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Timeout

2019/2020 Weiterlesen
  • Medellín - Wochenende

    26. Januar 2020 in Kolumbien ⋅ ⛅ 24 °C

    Mein Wochenende war gemischt. Ein perfekter Start am Samstagmorgen - Paragliden in San Felix, einem kleinen Örtchen nordwestlich von Medellín.
    Ich bin mit zwei 'Schulkameraden' (klingt echt lustig) hingefahren, so dass wir uns die ohnehin günstigen Taxikosten (hin und zurück, jeweils 45 Minuten, haben insgesamt etwa 17 Euro gekostet) teilen konnten. Ich habe das Paragliden 2018 in Oberstdorf ausprobiert, und es hat mir gefallen, war aber viel zu teuer für eine Wiederholung.
    In Kolumbien kostet der Spaß nicht mal ein Drittel! Und im Gegensatz zu Oberstdorf, wo es vom Berg ins Tal ging, sind wir hier zunächst aufgestiegen, und dann nach zwanzig Minuten auf dem gleichen Platz wieder gelandet, mit wunderschönen Blicken ins Aburrá-Tal. Ich habe den Flug, die Stille, die Natur und die deutlich frischere Luft richtig genossen!

    Den Rest des Tages habe ich im Prinzip nur gegammelt. Bisschen durch die Straßen geschlendert, eingekauft, gegessen (die Küche ist ziemlich fleischlastig und man isst möglichst alles frittiert - aber da wir hier im Touri-Viertel sind, gibt es von Falafel bis Sushi alles) und war nicht wirklich produktiv.

    Heute Morgen war ich im Parque Arví, einem Naturpark im Nordosten von Medellín, der deutlich höher als die Stadt liegt und mit der Seilbahn zu erreichen ist.
    Für die Aussicht hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Allerdings wollte ich eigentlich mal wieder ein bisschen wandern, aber der freundliche Parkmitarbeiter sagte mir, dass die abgelegeneren Wege alleine zu gefährlich seien. Und auf den nicht abgelegenen Wegen gab es die reinste Völkerwanderung (und es waren mehr Straßen als Pfade), so dass ich mir das gespart habe.
    Ein bisschen schade, die Stadt ist umgeben von Bergen, aber alleine zu wandern empfiehlt sich hier einfach nicht. Habe ein bisschen recherchiert und überall Warnungen gefunden, dass es zu Überfällen kommen könnte. Und das muss ich dann doch nicht riskieren. ;)

    Also bin ich wieder ins Tal gegondelt, habe Mittagspause in Envigado, einem kleinen Ort im Süden, gemacht und mich mit einem frischen Milchshake und einem Crepe auf den Marktplatz gesetzt, Leute beobachten. Und ein bisschen Spanisch üben, denn eine Gringa alleine zieht in der Regel Aufmerksamkeit auf sich. Allerdings meistens die der falschen Leute. ;)

    Den Nachmittag habe ich dann im Museum Casa de la Memoria verbracht. Rein informationstechnisch hatte ich etwas mehr erwartet. allerdings war das Museum sehr gut und modern aufgemacht und hat sich vor allem auf die Opfer der letzten Jahrzehnte konzentriert. Und das war schon bedrückend. Und hat mir einmal mehr klargemacht, dass wirklich fast ausnahmslos jede Familie von den Konflikten und der Gewalt betroffen war. Im Kopf geblieben ist mir die Geschichte eines Mannes, der 1990 mit Freunden in einer Bar saß, als vermummte und bewaffnete Männer alle Gäste der Bar nach draußen bugsiert und auf dem Parkplatz erschossen haben. Bis heute weiß man nicht, ob es Mitglieder einer linken Gruppierung waren, die einfach eine Wut auf die höheren Klassen hatten, oder Regierungstruppen. Massaker, Morde, Entführungen, Vergewaltigungen, Vertreibungen - vieles scheint sehr willkürlich passiert zu sein, und von allen beteiligten Parteien. Auch heute gibt es im Übrigen noch Regionen in Kolumbien, die tabu und jeglicher staatlicher Kontrolle entzogen sind.
    Das Thema ist also immer noch aktuell - und der Frieden, auf den man zumindest in Teilen Kolumbiens gehofft hatte, nachdem vor einigen Jahren ein Friedensabkommen mit der Guerilla-Gruppierung der FARC geschlossen wurde, ist momentan wieder stärker in Gefahr, da der aktuelle Präsident sich nicht daran gebunden fühlt.

    Ein sehr komisches Gefühl, zu wissen, wie viel Unruhe, Konflikt- und Gewaltpotential immer noch vorhanden ist, während ich mich zugleich in den Gegenden Medellíns, in denen ich mich bisher aufgehalten habe, so sicher fühle wie in jeder europäischen Großstadt...
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  • Medellín - zweite Woche

    31. Januar 2020 in Kolumbien ⋅ 🌧 25 °C

    Zwei Wochen Sprachkurs geschafft! Eigentlich war mein Plan, 3-4 Wochen zu machen.
    Aber zum einen geht mein Flieger Richtung Santiago de Chile in 3 Wochen, und ich möchte noch ein bisschen was sehen, und zum anderen will ich aus der Stadt raus.
    2,5 Wochen in der Großstadt, viel Zeit drinnen und sitzend verbracht, wenig Bewegung - reicht jetzt.
    Außerdem kann ich mein Spanisch auf dem jetzigen Level auch selbst verbessern, indem ich anfange, zu lesen oder Podcasts zu hören.
    Die guten Vorsätze sind da, mal sehen, wie lange sie halten. 😉

    Nach der Schule habe ich in dieser Woche nicht mehr allzu viel gemacht. Am Dienstag waren wir bei einem Fußballspiel, mitten zwischen den Hardcore-Fans von Independiente Medellín. Das Stadion war zwar mehr als halb leer, die Stimmung aber trotzdem famos. Irgendwann möchte ich das noch mal vor ausverkaufter Kulisse sehen!

    Außerdem habe ich drei Stunden Salsa-Unterricht genommen (man muss ja ab und zu mal seine Komfortzone verlassen). Gebracht hat es leider nicht allzuviel, da meine Lehrerin etwa die Hälfte der Zeit versucht hat, mir zu erklären, wie genau ich meine Hüften bewegen und meinen Oberkörper kreisen lassen soll. Ich habe ja immer noch die These, dass manche Bewegungen einfach angeboren und für Nordeuropäer nicht zu erlernen sind...
    Ganz interessant fande ich ihre Theorie, dass man beim Tanzen die Persönlichkeit eines Menschen erkennen kann. Und ja, dass ich ein Kontrollfreak bin, kann ich nicht leugnen. 😊

    Morgen geht es für mich weiter in Richtung Salento - angeblich wie Österreich, nur mit Palmen. Ich freue mich darauf!
    Dann gibt es hier auch wieder mehr zu sehen und zu lesen!

    PS: Habe diese Woche überlegt, dass ich viel zu wenig ausnutze, tun und lassen zu können, was immer ich möchte. Also falls ihr noch gute Ideen habt oder mir erzählen möchtet, was ihr immer schon mal machen wolltet, wenn es sicher keiner mitbekommt, meldet euch (muss ja nicht in den offiziellen Kommentaren hier sein 😉).
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  • Salento - in der 'Eje Cafetero'

    2. Februar 2020 in Kolumbien ⋅ 🌧 20 °C

    Nach knapp 8 Stunden im Bus für etwa 250 km (ja, fast nepalische Geschwindigkeiten, aber die Straßen waren deutlich besser und der Bus hervorragend - schlängelte sich halt mal wieder hinter laaangsamen LKWs durch die Berge und viele einspurige Baustellen) bin ich gestern Abend in Salento angekommen - und habe es direkt genossen.
    Frische Luft, Ruhe und die erste Nacht seit fast vier Wochen, in der ich nicht geschwitzt habe! Dazu habe ich mir gestern ein Festmahl mit Rotwein und Pasta gegönnt (üblicherweise kaufe ich irgendwo einen Snack zum Mitnehmen, um mein Budget zu schonen, aber Ausnahmen müssen drinsitzen).

