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Vater und Sohn in Südosteuropa

37-dniowa przygoda według Paul Pommes & Björnbär Czytaj więcej
  • Dubrovnik

    9 maja, Chorwacja ⋅ ☁️ 15 °C

    Tag 26 - unser Tag in Dubrovnik begann mit einem Treppenabstieg und dem Wissen, irgendwann wieder hoch zu müssen.

    Das Museum für Rote Geschichte ist das erste kroatische Museum zur kommunistischen Vergangenheit. Es war sehr unterhaltsam und wir waren erstaunt, was in Jugoslawien früher möglich war, es ließ aber die Schattenseiten auch nicht aus.

    Zum Mittagessen haben wir uns einen veganen Burger gegönnt. Endlich einmal wieder nicht nach fleischfreien Speisen in einer Karte suchen müssen, um dann doch wieder bei den Beilagen zu landen.

    Gestärkt ging es in die Altstadt von Dubrovnik. Eine schöne Stadt, Venedig und Florenz ähnelnd und schon Anfang Mai überlaufen. Was mag hier nur in den Ferienmonaten los sein. Hier besuchen wir einige der vielen Kirchen, die Synagoge (die Zweitälteste Europas!) und den Rektorenpalast. Außerdem sahen wir auch die Jesuitentreppe, die man aus einer berühmten Szene von "Game of Thrones" kennt ("shame! shame!").

    Eine Pause gönnen wir uns in einem Irish Pub. Nach langen suchen fand der Wirt endlich Sky DE und wir konnten/mussten St.Pauli verlieren sehen. Aber immerhin zeigten unsere Boys in Brown wieder etwas Kampfgeist!

    Für unseren Aufstieg zur Ferienwohnung wählten wir einen anderen Weg mit wesentlich weniger Stufen. Für den Heimweg wäre ein Taxi unser Plan B gewesen. Aber tapfer haben wir den Berg erklommen, sodass es dazu nicht kam.

    Zum Abschluss hat uns Björn noch äußert lecker bekocht und wir genossen den Abend, hoch über der Stadt. Der Blick lässt den beschwerlichen Aufstieg vergessen, so muss es auch Bergsteigern ergehen.

    🚶🏻‍♂️🚶🏼‍♂️9 km, ⛪ 6, 🕍 1
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  • Dubrovnik ➡️ Međugorje

    10 maja, Bośnia i Hercegowina ⋅ ☁️ 21 °C

    Tag 27 - wie so oft starten wir gegen 9 Uhr und fahren heute über wenig befahrenen Straße, ohne Serpentinen oder Wartezeit an der Grenze zu Bosnien-Herzegowina.

    Unser erster Stop gehört zum UNESCO Kulturerbe: das Nekropola Radimlja Gräberfeld. Es besteht aus 135 Grabsteinen, die mehrheitlich aus dem 14. - 15. Jahrhundert stammen. Weil man in Bosnien danach den muslimischen Glauben annahm, starb diese besondere Grabsteinkultur mit der Zeit aus. Die Stećci, so heißt diese besondere Art Grabsteine, sind reichlich verziert, meist mit einer menschlichen Figur mit einer erhobenen Hand. Andere Motive sind Jagdszenen, Ritterturniere, Tänze, Weinreben oder Bewaffnungen. Die Stećci gehören zu den bedeutendsten Zeugnissen der mittelalterlichen Bosnischen Kirche, die ihrer Zeit einen Sonderweg zwischen West- und Obstkirche ging. Leider wissen wir über den Glauben und die Kultur dieser Kirche heute sehr wenig, weil sie wenig Quellen hinterlassen haben. Immerhin diese Grabsteine zeugen noch von ihr.

    Unser Tagesziel war heute aber Međugorje, neben Lourdes und Fatima einer der bedeutendsten katholischen Marien-Wallfahrtsorte Europas: Am 24. Juni 1981 soll auf einem Hügel in der Nähe des Dorfes Međugorje einer Gruppe katholischer Jugendlicher die Gottesmutter Maria erschienen sein. Einige dieser Personen behaupten, dass sie ihnen seitdem täglich bzw. jährlich erscheine und ihnen Botschaften übermittele. Vor allem geht es in den Botschaften um Frieden und um den hohen Stellenwert von Beichte, Rosenkranz und Messe. Obwohl selbst der Vatikan sich (bisher) nicht dazu durchringen konnte, die Marienerscheinungen für authentisch zu erklären, zieht dieser Ort das ganze Jahr über zahlreiche Pilger*innen an - jährlich sollen es 2,5 Mio. sein. Das ganzjährige tägliche Abendgebetsprogramm dauert etwa 3–4 Stunden und wird simultan übersetzt in diverse Sprachen und über 6 Mio. Menschen verfolgen es tagtäglich live im Internet. Ein Ort also, der für sehr viele Menschen eine große Anziehungskraft hat. Und wir mittendrin!

    Kurz nach unserer Ankunft geht es für Björn auf den Berg der Erscheinung - hier soll Maria zum ersten Mal erschienen sein. Jens ruht sich derweil im Hotel aus. Sofort fallen die sehr vielen Souvenirstände auf, die viel Profit aus den vielen Pilger*innen schlagen. Am Berg angekommen versteht Björn auch, warum so viele Geschäfte hier Gehstöcke im Angebot haben. Der Anstieg über den nackten Fels zu der Anhöhe, wo eine Marienstatue den Ort der ersten Offenbarung markiert, ist anstrengend, aber auf eine Weise auch eine spirituelle Erfahrung. Mehrere Dutzend, wenn nicht gar hundert Menschen befanden sich in diesen Nachmittagsstunden ebenfalls auf dem Weg nach oben und halten zwischendurch Andacht.

