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Die erste Fahrt

Erste Bikepacking Reise mit unseren Wildlingen Read more
  • Trip start
    August 2, 2022

    Ein neuer Anfang

    July 17, 2022 in Switzerland ⋅ ☀️ 23 °C

    Es war einmal, in einer anderen Zeit, in einem früheren Leben. So beginnt diese Geschichte, fast wie ein Märchen. Eigentlich ist alles noch gar nicht so lange her. Doch seit wir von unserer langen Reise zurückgekommen sind, hat sich die Welt verändert. Die Pandemie hat alle weiteren Reisepläne auf Eis gelegt. Zwei neue Hauptdarsteller sind in unser Leben getreten, unsere beiden Zwillinge, Saroo und Shenay. Sie haben uns auf Trab gehalten. Wir haben gestaunt, gelernt, gelacht, geweint. Und immer wieder viel zu wenig geschlafen. Eine atemlose Zeit. Fast hätten wir vergessen, wie unser Leben früher war. Doch nun haben wir unsere Jobs erneut gekündet, das Haus vermietet, die Taschen gepackt. Ein Ende? Ein neuer Anfang!

    „In jedem Ende liegt ein neuer Anfang.“
    (Miguel de Unamuno)
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  • Happy Birthday

    August 22, 2022 in Italy ⋅ ☀️ 32 °C

    Nun sind wir schon 20 Tage unterwegs. Durchs Graubünden und dann immer der Etsch entlang, raus aus der Schweiz, aus den Bergen, hinein in die heisse Poebene. Noch suchen wir unseren Rhythmus, sind wir froh, dass wir keine grosse Reiseplanung und Logistik bewältigen müssen. Einfach dem Radweg folgen, das ist vorläufig gerade anstrengend genug. Unsere zwei machen es gut und so finden wir uns langsam zurecht im neuen Alltag: Aufstehen, zusammenpacken, die Pause am Mittag auf einem Spielplatz. In den Nachmittag hineinfahren, schlafen im Anhänger. Das Zelt wird zum vertrauten Ort. Saroo weiss schon gut, wie man den Reissverschluss öffnet und schliesst, wie man die Zeltstangen zusammensetzt. Shenay steckt die Heringe ein und hilft eifrig beim Zelt einrichten. In Ferrara machen wir zwei Tage Pause, denn Shenay und Saroo haben Geburtstag. Zwei Jahre seid ihr nun bei uns. So viel haben wir zusammen erlebt und so viele spannende, schöne, anstrengende Momente werden noch kommen. Happy Birthday ihr zwei. Unser Abenteuer hat gerade erst begonnen! Nächstes Ziel ist Ancona - und dann auf nach Griechenland.Read more

  • Beach for the soul

    September 3, 2022 in Greece ⋅ 🌙 23 °C

    Schwups - und dann sind wir am Meer. Nur sieht man es gar nicht. Sonnenschirme und Ballermann soweit das Auge reicht. Klar, das sind immerhin die Strände von Rimini. 200 Kilometer Radweg der Strandpromenade entlang. Am Anfang eine lustige Abwechslung. Mit 50km pro Tag dauert der Rambazamba aber geschlagene vier Tage. Stop and go, zwischen Bierbäuchen, aufblasbaren Riesengummiflamingos, Topmodels, Supermen und solchen, die es gerne wären. Wie eine grosse Hähnchenfabrik kommt uns das vor, auf der einen Seite die gestressten Batteriehühner rein, auf der anderen Seite knusprig braun gebratene Poulets raus. Sollte uns in Zukunft jemand erzählen, er gehe nach Rimini in die Ferien, werden wir ihm wünschen, dass sein Urlaub schnell vorbeigeht. Das Einzige, mit dem wir uns anfreunden können, ist das Frühstücksbuffet, das wir im Hotel aufgetischt bekommen. Ja, wir bleiben tatsächlich deswegen zwei Nächte in der Stadt. Unsere Zwillinge baden das erste Mal im Meer und wir holen uns den täglichen Rüffel ab, weil wir die beiden auf einem Liegestuhl wickeln, den wir nicht bezahlt haben. Raus aus Rimini, durch die Hügel des Parco Naturale Monte San Bartolo. Alte Pinienwälder, steil abfallende Küste. Ein kleiner Sandstrand weit unten, wie er sein sollte. Dann nochmal Strand-Wahnsinn, eingequetscht zwischen Autobahn, Zuggleisen und Meer. Die Campingplätze direkt an den Schienen. Müsste man das Zelt abspannen, könnte man die Schnüre ans Gleis knoten. Endlich: Ancona. Die Fähre trägt uns über Nacht nach Patras. Ein Stück weg von Europa: Weniger Verkehrsregeln, weniger Schnickschnack, mehr Siesta, mehr Abfall, mehr Meer. Ein Schild an der alten Küstenstrasse: Beach for the Soul. Genau das brauchen wir nun, ein bisschen Seelenbaden. Ein schmaler Kiesstrand am glasklaren Wasser. Ein Ort, wo der Liegestuhl noch zusammen mit dem Kaffee kommt. Ein paar Tage Pause, nach einem Monat Unterwegssein.Read more

