Coco Banderos
27. mars 2024, Panama ⋅ ☀️ 27 °C
Coco Banderos
Die Sonne kitzelt auf meiner Nase. es ist bestimmt viel zu früh, aber ich merke wie sich meine Haut bereits erwärmt. Die Sonne hat hier anders als in Deutschland bereits frühmorgens richtif Power. Ich habe die Nacht im Cockpit geschlafen. Im Boot war es zu warm. Nachts sinken die Temperaturen im
Boot derzeit nur langsam unter die 32 Grad. Es ist absolut windstill hier an den Coco Banderos. Doch nachts draußen ist es sogar recht angenehm. Wahrscheinlich immer noch über 28 Grad, aber der Körper empfindet es als kühl.
Ich öffne die Augen und sehe Palmen. Mein Blick wandert erst hinauf zu dem hellblauen ein. Lädt ein; schwimmen zu gehen. Gemeinsam mit unseren neuen Freunden, haben wir uns an Palmen befestigt. Die Anker liegen auf 10 m und man fährt rückwärts zum Strand und befestigt eine Festmacherleine an einer Palme. Dann zieht man beides Stramm fühlt sich als wäre man im Hafen. Nur viel schöner.
Schnell ziehe ich mir meinen Bikini an, aber anstatt ins Wasser zu springen, hole ich mir das Stand Up Paddle Board vom Vordeck. Vorsichtig steige ich darauf und bin kurz c mit langen kräftigen Schlägen auf dem Weg in die Bucht. Zwischen in den Inseln
geht es durchs klare Wasser voran. Ich betrachte den Meeresboden unter mir. Trotz mehrerer Meter Wassertiefe kann ich jede Muschel, jeden Fisch und jede Bewegung klar erkennen. Die Haie tauchen heute morgen nicht auf. Dafür erreiche ich 10 Minuten später die nächste Insel. Eine einsame Insel mit einer Palme darauf. Davor ist das Meer nur knietief. Ich ziehe das SUP an Land und unrunde die Insel zu Fuß. Dann folgt ein kleines Workout bevor es zurück geht. Nicht aber ohne Abkühlung. Das Wasser wogt angenehm um meine Beine. Ich kann einem Krebs dabei zuschauen, wie er sich einen Weg um meine Füße bahnt.
Zurück am Boot, lasse ich das SUP zurück und mache mich mit Dinghi auf den Weg zu Susanne und Frank. Die beiden wollen heute weiter segeln und wir verbringen noch ein wenig gemeinsame Zeit auf ihrem Katermaran. Man schließt die Menschen einfach sehr schnell in sein Herz und es ist umso trauriger wenn man dann wieder getrennte Wege gehen muss.
Weg führt jetzt erstmal zurück an Bord. Jonas aus dem Bett am besten direkt ins Wasser schmeißen. Der Tag kann beginnen und wird Antonia und mich in eine nahegelegene Kuna-Siedlung und anschließend auf Expedition in einen Fluss führen. Was wir dort wohi sehen werden? Gespannt? Ich auf jeden Fall!Les mer
River Tour
27. mars 2024, Panama ⋅ ⛅ 29 °C
Mini-Expedition
Unsere Freunde von der Zen liegen nur 10 Meter neben uns. Ein großer Vorteil, wenn man sein Boot an einer Palme festmacht. Haustür an Haustür. Die Wege sind kurz und Antonia und ich springen auf die Badeplattform, um zu den Dreien ins Dinghi zu steigen. Jonas bleibt lieber an Bord, während Clara Schnorcheln geht. Antonia, Jesper, Xenia, Maja und ich machen uns auf den Weg in die Stadt.
Unsere Fahrt dauert rund 20 Minuten und deshalb ist es auch keine Option, umzudrehen als wir feststellen, dass die Dänen ihren Geldbeutel vergessen haben.. so müssen die 45$ für Gemüse und Obst für zwei Boote und fürs Benzin fürs Dinghi reichen.. Am Ende tanken wir zwar viel zu wenig, aber dafür ist noch eine kalte Cola für jeden drin. Denn anstatt nach Hause geht es in den Dschungel. Mangroven und dicht bewachsene Ufer erwarten uns. Nach der flachen Ufermündung scheint der Fluss tief und weitläufig. Doch dennoch müssen wir mit größter Vorsicht fahren. Nur die Lokals wissen, wo die Baumstämme dicht unter der Wasseroberfläche liegen und schnell Dinghi und Motor zerstören könnten.
Am Ufer entdecken wir zwar keine Krokodile, dafür jedoch Vögel, Echsen und im seichten Wasser am Ufer einen Rochen.
Wir werden begleitet durch lautes Vogelgezwitscher und Zirpen von Insekten. Der Regenwald ist nie still. Unterwegs treffen wir Kunas in ihren Einbäumen. Denn am Ende des Flusses wartet die Trinkwasserquelle der Inseln. Hier wird in Fässern Wasser gelagert und dann paddelnd zurück in die Welt gebracht. Motorboote treffen wir nur wenige. Hier ist vieles noch traditionell. So auch die Boote. Aus dem dicken Stämmen der Bäume geformt wirken sie als wären sie aus einer anderen Zeit. Als wäre die Zeit stehen geblieben. Und gerade heute wünschte ich, ich könnte die Zeit pausieren, um das Leben hier auf den Inseln noch mehr zu genießen.Les mer
Another Island in the Sun
29. mars 2024, Panama ⋅ ⛅ 28 °C
Kurzes Update: Nachdem wir die Coco Banderos doch verlassen haben, segelten wir weiter gem Westen zurück. Eine Nacht vor Cambombia und eine Nacht vor Achudup. Beide Inseln sind nett, aber irgendwie hat es uns nicht zum Bleiben eingeladen. Wir verbringen eine weitere schöne Zeit mit der S/Y Zen und so kommen die 5 auch mit, als wir erneut den Anker heben und gen Norden segeln. Zurück zu den Hollandes Cays. Hier wollen wir Ostern feiern und dann letztendlich aufbrechen Richtung Panama Festland!Les mer
Waisaladup
30. mars 2024, Panama ⋅ ⛅ 28 °C
Wir haben immer noch nicht herausgefunden, warum diese Inseln so heißen. Wofür das Dup im Namen steht. Wahrscheinlich heißt es Inseln oder schöner Ort. Schön sind die Inseln nämlich alle. Unsere letzte Insel lockt uns nicht nur an Land, sondern auch direkt unter Wasser!
Diesmal leider ohne GoPro springen wir direkt ins "Kühle" Nass une schnorcheln durch ein mehrere hundert Meter langes Riff. Ein Riff mit einer der größten Vielfalt, die ich hier entdeckt habe. Korallen, Schwämme, viele viele Fische und ein Hai. Ein schlafender Hai. Ich muss ihn den anderen zeigen, denn er liegt gut versteckt zwischen den Felsen.
Den Nachmittag verbringen wir mit einem Spaziergang über die Insel, einer ausführlichen Session Volleyball und der Vorbereitung unserer Überfahrt. Frank und Susanne haben uns überzeugt, früher loszusegeln. Man muss sich einfach noch die Schönheit der Natur um Linton Bay anschauen. Also beschließen wir, dort zwei statt wie geplant eine Nacht zu verbringen.
Abends haben wir also einen Abschied geplant! Ein Lokal zündet uns ein Osterfeuer am Strand. Wir trinken Coco Loco aus Kokosnüssen und genießen das zwei Meter hohe Feuer zwischen den Palmen. In der Dunkelheit leuchten die Ankerlichter unserer Boote. In der Nähe schwimmern die Palmen im Glanze der Flammen. Wir haben einek wunderschönen letzten Abend hier auf den San Blas Inseln. Morgen Früh werden wir weiterziehen. Ich ksnn verstehen, warum hier viele hängen bleiben..Les mer
Der beste Fisch der Welt
31. mars 2024, Caribbean Sea ⋅ ⛅ 29 °C
50 Seemeilen liegen vor uns. Gemeinsal mit der Selah wollen wir die San Blas Inseln verlassen und zurück in die Zivilisation segeln. Ziel: Die Isla Grande vor Linton Bay. Nach
einem allerletzten Schnorchelgang früh am Morgen; packen wir unsere sieben Sachen zusammen, machen die Jonny seefest und hieven den Anker an Deck.
Einen kleinen Bogen später drehen wir im Landschutz in den Wind und setzen das Großsegel. Kurz darauf folgt die Fock und wir setzen Kurs See. 15 Knoten Wind - perfekt. Wir segeln mit 7 Knoten dem grauen Katamaran hinterher. Abwechselnd dösen wir oder gehen Wache. Ich verabschiede mich in meine Koje und sehe noch, dass Jonas die Angelleine ausbringt. "Willst du wieder vegetarisch fischen?" Teppiche von Seegras passieren uns.
Nach 20 Minuten gebe ich meinen Mittagsschlaf auf. Nicht müde genug. Gerade als ich mich zu Jonas geselle - Clara schläft vorne, Antonia schläft im Cockpit - langt er an die Angelleine und stellt fest. "Oh, da ist was dran." Na, gut, dann tu ich ihm den Gefallen, für sein Seegras. Angelkiste raus. Wasser auf die Badeplattform. Sicherungsleinen raus. Käscher vorbereiten. Jonas beginnt zu kämpfen. Wir wecken Antonia - sie soll die Leine aufwickeln. Aus der Ferne sehen wir ihn kämpfen. Springen, sich drehen und aus dem Wasser springen. Ich rechne bereits damit dass die Leine reißt. 20 m hinterm Boot ist Schluss. Aber nicht mit der Leine, sondern mit Jonas's Power. In der Zwischenzeit schreibe ich eben mit Freunden, was tun, wenn der so aggressiv ist. Ich will ja nicht gebissen werden. -> Abwarten. Lasst ihn müde werden. Wir warten also 5 Minuten und langsam nimmt der Zug ab. Die letzten Meter brechen an. Das Ausmaß unseres Fangs kommt in Sicht! Holla, die Waldfee - ich geh mir mal ein Handtuch und Handschuhe besorgen. Den müssen wir erstmal auf die Badeplattform bekommen. Pünktlich fängt er auch wieder an zu Bocken. Die Jonny fährt in der Zwischenzeit immer noch 7 Knoten. Nicht gerade hilfreich. Jonas schafft es seinen Kopf auf die Plattform zu ziehen und ich frage mich, ob ich ihn auch durchs Maul betäuben kann. Schaden kanns nicht, also spritze ich ihm eine ordentliche Ladung Schnapps in den Rachen. Dem Fisch, nicht Jonas ;-)
Und tatsächlich, der Kampf hört nach 2 Sekunden auf. Schnell bringen wir den Fisch an Deck. Betäuben ihn vorsichtshalber erneut und mit einem Schnitt durch die Kiemen ist der Kampf vorbei. Was für ein Fang! Wir können es gar nicht glauben! Unser XXL-Osterei!
