• Hélène - on the road
  • Caro Messer
April 2019

Konichiwa - Japan

A dream comes true... Read more
  • Trip start
    April 10, 2019

    Auf geht's

    April 10, 2019 in Japan ⋅ 🌧 5 °C

    Flughäfen haben etwas Magisches - vor allem wenn man aus dem Geschäftsreisen-Trott ausbricht, der Fliegen dem Busfahren gleich macht. In der Luft hängt die Vorfreude auf Neues, die Erwartung außergewöhnlicher Erlebnisse. Nach einem kleinen Extra-Check an der Security segeln wir smooth durch die Gänge und checken beim goldenen M ein. In Einstimmung auf das Land von Technik und Digitalisierung bestellen wir natürlich bei einer Maschine, glücklicherweise erfolgt die Auslieferung des Essens in human. Neben uns landet ein Schwarm grün gewandeter, christlicher Mädchen... um gleich darauf schnatternd gen Shanghai aufzubrechen. Wir genießen weiter das lebende Flughafen-Wimmelbild, die ersten japanischen Durchsagen... das Reisefieber steigt!Read more

  • Nagasaki 1 - Frieden und Toleranz

    April 12, 2019 in Japan ⋅ 🌙 13 °C

    Heute holt uns am Morgen ein kleiner freundlicher älterer Herr im Hotel ab: Toru ist unser Guide für den Tag. Und er lässt uns gleich in einer Reihe stramm stehen an der Tram-Station, das muss alles seine Ordnung haben. Erst steigen Leute vorne aus, dann darf man hinten einsteigen. Und findet sich umgeben von einem Wald an Werbeschildern. Überhaupt ist die Tram wie ein Einmannorchester voller Geräusche töfftöff, ping, tröt, bleep, bleep, doingdoing, kosinmasimass... Aber der nette Tramführer - schick in Uniform und Handschuhen - bedankt sich bei jedem Fahrgast, dass er das Gefährt genutzt hat. Arigatooo.
    So kommen wir am Atombombenmuseum an: harte Kost zum Anfang unserer Reise. Vom luftigen Eingang führt die Tour hinab in das bedrückende Untergeschoss, wo eindrücklich gezeigt wird, was Fat Man angerichtet hat. Da steht unser Guide vor einem Video das den aufsteigenden Atompilz zeigt und sagt:
    „I saw this with my own eyes. I was nine years old“.
    Und schon hat die Katastrophe ein Gesicht. Gänsehaut.
    Sichtlich bewegt wandeln wir danach durch den Peace Park, der mit seinen Skulpturen und Statuen den Frieden ehren soll. Um 11:02 erklingt wie jeden Tag zur genauen Minute, zu der dicke Mann am 9. August 1945 die Stadt traf, ein Friedenslied. Ein weiteres Sinnbild des Friedens sind die sorgsamst gefalteten Origami-Kraniche, die man zu Ketten verschlungen hier überall findet.
    Nagasaki ist auch die Hochburg der „hidden Christians“, die über 200 Jahre hinweg das Christentum heimlich praktiziert und weitergegeben haben, während Japan sich von der Außenwelt abschottete und Christen verfolgt wurden. Also ist der erste Tempel, den wir in Japan betreten, eine Kirche. Fünf Minuten absoluter Stille widmen wir der Betrachtung der Jungfrau Maria und kommen gedanklich zur Ruhe. Nagasaki zeigt sich uns an diesem Vormittag als Stadt, in der Hoffnung auf Frieden und die Toleranz der Religionen hoch gehalten werden.
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  • Nagasaki 2 - Einflüsse von Außen

    April 12, 2019 in Japan ⋅ 🌙 13 °C

    Was haben Nagasaki, Japan und San José, Costa Rica gemeinsam? Die Fussgängerampeln rufen Kuckuck, wenn man die Straße überqueren kann. Hier mischt sich sogar noch ein anderer Vogel in die Geräuschkulisse, damit man auf keinen Fall die Ampeln verwechselt.
    Wir treffen Schulklassen auf Schulausflug, bestimmt Hundert Schüler, alle identisch von Kopf bis Fuß angezogen, brav in einer Reihe -à la queue leu leu- aufgestellt, und hopp, als der Kuckuck ruft, geht es im Laufschritt (!) auf Anweisung des Lehrers weiter.... Erstaunlich, der Traum eines jeden Lehrers, aber gibt es hier kein pubertäres Aufbäumen gegen die Autorität?
    Wir finden Ruhe im Glover Park, der nach einem Schotten benannt ist. Wir sitzen in der Sonne, es riecht nach Frühling und der Hafen Nagasakis mit seinen riesigen (Kreuzfahrt-)Schiffen liegt uns zu Füßen. Koi-Karpfen schwimmen träge durch angelegte Teiche, kleine Schildkröten recken ihre Köpfchen in die Sonne. Wir flanieren an gepflegten Rabatten und Bäumen vorbei, grüßen Madame Butterfly und Puccini am Wegesrand. Und da man auch in einem Park nicht auf Beschallung verzichten will, hängen die Klänge von „un bel di vedremo“ in der Luft. Jaja, wir werden sehen.
    Weiter gehts zum Tempel Kōfuku-ji, dem ältesten chinesischen Zen-Tempel in Japan, flugs ein Tempelbuch gekauft und eintragen lassen, eine kleine Privatführung... und dann treibt uns unser Guide zur Eile an. Wir haben Mühe mit dem 83jährigen Schritt zu halten!
    Nach den Portugiesen kamen die Holländer nach Japan, durften aber nur auf der Mini-Insel Dejima, vor Nagasaki leben. In der Zwischenzeit liegt diese Insel in der Stadt, so dass sich das Ensemble kleiner, alter holländischer Häuschen an moderne Riesengebäude anschließt. Unser Guide huldigt dem Deutschen Dr. Siebold, das die moderne Medizin nach Japan brachte. Wir waren ob dieser deutschen Errungenschaften ahnungslos, Asche auf unser Haupt.
    Der Tag klingt im All-You-Can-Eat-Restaurant aus, wir futtern uns durch Töpfchen und Schälchen, bis wir satt und glücklich sind.
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  • Nagasaki 3 - Treppen und Tempel