  • Vom Strand in die Berge

    September 20, 2022 in Turkey ⋅ ☀️ 27 °C

    Auf Peleponnes tickt die Zeit langsamer. Ein vom Tourismus vergessenes Stück Griechenland. Entlang der alten Küstenstrasse fahren wir Richtung Athen. Rechterhand liegen Olivenhaine, links das Meer, kristallklar, in jeder Bucht in einem anderen Blau leuchtend. Die heissen, ermüdenden Mittagspausen auf schatten- und trostlosen Spielplätzen tauschen wir gegen leere Kieselstrände und ein erfrischendes Bad im Salzwasser. Abends schlafen wir zum Wellenrauschen ein. Die Idylle verschwindet, als wir während des Abendverkehrs in Piräus einfahren. Zum Glück nur ein kurzer Zwischenstopp, bevor uns die Fähre weiter Richtung Osten bringt. Und damit lassen wir Europa und das Meer definitiv hinter uns. 

    Die Strassen in der Türkei vom Meer hoch ins Taurus Gebirge sind steil. Bis 10% können wir die Steigungen gut bewältigen, danach heisst es schieben. Und das geht mit unseren Anhängern schlecht. So werden Shenay und Saroo beim letzten Anstieg etwas früher als vorgesehen ins Hike-a-Bike eingeführt. Die beiden scheinen die Abwechslung nach der ersten Verwirrung zu schätzen und gemeinsam bewältigen wir den Pass aufs Girdev Plateau. Abgelegene Hochtäler, Bergfrische. Bikepackingland vom Feinsten.

    Die Türkei hat sich auf dieser ersten Etappe von ihrer besten Seite gezeigt. Wir freuen uns auf die kommende Zeit.
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  • Herbst

    October 4, 2022 in Turkey ⋅ ☁️ 15 °C

    Der September ist ein toller Monat, um durch die Türkei zu Radeln. Trauben, Äpfel, Pflaumen und Nektarinen sind reif und wir werden damit beschenkt bis zum Abwinken. Auf der Strecke Elmali - Eğirdir vor allem mit Äpfeln. Es kommt uns vor, als würden wir durchs Südtirol radeln. An einem Abend beglückt uns ein Bauer mit 3kg. Wir futtern uns zum Nachtessen und Frühstück mit Apfelmus voll und hoffen am nächsten Tag auf eine apfelfreie Fahrt. 
    Vom Eğirdir See geht es dann wieder hoch in die Berge, in den Kızıldağ Nationalpark. Steil ist der Weg und das erste Mal seit Italien ziehen schwere Wolken auf. Vom Pass hinunter fahren Lastwagen mit Schafen, früh werden dieses Jahr die Yaylas, die Sommerlager geräumt. Das stabile Türkeiwetter scheint vorüber. Ein leergefegtes Hochplateau, Bäume, die sich in den Tälern verfärben. Der Herbst macht Halt in der Türkei.
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  • Im Taurus Gebirge

    October 18, 2022 in Turkey ⋅ ⛅ 14 °C

    Auf vergangenen Reisen war für uns das erste Wort, welches wir in einer fremden Sprache jeweils gelernt haben, Wasser. Nun ist es Zwillinge. Unsere beiden, immer im Mittelpunkt. Bald nimmts Saroo gelassen, wenn er von Wildfremden mal hochgehoben wird und Shenay weiss, dass man bösen Hunden einen Stein nachwirft. Hotelzimmer, Strassenkreuzungen und Waldlichtungen werden innert Minuten zum neuen Spielplatz. Verschwunden ist die lange Umstellungszeit zwischen Fahrrad- und Pausenrhythmus. 
    Wir radeln auf wilden Pisten über das Göktepe Plateau. Die Welt besteht aus Steinen, Ziegen, Hirten und Sonne. In der Höhe setzt sich in der Nacht nun immer öfter Frost fest. Wir werden von einer Familie ins warme Haus eingeladen. Saroo und Shenay spielen nach kurzer Zeit mit dem blinden Grossvater, als würden sie ihn schon seit Wochen kennen.
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  • Goldene Tage

