Umeå, Patholmsviken: ausgehungert im Supermarkt
30. jun. – 1. jul., Sverige
☀️ 20 °C
Das war eine schnelle Nummer. Sowohl die 30 Seemeilen lange Fahrt von Ratan nach Patholmsviken, als auch der Aufenthalt dort. Um so länger dauerte die Diskussion mit dem Hafenmanager, ob wir nun längsseits am Steg liegen dürfen oder bei viel zu viel Seitenwind an die Boje müssen. Letztendlich setzten sich unsere Argumente durch.
2 Dinge führten uns nach Patholmsviken, und das war sicher nicht die schöne Lage mitten im Industriegebiet: 1) jemand, der uns einen Ersatz-Impeller verkauft und 2) ein Supermarkt. Letzteres hatten wir lange zuvor das letzte Mal gesehen. Keine Ahnung, wo und wann das war. Der letzte Stengel Gemüse war jedenfalls längst aufgebraucht.
Eine Regel, die wir dabei völlig missachteten, lautet: geh niemals ausgehungert einkaufen. Natürlich kauften wir viel zu viel ein und schleppten dann alles 2km zurück in den Hafen. Auf den Weg dort stolperten wir über einen Volvo Servicebetrieb. Klar, der musste doch den passenden Impeller für uns haben. Nach 10 Minuten im Lager teilte uns der Chef des Betriebs mit, dass er zwar jede nur erdenkliche Impellervariante hat, nur eben unsere nicht.
Aber okay, immerhin hatten wir jetzt einen überquellenden Ersatzkühlschrank und einige süße Stücke auf nüchternen Magen im Bauch. Und dazu die Gewissheit, dass wir alles in Patholmsviken gesehen haben, und uns am nächsten Tag einmal um die Halbinsel herum, durch eine superenge, mit vielen fiesen Steinen garnierte Durchfahrt hindurch in den nächsten Hafen verholen. Und das rief sogar die schwedische Küstenwache auf den Plan.Les mer
Mit Küstenwache in den nächsten Hafen Bredvig
1. juli, Sverige
☁️ 16 °C
Morgens verlassen wir den Hafen von Patholmsviken, um uns 5 sm nach Bredvig zu verholen. Nur mit der Genua segeln wir gemütlich vor uns hin und registrieren, dass ein Motorboot auf uns zu steuert. Wissen die was sie tun und wenn ja, warum steuern sie unser Schiff an? Bald wird uns klar, dass das die Küstenwache ist. Und schon sind sie bei und längsseits. Ich begrüße Sie freundlich mit einem “God morgon” und werde gleich auf schwedisch vollgequatscht. Aber mein schwedisch reicht bei weitem nicht für eine Konversation. Doch das Eis war sofort gebrochen. So wechseln wir auf englisch. Sie wollen wissen, was wir tun, von wo wir kommen, wo wir hin wollen, wie das Wetter so war, und natürlich, ob noch jemand mit an Bord ist.
Von den 15 Leuten, die sich in der Backskiste versteckt halten, haben wir natürlich nichts erzählt. 🤣 Nachdem wir auch die Frage nach unserer Nationalität passend zur am Heck wehenden Flagge und zum Schengenraum beantwortet wurde, wünschten Sie uns einen tollen Sommer und zogen von dannen.
In Bredvig erwartet uns dann ein kleines Paradies. Schäbig, aber dafür mit viel Herzblut und lieben Menschen. Zum ersten mal legen wir erfolgreich an einem Y-Steg an. Ausreichend groß und ausreichend lang. Hier im Norden sind wir meistens das größte Schiff im Hafen. Nur ein Motorboot hat diesmal unsere Größe.
Wir genießen den Tag und fahren mit dem Bus nach Umeå. Umeå hat Charme. Eine schöne Stadt mit alten Holzhäusern und gemütlichen außergewöhnlichen Cafés. Hier kaufen wir noch ein Infrarothermometer, damit wir die Temperatur unseres Motors überprüfen können und suchen eine Stunde lang die Post. Alle Möglichkeiten, die Google vorschlägt sind erfolglos. Nur Chatty weiß mal wieder wie der Hase läuft. Hier in Schweden kauft man die Briefmarken im Supermarkt oder im Schreibwarengeschäft. Dann ab mit der Geburtstagskarte für unsere Tochter in den Briefkasten und schon tritt wichtige Post die Reise an.
Abends feuern wir uns noch die Vereinssauna an, genießen einen tollen Blick und schmieden die Pläne für den nächsten Tag. Hätten wir geahnt, dass am nächsten Tag die längste Ankerplatzsuche unsere Segelhistorie auf uns wartete, hätten wir es ohnehin nicht geglaubt.Les mer
Höga Kusten Anker Event
2.–3. jul., Sverige
☀️ 16 °C
Wenn wir erzählen, dass wir die schwedische Küste entlang fahren kommt immer wieder der Kommentar: die Höga Kusten ist ein Juwel, da ist es überall schön, man hat unzählige Möglichkeiten zum Ankern und das Wasser ist immer tief genug. So fiel unsere erste Wahl auf Haraskär. Liegt mehr oder weniger auf dem Weg südwärts und ist laut Hafenhandbuch von allen Winden geschützt - und nach langen 55 sm eine pragmatische Lösung. Mittlerweile schauen wir uns sogar noch vorher die Satelliten-Bilder an, damit wir einigermaßen wissen, was uns erwartet. Und siehe da, die Bucht von Haraskär sieht so aus, als wäre sie nach Osten offen. Natürlich wollen wir bei Ostwind ankern🙄. Wir entscheiden uns trotzdem hinzufahren, da wir davon ausgehen, dass das Hafenhandbuch die Wahrheit sagt. Wir sind nicht einmal richtig in die Bucht rein gefahren und dachten nur, ne, das funktioniert nicht. Glücklicherweise ist um die nächste Landzunge ebenfalls eine im Hafenhandbuch ausgewiesene Ankerbucht. Es gibt sogar einen potentiellen Steg zum Anlegen..
