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Going to Finn Part 3

Wir wollen ohne zu fliegen (soweit möglich) von München nach Korea und weiter nach Australien. Dort ist vor einem Jahr unser Enkel Finn zur Welt gekommen. Die Reise hat also zwei Teile, und dies ist der Teil von Korea nach Melbourne. Read more
  • Tag 163 - Bali

    December 5, 2025 in Indonesia ⋅ ⛅ 30 °C

    Arnd:
    Nachdem wir den halben Vormittag verbummelt hatten und uns entschlossen haben, nicht die berühmten Reisterassen anzuschauen (haben wir unterwegs schon zur Genüge gesehen) und auch nicht in den Affenpark zu gehen (die sollen manchmal beißen und das können wir gerade gar nicht gebrauchen) haben wir mal wieder einen Kulturtag eingelegt und sind erstmal ins Museum gegangen.

    Das Museum Rudana ist von einem privaten Spender 1995 gebaut worden und zeigt hauptsächlich Werke von indonesischen Künstlern nach der Befreiung von den Niederländern. Es war sehr beeindruckend, die Fotos geben das nicht gut wieder.

    Wir waren die einzigen Besucher und ein Mitarbeiter hat uns immer wieder wichtige Dinge gezeigt und sogar die auch ausgestellten Gamelan Musikinstrumente für uns erklingen lassen. Wunderbar.

    Im einem Film hört man die runden glockenartigen Teile. Einzeln haben sie eine klare Tonhöhe. Das ist nicht selbstverständlich. Anders geformte Blech-Schlaginstrumente klingen eher scheppernd. Damit ein Instrument mit einer flächigen Form überhaupt eine klare Tonhöhe hat, muss es eine sorgfältig gewählte Form haben.

    Wenn man sich die Tonhöhen anhört, dann kommen sie einer Fünftonskala (nur die schwarzen Tasten auf dem Klavier) nahe. Das ist das, was Debussy daraus gemacht hat, nachdem er diese Musik auf einer Weltausstellung gehört, seine Musik aber weiterhin für westliche Instrumente geschrieben hat.

    Aber die Tonhöhen klingen hier unsauber, als ob das Instrument verstimmt wäre. Es ist aber so, dass nur durch diese Verstimmung, der Zusammenklang von mehreren solcher Instrumente einigermaßen harmonisch klingt. Die Verstimmung ist also auch sorgfältig gewählt.

    Für den Abend hatten wir ein Ticket gebucht für eine traditionelle Tanzvorführung, die von einem Gamelanorchester begleitet wird. Dies fand in einer Einrichtung statt, die auch von einem Privatmenschen aufgebaut worden ist und sowohl ein Kunstmuseum, als auch ein Resort für Touristen enthält. Um zur Bühne zu gelangen mussten wir lange durch dieses ausgedehnte Resort laufen, es ist extrem luxuriös. Hea-Jee meinte, wenn man da wohnt braucht man den Rest des Ortes eigentlich nicht.

    Wir kamen ziemlich früh und waren die ersten Zuschauer. Bis kurz vor der Aufführung sah es so aus, als ob wir auch die einzigen bleiben würden. Dann kamen zum Glück noch 4 andere Zuschauer, so dass die erste Stuhlreihe einigermaßen besetzt war.

    Das gegebene Stück ist wohl eine alte indische Sage und normalerweise würde die Aufführung wohl viele Stunden dauern. Für diese regelmäßige Veranstaltung für Touristen haben sie es auf 45 Minuten gekürzt. Auch dies war sehr eindrucksvoll. Die Tänzer und Musiker haben sich auch über uns gefreut und wir durften zum Schluss mit ihnen ein Foto machen.

    Hea-Jee:
    Ich war im Rudana Museum und habe mir sowohl die traditionelle indonesische Kunst als auch die moderne Kunst angeschaut. In der modernen Kunst gab es viele Werke, die traditionelle Motive mit westlichen Maltechniken verbanden. Trotzdem fühlten sie sich nicht wie westliche Bilder an, weil die Atmosphäre irgendwie anders war. Zum Beispiel zeigte ein Werk mit dem Titel „Freude der Liebe“ Tänzerinnen in gelber Kleidung, und es hatte etwas Traumhaftes an sich. Auch „Meditation“ wurde durch Tänzerinnen in roten Gewändern dargestellt. Wie schon in Museen in Laos und Thailand hatte ich auch hier wieder das Gefühl, dass Indonesien – obwohl das Land arm sein mag – kulturell genauso entwickelt ist wie die fortgeschrittenen Länder.

    Bei der traditionellen Kunst war ich allerdings etwas beunruhigt, denn außer einigen wenigen Werken aus dem späten 19. Jahrhundert war kaum etwas zu sehen. Ist vielleicht alles den Angriffen fremder Mächte zum Opfer gefallen und verbrannt? Gibt es das nur in diesem Museum nicht, aber woanders schon? Kann es sein, dass es vor dem späten 19. Jahrhundert überhaupt keine Kultur gab? Und wenn jemand das einfach behauptet, wie soll man widerlegen, dass es nicht so war? Schon auf der Straße fielen mir fast nur kolonialzeitliche westliche Gebäude als „indonesische Kulturgüter“ ins Auge, was mich etwas nervös machte. Als jemand, der schon oft gehört hat, das „unterentwickelte“ Korea sei angeblich erst durch die japanische Kolonialzeit vorangekommen, war ich wohl ein bisschen vorbelastet und mein Adrenalin schoss hoch bei dem Gedanken, dass westliche Leute etwas Ähnliches über Indonesien sagen könnten.

    Doch dann hat mir ein freundlicher Mitarbeiter die traditionellen Instrumente vorgespielt, und meine Sorge löste sich. So wie Arnd oben erklärt hatte: Um ein Instrument zu bauen, das so präzise Klänge hervorbringt, braucht es einen hochentwickelten musikalischen Sinn und eine lange angesammelte technische Fertigkeit. Gibt es einen klareren Beweis dafür, dass Indonesien eine hochstehende traditionelle Kultur besessen hat?

    Das Rudana Museum lag in einem wunderschönen Garten. Der Garten ging in grüne Reisfelder und offene Landschaft über, und der Ausblick durch die großen Fenster des Museums war wirklich beeindruckend. Durch das Museum war der ganze Stress, den ich gestern wegen des Verkehrs in Bali hatte, wie weggeblasen.

    Am Abend ging ich zu einer traditionellen Tanzaufführung. In der Mitte tanzten die Tänzer und Tänzerinnen, auf beiden Seiten saß das Orchester, und vor dem Orchester rechts saßen zwei Sänger und zwei Sängerinnen mit Mikrofonen, die das aussprachen bzw. sangen, was die Tänzer und Tänzerinnen sagen sollten. Irgendwie erinnerte mich das an unser koreanisches Changgeuk. Die Gamelan-Musik klang wie eine Disharmonie und war doch harmonisch, wirkte einfach und gleichzeitig geheimnisvoll – selbst wenn sie sich wiederholte, wurde sie nie langweilig.

    Die Tanzbewegungen, die Gefühle besonders mit Händen und Füßen ausdrückten, zogen mich völlig in ihren Bann. Ich schaute vom Anfang bis zum Ende hochkonzentriert zu. Einer der Gründe, warum ich mich so gut konzentrieren konnte, war ein anderer: Am Vormittag hatte ich im Rudana Museum Bilder gesehen, die die indische Ramayana-Saga darstellten, und Arnd hatte mir gesagt, dass die heutige Aufführung genau das Ramayana sein würde. Deshalb hatte ich mir die Bildbeschreibungen genau durchgelesen und ChatGPT gebeten, mir die Handlung zu erklären, was mir half, die Aufführung besser zu verstehen.

    Das Resort, in dem die Aufführung stattfand, war riesig, fast wie ein ganzes Dorf, und die Landschaft war unglaublich schön. Es gab dort Cafés, Restaurants, sogar ein Museum für moderne Kunst, und die Umgebung bot Wälder, Bäche und Reisfelder. Ich weiß nicht, wie teuer es ist, dort zu übernachten, aber bei dem chaotischen Verkehr draußen dachte ich, dass es vielleicht angenehm wäre, sich einfach hier einzukapseln, Kultur zu genießen und sich zu erholen. Aber das wäre dann eine Reise, bei der man das wirkliche Indonesien nicht zu Gesicht bekommt.
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  • Tag 164 - Flug nach Darwin, Australien

    December 6, 2025 in Australia ⋅ ☁️ 27 °C

    Arnd:
    Heute müssen wir zum zweiten Mal auf dieser Reise fliegen, weil es keine andere Möglichkeit gibt. Um den Flug möglichst kurz zu machen, fliegen wir von Bali nach Darwin in Australien. Darwin liegt auf der Nordseite von Australien etwa in der Mitte und hat etwa 120 000 Einwohner. Die nächste größere Stadt ist Cairns und ist etwa 1700km Luftlinie entfernt. Von Bali aus ist Darwin die nächste erreichbare Stadt in Australien. Bali ist ein beliebtes Ziel für australische Touristen und deshalb gibt es auch einen direkten Flug von Bali nach Darwin von Air Asia, einer Malaysischen Billigfluglinie.

    Der Flug ging um 12:00. Wir haben in unserer Unterkunft bei der Rezeption gebeten, uns ein Auto zum Flughafen zu organisieren, der etwa 35km entfernt war. Sie haben uns empfohlen, schon um 7:00 aufzubrechen, weil der Verkehr später so schlimm würde. Um 8:00 waren wir nach einer entspannten Fahrt am Flughafen.

    Außer dass ich nie einen so engen Sitzabstand erlebt habe, verlief der Flug unspektakulär. Für die Einreise muss man sich mehrere Tage vorher online anmelden und im Flieger nochmal einen Papierzettel ausfüllen. Tatsächlich ging es dann aber sehr schnell und ohne Probleme. Leider habe ich auch hier keinen Stempel in den Pass bekommen.

    Unser Hotel liegt in der Innenstadt und nah bei der Busstation, von der wir am Montag abfahren. Gleich nach der Buchung bekam ich eine Nachricht, dass der Pool leider vor kurzem durch einen Zyklon zerstört worden ist. Zyklone, Hurrikane und Taifune sind alles tropische Wirbelstürme. Je nach Weltgegend heißen sie nur anders. Einige andere Schäden von diesem Zyklon konnten wir auch noch sehen, vor allem entwurzelte Bäume.

    Abends bei der Restaurantsuche hat Hea-Jee sofort die Koreaner entdeckt. Also sind wir koreanisch essen gegangen und es war gut.
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  • Tag 165 - Darwin

    December 7, 2025 in Australia ⋅ ☁️ 31 °C

    Arnd:

    Im Moment ist Sommer in Darwin und da ist es schon sehr unangenehm schwül-heiß. Deshalb ist derzeit auch keine Touristensaison und diverse Angebote für Touristen finden jetzt nicht statt. Wie immer sind wir auch hier nicht gut vorbereitet und agieren eher spontan. Morgens habe ich den Plan gemacht, zuerst in den Botanischen Garten zu gehen, solange es noch nicht zu heiß ist und danach in das in der Nähe gelegene Museum der Northern Territories zu gehen. Dort gibt es auch ein Café in dem wir zu Mittag essen können.

    In Darwin gibt es ein Busnetz und die Benutzung ist kostenlos. Sie fahren so etwa zweimal pro Stunde. Eine Linie hält in der Nähe unseres Hotels und in der Nähe des Botanischen Gartens, wobei da zwei Stationen in Frage kamen.