    Nachdem wir uns am Hotel wieder getroffen haben erkunden wir gemeinsam ein wenig den Ort und vor allem die riesige Anlage rund um die Kirche herum. Mehr als 50 Beichtstühle, die teilweiße ein Ampelsystem haben und vor denen sich Schlagen bilden, ein Kreuz mit hunderten Kerzen davor, eine Kopie der Marienstatue vom Erscheinungsberg, wo Gläubige in Andacht versunken sind, ein Außenaltar mit großen Bildschirmen rechts und links wo das Abendprogramm aus der Kirche direkt nebenan gezeigt wird, das mit mehreren Kameraeinstellungen übertragen wird. Die Kirche ist brechend voll, weswegen sich auch draußen viele Menschen versammeln. Es hat ein bisschen was von Kirchentag, aber sehr sehr sehr katholisch. Wir setzen uns etwas dazu und beobachten das Programm und wie ergriffen viele Menschen um uns herum sind. Zwar wird uns auch an einem Ort wie diesem vor Augen geführt, warum wir nicht katholisch sind und mit dieser Form von Marienverehrung können wir nicht viel anfangen, aber es ist unübersehbar, was für große spirituelle Schätze dieser Ort hervorbringt und über Umwege ist das dann auch für uns inspirierend, oder zumindest eine spannende Erfahrung.

    Interessant wäre aber noch sich zu fragen, welche Rolle dieser nicht nur sehr katholische, sondern auch sehr kroatische Ort für den kroatischen Nationalismus spielt, oder ob die Friedensbotschaft von Međugorje dazu beitragen kann, die tiefen Wunden in dieser Region zu schließen und Versöhnung zu ermöglichen.

    🚙 145 km, 🚶🏻🚶🏼‍♂️ 8 km, ⛪ 1
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  • Međugorje ➡️ Mostar ➡️ Sarajevo

    11 maja, Bośnia i Hercegowina ⋅ ☁️ 17 °C

    Tag 28 - mit einer katholischen Messe auf Deutsch in den Tag gestartet. Nach den vielen Gottesdiensten in so vielen Sprachen war es wirklich komisch alles verstehen zu können. Es war, trotz manchen Befremden, ein schöner Gottesdienst. Beim letzten Lied (es war natürlich der Gottesmutter gewidmet) wurde die Kirchen von sehr vielen Menschen "gestürmt". Nach 5 Minuten Pause sollte ein englischsprachiger Gottesdienst stattfinden. Wir hatten wirklich Probleme, gegen den Strom der Menschen die Kirchen zu verlassen.

    Unser erstes Ziel heute war die Brücke von Mostar. Ein Bild dieser Brücke kennt wohl ein jeder, der in seiner Kindheit beim "Jugoslawen" Essen war. Ein UNESCO Weltkulturerbe, das 1566 erbaut wurde. Für die damalige Zeit waren die 30 m Breite und 19 m Höhe ein Bauliches Meisterwerk. Es verband die muslimische Seite mit der christlichen Seite der Stadt und stand damit symbolisch für Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen Menschen verschiedener religiöser und kultureller Orientierung. Im Jahr 1993 wurde die Brücke im Bosnienkrieg von kroatischen Soldaten zerstört und 1995 bis 2004 originalgetreu wieder aufgebaut. In der direkten Umgebung konnten wir auch noch Häuser mit Einschusslöcher von Gewehren und Geschützen sehen. Heute ist die Brücke wieder ein beliebtes Ziel für Tourismus und drum herum gibt es viele Verkaufsstände und Restaurants. Wir haben selbst in einem davon bei herrlicher Kulisse Mittag gegessen und konnten von dort aus auch zwei Brückenspringer sehen.

    Auf dem Weg zu unseren nächsten Ziel, Sarajevo, der multikulturellen Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina hörten wir Podcasts zu der 1425 Tage andauernden Belagerung der Stadt von 1992 bis 1996 durch bosnische Serb*innen, die längste Belagerung einer Stadt im 20. Jh. - CN: massive Gewalt und Kriegsverbrechen. Diese Stadt, die immer ein Sinnbild für das friedliche Zusammenleben von Muslim*innen, Katholik*innen, Orthodoxen und Jüd*innen, von Bosnier*innen, Kroat*innen und Serb*innen war, ist ihnen ein Dorn im Auge gewesen. Und um für ein ethnisch gesäubertes Großserbien zu kämpfen, kesselten die serbischen Einheiten die Stadt ein und nahmen sie so in Geiselhaft. Jahrelang verübten sie Terror gegen die Zivilbevölkerung. Schrecklich, was damals Menschen angetan wurde. Täglich gingen ca. 300 Granaten auf die Stadt nieder. Scharfschützen nahmen Zivilist*innen ins Visier und schossen auch auf Kinder. Teilweise sollen auch reiche Menschen von außerhalb dafür bezahlt haben, hier auf Menschenjagd gehen zu dürfen. Insgesamt wurden in den vier Jahren mehr als 11.000 Menschen in der Stadt getötet, oder besser: ermordet. Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns mit einer Podcastfolge oder Internetartikeln auf eines unserer Reiseziele vorbereiten, aber diesmal lässt es uns besonders sprachlos zurück.

    Sarajevo zeigte sich und dann bis jetzt von seiner ruhigen Seite. Der Verkehr ist entspannter als erwartet. Wir wohnen in einem äußerlich recht runtergekommenen sozialtischen Hochhaus, in einer hervorragend renovierten und sehr gut ausgestatteten Wohnung, für 26€ die Nacht und fühlen uns soweit sehr wohl hier.

