Astorga
24–25 May, Ispanya ⋅ ⛅ 26 °C
Wie geplant lief ich heute Morgen früher los. Da war es auch nicht schlimm, dass um 6:00 Uhr fast alle im Schlafraum versucht haben, ihre Sachen zu packen. Manchmal denke ich: „Bei dem Verhalten hätte ich auch zu Hause bleiben können. Alles ADS Kinder.“
Leute verlassen den Raum, lassen die Türe offen, knistern mit allerlei Sachen durch die Gegend und machen sich überhaupt keine Gedanken, ob sie damit irgendjemand wecken. Egal. Ich wollte ja sowieso früher aufstehen.
Nach dem Zusammenpacken gab es noch einen Kaffee und dann ging es los.
Zuerst wieder an der Straße lang. Aber das Wetter war angenehm kühl und 2 Stunden später hatte ich schon über 10 km der Etappe hinter mir.
Dann endlich bog der Weg ab. Durch Felder ging es bis zum nächsten Dorf.
Irgendwie wollte ich immer irgendwo Pause machen, habe es dann aber immer nicht geschafft anzuhalten. Noch nicht. Alles besetzt. Zu viele Leute, irgendetwas anderes…
An einem kleinen Rastplatz im Wald habe ich dann tatsächlich kurz angehalten und meine Schuhe ausgezogen. Dann ging es noch einmal den Berg Hochund schon konnte man Astorga in der Ferne sehen.
Dauerte es noch einmal 1 Stunde, meist in der prallen Sonne, bis ich endlich an der Herberge war. Ich bekam ein Bett und es hieß mal wieder duschen gehen Bett beziehen ausruhen. Nur zum Wäsche waschen hatte ich heute keine Lust.
Nach der Silvester habe ich mich noch einmal aufgerafft und bin in die Stadt gelaufen. Ich habe mir die Kathedrale von außen und den Bischof Palast von Gaudi von innen angeschaut. Dann habe ich mich zur Feier des Tages eine Paell mit Muscheln gegönnt. Leider ist vieles was die Spanier kochen sehr fettig und die Paella war leider auch keine Meisterleistung. Ich war auf jeden Fall satt und lief zurück zur Herberge.
Nachdem es erst halb 9 war und ich schon seit Tagen Postkarten durch die Gegend schleppe, hatte ich nun die Zeit, diese zu schreiben. Währenddessen durfte mein Smartphone ein wenig Strom tanken. Um 20 vor 10 kam dann auch ein Mitarbeiter der Herberge und schickte alle ins Bett. Also trottete auch ich in den 2. Stock zu meinem 4-Bett Zimmer und legte mich schlafen.Okumaya devam et
Rabanal del Camino
25–26 May, Ispanya ⋅ ☁️ 24 °C
Zum Glück wollte ich gestern nicht gleich schlafen. Um halb elf, als eigentlich Ruhe sollte, fing auf dem Gang jemand an aufzuräumen. Dafür machte er natürlich das Licht im Flur an. Da wir ein Oberlicht in der Tür hatten, bei unser Zimmer dann auch wieder erleuchtet. Und um 5:30 Uhr fing der einzige Mann in unserem 4er Zimmer an seine Sachen zu packen. Manchmal alles nicht so einfach. Ich habe mir daraufhin meine Ohrhörer in die Ohren gesteckt und bin zu meinem Lieblingspodcast wieder eingeschlafen bis alle weg waren.
Vielleicht hatte ich es schon erwähnt aber irgendwie sind es immer die männlichen Vertreter die sich mehr oder weniger rücksichtslos verhalten. Meist die Generation 70+. Ab und zu auch jüngere und natürlich gibt es auch die ein oder andere rücksichtslose Frau.
Als alle weg waren habe ich wie meinen Rucksack gepackt. Auch hier hat ein Mitarbeiter (männlich) die Tür aufgerissen als ich mir gerade die Hose anziehen wollte…
Dann Rucksack aufsetzen und loslaufen.
Ich bin durch das am Morgen noch menschenleere, angenehm kühle Astorga gelaufen und habe die Stille genossen. Nach Rabanal waren es nur 20km und das Bett war gebucht. Auch wenn ich dessen zu dieser Zeit nur zu 90% sicher war, so hatte ich keinen Grund zur Eile. Im nächsten Dorf hieß es dann auch, Pause und Frühstück. Tortilla de Patas und einen Café con leche.
Es war zwar warm aber leicht windig und nicht allzu steil. So konnte ich bis zu einer leicht skurrilen Cowboy-Bar laufen an der ich mir dann Curros con chocolate und einen Mangoshake gönnte. Somit war das Mittagessen auch erledigt.
Nach weiteren knapp 2 Stunden war ich dann am Ziel. Rabanal del Camino ist ein kleines Mitelalterliches Dorf das aus ein paar Steinhäusern und wahrscheinlich genauso vielen Herbergen besteht.
Von meiner Herberge hätte ich nach der Beschreibung und der Empfehlung in der Pilgerapp mehr erwartet. Eigentlich war sie genau so wie schon die Bestätigung der Reservierung: Etwas komisch. Die Herberge an sich ist ansprechend. Es gibt einen Innenhof mit Bar in dem man gut sitzen und etwas essen oder trinken kann. Trotzdem hatte ich schon nettere Begrüßungen auf dem Weg. Mir wurde lediglich das Schuhregal für die Wanderschuhe und mein Bett gezeigt. Dann bekam ich noch einen Stuhl weil das wackelige Stockbett auf dem ich oben schlafen sollte, keine Leiter hatte. That’s it. Bad, Waschgelegenheit usw. hab ich dann selber gefunden.
Als ich nach dem Gang durchs Dorf auf einer Mauer saß, lief mir Axel wieder über den Weg. Er kam gerade an und war in einer anderen Herberge im Dorf. Wir begrüßten uns nur kurz. Er war irgendwie auf der Suche nach seinem Bett. Als ich später in den Schlafsaal kam war das Licht schon gelöscht und ein paar Menschen schliefen schon. Ich habe mich dann auch bettfertig gemacht und hingelegt.
Und als ob sich mein Eindruck bestätigen müsste, kam um 21:30 ein Mann 70+ mit seinem Enkel? Noch in der Herberge an. Stellte seine Sachen in den Schlafsaal neben sein Bett (das neben mir) und verschwand wieder. 20 Minuten später (Bettruhe auch hier um 22:00 Uhr) kam er wieder. Ließ die Tür auf und machte das Licht im Schlafsaal an. Sein Enkel ging duschen, er richtete sein Bett, steckte seinen E-Bike Akku in die Steckdose am Bett und legte sich dreckig wie er war zum schlafen hin. Das Licht löschte jemand anderes.
Ich hatte mir in der Zwischenzeit den Spaß gemacht und habe mich in meinem Bett in der Ecke des Schlafsaales hingesetzt und die Leute beobachtet. Das war durchaus interessant. Die einen spielten am Handy. Die anderen stritten sich mit ihrem Partner. wieder andere unterhielten sich ganz friedlich. Vielleicht sollte man den Jakobsweg mit Herbergspflicht ins Soziologiestudium aufnehmen.