    April 13, 2019 in Japan ⋅ ⛅ 14 °C

    Heute steht der Tag zur freien Verfügung und wir nehmen uns vor, es ruhig angehen zu lassen.... Nach einem Besuch in unserem Konbini, wo wir Getränke aus der Kühltheke und nicht aus der Warmtheke (!) erstehen, machen wir uns auf den Weg. Praktischerweise kann man in Nagasaki fast alles mit der Tram erreichen, alles ist leicht verständlich und das Notwendige auf Englisch ausgeschildert. Unsere Tempeltour startet versehentlich mit einem kleinen, in ein Wohngebiet gequetschten Shinto-Schrein, Yasaka-jinja, zu dem man über eine lange Treppe gelangt. Freundlich werden wir in absoluter Ruhe empfangen. Wir beobachten wie Japaner hier kurz zum Gebet Einkehr finden, bevor sie schnell mit ihrem Alltag fortfahren.
    Um die Ecke finden wir, wieder über Treppen erreichbar, den zweitältesten chinesischen buddhistischen Tempel Sōfuku-ji. Farbenfroh geschmückt, von Fledermäusen gegen böse Geister bewacht, thront hinter einem eigens errichteten Tor, Mazu, die daoistische Schutzgöttin der Seefahrer. Seit dem 17. Jahrhundert wacht sie hier über die Geschicke der Hafenstadt.
    Wir werfen einen kurzen Blick auf die Brillenbrücke, wobei wir anderen asiatischen Touristen bei ihrem Instagram-Moment helfen.
    Der Eingang zu Suwa-jinja wird von einem grauen Torii markiert, das relativ unscheinbar zwischen den Häusern aufragt und in keinster Weise darauf hinweist, dass man gefühlt 1000 krumme Steintreppen erklimmen muss, um zum Schrein zu gelangen. Auch die Treppengeländer sind hier keine wirkliche Hilfe, sie sind einfach zu niedrig angebracht. Endlich oben angelangt dürfen wir eine Verschnaufpause einlegen, denn auf den letzten Stufen vor dem Schrein nimmt eine Hochzeitsgesellschaft feierlich-ernst Aufstellung für‘s offizielle Foto. Und wir sehen zu, ganz die staunenden Touristen. Die relativ weitläufige, friedlich daliegende Anlage ist den Göttern des Kampfes und der Jagd geweiht, heute werden hier auch Autos geweiht.
    Fußläufig entfernt liegt verlassen der Tempel Shōfuku-ji. Auch hier sind wieder einige Treppen zu erklimmen, bevor man den etwas morbiden Charme und die Schlichtheit der verwitterten Holz-Gebäude, des kleinen Friedhofs und des stillen Gärtchens bewundern kann.
    Dagegen nimmt sich der letzte Tempel des Tages wie niederbayrisches Barock im Vergleich zur Romanik aus. Kōshibyō, ein Konfuzius-Schrein, ist bunt und mit vielen Details reich verziert. Im Innenhof stehen die 72 Konfuzius-Schüler in Reih und Glied. Aber immerhin ist er ebenerdig ohne Treppen zugänglich!
    Der Tag klingt auf dem Berg Inasayama aus, den wir bequem per Seilbahn erreichen. Nach spektakulärem Sonnenuntergang breitet sich die Bucht von Nagasakis glitzernd vor uns aus.
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  • Kumamoto - Land der Samurai

    April 14, 2019 in Japan ⋅ 🌧 13 °C

    Per Überlandbus fahren wir von Nagasaki nach Kumamoto, einer ehemaligen Samurai-Hochburg, die 1877 während des Satsuma-Aufstands fiel (ich sage nur „Last Samurai“). Heute grüßen uns moderne „Samurai“ von Plakaten: man ist hier schon in Vorbereitungen für die Rugby-WM im Herbst begriffen.
    Zur Beginn unserer Tour haben wir richtig Glück, es treten verschiedene Taiko-Klassen auf und wir werden Zeugen einer traditionellen Trommel-Einlage.
    Leider hat der Regen uns eingeholt, ich vermisse schon meinen Freund, den Regenponcho. Aber der Japaner an sich ist ja immer gut vorbereitet, weswegen es hier überall Schirme gibt. Wir folgen unserer Führerin Yuki zunächst zur Burg Kumamoto. Leider können wir nur einen Blick von außen darauf werfen, da sie 2016 durch ein Erdbeben nahezu vollständig zerstört wurde. Jetzt werden alle Steine einzeln nummeriert und katalogisiert und das Puzzle als Ganzes wieder zusammengesetzt (kein Scherz). Danach fahren wir per Tram zum Garten Suizenji Jōju-en, der 1636 angelegt wurde, sehr malerisch - selbst im Regen. Auch hier finden wir Shinto-Schreine -Izumi-jinja. Yuki erklärt gibt uns eine Einführung in Shintoismus und Buddhismus. Sehr interessant, leider hat sie ein kleines l/r-Problem: für uns ist der Schrein nun für immer der „ugly culture“ gewidmet statt der Landwirtschaft.
    Abends machen wir uns auf die Suche nach etwas Essbaren. Da wir ganz offensichtlich nach Touristen aussehen, bekommen wir sofort gewollt oder ungewollt Hilfe, sehr freundlich, die Japaner. Dennoch nehmen wir unser Schicksal in die eigene Hand und landen in einem sehr hübschen, traditionellen Restaurant - Schuhe ausziehen, Hotpot am Tisch. Spezialität der Hauses: Kutteln! Konnte man leider so nicht vorhersehen... aber mit Knoblauch und Gemüse erstaunlich lecker! Und als „Nachtisch“ japanisches Risotto. Abenteuer Essen.
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  • Aso - Vulkane und Treppen

