• Michi, der
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Ausflug zur FOSS4GE 2026

Ab nach Timisoara in Rumänien auf die FOSS4G-Europe-Konferenz! Les mer
  • Reisens start
    25. juni 2026

    In die Nacht

    25.–26. jun., Tyskland ⋅ 🌙 24 °C

    In Brauni gönne ich mir noch nen Snack mit Eis im neuen Bistro um die Ecke und breche schön spät um 2030 auf. Nicht mehr ganz so heiß ...

    Ich werde mal wieder Fan von der Gegend östlich des Elms. Diese tollen Hügel und Waldkämme mit netten Abendblicken Richtung Harz und den schnuckeligen Dörfchen, wo zwei Boys in meinem Jugendalter einfach neben dem Treppensims eines Häuschens sitzen und biertrinkend auf die Straße schauen. Toll.

    Die 178 km bis zum Naturpark Dübener Heide ziehen sich ordentlich und ich komme dementsprechend auch schöön späät gegen 2345 "irgendwo" an. Ein nur spärlich besetzter Campingplatz war für ne Ankunft im Dunkeln wohl eher nicht die beste Entscheidung – die Orientierung ist kaum möglich–, aber ich finde mir einfach einen hervorragenden Gebüschplatz fürs Zelt auf dem campingeigenen Waldparkplatz 🤷🏻. Ruhig, unbeleuchtet, keine nervigen Blagen morgens, eigentlich viel besser als "drinnen" zwischen den Bäumen 😛. Zahncreme eingesteckt, Bürste aber nicht, so ein Quatsch.

    Die Campingplatzdame am Morgen ist sehr nett. Es folgen mehrere Suchen, um irgendeinem der mir selbst in den Weg gelegten Dörfer ein Frühstück zu entlocken. Na, mindestens bekomme ich eine Möglichkeit, Mohnkuchen für später einzustauen.
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  • Mohnkuchenpäusle

    26. juni, Tyskland ⋅ ☀️ 30 °C

    Mit Nickerchen auf Tisch. Hier nahe der Grenze ist kein Verkehr und man verschlummert sich einfach mal so ne halbe Stunde. Dann ein Gasflammenkäffchen zum Kuchen. Weiter geht's nach Třebín und Úštěk, wo eine meiner Omis her kam.

    Dieses Erzgebirge ist schon nett. Die geschwungenen Hochebenen laden auch zum Radeln ein, denn Birell gibt es in jedem Dorf vom Fass. An einem "langen See" baden die Leute einfach alle nackt, als hätte man sie auf mich angesetzt.
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  • Spannriemen ...

    26.–27. jun., Tsjekkisk Republikk ⋅ ☀️ 32 °C

    Mittagessen tue ich an der Elbfähre in Neštědice. Und dann, puh, komme ich eigentlich zeitlich perfekt zu Beginn der Zug-Verladung des Mopeds in Prag-Michle an. Aber da meint der Typi doch im Ernst, dass denen die Spannriemen zum Verzurren ausgegangen sind. "Naja, einen habe ich, du brauchst aber mindestens drei. Ohne Spannriemen kommst du nicht mit." 🥺 Ich las nirgendwo über die Notwendigkeit des eigenen Mitbringens. Den Keller hätte ich eigentlich voll von so Dingern, als Reste von meinem Tansania-Toyota.

    Aber nun gut. 45 min habe ich, welche aufzutreiben. An der ersten Tankstelle werde ich direkt fündig. Leider nicht so schöne Gurt-Quali, wie von meinem Seilflechter in Braunschweig, aber die Ratschen wirken zumindest vernünftig und mein Moped ist ja bekanntlich eine Leichtgewichtin. In voller Mopedmontur verzurre ich das Ding nun auf dem Wagon und komme komplett durchtränkt und tropfend zum Personengleis.

    Irgendwie unnötiger Stress, denn nach dem Beziehen meiner Schlafkoje stehe ich trotzdem noch 30 min nutzlos herum. Dafür gibt es an Bord vom Wagon-Steward direkt erfrischendes Birell und ein kleines Craft-Bierchen 🤤.
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  • Los jetzt!

    27. juni, Slovakia ⋅ ☀️ 27 °C

    Da komme ich nun also gemütlich über Nacht in der Ost-Slowakei an. Nach kleiner Erkundungsrunde durch das noch verschlafene Košice zieht es mich direkt in die Hügel. Mit einem Bogen über Pässe auf 950 m geht es langsam Richtung Ungarn. Hier kann man den Temperaturen entfliehen und sich in den neuen Alltag hineinmeditieren.

    Direkt hinter der ungarischen Grenze wartet unverhofft ein Touri-Gelage auf meinen Besuch. Das Erholungsdorf ignoriere ich, aber am Parkplatz, da stehen auch schon andere Biker. Dann könnte ich mich ja dazugesellen. Der feine Herr hinter dem Langosch-Zelt-Tresen zapft mir ein großes und grandioses Grapefruit-Birell vom Fass – der perfekte Trunk bei Sonnenüberfluss. Auch hat er eine ungarische Kuttelsuppe (Rinderpansen for the win!), die ich natürlich ordern muss. Wer mit polnischen Flaki quasi großgezogen wurde, wird das hier wertschätzen. Diese Interpretation ist weniger pfeffrig, dafür cremiger soßiert und mit ordentlich Paprika gewürzt. Et mundet. Auf dem Trampolin im Schatten der Ahörner schlummere ich weg, bis mich ein Schmusi wachklingelt 🥰.
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  • Den Schmetterlingen ausweichend

    27. juni, Ungarn ⋅ ⛅ 31 °C

    Nationalpark Bükk ist gut! Nichts los zwischen den vielen schattigen Buchen. Und die Luft ist verdammt nochmal gesättigt mit Insekten, Faltern und Schmetterlingen! Auf 760 m hält man heute ganz gut aus, herrlich.

