Tag 208: Getreidefeld bis Lun
3 octobre 2023, Mongolie ⋅ ☀️ 12 °C
Nach unserem Frühstück im Zelt verlassen wir unseren Schlafplatz und fahren weiter mit leichtem Rückenwind. Sanddünen sind von hier aus nur noch weit entfernt zu sehen. Dafür wird das Gras immer üppiger und so bekommen wir auch größere Herden von Kühen, Pferden, Kamelen, Schafen und Ziegen zu sehen.
Als wir uns gegen Mittag wegen eines schönen Platzes für eine Pause umschauen, entdecken wir beim Vorbeifahren tatsächlich zwei Bikepacker etwas abseits der Straße, die dort gerade Pause machen. Wir fahren zu ihnen und erfahren, dass Mirko und Ina (beide 48) aus Chemnitz kommen und vor 6 Monaten in Tashkent gestartet sind.
Gemeinsam verbringen wir die Mittagspause und erfahren weiter, dass die beiden vor ein paar Jahren von ihrer dreijährigen Weltumradelung zurück gekommen sind. Im Moment machen der Elektroingenieur und die Sozialpädagogin ein halbes Jahr Auszeit für eine eher kleinere Tour bis nach Ulaanbaatar.
Wir verstehen uns auf Anhieb gut und beschließen im stillen Einvernehmen zusammen weiter zu fahren. So vergeht die Zeit unheimlich schnell und die immer rasanter fahrenden Autos werden gemeinsam auch erträglicher.
In Lun kaufen wir Vorräte ein und zelten dann zusammen ein Stück dahinter. Wir kochen jeweils und essen dann, während wir gemeinsam zwischen unseren Zelten sitzen und aus dem Reden nicht mehr heraus kommen.
Als es dann doch zu kalt wird, gehen wir schlafen und kuscheln uns wieder einmal in unsere Schlafsäcke.En savoir plus
Tag 207: Graslandschaft bis Getreidefeld
3 octobre 2023, Mongolie
Während es hier gestern noch schön sonnig war, wachen wir in einer Nebelbrühe auf. Mein Sattel ist, wie auch die Flaschen, gefroren.
Hier hat sich die Landschaft doch nochmal deutlich geändert und so wächst hier viel mehr Gras als davor.
Gegen Mittag kommen wir an einer unwirklichen Landschaft vorbei. Inmitten der Graslandschaft taucht eine kleine Sandwüste auf, wie wir sie auf der ganzen Tour noch nicht gesehen haben. Und was noch merkwürdiger ist, die Sanddünen sind teilweise mit einer solchen Anzahl an Bäumen bewachsen, wie wir sie in der Mongolei noch nicht gesehen haben. Hier stehen einige Camps, vom denen aus Touristen Kameltouren buchen und vermutlich auch in den Jurten übernachten können.
Wieder einmal kommen wir an einigen Kadavern vorbei, die hier leider oft neben der Straße liegen. So vorsichtig die Mongolen weiter im Westen gefahren sind, umso rasanter fahren sie hier und bremsen leider auch nicht vor Tieren. Mit den Kadavern sehen wir auch wieder die Riesengeier, die sich zu zwanzigst darüber hermachen.
Hatte ich gesagt, die Mongolen fahren rasant, je näher wir nach Ulaanbaatar kommen? Nicht nur fahren sie teilweise mit einer sehr hohen Geschwindigkeit bzw. etwas wenig Abstand an uns vorbei, die LKWs sind auch mit Ausnahme von einigen wenigen maßlos überladen. Auf einen LKW kommt meist die doppelte, wenn nicht gar dreifache Ladung. Was wir aus den anderen Ländern schon gewohnt sind, wir hier nochmal übertroffen.
Ein ebenfalls neuer Anblick in der Mongolei sind die Getreidefelder die sich nun teilweise zu beiden Seiten der Straße erstrecken. Bisher haben wir nicht eine Anbaufläche gesehen aber hier ist das Klima wahrscheinlich milder, es regnet häufiger und die Hauptabnehmer wohnen nunmal auch alle in Ulaanbaatar, das nicht mehr allzu weit weg ist.
Wir finden einen relativ ruhigen Zeltplatz und als dann auch der Wind nachlässt, schlafen wir beruhigt ein.En savoir plus
Tag 206: Mückenanhöhe bis Graslandschaft
2 octobre 2023, Mongolie ⋅ ⛅ 12 °C
Wir frühstücken im Zelt und fahren dann, nachdem wir alles eingepackt haben, zu dem von dem Mongolen angegebenen Bauwagen neben zwei Jurten.
Wir werden direkt empfangen, zum einen von dem Mongolen, zum anderen von zwei aggressiv bellenden Hunden. Ala sie von uns ablassen, werden wir in den Bauwagen gebetem, dessen Innenwände sehr gemütlich mit Holzbrettern verkleidet sind. Neben dem älteren Mongolen leben in dem Bauwagen und den beiden Jurten eine ältere Frau, deren zwei Söhne und Frau und Sohn des einen Sohnes. Der 4-jährige ist zu Anfang etwas scheu, wird dann aber zutraulicher.
Wir bekommen direkt eine Schüssel Stutenmilch, mongolisches Brot und vergorenen Käse angeboten. Nach einer Weile kommen noch zwei weitere Männer hinein, die ebenfalls einen kleinen Snack bekommen, bevor die ganze Familie nach draußen geht. Gespannt folgen wir ihnen und bekommen mit, wie sie ein Pferd mit dem Lasso einfangen und es dann mit aller Mühe (auch indem sie es schieben und am Schweif ziehen) in einen kleinen Transporter laden, um es zu verkaufen. Es ist schmerzhaft das mit ansehen zu müssen und scheinbar als einzige zu merken, dass das Pferd panische Angst hat und es sicher auch einfachere Wege gibt, das Pferd zu verladen.
Wir erfahren, dass das Pferd umgerechnet knapp 250 Euro kostet und scherzen zu zweit, wie viele Pferde wir wohl für unsere Fahrräder bekommen könnten.
Dann geht es zum Stutenmelken. Auch der Kleine kommt mit und ist erst zögerlich uns gegenüber, dann aber kurz darauf nicht mehr. Erst kommt er auf uns zu, nach einer Weile macht er sich einen Scherz daraus uns auf den Hintern zu schlagen und wir drohen ihm damit ihn zu kitzeln. Daraufhin beginnt er uns mit Pferdeäpfeln zu bewerfen. Was für uns erstmal sehr ungewohnt ist, scheint hier (wie etwa bei uns eine Schneeballschlacht) vollkommen normal zu sein. Zum Glück können wir aber allen Geschossen nochmal ausweichen.
Danach geht es zum Ziegenmelken. Der Kleine ist fleißig dabei, die Ziegen mit dem Lasso zu fangen, bevor sie aneinander gebunden werden. Wir verabschieden uns so langsam und fahren bei kühlem Gegenwind weiter.
Nach kurzem Radeltag bauen wir bei schönem Sonnenschein das Zelt auf und mir fällt auf, dass meine Rohloffschaltung Öl verliert. Das sollte erstmal kein Problem sein und könnte an den Temperaturschwankungen liegen. Hoffen wir es mal!En savoir plus
Tag 205: Arwaicheer bis Mückenanhöhe
1 octobre 2023, Mongolie ⋅ ☁️ 15 °C
Wir frühstücken gemeinsam mit Bernhard unten im Hotel und merken da nochmal, wie viel wir im Vergleich zu ihm essen. Danach verabschieden wir ihn und ich sitze einmal Probe auf seinem Motorrad. Ein bisschen neidisch werde ich dann schon, schließlich ist es schon um eine ganze Ecke komfortabler als der harte, schmale Sattel auf meinem Rad.
Wir checken aus und gehen dann in einem absolut genialen und seltenen Supermarkt einkaufen, in dem wir sogar Pesto Rosso und mehrere (nicht vergorene) Käsesorten finden.
Die weitere Fahrt ist warm und der Wind kommt aus der richtigen Richtung, um uns ein bisschen anzuschieben.
Wie machen Mittagspause und treffen dann kurz danach den ersten Bikepacker in der Mongolei und auch den ersten seit Kirgistan. Er ist Chinese und ist ursprünglich aus Peking. Mit ihm können wir uns auf Englisch recht gut unterhalten, bisher eine Seltenheit unter den Chinesen. Er erzählt uns, dass er bereits Touren wie die Panamericana gefahren ist und er auf solchen Touren innerhalb von China seinen Reis immer online bestellt und an einen Ort ein paar Tage vor ihm schickt damit er ein bisschen Geld spart.
Kurz darauf treffen wir noch zwei mongolische Motorradfahrer mit denen wir uns in perfektem Englisch unterhalten, bei Weitem besser als das des Chinesen.
Als wir über einen Hügel fahren, werden wir von einem Schwarm kleinster Mücken angeflogen und müssen erst eine Weile fahren, um einen etwas entspannteren Zeltplatz zu finden. Als wir gerade das Zelt aufbauen, kommt ein Mongole auf einem Motorrad angefahren und lädt uns zu sich ein. Da wir allerdings schon mit dem Kochen begonnen haben, erklären wir ihm, dass wir gerne am nächsten Morgen vorbei schauen.En savoir plus
Tag 204: Arwaicheer
30 septembre 2023, Mongolie ⋅ ☀️ 14 °C
Es gibt ein Frühstücksbüffet!!! :D
Unsere Tabletts sind so voll, dass sich die anderen Gäste wundern müssen, wo das alles hin geht. Es gibt neben Brot, Butter und Marmelade auch Salat, mit Fleisch gefüllte Teigtaschen und eine Reissuppe mit Fleisch.
