• Durch das Herz Siebenbürgens

    20 lipca, Rumunia ⋅ ☀️ 22 °C

    Ein Tag voller Begegnungen

    Am Montagmorgen verlasse ich Cluj. Wie in jeder grösseren Stadt verlangt der Berufsverkehr zunächst etwas Geduld, doch schon bald liegen die letzten Vororte hinter mir. Über die langgezogenen Hügel südöstlich der Stadt nähere ich mich Turda, wo der Verkehr spürbar ruhiger wird.

    In Câmpia Turzii biege ich auf die DJ150 ab. Sofort verändert sich der Charakter der Fahrt. Statt Hauptverkehrsachsen bestimmen nun schmale Landstrassen den Tag. Sie führen durch eine sanfte Hügellandschaft mit weitläufigen Feldern, kleinen Bauernhöfen und verstreuten Dörfern. In der Morgensonne leuchten immer wieder grosse Sonnenblumenfelder in kräftigem Gelb und setzen leuchtende Farbtupfer in die Landschaft.

    Kurz darauf erreiche ich Viişoara, wo heute, am 20. Juli, das traditionelle „Târgul de Sfântul Ilie“ stattfindet. Schon von Weitem ist das bunte Treiben zu erkennen. Zahlreiche Einheimische sind mit Pferdegespannen und einfachen, oft liebevoll gepflegten Holzkarren angereist. Rund um den Festplatz herrscht ausgelassene Stimmung. Kleine Festzelte, Marktstände und viele Besucher verleihen dem Dorf einen lebendigen Charakter. Es ist einer jener authentischen Momente, die man als Reisender nicht planen kann und die einen unmittelbaren Einblick in das ländliche Leben Rumäniens vermitteln.

    Bei Mociu wechsle ich auf die DN16 und fahre weiter ostwärts. Die Strecke begeistert mit ihrem stetigen Auf und Ab. Zwischen den sanften Hügeln schmiegen sich kleine Dörfer in die Landschaft, deren Kirchen und Häuser oft schon von weitem zu erkennen sind. Es ist eine ruhige, fast zeitlose Gegend, die zum gemächlichen Reisen einlädt.

    Ein besonderer Höhepunkt erwartet mich kurz vor Şămboleni. Eine lange Allee aus hohen Pappeln führt wie ein grüner Tunnel hinunter ins Tal. Solche Momente machen den Reiz des Reisens aus – keine berühmte Sehenswürdigkeit, sondern ein Landschaftsbild, das sich unauslöschlich ins Gedächtnis einprägt.

    Über Sărmăşel-Gară und Fürstendorf erreiche ich schliesslich Reghin, das auf Deutsch auch Regen genannt wird. Gerade rechtzeitig lege ich hier meine Mittagspause ein. Während ich gemütlich esse, ziehen dunkle Regenwolken über die Stadt hinweg. Als ich wenig später wieder aufbreche, ist das Schlimmste bereits vorbei – manchmal gehört auch ein wenig Wetterglück zu einer gelungenen Reise.

    Am Nachmittag steht noch ein kultureller Zwischenhalt auf dem Programm. In Topliţa besichtige ich das auffällig gestaltete orthodoxe Kloster. Besonders die gepflegte Gartenanlage beeindruckt mit ihrer Ruhe und den liebevoll angelegten Blumenbeeten. Nach den vielen Stunden im Motorradsattel ist dies ein angenehmer Ort für eine kurze Pause.

    Von dort ist es nicht mehr weit bis nach Gheorgheni, dem früheren Niklasmarkt, wo ich mein Tagesziel erreiche.

    Doch der eigentliche Höhepunkt des Tages beginnt erst nach dem Nachtessen. Vor dem Restaurant steht ein Motorrad mit Schweizer Kontrollschild. Natürlich komme ich mit dem Besitzer ins Gespräch. Es ist Szilárd, ein in der Schweiz lebender Rumäne, der seine Ferien in seiner Heimatgemeinde verbringt. Zusammen mit zwei Freunden erzählt er von den schönsten Strassen und weniger bekannten Ecken der Region. Ich erhalte wertvolle Tipps für die kommenden Tage und merke schnell: Hier gibt es noch viel zu entdecken.

    Die Entscheidung fällt deshalb leicht. Statt wie ursprünglich geplant weiterzufahren, beschliesse ich spontan, drei Nächte in Gheorgheni zu bleiben und die Umgebung in aller Ruhe zu erkunden.

    Zurück im Hotel wartet bereits die nächste Überraschung. Zwei Motorradfahrer aus Prag. Jan und Martin sitzen noch zusammen, und schon wenige Minuten später dreht sich alles um Motorräder, Reisen und die schönsten Strecken Europas. Die Benzingespräche dauern bis weit in die Nacht und zeigen einmal mehr, wie unkompliziert unterwegs neue Bekanntschaften entstehen.

    Der heutige Tag war weit mehr als nur eine Verbindungsetappe. Er führte durch wunderschöne Landschaften, bescherte mir eine Portion Wetterglück und endete mit spannenden Begegnungen, die meine weitere Reise sogar noch beeinflussen werden. Manchmal sind es gerade diese unerwarteten Momente, die eine Motorradreise unvergesslich machen.
    Czytaj więcej

  • Rundfahrt durch die Ostkarpaten

    21 lipca, Rumunia ⋅ ☀️ 21 °C

    Pässe, Schluchten und der Rote See

    Der zweite Tag meines Aufenthalts in Gheorgheni steht ganz im Zeichen einer ausgedehnten Rundfahrt durch die Ostkarpaten. Mit leichtem Gepäck starte ich am Morgen und fahre zunächst nach Topliţa. Dort biege ich nach Osten ab und lasse schon bald den Durchgangsverkehr hinter mir.

    Die Strasse steigt gleichmässig zum Creanga-Pass an und führt durch dichte Wälder und eine stille Berglandschaft. Der Verkehr ist gering, und das Fahren macht von den ersten Kilometern an richtig Freude. Immer wieder öffnen sich schöne Ausblicke über die bewaldeten Höhenzüge der Karpaten.

    Ein kurzer Abstecher bringt mich nach Borsec, einem der traditionsreichsten Bade- und Kurorte Rumäniens. Der Ort überrascht mit einer grosszügigen Parkanlage, zahlreichen Hotels und einem beeindruckenden neuen Spa-Komplex. Moderne Architektur trifft hier auf die lange Geschichte des Kurbetriebs. Es wirkt, als wolle sich Borsec wieder zu einem bedeutenden Erholungsort entwickeln.

    Anschliessend führt die Route weiter nach Tulgheş, wo ich mir bei einer gemütlichen Kaffeepause etwas Zeit nehme, bevor die Fahrt durch die Berge weitergeht.

    Vor Poiana überquere ich ein langes Viadukt und erreiche schliesslich den Ort. Von hier steigt die Strasse über den Petru-Vodă-Pass an. Ich fahre noch bis nach Pipirig hinunter und wende. Auf derselben Strecke fahre ich wieder zurück bis nach Poiana Largului.

    Nun begleitet mich während rund 37 Kilometern der langgestreckte Bicaz-Stausee. Die Strasse folgt seinem Ufer in zahlreichen Kurven. Immer wieder bieten sich schöne Ausblicke auf das ruhige Wasser, die bewaldeten Hänge und die kleinen Buchten entlang des Sees. Kilometer für Kilometer nähere ich mich der mächtigen Staumauer bei Bicaz.

    In Bicaz wartet ein kulinarischer Höhepunkt des Tages. Im beliebten Restaurant Păstrăvăria „La Izvor“ gönne ich mir eine frisch zubereitete Forelle – die Spezialität des Hauses. Nach den vielen Kurven und den abwechslungsreichen Landschaften ist dieses frühe Nachtessen genau die richtige Stärkung für den letzten Teil der Tour.