Ich habe mich dann zum Schlafen hingelegt. Leider schnarchte Mister 70+. Das Bett wackelte mal wieder wie Kuhschwanz und die Matratze war dieses Mal zu dünn. Viele Herbergen haben auf den Lattenrost einfach eine Spanplatte gelegt. So auch hier.Okumaya devam et
Molinaseca
26–27 May, Ispanya ⋅ ☀️ 26 °C
Die Nacht war trotz der Umstände gar nicht so schlecht. Laut Überwachung hatte ich sogar über 1h Tiefschlaf.
Wie immer waren die ersten schon vor 5 auf um ihre Sachen zu packen.
Ich blieb liegen bis um kurz nach 7. ich hatte offensichtlich den Wecker ausgemacht und weitergeschlafen. Als ich um 7:45 Uhr meine letzten Sachen packte kamen die gutgelaunten spanischen Zimmermädchen und fingen mit Musik aus dem Handy die Bude zu richten.
Das war mir zu viel gute Laune am frühen Morgen. Vor acht ist da nichts mit Happiness.
Ich habe also schnell meine Sachen zusammen gepackt und haben mich vom Acker gemacht. Heute ging es zum Kloster Ferro den höchsten Punkt auf dem Jakobsweg. Außerdem ist das größte Ferro ein besonderer Ort, da man dort seine Sorgen in Form eines Steins ablegt. Von Raval waren es allerdings nur noch 400 Höhenmeter. Der Weg führte als Naturpfad mehr oder weniger steil, den Berg nach oben. Zwischen Rabanal und dem Kreuz liegt Foncebadón. Ein ehemals verlassenes Dorf, das durch den Boom auf dem Jakobsweg wiederbelebt wurde. Unterwegs traf ich Axel wieder, und da er schneller ist als ich, haben wir uns für einen Kaffee in Foncebadón verabredet.
Beim Kaffee gesellten sich noch zwei Engländer, die Axel bereits kannte, zu uns. Wir unterhielten uns angeregt, bis wohin wir heute laufen, während Axel und ich uns schon in Molinasechs ein Bett gebucht hatten, schwärmten uns die Engländer von ihrer Herberge in Al Acebo vor. Mit Swimmingpool! Wir bekamen ausführlich zu hören, wie er mittags im Swimmingpool liegen wird und uns zuwinken, wenn wir vorbeilaufen. Ich fragte sie noch, ob der wohl denn auch geöffnet ist. Sie wussten es nicht. Mit einem toi, toi toi löste sich die Kaffeerunde dann auf.
Mit steigender Höhe wurde die Aussicht immer besser. Leider war die Fernsicht nicht vollkommen klar, aber man konnte deutlich sehen, wo wir die letzten Tage hergekommen sind.
Kurz nach elf hatte ich den höchsten Punkt des Jakobsweg erreicht. Das kreuzleuchtete in der Mittagssonne, und es standen einige Pilger auf dem Steinhaufen. Also klettert auch ich auf den Berg und legte meinen Stein ab. Danach ließ ich mich auf der Bank daneben nieder und beobachte das Treiben. Auch hier gab es wieder die unterschiedlichsten Typen. Manche bestiegen den Berg hielten inne, leg den einen Stein ab und machten vielleicht noch ein Foto. Es gab aber auch hier wieder Menschen, die mich etwas irritierten.
Da gab es einen Jungen Mann der seinen Rucksack auf die abgelegten Steine warf, ihn öffnete und einen riesigen Stein hervorholte. Keine Ahnung, welche Probleme er hatte, aber scheinen, etwas größer zu sein. Dann kamen Fahrradfahrer, die einen Verpflegungswagen dabei hatten und erst einmal verköstigt wurden. Die nächsten Fahrradfahrer stiegen mit ihren Fahrrädern auf den Berg und ließen sich dort von einem professionellen Fotograf ablichten.
Irgendwann hatte ich genug gesehen und mich auf den Weg nach unten gemacht. Dieser war am Anfang noch recht gut zu gehen, wurde im Laufe der Zeit aber immer steiler und steiniger in El Acebo kam ich dann auch an dieser sagenhaften Herberge vorbei, die laut Werbeschilder am Weg tatsächlich Swimmingpool, Hammam und einen Whirlpool hat. Leider konnte man von außen nicht sehen, ob das Schwimmbad geöffnet hat.
So lief ich weiter und war am Ende froh, die 1000 Höhenmeter endlich bewältigt zu haben. Es war fast ein bisschen schade dass es bereits 18:00 Uhr war, mir die Beine weh taten und die Herberge am anderen Ende des Ortes war, denn Molinaseca ist ein hübscher kleiner Ort. Ich hatte aber keine Lust und keine Energie mehr um die 500 m zurück zu laufen und eine Stadtbesichtigung zu machen.
Ich versorgte mich und meine Ausrüstung und hing den Rest des Abends im Hotel. Unser Zwölfbettzimmer war mit nur fünf Menschen belegt. So hatte ich ein unteres Bett ohne Bettnachbar. Genau das Richtige nach dem anstrengenden Tag. Zur Sicherheit habe ich mir noch die Ohren verstöpselt.Okumaya devam et
Camponaraya
27–28 May, Ispanya ⋅ ☁️ 32 °C
Warmer Tag, kurze Etappe. So lässt sich das Ganze heute zusammenfassen.
Der Morgen begann entspannt. Der Wecker brummte und ich habe die Schlummertaste gedrückt. Durch die Ohrenstöpsel habe ich die anderen garnicht gehört und bin wieder bis kurz nach 7 liegengeblieben. Vielleicht sind Ohrenstöpsel garnicht so dumm.
Ganz gemütlich habe ich dann den Rucksack gepackt und bin losgegangen. Bis nach Trabadelo waren es 7 km. Zuerst an der Straße lang, dann bog der Weg Richtung Feld ab und führte in einem Bogen Richtung Stadt.
Im ersten Supermarkt habe ich mich dann mit Proviant eingedeckt. Es gab dort den kleinen Käsekuchen den ich mal probieren wollte. Dazu einen Kaffee Caramel aus der Kühlung. Es hatte ja schon wieder 25 grad. Dazu Obst.
Ich suchte mir einen schattigen Platz an der Templerburg und ließ es mir schmecken. Danach ging es weiter durch Trabadelo. Im Park traf ich dann den Engländer von gestern. Was soll ich sagen? Daumendrücken hat nichts gebracht. Der Pool war zu. Öffnung erst ab Juni.
Ich lief zügig meine 17 km bis zum Ende der Etappe. Nachdem ich fast 1 Stunde zu früh dran war, gönnte ich mir auf einer schattigen Bank im Park noch einen Salat mit extra Kösewürfel zum Mittagessen bevor ich vollends zur Herberge lief.