    Wer diese Straßen hier geplant hat, muss Mopedfahrer gewesen sein. Allerdings sind einige der Michi-typischen "Abkürzungen" auf dem Weg hierher dann doch etwas ruppig. Ich bin entzückt, wie sofrig-bequem sich die betagte Guzzi durch all die aufgerissenen Asphaltspalten- und löcher windet. Ein Fahrgenuss! Vor einigen Monaten habe ich die Federgabel komplett zerlegt, bis in die letzte Ritze gesäubert, neu beölt und neu abgedichtet. (Identisches Konzept wie bei der Marzocchi von meinem Fahrrad.) Was für ein Unterschied zur vorjährigen Balkan-Tour, krass!
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  • Puszta-Vogelparadies

    27.–28. jun., Ungarn ⋅ ☀️ 32 °C

    Nach zwei spontan-genüsslichen Stücken
    Obst-Sahne-Torte in Kisköre fahre ich auf einer skurrilen Eisenbahn-Auto-Kombibrücke – die Verkehrsführung muss man so unvorbereitet erstmal raffen – über den Tisza-Fluss.

    Kurz darauf erreiche ich meine heutige Destination. Ein furchtbarer Ort. Es zerreißt mir die Seele, hier wieder wegfahren zu müssen! Was geht hier bitte ab? Unvorbereitet trumpft mal wieder ‼️ Nachdem all meine Unterkunftsrecherchen um Tiszafüred herum mich hochgradig abturnten, weil das alles nur so aufgeblasene Massen-Touri-Camps mit Freibädern, Thermen und Plastikspielzeugeinkaufsmeilen zu sein scheinen, lasse ich meinen Blick etwas weiter schweifen. "Puszta Eldorado", Bingo! Ein von Holländern seit 12 Jahren geführtes Birding-Camp. Wääh?! Kaum zu finden, nicht ausgeschildert, aber total ruhig, urig und nice. Die schmücken sich hier mit einem für mich bisher unbekannten Wildlife-Paradies zwischen der wasserreichen Region um Tiszafüred mit dem Fluss Tisza und dem Hortobágy-Nationalpark, welcher das letzte verbliebene Realabbild der bis zur Mongolei reichenden Puszta-Steppe sein soll. Woöäah, wat 😮?

    190 Vogelarten? Ich raste aus. Ein Pirol besingt mich am Abend. Blutspechte schreien um die Wette und die Turteltäubchen klingen sehr tansanisch? Für die Singdrossel braucht man fast schon Ohrenstöpsel.

    Morgens schmuggle ich mich ins Frühstücksbuffet und lausche beim Kaffee den unweit segelnden Bienenfressern 🥰. Die habe ich in Europa noch nie gesehen. Ein Wiedehopf tanzt um eine der Hütten herum. Und ich hab mein Fernglas nicht dabei!

    Zwei Holländergästinnen sind mit den Rädern zu nem Unterstand in der "Steppe" geradelt, um die Blauracken (European roller) zu beobachten. Krass! Vor 3 Wochen noch bin ich in Lettland in deren angeblich nordwestlichstem Brutgebiet vorbeigeradelt. Und hier ziehen die wohl gerade Babies groß und sind bei der Fütterung zu beobachten. Ich raste aus. Von den Blauracken habe ich mit Franziska in Kenias Tsavo-West-Nationalpark im November noch ein paar schöne Portraitfotos geschossen, und nun sind sie hier irgendwo neben mir? Die Natur ist so großartig!
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  • Kornkammer

    28. juni, Ungarn ⋅ ☀️ 34 °C

    Diese Puszta erinnert ein bissl an die letztjährige Po-Ebene in Italien: endlose Felder mit Bewässerungskanälen, 35 °C und nirgendwo Schatten. Kornkammer. Der heutige Fahrtag ist damit primär von Geradeaus-Straßen geprägt, die man mit gemütlichen 80 Sachen becruisen kann. Die obligatorischen Schotterabkürzungen sind gutmütig kompaktiert und gefühlt weniger hoppelig als die zerpflückten Asphaltstraßen, wobei nur halbe Geschwindigkeit angebracht ist.

    An besiedelten Ecken übernehmen Wallnussbäume die Rolle der schattenspendenden Mangos, wie man sie aus tropischeren Gegenden kennen könnte. Die Baumkronen und Blätter sehen sogar ein bisschen ähnlich aus.

    Und is dat eigentlich geil mit diesen Grenzen? Von Dland nach CZ, von der Slowakei nach Ungarn und Rumänien: Man rollt einfach so hinüber. Ein blaues Schild mit Sternchen, der Straßenbelag ändert sich, die Währung ggf. auch, aber ansonsten geht niemand einem auf den Sack 🥰.
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  • Ein Nest für die nächsten Tage

    28. jun.–6. jul., Romania ⋅ ☀️ 36 °C

    Um 1730 ist das Ziel erreicht: Timișoara! Mein rechter Unterarm fällt fast ab vom Gasgriffhalten auf den monotonen Pisten. Mein Hotel Vanilla ist sehr angenehm, mit schnuckeligem Innenhofrestaurant, selbstgemachten, prickelig-anfermentierten Fruchtgetränken, lokalem Handwerksbier und sehr gutem Essen (was sich auch preislich bemerkbar macht).

    Die Abenddurchsicht der Guzzi führt zu Stirnrunzeln. Die Federgabel sifft? Na, die zügigen Pisten gestern waren durchaus hart. Aber darf das sein mit den neuen Dichtungen? Ist das vielleicht nur das übermäßige Silikonfett, was ich unter den Staubabstreifring geschmiert hatte, was bei diesem Temperaturen woanders hin will 🤔? Mal beobachten. Und der Lichtmaschinendeckel auch wieder ölfeucht? Den dahinter versteckten Kurbelwellensimmerring hatte ich doch zeitgleich getauscht! Was ist hier los 🧐?

