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Grand Tour in den Norden

Una aventura de 86 días de Autonom unterwegs Leer más
  • Inicio del viaje
    15 de abril de 2026

    Berlin als Beginn

    15 de abril, Alemania ⋅ ☀️ 13 °C

    Grand Tour in den Norden

    Wo soll eine Tour beginnen, die ein viertel Jahr dauern wird und über Polen, die baltischen und die meisten skandinavischen Staaten führt? Eine Grande Tour in den Norden quasi. Lassen wir Nordbayern außen vor, auch wenn es ehrlich wäre. Wählen wir Berlin, wählen wir das Haus des Nordens, einen Gebäudekomplex, in dem die nordischen Botschaften gemeinsam residieren und wo ich vor einem Cappuccino mit einer Zimtschnecke sitze und über diesen Anfang sinniere.

    Dieser Tag dient der Einstimmung: etwas Reste einkaufen: einen Klappspaten, keinen Heringspaternoster und kein Aufladegerät für mein Laptop; etwas Kultur: eine großartige Brancusi-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie und eine Ausstellung zum Thema Hugenotten im Französischen Dom; etwas in Erinnerungen schwelgen: spätnachmittägliches Beisammensein mit meinem alten Freund Konrad und seiner Frau Franca, beide alte Schulkameraden; und dann noch ein türkisch-kulinarischer Absacker mit meinem Sohn Bene. Morgen früh geht es dann Richtung Danzig, dann nach Masuren ..
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  • Sopot - Das mondäne Seebad im Korridor

    16 de abril, Polonia ⋅ ⛅ 11 °C

    Ich bin jetzt an der polnischen Ostseeküste zwischen Gedingen/Gdynia und Danzig, also dort, wo das 1919 wieder entstandene Polen seinen Zugang zu Ostsee hatte. Ich bin im ehemaligen polnischen Korridor. Gdynia war zugleich der wesentliche Handels-, Militär- und Auswanderungshafen, Sopot ein mondänes Seebad, das in den folgenden Jahren immer weiter ausgebaut wurde. Ein wunderbarer Ort mit der angeblich längsten Seebrücke Europas, wo ich auf dem Campingplatz meine erste Nacht im Caddy verbrachte.Leer más

  • Kloster Oliwa

    17 de abril, Polonia ⋅ ☁️ 9 °C

    Das mit den Erwartungen ist so eine Sache, die man nicht übertreiben sollte: Eigentlich hätte erwartet, zum Kloster/Kathedrale Oliwa durch grüne Landschaften zu radeln, stattdessen: sozialistische Stadtrandmonotonie. Allzu viel erwartete ich mit jetzt auch nicht mehr vom Kloster. Daher war mein erster Gang auch nicht in die Kirche, sondern durch den Park. Und dieser ist ein wunderschöner Englischer Garten mit allem drum und dran, aber auch ein Barock- und Skulpturengarten. Und ein buddhistische inspirierter. Alles dabei. Der Nachteil? Es ist noch April und die Natur wartet noch etwas. Höhepunkt ein netter Palmengarten mit einem noch netteren Café.
    Und die Kathedrale? Auch nicht übel. ;-)
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  • Mikołajki - Hotspot der Masuren

    18 de abril, Polonia ⋅ ☀️ 15 °C

    Erstens ist der Weg oft weiter, und zweitens als man denkt. Wieder waren es die Erwartungen. Und Masuren ist wider aller Erwartungen recht groß und das Zentrum doch recht weit von Danzig entfernt. Mit dem Auto ist Mikołajki, das touristische Zentrum der Masuren, auf meist neuen Autobahnen in etwas weniger als drei Stunden gut zu erreichen.
    (Eine Anmerkung: In Polen gilt Tempo 120 auf Schnellstraßen und 90 auf Landstraßen. Fahren ist viel weniger anstrengend, weil sehr tempomatfreundlich. )
    Das Fazit vorweg: Es ist hier krachschön und sehr angenehm, auch weil der Tourismus erst langsam erwacht: Die wenigsten Bars und Restaurants haben schon offen. Die Buden sind noch verrammelt. Erste Boote werden zu Wasser gelassen. Und man kann sich noch nicht an fast jedem Haus, das am See liegt, führerscheinfrei ein Motorboot mieten.
    Angler habe ich noch keinen gesehen.