    November 6, 2022 in Turkey ⋅ ☀️ 19 °C

    Reisestimmungen sind wie das Wetter. Es gibt Hochs und Tiefs. Nicht immer scheint die Sonne, auch wenn manche denken, dass wir unterwegs doch alle Freiheiten der Welt hätten. Unterwegssein ist schön, aber auch anstrengend. Gerade mit zwei kleinen Kindern. Da gehen Radeltage pausenlos über in aktive "Ruhetage". So ist es auch nach unserer Fahrt über das Göktepe Plateau. Müde von der Anstrengung, vollbepackte Räder und zwei immer schwerere Anhänger auf den harten türkischen Steigungen vorwärts zu bringen, zieht zunächst ein Wettertief über uns hinweg. Wir schauen draussen den Regenwolken zu, die uns fünf Tage in Ermenek festhalten und fühlen uns innerlich dem Wetter gleich. Erst als die Sonne wieder über den blauen Himmel zieht, schaffen auch wir es wieder hinaus ins türkische Bikepacking Eldorado. Während einem Schönwetterfenster fahren wir hinein in den Aladaglar Nationalpark und weiter entlang der hohen Küstenberge Richtung Karaman. 

    Goldene Herbsttage, kalte Nächte, wilde Berge. Ein Hoch, das auch unsere Reiselust wieder in Stimmung bringt. In der Nacht heult ein Rudel Wölfe, Wildschweine fressen sich an den Eicheln satt. Statt Äpfel kriegen wir nun Baumnüsse geschenkt. Die Blätter fallen im Herbstwind. Doch wir machen uns nichts vor: Die Tage hier in der Türkei sind für uns gezählt. In der Nacht liegen die Temperaturen auf 1500 Meter oft unter dem Gefrierpunkt, das Limit für unsere Ausrüstung. Bald wird es hier schneien. Die immer längeren Nächte und damit die kürzere Spielzeit für unsere Kinder drängt uns zum Weiterplanen unserer Reise. Was wollen wir? Noch brauchen wir sichere Länder fürs unbeschwerte Zelten, möchten wir unsere Kinder Familie und Freunde nicht nur virtuell erleben lassen, brauchen auch wir zwischendurch eine echte Pause. Und so buchen wir einen Flug nach Hause, um dort ein paar Wochen zu verbringen, bevor es weitergeht - mit etwas angefressenem Weihnachtsspeck, in einen hoffentlich frühen Frühling.
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  • Güle Güle

    November 8, 2022 in Turkey ⋅ ⛅ 19 °C

    Eine letzte Türkei Etappe führt uns in die Schluchten und Weiten des Karaman-Bergplateaus. Halbwüste, Oasentäler. Und dann: Eine lange Busfahrt zurück ans Meer. In Cirali verbringen wir ein paar Tage am Strand. Auch hier ist es herbstlich geworden. Nur noch ein paar russische Touristen tummeln sich in dem kleinen Badeort, der kaum etwas mit den Hotelburgen östlich von Antalya gemeinsam hat. Von hier aus folgen wir dem Lykischen Weg Richtung Camyuva. Eine knochenharte Allradpiste, oft zu steil zum Fahren. Wunderschöne, einsame Buchten, die in so krassem Gegensatz zu den sonst überbauten Stränden stehen. Trotz der Anstrengung geniessen wir es. Schon bald sagen wir: "Güle Güle Türkiye." Wir werden wiederkommen. Mashallah.Read more