    Programm für die kommenden Tage: Montag-Mittwoch Vorträge, Donnerstag-Freitag Workshops, Samstag-Sonntag Community-Coding-Sprint. Dazwischen wird erfahrungsgemäß (sehr) wenig geschlafen 😁.

    Edit 2026-07-29: Der Zurück-zu-Hause-Check ergibt: Nicht der erst kürzlich erneuerte Kurbelwellensimmerring siffte, sondern der darüberliegende Nockenwellensimmerring hinter den Pickups der Zündanlage. Dieser war noch originale 40 Jahre alt und zu Hause ebenfalls schnell von außen erneuert 😁.
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  • Complexul Studențesc

    30. juni, Romania ⋅ ⛅ 38 °C

    Zwischen meiner Unterkunft und dem Konferenzort in der Universitatea de Vest din Timișoara muss/darf ich immer 20 Minuten durchs bunte Studenten4tel spazieren. Herrlich! Egal ob morgens um 3 oder morgens um 9 oder oder abends um 9 oder nachmittags um 5, immer hängen irgendwelche feshen Leute auf den Bänken draußen ab.

    Im Uni-Hauptgebäude säumen sich 10 verschiedene Kaffee-Vollautomaten nebeneinander. Neben den bekannten Standardanbietern findet man auch welche mit Spzialitätenkaffee aus Brasilien oder Äthiopien. Emailletasse drunter, Handy dranhalten und schon tröpfelt die frischgemahlene Brühe für nen Euro!

    Mein lehrreicher Vortrag mit dem Titel "Discrete global grid systems for spatio-temporal aggregation and visualisation" läuft etwas holprig, aber ich werde anschließend von Weston approacht, der zusammen mit Javier die DGGS-Thematik etwas mathematischer aus Index-Perspektive aufgedröselt hat. Er überreicht mir feierlich eine Tasse mit aufgedruckten Hexagon-Zellen und den exemplarischen Indizes des IGEO7-Systems. Was für eine Ehrung 😍! Bin ich jetzt im Club der gorgeous grid grinders?
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  • Little Vienna

    2. juli ⋅ 🌧 27 °C

    Teile der Stadt sind angeblich prototypisch für was auch immer irgendwann mal etwas größer skaliert in Wien aufgebaut wurde. Gut, dass ich von all dem kaum was verstehe.

    Ich bin echt lucky, dass zeitgleich mit der Konferenz auch noch ein cooles Jazz-Festival mit 2 Bühnen hier in der Altstadt tagt, und auch noch das weltweit diverseste Folklore-Festival? Hujaka bujaka! Von beidem bekomme ich nur partiell was mit, denn alle Abende von Montag bis Sonntag verbringe ich mit den Konferenzleuten in Restaurants und Bars. Wir sind alle immer recht verstreut und daher ist es jedes Mal eine etwas andere Kombination an Leuten, mit denen man abhängt. Eine riesig-bunte Familie. Ich sippe mich gerne mir meinen Bulgarinierenden und meinem Serben von letztem Jahr zusammen. Ukraine, Holland, Spanien, Estland, Lettland und Rumänien sind aber auch sehr dunstkreisig 🥰.

    In den Lokalitäten gib es immer richtig reichhaltige und frisch gemachte Limonaden, toll! Was mir sonst noch auffällt ist, dass häufig die großen Bars mit Außenbereich einfach irgendwann alle abkassieren und schließen, man aber nicht rausgeworfen wird. Die lokalen Gäste sind sehr ordentlich, räumen alles zusammen und gehen dann auch später. Irgendwie wird einem hier von den Inhabern einfach ein Urvertrauen in die Menschlichkeit entgegengebracht und es wird offensichtlich nicht enttäuscht. Daran können sich einige Kulturen mal ein Beispiel nehmen.
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  • Ich brauche Hügel

    6. juli, Romania ⋅ ☁️ 20 °C

    Nach einer Runde Motorölkauf schaffe ich es dann doch aus Timisoara raus und navigiere in die waldigen Hügel hinein. In so kleinen Dörfchen biege ich immer in wahnsinnig wichtig beschilderte Wege ein und weiß nicht, was mich so erwartet. Endlich wieder Schotterpisten 🥰! Die Sträßchen und Wege allesamt toll, ohne Verkehr, einfach schön zum Treibenlassen.

    Frühabends packt mich nach dem Konferenzmarathon dann schlagartig eine Müdigkeit. Oder war die fermentierte Limo zum Mittag doch nicht alkoholfrei? An einem Aussichtshügel mit schöner Sonne penne ich spontan mal ne halbe Stunde auf der Picknickbank, bevor ich anschließend die letzten paar Kilometer zum Campingplatz in Pui angehe. Dort erzählt mir ein anderer deutscher Motorradler, dass er seit 2022 mit seiner Yamaha Ténéré 700 ganze 160.000 km abgefahren hat. Krank.
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  • Mit Mămăligă gegen Zündspulenprobleme

    7. juli, Romania ⋅ ☁️ 20 °C

    Uff. Knappe 10 km vor Petroșani fällt mein rechter Zylinder aus. Ich debugge an einer Tankstelle, von der offensichtlichsten hin zur unwünschenswertesten Ursache, und stelle beim Blick unter den Tank fest, dass die rechte Zündspule ungewöhnlich herausgeschmolzen ist 😳. So muss das nicht! Damit bin ich beim unerwünschten Worst-Case-Szenario angekommen, denn die muss neu und ich bin gerade zufällig nicht vor den Toren des europäisch größten Ersatzteilelagers für italienische Mopeds (wie in Braui vor meiner Haustür) 😔.