    Mit dem Rad war ich schon fleißig unterwegs. Dabei entdeckte ich die evengelische Kirche mit einigen deutschsprachigen Gottes-Lob-Ausgaben. Für die Reste der deutschsprachigen Minderheit oder für Heimatouristen?Angeschlossen ist wohl ein Altersheim. Wer dort wohl lebt?
    Morgen werde ich eine etwas längere Tour machen.
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  • Radtour von Mikolajki nach Nowe Guty

    19 de abril, Polonia ⋅ ☁️ 11 °C

    Viel gibt eigentlich nicht zu berichten, außer dass ich mich wiedermal übernommen habe. Aber diesmal wäre ich hast nicht schuld gewesen, wenn ich nicht schon bei der Tour von Krakau nach Görlitz die Erfahrung gemacht hätte, dass Waldwege in Polen viele Überraschungen bereit halten. So auch dieses Mal:
    22 Kilometer hin und zurück sollte machbar sein, wenn das meiste eben ist, dachte ich in meinem nicht mehr ganz so jugendlichen Leichtsinn. Was ich nicht auf der Rechnung hatte, war der Untergrund: Mal war er geschottert mir vielen Schlaglöcher, mal war er so sandig, dass ich nur schieben konnte. Am schlimmsten war Pflaster, das bestimmt schon über 100 Jahre dort liegt. Und das ging in die Knochen. Gerettet hat mich dann am Rückweg ein sehr gemütlicher Agrotourismus in einer fantastischen Lage. Vielleicht bleibe ich dort noch eine Nacht.
    Und die Kultur? Ein kleiner Friedhof einer protestantischen Bauernfamilie aus dem 19. Jahrhundert.
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  • Chillen am Lucknainer See

    20 de abril, Polonia ⋅ ☀️ 9 °C

    Ich habe tatsächlich an besagtem Agrotourismus übernachtet, aber als einziger Besucher auf dem angeschlossenen Campingplatz. Jetzt will ich nicht aus dem Bett, weil draußen zwar die Sonne scheint, aber es kalt und nass wirkt.
    Gestern war alles sehr unspektakulär: Kurzes Sightseeing in Ryn/Rhein, einer der kleinen Burg des Deutschritterordens, und dann hier den Tag genießen mit viel Natur, Lesen und glücklosem Angeln.
    Die Nacht war kuschelig, nur die verfluchten Saugnäpfe, die die Verdunkelung halten sollten, versagen immer wieder. Jetzt aber raus in den Morgen!
    Inzwischen ist es 14 Uhr, ich bin immer noch hier und haben den Platz noch nicht verlassen, weil ich mir beim Waschen eine Verletzung im Unterschenkel zugezogen habe, sodass ich den Fuß überhaupt nicht belasten konnte. Doktor Chat GPT sagt: entlasten. Jetzt geht es wieder etwas, aber ohne Walkingstöcke komme ich nicht zur Toilette. Da ich auch nicht weiß, wie ich in meinem Zustand den Fahrradträger auf die Kopplung bekomme, ist die Entscheidung gefällt.
    Ich werde übrigens morgen nicht die "Wolfsschanze" besichtigen. Mein Bedarf an NS-Überresten ist gedeckt. Ich würde das Zeug inzwischen am Geruch erkennen.
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  • Bei Birstonas, litauischer Badeort

