Der Camino de Santiago. Der Weg zu mir selbst.
  • Day2

    Ankommen in St. Jean Pied

    August 30, 2021 in France ⋅ ⛅ 22 °C

    St. Jean Pied de Port. Ausgangspunkt des "Camino Frances". Ein hübsches kleines Städtchen. Viele Menschen mit Rucksack, so wie ich... und wahrscheinlich sind alle genauso aufgeregt! Zumindest die, die den Jakobsweg das erste Mal gehen.

    Morgen gehe ich los. Und heute erfreue ich mich des lokalen Marktes, der heute stattfindet.. Ich liiiiiiebe solche Märkte, speziell in Frankreich :-)

    In mir ist viel Dankbarkeit, ein wenig Aufregung und große Vorfreude auf die Tage, die vor mir liegen auf diesem Pilgerweg, auf dem schon so viele Menschen gegangen sind. Wie es ihnen wohl ergangen ist zu all den verschiedenen Zeiten? Wie waren sie ausgerüstet, was hatten sie dabei, mit welchen Widrigkeiten hatten sie zu kämpfen (nasse, kratzige Klamotten, löchrige, unbequeme Schuhe, wilde Hunde und Wölfe, vielleicht sogar Bären, Krankheiten, gegen die kein Kraut gewachsen war, Verletzungen, die nur rudimentär versorgt werden konnten...). Und ich stehe da mit meinem nagelneuen, super gut sitzenden Ortovox-Rucksack, mit meinem tollen Schuhen, mit Regenjacke, Rucksackhülle und regendichtem Poncho bewaffnet, mit schnelltrocknenden Merinoshirts und Hosen... Von Handy/GPS im Notfall ganz zu schweigen...

    Ich verneige mich vor euch, liebe Vorhut, die ihr diesen Weg lange vor mir gegangen seid. Und ein wenig beneide ich euch um eure Erfahrung, die sich beim Drübernachdenken ein wenig "originaler" anfühlt. Und knallhart. Wahrscheinlich hätte ich am zweiten Tag schon die Schnauze voll gehabt. Und wäre dann stoisch weitergegangen. Schritt für Schritt für Schritt für Schritt. So, wie es der Camino will.

    #caminofrances #jakobsweg #herausforderung
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  • Day3

    1. Etappe: St. Jean Pied - Roncesvalles

    August 31, 2021 in Spain ⋅ ⛅ 22 °C

    Müde und dankbar sitze ich in Roncesvalles im Café.

    Die erste Etappe des Camino Frances schlängelt sich 24 Kilometer durch die wunderschöne Landschaft der Pyrenäen, verteilt auf fast 1.400 Höhenmeter. Schnauf 😅

    Nach einer gemütlichen Nacht ohne Schnarcher im Zimmer (yes! 👍🏼) und nach einem leckeren Frühstück (der Rest der Paella von gestern 🥘) bin ich um 7:40 Uhr losgestapft. Das Wetterurmel hat uns PilgerInnen einen wunderschönen Tag geschenkt, mit blauem Himmel, strahlendem Sonnenschein und perfekten Temperaturen ☀️ Muiiiiiiiii! Eines der Highlights - neben der tollen Landschaft, den frei herumlaufenden Pferden, Kühen und Schafen und den vielen Milanen und Bartgeiern - war eine heiße Schokolade, die ein Bauer aus der Region in seinem Food Truck verkauft hat 🙂

    Der Weg führt über fünf Pässe, der letzte und höchste liegt auf 1.420 Metern und ist erstaunlich unscheinbar - mir wurde erst beim Hinuntergehen klar, dass das der höchste Punkt des Weges war 😜

    Das letzte Stück nach Roncesvalles ist knapp vier Kilometer lang und ziemlich steil. Meine Knie fanden das nicht so toll... Ich gehe eindeutig lieber bergauf! Zum Glück hab ich eine ganz leichte Isomatte dabei, um nach dem Wandertag Yoga machen zu können. Das Dehnen tut so gut!