    Es beginnt eine Odyssee des Entsetzens bis zum Klimax der überraschenden Erleichterung. Ich spreche 4 rauchende Typen in der Kaffeeecke an und frage nach einer Meisterei für defektgegangene Sondereditionen eines 40 Jahre alten Moto-Guzzi-Modells, von dem insg. nur 2000 Stück gebaut wurden, wovon vielleicht noch 8,3 herumfahren. Man reicht mir ein Phone mit laufendem Video-Call zu einem Herrn, der kurze Zeit später vorbeikommt. Seine Analyse ist dieselbe und er bietet an, das Moped mit nem Transporter abzuholen, um in seiner Werkstatt gemütlich herumzumessen. Auch meint er, 100%ig eine passende Zündspule auftreiben zu können.

    Nach seinem Davonschwirren fährt plötzlich ein junger Typ auf einer geleckten KTM heran. Er behauptet, ebenfalls angerufen worden zu sein. Ich bin etwas verwundert. Nun, er holt ein Multimeter heraus und misst direkt mal alles durch und gibt mir eine verdammt smarte Analyse mit mehreren weiteren Debugging-Optionen, bevor man sich an den Austausch der Spule machen sollte. Auch würde er bestimmt Ersatz in seiner Mini-Werkstatt haben. Ich schlage ihm vor, gemeinsam auf den Typen mit dem Van zu warten. Das findet er doof. Er fragt die 4 Herren am Kaffeeeck, wer denn der Van-Typi sei, aber sie wollen es nicht verraten. Dabei muss einer dieser 4 ja auch ihn hier herbestellt haben. Skurril! Dem Jungen wird es zu unangenehm, er hinterlässt mir seine Nummer und zischt ab. Schade, er war sehr vertrauenserweckend.

    Wieder etwas später rollt rückwärts der Van heran. Mit polnischem Kennzeichen. Ohne vorherigen Meister, nur mit 2 Handlangern. Auch keine Rampe zum Moped-Hineinschieben. 2,5 Rumänen heben es halt einfach so hinein 😮 (ich tue auch so, als würde ich anfassen). Sie wirken sehr zielstrebig und ich gebe den Rest in ihre Hände. Das wird ein Fehler gewesen sein, denn von Ladungssicherung haben sie keine Ahnung. Man bindet das an die Seite gelehnte 200-kg-Motorrad mit einem fucking Gummiband irgendwo an. Wir fahren zu dritt los. Einige Kurven später kippt die Guzzi natürlich um, lol. Der Nicht-Fahrer springt nach hinten rein und richtet das Ding wieder auf. Von nun an sichert er selber die Maschine und keilt sich zwischen sie und die gegenüberliegende Seitenwand 🙄. Die ist mit dünnem Sperrholz verkleidet und bricht natürlich ein. Auf der Guzzi-Seite passiert dasselbe am Lenker. Nun gut, einfach nicht hinschauen. Ich hatte jedoch meinen Kram neben das Motorrad gelegt und nach dem Umfaller ist meine Jacke halb durchtränkt mit Benzin. Danke. In Tansania sagt man "This is Africa" und zuckt mit den Schultern. Ist das generisch übertragbar? Irgendwie muss man dann doch immer alles selbst machen, damit's keine Scheißerei wird ... 🫩.

    Am Ziel – eine Autowerkstatt – heben wir das Motorrad wieder raus und man will direkt dran herumfummeln. Finger weg, das mache ab jetzt ich! Der einzige hier vernünftige Typ scheint der Meister selbst zu sein. Er dirigiert die anderen und haut ihnen verbal auf die Finger. Bloß eine Stunde später taucht eine neue Zündspule auf und hey, ich muss sagen, die sieht verblüffend identisch aus! Der Eine baut sie unter Meister-Supervision ein. Zündkerze macht wieder Funken! Motor startet auch und läuft auf beiden Töpfen! 🥳

    Damit habe ich am Ende tatsächlich nicht gerechnet. Ich war mental schon dabei, einen Transport nach Deutschland zu organisieren. Mit einer gutmütigen Summe Euro-Scheingeld verabschiede ich mich und rolle um die Ecke zu einem herrlichen lokalen Restaurant, wo ich mich mit Suppe, Apfelsaft und Mămăligă mit geriebenem Käse und Schmand für die Strapazen entschädige. Alles aus eigener Hof-Herstellung! 🤤😍
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  • Zwischen Bären und Beeren

    7.–8. jul., Romania

    Nach dem Zeitverlust durch die Zündspulenaustauschaktion staue ich in einem Baumarkt in Petroșani noch ne neue Gaskartusche ein und schlängele mich die wundervollen Kurven in die Berge hinein. Das heutige Ziel ist die "Transalpina", eine der beiden berühmtesten Bergstraßen Rumäniens. Hier ist eigentlich mit hohem Verkehrsaufkommen entlang ihres Nord-Süd-Verlaufs zurechnen, aber frühabends von Westen kommend bin ich quasi allein unterwegs. Erste Bären-Warnschilder schmücken die Rastplätze.

    Ich checke einige potenzielle Wildcampingplätze am Lotru-Fluss entlang der Transalpina ab, komme aber nicht zur finalen Überzeugung, da die Besten schon von rumänischen Beeren- und Pilzsammlern bezogen sind. Am Ende lande ich im nahen Dorf Obârşia Lotrului, welches seine glorreichen Touristenzeiten definitiv hinter sich gelassen hat. Den dortigen Campingplatz schmücken noch einige alte Holzhütten, aber das Gras ist kniehoch, niemand da, keine Waschhäuschen: tot. Mit einem Tschechen zusammen suche ich mir ne nette Ecke fürs Zelt auf dem weichen Boden und es wird am Ende niemanden interessiert und auch nichts gekostet haben. Gemütlich und ruhig ist es und einen Bergbach zum abendlichen Katzenwaschen gibt es auch 😊. Perfekter Ort für mein letztes, bachgekühltes Bereta-Craft-Feierabendbier nach diesem wilden Tag.
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  • Zwischen Transsilvanien und der Walachei

    8. juli, Romania ⋅ ☁️ 11 °C

    Der eigentliche Frühstücksplan war, auf der "Transalpina" von Nord nach Süd über die transsilvanischen Alpen zu brausen, dann südlich der Berge auf Walachei-Seite nach Osten bis zur noch berühmteren Touri-Passstraße "Transfăgărășan", und diese dann umgekehrt von Süd nach Nord zu fahren. Anschließend über die Walachei irgendwie zurück nach Hause 🤷‍♂️.

