos. Am liebsten fahren wir durch den Wald. Das Grün ist unglaublich schön. Gestern meinte der Nachbar, man müsse erst recht im Herbst hier sein, mit all den bunten Blättern.
Aber das kann ich grade überhaupt nicht denken. Endlich Frühling und nun blüht es auch überall so wunderschön.
Wir suchen zum Mittagessen einen Schattenplatz, versuchen für die Hunde begangbare Wasserläufe zu finden.
Auf einem Kanal bei Lutzelbourg ist Wochenendbetrieb. Weiße Mietboote tuckern übers Wasser, Familien und Sonnenbaden.
Stellplatz an grüner Wiese mit Wasserfall hinterm Dorf, halb umrundet von Kastanien und Zypressen. Ein letzter Spaziergang, die Wärme wird luftiger, der Wind lässt nach.
Sonnenuntergang hinter den Bäumen, Hilde liegt lang ausgestreckt neben mir. Ausgepowert. Die angenehmen Temperaturen genießen. Noch ein, zwei Schafsjoghurt zur Nacht, dann die Beine und den Rücken ausstrecken. Ich bin wirklich müde.
---
Day 3,586
April 23, 2026
Climbach -
Lutzelbourg - Val-et-Châtillon
The sun rises at five in the morning. I don't know if there were any shooting stars during the night. Perhaps at the start of the plane that a friend flew on to his holiday at half past one in the morning.
Morning walk with Hilde. We meet our two neighbors' dogs, three middle-aged ladies of roughly the same size. A cautious pat, peaceful coexistence.
Hilde has a stomach ache, is vomiting, and doesn't want to drink anything. Since drinking is important for her to metabolize her medication, I have to see what I can do. Kefir isn't the answer, unfortunately; perhaps I could add half a goat's yogurt to her water.
We drive through the green, sun-drenched forest up to the Col de Pfaffenschlick (375m), then turn off towards Climbach. Above the village is a small chapel, its parking lot half surrounded by yellow rapeseed and half by green deciduous trees. We have breakfast here in the shade of the forest.
The sun is shining, raising the temperature to 20°C, and the dogs are panting in the sweltering cars. We love driving through the forest. The greenery is incredibly beautiful. Yesterday, the neighbor said that you absolutely have to come here in autumn, with all the colorful leaves.
But I can't even think about that right now. Spring is finally here, and everything is blooming so beautifully.
We're looking for a shady spot for lunch and trying to find waterways the dogs can walk through.
There's weekend activity on a canal near Lutzelbourg. White rental boats are chugging along the water, families are out sunbathing.
A campsite on a green meadow with a waterfall behind the village, half-encircled by chestnut and cypress trees. A final stroll; the warmth becomes more pleasant, the wind dies down.
Sunset behind the trees, Hilde lies stretched out beside me. Exhausted. Enjoying the comfortable temperatures. One or two more sheep's milk yogurts for the night, then stretching out my legs and back. I'm truly tired. Czytaj więcej
Tag Vier
22–23 kwi, Francja ⋅ 🌙 12 °C
(English Version Below)
Tag 3.585
22/04/2026
Schweigen (D) -
Fort Schoenenbourg (F) -
Cleebourg (F)
In den Morgenstunden erhalte ich eine Nachricht, die mich lange nicht mehr einschlafen lässt. Ich bin grade rechtzeitig aufgewacht, als habe eine inne Stimme mich geweckt.
Die Sonne scheint schon lange ins Fenster. Ich quäle mich unter der Bettdecke hervor, der Morgen ist ziemlich kalt. Heute will ich waschen, suche mir frische Kleidung aus den Fächern raus, mit T-Shirts hat mich mein Sohn reichlich eingedeckt im Laufe der Jahre.
Dagegen franst der Pullover an den Ärmeln komplett aus, aber wen interessiert das schon. Die Hilde auf gar keinen Fall. Er passt halt in vielen Jahreszeiten. Ich habe zwei lange Hosen, und hoffe immer, dass das Wetter endlich sich warm stabilisiert, dass ich eine kurze Hose anziehen kann. Das würde vieles mit den Bandagen erleichtern.
Während die Waschmaschine mit all meinen Sachen schon ihre Runden dreht, und Hilde gesättigt an ihrem Knochen rumkaut, schalte ich den Motor aus, weil das Wasser für Tee und Porridge gekocht hat.