Von unseren Freunden lernen wir, dass wir einen Wahoo gefangen haben. 10 kg schwer und 1,3 m lang!
Na, wie der wohl schmeckt! Die Selha macht bereits Platz im Kühlschrank und abends verabreden wir uns zum BBQ!
Jonas googelt Wahoo - laut Internet einer der leckersten Fische der Welt und wahrlich - der Abend wird ein Festessen! Filets, die entspannt zwei volle Hände Messen, schneiden wir aus dem Fleisch. Es gibt Fisch satt. Dazu Reis und Salat! Ein Traum von Abendessen und ein gelungener Abschied für unsere Reise in die San Blas Inseln!Les mer
Dem Panama Kanal einen Schritt näher
2. april 2024, Panama ⋅ ☀️ 30 °C
Antonia, Clara und ich nutzen das ruhige Wetter und die Fahrt unter Motor, um ein letztes Mal Carcasonne zu spielen. 6 Stunden Fahrt liegen insgesamt zwischen der Linton Bay Marina und dem Panama Kanal. Im Hintergrund läuft unser Funkgerät bereits auf Kanal 12. Cristobal Signal Station. Bereits am Vormittag werden Schiffe in den Kanal eingeschleust und wir hören die Kommunikation zwischen dem Koordinator und der Berufsschifffahrt.
Als Antonia mit meldet, da ist ein Segelschiff voraus, muss ich schmunzeln. So viel Berufsschifffahrt hat sie bisher ja noch nicht gesehen und in der Tag schauen die weißen Aufbauten aus der Ferne ein bisschen wie ein Segelschiff aus. Doch langsam kommen wir näher und immer mehr Schiffe kommen in Blick. Containerschiffe, Bulkcarrier, Tanker. Ich rufe Cristobal Signal Station und melde uns offiziell an. Ich strahle vor Freude, es erinnert mich an meine Zeit auf See. Funken ist für viele weitaus schlimmer als Telefonieren. Kennt ihr das zuhause? Einmal Tuten lassen und dann die Mail schreiben: Leider konnte ich Sie telefonisch nicht erreichen.. der Unterschied beim Funken hören alle mit und Email schreiben ist logischerweise auch nicht möglich. Ich Funke für mein Leben gerne. Dank meines ersten Schiffes als Offizier. Ich glaube wir wurden mit Absicht auf das Schiff geschickt, quasi als Schule. Man funkt einfach so oft bis man es in Fleisch und Blut hat. Jonas ist am Filmen. So viel gibt es zu sehen. Langsam nähern wir uns dem großen Wellenbrecher von Colon. Er spannt sich über die komplette Bucht und mittig ist ein kleines Loch. Dort wollen wir rein. Unser AIS (der in System zur Erkennung von Schiffen im Umkreis) meldet ein ausgehendes Schiff aus dem Kanal. CMA CGM Callisto - 363 cm. Eindeutig Vorfahrt für ihn. Eine Kollision würde sowieso Klein-GFK aus uns machen. Ich beschließe das Fahrwasser deutlich vor ihm zu kreuzen und dann auf Gegenkurs zu gehen. So passieren wir uns kurz vor der Einfahrt im Fahrwasser mit ausreichend Abstand und dennoch nah genug, um diese Dimension so richtig vor Augen zu haben. Wir fühlen uns so klein wie eine seiner über 11.000 Container an Bord. Dann ist er passiert und wir sehen seine Heckwelle sich am Wellenbrecher brechen, merken den Strom, den sein Propeller auf uns schiebt. Der Autopilot korrigiert minimal und dann passieren wir auch bereits den Wellenbrecher und anstatt gerade aus gen Kanal zu steuern, biegen wir rechts ab. Aus dem Dschungel am Uferrand tauchen bereits die ersten Masten auf. Die Shelter Bay Marina liegt vor uns. Brüllaffen kreischen ihr Geschrei durch die Gipfel der Bäume und wir sind gespannt auf diesen Hafen. Für uns wird dieser Hafen für die nächsten zwei Wochen das Zuhause bevor es am 17. April weitergeht durch den Panama Kanal!Les mer
Carlos' Dschungelparadies
14. april 2024, Panama ⋅ 🌬 29 °C
Carlos lebt in Panama. Anfangs dachten wir er lebt im Eingangshäuschen zur Marina. Später fanden wir heraus - er arbeitet dort tatsächlich. Leben tut er in einem Dorf in der Nähe.
Carlos möchte uns mitnehmen in seine Welt. Die Natur. Die Schönheit Panama's!
Er schärft uns ein, lange Klamotten anzuziehen und Mückenspray einzupacken. Ein wenig doof kommen wir uns schon vor als wir in Turnschuhen, langen Hosen und den Socken mit fast zu den Knien hochgezogen, den Steg entlang laufen. Später bin ich froh drum. Die Hosen schützen vor stacheligen Sträuchern und den Mücken, die mich gefühlt sofort umgeben sobald wir den kleinen Pfad in Richtung Regenwald betreten.
Carlos zeigt uns Ruinen aus der Vergangenheit. Das heutige Segelloft war in Kriegszeiten ein Theater für die Familien der Armeen. Ein Stück die Straße hinunter steht eine zerfallene Kirche. Thermiten haben das Gebäude zu großen Teilen angefressen. Plünderer alles mitgenommen, was brauchbar war. Übrig bleiben Bilder von Engeln an den Wänden.
Kurz hinter der Kirche biegen wir in den Wald ab. Und sehen zu meinem Entzücken den ersten Nasenbären. Aufgrund des langen Schwanzes leicht mit einem Affen zu verwechseln. Carlos erklärt die Unterschiede und Gemeinsamkeiten.
Wir schauen uns Ameisenstraßen, Termitenspuren, Stachelbäume, Pflanzen und Sträucher an. Viele invasive Arten von Bäumen und Gräsern machen sich in der Gegend breit. Früher als nützlich angesehen, bereiten sie heute den Einwohnern sorgen. Elefantengras
säumt die Straße. Es wächst in rasanter Geschwindigkeit und wer es nicht rechtzeitig schneidet, muss sich schnell mit einer unbezwingbaren meterhohen Mauer auseinandersetzen. Schnell wird klar, warum es für die damaligen Menschen so schwierig war, eine gute Route durch den Regenwald und durch die Berge zu finden, um den Panamakanal zu bauen. Erst weitläufiges Fluten der Gegend brachte den gewünschten Durchbruch. Anders als anfangs geplant werden die Schiffe nun hoch anstatt hinunter geschleust. Außerhalb des Fahrwassers im Kanal besteht die Gefahr der Kollision mit überfluteter Bäume.
Doch zurück zu unserer Tour. Ein Highlight zeigt sich als wir um einen kleinen menschengebauten Mauervorsprung biegen. Eine Treppe hinab und wir stehen im Innenhof einer riesigen Bunkeranlage. Gebaut, um den damals frisch eröffneten Kanal gegen eine Invasion der Deutsche Mächte zu verteidigen. Die Anlage wurde nie gebraucht und schließlich wieder geschlossen. Als 1977 der Kanal offiziell an den Staat Panama übergeben wurde, beschloss man trotz versichertem Beistand der USA in einem Kriegsfall, sich international neutral zu verhalten. Heutzutage darf jedes Schiff durch den Kanal fahren, sofern es die entsprechenden Abgaben bezahlt. Panama besitzt kein eigenes Militär oder gar Heer. Einem Angriff wären sie ohne den USA schutzlos ausgesetzt.
Carlos führt uns durch verlassene Gänge, zeigt uns die geblünderten Kabel, von Fremden beschmierten Wände, an den Decken hängende Fledermäuse und die Überbleibsel der Wehranlagen.
Wir fühlen uns versetzt in eine andere Welt. Verborgen hinter den Regenwäldern liegt so manches Geheimnis, welches irgendwann durch Bäume und Gräser für immer ins Verborgene verwachsen sein wird. Umso schöner, dass wir noch die Chance hatten, Carlos' Wissen vermittelt bekommen zu haben.
Zum Abschied treffen wir, zurück auf der Straße, noch eine Familie Affen - hoch oben in den Wäldern. Brüllaffen. Laut hallen ihre Schreie durch die Nacht. Auch in den nächsten Abenden werden sie uns an diesen Spaziergang erinnern!Les mer
Panama Kanal
19. april 2024, Panama ⋅ ☁️ 29 °C
Durchquerung des Panama Kanal
Der Panama Kanal. Gleichzeitig lang ersehnter Wunsch und Dorn im Auge. Warum? Für uns bedeutet der Panama Kanal, das erste Mal auf dieser Reise vertraute Gewässer zu verlassen. Bisher kannten wir uns irgendwie aus. Bisher befanden wir uns in mehr oder weniger vertrauten Gewässern. Bisher ging es alles leicht von der Hand: Doch ab jetzt beginnt die Fahrt ins Ungewisse!
Doch warum ein Dorn im Auge? Die Durchfahrt kostet uns in etwa 2500 USD – das ist definitiv der teuerste Tag unserer gesamten Weltreise. Na hoffentlich ist es das auch wert. Die Fahrt durch insgesamt 6 Schleusen, durch einen Stausee und durch eine durch Menschenhand geschaffene Schlucht in den felsigen Bergen der Westküste Panamas.
