• Jens Hasper
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Aus dem Alltag - In das Leben

Dezember 2018 - März 2019 Läs mer
  • Hop Off an der Copacabana

    8 maj 2019, Bolivia ⋅ ☀️ 10 °C

    Nein, ich befinde mich nicht an der weltberühmten Copacabana in Rio de Janeiro, sondern im kleinen beschaulichen gleichnamigen Dörfchen am Titicacasee an der Grenze zwischen Bolivien und Peru. Die Sonne scheint, das tiefblaue Wasser reicht bis zum Horizont, an der kleinen steinigen Hafenbucht lässt sich aus einer der vielen Bars und Cafés wunderbar das Treiben der Fischerboote und Ausflugsboote beobachten. Alles wirkt wie an einem kleinen südeuropäischen Dörfchen irgendwo am Mittelmeer. Kaum vorstellbar, dass ich mich gerade auf knapp 4000 m Höhe befinde und auf den höchsten schiffbaren See der Welt blicke.

    Seit heute hat für mich erstmal eine neue Form des Reisens begonnen. Nicht nur, weil ich ja leider seit nunmehr einer knappen Woche auf mich alleine gestellt bin und ich auf die wunderbare Begleitung von Susi verzichten muss, sondern auch weil ich die nächsten Tage hauptsächlich mit Bus unterwegs sein werde. Mein Ziel ist es, in circa einer Woche in Cusco zu sein. Fliegen war mir zu teuer und ich hatte außerdem das Gefühl, dass ich bei einem zweistündigen Flug, einen Großteil des schönen Boliviens und Perus mit Sicherheit verpassen werde. Eher zufällig bin ich bei meiner Reiseplanung auf das junge Unternehmen „Bolivia Hop“ gestoßen. Dieses Busunternehmen wurde von einigen jungen Iren gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt haben, für Reisende (und insbesondere auch für nicht spanisch sprechende Reisende wie mich) eine sichere Form des Reisens zu schaffen, um die Schönheit Boliviens und Perus ohne Bedenken in vollen Zügen genießen zu können. Schaut man nämlich in diverse Reiseberichte oder auch auf die Seite des auswärtigen Amtes, so wird immer wieder vor dem Risiko einer Busreise in diesen beiden Ländern gewarnt: unverantwortliche Busfahrer mit halsbrecherischem Fahrstil, Überfälle und sogar Entführungen von Reisebussen, Diebstahl von Gepäck, usw. . Mit „Bolivia Hop“ soll man sich über solche Ereignisse keine Gedanken machen müssen. Das Unternehmen stellt sichere bequeme Busse mit zuverlässigen Fahrern und jede Fahrt wird von einem lokalen englischsprachigen Guide begleitet, der jederzeit unterstützen kann (z.B. beim Grenzübergang, bei der Organisation von Hostels oder Ausflügen, usw.). Als Sahnehäubchen wird eine flexible Form des Reisens ermöglicht, da man an verschiedenen reizvollen Orten jederzeit aus- und zusteigen kann (Hop-on / Hop-off System) und die Aufenthaltsdauer an jedem Ort Reise und spontan wählen kann. Zudem wird der Austausch und Kontakt zwischen den Reisenden gefördert, so dass man relativ schnell Anschluss findet (sofern man das möchte). Für die insgesamt knapp viertägige Busstrecke von La Paz nach Cusco zahle ich gerade mal 79 Dollar. „Kannste nix sagen“ (um es in den Worten von Susi auszudrücken) 🙂

    Mein erster Eindruck von „Bolivia Hop“ ist durchaus positiv, als ich früh morgens in La Paz den Bus betrete. Bequeme Sitze, ordentliche Beinfreiheit, sehr gemischte Altersklasse von 18 bis 65. Die Guides sind freundlich, auch wenn sie für meinen Geschmack manchmal etwas übertrieben cool wirken wollen. Jeder Satz beginnt mit „My friends,...“ und beim dritten Mal hat es dann hoffentlich auch jeder verstanden, dass die Toiletten nur für „Number One“ sind 😂 Im Bus treffe ich auch Christoph, einen Winzer aus Koblenz, wieder, mit dem ich gestern in La Paz gemeinsam die Stadtführung gemacht habe. Anscheinend hat ihm mein Tipp mit Bolivia Hop zugesagt und wir werden somit auch die nächsten beiden Tage gemeinsam auf den Ausflügen unterwegs sein. Christoph ist bereits seit zwei Jahren auf Reisen und mir sehr sympathisch , da er nicht wie viele andere Reisende von sich aus losschießt, was er ja schon alles Tolles erlebt hat. Ich denke, wir werden auch in Deutschland in Kontakt bleiben. Zu unserem kleinen elitären Kreis gesellt sich noch eine etwas ältere Amerikanerin aus Pensylvenia (wahrscheinlich so Mitte 50, aber jung geblieben), die sehr aufgeschlossen und ebenfalls froh über Anschluss ist.

    Nach wenigen Stunden Busfahrt und einer kurzen Überquerung des Titicaca-Sees auf einem Holzfloß (!!!) erreichen wir unser erstes Ziel. Copacabana entpuppt sich als absolut positive Überraschung für mich. Ich bin ohne Erwartungen angereist, aber ich fühle mich von Anfang an wohl. Das liegt mit Sicherheit auch am sonnigen warmen Wetter, an der schönen Szenerie mit Blick auf den See, den überschaubaren Gassen mit netten Bars und Restaurants und auch an meiner Unterkunft, die ein echter Glücksgriff ist. Für knapp 17 Euro die Nacht habe ich ein schönes geräumiges Einzelzimmer und kann in den Hängematten des kleinen schön gepflegten Gartens verweilen. Highlight ist die kleine Alpaca-Familie, die den Garten mit mir teilt und mich freundlich begrüßt. Ich könnte stundenlang einfach nur hier „abhängen“ und das Treiben dieser putzigen Tiere beobachten (übrigens scheinen sie den Rasen auf perfekter Länge zu halten, besser als jeder Rasenmäher. Vielleicht eine Überlegung für zu Hause wert... 😉).

    Am Nachmittag erwartet mich dann noch eine kleine Bootstour zur Isla del Sol, der angeblichen Geburtsstätte der Inkas. Hier soll der Sonnengott die ersten Inkas erschaffen haben, Auf der Insel befindet sich daher auch ein kleiner Inka-Tempel zu Ehren des Sonnengottes, eine schnörkellose Steinhütte, die für meinen Geschmack wenig spektakulär ist (dafür, dass hier der Ursprung des Inka Reiches war?!). Der Ausflug ist trotzdem schön, ein kleiner einstündiger Spaziergang mit doch recht steilem Aufstieg (auf 4000 m muss man da schon etwas mehr Luft holen) verschafft uns ein tolles Panorama über die Insel, welche mich ein wenig an die schönen Mittelmeerinseln Griechenlands erinnert.

    Am späten Nachmittag wieder zurück in Copacabana beschließen Christoph und ich, den Abend mit einem kühlen Bierchen auf einer Anhöhe neben der Hafenbucht abzuschließen, ein Tipp von Christophs Superhost Maria für einen wunderbaren Sonnenuntergang. Es heißt also nochmal tief durchatmen und die steilen Treppen auf einen hohen Felsen erklimmen. Wie so oft in Südamerika werden wir bei unserem Ausflug von einem treuen Straßenhund begleitet, der immer wieder geduldig auf uns wartet. Der Aufstieg lohnt sich. Auf dem Gipfel befindet sich eine kleine Kapelle, mehrere große geschmückte Kreuze und Marienstatuen (wie ich später erfahre, ist dieser Gipfel ein wichtiger Wallfahrtsort der Katholiken in Bolivien). Und wir haben natürlich auch einen wunderbaren Ausblick auf Copacabana und den riesigen Titicaca-See. Ich kann immer noch nicht realisieren, dass wir auf 4000m sind. Tief unter uns können wir die kleinen Bootchen verfolgen, die friedlich ihren Weg zwischen der Isla Del Sol und Copacabana absolvieren. Ein chilenisches Pärchen nimmt auf den Stufen vor uns Platz und gibt melodische Gitarrenmusik mit Gesang von sich, welche nur kurz vom erfrischenden Zischen beim Öffnen unserer Bierdosen unterbrochen wird. Ein meditativer Ort, der mir in Erinnerung bleiben wird.
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  • Fussball spielen auf schwimmenden Inseln

    9 maj 2019, Peru ⋅ ⛅ 15 °C

    Ich blicke aus dem linken Fenster unseres Ausflugsbootes. Auf einem mehrere Meter hohen Bambusgeflecht befindet sich ein kleiner improvisierter Fussballplatz mitten auf dem Titicaca-See. Die Grenzen des Platzes sind auf natürliche Weise durch den Uferrand der schwimmenden Insel vorgegeben. „Das Spiel muss hier häufig unterbrochen werden...“ informiert uns unser Guide. Nämlich praktisch immer dann, wenn der Ball im aus landet und man den Ball mit einem kleinen Boot wieder aus dem Wasser fischen muss. Ich wundere mich da kaum, dass es Bolivien noch nicht zur Weltmeisterschaft geschafft hat... 😂

    Ich befinde mich wenige Kilometer vor der Küste der peruanischen Hafenstadt Puno auf dem Lake Titicaca. Für heute steht ein Tagesausflug zu den Floating Islands an, die inzwischen den Schutz des UNESCO-Weltkulturerbe genießen. Auf etwa 90 schwimmenden Inseln lebt hier eine peruanische Gemeinschaft von etwa 2000 Einwohnern. Es gibt eine Schule, Kindergarten, ein kleines Krankenhaus, ein paar Werkstätten, ein Verwaltungsgebäude, einen kleinen Marktplatz, usw.. Also praktisch alles, was ein kleines Dorf benötigt um autark zu sein. Die Einwohner haben das Recht, jederzeit ihre Landfläche zu erweitern. Wie wir erfahren, werden hierzu viele Erdblöcke zusammengebunden und mit einer ganzen Menge Bambus aufgestockt, um sowohl den benötigten Auftrieb als auch eine Feuchtigkeitsisolierung zu gewährleisten. In ca. 6 Monaten kann mit dieser Technik dann eine neue schwimmende Insel geschaffen werden, auf der dann primitive Hütten für Familien errichtet werden können.

    Als wir unseren Ausflug im Hafen von Puno starten, merke ich schnell, dass die Floating Islands inzwischen vom Massentourismus überschwemmt werden. Zig Boote schwärmen gleichzeitig zu den Inseln aus, und das im 2-Stunden-Takt. Auf der Insel winkt uns bereits die ansässige Familie freundlich zu und begrüßt uns mit einem traditionellen Lied. Dann erfahren wir die wesentlichen Informationen zur Entstehung der Inseln und zur Lebensweise der Familien und besichtigen ihre kleinen Hütten. Im Anschluss werden dann natürlich einige Tische mit Souvenirs ausgebreitet, mit der Bitte die Familien mit einem Kauf zu unterstützen. Abschließend werden wir dann noch für 10 Minuten in einem traditionellen Reed-Boot chauffiert (natürlich gegen einen extra Obulus) und nach einer knappen Stunde ist das Spektakel dann auch schon vorbei. Auch wenn die Einwohner sehr freundlich und die Floating Islands durchaus auch interessant waren, stehe ich solchen inszenierten Ausflügen etwas skeptisch entgegen. Umso besser, dass wir unseren Ausflug noch auf die Insel Taquile fortsetzen, die ähnlich schön wie die Isla Del Sol ist und abseits des Massentourismus liegt. Neben einem schönen Spaziergang und einem Mittagessen erfahren wir hier einiges über die Sitten und Bräuche der Einwohner. Die Menschen hier verbringen insbesondere viel Zeit mit dem Weben von Mützen und Gürteln. In Erinnerung bleibt mir ein schönes Hochzeitsritual, bei dem die Gürtel von Mann und Frau als Zeichen der Vereinigung vom Ehemann zusammengebunden werden und anschließend von ihm ähnlich wie ein Ehering getragen werden. Übrigens lässt sich auch am Muster der Mützen (die hier jeder Mann trägt) erkennen, ob er noch Single ist. Praktisch, eine etwas andere Form der Partnerbörse. Anscheinend wird hier noch nicht „getindert“ 😂

    Ich bin jedenfalls froh, mich heute für einen Tagesausflug entschieden zu haben, um dem eher hässlichen Puno entfliehen zu können. Ganz anders als Copacabana lädt Puno so gar nicht zum Verweilen ein: laut, viel Verkehr, dunkel. Manchmal setzt sich auch einfach der erste Eindruck fest, aber ich habe mich von Anfang an nicht wohl gefühlt, als ich gestern Abend im Dunkeln und im Regen vor meinem wenig einladenden Hostal herausgelassen wurde. Das Zimmer ist zwar sauber, aber äußerst spartanisch, in die Jahre gekommen, kalt und dunkel. Ich war froh, am Abend schnell eingeschlafen zu sein und am frühen Morgen das Zimmer wieder verlassen zu können. Mit 19 Euro die Nacht war es sogar etwas teurer als meine schöne Unterkunft an der Copacabana, an die ich bereits jetzt wehmütig zurückdenke.

    Immerhin der Grenzübergang von Bolivien nach Peru verlief zuvor heute Nachmittag überraschend reibungslos. Ich war fast verwundert, dass die Abfertigung digital und mit Webcam verlief, fast schon europäischer Standard 😉 Meine Freude, als ich meinen Fuß auf peruanischen Boden gesetzt habe, war allerdings nur von kurzer Dauer. Verdammt, ich habe meine Jacke im Bus gelassen. In der Ferne sehe ich, wie dieser bereits wieder die Rückreise nach Copacabana angetreten hat. Noch zuversichtlich darüber, dass mir die Jacke in den nächsten Tagen nachgesendet werden kann, informiere ich sofort unseren neuen peruanischen Guide. Leider erfahre ich am nächsten Morgen per e-mail, dass meine Jacke nicht gefunden wurde. Ich werde mit dem Verlust leben müssen, aber die Situation ist schon etwas seltsam. Als ich dann am Abend meine Tasche auspacke, muss ich einen weiteren Verlust feststellen. Ich habe mein praktisches Campinggeschirr in meinem Zimmer in Copacabana liegen lassen. Auch hier wurde auf Nachfrage bei der Unterkunft leider nichts gefunden. Äußerst merkwürdig. Ein rabenschwarzer Tag für mich. Wenn Susi noch bei mir gewesen wäre, wäre mir das sicher nicht passiert. Ich vermisse das Vier-Augen-Prinzip 😔 (@Susi: immerhin habe ich meine Sonnenbrille noch nicht verloren... 😉). Ich versuche den Verlust schnell abzuhaken und drücke fest meine Daumen, dass ich für den Rest meiner Reise von ausgiebigen Regenfällen verschont bleibe und auf meine schöne Regenjacke verzichten kann. Zumindest reise ich jetzt mit leichterem Gepäck 😄
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  • Weisse Stadt auf schwarzem Pulverfass

    10 maj 2019, Peru ⋅ ⛅ 22 °C

    Zwischenstopp in Arequipa, der angeblich schönsten Stadt Perus. Auch wenn ich Arequipa hauptsächlich als Sprungbrett für den Ausflug zum Colca Canyon nutze, habe ich einen vollen Tag eingeplant, um Arequipa an sich kennenzulernen. Da ich aus Puno mit dem Nachtbus angereist bin, stehe ich bereits um 6 Uhr morgens mit meinem Gepäck in meiner Bleibe für die kommenden 3 Tage (von denen ich allerdings 1 Nacht am Colca Canyon verbringen werde). Ich habe einen guten Griff mit der Auswahl der Unterkunft gemacht. Circa 10 Minuten zu Fuß vom Hauptplatz und geschäftigen Treiben der Stadt entfernt, hat mein Casa del Leonardo einen schönen ruhigen Innenhof und ein für meine Verhältnisse gemütliches Zimmer (dass die Dusche mal wieder nur lauwarmes Wasser ausspuckt, nehme ich inzwischen schon kommentarlos hin). Als Frühaufsteher habe ich heute also ausreichend Zeit für die Stadtbesichtigung und was könnte sich da mehr anbieten, als eine Free Walking Tour zu machen (eigentlich ist der Begriff „Free“ Walking Tour etwas irreführend, denn die Guides geben häufig schon zu Beginn der Tour zu verstehen, welches Trinkgeld sie etwa erwarten. Dennoch sind die Touren mit einem Trinkgeld von meist nur wenigen Euro eine kostengünstige Möglichkeit, in kurzer Zeit die Stadt kennenzulernen).