    Beim Inspizieren der Karte und Höhenzüge bin ich aber auf eine höchst interessante Höhenstraße gleich oben entlang der Bergkämme gestoßen. Kann das wahr sein? Ist das vielleicht nur ne Höhenlinie? Ganz oben, 40-50 km in west-östlicher Ausdehnung, immer zwischen 1900 und 1800 m schwingend? Mhmmm 😏. Die weiterführende Recherche ergibt, dass dies die "Strada Strategica" ist, eine angeblich von den Deutschen im 1. Weltkrieg erbaute Piste. Sie ist Teil vom TET Romania (Trans-European Trail). Unasphaltiert. Rauh. Böse. Yess! In meinen favorisierten OSM-Routing-Algorithmus mit Fortbewegungsprofil "Enduro" gehackt ergibt sich, dass dieses Ding tatsächlich fahrbar sein soll 🥳.

    Das bedeutet aber, dass ich kurz vor dem Pass diese ach so tolle Transalpina verlassen muss. Scheiß drauf! Mit dem neuen Erkenntnis-Objekt der
    Begierde ist all ihre Sexiness schlagartig gewichen.

    Oben am theoretischen Abzweig angekommen deutet keine wegweisende Beschilderung auf die Wahrhaftigkeit meines Träumchens hin, aber ich entdecke 3 tschechisch bekennzeichnete Toyoten, die gerade von ihrem Lenkungsgremium ihre deflatierten Reifen mit Kompressoren aufgepumpt bekommen. Wohl wieder für die Asphaltnutzung! Dann müssen die ja gerade irgendeine wilde Offroad-Piste hinter sich haben! Dann bin ich ja genau richtig hier!

    Kurzer Statusplausch ergibt: geil, aber der Abstieg ins Tal soll heftig steil und kaputtgefahren sein, sodass ich mit meinem 1-Wheel-Drive Haftungsprobleme bekommen könnte. Nun, "bergab kommt man zur Not auf dem Arsch" denke ich mir. Auch soll es auf etwa halber Strecke nen früheren, besser fahrbaren Ausweg ins Tal geben. Schaunwa mal. Erstmal Luftablassen und ab die Post!
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  • Made in Romania

    8. juli, Romania ⋅ ☁️ 17 °C

    Tja, wat soll ich sagen? Ich hab den Safety-Abzweig ins sichere Tal nicht genommen und es wird die beste Entscheidung gewesen sein. Hier, dieses Kaffeepäuschen zum Zelttrocknen ist doch super-nice und bedarf keiner weiteren Ausführung. Da re-discovere ich doch zufällig, dass meine Mopedstiefel "Made in Romania" sind. Wie toll, dass sie wieder zurück sein dürfen!

    Die ganze Piste bisher – knappe 35 km – kamen mir nur wenige 4x4 und ein BMW-GS-Fahrer entgegen. Jetzt sitze ich schon alleine ne halbe Stunde im Gras, an das gemütliche Moped gelehnt, was den von hinten pfeifenden Wind angenehm erwärmt 😊.

    Von der angekündigt herausfordernden Abfahrt bekomme ich anschließend gar keine Fotomöglichkeit, denn die ist tatsächlich das Fieseste, was ich mit dem Motorrad bisher gefahren bin. Frisst all meine Aufmerksamkeit. Es ist aber eine gute Lehrfahrt, denn zum ersten Mal bekommt man so richtig Gefühl für den Grip der Reifen bei allen möglichen Untergrundkonfigurationen (weniger Bar ist mehr!). Und bei den niedrigen Schrittgeschwindigkeiten passiert auch nix, wenn's mal vorne oder hinten rutscht. Die Frontbremse bestätigt sich erneut als beste Freundin und die Federgabel schluckt Gräben weg, die ich mir mit dem
    Mountainbike ohne Abzusteigen fast nicht zutrauen würde 😅. Geil!

    Ich komme total durchgeschwitzt und triefend unten an und merke, dass meine Starterbatterie mal wieder nicht richtig geladen wurde. Naja, Anrollen im 2. Gang ist meistens ein guter Kompromiss. Diese Guzzi hat ein ernsthaftes Elektronikproblem, egal, wohin man schaut! Weiter geht's zur Mittagsforelle.
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  • Draculas karger Badesee

    9. juli, Romania ⋅ ☀️ 16 °C

    Zum Abend möchte ich irgendwo an dieser bärenberüchtigten Transfăgărășan-Passstraße schlafen. Die Unterkünfte im Tal turnen mich mal wieder alle ab. Kurz vor dem Aufstieg lockt ein bereits überfülltes "Camp Dracula", aber ich tuckere zumindest bei Sonnenuntergang noch hoch zum Vidraru-See, um die Bärenlage zu checken.

    Keine Bäries unterwegs, aber oben an der Staumauer zahlreiche stinkende Zottelhunde, die von den verbleibenden Touris mit Toastbrot gefüttert werden. Na, herzlichen Glückwunsch. Dann vielleicht doch lieber eure Protein-Bars? Ich weiß schon, warum es hier eine Bärenpest geben soll 🙄 ...