    Frisch gestärkt folgt nun einer der landschaftlichen Höhepunkte des Tages: die berühmte Bicaz-Schlucht. Die Strasse zwängt sich zwischen steilen, teilweise senkrechten Kalkfelsen hindurch. An manchen Stellen bleibt kaum Platz für die Fahrbahn, während sich die Felswände hoch über mir auftürmen. Zahlreiche Serpentinen führen stetig bergauf und machen die Schlucht zu einem eindrucksvollen Fahrerlebnis.

    Am oberen Ende der Schlucht erreiche ich den Roten See. Heute präsentiert er sich allerdings weniger malerisch als erwartet. Nach den Regenfällen der vergangenen Tage in den Bergen ist das Wasser stark eingetrübt und braun gefärbt. Dennoch bleibt der See mit seiner besonderen Lage zwischen den Bergen ein lohnender Zwischenhalt.

    Von dort führt die Strasse weiter hinauf über den Pângăraţi-Pass. Noch einmal geniesse ich die ruhigen Wälder und die angenehm geschwungenen Kurven, bevor sich der Kreis schliesst und ich am Abend wieder in Gheorgheni eintreffe.

    Mit 257 Kilometern war die heutige Etappe zwar nicht aussergewöhnlich lang, fahrerisch jedoch ausgesprochen intensiv. Mehrere Pässe, die eindrucksvolle Bicaz-Schlucht, der langgezogene Stausee und die abwechslungsreichen Landschaften sorgten für einen Tag voller neuer Eindrücke. Wieder einmal zeigte sich, wie vielfältig und überraschend die rumänischen Karpaten sind.
    Czytaj więcej

  • Durch das Szeklerland

    22 lipca, Rumunia ⋅ 🌧 15 °C

    Eine Rundfahrt zwischen Regenwolken und Hoffnung auf Sonne

    Nach den intensiven Touren der vergangenen Tage zeigt sich das Wetter heute von einer ganz anderen Seite. Während der Nacht hat es ausgiebig geregnet, und auch am Morgen hängen dichte Wolken über den Bergen. Das Thermometer zeigt gerade einmal 15 Grad – ein markanter Unterschied zu den warmen Sommertagen zuvor. Ich lasse mir deshalb Zeit und starte erst um 11:30 Uhr in Gheorgheni.

    Noch fällt leichter Nieselregen, doch die Nebelschwaden beginnen sich langsam aus den Tälern und von den Berghängen zurückzuziehen. Die Landschaft wirkt geheimnisvoll und beinahe mystisch. Je höher die Strasse ansteigt, desto trockener wird sie.

    Auf dem Bucin-Pass hat der Regen bereits aufgehört. Entlang der Passhöhe warten zahlreiche Händler an ihren Marktständen auf Kundschaft. Trotz der kühlen Temperaturen und des wenig einladenden Wetters trotzen sie tapfer den Bedingungen und hoffen auf vorbeikommende Reisende.

    In Praid biege ich nach Süden in Richtung Odorheiu Secuiesc – dem früheren Odorhellen – ab. Tatsächlich scheint der Himmel langsam heller zu werden. Für einen Moment keimt die Hoffnung auf, dass sich das Wetter doch noch zum Guten wenden könnte.

    Kurz darauf erreiche ich Corund, ein Dorf, das weit über die Region hinaus für seine Töpferkunst bekannt ist. Besonders beeindruckend ist der schier endlose Strassenmarkt. Über nahezu einen Kilometer reihen sich auf beiden Seiten der Hauptstrasse Verkaufsstände aneinander. Keramik, Holzschnitzereien, Textilien und zahlreiche regionale Produkte werden angeboten – ein farbenfroher Kontrast zum grauen Himmel.

    In Odorheiu Secuiesc biege ich ostwärts ab. Wenige Kilometer später entdecke ich auf einem Parkplatz einen auffälligen roten Doppeldeckerbus. Neugierig halte ich an – eine Entscheidung, die sich sofort lohnt. Im Inneren erwartet mich ein kleines Café mit besonderem Charme. Schon bald wird mir ein hervorragendes Mittagessen serviert, gefolgt von einem ausgezeichneten Kaffee. Manchmal sind es gerade solche unerwarteten Entdeckungen, die einen Reisetag bereichern.

    Kaum bin ich wieder unterwegs, setzt jedoch erneut Regen ein. Also heisst es nochmals anhalten, den Regenanzug anziehen und weiterfahren.

    Die Strasse führt hinauf auf die weiten Hochflächen eines Hochebenengebiets. Trotz der tief hängenden Wolken lässt sich erahnen, wie schön diese Landschaft bei Sonnenschein wirken muss. Über den Tolvajos-Pass gelange ich schliesslich nach Miercurea Ciuc, dem früheren Szeklerburg.

    Hier werfe ich einen Blick auf die eindrucksvolle ungarisch-katholische Millenniumskirche. Aufgrund der vielen Besucher beschränke ich mich jedoch auf eine Besichtigung von aussen und setze meine Fahrt bald wieder fort.

    Noch einmal steigt die Strasse leicht an, bis ich Izvoru Mureşului erreiche. Hier befindet sich ein nationaler Sportkomplex, der vor allem für Trainingslager und sportliche Veranstaltungen genutzt wird. Von dort ist es nur noch ein kurzes Stück zurück nach Gheorgheni.

    Nach rund 200 Kilometern endet die heutige Rundfahrt wieder am Hotel. Schade, dass sich das Wetter deutlich hartnäckiger zeigte als von der Prognose angekündigt. Die Strecke führte durch eine landschaftlich reizvolle Region mit sanften Hügeln, Pässen und den weiten Landschaften des Szeklerlandes. Bei Sonnenschein wären die Ausblicke zweifellos noch eindrucksvoller gewesen. Doch auch solche Tage gehören zu einer langen Motorradreise dazu – und gerade sie machen die sonnigen Etappen im Nachhinein umso wertvoller.
    Czytaj więcej

  • Über die Transrarău

    23 lipca, Rumunia ⋅ ☁️ 17 °C

    Ein Geheimtipp in den rumänischen Karpaten

    Der Tag beginnt bei strahlend blauem Himmel in Gheorgheni. Nach dem regnerischen Vortag könnte das Wetter kaum besser sein. Die klare Bergluft verspricht ideale Bedingungen für eine weitere Entdeckungstour durch die Karpaten.

    Zunächst führt mich die Route noch einmal über den Pass zur berühmten Bicaz-Schlucht – diesmal jedoch in der Gegenrichtung. Die Fahrt ist mindestens ebenso eindrucksvoll wie am Vortag. Die mächtigen Kalkfelsen wirken aus dieser Perspektive nochmals anders, und die enge Strasse windet sich spektakulär zwischen den steilen Felswänden hindurch. Es ist faszinierend, wie unterschiedlich dieselbe Strecke je nach Fahrtrichtung erlebt werden kann.

    Nach der Schlucht passiere ich die gewaltige Zementfabrik von Heidelberg Materials bei Bicaz. Die riesigen Industrieanlagen bilden einen markanten Kontrast zur wilden Natur der umliegenden Berge. Wenige Minuten später biege ich links ab und folge erneut dem langgezogenen Bicaz-Stausee, dessen ruhige Wasserfläche die bewaldeten Berghänge widerspiegelt.

    Am Ende des Sees, bei Poiana Largului setze ich jetzt meine Reise weiter nordwärts über Broşteni fort. Mein Ziel ist das Kloster Mănăstirea „Acoperământul Maicii Domnului” in Dorna-Arini.

    Schon von Weitem wird deutlich, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Kloster handelt. Die Anlage ist aussergewöhnlich gross und beeindruckt mit ihrer weitläufigen Architektur. Während ich das Gelände besichtige, trifft gerade eine Gruppe junger Pilger ein. Fröhlich plaudernd ziehen sie gemeinsam zur Klosterkirche und verleihen dem Ort eine lebendige und zugleich friedliche Atmosphäre.