    Die Tour ist gut besucht und wir ziehen mit einer Gruppe von ca. 20 Leuten um die Häuser Arequipas. Der Guide macht seine Arbeit anständig und ich erfahre eine ganze Menge über die Geschichte der Stadt, deren Stadtbild hauptsächlich durch den Einfluss der spanischen Eroberer geprägt ist: Katholische Kirchen, pompöse koloniale Gebäude und Plätze sowie geradlinige Gassen. Ich fühle mich ein wenig in die schönen spanischen Städte wie Valencia, Salamanka oder Barcelona versetzt. Interessant finde ich übrigens den Ursprung des Namens Arequipa. Dieser ist abgeleitet aus dem Quechua (die ursprüngliche Sprache der Inkas), und zwar von dem Wort „are quepay“, was soviel heißt wie „Ihr dürft bleiben“. Dies soll nämlich der damalige Inka-Herrscher den Spaniern mitgeteilt haben, als diese zu dieser Zeit noch „friedlich“ ins Gebiet des heutigen Arequipa einmarschiert sind. Hätte der Inka-Herrscher geahnt, dass die Spanier wenige Jahrzehnte später das größte südamerikanische Reich der Geschichte gewaltsam für sich beanspruchen, hätte die Stadt wohl heute anders geheißen 😉 Arequipa wird auch die weiße Stadt genannt, nicht nur wegen des hellen Vulkansteins, der die Gebäude erstrahlen lässt, sondern hauptsächlich auf Grund der Herkunft vieler Einwohner, die hauptsächlich aus europäischen Ländern und daher überwiegend weiße Hautfarbe tragen. So beschaulich und freundlich Arequipa wirkt, so sehr täuscht doch der friedvolle Eindruck, denn die Lage könnte geographisch kaum gefährlicher sein. Erbaut am Rand zweier tektonischer Platten wird es immer wieder von starken Erdbeben heimgesucht, das letzte katastrophale erst 2001 mit einer Stärke von knapp 8 auf der Richterskala. Nur die massive koloniale Bauweise mit schwerem Stein und stabilen Rundbögen konnte hier bisher eine vollständige Zerstörung der historischen Gebäude verhindern. Zudem ist Arequipa umringt von drei der größten Vulkane Perus, davon einer noch aktiv. Der letzte große Ausbruch ist erst 250 Jahre her. Wer weiß also, wann dieses Pulverfass mal wieder richtig explodieren wird? Die Gefahr aber mal außer Acht gelassen, verschaffen die Vulkane auf der anderen Seite Arequipa gerade erst diesen einmaligen Ausblick im Hintergrund in nahezu alle Himmelsrichtungen. Schönheit und Gefahr liegen doch manchmal so eng beieinander 🙂

    Unsere Stadtführung macht zu guter letzt auch noch einen kurzen Abstecher an der handwerklichen Wollfabrik für Alpaca-Wolle. Ich lerne hier nochmal die wesentlichen Qualitätsunterschiede von der Wolle kennen, lerne, dass Alpaca-Wolle besser ist als Lama-Wolle (die kratzt 🙁), dass ich mir Viscuna-Wolle wohl nie leisten werde können und dass nicht überall Alpaca drin ist, wo Alpaca drauf steht 😂 Hier im „Factory Outlet“ kann ich mir aber der Qualität gewiss sein, und da aufgrund des Muttertages (Danke Mama! 🙂) auf alles ein 50% Rabatt gegeben wird, sichere ich mir doch glatt ein schönes Baby-Alpaca Stöffchen für zu Hause. Alles richtig gemacht... 🙂

    Der Tag neigt sich dem Ende und wie könnte ich ihn besser abschließen als auf einer der Roof-Top Bars den Sonnenuntergang mit einem Pisco Sour an mir vorbeiziehen zu lassen. Lisa, meine amerikanische Bekannte, begleitet mich noch ein letztes Mal an diesem Abend und stößt zum Abschied mit mir an. Sie wird morgen nach Cusco weiterziehen und dann in ihre Heimat zurückkehren. So ist das mit den Reisenden: kaum Bekanntschaft gemacht, trennen sich die Wege auch schon wieder. Aber Lisa scheint mir eine treue Seele zu sein und ich denke, wir werden in Kontakt bleiben. Einen Kontakt in den USA zu haben, kann sicherlich nicht schaden... 😊
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  • Wenn ich ein Vöglein wäre...

    12 maj 2019, Peru ⋅ ⛅ 15 °C

    Hui, das geht aber ganz schön steil runter. Sehr steil sogar. Ich blicke in ein tiefes Tal hinunter, welches mehr als 1000 m (!!!) unter mir liegt. Etwas schwindelig wird mir bei dem Anblick schon, meine Höhenangst kann ich nicht gänzlich verstecken. Aber dann fokussiere ich meinen Blick wieder nach vorne, ich bin zum Glück abgelenkt. In nur knapp 10 Meter Entfernung befindet sich ein scharfer Felsvorsprung direkt über dem Abgrund. Und auf diesem Felsen sitzt es friedlich, dieses absolut majestätische Tier, der größte Vogel unserer Erde, stolz, fast regungslos. Wie aus einem Bilderbuch. Nur ab und zu bewegt es sanft seinen schmalen Kopf, begutachtet die Umgebung, zupft sich mit seinem Schnabel die Federn zurecht und wartet auf den richtigen Auftrieb, um in die Lüfte zu steigen. Um mich herum Stille, leises Flüstern, Spannung, alle warten auf den ersten Flügelschlag. Ich bin nicht alleine, viele Reisende haben sich an diesem frühen Morgen an diesem Ort versammelt, um dieses wundervolle Naturereignis zu erleben. Die meisten befolgen brav die Anweisungen ihrer Guides, möglichst still zu sein, um die Tiere nicht zu verschrecken. „Silencio!!!“ ruft immer wieder einer der Besucher in die Menge, als im Hintergrund mal wieder ein paar ältere Amerikanerinnen wie die Hühner vor sich hergackern. Unbelehrbar. Dann ist es endlich soweit. Der Condor bringt sich in Position, öffnet seine meterbreiten Flügel und stürzt in die Tiefe. Doch der Fall ist kurz, der Auftrieb packt ihn instantan und lässt ihn elegant durch die Lüfte gleiten, scheinbar mühelos und ohne Kraftaufwand. Ein Staunen der Ehrfurcht geht durch die Menge. Die Szenerie könnte kaum packender sein, als der Condor durch den tiefen Canyon schwebt und seine Runden vor den gigantischen Felswänden dreht. Immer und immer wieder dreht er in langen Bögen seine Runden durch das tiefe Tal, fliegt teilweise in nur wenigen Metern Abstand an uns vorbei und über unsere Köpfe hinweg. Dann sichten wir weitere Condore, zwei, drei, teilweise bis zu zehn Condore, die sich hier für ihren Frühsport versammelt haben. Ein absolut unvergesslicher Anblick! Was muss es wohl für ein Gefühl sein, einmal so durch die Lüfte zu schweben...

    Ich habe einen zweitägigen Ausflug zum Colca Canyon gebucht, der zweittiefste Canyon der Welt (nach dem Grand Canyon). An seiner steilsten Stelle erreicht der Abgrund eine Tiefe von knapp 1200 Metern, insgesamt erhebt sich das Gebirge um den Canyon herum auf bis zu mehr als 4500 Metern. Durch das Tal schlängelt sich der Rio Grande, der diese Landschaft mühselig über Millionen von Jahren geformt hat. Alles hier ist grün, ganz anders als man das von den roten Felswänden am Grand Canyon kennt. Die Inkas haben dieses Land bereits vor hunderten von Jahren bewohnt und bewirtschaftet. Überall sieht man noch die Vermächtnisse dieser bemerkenswerten Kultur, insbesondere in Form der vielen Terrassen, die in die steile Landschaft geformt wurden, um bewirtschaftbare Fläche zu vergrößern. Noch heute lebt die Region hauptsächlich von der Landwirtschaft und natürlich vom Tourismus. Besonders letzteren spürt man deutlich. An jedem Ausblickspunkt reihen sich die Souvenirstände, verwaltet von peruanischen Frauen in traditioneller Tracht, meist begleitet von einem süßen bunt geschmückten Alpaca, um den Kaufwillen der vielen Ausflügler positiv zu beeinflussen. Ich kann zum Glück den süßen Blicken der Alpacas gerade noch widerstehen und verlasse den Colca Canyon mit leeren Einkaufstüten 😀 (bei allen Überfluss an Souvenirs muss man den Verkäuferin aber auf jeden Fall zu Gute halten, dass alle sehr freundlich und nicht aufdringlich sind. Wer nichts kaufen mag, wird auch in Ruhe gelassen...).

    Wir sind bereits gestern Nachmittag in Chivay, der kleinen kommunalen Hauptstadt der Region angekommen, mit unserem kleinen Reisebus angekommen, der uns in knapp 5 Stunden Fahrt aus Arequipa über vulkanische Hochebenen hierher befördert hat. Meine Reisegruppe besteht aus 80% Asiaten, die überwiegend mit sich selbst beschäftigt sind. Aber ich finde Anschluss bei zwei jungen Holländerinnen, mit denen ich den Großteil des Ausflugs gemeinsam verbringen werde. Die kurvige Busfahrt und der mangelnde Sauerstoff in zwischenzeitlich 5000 Metern Höhe fordert allerdings seinen Tribut und einige der Fahrgäste müssen sich spontan im Bus übergeben. Lecker!!! Zumindest die Plastiktüte hat gehalten. Nicht jeder ist halt wie ich bereits aus den vergangenen Wochen an die Höhe gewöhnt und knabbert so diszipliniert wie ich kontinuierlich Coca-Blätter 😄

    Der gestrige Nachmittag verlief entspannend. Nachdem ich auf den Ausflug zu den heißen Quellen verzichtet habe (heiße Quellen hatte ich jetzt schon ein paar Mal auf meiner Reise und es war ja auch warm genug draußen 😉), habe ich mich alleine auf den Weg gemacht, um das Dorf und die Umgebung etwas zu erkunden (die beiden Damen wollten lieber etwas relaxen, da ihnen die Höhe etwas zu schaffen macht). Ich schlendere also ein bisschen durch den idyllischen Ortskern, entdecke auf einem kleinen Inka-Trail eine hohe Inkabrücke und ein paar alte Ruinen und lasse mir von einem Einheimischen ein bisschen was zur Inkageschichte erzählen (und versuche so gut wie geht seinen spanischen Erläuterungen zu folgen). Am Abend wartete dann noch ein lokales Essen mit traditioneller Musik und Tanz auf uns. Mit ca. 20 Gästen wirkte das große Lokal etwas verlassen, aber die Musiker und Tänzer haben ihr bestes gegeben, trotzdem die Stimmung ein wenig anzuheizen (was auch bitter nötig war, denn der Speisesaal war natürlich mal wieder eiskalt). Um die Künstler entsprechend zu würdigen, bin ich dann nach jedem Stück der Aufforderung brav nachgekommen, doch gerne Fotos zu machen. Ich habe das als wertschätzend empfunden 🙂 Zu guter letzt bin ich dann auch nicht drumherum gekommen, mir zum Abschluss noch ein peruanisches Gewand überzuwerfen und fröhlich im Kreis mitzutanzen. Was tut man nicht alles zur Völkerverständigung... aber war schon auch ganz lustig 😄

    Heute hieß es dann aber mal wieder früh aufstehen, 5 Uhr morgens Frühstück. Wer denkt, Reisen wären rein erholsam, den kann ich gerne eines besseren belehren 😉 Viele Naturereignisse lassen halt nicht auf sich warten, so auch unser heutiges Ziel, das Cruz de Condor, ein Ausblickspunkt, Heimat von etwa 30 Condoren, die hier täglich zwischen 8 Uhr und 10 Uhr ihren Frühsport absolvieren, bevor sie auf Nahrungssuche gehen und bis zu mehrere hundert Kilometer zurücklegen. Am Morgen scheint nämlich außerdem die Thermik besonders günstig zu sein, so dass die bis zu 14 kg schweren Tiere trotz ihres stolzes Gewichts mit äußerst geringem Aufwand durch die Lüfte gleiten können. Trotz des eher bewölkten Wetters am heutigen Morgen, werden wir nicht enttäuscht und erleben das absolute Highlight dieser Tour.
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  • Somewhere on the rainbow

    15 maj 2019, Peru ⋅ ☀️ 7 °C

    Absolut verrückt. Um 2:45 Uhr nachts klingelt mein Wecker. Um 3 Uhr fährt der Tourbus vor mein Hostal vor und lädt mich ein. Es ist eiskalt draußen und ich hülle mich auf dem Sitz im Bus in eine Decke ein, um der Kälte so gut es geht zu trotzen. Dann ca. 4 Stunden Fahrt in der Dunkelheit des frühen Morgens. Zwischendurch noch ein kurzer Stopp gegen 5:30 Uhr zum Frühstücken. Alle sind verschlafen, wenig Konversation am Frühstückstisch. Ich kann es niemandem verdenken, mir geht es genauso, auch wenn ich kein Morgenmuffel bin. Small Talk muss jetzt nicht sein. Warum ich mir das unmenschlich frühe Aufstehen überhaupt antue? Tja, es geht heute zu dem Rainbow Mountain, nach Machu Picchu die Hauptattraktion in der Gegend von Cusco. Um den Touristenmassen einigermaßen zu entgehen, müssen wir bereits mitten in der Nacht aufbrechen. Nur so können wir sicher sein, eine der ersten Gruppen am Gipfel zu sein und ein halbwegs schönes Foto ohne Menschmassen zu schießen. Soweit ist es hier mit dem Tourismus also schon gekommen, wahrscheinlich wird man zukünftig am Gipfel übernachten müssen, um am nächsten Morgen überhaupt noch ein wenig ungestörte Natur genießen zu können... 😉

    Der Rainbow Mountain, oder in der Landessprache auch „Montana de siete coloradas“ genannt, ist eine unwirkliche, fast schon außerirdisch wirkende Gebirgslandschaft, deren Gestein auf Grund der unterschiedlichen Mineralvorkommen in vielen verschiedenen Farbtönen erstrahlt und durch tektonische Verschiebungen und Gesteinskompression so aussieht, als hätte jemand dem Gebirge einen farbigen Streifenpulli übergezogen. Anscheinend gibt es ein solches Gesteinsvorkommen nur insgesamt drei Mal in der Welt, nämlich neben Peru noch in Argentinien und China. Interessant ist, dass diese Attraktion in Peru erst vor wenigen Jahren entdeckt wurde. Wie kann das sein? Nun, dem Klimawandel sei dank: vor mehr als 10 Jahren war das Gebirge noch durch eine hohe Schneeschicht bedeckt, so dass man das eigentlichen Naturwunder nie zu Gesicht bekam. Inzwischen ist alles weggeschmolzen und nur noch in den Wintermonaten kann hier überhaupt ein bisschen Schnee fallen. Lobbyisten wie unser beliebter amerikanischer Präsident Donald Trump würden jetzt sicher sagen, dass der Klimawandel doch durchaus seine gute Seiten besitzt... 😂

    Gegen ca. 6:30 Uhr erreichen wir den Startpunkt unserer heutigen Wanderung auf knapp 4700 Metern Höhe. Die weiteren 350 Meter bis zum Gipfel müssen wir zu Fuß bewältigen. Immer wieder wird in einigen Reiseberichten vor den erheblichen Anstrengungen des Aufstiegs gewarnt. Nicht weil der Weg so extrem steil wäre, aber die Luft ist hier schon extrem dünn und jeder Schritt ist Hochleistungssport. Bevor es richtig losgeht, macht unser Guide mit uns einen 5-minütigen Probespaziergang, um unsere Konstitution zu testen. Die ersten Teilnehmer fallen bei dieser Prüfung bereits aus: Kopfschmerzen, Schwindel, Atemnot. Aber es wird keiner zurückgelassen. Einheimische stehen schon mit Pferden bereit, um die Gebrechlichen bis zum Gipfel zu transportieren. Ein ganz eigener und lukrativer Geschäftszweig für die Peruaner... 😀 Meine Lunge macht noch gut mit und ich kann auf die Vierbeiner verzichten. Im Gegenteil, ich fühle mich prächtig und werde den Aufstieg problemlos und ohne Beschwerden im Eilschritt absolvieren. Die lange Akklimatisation der letzten Wochen in den Hochebenen Südamerikas machen sich jetzt bezahlt, ich bin topfit (man darf nicht vergessen, dass viele andere Touristen häufig direkt nach Cusco fliegen und innerhalb von zwei Tagen mit einem Höhenunterschied von mehreren tausend Metern zurecht kommen müssen. Gesund ist das nicht, aber bei vielen steht dann doch der Zeitmangel und der Wunsch, trotzdem alles zu sehen, im Vordergrund).