    Die Herberge hier ist groß, im Pilgerführer steht, es sind knapp 140 Hochbetten auf 3 Etagen. Charmanterweise sind jeweils 4 Schlafplätze abgetrennt, was das Ganze ein wenig gemütlicher macht. Ich freu mich jetzt schon aufs Schlafen 😉

    Der Ort ist winzig und besteht nur aus der Herberge, ein paar Hotels und zwei typisch spanischen Restaurants. Natürlich konnte ich nicht widerstehen und hab eine Portion fritierte Kalamari gegessen. Ich liiiiebe das spanische Essen 😁
    Im Moment sitze ich unter einem großen Baum im Halbschatten und freue mich, diese Zeilen zu schreiben und die Fotos durchzuschauen und auszuwählen.
    Ansonsten ist das Handy auf leise und ich bin nur mit wenigen ganz engen FreundInnen in direktem Kontakt. Dieser Digital Detox tut extrem gut 🙏🏼 Und der ewig dahinplappernde "Monkey Mind" ist schon am ersten Tag ziemlich still geworden. Das gefällt mir und es geht mir gut 🙂

    Ich freue mich, dass du, dass ihr, mit mir am Weg seid! Ich freue mich auch sehr über jeden eurer Kommentare, auch wenn ich nicht direkt antworte. Danke für dein Verständnis.

    Herzensgrüße von mir zu dir.
    Katrin
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  • Day4

    2. Etappe: Roncesvalles - Zubiri

    September 1, 2021 in Spain ⋅ 🌧 21 °C

    Ich sitze auf dem Bett meines - hinsetzen und festhalten - Einzelzimmers. Mit 30 Euro ist es eh ziemlich günstig. Der Plan ist aber schon, dass ich in Herbergen übernachte, es sei denn, es ist was Unvorhergesehenes. Als ich vorhin ankam mit wehen Knien und voll müde, hab ich festgestellt, dass die meisten Herbergen schon belegt waren. Viele Pilger buchen ihre Unterkunft vorab. Da ist es dann egal, wie früh man ankommt, wenn schon alle Betten gebucht sind. Hmmm. Ich möchte nicht im Voraus buchen. Ich möchte aber auch nicht schneller gehen, als ich will, nur um ein Bett zu kriegen. Hmmm ... 🤔 Ich schau mir das die nächsten Tage mal weiter an und überlege dann, ob ich meine Strategie ändern sollte.

    Für heute genieße ich mein Bett und eine leisere Umgebung als im Schlafsaal. Bin frisch geduscht und meine Haare haben sich auch sehr über eine Wäsche gefreut. Es gibt sogar einen Fön hier 😃

    Ich bin heute schon um kurz nach sechs losgegangen, weil ich den Morgen so sehr liebe. Es war magisch, alleine mit Stirnlampe durch den stillen, dunklen Wald zu gehen. Die erste Stärkung gab es nach 5 km in einem gemütlichen Café. Die Spanier können's fast so gut wie die Italiener - Kaffee machen meine ich 😉

    Die ersten eineinhalb Stunden war es trocken und ich wurde mit einem weiteren Sonnenaufgang beschenkt. Dann begann es langsam zu tröpfeln und kurz danach hat es richtig stark geregnet. Also nix wie Poncho über mich und den Rucksack werfen und das Dingens auf Herz und Nieren prüfen 😅 Er hat bestanden! Danke an "Sea to Summit" für dieses tolle Teil! Ich werd der Firma schreiben, ob sie nicht ultraleichte, wasserdichte Schuh-Ponchos herstellen wollen. Bin schon lange nicht mehr so in den Schuhen geschwommen 😝

    Der Weg führte heute stundenlang durch einen Wald, der sehr dicht nach oben war und sowas wie ein Spalier gebildet hat. Es war wunderschön und ich habe die Energie von Pachamama sehr genossen. Die Bäume haben mich beschützt, der Regen hat mich benetzt... Danke, Camino.