Der Panama Kanal verbindet die Karibik bzw. den Atlantik mit dem Pazifik. Er erspart Schiffen seit vielen Jahren den langen und beschwerlichen Umweg um das gefürchtete Kap Horn. Für uns bedeutet das insbesondere, dass wir uns weiterhin auf der Barfußroute bewegen können und nicht in die kalten Gewässern Patagoniens hinab müssen. Manchmal wünschen wir uns vielleicht einige Grad weniger, doch prinzipiell ist es einfach schön, immer im Warmen zu sein.
Der Panama Kanal bedeutet Vorbereitung, Planung und frühes Aufstehen. Bereits seit Februar sind wir dabei, diese Durchfahrt zu koordinieren. Haben unser Schiff vermessen lassen, Fotos eingereicht, Geld überwiesen und schlussendlich telefonisch bei den Kanalbehörden unseren Termin vereinbaren können. Für den Kanal benötigt man extra Leinen, extra Fender und extra Personal, um erstere zu bedienen. Im Vergleich dazu: Der Nordostseekanal ist länger, schmaler, kostet uns lediglich 24€ und darf alleine passiert werden. Die Leinen und Fender mieten wir uns von Stanley. Pünktlich am Tag vor unserer Durchfahrt steht eine große Schubkarre an der Pier und wir überhäufen das Vordeck mit den XXL-Kugeln und dickem blauen Tauwerk. Auch unser erster zusätzlicher Linehandler ist bereits angekommen. Nils haben wir über eine Whatsapp Gruppe gefunden und wird für eine Nacht bei uns schlafen. Denn es geht früh morgens los. Tine, unsere 5. im Bunde (Jonas, Jenny, Antonia, Nils und Tine) wohnt zum Glück nur drei Boote weiter und hat sich für 03:15 Uhr angekündigt.
Um 03:00 Uhr klingelt der Wecker. Auch für mich, als Frühaufsteher, ist das etwas früh. Doch die Aufregung lässt mich innerhalb von Sekunden wach werden. Es geht los. Nach einer schnellen Katzenwäsche, bereiten wir die Jonny auf die Ab- und Durchfahrt vor. Wasser nachtanken. Strom abstecken. Leinen vorbereiten. Plötzlich steht Walt vor unserem Schiff. Eine freudige Überraschung. Ein Amerikaner, den Jonas und ich in den letzten Tagen sehr liebgewonnen haben. Er konnte uns doch nicht einfach fahren lassen, ohne die Leinen loszuschmeißen! Jonas startet den Motor und dann schmeißt Walt also unsere Leinen los! Nach 15 Tagen Shelter Bay geht unsere Reise also weiter!
Wir verlassen den Hafen und sehen in der Ferne bereits die riesige Brücke über dem Panama Kanal. Hell beleuchtet weist sie uns den Weg. Ich rufe die Cristobal Signal Station auf Kanal 12 und informiere den Lotsen, dass wir auf dem Weg sind. Pünktlich, wie angekündigt, springt der Lotse um 04:00 Uhr behänd an Bord. Das Lotsenboot entfernt sich genauso schnell wie es gekommen ist, schaltet seine Lichter ab und verschwindet in der Dunkelheit der Nacht. Wir begrüßen Roy an Bord unserer Jonny und nehmen nun endgültig Kurs in Richtung Kanal.
Um uns herum herrscht reges Treiben. Ein Großschiff zieht in Richtung der neuen Schleusen an uns vorbei. Schlepper bringen mit ihren Heckwellen die Jonny ins Wanken und Schaukeln. Wie ein Spielzeugboot tanzen wir immer wieder über die ruppigen Wellen. Der Wind schiebt uns zügig in die richtige Richtung. Wieder einmal ärgere ich mich ein wenig. Gestern wäre das ideale Wetterfenster gewesen, um über den Pazifik aufzubrechen. Doch das haben wir verpasst. Von unseren beiden „Buddy-Booten“ fehlt jede Spur. Roy sucht die Namen heraus und in unserer Liste der uns umgebenden Schiffen finde ich sie schlussendlich in 4 Seemeilen Entfernung. Wir stoppen den Motor und segeln vor Top und Takel weiter. 2 Knoten. Schlussendlich zieht Roy die Notbremse. Wir sind bereits zu weit. Zu nah an den Schleusen. Wir drehen um und driften dann in Ufernähe, um auf die anderen beiden Yachten zu warten. Nach einer gefühlten Ewigkeit sehen wir die Masten in der Morgendämmerung auftauchen. In einem großen Vollkreis nähere ich (Skipper für den ersten Abschnitt des Kanals) mich der Tabaloya. Tine und Antonia bereiten die Leinen vor und dann liegen wir Längsseits und vertäuen die beiden Boote miteinander. Wir begrüßen kurz unsere neuen Nachbarn bevor deren Aufmerksamkeit in die andere Richtung geht. Die Greji nähert sich und macht dann zügig an der Backbordseite fest. Somit ist das Dreierpäkchen komplett. Der Lotse des mittleren Bootes übernimmt das Kommando. Manövriert uns in die Einfahrt der Schleusen. Immer näher kommen die Wände. Lediglich weniger Meter trennen uns von den steinernen Mauern. Ich schaudere. Ein Fehler des Lotsen und unsere Weltreise könnte hier im Kanal einen jähen Dämpfer erfahren. Der Lotse ist noch unerfahren. Ein Lehrling. Sein Supervisor gibt mir immer wieder zusätzliche Handzeichen, Maschine zurück. Maschine neutral. Maschine zurück. Schnell habe ich den Dreh raus und übernehme das ausgleichen der Drehbewegung von alleine. Er nickt anerkennend „You are learning fast!“ Langsam nähern wir uns der endgültigen Position. Die Wurfleinen schießen an Deck. Die dicken Taue werden festgemacht und übergegeben und dann auf den Pollern festgemacht. Maschine zurück. In Position. Alles fest.
Ein Klingeln hinter uns verrät, die Schleusentore fahren zu. Jonas verabschiedet sich laut vom Atlantik. Und auch in mir spüre ich auf einmal einen Kloß im Hals. Schnell wische ich eine Träne weg. Diese Etappe ist beendet. So viel haben wir erlebt. So viel haben wir gelernt. Doch es ist Zeit, zu gehen, unseren Weg in Richtung Westen weiter zu gehen. Zu Segeln! Tschüss Atlantik. Vielen Dank für die vielen schönen Erinnerungen.
Um uns herum beginnt das Wasser zu brodeln. Langsam klettern wir die Schleusenmauern empor. Die Poller, die wir vorhin nur erahnen konnten, kommen in Sicht. Wir müssen die Leinen immer wieder durchholen, um das Paket aus drei Yachten in Position zu halten. Vor uns geht das Containerschiff mit in die Höhe. Hinter uns die Schleusentore. Und dahinter stehen hunderte Kreuzfahrtgäste auf dem Bug der Eurodam und finden es bestimmt total klasse, dass wir vor ihnen festgemacht haben. Wenn jetzt etwas schief geht, haben wir sehr viele Zeugen und finden uns bestimmt in jeder Zeitschrift der Welt wieder. Zum Glück geht nichts schief. Langsam setzt sich das Containerschiff vor uns in Bewegung. Fährt ein in die nächste Schleuse. Als es fest ist, geht es auch bei uns weiter. Die Leinen bleiben mit der Landseite verbunden. 4 Personen stehen dort für uns bereit und tragen sie zu den nächsten Pollern. Wir sind als quasi wie ein unartiger Hund viermal angeleint. Und so geht es für uns insgesamt drei Schleusenkammern hinauf in den Gatunsee.
Der Gatunsee ist ein durch einen Staudamm künstlich angelegter See, durch den der Großteil des Kanals führt. Ursprünglich hatte man versucht den Kanal viel tiefer anzulegen, war aber aufgrund der Natürlichen Begebenheiten gescheitert. Schlussendlich wurde das Tal einfach geflutet. Wir müssen uns zu jederzeit innerhalb der Betonnung aufhalten. Außerhalb drohen Baumkronen der längst überfluteten Wälder unseren Kiel oder Propeller zu beschädigen. Also halten wir uns an Roy’s Anweisungen. Die Leinen zu den anderen Yachten werden losgeschmissen und ab jetzt sind wir auf uns alleine gestellt.
Jonas und ich sind übereingekommen, dass wir den Kanal mit 5,5 Knoten durchfahren wollen. Einer guten Drehzahl für das Boot und den Motor. Man muss aufpassen, denn sonst pushen einen die Advisor zu immer höheren Drehzahlen und Verbräuchen. Oft unnötig. Nicht so heute. Es geht wenig Verkehr durch den Kanal. Wir haben die Vermutung, dass eine Schleusenkammer defekt ist. Roy zählt uns die Möglichkeiten auf, mit welchen Schiffen wir den Kanal verlassen können. Es gibt genau drei Stück. Wenn wir diese verpassen, müssen wir übernachten. Zwar unverschuldet, da wir unsere Geschwindigkeit im vorherein angegeben und auch gehalten haben. Aber es gibt schöneres als im welligen Fahrwasser für 24 h an einer viel zu großen Bojen festgemacht zu sein. Wir geben als Gas. 6 Knoten brauchen wir. Das ist machbar.
Gleichzeitig haben wir ein Problem im Keller. Der Ölfilter ist undicht. Langsam tropft das gute frisch eingefüllte Öl in die Bilge unserer Maschine. Unter Motorfahrt ist es unmöglich den Ölstand abzulesen. Wir fürchten, dass wir zu viel Öl verlieren können. Die Schraube lässt sich allerdings auch nicht abdichten. Wir entschließen uns dazu, das Öl aufzufangen und oben wieder hinein zu kippen. Auflösung vorweg: Es geht alles gut. Der Motor schnurrt weiterhin wie ein Kätzchen und jetzt einen Tag später ist das Problem bereits behoben.