    Im Bus saß ich auf der Fensterseite und berührte die Außenwand des Busses. Die war sehr heiß, kurz vor der Verbrennungsgefahr. Die Klimanalage kämpfte wacker dagegen an. Dann hat uns der Bus einen Strich durch die Planung gemacht. Ich hatte, gedacht, dass wenn es eine Haltestelle auf der einen Straßenseite gibt, dann gibt es auch eine auf der anderen. Dem war aber nicht so. Dort wo wir aussteigen wollten hielt der Bus einfach nicht. Die nächste Station war beim Museum.

    Also Planänderung: Wir gehen gleich ins Museum. Dort gab es eine ganze Reihe von Ausstellungen, die sonst in verschiedenen Museen sind. Zunächst haben sie eine jährlich wechselnde Ausstellung von Kunst von Aboriginal People. Es gibt eine Jury, die die Werke auswählt und es gibt auch ein paar jährlich vergebene Preise. Ich fand es sehr beeindruckend und mich hat erstaunt, wie vielfältig die Werke waren. Zu jedem Werk gab es einen Begleittext. Die waren durchweg im Tonfall sehr trauernd. Der Landverlust durch die Landnahme der Europäer ist eine permanente Wunde, die durch die Kunst verarbeitet werden soll.

    Dann kamen wir durch eine Ausstellung anlässlich des 50. Jubiläums von Zyklon Tracy (1974). Damals war ich 14 Jahre alt. Ich versuche, mich daran zu erinnern. Das muss auch durch die deutschen Medien gegangen sein, aber wahrscheinlich war es für mich einfach zu weit weg. Tracy kam am Weihnachtsfeiertag und war eigentlich nicht sehr groß. Die Menschen in Darwin kannten Zyklone und haben es nicht besondern ernst genommen. Viel Wind und Regen, was soll schon passieren? Tracy hat die Stadt nahezu vollständig zerstört. Der Australian Broadcasting Service (ABC) hat gleich in den ersten Tagen eine Dokumentation dazu gemacht, die hier gezeigt wurde.

    Die Gebäude waren dafür nicht ausgelegt und der Sturm hat sie meist in mehreren Schritten zerlegt. Erst flog das Dach weg, dann sind die Wände eingestürzt und schließlich hat es auch noch die Bodenplatte weggefegt. In der Ausstellung wurde das Geräusch beschrieben, das die Menschen gehört haben. Es kam von diesen Häuserteilen, die mit enormer Geschwindigkeit über den Boden geschrammt sind. Einige Menschen haben 6 Stunden ohne jeden Schutz draußen auf dem Boden gelegen. Nur nicht den Kopf heben. 66 Menschen sind gestorben.

    Ein erheblicher Teil der Einwohner wurde in den Süden Australiens evakuiert. Aber viele sind wohl zurückgekehrt. Darwin wurde wieder aufgebaut. Zum vierten Mal in seiner kurzen Geschichte. Zwei andere Zyklone und ein Bombardement durch die Japaner im zweiten Weltkrieg hatten die Stadt vorher auch schon dreimal zerstört. Man würde also erwarten, dass die Gebäude in Darwin mehrheitlich so etwa 50 Jahre alt sind. Die meisten sind aber wesentlich neuer. Darwin sieht im Zentrum sehr modern aus.

    Dann gab es noch drei Dauerausstellungen. Eine zeigte die Geschichte der Northern Territories, deren Hauptstadt Darwin ist, seit dem späten 19. Jhdt. Neben Europäern und Aborininee gab es noch eine große Chinesische Minderheit, die während eines Goldrausches in den 1870er Jahren hergekommen waren. Die wirtschaftliche Situation war lange sehr schwierig. Erst mit besseren Transportmöglichkeiten in der Luft und auch zu Land wurde es besser.

    Dann gab es eine Naturkundliche Ausstellung. Darin war u.a Sweetheart zu sehen. Ein riesiges Salzwasserkrokodil, das hier lange eine bestimmte Gegend unsicher gemacht hat. Sehr beeindruckend war auch ein Termitenbau.

    Und zum Schluss hatte man auch noch eine Sammlung von historischen Schiffen und Booten.

    Zwischendurch waren wir im Café und haben zu Mittag gegessen. Wir wollten eigentlich nicht viel essen und wollten uns deshalb eine Portion Pommes Frites (mit Aioli) teilen. Es gab kleine und große Portionen. Wir dachten uns, eine kleine Portion zu zweit ist sicher zu klein, also haben wir die große bestellt. Die hätte auch für vier Personen gereicht. Sie waren irgendwie gewürzt und das war sehr lecker. Sonst hätten wir sie wohl nicht aufgegessen.

    Dann war es draußen so heiß, dass wir nicht mehr in den botanischen Garten gegangen sind, sondern ins Hotel. Dort haben wir etwas Pinguintexte geschrieben. Muss auch sein, sonst kommen wir ins Hintertreffen.

    Gestern habe ich schon geschrieben, wie abgelegen die Stadt ist. Man kann sie per Flugzeug und per Schiff erreichen. Über Land gibt es den Stuart Highway, der Darwin mit Adelaide verbindet. Adelaide liegt auf der gegenüberliegenden Seite des Kontinents in 2700 km Entfernung. Dazwischen gibt es nur ganz kleine Städtchen wie Alice Springs. Wie wird diese Stadt eigentlich versorgt?

    Abends waren wir im Woolworth einkaufen, das ist eine Supermarktkette. Wir wollten uns für die anstehende Busreise versorgen. Es ist immer interessant, in einem anderen Land einen Supermarkt, sein Angebot und die Preise zu erkunden. An die Preise werde ich mich wohl gewöhnen müssen. Ich hoffe, dass das teilweise durch die abgelegene Lage Darwins begründet ist. Joghurt ist für mich z.B. eigentlich ein billiges Lebensmittel. Eine Einzelportion schlug hier mit 2,80$ zu Buche, 1,75€. Das ist fast der dreifache Preis wie in Deutschland.

    Hea-Jee:
    Endlich sind wir auf dem australischen Kontinent angekommen, wo unsere Kinder leben. Scott und Eva, die am anderen Ende Australiens wohnen, verfolgten unseren Flug aus der Ferne und meldeten sich jedes Mal, wenn wir eine neue Etappe erreichten. Ihr seid wohl gelandet. Willkommen! Wie war die Einreise? Wo seid ihr jetzt? Meistens war es Scott. Unsere Familie ist eigentlich ziemlich zurückhaltend miteinander, und ich weiß nicht, wie so ein herzlicher Mensch zu unserer Familie gekommen ist. Es fühlt sich an, als hätten wir im Lotto gewonnen.

    Als ich das pia-tuktuktuktuktuk der Fußgängerampeln hörte, das ertönt, wenn das Licht auf Grün springt, wurde mir erst richtig bewusst, dass ich tatsächlich in Australien angekommen bin. Ich bekam plötzlich große Sehnsucht nach Finn und wollte so schnell wie möglich nach Melbourne weiterreisen. Erinnerungen an meinen Aufenthalt vor einem Jahr, als ich zur Wochenbettpflege für unsere Tochter hergekommen war, kamen zurück – und sogar etwas Heimweh danach.

    Hier müssen wir uns wohl wieder daran gewöhnen, dass die Preise plötzlich höher sind und dass die Portionen beim Essen viel größer ausfallen. Wir wollten einfach Pommes, also bestellten wir zu zweit eine große Portion – die war am Ende viel zu viel. Aber unglaublich lecker. Ganz anders als die Pommes, die wir in München gegessen hatten. Was machen sie hier bitte anders, dass das gleiche Essen so viel besser schmeckt?

    Die Menschen sind hier anders. Die Freundlichkeit erinnert an andere südostasiatische Länder, aber gleichzeitig halten sie eine angenehme Distanz. Es ist nicht wie in Südostasien, wo jemand sofort herbeieilt, um zu helfen. Hier mischt sich niemand ungefragt ein; jeder geht seiner Arbeit nach und wenn man um Hilfe bittet, lächeln sie breit und helfen gern. Eine europäische Art. Ein Vielvölkerland – Hautfarben und Gesichter der Menschen sind unglaublich vielfältig. Faszinierend, dass nach nur einer Meeresüberquerung die Menschen, die eigentlich genauso aussehen wie in Südostasien, das wir gerade erst verlassen haben, plötzlich eine so andere Ausstrahlung haben.

    Ich bin in einem Land angekommen, in dem selbst völlig Fremde sich mit einem freundlichen „Hey mate, how are you?“ begrüßen – so herzliche, unkomplizierte Leute.
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  • Tag 166 - Über den Stuart Highway

    December 8, 2025 in Australia ⋅ ☀️ 39 °C

    Arnd:
    Heute beginnt der anstrengendste Teil unserer Reise. Wir müssen von Darwin aus irgendwie in dichter besiedelte Gebiete kommen. Ursprünglich wollte ich gern einen Zug nehmen, The Ghan, der von Darwin nach Adelaide fährt. Das ist ein touristischer Luxuszug. Leider fährt er im Hochsommer nicht, weil es da nicht genügend Touristen ins Zentrum von Australien verschlägt. Die einzige Alternative ist der Bus.

    In Australien gibt es auch einen Greyhound und die fahren in fast alle Regionen. Nur Perth, ganz im Westen ist wohl auch für den Bus einfach zu abgelegen. Es gibt einen Bus, der durchs Zentrum von Australien über Alice Springs bis nach Adelaid fährt. Die Straße hat einen Namen, es ist der Stuart Highway. Das wäre die schnellste Route nach Melbourne. Man kann aber auch erstmal diese Route nehmen und dann nach den ersten 1000 km umsteigen und in Richtung Ostküste fahren. Da wir jetzt doch ein bisschen Zeit haben, haben wir uns für die Ostküste entschieden.

    Man fährt erstmal 14 Stunden auf dem Stuart Highway. Ankunft um Mitternacht in Tennant Creek. Dort muss man 3 Stunden auf den Anschluss warten. Und der braucht dann 18 Stunden bis nach Townsville im Nordosten. Insgesamt fahren wir 2500 km.

    Allein diese Fahrt kostet einzeln mindestens 600 A$ (Australische Dollar), etwa 380€. Es gibt von Greyhound aber auch Zeitkarten, mit denen man unbeschränkt fahren kann. Das haben wir uns jetzt gekauft für 90 Tage, kostet 790 A$. 90 Tage gilt auch unser Visum. Wir können damit die gesamte Strecke bis Melbourne fahren und auf dem Rückweg noch die Tour durchs Zentrum machen und den Berg Uluru besuchen.

    Los ging es in Darwin um 9:55. Der Bus war ziemlich leer. Noch in Darwin fuhr der Bus auf einen Betriebshof. Es wurde noch ein Anhänger mit Fracht angehängt. Auch im Bauch des Busses gab es viele Pakete, der Greyhound bringt hier auch die Post in die Ortschaften.

    Die Straße verlief längere Zeit in der Nähe der Eisenbahn. Deren Errichtung hat schon früh angefangen, aber erst 2004 ist das letzte Teilstück fertig geworden. Ich hatte gedacht, dass die hauptsächlich für den Transport von Gütern verwendet wird, es gibt im Zentrum von Australien einige Minen und nur dieser Touristenzug könnte den Aufwand für diese Bahnstrecke sicher nicht rechtfertigen. Deshalb hatte ich erwartet, einige Güterzüge zu sehen. Ich habe aber keinen gesehen.

