Abschied
December 7, 2025 in Germany ⋅ ☁️ 11 °C
Hallo ihr Lieben, was schreibt man so, in einem Blog, von dem ich nich weiß, wer ihn liest? Aber eigentlich ist das ja auch zweitranig, letztlich mach ich es für mich, zum Ausspeichern, zum Einspeichern für später. Ich versuche ma,l meinen Gedanken zu folgen und nicht ganz wirr dabei zu werden.
Wo fange ich an? Die Antwort darauf ist eigentlich immer die gleiche - beim Anfang! Aber was ist der Anfang hier? Sollte er in meiner frühen Kindheit liegen, als ich als kleiner Junge Wesfernsehen gesehen habe und mit leuchtenden Augen dem Traumschiff des ZDF hinterherträumte? Dann, als DAS Traumschiff an die DDR verkauft und zur "ARCONA" wurde, dem Traumschiff der DDR, schien alles ein wenig mehr in erreichbare Nähe zu rücken. Will sagen, der Wunsch in die Ferne zu gehen ist schon lange bei mir angelegt und nicht plötzlich aufgetaucht. So ist auch der Wunsch nach einer länger dauernden Reise nicht von heute auf morgen plötzlich erschienen. Und die Organisation dazu hat vor mehr als einem Jahr begonnen. Das meiste ist dann in den zwei verbleibenden Monaten nach Paris geschehen und hat mich viele Nerven gekostet - Unterkünfte, Flüge, Verbindungen, was brauche ich für die Reise, welche Impfungen, Untervermietung, Geld auftreiben, Kreditkarte beantragen etc.
Und dann war es plötzlich soweit. Die letzte Woche vor Abflug war emotional echt anstrengend. Klar, es ist kein Abschied für immer, aber auch nicht ein Trip von drei Wochen. Und es hat mich unheimlich gefreut, dass meine Freunde interessiert sind und mir beistehen. Danke dafür! Jedoch, ohne jemanden zu nahe zu treten, aber am Schlimmsten war es, Bruno, unserem Teilzeithusky Tschüss zu sagen. Es war soooo schön, mit ihm zusammen noch Zoomania (siehe Bild) zu sehen. Er spürte genau, dass da was nicht ganz stimmig ist. Am Sonntag morgen, dem tatsächlichen Abschiedstag tat er förmlich alles, um Beistand zu leisten. Ich könnte hier Stunden über ihn erzählen. Diejenigen, die ihn kennen, wissen sicherlich warum. Aber das wird vielleicht mal ein eigenes Buch.
So stieg ich denn in den 20 Minuten zu späten, also pünktlichen ICE nach Frankfurt Flughafen und konnte mein Heulen nicht mehr zurückhalten. Nicht so praktisch mitten an einem Viertisch mit drei anderen Frauen. Ich setzte mich um und ging weiter der Frage nach, was und vor allem, warum tue ich das nochmal??? Weihnachtsmärkte, Glühwein, heimelig, Freunde, Bruno....alles da? Warum gehst du?
Während ich vor mich hinheulte, mich hinterfragte und gleichzeitig eine eSim zu verifizieren versuchte, sprach mich ein junger Man an, der am Gang gegenüber saß. "Ich sehe gerade dass du einen Reisepass liegen hast und wohl zum Flughafen fährst. Darf ich fragen, wohin es geht? Ich möchte auch anfangen zu reisen und sammle Ideen und Erfahrungen" "Äh, ja, klar, äh, einen Moment, ich muss dass noch fertig machen hier." Dann wurde es ein angeregtes Gespräch über das Reisen, das Für und Wieder, meine Erfahrungen, seine ersten Ideen und schwupps, war ich am Flughafen Frankfurt. Verrückt. Danke für die Ablenkung! Und die Antworten, die ich quasi auch mir selbst gab.
Am Check-In Schalter war es etwas unübersichtlich, und ich stellte mich in Gedanken verloren an, als ein junger Mann mir auf die Schulter tippte und meinte: "Sorry, this is not the end of the snake. I am in the snake!" Sorry, what, ich war so perplex, stammelte ein "Yes, Sorry" und ließ ihn vor und begann zu verstehen. Mein Englisch ist wirklich nicht "The yellow of the egg", aber das war wirklich lustig. Zumahl der junge Man zu 100% Deutscher war.
Der Flug verlief angenehm und trotz 10h schnell und so landete ich am frühen Montagmorgen in Colombo. Auf gehtˋs!Read more
Colombo
Dec 8–11, 2025 in Sri Lanka ⋅ ☀️ 30 °C
Angekommen. Mit dem Sonnenaufgang. Aus dem Flugzeug gestiegen. Erste Hitzewelle. Einfach nur müde. Zum Hotel gefahren. Zimmer nicht fertig. Wie auch. Ist erst kurz nach 9. Ich warte in der Lobby. Schafe immer wieder kurz ein. Frage nochmal. Nein, dauert, wissen nicht wie lang. Gehe nach draußen. Laut. Hitze, Feucht. Müde. Doof. Wieder zurück. Café Warten. Endlich, 13:40 h das Zimmer ist fertig. Genieße kurz die Aussicht und falle aufˋs Bett. Und. Und kann nicht schlafen!
Eine Stunde späte. Das Zimmer-Telefon klingelt. Bin sowieso wach. Man fragt, ob es korrekt sei, dass eine Miss Winter mit auf mein Zimmer möchte. Ich stammle irgendwas, da soviel heißen soll, ja natürlich. Und Miss Winter is comming.
Bin so happy, das sie da ist und wir den Trip gemeinsam starten. Ich kenne sie aus Nepal, als wir zusammen in einer Reisegruppe die Berge bestiegen. Sie ist aus Wales. Wir haben uns mehr als ein Jahr nicht gesehen, was aber dem Wiedersehen keinen Abbruch tut. Und auf das Mädel ist Verlass. Sie hat im DutyFree eine Flasche Champagner gekauft, um auf alles ordnungsgemäß anzustoßen. So sitzen wir abends auf dem Balkon, weit unter uns der Ozean und der Lärm der Straße und der Züge, die morgens die Pendler in die City bringen und abends wieder zurück.
Gewisse Dinge scheinen in allen Großstädten dieser Welt ähnlich zu sein. Die Pendellei habe ich in London erlitten, in Paris mitgemacht und nun hier beobachtet. Schwarz-weiß gekleidete Menschen quellen rein und raus. Völlig verrückt, wenn man genauer darüber nachdenkt. Insbesondere in London fand ich das schon nach kurzer Zeit so anstrengend, dass ich zweifelte, ob ich das haben wollen würde auf unbegrenzte Zeit. Will das überhaupt jemand? Hat man die Wahl? Wenn ja, übt man sie aus? Ich konnte immerhin wählen, denn ich tauchte ein und wieder raus. Und damit war wieder die Liebe zum kleinen Düsseldorf erneuert.
Was allerdings Colombo von den anderen genannten Grostädten (unter anderem) unterscheidet ist die Ästhetik. Die Stadt ist einfach nicht schön. Aber bevor das abwertend stehen bleibt, frage ich mich, warum ist das so? Es ist alles da…ein lange Küstenlinie zum Ozan, ein See mitten in der Stadt, warmes Klima, coole Menschen… Aber was möglicherweise fehlt ist Zeit und Geld. Da, wo ich eine lange Fußgängerpromenade bauen würde, schlängelt sich die Bahn entlang in die Vororte. Das führt zwar zu dem Bahnhof mit dem wohl schönsten Ausblick der Welt, aber eben auch zu einer vierspurigen Straße, zwei Gleisen und Wellenbrechern aus Beton mitten vor dem Hotel. Kostet Schönheit Geld und bringt erstmal zu wenig ein und ist damit Luxus? In Düsseldorf war die Röhrenfabrik und die Verladung direkt in der City und am Rhein. Es ist noch nicht so lange her, dass die Stadt Geld in die Hand nahm, den Hafen verlegte und die Bundesstraße unter die Erde verbannte. Geboren war die Rheinuferprommenade und viel Lebensgefühl für eine Stadt. Aber das muss man sich wohl auch leisten können. Und Colombo muss zuallererst Leistung erbringen als Wirtschafts- und Finanzzentrum des Landes.
Natürlich gibt es in Colombo auch schöne Seiten und einiges zu sehen und zu machen. So tingelten wir mit dem Tuk Tuk von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, genossen ein Essen im ältesten Hotel der Stadt, dem Galle Face (super Hotel, aber lieber nur auf ein paar Drinks genießen).
Leider bekam ich eine Erkältung, ob nur auf Grund des Klimas und Kombi mit Klimaanlagen oder einem Immunsystem, dass nun auch mal Urlaub machen wollte. Wer weiß es schon. Zum Glück nicht so schlimm, als das ich nicht den Pool auf der 27. Etage nutzen konnte, wäre doch zu schade.