Während ich es mir danach im Zimmer gemütlich mache und ich mich von den Tagen zuvor erhole, zieht Lukas los in die Stadt und wird Zeuge eines Ringkampfes. Später erzählt er mir, dass der jeweilige Gewinner jedes Zweikampfes dem Verlierer auf den Hintern schlägt, um so seinen Sieg anzudeuten. Es gibt doch schon komische Traditionen!
Vor unserem Hotel trifft er außerdem noch auf den 29-jährigen Bernhard, der mit seinem Motorrad unterwegs ist. Mit ihm gehen wir abends wieder in das "Nomadic" und essen Salat, Brokkolisuppe und das gebrateten Gemüse. Zum Abschluss gönnen wir uns noch einen Schokoladen-Milchshake.En savoir plus
Tag 203: Mäusetal bis Arwaicheer
29 septembre 2023, Mongolie ⋅ ⛅ 11 °C
Kann es noch kälter sein als gestern Morgen? Unsere Wasserflaschen sind vollständig gefroren, sodass sie einen einzigen Eisglotz bilden und das Gras um uns herum ist mit Reif bedeckt.
Bis wir mit dem Frühstück fertig und gut angezogen sind, ist es zum Fahren recht angenehm, besonders auch, weil es erstmal hoch geht und uns dann schnell unter den ganzen Schichten zu warm wird.
60 km sind noch zu fahren bis wir nach Arwaicheer kommen, wo wir in eine Unterkunft wollen und einen Pausentag einlegen, um auch wieder einmal ein paar Dinge zu regeln.
Wir kämpfen uns gerade einen kleinen Hügel hoch, als ich auf der Straße eine Maus entdecke, die noch atmet sich aber nicht bewegt. Auch als wir sie leicht mit einem Stein anstupsen bewegt sie sich nur leicht. Weil wir sie hier, so den Autos ausgeliefert, nicht liegen lassen können, tragen wir sie mit zwei Steinen an den Straßenrand, damit wir sie nicht direkt anfassen müssen, falls sie krank ist.
Mit etwas schlechtem Gewissen, ihr nicht besser helfen zu können, fahren wir weiter, kommen wieder an Jurten vorbei und dann kurz vor unserer Mittagspause zu einem Tempel, der gigantisch wirkt auf dem Hügel. Zu beiden Seiten stehen Statuen von Pferden in Lebensgröße und er ist mit Gold verziert. Hinter der eigentlichen Anbetungsstätte liegen einige Schädel von Pferden und Kühen als Opfergabe, zwei davon wurden bestimmt erst in den letzten Tagen gebracht.
Als wir uns gerade aufmachen wollen um einen Platz für die Mittagspause zu finden, fährt eine Kolonne aus 10 Autos auf das Gelände und ein Brautpaar und die Gäste steigen aus, um vor dem Tempel fotographiert zu werden. Es ist interessant eine Hochzeit in der Mongolei zu sehen, bei der (zumindest in diesem Fall) das Paar moderne Kleidung und die Gäste unter ihren traditionellen bunten Mänteln ebenfalls moderne Hochzeitsbekleidung tragen. Wir machen ein paar Bilder und lassen dann die Gesellschaft alleine.
Bis Arwaicheer ist es nicht mehr weit. Nach einiger Suche finden wir dann ein Hotel. Wir beziehen das Zimmer und gehen dann nochmal los. Zunächst zum "Rathaus", um unser Visum verlängern zu lassen. Allerdings haben sie dort nicht den richtigen Stempel, weshalb es nur in Ulaanbaatar gemacht werden kann. Dann suchen wir ein veganes Restaurant auf. Vegan? In der Mongolei? Wir waren auch verwirrt, als wir es auf der Karte entdeckt haben und waren so gespannt darauf, dass wir es mit eigenen Augen sehen wollten.
Am Ort angekommen gibt es aber wie vermutet natürlich kein veganes Restaurant geschweige denn überhaupt irgendein Restaurant. Wir finden einen Imbiss und Lukas isst ein Sandwich mit Wurst und Käse und ich ein Ei. Kurz darauf finden wir ein "Pizza&Chicken" Fast Food Restaurant und beschließen unser Glück dort einmal zu versuchen. Leider haben sie weder Pizza noch Salat und so bleibt und nur eine Portion Pommes. Während wir die essen finden wir aber auf Google Maps ein Restaurant mit einer Bewertung, die gar nicht so alt ist und vermuten deshalb, dass es dieses sicherlich auch noch gibt.
Wir ziehen also nocheinmal weiter und gehen zu dem besagten Restaurant.
Wir sind vollkommen überwältigt von dem was wir vorfinden. Im "Nomadic" gibt es Gemüsepizza, Suppen, Salate und weitere Gerichte, die man tatsächlich auch bestellen kann! Wir nehmen eine große Pizza und einen Teller mit gebrateten Kartoffeln Zwiebeln und Aubergine in einer Soße mit einer Schüssel Reis. Das ist auf dieser Reise das beste Essen, das wir seit Georgien hatten.
Mit diesem Schmaus lassen wir den Abend gemütlich ausklingen.En savoir plus
Tag 202: Dornenberg bis Mäusetal
28 septembre 2023, Mongolie ⋅ 🌬 7 °C
Wir und vor allem das Zelt haben die windige Nacht tatsächlich unbeschadet überstanden. Während es in den Schlafsäcken schön warm ist, ist es draußen ganz schön frisch. Es fallen sogar ein paar Schneeflocken und ein naheliegender Bergkamm ist leicht mit Schnee bepudert.
Wir fahren weiter und überbrücken die lange, weniger abwechslungsreiche Strecke mit Hörbüchern, kaufen nochmal Vorräte ein und müssen dann gegen Ende des Tages ganz schön gegen den Wind ankämpfen. Die letzten Kilometer werden unsere Füße in den Schuhen kalt und wir müssen ein bisschen auf der Stelle springen, damit sie etwas aufwärmen bevor wir ins Zelt gehen und dort zu Abend essen.
Das Zelt haben wir in einem kleinen Tal aufgebaut, in dem es von Mäuselöchern nur so wimmelt. Immer wieder piepst es um und herum und ab und zu lässt sich sogar eine Maus sehen. Unglaublich, wie gut die einzelnen Löcher vernetzt und wie deutlich die Wege dazwischen ausgetreten sind.En savoir plus
Tag 201: Hügellandschaft bis Dornenberg
27 septembre 2023, Mongolie
Nach wieder einmal einem Frühstück im Zelt bauen wir ab und fahren dann über die Hügel zurück auf die Straße. Der Wind bläst wieder einmal eiskalt. Während uns am Körper zwar einigermaßen warm ist, fühlt er sich im Gesicht und an den Händen doch unangenehm an.
Immer wieder stehen neben der Straße oder in entfernteren Tälern Jurten. Was für ein Leben! Viele ziehen noch immer mit den Jahreszeiten mit und bauen im September bzw. Oktober ihre Jurten ab verladen sie auf kleine Transporter und ziehen in tiefere Täler, mitsamt den Tieren.
Wir scherzen darüber in der Mongolei eine Jurte zu kaufen und ebenfalls so herum zu ziehen. Nein, mit unserer kleinen grünen "Jurte" und den Drahteseln sind wir dann doch zufriedener.
Wir radeln so vor uns hin, stellen uns das Leben hier vor und merken erst spät, dass uns ein Wohnmobil entgegen kommt. Ist das etwa.....? Nein, das kann doch kein Münchner sein! Tatsächlich hält das Wohnmobil mit Münchner Kennzeichen an. Der Fahrer ist etwa 50 und zieht nun schon seit Jahren mit dem Wohnmobil umher überwintert in Südostasien und wohnt ausschließlich in seinem Auto. Verrückt! Das ausgerechnet der erste Ausländer in der Mongolei ein Deutscher ist.
Wir fahren weiter und suchen uns dann am Abend ein Plätzchen etwas weiter oben an einem Hügel aus, weil der Wind doch sehr heftig bläst. Es ist ganz schön frisch!
Wir essen mal wieder im Zelt und der Wind rüttelt leicht daran, bevor er nachlässt. Wir machen uns bettfertig und sind dann gerade am einschlafen, als der Wind dreht und nun mit voller Wucht auf die Seite des Zeltes bläst und es nicht wenig eindrückt. Aus der Befürchtung heraus, das Gestänge könnte brechen, halten wir dieses erst mit den Händen nach oben und dann setzt sich Lukas darunter und lehnt sich mehr oder weniger gegen den Wind. Erst heute Morgen haben wir von Noel erfahren, dass sein Zeltgestänge im Wind gebrochen ist.
Weil der Wind einfach nicht nachlassen will und wir so langsam richtig müde werden, kommen wir auf die Idee, Lukas' Kamerastativ quer ins Zelt zu klemmen, damit dieses das Gestänge stabilisieren kann. Erst einmal sind wir etwas skeptisch, aber dann funktioniert es ganz gut und wir können beruhigt einschlafen.En savoir plus
Tag 200:Großer Fluss bis Hügellandschaft
26 septembre 2023, Mongolie ⋅ 🌬 7 °C
Wir frühstücken wie immer im Zelt, nachdem die Sonne aufgegangen ist und sie die Luft schon ein bisschen aufwärmen konnte.