Also: Dieser Spot kann komplett aus dem Hafenhandbuch gestrichen werden. Da die Anwohner lauter “Ankern verboten” Schilder aufgestellt haben oder es einfach viel zu tief ist. Ja, und der Steg hat leider keine Möglichkeit zum Festmachen geboten. Also wieder zurück zur ersten Bucht mit dem Gedanken, wird schon irgendwie gehen. Bei Anfahren der Bucht sehen wir, dass sie tatsächlich noch viel weiter rein geht, als ursprünglich gedacht und wir freuen uns über den glatten Wasserspiegel. Die Bucht ist mit einer Tiefe von 3 Metern ausgewiesen. Unsere Logge zeigt eine Tiefe von 10 Meter!? Wir fahren die Bucht ab, aber die 3 Meter Stelle ist nicht zu finden. Langsam nähern wir uns dem Land und die Tiefe sinkt langsam 9m, 8,5m, 8m, 7,5m, 7m 6,5m, bei 6m gehe ich in den Wind und bin ganz fix wieder auf 8m. Das Problem sind nicht die 8m, sonder unser Schwoikreis ist damit bei 36 Metern und wir kommen dem Land it dem Ankerkreis zu nahe. Wird es schnell, tief gilt leider umgekehrt auch, es wird ebensoschnell sehr flach. Also fahren wir ein zweites Mal an und ein drittes mal. Guter Ankerhalt, schreibt das Hafenhandbuch. Haha, scheint wie haben die einzige Stelle gefunden, wo das nicht gilt. Im zweiten Anlauf hält er dann doch. Letztendlich ankern wir dann um 23.00 Uhr bei 7,5m Tiefe und tun so, als wären es 6m, schlafen einigermaßen schlecht und lichten am nächsten Morgen früh wieder den Anker. 90 Minuten zum Ankerplatz finden, das ist rekordverdächtig. Rekordverdächtig langsam. Und das in der Hochburg der Ankerparadiese. Pah, morgen gehen wir wieder in den Hafen, sollen dich die andern sich mit den Buchten rumärgern.Les mer
Ulvö
3.–7. jul., Sverige
☁️ 15 °C
Für die schwedische Küste besonders für den nördlichen Teil haben wir keine Tipps erhalten. Lediglich von einem Paar in Ratan, aber dazu gehörte die in Nord und Süd geteilte Insel Ulvö nicht. Umso schöner, wenn man da ankommt und von der ersten Minute an begeistert ist. Später haben wir erfahren, dass wir in einem richtigen Hotspot gelandet sind und uns glücklich schätzen dürfen, auf Anhieb einen Liegeplatz bekommen zu haben. 4 Tage lang war auf Ulvö mächtig was geboten. Von kulinarischen Highlights, wie den Strömming in Panade ausgebacken, bis zu einer Schnellbootregatta, war alles mit am Start. Strömming ist der schwedische Name für Ostsee-Hering. Diesen gibt es hier in der Region auch als sur strömming, also sauer fermentiert in Dosen. Die Empfehlung lautet , die Dose niemals in geschlossenen Räumen zu öffnen, und wenn man es doch tut, dann zwingend alle Anwohner vorher zu informieren. So heftig ist der Geruch nach Schwefel und faulen Eiern. Gut abgewaschen soll der fermentierte Hering eine Delikatesse sein. Schwer vorstellbar. Mein Gehirn bekommt das heute noch nicht auf die Reihe, wie man einen Hering wochenlang fermentieren und dann auch noch essen kann. Gut, dass sich Jürgen im Hafenrestaurant für die normale Heringsvariante - knusprig gebraten in Panade - entschieden hat. Immer noch intensiv, Hering ist halt Hering, und dann auch noch mit Gräten gegessen. Da kann auch der hohe Eiweißgehalt nichts daran ändern. Naja, Jürgen hat er geschmeckt und das sogar sehr gut. Für ein Foto hat es leider nicht gereicht, da zuvor der Hunger zu groß und anschließend der Fisch zu schnell weg war.
Auf Ulvö haben wir auf jeden Fall den Sommer eingeläutet, unser Dingi aufgeblasen und waren auch das erste Mal erfolgreich bei der Pfifferlings- und Beerenjagd.