    🚙 145 km, 🚶🏻🚶🏼6 km
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  • Sarajevo

    12 maja, Bośnia i Hercegowina ⋅ ⛅ 17 °C

    Tag 29 - nicht zu Unrecht wird Sarajevo manchmal das "Jerusalem des Balkans" genannt. Auf engem Raum sieht man hier mehrere Synagogen, Moscheen und Kirchen verschiedener Konfessionen. Hätten wir es darauf angelegt, hätten wir hier also unseren Gotteshaus-Counter ordentlich nach oben treiben können. Wir hatten aber auch abseits davon genug schöne und interessante Orte auf unserem Zettel.

    Am Vormittag ging es für uns Richtung Altstadt, vorbei an hunderten Einschusslöchern, notdürftig reparierten Häusern und den "roten Blumen" von Sarajevo: Orte, an denen während der Belagerung der Stadt mindestens drei Menschen zeitgleich durch Granateneinschläge getötet worden sind, wurden durch rotes Harz markiert.

    In der Altstadt besichtigten wir zunächst die Akademie der Schönen Künste. Das Gebäude in dem sie sich heute befindet wurde Ende des 19. Jh. als Kirche und Gemeinderäumlichkeiten der evangelischen Gemeinde gebaut. Als diese nach dem Ende der k.u.k.-Monarchie nahezu geschlossen auswanderte, wurde das ehemalige Gotteshaus anderen Zwecken zugeführt und gehört heute der Universität. Eine würdige weitere Nutzung dieses schönen Gebäudes. Drinnen konnten wir auch einige hübsche Kunstwerke bewundern.

    Danach ging es für uns weiter zu der orthodoxen und dann zur nahegelegenen katholischen Kathedrale der Stadt. Von hier aus ist auch der alte Basar nicht weit, wo wir durch die Gassen schlenderten und uns in einem Restaurant stärkten.

    Auf dem Weg zur aschkenasischen Synagoge (wir haben gelesen sie sei sogar die drittgrößte Europas!) kommen wir an dem Ort des Attentats auf den österreichischen Kronprinz Franz Ferdinand vorbei, das (zumindest vorgeblich) Anlass für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges war.

    Nach unserem Besuch der Synagoge, die uns von einem Gemeindemitglied gezeigt und erklärt wurde, ist unsere nächste Station die Sarajevska pivara, die Aktienbrauerei Sarajevo. Ehemals war dies die größte Brauerei von Österreich-Ungarn und später eine der größten Brauereien Jugoslawiens. Strategisch über einer Wasserquelle errichtet, war sie während der Belagerung der Stadt sehr wichtig für die Versorgung mit Trinkwasser. Das historische Gebäude beherbergt das einzige Brauereimuseum des Landes und ein repräsentatives Brauhaus. Natürlich haben wir beides aufmerksam unter die Lupe genommen.

    Weitere Highlights nahe dem Basar waren für uns einerseits die Gazi-Husrev-Beg-Moschee, die größte Moschee des Landes und mit einer Entstehungszeit im 16. Jh. auch eine der ältesten. Ein sehr eindrucksvolles Gebäude! Als wir dort waren, fand gerade eine Veranstaltung statt, bei der u.a. auch aus dem Koran vorgetragen wurde. Andererseits war es die sephardische Synagoge aus dem 16. Jh., in der sich heute neben dem Gebetsraum eine Ausstellung zur Geschichte jüdischen Lebens in Bosnien und Herzegowina mit interessanten Ausstellungsstücken befindet. Unter anderem geht es auch um die Beteiligung von 800 bosnischen Jüd*innen an der Partisanenbewegung, der es im Zweiten Weltkrieg nahezu ohne Hilfe von außen gelungen ist, Jugoslawien von Besatzung und Faschismus zu befreien.

    Auf dem Rückweg schauten wir noch in das Nationalmuseum hinein. Dafür, dass wir hier den vergleichsweise höchsten Eintrittspreis bezahlen mussten, hatten wir etwas mehr erwartet. Viel haben wir so oder so ähnlich auf unserer Reise schon gesehen. Viele wertvolle Exponate scheinen in Zeiten der Fremdherrschaft außer Landes gebracht worden zu sein. Das bedeutendste Ausstellungsstück der Sammlung, die Sarajevo Haggadah, eine jüdische Schrift mit wunderbarer Buchmalerei aus dem 14. Jh., das sephardische Jüd*innen auf ihrer Flucht aus Spanien nach Bosnien brachten, ist momentan der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Immerhin konnte Björn ein relativ günstiges Faksimile davon erwerben und sich nun so oft er es will daran erfreuen.

    🚶🏻🚶🏼 11 km, ⛪2, 🕍 2, 🕌 1
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  • Sarajevo ➡️ Srebreniza

    13 maja, Bośnia i Hercegowina ⋅ ⛅ 7 °C

    Tag 30 - nach einer landschaftlich sehr ansprechenden Tour und einer mittaglichen Stärkung, die damit nicht mithalten konnte (wie kann man als Topping Tomatenketchup auf eine Pizza machen?) kamen wir bei der Srebrenica-Gedenkstätte in Potočari an.

    Die Gedenkstätte erinnert an die Opfer des Massakers an Bosniak(*inn)en durch serbische Soldaten von 1995. Es beschreibt eindringlich die Ereignisse und die Rolle, das Versagen, der hier stationierten UN Blauhelm-Soldaten aus den Niederlanden. In dem Verwaltungsgebäude einer ehemaligen Batteriefabrik, die dem niederländischen Battalion als Hauptquartier gedient hatte, befindet sich heute eine Ausstellung. Mit Texttafeln, Bildern, Karten und Filmen informiert sie über die verstörenden Ereignisse, die sich hier während des Bosnienkrieges abgespielt haben. CN: massive Kriegsverbrechen und Genozid.