    Salento liegt in Kolumbiens 'Eje Cafetero', der 'Kaffeeachse' (auch Kaffeedreieck genannt) - also dem Gebiet, in dem auf einer Höhe zwischen 1200 und 2000 m der kolumbianische Kaffee angebaut wird. Kolumbien ist weltweit der drittgrößte Kaffeeproduzent (nach Brasilien und Vietnam)!
    Ein absolutes Muss in Salento ist also der Besuch einer Kaffeeplantage, was ich heute Morgen in Angrif genommen habe. Die Ocaso-Farm bietet stündliche Führungen auch auf Englisch, und bot mit etwa 5 km Entfernung die ideale Möglichkeit, mich mal wieder ein bisschen zu bewegen.

    Es war ein wirklich schöner Spaziergang durch eine unglaublich grüne, üppige Landschaft, entspannt bergab gemeinsam mit gefühlten tausend Mountainbikern - Salento ist an den Wochenenden ein beliebtes Ausflugsziel der Kolumbianer. Die Führung selbst war gut besucht; ich frage mich schon manchmal, wie viel Tripadvisor dazu beiträgt, dass sich die Touris an immer den gleichen Orten ballen. Vielleicht sollte ich mal etwas Abstand davon nehmen. ;) Davon abgesehen war es aber eine wirklich gute Tour, und wir haben einiges über den Kaffeeanbau gelernt (nächsten Abschnitt überspringen, falls es euch nicht interessiert):

    Ein Kaffeebaum hat eine Lebensdauer von etwa 20 Jahren. Er trägt circa 5 Jahre lang Früchte und benötigt dann eine Ruhephase von 2 Jahren.
    In Kolumbien wird fast ausschließlich die Sorte Arabica angebaut (beste Bedingungen), und da der Kaffee in den Bergen wächst, erfolgt die Ernte manuell.
    Es gibt zwei Haupternten im Jahr, und gerade ist keine Saison, weshalb man die roten Kaffeekirschen, wie die Früchte genannt werden, mit der Lupe suchen musste.
    Nach der Ernte wird die Schale von den Kirschen entfernt und die Bohnen (in der Regel zwei pro Kirsche) gewaschen und getrocknet. Danach wird auch die Schale der Bohnen entfernt - damit sind sie im Prinzip auch schon fertig für den Export.
    Daneben gibt es noch weitere spezielle Verarbeitungsarten, um andere Aromen zu erhalten - so können die Bohnen z. B. in der Kirsche getrocknet werden oder es wird auf den Prozess des Waschens verzichtet. Während des Waschens wird normalerweise der Kaffee in Güteklassen unterteilt - Bohnen der ersten Güteklasse sinken, die der zweiten Klasse schwimmen.
    In Kolumbien wird fast die gesamte Ernte der ersten Güteklasse exportiert, klar. Die zweite Klasse muss stärker geröstet werden, um die Mängel der Bohne auszugleichen, weshalb der kolumbianische Kaffe relativ bitter schmeckt. Unser Probe-Kaffee nach der Tour war aber natürlich Top-Qualität. ;)

    Der Rückweg war dann deutlich anstrengender - ging halt wieder rauf, und auch wenn es insgesamt nur 300 Höhenmeter waren, habe ich doch gemerkt, dass ich nicht mehr im Training bin. Allerdings hatte ich tolle Gesellschaft! Nein, nicht von den anderen Teilnehmern, die sind ausnahmslos mit dem Auto zurück nach Salento. Aber mich hat auf dem Hinweg schon fast eine halbe Stunde lang ein Hund begleitet. Stand auf dem Weg, guckte mich an, als ob er auf mich gewartet hätte, und lief dann bis zur Farm mit mir. Dort legte er sich hin, döste ein bisschen, und war nach fast 2 Stunden wieder zur Stelle, als ich mich auf den Rückweg machen wollte. Wirklich faszinierend! Er ist immer mal wieder ein bisschen vorausgelaufen, dann stehengeblieben und hat auf mich gewartet. Am gleichen Ort, wo er mich getroffen hat, hat er mich dann auch wieder verlassen. ;) Ich hab' mich kaputtgelacht. Eine treue Seele!
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  • Salento - Valle de Cocora

    3. Februar 2020 in Kolumbien ⋅ ⛅ 21 °C

    Nach über zwei Monaten endlich mal wieder eine Wanderung, die diesen Titel verdient hat - etwa 11 km und 800 Höhenmeter durchs wunderschöne Valle de Cocora (und jaaa, es war anstrengend!).

    Los ging es um kurz nach acht mit dem in Salento üblichen Transportmittel - einem Jeep, der Willy genannt wird (warum auch immer?!).
    Offiziell fahren die Jeeps jede volle Stunde, inoffiziell, sobald sie voll sind. Voll heißt allerdings, dass drei Leute hinten auf der Stoßstange stehen...

    Schon kurz nach dem Start konnte ich die These von den Alpen mit Palmen bestätigen, als sogar noch Kühe auf der saftig grünen Wiese die Postkartenidylle vervollständigten.
    Ganz so idyllisch ging es aber nicht weiter, bzw. zwar schön, aber anstrengend. Durch den Nebelwald stieg der Pfad es über diverse wackelige Hängebrücken steil an.
    Ich war wirklich froh, dass generell Trockenzeit in Kolumbien ist und das Wetter heute ein echter Glückstreffer war - bei Regen verwandeln sich die Wege vermutlich in Schlammpisten, und man dürfte mehr schlittern als laufen. Aber wie gesagt, ich hatte perfekte Bedingungen.

    Nach anderthalb Stunden gab es einen kurzen Zwischenstopp mit Kakao auf einer Farm, die für ihre Kolibris bekannt ist (auf den Käse habe ich verzichtet - in Kolumbien ist Chocolate con Queso sehr beliebt! Ich kenne zwar auch Menschen, die Käse mit Nutella essen (gucke da niemanden an...), aber ich gehöre nicht dazu).
    Danach ging es weiter bergauf, raus aus dem Wald bis auf knapp 3000m, und schließlich hinab und hinein in den Bereich des Tals, für den all' die Touristen (und es waren wahrlich nicht wenige) kommen: Die Wachspalmen!

    Die Quindio-Wachspalme ist Nationalbaum Kolumbiens und die höchste Palmenart der Welt: Sie kann bis zu 60 Meter erreichen.
    Im Valle de Cocora steht sie unter Schutz, da das Tal zum Nationalpark Los Nevados gehört - ansonsten ist sie bedroht, weil das Land so katholisch ist: Die Palmen wurden früher gerne gefällt, um die Wedel für die Palmsonntagsprozessionen zu nutzen!
    Mir kam es so vor, als würde es sich um Plantagen handeln, da die Palmen in so gleichmäßigen Abständen wachsen - aber scheinbar ist das Wurzelwerk so groß, dass jede Palme für reichlich Platz um sich herum sorgt.

    Ein beeindruckender Anblick war es allemal, auch wenn ich den mit ziemlich vielen Menschen teilen durfte.
    Bin froh, dass ich relativ früh gestartet bin. Zum einen waren noch nicht so viele Leute unterwegs, zum anderen war es ganz angenehm, den steilen Anstieg nicht in der Mittagshitze in Angriff nehmen zu müssen.

    Zurück ging es dann wieder mit dem Willy, und den Nachmittag über habe ich in meinem Hotel in der Hängematte gechillt. Auf jeden Fall habe ich einmal mehr gemerkt, dass Wandern mich glücklich macht. Funktioniert jedes Mal wieder!

    Ich bitte um eure Vorschläge, wie man Wandern zu seinem Beruf machen kann... 😉💡
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  • Pläne...