Dort lernten wir ein Paar, Anfang dreißig kennen. Ich weiß nicht, woher sie eigentlich mal ursprünglich kamen, jetzt lebten beide bei London, sie Ärztin, er IT Berater. Wahrscheinlich beide in dem beschriebenen Pendlerstrom von London eingeschlossen. Interessant war, dass ihre Familie so über die Welt verstreut lebt, dass Sri Lanka für die meisten irgendwie die Mitte darstellt, so sie hier für eine dreitägige Hochzeit zusammenkamen. Irgendwann erzählte ich auch von meinem aktuellen Sabbaticalplan, da meinte Rita, „Oh, sehr interessant!“ Darauf ihr Freund Raj „Rita findet das interessant, ich bin neidisch“. Dann kamen wir auf Haustiere und ihren kleinen Pudelmischling und, natürlich, auf Bruno zu sprechen. Fotos wurden gegenseitig gezeigt. Raj daraufhin …“Ok, jetzt will ich mein Leben mit deinem tauschen!“ Meine erste innere Reaktion war, zu fragen, „Warum zur Hölle sollte er sein interessantes Leben gegen meins tauschen wollen?“ Später ging ich das in Gedanken noch mal durch und dachte, wie so oft, ist das eine Frage des Standpunktes, von dem aus etwas betrachtet wird. Ist das Leben der anderen nicht oft irgendwie interessanter? Ist es das? Wer hat schon das ganze Bild? Was weiß… von meinen Ängsten, dem Streß, um genau das hier zu tun? Was weiß er von dem Weg, den es nehmen musste, damit Bruno mit wedelnder Rute in mein Leben gelangen konnte. Aber das muss er auch nicht. Die eigentlich Frage ist, was oder wer hindert mich, das zu tun, was ich will? Zu allererst wohl die ehrliche Beantwortung der Frage „Was will ich denn wirklich?“ Davon abgesehen ist möglicherweise, nein offensichtlich, meine eigene Wirkung auf andere doch oft anders als ich sie vermute, immer noch. Das verwirrt mich. Im Job deutlich seltener. Privat stehe ich immer noch vor dem Spiegel und denke, was sehen die anderen, was sehe ich nicht?
Wieder so viele Fragen. Der Driver kommt. Wir starten nach Dumballa. Landesinnere. Keine konkrete Ahnung was kommt. Flutschäden? Weiterer Regen? Wir sind neugierig. Sollten wir überhaupt dorthin? Schauen wir!Read more
Dambulla
Dec 11–13, 2025 in Sri Lanka ⋅ 🌧 26 °C
Wir erreichen Dambulla und unser Hotel, das etwas außerhalb der Stadt liegt. Meine Erkältung wird nicht so wirklich besser. Das Klima ist einerseits hervorragend für Lunge und Nase – warme feuchte Luft. Wenn ich ein Aromakissen unter meine Nase halten würde, hätte ich eine 24-stündige Inhalation. Anderseits ist es furchtbar anstrengend, da jeder Schritt zum Schwitzen führt. Das werden wir morgen ganz besonders merken. Erstmal spazieren wir durch die Reisfelder und gelangen zu einem lokalen Gemüsemarkt, mit Allem, was hier so in der Gegend wächst. Da wir hier schon 500m hoch sind und das Gebirge beginnt, ist das nicht so viel Anderes als bei uns zu Hause. Angenehm ist, das hier niemand Notiz von uns nimmt. Kein Bedrängen, kein Gaffen.
Wir sind die Einzigen im Hotel. Viele haben wegen des Wetters ihre Reisepläne geändert. So ist es selbst am Sigiriya beinahe ruhig, als wir am nächsten Morgen den Aufstieg zu den Ruinen des königlichen Palastes wagen. Die Klamotten sind augenblicklich nass, kein Regen, eher von der Hautseite aus. Aber der Aufstieg wird belohnt mit einem phantastischen Ausblick. Die einzige große Reisegruppe ist aus Japan, eine wilde Mischung von Mönchen und weiß gekleideten Japanerinnen.
Am Nachmittag geht es mit dem Jeep in den Minneriya National Park, dessen Hauptattraktion die wilden Elephanten sind. Der Ceylon Elephant, nur heimisch hier auf der Insel, gehört zu den asiatischen Elephanten und lässt sich reichlich blicken, samt Babyelephant. Sie sind, wie die meiste Zeit des Tages, auf Essenstour. Es ist phaszinierend, ihnen dabei zuzusehen, wie sie äußerst geschickt mit ihrem Rüssel die Umgebung nach Essbaren absuchen und zu ihrem Maul führen. Wie so häufig, wenn sich der Mensch breit macht, hat die Natur das Nachsehen. Von den vor 100 Jahren noch 20.000 Elefanten sind gerade noch ca. 3.000 übrig.
Auf der Weiterfahrt nach Kandy besuchen wir den Höhlentempel von Dambulla. Eine Anlage die in den letzten 2.000 Jahren entstanden und gewachsen ist. Ein Kloster, dem die Könige aus Dankbarkeit für gewonnene Kriege oder Erfüllung anderer Wünsche großzügige Spenden und Bauten darreichten. Und vor allem die Wände bemalen ließen. Werke, die sehr gut erhalten sind und noch heute beeindrucken.
Ausruhen im Hotel, es schlaucht doch sehr….Read more
Kandy
Dec 13–16, 2025 in Sri Lanka ⋅ 🌧 24 °C
Kandy, ja, was erwartet uns da wohl. Seit Wochen bin ich am Überlegen, sollen wir da hin? Der Katastrophenalarm wurde ausgerufen, es gibt bereits mehr als 700 Todesopfer und mehr als 200 Menschen werden noch vermisst. Aus der Frage sollen wir, wird schnell die Frage sollten wir, dürfen wir? Die eine Seite ist die Sicherheit. Die andere Seite die des moralischen Dürfens. Urlaub machen, wo andere gerade alles verloren haben? Ich habe mich lange vor der Beantwortung dieser Frage gedrückt und mir gesagt, die Zeit wird es zeigen und vor Ort ist die Informationslage besser. Nun, jetzt sind wir vor Ort. Und wir fahren nach Kandy. Die Straßen sind mehr oder weniger befahrbar. Jeder sagt, man könne es machen. Keiner sagt natürlich, ob man es machen darf. Ehrlicherweise bekommen wir erst vor Ort eine Antwort auf das Dürfen. Es ist ein eingeschränktes „Ja“. Letztlich muss das jeder für sich entscheiden. Wir werden überall mit offenen Armen empfangen und spüren, dass sich die Menschen tatsächlich freuen, uns zu sehen. Der Tourismus spielt hier eine sehr wesentliche Rolle. Es ist Hauptsaison und die Touristen bleiben weg. So folgt schnell eine Katastrophe der nächsten. Natürlich bleibt ein ungutes Gefühl, sowohl für das Soll also auch für das Sollte. So hohlt uns das Sollte auch schon wieder schnell ein, als uns der Manager bei der Begehung des Hotels, dessen einzige Gäste wir sind, erwähnt, dass seine Mutter in den Fluten gestorben ist. Die unangenehme Stille, die auf diesen Satz folgt, überspielen wir alle, in dem wir uns weiter der Führung durch das Haus widmen. Wir kommen später mit ihm auf dieses Thema noch einmal zurück. Alles braucht seine richtige Zeit und so würdigten wir seinen Verlust später.
Das Hotel selbst ist ein Traum. Das eigentlich gebuchte Hotel musste mir absagen, und ich habe kurzerhand dieses, wenn auch etwas teurere gebucht. Ein Oase mit Designermöbeln von Cane Cult. Die Tochter des Inhabers ist selbst die Designerin. Ich merke wieder einmal, das mich Häuser mit Geschichte und Stil beeindrucken. So geht der Tag zu ende, indem ich im Sessel sitze, eine Kräuterpaste, die ich am Weg gekauft habe, auf der Brust zum Inhalieren, dem Regen und Getrappel der Affen auf dem Dach lausche und schreibe.
Kandy ist ein hektischer Ort, aber dennoch sehr angenehm. Das Highlight, spirituell gesehen wohl vom gesamten Land, ist der Zahntempel. Eine der wenigen Relikte von Buddha, ein Zahn, ist hier zu verehren. Man bekommt ihn aber nur einmal im Jahr zu sehen. Ansonsten ist er unter 7goldenen Hauben, die mit Edelsteinen verziert sind, bedeckt. Massen von Menschen kommen und bringen Blumen. Und vor allem Geld. Es muss einer der reichsten Tempel des Landes sein. Geld scheffeln hat hier eine wörtliche Bedeutung. Der Tempel unterstützte wohl die Regierung mit einer nicht unerheblichen Summe Geld zur Unterstützung der Betroffenen der Naturkatastrophe.