  • Aprilwetter im Februar

    February 9, 2023 in Spain ⋅ ☁️ 17 °C

    Ein Flug, ein Jahreszeitensprung. Fuerteventura empfängt uns nach zwei Monaten Reisepause in der Schweiz mit frühlingshaften Temperaturen. Wenn nur der Wind nicht wäre. Zumindest wissen wir so von der ersten Minute an: Fahren können wir da nur in eine Richtung, nämlich gegen Südwesten. Ein Glück, dass der Hafen für die Fähre nach Gran Canaria auch in dieser Richtung liegt. So passt's. Nach ein paar Tagen in der Halbwüste setzen wir auf die viel grünere Insel über. Kurbeln bald Höhenmeter um Höhenmeter hoch. Steil ist es hier, die Barrancos schneiden tiefe Rinnen in die Inselflanken, zwingen uns rasch wieder fit zu werden. Nach 180km haben wir 4500 Höhenmeter in den Waden. Die schroffe Vulkanlandschaft von Gran Canaria ist eindrücklich. Und wenn man es von den mit Mietautos befahrenen Hauptrouten weg schafft, auch schön zum Fahren. Das Wetter spielt verrückt, ist unbeständig und kalt in den Bergen. Auf Lanzarote werden Starkniederschläge und Hagel gemeldet, auf Teneriffa schliessen die Zugänge zum Teide wegen Schneefall. Trotzdem schaffen wir es, meistens nicht nass zu werden, geniessen Mandelblüten, fantastische Schotterstrassen, Lavafelsen und das Meer. Immer wieder ecken wir aber auch an: Die Hostels wollen meistens keine Familien beherbergen und die sonstigen Unterkünfte sind so geschniegelt, dass die Besitzer besorgt sind, unsere Velos und Kinder könnten in den Booking Bewertungen negativ ins Gewicht fallen. Und so erleben wir die Kanaren bis jetzt ein bisschen wie das Wetter: Als Wechselbad zwischen Sonnenschein und Regenwolken.Read more

  • Sturm am Teide

    February 21, 2023 in Spain ⋅ ⛅ 20 °C

    Manchmal braucht es auf Reisen einfach etwas Glück. Einen Schutzengel oder vielleicht auch zwei. Und am Ende hilft wohl auch die jahrelange Reiseerfahrung. All das brauchen wir, als wir in den nächsten Tagen Teneriffa durchradeln. Der Norden der Insel empfängt uns subtropisch: Warm, feucht, grün. Den Berg hoch gehts wie im Lift: Nach 10km sind wir schon auf 1000 Meter. Richtung Süden, durch den Teide Nationalpark haben wir unsere Strecke geplant. Bald ist es wieder vulkanisch und trocken um uns. Der Brunnen auf unserer Karte hat kein Wasser, die Flaschen leeren sich. Wenn wir Autofahrer nach Wasser fragen, kriegen wir höchstens ein mitleidiges Lächeln. Wir durchbrechen ein Nebelband, warmes Abendlicht, vor uns himmelhoch der Teide. Glücksgefühle. Dazu finden wir auch noch Schmelzwasser. Es tropft von einem Tuffstein und ein hellsichtiger Strassenarbeiter hat darunter ein Salatschüssel grosses Becken ausgemauert. Daraus schöpfen wir sechs Liter, genug für die Nacht. Ein windgeschützter Zeltplatz, ein glasklarer Himmel voller Sterne. Die Wettervorhersage ist gut. Trotzdem erleben wir in dieser Nacht einen Wettersturz wie aus dem Lehrbuch. Sturm und Eisregen. Als auch am nächsten Mittag keine Besserung in Sicht ist, nutzen wir unser Glück, dass wir hier in unserem Biwak auf 2300 Meter noch Internet haben und organisieren ein Taxi. Eine halbe Stunde draussen im Whiteout, alles ist innert Minuten mit einer Eisschicht überzogen. Dann gehts im warmen Auto rasch runter vom Berg. Von nun an bleiben wir dem Sonnenschein treu: Genussradeln auf der alten Küstenstrasse, unspektakulär aber ruhig. Dann ein paar Tage am Meer. Das Abenteuer am Teide: Geschichte.Read more