Vielleicht fragst du dich, was denn jetzt anders an den Texten ist. Grundsätzlich mag sich nicht viel verändert haben, es ist ja immer noch unsere Reise. Aber - ich schreibe nicht mehr abends oder am nächsten Morgen, sondern situativ in dem Moment des Erlebens, oder nur kurze Zeit später.
Und es geht auch um meine aktuellen Gefühle, nicht mehr um die Geschichten aus meinem bunten Leben. Wie werden wir die kommenden Herausforderungen meistern, was wird aus den Spaziergängen mit Hilde.
Blitzeinkauf, weil Hilde lediglich einen halben Schatten hätte, wenn sie tatsächlich nach hinten gehen würde. Aber nein, sie muss auf dem Fahrersitz in der Sonne bleiben. In der Eile habe ich einiges vergessen.
Wir fahren in Richtung der Berge, die Sonne knallt, der Wind ist kalt und reißt an den Ästen des Baumes, in dessen Schatten wir parken, und endlich spazieren gehen.
Dann muss ich aufräumen. Die Kleidung und die Decken sind richtig schön trocken, der Einkauf verteilt sich über den Boden. Wo fange ich an. Hilde würde vorschlagen, öffne erstmal meine Box.
Wir fahren nach Deutschland zurück, sozusagen in Schweigen treffen wir einen lieben Menschen, die mit ihrer Hündin uns ein paar Tage begleiten möchte. Am kleinen Weintor warten wir ohne Tränen, allerdings auch ohne Wein.
Dann fahren wir zu einem kleinen Picknickplatz in der Nähe von Fort Schoenenbourg.
"Es ist eine große Artilleriefestung der Maginot-Linie, die zwischen 1931 und 1935 erbaut wurde. Sie befindet sich 30 Meter unter der Erde und erstreckt sich über fast 3 Kilometer unterirdischer Stollen, die vollständig mit ihrer ursprünglichen Ausstattung erhalten sind: Stromerzeugungsanlage, Küche, Kaserne, Maschinenraum und natürlich die beeindruckenden Kampfblöcke."
https://share.google/uusqpRzZlnjmrDrQm
Der Wind hat zum Abend hin wieder aufgefrischt und auch die kalte Luft mitgebracht. Wir essen zur Nacht mit dem Blick ins Tal, die Felder und Wiesen liegen in unterschiedlichen Grüntönen vor uns, auf den Hügeln blüht der Raps.
Für Hilde ist ein anderer Hund schwierig. Sie haben sich kurz kennengelernt, jetzt akzeptiert sie ihre Anwesenheit. Mehr oder weniger.
Die Aussicht für die Nacht zwischen Hotel und Weinkellerei ist einfach großartig. Und die Nachbarn erzählen, dass derSternschnuppen - Regen der Lyriden heute um Mitternacht seinen Höhepunkt erreicht.
https://share.google/hNBv35tYrnnO9Nlgh
---
Day 3,585
April 22, 2026
Schweigen (Germany) - Fort Schoenenbourg (France) -
Cleebourg (France)
In the early morning hours, I received a message that kept me awake for a long time. I woke up just in time, as if an inner voice had roused me.
The sun has been shining through the window for a while now. I struggle out from under the covers; the morning is quite cold. Today I want to do laundry, so I pick out some fresh clothes from the drawers. My son has provided me with plenty of T-shirts over the years.
In contrast, the sweater is completely frayed at the sleeves, but who cares? Certainly not Hilde. It's suitable for many seasons. I have two pairs of long pants and keep hoping that the weather will finally settle down and be warm enough so I can wear shorts. That would make things a lot easier with the bandages.
While the washing machine is already doing its rounds with all my clothes, and Hilde is happily chewing on her bone, I switch off the motor because the water has boiled for tea and porridge.
You might be wondering what's different about the texts now. Fundamentally, not much may have changed; after all, it's still our journey. But—I no longer write in the evenings or the next morning, but rather situationally, in the moment of experiencing something, or only a short time later.
And it's also about my current feelings, no longer about the stories from my colorful life. How will we master the challenges ahead, what will become of the walks with Hilde?