    4. Februar 2020 in Kolumbien ⋅ ⛅ 17 °C

    Halbwegs entspannter Tag heute.
    Einerseits habe ich viel relaxt, andererseits geplant, und das ist für mich mittlerweile ziemlich unentspannt.
    Früher habe ich es echt geliebt, einen Urlaub vorzubereiten, nach den schönsten Zielen zu schauen, Hotels und Flüge zu vergleichen.
    Inzwischen werde ich leider ziemlich schnell ungeduldig und frustriert, obwohl ich doch eigentlich Übung haben sollte.
    Aber es gilt, so viele Entscheidungen zu treffen zwischen den Millionen Möglichkeiten, und das fällt mir nicht immer leicht. 😉
    Trotzdem - ich war erfolgreich. Also für die, die es wissen wollen:

    Am Donnerstag fliege ich vom nahegelegenen Pereira nach Santa Marta an der Karibikküste.
    Von dort aus starte ich dann am Samstag einen viertägigen (geführten) Trek zur Ciudad Perdida, einer 'verlorenen Stadt' im Dschungel.
    Ich bin etwas aufgeregt, da die Wanderung richtig hart sein soll, nicht zuletzt aufgrund von Hitze, Luftfeuchtigkeit und Mosquitos.
    Man schläft in sehr rustikalen Camps (teilweise in der Hängematte) im Dschungel, und abbrechen ist mal wieder nicht möglich.
    Aber irgendwie werde ich das schon meistern.

    Danach habe ich noch eine gute Woche Zeit an der Küste, weiß noch nicht ganz genau, was ich dann machen werde.
    Auf jeden Fall am 19.02. in Cartagena sein, denn von dort startet mein Flug-Marathon ans andere Ende des Kontinents.
    Leider sind die Distanzen einfach zu groß, um einen Bus zu nehmen, auch wenn das Busnetz in Südamerika super und viele Busse richtig luxuriös sind.
    Von Cartagena geht es nach Cali, wo ich noch einen Tag Zeit habe, mir die Stadt anzusehen.
    Am Freitag fliege ich dann nach Santiago de Chile, von wo es noch in der Nacht weiter geht nach Punta Arenas, fast ganz im Süden.

    Luftlinie liegen zwischen Cartagena und Punta Arenas etwa 7000 km, das ist die Entfernung zwischen Münster und Kathmandu... 😳
    Aber ich möchte noch ein bisschen was vom Sommer auf der Südhalbkugel mitbekommen, daher ist mein Plan, mich von Punta Arenas aus langsam Richtung Norden hochzuarbeiten. Insgesamt habe ich dann noch 7 Wochen Zeit für Chile und/oder Argentinien, aber noch keine genauen Vorstellungen. Alles planen kann und will ich auch nicht.
    7 Wochen, weil ich heute auch tatsächlich schon ein Rückflugticket gekauft habe. Die Preise für kurzfristige Flüge nach Europa sind einfach zu hoch.
    Und notfalls muss ich dann in den sauren Apfel beißen und das Ticket verfallen lassen.

    Aber Stand heute fliege ich am 11. April nach Barcelona - und im Hinterkopf schwebt mir dann die Via de la Plata vor, ein weiterer Pilgerweg, der über 1000 km von Sevilla nach Santiago führt. Mal sehen... 👣
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  • Salento - Cascada El Peñon

    5. Februar 2020 in Kolumbien ⋅ ⛅ 24 °C

    Puh!! Ich habe mir ja vorgenommen, neue Dinge auszuprobieren, und heute war es soweit: Ein Ausflug hoch zu Ross!
    Spoiler: Das wird nicht mein neues Hobby...

    Gestern habe ich kurzfristig noch für heute einen Ausritt gebucht, nachdem mir die Herrschaften versichert hatten, dass das auch für Anfänger kein Problem sei.
    Und da man für 3 Stunden umgerechnet 17 Euro zahlt, kann man das ja mal testen, dachte ich mir.
    Gemeinsam mit einem französischen Pärchen (zum Glück auch ohne jede Erfahrung) ging es also heute Morgen um 9 mitten in Salento los.
    Wir durften uns noch eine Route aussuchen ('bisschen auf und ab, kein Problem'), es gab eine ausführliche Einweisung (...nicht! 'Bergauf nach vorne lehnen, bergab nach hinten lehnen' - das war alles!) und dann ging es schon los.

    Zunächst noch auf dem breiten Spazierweg, über den ich am Sonntag zur Kaffeeplantage gelaufen bin, aber bald schon kreuz und quer durch den Fluss, hoch in die Berge und steil wieder bergab ins Tal. Auf Wegen, die ich schon zu Fuß teilweise ungerne gegangen wäre! Kurz vor einem Wasserfall, nach ca 2 Stunden, haben wir angehalten, sind in unseren Gummistiefeln noch ein bisschen durch den Wald gekraxelt und haben dann den (zugegeben wirklich schönen) Wasserfall erreicht.

    Der Rückweg war etwas entspannter, ich hatte gelernt, meinem Pferd zu vertrauen (was bleibt einem auch anderes übrig, als zu hoffen, dass man ein glückliches und kein suizidales Tier erwischt hat, wenn man auf schmalen Pfaden am Abhang entlang reitet...). Bis wir irgendwann fast in Salento waren und die Pferde auf einmal deutlich beschleunigten.
    Da kamen dann leider Erinnerungen an einen Tag vor fast 22 Jahren wieder hoch, an dem das Gleiche passiert ist, mit der Konsequenz, dass ich ziemlich unelegant in hohem Bogen aus dem Sattel geflogen bin (damals zum Glück weich auf Sand gelandet). Leichte Panik machte sich breit, und mein armes Pferd musste leiden, da ich die Zügel doch etwas zu fest angezogen habe. Glücklicherweise war es danach nicht mehr weit. Meine Beine haben allerdings ganz schön gezittert, als ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte.

    Soviel Adrenalin im Körper hatte ich jedenfalls seit Jahren nicht mehr. Eine Alpenüberquerung ist nix dagegen. Da habe ich zumindest selbst die Kontrolle darüber, was passiert!
    Aber es hat sich trotzdem gelohnt, alleine schon für die Erfahrung und die Tatsache, dass ich jetzt gerade tiefenentspannt bin.

    Die photographische Dokumentation hat leider ein bisschen unter der Tatsache gelitten, dass ich in einer Hand die Zügel hatte und mich mit der anderen am Sattel festgeklammert habe. Also bleibt der Weg eurer Phantasie überlassen...
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  • Santa Marta

    7. Februar 2020 in Kolumbien ⋅ 🌙 27 °C

    Nach kurzer Odyssee (Bus-Taxi-Flug-Taxi) bin ich gestern am späten Abend in Santa Marta angekommen. Heute hieß es also, entspannt durch die Stadt bummeln. Hatte nicht viele Erwartungen, da ich mehrfach gelesen habe, wie hässlich die Stadt ist.

    Und ja, keine Schönheit. Es ist heiß (gestern gegen halb 10 noch 29°), es ist laut (von überall Verkehrslärm, laute Musik (ab 5 vor meinem Fenster), es ist wuselig, die Männer sind aufdringlicher (aber ist doch auch ganz süß, wenn einem ein 20jähriger erklärt, dass er ganz sicher alles für einen tun würde 😉) - und ich fühle mich richtig wohl. Komisch irgendwie, da ich ja eigentlich die Ruhe bevorzuge, aber der 'Vibe' hier gefällt mir einfach.

    Außerdem liegt gerade die 'Norwegian Gem' vor Anker, so dass ich mich bestens mit dem Beobachten der Passagiere unterhalten konnte. Alle leicht identifizierbar: alte, weiße, übergewichtige Paare, beide mit Schlapphut und mindestens einer mit beiger Hose.

    Allerdings geht es ja morgen schon wieder weiter, auf zur Ciudad Perdida! Die 'verlorene Stadt' ist eine präkolumbianische Siedlung, die erst 1975 wiederentdeckt wurde. Also ein bisschen das Machu Picchu Kolumbiens, wenn auch nicht so groß und gut erhalten. Aber mehr dazu nach meiner Rückkehr. .
    Jedenfalls erreicht man die Stadt nur zu Fuß durch den Dschungel (ein eindeutiger Vorteil gegenüber Machu Picchu, wo vor 8 Jahren schon Massen an Tagestouristen spazierten). Und es wird nicht so einfach. Heiß, feucht, durch Flüsse...

    Also drückt mir mal die Daumen, dass alles gut klappt und das aggressive Insektenspray, das ich heute besorgt habe, zuverlässig wirkt. 😉
    Bis Mittwoch!
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  • Ciudad Perdida I

    9. Februar 2020 in Kolumbien ⋅ ☀️ 23 °C

    8 Uhr abends, Strom ist gerade abgestellt, der Regen prasselt sanft aufs Dach, alle liegen in ihren Hängematten und versuchen es sich bequem zu machen. Willkommen auf dem Trek zur Ciudad Perdida!