    April 15, 2019 in Japan ⋅ ☀️ 12 °C

    Per Bus reisen wir zum Vulkan Aso, beziehungsweise zum Vulkangebiet Aso, dass durch eine Supereruption vor 90.000 Jahren entstanden ist. Der einzige noch aktive Vulkan ist der Naka-Dake, in dessen Krater wir schauen wollen. Aber er ist schlecht gelaunt, grummelt und raucht vor sich hin. Er will einfach keine Gesellschaft. Also bleibt uns der Aufstieg auf den Nachbarberg, bei bestem Wetter und frischer Luft, wandern wir steil, also wirklich steil hinauf. Gefühlt tausende Stufen, die Tempel-Treppen in Nagasaki waren nur das Aufwärmtraining! Aber es lohnt sich, wir haben eine fantastische Sicht auf den schlecht gelaunten Berg, der weiter Rauchzeichen von sich gibt. Die Landschaft darum herum erinnert ein bisschen an eine Mischung aus Highlands und Mondlandschaft. Wieder herabgestiegen, machen wir uns auf den Rückweg. Wir haben ein bisschen Zeit, die uns Yuki - „ich hab da mal was vorbereitet“ - mit einem Exkurs über japanische Musik (mit Kassettenrecorder!) verkürzt. Etwas gewöhnungsbedürftig für westliche Ohren, aber sehr interessant.
    Wieder in Kumamoto schauen wir uns Burg und Kirschblüten noch einmal bei schönem Wetter an und lassen den Tag stilecht mit lecker Sushi ausklingen.
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  • Hiroshima

    April 16, 2019 in Japan ⋅ ⛅ 15 °C

    Wir verlassen Kyûshû und begeben uns geschwind mit dem Shinkansen auf die Hauptinsel Honshû. Erster Halt ist Hiroshima (die Bedeutung Big Island wirkt wie ein Augenzwinkern an Hawaii). Wenn man die quirlige Millionenmetropole sieht, kann man sich nicht vorstellen, dass sie am 6.August 1945 durch eine relativ kleine Bombe und „nur“ einem Kilo Uran quasi dem Erboden gleich gemacht wurde. Doch obwohl man nach der Katastrophe dachte, hier wächst kein Gras mehr, trieben innerhalb weniger Monate neue Oleander aus und gaben den Überlebenden neue Hoffnung, heute ist das die Blume der Stadt. Auch hier: Fluctuat nec mergitur!
    Weitere Hoffnungsträger sind die auch hier allgegenwärtigen Origami-Kraniche,die auf die Schülerin Sadako zurückgehen, die in der Hoffnung auf Genesung über 1000 Miniatur-Kraniche gefaltet hat. Leider vergebens, aber die Tradition wird fortgeführt, jedes Jahr schicken Schüler aus aller Welt über 10 Millionen Kraniche nach Hiroshima. Wir flanieren weiter bei schönstem Wetter durch den Friedenspark, läuten die Friedensglocke und besuchen das Atombombenmuseum.
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  • Kurashiki - Entspanntes Flanieren

    April 16, 2019 in Japan ⋅ ☀️ 18 °C

    Von Hiroshima aus fahren wir mit dem Shinkansen nach Okayama, wo wir -sehr „local“- in einen kleinen Regionalzug nach Kurashiki umsteigen. Die kleine Händlerstadt aus der Edo-Zeit, wird das kleine Venedig Japans genannt. Das historische Dorf aus Lagerhäusern ist in die moderne Stadt eingebetet. Man muss nur um eine Ecke biegen und schon ist man in einer anderen Zeit, als dies ein wichtiger Umschlagplatz für Reis war, der über Kanäle bis zum Ozean transportiert wurde. Die schwarz-weißen Gebäude mit den liebevoll gestalteten Giebeln beherbergen heute Lädchen und Galerien und laden zum entspannten Flanieren ein. Und dann brauchen wir ja noch unsere tägliche „Tempel- und Schreindosis“, über einige Treppen gelangen wir zu einem schönen Shinto-Shrein, der beschaulich in der Abendsonne die Stadt überblickt.Read more

  • Himeji - der Reiher über der Stadt

    April 17, 2019 in Japan ⋅ ☁️ 18 °C

    Heute sind wir auf eigene Faust unterwegs und genießen wieder die Vorzüge des Shinkansen, der uns schnell und bequem nach Himeji „fliegt“. Schon vom Zug aus können wir die Burg des weißen Reihers über der Stadt thronen sehen. Sehr praktisch, um sich schnell und unkompliziert zurechtzufinden. Das gesamte Burg-Ensemble ist sehr gut erhalten, frisch renoviert und strahlt in schönstem Alpina-Weiß. Mit den Kirschbäumen davor ein wahres Postkartenmotiv. Vermutlich zu Recht soll dies die schönste Burg Japans sein. Malerisch, an Kitsch grenzend schön, und nie eingenommen. Von innen bewundern wir das glatte, dunkle Holz und erklimmen -auf Socken und immer den Kopf einziehend- Stockwerk um Stockwerk. Ein richtiges Labyrinth, in dem sich Angreifer vermutlich sowieso nicht zurechtgefunden hätten. Wir Touristen werden sorgsam gelotst, auf der einen Seite gehen alle hoch auf der anderen Seite wieder runter. Auch hier will alles seine Ordnung haben. Glücklich, ganz von der Schönheit des Ortes, machen wir uns auf den Weg zu unserer nächsten Station.Read more

  • Okayama - Garten mit Burg

    April 17, 2019 in Japan ⋅ ☀️ 21 °C

    Der Shinkansen bringt uns hurtig zurück nach Okayama, wo wir noch einen Garten-Stopp einlegen wollen. Wir steigen in einen Katzen-Bus um (kein Scherz! Der Bus ist wirklich von oben bis unten mit schwarzen Katzen dekoriert) und gelangen problemlos und direkt ans Ziel. Der Kōraku-en gehört zu den drei berühmten Gärten Japans und lädt zum lustwandeln ein (endlich kann man dieses Wort einmal benutzen). Jedes Detail ist liebevoll angelegt, jede Perspektive stimmt, das Schloss im Hintergrund wird in den Garten integriert, es gibt Seen mit dekorativen Inseln, Koi-Karpfen, malerische Hügel, Feuerahorn, Kirschblüten, Schreine, alles was man in einem japanischen Garten erwartet. So genießen wir die letzten Sonnenstrahlen bevor wir nach Kurashiki zurückkehren.Read more