A quick shopping trip, because Hilde would only get half a shade if she actually went back. But no, she has to stay in the sun in the driver's seat. In the rush, I forgot a few things.
We drive towards the mountains, the sun is blazing, the wind is cold and tugs at the branches of the tree in whose shade we park, and finally go for a walk.
Then I have to tidy up. The clothes and blankets are nice and dry, the groceries are scattered all over the floor. Where do I even begin? Hilde would suggest I open my crate first.
We drive back to Germany, and in a sort of silent encounter, we meet a lovely person who wants to join us for a few days with her dog. We wait at the small wine gate without tears, but also without wine.
Then we drive to a small picnic area near Fort Schoenenbourg.
"It's a large artillery fort of the Maginot Line, built between 1931 and 1935. Located 30 meters underground, it extends over nearly 3 kilometers of subterranean tunnels, completely preserved with their original equipment: power plant, kitchen, barracks, engine room, and, of course, the impressive fighting emplacements."
https://share.google/uusqpRzZlnjmrDrQm
The wind picked up again towards evening, bringing with it a chill in the air. We dined with a view of the valley; the fields and meadows stretched out before us in varying shades of green, and rapeseed was in bloom on the hills.
Hilde is having trouble with another dog. They've met briefly, and now she's more or less accepting her presence.
The view for the night between the hotel and the winery is simply magnificent. And the neighbors are telling us that the Lyrid meteor shower will reach its peak at midnight tonight.
https://share.google/hNBv35tYrnnO9Nlgh Czytaj więcej
Tag Drei
21–22 kwi, Francja ⋅ 🌙 10 °C
(English Version Below)
Tag 3.584
21/04/2026
Allerheiligen (D) -
Passe à Poissons (F) -
Betschdorf (F)
Das Wasser hat grade gekocht, als sich rechts eine Schneise anbietet. Vermutlich ein Holzlagerplatz, eventuell die einzige Wendemöglichkeit auf der Bergstraße zum Allerheiligen Wasserfall. Eine kleines 'Ehre Gott' zwischen den Bäumen, die von der Sonne angestrahlt werden.
Hinter uns zwei Fahrzeuge, doch als wir parken ist es still. Ein einzelner Vogel in den Bäumen. Absolut kein Internet. Ich mache Frühstück.
Hilde hatte schon gegessen. Der Morgen war anders als sonst. Bin ich um halb fünf wachgeworden und dankbar über so viele Stunden Ruhe, macht sich Hilde um halb sieben bemerkbar.
Ein Fiepen, ein Blick zur Seitentür, die Botschaft ist eindeutig. Schnell die Trainingshose an, einen Pullover drüber, Schuhe. Für Bandagen ist keine Zeit mehr.
Das rächt sich gleich, weil ich nicht laufen kann, aber Schmerzen habe. Hilde rennt auf und ab dank der Leine, frisst Gras, erleichtert sich.
Danach liegen wir im Bus, Kopf an Kopf. Sie schläft, ich erhole meine Knie. Wie man so sagt, schön wenn der Schmerz nachlässt. Mag auf jeden Fall erstmal nicht aufstehen.
Aber da es Zeit für Hilde's Medizin ist, füttere ich sie. Jetzt hat sie sich eingerollt, während ich frühstücke. Aus dem Fenster schaue, dem Vogel zuhöre, Hilde's schwerem Atem.
Wir überqueren den halben Rhein und stehen an der Grenze von Frankreich. Auf der einen Seite kräuselt sich anthrazitblaues Wasser, und jenseits der Staustufe ist ein blauer, stiller See.
Unterhalb parken wir an grünen Bäumen im Schatten neben einer Wiese voll lebendigem Gras im leichten Wind. Ich habe staubige Kekse gegessen, le Sablés pur Beurres, die gebutterten Sandkörner. Frei übersetzt.
Hilde liegt manchmal so tief im Schlaf, dass ich schaue, ob ihr Körper noch atmet. Ich habe gedacht, weil wir jetzt schon über ein Jahr unter dieser Situation reisen, wäre ich besser vorbereitet, als bei Blacky, der innerhalb von zwei Wochen von mir gegangen ist.
Aber ich denke, es gibt keine wirkliche Vorbereitung, das Ende in jeglicher Hinsicht trifft uns Menschen unvorbereitet. Keiner ist cool genug, aber vielleicht kann es mancher besser verbergen.