Abends kommen wir mit dem Inhaber des Hotels ins Gespräch. Er ist 75 Jahre alt und sieht selbst ein wenig wie ein Buddha aus mit seinem kahlen, runden Kopf und dem Tuch um seine Hüfte. Er erzählt aus seinem Leben, das er auch teilweise in England verbracht hat. So kamen wir auch auf das politische System zu sprechen und wie sich die politische Elite an dem Land bereicherte, bis es 2022 zu einem Aufstand kam. Die Familie von Grandpa, so sollen wir ihn gern nennen, da ihn alle so nennen, ist eng verbunden mit der Entwicklung von Sri Lanka. So wollte Grandpa mit einem Wirtschaftsplan den Fischereisektor weiterentwickeln und schickte seine Ideen an den damals noch lokalen Politiker Mahinda Rajapaksa. Er hörte nie wieder etwas. Nicht viel später stieg dieser auf zum Minister für Fischereiwesen und Wasserressourcen auf und Grandpa erkannte seine Ideen wieder. Er begann dagegen vorzugehen, wurde aber von seiner Familie zurück gehalten, da sie Angst um ihn und die Familie selbst hatten. Zu viele, die sich mit Rajapaksa angelegt hatten, waren für immer verschwunden. Dieser stieg weiter auf zum Premierminister und später zum Präsidenten des Landes immer im Schlepptau mit Gewalt und Menschenrechtsverletzungen.
Am nächsten Tag schien weiter die Sonne, und wir machten uns auf den Weg in Richtung Medamahanuwara in die Berge. Bei diesem Wetter einfach wunderschön. Nur drei Tage später gab es wieder sintflutartige Regenfälle und die Straßen wurden wegen rutschenden Berghängen gesperrt. Aber noch konnten wir die Reisfelder und Berge genießen. Es ist unglaublich wie viele verschiedene Pflanzen es hier auf engstem Raum gibt.
Zurück abends im Hotel lud uns Grandpa auf eine Flasche Wein ein (leider ein französischer Chardonnay, aber was will ich hier klagen!). Die hatte ihm seine Tochter geschenkt mit dem Hinweis, er solle sie sich doch in der Vorweihnachtszeit gönnen, wenn möglich, nicht allein. Nun, die Zeit dafür schien reif. Wir kamen von Hölzchen auf Stöckchen und ehe wir uns versahen ging um nichts geringeres als die Zusammenhänge des Universums. Woher kommen wir, wohin gehen wir, was wissen wir? Ich saß da, mit der Hauskatze, einem weißen Persermischlings-Baby, auf dem Schoß. Während ich sie kraulte und mir vorkam wie Blofeld bei James Bond, warf ich immer mal wieder etwas Bestätigendes oder Zweifelndes in das Gespräch. Herrlich.Read more
Nuwara Eliya
Dec 16–19, 2025 in Sri Lanka ⋅ ☁️ 19 °C
Der Weg von Kandy nach Nuwara Eliya dauerte mehr als doppelt so lang wie üblich, da die Straße nur langsam und auf Grund der Erdrutsche nur einseitig befahrbar ist. Es grenzt an ein Wunder, dass diese Straße überhaupt noch da ist und vor 5 Tagen bereits wieder frei gegeben wurde. Es gab so viele Erdrutsche, dass man sie nicht zählen kann, aber die Straße blieb weitestgehend unbeschädigt. Man meint, dies sei deshalb, weil man das lokale Material, Granit, genutzt habe. Da die Erde hier sehr eisenhaltig ist, hat sie eine Farbe von leicht rot bis bordeauxrot. In dem sonst dichten Grün der Berghänge sieht es aus, als hätte ein wütendes Tier Wunden hineingeschlagen von leicht bis tief in das Fleisch hinein. Das Wetter ist gut und so sind wir hin und hergerissen zwischen dem Staunen über die Landschaft und den Auswirkungen der Naturkatastrophe.
Unterwegs machen wir halt an einer der ältesten Teefabriken der Insel, von denen es auf Sri Lanka mehr als 800 gibt. Die GuideIn ist ganz stolz auf die mehr als 100 Jahre alten und noch funktionierenden Maschinen aus England. Wir lernen viel über Teeproduktion und die Qualitäten von Tee.
Am nächsten Tag hat sich das Wetter entschieden regnerisch zu werden, was unseren Plänen, Wanderungen zu unternehmen, ein wenig entgegenläuft. Meine Laune ist nicht besonders, und ich grummel vor mich hin. Der Hotelmanager informiert uns, dass wir das Zimmer wechseln müssen, da in unserem Bad irgendwas repariert werden soll. Wie doof, hatte ich mich für drei Tage gerade schön ausgebreitet. Das Frühstück fordert mich auch heraus, eine wilde Mischung aus weichgekochtem Reis savory im Geschmack und süßen Kokosnussraspeln darüber. Als ich mich entschließe, das ganze noch mehr zu verschlimmern, indem ich über alles großzügig Zucker streue, fragt mich Deb, welcher Tag heute ist. Ohne aufzublicken murmel ich „Mittwoch“. Sie stellt die Frage tapfer nochmal, „Welcher Tag ist heute?“ Wirklich Deb, echt jetzt…ich sehe auf und in ihr strahlendes Gesicht. Oh, holy shit – Debˋs Geburtstag! Schon vor der Reise und jeden Tag habe ich daran gedacht und überlegt, was man zu ihrem 60. Schönes machen könnte. Und nun hatte ich ihn völlig vergessen. Ich entschuldige mich tausendmal und wir umarmen uns.
Sie darf entscheiden, was wir machen. Und sie möchte die vorgesehene Wanderung auf dem Pekoe Trail durch die Teeplantagen und Hügel machen. Also setzten wir uns in ein TukTuk und lassen uns, natürlich erst nachdem der Fahrer kurz zwischendurch hielt, um zu beten, zu unserem Ausgangspunkt fahren. Es ist total neblig und die Tropfen fallen bald von selbst aus der Luft. Aber diese Szenerie hat etwas gespenstisches und ist irgendwie schön. Nach einer Stunde beginnt es tatsächlich zu regnen. Wir laufen weiter, immer den Pfeilen des Wanderweges folgend. Wir reden über die Beziehung von Deb zu ihrer Mutter und den Schwierigkeiten, die das so mit sich bringt. Plötzlich unterbricht sie und meint, dass ihr die Gebäude hier bekannt vorkommen. Ich heben meinen Kopf und versuche durch die vielen Tropen auf meiner Brille etwas zu erkennen. Mist, sie hat recht, wir waren schon hier. Nach einigem hin und her beschließen wir, weiterzugehen. Irgendwo müssen wir vor lauter Quatschen den Pfeil verpasst haben. Wir finden die Stelle. Bevor wir weitergehen stelle ich in Frage, ob das Weitergehen so sinnvoll ist. Es ist alles andere als ein Spaß, trotz Regenjacke bin ich bis auf die Unterhose naß. Wir beschließen, nicht weiterzulaufen, sondern die Runde ein zweites Mal zu beenden und zum Ausgangspunkt zurück zu kehren. Ich rufe den TukTuk Fahrer an, damit er uns dort abholt. Er fragt dreimal nach, ob wir uns wirklich am Ausgangspunkt treffen wollen. Ja, wollen wir. Auf der Rückfahrt sind die Straßenkonditionen ein wenig schlechter geworden - links ein tiefer Abgrund und die Straße voll mit einer Schicht von den Hängen gespültem lehmigen roten Bodens. Es könnte quasi auch eine Eisfläche sein. Ich hoffe, dass von dem Gebet des Drivers noch ein wenig übrig ist für jetzt.
Im Hotel angekommen erweist sich das neue Zimmer als schöner als das andere. Eine heiße Dusche hilft sehr und das Feuer im Ofen wird auch angemacht. Draußen regnet es weiter vor sich hin, aber das macht nichts mehr. Was gibt es besseres als das Prasseln des Feuers, eine Tasse guten Tee und nette Begleitung? Ein Geburtstagskuchen, Luftballons und ein Ständchen vom Hotelpersonal. Ich hatte mit dem Manager gesprochen, und er hat es geschafft, auf Debˋs Gesicht ein Lächeln zu zaubern. Zum Abendessen finde ich ein Restaurant um die Ecke, welches sich als Glücksgriff erweist – coole Typen im Service, leckere Drinks und noch besseres Essen. Deb in ihrer unnachahmlichen Art verkündet ihren Geburtstag, tanzt sofort mit anderen Girls zu lauten lateinamerikanischen Klängen, es gibt Eis aufˋs Haus. Der Abend schreitet flott voran. Am Ende haben wir alle einen im Tee und T-Shirts vom Haus. Im Hotel beginnt die wilde Telefonsession. Ich werde all ihren Freundinnen vorgestellt und bin nun wohl offiziell Teil eines weltweiten Netzwerkes mehr oder weniger verrückter Frauen von Wales über Griechenland, Südafrika und New York. Symphytische Bande. Deb ist glücklich. Wir schlafen ein.