    Anschliessend fahre ich auf derselben Strecke wieder zurück. Unterwegs halte ich kurz bei der deutlich bescheideneren orthodoxen Kirche von Gheorghiţeni. Gerade der Kontrast zwischen der monumentalen Klosteranlage und dieser kleinen Dorfkirche macht den besonderen Reiz des Tages aus.

    Zurück in Chiril beginnt schliesslich der fahrerische Höhepunkt. Hier zweigt eine schmale Bergstrasse nach links ab – die nur 22km lange Transrarău. Obwohl sie weit weniger bekannt ist als die Transalpina oder die Transfăgărăşan, zählt sie ohne Zweifel zu den schönsten Motorradstrecken Rumäniens.

    Die Strasse steigt steil an und schlängelt sich in engen Kurven durch dichte Wälder bis hinauf auf den Rarău. Oben lohnt sich zunächst ein kurzer Abstecher zur Cabana Rarău, bevor ich wieder auf die eigentliche Panoramastrasse zurückkehre.

    Nur wenige Kurven später erreiche ich einen der schönsten Aussichtspunkte der gesamten Strecke. Die Sicht über die bewaldeten Bergketten reicht trotz inzwischen eher bedecktem Himmel bis zum Horizont. Bei einer gemütlichen Kaffeepause komme ich zuerst mit zwei rumänischen Motorradfahrern ins Gespräch. Wenig später gesellt sich auch noch ein Motorradreisender aus Polen dazu. Wie so oft unterwegs entstehen sofort interessante Gespräche über Motorräder, Reisen und die schönsten Strecken der Karpaten.

    Nach der Abfahrt über die Transrarău sind es nur noch wenige Kilometer bis zu meinem Hotel in Câmpulung Moldovenesc, wo ich den abwechslungsreichen Tag ausklingen lasse.

    Diese Etappe vereinte eindrucksvolle Gegensätze: die dramatische Bicaz-Schlucht, den stillen Stausee, imposante Klosteranlagen und schliesslich mit der Transrarău eine wenig bekannte Panoramastrasse, die landschaftlich zu den ganz grossen Höhepunkten meiner Rumänienreise zählt. Es sind genau solche versteckten Perlen abseits der bekannten Routen, die eine Motorradreise besonders bereichern.
    Czytaj więcej

  • Ankunft in der Maramureș

    24 lipca, Rumunia ⋅ ☁️ 17 °C

    Eine Reise in eine andere Welt

    Der Morgen beginnt in Câmpulung Moldovenesc mit überraschend kühlen Temperaturen. Heute ist warme Motorradbekleidung gefragt. Über den Bergen liegt noch die frische Luft der Nacht, und die ersten Sonnenstrahlen brauchen ihre Zeit, bis sie die Täler erreichen.

    In Iacobeni biege ich auf die Strasse durch den Rodna-Nationalpark ab. Sofort verändert sich die Landschaft. Dichte Wälder bedecken die Berghänge, dazwischen liegen kleine Dörfer, die einen ganz eigenen Charakter besitzen. Besonders die Vielfalt der Häuser fällt mir auf. Neben traditionellen Holzhäusern stehen gemauerte Gebäude, viele davon mit farbigen Fassaden und dekorativen Zierbändern. Immer wieder entdecke ich kunstvoll gebaute Holzkirchen, deren aussergewöhnlich hohe, spitz zulaufende Türme weit über die Baumwipfel hinausragen. Sie verleihen der Landschaft einen unverwechselbaren Charakter und kündigen bereits an, dass ich mich einer ganz besonderen Region Rumäniens nähere.

    Ein erster längerer Halt führt mich zur wunderschönen Holzkirche von Cârlibaba Nouă. Besonders beeindruckend ist das riesige, reich geschnitzte Eingangsportal. Die feinen Holzarbeiten zeugen von einer Handwerkskunst, die in der Maramureș bis heute lebendig geblieben ist.

    Nicht weit entfernt entdecke ich das Hanul și Păstrăvăria Tibău. Das neu errichtete Blockhaus erinnert mit seiner Bauweise und der umgebenden Landschaft eher an Kanada als an Osteuropa. Hier gönne ich mir eine gemütliche Kaffeepause und geniesse die ruhige Atmosphäre zwischen Wäldern, Bergen und den Forellenteichen.

    Auf dem Weg zum Prislop-Pass kommt der Verkehr plötzlich zum Stillstand. Der Grund ist leider schnell ersichtlich: Ein Fahrer einer grösseren Motorradgruppe ist in einer Kurve verunfallt. Wenig später treffen Feuerwehr und Notarzt ein. Ich bin erleichtert, als die Strasse wieder freigegeben wird und ich meine Fahrt fortsetzen kann. Die Gedanken bleiben jedoch noch lange bei dem unbekannten Motorradfahrer und erinnern eindrücklich daran, wie schmal der Grat zwischen Fahrfreude und Gefahr sein kann.

    Oben auf der Passhöhe und auch im Tal auf der anderen Seite liegen Skigebiete. Die breiten Schneisen der Skipisten zeichnen sich deutlich in den bewaldeten Berghängen ab. Mit der Überquerung des Prislop-Passes erreiche ich endgültig die historische Region Maramureș.

    In Vișeu de Sus möchte ich unbedingt die berühmte Wassertalbahn erleben. Leider komme ich etwas zu spät – die dampfbetriebenen Züge sind bereits alle abgefahren. Ganz leer gehe ich dennoch nicht aus. Auf einem Abstellgleis stehen mehrere historische Dampflokomotiven, die heute Teil einer kleinen Freiluftausstellung sind. Besonders originell wirken zwei ehemalige Personenwagen, die zu Schienenfahrzeugen umgebaut wurden.

    Während ich mich umschaue, winkt mir ein Handwerker aus einer Werkstatt zu. Stolz zeigt er mir, wie er die Sitzbänke eines historischen Personenwagens neu polstert. Solche spontanen Begegnungen machen das Reisen oft besonders bereichernd.

    Kurz darauf verlasse ich die Hauptstrasse und biege auf schmale Nebenstrassen ab. Jetzt beginnt für mich das eigentliche Maramureș.

    In Dragomirești beobachte ich eine Gruppe junger Männer, die den Eingang eines Hauses mit frischen Tannenästen schmücken. Mit Händen und Füssen erklären sie mir lachend, dass einer ihrer Freunde bald heiraten wird. Sofort laden sie mich ein, eine Pause einzulegen und gemeinsam mit ihnen auf den Bräutigam anzustossen. Die herzliche Einladung freut mich sehr. Da ich aber noch mit dem Motorrad unterwegs bin, lehne ich dankend ab und wünsche ihnen ein schönes Fest.

    Je weiter ich fahre, desto mehr fallen mir ungewöhnliche Gestelle auf den Wiesen auf. Es sind hohe Konstruktionen aus kräftigen Holzstangen, an denen heute Heu zum Trocknen aufgehängt wird. Dieses traditionelle Verfahren scheint typisch für die Maramureș zu sein. Während ich diese Bilder betrachte, erinnere ich mich daran, solche Heutrockner zuletzt vor genau vierzig Jahren in Norwegen gesehen zu haben, bevor sie dort nach und nach durch Siloballen ersetzt wurden.

    Zum Abschluss des Tages warten noch zwei kurze, aber ausgesprochen steile Übergänge mit bis zu 14 Prozent Steigung bei Strâmtura. Die schmalen Strassen führen nochmals über die sanften Hügel der Region, bevor ich schliesslich mein Hotel in Petrova erreiche.

    Hier werde ich zwei Nächte bleiben. Schon die ersten Eindrücke zeigen, dass die Maramureș weit mehr ist als nur eine weitere Landschaft Rumäniens. Tradition, Handwerkskunst und ländliches Leben sind hier noch so lebendig wie kaum anderswo. Genau deshalb möchte ich mir genügend Zeit nehmen, diese einzigartige Region näher kennenzulernen.
    Czytaj więcej

  • Rundfahrt durch die Maramureș

    25 lipca, Rumunia ⋅ ⛅ 16 °C

    Zwischen Holzkirchen, Tradition und den Karpaten

    Nach einem ausgiebigen Frühstück starte ich vom Leo Resort & Spa in Petrova zu einer Rundfahrt durch die historische Maramureș. Die Sonne scheint bereits, und die klare Morgenluft verspricht einen herrlichen Tag.