  • Angekommen

    March 7, 2023 in Morocco ⋅ 🌙 20 °C

    Oft erzählen wir unseren Kindern Geschichten zum Einschlafen. Um etwas herunterzufahren von all den Reiseeindrücken, die auf sie einprasseln. So auch die Geschichte von einem Storch, der nun von Afrika seinen Weg Richtung Europa sucht. Es ist Frühling hier nördlich der Sahara und es scheint, auch uns zöge es mit den Störchen nordwärts. Nach einem Monat auf den Kanaren landen wir in Marokko. Und haben wir anfänglich noch gezögert, mit den Kindern den Schritt weg von Europa zu machen, wissen wir schon nach einem Tag: Genau das haben wir gebraucht. Weg von Booking Ratings und dicken Portmonees, hin zu freundlichen Menschen, Leben in den Strassen, kaum einem Auto auf der Bergstrecke von Ait Baha Richtung Tafraout. Vom ersten Meter an überwachen uns die Forces Auxiliaires. Diskret tauchen die lokalen Sicherheitsleute ab und zu per Motorrad auf, wenn wir etwas länger für eine Strecke brauchen. Die ersten Übernachtungsplätze werden dann auch von diesen organisiert. Uns ist es egal, wir geniessen die blühenden Mandelbäume, das Unterwegssein, die Berge. Lange haben wir den Anti Atlas links liegen gelassen und merken nun rasch, dass dieser Teil von Marokko einer der schönsten ist. Nach Tafraout wird es einsam, die Forces Auxiliaires verlieren unsere Spur. Hinauf auf eine karge Hochebene, hinein in die trockenen Berge am Rand der Sahara. Hoch oben auf dem Tiz-n-Tleta erleben wir die perfekte Zeltnacht: Mondlicht, Stille, mit weitem Blick hinaus in die Wüste. Am nächsten Morgen dann die Fahrt hinunter in die Oasenschlucht von Tagmout: Palmengrün im Kontrast mit den rotbraunen Felswänden, die nächsten 45km ein Throwback in die Wüstenstrecken unserer grossen Reise: Taklamakan, Western Desert, Namib, Hajar, Negev. Wir fühlen uns zuhause, angekommen im Rhythmus der Langzeitreise. Über uns kreist ein Schwarm Störche im Abendlicht.Read more

  • Die Welt erklären

    March 15, 2023 in Morocco ⋅ ⛅ 27 °C

    Wie erkläre ich einem Kind die Welt in ihrer ganzen Vielfalt? Dass es Berge und Seen gibt, aber auch Wüste? Dass kein Mensch wie der andere ist, und dass wir doch alle die gleichen Bedürfnisse haben? Man könnte zum Bilderbuch von Oliver Jeffers greifen, auf dem diese Fragen und darin seine Antworten zu finden sind. Oder man zieht in die Welt hinaus. Denn was anderes machen wir, als unseren Kindern die Welt zu erklären, wenn wir mit ihnen reisen? So wie Oliver Jeffers es tut: "Menschen müssen essen, trinken und sich warm halten. Das ist sehr wichtig." Du wartest am Morgen ungeduldig auf den Sonnenaufgang, denn dann sind deine Hände nicht mehr kalt. Nicht überall fliesst Wasser aus dem Hahn. Kommt es aus dem Ziehbrunnen, schmeckt es vielleicht ungewohnt staubig oder salzig. Dann findest du es erstmal "bähhh", aber am Ende merkst du, es löscht deinen Durst. Ein paar Steine und Äste genügen zum Spielen. Daraus kannst du ein Haus bauen, einen Ziegenstall, eine Stadt. Wenn ein anderes Kind unterwegs mitten in der Wüste seine Spielsachen mit dir teilt, dann bist du nett und schenkst ihm zum Frühstück von deinen Rosinen. Und die süssen Datteln, die dir so schmecken, wachsen an den Palmen, unter denen du gerade badest. Den Ort, welchen du nicht mehr verlassen willst, ist einer unter vielen, an denen du dich wohl fühlen kannst. Darum lohnt es sich auch immer, um die nächste Ecke zu schauen. Am Himmel hat es Sterne. Oder Planeten: Der Mars ist orange, Saturn und Venus leuchten als "Abendsterne", bevor es Nacht wird. Ja, den Mond kannst du auch am Tag sehen. Und wenn er blutrot am Abendhimmel aufsteigt, ist das nicht "ein anderer Mond", wie du zuerst meinst, sondern immer derselbe. So wie auch die Erde immer dieselbe ist, auch wenn sie so unterschiedlich sein kann. "Achte gut auf sie, denn sie ist die einzige, die wir haben."Read more