Weiter geht es auf der Autobahn Richtung Osten, entlang ewiger Weiten und durch Hügelketten hindurch.
Nach einer Weile und nachdem wir einen Hügel erklommen haben, blicken wir auf die Stadt Bayanchongor hinab. Gleich sind wir also da! Der Blick auf die Navigation zeigt uns allerdings, dass es sage und schreibe noch 12 Kilometer sind und etwas weiter sehen wir den nächten Ort, der weitere 20 Kilometer entfernt liegt. Obwohl wir schon einige Tage in diesen Weiten unterwegs sind, erstaunen sie uns immer wieder aufs Neue und immer wieder verschätzen wir uns in den Entfernungen. Oft scherzen wir, dass wir wahrscheinlich vollkommen überfordert werden würden, wenn wir jetzt zurück nach Europa kämen und dort teilweise alle paar Hundert Meter Läden stehen und alle paar Kilometer ein nächster Ort liegt.
In der Stadt besorgen wir wieder neue Vorräte und werden von ein paar Kindern umzingelt. Nach einer Weile frage ich sie auf Englisch nach ihrem Namen und sie antworten zögerlich. Dann werden sie jedoch etwas mutiger und auch andere Kinder nennen uns ihre Namen.
In einem Laden finden wir seit längerem mal wieder Bananen, eine Seltenheit hier.
Wir fahren die 20 Kilometer bis zum nächsten Ort und suchen uns etwas dahinter ein Plätzchen neben der Straße, an dem wir unsere Reste von gestern und Brot essen. Nach einer Weile kommt ein Mann auf einem Motorrad gefahren. Er trägt die hier typische Kleidung, einen langen Mantel, der mit einem bunten Tuch um die Hüfte zusammengebunden ist. Er hält mit seinem Motorrad (das typische Fortbewegungsmittel für Hirten) neben uns, stellt den Motor ab und schaut uns an. Wir grüßen wie gewohnt mit einem "Sain uu" (mongol. Guten Tag) und winken. Von ihm bekommen wir keine Reaktion zurück. Lukas bietet ihm einen Moment später Kekse und Schokolade an. Daraufhin steigt er ab, nimmt das Essen an, setzt sich daneben und schaut uns weiter an. Als er dann irgendwann einen Anruf bekommt, steht er auf, zerbröselt einen der Kekse, die ihm Lukas gegeben hat und nimmt ihn entgegen. Als er mit dem Telefonta fertig ist, dauert es nochmal einen Moment, bis er schließlich wieder auf das Motorrad steigt und dann ohne ein Wort oder eine Geste davon fährt. Wir haben bisher in der Mongolei viele nette Menschen kennen gelernt, die uns sehr freundlich und interessiert begegnet sind, den Reifendruck unserer Räder geprüft haben (sehr beliebt seit Usbekistan) und uns mit Händen und Füßen oder auch nur auf Mongolisch befragt haben. Tatsächlich haben wir allerdings weder in der Türkei, in Kasachstan, in Usbekistan noch in Kirgistan (alles Länder, in denen uns die Einheimischen sehr herzlich entgegen gekommen sind) jemals erlebt, dass uns die Leute einfach nur anstarren, beziehungsweise dass sie einfach ohne jegliche Reaktion wieder gehen. Auch von anderen haben wir schon gehört, dass sie ähnliche Situationen erlebt haben und auch etwas stutzig waren.
Nach dieser etwas ungewohnten Begegnung fahren wir also weiter, einen Hügel hinauf und dann durch ähnliche Landschaften wie zuvor.
Da es heute wieder einmal (eigentlich wie jeden Tag) sehr windig ist, suchen wir einen möglichst windstillen Platz für das Zelt und folgen deshalb einer Fahrspur, die von der Straße abgeht und über einen Hügel führt. In einem kleinen Tal finden wir ein Plätzchen und freuen uns wieder auf die Schlafsäcke, in denen wir uns gemütlich einkuscheln und die Kälte von draußen ausblenden.En savoir plus
Tag 199: Schafshügel bis Großer Fluss
25 septembre 2023, Mongolie ⋅ 🌬 8 °C
Wir frühstücken wieder mal im Zelt, in dem es durch die darauf scheinende Sonne schön warm wird. Sobald wir jedoch die Seitentüren öffnen bläst uns wieder ein kalter Wind entgegen.
Wir bauen das Zelt ab, während immer einer von uns die losen Teile fixiert damit wir sie nicht in zwei Kilometern Entfernung aufsammeln müssen.
Wir fahren, meist getragen vom Wind, weiter Richtung Osten und vorbei an Raumvögeln von einer Größe, die wir beide so noch nie gesehen haben. Wir kommen bald wieder in einen Ort, in dem wir neue Vorräte kaufen und die Pause vom Wind genießen.
Die Orte hier sind besonders bunt und so hat kein Nachbar die selbe Farbe beim Hausdach gewählt. Außerdem stehen zahlreiche Yurten dazwischen.
Wir fahren weiter und kommen gehen Nachmittag an einer Laden-Restaurant-Zeile vorbei und beschließen einen Tee zu trinken, um uns ein bisschen zu wärmen bevor wir das Zelt aufschlagen.
Im Restaurant sitzend, wärmen wir die Hände an dem mit vergorener Milch "verfeinerten" Tee, essen noch ein Nudel-Fleisch-Gericht und erleben eine kleine Auseinandersetzung zwischen einem weiblichen Gast und der Besitzerin des Restaurants. Da zwischen den Streitigkeiten jedoch entspannt in gemeinsamer Arbeit der Boden gefegt wurde, haben wir es nicht als sehr schlimme Auseinandersetzung aufgefasst.
Wir überqueren einen für die Mongolei in Übermaßen großen Fluss und bauen dann unser Zelt nach weiteren Radelkilometern auf.En savoir plus
Tag 198: Delger bis Schafshügel
24 septembre 2023, Mongolie ⋅ ☁️ 13 °C
Bevor wir nach unserem Frühstück aufbrechen packt uns die Fotografie-Lust und wir verweilen ein bisschen an unserem Zeltplatz. Dann geht es mit Blick auf die schneebedeckten Berge weiter.
Am Straßenrand schauen uns immer wieder Kamele interessiert nach, wobei das Interesse auf jeden Fall auf Gegenseitigkeit beruht.
Uns erwarten einige Höhenmeter uns so beginnt ein Spiel des An- und Ausziehens, um uns an die Temperatur bei auf- und abfahren anzupassen.
Hier wechselt sich an manchen Stellen die Halbwüste mit der Steppe ab. Wir merken, dass wir durch die großen Weiten, die vor uns liegen, in denen sich nach europäischen Verhältnissen nicht viel ändert (die Straße geht gut und gerne mal für 40 km schurstracks geradeaus und merkliche landschaftliche Veränderungen gibt es eigentlich nicht), noch mehr als zuvor auf Details achten und wir uns schon über wenige Grashalme begeistern, die aus dem sonst eher trockenen Boden kommen. Von weiter weg sieht es so aus, als bedecke eine Grasdecke beide Ebenen rechts und links der Straße. Als wir allerdings näher heran kommen sehen wir, dass uns unsere Augen gur getäuscht haben.
Wir verbingen den Tag damit, Hörbücher zu hören und die kleinen Details in der sich ansonsten nicht bedeutend ändernden Landschaft zu beobachten.
Der Wind bläst und voran oder wenn wor Pech haben schräg entgegen.
Wir schieben abends unsere Fahrräder auf einen Hügel hinter einer Kuppe, um zum einen dem Straßenlärm und zum anderen dem stetig blasenden Wind zu entgehen.
Es ist ziemlich kalt draußen und so sind wir froh, sobald wir in unseren warmen Schlafsäcken sitzen.
Zum Glück haben wir das Zelt richtig ausgerichtet da es ansonsten wegen des Windes nicht stehen bleiben würde. Nach einer Weile ebbt er dann jedoch ab und wir können beruhigt einschlafen.En savoir plus
Tag 197: Altai bis Delger
23 septembre 2023, Mongolie ⋅ ⛅ 14 °C
Wir wachen auf und schauen zuerst einmal nach draußen, um zu sehen, wie das Wetter ist. Nicht nur erwartet uns ein strahlend blauer Himmel, sondern auch der freie Blick auf die in Schnee gehüllte Bergkette.
Wir frühstücken die Scheibe Brot und das Ei und machen uns dann auf den Weg.
Immer wieder sehen wir auf die Bergkette und genießen den winterlichen Blick so früh im Jahr. Obwohl die Sonne scheint bläst ein kalter Wind von hinten und wir sind froh auf die Räder steigen zu können, um ihm ein wenig zu umgehen.
Vereinzelt stehen auch hier wieder Yurten und Herden weiden außenrum.
Insgesamt geht es leicht abwärts, aber auch um kleine Anstiege sind wir froh um in Bewegung zu kommen.