Heute ein Zimmer mit 8 Stockbetten. Davon waren bis zum Abend allerdings nur 5 besetzt. Somit hatte ich wieder ein Bett für mich ganz alleine.Okumaya devam et
Trabadelo
28–29 May, Ispanya ⋅ ☀️ 31 °C
Nach dem entspannten Tag gestern standen heute wieder 24 km auf dem Plan. Ich bin extra früher losgelaufen da ich die kühlen Temperaturen am Morgen ausnutzen wollte. Morgens um 7:30 Uhr hatte es schon 18 Grad und die Wetterapp sagte wieder über 30 Grad voraus.
Zuerst ging es Richtung Cacabelos. Hier habe ich mir an einem Pilgerrastplatz einen Kaffee can leche gegönnt und ein Schokocroissant. Damit war das Frühstück erledigt. Nächster Stopp Villafranca del Bierzo. Ein netter Ort mit 2 Flüssen und vielen Kirchen.
Für das Mittagessen hatte ich mir vorgestellt, dass ich am Fluss, der übrigens nur ca 30 cm tief war, eine Stelle finde an der ich ganz gemütlich mein Brot mit Käse und Obst essen kann. Währenddessen wollte ich meine Füße ins Wasser hängen. Pustekuchen. Nirgends gab es eine Stelle an der man ans Wasser kam. So musste eben eine Bank herhalten.
Danach ging es weiter auf eine der wahrscheinlich hässlichsten Strecken des Caminos. 7 km immer an der N6 entlang. Die Sonne brannte vom Himmel und es gab keinen Schatten. Inzwischen gibt es daneben eine Autobahn. Somit fahren nicht mehr so viele Autos auf der N6. Dazu war die Straße jetzt mit einer Betonabtrennung vom Pilgerweg getrennt. Trotzdem gibt es schönere Strecken. Ich hätte in Villa Franca auch einen anderen Weg nehmen können dieser ist aber länger und hat einiges an Steigung nicht gerade das, was ich mir für einen Tag bei 34° vorgestellt hatte. Außerdem wären es dann nicht nur 24, sondern fast 30 km Strecke gewesen.
An der N6 gab es tatsächlich 2 Rastplätze. Leider waren auch die in der prallen Sonne und der vorhandene Brunnen war außer Betrieb. Zum Glück hatte ich noch zwei Mandarinen, die ich essen konnte.
So kam ich ganz schön durchgeschwitzt erst um 4:30 Uhr in der Herberge in Trabadelos an. Zum Glück hatte ich reserviert, denn das Haus war ausgebucht. Ich bekam das letzte Bett im 6-Bett Zimmer Nummer eins.
So konnte ich endlich duschen und etwas trinken. Abends habe ich mir dann noch das Pilgermenü gegönnt. Das war wieder nicht so wirklich der Hit. In der Beschreibung der Herberge stand, dass sie auch für Vegetarier sei. Auf der Tafel stand aber Nix. Beim ersten Gang gab es noch einen Salat, für den 2. Gang mal wieder Hähnchen, Schweinefleisch oder Nudeln mit Bolognese zur Auswahl. Als ich nach einer vegetarische Alternative fragte, bekam ich Nudeln mit Tomatensoße. Wenigstens das Eis zum Nachtisch war lecker.
Zurück in meinem Zimmer lagen alle schon im Bett. Ich habe also schnell noch Zähne geputzt und bin dann in mein schwankendes oberes Bett gekrabbelt um zu schlafen.Okumaya devam et
La Faba
29–30 May, Ispanya ⋅ ☁️ 26 °C
Warmer Tag, kurze Etappe für Fortgeschrittene. Heute mit Berg.
Nachdem die Strecke nach O Cebreiro die schlimmste des Weges ein soll, habe ich sie geteilt. Zum einen wegen der Hitze, zum anderen weil die Herberge in La Faba von der Stuttgarter Jakobusgesellschaft betrieben wird und ich die Hoffnung hatte Landsleute zu treffen.
So hatte die Etappe heute nur 15 km. Davon waren 11 km kein Problem. Ein bisschen hoch. Ein bisschen runter. Viel an der Straße. Die letzten 4 km hatten es dann in sich. Es ging teils an der Straße, teils durch den Wald, steil nach oben. Die Schweißtropfen liefen mir den Rücken runter und ich war froh als ich endlich oben ankam und den Wegweiser zur Herberge entdeckte.
Obwohl es erst 13:45 war, stand schon eine Schlange vor dem Checkin. So viel zum Thema: Du brauchst dich nicht beeilen wir machen erst um 14 Uhr auf. Die Sache mit dem nicht reservieren steht auch nur auf dem Papier. Eine ganze Seite voll mit Namen hatten sie im Kalender.
Trotzdem bekam ich noch ein Bett und die beiden Hospitalieras waren wirklich nett. Sie haben sich gefreut, dass sie mal wieder deutsch reden können. Allerdings kam eine aus Bayern und eine aus dem Rheinland. Es gibt wohl zu wenig Stuttgarter die hospitieren wollen.
Den Nachmittag habe ich dann mit rumsitzen, unterhalten und ausruhen verbracht. Außerdem habe ich meine gekauften Vorräte endlich gegessen. Der Käse war schon ganz weich und die Mango war auch kurz vor den Exitus.
Nach einer kurzen Runde durchs Dorf ging es dann auch schon wieder ins Bett. Ein Einelbett. Ganz für mich alleine.Okumaya devam et
Triacastela
30–31 May, Ispanya ⋅ ☁️ 22 °C
Eigentlich wollte ich früher los weil ich 24 km zu laufen hatte. Dann hatte ich mich allerdings beim Frühstück als deutsche geoutet und mich verquatscht. So wurde es dann wieder kurz nach 8 Uhr.
Also dann… Aufstieg Teil 2.
Es war wieder einmal schön kühl am Morgen. Der Weg nach O Cebreiro ging fast die ganze Zeit bergauf. Dies wurde mir ja schon angekündigt und dass es die schrecklichste Etappe auf dem ganzen Weg sei. Am Ende dachte ich mir: Hätte ich mir schlimmer vorgestellt.
Auf dem Weg passiert man die Grenze nach Galizien. Nun soll sich das Klima ändern, denn der näherrückende Atlantik macht sich bemerkbar. Enrique, mit dem ich schon vor längerem auf dem Weg unterhalten hatte, prophezeite mir auch Regen. Ich hoffe doch nicht. Regen war am Anfang genug.
O Cebreiro selbst ist ein kleines Dorf am Berg mit einer grandiosen Aussicht auf 1300 m Höhe und Steinhäusern in denen sich Herbergen und Bars verstecken. Hier wäre es nicht verwunderlich, wenn plötzlich ein Mönch mit einer Mittelalterlichen Kutte um die Ecke kommen würde.
Leider war der Aufstieg hier noch nicht zu Ende. Es warteten noch 2 Pässe. So ging es weiter. Ein bisschen bergauf, dann wieder ein bisschen bergab, um gleich wieder bergauf zu gehen. Plötzlich war er dann da. Der Pilger, der gegen den Sturm kämpft, auf dem Alto de san Roque auf 1270 m mit grandioser Fernsicht. An der Straße ging es dann erst abwärts an der Landstraße entlang. Kurz vor dem Alto de polo gab es dann einen kurzen steilen Aufstieg in der prallen Sonne. Ich hatte wirklich zu kämpfen diesen Feldweg nach oben zu klettern. Das Beweisfoto sieht natürlich wieder aus, als ob der Weg fast waagerecht wäre.