Da der nächste Tag auch in den Dauerregen dahingeht, laufen wir einmal um den Lake Gagory und eröffnen im Hotel einen Spa Bereich mit unseren mitgebrachten Cremes, Gesichts- und Fußmasken.Read more
Auf nach Hikkaduwa
December 19, 2025 in Sri Lanka ⋅ 🌧 28 °C
Heute geht es in Richtung Beach! Aber dazu müssen wir erst einmal von 1.800 m auf 0 kommen. Und dazu braucht es Kurven. Viele, sehr viele Kurven. Bestimmt mehr als 1.000. Obwohl ich die Straße gut im Blick habe, rebelliert mein Magen dagegen. Als sich der Speichel im Mund sammelt, heißt es ablenken, ablenken, ablenken. Ich versuche mir alle Ziffern, die ich im und vor allem außerhalb des Autos sehen kann innerlich in verschiedenen Sprachen vorzulesen. Bald gehen mir die Sprachen und dann auch die Zahlen aus. Mich überfällt eine tiefe Müdigkeit, gegen die ich anzukämpfen versuchen, da ich Angst habe, wenn ich die Augen schließe, dass mir noch mehr übel wird. Ich muss an Bruno denken, wie er, im wahrsten Sinne des Wortes, hundemüde ist, aber dennoch versucht, wach zu bleiben, da er ja irgendwas Wichtiges verpassen könnte – wurde da nicht eben in der Küche Käse aus dem Kühlschrank geholt? Irgendwann kann er vor Müdigkeit nicht mehr stehen, dann liegt der Kopf, dann schließen sich seine blauen Augen. So mache ich es jetzt auch und schließe meine Braunen. 20 Minuten später wache ich wieder auf. Die Kurven sind deutlich länger und die Berge nur noch Hügel. Geschafft. Manchmal sollte man seinem Körper einfach vertrauen, in der Regel weiß er schon selbst, was ihm gerade gut tut. Wir halten am nächsten Supermarkt, ich möchte eine Cola. Ist für mich Medizin. Auf dem Weg zum Eingang erleiden wir fast einen Hitzeschlag in unseren langen Klamotten. Es gibt keine Cola, die Lieferung blieb aus wegen der Unwetter. Wir finden Woodapple Juice – eine dicke, braune, nicht unbedingt gut riechende Flüssigkeit. Rein damit. Schmeckt überraschend gut. Ein Klassiker auf Sri Lanka.
Hikkaduwa ist ein typischer Touristen-Ort mit vielen russischen Gästen, weshalb fast alles auch auf kyrillisch geschrieben steht. Trotz Hochsaison ist es verhältnismäßig leer, aber immer noch laut genug. Daher sind wir froh, ein Appartement 10 Minuten zu Fuß vom Beach entfernt im Grünen zu haben.
Abends besuchen wir ein kleines Restaurant in einer Seitenstraße. Ich bestelle Krabben in Curry. Auf dem Teller, den man vor mich hinstellt, liegen 4 handtellergroße Krabben umgeben von safrangelber Currysauce. Äh ja. Eine Zange und ein lange dünne Gabel, sowie eine Schüssel Wasser werden daneben platziert. Ok, auf gehtˋs. Es wird eine Schlacht und das mit Abstand beste Essen, das ich seit langem hatte, und ich gehe (bekanntlich) gern gut essen. Zum Glück sitzen wir durch große Pflanzen verdeckt etwas abseits, so dass kaum einer mitbekommt, wie ich glücklich grinsend dasitze mit verschmiertem Mund, Händen, bekleckertem Tisch und Fußboden. Ich liebe es! Als ich nach der Toilette frage, eigentlich eine Dusche benötigend, verneint man, die gibt es hier nicht. Aber für mich wird hektisch hinter dem Tresen aufgeräumt, und ich werde an das einzige Waschbecken geführt. Die Bedienung grinst auch. Und wir grüßen uns im Verlauf der kommenden Woche, wann immer wir uns sehenRead more
In den Wellen und holländischer Kulisse
December 21, 2025 in Sri Lanka ⋅ ☁️ 29 °C
Deb und ich beschließen einen Surfkurs zu machen. Wir fragen unseren Vermieter, der selbst Surfer ist, nach einer geeigneten Schule, die er empfehlen kann. Am nächsten Tag wird irgendwie nichts draus. Also fahren wir nach Galle und besuchen dort das alte Fort, welches vor allem die Niederländer auf- und ausgebaut haben. Es ist wie eine eigene kleine Stadt, aus der Zeit gefallen, und daher gibt es viel koloniale Gebäude, die, sobald man sie betritt, eine kleine Wunderwelt auftun, da sie immer weiter hineinreichen, sich um Innenhöfe und Springbrunnen öffnen und einfach schön sind. Die Läden, die sich hier aufgetan haben, sind von bester Qualität und höchsten Preisen. So bleibt es beim Schauen und lecker Café trinken. Unterwegs werden wir von einem Mann angesprochen, der auf seinen Edelsteinladen verweist. Edelsteine aller Art sind eine wichtige Einnahmequelle für Sri Lanka. Deb winkt ab, erwähnt aber, dass der Rosenquarz mein Geburtsstein sei. Der Mann meint, wir sollen kurz warten, geht rüber zu dem Laden und nimmt aus einem der Körbe, die davor stehen, zwei Rosenquarze, die er uns in die Hand drückt als Geschenk. Wir sind verdutzt, murmeln danke und gehen weiter. Späte sind wir uns nicht sicher, ob der Laden überhaupt dem Mann gehörte. Hm, was sollˋs, wir freuen uns dennoch.
Am nächsten Tag klappt es mit dem Surfkurs. Wohl ideale Bedingungen zum Surfen. Eine spannende Angelegenheit. Erst gibt es Trockenübungen auf dem Strand. Und die erste Erkenntnis – Deb ist Linkshänderin, ich Rechtshänder, aber beide haben wir nicht das üblicherweise dazugehörende Standbein. Wozu das wichtig ist? Natürlich, um herauszufinden, welches der Backfeet ist, das Bein, was hinten steht und an dem das Brett angeschnallt wird. Es geht raus auf den Ozean. Erstmal in den Anfängerbereich mit den kleinen Wellen. Nachdem ich tatsächlich ein paar mal auf dem Brett zu stehen komme, meint mein Surflehrer, wir sollten es doch mal mit der nächsten Wellengröße probieren. Also wandern wir weiter auf den Ozean hinaus, zu dem Bereich, der vom Strand durch eine Sandbank abgegrenzt ist. Die Wellen hier sind mächtig. Das Wasser zieht sich bis auf Knöchelhöhe zurück, um dann über meinem Kopf wieder zusammenzuschlagen. Da seien gute Anfängerwellen. Ach, wo genau, sind denn diese Anfängerwellen? Ich war noch nie in, geschweige denn auf solchen Wellen! Rauf aufˋs Boad, hinlegen, aufrichten, aufstehen, surfen, inˋs Wasser fallen. Meistens besteht der Ablauf dann doch nur aus raurobben, aufrichten, inˋs Wasser fallen. Die Wucht der Wellen ist so groß, dass ich darin Salti schlage, bevor ich wieder sandigen Boden unter meinen Füßen spüre. Es ist furchtbar anstrengend. Aber nachdem ich es tatsächlich zweimal geschafft habe, auf den Wellen zu reiten, statt nur darin herum zu wirbeln, kann ich sehr gut den Sog verstehen, den dieser Sport ausübt. Es ist faszinierend, die Kraft des Wassert zu spüren, mit den Wellen zu gehen und zu vertrauen, wieder aus ihnen aufzutauchen. Von dem ganzen auf das Board heraufziehen sind meine Knie und Oberschenkel wund. Mein ganzer Körper schreit, es reicht. Ich höre auf ihn, genug für heute. Deb hielt es nicht ganz so auf dem Brett, aber die Freude, es probiert zu haben, ist da. Wir chillen ein wenig auf der Liege, lassen uns ohne Surfboard noch einige Male von den Wellen herumwirbeln und suchen dann einen Shop, der uns Aloe Vera verkauft für unsere geschundene Haut. Der nächste Tag lässt mich spüren, dass der „Erfolg“ auf dem Board zu stehen, seinen Preis hat. Ich zahle ihn gern und reibe mich weiter mit dem Gele der Wüstenlilie ein.Read more
Deb
December 23, 2025 in Sri Lanka ⋅ ⛅ 29 °C
Weg ist sie. Zumindest vorerst. Deborah ist abgereist nach Colombo, um den Flug nach London zu bekommen, sie muss am ersten Weihnachtstag arbeiten. Einige von euch haben zu recht gefragt, wer ist eigentlich diese Deb, woher kennt ihr euch? Ich habe es nachträglich eingefügt in den ersten Text, aber es ist eine kleinen eigenen Abschnitt wert, denke ich.