    Es ging heute wieder viel bergab. Wäre an sich kein Problem, normalerweise bin ich bergab eine kleine Bergziege 🐐... Meine Knie haben allerdings noch etwas Adaptionsprobleme und sie erinnern mich daran, gut auf meinen Körper zu hören. Mal schauen, wie weit ich morgen gehe. Im Moment liege ich in meinem feinen Bett und habe Ziegentopfen (bzw. sowas Ähnliches) aufgelegt 😀 Möge er beruhigend auf die beleidigen Knie wirken 🙏🏼 Interessant... Ich hätte nie gedacht, dass meine Knie sich melden würden, mit denen hatte ich noch nie Probleme 🤔🤨😶 Aber ich bin ja auch noch nie den Jakobsweg gegangen 😉 Die gute Nachricht: meinem Füßen geht's blendend, hab keine einzige Blase 😃💃🤩

    Fein, wenn der Tag noch so viele Stunden hat. Ich mach jetzt mal ein Nickerchen und später gibt es was Gutes zum Abendessen.

    Morgen geht's weiter nach Pamplona!
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  • Day5

    3. Etappe: Zubiri - Pamplona

    September 2, 2021 in Spain ⋅ 🌧 19 °C

    Gestern Abend haben mir die Knie immer noch weh getan und ich habe kurzerhand entschieden, mit leichterem Gepäck zu gehen und mir meinen Rucksack liefern zu lassen. Hätte nie gedacht, dass ich das mal in Anspruch nehme 😉 Vor einigen Jahren hatte ich es wohl auch nicht und hätte typisch "yang-gesteuert" durchgebissen. Ich bin sehr froh, dass ich weicher werde und immer mehr Yin in mein Leben einlade.

    In der Früh hat es leicht geregnet. Es war noch dunkel, als ich mit einer Pilgerfreundin aus Kanada losging. Die Strecke heute betrug 20 km und war viel weniger hügelig als die letzten zwei Tage 😅 Dadurch, dass ich weniger Gewicht auf dem Rücken trage, konnten sich meine Knie schon ein bisschen erholen, was für ein Geschenk!!

    Die Landschaft war wieder sehr schön und ich habe das Gehen genossen. In Pamplona angekommen, habe ich ein Bett im Schlafsaal der Albergue Jesus y Maria bekommen. Bin gespannt, wie diese Nacht wird 😉

    Bei den Vorbereitungen auf den Camino hab ich in einem Buch den Satz "Gewicht = Angst" gelesen, so nach dem Motto: Wenn der Rucksack zu schwer ist, ist zuviel unnötiges Zeugs drin, z.B. weil man Angst hat zu frieren, zu verhungern o.Ä. Also... ja, ich hatte wohl wirklich Angst zu frieren (das mag ich wirklich überhaupt nicht). Meine erste Station heute war folglich das Postamt. Ich habe ein Päckchen von 1 kg Gewicht zurück geschickt 😃🤘😎 YES! Nun kann es mit noch weniger Gepäck weitergehen!

    Ich blühe hier total auf und habe so eine Freude, Menschen aus aller Welt kennenzulernen! Ich liebe es, Englisch, Spanisch und Französisch zu sprechen und mich mitreißen zu lassen von der spanischen Lebensart. Heute habe ich eine nette Gruppe kennengelernt, von denen ein Mann aus Pamplona ist - Heimspiel! Wie waren schon in zwei verschiedenen Bars und haben Pinchos (Tapas) gegessen und später gibt's noch eine Runde Bar-Hopping. Zu spät wird's eh nicht werden; um 23 Uhr ist Zapfenstreich in der Herberge 😉
    Im blauen Himmel schweben ein paar Wolken umher, es ist warm und ich fühle mich sehr zufrieden.