Jetzt war es endlich geschafft. Das waren die letzten Berge mit diesen Höhen. Es ging bis Triacastela fast nur noch bergab. Erst gemächlich. Dann steiler. Zum Schluss kam ich durch ein Geisterdorf mit höchstens 2 oder 3 Einwohnern. Das erkannte ich auch nur an einem abgestellten Rollator. Alle anderen Häusser sahen aus wie seit Jahren nicht bewohnt.
Das Wetter war sehr seltsam. Von O Cebreiro sah man ja schon die dicken Wolken im Tal liegen. Durch die musste ich teilweise durch. Die Sonne schien über der Wolke, kam aber nicht ganz durch. Das ergab ein seltsames Wetter. Es war kühl und etwas nebelig, gleichzeitig merkte man aber die Wärme der Sonne.
Wie erhofft war in Triacastela noch ein Bett in der Herberge frei. Dabei lernte ich Felix kennen. Schüler aus Oberndorf am Neckar und Fußballfans. Er ist in Leon losgelaufen und läuft auch mal 40 km am Tag. Ohne Wanderführer und ohne Smartphone. Respekt.Okumaya devam et
Barbadelo
31 Mayıs, Ispanya ⋅ ☀️ 23 °C
Die Nacht war etwas kühl, da Felix gestern Abend noch das Fenster gekippt und es nur 10 Grad Außentemperatur hatte. Ich war mit 3 Männern in dem Vierbettzimmer und habe deshalb beschlossen, dass Ohrenstöpsel nicht schlecht wären. Daraufhin habe ich nicht gemerkt wie die beiden älteren Spanier am Morgen verschwunden sind. Es war nur noch Felix übrig. Wir haben dann unsere Sachen gepackt und sind kurz nacheinander los. Er meinte noch: Wir sehen uns dann auf dem Weg. Leider habe ich ihn nicht mehr gesehen. Könnte daran liegen, dass sich der Weg in Triacastela teilt. Ein Weg geht über das Kloster Xi, der andere Weg über das Kloster Samos.
Ich hatte den kürzeren der beiden Wege über das Kloster Xi gewählt. Kein schlechter Weg. Auch wenn es zuerst einmal 250 Höhenmeter nach oben geht. Das Wetter war bis zum Nachmittag angenehm kühl und die Wege waren schattig. Nachdem es natürlich auf der anderen Seite wieder hinunter ging, kam ich in Sarria an.
Nächste Station: Pilgerautobahn.
Ab Sarria wird es voll. So habe ich es überall gelesen und gehört. Als ich am Nachmittag ankam, war davon nichts (mehr) zu sehen. Ich traf nur vereinzelt Menschen die offensichtlich ihren Koffer und Rucksack zur nächsten Herberge schleppten. Eine Frau war mit ihrem Rollkoffer schon so überfordert, dass ich mir schwer vorstellen konnte, wie sie mit Rucksack auf dem Weg zurechtkommen will.
Ich hatte mich für eine Herberge 3 km weiter entschieden. Vielleicht war aber auch der Pool bei dieser Entscheidung nicht ganz unbedeutend…
Die Herberge ist schön gelegen gegenüber von einer Kuhweide mit zwei Häusern, in denen es 6-Bett Zimmer mit jeweils zwei duschen und einem WC gab. Dazu ein schöner großer Garten, eine Bar und einem Souvenirladen, in dem man allerlei Jakobswegzeug kaufen konnte.
Nachdem ich geduscht und alles versorgt hatte, machte ich mich auf dem Weg zur Terrasse der Bar. Ich hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen und so bestellte ich mir eine Suppe Paella und eine Art Käsekuchen zum Nachtisch. Kannst du eine Cola und einen Milchkaffee. Um so erstaunter war ich, als die Bedienung am Ende nur 16,- € von mir verlangte.
Während ich so auf der Terrasse saß sind auf mein Essen gewartet habe, kam plötzlich ein Mann auf einem schwarzen Hengst durch den Garten geritten. Er versuchte dann das Tier dazu zu bewegen, dass es die 3 Stufen zum Bungalow runterläuft. Das Pferd weigerte sich. Aussenrum und hoch war ok. Nur runter eben nicht. Er versuchte alles. Antreiben, mittendrin umdrehen, nichts hat funktioniert. Als ich das nächste Mal nach unten schaute war er abgestiegen, hatte die Zügel locker in der Hand und das Pferd tanzte laut wiehernd vor dem Fenster auf und ab. Jetzt war mir auch klar warum es die Treppe nicht hinunter wollte. Es dachte, hinter der Scheibe steht ein anderes Pferd. Die ganze Vorstellung kam mir etwas komisch vor. Keine Ahnung was er damit bezweckte. Aber nicht nur ich fand das ganze komisch. Alle möglichen Leute standen im Garten und fingen an auf ihn einzureden. Der Kellner wollte wohl, dass er geht. Er weigerte sich allerdings. Er ritt wieder nach oben in den Garten, die Leute wurden immer lauter. Es gab laute Diskussionen. Leider alles auf Spanisch. Es war schon komisch, keine 10 m daneben zu sitzen und Suppe zu löffeln. Irgendwann saß er auf einer Bank und das Pferd neben ihm. Da tauchte der Manager? der Anlage auf. Zumindest benahm er sich so. Er sagte dem Reiter auf der Bank, dass er 1 Minute hat um zu verschwinden. Dieser blieb sitzen. Kurz darauf tauchten 2 Beamte der Guardia Civil auf. Einer bewachte den Reiter auf der Bank, der andere ging nach drinnen um mit dem Manager zu reden. Dann kam er raus und sagte sehr bestimmt: Mittkommen. Die 3 liefen zur Straße undredeten miteinander. Irgendwas hatte er wohl verloren bei seiner Akrobatennummer. Die Polizisten suchten mit ihm zusammen noch irgendwas im Garten. Irgendwann waren dann alle verschwunden und die Leute beruhigten sich wieder. Bei meinem Gang durchs Dorf kam er mir nochmal entgegen.
Reiten konnte er aber was ihn geritten hat weiß ich nicht.Okumaya devam et
Gozar
1–2 Haz, Ispanya ⋅ ☀️ 25 °C
Die Nacht war nicht wirklich angenehm. Ich glaube, irgendwas war im Essen das ich nicht vertragen habe. Der linke Fuß juckte, mir war warm. Nicht von außen, sondern mehr von innen. Ein bisschen wie Hitzewallungen aber irgendwie anders. Auf jeden Fall bin ich deswegen nicht gut aufgewacht und war wieder die Letzte.
Die Tür zum Zimmer lag in Richtung Jakobsweg. So konnte ich schon vor dem Loslaufen die Lage beobachten. Wie zu erwarten waren viele Leute unterwegs. Irgendwann regte ich mich ein und lief mit. Es war ein bisschen wie im Freizeitpark. Viele Menschen mit Rucksäcken laufen on die selbe Richtung und an jeder Attraktion (hier Bar) bogen einige ab und es wurde kurz ein bisschen leerer.