    Ich kann jedenfalls den Aufstieg in vollen Zügen genießen. Und ja, das tue ich wirklich. Es ist wirklich schön hier, so idyllisch, so ruhig um diese frühe Uhrzeit. Tatsächlich sind momentan nur eine Handvoll Wanderer unterwegs und die Landschaft wirkt leer und unberührt. Entlang des Weges grasen immer wieder einige Alpacas , die sich von den Wanderern unbeeindruckt zeigen. Ein bisschen muss ich an meinen damaligen Annapurna-Trek in Nepal zurückdenken. Eine ähnliche Ruhe wie damals umgibt mich. Und wie damals steige ich auch gemeinsam mit einem Nepalesen zum Gipfel auf, den ich im Bus kennengelernt habe. Was für ein Zufall... 😀

    Nach etwas mehr als einer Stunde erreichen wir bereits den Gipfel. Die letzten 100 Meter waren tatsächlich nochmal steil und auch ich beginne heftig zu schnaufen. Auch wenn die Hänge nicht extrem steil abfallen, wird mir durch die Höhe und den Sauerstoffmangel doch ein wenig schwindelig. Meine Beine zittern etwas, als ich mich die letzten steilen Meter über einen Kamm zum Gipfel kämpfe. Ich atme tief durch und versuche mich auf den Weg zu fokusieren. Schließlich erreiche ich als einer der ersten den ersehnten Gipfel. Bis hierhin habe ich die Regenbogen-Landschaft noch gar nicht intensiv beachtet, zu sehr war ich mit mir selbst beschäftigt. Doch dann, am Gipfel angekommen, drehe ich mich um und da liegt er vor mir, der farbige gestreifte Regenbogen-Berg, den ich in den letzten Tagen schon so oft auf den Plakaten der unzähligen Reiseagenturen in Cusco gesehen habe. Sieht unwirklich aus, so künstlich, wirklich einmalig, was die Natur geschaffen hat. Trotz dieser wirklich beeindruckenden Ansicht, muss ich dennoch gestehen, dass ich nicht vollständig von diesem Moment überwältigt bin. Vielleicht habe ich einfach schon im Vorfeld zu viele Bilder dieses Panoramas im Kopf gehabt, die sich in diesem Moment lediglich in der Realität bestätigen. Manchmal kann man einfach nicht genau sagen, warum es einen in einem Moment emotional packt und im anderen etwas kalt lässt. Aber egal, ich genieße so oder so die Aussicht und schieße natürlich meine Fotos für die Ewigkeit. Das ist es doch, warum die meisten hier sind... 😉

    Nach einer knappen halben Stunde treten wir bereits wieder den Rückweg an. Eine kleine Gruppe (mich eingeschlossen) darf noch einen kurzen Abstecher zum Red Valley machen. Nach einem Umweg von ca. 20 Minuten über den benachbarten Bergkamm können wir in das benachbarte Tal blicken, dessen Anblick dem Regenbogen-Berg nur wenig nachsteht. Eine intensiv rote Felslandschaft, überzogen von einem satten Grün liegt uns zu Füßen. Wunderschön. (Die Naturwissenschaftler werden es wahrscheinlich schon erraten haben: in diesem Tal ist der Felsen hauptsächlich von dem rötlich schimmernden Eisen durchzogen 🙂).

    Beim Abstieg (so gegen 8:30 Uhr) werden wir dann schließlich Zeugen, warum das frühe Aufstehen tatsächlich so notwendig war. Herrscharen von hunderten Ausflüglern kommen uns schnaufend, schwitzend, schmerzverzerrt entgegen. Nicht jeder von ihnen wird den Aufstieg heute schaffen, das kann ich unschwer erkennen. Die Einheimischen eilen immer wieder mit Pferden herbei und bieten ihre Dienste an. Aber auch diejenigen, die im Laufe des weiteren Morgens den Gipfel noch erreichen werden, werden wohl eher ernüchtert sein. Wolken ziehen bereits auf und werden die Farbenpracht des Regenbogen-Berges erheblich trüben. Die einzigen Farben die später wahrscheinlich in Vielzahl erstrahlen werden, sind wohl die unzähligen kunterbunten Daunenjacken der sich zusammendrängenden Menschenmenge am Gipfel. Ich bin froh, dass mir das erspart bleibt. Ein weiteres Mal ein Hoch auf uns Frühaufsteher 😁
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  • Als einer von Millionen am Machu Picchu

    17 maj 2019, Peru ⋅ ☀️ 23 °C

    Hier stehe ich nun, so wie etwa 6000 andere Besucher pro Tag auch, wie etwa 1,5 Millionen andere pro Jahr. Ich blicke durch den Sucher meiner Kamera, auf der Suche nach dem perfekten Bildausschnitt, um ein Foto mit diesem wunderschönen Ausblick zu schießen. Diesen einen Ausblick, auf welchen man bei einer Google Suche in ähnlicher Weise als allererstes stoßen würde. Ich weiß in diesem Moment, dass wahrscheinlich schon Millionen Menschen vor mir exakt das gleiche Foto geschossen haben. Dieses Bild, welches sich gerade vor meinen Augen aufbaut, könnte kaum näher an dem Postkartenmotiv sein, welches ich in den letzten Tagen schon so oft in den vielen Souvenirläden Perus gesichtet habe. Und trotzdem kann ich der Versuchung nicht widerstehen, eine eigene Aufnahme zu schießen. Zu schön ist einfach dieser Ausblick, zuviel Glück haben wir heute mit dem strahlend blauen Himmel und der langsam aufsteigenden Sonne. Vielleicht ist es einfach ein verzweifelter Versuch von mir, diesen Moment durch ein Foto irgendwie für immer festzuhalten. Wenn ich später irgendwann mal auf dieses Foto zurückblicken werde, werde ich nicht die frische Luft atmen, die mich gerade umgibt, ich werde nicht außer Atem sein von den vielen steilen Treppenstufen, die ich zuvor zurückgelegt habe, ich werde nicht vom Licht der aufgehenden Sonne geblendet sein und nicht die warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut spüren, ich werde nicht die vielen Menschen um mich herum hören, die über die Terrassen wuseln und nach dem perfekten Fotospot suchen, und ich werde nicht dieses unglaubliche 270° Panorama erfassen können, welches sich gerade vor mir zeigt. Ich werde wohl Freunden, Verwandten und Kollegen dieses Foto zeigen und ein höfliches „Oh ja, das sieht echt schön aus!“ ernten, aber wer nicht in einem ähnlichen Moment hier gewesen ist, wird kaum verstehen können, welche Magie von diesem Ort ausgeht, welches einmalige Plätzchen sich die Inkas für dieses großartige Wunder menschlichen Schaffens ausgesucht haben. Wenn mir eines auf meiner Reise bewusst geworden ist, dann die Erkenntnis, dass kein Foto meine Erinnerung jeweils ersetzen wird. Ich habe trotzdem die Hoffnung, dass mir das Foto in vielen Jahren einmal hilft, meine Erinnerung an diesen Moment wieder aus meinen tiefen ergrauten Gehirnzellen hervorzuholen, einen Hauch des jetzigen Gefühls wiederzubeleben und dann ein kleines Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern. Klick! Ich betätige den Auslöser meiner Kamera...

    Wenn man an Südamerika denkt, wird man zwangsläufig als einen der ersten Gedanken auch an Machu Picchu denken. In allen Reiseführern „das“ absolute MustDo und Highlight einer jeden Südamerika-Reise. Je weiter man sich Cusco nähert, umso mehr steigt die Dichte an Information, Angeboten und Gesprächsstoff um das selbsternannte „achte Weltwunder“ (ich möchte gar nicht wissen, wie viele „achte Weltwunder“ es eigentlich auf dieser Welt gibt 😂). Der Hype um Machu Picchu ist überall zu spüren und gerade das macht mich skeptisch. Ist es wirklich so schön, wie von allen gesagt wird? Ist es der Aufwand und die Kosten wirklich wert? Ist es nicht bereits viel zu sehr überlaufen, um es überhaupt noch genießen zu können?

    Seit dem Start meiner Busreise vor etwa zwei Wochen habe ich erstmals begonnen, mich überhaupt intensiver mit dem Thema Machu Picchu auseinanderzusetzen und Optionen für eine Besichtigung der Ruinen zu recherchieren. Cusco gilt ja als Ausgangspunkt für eine Tour zum Machu Picchu und ist ohnehin bereits als Reiseziel bei mir fest eingeplant. Unwissend und vielleicht auch etwas naiv bin ich davon ausgegangen, dass ich von Cusco aus ohne besonderen Aufwand und Vorplanung kostengünstig mit einem bequemen Tagesausflug Machu Picchu jederzeit besuchen können werde. Dann hörte ich aber erste Stimmen, dass man die Tickets Wochen, wenn nicht gar Monate im Voraus buchen müsste. Unbeeindruckt ging ich davon aus, dass dies nur für die Hauptsaison (ab etwa Ende Mai) gelte, wir befinden uns aber ja schliesslich noch in der Nebensaison. Als ich dann einen ersten Blick auf die Tour-Angebote warf, war ich in zweierlei Hinsicht überrascht. Erstens, ganz schön teuer der Spaß. Eine Tour per Zug geht bei etwa 250 Dollar (!!!) los. Zweitens, selbst mit dem nötigen Kleingeld, waren für den Zeitraum meines Cusco Aufenthaltes tatsächlich keine Tickets mehr verfügbar. Werde ich Südamerika also ohne Machu Picchu verlassen müssen?

    Zum Glück machte mich Christoph auf eine weitere Option aufmerksam: angeblich kann man mit einem Kleinbus von Cusco zu einem nahegelegenen Wasserkraftwerk (Hydroelectrica) gebracht werden, von da etwa drei Stunden entlang der Zuggleise in den kleinen Ort „Agua Caliente“ laufen (der sich am Fuß des Machu Picchu befindet) und dann am nächsten Morgen zusammen mit anderen Touristen zum Machu Picchu hochlaufen bzw. fahren. Klingt ein wenig umständlich, aber zumindest gibt es hier tatsächlich noch einige Verfügbarkeiten. Das Bottleneck eines Machu Picchu Besuchs scheint nämlich weniger die begrenzte Anzahl an Eintrittskarten zu sein (6000 pro Tag) als vielmehr die limitierte Anzahl an Zugfahrkarten. Nach etwas weiterer Recherche finde ich in Reiseforen allerdings viele negative Erfahrungsberichte für solche Bustouren: unzuverlässiger Bus-Transfer, unverantwortliche Busfahrer, unverschämte Agenturen. Ich bin skeptisch und schreibe direkt mal zwei Agenturen an, die in den Foren zumindest einigermaßen gutes Feedback erhalten haben. Ich warte noch heute auf eine Antwort. Meine wiederholten Versuche der Kontaktaufnahme scheitern. Ich muss erkennen, dass Kundenservice für Touren zu Machu Picchu wohl nicht existiert. Die Agenturen müssen nicht großartig für Touren werben, denn die Nachfrage ist ausreichend hoch. Jeder will schließlich zum Machu Picchu. Wer nach Cusco kommt, wird mit praktischer Gewissheit eine Tour buchen müssen. Ich gebe schließlich auf, meine Tour im Vorfeld zu organisieren, und beschließe bei meiner Ankunft in Cusco die Agenturen direkt vor Ort aufzusuchen. Ein Besuch des Machu Picchu steht bis dato für mich also noch in den Sternen.

    „Here you make a short stop with the bus to refill your water and to visit the toilets. Afterwards it is about 5-6 hours drive to Hydroelectrica.“ erzählt mir die junge Angestellte in der Reiseagentur in Cusco. Auf meine Nachfrage, ob es danach keinen Toilettenhalt mehr gäbe, schenkt mir die Dame nur ein kleines Lächeln. Eine Antwort bekomme ich nicht und rechne mal lieber mit dem Schlimmsten. Für 125 Dollar halte ich schließlich meine Tickets für eine zweitägige Tour zum Machu Picchu in den Händen inklusive der Busfahrt, eines Mittagsessens, der Eintrittskarte zu Machu Picchu (alleine schon mehr als 50 Dollar), einer zweistündigen Führung mit einem englischsprachigen Guide und einer einfachen Übernachtung in Agua Caliente. Mit dem Preis bin ich zufrieden. Zwei Tage später soll es losgehen... In der Zwischenzeit habe ich einen ersten Erfahrungsbericht von Lisa, meiner amerikanischen Bekannten, erhalten, die gerade mit einer anderen Agentur auf einer ähnlichen Bustour zum Machu Picchu ist. Klingt wenig ermutigend: auf der Hinfahrt hatte sie nur einen halben Sitzplatz, ihr Fußmarsch nach Agua Caliente wurde von strömendem Regen begleitet und auf dem Rückweg wurde sie kurzzeitig aus dem Bus geworfen, um Platz für zwei andere Reisende zu machen. Das kann ja heiter werden...

    Dann beginnt mein Abenteuer zum Machu Picchu. Trotz halbstündigen Wartes auf meinen Bus am frühen Morgen, bin ich erstmal erleichtert. Ich sitze im Bus und habe einen eigenen Sitzplatz, sogar einen ganz bequemen. Und der Bus wirkt in gutem Zustand. Einziges Manko: ich bin nur von spanischsprechenden Reisenden umgeben und bekomme die Durchsagen des Busfahrers nur rudimentär mit. Aber ich verstehe auch ohne viele Worte, wann wir ein Pinkelpäuschen machen und aussteigen dürfen. Ich teile mir anfangs noch meinen Wasserkonsum gut ein, schließlich weiß ich nicht, wie viele Pinkelpausen wir tatsächlich einlegen und mit voller Blase stundenlang über eine Holperstrecke zu rütteln erzeugt bei mir wenig komfortable Gedanken. Meine Bedenken stellen sich allerdings als unberechtigt heraus. Wir machen ausreichend Pausen und ich kann ohne Bedenken literweise Wasser in meinen Rachen schütten. Die Busfahrt ist lang und kurvig, abenteuerlich, aber teilweise auch spektakulär. Wir schlängeln uns zunächst über einen 4000 m hohen Pass, um anschließend wieder 2500 m in einem dichten Nebelfeld ins Tal abzusteigen. Dann endet die gut befestigte Straße und wir bewegen uns die letzten 1,5 Stunden auf einer schmalen staubigen unüberschaubaren und kurvigen Geröllstrasse an einem einige hundert Meter steilen Abgrund entlang. Einige Mitreisende ziehen bei dem Anblick bewusst den Vorhang vors Fenster, um den Anblick dieser dramatischen Fahrt nicht ertragen zu müssen. Auch ich mache drei Kreuze als wir Hydroelectrica schließlich wohlbehalten erreichen. Ein echtes Hoch auf unseren Busfahrer, mit dem ich mehr als zufrieden bin. Während andere Busse immer wieder äußerst gefährliche Überholmanöver an den unmöglichsten Stellen starten, bleibt unser Fahrer ruhig und gelassen. Ich fühle mich einigermaßen gut aufgehoben. Dem Busfahrer gilt mein vollster Respekt: er scheint jeden Tag diese Strecke hin- und zurückzufahren (also knapp 12 Stunden Fahrt pro Tag mit einer halbstündigen Pause zwischen Hin- und Rückfahrt), die Fahrt ist teilweise echt warm im Bus, die Sonne blendet, die Sicht ist manchmal auf Grund von Staub oder Nebel schwierig, die Straße mit Schlaglöchern übersäht und hinter jeder Kurve lauert die Gefahr eines entgegenkommenden Fahrzeugs. Das ist kein Zuckerschlecken!!!