    22 de abril, Lituania ⋅ ⛅ 16 °C

    Die Zerrung ist hinterhältig und zwingt mich, jetzt umzuplanen. Wenn ich das Bein lange ruhig halte, scheint es so, als sei alles wie immer. Aber wehe, ich belaste den Muskel, dann geht erstmal gar nichts mehr. Daher gibt es Hotel mit Pool statt Stellplatzcamping. Möge es nützen. Royal SPA Residence heißt das Establishment und versprüht im Gegensatz zum Namen eher nachsozialistischen Charme, obwohl es tatsächlich als Gegenkonzept zum sozialistische Kurbetrieb konzipiert wurde.
    Die Fahrt von Mikolajki hierher war angenehm. Interessant fand ich, dass die polnische Landschaft im Nordosten, also bei der Suwalki-Lücke, schon etwas an Skandinavien erinnert: sanfte Hügel, ab und zu ein See, Birken, Kiefern, Einzelgehöfte. Litauen kommt dann eher als große Ebene daher. Interessant wird es dann, wenn sich in diese Ebenen Flüsse eingegraben haben. Dann wird's romantisch.
    Heutiger Sightseeing-Höhepunkt: Ein Stausee vor Kaunas, wo die Memel gestaut wird und an dem das Kloster Pažaislis liegt, das ich wegen des Beines dann doch nicht besichtigen konnte. Wird nachgeholt.
    Anmerkung am Rand: Ich war auch in Mariampole, dem Zentrum des litauischen Gebrauchtwagenhandels. Vor Spontankäufen wird gewarnt!
    Zu Birstonas gibt es später noch was.
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  • Rumtreiberei im Auto

    23 de abril, Lituania ⋅ 🌬 12 °C

    Ich machte ganz brav, was Doktor Chat GPT vorgeschlagen hat. Daher war ich heute eigentlich schmerzfrei und wagte nach einem kurzen Spaziergang an die Memel hinter dem Hotel einen kleinen Ausflug, allerdings mit dem Auto und nicht mit dem Rad. Ich bin vorsichtig.
    Zuerst nach Birstonas, den Kurort in der Nähe, bei dem mir am besten der kleine Skulpturenpark und die Memelpromenade gefallen haben, einschließlich impressionistischem Maler und reparierendem Fischer.
    Dann begann das Chat-gpt-Abenteuer: Ich fragte nach einem interessanten kleinen Städtchen und das Programm bot mir Punio an, als typisch, alt und touristisch nicht überlaufen. Das mag stimmen, aber eine Stadt im eigentlichen Sinne war das nicht. Sicher, es gab eine Kirche und ein Rathaus, aber der Rest war eine überdimendionale Streuobstwiese mit Häusern dazwischen. Also beschloss ich zu experimentieren und folgte blind einem braunen Schild, das mich in einer völlig unverständlichen Sprache, Litauisch, zur Nečiuikos Saltinis schickte, zu einem wunderschönen Ort, ganz in der Nähe der Memel. Und ich wollte wissen, wie der Ort auf Deutsch heißt. Der Google-Übersetzer: Quelle der Bastarde. Das war cool. Ich hatte etwas Besonderes entdeckt.
    Natürlich wollte ich dann noch wissen, welche Bewandnis es damit hat. Und dann kam die Enttäuschung: Quelle der Bastarde ist einfach ein Übersetzungsfehler. Das Ding heißt einfach Nečiuika-Quelle. Nečiuika ist wohl ein alter Personennamen. Die Bastarde hätten mir besser gefallen, aber der Ort und der, an dem der Bach in die Memel fließt, waren wunderschön.
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  • Reisetag: Von Birstonas nach Nidda

    24 de abril, Lituania ⋅ ☁️ 10 °C

    Viel ist heute nicht passiert, außer dass die Wade wieder zickt und ich jetzt unter der Bettdecke im Caddy der Kälte harre. Gelandet bin ich auf der kurischen Nehrung, die ich eigentlich links liegen lassen wollte. Aber dann überlegte ich es mir doch anders und brauste mit einen Zwischenstop in Kloster Pažaislis an die Ostsee.
    Das Kloster war von dem her interessant, weil die Kirche ein barocker Kuppelbau ist und die ursprünglichen Mönche Einsiedler waren, von denen jeder sein eigenes kleines Häuschen hatte. Allerdings gibt es nur noch zwei davon, die man leider nicht besichtigen kann.
    Morgen mehr von der Kurischen Nehrung.
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  • Nidda auf der kurischen Nehrung