    Gestern morgen ging es um 9 Uhr los mit dem Jeep nach Machete Pelao - und mit der ersten guten Nachricht: Wir sind nur zu sechst in der Gruppe, drei Belgier, eine Französin, eine Australierin und ich. Heute startete eine Gruppe mit 20 (!) Leuten. Also der pure Luxus. Mit uns unterwegs sind ein Guide vom indigenen Stamm der Wiwa, ein Dolmetscher und ein Koch.

    Gestern sind wir nach dem Mittagessen nur ca 3 Stunden zum nächsten Camp gelaufen - das war allerdings brutal, da wir um 12 und in der prallen Sonne gestartet sind. Man kann gar nicht soviel trinken, wie man schwitzt... Das Camp war neu und nett, mit Betten und nur einer weiteren Gruppe. Da es um 6 dunkel ist, haben wir nach dem Essen nur noch ein paar Runden Uno gespielt und dann versucht, zu schlafen. Weil die Camps zwar überdacht sind, aber keine Wände haben, hört man allerdings jedes Geräusch (von nachtaktiven Vögeln über Kühe und Mofas (bis dahin dürfen sie noch fahren) bis zum frühmorgendlichen Hahnenschrei), so dass ich eher unruhig geschlafen habe.

    Um 5 war die Nacht aber ohnehin zu Ende, da wir um 6 schon gestartet sind, bei himmlischen Temperaturen! Eine kurze Pause mit Wassermelone, gegen 9 dann eine längere bei einem Wasserfall, wo wir schwimmen konnten. Nach dem Mittagessen (gab's um 10.30 Uhr - der Rhythmus ist leicht verschoben) dann noch einmal 3 1/2 Stunden durch den Dschungel, überwiegend bergauf, bis wir am heutigen Tagesziel waren.

    Hier hieß es dann noch mal schwimmen (im kaaalten Fluss), duschen, essen (reichlich), ein paar Informationen zur Geschichte der verlorenen Stadt - und nun Nachtruhe.

    Der Weg ist wirklich schön, aber auch wirklich anstrengend. Zum einen merke ich die 10 Wochen fast ohne Training, zum anderen ist es eine extrem fitte Gruppe. Die drei Herren veranstalten mehr oder weniger ein Trailrunning und kümmern sich am Ziel dann noch um ihren Sixpack...nicht, dass ich mich beschwere 😉, aber etwas albern ist es schon.

    Heute waren eigentlich knapp 8 Stunden Gehzeit geplant, wir haben 6 gebraucht. Einerseits eine ganz gute Herausforderung, andererseits lässt man dem Weg und der Aussicht manchmal nicht die Aufmerksamkeit zukommen, die sie verdient hätten. Aber wir müssen ohnehin den gleichen Weg wieder zurück nehmen.

    Mit gefällt's jedenfalls bisher super. Eine sehr nette Truppe, wie gesagt angenehm klein, und heute haben wir das Camp für uns. Tolle Landschaft, schöne Abkühlung zwischendurch, gutes Essen, interessante Informationen. Da kann man auf etwas Komfort auch gut verzichten.

    Morgen geht es dann in die Ciudad Perdida. Wenn wir die Nacht in der Hängematte überstehen und nicht von irgendwas gestochen werden. Die Mosquitos sind zwar bisher noch im Rahmen, aber mittags ist mir beim Zusammenpacken ein Skorpion vom Rucksack gefallen. Auf meine Frage, ob es hier giftige Tiere gibt, hieß es nur lapidar 'klar, und manche sind tödlich'.
    Jetzt verstehe ich auch, warum wir morgens die Schuhe ausschütteln sollen...
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  • Ciudad Perdida II

    12. Februar 2020 in Kolumbien ⋅ ⛅ 24 °C

    Am dritten Tag ging es dann endlich zur Ciudad Perdida - wie gehabt um 5 Uhr aufstehen und um 6 unterwegs sein...nach einer quasi schlaflosen Nacht. Kann Hängematten, zumal wenn sie so dicht nebeneinander liegen und es nachts erstaunlich kühl ist, nicht unbedingt weiterempfehlen, aber es war eine Erfahrung!

    Der Weg zur verlorenen Stadt (auch Teyuna genannt) war nicht mehr wirklich weit, knapp anderthalb Stunden, aber hatte es in sich - 1200 Steinstufen, abgewetzt und rutschig, galt es zu überwinden. Aber es hat sich gelohnt! Ein ganz kurzer Abriss zur Geschichte (muss ja auch sein - ist aber gar nicht so einfach):

    Teyuna wurde vemutlich um das Jahr 800 vom Stamm der Tairona erbaut. Ob sie wirklich bewohnt war, oder nur als religiöse Stätte diente, ist umstritten. 

    In den 70er Jahren wurde die Stadt von Goldsuchern 'wiederentdeckt' - die indigenen Völker sagen allerdings, dass Teyuna nie in Vergessenheit geraten ist, aber dass sie die genaue Lage verschwiegen haben. Warum, kann man sich denken - in den Jahren 72-76 wurde geplündert, was sich ausgraben ließ, bevor die Regierung irgendwann eingeschritten ist.

    Die ersten Touren zur verlorenen Stadt gab es bereits Anfang der 80er, damals noch als richtiges Abenteuer, mit der Machete durch den Dschungel. Da das Gebiet der Sierra Nevada (übrigens mit Gipfeln bis knapp unter 6000 Metern das höchste Küstengebirge der Welt) zu der Zeit allerdings mehr und mehr dem Marihuana- und dann dem Coca-Anbau diente, und große Teile unter der Kontrolle von entweder Guerillas oder Paramilitärs waren, konnte sich der Tourismus nicht durchsetzen.

    Zur Bekämpfung des Anbaus hat die Regierung zunächst versucht, mittels großflächigen Einsatzes von Glyphosat (!) die Ernte zu vernichten. Allerdings wurden wohl nur die Unkräuter vernichtet, die Coca-Pflanzen haben aber überlebt, so dass dies letztlich für die Farmer nur hilfreich war (und ansonsten ganze Ökosysteme zerstört wurden). In den 2000ern hat die Regierung schließlich einen Deal mit den Farmern gemacht - wenn sie den Anbau von Coca-Pflanzen aufgaben, konnten sie sich zu Guides ausbilden lassen. Viele haben dankbar angenommen, da das große Geld im Kokainhandel ohnehin bei anderen landete...

    Bis heute ist es so, dass nur lokale Farmer oder Angehörige der indigenen Völker auf dem Trek als Guides oder Koch arbeiten dürfen. Lediglich für die Dolmetscher wird eine Ausnahme gemacht (weil es sonst nicht genug gäbe).

    Ich habe mir vor der Tour absichtlich keine Bilder angeschaut, und war somit wirklich beeindruckt von Teyuna. Die Stadt besteht insgesamt aus über 200 Terrassen, von denen aber nicht alle freigelegt und/oder zugänglich sind. Gebäude stehen zwar keine mehr, aber die ganze Anlage ist riesig, mit wunderschönen Ausblicken. 

    Nach etwa 2 Stunden in Teyuna haben wir uns dann auf den Rückweg gemacht - leider gibt es wie gesagt nur den einen Weg. Und der ist anstrengend. Als wir gegen 4 wieder im Camp waren (dieses Mal mit viiiielen Leuten, aber zumindest mit Betten), war ich wirklich erledigt. 

    Der vierte Tag beinhaltete dann noch mal etwa 5 Stunden Gehzeit, und mittlerweile hatten selbst unsere Supersportler Probleme mit den Knien (die 1200 Stufen mussten wir am Vortag schließlich auch wieder absteigen), wenngleich sie weiterhin versucht haben, sämtliche Rekorde zu brechen...

    Nach dem Mittagessen ging es dann im Jeep wieder zurück nach Santa Marta, wo wir abends zum Abschluss noch mit allen ein paar Bierchen getrunken haben und bis 2 Uhr tanzen waren, so dass ich heute nicht wirklich viel auf die Reihe bekommen habe.