    Über den Hera-Pass führt mich die Strasse zunächst in Richtung Sighetu Marmației. Die sanften Hügel, die traditionellen Dörfer und die zahlreichen Holzhäuser prägen einmal mehr das Landschaftsbild. Die Maramureș wirkt entschleunigt – als hätte die Zeit hier einen etwas langsameren Takt.

    Bei einer Kaffeepause lerne ich einen jung gebliebener Rollerfahrer kennen. Er ist in Frankfurt gestartet und bereist mit seinem voll bepackten Roller fast dieselbe Route wie ich. Besonders schmunzeln muss ich, als er erzählt, dass zu Hause ein halbes Dutzend grosse Motorräder in seiner Garage stehen. Für diese Reise habe er sich jedoch ganz bewusst für den kleinen Roller entschieden. Wieder einmal zeigt sich: Nicht die Grösse des Fahrzeugs entscheidet über das Abenteuer, sondern die Freude am Unterwegssein.

    Je näher ich Sighetu Marmației komme, desto freier wird der Blick auf die mächtigen Karpaten. Allerdings liegen sie nun auf der anderen Seite der Grenze – in der Ukraine. Die Theiss, die hier noch ein vergleichsweise bescheidener Fluss ist, bildet die natürliche Grenze zwischen den beiden Ländern. Am Grenzübergang halte ich kurz an und lasse diesen besonderen Ort auf mich wirken. So nah und doch für mein Gefühl unerreichbar erscheinen die Berge auf der ukrainischen Seite.

    Wenig später erreiche ich den berühmten Fröhlichen Friedhof von Săpânța. Die bunt bemalten Grabkreuze mit ihren kunstvollen Schnitzereien und humorvollen Inschriften sind weltweit einzigartig. Leider kann ich die rumänischen Texte nicht lesen, doch schon die Darstellungen erzählen kleine Geschichten aus dem Leben der Verstorbenen. Rund um den Friedhof ist ein lebhafter Souvenirmarkt entstanden. Der grosse Andrang zeigt deutlich, dass dieser Ort längst zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Rumäniens gehört.

    Nur wenige Minuten entfernt befindet sich das Kloster Peri-Săpânța. Hier kehrt sofort Ruhe ein. Die eindrucksvollen Holzbauten wirken noch imposanter als der Friedhof, und die friedliche Atmosphäre lädt zum Verweilen ein. Besonders der aussergewöhnlich hohe Holzturm beeindruckt und zeigt eindrucksvoll die jahrhundertealte Baukunst der Maramureș.

    Meine Route führt weiter nach Călinești. In diesem Dorf stehen noch zahlreiche historische Wohnhäuser aus Holz, die bis heute bewohnt werden. Es fühlt sich an, als wäre hier ein Stück Vergangenheit lebendig geblieben.

    Den Höhepunkt des Tages bildet schliesslich das Kloster Bârsana. Schon bei der Einfahrt wird deutlich, dass diese Anlage weit mehr ist als eine einzelne Kirche. Auf einem weitläufigen Gelände stehen zahlreiche kunstvoll errichtete Holzgebäude, harmonisch eingebettet in eine prachtvolle Parkanlage. Überall sind Gärtnerinnen damit beschäftigt, Blumenbeete und Grünanlagen liebevoll zu pflegen. Die filigrane Holzarchitektur, die eleganten Türme und die gepflegte Umgebung machen das Kloster zu einem der eindrucksvollsten Orte meiner bisherigen Reise. Wie die berühmten Holzkirchen der Maramureș gehört auch Bârsana zum UNESCO-Welterbe und ist ein eindrucksvolles Zeugnis dieser einzigartigen Baukunst.

    Am späten Nachmittag kehre ich nach Petrova zurück. Nach den vielen Eindrücken tut ein entspannter Aufenthalt im schönen Hotelpool besonders gut. Anschliessend lasse ich den Tag bei einem feinen Nachtessen gemütlich ausklingen.

    Die heutige Rundfahrt hat mir die Maramureș von ihrer schönsten Seite gezeigt: traditionsreiche Dörfer, einzigartige Holzbauten, herzliche Begegnungen und immer wieder grossartige Ausblicke auf die Karpaten. Es ist eine Region, die ihre kulturelle Identität bis heute bewahrt hat und gerade deshalb zu den faszinierendsten Landschaften Rumäniens gehört.
    Czytaj więcej

  • Von den Karpaten nach Tokaj

    26 lipca, Węgry ⋅ ⛅ 28 °C

    Abschied von Rumänien

    Am Morgen verlasse ich Petrova und nehme Abschied von der Maramureș. Noch einmal wartet ein landschaftlicher Höhepunkt auf mich, bevor ich Rumänien verlasse.

    Schon bald beginnt der Aufstieg zum Gutâi-Pass. Die Strasse windet sich in unzähligen Serpentinen durch dichte Wälder den Berg hinauf und wieder hinunter. Für Motorradfahrer ist sie ein wahrer Genuss. Kurve reiht sich an Kurve, der Asphalt ist gut ausgebaut, und die bewaldete Berglandschaft vermittelt das Gefühl, noch einmal tief in die Karpaten einzutauchen. Es ist ein würdiger Abschluss meiner rumänischen Bergtouren.

    Baia Mare umfahre ich auf Umfahrungsstrassen und fahre zügig weiter in Richtung Satu Mare. Dort gönne ich mir eine längere Pause im historischen Stadtzentrum. Die zahlreichen Jugendstilbauten rund um den grosszügigen Platz verleihen der Stadt ein elegantes Flair. In einem Restaurant direkt an der Parkanlage lösche ich meinen Durst und geniesse die Mittagspause. An diesem Sommertag steigen die Temperaturen inzwischen deutlich an.

    Nach Satu Mare verändert sich die Landschaft Schritt für Schritt. Die Karpaten bleiben immer weiter zurück, ihre Silhouette verschwindet langsam im Dunst des Horizonts. Das Land wird flacher und weiter. Kurz vor Petea erreiche ich die Grenze zu Ungarn. Die Grenzanlage wirkt beinahe verlassen – weder auf rumänischer noch auf ungarischer Seite ist Personal zu sehen. Innerhalb des Schengen-Raums verläuft der Grenzübertritt völlig unkompliziert.

    Mein heutiges Tagesziel liegt allerdings noch rund 150 Kilometer entfernt. Fahrerisch verliert die Strecke nun deutlich an Reiz. Lange, schnurgerade Strassen ziehen sich kilometerweit durch die weite Ebene. Links und rechts wechseln sich Maisfelder, leuchtende Sonnenblumen, Obstplantagen, frisch abgeerntete Getreidefelder und kleinere Waldstücke ab. Auch die Dörfer unterscheiden sich kaum voneinander. Viele Häuser besitzen denselben quadratischen Grundriss und wirken beinahe wie nach einem gemeinsamen Bauplan errichtet. Erst später angefügte Anbauten verleihen ihnen etwas Individualität.

    Kurz vor dem Ziel sorgt ein Velorennen noch für eine ungeplante Umleitung. Dadurch überquere ich mehrmals die Theiss, an deren Ufern zahlreiche Einheimische den heissen Sonntagnachmittag beim Baden verbringen. Die sommerliche Hitze wird nun immer intensiver, und ich freue mich, als ich gegen 16:00 Uhr mein Hotel in Tokaj erreiche.

    Nach den kurvenreichen Tagen in den Karpaten fühlt sich die ungarische Tiefebene fast wie eine andere Welt an. Während Rumänien mit Bergen, Pässen und ursprünglichen Dörfern begeistert hat, bestimmen hier Weite, Landwirtschaft und endlose Horizonte das Landschaftsbild.