Wir bauen das Zelt abseits der Straße auf und beobachten wie eine Gewitterfront unweit von uns vorbeizieht, während wir bei recht milden Temperaturen draußen essen und verschont bleiben.En savoir plus
Tag 196: Altai
22 septembre 2023, Mongolie ⋅ ☁️ 8 °C
Das Frühstück, das im Preis inklusive ist, fällt mit einem Spiegelei und einer kleinen Scheibe Brot (die Wurst bekommt Lukas) etwas spährlich aus.
Heute haben wir viel vor. Wir machen zwar einen Pausentag, müssen aber einiges organisieren. Zuerst beginnen wir im Internet den Antrag zur Verlängerung unseres Visums auszufüllen. Danach geht es auf die Bank, um den Betrag zur Verlängerung zu überweisen. Das der Frau in der Bank klar zu machen, ist gar nicht so einfach. Dann kaufen wir in einer Bäckerei ein bisschen Brot und frittierte Teigtaschen, in denen kein Fleisch drin sein soll. Schon von außen lockt die Bäckerei mit Bildern von Muffins und Brezeln. Denen können wir natürlich nicht widerstehen. Innen bietet die Bäckerei dann leider doch nicht das außen abgebildete. Und beim Biss in die Teigtaschen stellen wir fest, dass sie mit Reis und kleinen Fleischstückchen gefüllt sind. Nach den Verhältnissen hier sind sie also quasi vegetarisch.
Wir gehen wieder ins Hotel und können nach einigem hin uns her das Zimmer wechseln. Gestern war nur noch ein etwas teureres Zimmer mit Wohnzimmer frei, was wir aber nicht wirklich brauchen. Wir räumen also um und gehen dann an unsere Fahrräder. Bei Lukas spinnt die Schaltung ein bisschen und bei mir müssen die Bremsen nachgestellt werden. Dann telefonieren wir mit zu Hause.
Abends gegen wir nochmal in das gleiche Restaurant wie gestern, bestellen diesmal aber nur das Vegetarische. Auf dem Weg zurück zum Hotel schauen wir noch in einer kleinen Karaoke-Bar vorbei. Auf dem Bildschirm laufen mongolische Texte und im Hintergrund zuerst ein Video einer Modelschow und danach ein Video einer mongolischen Familie in einer Yurte, beide nacheinander in Dauerschleife.
Wir sitzen mit zwei Frauen im Alter von etwa 40 Jahren am Tisch. Nach einer Weile bekommen sie einen Ordner mit Liedern, von denen sie sich welche aussuchen. Auch wir blättern den Ordner durch und bleiben bei der Sparte der englischen Lieder hängen. Von Rihanna über Backstreet Boys gibt es alle möglichen älteren Lieder. Auch wir suchen eins aus, "Everybody" von den Backstreet Boys. Auch wenn wir beide nicht textsicher sind, machen wir uns keine Sorgen, denn der Text wird ja angezeigt.
Solange wir auf das Lied warten, unterhalten wir uns mit dem Handy mit den beiden Frauen und werden nacheinander von einer vielleicht 30 Jährigen vom Nachbartisch zum Tanzen aufgefordert. Generell ist es scheinbar keine Besonderheit, dass hier mehr mit anderen als mit den Leuten des eigenen Tischs getanzt wird. Als wir nacheinander an der Reihe sind, sind wir allerdings etwas überfordert mit den immer wechselnden Schrittfolgen und froh, wenn wir uns wieder setzen dürfen.
Als unser Lied an der Reihe ist, machen wir uns bereit, während viele der anderen aufstehen und tanzen. Liegt es an dem Lied oder aus Solidarität uns gegenüber? Das ist schwer zu sagen. Die Melodie beginnt also und wir warten auf den Text...und warten....und warten. Den Refrain singen wir auch ohne Text mit, aber ausgerechnet bei den englischen Liedern gibt es keinen Text. Wir versuchen also noch das beste daraus zu machen und denken erst im Nachhinein daran, dass wir den Text auch auf dem Handy hätten mitlesen können.
Wir machen uns auf den Rückweg zum Hotel und genießen noch die klare Luft nach diesem sonst sehr veregneten Tag.En savoir plus
Tag 195: Warmes Tal bis Altai
21 septembre 2023, Mongolie ⋅ ☁️ 13 °C
Die Nacht war ungewöhnlich warm. Nachts sind wir beide aufgewacht, um die Schlafsäcke zu öffnen und heute Morgen ist es warm genug, um gemütlich in der Sonne draußen zu frühstücken.
Danach geht es auf der "Autobahn" weiter. Wir sehen schon, wo sie durch die Berge hindurch fahren wird und es wirkt gar nichr mehr so weit. Tatsächlich dauert es allerdings eine ganze Weile und erst nach 40 Kilometern haben wir den Rand der Berge erreicht, auf die wir schon seit zwei Tagen zu fahren.
Der Weg hinauf und durch die Berge ist bestimmt von zwei Dingen: Zum einen haben wir schöne Blicke auf vereinzelte Yurten und farbenfrohe Hänge, zum anderen werden wir von einer Scharr Fliegen geärgert, die am liebsten auf unserem Rücken mitfahren und dann bei Lust und Laune vor unserem Gesicht herum fliegen.
Oben angekommen finden wir wieder einen der Steinkreise vor. Wir werfen ein paar Kieselsteine drauf, was wohl Glück auf der Fahrt bringen soll und fahren dann nach Altai, der ersten Stadt, die wir in der Mongolei erreichen.
Während wir leicht bergab fahren, zieht sich der Himmel immer weiter zu, sodass die Berge bald in den Wolken liegen. Wir gönnen uns nach 8 Tagen ohne Dusche mal wieder eine Unterkunft, in der wir auch die Wärme genießen.
Dann gehen wir noch etwas essen, um die mongolische Küche besser kennen zu lernen. Wir finden ein Restaurant, übersetzen die mongolische Karte und sind begeistert! Es gibt sehr viele Salatsorten, was wir seit einer Ewigkeit (bis auf das Schüsselchen in Darvi) nicht mehr hatten und entdecken Knödel und Pfannkuchen. Ok, das klingt erstmal nicht sehr mongolisch, aber das ist noch das einzige, das wir erkennen.
Als die Bestellung dann kommt, sehen die Salatteller sehr lecker aus. Die Knödel sind allerdings eher Dumblings, die natürlich mit Fleisch gefüllt sind und die Pfannkuchen eher eine Art frittierte Teigtasche, natürlich auch mit Fleisch gefüllt. Hinzu kommt, dass das Fleisch wegen des ganzen Fetts, Knorpels und da es sehr zäh ist auch Lukas nicht so gut schmeckt.
Ich esse also Salat, Pommes und teilweise den Teig und Lukas den Rest, was dann doch recht viel ist.
Danach rolle ich ihn zurück zum Hotel.
Dabei laufen wir an einigen Karaoke-Bars vorbei, die hier wohl sehr typisch sind, und beschließen morgen mal in eine zu gehen, da wir einen Pausentag machen wollen, um unsere Fahrräder nochmal in Stand zu bringen und unser Visum für die Mongolei zu verlängern, das nur 30 Tage gültig ist.En savoir plus
Tag 194: Schöner Blick bis Warmes Tal
20 septembre 2023, Mongolie ⋅ ☀️ 22 °C
Die Nacht war angenehm ruhig.
Wir frühstücken und fahren dann die verbleibenden 600 Höhenmeter ins Tal hinab. Die Landschaft um uns herum gibt uns nicht wirklich Hinweise, dass wir bergab fahren. Würde es nicht so gut rollen, könnte man fast meinen, wir fahren durch eine Ebene.
Während wir dem Weg folgen fahren wir vorbei an freilaufenden Pferden und Kamelen. Obwohl hier keine wilden Tiere mehr leben, wirken sie doch, als seien sie frei.
Nach 23 km Schüttel-Schock erreichen wir die Autobahn. Die "Autobahn" hat zwar rein gar keine Ähnlichkeit zu einer uns bekannten, dafür ist es aber eine sehr gut geteerte Straße, auf der wir deutlich schneller voran kommen.
Jede Straße, die von dieser abzweigt, geht nach knapp 10 Metern in eine Fahrspur über, was allerdings nicht bedeutet, dass auf dieser auch nur im Geringsten langsamer gemacht wird.
Generell scheint es den Mongolen nichts auszumachen, ob die Straße geteert ist oder nicht. Teilweise erleben wir sogar, dass sie eher die Fahrspuren nutzen als die geteerte Straße.
Auf der Straße ist recht wenig los. Kommt dann doch mal ein Auto wird meist einen Kilometer vorher schon gehupt, damit wir auf die Seite fahren können. Beim Überholen fahren sie dann so weit links, wie sie nur irgend können, auch wenn das teilweise bedeutet, mit einem Rad den Schotter neben der Straße noch mitzunehmen. Außerdem erleben wir sehr interessierte Autofahrer, die winken, aufblenden oder sehr langsam an uns vorbei fahren, um einen genauen Blick auf uns zu werfen.
Wir kommen 60 km nachdem wir die asphaltierte Straße erreicht haben an einen Supermarkt, den wir gar nicht eingeplant hatten. Wir kaufen noch etwas Wasser ein und fahren dann noch knapp eine Stunde, bevor wir unser Zelt aufschlagen.En savoir plus
Tag 193: Darvi bis Schöner Blick
19 septembre 2023, Mongolie ⋅ ☁️ 13 °C
Wir wachen auf, frühstücken ein bisschen und werden dann direkt von unseren Gastgebern von gestern eingleaden zu frühstücken. Wieder gibt es das mongolische Brot, Süßes, Tee und dann noch jeweils einen Teller mit Reis und grünem Salat mit Gurken und Tomaten. Ich weiß gar nicht, wann wir das letzte Mal grünen Salat gegessen haben. Uns kommt es vor, als sei es eine Ewigkeit her gewesen!