    Gracias, Camino, por todo lo que me estás regalando!
    🥰🧘🏻‍♀️🕷️🥗🐌🍀🐜🍷🐎🌤️🐕🦄🐈🌳🐞
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  • Day6

    4. Etappe: Pamplona - Puente la Reina

    September 3, 2021 in Spain ⋅ ⛅ 18 °C

    Es ist 1:50 Uhr. Statt in meinem gemütlichen Bett zu liegen, habe ich mich mit meiner Isomatte auf die Terrasse der Herberge verzogen, weil einer der Menschen im 8-Bett-Zimmer so laut und anhaltend schnarcht, dass ich Gefahr laufe, ihm ernsthaft weh zu tun. Erste Entscheidung des Tages: die Schlafsituation nachhaltig verbessern.

    Danke an dich, Gertraud Zeilinger, für die Unterstützung meiner wehen Knie. Das rechte tut nach der Ankunft fast nicht mehr weh, das linke schmerzt dagegen so sehr, dass ich nicht weiß, ob ich die nächste Etappe bestreiten kann.

    Und damit bin ich mit einer Möglichkeit konfrontiert, die ich bisher überhaupt nicht erwogen hab - dass mein Körper mir auf dem Camino so ein fettes Stopp entgegenschleudert 😔 Ich fühle mich körperlich so fit wie noch nie in meinem Leben und dann das?! Bin schockiert und genervt. Der Camino ist in dieser Hinsicht schonungslos. Er zeigt mir ungeahnte Grenzen auf. Habe ich anfangs zu wenig auf meinen Körper gehört? Hätte ich mehr Pausen machen sollen? Hätte, hätte, Fahrradkette. Eh deppert. Das frag ich auch nicht ernsthaft.
    Wahrscheinlich sind das typische PilgerInnenanfängerfehler, va wenn man sich so fit fühlt 😝

    Dafür geht's meinem Rücken und Kreuzbein und meinen Füßen blendend ☺️
    Es wäre ja nun gar kein Problem, einfach einen, oder wenn nötig mehrere Pausentage einzulegen. Ich fühle mich aber gerade so verbunden mit einer Gruppe von netten Menschen aus Spanien und Italien, dass ich gerne noch eine Weile mit ihnen weitergehen würde. Wir haben die nächste Unterkunft miteinander gebucht (soviel zum Thema bessere Nachtruhe 😃) . Das ist eher ungewöhnlich für mich. Wer mich gut kennt, weiß, dass ich mir auch in Gruppensettings gerne den "Platz an der Hecke" suche, um rasch auch wieder ganz für mich sein zu können. Hier zeigt mir der Camino eine sehr schöne Seite auf, mit diesem Wunsch, verbunden zu bleiben. Oder kann ich nur die Gruppe nicht loslassen, die mir gerade so gut tut?

    Was wird aus "meinem" Camino - damit meine ich den, den mein Hirn sich ausgesponnen hat?

    Was sollen meine Prioritäten sein? Was ist "richtig"? 🤔🤨 Jaja, ich weiß schon, was für ein Brainfuck!

    🥾 Den Camino nach meinen Vorstellungen weitergehen? Das würde bedeuten, so viele Pausentage einzulegen, bis ich weitergehen kann. Und /oder kürzere Etappen gehen.

    💜 Oder ganz liebevoll und weich zu mir selbst zu sein und voller Freude und Leichtigkeit meinem inneren Wunsch nachgeben, derweil mit der Gruppe zusammenzubleiben? Bei dem Gedanken ist nicht nur Hirn dabei, sondern auch Herz. Das könnte implizieren, dass ich mir erlaube, den Bus zum nächsten Ziel zu nehmen. Vor noch nicht all zu langer Zeit wäre die Antwort eindeutig gewesen: selbstverständlich niemals nie nicht den Bus nehmen und bei meiner fixen Idee bleiben, "wie ich den Camino zu gehen habe". Weil er ja sonst nicht zählt 🤔 So ein Blödsinn, sprichts in dem Moment in mir, ist doch alles nicht in Stein gemeißelt. Und schon wird es weit und weich in mir 🙏🏼 Genau, da war doch was... Wenn es sich eng anfühlt und die Freude weggeht, ist es nicht die richtige Richtung. Also schön im Fühlen bleiben 😊

    Lieber Camino, was darf ich hier lernen???