Roy macht sich Sorgen. Das lesen wir ihm ab. Anfangs war er noch sehr gesprächig, doch sein Gesicht wirft zunehmend Falten. Ich habe mich bereits damit abgefunden, die Nacht im Kanal zu verbringen. Müssen wir uns anfangs am rechten Tonnenstrich halten und passieren die Fahrwassermarkierungen mit maximal 1 m Abstand, so fahren wir jetzt mittig. Mittig hinter einem Großcontainerschiff her. Vollgas. Mehr wollen wir nicht. Keine Experimente. In der Ferne sehen wir die zweite Segelyacht in der Schleusenkammer verschwinden. Werden wir es schaffen? Roy hat aufgehört uns zu informieren. Sorgenvoll hört er den Funkkanal ab. Geht unter Deck telefonieren. Schaut auf die Uhr. Tine, eine unserer Linehandler, hat einen Flug am nächsten Tag. Eine Verzögerung könnte unschöne Folgen haben. Ich versuche aus Roy herauszukriegen, ob sie warten. Er weiß es nicht.
500 m vor der Schleuse dann die Erleichterung. Das Großschiff ist noch nicht eingefahren. Wir müssen uns schnell noch vor ihm in die Schleuse schieben und dann werden innerhalb der Schleusen ins Päckchen mit den anderen Yachten gebunden. Sehr unüblich. Selten gibt es so einen Stress. Ich erinnere Jonas daran, auch rechtzeitig zu bremsen, vor lauter Stress, haben wir das Gefühl Roy möchte am liebsten mit Vollgas anlegen. Dann reduzieren wir die Geschwindigkeit. Kommen längsseits geben in einem kleinen Kuddelmuddel – die Franzosen der anderen Yacht verstehen mal wieder kein Englisch – die Leinen über und nehmen fast Sekunden später die Wurfleinen des Schleusenpersonals an. Die erste geht ins Wasser. In der Zwischenzeit steuert Jonas gemeinsam mit den anderen Kapitänen die Kammervorderseite an. Mit rasanter Geschwindigkeit ist es für das Personal am Kammerrand schwierig gut zu zielen. Geschafft. Leinen über. Wir sind fest. Kurze Zeit später ist auch der blau-grüne Koloss hinter uns fest und diesmal treten wir den Weg in die Tiefe an.
Die Pazifik-Schleusen teilen sich in zwei Teile auf: Die Pedro Miguel Schleusen und die Miraflores-Schleusen. Angekommen, an den letzten Schleusen, steigt die Aufregung. Nur noch wenige Meter trennen uns vom Pazifik. Und dann öffnen sich endlich die letzten Schleusentore. Mein Herz macht einen kleinen Hüpfer. Es geht los. In die unendliche Fremde. Viele neue Länder warten auf dieser Seite der Welt auf uns. Viele ungeschriebene Seiten in unserem Leben warten darauf mit Geschichten fremder Kulturen und Erlebnisse in dieser neuen Umgebung gefüllt zu werden.
Die nächsten Tage werden wir vor Panama City ankern und nach einem geeigneten Wetterfenster Ausschau halten. Momentan sind die Winde wieder schwächer. Also drückt uns die Daumen, dass wir schon bald starken Nordwind bekommen und endlich loskönnen. In Richtung Marquesas!Les mer
Team Pazifik
23. april 2024 ⋅ ☁️ 29 °C
Abfahrt. Leinen los. Kurz bevor wir in See stechen, stürmen Maja, Jesper und Selene den Steg entlang. Sie sind extra aus der Stadt zurückgekommen, um sich von uns zu verabschieden. Bereits am Morgen haben wir die hier üblichen Worte "See you on the other side!" zu den Ocean Fellows gesagt und auch jetzt heißt es Abschied nehmen.
Seit wir in der Shelter Bay Marina angekommen sind, den ersten Überseeproviant eingekauft und an Bord geschafft haben - seither fiebern wir diesem Moment mal mehr, mal weniger entgegen.
4000 Seemeilen über das große blaue Meer. 1000 Seemeilen mehr als über den Atlantik. Ich denke an Dezember zurück. Nochmal eine Woche länger. Ich bin kein Mensch von Einsamkeit und wahrscheinlich freue ich mich auf die Ankunft mehr als auf die Überfahrt. Doch ist es einfach unbeschreiblich, dass es jetzt endlich losgeht. Die Lucky Jonny ist so schwer beladen, wie noch nie.
440 L Trinkwasser. 340 L Diesel. Alle Netze randvoll mit Obst und Gemüse. Der Kühlschrank bis oben hin gefüllt. Die Bilgen auf den letzten Quadratmillimeter vollgestopft mit Essen. Wir sind bereit.
Die Leinen gehen los. Jonas gibt Gas. Ich merke, wie uns der Wind zur Seite drückt. Jonas gibt mehr Gas, schwerfällig setzt sich unsere alte Dame in Bewegung. Nimmt Fahrt auf und biegt um die Kurve. In Richtung Hafenausfahrt. In Richtung offener See. In Richtung Marquesas. Unsere Freunde winken und freuen sich, für uns. Auch sie werden in einer Woche in See stechen.
Jonas grüßt mit unserem Typhon - dreimal lang, einmal lang! Dann erreichen wir die Ankerlieger vor dem Hafen. Auch hier winken uns mehrere Boote zu. Die Skjioldmoen ist ebenfalls dabei den Anker zu hieven. Die Crew mit 5 Erwachsenen und 2 Kindern ist uns dicht auf den Fersen. Für sie geht es erstmal
zu den Galapagos-Inseln.
Antonia, Jonas und ich schauen uns an. Sitzen erschöpft im Cockpit und jeder für sich muss erstmal verstehen, was hier passiert. Jetzt gibt es kein Zurück. Wir sind für mindestens 30 Tage in diesem Abenteuer gefangen.
Wann wir ankommen werden, kann uns keiner verraten. Doch jetzt geht es los!Les mer
Pazifik Überquerung Tag 1
24. april 2024, Nordpazifik ⋅ 🌬 28 °C
Tag 1 - 24.04.2024
Mittagsposition: 6°44'N 080°12'W
Etmal: (21,5 h): 138 Seemeilen
Durchschnitt: 6,4 Knoten
Wetter: Abwechselnd Sonne und Wolken, Nördliche Winde und 2-3 Knoten Strom
Auf dem Menü: Nudeln mit Tomatensauce/ Bolognese
Erkenntnis des Tages: Der Mond wird über einen Zyklus durchlaufen sein, wenn wir ankommen - heute ist Vollmond!
Die erste Nacht ist unruhig. Gemeinsam manövrieren wir am Nachmittag noch durch die Panama-Kanal-Ankerlieger. Die großen Schiffe warten auf ihre Durchfahrt durch den Kanal.
Am Abend starten wir mit einem leichten Abendessen in die Nacht. Für das übliche Vorkochen war keine Zeit. Noch läuft der
Motor. Doch das wollen wir schnell ändern.
Nach einigen Überlegungen, setzen wir den Spibaum auf Backbord und ziehen die Genua aus. Anfangs noch 5 Knoten schnell, erreichen wir im Laufe der Nacht die berüchtigte Strömung vor der Panamesischen Küste. 2-3
Knoten Strom lassen uns auf 7-8 Knoten Geschwindigkeit beschleunigen. So lässt es sich segeln. So macht das Spaß. Das Groß lassen wir zunächst eingepackt - wollen wir es doch lieber ruhig angehen lassen. Wir fühlen uns super. Doch bei mir sind bereits wieder Flausen im Kopf. Ständig denke ich über Geräusche nach, die ich an Bord wahrnehme. Und auch diesmal liegt mein Instinkt richtig. Irgendwas stimmt mit der Ruderanlage nicht. Als Jonas seine Wache beginnt, geht er der Sache nach. Eine Mutter hatte sich vom Autopiloten gelöst. Bedenklich wackelt der Anschlagspunkt. Jonas wechselt sie durch eine selbstsichernde Mutter aus während ich die Jonny manuell auf Kurs halte. Vor uns segelt die Greji. Schräg hinter uns die Skjioldmoen. Ein schönes Gefühl, nicht alleine zu sein. Das erste Hindernis auf dieser Reise ist geschafft. Es kann weiter gehen!
Mittlerweile ist Mittag und wir sind überwältig, wir viele von euch unsere Reise verfolgen! wir sind echt aufgeregt, was uns noch bevorsteht.
Vorhin mussten wir dem ersten Baumstamm ausweichen. Freunde von uns hatten erst vor wenigen Wochen eine schwere Kollision mit diesem kaum sichtbaren Monstern! Wir bleiben also aufmerksam! Aber brauchen euer Glück!Les mer
Pazifiküberquerung Tag 2
25. april 2024, Nordpazifik ⋅ ☁️ 26 °C
Mittagsposition: 04°56'N 081°35'W
Etmal: (24 h): 137 Seemeilen
Durchschnitt: 5,7 Knoten
Wetter: Sonne und Gewitter
Auf dem Menü: Schnitzel/ Brokkoli mit Kartoffeln
Erkenntnis des Tages: Wir müssen weiter in dem Süden! Wo ist der Wind?
Ich wache auf und bin erstmal verwirrt. Unter mir schnurrt unser Motor vor sich hin. Laut und gleichmäßig. Ich habe die Nacht fast durchgeschlafen. Das Monotone Geräusch übertönt einfach alles andere. Jonas sitzt neben mir und erzählt etwas von Gewittern. Bin mir nicht sicher, ob diese Strategie funktioniert, mich aus dem Bett zu locken und ihn abzulösen. Dann sehe ich, dass unser Satelliten-Nachrichten-Empfänger blinkt. Peter schreibt - es gibt News. Also schalte ich Starlink ein und putze Zähne. Draußen dämmert es bereits und kurz darauf sitze ich neben Jonas und starre in die Gewitterfront, die neben uns vorbeizuziehen scheint. Blitze durchleuchten das Morgengrauen. Kein seltener Anblick in diesen Breiten. Verzichten könnte ich dennoch. Zu groß ist die Gefahr, dass wir getroffen werden und unsere Elektronik zerstört wird.