Bevor wir gehen, kaufen wir noch eine Kleinigkeit ein und bekommen von unseren Gastgebern Hände voll mit Süßem und eine ganze Tüte des mongolischen Brots. Als wir im ersten Moment ablehnen wollen, bekommen wir nur noch mehr in die Hand gedrückt.
Dann fahren wir hinter unseren Gastgebern her, die uns einen weniger matschigen Weg aus dem Ort heraus zeigen. Die Straße besteht auch hier nur aus Fahrspuren aber die führen auch quer durch Wasserpfützen und Matsch. Da mein Fahrrad schon bei den kleinsten Matschlöchern protestiert und nicht mehr weiter will, sind wir sehr froh dass wir einen besseren Weg gezeiht bekommen.
Wir verabschieden uns und fahren dann auf einer der Fahrspuren in die Berge hoch. Was in Worten so kurz klingt, wirkt für uns zunächst wie eine Ewigkeit, weil die Berge einfach nicht näher kommen wollen.
Zwischen Hügeln hindurch geht es dann auf einem schlechteren Feldweg auf den Pass, der am Ende an Steigung nochmal gut zulegt. Kurz bevor wir den Pass erreicht haben überholt uns ein Auto, der Fahrer steigt aus, kommt uns entgegen gelaufen und greift schon an meinen Gepäckträger, um mich hoch zu schieben. Nur mit Mühe kann ich ihn davon abhalten. Oben angekommen atmen wir durch und teilen unser mongolisches Brot mit unserem Helfer und seiner Familie, die noch im Auto wartet. Als er davon probiert, uns dann fragt, ob das mongolisch ist und wir ihm erklären, dass wir es aus Darvi haben, kann er es fast nicht glauben. Scheinbar haben wir von unserer Gastgeberin extra gutes mongolisches Brot bekommen, das selbst für die Mongolen bemerkenswert ist.
Dann lassen wir es auf der anderen Seite hinunter rollen, was allerdings nicht ganz leicht ist, da die Fahrspur den Weg oft mit einem Flussbett teilt und dadurch teils sandig und teils steinig ist.
Als wir aus den Bergen heraus kommen und auf das Tal blicken, können wir unseren Augen fast nicht trauen. Vor uns liegt ein weiteres schier endloses Tal, das aber deutlich grüner ist, als alles was wir in der Mongolei bisher gesehen haben.
Wir bauen am Rande der Berge das Zelt auf und blicken auf das Tal, das 600 Höhenmeter unter uns liegt.En savoir plus
Tag 192: Tonkhil bis Darvi
18 septembre 2023, Mongolie ⋅ ☁️ 12 °C
Draußen ist es wieder frisch. Wir frühstücken im Zelt und staunen, als wir es dann verlassen. Die Berge um uns herum sind noch weißer als gestern!
Heute will sich die Sonne nicht so blicken lassen. Warm angezogen fahren wir los. Da es bald wieder hoch geht, wird uns auch schnell warm. Ich fahre teils nur noch mit Fleece und selbst das ist mir fast noch zu warm.
Dann geht es über eine lange Abfahrt zwischen Yurten hindurch nach unten in ein weiteres Tal. Auch diese Straße ist nicht asphaltiert und sie als Feldweg zu bezeichnen wäre auch nicht zutreffend. Die lange Abfahrt kühlt uns etwas aus und so genießen wir umso mehr die Pause, die wir dann in der Sonne einlegen.
In Darvi, dem nächsten Ort, der nur 30 km hinter Tonkhil an einem See liegt, fragen wir nach einer Unterkunft im Ort, um den Tag den dem unerwarteten Wintereinbruch der letzten Tage gemütlich ausklingen zu lassen. Wir werden von einem Mann an die Schule gebracht, wo wir uns ein Zimmer anschauen, was vermutlich einmal für dort unterrichtende Lehrer gedacht war. Da wir uns dort wegen des Zigarettenrauchs und der Sauberkeit nicht sehr wohl fühlen, lehnen wir ab und beschließen dann doch im Zelt zu schlafen. Als wir noch einkaufen gehen, um für die nächsten 200 km ohne Supermärkte vorbereitet zu sein, fragt uns eine Mitarbeiterin des Ladens, ob wir hier im Ort schlafen möchten. Sie hätte ein Zimmer, das zwar keinen Strom hat, aber dennoch recht warm ist, wie wir selbst feststellen. Als wir sie fragen, was wir ihr dafür geben können, lehnt sie ab und meint, wir brauchen nicht zu zahlen.
Da wir beide Lust auf etwas anderes als Nudeln oder Reis haben, fragen wir sie noch nach einem Restaurant, welches es hier allerdings nicht gibt. Stattdessen lädt sie uns zu sich nach Hause ein.
Wir warten also bis zum abgemachten Zeitpunkt und treffen sie dann wieder vor dem Laden. Dann gehen wir gemeinsam auf die andere Seite des Hauses, in dem wir schlafen, und betreten eine dort stehende Yurte.
Hier mitten im Ort eine Yurte zu sehen ist für uns schon gar nicht mehr verwunderlich, denn sowohl Tonkhil als auch Darvi bestehen zum Großteil aus Yurten, die eingezäunt sind. Nur Läden, öffentliche Gebäude (wie die Schule) oder Apotheken befinden sich in "normalen" Häusern.
Im Inneren der Yurte werden wir zum Tee gebeten und lernen ihre Eltern kennen. Über den Google Übersetzer tauschen wir uns ein wenig aus, was leider nicht ganz so flüssig klappt, weil doch oft Wirres übersetzt wird.
Von ihrer Mutter bekommen wir Tee, Süßes und mongolisches Brot (kleine Teigtaschen ähnlich den uns bekannten "Langos"). Dann gibt es noch selbstgemachte Nudeln mit Schafs- oder Ziegenfleisch, das ich Lukas auf den Teller schiebe.
Es ist insgesamt ein netter Abend und wir bekommen einmal einen Einblick in das Leben innerhalb einer "modernen Yurte". In dieser wird kein Ofen mit Kuhdung befeuert. Vielmehr steht in einer Ecke eine Kühltruhe, ein Elektroherd und -ofen, ein Fernseher und eine Art elektrischer Schnellkochtopf. Durch die Anbindung an das Stromnetz und die Solarzellen neben der Yurte ist hier ein ganz anderes Leben möglich.En savoir plus
Tag 191: Kalter Pass bis Tonkhil
17 septembre 2023, Mongolie ⋅ ☁️ 9 °C
Es ist noch immer eisig draußen. Wir liegen zwar in unseren Schlafsäcken, aber irgendwann ist auch bei uns der Zeitpunkt gekommen, dass wir einmal raus müssen. Egal wie sehr wir uns drücken, irgendwann ist der Moment gekommen, in dem man den Schlafsack öffnen muss und alles daran setzt möglichst schnell wieder in ihn zurück zu kommen.
Auf dem Weg zurück ins Zelt fällt unser Blick auf zwei Flaschen, die in der Nacht einen halben Meter von unserem Zelt entfernt lagen. In der Flasche mit Saft schwimmt ein großer Eisbrocken und die noch volle Wasserflasche ist komplett gefroren. Dann war es wohl ganz schön kalt heute Nacht!
Wir frühstücken im Zelt in unseren Schlafsäcken und warten vergeblich darauf, dass die Sonne die Luft um uns herum aufwärmt. Also überwinden wir uns dann doch und verlassen unsere Schlafsäcke um uns anzuziehen. Wir packen das Zelt ein und dann geht es los.
Es geht weiter hinab ins Tal, das wieder einmal als eine endlose Hochebene vor uns liegt. Vereinzelt stehen Yurten neben der Straße, die aber ansonsten das Tal vollkommen für sich alleine haben.
Die Straße quert das Tal in einer endlosen Geraden. Nur langsam kommt die andere Seite näher. Wir fahren hinauf und kommen dann an den Punkt, an dem wir die Mining Road verlassen. Gespannt waren wir auf diesen Abzweig und auch nicht überrascht, als vor uns lediglich ein Feldweg abgeht. Wobei das Wort "Feldweg" noch übertrieben ist. Der Weg, den wir einschlagen, lässt sich besser als "Fahrspur" bezeichnen. Wobei auch das nicht ganz richtig ist, weil sich quasi jeder seinen Weg selbst sucht und somit mehrere Spuren vor uns liegen.
Da manche mehr und manche weniger ausgefahren sind, müssen wir teilweise wechseln und die beste aussuchen, um keinen Schüttel-Schock zu bekommen.
Mittagspause machen wir neben einer der Spuren nach ein paar Kilometern. Als wir wieder weiter fahren trifft uns.....nein, nicht der Schlag...aber ein Hagelkörnchen. Und dann werden es immer mehr, sodass wir in einen kleinen Hagelschauer gelangen, der dann nach einer Weile aber wieder nachlässt.