    Am Abend wartet schliesslich der passende Abschluss dieses Reisetages. In Tokaj gehört zu einem feinen Nachtessen selbstverständlich auch ein Glas des berühmten Tokajer Weins. Kaum ein anderer Ort wäre geeigneter, um auf die vielen grossartigen Eindrücke der vergangenen Wochen in Rumänien anzustossen.
    Czytaj więcej

  • Von den Weinbergen Tokajs zur Opalmine

    27 lipca, Słowacja ⋅ ☀️ 21 °C

    Nach der angenehmen Nacht in Tokaj beginnt der Tag in einer Landschaft, die seit Jahrhunderten für ihre edlen Weine berühmt ist. Die Strasse führt zunächst durch die sanften Rebberge des Tokajer Weinbaugebiets. Immer wieder liegen renommierte Weingüter zwischen den Reben, deren Trauben auf den sonnenverwöhnten Hängen gedeihen. Es ist eine ruhige, harmonische Kulturlandschaft, die einen würdigen Abschied von Ungarn bildet.

    Über Sátoraljaújhely und Pálháza nähere ich mich der ostslowakischen Grenze. Bei Füzérkomlós führt die Strasse über den niedrigen Mokrina-Tető-Pass. Schon wenig später überquere ich unbemerkt die Grenze und befinde mich wieder in der Slowakei.

    Mein erstes Ziel ist der berühmte Geysir von Herľany. Leider zeigt sich die Natur heute wenig kooperativ. Der Kaltwassergeysir, der normalerweise etwa alle 34 bis 36 Stunden ausbricht, gönnt sich ausgerechnet heute eine Pause. So bleibt es bei einem Spaziergang durch die gepflegte Parkanlage und einem Foto des unscheinbaren Platzes, an dem der Geysir hätte in die Höhe schiessen sollen. Das etwas verblasste historische Gebäude daneben erinnert daran, dass dieser Ort schon seit über hundert Jahren Besucher anzieht. Auch wenn das Naturschauspiel ausbleibt, gehört ein wenig Geduld wohl einfach zu einem Geysirbesuch dazu.

    Nach einem kleinen Picknick auf einer der Parkbänke mache ich mich auf den Weg zum nächsten Ziel.

    Dieses enttäuscht dafür überhaupt nicht: die historische Opalmine. Ausgerüstet mit einem Audioguide folge ich der Führung tief hinein in das weit verzweigte Stollensystem. Während rund einer Stunde erfahre ich viel über den mühsamen Alltag der Bergleute, die Entstehung der kostbaren Opale und die Arbeitsmethoden vergangener Jahrhunderte. Die verständlichen Erklärungen und die authentische Atmosphäre unter Tage machen den Rundgang zu einem der spannendsten Museumsbesuche meiner Reise.

    Am Nachmittag fahre ich direkt weiter nach Prešov. Dort erwartet mich ein ganz besonderes Hotel, das in das moderne Fussballstadion integriert wurde. Die Kombination aus zeitgemässer Architektur und sportlichem Ambiente bildet einen interessanten Kontrast zu den historischen Orten des Tages.

    Den Abend lasse ich schliesslich in der schönen Altstadt von Prešov ausklingen. Bei einem feinen Nachtessen blicke ich auf einen abwechslungsreichen Reisetag zurück: von den berühmten Weinbergen Tokajs über einen Geysir, der heute lieber verborgen blieb, bis hin zu einer faszinierenden Reise in die Welt des historischen Bergbaus. Gerade diese Mischung aus Natur, Kultur und Geschichte macht den besonderen Reiz einer solchen Reise aus.
    Czytaj więcej

  • Von Košice in die Karstlandschaft der Ostslowakei

    28 lipca, Słowacja ⋅ ☀️ 24 °C

    Nach der Übernachtung in Prešov beginnt der Tag bei strahlendem Sonnenschein. Die erste Etappe führt nach Košice, dessen historische Altstadt am frühen Morgen in einem besonders schönen Licht erstrahlt. Die klassizistischen und barocken Fassaden leuchten in der Morgensonne und verleihen dem Stadtzentrum eine festliche Atmosphäre.

    Mitten auf dem Hauptplatz halte ich an der eindrucksvollen Pestsäule inne. Sie erinnert an die grossen Pestepidemien vergangener Jahrhunderte und gehört zu den markantesten Wahrzeichen der Stadt.

    Von dort spaziere ich weiter zum imposanten Elisabeth-Dom, der grössten Kirche der Slowakei. Schon von aussen beeindruckt das gotische Bauwerk mit seinen zahlreichen Verzierungen und dem mächtigen Turm. Im Inneren herrscht eine wohltuende Ruhe. Das farbige Licht der Glasfenster taucht das Kirchenschiff in eine besondere Stimmung und lädt dazu ein, einen Moment innezuhalten.

    Zurück auf dem Hauptplatz erwartet mich ein ganz anderer Höhepunkt. Das musikalische Wasserspiel beginnt seine Vorführung, und die Fontänen tanzen im Takt der Musik. Ausgerechnet ein Lied von Queen begleitet das Schauspiel – eine unerwartete, aber gelungene Kombination aus moderner Musik und historischem Ambiente, die viele Besucher zum Verweilen einlädt.

    Anschliessend verlasse ich Košice und fahre weiter westwärts. Unterwegs begleiten mich immer wieder eindrucksvolle Landschaften. Ich passiere die Burg Turniansky hrad bei Tornau und wenig später die eindrucksvolle Zádiel-Schlucht mit ihrer bekannten Doline. Schon von der Strasse aus lässt sich erahnen, welche gewaltigen Kräfte hier über Jahrtausende die Karstlandschaft geformt haben.

    Kurz darauf biege ich auf eine schmale Landstrasse ab, die sich durch Wälder und über sanfte Hügel bis nach Silica hinaufschlängelt. Dort liegt die Farárova jama, auch als Priest’s Cave bekannt. Der kleine, geheimnisvoll wirkende See mitten im Karstgebiet vermittelt eine stille und beinahe mystische Atmosphäre – ein Ort, den wohl nur wenige Reisende zufällig entdecken.

    Nach der Rückfahrt ins Tal erreiche ich Rožňava. Die gepflegte Kleinstadt empfängt mich mit ihrem hübschen Zentrum und den historischen Häusern rund um den Marktplatz. Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt für eine gemütliche Pause. In einem Café geniesse ich einen Kaffee und beobachte das ruhige Treiben auf dem Platz.

    Am Nachmittag fahre ich auf direktem Weg zurück in Richtung Košice und setze die Reise ohne längeren Aufenthalt fort. Wenig später erreiche ich den Stausee bei Nová Kelča. Die Strasse folgt eine Zeit lang dem Ufer, und das ruhige Wasser bildet einen schönen Kontrast zu den hügeligen Wäldern der Umgebung.

    Von hier ist es nur noch ein kurzes Stück bis zu meinem heutigen Tagesziel Giraltovce, wo ich den abwechslungsreichen Reisetag ausklingen lasse.

    Kaum ein anderer Tag meiner Reise zeigte auf so kurzer Distanz eine derart grosse landschaftliche Vielfalt. Historische Städte, bedeutende Bauwerke, Karstlandschaften, stille Seen und einsame Landstrassen wechselten sich ständig ab und machten diese Etappe zu einer besonders abwechslungsreichen Entdeckungsreise durch den Osten der Slowakei.
    Czytaj więcej

  • Entlang der Hohen Tatra

    29 lipca, Słowacja ⋅ ☀️ 26 °C

    Burgen, historische Städte und alpine Landschaften

    Der Tag beginnt bei strahlend blauem Himmel in Giraltovce. Beste Voraussetzungen also für eine Fahrt in eine der bekanntesten Regionen der Slowakei.