Unterhalb eines Spargelfeldes machen wir unseren letzten Spaziergang. Wir sind alleine, Hilde hat einfach die Wiese für sich und wälzt sich dementsprechend glücklich auf dem Löwenzahn.
In Betschdorf ist ein schöner Stellplatz, unbenommen. Aber der Weg dahinter ist die Autobahn des Dorfes, in dem Töpfereien an allen Ecken sind. Fußgänger, Roller, Hunde, Kinderwagen, da bleibt wenig Entspannung.
Die erste Boulangerie, ein Baguette für Hilde, ein Schoko-Eclaire für mich. Ein kalter Wind weht in Frankreich. Irgendwie kommt mir das bekannt vor.
---
Day 3,584
April 21, 2026 Allerheiligen (Germany) - Passe à Poissons (France) - Betschdorf (France)
The water had just boiled when a clearing appeared on the right. Presumably a timber yard, possibly the only place to turn around on the mountain road to the Allerheiligen Waterfall. A small wayside shrine to God was found among the trees, bathed in sunlight.
Two vehicles were behind us, but when we parked, it was quiet. A lone bird in the trees. Absolutely no internet. I made breakfast.
Hilde had already eaten. The morning was different than usual. I woke up at 4:30, grateful for so many hours of peace and quiet, but Hilde made her presence known at 6:30.
A whimper, a glance at the side door—the message was clear. I quickly put on my sweatpants, a sweater, and shoes. There wasn't time for bandages.
That immediately backfired, because I couldn't walk, but I was in pain. Hilde ran back and forth on her leash, munched grass, and relieved herself.
Afterward, we lay in the van, head to head. She slept, and I rested my knees. As they say, it's nice when the pain subsides. I definitely didn't want to get up for a while.
But since it was time for Hilde's medicine, I fed her. Now she's curled up while I eat breakfast. I looked out the window, listened to the bird, to Hilde's heavy breathing.
We crossed half the Rhine and stood at the French border. On one side, anthracite-blue water rippled, and beyond the weir was a still, blue lake.
Below, we parked in the shade of green trees next to a meadow full of vibrant grass, gently caressed by the breeze. I ate dusty biscuits, le sablés pur beurres, the buttered sand grains. (Freely translated.)
Hilde sometimes sleeps so deeply that I check to see if she's still breathing. I thought that because we've been traveling under these circumstances for over a year now, I'd be better prepared than I was with Blacky, who left me within two weeks.
But I think there's no real preparation; the end, in every sense of the word, catches us humans unprepared. No one is cool enough, but perhaps some are better at hiding it.
Below an asparagus field, we take our last walk. We're alone; Hilde has the meadow all to herself and rolls happily on the dandelions.
There's a nice campsite in Betschdorf, no doubt. But the road beyond it is the village's highway, with potteries on every corner. Pedestrians, scooters, dogs, strollers—there's little time for relaxation.
The first boulangerie: a baguette for Hilde, a chocolate éclair for me. A cold wind is blowing in France. Somehow, this feels familiar. Czytaj więcej
Tag Zwei
20–21 kwi, Niemcy ⋅ ☀️ 11 °C
(English Version Below)
Tag 3.583
20/04/2026
Oppenau
Eiskalt der Morgen. Die Temperatur fällt auf zwei Grad. Bin bis zuletzt unter der Bettdecke geblieben. Neben mir die Hilde im Tiefschlaf.
Verzichte aufs Waschen. Trinke stattdessen eine warme Tasse Tee. Die Sonne ist schon in der Ecke vom Parkplatz zwischen den Bäumen durchgekommen. Gleich verdoppelt sich die Gradzahl.
Hilde begrüßt mich gähnend und fröhlich. Noch neunzehn Minuten, bis die Werkstatt öffnet, und ich anrufen kann.
In Gedanken, im Halbschlaf, läuft das Gespräch mehrfach vor meinem inneren Auge ab. Es kommt auf den einen Moment an, wo ich sein Mitleid berühre, dass sein Herz für uns schlägt.
Obwohl ich weiß, dass diese Reaktion außerhalb von mir ist, und ein Geschenk sein wird.