    1993 erklärte die UNO Srebrenica zur Schutzzone. Zehntausende bosniakische Geflüchtete vertrauten auf den Blauhelmsoldaten und suchten bei ihnen in Zuflucht. Doch die Stadt wurde abgeriegelt, Hilfslieferungen wurden immer knapper. Während die niederländischen Soldaten weiter versorgt wurden, suchten Menschen in ihrem Müll nach Essen. Das Krankenhaus war überfüllt und unterbesetzt. Menschen starben an unbehandelten Verletzungen, an Erschöpfung und an Hunger. Im Juli 1995 startete die bosnisch-serbische Armee unter Ratko Mladić schließlich eine Offensive gegen die Schutzzone. Auf Grund einer Reihe von Fehlinformationen, einer falschen Einschätzung der Lage, sowie mangelnder Unterstützung durch UN und NATO zogen sich die Blauhelmsoldaten und bosniakischen Verteidiger*innen Srebrenicas nahezu tatenlos zurück und überließen den Serben die Stadt. Zehntausende flohen zur UN-Basis in Potočari, doch es wurden dort nur wenige hineingelassen. Sie wurden in der alten Fabrikhalle untergebracht, allerdings nahezu ohne Trinkwasser und andere Vorräte. Um den Komplex versammelten sich weitere 20.000 Geflüchtete, die verzweifelt um Einlass baten, der ihnen aber verwehrt wurde. Als die Serben dort eintrafen, verübten sie erste Morde und Vergewaltigungen. Daraufhin trennten sie Männer und Jungen ab, angeblich um die auf Kriegsverbrechen zu überprüfen. Die Blauhelmsoldaten halfen ihnen dabei und lieferten die Geflüchteten letztlich aus. Frauen und Kinder wurden deportiert, die Männer verschleppt, misshandelt und massenhaft ermordet. Selbst die Bosniaken, die sich unter dem Schutz der UN befanden, wurden übergeben. Keiner von ihnen überlebte. Als die Deportationen begannen, begaben sich tausende Bosniaken zu Fuß in Form einer riesigen Kolonne auf die Flucht, um bosnisch kontrolliertes Gebiet zu erreichen. Auch von ihnen überlebte nur ein Drittel. Die Ermordeten warf man in Massengräber. Aktuell geht man von 8.372 Toten aus, es gibt aber noch immer Hinterbliebene, deren Angehörige nicht gefunden oder identifiziert worden sind.

    Vieles von dem haben wir nicht gewusst. Wir empfinden abwechselnd Trauer, Verzweiflung und Wut. Es ist erschütternd, was Menschen einander antun können. Als wir Filmaufnahmen davon sehen, wie der Kommandeur der Blauhelm-Soldaten Karremans sich bei der Übergabe der UN-Basis an die bosnisch-serbische Armee lächelnd für ein Geschenk von Mladić für seine Frau bedankt und wie die niederländischen Soldaten nach ihrer Ausreise eine Party schmeißen, wo sie sich mit Heineken betrinken und gröhlend zu dem Lied "I will survive" tanzen, empfinden wir puren Ekel.

    Auch in der Fabrikhalle gibt es eine Ausstellung und ein relativ neues Museum, zu dem wir es aber gar nicht mehr richtig schaffen. Wir sehen in Vitrinen Habseligkeiten der Genozidopfer, die in den Massengräbern gefunden worden sind. Durch den Raum schallt die Stimme eines älteren Mannes aus einer Filmaufnahme. Er gehörte zu der Kolonne von bosniakischen Männern, die versuchten, zu Fuß aus Potočari zu fliehen. Er wurde von Serben gefangengenommen und ist von ihnen davon überzeugt worden, dass die Geflüchteten nichts zu befürchten hätten, wenn sie sich in Gefangenschaft begeben würden. In dem Film ruft er seinen Sohn, damit er sich auch ergibt. "Nedim! Nedim!" Jeder seiner Rufe ist ein Stich in unser Herz. Beide wurden ermordet.

    Nach drei Stunden in der Ausstellung sind wir erschöpft und brechen für heute ab. Nicht aber, ohne auch das gegenüberliegende Gräberfeld zu besuchen. Hier liegen tausenden Ermordeten des Genozids. Wir halten inne und während unser Blick über die vielen gleichen Grabsteine wandert, versuchen wir das Gesehene zu verarbeiten.

    Später fahren wir dann erst einmal in unsere Unterkunft. Ein Zimmer über einem großen Festsaal für Hochzeiten. Das Zimmer ist top, der Rest macht einen runtergekommen Eindruck. Im Dunkeln wirkt das bestimmt viel besser. Im Saal hängt eine russische und eine serbische Fahne. Nach den Eindrücken der Gedenkstätte haben wir ein sehr komisches Gefühl.

    Abends haben wir uns noch die Kleinstadt angeschaut und an einem Spielplatz mit vielen spielenden und lachenden Kindern und Erwachsenen gegessen....

    🚙 171 km,🚶🏻🚶🏼 4 km
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  • Srebreniza ➡️ Jajce

    14 maja, Bośnia i Hercegowina ⋅ ☀️ 11 °C

    Tag 31 - die Nacht war erholsam und dennoch unruhig. Die Eindrücke vom Genozid an den Bosniaken im Juli 1995 waren sehr präsent. Heute begeben wir uns für einen zweiten Besuch in die Gedenkstätte. Wir betreten Räume, die wir gestern auslassen mussten und besuchen auch das moderne Museum in der Fabrikhalle.