    Ich hatte erwartet, dass die Landschaft nicht allzu weit hinter Darwin anfängt trocken zu werden. Weit gefehlt, bis die Sonne unterging fuhren wir durch eine grüne baumbestandene Landschaft.

    Besonders angetan haben es mir die Termitenhügel. Ich wollte unbedingt ein paar schöne Fotos davon machen. Aber der Bus fährt 100 km/h, die Landschaft fliegt vor dem Fenster vorbei. Ich habe mittlerweile Einstellungen an meiner Kamera, mit denen ich trotzdem einigermaßen brauchbare Bilder machen kann. Aber das Ergebnis ist immer zufällig. Man muss ziemlich viele Bilder machen, damit ein paar brauchbare dabei sind.

    Wenn ich die Kamera einschalte, halte ich sie in eine Richtung, peile oben drüber und warte auf ein Motiv. Dann muss ich genau im richtigen Moment auslösen. Die schönsten Motive flogen aber immer dann vorm Fenster vorbei, wenn ich die Kamera gerade nicht eingeschaltet hatte. Immer wieder konnte man auch Rinder erspähen. Rinderzucht ist das einzige, was man in dieser Landschaft machen kann.

    So nah am Äquator wird es abends früh dunkel und das geht auch sehr schnell, keine lange Dämmerung. Als es dunkel war, haben wir versucht, etwas zu schlafen.

    Hea-Jee:
    Endlich ist der Tag gekommen, an dem wir mit dem Bus den Kontinent durchqueren. 36 Stunden im Bus zu verbringen – das machte mir einerseits Sorgen, andererseits war ich auch ein bisschen aufgeregt. Für alle Fälle haben wir Brot, Obst und Wasser für die Fahrt gekauft. Und schon seit früh am Morgen bin ich ständig zur Toilette gegangen, um meinen Darm so gut es geht zu leeren.

    Ich weiß nicht mehr, woher ich das hatte, aber ich hatte mir diesen Bus als sehr bequem und luxuriös vorgestellt. Aber was war das? Er war ungefähr so eng wie der Sitz bei Malaysia Billigairlines, von dem Arnd gesagt, es sei der engste gewesen, in dem er je gesessen hat. Und obwohl wir die ganze Nacht fahren sollten, ließen sich die Sitze nur ein kleines Stück nach hinten lehnen. Für mich als kleine Person ging es, aber für Arnd mit seinen langen Beinen musste das ziemlich anstrengend sein.

    Zum Glück gab es hinten im Bus eine Toilette, in der man zumindest das kleine Geschäft machen konnte. Aber da der Bus alle paar Stunden anhielt und man dann die Toilette aufsuchen konnte, haben wir die Bordtoilette möglichst nicht benutzt. Manchmal hielten wir sogar über 40 Minuten an, sodass man sich etwas Kleines zu essen kaufen konnte. Je älter wir werden, desto häufiger müssen wir auf die Toilette, deshalb haben wir unterwegs möglichst wenig getrunken.

    Die Orte, an denen der Bus manchmal hielt, waren oft so klein, dass man sie kaum als „Ort“ bezeichnen konnte. Manche erinnerten mich an Filmkulissen aus einem wilden Western. In etwas größeren Orten gab es ein Einkaufszentrum oder einen Supermarkt. Als wir durch Nord- und Zentralaustralien fuhren, sah man deutlich mehr Aborigines als andere.

    Zwei Fahrer fuhren im Vier-Stunden-Takt im Wechsel. Der Fahrer, der gerade nicht dran war, schien sich im kleinen Schlafabteil neben der Toilette hinten im Bus auszuruhen.

    Wir haben oft gehört, dass die Klimaanlage sehr stark läuft und es nachts kalt wird – und genau so war es auch. Zum Glück hatten wir warme Kleidung dabei, sodass wir nicht gefroren haben. Schlafen konnte ich trotzdem kaum. Eigentlich schlafe ich im Auto oder im Zug recht gut, aber der Sitz im Greyhound war irgendwie seltsam gebaut. Ich wachte immer wieder mit Schmerzen im Nacken und in den Schultern auf. Ich bereute es, Arnd beim Kauf eines Nackenkissens gesagt zu haben, dass ich so etwas nicht brauche.
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  • Tag 167 - Nach Townsville

    December 9, 2025 in Australia ⋅ 🌬 30 °C

    Arnd:
    Auf dem Weg nach Tennant Creek habe ich mir vorgestellt, was uns da von Mitternacht bis 3:00 morgens wohl erwartet. Weil der Bus so leer war, habe ich vermutet, dass wir die einzigen sein werden, dass dann dort auch nichts mehr geöffnet hat und wir bei völliger Dunkelheit irgendwo draußen rumsitzen. Vielleicht sollte man das nicht tun? Nirgendwo sind die Schlangen giftiger als in Australien.

    Die Umsteigestation war eine BP Tankstelle, die rund um die Uhr geöffnet hat. Es gab was zu essen und Tische und Stühle zum hinsetzen. Wir haben sogar etwas gearbeitet und Pinguintexte fertig gemacht. Sehr schön!

    Der Bus sollte um 3:00 abfahren. Als wir in der Tankstelle waren, fiel Hea-Jee eine Email auf, dass der Bus eine Dreiviertelstunde früher abfährt. Die war zwar schon um 18:00 verschickt, hatte uns aber vorher nicht erreicht, weil wir im Bus kein Internet hatten. Uns war das recht, wir waren ja sowieso schon da.

    Der erste Bus war schon älter und hatte nicht alles, was im Internet versprochen war. WLAN gab es nicht, Ledersitze waren auch nicht zu sehen, die USB Ladesteckdosen waren teilweise kaputt und der großzüge Fußraum war, na ja, da habe ich schon viel bessere Busse gesehen, z.B. in Korea. Die im Bus eingebaute Toilette war da, aber der Fahrer gab sich Mühe, dass wir sie nicht benutzen. Wir konnten oft genug auf Stops eine Toilette aufsuchen.

    Der zweite Bus war schon besser, weil ziemlich neu. Die Beinfreiheit war aber auch nicht größer. WLAN gab es die ganze Zeit und das funktionierte auch im Outback. Vor allem aber war die Toilette ganz gut. Dafür gab es in den 18 Stunden Fahrzeit auch nur zwei längere Stops, wo man eine Toilette besuchen konnte.

    Nach knapp der Hälfte der Gesamtstrecke kam das Bergbaustädtchen Mount Isa. Das liegt schon in Queensland. Ab da gibt es immer wieder Ortschaften, es gibt sogar eine Eisenbahn. Aber bis Mount Isa ist es eigentlich ziemlich einsam. Z.B. fährt der Bus diesen Teil nur einmal pro Woche. Ich hatte mich deshalb gefragt, ob diese Teilstrecke vielleicht gar nicht geteert ist und wir auf einer Piste fahren werden. Das war aber zum Glück nicht so.

    Die Landschaft war hier deutlich trockener, als noch im Norden. Manchmal konnte man bis zum Horizont über eine flache, gelbe, vertrocknete Graslandschaft schauen. Manchmal war sie aber von Bäumen bestanden. Auch hier überall Viehwirtschaft, allerdings mit einer sehr geringen Dichte an Rindern. Meist sah man eine kleine Herde und ansonsten weit und breit nichts. Einmal stand da dieser einsame Bulle und ich hatte meine Kamera eingeschaltet.

    Die Häuser in den Ortschaften sind sehr oft aufgeständert. Man lebt im Obergeschoss. Ich weiß noch nicht, warum. Vielleicht wegen den Schlangen?

    Kurz vorm nächsten Sonnenuntergang kam uns auf der Eisenbahn tatsächlich mal ein Güterzug entgegen.
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  • Tage 168 - Townsville

    December 10, 2025 in Australia ⋅ 🌬 31 °C

    Arnd:
    „Sie müssen unbedingt unseren Pool auf dem Dach probieren, der ist ganz besonders. Wir sind hier das höchste Gebäude der Stadt.“ meinte der Mann an der Rezeption. Unser Hotel haben wir pragmatisch ausgesucht. Es liegt günstig und ist günstig, zumindest für australische Verhältnisse. Es ist aber auch ein rundes Haus und hat im 20. Stock einen Pool. Dort hat man auch eine tolle Aussicht auf die ganze Stadt.

    Frühstück kann man hier nicht mit buchen, aber viel Hotels bieten eines an. Das ist dann meist das continental breakfast. Das musste ich erst nachschlagen. Europäer vom Kontinent, also nicht die Briten, essen eher wenig gekochtes zum Frühstück, sondern mehr Brot, Croissants und vielleicht noch was mit Ei. Seit dieser Reise wähle ich zum Frühstück aber doch eher was gekochtes. Was mit Gemüse hätte ich gern, aber das gibt es hier auch nicht viel, eine gegrillte Tomatenscheibe und ein paar Pilze. Brot gibt es eine gewisse Auswahl, aber als deutscher fehlt mir irgendwas zum drauflegen. Es gibt portionsmäßig abgepackte Butter und Marmelade und hier ein großes Glas Nutella. Aber keinen Käse. Mehrfach hatte ich jetzt aber auch schon Bircher Müsli. Hier war der warme Teil des Frühstücks reichhaltiger, also vielleicht nicht so sehr continental. Aufgefallen ist uns die Sauce Hollandaise zu den pochierten Eiern. Passt gut!

    Townsville ist eine Industriestadt, in der man aber sicher gut leben kann. Auf dem Coverfoto ist alles drauf, was man so braucht. Main street, Villen am Berg, die Werft, die Arbeit gibt. Und was unten aussieht wie eine Kirche, ist die lokale Brauerei. Hinter dem Berg liegt der Strand. Wir wollten heute nach der langen Fahrt nur entspannen. Morgens etwas im Pool gebadet und gegen Mittag sind wir dann losgezogen in Richtung Strand. Unterwegs dorthin habe ich wahllos Häuser fotografiert.

    Schwimmen im Meer ist hier etwas speziell. Zum einen gibt es hier im Sommer eine Quallenart, Stinger genannt, die so ziemlich das tödlichste Lebewesen dieses Planeten ist. Zum anderen gibt auch Salzwasserkrokodile, die sich auch mal ins Meer wagen. Gegen die Stinger gibt es mit einem Netz abgesperrte Bereiche und es gibt spezielle Ganzkörperanzüge. In den abgesperrten Bereichen kann man schwimmen, aber nicht surfen. Deshalb sind auch außerhalb dieser Bereiche Leute unterwegs.

    Hea-Jee:
    Gestern gegen 23 Uhr kamen wir im Hotel an. Nach langer Zeit konnten wir endlich wieder in Ruhe duschen und uns schlafen legen. Wir schliefen gerade tief und fest, als plötzlich ein schriller Alarm losging. Erschrocken fuhren wir aus dem Schlaf, und kurz darauf ertönte der Alarm noch einmal. Eine Durchsage folgte – wir verstanden nicht genau, ob es ein Fehlalarm war oder was genau gesagt wurde, aber jedenfalls hieß es, wir sollten uns keine Sorgen machen.

    Doch wenig später kam eine weitere Ansage, dass es einen Feueralarm gebe und wir vorerst im Zimmer bleiben sollten. Wir packten nur einen kleinen Rucksack, warfen ihn uns auf den Rücken und warteten. Während wir warteten, packten wir auch die großen Koffer. Da wir erst gestern Nacht angekommen waren, war kaum etwas ausgepackt und alles schnell verstaut.