Vor gut drei Jahren beschlossen Thomas und ich, dass es eine gute Idee wäre, im Himalaya herum zu kraxeln und ein unschlagbares Sonderangebot für eine Gruppenreise so kurz nach Corona anzunehmen. Billig ist halt manchmal teuer gekauft. Der Touranbieter war eine Katastrophe und der Trip selbst wurde nicht zu einer solchen auf Grund von Glück und einer tollen Truppe, die sich zu helfen wusste. Teil unseres Teams war Deb, die wir quasi am Fuß des Mount Everest kennenlernen durften. Und wenn Dinge deutlich herausfordernd verlaufen, dann lernt man sich auch noch mal auf eine ganz andere Weise kennen.
Deb ist aus Wales und eine wahre Globetrotterin. Sie hat gefühlt, womöglich auch tatsächlich, auf jedem Kontinent schon gelebt und etliche Tiefen, aber noch viel mehr Höhen erlebt. Seit gut 18 Jahren ist sehr sesshaft in ihrer Heimat, Fahrerin bei einem staatlichen Krankenhausverbund und auch dem sehr treu, nachdem sie als Ingenieur bei der Airforce bis hin zur Reinigungskraft in Frankreich so ziemlich alles gemacht hat.
Was Deb auszeichnet ist, neben ihrer hohen Anpassungsfähigkeit, ein sehr gutes Gespür für Menschen. Getreu dem Motto „Freundlichkeit kostet erst mal nichts.“ geht sie auf jeden offen und interessiert zu. Es ist beeindrucken, wie schnell sie mit anderen Menschen in Kontakt kommt und Dinge erreicht, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Getreu nach einem weiteren Motto „Nur fragenden Menschen kann auch geholfen werden“. Selbst wenn sie sich eigentlich beschwert, gewinnt man den Eindruck, sie unterbreite eher einen guten Vorschlag, damit es ein anderes Mal besser laufen kann, was aber meist dazu führt, dass es bereits sofort noch viel besser läuft. Dabei kann sie auch gut entscheiden, wann es sich überhaupt lohnt etwas zu sagen. Diesen Instinkt oder diese Erfahrung hat sie auch bei Menschen – wem geht sie lieber aus dem Weg, oder ist die Person für sie interessant und freundlich genug, dass sie sie ihn in ihrer Nähe haben will.
Mit diesen Erfahrungen und Eigenschaften ausgestattet, ist es ein Vergnügen, mit ihr zu reisen und zu quatschen. Auch wenn letzteres für mich, wahrscheinlich auch für sie, eine Herausforderung ist. Zwei Wochen ausschließlich Englisch, eine Challange für mich. Deb glaubt ja, dass sie gut englisch spricht, aber mit ihrem waliser Dialekt, also ich weiß nicht. ;-) Manchmal geht es so fließend, dass es mich selbst überrascht, dann wieder fehlt mir mitten im Satz das wichtigste Wort, und ich versuche zu umschreiben. Deb verschlimmbessert, indem sie erraten will, was ich meine, aber in eine völlig falsche Richtung denkt. So spielen wir unfreiwillig Tabu. Das Wort wird am Ende immer erraten, aber ich habe darüber völlig den kompletten Satz vergessen, und wir reden über was anderes. Oder morgens 7 Uhr. Ich wache auf, sehe zu dem Bett von Deb rüber, sie ist auch wach. Ich frage, ob sie gut geschlafen und geträumt hat. Falsche Frage. Sie beginnt sofort von ihrem absolut wilden Traum zu berichten, irgendwas von ihrem Ex und dann später muss sie was transportieren mit Blaulicht und ein Hindernis nach dem andren stellt sich ihr den Weg und… Ich denke nur „Ich kann ihr nicht folgen, viel zu früh“ Dann denke ich, dass ich das gerade auf englisch gedacht habe und das eben auch, was mich verwirrt, darüber habe ich völlig den Faden bei ihrem Traum verloren und gehe in den Modus über „Lächeln und Winken!“.
So rasen die gut zwei Wochen mit ihr dahin und getreu ihres Haupmottos „Make the best of them“, machen wir das auch. Danke Deb!
Ich verabschiede sie mit einem weinenden und einem lachenden Auge, denn heute Nachmittag freue ich mich schon, eine andere gute Freundin begrüßen zu können, Jördis.
And now for you Deb:
She's gone. At least for now. Deborah has left for Colombo to catch her flight to London, she has to work on Christmas Day. Some of you have rightly asked, who is this Deb, how do you know each other? I added it to the first text afterwards, but I think it deserves its own little section.
A good three years ago, Thomas and I decided it would be a good idea to go climbing in the Himalayas and take advantage of an unbeatable special offer for a group trip so soon after Corona. Sometimes cheap is expensive. The tour operator was a disaster, but luckily the trip itself wasn't, thanks to a great group of people who knew how to help each other. Part of our team was Deb, whom we got to know at the foot of Mount Everest, so to speak. And when things get really challenging, you get to know each other in a whole new way.
Deb is from Wales and a true globetrotter. She has lived on almost every continent and experienced many lows, but even more highs. For a good 18 years, she has been very settled in her home country, working as a driver for a state hospital network, to which she is very loyal, after having done just about everything from working as an engineer in the Air Force to cleaning in France.
What sets Deb apart, apart from her high adaptability, is her keen sense of people. True to the motto "Friendliness initially costs nothing," she approaches everyone with openness and interest. It is impressive how quickly she connects with other people and achieves things that I would not have thought possible. True to another motto, "Only those who ask can be helped." Even when she complains, you get the impression that she is making a good suggestion so that things can run more smoothly next time, but this usually leads to things running much better right from the start. She is also good at deciding when it is worth saying something. She also has this instinct or experience with people – who does she prefer to avoid, or is the person interesting and friendly enough for her to want them around?
Equipped with these experiences and qualities, it is a pleasure to travel and chat with her. Even if the latter is a challenge for me, and probably for her too. Two weeks of speaking only English is a real stretch for me. Deb thinks she speaks English well, but with her Welsh accent, I'm not so sure. ;-) Sometimes it's so smooth that even I'm surprised, but then I'll get stuck in the middle of a sentence and have to try to rephrase it. Deb makes things much worse by trying to guess what I mean, but thinking in a completely wrong direction. So we end up playing Taboo without meaning to. The word is always guessed in the end, but I've completely forgotten the whole sentence and we're talking about something else. Or 7 o'clock in the morning. I wake up, look over at Deb's bed, she's awake too. I ask if she slept well and had any dreams. Wrong question. She immediately starts telling me about her absolutely wild dream, something about her exboyfriend, and then later she has to transport something with blue lights flashing and one obstacle after another stands in her way and... I just think, "I can't follow her, it's way too early." Then I realise that I just thought that in English, which confuses me, and I've completely lost track of her dream and switch into "smile and wave" mode.
So the two weeks with her fly by and, true to her motto "Make the best of them", that's what we do. Thank you, Deb!
I say goodbye to her with a tear in my eye and a smile on my face, because this afternoon I'm looking forward to welcoming another good friend, Jördis.Read more
Wale, nichts als Wale
Dec 24–26, 2025 in Sri Lanka ⋅ ☀️ 28 °C
Der Frauentausch am 23.12. hat hervorragend geklappt. Morgens ist die eine abgereist. Ich habe einen laaaangen Strandspaziergang gemacht, und als ich in das Appartement zurück kam, war die andere schon da! Willkommen auf Sri Lanka, Jö.