    Irgendwann haben wir aufgehört, uns die Hinweistafeln zu übersetzen. Das viele Leid schlug uns aufs Gemüt und auf den Magen. Erneut stieg die Wut in uns auf über das Nichthandeln der UN Soldaten und das Versagen der internationalen Gemeinschaft. Wir sehen Bilder von Überlebenden, gezeichnet von den Grausamkeiten, die sie durchlitten haben. Wir sehen Bilder der geöffneten Massengräber. Es macht uns fassungslos, dass viele Täter, die hier tausende Menschen ermordet haben, auf freien Fuß bleiben konnten. Noch immer gibt es Menschen, die leugnen, was hier geschehen ist. Einige von ihnen in wichtigen Positionen in der Republik Srpska, dem serbischen Teil Bosnien-Herzegowinas, und in der Republik Serbien.

    Wir sind froh, als wir diesen Ort verlassen können. Gleichzeitig wissen wir aber auch, was für ein Privileg es ist, dass wir uns dem allen hier freiwillig aussetzen und dann wieder weiterfahren können. Ein Privileg, dass weder die Opfer noch die Überlebenden dieses Genozids haben.

    Auf unserer Weiterfahrt nach Jajce, einem kleinen Ort nördlich von Sarajevo haben wir uns lange angeschwiegen. Nach dem Erlebten können wir nicht zu dem unbeschwerten Reisealtag übergehen.

    Am späten Nachmittag kommen wir dann an unserem Tagesziel an. Jajce liegt auf einem Berghang und verfügt über einen wirklich schönen 22 m Wasserfall in direkter Nähe zur Altstadt. Nachdem wir das Naturwunder der Stadt bestaunt haben, erkunden wir auf dem alten Festungshügel die Ruine der Kirche St. Lukas mit seinem romanischen Turm und eine unterirdische Kirche, die einem lokalen Grafen und seiner Familie als Grablege dienen sollte. Außerdem besuchen wir die Esma-Stanija-Moschee aus dem 18. Jh. Vor der Moschee sehen wir ein Denkmal für im Bosnienkrieg gestorbene Bosniak*innen. Direkt gegenüber steht sein kroatisches Gegenstück mit kroatischen Staatswappen und lateinischen Kreuz. Auch sind in dieser Stadt an wirklich jedem, nicht renovierten Haus Einschusslöcher zu sehen. Der Bosnienkrieg mag inzwischen dreißig Jahre her sein, hier prägt er aber noch immer das Bild der Stadt.

    In der Fußgängerzone haben wir gut gegessen und sind im Großen und Ganzen froh aus der Republika Srpska wieder raus zu sein - auch wenn wir dort viel über dieses gespaltene Land lernen konnten.

    🚙 286 km, 🚶🏻‍♂️🚶🏼‍♂️2 Km, ⛪1, 🕌1
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  • Jajce ➡️ Jasenovac ➡️ Podgarić ➡️ Zagreb

    15 maja, Bośnia i Hercegowina ⋅ ☁️ 10 °C

    Tag 32 - der Start in den Tag war entspannt, nach einer sehr schnellen und unkomplizierten Grenzkontrolle waren wir dann auch recht zügig zurück in Kroatien. Mit einer solch unkomplizierten Einreise in den Schengen-Raum haben wir nicht gerechnet.

    Gleich hinter der Grenze haben wir die Gedenkstätte der KZ-Opfer in Jasenovac besucht. CN: Massenmord, Holocaust, Shoah. Hier sind zwischen 1941 und 1945 mindestens 81.998 Serb*innen, Jüd*innen, Roma* und Antifaschist*innen mit Beilen, Hämmern, Messer, Strick durch Verbrennung oder harte Arbeit ermordet worden. Seriöse Schätzungen gehen teilweise von bis zu 100.000 Ermordeten aus. Geleitet wurde dieses Konzentrations- und Vernichtungslager von der Ustaša, der faschistischen Bewegung Kroatiens, die mit Nazi-Deutschland kollaborierte und von einem ethnisch gesäuberten unabhängigen Großkroatien träumte. Jasenovac war das einzige Vernichtungslager im Zweiten Weltkrieg, in dem ohne deutsche Beteiligung planmäßig gemordet wurde. Neben dem lediglich sehr kleinen Museum der Gedenkstätte erinnert ein von dem berühmten Spomenik-Architekten Bogdan Bogdanović gestaltetes Denkmal an die Opfer der rassenideologischen Vernichtungspolitik des Faschismus. Als großes Monument steht eine riesige Blume aus Beton inmitten einer großen Grünfläche, auf der sich einmal das KZ befunden hat, von dem allerdings keine baulichen Überreste erhalten sind. Ein langer Holzweg aus Bahnschwellen der ehemaligen Zubringer-Bahnstrecke führte uns zum Denkmal. Das KZ muss riesig gewesen sein. Wir verspüren einen Klos im Hals, als wir auf dem Holz, das so viele Menschen in den sicheren Tod gebracht hat, zu dem Monument gehen. Die Symbolik hinter dem Spomenik verwirrt uns etwas und wir sind uns nicht ganz sicher, ob so ein Sinnbild für Harmonie für diesen Ort angemessen ist. Wir entscheiden uns dafür, darin eine unvergängliche Blume zu sehen, die man auf das sinnbildliche Grab der vielen hier Ermordeten gelegt hat. Im Anbetracht von diesem Ort des Schreckens ist es uns unbegreiflich, dass auch gegenwärtig noch in der kroatischen Politik, Kirche und Gesellschaft immer wieder positiv auf die Ustaša Bezug genommen wird und der kroatische Nationalismus nach wie vor sehr lebendig ist.