Wir befinden uns in den Doldrums. Früher muss das schrecklich gewesen sein. Gewitter und kein Wind. Immerhin können wir motoren. Insgesamt 340 Liter haben wir dabei. Knapp 7 Tage motoren. Jetzt gilt es diese kräftesparend einzusetzen, um den Wind südlich der Flaute zu erreichen.Les mer

Doris JägerSchön, aber das hatten wir doch schon? alle warten gespannt auf Tag 3 und 4!😃

Doris Jäger
Eier regelmäßig wenden ist wichtig. das hatten wir vergessen, und dann klebt der Dotter nach 3 Wochen an einem Ende der Schale innen fest… 🙄. Das Ei ist nicht wirklich kaputt, riecht nicht, aber wir haben diese dann doch weggeworfen.
Pazifiküberquerung Tag 3
26. april 2024, Nordpazifik ⋅ ☁️ 28 °C
Mittagsposition: 3°33'N 083°05'W
Etmal: (24 h): 136 Seemeilen
Durchschnitt: 5,7 Knoten
Wetter: Durchwachsen, aber warm
Auf dem Menü: Lasagne
Erkenntnis des Tages: Auf der nächsten Weltumseglung nehmen wir einen Gefrierschrank mit ;-)
Motor an, Motor aus. Motor an. Motor aus. Das Gebiet, das wir durchqueren, wird auch als Kalmen bezeichnet. Das bedeutet ein großes Gebiet von schwach umlaufenden Winden. Mal ist Flaute. Mal leichter Süd, mal leichter Nordwind. Die Nacht sind wir erneut durchmotort. Unsere Strategie heißt lieber noch ein paar Meilen mehr unter Motor anstatt mit 2-3 Knoten durch das Gebiet zu segel-treiben. Gewitter lassen sich leichter umfahren. Auch diese sind typisch für das Gebiet. Gestern ging es mehrere Stunden durch strömenden Regen und teilweise durch Blitze. Zur Sicherheit haben wir alle Navigationsinstrumente ausgesteckt und sind blind gefahren.
Gewitter bringen häufig Wind. Kleine lokale, nicht vorhersehbare Böen und Windfelder. Und diese nutzen wir. Jeden Liter Diesel, den wir sparen können, bedeutet mehr Sicherheit, auf den Marquesas anzukommen. Wer weiß, wo wir noch überall durchmüssen.
Unser Motor hat im übrigen wieder seine Spacken angefangen. Die Drehzahl fällt ab, geht wieder hoch, fällt wieder ab - aus unergründlichen Gründen. Alle Dieselschläuche sind neu. Die Filter sind neu. Alles ist festgezogen. Wir sind ratlos. Mal läuft der Motor 48 h einwandfrei und im nächsten Moment zickt er wieder rum. 20 Minuten und dann läuft er wieder normal. Da hilft nur manuell mit einem kleinen Pumpball Diesel vorzufördern. Das hilft - ist aber anstrengend. Aber keiner hat gesagt, dass diese Überfahrt Zuckerschlecken wird. Als Belohnung gibt es Lasagne (und somit das letzte Mal frisches Fleisch für Jenny und Jonas).Les mer

ReisendeIch finds schwieriger für Vegetarier zu kochen. Jonas und ich essen eben Fisch. Antonia nicht. Das bringt mehr Abwechslung. Und Würstchen halten sich im Kühlschrank auch länger als Gemüse
Pazifiküberquerung Tag 4
27. april 2024, Nordpazifik ⋅ 🌬 27 °C
Tag 4 - 27.04.2024
Mittagsposition: 3°0'N 084°45'W
Etmal: (24 h): 111 Seemeilen
Durchschnitt: 4,6 Knoten
Wetter: Regnerisch windig / Mittags Sonne
Auf dem Menü: Lasagne vom Tag 3 und Salat
Erkenntnis des Tages: Wir müssen einfach positiv bleiben. Leichter gesagt, als getan.
Heute vor 4 Monate sind wir in der Karibik angekommen. Nach 24 Tagen auf See. Voller Freude sind Jonas und ich, gemeinsam mit Laura und Jakob in Martinique in die Bucht eingelaufen, haben den Regenwald gerochen und waren vollkommen glücklich anzukommen.
Was die Tage gemeinsam haben, es regnet in Strömen. Auch damals. Aber eben auch jetzt.
Wir haben eine harte Nacht hinter uns.
Gestern Abend frischte der Wind weiter auf. SSW 18 Knoten. Anfangs versuchten wir weiterhin gegenan zu motoren. Dann gaben wir auf. Der nächste Wegpunkt ist unerreichbar - wir biegen ab. Genua hoch und hart an Wind. Die Genua ist zu groß für solche Winde. Aber nachts bei Starkwind die Segel zu wechseln? Keine gute Idee. Das Groß bleibt eingepackt. Unten scheppert es bereits. Die Rutschdecken konnten weder Mehl noch Paprikakisten aufhalten. Es ist erst der Anfang. Immer wieder werden wir heute Nacht in Wellen donnern. Laut hallt die aufschlagende Welle durchs Boot. Ich versuche zu schlafen. Ich kann aber nicht. Jedes Geräusch beunruhigt mich. Immer wieder stehe ich auf. Sammel heruntergefallene oder klappernde Sachen ein. Lege den Niedergang trocken (eine Welle hat es an Deck geschafft und das Schiebeluk war offen. Kurz darauf sehe ich das Wasser auf dem Kartentisch. Na wunderbar. Das Abwassersystem der Schiebeluk hat das Wasser also nicht nach draußen, sondern ins Boot befördert. Erschöpft lege ich mich wieder hin. Es ist 1 Uhr nachts. Antonia hatten wir längst ins Bett geschickt. Diese Hart-am-Wind-Tage müssen Jonas und ich fahren. Zu groß die Gefahr von Winddrehern und Böen. Zu zweit ist Schlaf in einer Koje sowieso undenkbar. Ich liege eingekeilt zwischen 3 Kissen eher an der senkrechten Wand als auf der Matratze. Jeden Wellenberg spüre ich in meinem Oberkörper. Als ich um fünf aufstehe, bin ich gerädert. Ich löse Jonas ab, wir schauen gemeinsam erneut in die Wetterkarten. Überlegen uns eine Strategie auf Basis von Johannes seiner Nachricht. Nun kauere ich hier unter der Sprayhood und warte, dass sich das Grau der Nacht hebt und vielleicht endlich schöneres Wetter für uns bereit hält.
Einige Stunden später reißt der Himmel auf. Die Wellen werden immer höher, aber dafür scheint die Sonne. Wenn der Wind doch aus der richtigen Richtung kommen würden. Wir wollen doch westwärts. Es bleibt ein Kampf und das bereits so früh auf unserer Reise.Les mer
Pazifiküberquerung Tag 5
28. april 2024, Nordpazifik ⋅ ⛅ 26 °C
Tag 5 - 28.04.2024
Mittagsposition: 02°55'N 086°48'W
Etmal: (24 h): 122 Seemeilen
Durchschnitt: 5,1 Knoten
Wetter: bewölkt
Auf dem Menü: Brokkoli-Paprika-Nudeln
Erkenntnis des Tages: Wir haben einige andere Yachten überholt, welche südlich deutlich weniger Wind vorgefunden haben.
Linkin Park dröhnt in mein linkes Ohr. Der Wind und das Pfeifen des Riggs in mein rechtes. Just hat der Wind wieder zugenommen. 15 Knoten. Die Jonny macht einen Satz über eine Welle und schießt voran. Brüllend segeln wir dahin. Gen Westen. Immer weiter gen Westen. Die Galapagos Inseln kommen näher. Die Meilen purzeln herab. In zwei bis drei Tagen haben wir noch 3000 Seemeilen bis zu den Marquesas. Atlantikdistanz also. Die haben wir ja schon einmal geschafft. Meine Laune hellt sich auf. Erneut haben wir eine anstrengende Nacht hinter uns. Der Strom setzt gegen uns. Der Wind ebenfalls. Immernoch segeln wir so hart am Wind wie möglich. Am Horizont geht die Sonne auf. Schiebt die drohenden Gewitter beiseite. Bringt den Tag und weckt unsere zwei Begleiter auf dem Bug auf. Nachts wohnen mittlerweile immer wieder Seevögel auf dem Bugkorb, nutzen den windigen Ort um ihre Flügel auszuruhen. Doch jetzt erheben sie sich und fliegen wieder Kreise um uns. Begleiten unsere Reise.Les mer
Pazifiküberquerung Tag 6
29. april 2024, Nordpazifik ⋅ ☀️ 25 °C
Tag 6 - 29.04.2024
Mittagsposition: 02°34'N 088°49'W
Etmal: (24 h): 126 Seemeilen
Durchschnitt: 5,2 Knoten
Wetter: Sonne!!!
Auf dem Menü: Nudeln Aioli, Würstchen und Salat
Erkenntnis des Tages: Essen vom Vortag wird übrigens schlecht, wenn man es nicht in Kühlschrank packt.
Es ist mir ein Rätsel, wie wir uns je wieder an die Temperaturen in Deutschland gewöhnen sollen. Heute Nacht hat es 25 Grad. Und wir sitzen in langer Hose und Pulli im Cockpit und frieren. Ich habe heute Nacht mit Decke geschlafen. Sonst hat es ungefähr 29-30 Grad im Schiff. Für euch unvorstellbar, für uns normal. Angenehm. Auch das Wasser hat merklich abgekühlt. Hatte es gestern noch 29 Grad, so steht auch dort jetzt 25 Grad. Wahrscheinlich kommt hier irgendwo eine Tiefenströmung empor und bringt die kalten Wassermassen des Südens mit sich.
Gestern haben wir die Angelsaison eröffnet. Erfolglos. Wir segeln nach wie vor hart am Wind. Vermutlich haben die Fische keine Lust gegen die Wellen zu schwimmen, um sich den Köder zu schnappen. Abends die nächste Ernüchterung. Ich hatte am vorgestrigen Tag für zwei Tage gekocht. Doch die Mahlzeit vom Vorabend ist über Nacht schlecht geworden. Es tut mir immer Leid, Essen wegschmeißen zu müssen. Dass es nun Fische zu essen bekamen, war ein Trost. Kurzerhand schmeiße die alten über Bord und die neuen Nudeln in Topf und serviere sie später Knoblauchöl. Dennoch super lecker :) Danach der schöne Teil des Tages. Tatort am Sonntag. Weder Antonia noch Jonas sind mit Tatort schauen vertraut. Ich feiere eine der ältesten Deutschen TV Serien. Die Folge handelt über Windparks. Jonas sitzt teilweise 10 Zentimeter vor meinem Handy und start gebannt hinein.