Stempelstelle? Anstehen. Irgendwann kam dann der 100 km-Stein. Ich habe ihn nicht fotografiert, denn auch hier hieß es anstehen. Alle wollten ein Bild.
Die Massen blieben bis nach Portomarin. Das war von vielen das Etappenziel des Tages. Ich hatte mich genau deswegen für eine Herberge 7 km weiter entschieden. Nachdem ich meine Mittagspause in einem kleinen Park beendet hatte, konnte ich wieder fast alleine den restlichen Weg durch den lichten Wald und die Wiesen bis zur Herberge laufen. Kurz vor 5 war ich endlich am Ziel.
Der Tag war wieder warm und sonnig aber auch sehr windig. So war dann die Wäsche schnell trocken. Vor dem Essen hatte ich sie aufgehängt. Danach konnte ich sie schon wieder abnehmen.
Der Pool in dieser Herberge war nicht zu gebrauchen. Ziemlich grün und mit kleinen Bewohnern. Dafür hatte ich wieder ein Einzelbett.Okumaya devam et
San Xiao
2–3 Haz, Ispanya ⋅ ☁️ 18 °C
Nach dem aufstehen und richten wollte ich gleich loslaufen. Ich hatte beschlossen, nur ein T-Shirt anzuziehen. Es sollte wolkig werden und ich musst du mir keine Gedanken um einen Sonnenbrand machen. Als ich in die Bar kam, war ich etwas verwundert, weil so viele Leute da waren. Der Blick aus dem Fenster brachte die Auflösung: es regnete. Dies ist für mich: Rucksack noch mal absetzen. Jacke und Regenschutz für den Rucksack raus, dafür den Sonnenhut weg packen.
So stapfte ich los. Irgendwann wurde es mir in zu warm und ich musste anhalten, um die Jacke wieder Rucksack zu packen. Es hatte ja auch zu regnen aufgehört. Klar ich hatte ja eine Regenjacke an…
Da ich nichts gefrühstückt hatte, hielt ich beim nächsten Regen an einer netten kleinen Bar, wo ich mir Crêpe und Kaffee gönnte. Ich hatte die Hoffnung, dass auch dieser Regen sich wieder verzieht bis ich meinen Kaffee getrunken hatte. Tat er nicht. Also Kaffee Nummer 2. Leider war auch danach der Regen noch nicht vorbei und ich musste wohl oder übel weiter.
Bis ich in Palas de Rei ankam, konnte ich dann tatsächlich wieder einen blauen Himmel mit Wolken sehen. Die Stadt ist ein bisschen größer und ich hatte die Hoffnung, dass ich im Supermarkt leckeres Obst für den Nachmittag finde. Das war leider eine Pleite. Das Obst war nicht wirklich frisch, dafür teuer. Zum Schluss habe ich eine Flasche Wasser mit Kohlensäure gekauft und bin weitergelaufen. Auch an diesem Nachmittag war es wieder fast leer auf dem Weg. So kam ich um 3 an meinem Ziel an. Ich wurde von der Herbergsmutter begrüßt und sie zeigte mir kurz wo alles ist. Ich war die erste im Zimmer und konnte mir so mein Bett aussuchen. Nach der üblichen Routine, habe ich mich dafür entschieden, dass ich einen Kaffee brauche. So holte ich mir an den Bar den obligatorischen Café con Leche und setzte mich in die Sonne. Von irgendwo her kam dann ein steinaltes Pärchen. Sie saß im Rollstuhl und er schob sie langsam an den Nebentisch. Er fragte sie etwas und sie brauchte einige Zeit bis sie sehr undeutlich irgendetwas antwortete. Ich habe absolut nichts verstanden aber er offensichtlich schon. Sie trank dann ein Glas Orangensaft, er ein Glas Wein. Danach bestellte er das Selbe nochmal. Nach der Hälfte waren beide so erschöpft, dass sie mehrmals am Tisch einschliefen. Ich war in der Zwischenzeit beim Abendessen angekommen, als er seine Frau wieder ganz langsam nach Hause schob.
Wieder im Zimmer, stellte ich erfreut fest, dass sich niemand das Bett über mir ausgesucht hatte. Somit sollte es eine ruhige Nacht werden auch wenn noch 4 andere im Raum schliefen.Okumaya devam et
Arzúa
3–4 Haz, Ispanya ⋅ ☁️ 18 °C
Von wegen ruhige Nacht. Es war zwar leise im Zimmer aber ich konnte nicht schlafen. Erst gegen 11. Dann hat mich meine Blase mehrmals geweckt und ich mich mehrmals geweigert aufzustehen. Um 4 Uhr nachts ging es dann nicht mehr. Ich musste also aus dem Zimmer in den Flur. Dort ging das Licht automatisch an und beleuchtete auch den Schlafraum, denn irgendjemand fand es eine gute Idee dort eine Glastüre zu installieren. Danach lag ich dann im Bett und konnte 1 Stunde nicht mehr einschlafen. So war es auch nicht verwunderlich, dass ich erst um kurz nach 7 aus dem Bett gekrochen bin. Da waren gerade die letzten beiden Pilger am Gehen. Auch gut. In der Bar habe ich mir dann noch einen Kaffee und ein Stück Schokokuchen gegönnt bevor ich mich draußen wieder in den Pilgerstrom eingereiht habe.
Es war kühl und wolkig aber ohne Regen. Es ging durch einige kleine Dörfer, meist auf geschotterten Wegen. Mal sah es aus wie zuhause, mal wie in der Lüneburger Heide.
In Melide versorgte mich im Supermarkt mit Brötchen, Käse und Obst das ich dann auf einer Bank einverleibte.
Anders als die letzten beiden Tage, riss der Pilgerstrom auch nach Mittag nicht ab. So erreichte ich am Nachmittag meine Herberge in Arzúa. Ich bekam dieses Mal ein oberes Bett. In dieser Herberge gab es wieder Schuhschachtelbetten mit Schubladen für den Rucksack unter dem Bett. Immer in 4-er Abteilen.
Nach dem Duschen war ich todmüde und habe mich ein wenig zum Mittagsschlaf hingelegt. Dabei ist mein Kreislauf wieder so in den Ruhemodus gegangen, dass mir hinterher kalt war und ich bis fast 9 Uhr gebraucht habe um mich wieder aus dem Bett zu schälen um mir ein Abendessen zu besorgen.Okumaya devam et
O Pedrouzo
4–5 Haz, Ispanya ⋅ ⛅ 18 °C
Die Nacht war erholsam. (Wenn man von der pupsenden Bettnachbarin absieht) Der Morgen dafür grau und regnerisch. Kaum war ich losgelaufen, fing der Himmel an zu weinen. Zuerst war es nur ein feiner Sprühregen. Dieser entwickelte sich dann aber zu einem Dauerregen mit ordentlichen Tropfen. Dazu gab es Temperaturen um die 15 Grad. Ich weigerte mich trotzdem meinen Poncho aus dem Rucksack zu zerren und lief in Regenjacke weiter. Nach einer Stunde war der Spuk dann auch vorbei. Der Regen hörte auf und ab und zu kam sogar die Sonne raus. Das Ganze wiederholte sich dann den ganzen Tag.