    Insgesamt hat mir der Trek richtig gut gefallen - und ich bin froh, das jetzt gemacht zu haben, da die Zahl der Besucher exponentiell steigt, und es irgendwann keinen Spaß mehr machen wird, wenn von offizieller Seite kein Limit gesetzt wird. Und wir hatten großes Glück mit der kleinen Gruppe und einem tollen Dolmetscher. Er ist Venezolaner und seit ein paar Jahren in Kolumbien - in Venezuela hat er als Anwalt gearbeitet, aber aufgegeben, als er irgendwann nur noch 40$ im Monat verdient hat). Hier bekommt er allerdings pro Tour auch nur etwa 100$.

    Morgen geht es für mich weiter nach Minca - ein kleines Städchen in den Bergen unweit von Santa Marta, wo es ruhiger und kühler (und wunderschön) sein soll. 
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  • Minca

    16. Februar 2020 in Kolumbien ⋅ ☀️ 25 °C

    Vier Tage Minca - ein Fleckchen Erde etwa 40 Minuten von Santa Marta entfernt, auf 650m Höhe gelegen. Ich bin eigentlich nur hier gelandet, weil ich einen enthusiastischen Blog über das Hostel Casa Loma gelesen habe - aber es hat sich gelohnt.

    Casa Loma ist eine Ansammlung von kleinen Blockhütten, oberhalb von Minca gelegen und nur zu Fuß erreichbar. Es gibt kein WLAN, dafür den angeblich schönsten Sonnenuntergang, der jeden Abend mit Happy Hour auf der Terrasse zelebriert wird, und ein gemeinsames Abendessen an großen Tischen. Und ich habe mich echt wohlgefühlt hier. Nette Menschen, mit denen man schnell ins Gespräch kommt, gutes Essen, entspannte Stimmung und tolle Ausblicke.

    Spektakuläre Dinge habe ich nicht erlebt, aber ein paar relaxte Tage verbracht. Freitag bin ich zu einem Wasserfall gewandert, gestern zu einer Kakaoplantage (die Führung war ein Reinfall, aber eine Stunde steil bergauf laufen hat mich zumindest im Training gehalten...) und heute Morgen von 6 bis 9 gab es eine Birdwatching-Tour mit 'Jungle Joe' 😉. Leider keine Fotos, aber wir haben so viele wunderschöne Vögel gesehen - unter anderem einige Tukane.

    Jetzt bin ich auf dem Weg nach Cartagena, wo ich bis Mittwoch bleiben werde.
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  • Cartagena

    19. Februar 2020 in Kolumbien ⋅ ☀️ 32 °C

    Hey ihr Lieben, die letzten Tage war ich eher faul und brauchte eine Pause vom ständigen Alles-sehen-wollen. Also kann ich zu Cartagena nicht allzuviel schreiben. Ich habe eine Stadtführung mitgemacht, mir das Kastell angeschaut, bin durch die Altstadt gebummelt und habe einige Zeit in klimatisierten Cafés verbracht. ;)

    Cartagena war zu Kolonialzeiten der wichtigste Hafen Südamerikas für Import (von Sklaven) und Export (von Silber). Die koloniale Altstadt ist Weltkulturerbe und in der Tat schön, aber auch extrem touristisch. Eine Hochburg für Kreuzfahrtschiffe und amerikanische Touristen, die mal schnell rüberfliegen können. Entsprechend gigantisch ist die Anzahl der Straßenhändler, die von Früchten über Souvenirs, Zigarren, Drogen, Getränke in improvisierten Kühlboxen bis hin zu Big Ass Ants (scheinbar ein Aphrodisiakum - ich habe auf die Probe verzichtet) alles an den Mann oder die Frau bringen wollen. 'No, gracias' waren meine mit Abstand häufigsten Worte in den letzten Tagen!
    Zudem ist es heiß. Kühlste Jahreszeit, laut den Einheimischen, die daher in Jeans rumlaufen. Aber es sind tagsüber über 30° im Schatten, und auch nachts fallen die Temperaturen nicht unter 25°, und ich habe geschwitzt, sobald ich draußen war...

    An der Küste gibt es übrigens aus diesem Grund auch nur kalte Duschen. So richtig kalt ist das Wasser natürlich nicht, aber ich freue mich trotzdem, wenn ich nach zwei Wochen mal wieder meine Haare mit warmem Wasser waschen kann. Die kleinen Freuden des Lebens. ;)

    Als ich am Sonntag nach Cartagena gefahren bin, hat zwar alles gut geklappt - aber vorher war nicht ganz sicher, ob die Busse fahren. Die ELN, eine weitere Guerillagruppe, die anders als die FARC kein Friedensabkommen mit der Regierung geschlossen hat, hatte einen bewaffneten Streik ausgerufen, um den Transport im Land lahmzulegen. Mich hat es nicht betroffen, aber in den Teilen Kolumbiens, die noch von der ELN kontrolliert werden, gab es wohl durchaus Vorfälle.
    Ein komisches Gefühl. Ich habe keinen Moment Bedenken gehabt bisher, aber es zeigt mal wieder, dass die Lage in Teilen des Landes alles andere als stabil ist.

    Aber keine Sorge, am Freitag verlasse ich Kolumbien und mache mich auf nach Patagonien, die vermutlich sicherste und friedlichste Gegend Südamerikas. ;)
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  • Hasta la próxima, Colombia!

    21. Februar 2020 in Kolumbien ⋅ 🌧 23 °C

    Gestern habe ich mich von Kolumbien verabschiedet. Ein bisschen schweren Herzens, da ich mich wirklich wohlgefühlt habe und über die gesamte Zeit beeindruckt von der Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen war!
    Zum Schluss reichte es aber mit der Hitze (auch in Cali hat es nicht abgekühlt) und dem etwas ungünstigen Reiseplan. Auf Cali hatte ich ohnehin keine große Lust, dazu kam, dass ich müde war und mich ein bisschen krank fühle. Um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, hatte ich mich zumindest für eine Stadtführung angemeldet, die dann aber mangels anderer Teilnehmer ausgefallen ist. ;) Also bin ich Freitagmorgen um 6 zum Flughafen, nach 5 1/2 Stunden in Santiago gelandet und warte nun seit 8 Stunden auf meinen Anschlussflug nach Punta Arenas. Wach seit inzwischen 22 Stunden. 😴
    Ich freue mich, jetzt hoffentlich 7 Wochen lang kein Flugzeug mehr von innen zu sehen! Die Distanzen werde ich Stück für Stück mit dem Bus zurücklegen, da meine Route (mit Abstecher) von Süd nach Nord führt, und nicht so kreuz und quer durchs Land wie in Kolumbien. Allerdings sind die Entfernungen nicht zu unterschätzen. Von Ushuaia (was übrigens zu Argentinien gehört) im Süden bis Santiago sind es 2400km Luftlinie, auf der Straße noch mal 1000 mehr. Also mal sehen, wie weit gen Norden ich es schaffe...
    Erst mal freue ich mich darauf, die nächste Nacht im Bett statt am Flughafen verbringen zu können!
    Und dann gibt es auch wieder bessere Beiträge hier. ;)
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  • Punta Arenas

    24. Februar 2020 in Chile ⋅ ⛅ 10 °C

    Jetzt habe ich groß versprochen, dass es wieder interessantere Berichte gibt - und dann bin ich zu kränkelnd und erschöpft, um viel zu unternehmen... Aber die Tage hier haben mir dennoch gut gefallen. Es ist kühler und ruhiger, der Wind pustet wie im Herbst an der Nordsee, der Himmel ist weit und die Stimmung friedvoll.