    Gegen 14 Uhr erreichen wir Hydroelektrika und nach einem kurzen eher mittelmäßigen Mittagessen starte ich meinen Fußmarsch entlang der Gleise nach Agua Caliente. Der Weg ist flach, teilweise sogar mit schönen Ausblicken auf die umliegenden hohe Berge (ich laufe praktisch einen Bogen um den Machu Picchu herum) und nur gelegentlich bin ich gezwungen dem entgegenkommenden Zug auszuweichen. Ich bin gut zu Fuß und erreiche bereits nach zwei Stunden Agua Caliente, der nur so von Touristen wimmelt. Hier werde ich nicht alt und gehe nach einem kurzem Abendessen früh zu Bett. Um 5 Uhr morgens wartet nämlich bereits der Aufstieg zum Machu Picchu auf mich. Natürlich hätte ich auch bequem den Bus zum Gipfel nehmen können, aber ich möchte mir das Erlebnis verdienen. Wie so oft auf dieser Reise habe ich gemerkt, dass es ein besonderes Gefühl ist, für einen gewissen Aufwand belohnt zu werden. Außerdem sehe ich nicht ein, mich in eine lange Ticketschlange zu stellen und dann auch noch 24 Dollar für die kurze Busfahrt zu zahlen. Es ist noch stockdunkel draußen, als ich mit Stirnlampe gerüstet die ersten Stufen zum Machu Picchu besteige. 1800 steile Stufen liegen insgesamt vor mir, ich schwitze ordentlich, muss gut schnaufen. Immer wieder überhole ich andere Fußgänger, die rasten müssen, um ihre Energiereserven zu schonen. Ich ziehe mein Ding durch, schaffe es ohne merkliche Pause und erreiche in einer Rekordzeit von ca. 45 Minuten den Gipfel. Außer Atem, mit nassem T-Shirt und ein wenig schmerzenden Knien. Ich bin nicht der Erste, vor dem Eingang zum Machu Picchu wartet bereits eine Schlange von ungeduldigen Besuchern, die sich heute Morgen bequem per Bus haben chauffieren lassen. Aber das ist mir egal. Ich habe das gute Gefühl, es mir verdient zu haben, hier am Gipfel zu stehen, und weiß, dass ich den Anblick, der mich in einer knappen Stunde erwarten wird, nun umso mehr zu schätzen weiß. Ich bin zufrieden und glücklich, ich bin am Machu Picchu!
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  • Es ist nicht alles Inka-Gold, was glänzt

    18 maj 2019, Peru ⋅ ⛅ 19 °C

    Es ist Zeit ins Herzen des damaligen Inka-Reiches zu kehren, an den selbsternannten „Nabel der Welt“. Genau das bedeutet nämlich der Name „Cusco“ oder ursprünglich auch „Quosqo“ (bevor die Spanier die ursprünglichen Worte aus dem Quechua vernuschelt haben 😉). Betrachtet man das damalige Inka-Reich auf der Landkarte, so versteht man sofort, warum Cusco diesen Namen trägt, denn es war strategisch günstig am Schnittpunkt der vier großen Inka-Provinzen gelegen. Von hier führten alle wichtigen Inka-Trails in alle Himmelsrichtungen des sich über mehrere tausend Kilometer erstreckenden Reiches. Pferde oder Kutschen gab es damals nicht, alles wurde zu Fuß zurückgelegt. Um die riesigen Strecken in verkraftbarer Zeit zurückzulegen, und insbesondere um Nachrichten in annehmbarer Zeit zwischen den verschiedenen Städten des Reiches zu vermitteln, hatten die Inkas eine Art Staffellauf eingerichtet. So standen entlang einer Route Hunderte von Läufern in jeweils einer kurzen Etappe bereit, um bei Bedarf im Rekordtempo wenige Kilometer der Strecke zurückzulegen und die Nachricht an den nachfolgenden Läufer weiterzureichen. Auf diese Weise gelang es zum Beispiel beeindruckenderweise eine Nachricht zwischen Cusco und Lima in weniger als zwei Tagen zu übermitteln. Zum Vergleich: selbst heute noch dauert eine Busfahrt zwischen den beiden Städten auf Grund der unwegsamen Landschaft fast 24 Stunden.

    Ich war gespannt darauf, was mich in Cusco erwarten wird. Eines war mir im Vorfeld schon klar, dies ist die mit Sicherheit touristischste Stadt Perus, alleine schon, weil sie Basis für die Ausflüge zum Machu Picchu darstellt. Dennoch hatte ich von vielen anderen Reisen bereits gehört, dass Cusco seinen Charme behalten hat, hier Moderne und Tradition zusammenkommen und die Stadt auf jeden Fall einen mehrtägigen Aufenthalt Wert sei. Ich habe daher reichlich Zeit eingeplant und werde ganze sechs Nächte in Cusco verbringen, allerdings davon die Hälfte der Zeit bereits mit einem Ausflug zum Rainbow Mountain und Machu Picchu verbringen, so dass sich die großzügige Dauer bereits wieder relativiert. Cusco wird außerdem die Endstation meines Aufenthalts in Peru und meines kleinen Road-Trips per Bus sein. Ich habe mir vorgenommen, anschließend nach Kolumbien weiterzureisen, und die beachtliche Strecke dann per Flugzeug zurückzulegen, um etwas Zeit zu sparen.

    Die letzte Etappe meiner Busreise soll es aber nochmal in sich haben. Etwa zwölf Stunden Busfahrt sind vorgesehen. Am späten Abend vor der Abfahrt von Arequipa erhalte ich vom Busunternehmen eine Benachrichtigung, dass für den Tag der Reise Streiks der Bauern angekündigt sind und auf Grund von Straßensperrungen evtl. mit erheblichen Verzögerungen zu rechnen ist. Auch wenn das Busunternehmen die Option anbietet, die Reise um einen Tag nach hinten zu schieben, entscheide ich mich dagegen. Zum einen denke ich tatsächlich, dass so ein Streik ja irgendwie auch zum Reiseerlebnis dazugehört und ich will schließlich nicht verpassen, wie die Bauern gegebenenfalls ihre Lama-Herden zum Zweck der Blockade über die Straße treiben, zum Anderen hatte ich ursprünglich geplant, bereits am darauffolgenden Tag zum Machu Picchu aufzubrechen (später wird sich allerdings herausstellen, dass die Tour auf Grund von mangelndem Reiseagentur-Feedback nicht zu Stande kommt und ich mir den Stress vergebens gemacht habe).

    Die Busfahrt beginnt pünktlich um 5:30 Uhr in Arequipa, der Guide ist noch zuversichtlich, dass wir die Blockaden eventuell umfahren können. Auf halber Strecke macht der Bus dann aber in einem abgelegenen verwahrlosten Dorf Halt. Es geht nicht weiter, die Straße ist blockiert, wir befinden uns im Streit, wahrscheinlich einige Stunden, vielleicht aber auch viele Stunden. Das kann keiner sagen. Der Guide versucht das Beste aus der Situation zu machen. „Let‘s explore the city“ ruft er euphorisch. „But please don‘t speak any English, just to avoid problems with the people“. Hmm, wirkt jetzt nicht so vertrauenserweckend, aber gut. Ich will mir das „echte“ Peru nicht entgehen lassen und schließe mich der kleinen Stadtführung an. Nach ca. 500 m und ca. 10 Minuten später haben wir das Ende des Ortes erreicht, so bekommen wir die Zeit schonmal nicht rum. Also auf die Suche nach etwas Essbarem gehen. Das scheinbar einzige Restaurant des Ortes weist uns aber ab (dabei hätten sie doch das Geschäft ihres Jahres gemacht 🙂). Schließlich werden wir doch noch in einer kleinen Lagerhalle fündig, in der ein paar Mamas Lamm-Suppe und Kartoffeln brodeln und für ein Schnäppchen an den Mann bringen. Allerdings auch echte lokale Küche, in der Suppe ist wohl das ganze Lamm verkocht worden. Ich kann nur erahnen, was da so alles rumschwimmt. Nichts für einen schwachen Magen. Froh darüber, dass ich bisher von ernsthaften Magenproblemen in Südamerika verschont geblieben bin, fordere ich mein Glück nicht heraus und begnüge mich mit ein paar gekochten Kartoffeln und etwas gebratenem Käse. Da kann ich ja nicht soviel falsch machen. Auch nach zwei Stunden ist noch kein Ende des Streiks in Sicht. Unser Guide improvisiert und denkt sich spontan das nächste Ausflugsziel aus. „Let‘s visit the blockade and see what the people are doing there“. Die eigentliche Straßenblockade soll außerhalb des Ortes in knapp 1 Kilometer Entfernung liegen. Spannend, was da wohl so los ist. Ich beschließe mich auch diesem kleinen Abenteuer beizuwohnen. Mit knapp 20 Leuten ziehe wir los, auf dem Weg werden wir von den Einwohner etwas skeptisch und verdutzt, aber eigentlich freundlich begutäugelt. Ich glaube, dass hier eher selten eine Ausflugstour stattfindet 😂 Die Blockade ist schließlich schnell erreicht: auf der Straße liegen ca. 20 etwas größere Steine in einer schmalen Reihe. Rundherum gesellen sich vielleicht maximal 50 Bauern, die die Zeit abzusitzen scheinen. Ach ja, und ich meine auch ein einzelnes Protest-Plakat zu erkennen. Das soll der Streik sein??? Ich bin fast schon etwas enttäuscht, nach all den Ankündigen hatte ich etwas mehr erwartet. Trotzdem reicht es, um den Verkehr zu blockieren. Als Polizei gab es nur einen einen einzelnen Streifenwagen im Ort, der Polizist schien es sich aber gemütlich gemacht und die Füße auf die Armatur hochgelegt zu haben. Hier wird sicher kein Finger krumm gemacht... Voraussichtlich wird der Streik noch 3 Stunden andauern, dann ist Feierabend für die Streiker. Als ich mich schon innerlich darauf eingestellt habe, nicht vor Mitternacht Cusco zu erreichen, entwickelt sich die Situation dann doch noch überraschend zu unseren Gunsten. Regenwolken ziehen auf, es beginnt zu tröpfeln. Anlass genug für die Schönwetter-Streiker, das Lager abzubrechen und frühzeitig den Feierabend einzuläuten. Wer will schon nass werden??? Wenig später ist die Straße wieder frei und wir können unsere Fahrt tatsächlich mit nur wenigen Stunden Verspätung und ohne weitere Zwischenfälle fortsetzen. Ein außergewöhnliches Erlebnis außerhalb des Standard-Reiseplans... 😄

    In Cusco angekommen, erwartet mich am nächsten Morgen satter Sonnenschein und schöner Blick von meiner bescheidenen Bleibe („Killany Inn“) über die historische Altstadt. Auch wenn mir am Abend wie gewohnt meine heiße Dusche mal wieder verwährt geblieben ist und ich mich stattdessen in meine Thermounterwäsche verkriechen musste, bin ich mit der Unterkunft zufrieden. Ruhig gelegen mit bequemen Bett und sehr netter Gastgeberin (die ständig freundlich lächelt und mir versucht viele Tips für Cusco zu geben. Wie so oft, verstehe ich leider mal wieder nur die Hälfte, lächele aber freundlich zurück und bedanke mich 😂). Einzig und allein die Lage meines Zimmers neben der Rezeption ist unvorteilhaft. Mehrere Male werde ich nachts durch das Klingeln der Haustür aus dem Schlaf gerissen, wenn einer der Gäste zu später Stunde um Einlass gebeten hat. Seltsamerweise werde ich die Türklingel in den folgenden Tagen aber bereits überhören 😉 Ich bin positiv überrascht von Cusco. Die historische Altstadt ist tatsächlich sehr schön, grüne Parkanlagen und enge steile Gassen mit vielen netten Restaurants, Cafés und Geschäften. Alles sehr sauber. Prächtige Kirchen zeugen von der spanischen Herrschaft und prägen das Stadtbild, dazwischen immer wieder vereinzelte Überreste aus der Inka-Zeit zu sehen, wenn auch nur minimal. Denn die Spanier haben nahezu rückstandslos sämtliche Inka-Gebäude mit Kirchen oder anderen Gebäuden überbaut. Erhalten geblieben sind aber noch die wunderschönen Inka-Mauern mit perfekt geradlinig geschliffenen Steinen (angeblich hat es für die Inka-Handwerker 6 Monate gedauert, um einen einzelnen dieser Steine herzustellen).

    Wie es bereits schon zur Routine geworden ist, begleite ich zum Einstieg meiner Entdeckungsreise mal wieder eine Free Walking Tour, in der ich einiges über die Inkas und die darauffolgende Regierungszeit der Spanier und der Peruaner lerne. Im Kopf geblieben ist mir, dass anscheinend praktisch alle der vergangenen zehn peruanischen Präsidenten nach ihrer Amtszeit während Korruption ins Gefängnis gewandert sind. Spricht nicht gerade für den peruanischen Staat. Der Guide ist aber zuverlässig. Zumindest das Justizsystem scheine inzwischen gut zu funktionieren 😊 Weiterhin lustig finde ich, dass bis vor kurzem auf dem Hauptplatz von Cusco eine große Apachen-Statue gestanden hat. Warum ein Apache? Die amerikanische Firma, die mit der Statue beauftragt wurde, hatte zu dieser Zeit mehrere parallele Aufträge, darunter auch eine Apachen-Statue für eine Stadt in Mexiko. Bei der Auslieferung gab es dann eine Verwechslung: der Inka-Herrscher ging nach Mexiko, der Apache nach Cusco. Reklamation war anscheinen ausgeschlossen 😂 Erst vor wenigen Jahren hat sich eine Studentengruppe erbarmt und in einer Nebel- und Nachtaktion den Apachen entfernt. Erst zu diesem Zeitpunkt, war die Stadt gezwungen, Geld für eine neue Statue in die Hand zu nehmen.

    Unsere Tour führt uns schließlich entlang einiger wichtiger historischer spanischer Gebäude und vorbei an den verbleibenden Inka-Ruinen. Auf dem lokalen, aber doch touristischen Markt lernen wir dann noch die exotischen Früchte des Landes kennen, und erfahren, was wir auf dem Markt später einmal verkosten sollten und für was unsere Mägen eher nicht gemacht sind 😊 (ich werde zumindest später hier ein vegetarisches Reisgericht und leckeren frisch gepressten Saft zu mir nehmen und dafür weniger als zwei Euro zahlen).

    Um mich noch etwas mehr unter das Volk zu mischen, beschließe ich auch wenige Tage später, den „Black Market“ Cuscos zu besuchen. Hier wird einfach alles auf der Straße verkauft: Nüsse, gebrauchte Autoteile, Handys, Elektronik, Unterwäsche, Bücher, Musikinstrumente, Küchengeräte, gebratene Meerschweinchen, Hundewelpen, Kleidung, Souvenirartikel, Heilpflanzen, Obst und Gemüse, Handwerkerbedarf, und vieles vieles mehr. Ähnliches hatten Susi und ich bereits auf dem lokalen Markt in Santiago erlebt. Die Bezeichnung „Black Market“ kommt übrigens daher, dass hier nicht alle Artikel 100% legal verkauft werden. Wem zum Beispiel sein Handy entwendet wurde, hat hier gute Chancen, es wiederzuentdecken 😁 Ich lasse mich von der quirligen und lauten Atmosphäre treiben, es wird gedrängelt, es wird Musik gespielt, diskutiert, mit lauten Rufen Werbung gemacht, aber alles auf friedliche Weise. Die Straße lebt hier, authentisch, das gefällt mir.

    So positiv auch mein erster Eindruck von Cusco ist, nach einigen Tagen spürt man auch mehr und mehr die Schattenseiten des Massentourismus. Ich kann keine Straße entlang gehen, ohne das mir Straßenverkäufer Gemälde, Ketten oder Sonnenbrillen anbieten, ohne dass für Massagen geworben wird, ohne dass ich in ein Restaurant gebeten werde, ohne dass die nächste Tour zum Machu Picchu offeriert wird, ohne dass ich für ein weiteres Foto mit einem kleinen Alpaca posen soll. Wenn ich entspannt auf einer Parkbank Platz nehme, kann ich Gewiss sein, dass sich wenige Minuten später ein Bettler zu mir gesellt und seine Hand aufhält oder dass ein Schuhputzer seine Dienste anbietet (hier muss ich allerdings zugestehen, dass meinen Schuhen eine Reinigung tatsächlich nicht schaden würden... 😊). Und zu etwas späterer Stunde werden mir in den etwas dunkleren Gassen dann natürlich auch verschiedene Drogen flüsternd offeriert.