  • Rückzugsorte

    April 1, 2023 in Morocco ⋅ ☀️ 24 °C

    Kennst du die Geschichte von der Schildkröte Miracula? Eines der Bilderbücher, das wir im Gepäck dabei haben. Miracula mag ihren Panzer nicht mehr. Er ist ihr zu unbequem und zu schwer. So lässt sie ihn einfach liegen. Von da an steht ihr Leben auf dem Kopf. Sie ist zwar nun schneller, hat aber ihren Rückzugsort verloren und rennt gestresst einer Gefahr nach der anderen davon. Hätte sie bloss ihren Panzer nicht aufgegeben! Jeder braucht von Zeit zu Zeit einen ruhigen Ort. Für unsere Kinder ist es der Anhänger, in den sie sich zurückziehen können, oder das Zelt. Nach ein paar Velotagen am Stück merkt man ihnen an, dass sie müde werden. Dann brauchen wir ruhige Tage in einem Hotelzimmer. Zeit zum Spielen. Aber auch unterwegs, bei einem Halt an einem Bach rückt manchmal der Reisealltag weit weg. Ein Schilfwedel wird zur Angel, eine alte Zahnbürste zur Steinputzmaschine. Als wir zuhinterst im Tessaout Tal Amezri verlassen, nach einer mühsamen Mittagspause mit übermütigen Dorfkindern um uns, als es still wird und wir in der späten Nachmittagssonne dem Pass auf 2800 Meter entgegenkurbeln, ist auch das für uns ein Rückzugsort. Später das Zagrosgebirge: Einsamkeit, dramatische Schluchten und verwitterte Felsen. Eine alte Kolonialstrasse, Stein für Stein in die Berge gebaut. Auch das ein Rückzugsort? Sie machen süchtig, solche Strecken, auch wenn wir daran zu beissen haben, wie Miracula an ihrem Panzer. Alles gehört dazu: Die schweren Anhänger, unsere Kinder, die uns fordern, Steine und Staub, verschwitzt und erschöpft in den Schlafsack zu kriechen. Dieses Camp hoch über der Quelle des Oued Aoundraz: Wie könnte das nicht ein Ort sein, an dem wir Energie tanken? In der Dämmerung, unter den Palmen des Assif Tanguerfa wollen unsere zwei einmal mehr das Bilderbuch der Miracula hören. Wie die Geschichte ausgeht? Die Schildkröte wünscht sich nach all den anstrengenden Begegnungen nichts mehr als ihren Panzer zurück. Zum Glück liegt er da ganz plötzlich vor ihr: "Sie kroch hinein. Nun wollte sie zufrieden sein - und schlief vor Müdigkeit gleich ein."Read more

  • Gute Erinnerungen

    April 17, 2023 in Morocco ⋅ ☀️ 32 °C

    In ein paar Tagen fliegen wir für zwei Monate von Marokko nach Hause. Was wir noch zu erzählen haben? Vielleicht das: Als wir den Atlas über einen letzten Pass verlassen, hält ein französisches Reisepaar an unserem Mittagsplatz. Irritiert, dass wir mit zwei kleinen Kindern und per Fahrrad unterwegs sind. Die rhetorische Frage, das Urteil für sich längst gemacht: "Und was denkt ihr, wie das für eure Kinder ist - fahren sie gerne mit euch herum?" Unsere Antwort entsprechend, zuckersüss, vereinfacht: "Klar, sie finden es fantastisch!" Die Frau wirft einen misstrauischen Blick in Saroo's Anhänger. Er schläft, hängt in seinen Gurten, den Kopf vornüber - ungemütlich. Ein ironischer Blick zu mir zurück: "Ça donne des bons souvenirs!" Gesagt, eingestiegen, weitergefahren. Und, wie ist es tatsächlich, unser Reiseleben? Dave und Eleanor von @designedtoexplore, die uns immer wieder mit ihren Instagram Posts inspirieren, haben einmal geschrieben: "Elternsein ist anstrengend, Elternsein und sich dazu an seine körperlichen Grenzen zu bringen ist verrückt." Mit unseren beiden Kindern zu reisen ist wundervoll. Gleichzeitig ist es fordernd bis zum Umfallen. Unsere zwei lieben es unterwegs zu sein. Und manchmal hassen sie es. Es gibt die glücklichsten Momente, welche man sich für eine Kindheit wünschen kann, aber auch Geschrei, Tränen und Enttäuschung. Und irgendwo zwischen diesem "Schwarz-Weiss" liegt sie, die lange Antwort auf die Frage, die so lapidar daherkam. Die Helden dabei: Unsere Kinder. Danke ihr zwei, dass ihr uns immer wieder die Welt zeigt!Read more