    Weiter geht es zum Denkmal für die Revolution der Einwohner von Moslavina in Podgarić. In dieser Region war eine Hochburg der jugoslawischen Partisanenbewegung im Zweiten Weltkrieg - hier formierten sich aus allen Bevölkerungsgruppen die ersten großen Verbände, die sich gegen den Faschismus zur Wehr setzten. Inmitten von bewaldeten Hügeln, kleinen Bergen, war hier auch ein geheimer Komplex von Krankenhäusern der Partisan*innen. An diesem Ort wurden auch die begraben, die ihren Verletzungen erlegen sind. 900 Antifaschist*innen, die für ihren Kampf gegen die Ustaša und die deutschen und italienischen Faschisten den höchsten Preis bezahlt haben. Das Spomenik wurde noch vom "großen Genossen" Tito, in Kriegszeiten selbst bedeutender Partisanenanführer und später autoritärer Staatschef Jugoslawiens, eingeweiht und erinnert optisch an ein Raumschiff aus "Star Wars".

    Nach nur einer weiteren Stunde Fahrzeit sind wir in Zagreb angekommen. Trotz Rush Hour war die Anfahrt erstaunlich ruhig und entspannt. Hier wohnen wir in einem Gartenhaus und müssen durch das Haus, samt Küche der Vermieterin, um in unser Quartier zu kommen. Diese spricht nur Französisch mit uns.

    🚙 298 km, 🚶🏻🚶🏼 2 km
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  • Zagreb

    16 maja, Chorwacja ⋅ ☁️ 10 °C

    Tag 33 - heute war ein Regentag. Doch davon lassen wir uns nicht abhalten, die kroatische Hauptstadt etwas zu erkunden - auch wenn Herumspazieren bei dem Wetter wenig Spaß macht.

    In der Altstadt angekommen war es an dieser Ecke das gleiche Bild - sollte irgendjemand eine Business-Idee brauchen: Gerüstbau in Zagreb! Hier ist wirklich JEDES interessantes Gebäude eingerüstet.

    Als erstes besuchten wir das Wahrzeichen der Stadt: Die katholische Kathedrale von Zagreb am Kaptol. Ein prächtiger mittelalterlicher Bau, der allerdings gerade eine Generalsanierung erfährt. 2020 ganb es hier ein Erdbeben, das die Kirche in große Mitleidenschaft gezogen hat. Die Dachkonstruktionen der zwei neuzeitlichen Türme der Kirche sind abgebaut, die Apsis und Orgelempore zugehängt und die Seitenaltäre mit Spanplatten eingekleidet. Im Hauptschiff steht eine wilde Mischung verschiedener Stühle als Platzhalter für die Kirchenbänke. Trotzdem spüren wir, was das für ein beeindruckendes Bauwerk sein muss. Hinter dem Altar liegt der seliggesprochene Kardinal Alojzije Stepinac in einem Schrein und wird von Einheimischen und Tourist*innen verehrt. Dass dieser Mann ein sehr ambivalentes Verhältnis zum Ustaša-Regime hatte und in seiner Position milde gesagt deutlich mehr hätte tun können/müssen um die in Kroatien Verfolgten zu schützen, scheint dem kein Abbruch zu tun.

    Weiter ging es zum Ban-Jelačić-Platz und nach einem Mittagessen (sehr gutes indisches Essen!) führte uns unser Weg zur orthodoxen Kathedrale "der Verklärung unseres Herrn". Als wir diese Kirche besuchten haben wir ungeplant einer Taufe beigewohnt. Die Mutter des Kindes hatte die ganze Zeit das Kind auf den Arm. Nach schönen, gesungenen Gebeten krempelte sich der Priester die Ärmel bis zu seinen Ellenbogen hoch. Die Mutter übergab den Vater ihr Kind, dieser dann wiederum dem Priester. Nach einem weiteren Gebet, wurde der Täufling von 4-5 Liter Wasser übergossen. Es gab ein wenig Geschrei aber wesentlich weniger als wir erwartet haben. Das Kind wurde dann wieder in einer Decke gehüllt und über den Vater an die Mutter übergeben. Eigentlich werden in der orthodoxen Kirche Kinder bei der Taufe gänzlich untergetauft. Diese Taufe war sehr weit von der ev. Taufe entfernt, die Jens sonst kennt.

    Später kamen wir an einer weiteren Sehenswürdigkeit vorbei: Der Standseilbahn, die die Ober- mit der Unterstadt verbindet. Leider wegen Wartungsarbeiten geschlossen. Das hieß für uns also Treppensteigen. Oben schauten wir uns den Marienschrein im Steinernen Tor an - ein altes Stadttor, durch das auch heute noch Passant*innen gehen und Räder fahren, das aber zu gleich eine Kapelle ist und einem Gnadenbild der Gottesmutter Maria gewidmet ist. Dieses Bild gilt als unbrennbar, denn es hat als einziges ein großes Feuer im 18. Jh. überstanden. Danach besichtigten wir noch das Museum zur Geschichte der Stadt. Zwischen den vielen alten Ausstellungsstücken hatten wir großen Spaß. Allerdings nahmen hier die faschistische und sozialistische Zeit nur sehr wenig Raum ein und über den Kroatienkrieg wurde gar nichts berichtet. Schade.

    Als wir wieder herunterstiegen ging es noch durch den Tunnel 2 zurück in die Unterstadt und wenig später fuhren wir auch schon zurück in unser Feriendomizil. Währenddessen drückte uns nicht nur das Wetter auf die Stimmung, sondern auch das Debakel am Millerntor. Auch hier in Zagreb scheint Fußball eine große Rolle zu spielen, überall sehen wir Graffitis der "Bad Blue Boys", der Hooligans des Hauptstadtvereins, die für ihren Rassismus und ihre Gewaltbereitschaft bekannt sind. Als wir auf dem Rückweg in der Nähe des Stadions unseren Bus verließen, war dort große Polizeipräsenz. Und das obwohl das nächste Heimspiel des Vereins erst morgen sein wird!