    Es war seltsam, dass trotz der Meldung eines Feuers alles völlig ruhig blieb, fast unheimlich still. Draußen hörte ich eine Bewegung und ging nachsehen. Eine ältere Dame stieg gerade in den Aufzug. Ich fragte sie, ob sie wisse, was los sei, doch sie zuckte nur mit den Schultern und fuhr nach unten. Sie hatte leichte Hauskleidung an und hatte sonst nichts dabei. Sie schien einfach zum Frühstück zu gehen.

    Wieder zurück im Zimmer überlegten wir, ob wir an der Rezeption anrufen oder einfach warten sollten, wie es geheißen hatte. Plötzlich sagte Arnd mit entschlossener Stimme, dass wir nicht einfach sitzen bleiben könnten. „Hast du denn nicht gesehen, was bei Sewolho passiert ist? Wir müssen sofort runter! Man darf bei einem Brand nie den Aufzug nehmen. Wir müssen die großen Koffer als Rucksäcke schultern und die elf Etagen zu Fuß hinunter. Los, wir gehen!“ Ich antwortete hastig: „Nein! Dann merken die Leute sofort, dass wir aus Deutschland kommen!“

    Wieder hörten wir draußen Schritte. Als ich schnell hinausschaute, kam ein Mann vorbei, der wie ein Techniker aussah. Auf die Frage, ob es brenne, winkte er lachend ab. Andere Länder, andere Sitten – aber es war doch merkwürdig, wie gelassen alle blieben, obwohl in einem Hochhaus der Feueralarm ausgelöst worden war. Im Nachhinein glaube ich, dass wir bei der ersten Durchsage etwas Wichtiges nicht verstanden haben.

    Da wir ohnehin wach waren, gingen wir zuerst frühstücken. Wieder oben im Zimmer schlief ich noch einmal ein. Gegen Mittag standen wir auf, gingen auf die Dachterrasse schwimmen und ruhten uns etwas aus.

    Heute wollten wir entspannt durch die Stadt und am Meer entlang spazieren. Der Strand war wunderschön und, da nicht viele Menschen dort waren, wirkt unheimlich friedlich. Ein Land mit niedriger Bevölkerungsdichte ist wirklich ein glückliches Land. Wir dachten, man dürfe wegen der giftigen Quallen nicht im Meer baden, aber an einigen Stellen sahen wir Badebereiche mit Netzen, die die Quallen fernhielten. Schade, dass wir keine Badesachen dabeihatten. Barfuß spazierten wir am Strand entlang und fanden ein Restaurant mit guter Aussicht, wo wir ein leckeres und gesundes Mittagessen aßen.

    Danach besichtigten wir eine ehemalige militärische Anlage aus dem Zweiten Weltkrieg, die damals auf einem Hügel über dem Meer errichtet worden war. Ich hatte immer gedacht, Australien sei im Gegensatz zu Europa und Asien ein glücklicher Kontinent, der vom Krieg verschont geblieben war. Erst dort erfuhr ich, dass selbst hier Spuren des Krieges geblieben sind – Japan soll Luftangriffe geflogen haben.

    Zurück im Hotel gingen wir noch einmal im Pool schwimmen und ruhten uns aus. Zum Abendessen wollten wir etwas Leichtes, also kauften wir im Supermarkt Salat und aßen ihn im Zimmer.
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  • Tag 169 - Magnetic Island

    December 11, 2025 in Australia ⋅ ☀️ 29 °C

    Arnd:
    Heute wollten wir was unternehmen. Eine Option war Magnetic Island, eine Townsville vorgelagerte Insel. Der größte Teil davon ist ein bergiger Nationalpark, in der Mitte der Mount Cook mit fast 500m Höhe. Zum Meer hin gibt es ein paar Bays, in denen die Bewohner und die Touristen leben.

    Man kommt in 20 Minuten mit einer Personenfähre ab Townsville zur Insel. Wer sein Auto mitbringen will, muss die langsamere Autofähre nehmen. Entlang der Bays gibt es eine Straße, auf der auch Busse fahren. Wir haben uns aber E-Bikes geliehen. Ich dachte mir, dass das auch mal eine gute Gelegenheit ist, am Linksverkehr teilzunehmen. Es ist nur wenig Verkehr hier. Und für Hea-Jee eine Gelegenheit, mal ein E-Bike auszuprobieren. Außerdem waren wir so etwas flexibler.

    Im Nationalpark lebt die größte Population von Koalas in Nordaustralien. Die hat man dort ausgesetzt, weil sie dort einen geschützten Lebensraum haben. Im Nordosten gibt es einen Wanderweg zu Verteidigungsanlagen aus dem zweiten Weltkrieg. Entlang dieses Weges soll es besonders viele Koalas geben, deshalb ist dieser Weg so beliebt.

    Dort sieht man Touristen, die nach rechts und links die Bäume absuchen. Irgendwann bekommt man den Tip, dass man etwas in den Wald hineinlaufen muss. Da gibt es auch Trampelpfade. Und dann trifft man irgendwann Leute, die welche gesehen haben und verraten, wo. Wir wurden sogar zu einer Stelle hingeführt. Sehr nett.

    Zufälligerweise sind wir einem anderen weltreisenden deutschen Paar begegnet, Özlem und Kaan, mit denen wir ins Gespräch gekommen sind. Kaan hat uns einiges über Koalas erzählt. Z.B., dass unsere Geräusche die Tiere überhaupt nicht stören. Das konnten wir dann selber beobachten, als wir in 2m Entfernung von einem Tier 20 Minuten lang gequatscht haben und das schlafende Tier sich nicht mal bewegt und seinen Schlaf unterbrochen hat.

    Beim Suchen nach den Koalas haben wir die Bäume weiter oben angeschaut. Tatsächlich saßen die Tiere aber eher auf Augenhöhe. Wahrscheinlich wegen der großen Hitze. Da unten gab es doch mehr Schatten. Wir sind den Weg dann noch bis zu den Verteidigunngsanlagen weitergelaufen.

    Es gab heute nicht so viel Wind, wie gestern und im Wald sowieso nicht. Deshalb merkte man erst, wie heiß es doch war. Unser Wetterbericht sagt; 32° bei 63% Luftfeuchtigkeit. Der Weg hatte 2km pro Richtung und am Ende waren wir sehr froh, als wir wieder bei den Rädern waren.

    Anschließend ging es erstmal ein Stück bergab, mit Kühlung dank Fahrtwind, bis zum Ende der Straße am Meer in der Horseshoe Bay. Im Convenience Shop hat Hea-Jee uns was zu Essen gekauft und es gab eine Sitzgelegenheit mit Tisch, leichter Brise und Blick auf die Badebucht unter einem Dach. Kurze Zeit später kamen auch Özlem und Kaan per Bus angefahren und wir haben uns nochmal länger nett unterhalten und auch einige Tips bekommen.

    Zurück sind wir dann durchgefahren, über die zwei Berge mit Motorunterstützung. Insgesamt waren das 15km. Zwischendurch hoppelte auch noch ein Känguru über die Straße.

    Hea-Jee:

    Wir beschlossen, nach Magnetic Island zu fahren – angeblich ein Muss, wenn man in Townsville ist. Dort soll es flinke kleine Wallabys geben, Koalas, Relikte aus dem Krieg und wunderschöne Strände. Aber irgendwie war ich nicht besonders begeistert. Kängurus würde ich auf der Reise wohl noch oft genug auf der Straße sehen, Koalas entdeckt man nur mit etwas Glück – und wenn man sie findet, schlafen sie meist bewegungslos. Kriegsrelikte hatte ich in Europa und Asien schon mehr als genug gesehen, und schöne Strände? In Australien, das von Meer umgeben ist, würde ich davon sicher noch genug zu Gesicht bekommen…

    Ich fragte mich, warum ich so lustlos war, und mir wurde klar, dass es einfach an der Hitze lag. Temperaturen über dreißig Grad waren wir auf dieser Reise zwar gewohnt, aber in Australien fühlte sich die Sonne besonders stechend an. Der UV-Index lag wohl bei 13 oder so – jedenfalls weit über dem, was ich in Deutschland jemals erlebt hatte. Den ganzen Tag bei diesem Wetter wandern gehen? Ob wir eigentlich noch ganz bei Trost waren?

    Arnd war völlig in seinem Element und freute sich darauf, den Tag zu planen. Er wollte unbedingt Fahrrad fahren – sei frischer als Laufen, meinte er. Ich dagegen war nicht begeistert von der Vorstellung, auf einer Autostraße mit Linkskverkehr Rad zu fahren. Ich traue meiner eigenen Flexibilität und Reaktionsfähigkeit einfach nicht mehr so wie früher.

    Ob er meine Stimmung nicht bemerkte oder ob er absichtlich so tat, als ob, weiß ich nicht – jedenfalls sprach Arnd fröhlich auf mich ein.
„Ich glaube, du hast dich inzwischen an die Hitze gewöhnt, oder?“
Was ich eben noch gedacht hatte, rutschte mir unkontrolliert heraus.
„Ich wünsche dir, dass du in deinem nächsten Leben eine viel jüngere Frau heiratest – oder einfach einen Mann.“
Und dann liefen wir Hand in Hand plaudernd weiter den Weg hinauf.

    Nach einer Weile kamen wir zu einem Fahrradverleih, den Arnd vorher herausgesucht hatte, und nahmen uns zwei E-Bikes. Ich war unsicher, weil ich noch nie eins gefahren war, aber es fühlte sich letztlich genauso an wie ein normales Fahrrad – sogar stabiler, weil die Energie gleichmäßig kam und man nicht ins Schwanken geriet. Die kurvigen Bergstraßen rauf und runter zu fahren machte Spaß, aber ich blieb trotzdem vorsichtig und angespannt.

    Der Tag auf der Insel, den wir ganz in der Natur verbrachten, lohnte sich wirklich. So nah und so lange hatte ich Koalas noch nie gesehen. In Australien sind sowohl Einheimische als auch Touristen verrückt nach Koalas – wer einen entdeckt, sagt es sofort allen in der Nähe, als wäre das ein ungeschriebenes Gesetz. Wir trafen ein belesenes, junges Paar aus Deutschland und konnten dank ihnen sogar eine kleine „Koala-Kunde“ bekommen. Typisch deutsch – gründlich bis ins Detail.

    Nachdem wir uns getrennt hatten, um jeweils andere Teile der Insel zu erkunden, trafen wir die beiden später am Fuß des Berges wieder. Die beiden waren außergewöhnlich höflich und rücksichts­voll, und ich freute mich, sie erneut zu sehen. Wir setzten uns gemeinsam auf eine Bank im Schatten und unterhielten uns lange. Sie reisten mit einem gemieteten Campervan, und es machte Spaß, davon zu erfahren.

    Wir gaben die Fahrräder zurück und liefen zum Fährhafen. Irgendwo dort in der Nähe sollte es ein Gebiet mit vielen kleinen Wallabys geben, hatte man uns gesagt, aber wir waren beide viel zu müde. Also nahmen wir einfach die nächste Fähre zurück aufs Festland. Zum Abendessen bestellten wir in einem koreanischen Restaurant Bulgogi und Bibimbap und teilten alles. Danach kauften wir Brot, Obst und Wasser für die Busfahrt am nächsten Tag und gingen zurück ins Hotel.
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  • Tag 170 - Fahrt nach Brisbane

    December 12, 2025 in Australia ⋅ ☁️ 27 °C

    Arnd:
    Australien ist riesig. Heute sind wir wieder 1200km nach Süden gefahren. Das ist etwa die Hälfte der Strecke, die wir an der Ostküste zurücklegen müssen. Fahrtzeit 25 Stunden.