Antonia und ich müssen Lachen und so geht ein entspannter Abend zu Ende.
Über Nacht kommen wir gut voran. Die Wetterberichte ändern sich täglich. Aktuell haben wir mehr Wind als vorhergesagt und segeln weiterhin nördlich der Galapagos Inseln entlang. Hoch am Wind bei wenig Welle. Traumhaftes Segeln! Endlich 🥰Les mer
Pazifiküberquerung Tag 7
30. april 2024, Südsee ⋅ ☀️ 25 °C
Tag 7 - 30.04.2024
Mittagsposition: 01°18'N 090°33'W
Etmal: (24 h): 129 Seemeilen
Durchschnitt: 5,4 Knoten
Wetter: Sonne
Auf dem Menü: Auberginen-Burger
Erkenntnis des Tages: Morgen erreichen wir den Äquator
Gestern Nachmittag war ein bombastischer Segeltag. Die Welle ist fast komplett zusammen gefallen und trotz sehr leichter Winde von 6-8 Knoten konnten wir die meiste Zeit des Tages 5-7 Knoten Segeln. Immer noch hoch am Wind, aber dadurch eben schnell. Auch der Strom, der sonst in dieser Gegend eher ostwärts setzt, hat sich zu unserem Vorteil entwickelt und schiebt immer wieder mal mit 0,5 und mal mit 1,0 Knoten in Richtung Paradies.
Die ersten Meilensteine treten in erreichbare Nähe! Die erste Woche ist geschafft, bald knacken wir die 1000 Seemeilen im Kielwasser, morgen werden wir den Äquator überqueren. Die Sonne scheint und somit ist es kein Wunder, dass wir ausgelassener Stimmung sind. Was sagt unser Kalender? Spielenachmittag - doch vorher müssen wir Frühjahrsputz machen. Das Boot schaut aus wie ein Schlachtfeld. Überall liegt Zeug herum. Teilweise von der Welle dort hingeschubst, teilweise waren wir wohl einfach zu faul gegen den Seegang anzukämpfen und es aufzuräumen. 1,5 h später sitzen wir in unserem vor Sauberkeit blinkenden Cockpit, verspeißen Kekse und trinken einen Besan-Schot-an Rum. Auf See wird nicht getrunken. Aber ein Schluck Rum nach dem Großreinschiff gehört dazu.
Abends geht der Kampf "Jonas gegen die Seetölpel" in die nächste Runde. Schon am Abend zuvor hatte er mithilfe von Seilen und einem Fender versucht, die Tiere davon abzuhalten, den Bugkorb als neues Zuhause oder eher als Toilette anzusehen und voll zu kacken. Mittlerweile werden die Tiere immer weniger schreckhaft, selbst mit lautem Geschrei und Händegefuchtel erreicht Jonas lediglich einen Lachkrampf bei Antonia und mir und aufgeregtes Geschnattere im Bug. Wegfliegen tun sie jedoch nicht. Lachend beobachten wir, wie 4 Vögel nebeneinander sitzen und die schwingende Fenderkugel ihnen immer wieder den Hintern versohlt und sie dann eben nicht die Kugel, sondern ihren Nebenmann dafür verantwortlich machen.
Schicksal.
Schicksal ist wohl auch der Wind. Eigentlich schreibe ich meist morgens meine Texte. Doch hier ein kleiner Nachtrag: Wir segeln das erste Mal seit vielen Monaten unter Gennaker. Halbwind. 7 Knoten. Traumhaft! Noch 70
Meilen bis wir die Nordspitze Galapagos' erreichen!Les mer
Pazifiküberquerung Tag 8
2. mai 2024, Südsee ⋅ ☀️ 23 °C
Tag 8 - 01.05.2024
Äquatorüberquerung: 00°00,0'N/S 091°55,0'W
Erkenntnis des Tages: Heute ist Äquatortaufe!
Es ist früh am Morgen. Der Himmel färbt sich bereits rötlich. Und ich sitze im Cockpit und male fleißig Urkunden. Ich bin etwas ratlos. Ich bin die einzige an Bord, die bereits den Äquator überquert hat. Mehrmals sogar. Aber Jonas und Antonia waren noch nie auf der südlichen Hemisphere. Antonia freut sich seit Tagen auf den neuen Sternenhimmel ;-)
Meine Gedanken rattern. Ich brauche Namen! Dann sehe ich am Horizont Galapagos aus dem Nebel ragen. Das erste Mal Land seit über einer Woche. Das letzte Mal Land für drei weitere Wochen!
Ich färbe mir im Morgengrauen die Haare. So ganz ohne Deko wollen wir das ganze ja nicht vonstatten gehen lassen. Noch 10 Seemeilen. Die ziehen sich. Jonas und Antonia schlafen. Ich brauche immer noch Namen. Sonst suche ich Namen im Fisch-Erkennungsbuch. Diesmal beschließe ich Ozeanfische zu verwenden. Mhmm. Das Buch zeigt nur Riff-Fische.
Huch? Was ist denn da? Da schaut mich was schwarzes aus dem Wasser an? Nicht aus dem Buch. Aus dem Meer! Ein Seehund!! sich brülle ins Boot! Seehunde! Ganz dicht sind sie. Spielen und winken uns zu. Ja, sie winken! Mit ihren Bauchflossen wedeln sie in der Luft. Erst jetzt fällt mir auf, dass meine blauen Haare keine Überraschung mehr sind. Ein bisschen traurig, warte ich bis die beiden wieder im Bett sind. Zurück zu meinen Namen.
Ich überlege, was wir bereits so gefangen haben. Was wir so gesehen und gehört haben. Dann endlich habe ich Namen.
Noch 1 Meile. Ich bereite das Getränk zum Anstoßen vor. Eigentlich was ekliges. Ich beschließe die beiden zu überraschen. Mit etwas leckerem. Orangensaft (kühl gestellt) und Grenadinensyrup.
Noch 0,5 Meilen. Ich drehe die Musik laut auf. "Drunken Sailor" dröhnt durch die Jonny. Take him and shake him and try to awake him! Ich brülle - noch 0,2 Meilen. Sputet euch!
Ich stelle unsere Windanzeige um. 00 Grad 00,194' N steht dort. Bei 00,005 beginnen wir runter zu zählen. Die Jonny ist fast vollkommen aufgestoppt. Langsam fallen die Zahlen. Und dann steht da tatsächlich
*00°00,000'N*
und einen kurzen Moment später:
*00°00,000'S*
Das Rätsel ist gelöst. So oft habe ich mich auf den Tankern gefragt, was da wohl stehen mag, wenn man langsam über den Äquator "fällt". Nord oder Süd?
Wir beglückwünschen uns. Und dann darf ich die beiden Taufen. Heute wird erst getauft und dann gereinigt. Warum? Sehr ihr gleich. Ich taufe erst Jonas auf den pazifischen Südseenamen Wahoo und anschließend Antonia auf den Namen Marlin!
Dann wird angestoßen, Foto gemacht und schließlich tauft auch Jonas mich auf den Namen Mahi-Mahi. Die Namen werden uns an diese Reise erinnern!
Wir stoßen an auf das Betreten der südlichen Hemisphäre, auf das Erreichen der ersten 1000 Seemeilen im Pazifik und auf die Zeit, die noch kommen mag!
Doch dann wird Jonas nervös. Er hat den Fender, den wir seit geraumer Zeit hinter uns herschleppen bereits gesehen. Ein kleiner Sprung und Wasser spritzt in alle Richtungen. Gefolgt von Antonia und mir. Die Jonny liegt mit geborgenen Segeln und gestoppten Motor da und wartet darauf, dass wir uns ausgetobt haben. Klar sieht man den Kiel unter uns. Das Wasser schimmert in der Morgensonne. Tiefblau und erfrischend. 24 Grad. Was für ein Morgen! Schöner könnte man sich das doch nicht vorstellen. Wie im Märchen. Als wir weiter motoren, tauchen Delfine auf. Wild springen sie übers Wasser. Sie jagen. Deshalb kommen sie wohl nicht näher. Aber die Kunststücke können wir trotzdem betrachten. Bis zu 3 m schießen die Körper aus dem Wasser und lassen sich zurück auf die Oberfläche klatschen. Wieder und wieder. Bis sie in der Ferne am Horizont verschwinden. Wir sind wieder allein. Nur wir drei, die Jonny und 3000 Seemeilen bis zu den Marquesas.
Mittagsposition: 00°08,0'S 091°59,0'W
Etmal (24h): 125 sm
Durchschnitt: 5,2 knLes mer
Pazifiküberquerung Tag 9
3. mai 2024, Südsee ⋅ 🌙 25 °C
Tag 9 - 02.05.2024
Mittagsposition: 01°51'S 093°20'W
Etmal: (24 h): 132 Seemeilen
Durchschnitt: 5,5 Knoten
Wetter: Sonnig, leider ohne Wind
Auf dem Menü: Lauch Quieche
Den gestrigen Tag motoren wir durch die See. Jonas merkt an, dass wir scheinbar unter Motor nie Fisch fangen. In genau dem Moment starre ich auf die Angel. Die Leine spannt sich und ein Ruck geht durch die Angelrute. Im gleichen Moment ruckt auch die Handleine. Scheppernd machen die Dosen uns darauf aufmerksam, dass etwas angebissen hat. Schnell springe ich nach hinten. Jonas packt die Angel und ich die Leine. Nach einem weiteren Ruck, merke ich dass kein Zug mehr auf meiner Leine ist. Schnell hole ich sie ein und stelle erleichtert fest, der Köder ist noch da. Ein verlorener Köder bedeutet meist, dass ein Fisch fortan mit Haken im Maul leben muss. Wahrscheinlich in den meisten Fällen wird er nicht lange überleben. Deshalb geben wir alles, um so etwas zu vermeiden.