    Punta Arenas liegt an der Magellanstraße - benannt nach Ferdinand Magellan (eigentlich Fernando de Magallanes - wer deutscht bloß all' diese Namen ein? Christopher Kolumbus, der Namensgeber Kolumbiens, heißt übrigens im Original Cristóbal Colón. Naja, Original ist auch nicht richtig - Magellan war Portugiese und Kolumbus Italiener, beide aber in Diensten der Spanier).
    Magellan jedenfalls hat 1520, also vor genau 500 Jahren, auf der Suche nach einem Westweg zu den Molukken diese Durchfahrt zwischen Atlantik und Pazifik entdeckt. Gute 300 Jahre später ist auch Charles Darwin auf seiner Reise um die Welt hier vorbeigekommen.
    Nachbildungen der jeweiligen Schiffe sind hier im Museum zu besichtigen - das einzig Aktive, was ich gemacht habe, von ein paar Spaziergängen abgesehen. Aber ich werde wohl noch eine zweite Chance bekommen, denn auf dem Rückweg von meinem nächsten Ziel, Ushuaia, werde ich wieder hier halten.
    Übrigens ist Punta Arenas mit über 100.000 Einwohnern die südlichste Großstadt der Welt! Und damit genug Fakten für heute. ;)

    PS: Eine ganz schöne Umstellung ist es schon - 14 statt 34°, dafür aber abends bis 9 Uhr hell. Und mein erster Regen seit 5 Wochen. Das nennt sich hier Sommer. ☀️
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  • Ushuaia / Tierra del Fuego

    29. Februar 2020 in Argentinien ⋅ 🌧 10 °C

    11 Stunden Busfahrt von Punta Arenas nach Ushuaia, durch unendlich weite Grassteppen, unterbrochen nur von ein paar Gruppen Guanacos oder Nandus (sowie zwei Pausen für die Ausreise aus Chile und die Einreise nach Argentinien). Nun bin ich wirklich fast am Ende der Welt - südlicher komme ich nicht mehr, da die Kreuzfahrten um Kap Horn (und erst Recht in die Antarktis) leider unbezahlbar sind. Aber Ushuaia bietet genug Möglichkeiten!

    Den ersten Tag habe ich allerdings damit verbracht, an Geld zu kommen. Ich habe am Flughafe in Santiago ein nettes Pärchen getroffen, die mir den Tip gegeben haben, Geld über Western Union zu beziehen, da die zum einen deutlich bessere Wechselkurse als die Banken haben, und man zum anderen etwa 10% (!) Gebühren zahlt, wenn man Geld am Automaten abhebt. Hat auch funktioniert, allerdings mit mehreren Anläufen und etwas Hin und Her. Aber da ich letztlich über 150 Euro gespart habe, war es den Tag wert.

    Vorgestern ging es dann endlich mal wieder zu Fuß los, zur Laguna Esmeralda nordöstlich von Ushuaia. Anfangs in strömendem Regen, danach mit minütlich wechselndem Wetter. Für die 10 km hin und zurück habe ich fast 4 Stunden gebraucht - so viel Matsch habe ich selten gesehen. Zu Beginn versucht man noch, die Schuhe nicht zu dreckig zu machen, am Ende nur noch, zumindest nicht knietief im Schlamm zu versinken. Aber es hat richtig Spaß gemacht, von Stein zu Stein zu hüpfen, und ich bin auch maximal knöcheltief eingesunken, so dass meine Füße fast trocken waren (im Gegensatz zu vielen anderen). Definitiv ein Erlebnis, auch wenn die Laguna nicht so wirklich Esmeralda (= smaragdgrün) war. Die Landschaft ist beeindruckend, so oder so!

    Gestern habe ich dann eine weitere Wanderung entlang der Küste im Nationalpark Tierra del Fuego (Feuerland) unternommen. Der Weg war abwechslungsreich und nicht zu anstrengend, die Luft klar, viel Sonne und viel Wind - wirklich herrlich! Es sind allerdings auch ziemlich viele Leute unterwegs, schließlich ist Sommer hier, auch wenn man das nicht immer direkt merkt. Das geht von den richtigen Sportlern, die im Nationalpark campen (ich bin verwöhnt - ich weiß ein Bett und eine heiße Dusche abends einfach sehr zu schätzen...) bis hin zu den Touristen, die maximal auf Spaziergänge ausgerichtet sind. Auf dem Rückweg von der Laguna wurde ich (Schuhe und Regenhose bis oben schlammverkrustet) doch sehr skeptisch von den hübsch gestylten Mädels mit hellen Sneakern und Hosen gemustert. Ich vermute stark, dass einige schnell wieder umgekehrt sind. ;)

    Heute Nachmittag werde ich eine Bootstour durch den Beagle-Kanal machen, benannt übrigens nach dem Schiff, mit dem Darwin hier unterwegs war, und dessen Nachbau ich mir in Punta Arenas angeschaut habe. Und davor mal wieder ein bisschen planen - es gibt so viel, was ich mir in den nächsten Wochen anschauen kann und will, dass es gar nicht so einfach ist. Luxusprobleme! ;)
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  • Ushuaia-Pto Natales / übers Alleinreisen

    5. März 2020 in Chile ⋅ ⛅ 22 °C

    Saludos de Puerto Natales. Ich weiß, ich bin ein bisschen sparsam mit meinen Beiträgen in der letzten Zeit.

    Zum einen liegt das daran, dass einfach nicht so viel passiert ist:
    In den letzten zwei Wochen bin ich von Cartagena nach Cali geflogen, von Cali nach Santiago und weiter nach Punta Arenas, von Punta Arenas nach Ushuaia und zurück bis Puerto Natales.
    Habe also viel Zeit in Flugzeugen, Bussen und mit Warten auf selbige verbracht und fast 8000 km Luftlinie in drei Ländern zurückgelegt.
    Es gibt ein Buch (ich habe es leider noch nicht gelesen) mit dem tollen Titel 'Zu Fuß hält die Seele Schritt'. Das ist einer der Gründe, weswegen ich das Wandern so liebe - und weswegen ich solche Reisemarathons extrem anstrengend finde. Die Seele hat eben keine Chance, hinterherzukommen. Und die Eindrücke, die man bei dieser Art zu reisen gewinnt, bleiben zwangsläufig an der Oberfläche.

    Zum anderen war ich physisch nicht richtig fit und geistig reisemüde, vielleicht auch aufgrund der oben beschriebenen Situation.
    Was einerseits spannend ist - immer neue Orte, Menschen, Eindrücke, Unterschiede - ist andererseits auch erschöpfend. Man muss sich eben permanent auf andere Gegebenheiten einstellen, sich orientieren, an Geld, Bustickets, Unterkünfte, SIM-Karten etc kommen. Man schläft schlecht in Hostels, da in Mehrbettzimmern immer jemand spät ankommt oder von einer Party zurückkehrt, ein anderer schnarcht, der dritte dreht sich im Stockbett über einem permanent und die vierte stellt ihren Wecker in voller Lautstärke auf 5 Uhr morgens. ;)
    Man führt oft die selben Gespräche mit der selben Gruppe Menschen (wo kommst du her, wie lange bist du unterwegs, was hast du schon alles gesehen, was hast du als nächstes vor), die aber eben zumeist an der Oberfläche bleiben, da sich die Wege ohnehin nach kurzer Zeit wieder trennen. Das Ganze wird auch nicht einfacher, wenn man wie ich ein eher introvertierter Mensch ist. ;)

    Also ja, das Alleinreisen hat definitiv seine Schattenseiten. Es fehlt mir oft, meine Erlebnisse unmittelbar mit jemandem teilen zu können. Es fehlt mir aber auch, hin und wieder mal Aufgaben und Verantwortung abgeben zu können. Ich muss mich eben um alles selbst kümmern, keiner denkt für mich mit.
    Aaaaaber, das Alleinreisen hat auch große Vorteile. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig (außer mir selbst, okay, und ich bin relativ streng;)). Ich muss keine Kompromisse schließen. Ich muss nicht diskutieren, was gemacht, wo geschlafen, was gegessen wird. Ich muss zwar mit allem alleine fertigwerden, ich kann es aber auch, und das ist ein gutes Gefühl. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als meine Komfortzone des Öfteren mal zu verlassen. ;)

    So, mit diesem Exkurs wollte ich eigentlich nur klarmachen, dass es auch ohne Arbeitsstress und in den schönsten Gegenden der Welt nicht durchgängig fantastisch ist. Wie immer im Leben gibt es eben bessere und schlechtere Zeiten. Und die letzten Wochen waren auch nicht schlecht, nur etwas wechselhafter.
    Aber nach wie vor fühle ich mich richtig wohl in Patagonien!