    Der Bus ist streckenweise ziemlich voll. Viele junge Leute benutzen ihn, um an der Ostküste verschiedene Orte anzusteuern. Wir haben leider nicht so viel Zeit und fahren die große Strecke in einem Stück.

    Mir geht es nicht so gut. Ich habe mir auf der Fahrt durch den Norden erst eine Infektion zugezogen und jetzt habe ich mein übliches Problem mit den Nebenhöhlen. Eigentlich hatte ich die Hoffnung, durch den ausgefallenen Winter davon verschont zu bleiben. Jetzt wo ich es doch habe, tun mir die ganzen klimatisierten Umgebungen gar nicht gut. Mal schauen, ob ich das vor Melbourne noch los werde.

    Deshalb heute auch keine anderen Fotos.

    Hea-Jee:
    Zu Beginn der Busreise, als wir Richtung Zentralaustralien fuhren, kamen wir durch viele Gegenden, die zum Leben nicht so gut geeignet schienen. Diesmal jedoch, auf der Strecke entlang der Ostküste, erstreckte sich fruchtbares Ackerland scheinbar endlos vor uns. Beim Anblick der sorgfältig gepflegten, grün leuchtenden Felder, die sich bis zum Horizont zogen, dachte ich, dass ein solches Land wohl wenig Anlass zur Sorge haben müsse.

    Am Anfang der Reise war ich noch in guter Verfassung und genoss es, an den Raststätten Leckereien zu kaufen und die Fahrt zu genießen. Doch die Klimaanlage im Bus war so stark eingestellt, dass mir selbst mit langärmliger Kleidung kalt wurde. Mit der Zeit verschlimmerte sich Arnds Nebenhöhlenentzündung. Bei mir begannen leichte Bauchschmerzen. Vielleicht deswegen konnte ich in dieser Nacht kaum schlafen.
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  • Tag 171, 172 - Brisbane

    December 13, 2025 in Australia ⋅ ☀️ 29 °C

    Hea-Jee:
    Um sieben Uhr morgens erreichten wir Brisbane. Als wir endlich aus dem Bus stiegen, fühlte es sich wie eine Erlösung an – auch wenn mir noch etwas schwindelig war. Arnd ging es ebenfalls nicht gut, also setzten wir uns zunächst auf eine Bank, um kurz zu verschnaufen, bevor wir langsam in Richtung Hotel losgingen. Zum Glück hatte Arnd ein Hotel ganz in der Nähe des Busbahnhofs gebucht, sodass wir den Weg bequem zu Fuß zurücklegen konnten.

    Seit unserer Ankunft in Australien macht mir das Gehen erstaunlich viel Freude. Im Gegensatz zu manchen Ländern in Südostasien gibt es hier gut ausgebaute Gehwege, Ampeln an den Kreuzungen, und die Straßen sind weder laut noch von Abgasen belastet. In einer solchen Umgebung zu Fuß unterwegs zu sein, fühlt sich beinahe wie ein Geschenk an.

    Da der Check-in erst um 14 Uhr möglich war, ließen wir unser Gepäck im Hotel und machten uns auf, die Innenstadt zu erkunden. Die Fußgängerzone war festlich mit Weihnachtsdekoration geschmückt und verbreitete eine angenehme, vorweihnachtliche Stimmung. Entlang der Straßen reihten sich schöne klassizistische Gebäude aus vergangenen Zeiten, während etwas weiter dahinter moderne Hochhäuser die Skyline bestimmten.

    Kein Gebäude drängte sich protzig in den Vordergrund, und doch lag über der ganzen Stadt eine gewisse Eleganz. Keine aufdringliche Neureichen-Eleganz, sondern etwas Ruhiges, Charmantes. Als Scott mir per WhatsApp schrieb und fragte, wie mir Brisbane gefalle, kam mir sofort ein einziges Wort in den Sinn: charmant.

    Gesundheitlich ging es uns beiden nicht besonders gut, und auch unsere Mägen fühlten sich unwohl an, sodass wir zunächst keinerlei Appetit verspürten. Arnd meinte, in so einem Zustand täte etwas Warmes mit Brühe gut. Also gingen wir in den Foodcourt eines Einkaufszentrums, wo wir auf ein interessantes Restaurant stießen: ein cleveres Konzept, mit dem man chinesischen Hotpot ganz unkompliziert essen konnte.

    Man wählte die gewünschten Zutaten selbst aus, legte sie in eine große Schüssel, ließ alles wiegen und bekam es anschließend in einer Brühe nach Wahl gekocht serviert. Wir füllten die Schüssel mit reichlich Gemüse, nach dem wir uns schon lange gesehnt hatten, dazu etwas Fisch und Fischkuchen. Die Nudelsuppe schmeckte herrlich. Nach dem Essen kehrten plötzlich Energie und gute Laune zurück. Uns war gar nicht wegen Krankheit schlecht gewesen – wir waren schlicht hungrig und erschöpft.

    Gestärkt machten wir uns noch auf den Weg durch die Roma Street Parklands, bevor wir ins Hotel zurückkehrten. Kaum betraten wir den Park, leuchteten uns überall Pflanzen und Bäume entgegen, die in den unterschiedlichsten Farben prächtig blühten. In Südostasien wirkten Pflanzen vielleicht wegen der Hitze und Trockenheit der Jahreszeit nie so eindrucksvoll. Hier in Brisbane, etwas weiter vom Äquator entfernt, erschienen die Farben dagegen unglaublich intensiv und lebendig. Immer wieder entfuhr mir unbewusst ein Ausruf des Staunens – so spontan, dass ich selbst darüber lachen musste. Irgendwann kam mir dieses Geräusch bekannt vor: Ich ahmte unwillkürlich Finns Stimme nach. Wahrscheinlich, weil ich viel zu oft das Video gesehen habe, in dem Finn, noch jünger als heute, die Schuhe seines Vaters betrachtet und staunend ausruft.

    Punkt 14 Uhr kehrten wir ins Hotel zurück, duschten und fielen in einen tiefen, süßen Mittagsschlaf. Am Abend wollten wir unserem Körper etwas Gutes tun und entschieden uns für ein thailändisches Curry mit lange geschmorten Rinderrippen. Es war sehr lecker – allerdings viel zu reichlich.

    Am nächsten Morgen verschlief Arnd. Er erzählte, dass er in der Nacht schlecht geschlafen habe. Nach einem guten Frühstück im Restaurant neben dem Hotel besuchten wir den zuvor reservierten Uhrturm des Rathauses. Anschließend spazierten wir durch den Expo-Park, der sich langgestreckt am Fluss entlangzieht. Als wir das riesige, flache Schwimmbecken mit angeschlossenem Sandstrand sahen, mussten wir sofort an Finn denken. Würden wir ihn hierherbringen, würde er wahrscheinlich gar nicht mehr weg wollen.

    Danach gingen wir in die Queensland Art Gallery. Die vielen großartigen Werke machten uns glücklich. In einem multikulturellen Land wie Australien war es besonders schön, zeitgenössische Kunst aus ganz unterschiedlichen kulturellen Traditionen zu sehen. Auch die Kunst der australischen Ureinwohner, der Aborigines, war vielfältig vertreten. Wir fragten uns allerdings, ob es Begegnungen oder gegenseitige Einflüsse zwischen der zeitgenössischen Aborigine-Kunst und anderer moderner Kunst gab.

    Arnd litt weiterhin unter seiner Nebenhöhlenentzündung. Längere Aufenthalte in den klimatisierten Museumsräumen bereiteten ihm Kopfschmerzen, sodass wir schließlich in den Garten des Museumscafés gingen, dort Tee tranken und anschließend die Galerie verließen.

    In der Innenstadt fiel uns auf, dass häufig große Vögel umherliefen, die ein wenig wie Kraniche aussahen. Das wunderte mich. Im Upo-Feuchtgebiet in Korea werden Zugvögel mit großer Rücksicht behandelt: Man hält Abstand, ist leise und beobachtet sie aus der Ferne mit dem Fernglas. Hier jedoch schienen diese Vögel keinerlei Angst vor Menschen zu haben und stritten sich mitten in der Stadt sogar mit Krähen um Futter.

    Wie sich herausstellte, handelte es sich gar nicht um Zugkraniche, sondern um in Australien heimische Ibisse. Offenbar gelten sie in Brisbane – vielleicht sogar landesweit – als eine Art Symbol, denn in den Parks stehen Skulpturen von ihnen, und es gibt sogar Schlüsselanhänger mit ihrem Motiv. Es ist irgendwie niedlich zu beobachten, wie Tiere, die eigentlich in der Natur leben sollten, mit ihren langen, spitzen Schnäbeln akrobatisch versuchen, aus kleinen Pfützen am Straßenrand zu trinken.

    Zum Abendessen aßen wir schließlich im Hotelzimmer – mit ausgeschalteter Klimaanlage – einen Linsensalat aus dem Supermarkt. Er schmeckte gut, die Portion war genau richtig, und es fühlte sich angenehm gesund an.
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  • Tag 173, 174 - Port Macquarie

    December 15, 2025 in Australia ⋅ ☁️ 23 °C

    Arnd:
    Die Reise von Brisbane nach Sydney haben wir in zwei Teile geteilt, damit wir nicht nochmal so eine Monsterfahrt machen müssen. Beide Teile sind tagsüber. Für den Zwischenstop haben wir ohne allzuviel Wissen Port Macquarie gewählt. Tag 173 war die Reise von Brisbane nach Port Macquarie wieder mit dem Greyhound. Der fuhr weiter bis Sydney, kam da aber erst mitten in der Nacht an. Tag 174 haben wir eine Pause eingelegt.

    Von der Reise gibt es nichts zu berichten. Die Landschaft hier direkt an der Ostküste ist eine Kulturlandschaft und regt mich nicht zum fotografieren an. Die Fahrt mit dem Bus hier ist langsam. Das liegt daran, dass die Busse viele Ortschaften ansteuern. Dazu müssen sie die Autobahn verlassen und manchmal längere Zeit bis zu der Ortschaft fahren. Manchmal ist das nur ein Schlenker, aber manchmal müssen sie dieselbe Strecke wieder zurück zur Autobahn. Und manchmal geht es auch langsamer auf der Landstraße weiter. Auf unserer Tour durch die Northern Territories von Darwin bis Townsville lagen alle Zwischziele praktisch direkt an der Straße. Außerdem müssen die Busfahrer alle paar Stunden eine Pause von 30 Minuten einlegen. Da kann man dann etwas essen gehen.

    Unser Hotel lag nicht direkt in der City. An unserem Ruhetag sind wir morgens einmal in den Ort gegangen. Zum einen haben wir das mit einem Mittagessen kombiniert (Fish and Chips), zum anderen haben wir im Supermarkt was zu essen für die Weiterfahrt gekauft.

    Port Macquarie ist touristisch, aber eher gewöhnlich. Es gibt keine Superreichen, keine Luxushotels und auch nicht so viele junge Leute. Obwohl gerade Ferienzeit ist (haben wir irgendwo gehört), wirkte es nicht voll. Unser Hotel war aber ausgebucht.