So war die vorletzte Etappe dann Zwar etwas feucht aber von den Temperaturen her sehr angenehm zu gehen. O Pedrouzo ist der letzte Übernachtungsort vor Santiago. Ich wäre gerne noch ein bisschen weiter gelaufen aber das wären nochmal knapp 10 km bis zur nächsten annehmbaren Herberge gewesen. Eindeutig zu viel.
Als ich an der vermeintlich gebuchten Herberge annahm, schaute mich der Mitarbeiter groß an und bezweifelte, dass ich eine Reservierung hätte. Er hatte tatsächlich recht. Seine Kollegin hatte mir geschrieben dass ich nicht übernachten kann. Ich sollte meine Mails besser lesen. Die Herberge daneben ausgebucht und ich sah mich doch noch weiterlaufen. Ich habe tatsächlich kurz überlegt ob ich einfach heute schon bis Santiago laufen soll. Das habe ich dann aber schnell verworfen.
Also auf zur nächsten Herberge. Zum Glück gab es dort noch freie Betten. Nicht, dass ich am vorletzten Tag doch noch unter einer Brücke hätte schlafen müssen… ;-)Okumaya devam et
Santiago de Compostela
5–7 Haz, Ispanya ⋅ ☁️ 18 °C
Die letzte Etappe nach Santiago. Noch knapp 20 km. Da wollte ich mir keinen Stress machen. Wahrscheinlich dachte sich meine Blase deswegen: Hey! Dann wecken wir sie doch mal bevor der Wecker klingelt. Ok. Dann mal los. Pipi, anziehen, Sachen packen.
Um halb acht ging es los. Eigentlich wollte ich nicht. Es hatte gerade mal 6! Grad. Kurz vor Strassenglätte. Und das im Juni.
Der erste Kilometer war fast leer, da der Weg oben am Dorf vorbeiführt und alle auf der Straße durchs Dorf weiterliefen. Danach war es fast wie immer.
Ich reihte mich also wieder in den Pilgerstrom ein und lief und lief. Irgendwie zog es sich ein bisschen. Die Landschaft war schön. Der Weg angenehm. Immer wieder durch den Wald und im Schatten. Wie zu erwarten wurde mir mach den ersten Kilometern warm und ich zog meine Jacke aus. Nach 1 Stunde kam dann auch die Sonne raus.
Als ich nach über 10 km endlich an der Landebahn des Flughafens vorbei kam, war ich ein bisschen enttäuscht. Man sah keine Flugzeuge. Anders als in Stuttgart sieht man hier nur Bäume und am Ende der Startbahn eine Grüne 10m hohe Wand. Ich konnte es dann auch nicht lassen vollends zum Terminal zu laufen und mich kurz umzusehen. Außerdem wollte ich checken ob mein Rucksack passt. Wie befürchtet ist er zu groß. Dann muss ich doch ein Paket nach Hause schicken und ganz viele Souvenirs kaufen weil ich ja 2 Handgepäckstücke gebucht habe. Schwabe bleibt Schwabe.
Wieder auf dem Weg zurück hielt ich dann in der nächsten einigermaßen freien Bar für einen Kaffee. Dann war ich auch schon am Monte de Gozo. Hier gibt es eine riesige Herberge und man sieht zum ersten Mal die Türme der Kathedrale.
Zuerst hieß es aber nochmal 5 km durch die Stadt. Irgendwann kommt man an der Altstadt an. Dann nur nochmal den Berg hoch, den Berg runter, dich den Tunnel mit dem Dudelsackspieler und tadaaa.
Da war der Platz an der Kathedrale im schönsten Sonnenschein. Mein Weg war zu Ende. Vor 13 Jahren war ich in Winnenden losgelaufen. Jetzt war mein Jakobsweg zu Ende. Ich habe mich an eine der Säulen gesetzt, die Menschen auf dem Platz beobachtet und 2-4 Tränchen verdrückt. Nicht aus Traurigkeit sondern vor Rührung.
Ich hatte schon zig Bücher darüber gelesen, Podcasts angehört oder Videos geschaut. Jetzt endlich selber auf diesem Platz zu stehen war wirklich komisch. So richtig begreifen konnte ich es noch nicht. Zum Glück „darf ich noch bis zum Meer laufen. Aber erst gibt es einen Tag Pause.
Die Herberge war nur 200 m vom Platz weg. Nachdem ich mich etwas erholt hatte, bin ich zum Einchecken dorthin. Duschen, ausruhen, was essen gehen. Danach war der Tag auch schon wieder um.Okumaya devam et
Pausentag in Santiago
6 Haziran, Ispanya ⋅ ⛅ 19 °C
Heute war ein Pausentag angesagt. Das hieß für mich: Ausschlafen und dann mal schauen. Ich hatte für den Nachmittag eine Tour aus das Dach und den Turm der Kathedrale gebucht. Bis dahin war noch nix fix.
Um halb 8 klingelte also der Wecker und ich blieb einfach noch ein bisschen liegen. Um halb 10 habe ich dann die Herberge in Richtung Altstadt verlassen. Ich hatte gelesen, dass es eine Markthalle gibt und man dort wohl auch essen kann. Markthalle war zwar in Betrieb. Restaurants aber noch zu. Trotzdem war es interessant zu sehen was es in Spanien so allen zu kaufen gibt. Neben Obst und Gemüse auch viel Fleisch in allen Varianten. Außerdem Fisch und anderes Meeresgetier. Es war nicht eine große Halle sondern mehrere längere Hallen. Diese waren thematisch geordnet. Beim Einkaufen bestimmt von Vorteil.
Danach lief ich durch die Altstadt, sah mir diverse Geschäfte an und hatte mir extra einen Timer gestellt weil ich um 12 Uhr in die Messe wollte. Ich hatte gehört, dass man mindestens eine halbe Stunde vorher da sein soll. Ich war eine halbe Stunde vorher da und musste stehen. Von der Messe habe ich wieder nichts verstanden weil ich vergessen hatte den Übersetzer runterzuladen. Aber der Bufatomero wurde geschwenkt. Da war ich über meinen Platz dann doch nicht ganz unglücklich. Ich werde einfach kein Weihrauchfan mehr. Zum Glück bin ich evangelisch.
Danach habe ich mich mit den Damen und Herren der deutschsprachigen Pilgervertretung unterhalten. Jetzt soll ich schöne Grüße an unsere Pfarrerin ausrichten. Und an Martin Becker. Die Welt ist eben doch ein Dorf.
Auf der Suche nach einem Mittagessen war ich im 3. Anlauf erfolgreich. Ich hatte ja die Führung gebucht und deswegen nicht ewig Zeit. Bei den ersten beiden hätte ich mich auf die Liste setzen lassen können. Das war mir aber zu heikel. Im 3. Restaurant gab es gleich einen Tisch und ich konnte endlich das Nationalgericht probieren. Pulpo a feira. War eine Erfahrung. Wird nicht mein Lieblingsgericht.