Der Schlaf war gut. Ich habe mich hingelegt und wußte gleich, dass die Matratze mich annimmt. Das ist selten so, aber ein Traum. Meist begegnen wir uns wie Fremde und dann finde ich lange nicht in den Schlaf.
Acht Uhr. Der zweite Anruf. Premio Reifen Huber. Der Chef am Apparat. Ich möge den Schein schicken per WhatsApp. Er meldet sich dann.
Hallo, Riemen würde ich heute bekommen. Einbau würde ich auf 15 Uhr hin bekommen.
Wir fahren die fünf Kilometer mit unruhigem Bauch. Nicht, dass die Batterie jetzt den Geist aufgibt. So ganz ohne Keilriemen und Lichtmaschine. Die Kurven sind einfach, trotz fehlender Servolenkung kommen wir gut hin.
Kurz nach zehn Uhr stehen wir auf der anderen Straßenseite im Sonnenschein. Die Straße ist ungünstig über Mittag gelegen.
Ich habe gestern einen Krimi angefangen, den mir meine Tochter vor über zehn Jahren geschenkt hat.
'Wolfstage'. Eine Geschichte zwischen Harz und Heide, so wie die Braunschweiger Fans über ihren Fußballclub singen.
Leichte Kost. Wenn man über den Tag 250 Seiten lesen kann. Aber ich bin solche Sachen nicht mehr gewohnt, und wenn, dann nur in komödiantischer, bayrischer Form.
Aber es ist eine schöne Erinnerung an meine Tochter. Das war es allemal wert.
Da war ich noch jung. Haha. Vielleicht 62, 63 Jahre alt. Verglichen mit heute. Und wesentlich beweglicher.
Endlich um halb fünf ist der Bus dran. Und da haben wir auch noch Glück gehabt, denn kaum, dass sie mir zugesagt haben, ist ein Kollege plötzlich krankheitsbedingt ausgefallen.
Da es schon so spät ist, fahren wir zurück zum Stellplatz Oppenau für die Nacht.
Nach der kalten Nacht trifft die heiße Sonne uns unvermittelt. Wir sind beide sehr erschöpft. Vielleicht ist die Anspannung zu groß gewesen, denn auch Hilde merkt man ihre Verunsicherung an.
Erst jetzt am Abend löst sich die Situation auf. Wir sitzen in unserem Zuhause, das wieder fährt, und sind glücklich.
---
Day 3,583
20/04/2026
Oppenau
The morning is freezing cold. The temperature drops to two degrees. I stayed under the covers until the very end. Hilde is sound asleep next to me.
Skip the washing. Drink a warm cup of tea instead. The sun has already peeked through the trees in the corner of the parking lot. The temperature will soon double.
Hilde greets me with a cheerful yawn. Nineteen more minutes until the garage opens, and I can call.
In my mind, half-asleep, the conversation plays out repeatedly. It all comes down to that one moment when I touch his compassion, when his heart beats for us.
Even though I know that this reaction is outside of me, and will be a gift.
I slept well. I lay down and knew immediately that the mattress would accept me. That's rare, but it was a dream. Usually, we meet like strangers, and then I can't fall asleep for a long time.
Eight o'clock. The second call. Premio Reifen Huber. The boss on the line. He asks me to send the receipt via WhatsApp. He'll get back to me.
Hello, I'll get the belt today. I can get it installed by 3 p.m.
We drive the five kilometers with a knot in our stomachs. We don't want the battery to die now. Driving without a fan belt or alternator, no less. The curves are easy; despite the lack of power steering, we manage just fine.
Shortly after 10:00 a.m., we're standing on the other side of the street in the sunshine. The street is inconveniently located at midday.
Yesterday, I started a crime novel that my daughter gave me over ten years ago.
'Wolf Days'. A story set between the Harz Mountains and the Lüneburg Heath, just like the Braunschweig fans sing about their football club.
Light reading. If you can manage to read 250 pages in one day. But I'm not used to that sort of thing anymore, and if I am, it's usually in a comedic, Bavarian style.
But it's a lovely reminder of my daughter. It was definitely worth it.
I was still young back then. Haha. Maybe 62 or 63 years old. Compared to today. And considerably more agile.
Finally, at 4:30 p.m., it's the bus's turn. And we were lucky, too, because no sooner had they confirmed than a colleague suddenly called in sick.