    In Ushuaia habe ich noch die erwähnte Bootstour gemacht, die aber nicht ganz so spektakulär war, da ich mir das Boot mit 150 anderen Menschen geteilt habe, denen es zumeist nur darum ging, den besten Platz und Moment für ein Selfie zu finden. Immerhin haben wir aber Seelöwen und Magellan-Pinguine gesehen!
    Außerdem habe ich noch eine kurze Wanderung zum Martial-Gletscher oberhalb von Ushuaia gemacht, von dem aus man eine fantastische Aussicht über Ushuaia und den Beagle-Kanal hat. Und ich habe einfach mal entspannt ein paar Stunden in der Sonne gesessen, da ich abgesehen von meinem Ausflug zur Laguna Esmeralda und der Bootstour ein riesiges Glück mit dem Wetter hatte!

    Auch die 14 Stunden Busfahrt zurück nach Punta Arenas und weiter nach Puerto Natales habe ich problemlos hinter mich gebracht, und war wiederum fasziniert von der unglaublichen Weite der Landschaft. Der Süden Feuerlands ist gebirgig, hier in Puerto Natales sind die Berge auch nahe - aber dazwischen liegt praktisch nichts. Man kann so weit sehen, dass die Wolken wirklich dreidimensional wirken, weil man sie weit entfernt fast von der Seite betrachten kann. Das Wetter ändert sich in Patagonien so schnell, dass man hier sagt, man kann alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben - und entsprechend werde ich auch nicht müde, den Himmel und die immer neuen Lichtspiele anzusehen.
    Als kleinen Bonus hat uns auf der Fähre über die Magellanstraße noch eine Gruppe Commerson-Delfine begleitet. Habe es aber vorgezogen, mir das Schauspiel mit voller Aufmerksamkeit anzusehen, statt durch die Kamera zu schauen - also keine Fotos. ;)

    Puerto Natales ist ein kleines Städtchen, das scheinbar ausschließlich von den Touristen lebt, die es als Ausgangspunkt für Besuche im NationalparkTorres del Paine nutzen.
    Entsprechend gibt es hier nicht allzuviel zu tun. Also arbeite ich meine ToDo-Listen ab: Die letzte Ausrüstung zusammenkaufen (leider vieles doppelt, da meine Sachen inzwischen über 3 Länder Europas verteilt zwischenlagern und ich nicht an alles gedacht habe), Bus-, Fähr- und Flugtickets für die nächsten Wochen organisieren, mich für den Nationalpark anmelden und meine Reservierungen checken, Wäsche waschen (lassen) - und gerade in der Sommersonne (das Wetter jetzt würde ich gerne für die nächste Woche buchen...) meinen Blog updaten. ;)
    Am Samstag geht es dann los, 8 Tage O-Circuit um die Wahrzeichen Patagoniens, die Torres del Paine!
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  • Torres del Paine - Der Plan

    6. März 2020 in Chile ⋅ ☁️ 12 °C

    Die nächsten 8 Tage bin ich vermutlich offline - also für alle, die es interessiert, hier mein Plan für den O-Circuit, 130 km und 8 Tage im bekanntesten Nationalpark Chiles:

    07.03. Hotel Las Torres - Camping Serón
    08.03. Camping Serón - Refugio Dickson
    09.03. Refugio Dickson - Camping Los Perros
    10.03. Camping Los Perros - Refugio Grey
    11.03. Refugio Grey - Camping Paine Grande
    12.03. Camping Paine Grande - Camping Francés
    13.03. Camping Francés - Refugio Chileno
    14.03. Refugio Chileno - Hotel Las Torres

    Werde also 3 Nächte im Bett und 4 im Zelt verbringen, wobei ich letzteres vor Ort miete und somit nicht tragen muss. So richtig schwierig ist der Trek überwiegend nicht, abgesehen vom vierten Tag, an dem es über einen ungemütlichen Pass geht. Aber es ist viel vom Wetter abhängig. Also bitte mal wieder Daumen drücken, dass ich zumindest überwiegend ohne zuviel Regen und Wind laufen kann! Details gibt es dann am 15.03. nach meiner Rückkehr! 😊
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  • Hotel Las Torres - Serón

    7. März 2020 in Chile ⋅ 🌧 9 °C

    13 km, 3 1/2 Stunden, ein entspannter Einstieg (und endlich mal wieder Kilometerangaben hier!).

    Heute Morgen ging es um 7 mit dem Bus von Puerto Natales die ca. 80 km bis zum Eingang des Nationalparks an der Laguna Amarga, von da mit einem Shuttle zum Hotel Las Torres - und dann nach viel zu langer Zeit mal wieder alleine und mit gepacktem Rucksack los!
    Auch wenn ich die Luxusvariante gebucht habe, Schlafsack, Isomatte und Snacks für eine Woche machen sich doch bemerkbar...

    Aber der Weg war ziemlich eben heute, der Regen eher sanft, und das Gehen einfach, so dass ich schon gegen halb 2 am Campingplatz war. Hier kam dann tatsächlich noch mal die Sonne raus!
    Also habe ich den Rest des Tages mit Lesen, Dösen und Essen verbracht. Und ein bisschen darüber nachgedacht, was ein anderer Wanderer über die Eigenheiten der deutschen Sprache sagte. So gibt es zum Beispiel für 'Doch!' in den meisten Sprachen keine Übersetzung. Und auch 'wie spät ist es' scheint typisch Deutsch zu sein. In anderen Ländern fragt man nur 'wie viel Uhr ist es'.
    Sprache sagt viel über die Kultur aus, man macht sich das nur selten bewusst.

    Mein Highlight des heutigen Tages: Pumas! Ich hatte zwar gehört, dass es die hier im Park gibt, aber nie damit gerechnet, einen zu sehen. Entsprechend war ich völlig perplex, als ich hinter einer Biegung nicht nur einem, sondern gleich 3 Pumas gegenüberstand. Leider auch zu geschockt, um ein Foto zu machen. Glücklicherweise sind die Pumas nach kurzer gegenseitiger Musterung offenbar zu dem Schluss gekommen, dass Guanacos besser schmecken, und haben sich vom Acker gemacht.
    Ein riesiges Glück, Pumas zu sehen, wie mir einige Leute im Anschluss bestätigt haben. Glaube aber, so nahe (vielleicht 20 Meter) muss ich den Tieren nicht unbedingt noch einmal kommen. ;)
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  • Serón - Dickson

    8. März 2020 in Chile ⋅ 🌧 10 °C

    18 km, knapp 5 Stunden, ein toller Weg zunächst bergauf, dann entlang des Rio Paine an einem Hang mit tollen Ausblicken auf das Tal, die umliegenden Berge und den ersten entfernten Gletscher bis zum Refugio Dickson, dass auf perfekt auf einer Halbinsel im Lago Dickson gelegen ist. Eine kleine Hütte mit ein paar Betten (eins davon meins), eine gemütliche Holzterrasse, gutes Essen und nette Menschen - ein wirklich schöner Tag!Weiterlesen

  • Dickson - Los Perros

    9. März 2020 in Chile ⋅ ☁️ 7 °C

    Ein sehr kurzer Tag. 12 km, keine vier Stunden gemütliches Gehen auf leichten Wegen durch den Wald. Kurz vor dem Camp tolle Ausblicke auf den Gletscher Los Perros! Das Camp selbst liegt mitten im Wald, ist sehr rustikal und ziemlich kalt. Trotzdem haben wir den ganzen Nachmittag draußen gesessen, gemütlich ein paar Bier getrunken und Karten gespielt, bevor es dann früh ins Bett ging, um ausgeruht in den nächsten Tag zu gehen.Weiterlesen

  • Los Perros - Grey

    10. März 2020 in Chile ⋅ ☁️ 8 °C

    Der Tag, vor dem alle ein wenig Respekt hatten, da die Überschreitung des höchsten Punktes, des Paso John Garner, anstand. Der liegt zwar nur auf 1200 Metern, kann aber durch Nebel, Schnee und vor allem Wind schnell kritisch werden. Aber wie in den beiden vorangegangenen Tagen war das Wetter fast perfekt: Zwar keine Sonne, aber auch kein Regen - und vor allem ungewöhnlich windstill.

    Grundsätzlich war das Wandern also unproblematisch, trotzdem aber anstrengend. Ab kurz nach 7 ging es erstmal 2,5 Stunden bergauf, erst durch den Wald, dann über Geröll, und ziemlich steil. Danach dann allerdings noch deutlich steiler wieder herunter. Und wieder hoch. Und wieder runter. Die ganzen 7,5 Stunden (für angeblich nur 15 km...) gab es fast keine flache Stelle, der Abstieg bestand zu großen Teilen aus hohen Stufen. War selten so dankbar für meine Stöcke!