    Mein erster Halt gilt einem besonderen Kulturschatz. In Hervartov besuche ich die älteste erhaltene Holzkirche der Slowakei. Das schlichte Gotteshaus gehört zum UNESCO-Welterbe und stammt aus dem späten 15. Jahrhundert. Von aussen wirkt die Kirche mit ihren dunklen Holzbalken beinahe unscheinbar, doch gerade diese schlichte Bauweise macht ihren besonderen Reiz aus. Beeindruckend ist, dass dieses vollständig aus Holz errichtete Bauwerk seit über fünfhundert Jahren Wind und Wetter trotzt und bis heute erhalten geblieben ist. Ein stiller und würdiger Auftakt für den Reisetag.

    Anschliessend erreiche ich Prešov und fahre ohne längeren Halt weiter in Richtung Westen.

    Bereits aus der Ferne ist sie nicht zu übersehen: die mächtige Zipser Burg, die hoch über der Landschaft thront. Je näher ich komme, desto deutlicher wird, wie beliebt dieses UNESCO-Weltkulturerbe ist. Menschen strömen in Scharen den steilen Weg zur Burg hinauf und wieder hinunter – aus der Distanz wirkt das fast wie eine Ameisenstrasse. Ich beschränke mich heute auf einen kurzen Fotostopp. Die eindrucksvolle Silhouette der Burg genügt, um ihre einstige Bedeutung zu erahnen, und ich setze meine Reise bald fort.

    Nur wenige Kilometer weiter erreiche ich Levoča. Die historische Altstadt zählt zu den schönsten der Slowakei. Prächtige Bürgerhäuser, die vollständig erhaltene Stadtmauer und der grosszügige Marktplatz verleihen ihr ein ganz besonderes Flair. Hier nehme ich mir Zeit für eine gemütliche Kaffeepause – begleitet von einem feinen Glacé, das bei den sommerlichen Temperaturen besonders gut schmeckt.

    Der nächste Halt liegt praktisch um die Ecke. Kežmarok besitzt ebenfalls eine wunderschöne Altstadt, wenn auch etwas bescheidener als Levoča. Nach einem Spaziergang, einigen Fotos und einer kleinen Stärkung geht die Reise weiter.

    Nun verändert sich die Landschaft erneut. Die Strasse führt über viele Kilometer durch ausgedehnte Wälder. Immer wieder stehen am Strassenrand Roma-Familien, die frisch gesammelte Waldpilze kübelweise zum Verkauf anbieten. Offenbar ist die Pilzsuche hier eine wichtige Einnahmequelle. Zwischen den Baumkronen tauchen immer wieder die markanten Gipfel der Hohen Tatra auf und kündigen das nächste landschaftliche Highlight an.

    Die Strasse steigt kontinuierlich an und erreicht schliesslich Ždiar, ein rund fünf Kilometer langes Bergdorf auf gut 1000 Metern Höhe. Mit seinen Pensionen, Hotels und Chalets erinnert der Ort stark an bekannte Ferienorte im Alpenraum. Auch die Übernachtungspreise bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau. Im Winter ein bedeutender Wintersportort, im Sommer Ausgangspunkt für unzählige Wanderungen – Ždiar lebt ganz offensichtlich vom Tourismus.

    Nach der Passhöhe kehre ich um und fahre ein Stück wieder bergab, biege dann nach Westen ab und folge dem eindrucksvollen Südfuss der Hohen Tatra.

    Unterwegs mache ich einen Abstecher nach Tatranská Lomnica, einem der grössten Ski- und Ferienorte des Landes. Heute herrscht reger Betrieb. Vor allem einheimische Gäste geniessen den Sommertag, flanieren durch den Ort oder fahren mit den Bergbahnen in die Höhe. Die Atmosphäre erinnert an bekannte Ferienorte in den Schweizer Alpen.

    Meine Route folgt weiterhin den gewaltigen Bergen. Die schroffen Granitgipfel begleiten mich fast ständig am Horizont und verleihen der Fahrt eine eindrucksvolle Kulisse.

    Ein weiterer Abstecher führt mich nach Štrbské Pleso. Der kleine Bergsee liegt malerisch zwischen Hotels und den steilen Gipfeln der Hohen Tatra. Auch dieser Ort zählt zu den bedeutendsten Wintersport- und Wanderzentren der Slowakei. Trotz der vielen Besucher strahlt der See eine angenehme Ruhe aus und lädt zu einer kurzen Pause ein.

    Nach rund vierzig Kilometern entlang des Gebirges verabschieden sich die markanten Gipfel langsam aus meinem Blickfeld. Die Hohe Tatra bleibt zurück, während sich bereits die nächste Gebirgskette ankündigt.

    Am frühen Abend erreiche ich Liptovský Mikuláš. Direkt hinter der Stadt erheben sich bereits die Berge der Niederen Tatra und geben einen Vorgeschmack auf die kommenden Reisetage.

    Heute standen weniger kurvenreiche Passstrassen als vielmehr Kultur und Landschaft im Mittelpunkt. Mit der Zipser Burg, den historischen Städten Levoča und Kežmarok sowie den imposanten Gipfeln der Hohen Tatra gehörte diese Etappe zu den abwechslungsreichsten und schönsten meiner Reise durch die Slowakei.
    Czytaj więcej

  • Durch die wilden Berge der Mittelslowakei

    30 lipca, Słowacja ⋅ ☀️ 30 °C

    Pässe, Eisenbahnkunst und unerwartete Begegnungen

    Bereits um 08:00 Uhr starte ich in Liptovský Mikuláš. Der Wetterbericht kündigt für den Nachmittag Temperaturen von bis zu 40 Grad an. Ein früher Aufbruch ist deshalb die beste Entscheidung. Vor mir liegt ein Tag mit zahlreichen Pässen, eindrucksvollen Landschaften und einigen der bekanntesten technischen Sehenswürdigkeiten der Slowakei.

    Schon bald erreiche ich den Čertovica-Pass, einen der klassischen Übergänge zwischen der Liptau und der Südslowakei. Die kurvenreiche Strasse führt durch dichte Wälder hinunter nach Mýto pod Ďumbierom und weiter nach Brezno. Der Verkehr hält sich in Grenzen, sodass das Motorradfahren heute besonders viel Freude bereitet.

    Von Brezno geht es weiter über den landschaftlich reizvollen Zbojská-Pass nach Tisovec. Die Strasse schlängelt sich durch eine ruhige Berglandschaft mit weiten Wiesen, dunklen Wäldern und immer wieder schönen Ausblicken. Anschliessend führt die Route über den Predná-Hora-Pass und den Javorinka-Pass bis nach Telgárt, einem kleinen Ort am Rand des Slowakischen Erzgebirges.

    Hier wartet eines der eindrucksvollsten Bauwerke des Landes auf mich. Der berühmte Kehrtunnel der historischen Eisenbahnlinie von Telgárt ermöglicht den Höhengewinn der Strecke durch eine 360-Grad-Schleife im Berg. Zusammen mit den beiden markanten Steinviadukten gilt diese Ingenieurleistung bis heute als eines der bedeutendsten Eisenbahnbauwerke der Slowakei und als berechtigter Stolz des Landes. Die Kombination aus Natur, Brücken und Eisenbahn macht diesen Ort zu einem echten Höhepunkt der Reise.

    Anschliessend führt mich die Strasse über den Besník-Pass. Wenige Kilometer später mache ich noch einen kleinen Abstecher zum abgelegenen Kopanec-Pass. Viel Verkehr gibt es hier nicht – dafür umso mehr Ruhe und eine herrliche Landschaft. Danach fahre ich wieder zurück zur Hauptstrasse.

    Mein nächstes Ziel ist Dedinky. Der idyllisch gelegene Stausee strahlt eine angenehme Ruhe aus, obwohl an diesem warmen Sommertag zahlreiche Ausflügler unterwegs sind. Das klare Wasser und die umliegenden Berge machen den Ort zu einem beliebten Naherholungsgebiet.

    Am frühen Nachmittag erreiche ich Rožňava, wo ich mir eine verspätete Mittagspause gönne. Bei den mittlerweile hochsommerlichen Temperaturen tut jede Minute im Schatten gut.