Die Führung auf die Dächer war dafür super. Sie war auf Englisch, und der Guide hat das prima rübergebracht. Von oben konnte man fast die ganze Altstadt überblicken. Danach ging es noch auf den Turm. Insgesamt waren es 150 Stufen.
Im Ticket war auch der Besuch im Museum dabei dort habe ich leider nur gucken können. Viel Erklärung gab es nicht. Höchstens ein Schildchen mit dem Titel. Der Dudelsackspieler vom Durchgang war auch hier zu hören. Der steht tatsächlich den ganzen Tsg in der Unterführung und dudelt. Der muss ja schon taub sein.
Das Einkaufszentrum in das ich dann gehen wollte gab es nicht. Oder ich war zu doof. Auf dem Weg zurück zur Herberge geriet ich dann mal wieder in irgendein Fest. Irgendwas wurde 50 und die Leute liefen mal wieder durch die Gegend als ob die 70/80er wieder da wären.
Eigentlich wollte ich noch in die 21:30 Uhr Messe, hab dann aber den hintern nicht rechtzeitig hoch bekommen. Aber den Schatten des Pilgers konnte ich mir nicht entgehen lassen.Okumaya devam et
Negreira
7–8 Haz, Ispanya ⋅ ⛅ 23 °C
Die Nacht war zwar zu kurz aber hilft ja Nix. Es ging weiter Richtung Meer.
Die ersten Meter ging es durch die Stadt. Danach wechselten sich Waldstücke mit kleinen Dörfern ab. Hier und da gab es schöne Aus- und Ansichten. Trotzdem war das Laufen anstrengend. Bergauf meldete sich das rechte Knie bei jedem Schritt. Der lange Aufstieg mit 2 km und 10% stand erst noch bevor. Also ließ ich an einem schattigen Rastplatz ohne Beobachter die Hosen runter und zog meine Kniebandage an. Das machte die Sache leider nur ein wenig besser. Mein linker Fuß tat auch zunehmend weh.
Getreu dem Motto: Pläne sind da um geändert zu werden, beschloss ich irgendwann, dass ich den Pilger in mir jetzt ad Acta lege und am nächsten Tag den Bus Richtung Muxia nehme.
Zuerst musste ich aber noch bis zur Herberge in Negreira wackeln. Die Temperatur war inzwischen wieder auf 25 Grad gestiegen und die Sonne brannte vom Himmel. So kam ich irgendwann durchgeschwitzt dort an, bekam mein Zimmer und ging duschen.
Dann machte ich mich an die Planung der nächsten Tage. Negreira war der letzte Ort von mit öffentlichem Nahverkehr. Somit erübrigte sich die Überlegung ob ich nicht doch noch 1 Etappe laufen möchte.
Der erste Bus fuhr um 9:50 Uhr und war leider ausverkauft. Der nächste Bus fuhr 2 Stunden später, war aber doppelt so schnell da er direkt und nicht über Fisterra fuhr. Ich fand die erste Möglichkeit sehr attraktiv, da ich so schon einen Blick auf mein Ziel in 3 Tagen werfen könnte. Ich beschloss also einmal mehr, mein Glück herauszufordern und einfach zur Bushaltestelle zu laufen. Falls es nicht klappen würde, könnte ich immernoch den späteren Bus nehmen.
Bei der Unterkunft in Muxia war ich wiedereinmal hin und her gerissen. Ich wollte einen garantieren Meerblick. Diesen aber nicht auf der Hafenseite und Bucht, sondern in Richtung offenes Meer. Wenn schon denn schon. Da es noch genügend freie Zimmer gab, schon ich diese Entscheidung einfach auf Montag.Okumaya devam et
Muxia
8 Haziran, Ispanya ⋅ ☁️ 18 °C
Als ich mich am Morgen um 7 Uhr aus dem Bett erhob waren alle anderen in meinem Zimmer schon auf und davon. So konnte ich I. Ruhe meine Sachen packen und meinen Tag weiter planen. Um Punkt 8 saß ich dann vor der Herberge und Band meine Schuhe. Als erstes musste ich herausfinden wo sich die Haltestelle befindet. Ich lief also aufs geradewohl von der Herberge, die etwas außerhalb lag, in die Stadtmitte und begann dann zu recherchieren. Nach kurzer Zeit fand ich die Adresse und die Tatsache, dass sie sich direkt vor einer Bar befand, machte die Sache perfekt. Ich hatte ja noch eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt. Also erst einmal einen Café con leche und einen Donut. Ein richtiges Frühstück gab es hier leider nicht. So konnte ich bei einem Kaffee ganz entspannt beobachten wie das mit Bus in Spanien so vor sich geht.
Alles ganz entspannt wie immer. Teilweise stieg der Busfahrer aus und trank noch schnell einen Kaffee in der Bar bevor es weiterging. In einem anderen Bus entschied sich eine Mitfahrende kurzfristig auszusteigen um ein paar Süßigkeiten in der Bar zu kaufen. Der Barmann brauchte allerdings so lange für die Verpackung, dass ich schon dachte der Buss fährt ohne sie weiter. Der Busfahrer wusste aber offenbar Bescheid und hupte kurz. Als es Richtung Abfahrtszeit ging und ich mein Frühstück bezahlte, stellte ich fest, dass ich nicht die Einzige mit der Idee Bar und Bus war. So standen dann ca. 10 Menschen vor der Bar als ein Bus kam. Die Barfrau war dann so nett und zu informieren, dass der erste Bus nicht nach Muxia sondern nach Santiago fährt. Der 2. Bus kurz danach war denn der Richtige und der Versuch mit „Ich stelle mich einfach an die Haltestelle“ hatte geklappt.
Im Bus musste ich mich dann endgültig entscheiden wo ich die Nächten 2 Nächte schlafen möchte. Ich war hin und hergerissen zwischen einem Hotel mit Meerblick und einer Ferienwohnung direkt am Meer. Meine Entscheidung fiel dann auf die Ferienwohnung. Keine schlechte Entscheidung wie ich später Schals ich am Hotel vorbeilief.
So kam ich kurz nach 12 in Muxia an und lief als erstes zur Kirche am Ende der Landzunge. Diese hatte ich schon 100 mal auf Bildern gesehen und es war auch hier wieder ein komisches Gefühl plötzlich davor zu stehen. Die Luft roch ganz leicht nach Meer und der Atlantik der sich beim letzten Besuch vor 5 Jahren eher wie ein ruhiges Mittelmeer verhalten hatte, war hier deutlich unruhiger. Vor der Kirche konnte man über das Meer schauen und sah bis zum Horizont nichts als Wasser.
Nachdem ich dort ein paar Fotos gemacht hatte ging es zur Ferienwohnung. Die war wie beschrieben. Wohnküche Schlafzimmer Bad und direkt über der Straße das Wasser. Es roch ein bisschen muffig. Also erstmal lüften.