  • Und jedem Anfang

    August 1, 2023 in Kyrgyzstan ⋅ ☁️ 18 °C

    Und jedem Anfang wohnt ein Leiden inne. So ähnlich wäre wohl Hermann Hesses berühmte Zeile ausgefallen, hätte er sie auf dem Fahrrad geschrieben, am Kaldamo Pass in Kirgistan, bei 30 Grad, im Staub und mit zwei Kindern im Schlepptau. Nach zwei Monaten Reisepause sind wir so unfit wie letzten Sommer, als wir zu unserer ersten Fahrt mit unseren Zwillingen aufgebrochen sind. Doch die Motivation ist hoch. Schnell hatte uns nach der Rückkehr aus Marokko der Alltag wieder im Griff. Zehn Wochen Metro, Boulot, Dodo. Oder wie Hesse es weiter dichtet: "Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen, Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen." So packen wir unsere dritte Reiseetappe an. Die Luft um uns wird klarer, der Staub bleibt unten im Tal hängen, 3000 Meter, hier ist es kühler. Blumenmatten und Bergbäche. Ach, Kirgistan: Schon das dritte Mal durchradeln wir nun dieses Land. Vor zwölf Jahren waren wir das erste Mal hier, im Herbst. Damals haben wir geschrieben: "Schweizer Nationalpark, tagelang. Glasklare Bergseen, wilde Täler, Tannenwald. Die Sonne treibt das Harz aus den Stämmen, es duftet nach Heimat." Auch diesmal fühlen wir uns rasch heimisch. Und als wir nach den ersten zwei Wochen zum Song Köl hochkurbeln, diesem blauen Wunder, eingerahmt von hohen Bergpässen und dunklen Gewitterwolken, haben sich auch unsere Muskeln wieder daran erinnert, wie das Pedaltreten geht. Wir geniessen es, unterwegs zu sein und unsere Kinder draussen spielen zu sehen. Mit dem, was es hat: Schlamm, Steine, Blumen und Äste. Sie scheinen damit glücklich zu sein. Und wir sind es auch. Die Anfangs Wehwehchen? Vergessen! Wir sind zurückgekehrt in den Reisemodus. Aufgebrochen, im Anfang noch. "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." Wie recht er doch hatte, der Hesse. Man muss Gedichte ja nicht gerade dann schreiben, wenn der Weg am steilsten ist.Read more

  • Tauschhandel

    August 19, 2023 in China ⋅ ☀️ 30 °C

    Reisen ist immer ein Tauschhandel. Gewohntes  gegen Unbekanntes. Heimat gegen Fremde. Disneyland gegen Abenteuer. Im unverständlichsten Fall Geld gegen Souvenirs. Wobei das Ansichtssache ist. Denn wir tauschen als Fahrradreisende unter anderem volle Bäuche gegen ständigen Hunger. Und das mag ebenfalls unverständlich erscheinen. Das wichtigste für uns unterwegs ist das Essen. Zentralasien ist dafür der denkbar ungünstigste Ort. Irgendwie beschränkt sich hier das Essen auf eine Art Notwendigkeit. So kommt es, dass man Instagram Posts von Kirgistan Radlern findet, welche sorgfältig Foodmonotonie und Lebensmittelvergiftungen im Tausch gegen wilde Landschaften und Highlight Zeltplätze abwägen. Meistens kommen diese dann zum Schluss, dass das ein fairer Tausch sei. Auch uns haut es nach dem Pausentag am Song Köl der Reihe nach um und wir machen eine Woche lang Zwangspause in Kochkor. Danach schlottern die Hosen noch ein wenig mehr und der Hunger kommt noch etwas schneller. Tauschangebot? Eine super Strecke über den Semiz Bel Pass. Eine einsame Fahrspur, weites Grasland, ein Stück Mongolei in Kirgistan. Ein fairer Handel? Zumindest ein würdiger Abschluss, bevor wir aus den Bergen hinaus in die Weiten Kasachstans fahren. Mit China in Aussicht. Was wir dort als erstes machen werden? Essen!Read more