    25 de abril, Lituania ⋅ 🌬 7 °C

    Das Wichtigste vorab: Im Gegensatz zum verwöhnten Nordbayern ist es hier arschkalt und unangenehm windig und das wird auch bleiben. Ich habe also wiedermal umgeplant und fahre morgen schon nach Riga, wo ich den Schwerpunkt von der Natur auf die Kultur legen werde.
    Das war auch heute schon so, als ich mich dazu durchgerungen hatte, das Sommerhaus der Familie Mann zu besuchen, was ich nicht bereute. Zum einen war es dort warm. Zum anderen kenne ich zumindest jetzt das Anspruchsniveau der Familie Mann, die sich ein - aus ihrer Sicht - kleines bescheidenes Häuschen auf den Schwiegermutterberg stellen ließ, finanziert durch Thomas' Nobelpreis. Immerhin: Sein Arbeitszimmer war wirklich nicht groß.
    Meine Neuanschaffung: ein leistungsstarker Föhn, mit dem ich auf dem Campingplatz das Auto erwärme. Heizlüfter gab es keinen.
    Zum Abendessen gab es räucherten Wels. Herrlich.
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  • Reisetag: Von Nidda nach Riga

    26 de abril, Letonia ⋅ 🌬 4 °C

    Direkt bei der Abreise war ich mir sicher, dass die Entscheidung, weiterzureisen, richtig war, weil Schneeregen über Nidda niederging. Eine halbe Stunde später zweifelte ich wieder, weil der Himmel stahlblau war und die Sonne provokant lachte. Als ich das Café verließ und mich der kalte Wind traf, wusste ich, dass es richtig sein würde, nach Riga zu fahren.
    Auf dem Weg dorthin hielt ich zweimal: Einmal in Palanga, was an sich nicht erwähnenswert ist; und dann noch im lettischen Liepaja, was ich ganz nett fand, weil es noch viel gibt aus dessen Blütezeit, des beginnenden 20. Jahrhunderts: Jugendstil und viele schmucke Holzvillen.
    In Riga hatte ich dann Polizeikontakt mit einer sehr netten Polizistin (und einem jungen Polizisten, der allerdings kein Wort sagte) und weiß jetzt: Wenn die Polizei einen mit Blaulicht auffordert, stehen zu bleiben, muss man sofort bremsen und darf nicht bis zur nächsten Nebenstraße fahren; man darf nicht aussteigen, sondern muss im Auto sitzen bleiben, bis die Polizistin kommt. Und man darf nicht auf der linken Spur mit 30 kmh fahren. Sie fuhren dann vor mir her, damit ich den Parkplatz des Hotels finden konnte, den ich gesucht hatte. Die Polizistin war sehr nett. Ich hätte ein Foto machen sollen
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  • Riga

    27 de abril, Letonia ⋅ ☀️ 6 °C

    Als ich das erste Mal in Stockholm war, hatte ich das Gefühl, dass das die eigentliche Hauptstadt Skandinaviens sei. Ähnlich geht es mir mit Riga in Bezug auf das Baltikum: Alles ist etwas größer als in Vilnius, alles ist etwas bunter und dynamischer als in Tallinn. Ich mag die Stadt.
    Und neben üblichen Sightseeingprogramm (Petrikirche, Kathedrale, Schwarzhäupterhaus, Burg...) gefiel mir am besten der zentrale Markt auf dem Gelände einer ehemaligen Zeppelinfabrik (gleich neben dem Ghetto aus der NS-Zeit). Hier ist das Sortiment auf die ehemaligen Fabrikhallen verteilt: eine Halle für Fleisch und Fisch, eine für Milch und Backwaren und eine für Sonstiges. Gemüse gab es außen.
    Und dann gibt es natürlich die lettische Nationalbibliothek, deren Geschichte

    Ofeljia erzählt, die Bedienung, in dem Café, in dem ich gerade schreibe.
    Zum Einhören https://youtu.be/v8tJCv8hwb0?is=nhA-HyiKRGDQYWO3

    An jedem öffentlichen Gebäude flattern übrigens immer zwei Fahnen: die lettische und die ukrainische.
    Und am Abend: Absacker in einer sehr versteckten Hinterhofbrauerei "Labietis" (Auf Wiedersehen) bei dunklem Bier (9 7 %) und geräuchertem Hirschfleisch. Dort sah ich einen Mann, der trug eine Uniformjacke mit am Ärmel aufgenähten lettischen und einer ukrainischen Flaggen. Was hatte das wohl zu bedeuten?