Was gibt es Schöneres, als an Heiligabend 4h morgens aufzustehen und in Richtung Süden nach Merissa zu fahren, um dort ein Boot zu besteigen und Wale zu beobachten. Weihnachtsbaum schmücken kann jeder. So dachten wir. Auf dem Boot waren ca. 40 Leute. Es gab eine kurze Einführung. Und wer wollte, konnte eine Seesick-Pille nehmen. Ich war einer der wenigen, die sofort zuschlugen. Kenne mich. Und wir schauen mal, wer hier am Ende milde mitleidig lächeln wird. Es ging los, die Sonne tauchte über dem Ozean auf. Es dauerte nicht lang, da gab es auch die ersten Delphine zu sehen. Sie waren um diese Tageszeit auf Nahrungssuche und legten Strecke zurück. Besonders die großen Tümmler glitten mit einer Eleganz und Synchronität durch das Wasser, so dass sie wie eine einzige Welle wirkten, welche die Wasserwellen schnitten. Das hatte eine unglaublich beruhigende Wirkung auf mich. Weiter hinaus ging es auf den Ozean. Wir kreuzten die Schifffahrtslinie der großen Frachter und erreichten nach etwas mehr als einer Stunde die Tiefsee. Hier geht es 2.500 m weit runter, bevor der Grund erreicht wird. Wenn es Wale gibt, dann hier. Aber hier gab es vor allem wuchtige Wellen, die das Boote gehörig ins Schlingern brachten. Das fanden doch recht viele der Passagiere nicht so lustig. Reihenweise kippten sie um. Und das meine ich wörtlich. Sie lagen am Boden, die gefüllten Kotztüten in der Hand. Das Boot setzte seine Suche unbeirrt fort, schließlich war das hier mit Ansage. Jö füllte auch ein Tütchen und dann ging es ihr zum Glück wieder gut. Anderen half das leider gar nicht. Wale oder Anzeichen davon waren leider nicht zu sehen. Infolge der zunehmenden Schifffahrt, unerlaubten Tauchgängen und Annäherungen, ändern die Tiere ihre Routen. Schade, aber ich kann es ihnen nicht verübeln. Aber es beeindruckte mich schon der Gedanke, dass hier nichts weiter als Wasser war, nach vorn und nach unten, unendliches blaues Schwarz. Nach erfolglosem Kreuzen der Gewässer, was nur zu noch mehr gefüllten Tüten führte, machten wir uns auf den Rückweg. Nachdem wir aus der Tiefsee heraus waren, ließen sich wieder Delfine blicken. Plötzlich war das ganze Boot von einer großen Gruppe von an die 50 Spinnerdelphinen umgeben, die sichtlich Spaß hatten und auch aus dem Wasser schnellten, um sich mehrfach um ihre Achse zu drehen. Nach einem Badestopp fuhr das Lazarettschiff wieder im Hafen ein. Milde mitleidig lächelnd beobachtete ich, wie die meisten immerhin aufrecht stehend, dennoch wankend, den rettenden Schiffssteg erklommen.
Abends dekorierten wir mit den von Jö mitgebrachten Mitteln ein wenig weihnachtlich und sahen eine mittelmäßig und vorhersehbare Weihnachtskomödie. Ein wenig Tradition muss dann doch sein.Read more
Immer noch Weihnachten
December 26, 2025 in Sri Lanka ⋅ ⛅ 31 °C
Oh, so lange nichts geschrieben. Meine kleine Lesegemeinde hat sich zu recht beschwert. Erst anfüttern und dann….
Nun, es geht ja weiter. Und zwar am 26.12., es ist immer noch Weihnachten. Wir fahren nach Thissamaharama (für die Namen kann ich auch nichts). Dort habe ich uns ein Hotel direkt an einem See gebucht. Wie sich zeigt ein Familienunternehmen mit gerade mal vier Zimmern. Der erste Stock ist noch in Arbeit, jedoch sehr geschickt mit Hänge- und Schlingpflanzen verdeckt, so dass es nicht wirklich auffällt. Unsere Zimmer sind noch nicht fertig, und es sind auch nicht unsere gebuchten. Es spricht jedoch auch keiner so richtig englisch. Abwarten. Irgend ein Randy soll kommen. Wir gehen spazieren. Die Landschaft ist einfach wunderschön – Seen, Berge, blauer Himmel und Tiere. Randy ist der Eigentümer und Kopf der kleinen Familie bestehend aus seiner Frau, einem zwei Monate altem Baby, der vierjährigen Tochter und der Oma, seiner Mutter. Und das Baby bringt wohl so einiges durcheinander, vor allem den Tag- und Nachtrhythmus. Wir behalten unsere Zimmer einfach. Randy ist äußerst charmant. Aber genau damit, mit einer entwaffnenden Freundlichkeit und Offenheit machen er und seine Familie alles wett, was nicht ganz so funktioniert. Warmes Wasser – wir arbeiten dran, was zu Essen am Abend – naja, also das ist für die Zukunft geplant. Alles kein Problem, es gibt für alles eine Lösung. Und als erstes möchte er uns doch gern sein Dorf zeigen. Klar, machen wir. Die Gäste aus den anderen beiden Zimmern ein Paar aus Sydney mit drei Kindern, werden auch eingesammelt und los geht es. Mit großem Stolz, viel Energie und Freude zeigt er uns alles, was auf dem Weg zu finden ist. Der See und seine Umgebung bieten so vielen Vögeln und anderen Tieren eine Lebensraum. Als wir Krokodile sichten, kommen mir kurz Bedenken ob der nahen Lage des Hotels. Aber sie sehen satt aus. Glaube ich. Als grüne Halsbandsittiche über unsere Köpfe fliegen ruft der Sohn der Familie freudig, dass es die in Sydney auch gäbe. Tja, du, in Düsseldorf auch. Schon merkwürdig, dass gerade die Kö-Papageien mich nun an meine Stadt zu Hause erinnern. Wir spazieren über Reisfelder und in das Dorf hinein, sehen wie Ton für die Poterie vorbereitet wird und sind pünktlich bei Sonnenuntergang am anderen Ende des Dorfes und einem weiteren See angekommen. Das Highlight hier sind Flughunde. Viele Flughunde. Ganz, ganz viele Flughunde. Noch hängen sie in der um sich greifenden Dämmerung kopfüber wie lange Bienenstöcke an den Ästen der Bäume, die im Wasser stehen. Mit den letzten Sonnenstrahlen kommt Bewegung in die Massen und sie entfalten langsam ihre langen ledrigen Flügel, beginnen sich gegenseitig zu necken und starten ihren Nachtflug. Das ist unheimlich und plastinierend zugleich, wenn tausende von ihnen den Himmel noch dunkler färben. Randy versichert uns, dass sie Vegetarier seien und lieber eine reife Mango als uns fressen würden. Ich will es nicht herausfinden. Ich kann mich kaum losreisen, aber auch unser Hunger fängt an, sich zu melden. Die Australier verabschieden sich, sie wollen ihr Weihnachtsessen, das gestern nicht möglich war, nachholen. Coole Familie, habe selten soviel Nähe miteinander beobachten können. Wir werde von Randy im TukTuk zu einem Restaurant gefahren. Sri Lankan Buffet gibt es, und Jö kann endlich landestypische Gerichte probieren.
Zurück im Hotel sitzen wir noch mit einem Tee in der „Lobby“ als zwei der Kinder der Australier auf uns zukommen, die mitgebrachte Schachtel öffnen und uns fragen, ob wir auch ein Stück vom Christmas-Cake haben wollen. Ach ja, es ist ja noch Weihnachten. Wir sind gerührt und bejahen. Auf der Suche nach Messer und Tellern kommt auch die Inhaberfamilie in voller Stärke dazu und auch der Rest der Australier. Wir essen alle Cake und die kleine Tochter von Randy strahlt über ihr ganzes Gesicht. Randy erklärt, dass sie als Muslime kein Weihnachten feiern, aber ihre Tochter habe es im Fernsehen gesehen und sich so sehr gewünscht, auch ein wenig von diesem Christmas Stuff in echt zu sehen. Nun, der Kuchen und besonders die Deko erfüllen genau diese Wünsche und so prabbelt sie freudig in einer Mischung aus Englisch und Singalesisch vor sich hin. Als Jö ihr später noch das Weihnachts-Memorie-Spiel schenkt, ist ihr Glück komplett. So sitzen drei Generationen aus drei Kontinenten mit drei verschiedenen Weltreligionen an einem Tisch und zelebrieren Weihnachten. Ich glaube, ich war dem wahren Geist dieses Festes noch sie so nah, wie an diesem Abend.Read more
Pfauen im Park
December 27, 2025 in Sri Lanka ⋅ ☁️ 28 °C
Für den nächsten Tag haben wir eine ganztägige Safari im nahe gelegenen Yala Nationalpark gebucht. Auf geht es mit dem Jeep. Aber erst einmal heißt es, am Eingang im Stau stehen. Es sind unzählige Jeeps mit genau dem selben Ziel unterwegs. Auf meine Frage, ob es denn keine sinnvolle Begrenzung gebe, wird verneint. Es sei geplant. Aber das bedeutet ja auch, dass weniger verdient werden könne. Hm, und wieder ist man selbst Teil diese Systems. Zum Glück ist der Park recht groß und die Jeeps verlieren sich ein wenig. Die Landschaft ist flach, eine Mischung aus Trockenflächen und sumpfartigen Gebieten direkt an der Küste des indischen Ozeans gelegen, den man immer mal wieder durchblitzen sieht. Ein häufig anzutreffender Vogel ist der Pfau, was dem europäisch geübten Auge immer wieder den Eindruck vermittelt, man fahre durch die Parkanlagen von Versailles. Die Pfauen haben beschlossen, heute rallig zu sein und umwerben kräftig den weiblichen Teil ihrer Gattung. Das verschafft uns den immer wieder schönen Anblick ihres aufgestellten Rades.