    Ich werde jetzt versuchen, weiterzuschlafen. Drückt mir die Daumen, dass ich dem Schnarcher nicht noch was antue oder zumindest einen Eimer Wasser ins Bett kippe. Ich höre ihn nämlich bis hier draußen. Ähm, ich durfte übrigens von Gertraud lernen, dass Knieschmerzen mit angestauter Wut und Aggression und Dickköpfigkeit assoziiert sein können. Hm. Diesbezüglich war ich gestern auch in einem sehr intensiven Prozess. Dazu vielleicht später mal mehr 🙏🏼 Der Schnarcher macht mit trotzdem massiv grantig 😡

    So. Ich freu mich über eure Gedanken. Es tut gut, mit euch teilen zu können, was in mir vor geht und ich bin gespannt, was bei euch dazu so daher kommt.
    Buenas noches, buena botte, good night und gute Nacht
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  • Day7

    5. Etappe: Puente la Reina - Estella

    September 4, 2021 in Spain ⋅ 🌙 19 °C

    Zwischenspiel. Und plötzlich geht's ganz leicht. Wenn der Widerstand sich auflöst und der Verstand nicht mehr im Weg ist.

    Um sechs Uhr hat der Wecker geklingelt und mich aus dem Tiefschlaf geholt. Da war noch nix mit Denken und ich hab einfach nur reingespürt in meinen Körper und ins Herz. Die Message war klar und deutlich und sehr entlastend: heute Pause machen, den Bus zum nächsten Etappenziel (Estella) nehmen und dort meine Pilgerfreunde wiedertreffen.

    Schnitt // Bin gerade angekommen in der Albergue Capuchinos (ein sehr sympathischer Name) und sitze im schönen Garten. Die Sonne scheint vom strahleblauen Himmel, eine leichter Wind umschmeichelt mich und es ist fein warm.

    Da ist weder Wollen und EsHätteAndersSeinSollen. Da ist Ruhe und Weite in mir und eine tiefe Annahme dessen, was ist. Nämlich dass es mal wieder anders gekommen ist, als gedacht 😅😊 Immer wieder eine gute Übung in Hingabe. Und genau dem habe ich mich auf dem Camino ja im Speziellen geöffnet - der tiefen Hingabe. Here we go 🙏🏼

    Meinen Knien geht es auch heute wieder ein Stück besser 🙏🏼😊

    Special thanks an dich, liebe Doris Geißler für deine liebevolle, fröhliche und bestärkende Sprachnachricht und an dich, liebe Rita Anna für deine lieben Worte im Messenger 😍😃💜

    Vamos a ver qué se pasará mañana... Mein Spanisch wird immer besser Dank der vielen Gespräche. Das ist schön 😃

    Falls es bei dir gerade regnet und/oder kalt ist. .. Hier kommen ein paar spanische Sonnenstrahlen 💕☀️☀️☀️💕

    I bow.
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  • Day8

    6. Etappe: Estella - Torres del Rio

    September 5, 2021 in Spain ⋅ ⛅ 21 °C

    #18 Begegnungen

    Es sind auch die Begegnungen, die den Camino so besonders machen.

    Während Bea, Andrea, Nadia Carratù, Oscar und Riccardo Marino um kurz vor 7 Uhr in Richtung Torres del Río aufgebrochen sind, spaziere ich Richtung Bushaltestelle. Plötzlich steigt mir der verführerische Duft frischer Croissants und guten Cafés und wieder einmal bin ich begeistert, dass es in diesem Land fast überall mindestens ein CaféBarRestaurant gibt, das auch am Sonntag um 7 Uhr geöffnet ist. Für mich ist das ein großartiger Beitrag zur Lebensqualität 😃