    Was heute noch fehlt und was ich morgen nachreiche, ist die wunderbare Architektur der Wende ins 20. Jahrhundert.
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  • Riga, die Stadt des Jugendstils

    28 de abril, Letonia ⋅ 🌬 4 °C

    Während die frühneuzeitlich geprägten und touristisch herausgeputzten Kernstädte doch immer wieder ähnliche Elemente aufweisen (Kathedralen, Bürgerhäuser, Klöster, Marktplätze, Rathaus...) und mich somit auch immer weniger emotional berühren, wird es für mich oft dort spannend, wo eingerissene Stadtbefestigungen den Stadtraum neu definierten.
    So besonders in Riga, wo auch in den Kriegen danach erstaunlich wenig zerstört wurde.
    Im beginnenden 20. Jahrhundert war Riga eine der wichtigsten Städte im damaligen Russischen Reich. Die Stadt war ein bedeutender Hafen, Industrie- und Handelsstandort. Wohlhabende Kaufleute, Fabrikanten und Banken investierten stark in neue Wohn- und Geschäftshäuser. Daher die vielen Jugendstilhäuser.
    Einen ganz großen Anteil an diesem Aufschwung hatten auch die Juden der Stadt, die zwar mit nur knapp 9 Prozent eine demografische Minderheit waren, aber insgesamt wirtschaftlich präsenter waren, als es der Bevölkerungsanteil vermuten lässt.
    Ich lasse einfach mal die Bilder sprechen. Die Innenaufnahmen stammen aus dem Rigaer Jugendstilmuseum.
    Ich lasse einfach mal die Bilder sprechen. Die Innenaufnahmen stammen vom Rigaer Jugendstilmuseum.
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  • Jurmala und der Jazz

    28 de abril, Letonia ⋅ 🌬 6 °C

    Am Nachmittag gab es dann Jurmala. Das, was wie eine mittelgroße Oase im großen Erg klingt, ist für Riga das, was Rimini für Rom oder die Marinas für Lucca und Pisa oder die unzähligen Hyttasiedlungen für Oslo und Stockholm sind: Außenposten der gepflegten Freizeitgestaltung. Hier, an einem unendlich langen und gerade menschenleeren Sandstrand, lebt man in dem bescheidenen Häuschen - Thomas Mann würde das genauso formulieren - am Wochenende oder lädt zum Nationalfeiertag (4. Mai) Freunde ein.
    Viele der lettischen Hütten switchen in Jurmala deutlich ins villenartige. Fast jede unter Beobachtung eines Sicherheitsdienstes. Hier gibt man sich äußerlich bescheiden und genießt angenehmen Luxus.
    Am Abend war ich noch auf einen Jazzkonzert. Gilad Hekselman, ein hoch angesehener moderner israelischer Jazzgitarrist aus der New Yorker Szene, spielte ein bisschen im Stil von Pat Metheny in einem Club, auf demselben aufgegebenen Industriegelände, wo ich gestern auch die Brauerei fand. Ein wunderbarer Abend.
    Ich bin übrigens jetzt stolzer Besitzer eines Heizlüfters.
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  • Sigulda - Herz des lettischen Tourismus