    Entschädigt wurde man allerdings reichlich, da wir die ganze Zeit entlang des Grey-Gletschers gelaufen sind. Ein vollkommen surrealer Anblick, solche Eismassen habe ich in meinem Leben noch nicht annähernd gesehen. Und das Eis leuchtet tatsächlich in den unterschiedlichsten und schönsten Blautönen, selbst bei bedecktem Himmel. Wir haben sicher eine halbe Stunde verloren, weil man hinter jeder Kurve wieder anhalten, auf den Gletscher starren und Fotos machen musste. Alleine für diesen Anblick hat sich die Tour schon gelohnt!

    Als wir gegen drei am Refugio Grey ankamen, quasi eine Lodge, gab es die erste heiße Dusche und für mich ein bequemes Bett. ;)
    Das habe ich allerdings erst spät gesehen, da unsere O-Circuit-Truppe noch kräftig auf den anstrengen Tag angestoßen hat. Und darauf, dass 'wir' ja so viel cooler sind als 'die' - die simplen W-Wanderer und Tagestouristen, auf die wir hier zum ersten Mal gestoßen sind. Witzig, wie schnell sich so ein Gruppen- und Überlegenheitsgefühl einstellt. ;)

    Allerdings war es wirklich ein kleiner Kulturschock. Die O-Wanderer sind alle erfahrene Trekker, und die allermeisten sind mit eigenem Zelt und Essen unterwegs (bin trozdem froh über meinen Luxus!). Auch fast ausnahmslos nette, umgängliche Menschen. Ziemlich viele Deutsche, aber die angenehme Sorte (man ist doch immer kritischer seinen eigenen Landsleuten gegenüber).
    Den W-Trek laufen auch viele, die anders ticken - vor allem einfach generell sehr viel mehr Menschen. Hätte ich noch mal die Wahl, würde ich es so machen wie einige, von denen wir uns heute verabschieden mussten - erst den trubeligen W-Teil, dann die ruhige Verlängerung.
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  • Grey - Paine Grande

    11. März 2020 in Chile ⋅ 🌧 9 °C

    Nach dem anstrengenden Tag gestern ein später Start in einen kurzen Tag. Jeder Muskel in den Beinen tat weh, ich habe mächtig abgebaut in den letzten drei Monaten. Leichtes Sodbrennen von zuviel Essen und Pisco Sour am Vorabend, schließlich bin ich fast 37. ;)
    Also bin ich die 11 km in meditativer Zeitlupe gelaufen, immer entlang des Lago Grey bis zum Lago Pehoé, mit leichtem Auf und Ab durch feinen Regen, und habe zum ersten Mal die in der Karte angegebene Zeit benötigt. ;)

    Im Refugio Paine Grande (hier schlafe ich wieder im Zelt) war der Kulturschock noch mal größer. Hier sind unglaublich viele Menschen, auch weil man das Refugio mit dem Boot statt zu Fuß erreichen kann, und das Essen gibt es in vier Schichten zur Selbstbedienung in Mensa-Atmosphäre (mal zum Vergleich - an den ersten drei Abenden waren wir maximal 10 Leute).
    Es ist wuselig und laut. Und nachdem mir die letzten Tage mal wieder bestätigt haben, dass ich das selbstbestimmte Wandern ohne Guide und Gruppe so viel mehr genieße, hat mich der heutige Tag darin bestärkt, eher die wenig frequentierten Wege zu wählen...

    Also nachmittags 2 Stunden gedöst, abends 2 Stunden Karten gespielt - und nun hoffe ich, dass mein Muskelkater morgen etwas besser wird.
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  • Paine Grande - Francés

    12. März 2020 in Chile ⋅ ☁️ 10 °C

    21 km, 6 1/2 Stunden, reichlich Höhenmeter.
    Ich war nach dem halben Tag gestern heute echt gut drauf. Anfangs bin ich eher vor den Horden an Menschen in Paine Grande weggelaufen ;) - knapp 2 Stunden bis zum Camp Italiano, immer mit Blick auf die Seen und den beeindruckenden Gipfel des Paine Grande.

    Im Camp hieß es dann, den großen Rucksack gegen das Nötigste für die nächsten vier Stunden austauschen. Und man glaubt gar nicht, wie es beflügelt, wenn man plötzlich 10 kg weniger zu tragen hat! Ich bin das Valle Francés bis zum Aussichtspunkt, dem Mirador Británico, quasi hoch- und vor allem wieder runtergehüpft. ;)
    Der Talschluss mit seinen Granitwänden war wirklich beeindruckend - vor allem aber die Lawinenabgänge, die man regelmäßig vom Paine Grande hören konnte!

    Das übrigens selbst in der Nacht und in unserem Camp Francés, das noch 2 km weiter lag. Die unschönste Übernachtung, da die Toiletten ein paar hundert Meter (und etliche Höhenmeter) vom Zelt entfernt lagen, und es auch wenig gute Aufenthaltsmöglichkeiten gab.

    Ansonsten habe ich wenig zu meckern. ;)
    Der Komfort auf dem Weg war deutlich höher, als ich das erwartet hatte, mit überwiegend guten sanitären Anlagen (außer, als morgens in Las Perros das Wasser und damit die Klospülung ausgefallen ist...), meist heißen Duschen und ordentlichem Essen!
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  • Francés - Chileno

    13. März 2020 in Chile ⋅ ☀️ 7 °C

    Uff! Was für ein Tag!

    Nach einer bescheidenen Nacht (Nachtwanderung zur Toilette, außerdem habe ich einem Mitwanderer Asyl in meinem Zelt gewährt) ging es heute Morgen nach einem traumhaften Sonnenaufgang erst mal am Lago Nordernskjöld entlang, leichtes Auf und Ab mit wunderschönen Blicken - und endlich mal bei Sonne! Nach etwa 2 1/2 Stunden bog der Weg dann ins Hinterland und bergauf - und hier sah ich dann für die nächsten Stunden keine Menschenseele (wie ich später festgestellt habe, unter anderem deswegen, weil sich fast alle anderen verlaufen haben. Ich auch nur Dank GPS und maps.me (die App kann ich nur empfehlen) nicht...). Endlich Ruhe! ;)

    Nach 5 Stunden war ich dann am Tagesziel, dem Refugio Chilenos. Eigentlich sollte es das gewesen sein, den Aufstieg zu den berühmten Torres hatte ich für morgen zum Sonnenaufgang geplant. Aaaber... es war ja noch früh, ich halbwegs fit - und das perfekte Wetter musste man nutzen.
    Also fix 7,50 Euro in 500 Kalorien investiert (2 Snickers - perverse Preise) und ab nach oben.
    Noch einmal insgesamt 3 Stunden Auf- und Abstieg, die sich aber auf jeden Fall gelohnt haben! Die Türme bei klarster Sicht und Sonne, dazu zumindest auf dem Rückweg keine Massen an Menschen mehr (ansonsten ist zum Teil Gänsemarsch geboten, da der Weg oben etwas schwieriger ist, aber Jan und alle Mann hoch wollen). Und das gute Gefühl, richtig was geleistet zu haben. ;)

    Also ein Tag, an dem ich glücklich, stolz und vollkommen erschöpft ins Bett falle - und mich freue, dass ich morgen nicht um halb 5 aufstehen muss, um mich im Dunkeln an den Aufstieg zu machen! Stattdessen geht es nur etwa 2 Stunden zurück zum Ausgangspunkt, um das 'O' zu vollenden, und dann per Bus zurück nach Puerto Natales.

    Es war eine tolle, anstrengende, abwechslungsreiche Woche mit viel Wetterglück (wenig Sonne, aber auch wenig Wind und Regen), vielen tollen Ausblicken und Eindrücken und netten Menschen. Bin sehr froh, den Trek gemacht zu haben - und auch froh, mich für die Luxusversion ohne eigenes Zelt und mit Halbpension entschieden zu haben!
    Und jetzt freue ich mich auf ein paar entspannte Tage in Puerto Natales und auf der Fähre nach Puerto Montt!
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    Ende der Reise
    19. März 2020