    Cusco ist unzweifelhaft schön und gehört mit Sicherheit zum Pflichtprogramm eines jedes Peru Wer allerdings glaubt, das „echte“ Peru gesehen zu haben, wenn er sich ein paar Tage im historischen Zentrum aufhält, liegt wohl eher falsch. Aus meiner Sicht wird hier ein „geschöntes“ Peru gezeigt, dessen Fassade nach einigen Tagen etwas zu bröckeln scheint. Nach einigen Tagen freue ich mich darauf, weiterzuziehen. Die Nächte werden auch zu kalt, Abende lassen sich nur in Daunenjacken verbringen (auch innerhalb der Gebäude), Heizungen sucht man vergeblich und auf richtig heißes Wasser werde ich wohl noch etwas warten müssen. Es ist Zeit für mich, in wärmere Gefilde aufzubrechen. Der heiße Norden Kolumbiens erwartet mich. Ich freue mich auf Sonne, Wärme, heiße Rhythmen, karibischen Lifestyle und 100% Luftfeuchtigkeit 😄
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  • Ein Königreich für ein Lama

    19 maj 2019, Peru ⋅ ☀️ 18 °C

    Ich erinnere mich noch, wie begeistert wir waren, auf unserer ersten Tour in San Pedro (Chile) aus dem Bus heraus in der Ferne unsere ersten Lamas in freier Natur zu erblicken (wie wir später gelernt haben, ja eigentlich „Vicunas“, hierzu unten mehr). Irgendwie verbindet man ja auch Südamerika immer gleichzeitig mit diesen Tieren. In den Großstädten Santiago oder auch Vina del Mar waren bisher lediglich vereinzelt ein paar dieser Tiere an touristischen Plätzen für Foto-Shootings zu finden. Aber das ist nicht das Gleiche. Ich finde es immer etwas ganz Besonderes, wenn man Tiere völlig umgestellt in ihrer natürlichen Umgebung beobachten darf.

    Wie ich bereits am ersten Tag von unserem Guide gelernt habe, gibt es in Südamerika insgesamt vier verschiedene Arten von Kameloiden. Den meisten von uns dürften wahrscheinlich Lamas und Alpacas bekannt sein. Lamas haben eine spitze Schnauze und sind etwas größer als Alpacas. Alpacas hingegen haben eine etwas stumpfere Schnauze und sind häufig noch etwas wolliger als ihre Verwandten. Diese beiden Arten leben allerdings nicht wild, sondern werden von Bauern als Vieh gehalten. Entweder wegen ihrer Wolle oder wegen ihres Fleisches. Ich habe beide mal gekostet, Alpaca schmeckt wirklich ganz lecker und soll auch recht gesund sein, da cholesterinfrei. Ich weiß, dass ich jetzt von manchen böse Blicke ernten würde, wie ich denn nur solch süße Tiere essen kann. Ich sage nur, andere Länder, andere Sitten und verspreche in Deutschland erstmal kein Alpaca mehr anzurühren 😊

    Die verbleibenden beiden Arten sind hingegen nur in freier Natur anzutreffen: Viscunas und Guanakos. Erstere haben wir inzwischen sehr häufig in den Hochebenen Chiles, Boliviens und Perus gesehen. Viscunas sind etwas kleiner als Lamas und haben ein goldbraunes Fell. Ein bisschen sehen sie aus wie Bambi 😊 Viscunas stehen unter strengem Artenschutz und dürfen weder gejagt noch als Haustiere gehalten werden. Lediglich einmal im Jahr ist es erlaubt, diese Tiere zusammenzutreiben, um ihre Wolle zu scheren. Diese gilt als die hochwertigste (und auch teuerste) Wolle Südamerikas. Für einen Pullover zahlt man 1000 USD und mehr. Guanakos sind hingegen äußerst selten in freier Natur anzutreffen, da äußerst schüchtern. Sie haben ein relativ kurzes Fell und schauen meines Erachtens vom Gesicht ein wenig wie ein Känguruh aus.

    Genug Hintergrundinformation zu meinen vierbeinigen Freunden, aber nachdem inzwischen auf jeder Tour der jeweilige Guide dieses unverzichtbare Wissen mit uns geteilt hat, war es mir ein Anliegen, diese wertvolle Information so weit wie möglich in die Welt weiterzutragen 😀 Nach mehreren Wochen in Südamerika kann ich jetzt auf unzählige Zusammentreffen mit diesen schönen Tieren zurückblicken und ich möchte auf keine dieser Begegnungen verzichten. Wenn mich diese süßen Tiere mit ihren kugeligen Augen anschauen und nicht selten dabei auch etwas verplant wirken, werde ich wohl immer wieder schwach werden... Aber meine Zeit in den Hochebenen Südamerikas neigt sich leider dem Ende und damit wohl auch die fast schon zum Alltag gewordenen Begegnungen. Mit einem kleinen Video versuche ich zumindest, meine vierbeinigen Freunde für lange Zeit in guter Erinnerung zu bewahren. Mein Herz blutet, dass ich Euch verlassen muss. Ich werde Euch vermissen... 😔

    Anmerkung: Ich hoffe, mit meiner ausführlichen Erläuterung zu den Kameloiden gelingt es jetzt jedem, die verschiedenen Arten im Video auseinanderzuhalten 😊
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  • Love Story Cartagena

    25 maj 2019, Colombia ⋅ 🌧 28 °C

    Cartagena, ich bin verliebt, auf den ersten Blick. Ich habe Dir in die Augen geschaut und es hat nur Minuten gedauert, bis mich Dein Pfeil mitten ins Herz getroffen hat. Als ich Dir an meinem ersten Abend begegnet bin, hatte ich die feste Absicht, nur schnell einen kleinen Happen zu essen und wieder ins Bett zu verschwinden, doch Du hast mich gepackt und eingeladen, den Abend ausgiebig mit Dir und Deinen Einwohnern zu verbringen. Auf Deinen Straßen ist bis spät abends Musik, Leben und Temperament, aus Deinen Restaurants strömen appetitanregende Düfte und Deine Bars locken für wenig Geld mit kalten fruchtigen Cocktails und Cerveza. Du bist südamerikanisches karibisches Feeling pur, Deine Bewohner sind fröhlich und strahlen, sie haben Rhythmus im Blut, lachen und tanzen gerne, sei es auf der Straße oder in einer der ursprünglichen Salsa-Bars, in denen jung und alt zusammenkommen. Du bist ein guter Mix aus weithergereisten Touristen und ursprünglichen kolumbianischen Einheimischen.

    Cartagena, ich liebe es wie Du Dich kleidest. So geschmackvoll und farbenfroh hüllst Du Dich in Dein koloniales Sommerkleid. Du schmückst Dich mit süßen kleinen Balkonen, herrschaftlichen Haustüren und mit bunten Blumen, über Deine kleinen Gassen wandeln hübsche exotische und graziöse Frauen in farbigen Gewändern, altertümliche Pferdekutschen und Karren mit fruchtigem Obst und Säften kreuzen Deine Wege. Ich liebe Deine kreative Ader, Deine vielen Künstler und Deine außergewöhnlichen Wandgemälde an jeder Straßenecke. Du bist eine einzige durchgehende Beauty-Fotostrecke. Kein Wunder, dass Dich die UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt hat. Und es könnte wohl kaum einen geeigneteren Ort als Dich geben, um in Deinem Schoß jedes Jahr die schönste Frau Kolumbiens zu krönen.

    Du bist heiß, Cartagena, damit muss man umgehen können, wenn Deine Luft bereits am frühen Vormittag zu kochen beginnt und nachts nur unmerklich abkühlt, und wenn sich Dein feuchter Atem rund um die Uhr auf meine Haut legt. Zum Glück hast Du mir eine sehr schöne Unterkunft mit einer gut funktionierenden Klimaanlage und einem kleinen Jacuzzi auf der Dachterrasse zum Abkühlen bereitgestellt, in der ich mich immer wieder nach unseren warmen Begegnungen erfrischen kann.

    Ich hatte nun einige Tage Dich näher kennenzulernen. Deine Schönheit und Reize stehen außer Frage. Aber bei genauerem Hinsehen hast Du auch Deine Schönheitsmakel. Dass ich im Minutentakt den vielen Zigarrenverkäufern, Getränkehändlern, Hutverkäufern und Touristenagenturen ausweichen muss, dass sich die Ausrufe „Ey, mi amigo, where are you from?“ bereits hundertfach in mein Gehör eingebrannt haben und dass ich an einigen Plätzen jeden Abend zur gleichen Zeit die exakt gleichen künstlerischen Darbietungen gegen einen kleinen Obulus vorgeführt bekomme, kann zwar manchmal anstrengend werden, aber das verzeihe ich Dir. Schließlich möchten Deine Einwohner auch ein wenig an den Besucherströmen und am Wohlstand Cartagenas teilhaben. Aber muss es wirklich sein, dass mir nahezu alle Verkäufer „unter der Ladentheke“ dubiose Angebote für Hasch, Kokain und sonstige Drogen machen? Muss es wirklich sein, dass sich junge Menschen neben mir auf einem öffentlichen Platz eine Line ziehen? Ziemlich unsexy, Cartagena. Warum drücken Deine Gesetzeshüter hier offensichtlich ein Auge zu, obwohl sie an jeder Straßenecke ihre Präsenz zeigen und patrouillieren? Bitte ändere das, Du könntest noch so viel attraktiver sein...

    Ich wünsche Dir, dass Du diese Probleme zukünftig in den Griff bekommst, sowohl im Interesse Deiner Besucher, aber auch Deiner eigenen Menschen, die hiermit tagtäglich umgehen müssen. Dann komme ich sicherlich wieder. Bis dahin sei gewiss, dass ich Dich trotz Deiner Makel in guter Erinnerung bewahren und in meinem Herzen tragen werde.
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  • Zwischenstop im Paradies

    27 maj 2019, Curacao ⋅ ⛅ 29 °C

    Die Zeit meines Reisens neigt sich dem Ende, die letzten Tage beginnen, bevor ich wieder in die Heimat zurückkehren werde. Nach den unzähligen Erlebnissen und Eindrücken aus den letzten Monaten wird die Umstellung nicht leicht fallen, in den Alltag zurückzukehren. Da mache ich mir keine Illusionen. Ich werde jedoch versuchen, den Übergang so schmerz- und reibungslos wie möglich zu gestalten und meinem Körper, aber vor allem auch meiner Seele, die Möglichkeit einer sanften Rückkehr gewähren. Ich möchte einen würdigen und angemessenen Ausklang dieser einmaligen Reise schaffen. Hierzu brauche ich etwas Zeit, die unendliche Menge an Erlebnissen zu verarbeiten und in meine Erinnerungen sacken zu lassen, mich vom doch manchmal hektischen Reisealltag zu entwöhnen und langsam zur Ruhe zu kommen.

    Ich habe daher entschieden, vor meiner endgültigen Rückkehr noch einen kurzen Zwischenstopp im Paradies einzulegen. Eine Reisebekanntschaft hatte mich auf dieses Paradies hingewiesen, als ich ihr von meinen Plänen berichtete, zum Abschluss meiner Reise Kolumbien zu besuchen. Von Bogota seien es nur knapp 1,5 Stunden Flug zu diesem Karibik-Juwel und die Tickets seien günstig. Sie schwärmte von der Insel Curacao, den tollen Stränden und den überschaubaren Ausmaßen der Insel. Ideal für ein paar Tage Entspannung. Ich hatte in der Vergangenheit bereits schon einmal von der Insel gehört und hatte noch Bilder von kunterbunten schönen Häusern und türkisblauem Meer im Kopf. Warum eigentlich nicht? Die Idee verfestigte sich schließlich, als ich dann nach guten Verbindungen aus Kolumbien für eine Rückreise nach Europa geschaut hatte. Nachdem Susi mit Iberia Airlines nicht die besten Erfahrungen in ihrer in die Jahre gekommenen Maschine auf dem Rückflug gemacht hatte, suchte ich nach Alternativen für den fast zehnstündigen Flug über den Atlantik. Wie es der Zufall so wollte, gibt es sehr gute und regelmäßige Verbindungen von Curacao nach Amsterdam, da die Insel niederländisch und somit ein äußerst beliebtes Ferienziel der Oranjes ist. Der Zwischenstopp in Curacao würde mich von den Flugtickets nur unwesentlich mehr kosten im Vergleich zu einem Flug aus der kolumbianischen Landeshauptstadt Bogota. Die Entscheidung fiel also leicht, wenn ich dieses Inselparadies praktisch kostenlos mitnehmen kann. Der Gedanke an eine Woche Sonne, Strand und Meer ohne jeglichen Reisestress gefiel mir sehr und ich machte Nägel mit Köpfen.

    Ich muss gestehen, dass bei meiner Ankunft in Curacao erstmal nicht direkt paradiesische Stimmung aufkam. Das Wetter war bewölkt und drückend, die Landschaft karg und vertrocknet, die Mitarbeiter am Flughafen eher europäisch korrekt anstatt karibisch locker, die Preise für Lebensmittel guter westeuropäischer Standard. Mit einem veralteten Mietwagen (wackelige Gangschaltung, Fensterheber zum Kurbeln, etc.) düste ich kurz nach der Landung in Richtung Westküste, wo ich ein kleines Appartment am Meer gemietet hatte. Der kleine Ort, etwa 35 Minuten von der Inselhauptstadt Willemstad entfernt, besteht lediglich aus einigen Appartment-Resorts, zwei kleinen Lokalen und einer kleinen Strandbucht. Absichtlich habe ich mich für diese etwas abgelegene Lage entschieden. Ich sehne mich nach Ruhe und möchte bewusst nicht zu sehr durch Urlaubstouristen oder das quirligere Treiben der bunten Inselhauptstadt Willemstad abgelenkt werden.

    Beim Betreten meiner Appartment-Anlage kehrt dann sofort ein Lächeln zurück in mein Gesicht. Ich fühle mich auf Anhieb wohl. Eine ruhige gepflegte Anlage mit eigenem Swimmingpool, mein Appartment geräumig mit voll ausgestatteter Küche (ich sehne mich danach, mich wieder selbst zu versorgen), im Schlafzimmer eine gut funktionierende Klimaanlage für angenehme Schlaftemperaturen, gutes Internet (auch wenn dies niedrige Priorität hat, ist es doch schön, ein bisschen zu surfen ohne jedesmal sekundenlang auf den Seitenaufbau warten zu müssen), von meiner Anlage blicke ich direkt auf die malerische kleine Bucht mit dem ersehnten türkisblauen Wasser, und für den Sprung in das blaue Juwel muss ich lediglich eine kleine Treppe hinuntersteigen. Hier lässt es sich gut aushalten.

    Ich versuche meinen Tagen wieder ein bisschen Struktur zu geben, „Alltag“ im Paradies sozusagen. Ich stehe morgens gegen 8 Uhr bei wildem Vogelgezwitscher auf, mache ein paar Yoga-Übungen (oh Mann, ich bin bereits wieder so eingerostet!!!), dann springe ich für eine halbe Stunde mit Schnorchelmaske in die erfrischenden Fluten und begrüße zum Beginn des Tages die tausenden Fische der tollen Unterwasserwelt (im klarsten und saubersten Wasser, welches ich bisher auf meinen Reisen erlebt habe) und mache mir ein ausgiebiges gemütliches Frühstück. Dann ein bisschen Lesen oder Hörbuch hören, Mittagessen, noch ein Sprung ins Wasser, etwas Sonne tanken und die Haut bräunen lassen (ein kleines Andenken für zu Hause 🙂). Am Nachmittag vielleicht einen kleinen Ausflug in die benachbarten Örtchen oder die umliegenden Strände, vielleicht mit einem heißen Cappuccino in einer der Strandbars. Gegen späten Nachmittag dann ein Bierchen zum Sonnenuntergang, etwas Leckeres kochen und bei Kerzenlicht auf meiner kleinen Terrasse verkosten, dann noch etwas lesen, vielleicht noch einen Film bei Netflix schauen und schließlich früh ins Bett (das viele Wasser macht auch wirklich müde). Klingt unspektakulär, ist aber unglaublich erholsam, Balsam für die Seele. Für Nichtreisende mag es vielleicht unverständlich klingen, wenn ich sage, nach einer so tollen Reise erschöpft zu sein, aber dieser „kleine“ Urlaub ist jetzt genau das Richtige für mich 😊
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  • Untertauchen im Blue Curacao

    30 maj 2019, Curacao ⋅ ⛅ 29 °C

    Zu dieser Zeit sind maximal eine Hand voll von Menschen am Strand, die meisten schlafen noch am frühen Morgen. Die Bucht wirkt verlassen, das Wasser noch ruhig und unberührt, fast ein bisschen frisch, aber das gibt sich schnell, sobald ich meine ersten Bewegungen im Wasser beginne. Und außerdem fallen bereits die ersten Sonnenstrahlen des Tages in die Bucht hinein, welche das Wasser so wundervoll türkisblau färben. Ich stülpe mir meine Schnorchelmaske über und setze einen Schritt nach dem anderen ins kühle Nass. Dann tauche ich unter, innerhalb von einer Sekunde bin ich in einer anderen Welt, der Unterwasserfilm startet. Tausende von kleinen Fischen schwimmen um mich herum, bewegen sich in meinem Rythmus, machen mir Platz, sobald ich’s durch Wasser gleite. Silberne Fischschwärme glitzern in den Sonnenstrahlen, die die Wasseroberfläche durchdringen. Das Wasser schimmert im wundervollen intensiven türkisen Blau und ist so klar, dass ich ohne Probleme wahrscheinlich bis zu 50 Meter weit blicken kann. Wer sich fragt, warum auf dieser Insel der Likör Blue Curacao erfunden wurde, der muss nur für einen kurzen Moment seinen Kopf ins Wasser stecken und wird sofort Antwort erhalten. Die Ähnlickeit ist verblüffend... 😂
    Schnorcheln hat etwas extrem Meditatives und Entspannendes für mich, das Treiben der bunten Fische zu beobachten, die so mühelos durch das Wasser gleiten und mit ihren kleinen Mäulern ununterbrochen an den Korallen zupfen. Unter Wasser ist es so herrlich still, lediglich meinen eigenen tiefen und langsamen Atem kann ich hören. Ich kann alles um mich herum vergessen und lediglich den Moment wahrnehmen. Es könnte kaum einen besseren Start in den Tag geben.