Jonas kämpft mit dem Fisch. Uns wurde der Tipp gegeben Fahrt zu reduzieren. Für uns hat sich das nicht als gute Wahl entpuppt. Der Fisch bekommt dadurch viel mehr Spielraum, kann in die Tiefe und unters Boot schwimmen. Somit gebe ich wieder Gas und ziehe dadurch den Fisch zurück an die Oberfläche. Schnell ist er auf die Badeplattform gezogen und wenig später hängt er mit der Schwanzflosse nach oben und wartet auf das Filitiermesser.
Ein Thunfisch - ein sogenannter Skipjack. Laut unseren Freunden ein wenig wohlschmeckender Fisch. Na mal sehen. Abends steht jedoch bereits Quieche auf dem Speiseplan. Dafür werden wir mit ein wenig Wind belohnt. Endlich wieder Segeln. Zwar nur wenige Stunden, aber jeden Meter, den wir segeln können, macht mir mehr Freude als jeder Liter Diesel, den wir hier verbrauchen, um durch die Kalmen zu gelangen.
Insgesamt kommen wir gut voran. Unsere Freunde, die bereits knapp zwei Wochen vor uns gestartet sind, sind nur noch 1000
Meilen vor uns. Mal sehen, wie weit wir noch aufholen können! Und mal sehen, was der heutige Tag noch so mit sich bringt.Les mer
Pazifiküberquerung Tag 10
4. mai 2024, Südsee ⋅ ☁️ 26 °C
Tag 10 - 03.05.2024
Mittagsposition: 03°31'S 095°09'W
Etmal: (24 h): 150 Seemeilen
Durchschnitt: 6,25 Knoten
Restmeilen bis Marquesas: 2700 Sm
Wetter: Regen
Auf dem Menü: Reste-Essen und Obst
Ich wache noch vor dem Wecken auf. Normalerweise weckt Jonas mich jeden Morgen, sobald er müde wird. Manchmal um 5, manchmal um halb 6. Danach gehe ich so lange Wache, bis die anderen beiden ausgeschlafen sind. Manchmal bis 10, manchmal bis 12.
Als Jonas in unsere Kammer kommt, versuche ich herauszufinden, was mich geweckt hat. Was war das? Da! Wieder ein Geräusch. Ein Fiepen. Wir segeln - vielleicht also ein quietschender Block? Beim nächsten Fiepen bin ich mir sicher. Ich ruf Jonas zu. Da draußen sind Delfine! Er geht wieder hinaus und kurze Zeit später kommt: Komm schnell, sie leuchten!
Gemeinsam krabbeln wir an den Bug und starren in die Wellen. Und da springen sie, spielen mit unserem Bugwasser und das wichtigste: Sie leuchten! Blau schimmernd zeichnen sich ihre Körper gegen das pechschwarze Wasser ab. Warum? Biolumineszenz. Sie wird angeregt durch Bewegung des Wassers. Das Schiff, das durchs Meer fährt. Blaue Punkte. Die Wellen, die sich brechen. Mit blauen Striemen durchzogen. Und Delfine, die durch die Wogen jagen. Blau ummalt. Schnell wecke ich Antonia. Gebannt starren wir in die Wellen.
Erleben das Schauspiel. Wir sind schnell. 6,5 Knoten. Die Jonny springt übers Wasser, gemeinsam mit diesen wunderschönen Tieren. Wir hören sie fiepen. Es klingt, wie Freudengeschrei. Freudengeschrei im Morgenrot.Les mer
Pazifiküberquerung - Tag 11
5. mai 2024, Südsee ⋅ 🌬 27 °C
Tag 11 - 04.05.2024
Mittagsposition: 04°40'S 096°52'W
Etmal: (25 h): 126 Seemeilen
Durchschnitt: 5,0 Knoten
Restmeilen bis Marquesas: 2532 sm
Wetter: Sonne und Wolken
Auf dem Menü: Gulasch mit Semmelnknödel und Blaukraut!!
Wir sind am schlemmen! Jonas und ich freuen uns seit Wochen auf diesen Tag. Schon während dem Karibik-Crossing habe ich das Gulasch erwähnt. Seither schwirrt es in meinem Hinterkopf herum. Bis gestern. Die Semmelknödel haben wir seit Deutschland an Bord. Ebenso das Blaukraut (Rotkohl für die Preußen). Ein wahres Festessen! Ein kleines bisschen Heimat mitten auf dem Ozean!
Wir haben den Wind erreicht! Stärker als gedacht bläst er uns weiter Richtung Westen. Unser Kurs verläuft zwar immer noch mit südlicher Tendenz. Den stärkeren Winden entgegen, weg von den Flautezonen, aber immer mehr haben wir das Gefühl in Richtung Westen unterwegs zu sein. Dem eigentlichen Ziel entgegen!
Gestern dann die Ernüchterung. Schaut das aus wie ein Gewitter? Die Wetterkarten bestätigen die Vermutung. Südlich von uns zieht langsam eine riesige Gewitterzelle gen Westen. Wir gehen auf Kurs West und erst einige Stunden später als der Himmel deutlich aufklart, zurück auf Kurs SW. Es regnet immer wieder, den ganzen Tag. Erstmals müssen wir auch tagsüber Wachen einteilen. Man kann schlicht und einfach nicht draußen sein. Zu kalt, zu nass. Jeder verbringt den Tag für sich - mit Lesen, Musik oder Hörbuch hören und hoffen auf mehr Sonne am kommenden Tag.
Doch gerade als ich hier im Cockpit sitze, sehe ich zwar Morgenrot, aber die gleichen Unheil versprechenden Wolken am Horizont. Vor uns ist es tiefschwarz. Nur über uns strahlt der
Mond und einige Sterne blinken übers Firmament.Les mer
Pazifiküberquerung Tag 12
6. mai 2024, Südsee ⋅ 🌬 27 °C
Tag 12 - 05.05.2024
Mittagsposition: °'S °'W
Etmal: (24 h): 147 Seemeilen
Durchschnitt: 6,1 Knoten
Restmeilen bis Marquesas: 2385 sm
Wetter: Bewölkt
Auf dem Menü: Wraps mit Auberginen, Tomaten, Guacamole, Nudeln & Ananas
Der gestrige Nachmittag verläuft ruhig. Denke ich. Die See ist halbwegs erträglich. Der Wind ein wenig schwach, so dass wir langsamer vorankommen als erwartet. Auch der Strom ist nicht vorhanden. Wurden uns nicht sogar 2 Knoten Strom versprochen? Die Fahrt durchs Wasser Anzeige zeigt den gleichen Wert wie die Fahrt über Grund Anzeige. Kein Strom. Nun gut.
Aus unserem täglichen Positionsaustausch mit mehreren anderen Yachten - wir nennen uns die _Pacific Fleet_ wissen wir, dass die Segelyacht Whirlwind nur 50 Meilen hinter uns liegt. Wenn wir weiter nur 5 Knoten segeln, holt sie uns am Ende noch ein. Zwar kein Wunder, ist sie doch 3 Meter länger, aber kampflos wollen wir uns nicht geschlagen geben.
Wir beschließen, die letzten vollen Dieselkanister aus den achterlichen Backskisten in den Tank umzufüllen. Das nimmt Druck aus dem Achterschiff. Im Seegang leichter gesagt als getan. Überall verkeile ich Fässer und Kisten, Seile und Gedöns, um an die schweren Kanister heranzukommen.
Endlich gluckert der erste Diesel in den Tank. Gerade als die letzten Tropfen in den Trichter fallen, höre ich ein Zirren hinter mir. Die Angel. Natürlich. Mit der einen Hand halte ich den Trichter, mit der anderen die Bremse der Angel. Wollen wir dem Fisch doch nicht zu viel Leine geben. Antonia springt auf und eilt mir zur Hilfe während Jonas den Dieselkanister verschließt und auf die Plattform springt. Schnell das Sicherungsseil umgelegt, holt er bereits an der Leine. Ich habe einen Moment Zeit, und während ich den Alkohol und das Messer vorbereite, fällt mein Blick auf unsere Handleine. Ohje. Die ist ja unter Spannung. Behutsam ziehe ich daran. In 20 Meter Entfernung springt ein aufgebrachter Fisch umher! Leute, da hängen zwei Fische an den Leinen. Meter um Meter holen wir sie dichter heran. Bis sie irgendwann natürlich sich ineinander verwickeln. Mühsam gelingt es uns Fisch 1 anzulanden. Schnell betäubt und getötet, halte ich ihn fest. Jonas und Antonia ziehen den zweiten in die Nähe. Nach schneller Überlegung beschließen wir, Fisch Nummer 2 sein Leben zu schenken. Es ist zu viel für uns zum Essen. Gerade als Jonas den Haken greifen will, macht der Fisch einen letzten Sprung und ist frei. Schnell verschwindet er in der Tiefe. Wir schauen seiner schimmernden Flosse hinterher und hoffen, dass er sich vom Schock erholt.