Since it's already so late, we drive back to the Oppenau campsite for the night.
After the cold night, the hot sun hits us unexpectedly. We are both very exhausted. Perhaps the tension was too much, because Hilde also shows signs of unease.
Only now, in the evening, does the situation resolve itself. We are sitting in our home, which is running again, and we are happy. Czytaj więcej
Tag Eins
19–20 kwi, Niemcy ⋅ ⛅ 10 °C
(English Version Below)
Tag 3.582 abends
19/04/2026
Oppenau
Brigitte schenkt mir den Rest von ihrem Wasserkanister, weil sie heute nach Hause fährt. Sie nimmt meine Post mit und unser Buch, das eine Leserin gekauft hat.
Wir haben jetzt eine Thermoskanne heißes Wasser für den Tag, um Tee zu trinken. Gerade hat es kurz geregnet, der Himmel bleibt grau, die Erde ist trocken und staubig.
Hilde legt ihren Kopf auf den meinen, sie stöhnt manchmal mit dem Atmen, vielleicht aus Schmerzen.
Ich bin müde.
Überlege, ob ich einen Pullover anziehen soll. Die Standheizung funktioniert nicht mehr, weil ich die Energie in den schwachen Batterien halten muss, um das Handy aufladen zu können.
Keine Sonne, keine Energie über die Solarpanele.
Gestern habe ich noch überlegt, ob ich bei der Hitze eine kurze Hose anziehe. Da fuhr der Bus noch.
Habe Kinder-Bueno gekauft. Warum gibt es das nicht für Erwachsene. Aber ja, wer möchte nicht gerne manchmal ein Kind sein.
Wie der kleine William von der brasilianischen Camperfamilie, die wir gestern kennengelernt haben.
Achtzehn Monate alt, stromert er über den Platz und lernt seine Welt kennen.
Am Ende der sechs Buenoriegel habe ich Bauchweh. Kindsein ist doch schwer.
Habe geschlafen, eine Stunde vielleicht. Als ich aufwache, ist mir kalt, die Sonne scheint ins Fenster.
Wir gehen spazieren. Hilde dreht um, wenn sie zurück will. Sie möchte in den Bus und will nicht, dass ich draußen sitzen bleibe. Also lasse ich die Tür auf.
Hilde will spielen. Sie macht einen Purzelbaum, zeigt mir ihre Verletzung am Bauch. Ihre Ohren sind heiß, und sie lacht, während wir rumknuddeln.
Die Vögel zwitschern. Neben uns parkt ein schrottreifes Auto, auf der anderen Seite ein Laster von DSV.
Hilde quietscht wie eine Sirene, weil sie ein Leckerli möchte. Das ist nervtötend, und ich muss mal was Strenges sagen. Dann ist eine Weile Ruhe, bevor sie ihr Spiel wieder aufnimmt.
Während Hilde an einem Knochen nagt, kann ich den Bus innen reinigen. Mir fällt auf, dass sie heute weniger haart. Das ist auch immer ein Zeichen von innerer Ausgeglichenheit, weniger äußeren Stress.
So ein Knochenkracher macht durstig, da wird der Papa durch mehrmaliges, eindringliches Bellen dazu gebracht, den Wassernapf maulgerecht hinzustellen.
Die Sonne ist ganz warm geworden, ich habe den Bus gereinigt. Wir gehen spazieren. Mir fällt das Tor auf, das zum Garten hin geöffnet ist.
Ich bin mehrfach daran vorbei gegangen, und heute habe ich es zum ersten Mal gesehen. So ist das manchmal im Leben.
Gestern die brasilianische Familie, heute eine Deutsche. Ich habe gefragt, ob sie mir heißes Wasser für die Thermoskanne machen können, und so sind wir ins Gespräch gekommen. Dieses Mal zwei kleine, aufmerksame Kinder, die unbedingt Hilde kennenlernen wollten.
Ich habe wieder mein halbes Leben in zehn Minuten erzählt. Das ist furchtbar, dass mir die Worte so aus dem Mund laufen, als habe ich einen Quarkfrosch verschluckt.
Der Abend kühlt runter, wir haben gegessen, der Wind hat nachgelassen, und die Vögel rufen einander den Gute Nacht Gruß zu.