    Inzwischen ist die morgendliche kleine Schnorchelrunde vor dem Frühstück schon zur Routine geworden. Eine knappe halbe Stunde gleite ich jeden Morgen durch die Fluten und klappere das Riff ab. Auch die Fische scheinen ihre eigenen Gewohnheiten zu haben. Fast jeden Morgen treffe ich die gleiche Sorte von Fischen an den gleichen Korallen an. Wahrscheinlich haben sie auch ihr eigenes Revier oder einfach ihre ganz eigenen Knabber-Vorlieben 😊 Dennoch, ich bekomme nicht genug von der Unterwasserwelt, dieses riesige Aquarium wird nie langweilig. Bis zu drei Tauchgänge absolviere ich hier täglich.

    Absolutes Highlight ist ohne Frage aber die Begegnung mit einer ganz besonderen wunderschönen Unterwasserspezies. Bereits am ersten Abend treffe ich auf auf eine majestätische Suppenschildkröte, im Laufe meiner nächsten Tage werde ich auch noch die etwas größeren Meeresschildkröten vor meiner Tauchermaske zu sehen bekommen. Schüchtern sind diese Schönheiten anscheinend nicht, weniger als einen halben Meter entfernt gleiten sie an mir vorbei und lassen mich ihre Ausflüge begleiten. Dabei stelle ich immer wieder mit Ihnen Augenkontakt her, schaue in diese treuen liebevoll ausschauenden Augen. Ob sie wirklich auch in meine Augen blicken? Ich weiß es nicht. Aber der Gedanke ist schön 🙂 Nur anfassen darf ich diese tollen Tiere leider nicht, auch wenn ich lediglich meinen Arm ausstrecken müsste. Aber Berührung scheint sie unter extremen Stress zu versetzen und das letzte was ich möchte, ist sie zu vergraulen.

    Curacao ist tatsächlich ein echtes Meeresparadies, da haben die Reiseführer ausnahmsweise mal nicht zuviel versprochen. Ich hätte mir wohl kaum einen besseren Ort aussuchen können, um meine Seele zur Ruhe kommen zu lassen.
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  • This is it... the final curtain

    2 juni 2019, Curacao ⋅ ⛅ 29 °C

    Letzte Episode der Reise, letzter Tag im Paradies, letzter Tag ganz weit weg, letzter Tag einer unglaublichen Zeit... ich hab mich während meiner Reise schon häufiger gefragt, wie sich wohl dieser letzte Tag anfühlt und wie schwer es mir fallen wird, diese letzten Zeilen zu schreiben. Ob ich wehmütig bin, dass alles vorbei ist, dass ich zurück in die Realität kehren muss, ob ich zweifele, die Zeit wirklich in bester Weise genutzt zu haben, ob ich mir bereits jetzt Sorgen mache um all das, was mich in der Heimat wieder erwarten wird?

    Es ist komisch, doch jetzt wo ich hier sitze, in mich hinein höre und diese Zeilen tippe, fühle ich mich doch frei von schweren Gedanken. Ich fühle mich irgendwie erfüllt von einer Zufriedenheit, Genügsamkeit und tiefen ehrlichen Dankbarkeit. Ich könnte jetzt jammern und sagen: „Die Zeit war viel zu kurz und ging viel zu schnell vorbei“, doch das würde die Wirklichkeit verbiegen und wäre alles andere als fair im Hinblick auf die unglaublich intensiven Monate, die hinter mir liegen. Es verwirrt mich manchmal selbst, wenn ich an die vergangenen Erlebnisse zurückdenke. Teilweise kommt es mir vor als sind wir doch erst vor ein paar Tagen mit dem Campervan durch Australien gefahren, wurden Nachts von Kängurus besucht und sind an einsamen Stränden entlang gewandert. Und dann im nächsten Moment kann ich aber kaum glauben, dass es „nur“ gerade Mal einen Monat her ist, dass ich Susi in San Pedro verabschieden musste und ich alleine durch Südamerika weitergereist bin. Fast täglich kommen mir Erinnerungen an Ereignisse der vergangenen Monate, bei denen ich mich ungläubig frage: „Haben wir das wirklich alles in dieser „kurzen“ Zeit erlebt?“ Ich weiß, dass fünf Monate prinzipiell eine lange Zeit sind, aber ich weiß genauso gut, wie schnell ein halbes Jahr an einem vorbeifliegen kann und man sich dann die Frage stellt, was eigentlich in dieser Zeit passiert ist. Nicht selten ging es mir so in den vergangenen Jahren. Umso mehr weiß ich es jetzt zu schätzen, wie wertvoll diese intensiven fünf Monate waren.

    Bin ich daher nicht wehmütig, dass diese einmalige Reise vorbei ist? Wie bei allen schönen Dingen im Leben, ist es doch selbstverständlich auch eine kleine Träne zu verdrücken, wenn etwas so Schönes zu Ende geht und man loslassen muss. Aber ich fühle mich ausgeglichen und innerlich zufrieden, denn die Monate hätten kaum besser verlaufen können. Ich verschwende nicht einen Gedanken daran, dass ich die Zeit besser hätte nutzen können oder dass ich so vieles nicht sehen konnte und verpasst habe. Vielmehr bin ich dankbar für alles Erlebte, die Erfahrungen, die ich machen durfte und das große Glück, gesund durch diese lange Reise gekommen zu sein. Und ich spüre die unglaublich besänftigende Genugtuung, unbeschreiblich viele Erinnerungen mit nach Hause zu nehmen, auf die ich mein Leben lang mit einem Lächeln zurückblicken werde, Erinnerungen, die durch kein Geld der Welt aufzuwiegen sind und die mir niemand wieder nehmen kann. Und ich spüre, dass mein Fernweh und meine Sehnsucht zu reisen ausgiebig befriedigt wurden. Zumindest schwirrt mir nicht bereits jetzt schon im Kopf herum, wo ich denn wann als Nächstes hinreisen könnte... 😀

    Es erleichtert den Abschied auch immens, dass es natürlich auch viele schöne Dinge gibt, die mich in der Heimat wieder erwarten. Ich freue mich schon sehr darauf, meinen Schatz wieder in den Arm zu nehmen, Familie, Freunde und Kollegen wiederzutreffen, ein zünftiges Bierchen in einem der vielen fränkischen Biergärten zu mir zu nehmen, wieder den Tennisschläger zu schwingen und mehr Sport zu treiben, abwechslungsreich und vielfältig zu kochen, mich auf mein weiches und bequemes Bett zu schmeißen, nicht mehr aus dem Rucksack zu leben, mal wieder etwas Chiques anzuziehen, Wasser bedenkenlos aus dem Wasserhahn zu verwenden, die letzte Staffel von Game of Thrones zu schauen, und noch vieles mehr...

    Aus diesen Gründen habe ich den finalen Abschnitt meiner Reise in Curacao in den letzten Tagen auch ganz unbeschwert genießen können. Neben den vielen Schnorchelstunden und Strandgängen, die den Großteil des Tages eingenommen haben, durfte natürlich auch ein Besuch der Inselhauptstadt Willemstad nicht fehlen. Schließlich ist auch diese Stadt wie schon so viele Orte auf unserer Reise UNESCO Weltkulturerbe. Berühmt für seine vielen bunten Gebäude im historischen Zentrum, findet man hier einen sehr sauberen und gepflegten Stadtkern mit vielen kleinen Geschäften und Bars, der zum Flanieren einlädt. Schön anzuschauen, aber für meinen Geschmack fast etwas zu sehr herausgeputzt und auf die Bedürfnisse der vielen Kreuzfahrtgäste abgestimmt, die hier an bestimmten Wochentagen zu tausenden die Stadt überschwemmen (zum Glück hab ich zufällig den „Ruhetag“ erwischt 😀). Neben dem Stadtkern ist auch ein Besuch des berühmten Mambo Beach absolutes Pflichtprogramm, so etwas wie der Ballermann der Karibik 😂 Wer jetzt aber gleich an Sangria-Eimer und Saufgelage denkt, hat weit gefehlt. Zu meiner Überraschung herrschte am wirklich schönen Strandabschnitt eine äußerst entspannte Stimmung (vielleicht lag dies aber auch an der derzeit herrschenden Nebensaison). Am Abend lädt dann eine der vielen Strandbars mit wirklich guten Live Bands zum Verweilen ein. Auch ich konnte dem Charme nicht widerstehen und habe die Happy Hour in einer der Strandbars mit einem kühlen Bier bei hervorragender Live Musik und kostenlosen BBQ Rippchen voll ausgekostet 😀

    Was wäre Curacao ohne den namensgleichen Likör? Ich bin mir sicher, dass viele das alkoholische Getränk mit seiner charakteristischen blauen Farbe durchaus kennen, von seiner Herkunftsinsel aber nur sehr wenig wissen. Um das „Wahrzeichen“ der Insel besser kennenzulernen, entschied ich mich für eine Fabrikführung, natürlich inklusive Verkostung 😄 Die Fertigungsstrasse der familiären Fabrik erwies sich als äußerst überschaubar. Hier wird tatsächlich noch alles per Hand gemacht, vom Orangen schälen über die Destillation bis zum Befüllen und Verpacken. Soll anscheinend ein Qualitätsmerkmal darstellen, aber als ich beobachte, mit welcher Trägheit die Mitarbeiterinnen letztlich die Etiketten auf die Flaschen kleben, kommen mir da so meine Zweifel, insbesondere an der Effektivität 😂 Ich beschließe dennoch eine Flasche zu kaufen und nach Deutschland zu importieren. Übrigens die überraschendste Erkenntnis für mich ist die Tatsache, dass der Likör eigentlich vollkommen farblos ist und erst nachträglich mit einem geschmacksneutralen Farbstoff versehen wird, den es neben dem bekannten Blau auch in Rot, Orange und Grün gibt. Wer also beim nächsten Supermarkteinkauf zögern sollte, für welche Farbe er sich entscheiden soll, kann bedenkenlos einfach nach der Optik gehen. Der Geschmack ist nämlich bei allen Farben identisch 🙂

    Neben viel Strand und Meer hat Curacao für meinen Geschmack landschaftlich eher wenig Reize. Dennoch wage ich einen Ausflug in den kleinen Nationalpark „Shete Boka“ an der Nordküste (was soviel heißt wie sieben Buchten). Es erwartet mich hier eine trockene Küstenlandschaft mit einigen kleineren Buchten, die von rauhen Wellengang umspült werden. Ich muss sofort an den Devil‘s Tear aus Bali zurückdenken, der ein ähnliches Bild bot. An einer besonders rauhen Stelle des Meeres lasse ich mich auf einer Bank nieder und lasse das Treiben der Wassergewalten auf mich wirken. Wahrscheinlich verbringe ich gar eine geschlagene halbe Stunde ausschließlich damit zu beobachten, wie wieder und wieder die Wellen gegen die Küste schlagen und dabei eine beachtliche Wasserfontäne erzeugen. Das Naturschauspiel wirkt fasst schon hypnotisch auf mich. Es sind Momente wie dieser, die mir sicherlich in Zukunft fehlen werden. Einfach mal die Muße haben, nur dazusitzen und die Natur zu beobachten, ohne dass mir tausend Gedanken des Alltags im Kopf rumschwirren. Solche Momente habe ich extrem zu schätzen gelernt. Das ist pures Gefühl von Freiheit 🙂

    Der letzte Abend in Curacao bricht an. Wie könnte ich die Reise wohl passender abschließen als ein allerletztes Mal die Sonne hinter dem Horizont verschwinden zu sehen. Ich fahre also an einen schönen Strandabschnitt und finde hier wie für mich gemacht ein Bänkchen direkt an der Klippe, perfekt zur Sonne ausgerichtet. Es ist fast so, als wollte mir der liebe Gott zum Abschied noch ein kleines Geschenk machen, denn zum ersten Mal seit meiner Ankunft in Curaçao haben sich die Wolken fast vollständig gelichtet und erlauben einen ungetrübten Blick auf die untergehende Sonne. Was für ein absolutes Glück 😀 Ich bin etwas überrascht, dass der sonst recht gut besuchte Strand bereits nahezu vollständig leergefegt ist. Anscheinend wissen viele Urlauber die Ruhe und Magie der untergehenden Sonne nicht auf die gleiche Weise wie ich zu schätzen. Lediglich ein einzelnes Pärchen kann ich noch an dem sonst verlassenen Strand ausmachen. „Die machen es goldrichtig“ denke ich, als ich sie beobachte, wie sie gemeinsam im seichten Wasser stehen, der Blick aufs Meer und die Sonne gerichtet. Fest umarmt, minutenlang nahezu regungslos genießen sie einfach die tolle Atmosphäre. Ich freue mich für die beiden, spüre in solchen Momenten aber leider auch besonders, dass ich einsam bin und dass mir mein Schatz fehlt. Sonnenuntergänge erlebt man am besten zu zweit 🙂 Ich ziehe ein letztes Mal meine Kopfhörer auf und lasse mich von stimmungsvoller akustischer Musik berieseln, während ich buchstäblich zusehen kann, wie der Vorhang ein letztes Mal fällt und diese einmalige Reise zu Ende geht...

    Anmerkung: Wer sich jetzt fragen sollte, ob dies tatsächlich der letzte Footprint ist, dem kann ich mit einem klaren „Jein“ antworten 😂 Ja, es ist tatsächlich der letzte Footprint aus Übersee und auch das letzte Reiseerlebnis, welches ich festhalte (sofern ich nicht später beim Sichten der vielen, vielen Fotos einmal feststellen sollte, dass ich über ein entscheidendes Erlebnis ja noch gar nicht berichtet habe 😉). Nein, es wird aber nicht der allerletzte Footprint dieser Reise sein, denn ich habe noch einige etwas umfassendere Gedanken zu meiner Reise im Kopf, die mir wichtig sind und die ich ebenfalls gerne teilen würde, sobald mich die Heimat wieder hat. Man darf also auf den Epilog durchaus noch gespannt sein 😄
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  • Was kostet die Welt?

    10 juni 2019, Tyskland ⋅ ⛅ 22 °C

    Eine der häufigsten Fragen, die in Weltreiseforen gestellt wird, ist die Frage: "Was kostet eigentlich so eine Weltreise?" Und natürlich mussten auch Susi und ich uns vor unserer Reise mit dieser Frage auseinandersetzen, um unsere Sparstrümpfe ausreichend zu befüllen, bevor wir uns in die weite Welt begeben haben.

    Die Frage nach den Kosten ist allerdings sehr komplex. In den Foren findet man Angaben von "nahezu kostenlos" bis zu einem kleinen "Lottogewinn". Eine halbwegs realistische Zahl für sich selbst erhält man nur, wenn man zunächst viele viele Fragen zu seiner Reisegestaltung beantworten kann: Wie lange möchte ich in welchen Ländern bleiben? Reise ich zusammen oder alleine? Welches Verkehrsmittel nutze ich hauptsächlich? Welchen Anspruch habe ich an meine Unterkünfte? Welche Ausflüge möchte ich unbedingt machen? und und und...