    Nachmittags sind wir dann einen Wanderweg gelaufen, der an der Küste entlang führt. Die hatte teilweise Sandstrände und dazwischen felsige ins Meer ragende Berge. Der Weg war sehr schön und endete nach 7km an einem alten kleinen Leuchtturm. Die gefährlichen Quallen gibt es hier nicht mehr. An mehreren Stränden tummelten sich Leute im Wasser. Ein paar Wellenreiter waren auch dabei. Die sahen aber eher nach ziemlichen Anfängern aus.

    Hea-Jee:
    Wir fuhren weiter nach Süden, und je weiter wir uns vom Äquator entfernten, desto kühler wurde das Wetter. Als wir aus dem Bus stiegen, hatte ich Lust, noch ein bisschen zu laufen, also gingen wir zu Fuß bis zum Hotel. Der Weg am Meer entlang wurde mit jedem Schritt schöner. Dort, wo das sanft jadefarbene Meer den gelblichen Sandstrand umspülte, spielten ein paar Menschen ausgelassen mit den Wellen. Hin und wieder tauchten schwarze, raue Felsen auf, die mich an Jeju erinnerten und immer weiter verstreut lagen. Genau an dem Ort, den ich landschaftlich am schönsten fand, lag unser Hotel.

    Am nächsten Morgen frühstückten wir im Raum, von dem aus man durch große Fenster genau diese Aussicht genießen konnte. Es war seit unserer Ankunft in Australien das unspektakulärste Hotelfrühstück, aber bei diesem Blick war einem alles verziehen. An so einem Ort hätte ich mir gut vorstellen können, den ganzen Tag nichts zu tun, einfach am Meer zu sitzen und nur den Wellen zuzusehen.

    Wenn man den ganzen Tag nichts täte und nur säße, würde mein Mann wohl nicht Arnd heißen. Also machten wir uns auf einen langen Spaziergang zum Leuchtturm. Der Küstenweg führte abwechselnd über Sandstrände, steinige Abschnitte und schmale Bergpfade. Als wir über große, unebene Felsbrocken liefen, musste ich an meine Wanderschuhe denken, die ich in München zurückgelassen hatte. An einem der Sandstrände quietschte es beim Gehen wie Küken. Ich hatte so einen Strand einmal in einem Video gesehen, das unsere Tochter Eva uns geschickt hatte. Ich fand es faszinierend, das nun selbst zu erleben.

    Es war ein wenig schade, Landschaften, die man den ganzen Tag einfach nur anschauen könnte, so schnell hinter sich zu lassen. Aber dass sich diese Schönheit immer wieder in neuen Formen fortsetzte, hatte auch ihren ganz eigenen Reiz.

    Morgen werden wir in Sydney ankommen, an einem Ort, an dem durch einen Terroranschlag viele Menschen ihr Leben verloren haben. Es fühlt sich falsch an, einen Ort der Trauer als Reisende zu besuchen. Ich denke an die Verstorbenen und ich wünsche den Verletzten eine schnelle Genesung. Zugleich denke ich darüber nach, was ich persönlich für den Weltfrieden tun kann.
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  • Tag 175 - Fahrt nach Sydney

    December 17, 2025 in Australia ⋅ ☀️ 25 °C

    Arnd:
    Der Plan war, wenigsten mal eine Teilstrecke mit der Eisenbahn zu fahren. Also habe ich auf der Website der Eisenbahngesellschaft von New South Wales nach einer Verbindung von Port Macquarie nach Sydney gesucht und auch was gefunden. Das war ein Grund für unseren Zwischenstop in Port Macquarie. Die Eisenbahn fährt nicht durch den Ort, sondern in 20km Entfernung am Ort vorbei, aber da gibt es einen Bus.

    Ich weiß nicht mehr, was ich zur Auswahl hatte, jedenfalls habe ich mich für die Verbindung um 8:40 entschieden. Die enthielt wie erwartet eine Busfahrt und eine Zugfahrt. Erst am Tag vor der Reise habe ich dann bemerkt, dass die Busfahrt 4 Stunden dauert, die Zugfahrt nur 2. Der Bus brachte uns nämlich nicht zur nächsten Bahnhaltestelle, sondern nach Newcastle. Erst ab da sind wir dann mit einem Nahverkehrszug nach Sydney gefahren.

    Newcastle hat mehrere Bahnhöfe. Unser war Broadmeadow. Im Bus habe ich nochmal auf der Website der Eisenbahngesellschaft recherchiert. Da kann man die Abfahrtpläne von Bahnhöfen ansehen. In Broadmeadow war unser Zug nicht aufgeführt. Dafür 2 Minuten später einer mit einer anderen Zugnummer. Ich konnte auch ein längeres pdf mit allen Informationen der Gesellschaft runterladen. Da gab es unseren Zug.

    In Broadmeadow hatten wir eine Stunde Zeit. Ich habe erstmal die Infotafeln studiert und da gab es unseren Zug wieder nicht. Zum Glück stand da eine ältere Frau in roter Warnweste mit Fahne in der Hand, die offensichtlich Bescheid wusste. Sie sagte, der Zug 2 Minuten später sei unserer. Auf meinen Hinweis, dass der nicht nur zu einer anderen Uhrzeit fährt, sondern auch eine andere Nummer hat, schaute sie mich komisch an. So genau nimmt man das wohl nicht. Ich habe mich entschuldigt, ich käme aus Deutschland. Den Witz hat sie aber nicht verstanden.

    Und dann meinte sie noch, wir könnten auch den früheren Zug nehmen, der in ein paar Minuten kommt und sogar ein Express ist. Unser Ticket gilt da auch. Sehr schön. Nun hatte ich mal wieder erste Klasse gebucht, weil der Preisunterschied ziemlich gering war. Das verstehe ich jetzt erst: Erste Klasse war nur die Teilstrecke im Zug, im Bus gibt es keine erste Klasse. Deshalb habe ich die Frau dann nochmal angesprochen und gefragt, wo denn die Wagen mit der ersten Klasse halten. Erste Klasse haben sie nicht. Aber ich habe ein Ticket :).
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  • Tag 175 - Abendspaziergang in Sydney

    December 17, 2025 in Australia ⋅ ☀️ 26 °C

    Hea-Jee:
    Ich habe mich auf den ersten Blick in Sydney verliebt. Die Stadt nutzt ihre reizvolle Topografie, bei der sich das Land wie fingerförmig verzweigte Ausläufer dem Wasser entgegenstreckt, auf wunderbare Weise aus und ist erfüllt von schöner Architektur und einer lebendigen Atmosphäre. Mein erster Eindruck war der einer lebenswerten, wohlhabenden Stadt, in der Menschen unterschiedlichster Herkunft entspannt und friedlich zusammenleben.

    Während der wenigen Tage, die wir in Sydney verbrachten, waren überall die Flaggen auf Halbmast gesetzt, zum Gedenken an die Opfer des Terroranschlags am Bondi Beach, der sich wenige Tage zuvor ereignet hatte. Dennoch war nirgends eine gedrückte oder ängstliche Stimmung zu spüren. Es fühlte sich vielmehr so an, als würden alle gemeinsam zeigen wollen, dass feiger Terror die Lebenskraft Sydneys nicht auslöschen kann.

    Die Meeresbrise war kühl, aber die Sonne brannte auf der Haut.

    Arnd:
    Da wir recht früh angekommen waren, sind wir spätnachmittags noch einfach ohne Ziel in die Stadt losgelaufen. Auf meiner Karte sind Fußgängerbereiche rosa markiert und in der Nähe unseres Hotels begann ein größerer Fußgängerbereich, der auch noch interessant geformt war und in einem Gewässer endete.

    Zunächst liefen wir an China Town vorbei, was gleich erklärte, warum Google in der Nähe unseres Hotels fast nur asiatische Restaurants kannte. Der Fußgängerbereich war keine langweilige Einkaufsstraße, sondern ein sehr lebendiger Bereich mit Restaurants, Bars, einem kleinen Park mit offener Konzertbühne, ein Chinesischer Garten, ein schöner Spielplatz mit einem alten Karussell.

    Eine Bar war nach außen offen und ziemlich voll. Da treffen sich wohl Leute nach der Arbeit. Das haben wir später auch noch öfters gesehen. Uns machte das schon deshalb nicht an, weil selbst 20m daneben noch eine ungeheure Lautstärke herrschte. Die Leute da drin können sich nur schreiend unterhalten. Früher hat uns das ja auch nichts gemacht, aber jetzt verstehen wir nicht mehr, was man daran so toll findet.

    Auf einem Bild ist eine hoch gelegte Straße zu sehen, die über uns hinweg lief. Das gibt es in Sydney ziemlich oft. In der Stadt gibt es etliche größere Straßen, aber viele davon liegen im ersten Obergeschoß. Das hat natürlich den großen Vorteil, dass man unten durchgehend Platz für Fußgänger hat. Der Nachteil ist, dass man unten den ganzen Lärm von oben hat. Aber vielleicht kann man diese Situation ja mal mit Schallschutz verbessern.

    Der Weg endete im Darling Harbour. Im inneren Bereich dieses Hafens lagen etliche sehr teure Yachten. Dort war auch noch ein Raddampfer stationiert. Auf einer Seite war ein Marinemuseum mit einem alten Leuchtturm. In der Mitte ging eine alte Brücke über den Hafen, die sich als Holzkonstruktion entpuppte. Früher sind da sicher viele Verkehrsmittel drüber gefahren, heute ist es eine reine Fußgängerbrücke.

    Im Hintergrund stand ein recht spektakulär geformtes Hochhaus, das Hea-Jee als Schweinefilet bezeichnete. Es ist ein Hotel. Auch die merkwürdig geformte Scheibe am Hafen ist ein Hotel.

    Auf dem Rückweg sind wir neben unserem Hotel zum Vietnamesen gegangen und haben gut und günstig zu Abend gegessen.
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  • Tag 176 - Sydney

    December 18, 2025 in Australia ⋅ ☀️ 30 °C

    Arnd:
    An unserem ersten Tag in Sydney hatten wir um 14:00 eine Führung durch die Oper gebucht. Bis dahin haben wir uns in der Gegend umgeschaut. Der zentrale Punkt, zu dem man auch gut per Straßenbahn hinfahren kann, ist Circular Qay, was man hier wie Circular Key ausspricht. Auch hier ist der Verkehr auf mehrere Ebenen verteilt. Ebenerdig sind die Fußgänger. Darüber gibt es eine Hochbahn, sowas wie eine S-Bahn, und darüber ist eine Straße für Autos.

    Dadurch wird der Platz optisch in zwei Teile geteilt. Hinten kommt man mit der Straßenbahn an. Dort ist auch ein Platz, auf dem jetzt gerade ein Weihnachtsmarkt war. Vorne sind die Kais, an denen die gelbgrünen Fähren anlegen, die zum Nahverkehr gehören. Seitlich gibt es auch noch Anlegestellen für Hafenrundfahrten und für ein Kreuzfahrtschiff. Im Laufe unserer drei Tage lag dort zweimal ein Kreuzfahrtschiff.

    Auf der einen Seite dieser Bucht liegt das älteste noch teilweise erhaltene Viertel von Sydney, the Rocks. Dort sind wir durch geschlendert und haben ein kleines Museum angeschaut, The Rocks Discovery. Nicht weit war auch noch das Museum of Contemporary Art. Das war recht teuer, klein und hat uns nicht besonders inspiriert. Nebenan haben wir noch ein paar Sushis vom Straßenverkauf zu Mittag gegessen.