  • Kōya-san 1 - Eine Nacht im Tempel

    April 18, 2019 in Japan ⋅ ☀️ 12 °C

    Wir nehmen den Express-Bus nach Osaka, wo wir von einer neuen Führerin in Empfang genommen werden. Auch sie hat da mal etwas vorbereitet und drückt uns sofort den Plan für die nächsten zwei Tage in die Hand, alles ist durchdacht, von den Mahlzeiten bis zu den Toilettenpausen. Punkt 1: Ready-to-Eat-Sushi für den Zug erstehen. Punkt 2: mit dem Bummelzug raus aus Osaka in die Berge fahren. Die zerklüfteten Steilhänge sind bewachsen mit wechselnder Vegetation, riesigen Bambushainen, Nadelbäume über Nadelbäume, die alle stramm in Reih und Glied Richtung Sonne wachsen. Man hat den Eindruck, hier sind selbst die Wälder extra aufgeräumt. Zwischendrin findet sich aber immer wieder eine vergleichsweise unordentliche Palme. Das letzte Stück hinauf nach Koya-san geht per Seilbahn, und die ist voll, über-voll mit Touristen. Und das an so einem „abgeschiedenen“ Ort. Denn Koya-san wurde im 9. Jahrhundert von Kōbō Daishi, dem Begründer des Shingon-Buddhismus, als Ort der religiösen Einkehr gegründet. Aus dem ursprünglich einen Tempel ist eine ganze Tempel-Stadt gewachsen, eine religiöse Hochburg. Wir folgen unserer Führerin, die wie alle unsere Guides einen Affenzahn vorlegt. Erster Stopp ist „unser“ Tempel, wo wir nur kurz unser Gepäck auf die Tatami-Matten werfen. Weiter geht es mit dem Bus zum Hauptheiligtum Kongōbu-ji, wo wir (auf Strümpfen) den Ausführungen unserer begeisterten Führerin lauschen, wundervoll bemalte Schiebetüren bewundern und in den 140 Steinen des größten japanischer Steingartens die Form zweier Drachen erahnen.
    Danach eilen wir zurück zum Abendessen im Tempel, das pünktlich um 17:30 auf kleinen Tischchen serviert wird. Auf Tatami-Matten kniend genießen wir das vegetarische Mahl, das traditionell fünf verschiedene Geschmacksrichtungen, fünf Koch- oder Garmethoden und fünf Farben umfasst. Außerdem enthält es die für Koyasan typischen Tofu-Sorten, Sesam-Tofu und gefrorener Tofu. Naja. Alles schmeckt lecker, aber Tofu bleibt Tofu. Bevor wir uns auf die Futons begeben, machen wir noch eine kleine Runde durch den Ort, der nun sehr beschaulich beleuchtet ist. Lampions oder Laternen weisen uns den Weg zu Konpon-daitō, einer riesigen zwei-stöckigen Pagode, die das Zentrum der religiösen Aktivitäten in Koya-san bildet. Der Geruch von Räucherstäbchen und Zedern hängt in der Luft, es ertönt mehrfach der Klang eines lauten Gong über der Stadt. Ein wahrhaft spiritueller Ort.
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  • Koya-san 2 - Gräber und Gebete

    April 19, 2019 in Japan ⋅ ⛅ 11 °C

    Karfreitag mal anders: wir nehmen an der Morgenzeremonie im Tempel teil, zumächst unsicher wie wir uns zu verhalten haben, es fehlt ja jegliche Referenz. Wir dürfen in einem bestuhlten, beheizten Besucherbereich aus zusehen wie die 4 Mönche ihr Sutra chanten, eintönig wiederkehrend immer dieselben Silben, ab und zu unterbrochen durch einen Gong. Später lernen wir, dass sich das Mantra in Koya-san immer um die Hingabe zu Kōbō Daishi dreht, der hier wie wie ein Heiliger verehrt wird.
    Die ständige Wiederholung ist sehr meditativ, man kann sich vorstellen, wie man dabei auch in Trance verfallen könnte, Zeit für uns, uns ein bisschen umzusehen. Der Raum hat eine ziemlich niedrige Decke, die mit Laternen abgehängt ist. Es ist relativ dunkel, und überall stehen kleine Täfelchen, die den Verstorbenen gedenken. Es riecht intensiv nach Räucherstäbchen, die zur spirituellen Reinigung abgebrannt werden. Wir werden eingeladen, nach vorne zu kommen für ein kurzes Gebet, und uns über verbranntem Zedernpulver etwas zu wünschen. Nach einer halben Stunde ist die Zeremonie vorbei, auch wenn vieles verschlossen bleibt, ist dies doch eine unvergessliche spirituelle Erfahrung,
    Weiter geht es mit dem Frühstück, wieder vegan, ausgewogen und kniend auf Tatami-Matten.
    Pünktlich um acht werden wir für unsere heutige Tour abgeholt: nur ein paar Meter weiter liegt Oku-no-in, mit 200.000 teils uralten Gräbern Japans größter Friedhof und das Mausoleum für Kobo Daishi. In vielen Jahren soll der zukünftige Buddha hier erscheinen und predigen. Da möchten natürlich viele in bester Position dabei sein, so dass hier auch sehr viele hochgestellte Persönlichkeiten (beispielsweise 100 der 200 historischen Feudalherren/Samurai), Erleuchtete und Buddhas begraben sind. Im neueren Teil des Friedhofs gibt es auch viele Firmengräber: Panasonic mit einem Grabstein in Form eines Fernsehers, die Rakete einer Raumfahrtfirma, die Kaffeetasse einer Kaffeerösterei und das Grab mit dem ein Kammerjäger bei den Termiten Abbitte leistet. Wir wandern unter alten, riesige Zedern vorbei an bemosten Gorintos (Grabsteinen) und Buddhastatuen. Viele tragen ein Lätzchen mit dem Eltern um Segen für verstorbene Kinder bitten. Zumindest war das urplötzlich so, heute wird für alles mögliche gebeten: Geld, Liebe, das Übliche also. Nachdem wir 3 Brücken nach artiger Verbeugung überquert haben, erreichen wir das das Allerheiligste, den Tempel und das Mausoleum, in dem Kōbō Daishi in ewiger Meditation verharrt. Rituelles Verbeugen, Mantras, rituelles Reinigen, keine (!) Fotos. Und schon geht es zurück durch den Wald aus Jahrhunderte alten Bäumen und Gräbern. Wir verabschieden von Koya und machen uns auf nach Kyoto.
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  • Kyōtō 1 - Mit dem Rad, die Nase im Wind