    Mir ist die Lage oben aber doch etwas spooky mit all den Bärenwarnschildern. Man kann zwar vor allem an der Westseite des Stausees wildcampen, aber "idyllisch" sieht bei dem niedrigen Wasserstand anders aus. Auch gibt es seit Jahren/Dekaden keine aktualisierten Infos dazu, außer: "Die Bären kommen abends zu den Plätzen und klauen dein Toastbrot, und falls du keines hast, wirst du das Toastbrot".

    Na gut. Ich rolle wieder runter zum Camp Dracula und finde das letzte ebene Fleckchen für mein gemütliches Minizelt. Kaum das Moped abgestellt, kommt ein Pole zu mir und fragt nach einer Fotoerlaubnis (des Motorrades 😛). Er ist selber mit ner Guzzi hier. Zack, werde ich zu seiner 6er-Mopedtruppe auf ein Bier dazugeholt. Nette Jungs!

    Bei Einbruch der Dunkelheit kommt dann doch noch ein Bär und durchwühlt den Müll auf gegenüberliegender Straßenseite. Der Arme. Kommt durch unseren Stromzaun aber leider nicht zum Knuddeln vorbei.

    Am nächsten Morgen boykottiere ich das hiesige Dracula-Schloss, denn ich war auch schon mal 2007 in Bran. Stattdessen düse ich direkt wieder hoch. Gestern soll es hier ganztägig geschüttet haben, heute ist Prachtwetter!

    Gut, dass ich am Vorabend keinen Zeltplatz an der Westseite des Sees gesucht hab, denn der Waldweg ist total matschig, kaputtgeforstarbeitet und es gibt quasi kaum baumfreien Seezugang! Ansonsten kann ich den Hype um die folgende Passquerung nicht nachvollziehen. Man schlängelt sich in (Bus-)Kolonnen hoch. Ich bin schon tollere Pässe gefahren! Oben das totale Touri-Moloch, bloß nicht anhalten, schnell weiter. Die wolkenverhangene Nordseite zur Abfahrt sieht besser aus und der Verkehr lockert sich auf. Nette Blicke und tatsächlich ein halbstarker Bär in einer Parkbucht sitzend und knuffig dreinschauend!

    Ich belohne mich bei ausgiebiger Fresspause mit smoked pork ribs auf in Schweineschmalz frittierten Pommes 🤤.
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  • Schöne Hügelgegend

    9. juli, Romania ⋅ ☁️ 20 °C

    Wie toll zu fahren und anzuschauen! Geschwungene Hügel und unverschlafene Dörfchen mit bunten Häusern. Kaum bin ich dem Făgăraș entkommen, bewege ich mich wieder quasi allein durch Straßenraum und Zeit. Das gefällt mir sehr.

    Hier ist einiges mehr los, als in Deutschlands ehemaligen Ostdörfern. Es gibt vereinzelt Bäckereien mit eifrigen und gutgelaunten Bäckerinnen, denen man herzhafte Lángose mit Schmand und Käse entlocken kann. Viele Häuschen sind am Verfallen, aber genauso viele auch frisch restauriert, in altem Stil. Hier könnte man sich zur Ruhe setzen ☺️.
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  • Zu laut hier

    9.–10. jul., Romania ⋅ ⛅ 20 °C

    Liege irgendwo am See bei Mediasch im Zelt und die Frösche sind zu laut zum Pennen. Eigentlich wollte ich noch weiterfahren, aber bei der Städtchendurchfahrt bin ich zufällig an einer kleinen Kaffeebar vorbeigesaust und musste umdrehen, weil da auch was von Rösterei geschrieben stand 😃.

    Ein Abendespresso zum Testen des Stoffs und "Bingo", hier versteht jemand sein Handwerk! Habe mich erstmal wunderpholl verquatscht und direkt ein Päckchen fruchtigen Äthiopier und einen Costariqueño eingesteckt. Preise höher als bei uns (2x 250g für 30 EUR), aber guter Roast ist nunmal rar und standortunabhängiger Luxus! Dafür schwingt bei jedem dieser Tässchen zukünftig der Urlaub mit. Unschlagbarer return of invest.

    Dazu kommt anschließend die Sonne richtig schön abendlich heraus und vergoldet mir diesen ansonsten recht trostlosen Tümpel außerhalb der Stadt. Von sanft beschaaften Hüglein eingeschlossen ein toller Wildcampingplatz.

    Überall kann man hier in Rumänien random zelten. Nicht nur im Gebüsch, auch direkt neben einer Stadt. Die Einheimischen Angler und Nichtangler tun das auch und es juckt einfach niemanden. Es gehört irgendwie schon fast zum Landschaftsbild. Und von den Vorbeispazierenden wird man nett gegrüßt.
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  • Badepause 🌊🐳🥶

    10. juli, Romania ⋅ ☁️ 21 °C

    Die heutige Etappe führt mich schon auf den westwärtigen Rückweg. Die vor mir liegende Bergregion gehört abgesehen von den übermäßig riesigen Salzgrotten bei Turda wahrscheinlich eher nicht zu den touristischen Magneten. Umso mehr entzückt sie trotz Wochenende mit dem Abhandensein gegnerischer Verkehrsteilnehmys 🥰.

    Gegen 1700 finde ich zufällig auf der Karte ein Campingplatzsymbol und folge dem Pfad hinunter. Nur, um mal nachzusehen, denn eigentlich ist es noch zu früh 😁. Hier beginnt der Stausee und eine weite Wiese lädt zum Wildcampen ein. Durch eine Öffnung im Fels fließt gemächlich Wasser von irgendwoher in den See. Es muss kalt sein, denn um den Auslass herum nebelt es mystisch. Sieht aus wie der Auslass eines höheren Stauwerkes, aber welches soll das sein? Der höher gelegene Beliș-Fântânele-See ist ganz schön weit weg 🤔. Da fängt es plötzlich laut an zu dröhnen und zu brodeln und es schießt eine Welle aus dieser Öffnung, die sich wie ein Mini-Tsunami zum Ufer schiebt. Uff! 😮 Na, da hat wohl oben jemand den Stöpsel gezogen!