    Frisch gestärkt geht es weiter über Nižná Slaná zu einem Aussichtspunkt hoch über Dobšiná. Von hier reicht der Blick weit über die umliegenden Berge und Täler – ein perfekter Ort für eine kurze Pause und einige Fotos.

    Einige Kilometer fahre ich nun auf meiner morgendlichen Route zurück. In Telgárt lege ich im originellen Depo Café noch einen letzten Halt ein. Bereits auf dem Parkplatz fällt mir eine Gruppe von fünf historischen Jawa-Motorrädern auf. Drei davon tragen sogar Zürcher Kontrollschilder.

    In der gemütlichen Lounge komme ich mit den Besitzern ins Gespräch. Alle stammen ursprünglich aus der Slowakei und sind gemeinsam auf dem Weg zu einem grossen Jawa-Treffen. Die Fahrer der Motorräder mit den Zürcher Kennzeichen leben bereits seit über zwanzig Jahren in der Schweiz. Sofort entwickelt sich eine herzliche Unterhaltung über Motorräder, Reisen und das Leben zwischen zwei Heimatländern. Nach einem gemütlichen Schwatz und einem gemeinsamen Gruppenfoto verabschieden wir uns. Jeder steigt wieder auf seine Maschine und setzt seine Reise fort – genau solche ungeplanten Begegnungen bleiben oft besonders lange in Erinnerung.

    Für mich sind es nun nur noch wenige Kilometer bis zu meinem heutigen Tagesziel in Brezno. Hinter mir liegt ein abwechslungsreicher Tag mit traumhaften Passstrassen, beeindruckender Eisenbahngeschichte und einer Begegnung, die den Reiz des Reisens einmal mehr unterstreicht.
    Czytaj więcej

  • Von den Bergen der Slowakei bis nach Brünn

    31 lipca, Republika Czeska ⋅ ⛅ 31 °C

    Der Morgen beginnt in Brezno, von wo aus ich meine Fahrt in Richtung Westen fortsetze. Über Banská Bystrica erreiche ich den Malý Šturec Pass, dessen kurvenreiche Strasse durch dichte Wälder führt und einmal mehr zeigt, wie abwechslungsreich das slowakische Bergland ist. Hinter dem Pass wird die Landschaft sanfter, bevor ich über Kláštor pod Znievom weiterfahre.

    Die nächste Passstrasse führt über das Fačkovské sedlo. Auch hier macht das Motorradfahren richtig Freude: flüssige Kurven, wenig Verkehr und immer wieder schöne Ausblicke auf die bewaldeten Hügel der Mittelslowakei. Über Dubnica nad Váhom erreiche ich schliesslich den Vlársky priesmyk, wo ich die Grenze nach Tschechien überquere.

    Mein wichtigstes Tagesziel ist jedoch Zlín. Die Stadt ist untrennbar mit der weltberühmten Schuhfirma Baťa verbunden. Besonders beeindruckend ist das 1930 erbaute Baťa-Hochhaus, das damals als zweithöchstes Gebäude Europas galt. Rundherum erstreckt sich ein riesiges Fabrikareal – eine eigentliche Stadt in der Stadt, in der Produktion, Verwaltung, Wohnen und Infrastruktur nach einem durchdachten Konzept vereint wurden.

    Am meisten fasziniert mich das legendäre Büro von Firmengründer Tomáš Baťa. Es befindet sich vollständig in einer grossen Liftkabine. Der Firmenchef konnte so mitsamt Schreibtisch, Telefon und allen elektrischen Anschlüssen bequem in jede Etage fahren, ohne sein Büro verlassen zu müssen. Eine ebenso geniale wie ungewöhnliche Idee, die den Innovationsgeist des Unternehmens eindrücklich widerspiegelt.

    Natürlich lasse ich mir auch eine Fahrt mit dem historischen Paternoster-Aufzug nicht entgehen. Ohne anzuhalten ziehen die offenen Kabinen langsam durch das Gebäude. Der Weg bis in den 15. Stock ist ein Erlebnis für sich und vermittelt ein Stück Technikgeschichte, das heute nur noch selten erhalten ist.

    Inzwischen zeigt das Thermometer offiziell 36 °C. Zwischen Asphalt, Beton und den Fabrikgebäuden fühlt es sich allerdings deutlich heisser an. Die Hitze begleitet mich auch auf der Weiterfahrt über Kvasice und Zdounky bis nach Brünn, meinem Tagesziel.

    Der Abend bildet einen stimmungsvollen Abschluss dieses abwechslungsreichen Tages. Die Altstadt von Brünn ist voller Menschen, denn das Brasil Fest Brno verwandelt die Strassen in eine riesige Festmeile. Der Eintritt ist frei, überall erklingt Musik, Foodstände bieten Spezialitäten an, und Bars sowie Plätze sind bis auf den letzten Platz gefüllt. Trotz der anhaltenden Hitze geniessen Einheimische und Besucher die sommerliche Atmosphäre. Ein farbenfroher und lebendiger Ausklang eines Tages, der von eindrücklichen Passfahrten über Industriegeschichte bis hin zu brasilianischem Lebensgefühl mitten in Tschechien alles zu bieten hatte.
    Czytaj więcej

  • Von Südmähren über den Böhmerwald nach Österreich

    1 sierpnia, Austria ⋅ ☀️ 25 °C

    Nach dem stimmungsvollen Abend in Brünn beginnt der heutige Tag früh. Über Pohořelice erreiche ich noch vor 09.00 Uhr das Weingut Vinařství Lahofer. Um diese Zeit herrscht noch angenehme Ruhe, und ich kann das aussergewöhnliche Gebäude in aller Gelassenheit von innen und aussen erkunden. Die moderne Architektur fügt sich überraschend harmonisch in die Landschaft ein. Vom begehbaren Dach eröffnet sich ein schöner Blick über einen kleinen Teil der rund 500 Hektaren umfassenden Rebflächen – eindrücklich, welche Dimension der Weinbau hier erreicht.

    Znaim umfahre ich nördlich und folge den ruhigen Landstrassen weiter Richtung Westen. Kurz darauf bietet sich ein spektakulärer Blick auf das Schloss Vranov nad Dyjí, das majestätisch auf einem steilen Felsen hoch über dem gleichnamigen Städtchen thront. Von der gegenüberliegenden Talseite wirkt die barocke Anlage besonders eindrucksvoll und beherrscht die ganze Landschaft.

    Bei Šafov führt die Strasse zwischen mehreren kleinen Seen hindurch. Wenig später überrascht mich die Strecke mit herrlich geschwungenen Kurven. Über Slavonice und Nová Bystřice bis nach Lásenice macht das Motorradfahren besonders viel Freude. Die Strassen sind abwechslungsreich, der Verkehr hält sich in Grenzen, und immer wieder tauchen kleinere Seen und Weiher zwischen den Wäldern auf.

    Anschliessend folgt ein schnellerer Abschnitt, der mich knapp an Budweis vorbeiführt. Erst bei Český Krumlov verändert sich die Landschaft wieder deutlich. Die Strasse beginnt anzusteigen, und schon bald erreiche ich auf über 800 Metern Höhe den Böhmerwald. Dichte Wälder, angenehm kühlere Luft und die weitläufige Seenlandschaft rund um Černá v Pošumaví bilden einen wunderbaren Kontrast zur offenen Landschaft Südmährens.

    Bei einer Pause am See komme ich mit einem deutschen Motorrad-Ehepaar ins Gespräch. Aus den ersten Worten wird schnell eine längere Unterhaltung. Wir tauschen Reiseerlebnisse aus, lachen gemeinsam und geniessen die entspannte Atmosphäre am Wasser. Solche zufälligen Begegnungen gehören für mich zu den schönsten Momenten einer Reise.

    Wenig südlich bringt mich eine Fähre ans andere Ufer des Lipno-Stausees. Die kurze Überfahrt bietet nochmals schöne Ausblicke auf den See und die bewaldeten Hügel. Schon kurz danach überquere ich die Grenze nach Österreich. Die Landschaft des Böhmerwaldes setzt sich hier nahtlos fort und geht in den Mühlviertler Teil des Böhmerwaldes über – eine sanfte, waldreiche Hügellandschaft, die dem benachbarten Bayerischen Wald landschaftlich sehr ähnelt.