Abschließend gab es noch einmal Starkwind, bis 40 Knoten (9 Windstärken) natürlich von der Seite, und das auch mit dem Heck nur an der Boje. Sicherheitshalber haben wir uns mit den Nachbarn zusammen geschlossen und alle Boote am Heck miteinander vertäut und anschließend an Land belegt. Die Achterleinen wurden zusätzlich an einer zweiten Boje fest gemacht. Das Ergebnis ist ein großes Floß aus lauter Booten. Es ist schön, wie in solchen Situationen wildfremde Menschen zusammen halten und jeder noch eine zusätzliche schlaue Leine anbringt. Auch die Schweden, die sich von viel Wind sonst nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Im Gensatz zu uns pingeligen Deutschen. Jedenfalls haben wir die Starkwindnacht zusammen bestens überstanden, ja, sogar ruhig geschlafen. Und das ist gut so, denn am nächsten Morgen wartete schon die enge Ausfahrt aus der geteilten Insel Ulvö auf uns.Les mer
Lustholmen
7.–9. jul., Sverige
☁️ 15 °C
Angezogen vom verlockenden Namen, vom feinen Sandstrand und der Holzofen-Sauna sind wir von Ulvö direkt nach Lustholmen gedüst. Erwartet haben wir wenig Wind und so haben wir uns auf gemütliche 10 Knoten achterlich eingestellt. Bekommen haben wir in den Böen bis zu 22 Knoten, sind in der Spitze 8 Knoten gelaufen und teilweise sogar am Wind gesegelt. Wir wissen immer noch nicht, ob das prinzipiell an der falschen Wetterprognose lag oder es durch die Fallwinde hier an der Höga Kusten einfach immer so ist. Jedenfalls war das Segeln recht anspruchsvoll, da wir mehr mit Segeltrimm als sonst was beschäftigt waren. Ständig gab es was zum Zuppeln, kurbeln oder fieren. Kurzweilig war die Fahrt auf jeden Fall und als Belohnung entpuppte sich Lustholmen als kleines Naturparadies mit einem wunderbaren Blick auf den Fjord vor Hänosund. Dazu gab es leckere Walderdbeeren, reife Heidelbeeren und eine sagenhafte Pfifferlingsfarm. Entdeckt haben wir diese - wie auch sonst - per Zufall. Mit den Pfifferlingen ist es jedes Mal dasselbe. Man macht sich ganz motiviert auf die Suche, läuft ganz aufmerksam und laaangsam durch den Wald. Erfolglos. Gibt man die Suche dann nach einer Stunde auf und will schon gehen, dann zeigen sie sich plötzlich, die kleinen gelben Freunde. Und das auch noch rotzfrech direkt am Weg. Und alle Regeln ignorierend. Chatty sagt, Pfifferlinge brauchen Moos, Licht, Heidelbeeren, Fichten oder Birken und mögen am liebsten die Nordseite. Unsere standen fernab von Blaubeeren, Fichten und Birken und auch noch alles andere als Nord. Ja, glaubt man denn sowas? Als Rache haben wir sie dann direkt eingepackt. Allesamt, keiner ist entkommen.Les mer
Sundsvall
9.–12. jul., Sverige
☀️ 22 °C
Da wir in diesem Jahr lediglich eine Kühlbox haben, müssen wir öfters einkaufen. Unser Kühlschrank wurde zwar in Stockholm repariert und hat jetzt doch seit Wochen leider kein Kühlgas mehr.. Im letzten Jahr hat unser Kühlschrank nach dem Auffüllen des Kühlgases die ganze Saison durchgehalten und in diesem Jahr lediglich einen Monat. Im Grunde klappt das mit der Kühlbox ganz gut, wir haben ja bislang keine so heißen Temperaturen wie in Deutschland.
Aber der wichtigste Grund Sundsvall anzulaufen ist der Bootsaustatter Hjertmanns. Dort bekommen wir z.B. Teile für einen neuen Bullenstander, einen neuen Bootshaken, einen neue Curryklemme für unsere Großschot, eine noch fehlende Seekarte und diverse Schäkel. Wir waren rundum zufrieden. Dank der guten Beratung haben wir jetzt einen Bullenstander bei dem uns der Baum auch bei rauhem Seegang nicht um die Ohren fliegt.
Und ja, die Stadt hat uns auch sehr gut gefallen. Sundsvall gehört zu den architektonisch faszinierendsten Städten Schwedens. Auf den ersten Blick wirkt sie für nordische Verhältnisse wirklich ungewöhnlich: breite Straßen, repräsentative Plätze und monumentale Steinhäuser erinnern eher an Wien, Rostock oder Berlin als an eine typische schwedische Holzstadt. Ich meine auch den einen oder anderen gotischen Baustil zu entdecken.
Der Grund dafür ist ein einschneidendes Ereignis: der große Stadtbrand vom 25. Juni 1888. Fast das gesamte damalige, überwiegend aus Holz gebaute Stadtzentrum wurde zerstört. Anschließend entschied man, die Innenstadt vollständig aus Stein wieder aufzubauen, um künftige Brände einzudämmen. Dank des Reichtums der örtlichen Sägewerks- und Holzindustrie konnten renommierte Architekten engagiert werden. Innerhalb weniger Jahre entstand die sogenannte „Stenstan“ (Steinstadt) – heute eine der am besten erhaltenen Stadtanlagen des späten 19. Jahrhunderts in Schweden.