"Sei heute achtsam darauf, wie jetzt in der Frühlingszeit das Leben neu aufkeimt und aufblüht. Das Lebendige hat Kraft in sich. Es entfaltet sich, allen Widerständen zum Trotz." (Anselm Grün)
---
Day 3,582 evening
April 19, 2026
Oppenau
Brigitte gives me the rest of her water canister because she's going home today. She's taking my mail and our book, which a reader bought.
We now have a thermos of hot water for the day, so we can make tea. It just rained briefly; the sky remains gray, and the ground is dry and dusty.
Hilde rests her head on mine, sometimes groaning with each breath, perhaps from pain.
I'm tired.
I'm wondering whether I should put on a sweater. The auxiliary heater isn't working anymore because I need to conserve the energy in the weak batteries to charge my phone.
No sun, no power from the solar panels.
Yesterday, I was still debating whether to wear shorts in this heat. The bus was still running then.
I bought some Kinder Bueno. Why isn't there an adult version? But yes, who doesn't want to be a kid sometimes?
Like little William from the Brazilian camper family we met yesterday.
Eighteen months old, he roams the campsite, exploring his world.
My stomach hurts after eating six Bueno bars. Being a child is hard.
I slept, maybe an hour. When I wake up, I'm cold, the sun is shining in the window.
We go for a walk. Hilde turns around when she wants to go back. She wants to get on the bus and doesn't want me sitting outside. So I leave the door open.
Hilde wants to play. She does a somersault, showing me her injury on her belly. Her ears are hot, and she laughs while we cuddle.
The birds are chirping. A wrecked car is parked next to us, and a DSV truck is parked on the other side.
Hilde squeals like a siren because she wants a treat. It's annoying, and I have to say something stern. Then there's a bit of peace and quiet before she starts playing again.
While Hilde gnaws on a bone, I can clean the inside of the bus. I notice that she's shedding less today. That's always a sign of inner balance, less external stress.
All that bone-crunching stuff makes you thirsty, so Dad, with a few insistent barks, finally manages to put the water bowl down.
The sun has gotten quite warm, and I've cleaned the bus. We're going for a walk. I notice the gate that opens onto the garden.
I've walked past it many times, and today I saw it for the first time. That's life sometimes.
Yesterday it was the Brazilian family, today a German one. I asked if they could make me some hot water for my thermos, and that's how we got talking. This time it was two small, attentive children who were eager to meet Hilde.
I ended up telling half my life story in ten minutes again. It's awful how the words just pour out of my mouth like I've swallowed a lump of cheese.
The evening is cooling down, we've eaten, the wind has died down, and the birds are calling each other goodnight.
"Be mindful today of how life is reawakening and blossoming anew in springtime. All living things possess inherent strength. They unfold despite all obstacles." (Anselm Grün) Czytaj więcej
Oppenau
19 kwietnia, Niemcy ⋅ 🌧 12 °C
(English Version Below)
Tag 3.582
19/04/2026
Wohnmobilstellplatz Oppenau
Nachdem ich gestern mental zusammen gebrochen bin, konnte ich auch am dritten Tag hintereinander abends nicht einschlafen. Bis weit nach Mitternacht bin ich immer wieder aufgestanden, die Gedanken gehen im Kreis, aber der blaue Bus kann ja nicht wirklich weg von diesem Ort.
Morgens um sechs Uhr bin ich wach, schaue aus dem Fenster, die Luft ist unbeweglich, die Bäume stehen still. Es hat nicht geregnet, das Wetter ist einfach an uns vorbei gezogen, aber wir sind geblieben.
Seit letztem Winter habe ich versucht, ans Meer zu kommen, weil es Hilde am Strand gut geht, sie frei laufen kann. Das hat nur bedingt geklappt, trotzdem war mein Planen weiterhin so ausgerichtet.
Doch in meine Gedanken ist immer wieder eine andere Sicht des Lebens und Reisens hinein getreten. Es ist eine Frage der Zeit, die uns Beiden bleibt, und auch wenn ich wünsche, sie würde für immer da sein, weiß ich doch, sie ist begrenzt.
Auf eine Art sind wir miteinander alt geworden, so wie unsere Reise fortgeschritten ist. Der blaue Bus ist ebenfalls in die Jahre gekommen, und wir Drei haben unsere Krankheiten mitgenommen in dieses Jahr, das wohl einen Wendepunkt darstellt.