    Von hier ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Ulrichsberg, meinem heutigen Tagesziel. Nach einer abwechslungsreichen Etappe mit moderner Architektur, historischen Schlössern, herrlichen Motorradstrecken, stillen Seen und einer sympathischen Begegnung unterwegs klingt der Tag entspannt im nördlichen Oberösterreich aus.
    Czytaj więcej

  • Zwischen Flüssen, Burgen und bayerischer Lebensfre

    2 sierpnia, Niemcy ⋅ ☁️ 28 °C

    Der Morgen in Ulrichsberg im oberösterreichischen Mühlviertel beginnt angenehm frisch. Noch ziehen einige Wolken über den Himmel, doch der Wetterbericht lässt keinen Zweifel: Schon bald wird die Sonne wieder das Kommando übernehmen und der Tag hochsommerlich heiss werden. Beste Voraussetzungen also, um die heutige Etappe in Richtung Westen unter die Räder zu nehmen.

    Schon kurz nach dem Grenzübertritt nach Deutschland zeigt sich allerdings, dass Reisen nicht immer nach Plan verläuft. Eine erste Umleitung zwingt mich, die vorgesehene Route zu verlassen und über Freyung auszuweichen. Wenig später folgt bereits die nächste Sperrung, sodass ich erneut improvisieren muss.

    Schliesslich erreiche ich Passau, die Dreiflüssestadt, wo Donau, Inn und Ilz zusammentreffen. Die historische Altstadt mit ihren barocken Fassaden, den verwinkelten Gassen und den lebhaften Plätzen lädt zu einem ausgedehnten Spaziergang ein.

    Anschliessend führt die Route zurück nach Österreich und weiter nach Braunau am Inn. Wenige Kilometer später halte ich auf einer bewaldeten Anhöhe an. Von hier öffnet sich ein weiter Blick über den Zusammenfluss von Inn und Salzach, jeder in einer anderen Farbe.

    Kurz darauf zieht am Gegenhang eine beeindruckende Silhouette meinen Blick auf sich. Schon von weitem erhebt sich die gewaltige Burganlage von Burghausen über dem Tal. Die längste Burg der Welt scheint sich kilometerweit über den Bergrücken zu erstrecken und dominiert die gesamte Landschaft. Dieser Anblick gehört zweifellos zu den eindrucksvollsten Momenten des Tages.

    Am frühen Nachmittag erreiche ich den Chiemsee und lege in Chieming eine Pause ein. Zufällig gerate ich mitten in ein traditionelles Volksfest. Dorfmusik erfüllt den Park, Kinder und Erwachsene in farbenfrohen Trachten tanzen zu den Klängen der Blaskapelle, auf den Festbänken sitzen Einheimische und Gäste bei Bier und regionalen Spezialitäten beisammen. Überall wird gelacht, getanzt und angestossen. Es ist einer dieser glücklichen Zufälle, die einer Reise einen ganz besonderen Charakter verleihen.

    Die Weiterfahrt führt nach Marquartstein. Nach den vergangenen Wochen in Osteuropa stehe ich hier erstmals wieder unmittelbar am Fuss der Alpen.

    Doch auch jetzt ist der Tag noch längst nicht zu Ende. Weitere Umleitungen begleiten mich über Rosenheim, Miesbach und Bad Tölz. Trotz der zusätzlichen Kilometer bleibt die Fahrt abwechslungsreich und landschaftlich reizvoll.

    Den perfekten Abschluss findet der Tag in Strasslach südlich von München. Im wohl bekanntesten Biergarten der Region geniesse ich ein ausgezeichnetes Nachtessen unter alten Kastanienbäumen. Die entspannte Atmosphäre, das lebhafte Stimmengewirr und die hervorragende Küche bilden den idealen Ausklang einer langen und abwechslungsreichen Etappe.

    Danach sind es nur noch wenige Fahrminuten bis zu meinem Hotel in Gräfelfing. Hinter mir liegt ein Tag voller unerwarteter Umleitungen, beeindruckender Landschaften, historischer Städte und echter bayerischer Lebensfreude – genau jene Mischung, die eine Motorradreise so unvergesslich macht.
    Czytaj więcej

  • Zwischen bayerischen Seen und Tiroler Pässen

    3 sierpnia, Austria ⋅ ☁️ 25 °C

    Nach der Übernachtung in Gräfelfing beginnt der Tag früh. Noch ist die Luft angenehm frisch, während ich München rasch hinter mir lasse und über Wolfratshausen dem Alpenrand entgegenfahre. Schon bald windet sich die Strasse in zahlreichen Kurven den Kesselbergpass hinauf. Seit Generationen zählt diese Strecke zu den beliebtesten Motorradstrassen Bayerns. Oben angekommen lege ich am idyllischen Walchensee eine erste Pause ein. Das Café direkt am Ufer bietet den perfekten Platz, um bei einer Tasse Kaffee den Blick über das tiefblaue Wasser und die umliegenden Berge schweifen zu lassen.

    Anschliessend führt die Fahrt nach Mittenwald, einem der schönsten Alpenorte Deutschlands. Doch anstatt direkt weiterzufahren, biege ich ins Leutaschtal ab. Die Strasse steigt sanft an und führt in eines der weitläufigsten und schönsten Hochtäler Tirols. Umgeben von grünen Wiesen, dichten Wäldern und den markanten Gipfeln des Wettersteingebirges herrscht hier eine wohltuende Ruhe.

    In einem gemütlichen Gartenrestaurant gönne ich mir eine ausgedehnte Mittagsrast. Wie so oft ergeben sich unterwegs ganz ungezwungen interessante Begegnungen. Ein Gast aus Telfs erzählt von den schönsten Motorradrouten der Region, während sich auch der junge Sohn des Wirts dazugesellt. Als begeisterter Töfffahrer kennt auch er die umliegenden Pässe bestens. So vergeht die Mittagspause fast wie im Flug – nicht nur wegen des guten Essens, sondern auch dank der spannenden Gespräche unter Gleichgesinnten.

    Frisch gestärkt fahre ich zurück nach Mittenwald und weiter über das verkehrsreiche Hochtal von Seefeld Richtung Innsbruck. Dort steht ein kurzer, aber wichtiger Zwischenhalt auf dem Programm. Nach inzwischen 16500 Kilometern zeigen die Reifen deutliche Verschleissspuren. Beim Reifenhändler vereinbare ich einen Termin für den nächsten Morgen und bespreche gleich den Typ der neuen Pneus. Morgen erhält die BMW also frisches Schuhwerk für die letzten Etappen dieser langen Reise.

    Am späteren Nachmittag wartet noch ein letzter Höhepunkt. Über zahlreiche Kehren schraubt sich die Strasse auf den Kühtaisattel hinauf, einen der höchstgelegenen ganzjährig befahrbaren Alpenpässe Österreichs. Während die Abendsonne die Bergwelt noch einmal in warmes Licht taucht, ziehen am Horizont bereits dunkle Gewitterwolken auf. Gerade rechtzeitig streife ich den Rand des aufziehenden Gewitters und entkomme den stärksten Regenschauern, bevor die Strasse wieder talwärts führt.

    Schliesslich erreiche ich Oetz, wo der Tag einen ausgesprochen angenehmen Abschluss findet. Im schönen, gut besetzten Hotelgarten geniesse ich bei feinem Essen und einem kühlen Getränk die entspannte Atmosphäre. Hinter mir liegt ein abwechslungsreicher Tag mit herrlichen Seen, eindrucksvollen Alpenlandschaften, interessanten Begegnungen und der Gewissheit, dass die Reise morgen mit neuen Reifen sicher weitergehen kann.
    Czytaj więcej

  • Koniec wyprawy
    4 sierpnia 2026