Der herrschaftliche Baustil entstand aus dem Selbstverständnis der damaligen Unternehmerelite. Die reichen Holzbarone wollten ihren Wohlstand sichtbar machen und ließen Gebäude errichten, die eher an Stadtpalais als an gewöhnliche Wohnhäuser erinnern.
Nur im Stadt=Hafen ist der Reichtum oder die Liebe fürs Detail nicht angekommen. Wir können auch gut mit quadratisch, praktisch, gut umgehen. Aber auch das war der Gasthafen nicht. Eher lieblos, ungepflegt und gerne auch dem Schwell ausgesetzt. Als Krönung ragte eine Holzlatte, vielleicht der Rest eines Stegs gerade so aus dem Wasser, dass man sie noch erkennen konnte. Gut, dass wir beim Anlegen nicht mit dem Ruder dagegen gefahren sind. Und wie es heutzutage in Schweden ist, gibt es auch hier keinen Hafenmeister. Nur eine App oder Website über die man bezahlt. Also sind wir sehr froh, dass wir alles schnell erledigen konnten und nach 3 Nächten schon wieder weiter segeln zu können. Gut, dass wir da waren. Sundsvall ist sehen- und liebenswert. Aber wenn ihr auch mal vorbeischaut, dann nicht mit dem Boot, irgendwie anders, Flugzeug, Helikopter, Zug, was auch immer.Les mer
Mellanfjärden
12.–13. jul., Sverige
☁️ 21 °C
Endlich haben wir konstant sommerliche Temperaturen und windarme Nächte, so dass wir richtig Ankerlust bekommen. So studieren wir die Ankerbuchten auf dem Weg südwärts und sind ganz begeistert, wenn sich hier und da eine zeigt, die rundum geschützt ist. Denn außer Wind gibts ja noch immer die Ostseewelle, die beim Ankern sehr störend sein kann.
Als wir Sundsvall verlassen, ist unsere Idee von nun an eher kürzere Strecken zu fahren und so mehr von den Ankerbuchten zu haben. Und dann lief es mit dem Wind so gut und wir hatten so große Freude am Segeln, dass wir kurzentschlossen glatt an unserem ersten Ziel vorbei gesegelt sind.
So fiel unsere neue Wahl auf eine Bucht mit dem Namen Notholmen, direkt neben Mellanfjärden. Das praktische daran ist, so dachten wir, dass gleich ein Hafen in der Nähe ist, zu dem wir mit dem Dinghi zum Essen rüber fahren. So der Plan. Die Anfahrt in die Bucht führt eng an Steinen und Felsen vorbei und wir freuen uns, dass die Bucht hält, was die Kartenansicht versprochen hat. Rundherum dichter Wald und ausreichend Platz zum Ankern. Beim Festfahren des Ankers stellte sich dann heraus, dass dieser nicht hält. Als wir ihn hoch holten, wussten wir auch warum. Der Seeboden war von einem dicken Algenteppich überwuchert. Und wir hatten eine reiche Algenernte am Anker hängen. Obwohl wir gerne Algen essen, sahen wir hier davon ab. Zu klebrig, zu ölig, zu eklig. Und auch kaum vom Anker zu bekommen. Also, neue Stelle suchen, und nochmal versuchen. Das Hafenhandbuch jedenfalls versprach einen guten Ankerhalt. Muss doch klappen. Noch weitere zweimal haben wir es versucht. Erst hielt der Anker, und dann beim Festfahren mit 2000 Umdrehungen rückwärts, ist der Anker dann doch jedes Mal wieder geslippt. Oh, Mann. Letztendlich haben wir ziemlich angenervt aufgegeben, sind doch in den Hafen gefahren und haben uns dort am Fischerpier ganz frech längsseits auf die andere Seite der Tankstelle gelegt.
Der Hafen von Mellanfjärden und der Fischerkai hat sich beides als glückliche Fügung erwiesen. Obwohl es verboten aussah, war die Pier sogar ein offizieller Liegeplatz, der nicht im Hafenhandbuch vermerkt ist. Und das noch ganz ohne Aufpreis für längsseits liegen. Denn je südlicher man kommt, umso mehr zahlt man normalerweise für einen längsseits Liegeplatz.
Da haben wir die Aussicht auf die Zapfsäule gerne in Kauf genommen, denn der Blick auf den Fjord, also in die andere Richtung, war wunderschön. Jürgen hat im Dorfladen die ersten schwedischen Himbeeren und Landeier von glücklichen Hühnern ergattert. Und das Anlegerbier samt Oliven (typisch schwedisch!) und geröstetem Brot in der Abendsonne Mellanfjärdens versöhnte uns schnell mit dem Ankerdrama. Trotzdem freuten wir uns auf die vielen Bojen des schwedischen Kreuzerclubs (SXK) südlich von hier. Da kann noch so viel Mist auf dem Seeboden liegen, die Ankerboje hält immer.Les mer
Agön: Endlich an der Boje
13. juli, Sverige
☀️ 17 °C
Hurra, wir liegen fest! In Agön, der nächsten Bucht nach Mellanfjärden, hat es dann endlich geklappt, nicht in den Hafen zu fahren. Wir liegen mitten in einer wunderbaren Buch, und das wie geplant an der Boje vom SXK, dem schwedischen Kreuzer Club. Das haben wir uns auch hart erarbeitet. Erstens freuen wir uns bereits seit 2 Jahren über Mitglieder-Newsletter, die wir nicht verstehen. Klar, der SXK schreibt auch seinen deutschen Mitgliedern konsequent in schwedisch. Und zweitens, tagesaktuell, sind wir mit 5 kn aus Mellanfjärden rausgesegelt, um dann festzustellen, dass wir mal wieder mangels Wind 12 sm motoren müssen. Wir sind mittlerweile sehr gut im langsam segeln, aber ganz ohne Wind geht’s halt nicht mal langsam.