    Trotz allem machten wir uns dann noch einen schönen Abend in dem Gartenhäuschen, dass uns diese und letzte Nacht als Ferienunterkunft diente.

    Zu guter Letzt, aus gegebenen Anlass:
    https://open.spotify.com/track/1JYzE94JnKFvGleA… 🤎🤍♥️

    🚶🏻🚶🏼 7 km, ⛪ 4
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  • Zagreb ➡️ Kumrovec ➡️ Lubljana

    17 maja, Chorwacja ⋅ ☀️ 11 °C

    Tag 34 - bei schönem Wetter war unser erstes Ziel Kumrovec, ein Dorf ganz in der Nähe zur Grenze zu Slowenien. Als Geburtsort des langjährigen jugoslawischen Staatschefs Tito war es von hoher Bedeutung für den Personenkult um ihn. 1981, also ein Jahr nach Titos Tod, eröffnete hier auch eine Politische Schule, die neue Führungskader für die Kommunistische Partei von Jugoslawien ausbilden sollte. Doch schon 1990 wurde sie geschlossen und das Gebäude zunächst anderen Zwecken zugeführt. U.a. diente es Kroatienktieg als Geflüchtetenunterkunft. Heute verfällt der brutalistische Gebäudekomplex und ist ein beliebtes Ziel für "Lost Place"-Tourist*innen. Auch wird haben in der Nähe des Geländes geparkt und sind um die ehemalige Parteischule herum- und auch ein paar wenige Schritte hineingegangen. Aus Sicherheitsgründen haben wir uns aber nicht weit hinein gewagt.

    Eigentliche Hauptattraktion des Ortes ist allerdings sein Freilichtmuseum. Um das Geburtshaus des "Genossen Marschall" hat man weitere alte Bauernhäuser aus der Gegend platziert. Darin kann man sehen, wie Menschen früher in Kroatien gelebt haben und es werden einem diverse Handwerke gezeigt. Ein beschauliches Dörfchen - Titos Geburtshaus ist dabei aber der Höhepunkt.

    Der Grenzübergang zu Slowenien war ohne Border Control - innerhalb der EU zu reisen fühlt sich für uns inzwischen etwas ungewohnt an.

    Nach einer Fahrt durch fast österreichisch anmutenden Landschaften haben wir unser Tagesziel Ljubljana zügig erreicht und noch genügend Zeit, uns die slowenische Hauptstadt ein wenig anzuschauen. Untergebracht waren wir in einer schönen Ferienpension mit Parkplatz in fußläufiger Entfernung zur überschaubarer Innenstadt. Getrennt wird die Altstadt durch den Fluss Ljubljanica, den Slavoj Žižek, ein bekannter slowenischer Philosoph, in einem viralen satirischen Video einmal als "the official geographical limit between Balkàn and Mitteleuropa" bezeichnet hat. Dieser Fluss trenne "horror, oriental despotism" auf der einen von "civilization" auf der anderen Seite. Leichtsinnig wie wir sind sind wir an diesem Tag noch mehrfach von der einen zur anderen Seite gewechselt und wieder zurück um uns noch einige paar schöne Kirche und andere Bauwerke anzusehen.

    Dabei schreiten wir auch über die bekannteste Flussquerung der Stadt - eine Jugendstil-Betonbrücke von 1901, deren fast realistisch wirkenden Drachen zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden sind und ihr ihren Namen haben: "Drachenbrücke". Es heißt, man sei nicht in Ljubljana gewesen, wenn man kein Foto mit einem der Drachen gemacht habe, also ließen wir uns das natürlich nicht nehmen.

    Nach einem sehr guten Abendessen in direkter Nähe zur Ljubljanica verabschieden wir uns still vom Balkan und kehren in unsere Unterkunft zurück.

    🚙 197km, 🚶🏻🚶🏼 6 km, 3⛪
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  • Lubljana ➡️ Brezje ➡️ Bled ➡️ Wettlkam

    18 maja, Słowenia ⋅ ☀️ 13 °C

    Tag 35 - der Start in den Tag war angenehm, der Verkehr in der Hauptstadt Sloweniens an einem Montag Vormittag erinnert an einen Sonntag Vormittag in einer deutschen Kreisstadt.

    Auf dem Weg Richtung Grenze war unser erstes Zwischenziel der Ort Brezje wegen der dortigen Bazilika Marije Pomagaj (Basilika Maria Hilf). Die Basilika ist wohl das bedeutenste Wallfahrtszentrum Sloweniens. Es ist Teil eines Franziskanerklosters und ihr größter Schatz ein Bild der Maria Hilf von Leopold Layer. Als Vorbild diente ein oft kopiertes Bild von Lucas Cranach den Älteren, das heute in Innsbruck zu sehen ist. Über beide Bilder wird gesagt, dass sie wundertätig seien. Das ist auch deswegen interessant, weil sie (das eine direkt, das andere indirekt) auf den inoffiziellen Haus- und Hofmaler der lutherischen Reformation zurückgehen. Rund um das Gnadenbild hängen Bilder, Fotos, ein signiertes Trikot der Fußball-Nationalmannschaft, eine olympische Goldmedaille und u.a. auch Krücken. Seit 1999 ist diese Kirche offizielles slowenisches Nationalheiligtum. Vor der Kirche zeigt ein riesiger Parkplatz und ein Gerüst für ein Festzelt samt vielen Stühlen von großen Besuchermengen, die zu bestimmten Anlässen hier zu erwarten sind.