Der Mahi Mahi ist schnell ausgenommen und filetiert. Lecker. Weißer Fisch schmeckt am besten! Zurück zum Diesel. Warum auch alles auf einmal Geschehen muss. Drei weitere Kanister fließen in den Tank. Dann schließe ich den Stutzen, verstaue die leeren Kanister und falle erschöpft auf die Backskiste. Jetzt erstmal Duschen.Les mer
Pazifiküberquerung Tag 13
7. mai 2024, Südsee ⋅ 🌬 27 °C
Tag 13 - 06.05.2024
Mittagsposition: 05°07'S 101°49'W
Etmal: (24 h): 153 Seemeilen
Durchschnitt: 6,4 Knoten
Restmeilen bis Marquesas: 2245
Wetter: Stürmisch bewölkt
Auf dem Menü: Ofengemüse mit Mahi Mahi
Eine Welle katapultiert mich vom Sofa. Hätte ich nicht sowieso schon mit einem ausgestreckten Bein geschlafen, wäre ich wohl hart auf dem Boden im Salon aufgeschlagen. Ich höre die Töpfe im Schrank poltern. Verwirrt stehe ich auf. Wieder ein Querschläger. Die Wellen sind hoch und steil. Sie kommen schräg von der Seite und immer wieder lassen sie unser Boot aus dem Ruder laufen. Quer zur Welle geraten. Immer wieder krängen wir stark auf die Seite bis die Welle sich unter uns durch geschoben hat und wir uns ruckartig aufrichten und dann an der Rückseite der Welle in die andere Richtung Krängen. Ich habe die Nacht schlecht geschlafen. Die anderen wahrscheinlich ebenfalls. Unser Segel ist gerefft, verkleinert. Der Wind steigt immer wieder auf die 25 Knoten hinauf. Zu viel Wind für unser Leichtwindsegel. Es ist 04:44 Uhr. Es macht keinen Sinn, sich nochmal hinzulegen. Und so stehe ich auf und löse Jonas von seiner Wache ab. Die Nacht ist dunkel. Nur die Milchstraße leuchtet am Himmel. Hinter uns türmen sich dicke Wolken auf. Ein weiteres Unwetter? Ich seufze. Ob wir irgendwann auf dieser Reise mal für mehr als 2 h angenehmes Segelwetter haben werden? Ich wage es zu bezweifeln. Und so sitze ich nun im Cockpit, halte mich fest und werde dennoch immer wieder hin und hergestoßen. Ein Ende ist nicht in Sicht.Les mer
Pazifiküberquerung Tag 14
8. mai 2024, Südsee ⋅ 🌬 27 °C
Tag 14 - 07.05.2024
Mittagsposition: 05°25'S 104°39'W
Etmal: (24 h): 167 Seemeilen (Rekord!!)
Durchschnitt: 7,0 Knoten
Restmeilen bis Marquesas: 2075 sm
Wetter: Sonnig
Auf dem Menü: Mahi Mahi / Grillkäse mit Reisnudeln und Paprika-Sahne-Sauce
Ich kann es kaum glauben, aber wir sind nun mehr schon zwei ganze Wochen auf See. Zwei Wochen ohne festen Boden. Ohne Kontakt zu anderen Menschen. Ohne andere Boote auch nur gesehen zu haben.
Ich bereite meine morgendliche Nachricht an die "Pacific Fleet" vor. Die Segelyachten Miraflores, Imagine, Jaleo Primero, Whirlwind, Jamesby, Lella und Kaikoa sind im
Umkreis von 200 Seemeilen und haben mit uns das gleiche Ziel - die Marquesas. Allmorgendlich schicken wir uns einander
Positions- und Wetterupdates, teilen unsere Sorgen und unsere Freuden miteinander. Ein Boot nach dem anderen hat den Äquator überquert. Ein Boot nach dem anderen wird in den nächsten Tagen die Halbzeit erreichen. 2000 Seemeilen bis zum Ziel. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, man ist nicht allein. Da haben andere genau mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Die einen haben stärkeren Strom gegen an. Die anderen zu leichte Winde. Oder wir - zu hohe Wellen. Der Pazifik muss sich definitiv erarbeitet werden. Ich kann mich nicht erinnern, wer meinte, der Pazifik sei der entspanntere Atlantik, aber das können wir Stand heute nicht bestätigen.
Gestern Nachmittag kam zumindest endlich mal die Sonne heraus. Lädt nicht nur unsere Batterien, sondern auch meinen Energiehaushalt wieder auf. Den brauche ich auch, denn auch wenn es die Videos nicht zeigen, bockt die Jonny zwischenzeitlich wie ein gestandener Rodeobulle. Unkontrolliert und vor allem unvorhersehbar. Ich habe wohl noch nie in meinem Leben so oft geflucht, wie bei diesem Abendessen. Eingekeilt zwischen den Schränken versuche ich meine Tomate auf dem Küchenbrett zu halten. Sobald sie geschnitten ist, beginnt sie auch schon sich über die komplette Anrichte zu verteilen. Schnell in die Pfanne. Der Herd ist kardanisch aufgehängt. Das bedeutet er schwingt mit. Zumindest das Schaukeln kann er ein wenig ausgleichen - führt allerdings dazu, dass die Pfanne und der Topf immer wieder unter dem Küchenschrank verschwinden. Ich passe den Moment ab, dass die beiden bei mir vorbeikommen und schmeiße schnell die Tomaten hinterher. Kochen ist wie jonglieren. Gleichzeitig die Gedanken bei Töpfen, Deckeln, Schüsseln und Messern haben. Wo kann ich was abstellen, damit es nicht im nächsten Moment schon durch die Gegend fliegt. Wieder einmal schwöre ich mir - "Morgen gibt es Nudeln mit Pesto"! Wahrscheinlich nicht. Am Ende schaffe ich es dann doch irgendwie den angebratenen Fisch, den Topf mit Nudeln, die Pfanne mit Sauce ( die mit jeder Welle überzulaufen droht) und den Grillkäse für Antonia ins Cocpit zu befördern. Wir gehen das Risiko ein. Mal sehen, ob wir von einer Welle getroffen werden. Doch wir bleiben verschont. Der Geschmack des Essens lässt mich die Strapazen der Zubereitung vergessen.
Lecker :) Zum Nachtisch noch ein Stück Bananenkuchen und dann falle ich auch schon bald in einen weiteren unruhigen Schlaf.
Heute morgen ist die Welt schon rosiger. Die Sonne scheint. Die Wellen schmeißen uns nur noch alle 20 Minuten komplett aus der Bahn. Wir kommen etwas langsamer voran, aber dafür ruhiger! Dafür haben wir einen Jonny Rekord für die letzten 24 h aufgestellt - 7,0 Knoten im Schnitt! Und das nur unter einem Vorsegel! 😎😎😎Les mer
Pazifiküberquerung Tag 15
9. mai 2024, Südsee ⋅ 🌬 27 °C
Tag 15 - 08.05.2024
Mittagsposition: 05°36'S 107°21'W
Etmal: (25 h): 165 Seemeilen
Durchschnitt: 6,6 Knoten
Restmeilen bis Marquesas: 1910 sm
Wetter: Sonnig / Bewölkt
Auf dem Menü: Pizza 🍕
Auf dem Atlantik hatten wir ab 1000 Seemeilen to go, das Gefühl, dem Ende näher zu kommen. Die Seemeilen purzelten Tag für Tag hinab, dem Ende, der 0 entgegen.
Auf dem Pazifik setzt dieses Gefühl bereits bei 2000 Seemeilen ein. Haben wir doch gestern Abend die Hälfte geschafft. Streckenmäßig. Wann wir ankommen, steht noch in den Sternen. Doch das Ziel rückt langsam in erreichbare Nähe. Die Wellen sind nach wie vor anstrengend. Doch die Sonne scheint und es ist längst Alltag eingekehrt. Jonas und ich finden endlich die Energie, um unsere jeweiligen Projekte anzugehen. Nähen, Elektrik, das übliche. Unser Schiff muss schöner werden! Wir haben Spaß daran, die Jonny immer weiter an unseren Alltag und an unsere Bedürfnisse anzupassen!Les mer
Pazifiküberquerung Tag 16
10. mai 2024, Südsee ⋅ 🌬 27 °C
Tag 16 - 09.05.2024
Mittagsposition: 05°35'S 109°54'W
Etmal: (24 h): 152 Seemeilen
Durchschnitt: 6,3 Knoten
Restmeilen bis Marquesas: 1767 sm
Wetter: Durchwachsen
Auf dem Menü: Würstchen / Gemüse Pfanne
Nähen bei 2 m Welle. Für manch einen scheint das unvorstellbar, aber ich hatte einfach keine Lust darauf zu warten, dass die Welle weniger wird. Seit Tagen spiele ich in Gedanken an meinen Nähprojekten herum. Gestern morgen erst habe ich per Hand einen neuen Kissenbezug für das letzte Kissen unter Deck genäht. Es ist genug Stoff übrig und so stecke ich mit ein paar Nadeln den Bezug für unser "Chefkissen" ab.
Wer bereits mal versucht hat 4 Stunden auf einer harten Bank zu sitzen, der weiß, warum wir ein Chefkissen haben. Nachtwachen sind einfach deutlich angenehmer, wenn einem der Sitzknochen nicht schmerzt.
Mittags ist es so weit. Rutschdecke vorbereitet. (Eine Art Stopper-Socken-Tische-Decke) und dann wühle ich mich zu meiner Nähmaschine vor. Mittlerweile wohnt sie im Kleiderschrank. Jonas hat mittlerweile so viele Laderegler und Kabel darin verbaut, dass wir ihn sowieso nicht mehr für Klamotten nutzen. Seitdem hat meine Nähmaschine Einzug gefunden. Wenn man bei Seegang einen Schrank öffnet, braucht man am besten 5 Arme. Schrank aufhalten. Sachen in 3 Fächern davon abhalten, den Schrank zu verlassen und die Sachen herausholen, die man tatsächlich braucht. Mit zwei Armen, schlägt die Schranktür eben rythmisch hin und her. Die Sachen kommen einem meist schon entgegen und man benutzt Hüfte und Bauch, um alles vorm endgültigen Herausschießen zu hindern. Geschafft. Die Nähhmaschine steht. Jetzt sitze ich mit einem Bein eingekeilt und mit dem anderen nach Steuerbord abstützend an der Maschine. Der Stoff ist bereits wieder vom Tisch gefallen. Mühsam beuge ich mich hinunter. Gar nicht so leicht aus meiner Yoga-Sitzweise heraus. Und hebe direkt auch noch die Garnrolle mit auf, die an meinem Ohr vorbeigesegelt kommt. Endlich ist alles an Ort und Stelle und ich nähe rythmisch mit der Welle mal langsam mal schnell über den Stoff. Eine große Welle packt die Jonny. Schnell halte ich Garn, Maschine und mich selbst fest. Und weiter geht's. Nähen erfordert höchste Konzentration. Und ohne mindestens einmal pro Minute laut zu fluchen ist es kaum
möglich, einen Kissenbezug zu nähen, aber es hat sich gelohnt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen!Les mer
















































































