    29 de abril, Letonia ⋅ ☁️ 6 °C

    Sigulda kennt man in Deutschland eigentlich nur vom Hackl Schorsch, der auf der hiesigen Rodelbahn oft triumphierte und wohl auch trainierte. Das schaue ich mir morgen an, wenn mich Jannis auf dem Rad durch Sigulda führt.
    Wie alt Jannis ist, weiß ich noch nicht. Was ich allerdings weiß, ist, dass er einen Sohn hat, der sich für Vögel interessiert und drei Töchter, die alle in der Welt verstreut sind.
    Und das Wichtigste: Jannis ist Morser und er versteht die Welt nicht, die nicht kapieren will, dass im Zeitalter permanter Überwachung das Morsen die einzige Form der Fernkommunikation ist, die nicht überwacht werden kann. Jannis will mir Kontakte herstellen für meine weitere Reise, mit anderen Morsern. Ich bin gespannt.
    Jetzt bin ich auf Burg Turaida, etwas oberhalb von Sigulda. Sie erinnert mit ein bisschen an Trakai in Litauen, nur etwas kleiner: sehr mächtig, viele Ziegeln, sehr viel Rekonstruktion, aber auch einige nette Ausstellungen, wo tatsächlich Fundstücke präsentiert und eingeordnet werden. Beispielsweise über die Liven, daher auch Livland, die aus der finnougrischen Siedlungslinie stammen und dann brutal christianisiert wurden. Und so wurde hier an der Stelle der hölzernen Livenburg die steinerne des Ritterordens errichtet.
    Schön ist die kleine Holzkirche, wohl die älteste in Lettland. Interessant ist die Tafel mit den Namen der Männer aus dem Umland, die ihr Leben im Unabhängigkeitskrieg 1918 bis 1920 verloren.
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  • Sigulda - Rodel Bob und Kaiserstuhl

    30 de abril, Letonia ⋅ ☁️ 5 °C

    Als ich Jannis gegenüber den Namen Georg Hackl erwähnte, glänzten seine Augen und er meinte, dass dieser der Beste war und immer bleiben werde.
    Also schwangen wir uns auf die Räder und radelte zur Rodelstrecke in Sigulda, die mehrere Überraschungen bereit hielt: Die erste war, dass dir Bahn nicht von einem Berg in ein Tal geht, sondern von einer Geländekante in ein deutlich tieferes Tal, in diesem Fall in das Tal der Gauja. Die zweite Überraschung: Die Bahn besteht nicht aus Holz oder einem Plastikmaterial, sondern aus Beton, in den massive Rohre eingelassen sind, durch die im Winter Ammoniak gepumpt wird, der dann den Beton so kalt macht, dass Wasser, das man darauf sprüht, gefriert.
    Sie zweite Station: der Kaiserstuhl, wo Zar Alexander drei Bäume pflanzen ließ und von wo man einen schönen Blick auf das Gaujatal hat.
    Am Nachmittag schauten wir uns noch den Fernsehturm an, bei dem Jannis arbeitet und stiegen über viele Treppen das Gauja Tal hinab zur Teufelshöhle im lettischen Sandstein. Der Nürnberger wird wieder jubeln: Wäi daham.
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  • Reisetag: Von Sigulda nach Tartu

    1 de mayo, Letonia ⋅ ⛅ 16 °C

    Manchmal ist es einfach schon spannend, wenn es nur um die Unterkunft geht: Letzte Nacht war ich bei Sigulda auf einem wahnsinnig schönen Campingplatz, der nur den Nachteil hatte, dass eine größere Gruppe Letten in mittelalterlich anmutenden Fantasiegewändern über den Platz huschten, der recht laut von einer Form von Medieval-Metal in Dauerschleifen beschallt wurde. Ruhe war erst zur Frühstückszeit.
    Heute gibt's das Gegenprogramm: Nachdem die meisten Campingplätze um Tartu in Estland, wohin ich heute gefahren bin, noch nicht offen haben und zu weit draußen sind, beschloss ich, mir ein Zimmer mit Gemeinschaftsbad zu nehmen, und sitze jetzt in einer Rehaklinik für psychisch Kranke an einer doch recht befahrenen Straße.
    Bilder gibt es noch von einem Schloss in Sigulda sowie von Cesis, einer schnuckeligen Kleinstadt auf dem Weg, die sich nicht entscheiden kann, ob sie eher mediterran oder skandinavisch wirken will.
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  • Abendimpressionen von Tartu

    1 de mayo, Estonia ⋅ 🌙 13 °C

    Ich lasse die Bilder für sich sprechen. Was ich visuell nicht erfasst habe, ist eine Veranstaltung "Schlammringen", bei der mehr oder minder nackte Männer sich gegenseitig in den Schlamm tauchen wollen. Ich bin einfach nicht nahe genug herangekommen.Leer más