    Dann mussten wir zu unserer Führung auf die andere Seite der Bucht zur Oper. Dort gibt es alle 15 Minuten eine Führung. Wir haben zwei Säle gesehen, Bereiche, wo man die interne Struktur der Muscheln sehen kann und eine interne Aussichtsplattform, wo die Zuschauer in der Pause einen Blick auf den Hafen genießen können. Da es dann meist schon dunkel ist, hatte der Architekt eine clevere Idee, wie man die Fenster so gestalten kann, dass man nicht hauptsächlich Lichtreflexionen von innen sieht. Die Fenster sind nicht senkrecht, sondern nach außen geneigt. Dadurch sieht man Reflexionen des Lichts, dass von oben kommt und von da kommt kein Licht. Also sieht man auch keine Reflexionen.

    Zur Architektur gab es leider nicht viele Erklärungen. Dazu gibt es andere Führungen und die waren leider schon ausgebucht. Aber es gab was zur Baugeschichte, dem Dänischen Architekten Jørn Utzon und dem an Donald Trump erinnernden Verhalten der Regierung nach einem Regierungswechsel während der Bauzeit (man wollte den Architekten loswerden und hat ihn einfach nicht mehr bezahlt). Er ist dann gegangen und hat sein Werk nie persönlich fertig gesehen. Am Ende gab es aber einen versöhnlichen Schluß.

    Der Bau dieser Schalen war seinerzeit sicher eine enorme Herausforderung. Unser Guide hat berichtet, dass sie nach zwei Jahren Ausführungsplanung zu dem Schluss gekommen sind, die Schalen als Ausschnitte von Kugeln zu formen. Dadurch werden viele Einzelteile von der Form her identisch. Haben die vorher wirklich versucht, nicht kugelförmige Schalen herzustellen? Dann wäre jedes einzelne Bauteil anders gewesen. Heute mit CAD-und CAM-Techniken macht man sowas, aber damals? Die Außenseiten der Muscheln sind gekachelt und haben einen leicht gelblichen Schimmer.

    Wir waren noch fit genug für einen weiteren Pflichtpunkt auf unserer Liste, einmal über die Harbour Bridge laufen. Dazu sind wir mit der Fähre auf die andere Seite zu Milsons Point Wharf gefahren. Dort gab es so eine Art Jahrmarkt. Man läuft dann noch etwas den Berg rauf und kann dann per Aufzug auf die Brücke hochfahren.

    Der Fußweg ist auf der Seite der Oper und vom Circular Quay, so daß man einen schönen Ausblick hat und gut fotografieren kann. Allerdings ist alles vergittert und man muss seine Kamera durch einen schmalen Schlitz nach außen halten. Also nicht loslassen.

    Hinter der Brücke kommt noch der Observatory Hill Park, von dem man einen schönen Blick auf die andere Seite der Brücke hat. Von dort sind wir über den schon vom Vortag bekannten Darling Harbour zum Hotel zurückgelaufen.

    Hea-Jee:
    Das berühmte Bauwerk, das Sydney Opera House, war noch beeindruckender, als ich es mir vorgestellt hatte. Der Architekt Jørn Utzon scheint ein wahrhaft geniales Talent gehabt zu haben. Die Idee war außergewöhnlich, und auch die Ausführung des Gebäudes war von hoher Qualität. Jedes Detail hatte seinen Sinn, alles fügte sich stimmig zusammen und wirkte klar und aufgeräumt.

    Einzig etwas schade war, dass später errichtete massive Gebäude viel zu nah an das Opernhaus herangerückt sind. Zwar hatte man offenbar darauf geachtet, die Gebäude etwas niedriger zu halten und einen gewissen Abstand zum Opernhaus zu wahren, doch ganz verhindern ließ sich nicht, dass das elegante Operngebäude dadurch etwas klein und verloren wirkte.

    In Sydney angekommen, fiel mir außerdem auf, wie stark die Sonne brannte – das Herumlaufen war dadurch ziemlich anstrengend.
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  • Tag 177 - Blue Mountains

    December 19, 2025 in Australia ⋅ ⛅ 32 °C

    Arnd:
    Für unseren zweiten Tag in Sydney haben wir einen Ausflug in die Blue Mountains gebucht. Die Blue Mountains sind ein westlich von Sydney gelegener Teil der Bergkette, die die Ostküste vom Inland Australiens trennt. Den Namen haben sie von dem blauen Dunst, der meist über der Gegend liegt und der rührt teilweise von den feinen Tröpchen von Eukalyptusöl her, den diese Bäume verströmen.

    Normalerweise versuche ich ja mit Bildbearbeitungstechniken Dunst in den Fotos zu reduzieren. Aber hier ist er das Markenzeichen und muss deshalb bleiben.

    Die Gegend war ursprünglich wohl ziemlich undurchdringlich. Die ersten Siedler, die auf der anderen Seite nach fruchtbarem Land suchen wollten, haben viele Jahre gebraucht, um überhaupt einen Weg auf die andere Seite zu finden und haben ihn wohl auch nur durch die Hilfe von Aborigines entdeckt.

    Ende des 19. Jhdts wurde dann aber auch das touristische Potential entdeckt und es gab einen regelrechten Wettkampf, welche Kommune den schönsten Weg durch die Felsen gebaut hat.

    Der erste beworbene Punkt unserer Tour sollte ein Ort sein, an dem man Kängurus beobachten kann. Dieser Ort entpuppte sich als die großen Gärten von Villen in einer bestimmten Gegend, wo Kängurus gern über den Zaun springen und was zu fressen suchen. Nachdem wir tatsächlich aus dem Busfenster zwei Kängurus gesehen hatten, fuhr der Bus weiter. Der Rest der Tour war aber tatsächlich sehr schön.

    Wir haben auf perfekt hergerichteten Wegen eine Wanderung zu einem Wasserfall gemacht, die Felsformation Three Sisters gesehen und noch einen Sonnenuntergang über den Blue Mountains beobachtet. Gleich zu Beginn gab es einen Aussichtspunkt, von dem man einerseits eine Felsformation und andererseits den bis in die Ferne reichenden, langsam im Dunst verschwindenden Eukalyptuswald sehen konnte.

    Hea-Jee:
    Die Blue Mountains Tour begann am Nachmittag um 12 Uhr mit dem Bus und endete spät abends in Sydney. Es waren etwa zwanzig Touristen dabei, einige aus Deutschland. Unser Guide erzählte, dass Gäste aus Deutschland und den Niederlanden immer am zahlreichsten seien. Er glaubt nicht, dass in Deutschland und den Niederlanden noch Menschen leben, die sind alle in Australien.

    Wir erreichten zu Fuß die Oberkante eines breiten, langen Wasserfalls, an dem kleine Wasserläufe hier und da hinabflossen. Unter der Führung unseres Guides betraten wir eine flache, breite Höhle und setzten uns nebeneinander. Vor uns öffnete sich der Blick auf den weiten, üppigen Wald. Durch die feinen Öltröpfchen der Eukalyptusbäume wirkte der Wald leicht neblig, aber wie der Name suggeriert, war er nicht wirklich blau – vielleicht türkisgrün.

    Unser Guide empfahl uns, die gesunde Luft des Waldes tief einzuatmen. Er zeigte auf einen kleinen Baum am Höhleneingang und nannte ihn Teebaum. Ein Wald, der aus Eukalyptus und Teebaum besteht – zwei Pflanzen mit anerkannten Heilkräften – ließ erahnen, wie gesund die Menschen gewesen sein müssen, die hier lebten.

    Er erklärte uns auch die Lebensphilosophie der Aborigines, die seit Urzeiten in dieser Gegend leben, anhand von vier zentralen Werten:
    Erstens: Spiritualität. Für die Aborigines bedeutet ein spirituelles Leben die Verbindung mit der unsichtbaren Welt. Diese Spiritualität bildet die Grundlage für Resilienz, also die Kraft, in schwierigen Zeiten wieder aufzustehen und sich nicht entmutigen zu lassen.

    Zweitens: Natur. Die Natur ist nicht nur ein Nutzobjekt, sondern ein Lebewesen, mit dem man zusammenlebt. Daher respektieren die Aborigines die Natur und legen Wert auf ein nachhaltiges Leben, das auch künftige Generationen einbezieht.

    Drittens: Familie. Die Familie ist die grundlegende Gemeinschaft, in der Liebe gegeben und empfangen wird. Sie gibt Halt in schwierigen Momenten und stärkt die Resilienz ihrer Mitglieder.

    Viertens: Gemeinschaft. In der Gesellschaft werden individuelle Erfahrungen innerhalb der Gemeinschaft geteilt und weiter vererbt. Aus diesen Erfahrungen wächst Weisheit, die wiederum die Gemeinschaft stärkt und die einzelnen Mitglieder widerstandsfähig macht.

    So zeigt die Lebensphilosophie der Aborigines, dass Spiritualität, Natur, Familie und Gemeinschaft eng miteinander verbunden sind und ein Leben im Gleichgewicht auch unter schwierigen Umständen ermöglichen.

    Die Aborigines lebten offenbar in kleinen Gemeinschaften von etwa zwanzig Personen. In diesem gesunden Wald achteten diese Menschen instinktiv auf die Natur, zeigten Liebe zueinander und führten ein weises, nachhaltiges Leben. Mir erschien das Schicksal der Aborigines besonders hart. Diese Welt ist niemals fair oder gerecht.
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  • Tag 178 - Sydney

    December 20, 2025 in Australia ⋅ ☀️ 29 °C

    Arnd:
    Direkt bei unserem Hotel beginnt eine Fußgänger- Einkaufsstraße, die bis zum Circular Quay geht. Die sind wir einmal entlanggelaufen. Die ältesten Häuser dort haben eine einheitliche Höhe von drei Stockwerken. Das kommt aus einer Zeit, als Sydney deutlich weniger Einwohner hatte. Bei einigen moderneren Häusern hat man die Stockwerke darüber etwas zurückversetzt.

    Ein besonders auffälliges Gebäude ist das Queen Victoria Building, oder kurz QVB. Ursprünglich eine Markthalle ist es heute ein Einkaufstempel mit vornehmen Geschäften, keinen Ketten. Zurzeit ist es weihnachtlich dekoriert. Vorm zentralen Tannenbaum herrscht großes Gedränge, weil die Leute Fotos von sich machen.

    Vor dem QVB fiel mir plötzlich auf, dass zwischen den Schienen der Straßenbahn noch ein Metallstreifen im Boden war. Ein Blick nach oben zeigte, daß die Straßenbahn gar keine Oberleitung hat. Das weckte meine Neugier, denn man kann den Strom nicht einfach komplett auf Bodenniveau verteilen, das wäre lebensgefährlich.

    Die Wikipedia konnte mir bei der Aufklärung helfen. Das scheint allgemein ein Ziel von Straßenbahnherstellern zu sein, denn es gibt dazu von verschiedenen Firmen verschiedene Lösungsansätze. Bei dem System hier in Sydney wird der Strom tatsächlich durch den Metallstreifen auf Bodenniveau verteilt, aber es ist immer nur ein Segment unterhalb der Bahn eingeschaltet. Es sieht wirklich besser aus, als mit den Leitungen. Aber es ist vermutlich auch teurer, oder hat andere Nachteile, denn es ist nur auf einer kurzen Teilstrecke im schönsten Teil der Fußgängerzone realisiert.