Ich glaube, das ist ein generelles Seglerschicksal. Es hat meistens zu viel oder zu wenig Wind. Und ist es mal perfekt, will das gebührend gefeiert werden. Wir beschlossen, uns eine Bucht früher an die Boje zu legen. Tja, nur war die Boje leider belegt, und das auch noch von einem deutschen Boot, dem wir selbst den Tipp für die SXK-Bojen gegeben hatten. Nächstenliebe hat auch ihre Schattenseiten :)) Da es zum Ankern einfach zu tief und ungeschützt war, entschieden wir uns weiter zu fahren. Zumal, just als wir in der Bucht waren, frischte der Wind plötzlich mächtig auf. Hurra, wir haben fix die Segel gesetzt und sind mit 6 Knoten wieder losgedüst. Um die Ecke, war der Wind fast wieder weg. Wir sind immer langsamer gesegelt und schließlich - ganz klar - wieder motort. 🤣
Willkommen beim Segeln. 🤪
Die Belohnung wartete 15 sm später. Die Bucht von Agön. Wunderbar. So sehr, dass wir gleich 2 Tage geblieben sind. Mit Lesen, Arbeiten und Dinghi fahren genossen wir einfach das in den Tag hinein leben. Und doch war die Zeit nach einem gefühlten Wimpernschlag bereit für den nächsten Programmpunkt. Und da war dann noch ein Monstersturm, der sich aus Norden ankündigte und uns antrieb.Les mer
Mit Zero Power nach Segelviken
15. juli, Sverige
⛅ 22 °C
Mit dem Code Zero, unserem Leichtwindsegel, und reichlich nervigen Fliegen tuckelten wir in die nächste Bucht. Weitere 20 sm südwärts, von denen wir etwa die Hälfte haben segeln können und den Rest wieder motort sind.
Immerhin.
Bei wenig Wind wird man seltsamerweise von kleinen super nervigen Fliegen belagert, die irgendwie nur draußen auf dem Wasser sind. Wo kommen die nur her? Die sind einfach da, aus dem Nichts, und nach kurzer Zeit hat man schwarze Füße von den ganzen Fliegenleichen. Denn auch wenn man versucht, sie zu verscheuchen, bleiben sie einfach nur sitzen. Kamikazefliegen.
Glücklicherweise haben wir in Segelviken wieder eine Anker-Boje ergattert. Es war die einzige. Das haben wir doppelt gefeiert. Ist das nicht komisch, dass man sein Glück nicht einfach hinnimmt, sondern erst einmal darüber nachdenkt, wo der Haken ist? Ist die Bucht gar nicht so gut, wie es scheint? Warum war die Boje noch frei, obwohl es schon so spät ist?
Von der Bucht Segelviken waren wir jedenfalls begeistert und hatten eine erholsame Nacht. Nur der für die nächsten Tage angekündigte Sturm (40-50 Knoten) hat uns Unbehagen bereitet und lässt uns einen Tag früher als geplant nach Söderhamn in den sicheren Hafen fahren.
Nicht weil er etwa früher kommt, sondern weil wir so aufgeregt sind, dass wir nicht noch einen weitern Tag entspannt ankern können. 😂Les mer
Sturmzuflucht Söderhamn
16.–20. jul., Sverige
☀️ 25 °C
Meist ist es so, dass der Wind, der Regen oder beides zusammen uns mehr ins Landesinnere locken. In die Sunde und Flüsse des Norrlands, dem alten Kernland Schwedens. In Söderhamn selbst ist die schmale Zufahrt nur noch ein Bach. Um dort hinzukommen, durchfuhren wir einen emotionale Odyssee. Eben noch wähnten wir uns vor dem Sturm in Sicherheit, und nach einem Blick in die Seekarte fuhr uns der Schreck in die Glieder. Die Zufahrt nach Söderhamn war dunkelblau eingefärbt, unter 2m Tiefe! Geschädigt durch das viel zu enge Fahrwasser, das wir im Juni in Finnland gefahren sind, werden wir nun besonders aufmerksam, was Breite und Tiefe in engen Fahrwassern angeht. Die Seekarte zeigt nämlich seitlich vom Fahrwasser Tiefen wie 0,5 oder 1,6 an. Und für das Fahrwasser selbst ist nicht wie sonst eine eigene Tiefe angegeben. Zuerst haben wir Chatty gefragt. Als Antwort bekamen wir, dass das Fahrwasser eine sichere Tiefe von 3 m aufweist. Das Fahrwasser soll an der engsten Stelle 10 m breit sein, also mehr, als das doppelte, wie wir es schon erfahren haben. Das hat uns dann noch ein Anruf beim Hafenmeister zusätzlich bestätigt. Es verkehrt täglich ein Passagierschiff von Söderhamn aus, und das passt mit seinen 2,30 m Tiefgang auch durch. Puh, das entspannte uns dann doch ziemlich.