    Kurze Zeit später verschlummere ich mich an diesem Überraschungsort in ein ausgedehntes Nickerchen im freundlichen Gras. Dann wird gesnackt und ein georgischer Oolong-Tee zubereitet. Anschließend mache ich mich nackig und springe für eine Waschung in das mittlerweile wieder etwas ruhigere Brodelwasser. Fiese Strömungen und Strudel hier! Aber mehr als bis zu den Knien schafft man es eh nicht ins Eiswasser 😅.

    Kurzer Zündkerzencheck fällt positiv aus. Ggf. mal den Vergaser etwas fetter stellen? Weiter geht's in die tollen Hügel. Die letzten Abendkilometer über Beliș nach Dealu Botii führen mich oben auf mehreren Kämmen entlang. Viele schöne Häuschen, Aussichten und Dörfchen, wo ich spontan noch Papriken und Aprikosen und Noppengürkchen einstaue 😊.
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  • Geheimtippberge

    10.–11. jul., Romania ⋅ ⛅ 13 °C

    Nach weiteren tollen Kurven durch verlassene Berge finde ich auf 1150 m entlang einer Schotterpiste sehr anschmiegsame, heideartige Grashügelrücken, die mich mit ihrer flauschigen Weichheit zum Zeltniederlegen und Paprikaeintopfkochen mit Aussicht einladen. Eine gemütliche Nacht wird das! Ich (ver)schlafe bis 9. Wie kann das sein, wenn die Sonne mindestens seit 6 aufs Zelt geballert haben muss?Les mer

  • Binärer Zylinderspaß

    11. juli, Romania ⋅ ☁️ 21 °C

    An, aus, an, aus. 10-15 km komme ich an diesem freudigen Sonnenmorgen, bis mir der rechte Zylinder plötzlich wieder ausfällt. Wat? Wie kann das denn sein? Also Kaffeepause bei dem schönen neuen Restaurant "Natalia" am Flüsschen in den Hügeln, wo ich soeben noch vorbeigerauscht bin. Erstmal nachdenken. Zündkerzen raus und Check: sehen gut aus und machen Funken. Die getauschte Zündspule ist also noch heile. Zündkerzen wieder rein. Moped springt nach der kurzen Pause an, als wäre nix gewesen. OK? Na, dann, weiter geht's.

    Nach den nächsten 10 km wieder derselbe Zylinder weg. Äh, hmm? Ich schaue mir die Zündkabel und Kerzenstecker an. Das ist alles top. Nach dieser erneuten Pause läuft die Kiste wieder problemlos. Das scheint irgendwie mit der Temperatur zu korrelieren 🧐.

    5 km komme ich, und dann derselbe Spaß. Diesmal halte ich für kurzen Snack mit Pause am Straßenrand. Nach der Pause läuft sie aber weiterhin nur auf einem Zylinder. Argh. Dann muss irgendwas an der Zündanlage nicht stimmen, so, wie der junge Typ mit dem Multimeter bei Petroșani es vor einigen Tagen vermutet hat. Hier ist kein Verkehr, also genieße ich den Halbschatten und bastle mal den Lichtmaschinendeckel ab, um nen Blick auf die Zündanlage zu werfen. Ist schon eine Nachgerüstete, die bessere elektronische "Dyna S", also kein Original. Aber, die hat bestimmt auch schon ihre 20-30 Jahre auf dem Buckel. Die Platine sieht erst mal OK aus. Am Käbelchen für den linken Zylinder ist's etwas braun, schlappmachen tut aber der rechte Zylinder. Dann wird der Pickup/Hallgeber für den rechten wohl seinen Geist aufgegeben haben müssen. Ist leider ein verklebtes Bauteil, was man nicht wirklich weiter debuggen kann. So komme ich jedenfalls nicht voran. Einige Passanten machen mir Mut, denn die Zivilisation würde schon in greifbarer Nähe liegen.
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  • Rossa Landmaschine, die

    11. juli, Romania ⋅ ☀️ 22 °C

    Auf einem Zylinder quäle ich mich nun also über die verbliebenen Hügel und weiche von der geplanten Bergroute ab. Quasi hinabrollend lande ich an der Hauptstraße nach Ungarn. Mäh, hier herrscht wieder LKW-Verkehr 😒.

    In Ciucea checke ich ne Polizeistation ab: Samstagmittag ist sie zwar offen, aber niemand da. An einem Supermarkt quatsche ich nen Typen am Leergutautomaten an, ob er nen Schrauber in der Gegend kennt. Fehlanzeige. Aber, er telefoniert etwas herum und gibt mir nach einigen Minuten die Nummer von ner Werkstatt in Aleșd, knappe 50 km weiter Richtung Ungarn. Top, mehr Ideen als zurück nach Westen in die Heimat habe ich gerade eh nicht. Ich bedanke mich und fülle im Supermarkt meinen Trinkrucksackwasservorrat auf, und gehörig Stieleis zum Direktverzehr im Schatten 😇. Erstmal etwas runterkommen und nachdenken. Ich kündige mich beim Werkstatt-Typen per Kurznachricht an. Es ist Samstagnachmittag und er offiziell geschlossen; was soll da schon groß laufen, wenn ich ankomme? Werde ich mir wohl bis Montag nen Lauen machen.