    April 20, 2019 in Japan ⋅ ⛅ 16 °C

    Angekommen in Kyōtō ist der erste Eindruck: voll, voll, voll. Touristen über Touristen, die alte Hauptstadt ist eben ein Hotspot jeder Japanreise. Wir versuchen uns ein bisschen in Gion zu tummeln, staunen über Fressbuden vor dem Yasaka-jinja Schrein und halten nach Geishas Ausschau. Es gibt mehr als Geishas verkleidete Touristen, als man zählen kann, aber vermutlich haben wir doch zwei echte gesehen. Wir beschließen den Abend in der hiesigen Einkaufsmeile in einem Mini-Sushi-Restaurant - no English Menu, aber dafür ruhig, lecker und authentisch.
    Am nächsten Tag entdecken wir Kyōtō per Fahrrad, relativ früh am Morgen ist die Stadt noch leer, die Sonne scheint, herrlich. Wir radeln am Kaiserpalast vorbei, durch das Uni-Viertel Richtung Osten der Stadt. Der Philosophen Weg ist glücklicherweise flach, ich hatte da schon gewisse Befürchtungen vorher. Er führt wunderschön an einem Bach entlang, mit blühenden Kirschbäumen gesäumt. Träumchen. Wir gelangen zum Nanzenji Tempel, dem größten Zen-buddhistiischen Zentrum hier in Kyōtō. Wir erklimmen (tägliche Ration Stufen) das riesige Tor und genießen einen Moment den Ausblick über die Stadt. Weiter geht es zum Heian-jinju Schrein, der den zwei Kaisern gewidmet ist, die die Zeit Kyōtōs einläuteten und beendeten. Eine riesige Anlage, die durch eines der größten Torii Japans gekennzeichnet ist. Wir wären gerne noch länger geradelt, aber leider ist die Tour kurz darauf zu Ende. Also klappern wir auf eigene Faust noch das absolute Must-Have ab: der Goldener Pavillon Kinkaku-ji. Von Touristen überlaufen, aber ein absolutes Highlight. Danach noch ein Abstecher zum Zen-Stein-Garten Ryoan-ji. Zwar wird dieser gerühmt, aber eigentlich finden wir den echten Garten drum herum dank Ahorn und Kirschblüten viel schöner. Der Tag endet mit einer leckeren Portion Wagyu-Rind. Wer braucht schon Tofu?!?
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  • Kyōtō 2 - Laufen, laufen, laufen

    April 21, 2019 in Japan ⋅ ⛅ 18 °C

    Wir entfliehen den Menschenmassen und gehen von unserem Guide Suzuki-san angeführt im Westen Kyōtōs wandern. Nach einer kurzen Busfahrt erreichen wir die Takao-Region und schon ist es ruhig um uns herum. Der Wanderweg startet - wie könnte es anders sein - mit Treppen... hinauf zu einer kleinen, schönen und vor allem ruhigen Tempelanlage. Auch hier hat Kōbō Daishi eine Rolle gespielt, man findet ihn wirklich überall wieder. Wir wandern in aller Ruhe ca drei Stunden über Stock und Stein, haben nur einen kurzen Menschenstau, als uns auf einem schmalen Pfad eine große japanische Wandergruppe entgegenkommt. Konichiwa, arigato, konichiwa, arigato, konichiwa, arigato... bis alle aneinander vorbei geschlängelt sind. Perfektes Wanderwetter, wunderschöne Landschaft, ein wirklich schöner Ausflug!
    Auf dem Rückweg vom Wanderausflug machen wir einen Stopp beim Bambus-Wald, der seine Berühmtheit wohl Instagram verdankt. Und da sind sie wieder, die Horden von Touristen, der kleine Ort ist völlig überlaufen. Nach einem kurzen Spaziergang und einigen Fotos über die Köpfe der Menschenmassen hinweg, treten wir den Rückzug an. Den Abend verbummeln wir in Kyōtō-Station, ein wirklich beeindruckender Bahnhof. Die interessante Architektur, die Lichtershow auf der großen Treppe und eine Photographie-Ausstellung machen auch ihn zu einer Sehenswürdigkeit, ein Tempel des modernen ÖPNV.
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  • Inari & Nara: Torii und Rehe