Zehn Jahre ist eine lange Zeit, ich weiß noch nicht, wohin sie uns führt, aber es wird schwer werden, das glaube ich zu spüren. Und ich denke, dass ich mich darauf vorbereiten muss.
Vor einiger Zeit hat ein lieber Mensch mir erzählt, dass er in diesem Jahr eine Radreise plant, in die er einen Pilgerweg integrieren will. Darüber denke ich viel nach, weil ich glaube, dass eine innere Pilgerreise auch unser Weg sein kann.
Es geht nicht mehr um Entfernungen, es geht um Zeit miteinander zu verbringen. Hilde liebt es draußen zu sein, Leckerlis zu genießen, mit ihrem Papa zu leben. Ich spüre, dass unsere Erkrankungen progressiv sind. Oder anders gesagt, dass das Alter in uns fortschreitet. Und dabei rede ich immer von uns Dreien, den blauen Bus eingeschlossen.
Wir werden also unsere Pilgerreise heute beginnen. Es wird ein Weg der kleinen Schritte sein. Im Inneren und im Äußeren. Und natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass wir ans Meer, an Strände kommen, und auf diese Art unsere Küstentour fortsetzen können.
Parallel werde ich das Neue Testament lesen, um auch dem Denken, Orientierung bieten zu können.
Unser Ziel ist das Leben.
---
Day 3,582
April 19, 2026
Oppenau Motorhome Site
After my mental breakdown yesterday, I couldn't fall asleep for the third night in a row. I kept getting up until well after midnight, my thoughts going in circles, but the blue bus can't really leave this place.
I wake up at six in the morning, look out the window, the air is still, the trees stand motionless. It hasn't rained; the weather has simply passed us by, but we've stayed.
Since last winter, I've been trying to get to the sea because Hilde thrives on the beach, where she can run freely. It only partially worked out, but my plans remained focused on that.
Yet, a different perspective on life and travel has repeatedly crept into my thoughts. It's a question of the time we both have left, and even though I wish it would last forever, I know it's limited.
In a way, we've grown old together, just as our journey has progressed. The blue bus has also aged, and the three of us have brought our illnesses with us into this year, which will likely mark a turning point.
Ten years is a long time, I don't yet know where it will lead us, but I can sense it will be difficult. And I think I need to prepare for that.
A while ago, a dear friend told me he's planning a cycling trip this year, which he intends to incorporate into a pilgrimage. I've been thinking about this a lot because I believe that an inner pilgrimage can also be our path.
It's no longer about distances; it's about spending time together. Hilde loves being outdoors, enjoying treats, and living with her dad. I sense that our illnesses are progressing. Or, to put it another way, that age is advancing within us. And I'm always talking about the three of us, including the blue bus.
So, we will begin our pilgrimage today. It will be a journey of small steps, both inwardly and outwardly. And of course, it's not out of the question that we'll reach the sea, the beaches, and continue our coastal tour in this way.
At the same time, I will read the New Testament to provide guidance for our thoughts as well.
Our destination is life. Czytaj więcej

PodróżnikDer blaue Bus wird natürlich auch nicht ewig halten. Irgendwann wird es Zeit sein, sich von ihm zu verabschieden und nach einem neueren Modell umzuschauen. Immerhin ist er ja kein Lebewesen, auch wenn du natürlich sehr an ihm hängst. Er hat natürlich auch sehr viele Kilometer auf dem Buckel.

PodróżnikMein Schrauber hat versprochen, ihn noch einmal durch den TÜV im Sommer zu bringen.









































































































































































PodróżnikSo schließen sich manchmal die Kreise… Ich meine die Schlossführungen in Braunfels… Gut, dass der Keilriemenspanner nun repariert ist und du auch nun besser planen kannst, weil der TÜV - Termin abgesprochen ist.