Also haben wir beschlossen reinzufahren, und ja, es war eng und auch cool und wunderschön, fast wie eine Flußkreuzfahrt. Söderhamn selbst ist es definitiv wert, Die kleine Stadt ist auf ihre Art liebenswert und hat eine interessante Geschichte. Früher ein wichtiger Hafen, zeugen viele imposante Gebäude auch heute noch vom damaligen Reichtum der Stadt. Besonders angetan hat es uns der imposante Turm über der Stadt. Dieser hat aber tatsächlich nicht wie sonst einen militärischen Hintergrund, sondern war der Geburtsort eines Chors. Die 4 Kanonen gegenüber auf Faxholmen hatten, glaube ich, wahrscheinlich einen weniger kulturellen Hintergrund. Dort auf dem Hügel stand im 16. Jahrhundert eine Festung, von der sich auch die Einfahrt in den Hafen bestens überwachen ließ. Bei den großen Nachbarn aus dem Osten, die gerne mal auf einen Raubzug vorbei schauten wahrscheinlich nicht die schlechteste Idee. Und der Sturm? Von dem haben wir überraschend wenig abbekommen. Söderhamn bietet also heute wie gestern den Seefahrern einen sehr guten Schutz. Danke, danke, danke.Les mer
Spektakuläre Zufahrt nach Fågelhararna
20.–21. jul., Sverige
☀️ 17 °C
Segler lieben es sich über den segelbaren Wind lustig zu machen. Sie sagen, es gibt nur 3 Winde für Segler:
1. zu wenig
2. zu viel und
3. gegenan
Und dann kommen da noch störende Elemente wie Wetter und Welle on Top. Perfekte Segeltage an denen Wind, Welle und Wetter passt sind somit eine absolute Rarität. Kein Wunder also, dass viele Segler alles Mögliche tun, um alle möglichen Götter rund um die 3 Ws zu besänftigen, z.B. durch Opfergaben. Obwohl wir weder unseren teuren Gin ins Meer gossen, noch Den Göttern huldigten, haben wir nach Tagen Abwettern in Söderhamn genau so einen wunderbaren, wie gemalten Segel-Tag geschenkt bekommen. Wir rechneten mit achterlichen Winden und sind daher das enge Fahrwasser aus Söderhamn nur mit der Genua gesegelt. Draußen war dann immer noch so viel Wind, dass wir nur mit der Genua bereits 6-7 Knoten auf der Logge hatten. Später konnten wir dann mit dem nachlassenden Wind gemütlich vor dem Wind segeln und sogar die Fock noch mit dazu nehmen. Butterfly-Segeln á la Ahyoka. Im Schutz der Inseln im Archipelago war die Welle auch kein Thema, da nicht vorhanden. Also segelten wir wie auf Schienen in Richtung Ankerbucht.
Die Zufahrt zu unserer ausgewählten Bucht Fågelhararna sorgte dann doch für reichlich Nervenkitzel. Die Bucht hatte eine superenge Zufahrt mit fiesen, links und rechts unter Wasser liegenden Steinen. Glücklicherweise gab es noch zwei Ansteuerungszeichen, die wir dann mit den GPS-Daten auf dem Plotter vergleichen konnten. Aber kurz den Atem angehalten habe ich trotzdem als wir die engste Stelle passierten. Und es hat sich gelohnt. Die Bucht dahinter war geschützt, wunderschön und mit zwei freien Ankerbojen. Und dank unserer Mitgliedschaft im schwedischen Kreuzerclub (was für 2 Anti-Vereinsmeier wie uns schon erwähnenswert ist) durften wir da auch kostenlos festmachen).
Danke, danke, danke für diesen schönen Tag.Les mer
Am Ende bleiben wir in Gävle
21.–26. jul., Sverige
☀️ 22 °C
Was für ein Ritt. Kaum Wind, dafür eine üble Welle aus Nordost für die wir immer noch keine Erklärung finden. Das Ergebnis ist übelstes Geschaukel und kein wirkliches Vorankommen. Motoren, ja oder nein? Die Segel schlagen, das Material leidet. Kein Hafen, keine Bucht in der Nähe. Es gibt keine Alternative zur Gävlebucht. Zumal uns mal wieder (wie gefühlt alle 5 Tage) Starkwind im Nacken sitzt. Irgendwann schmeissen wir dann doch die Maschine an, und wir rollen weiter in Richtung Engesberg, wo wir an der Boje ankern oder an den Steg können. Dachten wir. Unser Liegeplatz war von einem Motorboot blockiert, und der Steg hing dazu auch noch schief im Wasser. Die Bojen lagen im Schwell und boten keinerlei Schutz. Was folgte waren Frust, schlechte Laune und emotionaler Stress. Für uns ist es schwierig, Stresssituationen auszuhalten und gleichzeitig die richtige Entscheidung zu treffen. Das Endprodukt sind dann 5 Tage Gävle mit dem einen oder anderen emotionalen Tief. Erst Andreja, dann Jürgen. Und irgendwie fühlte es sich so an, als würden wir für immer in Gävle bleiben. Zumal draußen der Wind für Furore sorgte. Tagelang.