  • Oh wie schön ist Panama

    September 10, 2023 in China ⋅ ☁️ 26 °C

    Das Reisen geht bei uns durch den Magen. Soweit alles klar, darum sind wir nun nach Zentralasien in China. Doch was für das Essen zutrifft, stimmt manchmal auch für unsere Entscheidungen. Ursprünglich als kurzer Transit in die Westmongolei gedacht, wissen wir nach dem ersten chinesischen Nachtessen: Das lassen wir uns so schnell nicht wieder nehmen. Einen Monat lang gut essen, das tönt erstmals nach dem Land unserer Träume. Es geht uns wie Janoschs Bär, der im Fluss eine leere Bananenkiste aus Panama findet. "Weisst du," sagt er dann zu seinem Freund dem Tiger, "in Panama ist alles viel schöner, denn Panama riecht von oben bis unten nach Bananen. Panama ist das Land unserer Träume. Wir müssen sofort morgen nach Panama." Auch wir entscheiden uns ruckzuck: Ein Duft in der Nase, die Aussicht auf ein Land, das von oben bis unten nach gutem Essen riecht. Ein Bauchentscheid eben. Wir gönnen uns die vollen 30 Tage China. "Wenn man den Weg nicht weiss", sagte der Bär, "braucht man zuerst einen Wegweiser." Auch wir brauchen nun einen Plan. Rein in den Nachtzug, zwölf Stunden später ausgestiegen in Urümqi. Dann noch einmal neun Stunden in den Hochgeschwindigkeitszug bis Xining. Als wir vor 14 Jahren durch die Taklamakan gefahren sind, haben wir uns über die Gleisarbeiten mitten im Sand lustig gemacht. Heute rasen wir mit 250km/h durch die Wüste. Dörfer sind zu Städten geworden, Erdpisten zu Autobahnen. Trotzdem finden wir es noch, das ländliche China. Die schmalen, kaum befahrenen Wege durch die Berge. Bald wehen um uns Gebetsfahnen auf den Pässen, grüssen wir wieder mit Taschi Delek statt Ni Hao. Das erste Mal erreichen wir mit unseren Kindern 4000 Meter. Die Landschaft öffnet sich unter dem Himmel. "Hier ist alles viel grösser", rief der kleine Tiger. "Panama ist so wunderbar wundervoll schön. Nicht wahr?"Read more

  • Momente

    October 5, 2023 in Mongolia ⋅ 🌩️ 9 °C

    Auch wenn wir Orte bereisen, an denen wir schon waren, erleben wir sie mit unseren Kindern noch einmal neu. Wie Janoschs Bär, der zuhause ankommt und es nicht wiedererkennt, meint, er sei in einem neuen Land gelandet. Wir reisen langsamer. Auf einer Strecke, auf der wir vor Jahren einfach durchgefahren sind, vergehen nun rasch drei Wochen, in denen uns nicht langweilig wird. Genau so geht es uns, als wir nach zwei Nächten Zugfahrt die Mongolei erreichen. Mit unseren kurzen Tagesetappen könnten wir uns hier rasch in der Weite verlieren. Und so landen wir am Ende am bekannten Orkhon. In seinen Seitentälern waren wir aber noch nie unterwegs und sie scheinen für eine Runde mit kleinen Kindern geeignet. Mongolei, wie man sie sich vorstellt: Nomaden, Jurten, Pferdeherden. Menschen um uns, falls etwas schiefläuft. Die Lärchen färben sich, die Nachttemperaturen purzeln rasch unter null Grad. Noch zwei, drei Wochen, dann versinkt hier alles in eisiger Kälte. Durch unsere Köpfe ziehen Bilder. Dampfender Milchtee in einer Jurte, das krachende Eis am Khövsgöl See. Weit ist sie weg, unsere Fahrt durch die Mongolei im Winter. Und doch plötzlich wieder ganz nah. Bei den heissen Quellen oben im Tal des Mogoit sitzen wir einen stürmischen Tag aus. Eine Horde betrunkener Mongolen feiert, als gäbe es kein Morgen. Vielleicht grölt da auch der Herbst sein letztes Lied zum Tanzen der ersten Schneeflocken. Vielleicht gibt er eine letzte Runde aus, im Wissen, dass er bald die Segel streichen muss. Auch für uns sind die Tage hier gezählt. 

    Noch hält die Wärme des Abends in unserem Zelt. In den frühen Morgenstunden wird die Kälte in die Schlafsäcke kriechen und die Atemluft als feine Eisschicht am Aussenzelt kondensieren.  Die Kinder schlafen. Sie können bloss erahnen, dass diese Zeit bald zu Ende geht. Dreimal drei Reisemonate - was wird ihnen bleiben? In einigen Wochen wird dieser Abend zu Bruchstücken zerfallen sein, zu Erinnerungen. Doch nun liegen wir da und geniessen den Moment, sprechen über Vergangenes und Neues. Diese Reise, sie wird sich nicht wiederholen, wie auch keine andere. Und trotz des Endes, das jetzt ansteht, ist es gut so. Es werden neue Momente kommen, voller Schönheit. Denn "in jedem Ende liegt ein neuer Anfang".
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    Trip end
    October 10, 2023