    April 22, 2019 in Japan ⋅ ☀️ 26 °C

    Heute ist mal wieder ein „freier“ Tag:
    Unser Programm startet mit Fushimi-Inari-taisha, dem Schrein der 1.000 Tore, der zu den ältesten Kyōtōs gehört. Die orange-roten Tore werden von Gläubigen in den Hoffnung auf gute Geschäfte gespendet, dicht an dicht stehen sie in einer scheinbaren endlosen Reihe über den gesamten Hügel verteilt. Langsam wandert man durch einen orangenen Tunnel, den die Sonne wunderschön zum Leuchten bringt. Obwohl wir relativ früh am Tag da sind, tummeln sich hier wieder Menschenmassen, immer auf der Suche nach dem besten Selfie oder dem besten Instagram-Motiv. Außerdem scheint der Schrein auch noch ein Muss für alle Schulausflüge zu sein, wir sind umringt von Teenagern. Trotzdem ist der Schrein ein schönes Highlight.
    Danach fahren wir mit dem Bummelzug weiter nach Nara, der ersten Hauptstadt Japans. Vom Bahnhof geht es schnurgerade zum Nara-Park, ein riesiges Areal, dass neben - Überraschung -Schreinen, Tempel und Pagode auch hunderte zahme Rehe beherbergt. Man kann eigens zur Rehfütterung gedachte Kekse kaufen, was die Tiere natürlich genau wissen. Und sie wissen auch, wie sie die Touristen süß anflirten müssen, um möglichst viele Kekse abzuräumen. Sonst wird auch gerne etwas aufdringlicher nachgeholfen. Wir klappern bei steigenden Temperaturen den Kofuku-ji mit Japans zweithöchster Pagode, den Tōdai-ji, der im weltweit größten Holzbau einen riesigen Buddha beherbergt und den Kasuga-taisha mit seinen unzähligen Laternen ab. Nara ist definitiv eine Reise auch mit dem Bummelzug wert!
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  • Tsumago: Im Frühtau zu Berge

    April 23, 2019 in Japan ⋅ ☁️ 21 °C

    Per Shinkansen und Bus erreichen wir die historische Poststation Magome in den Japanischen Alpen, die ihren Namen wirklich zu Recht tragen. Wir kommen aus der wuseligen Millionen-Stadt Kyoto in eine beschauliche Berglandschaft, die zum Wandern einlädt. In dem kleinen, malerischen Ort mit seinen typischen Holzhäuschen kehren wir erstmal zum Mittagessen ein bevor wir uns auf den Weg machen. Die Schwalben jagen einander durch die Luft, die Nachtigallen singen auf Japanisch, überall explodiert die Natur in leuchtenden Farben. Kirschbäume, Pfirsichbäume, Forsythien, Azaleen, alles grünt und blüht. Wir kommen nur recht gemütlich voran und werden zur Pause in einer Art Tee-Hütte zu einem Schälchen Grüntee eingeladen. Glücklicherweise gibt es recht viele Toilettenhäuschen am Wegesrand, selbst hier mit beheizten Brillen! Luxus für Wanderer! Am späten Nachmittag erreichen wir unsere Unterkunft für die Nacht, eine typisch japanische Herberge. Die Minshuku ist eine einfache Unterkunft, typisch mit Tatamimatten, Papierwänden, Schiebetüren, Tee über dem Feuer, vorgewärmten Bad (erst duschen, dann, wer will, in die heiße Badewanne, alle hintereinander ins selbe Wasser!) und eigenen Toilettenschuhen. Und mit Halbpension: das Abendessen ist mal wieder sehr gut, gereicht in vielen Schälchen, Schüsselchen und Tellerchen.
    Der Abend klingt stilecht am Feuer aus, bei einer Runde Quizduell auf dem Handy, bevor wir müde auf die Futons fallen.
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  • Togura / Nagano: Affen und Onsen

    April 25, 2019 in Japan ⋅ ⛅ 15 °C

    Der Tag beginnt mit einer Wanderung zum nächsten Bahnhof, der ca 1,5 Stunden entfernt liegt. Wir folgen der Nakasendo, die ehemalige Postroute, die seit der Edo-Zeit Tokio und Kyoto verbindet, und passieren das malerische Tsumago, Poststation Nr. 42 von 69. Trotz leichtem Regen ist es eine schöne Tour durch frühlingshafte Landschaft, Blumenpracht überall. Obwohl wir wirklich eine langsame Truppe sind, erreichen wir den Zug rechtzeitig. Leider fahren wir dann an der Krähenburg an Matsumoto vorbei ohne anzuhalten, so dass uns diese Burg entgeht.
    Wir übernachten die nächsten zwei Nächte in einem sehr schönen, traditionellen Ryokan in Togura. Der Badeort ist bekannt für seine Onsen. Das ist allerdings auch die einzige Attraktion des Ortes! Nach einem leckeren Dumpling- Essen in einem winzigen, urigen Restaurant, sieden dann auch wir im Ryokan-eigenen Onsen bis wir krebsrot sind.
    Am nächsten Tag haben wir eine Extra-Tour gebucht. Peter unser australischer Guide erwartet uns pünktlich in Nagano am Bahnhof. 1. Station ist der Jigokudani Monkey Park. Hier lebt eine Horde Japanmakaken, die bei Menschen im benachbarten Gasthaus abgeschaut haben, wie man im Onsen badet. Und wahrscheinlich wie wir festgestellt haben, wie wohltuend das ist. Sie haben jetzt ihren eigenen Onsen, können aber in die Berge ausweichen, wenn sie monkey business nachgehen wollen. Heute sind sie aber alle da, ganz entspannt lausen sie sich gegenseitig an allen möglichen und unmöglichen Stellen, balgen miteinander und lassen sich von uns gar nicht stören, selbst die Mütter mit den ganz kleinen Affenbabys nicht. Doch als es eine Kleinigkeit vom Ranger zu fressen gibt, werden sie auf einmal alle sehr, sehr aktiv. Nach einem Kirschblüten-Abstecher und einem ausgiebigen Mittagessen in der kleinen Gruppe erreichen wir Station 2, den Zenko-ji Tempel in Nagano. Er ist einer der ältesten buddhistischen Tempel in Japan, keiner speziellen Ausrichtung gewidmet und beherbergt den versteckten Buddha, den keiner zu Gesicht bekommen darf. Obwohl wir jetzt schon wirklich viele Tempel und Schreine gesehen haben, ist diese Anlage wieder besonders schön und definitiv den Besuch wert. Die letzte Station heute ist eine Sake-Verkostung, der eigentlich gar nicht Sake heisst, sondern Nihonshu. Kampai!
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  • Tokyo, baby!