Die Stadt selbst war den Besuch definitiv wert. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten im Norden, die im Sommertiefschlaf waren, sprühte Gävle nur so vor Lebensfreude. Viele kleine Details, wie die omnipräsenten Ziegenböcke z.B. als Straßensperre, Sitzgelegenheit oder einfach nur Deko, machen Gävle liebenswert. Dazu eine sehenswerte Altstadt mit bunten Holzhäusern, Kopfsteinpflaster und historischen Laternen. Und als krassen Gegensatz, aber nicht weniger attraktiv, mondäne historische Gebäude mit dem Zauber einer bewegten Geschichte und ein neu geschaffenes Stadtviertel mit neu gedachten Wohnkonzepten direkt am Wasser. Außergewöhnliche Cafés mit der besten Bio-Zimtschnecke ever und Restaurants mit dem gewissen Extra runden unseren Besuch in Gävle wunderbar ab. Achja, und wer auf Kultur steht, wird in Gävle auch seine Freude haben..
Doch zurück zu den Tiefs. Nach dem letzten großen emotionalen Tief und einer Rippenverletzung beim Lösen des Karabiners am Y-Steg legten wir am späten Nachmittag dann doch noch ab. Und wurden mit einem weiteren großartigen Segeltag oder besser gesagt Segelabend belohnt. Und unsere Befürchtungen wurden doch nicht wahr, dass wir für immer in Gävle bleiben. Und hurra: Das nächste Abenteuer wartete schon.Les mer
Djuphamnen - und sie segeln doch
26.–28. jul., Sverige
☁️ 19 °C
Hurra, hurra, Gävle hat uns doch wieder ausgespuckt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ordentlich Wind von achtern lässt uns durch die und aus der Gävlebucht schießen wie eine Kanonenkugel und feuert uns direkt ins Naturschutzreservat von Ängskär. Laut Erzählungen von Guido, einem deutschen Nachbarn aus dem Hafen, wartet dort ein frisch renovierter Steg auf uns. Apropos Guido: solche Menschen triffst Du nur beim Segeln. Ohne jede Vorkenntnis als Bootsbauer hat er sein 42 Fuß Schiff mit Zedernholz-Rumpf komplett selbst zusammengebaut. 6 Jahre lang, in einem Vorgarten bei Köln. Yo, und ca. 56 Tobsuchtsanfälle später war das edle Teil auch schon fertig. Ein wirklich geiles Segelboot mit viel Phantasie, feiner Technik und großartiges Extras wie z.B. ein im Rumpf versenkter Furler fürs Vorsegel. Wie waren auf jeden Fall mächtig beeindruckt, vom Boot, und von Guido. Und seinen Tipp mit Ängskär, und seinem Hafen Djupviken.
Frisch renovierte Anlegemöglichkeiten haben einen Nachteil. Sie sind beliebt. Und so war der Steg als wir 21.30 ankamen bereits voll. Doch - und schon wieder hurra - eine schwedische Bavaria hatte einen Fender draußen hängen. Und das heißt, wir dürfen einfach bei denen längsseits gehen. Ganz einfach ist gut gesagt. Bei einem anderen Boot längsseits anlegen, das hatten wir das letzte Mal bei der Flottille mit Well Sailing gemacht, 2022! Und irgendwie haben wir uns nicht 100% geschickt angestellt. Nur gut, dass der Eigner ziemlich bald aus seiner Kajüte geschossen kam, um uns zu helfen. Natürlich nicht ohne sich zu entschuldigen, dass er nicht schon früher da war. Ich mag die Schweden :) Der Rest war dann genießen. Und uns feiern. Für unseren Mut, bei viel Wind und spät aufgebrochen zu sein. Für die Leichtigkeit, mit der wir die Strecke gemeistert haben. Und dafür, wieder einmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Warum der Hafen mit seinen bis zu 1 Meter Untiefe ausgerechnet Djuphamn, also Tiefhafen heißt, konnten wir in den 36 Stunden dort nicht herausfinden. Auch egal, Hauptsache schön und nicht aufgelaufen.Les mer
Auf Kreuzfahrt nach Grisselhamn
29. jul. – 1. aug., Sverige
⛅ 18 °C
Alles eine Frage des perfekten Zeitpunkts. Vertrauen wir darauf, dass wir stets dort sind, wo wir gerade sein sollen haben wir immer das perfekte timing und den Frieden im Herzen. Hätten wir unser Ankunft gleichzeitig mit der Fähre im Hafen aufzulaufen so geplant, hätte es vermutlich nicht geklappt. Unser Kartenplotter auf dem wir auch Signale von anderen Schiffen erhalten und diese auch sehen können, sagte uns einen Abstand zur Fähre von 8 m in 13 Minuten. Das ist tatsächlich ziemlich knapp. Da wir ohnehin schon am Himmel beobachten und hören konnten, wie sich ein Gewitter zusammen braut, war das ein Signal für uns, die Segel zu bergen, der Fähre somit elegant den Vortritt in den Hafen zu lassen und dann entspannt bei ausreichend Regen anzulegen. Das mit dem Regen hatten wir natürlich gehofft, dass es nicht passiert, aber wir üben noch.🤣
Jedenfalls ist es interessant, dass wir beim Anlegen so hoch konzentriert sind, dass ich erst bemerkt hatte, wie doll es regnet, nach dem die Maschine aus war.🤣
In Grisselhamn ist der Bär los, da tobt das Leben. Läden, Cafés und Restaurants reihen sich aneinander. Direkt neben dem Fährhafen ist eine etwas überdimensionierte Hotelanlage und Boote und Camper sind mitten im Geschehen. 3 Nächte bleiben wir und gehen an einem Tag sogar mit der Fähre 30sm nach Eckerö in die Ålands, um in Erinnerungen an das letzte Jahr zu schwelgen. Hier hatten wir mit unseren Kindern eine traumhafte Woche verbracht und sind rund Åland gesegelt.