    Ich gehe hinein und sehe einen Pilger am Tisch sitzen. Ich frage ihn, ob ich mich dazu setzen darf. Und na klar, "con mucho gusto" kommt die freundliche Antwort. Und so habe ich die erste wunderbare Unterhaltung des Tages mit Toni aus Barcelona 🙂

    Mir gefällt die Vielfalt an Menschen, die hier unterwegs ist. Von jung bis alt, von super-ehrgeizig (ja fast verbissen) bis sehr relaxed. Viele sind den Camino schonmal gegangen. Manche davon sind wiedergekommen, weil sie beim ersten Mal Etappen aus gesundheitlichen Gründen auslassen mussten. Ich seh mich schon in ein paar Jahren wieder hier 😉

    Danke, Camino, für die Begegnungen mit all diesen offenen, neugierigen, schönen Menschen! Das nährt mich sehr.

    Jetzt geh ich mal die Bushaltestelle suchen. Ich freue mich drauf, morgen wieder mitzuwandern 😃😃😃

    Schönen Sonntag!
    😘
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  • Day9

    7. Etappe: Torres del Rio - Logrono

    September 6, 2021 in Spain ⋅ ⛅ 22 °C

    ICH KANN WIEDER RICHTIG GUT GEHEN! Juhuuuuuuuu 😊🙂😀😃😁🤩😍

    Die Entscheidung, zwei Tage Pause zu machen und wirklich Ruhe zu geben und die letzten beiden Etappen mit dem Bus 🚍 zu bestreiten, war goldrichtig 😃 Ich bin gut geführt und freue mich, dass ich auf die Signale meines Körpers gehört UND entsprechend entschieden habe. Wie oft hab ich das nicht getan, bin über meine Grenzen gegangen und hab mir damit selbst geschadet! Es tut gut zu spüren, wie die Liebe und Fürsorge für mich selbst immer mehr wächst 💜❤️🧡💛💚💙

    Mein rechtes Knie tut gar nicht mehr weh und das linke nur noch ganz wenig. Beide hab ich mir selbst getaped (dank der professionellen Anleitung in Youtube 😉 - Danke Patenonkel Uli für den Tipp) und Oriol hat mir vor deiner Abreise seinen Knie-Stützstrumpf (oder wie heißt so ein Dingens?) überlassen. So lieb!

    Die Atmosphäre in der letzten Herberge war nicht sehr fein. Der Umgangston eher rau und die Locals der Umgebung, die das Restaurant in der Herberge besucht haben, waren ziemlich betrunken, die Angestellten der Herberge haben gekifft, was das Zeug hält und es war entsprechend laut. Nicht gerade meine Lieblingsumgebung 🤢 Umziehen wäre vielleicht schon gegangen, ich hab's aber zu spät gerafft. Hab mich dann darauf konzentriert, schön bei mir selbst zu bleiben. Hat gut geklappt 🤸🏻‍♀️🧘🏻‍♀️💃🏽

    Meinen Mitpilgern ging's ähnlich und so sind wir gerne um Viertel vor 7 in der Dunkelheit losgestapft. Die heutige Etappe hat mir sehr gut gefallen. Über sanfte Hügel ging schlängelte sich der Weg über 20 km dahin und wir wurden erneut mit einem wunderschönen Sonnenaufgang beschenkt 🌄

    Wie so oft war der Café in einem der Orte am Weg eines der Highlights. Es tut mir so gut, mich nach 10km mit einem Café Cortado ☕ und einem Croissant 🥐 zu verwöhnen 😍 So, wie es der Kolibri 🐦 macht, der im Norden des Medizinrades wohnt, koste ich immer konsequenter vom süßen Nektar des Lebens 🌹🌺🌻🌼🌷🏵️, anstatt an der Pfütze auf der Müllhalde halt zu machen und mich mit Energien zufrieden zu geben, die mir nicht gut tun 🙏🏼

    Angekommen in Logroño hab ich in der Herberge eingecheckt, hab geduscht und meine Kleidung gewaschen und hab mich mit Bea aus Barcelona und drei Geschwistern aus Uruguay zum Essen getroffen. Das Castellano, das in Spanien gesprochen wird, verstehe ich inzwischen ja echt gut, aber der urugayanische Dialekt fordert mich total 😅🤣 Na, wird schon werden 😜 Bea hatte nur 10 Tage Zeit und wir haben sie heute verabschiedet. Es geht viel ums Loslassen auf dem Camino...