Unten in der Ebene angekommen sehen wir die nun schneebedeckten Berge hinter uns, die teils noch immer in den Wolken hängen. Wir holpern weiter vor uns hin, was dank der entstandenen Querrillen auf der Spur sehr nervig wird und müssen dann kurze Zeit später anhalten, weil Lukas einen Platten hat.
Dann kommen wir nach Tonkhil, dem dritten Ort in der Mongolei und der erste Ort seit 200 km. Wir kaufen neuen Proviant ein und fahren dann noch ein Stück, um das Zelt aufzubauen. Währenddessen fallen vereinzelt Tropfen, dann essen wir uns legen uns ins Zelt. Wieder nieselt es leicht und wir schlafen ein.En savoir plus
Tag 190: Yurte bis Kalter Pass
17 septembre 2023, Mongolie ⋅ ☁️ 5 °C
Wir wachen auf. Die Mutter der Brüder ist schon fleißig am Arbeiten. Langsam stehen auch wir auf, räumen unsere Betten zur Seite, die aus unseren Luftmatratzen beziehungsweise deren Matten bestehen. Dann gehen wir nach draußen.
Es ist bitter kalt, ganz anders als in der Yurte. Draußen steht die Ziegenherde der Familie, ein paar Pferde und Kühe. Alle haben in der Nacht um die Yurte herum geschlafen.
In der Yurte wartet schon das Frühstück. Es gibt Tee, mongolisches frittiertes Brot und Käse und Butter. Danach spielen wir noch eine Runde Schach und bekommen dann draußen hautnah mit wie die Brüder sich gegenseitig zum Spaß mit den Lassos fangen.
Dann sehen wir, dass vor der Yurte des jüngsten Bruders eine Ziege auf einer Folie liegt. Um sie herum steht er, seine Frau und deren vielleicht 12-jährige Schwester. Als wir näher kommen fällt mir auf, dass der Ziege gerade das Fell abgezogen wird. Es ist für mich ein vollkommen surrealer Anblick und auch die weiteren Schritte kommen mir nicht sehr real vor. Das Schlachten dauert nicht sehr lange und es wird schnell klar, dass sie alle darin geübt sind.
Anschließend wird eine Auswahl der anderen Ziegen zusammen getrieben und an den Hälsen zusammen gebunden. Dann gehen die Frauen an die Arbeit und melken. Auch Lukas darf mal ans Werk und merkt schnell, dass pro Ziege gar nicht so viel Milch zusammen kommt.
Es ist spannend das alltägliche Leben der Familie mit zu bekommen, doch als die Brüder die Tiere mit den Pferden wegtreiben, machen auch wir uns auf den Weg.
Vor uns liegt noch ein Aufstieg auf 2700 m Höhe. Die Straße schlängelt sich durch das teils enge Tal und immer wieder stehen Yurten rechts oder links davon. Es ist gigantisch! Der Pass bringt uns echt aufs Neue zum Staunen!
Noch knapp 400 Höhenmeter fehlen uns bis zum höchsten Punkt. Was ist denn das? Nein, das kann nicht sein! Gerade sind wir noch dünn bekleidet an die chinesische Grenze gefahren und jetzt das? Es ist kaum zu glauben, aber es fallen tatsächlich die ersten Schneeflocken. Sie sind zwar nicht sehr groß, aber eindeutig zu erkennen.
Als wir oben ankommen, ist es eisig kalt. Wir machen ein paar Bilder und ziehen uns dann warm an. Unter meine lange Hose ziehe ich noch eine lange Unterhose. Oben herum habe ich letztendlich dann das Langarmshirt, ein Fleece, die Daunenjacke und die Regenjacke an.
Dann machen wir uns an die Abfahrt. Der Wind bläst uns kalt entgegen und obwohl es nicht so steil bergab geht, bremsen wir dann doch etwas häufiger, um unsere Finger bewegen zu können. Weil es doch schon recht spät ist, bauen wir nicht weit unterhalb des Gipfels auf 2500 m Höhe das Zelt auf. Es wäre zwar noch ein bisschen Zeit, aber wegen der Kälte wollen wir auf keinen Fall erst kurz vor Sonnenuntergang anfangen, das Zelt aufzubauen.
Weil uns draußen im Wind zu kalt ist, essen wir im Zelt, während wir in den Schlafsäcken eingewickelt sind. Bei einem Blick auf unser mitgebrachtes kleines Thermometer, wundert uns nicht mehr, dass es kalt ist - es zeigt 0°C an.
Vor einer Woche sind wir bei knapp 30°C unter den Strahlen der Mittagssonne eingegangen und jetzt sind es einfach 0°C. Das ist unser Körper nach der langen Hitze seit Kasachstan dann doch nicht gewohnt.
Nach dem Essen wickeln wir uns gut in unsere Schlafsäcke ein und schlafen dann auch schon bald ein.En savoir plus
Tag 189: Mining Road bis Yurte
16 septembre 2023, Mongolie ⋅ 🌬 11 °C
Uiuiui ist das kalt! Wir liegen eingemummelt in unseren Schlafsäcken, während draußen die Sonne schon aufgegangen ist. Sobald wir die Zelteingänge öffnen, zieht ein kalter Luftzug ins Zelt. Im Schlafsack war es die Nacht zum Glück warm. Es ist nicht ganz einfach, die Wärme hinter uns zu lassen und in die kalten Klamotten zu schlüpfen.
Wir setzen uns neben das Zelt und so langsam wärmt die Sonne die Luft um uns herum auf. Verrückt, denken wir. In Usbekistan hätten wir uns darüber gefreut, wenn es morgens einmal möglich gewesen wäre, noch eine halbe Stunde länger im Zelt liegen zu bleiben und hier würden wir am liebsten direkt wieder ins Zelt zurück.
Wir ziehen uns warm an, also Stirnband, Handschuhe, Pulli, Jacke, und fahren dann auf der Mining Road, der noch immer aktiven Straße, auf der Kohle nach China geliefert wird, weiter. Zum Glück fahren am Tag nicht viele LKWs, dafür ist in der Nacht ganz schön was los.
Wir fahren über eine Kuppe und blicken auf eine weitere endlose Ebene, umringt mit Bergketten. Hier grasen wieder einige Pferde, die trotz der geringen Vegetation scheinbar doch etwas finden.
Jetzt geht es etwas in die Berge hinein. Immer wieder kommen wir hier an Yurten vorbei, die teilweise schon für den Winter vorbereitet wurden und dementsprechend verlassen sind.
Es ist windig und dadurch gar nicht so angenehm. Wir suchen uns ein einigermaßen windstilles Plätzchen und kochen Reis, der uns auch noch für heute Abend reicht.
Das Tal, durch das wir dann fahren ist etwas enger, dennoch fließt einer der wenigen mongolischen Flüsse durch und es wachsen sogar ein paar Bäume.
Plötzlich entdecken wir ein einer sehr steilen Felswand ein paar Schafe. Tatsächlich hat es sich eine Schafherde an einer der steilsten Stellen der Wand gemütlich gemacht und suchen dort wie es aussieht nach Futter. Der Anblick ist etwas komisch, denn direkt darunter fließt der Fluss entlang, an dessen Ufern saftiges Gras wächst.
Wir fahren weiter und kommen dann an weiteren Yurten vorbei. Aus einer winkt eine Frau, verschwindet dann kurz in der Yurte und kommt mit einer anderen Frau und einem Mann wieder heraus. Alle drei winken uns herbei. Wir besprechen uns kurz und fahren dann zu den Yurten hin.
Direkt werden wir zum Tee eingeladen. Dazu gibt es noch frittiertes Brot, das etwas süßlich schmeckt und Käse, der leicht vergoren schmeckt. Ich mache noch etwas langsam, da mein Bauch noch nicht ganz stabil ist und das Essen der letzten Yurte in Kirgisistan mir nicht ganz so gut bekommen ist.
Kurz darauf kommt ein junger Mann, der mit uns dann über das Handy kommuniziert. Der Übersetzer funktioniert nur leider nicht so gut mit der Sprache, weshalb nicht jede Frage ankommt.
Nach einer Weile fragt uns der junge Mann (Alag, 26) und Sohn des Mannes und einer der Frauen, ob Lukas gegen ihn Schach spielen will. Direkt setzen sie sich zu einem Spiel hin und Alag stellt sich als sehr guter Spieler heraus.
Nach einer Weile kommen weitere junge Männer, und wie sich herausstellt Alags Brüder, hinein und zwei davon beginnen im Hintergrund Dame zu spielen und das Schachspiel noch zu kommentieren, während Lukas und Alag noch beschäftigt sind.
Die anderen Brüder sind in langen Kutten gekleidet und kamen mit den Tieren, die sie den ganzen Tag gehütet haben, wieder zur Yurte zurück.
Einer der Brüder (Altan, 27) trägt ein Lasso bei sich, mit dem er die Kälbchen einfängt, die über Nacht in einem kleinen Gehege bleiben. Es ist total interessant, dieser Familie bei ihrer täglichen Arbeit zuzusehen.
Am Abend essen wir gemeinsam je eine kleine Schale mit gekocjten Kartoffeln, Karotten und Fleisch (Lukas darf meins essen) und spielen anschließend noch mit den Brüdern Schach und Dame. Obwohl wir unterschiedliche Sprachen sprechen und vollkommen verschieden aufgewachsen sind, sitzen wir dennoch hier zusammen und spielen gemeinsam ein Spiel, das keinerlei weitere Erklärung bedarf.