    April 26, 2019 in Japan ⋅ ⛅ 11 °C

    Aufbruch zur letzten Etappe: Tokio wir kommen! Ganz gemächlich. Nicht mit dem Shinkansen. Mit dem Bus. Wir kommen in Shinjuku an und ... zack ... Menschenmassen. Man kommt sich vor, als wäre man in einen Ameisenhaufen gefallen und wüsste als einzige Ameise nicht, in welche Richtung man zu laufen hat. Unsere hiesige Führerin manövriert uns im japanischen Stechschritt Richtung Shibuya, direkt zur am meisten frequentierten Kreuzung der Welt. Die Ampel springt auf Grün um, und schon stürzen die Schlachtreihen aus allen Richtungen (also auch quer) aufeinander zu. Ganz nebenbei besuchen wir noch die Statue des treuen Hundes Hachikō, der auch Jahre nach dem Tod seines Herrchens jeden Tag an den Bahnhof kam, um ihn dort abzuholen. Und da uns unser täglicher Schrein nicht fehlen darf, machen wir noch einen Abstecher zu Nezu-jinja, der von einem bunten Azaleen-Traum umgeben ist. Der Abend gehört dem Ginza-Viertel, alles leuchtet und strahlt exklusiv. Wir nehmen einen Drink in der Iron Fairy-Bar, zauberhaft mit filigranen Feen, Schmetterlingen und Feenstaub dekoriert. Der Drink kommt allerdings in einem Gewand aus Zuckerwatte! It‘s Tokyo, baby!Read more

  • Tokyo 2: Ein Kessel Knallig-Buntes!

    April 27, 2019 in Japan ⋅ 🌬 11 °C

    Buntes Programm heute: es geht los mit einer Reinigungszeremonie im Fukagawa Fudo-do-Tempel. Zunächst wieder das Gefühl, als würde man ein völlig unverständliches, aber opulentes Theaterstück besuchen. Aber es ist ein Jahrhunderte alter Ritus, dem wir beiwohnen. Ritualgesänge, Glöckchen, Muschelhörner (?), offenes Feuer, Räucherstäbchen, alles in halbdunkler, güldener Kulisse. Und Trommeln. Große, laute, mächtige Trommeln! Das geht wirklich unter die Haut, obwohl wir keine Ahnung von der hiesigen Liturgie haben. Ganz benommen machen wir uns auf den Weg auf einen zeitlichen Quantensprung ins futuristische Tokio. Wir besuchen teamlab borderless, ein digitales Museum. Jeder Raum ein Gesamtkunstwerk aus digitaler Projektion, Musik und Geruch. Wir bewegen uns durch irreale Sphären, Blumen und Tiere ziehen an uns vorbei, wir durchqueren eine Kristallhöhle, sehen geisterhafte Gestalten, Meereswogen, eine Welt aus Lampions und riesigen Ballons. Ein Rausch-Kaleidoskop.
    Nachmittags schauen wir kurz am Kaiserpalast (Kaisers sind nicht da und stehen ja kurz vor der Staffelübergabe) und am Meiji-Schrein vorbei, bevor wir in Shibuya wieder der Reizüberflutung erliegen. Crazy Jugendkultur auf Japanisch, es ist voll, laut, bunt und verrückt. Tokyo eben.
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  • Fuji-san: Von allen Seiten

    April 28, 2019 in Japan ⋅ ⛅ 10 °C

    Was macht der gemeine Tokioter bei Sonne am Wochenende? Er flieht aufs Land. In Massen. Und wir sind mitten drin. Wir haben eine Extra-Tour zum Mount Fuji gebucht, große Gruppe in einem großen Bus, wir sind die einzigen Europäer. Was zur Folge hat, dass auf uns extra aufgepasst wird, damit wir nicht verloren gehen. Sehr aufmerksam. Wir stehen erstmal im Stau, was das ganze wohlorganisierte Programm durcheinander bringt. Also geht es am Fuji erstmal zum Mittagessen, Chez Gaspard et Lisa. Ein kleines Fake-Paris ist hier aufgebaut, Eiffelturm inklusive. Wie eine kitschige Filmkulisse, Musette klingt aus den Lautsprechern, sehr skurril. Und das alles mit dem heiligen Berg im Hintergrund. Der Nachmittag gehört dann Fuji-san; wir betrachten ihn von unten, vom Boot bei einer Bootsfahrt und vom Nachbarberg aus. Alles durchgetaktet, sogar die Mitbringselshopping-Softeis-Pause. Der Fuji fühlt sich wohl von uns beobachtet und umwölkt sich zusehends. Dennoch ein prachtvoller Anblick von allen Seiten!Read more

  • Nikko: Prachtvoll!

    April 29, 2019 in Japan ⋅ ☁️ 13 °C

    Heute müssen wir erfahren, dass nicht nur die Japaner jetzt 10(!) Tage frei haben wegen Kaiserwechsels, sondern auch die Chinesen 4 Tage Ferien haben. Und die sind jetzt alle hier! Unsere Gruppe heute besteht vorwiegend aus Amerikanern, wir werden wieder voll-japanisch organisiert. Das einzige, das nicht organisierbar zu sein scheint, ist der Verkehr! Wir stehen schon wieder im Stau. Und wie! Die Fahrt dauert doppelt so lange wie geplant, wir gehen in Nikkō erstmal zum Mittagessen. Dann erreichen wir die Tempelanlage, wie die Lemminge folgen wir unserer Führerin, die sich redlich müht, uns mit diversen Informationen bei Laune zu halten. Auch sie ist überrascht über die Menschenmassen, die wir hier antreffen. Aber es lohnt sich! Die Anlage in Nikkō ist wirklich wunderschön! Der Schrein wurde für den Shōgun Tokugawa Ieyasu, einer der Vereiniger Japans, errichtet und im 17. Jahrhundert weiter ausgebaut. An einem vergleichsweise unauffälligen Gebäude, befindet sich eine Schnitzerei, die die berühmten drei Affen zeigt. Sonst ist alles, Tore, Pagode, Schrein, über und über mit Verzierungen und Schnitzereien verschönt. Gerne hätten wir hier mehr Zeit mit weniger Menschen verbracht, denn wie es Japan heißt: „Sage nicht prachtvoll, bevor Du nicht Nikkō gesehen hast“. Stimmt irgendwie, ein absolutes Highlight zum Abschluss einer Reise voller Höhepunkte.
    Wir machen noch kurze Abstecher zum Chūzenji-See und zum Kegon-Wasserfall. Raus aus dem Bus, Fotos, Toilette, rein in den Bus. Ausflug auf Japanisch, bevor wir uns im Stau wieder hinten anstellen auf dem Rückweg nach Tokyo.
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  • Kirschblüten: Ein Traum in Weiß und Pink