    Nachmittags waren wir noch im Museum of Sydney. Der Name war etwas irreführend, denn bei den Ausstellungsstücken ging es eigentlich nur um eine Ausgrabung des ersten Gouverneurshauses. Aber es wurde auch ein längerer Film gezeigt über die Anfangszeit der Besiedlung Australiens, die ja in Sydney begann. Der Film hatte einen Schwerpunkt auf der tragischen Beziehungen zu den Aborigines. Die Gouverneure hatten den Auftrag und wollten auch friedliche Beziehungen haben. Aber man wollte auch das Land haben. Und das ist eine schwierige Kombination von Wünschen.

    Zu Beginn des Films wurde auch über eine Pockenepidemie berichtet, die die Engländer aus Sydney bei den Aborigines beobachteten und die erhebliche Teile der Bevölkerung hinweggerafft hat. Eine Frage, die ich mir schon länger gestellt hatte war, ob es unter den Aborigines nicht auch so einen extremen Bevölkerungsschwund durch eingeschleppte Krankheiten gegeben hat, wie in Amerika nach der Ankunft der Europäer. In Amerika waren aber mehrere Krankheiten beteiligt. Bei diesem Pockenausbruch wird mittlerweile vermutet, dass die Erreger durch Kaufleute eingeschleppt wurden, die zu der Zeit von Makassar in Sulawesi, Indonesien, aus regelmäßig nach Nordaustralien fuhren.

    Abends bin ich nochmal allein losgezogen, um ein paar Nachtbilder bei der Oper zu machen. Es war eine schöne Stimmung bei sehr angenehmen Temperaturen. Und es war sehr voll draußen.

    Hea-Jee:
    Das historische Zentrum von Sydney ist rund um die heutige George Street entstanden, die schon von den lokalen Aboriginal-Gruppen genutzt wurde, bevor die ersten Engländer 1788 ankamen.

    Die Höhe der Gebäude entlang der Straßen orientiert sich proportional zur Breite der Straße. Im Vergleich zu europäischen Städten wie Paris, London oder Berlin sind die Hauptstraßen durch das historische Zentrum von Sydney relativ eng, und die Gebäude dort wurden von Anfang an eher niedrig gebaut.

    Das erinnert in seiner Größe ein wenig an Karlsruhe, das um 1715 als Residenzstadt eines kleinen deutschen Landes gegründet wurde. Ursprünglich plante man Sydney als Kolonialstadt für Strafgefangene – die Größe und der Maßstab der Gebäude spiegeln das wider.

    Heute jedoch ist Sydney zu einer Stadt gewachsen, die europäischen Hauptstädten in nichts nachsteht. Die charmanten alten Gebäude im Zentrum wurden gut erhalten, während überall im Stadtzentrum moderne Hochhäuser entstanden sind. Für jemanden aus Deutschland, wo Hochhäuser in der Nähe des historischen Zentrums meistens vermieden werden, wirkt das interessant.

    In Europa wurden Städte seit dem Mittelalter so gebaut, dass Rathaus, Kirche und Marktplatz im Zentrum standen. Einen ähnlichen Entwicklungsprozess kann man später auch in Sydney beobachten: Die City Hall, St. Andrew’s Cathedral und das viktorianische Einkaufsgebäude (das Queen Victoria Building) wurden im 19. Jhdt. prächtig nebeneinander errichtet. Das zeigt auch, dass die britischen Planer ab dem 19. Jhdt dieser Kolonie eine gewisse Bedeutung beimessen wollten.

    Wenn man der George Street weiter folgt, gelangt man beim Hafen in ein Gebiet mit niedrig gehaltenen, kleinen zweistöckigen Häusern, The Rocks. Hier sollen die ersten Engländer, die 1788 angekommen sind, ihre ersten Wohnplätze geschaffen haben. Unter den 1000 Menschen der First Fleet waren viele verurteilte Sträflinge dabei. Laut Museumsinformationen wurde Sydney in den ersten Jahren stark durch die harte Zwangsarbeit dieser Strafgefangenen aufgebaut; die ersten Unterkünfte bestanden aus einfachen Holzplanken. Ein Glück, dass das Klima halbwegs mild war.

    Wir waren so neugierig, dass wir den ganzen Tag durch die Stadt gelaufen sind, um vieles anzusehen. Später stellte ich fest, dass wir an diesem Tag 26 000 Schritte gemacht hatten. Vor ein paar Tagen hatte ich noch geschrieben, dass es weiter nach Süden kommend milder werde. Aber heute war es wieder so heiß. Weil wir uns so intensiv mit dem Sightseeing beschäftigt hatten, verpassten wir sogar unsere Mahlzeiten und waren so erschöpft, dass wir beide schnell gereizt wurden.

    Als wir abends im Hotel ankamen, wollte ich nur noch ins Bett fallen. Aber Arnd ruhte sich nur kurz aus und sagte, er wolle nochmal rausgehen, um Nachtfotos zu machen. Was für ein harter Brocken!
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  • Tag 179 - Sydney

    December 21, 2025 in Australia ⋅ ☁️ 30 °C

    Arnd:
    Unser letzter Tag in Sydney. Der Bus, der uns nach Canberra bringen sollte, fuhr um 17:30. Unser Gepäck konnten wir so lange im Hotel lassen.

    Am Vormittag, wo die Sonne auf der richtigen Seite steht, wollte ich gern noch ein Foto machen, auf dem Oper und Harbour Bridge zusammen zu sehen sind. Dazu mussten wir ein Stück durch den Botanischen Garten laufen. Wir haben es nicht ganz bis zu dem empfohlenen Fotospot geschafft, weil wir für den Rückweg einen Bus nehmen wollten, der nur alle 40 Minuten fuhr und wir nicht zu viel Zeit verlieren wollten. Außerdem war es sehr heiß. Aber das Foto ist auch so ganz gut.

    In der Stadt haben wir noch die St. Andrews Cathedral angeschaut, eine anglikanische Kirche direkt neben der City Hall. Sie sah aus wie eine gotische Kathedrale (Baujahre 1837 bis 1868). Interessant war das fehlende Gewölbe, das durch eine bemahlte Holzkonstruktion ersetzt ist und die bemalten Orgelpfeifen.

    Für den Nachmittag hatten wir uns online Tickets für das Aquarium in Sydney besorgt. Wenn man beim Kauf gesagt hat, dass man dieses Ticket haben will, kommt gleich die Frage, ob man nicht ein Doppelticket mit einer anderen Attraktion haben will. Kostet nur 10A$ extra. Ok, auf den Sydney Tower könnte man auch noch gehen, die Zeit reicht dafür. Hat man sich dazu entschieden, kommt gleich die Frage, ob man nicht eine Dreifachtour haben will. Da habe ich dann abgebrochen.

    Das Aquarium war sehr umfangreich. Unter anderem haben sie ein Dugong (Seegras fressende Säugetiere, die den Seekühen verwandt sind), ein paar Haie und sogar ein paar Pinguine. Das Dugong wurde alle 15 Minuten gefüttert. Dazu wurde eine Art Brett ins Wasser geworfen, auf dem einzelne Salatblätter befestigt waren. Das Tier war so dressiert, dass es das abgefressene Brett zurückbringen konnte. Das erhoffte Mini Great Barrier Reef gab es aber leider nicht.

    Um auf den Sydney Tower zu kommen musste man erst mit dem Fahrstuhl ins fünfte Stockwerk eines Gebäudes fahren. Dort gab es einen sehr großen Food Court, in dem wir uns auf der Suche nach dem Fahrstuhl für den Turm regelrecht verlaufen haben. Eine freundlich Mitarbeiterin hat uns dann zu unserem Ziel gebracht. Oben gab es die erwartete gut Rundumsicht über Sydney. Leider wieder hinter Glas, was den Fotos so eine Färbung verleiht.

    Wieder unten im Food Court haben wir um 16:00 ein frühes Abendessen beim Koreaner eingenommen, es gab einen happy hour Rabatt, und sind dann zurück zum Hotel und zur Busstation aufgebrochen.
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  • Tag 180 - Canberra

    December 22, 2025 in Australia ⋅ ☀️ 26 °C

    Arnd:
    Canberra, die Kompromisshauptstadt. Weil Sydney und Melbourne sich nicht einigen konnten, wurde ein Dorf (fast) in der Mitte zur Hauptstadt hochgerüstet. Es ist also eine ziemlich junge Planstadt.

    Wir hatten für Canberra einen Tag vorgesehen. Unser Plan war, ein paar Highlights zu besuchen, die aber leider alle um 17:00 schließen. Also mussten wir uns etwas beeilen.

    Morgens am frühesten geöffnet hatte das National Museum of Australia. Dort gab es gerade eine Sonderausstellung über Korea, Hallyu! The Korean Wave. Da ich aber was über Australien lernen wollte, ist da nur Hea-Jee reingegangen. Die Dauerausstellung enthielt viele Objekte und Erklärungen zur Australischen Kulturgeschichte. Da habe ich einiges gelernt. Außerdem gab es einige Kunstobjekte, vor allem von ursprünglichen Bewohnern.

    Neben den Aborigines gibt es in Australien noch eine zweite Gruppe von Ureinwohnern, die Torres Strait Islander. Die Torres Strait ist die Wasserstraße zwischen dem Nordosten von Australien und Papua Neuguinea. Dort liegen viele Inseln, die alle zu Australien gehören. Die Menschen dort sind Melanesier und nicht verwandt mit den Aborigines. Es gab eine eigene Ausstellung mit Objekten und Kunst aus der Torres Strait.

    Mittags haben wir im Museumscafé zwei Koreanische Fusiongerichte gegessen, ein Kimchi-Omelette und einen Salat mit fritierten Mandus. Beides sehr lecker. Von der Terasse des Cafés gab es einen Blick über den Lake Burley-Griffin, ein künstlich angelegter See, der die Wohnstadt von den staatlichen Einrichtungen trennt. Im See läuft eine Fontäne.

    Anschließend sind wir per Uber zum New Parliament gefahren. Das ist für Besucher geöffnet, man kann sogar aufs Dach gehen, von wo aus man eine schöne Aussicht hat.

    Schließlich sind wir noch zur National Gallery gelaufen. Dort gibt es Kunst, vor allem neuere Kunst von australischen Künstlern. Vor dem Gebäude ist eine Plastik, die eine symbolische Schlange zeigt, die sich selbst in den Schwanz beißt. Sie ist in spiegelndem Metall ausgeführt und ganz eindrucksvoll. Von derselben Künstlerin gab es eine Plastik vor dem Museum of Contemporary Art in Sydney, ein Auge.

    Das prominenteste Werk im Museum ist The Aboriginal Memorial. Ein Werk, das an die während der Landnahme Ermordeten Aborigines erinnern soll und von 43 Künstlern gemeinsam geschaffen wurde. Mehr dazu unter:
    Mehr dazu unter: https://nga.gov.au/first-nations/the-aboriginal…

    Nach einem Abendessen beim Italiener mussten wir noch ein paar Stunden auf unseren Bus warten, der uns endlich nach Melbourne bringen sollte.
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  • Tag 181 - kurzer Statusupdate

    December 23, 2025 in Australia ⋅ ☀️ 20 °C

    Wir sind in Melbourne, am Ziel unserer Reise angekommen. Im Moment sind wir, auch wegen Weihnachten, ziemlich beschäftigt und es hat sich einiges an Material für unseren Pinguin angesammelt. Das wird in den nächsten Tagen nach und nach folgen.Read more

    Trip end
    December 23, 2025