Das nächste Abenteuer ist der Stocholmer Schärengarten und wieder eine Woche mit unseren Kindern.🥰Les mer
Warum wir in Kalmar überwintern
26. aug. – 9. sep., Sverige
☀️ 21 °C
Die letzten Wochen waren in vielerlei Hinsicht besonders intensiv und jetzt wo sich die Saison dem Ende neigt, sinkt unser Energielevel.
Anfang August war unsere Tochter und kurz danach unsere Nichte für eine Woche zu Besuch. Das war herzerfüllend schön und hat unserem Energielevel einen ordentlichen Schub gegeben.
Im Hintergrund bahnt sich allerdings schon seit einiger Zeit eine Krise an. Je näher wir unserem Ziel in Deutschland kommen, umso bewusster nehmen wir unsere Krise wahr.
Wir sind satt vom Reisen und hinterfragen immer öfter unser Konzept des unterwegs seins.
Gefühlt werden die Bedingungen schwieriger und emotional sind wir angeschlagen.
Nachdem wir eine Woche lang in Kalmar festhängen und uns klar wird, dass es wohl eine weitere Woche dauern wird, sinkt unsere Stimmung weiter. In der zentralen und südlichen Ostsee tobt eine Starkwind/Sturmserie. Es gibt zwar immer wieder für einen oder zwei Tage eine Lücke, in der wir weiterfahren könnten, aber gefühlt ist das lediglich eine Verschlimmbesserung, da wir in den schwedischen Häfen südlich von Kalmar direkt dem Zentrum der Starkwindserie ausgesetzt sind. Und darauf haben wir keine Lust. Laut den Prognosen kommt hier im Sund noch am wenigsten an. Das macht uns insofern etwas Sorge, da der Zeitkorridor für die letzten 300 sm nach Neustadt zu kommen, immer kleiner wird. Gute 1440 Seemeilen haben wir in diesem Jahr bereits zurückgelegt und bei den letzten 300 sm haben wir keine Energie mehr. Ironisch irgendwie.
Wir stellen uns weiter die Sinnfrage und unsere Gefühle fahren Achterbahn.
Das Blatt wendet sich, als wir bei der Baltic Marina in Kalmar wegen einem Winterliegeplatz anfragen und es tatsächlich für unsere Ahyoka noch ein Platz gibt. Das ist eine freudige Überraschung und kurzentschlossen wie wir sind, krempeln wir unsere Pläne komplett um und ja, wir überwintern in Schweden.
Müde von der Reise und voller Sehnsucht nach einem anderen Alltag , das alles macht uns die Entscheidung leicht. Wir brauchen definitiv einen Tapetenwechsel.
So sind die ursprünglich gebuchten Züge schnell storniert, und neue gebucht. In wenigen Tagen ist die Rückreise aus Schweden komplett neu organisiert, sind die Segel abgeschlagen und das Boot bereit zum Einwintern. Während wir das schreiben, sitzen wir bereits im Zug Richtung Kopenhagen und die Segelsaison ist plötzlich für uns zu Ende.
Ist das nicht komisch: Obwohl alles gut läuft, fahren wir mit etwas gemischten Gefühlen nach Hause.
Haben wir aufgegeben, weil wir es nicht zu Ende gebracht haben ? Und wer sagt denn überhaupt, wann etwas zu Ende ist, und wo? Und warum können wir das nun nicht einfach genießen und uns freuen? Vermutlich sind wir einfach müde und brauchen einfach nur Abstand. So machen wir zwei Schritte zurück und bewundern die letzten 5 Monate von etwas Distanz und in der nächsten Saison sehen wir dann weiter.
Kurzer Nachtrag: auf dem Weg nach Hause haben wir die Saison dann doch noch mit einem großartigen Segeltag beendet. Spontan, mit dem Boot von Freunden aus der Nähe von Kopenhagen, mit schönen 7 bis 8 Knoten auf dem Isefjord, mit wunderbarem Blick ins Kattegat. Uih, war das geil. Und so was von verdient.Les mer






















































































































































































Reisende... to be continued? 😀
Reisende…na klar.
Jetzt bin ich gespannt was passiert ist! [Chris]