    Ich gehe ab morgen wieder alleine weiter. Ich werde ab morgen keinen Schlafplatz mehr reservieren (wie es die meisten tun). Klar - es ist komfortabel, wenn man weiß, dass man auf jeden Fall einen Schlafplatz hat, wenn man durchgeschwitzt und müde am Ziel ankommt. Und doch ist es für mich die Fortsetzung der Pseudo-Sicherheit von Zuhause und dafür bin ich nicht hier. Der Weg nach Westen ... von der Angst ins Vertrauen. Nicht alles kontrollieren (wollen), mehr und mehr ins Spüren kommen und intuitiv entscheiden: wie steht es mit meiner Kraft? Geh ich noch weiter oder bleib ich da, wo ich grad bin, auch wenn ich noch nicht die Strecke gegangen bin, die ich gehen wollte? Oder gefällt es mir einfach so gut hier, dass ich einfach deshalb bleiben will?

    Logroño ist übrigens eine sympathische Stadt mit schönen, kleinen Gässchen voller Pinchos-Bars, Restaurants und Cafés. Sehr verführerisch, diese vielen leckeren Speisen 😊🥘🍤🍛🍗🥗🦐🦪🍮, vom super guten spanischen Wein ganz zu schweigen. Hatte ich schon erwähnt, dass ich ab heute durch die Region "La Rioja" wandere? Heißt der fantastische Wein nach der Region oder andersrum ;-) ? Egal. Ich freu mich so oder so drauf.
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  • Day10

    8. Etappe - Logroño - Najera

    September 7, 2021 in Spain ⋅ ⛅ 20 °C

    Bin müüüde! Liege im oberen Teil eines Hochbettes und freu mich drauf, gleich die Augen zuklappen zu können 😅

    Was für ein schöner Tag das heute war! Ich bin um kurz nach 6 Uhr in Logroño losgegangen und habe mit drei Pausen 30 km bewältigt! An der Anzahl der Pausen kann ich noch arbeiten, ein paar mehr wären sicher gut für meine Haxln 😉 Im Moment habe ich das Gefühl, dass sich beide Knie mit der neuen Realität abfinden - nämlich, dass sie in der nächsten Zeit jeden Tag 20km aufwärts gehen dürfen 😊

    Heute war ich über lange Strecken alleine unterwegs. Zwischendrin war dann aber auch ein ca. 2-stündiger Abschnitt, den ich in Gesellschaft von Sina, einer netten jungen Frau aus Deutschland, bewältigt habe. Sie hat gerade das Abi gemacht und ist nun alleine auf dem Camino unterwegs. Genial!

    Hab gestern nicht im Voraus gebucht und heute bei meiner Ankunft um 14 Uhr eines der letzten Betten erwischt. Es hat sich so gut angefühlt, ohne Netz und doppelten Boden unterwegs zu sein! Andererseits kann es natürlich auch mal sein, dass ich weitergehen muss oder mich irgendwo ins Gemüse legen... Ich werd's wohl drauf ankommen lassen. Es ist gar nicht so einfach, mich nicht anstecken zu lassen vom allgemeinen Reservierungswahn.

    Heute mal kein großer Schlafsaal. Bitte trotzdem Daumen drücken, dass die Nacht im Dreierzimmer (😎) ruhig bleibt.

    Danke, lieber Körper, dass ich wieder so fit bin. Danke, Pachamama, dass du mich trägst und nährst, danke Vater Sonne und Großmutter Mondin, dass ihr unsere Welt erhellt... Danke, ihr Winde des Westens, dass ihr mich begleitet von der Angst ins Vertrauen.

    Aho.

    ❤️
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