    Susi und ich haben anhand dieser Fragen im Vorfeld eine grobe Abschätzung für unser Reisebudget aufstellen können und im Großen und Ganzen konnten wir unser geplates Budget auch recht zuverlässig einhalten (der Projektmanager in mir ist ein klein wenig stolz auf sich selbst :-) ). Auch wenn wir sorgfältig Buch über unsere Ausgaben geführt haben, um den Überblick unserer Finanzen während der Reise zu bewahren, möchte ich an dieser Stelle keine detaillierte Finanzstatistik präsentieren (auch wenn der Zahlenmensch in mir das nur allzugerne täte *haha*). Ich glaube aber, der Wissensgewinn einer solchen Aufstellung für jeden Einzelnen wäre äußerst bescheiden und lediglich ermüdend. Zusammenfassend kann ich aber sagen, dass wir sicherlich nicht als absolute Low-Budget-Traveller unterwegs waren, aber doch so sparsam gewesen sind, dass wir glücklicherweise nicht die nächsten 20 Jahre Kredite abzubezahlen haben :-)

    An dieser Stelle möchte ich nur ein paar wesentliche Erkenntnisse teilen, die ich für mich aus dem ganzen Zahlenwirrwarr mitgenommen habe:

    1.) Mit knapp 40% der Gesamtausgaben führen die Reisekosten (Flug, Bus, Mietwagen, etc.) ganz klar die Spitze der Ausgabenliste an. Knapp 60% der Reisekosten gingen dabei allein für die Flüge drauf. Hätten wir hier sparen können? Vermutlich ja, wenn wir manche Flüge früher im Voraus gebucht hätten. Aber dann hätten wir auch wesentlich präziser im Vorfeld unsere Reiseroute und Aufenthaltsdauern festlegen müssen und hätten uns dadurch genau der Freiheit beraubt, die wir gerade so sehr auf unserer Reise geschätzt haben. Hätte sich dann nicht ein "Around-the-world ticket" für uns gelohnt? Definitiv nicht, preislich wäre das bei unserer Route nicht attraktiv gewesen und hätte auch die zu verwendenden Fluglinien deutlich eingeschränkt.

    2.) Zweiter wesentlicher Kostentreiber waren die Unterkünfte auf unserer Reise. Okay, zugegeben, wir haben auf Gemeinschaftsunterkünfte im Schlafsaal eines Hostals verzichtet. Wären wir hiermit deutlich günstiger gefahren? Ich glaube nicht wesentlich, denn zu zweit zahlt man ja auch in jeder anderen Unterkunft wortwörtlich nur die "halbe Miete" :-) Mit preisgünstigen AirBnBs ist der Preisunterschied dann gar nicht mehr so signifikant. Und der Luxus einer meist eigenen Küche hat sicherlich auch dazu geführt, dass wir häufiger als Selbstversorger unterwegs waren und im Gegenzug bei Lebensmitteln eingespart haben. Ich würde es das nächste Mal nicht anders machen :-)

    3.) Bei Lebensmitteln sind wir echte Sparfüchse gewesen, obwohl hier sogar schon die nicht seltenen Bierchen am Abend eingeschlossen sind. Insbesondere hat es sich wirklich bezahlt gemacht, dass wir uns meist selbst bekocht haben. Ein Frühstück oder Abendessen in einem Restaurant oder ein Bierchen in einer Bar kostet nun Mal das Vielfache vom eigentlichen Einkaufspreis (mal Billigländer wie Bali ausgenommen). Und hauptsächlich Wasser aus Kanistern zu trinken anstatt auf teure Markenprodukte zurückzugreifen hat sicherlich auch einen wesentlichen Beitrag geliefert. Manchmal musste man aber auch nur die Augen richtig öffnen, um ein echtes Lebensmittel-Schnäppchen zu machen. Ich erinnere mich zum Beispiel nur allzu gut daran, wie ich während der Hitzewelle in Australien einen McDonalds nach dem anderen abgeklappert habe, um meinen Durst an den kostengünstigen 1 Dollar Slushis zu stillen (billiger und viel erfrischender als jedes Wasser aus dem Supermarkt *haha*).
    Wirklichen Luxus haben wir uns lediglich bei den mehr als 100 Cappuccinos, Flat Whites und Café Lattes während unserer Reise gegönnt. Sicherlich hätten wir hier ein paar hundert Euro einsparen können, aber ganz ehrlich: der Kaffeegenuss war jeden Euro wert und das Sahnehäubchen an jedem spektakulären Zwischenstopp :-)

    4.) Auch wenn Australien und Neuseeland häufig von Reisenden als "soooo teuer" dargestellt wird, haben wir hier für den gleichen Zeitraum nicht wirklich wesentlich mehr als in anderen Ländern ausgegeben und praktisch auf europäischem Preisniveau gelebt. Ich bin mir aber sicher, dass man in diesen Ländern schnell ein kleines Vermögen ausgeben kann, wenn man nicht ein bisschen auf seinen Geldbeutel achtet (wenn ich zum Beispiel nur an das unendliche Angebot an nicht gerade kostengünstigen "once-in-a-lifetime Aktivitäten" in Queenstown denke oder die fast schon unverschämten Preise eines frisch gezapften Bieres in einem neuseeländischen Pub).

    5.) Reisen in Großstädten geht richtig ins Geld, und zwar überall auf der Welt, insbesondere wenn man mal nicht jeden Pfennig umdreht. Unser viertägiger Aufenthalt im schönen Amsterdam hat zum Beispiel nahezu soviel gekostet wie unser zweiwöchiger Trip in Bali. Da muss doch gut überlegt sein, wo der nächste Urlaub verbracht wird... :-)

    Bilanz zum Abschluss: Auf unserer Reise sind mehr als 100 Footprints entstanden. Wenn wir die Gesamtkosten unserer Reise auf die Footprints umlegen, so hat uns ganz grob gerechnet jeder dieser Footprints etwa 100 Euro pro Person gekostet. 100 Euro für unvergessliche Erlebnisse und einmalige, einzigartige Erinnerungen, die uns ein Leben lang begleiten werden. Jeder muss für sich selbst beantworten, ob dies wirklich die Ausgaben wert ist. Für mich jedenfalls war es die beste Investition meines Lebens... :-)
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  • Im Gleichgewicht mit Mutter Erde

    12 juni 2019, Tyskland ⋅ 🌧 15 °C

    Viele indigene Völker der Anden Südamerika hatten (und haben auch heute noch) eine besonders enge Beziehung zu Mutter Erde (oder auch "Pachamama" genannt). Wen wundert das? Das Leben in der schwierigen kargen Gebirgslandschaft der Anden mit ihren nicht optimalen Voraussetzungen für einfache Landwirtschaft war schließlich in besonders unmittelbarer und sensibler Weise von den Launen der Natur abhängig. Aus diesen Gegebenheiten entwickelte sich eine enge Wechselbeziehung zwischen den Menschen und Pachamama. Aus Ehrfurcht und Achtung vor der Natur wurde es zum Selbstverständnis, dass jede gute Tat von Pachamama auch mit einer entsprechenden Gegenleistung, im Allgemeinen einer entsprechenden Opfergabe, zu begleichen ist. Auf diese Art und Weise wird das natürliche Gleichgewicht aufrecht erhalten. Bleibt die Opfergabe aus, so befindet man sich schließlich in der sogenannten Opfer-Schuld. Die Zuneigung und das Wohlwollen von Pachamama steht dann in den Sternen...

    Was hat das mit uns zu tun? In den vergangenen Monaten waren wir auf unserer Reise intensive Konsumenten unsere Mutter Erde und haben viele Leistungen selbstverständlich entgegengenommen: weiße, paradiesische Sandstrände, atemberaubende Berglandschaften, fruchtbare, blühende Tropenwälder, beruhigendes Meeresrauschen, farbenfrohe Sonnenuntergänge, hunderte von Sonnenstunden und unbeschreibliche Begegnungen mit unzähligen Tierarten. Bisher hat uns Pachamama für diese Leistung keinerlei Rechnung geschickt und ich gehe davon aus, dass ich wohl auch zukünftig keine Zahlungsaufforderung in meinem Briefkasten vorfinden werde. Auch wenn wir uns nach dem Verständnis der indigenen Völker somit im Zustand der Opfer-Schuld befinden, ist in unserem Kulturkreis ein Opfer unsererseits kein Selbstverständnis und geschieht rein auf freiwilliger Basis.

    Auf unserer Reise sind mehr als einhundert Footprints entstanden. Diese Footprints stehen im Positiven für die vielen Fußabdrücke, die wir in unseren Erinnerungen hinterlassen haben und die uns hoffentlich noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Die Footprints symbolisieren auf der anderen Seite aber auch unsere ökologischen Fußabdrücke, die wir rund um die Welt hinterlassen haben. Auch wenn wir uns stets bemüht haben, so respektvoll wie möglich mit der Natur umzugehen, so haben wir doch bei genauerem Hinsehen unumstritten bleibende Spuren hinterlassen.

    Wenn man wie wir so lange unterwegs ist und einmal die Zeit hat, so intensiv die Natur wahrzunehmen und zu spüren (ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man im Alltag hierzu nur selten die Gelegenheit findet), dann wird man unweigerlich erkennen, wie unglaublich schön und vielfältig unser Planet Erde mit all seinen Landschaften, seiner Pflanzen- und Tierwelt ist, aber auch wie komplex, zerbrechlich und daher schützenswert unsere Natur ist. So unverständlich es auf den ersten Blick klingen mag, aber "Ja", es kann tatsächlich eine wesentliche Rolle für das gesamte Ökosystem spielen, wenn bestimmte Pflanzenarten auf Grund des Klimawandels plötzlich verschwinden oder sich eine scheinbar unbedeutende Vogelart vor dem Aussterben befindet, weil ihr ursprünglicher Lebensraum einem neuen Industriegebiet gewichen ist.

    Was können wir also tun? Ich könnte jetzt egoistisch sein und mir sagen, dass ich ja zum Glück noch rechtzeitig um die Welt gereist bin und viele Naturschönheiten noch im intakten Zustand erleben durfte. Was kümmert es mich da, dass vielleicht in 10 Jahren keine Manta-Rochen mehr vor der Küste Balis schwimmen, weil die Buchten mit Plastikmüll überflutet sind, dass in 10 Jahren vielleicht keine Koalas mehr in den Eukalyptusbäumen der freien Wälder Australiens hängen, weil ihre Lebensräume zu stark verringert wurden, dass in 10 Jahren vielleicht keine Kondore mehr über den Schluchten des Colca Canyons in Peru kreisen, weil sie vor den Touristenmassen an abgelegenere Orte geflüchtet sind, oder dass sich vielleicht in 30 Jahren die Eismassen der Gletscher Neuseelands vollständig in Gebirgswasser umgewandelt haben, nur weil die Durchschnittstemperatur um ein paar lächerliche Grad gestiegen ist? Ja, es kümmert mich, denn es ist mein ehrlicher Wunsch, dass meine Familie, Freunde, Verwandte, Bekannte und Kollegen ebenfalls die Möglichkeit haben werden, zukünftig ähnliche magische Orte zu besuchen und zu erleben. Und ich wünsche mir insbesondere von Herzen, dass auch nachfolgende Generationen unsere Natur noch in Realität erleben können und nicht nur aus Büchern, Fotos, Filmen oder bestenfalls in Zoos oder künstlichen Parks kennenlernen werden.

    Aus diesem Grund ist es mir ein wichtiges Anliegen, die auf unserer Reise verursachten ökologischen Fußabdrücke wo möglich zu beseitigen oder zumindest einen adäquaten Ausgleich zu schaffen, um unser Gleichgewicht mit Pachamama wieder herzustellen. Vielleicht kann ich ja auf diese Weise auch ein kleines Vorbild für andere sein, auf ihrer nächsten Reise oder auch zu Hause im Alltag ihre Wechselbeziehung mit unserer Natur zu reflektieren und ihren Beitrag zum Erhalt unseres schönen Planeten Erde zu leisten.

    Würde ich mir sehr viel Zeit nehmen und intensiv Nachforschung betreiben, so bin ich mir sicher, dass die Liste unser ökologischen Fußabdrücke während der Reise sehr sehr lange werden könnte. Ich möchte es an dieser Stelle dabei belassen, zumindest die wesentlichen Spuren zu benennen und wie ich sie zu beseitigen gedenke:

    1. Ausstoß von Kohlenstoffdioxid
    Reisen kostet Energie. Damit meine ich nicht nur die persönliche Energie, sondern vielmehr die Energie, die in Form von fossilen Brennstoffen notwendig war, um die vielen tausend Kilometer rund um den Globus zurückzulegen. Knapp 60000 Kilometer haben wir in den vergangenen Monaten zurückgelegt, davon etwa 50000 Kilometer per Flugzeug. Zu Hause wäre ich in dem gleichen Zeitraum lediglich knapp 5000 Kilometer mit dem Auto unterwegs gewesen plus eventuell 1-2 Mittelstreckenflüge. Ich mache mir die Rechnung einmal ganz einfach und beschränke mich bei der Mehrbelastung einfach ausschließlich auf die Reisekilometer per Flugzeug. Der CO2-Rechner des deutschen Bundesamts für Umwelt verrät mir, dass ich bei meiner Flugroute für den Ausstoß von 12,17 t CO2 verantwortlich bin (zum Vergleich: dies entspricht in etwa dem Jahresdurchschnitt für den Gesamtausstoß eines deutschen Bundesbürgers). Um mich gemäß des Kyoto-Protokolls zum Ausstoß dieser CO2-Menge zu berechtigen, müsste ich also 12 CO2-Emissions-Zertifikate besitzen (derzeitiger Stand ca. 25 Euro pro Zertifikat). Ich stehe also bei Pachamama für meinen verschwenderischen CO2-Ausstoß mit etwa 300 Euro in der Schuld. Diese Schuld möchte ich mit einer entsprechenden Spende an die Klimaschutzorganisation atmosfair begleichen, die hiermit Projekte finanziert, die zur Reduktion des CO2-Ausstoßes führen (z.B. Finanzierung energieeffizienter Öfen für die Dritte Welt, Aufbau von Windkraft- und Solarkraftanlagen, usw.). Ich hoffe, hiermit indirekt meine erhöhte CO2-Belastung kompensieren zu können.

    2. Produktion von Plastikmüll
    Praktisch jeden Tag unserer Reise haben wir eine kleine Tüte Müll zum Container bringen müssen. Hauptbestandteil dabei Verpackungsmaterial von Lebensmitteln. Ein kleiner Fluch von Reisenden, denn jeden Tag unterwegs zu sein und jeden Tag den Aufenthaltsort zu wechseln macht den Einkauf größerer unverpackter Mengen von Essen und Trinken praktisch unmöglich. Als Konsequenz haben wir auf viele Einwegprodukte zurückgegriffen, wohl portioniert verpackt. Dabei waren wir ernsthaft mit der Einstellung in die Supermärkte gezogen, möglichst wenig Plastikmüll zu generieren. Nur vereinzelt konnten wir das tatsächlich umsetzen (ich denke der Kauf von großen Mehrliter-Wasserkanistern anstatt kleinen Einzelflaschen war aber leider unsere größte Leistung). Ich bin mir sicher, dass wir dadurch mehr Müll produziert haben als wir im gleichen Zeitraum in Deutschland produziert hätten. Zwar haben wir den Müll stets brav in die Tonne geschmissen und nicht in der Landschaft verteilt, aber bis heute ist mir das Recycling-System in Australien und Neuseeland ein Rätsel und wer versteht schon, wieviel Plastik am Ende des Tages tatsächlich wiederverwendet wird oder nicht doch über Umwege schließlich seinen Weg in die Weltmeere findet. Und wer einmal das Vergnügen hatte zwischen Plastiktüten im Meer zu baden, dem wird klar, dass hier echter Handlungsbedarf besteht. Symbolisch möchte ich daher 5 Armbänder der Organisation 4Ocean an Bekannte und Verwandte verschenken, die unseren Footprints besonders treu gefolgt sind. Mit jedem Armband wird ein Pfund Plastikmüll aus den Ozeanen entfernt und liefert damit einen symbolischen Beitrag im Kampf gegen die Vermüllung unserer Meere. Vielleicht erinnert es ja den einen oder anderen zukünftig ab und zu daran, wieviel unnötigen Müll wir täglich produzieren und lädt zur Reflexion ein.