  • Kallaste am Peipusee

    2 de mayo, Estonia ⋅ ☀️ 10 °C

    Heute Vormittag war ich mit dem Auto am Peipusee, direkt an der Grenze zu Russland, und es war einfach nur herrlich: warmer Sonnenschein, kaum Wind, kaum Menschen. Fisch hat leider keiner angebissen.
    Inzwischen gibt es auch eine Antwort auf die Frage, warum die beiden alten Männer auf der Bank neben mir russisch gesprochen haben. Antwort: Sie gehören wahrscheinlich zu einer russischen Minderheit, deren Vorfahren sich im 18. Jahrhundert dort als Flüchtlinge am Westufer des Peipusee niederließen
    . Die Esten glauben, gerade an den Frühling: Viele Männer rennen schon mit kurzen Hosen durch die Gegend und man bringt die Boote an den oder die See.
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  • Tartu - das alte Universitätsviertel

    2 de mayo, Estonia ⋅ 🌬 21 °C

    Jannis hatte den Kontakt eingefädelt und jetzt waren Jüri und seine Tochter Marie meine Führer durchs Universitätsviertel von Tartu. Sie zeigten mir das alte Hauptgebäude und die Ruine der alten. Kathedrale, von der in einem Teil heutzutage die Unibibliothek untergebracht ist. Dort erklommen wir heldenhaft den Turm und ich fand - mit wackelnden Beinen - alles großartig.
    Sie zeigten mir Statuen und Inschriften, die sich auf deutsche Wissenschaftler bezogen, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Ich erfuhr, dass sich die Esten mehr als Skandinavier als als Balten sehen und wir besuchten das Observatorium.
    Dort erfuhr ich von der bahnbrechenden Zusammenarbeit zwischen dem estischen Astromom Friedrich Georg Wilhelm Struve und Joseph von Fraunhofer, die die Astronomie des beginnenden 19. Jahrhunderts auf eine höhere Stufe brachten.
    Ich erfuhr auch, dass Jüri dort 1990 mit seinen Freunden und ausreichend zu trinken die estische Fahne bewachten, die dort gehisst worden war. Die Leiter zum Aufstieg gibt es immer noch.
    Und schließlich muss noch erwähnt werden, dass auch Tag der Burschenschaften war, mit vielen Gästen aus Deutschland.
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  • Reisetag: Von Tartu auf Saarema

    3 de mayo, Estonia ⋅ ☁️ 19 °C

    Heute war alles sehr unspektakulär. Ich bin einfach von Tartu nach Virtsu am Meer und von dort mit der Fähre auf die Insel Saaremaa und dort zu einem wunderschönen Naturcampingplatz in Meiuste, im Nordwesten der Insel.
    Dass es Richtung Skandinavien geht, merkte ich an zwei Erlebnissen: An einer etwa zehn Kilometer langen Staubstraße, gab es zum einen einen offiziellen Parkplatz mit Feuerstelle, vorbereiten Holz und Plumpsklo. Zum anderen musste ich (das erste Mal in meinem Leben) einen Alkoholtest machen, indem ich in das bekannte Gerät blies. Etwas seltsam war allerdings, dass es reichte, aus einer gewissen Entfernung hineinzupusten. Wahrscheinlich eine Sparmaßnahme der estnischen Polizei. (Spricht eher gegen Skandinavien)
    Was noch fehlt, ist das Persönliche: Ich habe Silvio kennen gelernt, einen Radler aus dem Kanton Zürich, der ans Nordkapp und wieder zurück radeln will. Und mit dem Ehepaar Blockus, Wohnmobilisten aus Neubrandenburg, hatte ich ein schönes Gespräch am Feuer. Sie versorgten mich mit Hinweisen auf wichtige Apps.
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  • Saaremaa