    Unser nächstes Ziel war der See Bleder See. Obwohl am Schild Parkplatz für 3€ angepriesen wurde, wollte der Automat 4,50€ in Bar und hat nicht gewechselt. Der See war aber atemberaubend! Auf einem hohen Felsen sieht man die Bleder Burg, die älteste Burg des Landes. Und inmitten des Sees liegt die einzige Insel Sloweniens. Auf ihr steht die Marienkirche mit ihrer Wunschglocke, um die sich Legenden ranken. Die Überfahrt zur Insel wird je Person, in einem Holzboot für 16€ angeboten. Auf der Insel wären dann noch einmal 12€ die Person als Eintritt fällig gewesen. Hier weiß man, wie man sich die Schönheit bezahlen lässt. Wir gönnen uns statt dessen nur zwei Kaffee für je 5,50€, genießen die Aussicht und fahren weiter Richtung Deutschland.

    Unsere Fahrt verlief ansonsten ruhig und angenehm. Ausgenommen davon sind nur ein überraschend kräftiger Regenschauer und eine Tunnelsperrung, deretwegen wir in stockendem Verkehr über österreichische Dörfer geleitet wurden

    In dem kleinen bayrischen Dorf Wettkam übernachten wir gut bürgerlich.

    🚙 389 Km,🚶🏻🚶🏼 5 km, ⛪ 1
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  • Wettlkam ➡️ Bad Frankenhausen ➡️ Hamburg

    19 maja, Niemcy ⋅ ☁️ 9 °C

    Tag 36 - ein Tag auf der Straße mit vielen Kilometern und Gesprächen. Uns erstaunt wie groß Bayern ist und wie lange wir brauchen, um das Bundesland zu durchqueren. Wie so oft auf unserer Reise - und nun wohl zum letzten Mal vor unserer Rückkehr - tauschen wir uns über unser nächstes Ziel aus und hören uns dafür auch passende Podcasts und Musik an. Unser heutiges Thema ist der Deutsche Bauernkrieg von 1525 und wir lernen, warum er weder "deutsch", noch ausschließlich ein "Bauern"-Krieg und eigentlich auch kein "Krieg" gewesen ist. Wir hören, dass sich der Reformator Martin Luther ab einem gewissen Zeitpunkt auf die Seite der Obrigkeit stellte, sich sein Kollege Thomas Müntzer aber mit den Anliegen der Aufständischen solidarisierte und sogar mit ihnen ins Feld zog. Und wir sprechen darüber, ob Müntzer ein Sozialrevolutionär, ein Apokalyptiker oder beides gewesen ist.

    Nachdem wir unsere Unterkunft bei Bad Frankenhausen bezogen haben, begehen wir unseren letzten Abend auf Reisen mit einem Essen beim lokalen griechischen Restaurant (wo es zu Björns großer Freude sogar vegetarischen Metaxaauflauf gab!). Satt und zufrieden gehen wir zu Bett, um für die finale Etappe ausgeschlafen zu sein.

    🚙 496 km, 🚶🏻🚶🏼1 km

    Tag 37 - unsere Letzte Nacht verlief ruhig und war erholsam. Nachdem wir wieder alles zusammengepackt haben, fahren wir nach Bad Frankenhausen zum Schlachtberg, einem Ausläufer vom Kyffhäusergebierge, wo am 15.05.1525, also vor fast genau 501 Jahren, eine entscheidende Schlacht zwischen Aufständischen und Truppen der Fürsten stattgefunden hatte. Hier wurden an jenem Tag 6000 Menschen, weit überwiegend aufständische Bauern, umgebracht und Thomas Müntzer gegangen genommen. Wenige Tage später ist auch er hingerichtet worden. Mehr als 400 Jahre später fasste man den Entschluss, mit einem großen Museum an dieses Ereignis zu erinnern und plante es als ein großes Bauernkriegs-Panorama, das 1987 schließlich eröffnet wurde. In einem eigens dafür errichteten Gebäude wird hier ein 14x123m großes Gemälde ausgestellt, das neben der Schlacht selbst noch mehr Themen des Umbruchs zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit, der menschlichen Natur und gesellschaftlicher Grundkonstanten darstellt, die auf die vier Jahreszeiten aufgeteilt sind. Etwa 1,5 Tonnen Farbe wurden für dieses Bild verwendet. Hauptverantwortlich war der Leipziger Maler Werner Tübke, der das Bild entwarf und mehr als die Hälfte allein realisierte. Bei unserem Besuch in der Rotunde, wo das Panoramabild gezeigt wird, waren wir schlicht und ergreifend geplättet von den gigantischen Ausmaßen des Bildes und den wimmelbildartigen vielen Figuren und Details des Gemäldes. Ein Audioguide half uns einige der rätselhaften Szenen und Symbole zu entschlüsseln, dennoch konnten wir das meiste, was wir zu Sehen bekamen nur bestaunen. Das Geheimnisvolle an dem Bauernkriegspanorama, aber natürlich auch die künstlerische Qualität und die handwerkliche Leistung überhaupt ein Bild dieser Dimensionen zu erstellen hat uns tief beeindruckt.

    Von dort aus ging es für uns dann weiter Richtung Hamburg. Ohne größere Vorkommnisse und mit nur wenig stockendem Verkehr verlief unsere Heimfahrt ziemlich ruhig und entspannt. Empfangen wurden wir dann aber in Hamburg, wie könnte es anders sein, mit Schietwedder. Trotzdem machten wir uns, nachdem wir unser Gepäck in unseren Wohnungen abgelegt haben, noch einen schönen Abend im pakistanischen Restaurant in Ottensen und schließen damit unseren letzten Reisetag feierlich ab.

    🚙 394 Km, 🚶🏼‍♂️🚶🏻‍♂️3 km
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    Koniec wyprawy
    20 maja 2026