Auf der Suche nach der Hauptattraktion des Nationalparks, dem Leopard, fahren wir immer tiefer in ihn hinein. Irgendwann sind wir tatsächlich allein und die Straßen sind als solche nicht mehr zu erkennen. Der Allradantrieb wird bestens gefordert und festhalten ist angesagt, wenn es fast senkrecht nach unten und oben geht. Irgendwann blicke ich durch die Frontscheibe und bemerke einen Riss. Nun, das wird wohl ein Stopp bei Carglas fällig. Bei einer Ganztagestour wird auch mal eine Biopause fällig. Das ist in der Wildnis aber gar nicht so einfach. Der Guide steigt als erstes aus, checkt die Lage und gibt den Busch frei. Wenn man dann so beim Wasserlassen ist, und in gut 150m Entfernung ein Krokodil wahrnimmt, dann fragt man sich, was schneller ist, der eigene Strahl oder das Krokodil? Nur kein Druck. Jö hat es sich lieber ganz verkniffen. Später ist dann Lunchtime und auch ein Klo da. Wir lernen ein Paar aus Endinburgh kennen und kommen ins Gespräch. Als sie von meinem Sabbatical erfahren, ist vor allem er sehr daran interessiert, wie das mit dem Arbeitgeber funktioniert und wo genau ich denn arbeite. Ich bin tatsächlich ein wenig stolz, von Maxi Zoo erzählen zu können. Seine Frau pfeift ihn gleich zurück, dass es bei ihm sowieso nicht möglich wäre, da er ja viel zu wichtig sei im Unternehmen. Der Unterton in ihrer Stimme ist deutlich wahrnehmbar. Ich antworte nur, dass dies mein großer Vorteil sei, eben nicht so wichtig zu sein und grinse.
Der Nachmittag ist weiter geprägt von der „Jagd“ auf den Leoparden. Wir werden ihn nicht sehen, aber eine ganze Reihe anderer Tiere schon. Und es wird zum Spaß, die Schotten, die immer wieder unseren Weg kreuzen, in das Spiel zu verwickeln, wer sieht wen zuerst und winkt.
Wie nebenbei erwähnt unser Fahrer, dass er für morgen nicht eingeplant sei für unseren Weitertransport in die Berge. Wie jetzt? Das ist doch alles gebucht. Nein, er befürchte nicht. Im Nationalpark ist kein Empfang. Das Problem kann nicht gelöst werden. Und dennoch geht es mir nicht aus dem Kopf, morgen früh, auch noch an einem Sonntag, soll es weitergehen, es ist bereits Spätnachmittag. Ich denke an Bruno, und was er machen würde. Sich auf das konzentrieren, was jetzt machbar ist und jetzt wichtig ist….der Park. Das schaffe ich für 10 Minuten, dann formuliere ich schon mal eine Nachricht an die Agentur. Bruno, ich habe noch viel zu lernen. Und letztlich kann das Problem mit ein paar Telefonaten später auch gelöst werden. Wenn leider auch viel zu teuer.Read more
Zimmer mit Aussicht
Dec 28–30, 2025 in Sri Lanka ⋅ ☁️ 19 °C
Am nächsten Morgen geht es weiter nach Ella, zurück in die Berge. Unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte ist nicht so einfach zu finden. Irgendwann wird die Straße so schmal und steil, dass unser Fahrer aufgibt. Ein TuckTuck wird organisiert, um zumindest das Gepäck zu transportieren. Der Aufwand lohnt sich. Unser kleiner Bungalow, ein Zimmer mit Bad hat auch eine Terrasse und genau auf die kommt es an, da wir vom Berghang aus in das Tal blicken. Herrlich. Noch ist der Bungalow aber nicht bezugsfertig, also auf zur Nine-Arche-Bridge, über die der Zug fährt und die (leider) zum absoluten Instagram-Hotspot geworden ist. Später erkunden wir etwas den Ort, der sehr touristisch aber irgendwie nett ist und trinken einen guten Cappuccino im Avocado-Café, das ein Schild aufgestellt hat, dass sie gar keine Avocados haben. Macht nichts. Für den Abend hat Jö einen Kochkurs gebucht – Currys im Sri Lanka Style. Die junge Frau, die den Kochkurs leitet, erklärt und zeigt uns, wie eigentlich ein Curry-Pulver entsteht. Spannend sind auch die neuen Kenntnisse zum Öffnen einer Kokosnuss samt Rausschälen der Kokosraspeln. Jetzt weiß ich endlich, wie Bounty hergestellt wird. Das Kochen macht Spaß, das Essen ist super lecker.
Am nächsten Morgen gibt es erstmal ein ausgiebiges Frühstück auf unser Terrasse, bevor wir uns auf den Weg zum Kleinen Adamˋs Peak machen, einem Berg nicht weit von uns. Da es warm ist, kommen wir gut ins Schwitzen, aber auch hier lohnt sich die Aussicht. Wenn man den Berg auf der anderen Seite wieder ein ganzes Stück steil nach unten und dann den nächsten wieder hinauf klettert, verspricht das noch mehr Aussicht. Ich wage es. Auf diesem Weg ist kaum noch jemand. Kurz hinter mir ist nur ein junges Pärchen, denen die Lockerheit und Coolness schon aus den Gesichtern springt. Er mit ausgezogenem T-Shirt und Sixpack. Ich beschwere mich nicht. Der Weg ist nicht ganz ohne, aber die Ruhe und Landschaft belohnen die Mühe. So sitze ich auf einem Felsen und genieße. Bis mich der Typ anspricht und fragt, ob er ein Foto von mir machen soll? Auf mein fragendes Gesicht meint er weiter, dass sähe gerade so toll aus, wie ich da auf dem Felsen sitze. Ich hätte niemals diesen Typen angesprochen, bin ich doch weit entfernt, cool zu sein (oder etwa doch nicht?). Das Foto wird gemacht, die Freundin schneidet eine frische Mango auf, die wir uns teilen und kommen ins quatschen. Sie sind aus UK und erkunden auf eigene Faust die Insel. Sie überlegen, auch den nächsten Bergvorsprung noch zu erklimmen. Ich lehne ab, man sollte wissen, wann gut ist, und es gibt immer einen scheinbar noch besseren Punkt, den man erreichen kann, oder es eben lässt.
Die Nacht wird leider für Jö und mich ein abwechselndes Aufsuchen des Bades, da alles aus unserem Körper herausdrängt. Das ist bis zum Morgen auch geschafft, wir allerdings auch, so richtig. Ich versuche unserem Vermieter verständlich zu machen, dass wir Magenprobleme haben und nur wenig zum Frühstück möchten. Er nickt verständnisvoll und bringt dann doch alles auf den Tisch. Ich schaue das Essen nur traurig an und überlege, ob mir übel wird. Leider können wir heute nicht einfach rumhängen, es ist Reisetag. Erst mit dem TuckTuck, dann 3 Stunden mit dem Zug, dann noch gute 2 – 3 Stunden mit dem Auto. Am Bahnhof hängen wir in den Seilen. Jö schafft es irgendwie, unseren Waggon ausfindig zu machen. Sitzen. Immerhin bekommen wir ein wenig zwischen dem Schlafen von der schönen Landschaft mit. Es geht langsam besser. Der Fahrer, der uns abholt, ist total nett und will uns die Wasserfälle der Gegend näher bringen. Er hält an jedem Aussichtspunkt. Bei den ersten beiden steigen wir noch höflich aus, dann nicht mehr. Wieso gibt es so viele Wasserfälle hier? Und hier werden schon nur die mit wenigstens 50m Höhe überhaupt beachtet. Unterwegs sehen wir noch Asiaten, die aufgeregt Kühe fotografieren. Irgendwann am späteren Nachmittag sind wir an unserem nächsten Hotel angekommen, wo wir 4 Nächte bleiben werden.Read more
Über den Wolken
Dec 30–Jan 3, 2026 in Sri Lanka ⋅ ⛅ 17 °C
Wir waren in Nallathanniya angekommen. Kein sehenswerter Ort an sich, aber mit einer eine tollen Landschaft rundherum und vor allem der Ausgangspunkt für den Aufstieg auf den Adamˋs Peak. Eher ein Durchgangsort, als ein Ferienort, da die meisten kommen, maximal eine oder zwei Nächte bleiben und weiter ziehen. Wir haben es wieder einmal anders gemacht. Es war Silvester und Neujahr, und so dachte ich, es schadet nichts, vier Nächte zu bleiben. Allein das reichte schon, um als besondere Gäste angesehen zu werden. Aber trotz Hochsaison waren wir in dem Hotel fast allein und auch der Ort war auf deutlich viel mehr Gäste eingestellt.