    3. Eindringen in natürlichen Lebensraum
    Mit die schönsten Momente unserer Reise waren solche, in denen wir das Treiben freier Tiere in wilder Natur beobachten konnten, unverfälscht und nicht hinter den Gittern eines Zoos. Seien es die quirligen Fan-Tails Neuseelands, die majestätischen Manta-Rochen Balis, die knuffigen Wallabies Australiens, die schönen Viscunas Chiles oder die anmutenden Meeresschildkröten Curacaos: eine Begegnung mit solch außergewöhnlichen Tieren in freier Wildbahn ist immer ein einmaliges Erlebnis. Aber ich erkenne, dass solch eine Begegnung letztlich nur zu Stande kommt, weil wir in den Lebensraum dieser Tiere eindringen. Und so sehr wir uns auch anstrengen, unbeachtet zu bleiben, sind wir doch ein kleiner Störfaktor und hinterlassen unsere Spuren. Als Wiedergutmachung möchte ich daher in Australien ein Projekt unterstützen, welches sich für die Aufforstung von Eukalyptuswäldern und damit für die Schaffung von Lebensraum von Koalas und anderen nativen Wildtieren einsetzt (Organisation OneTreePlanted). Mit meiner kleinen Spende werden symbolisch 100 neue Bäume gepflanzt, in denen in vielen Jahren vielleicht eine Koala-Familie ihr zu Hause finden wird :-)

    Zu guter letzt würde ich mich freuen, wenn auch unsere nachfolgenden Generationen früh erkennen, wie schön unser Planet ist. Denn was wir schätzen und bewundern, das werden wir auch versuchen zu bewahren. Daher werde ich meinen Neffen und Nichten (oder in Vertretung ihren Eltern) einen Bildband von National Geographics zukommen lassen ("Wie sie die Welt noch nicht gesehen haben"). Vielleicht erzeugen ja manche Bilder bei ihnen wie bei mir ein ehrfürchtiges Staunen und wecken in vielen Jahren bei ihnen auch einmal die Lust, unsere wunderschöne Erde zu entdecken. Ich wünsche mir sehr, dass ein Großteil unserer Natur noch erhalten sein wird, wenn sie ihre Reise starten werden.

    Anmerkung: Auch wenn es vielleicht in Teilen so aufgefasst werden könnte: ich habe mich auf meinen Reisen nicht zum extremen Umweltaktivisten gewandelt, ich werde nicht ab morgen nur noch ökologische Tomaten aus den Pflanzenkübeln meines Balkons essen, ich werde nicht mein Auto verkaufen und zukünftig nur noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein und ich werde auch in Zukunft ins Flugzeug steigen, um weite Strecken zurückzulegen. Ich schätze durchaus die Bequemlichkeiten und die Möglichkeiten, die uns unser Fortschritt gebracht hat und zunehmend bringen wird. Und ich werde von diesem Fortschritt auch weiterhin Gebrauch machen, selbst wenn er in einem gewissen Maße auch eine Belastung unserer Umwelt darstellt. Ich bin vielmehr durch meine Reise für Umweltschutz stärker sensibilisiert wurden, mir ist bewusster geworden, dass wir alle es sind, die die Zukunft unsere Planeten mitgestalten, und ich werde daher zukünftig vielleicht häufiger kritisch hinterfragen, wo ich vermeidbare Umweltbelastungen einschränken und meinen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann.
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  • Danksagung an das Leben

    25 juni 2019, Tyskland ⋅ ⛅ 30 °C

    Mein liebes Leben,

    In den vergangenen Monaten hatte ich die Zeit und Gelegenheit, Dich mehr als je zuvor intensiv kennenzulernen und unsere Freundschaft wahrzunehmen. Du hast mich über zigtausende von Kilometern als treuer Freund begleitet, bist mit mir über Wasser, über Land und durch die Lüfte gereist, hast mich durch die höchsten Berge, tiefe Gewässer, trockenste Wüsten und feuchteste Landschaften der Erde begleitet. Du hast mit mir gemeinsam die Welt auf vielen Wegen zu Fuß erkundet, mir andere Kulturen gezeigt und mit mir neue Menschen kennengelernt. Du hast mit mir exotische und meist auch leckere Speisen geteilt, Du bist mit mir früh morgens aufgestanden, wenn ich nicht mehr schlafen konnte, weil mich das Abenteuer gerufen hat, und bist bis spät in die Nacht mit mir wachgeblieben, wenn ich um die Häuser ziehen wollte. Du hast mir an brennend heißen Tagen ein schattiges Plätzchen gezeigt und mich bei strömendem Regen zu einem trockenen Unterschlupf geführt, Du hast mich an so vielen Morgenden mit dem fröhlichen Zwitschern der ungewöhnlichsten Vögel aufgeweckt und mir an so vielen Abenden zum Abschied des Tages einen bunten Sonnenuntergang an den Himmel gemalt. Du bist mit mir an Orten gewesen, die nicht von dieser Welt sind und deren Schönheit mir noch immer die Sprache verschlägt. Du hast mir, wo immer möglich, den Freiraum gegeben, meinen Weg selbst zu wählen, aber hast mich nie gänzlich aus den Augen verloren und bist immer rechtzeitig für mich da gewesen, wenn Gefahr drohte, und hast mir in diesen Momenten Deine schützenden Engel geschickt. Ich habe viele Stunden der Sorglosigkeit, Freiheit und Schwerelosigkeit mit Dir gemeinsam erlebt und wir haben teilweise wie die kleinen Kinder miteinander rumgealbert, aber ich bin Dir auch dankbar für die Momente, in denen Du ein ernsthaften Wort mit mir gewechselt und mich zu tiefem Nachdenken angeregt hast. Ich danke Dir für alles, was Du für mich getan hast. Ich danke Dir, dass es Dich gibt, denn Du bist so wundervoll, vielfältig und einzigartig. Wahrscheinlich habe ich es Dir bisher viel zu selten ausgesprochen, aber ich bin sehr glücklich, Dich als treuen Freund zu haben.

    Mein liebes Leben, ich danke Dir, in einer Zeit geboren zu sein, in der Frieden zwar noch immer keine Selbstverständlichkeit ist, aber in vielen Teilen unserer Welt schon über mehr als eine Generation hinweg gelebt wird und es uns erlaubt weite Strecken auch ohne Todesängste unterwegs zu sein. Ich danke Dir, genau in dem Zeitfenster leben zu dürfen, in der einerseits die Naturschönheiten und Artenvielfalt unserer Erde zum größten Teil noch existieren und noch nicht von uns Menschen zerstört wurden, und andererseits aufgrund unseres technologischen Fortschritts und dem Ausbau der notwendigen Infrastruktur überhaupt erst mit machbarem Aufwand für uns zugänglich sind.

    Ich danke Dir für die Heimat, die Du für mich ausgewählt hast, ein Land, in dem ich mir über existenzielle Grundlagen wie sauberes Trinkwasser, ausreichend Nahrung, medizinische Versorgung und soziale Absicherung keine Gedanken machen muss, in dem ich nachts ohne Angst um die Häuser ziehen kann und in dem Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche, Waldbrände oder auch Überflutungen keine nennenswerte Rolle spielen. Ich danke Dir, aus einem Land zu stammen, dessen Staatsbürger nahezu ausnahmslos weltweit mit offenen Armen und ohne strenge Einreisebestimmungen empfangen werden.

    Ich danke Dir, dass ich in einem so gesunden Körper geboren wurde, mit dem ich jeden Tag ohne Schmerzen und Einschränkungen in den Tag starten kann, der auch hohe körperliche Belastungen ohne allzu großes Stöhnen auf sich nimmt und der auf meinen Reisen auch nicht vor unwegsamen Gelände zurückgeschreckt ist, dem in keiner noch so großen Höhe die Puste ausgeht und der weder an kalten Nächten noch vor glühend heißen Tagen in die Knie gehen muss. Ich habe genug Menschen auf meiner Reise gesehen, für die Gesundheit keine Selbstverständlichkeit ist und die auch kleinere Anstrengungen nur mit großen Mühen bewältigen können. Ich kann Dir nicht genug dafür danken, meine Wege ohne gesundheitliche Einschränkungen beschreiten zu können.

    Ich danke Dir, dass Du mir eine so tolle Partnerin an die Seite gestellt hast, mit der ich gemeinsame wunderschöne Erinnerungen teilen kann, mit der ich in guten Momenten von Herzen lachen kann und die mich in schlechten Momenten auffängt, stützt und tröstet, durch die an schönen Tagen die Sonne noch etwas heller zu strahlen scheint und an schlechten Tagen der Regen etwas weniger nass wirkt, die meinen Übereifer manchmal zurecht bremst und mir hilft, auch mal einen Gang zurückzuschalten, die mir gezeigt hat, dass es beim Erleben nicht unbedingt auf die Anzahl und das „Was“ ankommt, sondern dass vielmehr das „Wie“ eine entscheidende Rolle spielt, mit der ich erleben durfte, dass nicht jeder Tag im Voraus durchgeplant sein muss und das gerade das Unerwartete und Überraschende einen Tag zu etwas ganz Besonderem werden lassen, mit der ich meine Gedanken und Gefühle teilen kann, mit der ich viele Stunden über Gott und die Welt philosophieren oder auch über Belangloses albern kann, die immer wieder geduldig über meine schlechten Angewohnheiten hinwegblickt, die wie mein schlechtes Gewissen auf meiner linken Schulter sitzen kann, wenn ich in alte Muster zurückfalle, aber mir im nächsten Moment auch von der rechten Schulter Mut für unbekannte Wege ins Ohr flüstert, die zugleich der beste Kumpel und der wichtigste Mensch in meinem Leben für mich ist.

    Ich danke Dir für meine Eltern, die mein Wohl stets über das ihre stellen, die mich in all meinen Entscheidungen unterstützen und ermutigen und mir uneingeschränktes Vertrauen in meinen gewählten Lebensweg schenken. Ohne ihre stetige direkte oder indirekte Unterstützung über nunmehr fast 38 Jahre würde ich bestimmt nicht an der gleichen Stelle in meinem Leben stehen.

    Ich danke Dir für meine Familie und Verwandten, die mir immer wieder gezeigt haben, dass familiäre Bindungen von einer ganz besonderen Festigkeit und Kontinuität sind, deren Türen auch nach vielen vielen Jahren und trotz großer Entfernungen an allen Orte der Erde immer für mich offen stehen.

    Ich danke Dir für meine Freunde, die mir über viele Jahre treu geblieben sind, die trotz unterschiedlicher Wohnorte, Jobs und Lebensphasen immer noch auf der gleichen Wellenlänge wie ich schwingen, die mir immer wieder verziehen haben, wenn ich mich im Alltagstrott viel zu selten gemeldet habe, die mir ein offenes Ohr schenken, wenn ich Rat benötige, die mich spüren lassen, dass auch tausende von Kilometern für eine Freundschaft keine Barriere sein müssen, und denen mein Glück ernsthaft am Herzen liegt.

    Ich danke Dir auch für meine Kollegen, die mir meine Auszeit gegönnt und überhaupt erst ermöglicht haben, indem sie bereit waren, meine lange Abwesenheit und die damit verbundene Mehrarbeit mit ihren eigenen Kräften zu schultern.

    Zu guter letzt danke Dir für die Menschen, die ich während meiner Reise neu kennenlernen durfte. Du hast mich daran erinnert, wie schön es ist, neue Kontakte zu knüpfen, unterschiedliche Meinungen auszutauschen, neue Perspektiven kennenzulernen oder einfach nur gemeinsam Spaß zu haben. Jeder Einzelne von ihnen hat die Reise zu etwas ganz Besonderem gemacht.

    Es gibt wahrscheinlich noch so vieles, für dass ich Dir ebenfalls dankbar sein müsste. Du hast es immer außerordentlich gut in meinem Leben mit mir gemeint. Das ist mir besonders in den letzten Monaten bewusst geworden. Und allein für diese wertvolle Erkenntnis muss ich Dir zum Abschluss noch einmal besonders danken.

    Ich hoffe, wir bleiben auch zukünftig weiter in regelmäßigem Kontakt. Sollte ich in den Unwirren des Alltags einmal eine Zeit lang vergessen, mich wieder bei Dir zu melden, wäre ich froh von Deiner Seite aus hin und wieder ein Lebenszeichen zu bekommen. Bitte lass mich ab und an wissen, dass Du auch weiterhin mein treuer Weggefährte bist und nichts an Deiner Einzigartigkeit verloren hast. Unsere Freundschaft ist mir sehr wichtig.

    Als Andenken an die vergangenen 6 Monate habe ich Dir ein paar Erinnerungsfotos von meiner Reise hinzugefügt. Erinnerst Du Dich noch, dass Du mich vor meiner Reise gefragt hast, was ich mir von meiner Reise wünsche? Nach einigem Überlegen hatte ich Dir folgende Wünsche genannt und mir fest an die Wand geschrieben:

    Freiheit - Menschen - Natur - Ruhe - Liebe

    Ich lasse die Bilder für sich sprechen, ob diese Wünsche auch wirklich in Erfüllung gegangen sind 😀

    Dein treuer Freund Jens
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  • Der letzte Poetry Slam

    8 juli 2019, Tyskland ⋅ ⛅ 20 °C

    Zeit auch für mich mal noch ein paar letzte Worte zu schreiben, in Form eines Slams , ich hoffe es bleiben, dann doch noch ein paar Leutchen kleben, um ihm ein kurzen like zu geben.
    Oft werden wir in letzter Zeit gefragt: „ Was war jetzt das Allerbeste, Sag´s!“
    Doch es ist schwer zu sagen, da jedes Land nun mal andere Farben, Menschen und Essen haben.
    Jedes Land war auf seine Weise eine Inspiration, um es mit der Musik auszudrücken, es gab immer einen anderen Ton.
    Jedes Land hatte einen anderen Klang, Beispiel Vögel da fängt die Liste ja schon an!
    Jeder piepst in seinen anderen Tönen, der Tui Vogel in Neuseeland kann sich zum Beispiel an sein Umfeld gewöhnen. Ahmt die Geräusche aus der Umgebung durch piepsen nach, wenn ihr mir das nicht glaubt liest es doch nach!
    Klar ist die Tierwelt in Australien einfach phänomenal, aber durch die Lamas in Chile, Defline und Wale in Neuseeland ist die Entscheidung wirklich eine qual!
    Singapur hat Stil,Bali ist steinig und grün, Australien hat wahnsinns Strände und ist durch seine Trockenheit oft steinig rot/sandig, Neuseeland ist grün, Chile ist trocken und grün also beides und ich meide es,mich hier zu entscheiden und bleibe hier lieber im schweigen.
    Gemeinsam reisen und allein, was ist besser was ist eher ein Nein.
    Kann man nicht sagen beides ein Jein.Oder doch eher ja!
    Ich denke sowohl Jens als auch Ich wollen unsere Zeit allein nicht missen.
    Jeder kann in seinem Rhythmus entscheiden und man kann Missverständnisse vermeiden.
    Aber sei ma mal ehrlich, am Ende ist es schön zu sagen: „ja wir haben das gemeinsam ertragen“.Ja wir haben das gemeinsam genossen und haben vor lachen uns mit Tränen übergossen, haben zusammen geschwitzt bei Yoga 40 Grad und gemeinsam gesagt das war wirklich ein guter Tag.
    Und es ist toll einen Weggefährten zu haben,denn während man von Momenten erzählt werden die gleichen Emotionen ihm übertragen.
    Denn er hat es auch erlebt und kann nachfühlen wie es einem geht.
    Vielen Dank Jens das Du mit mir die Reise gemeistert hast und ich hoffe ich war dir nicht manchmal eine last, mit meinen doch etwas unterschiedlichen Launen, dennoch glaub mir, war ich auch am staunen, was es in dieser grossen weiten Welt gibt und hoffe das es sie noch ein paar Jährchen so gibt!
    Denn es ist schön mal über den Tellerrand zu schauen und anderen wünsche ich, dass sie das auch bestaunen.
    Auch alleine in Christchurch war es wert, hat mir doch ein klein wenig das Haus meines eigenem Ichs durch gekehrt!
    Und jetzt am Ende zu sagen, was waren die besten Fotos, lad sie doch mal hoch los, ist schwierig zu sagen. Aber findpenguins zwingt mich ich kann nur 6 hochladen...
    Aber ich habe mich für ein Video entschieden um zu mindest noch ein paar mehr Fotos rein zu schieben!
    Auch ein letztes Klavierstück reingesetzt hoffe keiner ist zu sehr entsetzt und wenn ja ist es ja zu letzt, der letzte Poetry Slam und schon sag ich Tschüss ba bähm :-)
    Adios and Goodbye schaut doch trotzdem ab und zu mal hier vorbei!
    (Susi)
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    Resans slut
    31 augusti 2019