    5 de mayo, Estonia ⋅ ☀️ 10 °C

    Eigentlich hatte ich ja geplant, mir in jedem Land drei hübsche Fleckchen zu suchen und von dort aus kleine Radtouren zu machen. Aber irgendwie hat das nur dreimal ganz am Anfang funktioniert. Sicherlich lag das auch an der Verletzung und dem kalten Wind.
    Was aber gut ist, das ist das Fahrrad als Verkehrsmittel: Ohne Rad hätte ich nicht viel von Riga, Tartu oder Sigulda gesehen. Aber Touren? Bislang Fehlanzeige.
    Außerdem gibt es ja immer etwas zu tun. Gestern ordnete ich das Gepäck und heute die Essenskiste so um, dass alles einfacher würde. Später fahre ich noch auf einen Campingplatz, um Wäsche zu waschen. In Tallinn - das weiß ich jetzt schon - wird ein halber Tag dafür draufgehen, dass ich Hosen kaufe. Die erste Jeans ist schon zerschlissen.
    Aber was klage ich? Ich habe gerade das schönste Leben, das man sich vorstellen kann: Nachdem ich aufgewacht war, öffnete die Caddytüre, blickte in die Sonne und übers Meer, hörte nur die Vögel zwitschern und die Wellen rauschen und dachte mir: Ist das schön!
    Hier ist es zu dieser Jahreszeit fast menschenleer. Zwar gibt es überall Hinweise darauf, dass das im Sommer anders sein werde, aber jetzt haben ich manchmal den Eindruck, ich sei der einzige Tourist weit und breit. (Manchmal kommen deutsche Wohnmobilisten vorbei und nehmen Reißaus, wenn sie mich sehen)
    So, jetzt packe ich mal meine Frühstückssachen zusammen und suche den Campingplatz und Baum des Jahres 2015.
    Dieser steht mitten auf dem Spielfeld des Sportstadions in Orissaare. Es wurde in der Sowjetzeit gebaut. Der Baum (eine Eiche) stand schon vorher dort. Statt ihn zu fällen, entschied man sich aus praktischen oder lokalen Gründen, ihn einfach stehen zu lassen und um ihn herumzuspielen. Heute haben humorlose Pragmatiker aus dem Großfeld zwei Kleinfelder gemacht. Welch Schande! Dennoch ist er auch heute eine kleine Attraktionen. (Bei einen Bild das eine Tor links bitte wegdenken; das ist mobil)
    Was es hier auch noch gibt, sind einige Blockwindmühlen, die angeblich erst um 1900 aufgestellt wurden. Technologische Nachzügler ihrer Art.
    Warum man bei diesen Außen- und Wassertemperaturen schwimmen geht, und das meine ich wörtlich; also nicht nur schnell rein und gleich wieder raus, das weiß ich wirklich nicht. Aber ich beobachte gerade eine ältere Dame, die seit gut 10 Minuten vor sich hin schwimmt.
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  • Orissaare - llliku

    6 de mayo, Estonia ⋅ ⛅ 10 °C

    Gelandet bin ich in Illiku, einer der großen Insel vorgelagerten kleinen (Halb-) Insel, weil es hier wunderbare Sonnenauf- und untergänge sowie eine Waschmaschine, eine Küche, warme Duschen und Strom gibt. Letzteres ist ein Argument, zumal es heute Nacht frostig war und der Heizlüfter gute Dienste geleistet hat.
    Davon, dass hier im 19. Jahrhundert die Fähre vom Festland anlegte, sieht man nichts mehr. Davon, was hier im Sommer los sein wird, sehr wohl: Schon gibt es ein großes Kuppelzelt, mehrere Feuerstellen, noch sind zwei Restaurant und mehrere Buden geschlossen. Kunst, davon viel Trash-Art, an allen Ecken und Enden.
    Was erahnen lässt, was im Sommer zu einem Hotspot werden lässt, ist die weit sichtbare Schrift: I LAND MUSIC. Ein Hinweis auf das alljährliche I LAND SOUND FESTIVAL. Für Freunde des gepflegten Wahnsinns gibt es hier einen Link zum Festivalrückblick 2025 : https://youtu.be/PXBzVx0DdAE?is=Veq5R58Tzg5ROe1u
    Hier wird es also viele kleinere Veranstaltungen und das große Festival geben, zu dem etwa 4000 Besucher kommen werden. Und die Seele des Ganzen ist Paap, der mich ganz am Anfang begrüßte, gekleidet in eine Art Tarnjacke mit einem rosa Plüschfutter.
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