Das Hotel war in die Jahre gekommen und die Zeiten, dass es das beste Haus im Ort war, lange vorbei. Schade, denn es hatte einen absolut tollen Blick auf den Fluss und den Adamˋs Peak, um den sich alles drehte. Trotz vieler Abzüge machte auch hier wieder einmal das Personal vieles wieder wett. Aufgrund unserer besonderen Stellung als Dauergast bekamen wir die besten Zimmer des Hauses und fast jeden Wunsch erfüllt. Auch im Ort kannte man uns bald und grüßte sich. Die Tage ließen wir langsam angehen und schlenderten durch Teeplantagen, waren das Tagesgespräch in einem Dorf und ließen uns etwas treiben. Das Wetter war durchwachsen und wenn die Sonne durchkam, entfaltete die Landschaft ihre gesamte Schönheit.
Aber auch unser Hauptziel war die Besteigung des Adamˋs Peak. Der heiligste und zweithöchste Berg Sri Lankas. Auf der Bergspitze thront ein Kloster und die Kultstätte ist ein ca. 1,8 m langer Fußabdruck. Dieser Fußabdruck bedeutet für die großen Weltreligionen jeweils etwas anderes: für die Buddhisten stammt er von Buddha, bei den Muslimen stammt er von Adam, die Hinduisten sehen ihn von Shiva kommen und bei den Christen ist er vom Apostel Thomas. Entsprechend ist der Berg eine Pilgerstätte für alle 4 Religionen, was zu einer Pilgerzahl von ca. 2 Millionen jedes Jahr führt. Nicht nur das ist beeindruckend, sondern auch die Tatsache, dass hier alles sehr friedlich abläuft.
Wir dachten, es sei doch eine gute Idee, den Aufstieg als Neujahrsspaziergang zu gestalten. Da es üblich ist, den Sonnenaufgang auf der Spitze zu erleben, pilgerten wir 2h in der Nacht los. Davor haben wir versucht zu schlafen, was auch ganz gut ging, gab es hier doch genau zwei Raketen…eine gegen 21h, wahrscheinlich von einem Touristen, in dessen Land gerade 24h war und eine Mitternacht lokaler Zeit. Anfangs waren wir recht allein auf dem Weg, was ein bisschen unheimlich war, sind doch links und rechts des Weges zahlreiche Stände aufgebaut, um eben einer immense Zahl an Pilgern alles zu verkaufen, was notwendig oder nicht notwendig ist und die nun verwaist waren. Vor uns lagen 7 km Aufstieg über ca. 1.100 Höhenmeter und 5.831 Stufen. Zur Verdeutlichung, das ist ungefähr so, als würde man ungefähr 388 Etagen eines Gebäudes hochlaufen – und natürlich auch wieder nach untern. So wie sich das anhört, so war es auch – eine absolute Herausforderung. Auf dem Weg nach oben wurde es dann doch noch voller. Es waren aber kaum Touristen sondern eher Menschen, die aus religiösen Gründen den Berg hinauf pilgerten. Und es waren alle Formen, Typen und Varianten von Menschen unterwegs. Auch zahlreiche mit einem Handycap, sei es blind, gehbehindert und geistig. Auch eine Frau in einem Rollstuhl war unterwegs. Unterwegs sein bedeutete bei ihr, dass sie in ihrem Rollstuhl nach oben getragen wurde, was scheinbar Tage in Anspruch nahm, sahen wir sie doch bei unserem Aufstieg gerade vom Nachtlager auf halber Höhe aufbrechen und bei unserem Abstieg etwas höher als vorher Pause machen. Mir drängte sich die Frage auf, warum all diese Menschen, insbesondere, die bei den es solche, ja fast schon, Qualen bedeutet, dies auf sich nahmen. Unser Grund war, eine Challange zu bestehen und die Hoffnung auf eine phantastische Aussicht. Bei den Pilgern war es mit Sicherheit auch eine Hoffnung. Wohl die Hoffnung auf bessere Gesundheit, ein besseres Leben. Das müsste dann aber verbunden sein mit dem Glauben, dass das Auf-sich-nehmen von Mühsal genau dies fördern würde. Das Konzept, dass wohl allen großen Religionen inne wohnt, dass eine gewisse Selbstkasteiung ein besseres Leben verspricht, ist mir immer noch fremd. Ich kann verstehen, warum Menschen an eine höhere Macht glauben. Etwas, was hilft, in dieser Welt besser zu recht zu kommen und auch dem Sinn des Lebens eine Heimat zu geben. Aber warum muss dies verbunden werden mit Leid, Entsagung und Aufgabe? Vielleicht in dem Sinne, dass nur der, der etwas an die höhere Macht gibt, auch von ihr etwas erwarten kann? Wann aber hat diese höhere Macht das gesagt?
Wir brauchen nach oben an die 4 Stunden. Und zum Glück waren wir nicht allzu viel früher da, als es die Sonne sein sollte. Es wehte ein starker, kalter Wind auf dem Gipfel, und es gab kaum einen Schutz davor. Der Aufstieg und das Warten lohnten sich aber auf jeden Fall. Es war ein tolles Gefühl, über den Wolken die Sonne aufgehen zu sehen zusammen mit 150 anderen Menschen. Ansonsten sind es weitaus mehr. Ich fragte mich aber, wo die alle Platz finden? Der Weg nach unten ging erwartungsgemäß schneller, aber war, besonders für die Knie, nicht minder anstrengend. Gegen 9 h waren wir wieder im Hotel, rechtzeitig für ein Bier und ein gutes Frühstück. Wir wählten aus der Karte aus, was wir essen wollten. Das hätten wir uns auch sparen können, denn man brachte uns nacheinander alles, was so auf der Frühstückskarte stand. Wir waren mehr als satt und hatten noch den gesamten Tag vor uns – Frohes neues Jahr!Read more
Zurück am Anfang und doch nicht gleich
Jan 3–5 in Sri Lanka ⋅ ☀️ 31 °C
Das Ende der Reise naht. Es geht wieder nach Colombo. Ein anderes Hotel als am Anfang, aber interessanterweise wieder eines mit japanischem Hintergrund, nur dass man es dieses mal auch am Interieur sehen kann. Wir spazieren durch den Victoriapart, trinken in einem völlig übertrieben runtergekühlten Café einen Café und spielen Jenga. Es ist die Nacht des Vollmonds und daher heute auch ein Feiertag in Sri Lanka. Wir fahren zum Lotus Tower, lassen uns mit dem Fahrstuhl die 350 m nach oben zur Aussichtsplattform bringen und haben eine tolle Sicht auf die nächtliche Stadt samt Vollmond. Im unteren Stockwerk gibt es noch eine Lichtshow, welche die Geschichte und Flora des Landes erklärt. Recht schön, aber wohl eher für Kinder gedacht, die auch zahlreich anwesend waren. Am nächsten Tag schlendern wir durch das islamische Viertel mit seinem Gewusel an Menschen und Läden und Märkten. Die Highlights sind die rote Moschee und der Gemüsemarkt.
Auf dem Rückweg machen wir halt am einst nobelsten Hotel der Stadt. Den alten Glanz kann man noch sehen, und es hat immer noch ein wenig Ausstrahlung. Wir trinken eine Café mit Blick auf die neuen Hafenanlagen und kehren zu unserem Hotel zurück. Am Nachmittag heißt es dann aufbrechen zur wirklich letzten Station der Reise, nach Negombo. Dort, etwas abseits von allem, genießen Jö und ich den letzten gemeinsamen Abend. Ich werden am nächsten Morgen nach Nepal aufbrechen. Jö wird dies einen Tag später in Richtung Deutschland tun. Sehr schön warˋs mit ihr. Reichlich schöne Erlebnisse füllten die vergangenen Tage, und wir hatten endlich mal Zeit, wirklich mit einander reden zu können. Sowas kommt oft zu kurz.
So geht die Zeit auf Sri Lanka zu Ende. Richtig schön war es. Ein Land mit einer traumhaften Natur, abwechslungsreich und tatsächlich, den lächelnden Menschen. Das ist so anstecken, dass ich versucht habe, es mir auch anzugewöhnen. Am Besten so ein geheimnisvolles, in jede Richtung interpretierbares Lächeln. Manchmal gelingt, meist vergesse ich es. Aber ein Anfang ist gemacht.Read more





















































































































































































































































































