    April 29, 2019 in Japan ⋅ ⛅ 15 °C

    Irgendwo ist zu dieser Zeit immer Kirschblüte. Und wenn man das gesehen hat, versteht man auch, warum darum so viel Aufhebens gemacht wird. Es gibt über hundert Kirschsorten in Japan und wir hatten sie bestimmt alle: klassisch-weiße, pinke, hellrosa, dunkelrosa, hängende, puschelige Kirschblüten. Wunderschön!Read more

  • Toiletten

    April 29, 2019 in Japan ⋅ 🌧 18 °C

    Japan ist vermutlich das einzige Land der Welt, in dem man einfach über Toiletten reden muss. Denn außer dass sie ungewöhnlich sauber und häufig mit sehr hübschen Zeichen versehen sind, versteht man die Funktionsweise zunächst nicht vollständig und das will ja schon etwas heißen. Ok, es gibt verschiedene Funktionen, per Taste zu bedienen: vorne abspülen, hinten abspülen, trocken föhnen und ein Knopf für Hintergrundgeräusche... Mit etwas Glück findet man die Klospülung. Außerdem sind - welch ein Luxus - 80% der Klobrillen beheizt. Sehr angenehm. Bei der Toilette in Ryokan öffnete sich sogar der Deckel von alleine. Grund genug sich jedes Mal zu erschrecken. So wird jeder Gang ein Abenteuer.Read more

  • The Japanese Way: Kurioses

    April 30, 2019 in Japan ⋅ 🌧 14 °C

    Erster und letzter Eindruck von Japan: Organisiert, sauber und ordentlich. Egal wohin man geht oder was man macht, es wird an alles gedacht und es gibt für alles eine Lösung. Es regnet: kein Problem, es gibt überall Regenschirme. Der Regenschirm ist nass? Kein Problem, es gibt Automaten, die ihn in eine Plastiktüte hüllen. Parkplatz für das Rad? Automatisierte Fahrrad-Tiefgarage.
    Japaner wollen alles sauber und ordentlich halten. Daher werfen sie auch keinen Müll auf die Straße. Es ist wirklich außergewöhnlich sauber, und dennoch haben wir in Shibuya Schlangen Freiwilliger gesehen, die Müll aufgesammelt haben und diesen an Sammelstellen abgeben. Kurios ist, dass es im öffentlichen Raum so gut wie keine Mülleimer gibt. Man belastet niemanden mit seinem Müll, sondern nimmt ihn mit nach Hause. Das ist allerdings ein bisschen problematisch, wenn man hier als Tourist unterwegs ist und Unmengen von Tütchen, Broschüren, Eintrittskarten und Einpackfolien bekommt. Haben wir alles brav ins Hotel getragen und dort hoffentlich im richtigen Mülleimer entsorgt. Gab da auch nur zwei zur Auswahl, bei Japanern zuhause sind es laut Reiseleiterin bis zu 20(!).

    Japaner haben eine Vorliebe für alles Niedliche, selbst die Autos scheinen klein und süß zu sein. Und teils auch noch rosa. Aber wenn es ums Einparken geht, wird es wieder ernst. Es wird mehrheitlich rückwärts eingeparkt. Auch in die kleinste Lücke oder mit dem größten Bus.

    Wunderbar ist der Öffentliche Nahverkehr. Wie erwartet, sehr gut ausgebaut. Aber auch sehr gut verständlich. Zumindest größtenteils. Die Feinheiten der Tokioter Metrounternehmen oder des Kyotoer Busnetzes bleiben uns zwar verschlossen, aber man kommt wirklich sehr gut und günstig von A nach B. Und gleichzeitig lernt man auch wie man korrekt in einer Schlange steht und ein- bzw. aussteigt. Zunächst muss man wissen, dass japanische Züge und U-Bahnen IMMER da halten, wo sie halten sollen. Also stellt man sich brav an den markierten Stellen an. In einer Reihe, nicht in einer Traube. Der Zug fährt ein, es ertönt je nach Bahnhof eine schöne Melodie, der Zug hält vor einem, die Türen öffnen sich, alle machen einen Schritt zur Seite, man lässt erstmal alle aussteigen, dann steigt man ein. Mit Ruhe und Gelassenheit. Egal wann und wo. Kein Drängeln und Schubsen, auch wenn es voll, sehr voll ist. Fantastisch!
    Übrigens wird in Zügen auch darauf geachtet, dass man nicht gegen die Fahrtrichtung sitzt, da werden die Sitze wie im Formationstanz gedreht.
    Ein Highlight ist natürlich der Shinkansen: komfortabel, schnell, sauber, zuverlässig... Respekt, da kann man sich schon im 45Gradwinkel verbeugen!

    Über das Essen könnte man sich ewig auslassen, hier nur zwei Bemerkungen: Achtung vor süßen Reisbällchen, die werden im Mund immer viel mehr (analog zum Kofferinhalt). Außerdem gibt es ÜBERALL Baumkuchen. Den hat ein Deutscher hier eingeschleppt. Ich frage mich, wie Japaner reagieren, wenn sie merken, dass wir nicht täglich Baumkuchen essen.
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    Trip end
    April 30, 2019