Dann habe ich ein wenig das Dorf erkundet und war einkaufen. Das Dorf ist nicht allzu groß und außer Meer gibt es hier viele Bars und Restaurants sowie eine Hand voll Läden. Das war’s.
Abends ging es dann wieder zur Kirche zurück. Hier kann man wunderbar den Sonnenuntergang zusammen am tosenden Meer genießen.
Auch der zweite Tag war recht ruhig. Ausschlafen, Kaffee trinken, Kuchen essen, Knoblauchbrot backen und am Meer entlang schlendern. An dem kleinen Sandstrand direkt bei der Ferienwohnung ging ich dann auf die Suche nach Muscheln. Leider ohne Erfolg. Dafür fand ich vom Meer geschliffene Glasscherben.
Auch am zweiten Abend hatte ich Glück und das Wetter war gut. So ging es noch mal zum Sonnenuntergang gucken. Um kurz nach 10 Uhr waren in der Stadt dann auch die Bürgersteige hochgeklappt. In der Ferienwohnung packte ich dann noch meine Sachen zusammen, so, dass ich am nächsten Morgen nur gehen musste.Okumaya devam et
Fisterra
10–12 Haz, Ispanya ⋅ ⛅ 15 °C
Jetzt war es so weit. Meine Reise steuerte aufs Ende zu und ich wollte noch ans Ende der Welt nach Fisterra. Für die vorletzte Nacht hatte ich mir hier ein teures Zimmer im Hotel direkt am Kap gegönnt. Doch zuerst durfte ich noch 1 Nacht im Ort selbst verbringen. Der Bus von Muxia nach Fisterra fuhr um 8:34 und ich hatte schon die Befürchtung, dass ich ihn verpasse. Es hat dann aber doch mit einer Punktlandung gereicht.
In Fisterra angekommen war schon wieder schönster Sonnenschein. Nach der Hektik am Morgen gönnte ich mir einen Kaffee und ein Stück Kuchen in einem netten kleinen Café in der Nähe der Busstation. Danach ging es gleich zum Hotel um einzuchecken. Dies war dort schon um 10 Uhr möglich, was mir sehr entgegen kam. Allerdings musste ich am nächsten Tag auch um 9:00 Uhr das Zimmer wieder verlassen. Dies machte mir mehr Sorgen, da ich im Hotel am Kap erst um 15:00 Uhr einchecken konnte.
Den Tag verbrachte ich damit, den Ort zu erkunden. Es gab einen kleinen Sandstrand direkt im Ort und 2 größere Strände ein ca 2 km entfernt. Der ganze Ort war größer und mehr auf Touristen eingestellt als Muxia. Es gab auch hier viele Bars und Restaurants. Allerdings war der Platz direkt am Hafen deutlich einladender. Fast hätte ich für 17 Uhr eine Bootstour durch die Bucht gebucht. Zum Glück tat ich es nicht, denn als ich um diese Uhrzeit an der Hafenpromenade saß, sah ich, dass diese Bootsfahrt nicht stattfand.
In einem Geschäft, fand ich dann eine Tasche welche die passende Größe für mein 2. Handgepäck hatte. Dazu kaufte ich gleich ein paar Dinge für in die Tasche. Das Wetter war traumhaft und so vertrödelte ich den Rest des Tages mit Kaffee trinken, Kuchen essen und planlos durch die Gegend laufen.
Für den 2. Tag entschied ich kurzerhand, dass ich nach Muxia zurückfahre um nochmal im Klamottenladen zu stöbern. Das wollte ich eigentlich am 2. Tag dort machen und hatte vor lauter Wäsche waschen, Knoblauchbrot backen und Nix machen einfach vergessen. Es ist nicht einfach wenn man manchmal etwas durcheinander ist. In einem ähnlichen Laden in Fisterra hatte ich leider nichts gefunden.
Der Bus hin fuhr um 9:45 Uhr. Zeit genug um auf dem Weg zur Bushaltestelle noch in einem Café zu halten und zu frühstücken. Dann Kleidung schoppen und um 12:04 zurück nach Fisterra. Das ganze hat 1A hingehauen. Ich bin mit einigen neuen Oberteilen und einer neuen Hose zurückgefahren und war perfekt da um zu meinem zweiten Hotel zu laufen. Jetzt eben mit Rucksack und Tasche. Rechter Arm, linker Arm, rechte Hand, linke Hand. Irgendwann waren die 3 km auf dem sonnigen Weg bergauf geschafft und ich stand um kurz vor 3 Uhr an der Hoteltür. Ich wurde hereingelassen und eine ziemlich müde wirkende junge Frau hat mit mir den Checkin erledigt. Sie hat mir dann auch gezeigt wo das Frühstück serviert wird, wo ich mein Zimmer finde und wie ich es öffne. Dann stand ich in meinem 4! Quadratmeter großen Zimmer mit 2,5 Quadratmeter Bad. Immerhin. Es gab je ein Fester pro Raum und vom Bett aus eine traumhafte Aussicht auf die Bucht.
Lage ist hier alles.
Nachdem ich inspiziert hatte was es alles in Zimmer und Bad gab, begann ich das Kap zu erkunden. Leider waren noch zu viele Touristen vor Ort. Diese werden mit organisierten Bustouren einmal die Küste entlanggefahren und an den sehenswerten Stellen kurz rausgeschmissen um Bilder zu machen. Somit entschied ich mich für eine Ruhepause. Schließlich gab es noch genug Zeit und später auch hier noch einen Sonnenuntergang der fotografiert werden musste. Dies tat ich dann auch ausgiebig bevor ich schlafen ging. Leider waren alle Zimmer direkt am Treppenhaus. Von dort ging schloss sich die Galerie an unter der die Bar war und von dort kam einiges an Lärm. Dazu konnte ich das Fenster im Bad nicht schließen und draußen windete es ganz schön. Die Tür zum Bad zu schließen war aber auch keine gute Idee, dann dann fing sie an zu klappern. Irgendwann bin ich dann trotzdem eingeschlafen.Okumaya devam et








































































































































































































































































































































































































