Später legen wir uns in einer der Yurte mit Alag, Soel (29) und deren Mutter (55) schlafen. Bayar (21 oder 23, da haben wir verschiedenes gehört) lebt mit seiner etwa ein jährigen Tochter, seiner Frau und deren Schwester (?) in einer Yurte daneben. Es ist für uns nicht ganz einfach an dem Abend die genauen Verhältnisse aller festzustellen, da ständig jemand kommt und anderen wieder gehen.
In der Yurte ist es dank eines Ofens in der Mitte, der natürlich mit getrocknetem Kuhdung befeuert wird, angenehm warm.En savoir plus
Tag 188: Bulgan bis Mining Road
14 septembre 2023, Mongolie ⋅ 🌬 17 °C
Wir wachen auf. Um uns herum absolute Stille. Wie wir an der Zeltplane sehen weht ein schwacher Wind, nicht einmal stark genug, um ein Rascheln zu erzeugen.
Dann hören wir ein Schnauben, kurz danach nochmal. Moment, das ist ja gar kein Schnauben. Nein, das ist der Flügelschlag eines riesigen Raben, der sich für uns in dieser Stille nur sehr ungewohnt anhört.
Wir frühstücken in der Morgensonne, wobei es immer noch recht frisch ist. Dann starten wir gemütlich in den Tag. Zuerst haben wir leichten Gegenwind, später dreht dieser und wird stärker. Perfekt! Es ist völlig ungewohnt jetzt zum Teil mit Pulli zu fahren. Das war vorher undenkbar.
Bald kommen wir in einen kleinen, kunterbunten Ort, in dem wir uns nochmal mit Wasser, Obst, Haferflocken (hier gibt es wieder die deutschen "Haferflocken extrafein") und Brot eindecken. Wie wir so vor einem der zahlreichen, sehr gut ausgestatteten Lädchen stehen, versammelt sich eine Scharr Schüler und Schülerinnrn um uns herum, die uns begeistert winken, ein "Hello" zurufen oder einfach nur schauen. Schön, wie sie sich freuen, uns zu sehen!
Wir fahren weiter, machen Pause und halten dann nochmal an einem kleinen Restaurant, dem einzigen Gebäude weit und breit. Dort bitten wir um etwas Wasser, bekommen Tee und erfahren, dass eine Stunde zuvor Pauline und Ole, die deutschen Backpacker aus dem Hotel in Qinghe (und einzigen Touris seit der Grenze von Kirgisistan nach China) hier waren. Witzig, dann sind sie tatsächlich auch hier gewesen.
Es geht weiter durch unwirkliche Landschaften und nur mit kurzen Abschnitten, in denen die Straße zur Holperpiste mit Schlaglöchern wird.
Dann suchen wir uns um 18 Uhr einen Platz fürs Zelt, denn um 19 Uhr wird es schon dunkel und es kühlt dann recht schnell ab.
Wir essen und legen uns dann unter herrlichem Sternenhimmel ins Zelt.En savoir plus
Tag 187: Takashiken bis Bulgan
13 septembre 2023, Mongolie ⋅ 🌬 18 °C
Wir frühstücken auf dem Zimmer, wobei ich mich noch zurück halten muss. Mein Magen-Darm ist noch nicht wieder gut.
Dann fahren wir wieder auf die Hauptstraße zurück und legen die letzten 16 km bis zur Grenze zurück, was reibungslos abläuft. Die Straße ist allerdings von beiden Seiten mit Stacheldraht eingezäunt und alle 100 m stehen Überwachungskameras.
An der Grenze warten dann schon einige mongolische LKWs. Chinesische sind nicht zu sehen, was uns sehr verwundert. Wir zeigen unsere Pässe, werden weitergeleitet, müssen unser Gepäck scannen lassen, wieder eine Health Declaration ausfüllen, in der wir bestätigen, dass wir kein Corona haben, bekommen Fragen zu unserer Reise gestellt und bekommen dann unseren Ausreisestempel, nach 45 min. Im Vergleich zur Einreise also ungefähr doppel so schnell.
Bevor wir die mongolische Seite erreichen, müssen wir nocheinmal unseren Pass einem Chinesen zeigen.
Wir warten einen Augenblick vor dem mongolischen Gebäude bevor wir dann herein gebeten werden. Nach einem kurzen, freundlichen Gespräch gehen wir zur Anmeldung, werden fotografiert, scannen unsere Fingerabdrücke und sind nach insgesamt 10 min wieder draußen.
Dort soll die Gepäckkontrolle statt finden. Wir werden schon von einem Mongolen empfangen, der fließend Englisch spricht, im Land vorher eine Seltenheit. Er sitzt vollkommen entspannt auf einer Mauer, als wir heraus kommen. Dann fragt er uns, ob wir irgendwelche illegalen Dinge dabei haben. Wir verneinen zögerlich, denn was genau hier im Land illegal ist, wissen wir ja gar nicht. Mit einem Lächeln und den Worten "Welcome to Mongolia. Have a nice trip!" deutet er uns dann schließlich an, dass unsere Auskunft ausführlich genug war und wir fahren dürfen. Wie unkompliziert es doch sein kann!
Wir fahren vom Grenzgelände und sehen schon eine riesige Schlange an Kohle-LKWs (auch nur Mongolen), die auf einer Straße warten, bis sie die Grenze passieren dürfen.
Es ist verdammt frisch, finden wir, und ziehen uns erstmal etwas über. Das sind wir gar nicht mehr gewohnt. Dann fahren wir los und nehmen zum Glück nicht die Straße, auf der die ganzen LKWs stehen. Unsere Straße ist gut ausgebaut und bis auf wenige Autos (vielleicht pro Stunde 3) absolut die unsere.
Wir fahren nicht weit und merken dann mit Erstaunen, dass hier weit und breit keine Kamera zu sehen ist und verfolgt oder kritisch beäugt werden wir auch nicht. Es ist ein Gefühl der Freiheit, das wir hier spühren. Ganz komisch, nach den vorigen Erfahrungen.
Wieder kommen wir vorbei an einigen Kamelen, die sich hier scheinbar ebenfalls pudelwohl fühlen. Und uns umgibt eine Weite und Einsamkeit ohne jegliche Gebäude und Infrastruktur um uns herum, es ist einfach herrlich!
Nicht jur einmal kommen wir an einer buddhistischen Gedenkstätte vorbei, die mit Fahnen geschmückt ist. Was uns so nicht bewussr war: In der Mongolei lebt der Großteil der Menschen den Tibetischen Buddhismus.
Nach 45 km im 14. Land unserer Reise erreichen wir die Stadt Bulgan, die ohne jegliche Hochhäuser auskommt und noch von einigen Yurten umgeben ist. Dort heben wir Geld ab, besorgen uns eine Sim-Karte und kaufen neue Vorräte ein. Dabei kommen wir auch in den Laden einer Frau, die Lukas erzählt, dass ihre Tochter in Düsseldorf lebt. Damit wir ein wenig Heimat dabei haben, schenkt sie uns noch eine Tüte Haribo Colafläschchen, auf deren Packung eine Deutschlandflagge abgebildet ist. Wir sind begeistert uns fühlen uns hier direkt wohl!
Witzigerweise ist die Packung nicht der einzige Bezug nach Hause. Auch in anderen Läden findet sich Schokolade der Marke "Alpen Gold" oder Müsli mit der Aufschrift "Gut&Günstig".
Guter Dinge machen wir uns auf den weg aus der Stadt und fahren noch ein Stück, bevor wir dann unser Zelt abseits der Straße aufbauen. Während die Abendsonne das gelbliche Gras um uns herum orange erscheinen lässt und der Wind kalt bläst, genießen wir die Stille um uns herum.En savoir plus
Tag 186: Qinghe bis Takashiken
12 septembre 2023, Chine ⋅ ☁️ 27 °C
Wieder gehen wir zum Frühstück. Heute traue ich mich schon an mehr heran. Wir sitzen nahe am Fenster, blicken nach draußen und sehen dann kurz danach eine chinesische Gruppe in den Essenssaal kommen. Moment? Ist das? Nein, das kann nicht sein! Oder etwa doch?
Tatsächlich! Es sind zwei Touristen, die ersten Touristen, die wir überhaupt in China gesehen haben! Auch sie erkennen uns und kommen auf uns zu.
"Seid ihr die beiden Fahrradfahrer? Jeder kennt euch!" sagen sie. Auf Deutsch! Nicht zu fassen!
Ole und Pauline sitzen sich zu uns und gemeinsam erzählen wir von unseren verrückten Erlebnissen. Sie sind als Backpacker unterwegs und haben bisher noch kein Flugzeug nehmen müssen, was auch ihr Ziel ist.
Sie erzählen von einer Situation, als sie hier in China mit der Bahn gefahren sind. Pauline hatte Shorts an und wurde von einer Frau sehr böse angeschaut und dann an die Polizei verpfiffen. Diese kam und hat ihren Pass abfotografiert. Von ihr erfahren wir auch, dass wohl jedes Abfotografieren des Ausweises bei Einheimischen nach einem Vergehen zusammengezählt wird und ab 20 wohl eine Haftstrafe folgt.
Außerdem erfahren wir, dass Trampen in China absolut und strengstens verboten ist. Gut, dass wir und vor allem unser hilfreicher Fahrer zurück nach Korla das nicht wusste.
Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile, packen dann ein und beneiden ein wenig die beiden, die so einfach ihr Gepäck auf den Rücken heben und problemlos mit einer Aufzugfahrt aus dem Hotel herauskommen.
Wir tragen stattdessen die Taschen Schritt für Schritt in den Aufzug, den zu den Rädern, packen diese und fahren dann los.
Die Fahrt ist nicht sehr spannend. Erst, als wir uns (abenteuerlustig wie wir sind) für eine ruhigere Nebenstraße statt der Hauptstraße entscheiden, werden wir wieder einmal angehalten.
Wir zeigen unsere Pässe und dürfen erst einmal nicht weiter. Es dauert eine ganze Weile, bis uns der uigurische Polizist schließlich durchwinkt. Da es so nahe der Grenze ist und wir nur diesen einen Weg einschlagen können, war es vermutlich keine allzu schwere Entscheidung uns durchzulassen.
In Takeshiken angekommen suchen wir das wohl einzige Hotel auf. Ob Pauline und Ole es schon über die Grenze geschafft haben? Oder sind sie am Ende sogar noch hier im Hotel?
Mithilfe der Polizei checken wir ein und ich ruhe mich aus, da mein Bauch wieder schmerzt.En savoir plus
Tag 185: Qinghe
11 septembre 2023, Chine ⋅ ☁️ 23 °C
Die gestrige Busfahrt hat mein Magen-Darm nur herausgezögert. Wir fühlen uns hier wohl, das Frühstück (von dem ich allerdings noch nicht wirklich viel essen kann) ist lecker und eine Fahrt wie die nach Jimsar kann ich mir heute absolut nicht vorstellen.
Also entscheiden wir uns, noch einen weiteren Tag zu bleiben und die verrückte Welt dort draußen einfach mal auszublenden.En savoir plus
Tag 184: Qitai bis Qinghe
10 septembre 2023, Chine ⋅ ☀️ 22 °C
Der Tag der Busfahrt ist gekommen! Hoffentlich!
Wir frühstücken, packen ein und fahren zum Busbahnhof. Mein Bauchweh von vor ein paar Tagen hat sich noch nicht verflogen. Vielleicht etwas im Essen oder die Aufregung? Vermutlich beides.
Am Busbahnhof sitzt wieder die Dame von gestern und begrüßt uns freundlich und erkennend. Wir warten auf den Bus und werden bald von einer jungen Frau angesprochen. Ihr Englisch ist perfekt! Sie studiert die Sprache und wartet gerade auf ihren Bus von ihrer Heimat zurück in ihre Unistadt Urumqi. Wir unterhalten uns lange mit ihr und selbst als der Kleinbus kommt, bleibt sie noch bei uns, um zu Übersetzen. Die Tatsache, dass sie Uigurin ist, ist nicht ohne Wert für uns, denn auch der Fahrer und die Frau am Schalter sind uigurischer Abstammung.
Der Kleinbus ist tatsächlich nicht sehr groß und der Fahrer will schon ein neues Auto mit Dachträger holen. Wir bauen aber stattdessen schnell die Vorderräder ab und schaffen es doch die Fahrräder hinter dem Fahrer- und Beifahrersitz und vor den Rücksitz unter zu bekommen. Wir sind gerade einmal drei Fahrgäste. Mit uns fährt nur noch ein jüngerer Chinese.
Wir verabschieden uns von unserer Helferin, die nun auch schnell zu ihrem Bus muss. Dann geht auch unsere Fahrt los.
Wir sind noch nicht weit gefahren, als wir nochmal anhalten. Am Straßenrand stehen ein Mann und eine Frau. Beide mit reichlich Gepäck. Die Taschen werden in den Kofferraum gequetscht und beide steigen ein. Wir warten eine Weile. Noch ein Paar steht vor dem Auto. Das wird dann doch recht eng! Nach einigen gewechselten Worten steigt der Mann wieder aus und auch das Paar räumt ihr Gepäck wieder zurück in ihr eigenes Auto. Gemeinsam mit dem Mann fahren sie wohl jetzt selbstständig.
Wir fahren weiter, kommen durch kleine Orte durch und ich verfolge unseren Standort sicherheitshalber mit dem Handy. In einer älteren Wohnsiedlung halten wir und eine junge Frau mit knapp dreijährigem Sohn steigt ein. Sie verabschieden sich von den Großeltern und der kleine Junge hüpft eifrig zwischen seiner Mama und Lukas auf der Rückbank herum.
Unsere Fahrt geht weiter und immer wieder stelle ich mir vor, wie wir hier wohl geradelt wären. Bald halten wir für eine Toilettenpause an. Wir haben extra nicht viel getrunken, da wir nach unserer letzten Busfahrt nicht sicher waren, ob wir überhaupt einmal anhalten werden.
Wir fahren win kleines Stück weiter. Nicht mal nach 10 Minuten halten wir wieder, diesmal neben einem Laden. Auch hier machen wir nochmal eine Pause.
Auf der ganzen Fahrt werden wir mit dem Kleinbus nicht von der Polizei gestoppt, installierte Kontrollen gibt es jedoch. Wären wir mit dem Fahrrad hier, hätten uns diese sicherlich angehalten.
In einer kleinen Privatküche gehen unser Fahrer und die Frauen noch etwas essen. Auch wir steigen aus. Im Esszimmer steht an einer Seite ein Aquarium. In diesem schwimmen zwischen ein paar Plastikpflanzen hindurch ein paar Fische. An der Rückwand steht "natürliches Habitat".
Passend dazu läuft in diesem Moment ein Babykätzchen durch das Zimmer. Der kleine Junge ist natürlich direkt angefixt und jagt ihm hinterher. Jedes Mal, wenn er es in die Ecke gedrängt hat (oder einer der Erwachsenen ihm zur Hilfe kommt und ihm das Kätzchen gibt) hält er es entweder an einem Bein hoch oder lässt es von einer gewissen Höhe hinunterfallen. Seine Mutter lacht ihm zustimmend zu.
Das können wir nicht mehr mit ansehen. Lukas steht auch und zeigt dem Jungen, wie er das Kätzchen zu halten hat. Sobald er jedoch wieder die Möglichkeit hat, greift er es am Bein und trägt es umher. Irgendwann setzt Lukas es in einen Karton und deutet dem Jungen an, dass er es auch in diesem streicheln kann. Eine längere Wirkung hat das auf das Kind allerdings nicht.
Wir sind froh, als wir endlich weiter fahren. Immerhin wird die Katze dann alleine gelassen. Unser Schrecken ist groß, als wir die Mutter mit dem Karton und dem Kätzchen aus dem Haus kommen sehen!
Nun sitzt Lukas mit Kind, Mutter und Kätzchen hinten auf der Rückbank. Immer wieder versucht er das Kätzchen zu erretten, bis es irgendwann im Karton verschwindet, weil der Junge das Interesse verliert. Stattdessen wendet sich sein Blick auf den Korb, der vor ihm und damit zwischen meinem und dem Sitz der anderen Frau steht. In diesem liegen unter einem Tuch nämlich ein Haufen Trauben, von denen er sich einfach nimmt. Statt ihm etwas zu sagen oder sich bei der Besitzerin zu entschuldigen, nimmt sich die Mutter selbst Trauben und verteilt sie noch an Lukas. Eine merkwürdige Szene!
Die Stimmung wird jedoch immer lockerer, wir teilen unser Essen und die beiden Frauen schenken und etwas von sich. Wir machen Bilder und es fühlt sich schon fast so chaotisch und abenteuerlich an, wie die vermutlich auf einer solchen Fahrt in Usbekistan der Fall gewesen wäre.
Am frühen Abend kommen wir in Qinghe (etwas 80 km vor der Grenze) an. Wir nehmen die Fahrräder heraus, bauen sie zusammen und werden dann von unserem Taxifahrer zu einem Hotel gebracht, dass uns beherbergen könnte.
Wir sind geslannt auf den Preis, denn dieses sieht sehr nobel aus. Allerdings hatten das schon so manche und die meisten waren dann sehr günstig. Während Lukas sich mit der allsu begeisterten Jungs-Fahrrad-Gang beschäftigt, melde ich uns für einen absolut rentablen Preis an. Die Frau ist sehr freundlich und merklich entzückt darüber, Ausländer zu sehen. Unsere Fahrräder dürfen wir in der Lobby abstellen, gehen dann aufs Zimmer, kaufen noch ein und machen es uns dann gemütlich.
Nach einer warmen, angenehmen Dusche ziehen wir unsere Schlafanzüge an und sind eigentlich bettfertig, als es klopft. Wer könnte es anders sein als die Polizei!
Die üblichen Fragen werden beantwortet, wir im Schlafanzug und sie mit schusssicheren Westen und Waffen vor uns stehend. Dann können wir schlafen.
Was für ein weiterer verrückter Tag!En savoir plus











































































































































































