    OK, also dann, nochmal 50 km auf nur dem linken Zylinder. Auf geht's! Kiste klingt ein bissl wie ein Trecker aber hey, Moto Guzzi ist ursprünglich ein Landmaschinenhersteller und 80 km/h sind jetzt auch kein Problem! Ich hatte schon in den Bergen meine Benzinleitung zum rechten Vergaser verstopft und abgetrennt und so ist das alles eigentlich halb so wild. Unterwegs stoppe ich spontan an einer Waschstation, denn so vermatscht kann ich die Guzzi keinem Schrauber hinstellen. Rosafarbener Schaum, nach Blümchen duftend, das hat mir gerade noch gefehlt ...
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  • Pritschenbereicherte Planänderungen

    11.–12. jul., Romania ⋅ ☀️ 26 °C

    Als ich an der mir empfohlenen Werkstatt ankomme, wartet Florin der Besitzer schon empfangsbereit (Samstag, 1900 Uhr 🥲). Wir schnacken kurz, er drückt mir vertrauensvoll ein Multimeter in die Hand und verschwindet erstmal wieder, denn zu Hause gibt's jetzt Abendessen. Aus meiner Ankündigungsnachricht kannte er bereits das grobe Problem. Als ich den Tank abmontiere, um mit dem Durchprüfen der potenziellen Fehlstellen loszulegen, sehe ich, dass die kürzlich in Petroșani ersetzte rechte Zündspule auch wieder zerschmolzen ist. Ja, da muss ich ja gar nicht mehr viel prüfen! Sie wurde dann wohl tatsächlich vom Pickup der Zündanlage frittiert, denn viel mehr kommt davor an "Technik" nicht. Und die Zündanlage selbst hatte ich heute schon in Teilen in der Hand und prüfen bzw. reparieren kann ich daran nicht so viel, als dass es mich jetzt in irgendeiner Weise wieder um einen Zylinder bereichern würde, denn unabhängig von der Zündanlage habe ich erneut ein ziemlich grundlegend-terminierendes Zylinderzündspulenzerstörungsproblem. Herrjeh. Immerhin scheint die Abendsonne goldig auf die Stirn und ein warmer Wind flötet an meinen Öhrchen herum. Auch irgendwie ein bisschen herrlich.

    Als Florin wiederkommt, riecht er schon von weitem die kaputte Spule und holt kurzerhand aus einer Werkstattwühlkiste eine neue von nem Quad. Passt auch. Zündspulen sind anscheinend triviale Teile und kein Hexenwerk. Ich baue sie ein, er permutiert die Käbelchen etwas herum und siehe da, die neue Zündspule produziert einen Funken, wenn sie vom heilen Pickup angesprochen wird, aber nicht vom anderen. Damit ist die Zündanlage als Übeltäterin bestätigt: trotz zwei heiler Spulen produziert sie nur einseitig Funken. Damit komme ich nicht weiter, denn neue Zündanlagen für alte Guzzis wachsen hier leider nicht.

    Währenddessen kommen neugierige Freunde und Bekannte vorbei, schütteln Hände, geben Kommentare und alle haben Spaß. Bei Einbruch der Dunkelheit räumen wir auf und ich bekomme noch eine private Werkstatt- und Ladenführung. Alles frisch und neu, aber ihn gibt's schon seit 20 Jahren! Florin stellt sich als Veteran bei der "Romaniacs Hard Enduro Rallye" heraus. Überall Pokale und saubere Rennmaschinen. Er trainierte heute noch im nebenan gelegenen Privatwald.

    Nach Zwischenstopp im Supermarkt werde ich in ein günstiges Hotel gefahren und als ich Florin erzähle, dass ich dann morgen Pläne für eine Moped-Rückführung nach Deutschland schmieden werde, schaut er mich schräg an und lacht. "Hahaha, dafür kannste dir n neues Moped kaufen. Aber warte mal, ich hab da ein paar Bekannte, die fahren immer mal mit leeren Pritschen nach DLand zum Autosabholen. Lass' mich mal nachfragen ...". Um Mitternacht im Hotel erhalte ich nen Screenshot mit ner Telefonnummer und nem Preis. Geil! Aber schlafen muss ich auch ...

    Nach meinem Käse-Pilz-Frühstücksomlett rufe ich an. Bingo. Ein Joseph will mich um 1100 abholen. Ein netter Herr vor der Hoteltür fährt mich freudig zum Moped an der Werkstatt zurück. Nach Handschlag dreht er winkend wieder ab. Ich bereite alles vor. Da habe ich ja sogar Zeit für viel Kaffee! Und für ein Telefonat mit der tschechischen Bahn, dass ich es heute nicht mehr bis Košice zum Nachtzug schaffe 😅.
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  • Familiäre Machenschaften

    12. juli, Slovakia ⋅ ⛅ 26 °C

    An der ungarischen Grenze treffen wir mit dem Rest der Familie zusammen. So liebe Leute!! Wir fahren in einer ganzen Kolonne mit 3 Transportern und 6 Fahrern 🥰. Ein paar Kilometer weiter laden wir meinen roten Guzzi-Transporter dann auch noch komplett auf den davorigen Blauen, was diesen dann zu einem Guzzi-Transporter-Transporter upgradet. Mit dem fahren Joseph, sein Sohn und ich dann weiter. Alles ist so penibel sauber von innen. Kein einziger Krümel weit und breit. Da muss ich ja beim Schnabulieren meiner heimlich eingebunkerten Gebäckteilchen mächtig achtgeben, es mir mit den Fahrgastzellenbesitzern für die kommenden 15 Stunden nicht zu verscherzen!

    Und dann geht alles ganz schnell. Die Sonne ballert, ein paar viele, viele Sonnenblumenfelder huschen vorbei und um 2300 sind wir auch schon in Prag. In den Pausen werde ich mit Schnitzeln, frittierten Schweinebäuchen, Backfisch und Tomaten gefüttert. Professionell mit einem Senfglas auf der Ladefläche angerichtet.
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  • Reisens slutt
    13. juli 2026